Bei den Bewerbungen, welche an den Direktor der Hoch⸗ schule für die bildenden Künste zu Berlin zu richten sind, sind folgende Schriftstücke denee hhn
1) ein vom Bewerber verfaßter kurzer Lebenslauf,
2) amtliche Zeugnisse über die Absolvierung der aka⸗ demischen Studien und über Führung, Fleiß und Befähigung des Bewerbers. Erforderlichen Fa aben die Bewerber diesen Nachweis durch Vorlage ihrer Studienarbeiten oder durch Probearbeiten vor dem Direktor der Königlichen aka⸗ demischen Hochschule für die bildenden Künste zu Berlin zu führen. (§ 6.) G
Die Stipendiaten sind verpflichtet, über ihren Aufenthalt und ihre Tätigkeit an den Direktor der Königlichen aka⸗ demischen Hochschule für die bildenden Künste zu Berlin quartaliter Bericht zu erstatten und außerdem mit Ablauf des zweiten Quartals an die Königliche akademische Hochschule für die bildenden Künste eine Studienarbeit mäßigen Um⸗ angs (entweder eine Studie nach der Natur oder eine Kopie nach einem hervorragenden Werk der älteren Kunst) einzu⸗ liefern, welche Eigentum derselben wird. (§ 10.)
Bei man Fleiß oder schlechter Führung des Stipendiaten kann demselben das Stipendium durch das Kuratorium entzogen werden. (§ 11.) .
Das Stipendium beträgt ca. 1700 ℳ und wird für die Zeit vom 29. Dezember 1905 bis dahin 1906 verliehen.
Geeignete Bewerber haben ihre Gesuche mit den in vor⸗ stehendem geforderten Attesten bis zum 15. Oktober d. J. an den v Vorsitzenden des Kuratoriums einzureichen.
Berlin, den 28. Juli 1905.
Der Vorsitzende des Kuratoriums der „Adolf⸗Ginsberg⸗Stiftung”“: A. von Werner, Direktor der Königlichen akademischen Hochschu für die bildenden Künste.
Bekanntmachung.
Nach Vorschrift des Gesetzes vom 10. April 1872 (Gesetzsamml. S. 357) sind bekannt gemacht: 8
1) das am 10. März 1905 Allerhöchst vollzogene Statut für die Genossenschaft zur Entwässerung des Noktenteichs im Kreise Rössel durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Königsberg Nr. 15 S. 151, ausgegeben am 13. April 1905;
2) das am 6. Mai 1905 Allerhöchst vollzogene Statut für die Entwässerungsgenossenschaft zu Deuthen im Kreise Allenstein durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Königsberg Nr. 26 S. 373, ausgegeben am 29. Juni 1905; 118
3) das am 22. Mai 1905 Allerhöchst vollzogene Statut für die Genossenschaft zur Regulierung der Aglonen zu Schnaugsten im Kreise Memel durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Königsberg Nr. 25 S. 350, ausgegeben am 22. Juni 1905; I
4) das am 22. Mai 1905 Allerhöchst, vollzogene Statut für die Genossenschaft zur Regulierung der Drewenz zwischen Hirschberg und dem Drewenzsee zu Osterode i. Ostpr. durch das Amtsblatt der König⸗ lichen Regierung zu Königsberg Nr. 25 S. 353, ausgegeben am 22. Juni 1905;
5) das am 22. Mai 1905 Allerhöchst vollzogene Statut der Ent⸗ wässerungsgenossenschaft für die Störwiesen zu Willenscharen im Kreise Steinburg durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Schleswig Nr. 26 S. 229, ausgegeben am 1. Juli 1905;
6) der Allerhöchste Erlaß vom 15. Juni 1905, betreffend die Verleihung des Enteignungsrechts an den Kreis Bergheim zur Ent⸗ zichung und zur dauernden Beschränkung des zum Bau und Betrieb einer Kleinbahn von Blatzheim nach Ober⸗Bolheim in Anspruch zu nehmenden Grundeigentums, durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cöln Nr. 27 S. 187, ausgegeben am 5. Juli 1905.
Nichtamtliches.
Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 28. Juli. 6 8
Der Oberstaatsanwalt des Kammergerichts, Geheime Ober⸗ fuftigrat Wachler hat mit mehrwöchigem Urlaub Berlin ver⸗ a
11
Laut Meldung des „W. T. B.“ ist der heimkehrende Transport der abgelösten Besatzungen des Kreuzer⸗ geschwaders mit dem Truppentransportdampfer „Rhein“ estern in Port Said eingetroffen und hat an demselben Tage ie Reise nach Bremerhaven fortgesetzt.
Der Transport der abgelösten Besatzung von S. M. S. „Bussard“ hat gestern mit dem Dampfer „Präsident“ von Daressalam aus die Heimreise angetreten und geht zunächst über Zanzibar nach Tanga.
E. M. S. „Sperber“ ist am 26. Juli in Kamerun ein⸗ getroffen. 1 b
S. M. Flußkanonenboot „Vorwärts“ ist gestern von
8 Kiukiang nach Hankau abgegangen.
Ihre Kaiserlichen
27. Juli. (W. T. B.) — und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kron⸗ prinzessin sind heute abend 8 ½ Uhr hier eingetroffen und
haben sich nach dem Marmorpalais begeben.
8* Deutsche Kolonien.
Ein Telegramm aus Windhuk meldet: 1
Am 20. Juli 1905 wurden beim Ueberfall einer Kolonne bei Sees⸗Kamelbaum verwundet: Reiter Valentin Jan aszak, eboren am 6. 2. 80 zu Roguschin, früher im Feldartillerieregiment r. 9, Schuß in den rechten Oberschenkel; Reiter Hermann Laubsch, geboren am 1. 12. 79 zu Forst i. L., früher beim Bezirkskommando Guben, Schuß in den rechten Oberschenkel.
Reiter Eugen Krantz, geboren am 11. 12. 83 zu Hohengöft, früher im Feldartillerieregiment Nr. 15, ist am 22. Juli 05 in der Krankensammelstelle Gochas an Typhus gestorben.
Oesterreich⸗ungarunu.
Der ungarische Minister des Innern Kristoffy empfing estern eine Deputation des sozialdemokratischen Parteiv erbandes und erklärte, er würdige die Be⸗ strebungen der Arbeiterschaft, ihr Los zu verbessern, sehr und halte die Forderung des allgemeinen Schener Stimmrechts als eines Mittels, ihre gesellschaftliche Lage zu verbessern, für
“ E1“ 14“ 8 . 1“ 11““ 9 8
durchaus berechtigt. Die Berücksichtigung weiterer Schichten bei der Wahlrechtsreform sei eine Vorbedingung, um wirt⸗ schaftliche und soziale Reformen unter Mitwirkung der vor⸗ wiegend beteiligten Kreise durchzuführen; gleichzeitig würde eine solche Wahlrechtsreform die Folge haben, daß die un⸗ fruchtbaren staatsrechtlichen Kämpfe ein Ende nähmen. Der Minister fügte hinzu, er müsse betonen, daß er nicht als Minister spreche, da er als Mitglied des außerhalb der Parteien stehenden Kabinetts nicht die Macht besitze, diese Idee im Parlament zu verwirklichen.
Großbritannien und Irland.
In der gestrigen Sitzung des Oberhauses beantragte, wie „W. T. B.“ berichtet, der Herzog von Devonshire eine Resolution, die die Politik eines Generaltarifs und der auf Nahrungsmittelzölle gegründeten Bevorzugung der Kolonien verwirft. Er beklagte sich über die Zweideutigkeit der Zollpolitik der Regierung und über die politischen Beziehungen zwischen Balfour und Chamberlain und sprach die Meinung aus, daß die Regierung bei den allgemeinen Wahlen eine Niederlage erleiden werde. Er fragte ferner, ob die Regierung beab⸗ sichtige, ihre eigene Politik zu verfolgen oder ob sie zugeben wolle, daß ihre eigene durch die Chamberlainsche Politik verdrängt werde, die eine ganz andere sei. Sir Robertson drängte auch die Regierung, eine deutliche Erklärung abzugeben; denn, wenn sie dies nicht tue, werde es der voll⸗ ständige Ruin der konservativen Partei sein. Der Lordpräsident des Geheimen Rats Marquis of Londonderry verteidigte Balfours Politik und sagte, wenn die Nahrungsmittelzölle überhaupt in Frage kämen, werde er nicht länger Mitglied der Regierung bleiben. Der Marquis of Lansdowne wiederholte die früher abgegebenen Erklärungen der Regierung, sagte aber nichts Neues. Schließlich wurde der Antrag auf unbestimmte Vertagung der Verhandlung, der von der Regierung unterstützt war, mit 121 gegen 57 Stimmen angenommen.
In der gestrigen Sitzung des Unterhauses kritisierten bei der Beratung des Budgets des Kolonialamts die Redner der Opposition die neue Verfassung Transvaals und sprachen sich dafür kaus, der Kolonie ausgedehntere Machtbefugnisse zu geben. Der Staatssekretär der Kolonien Lyttelton erklärte, es sei die Absicht der Regierung, nach und nach die Sehesg. der Rassen auszu⸗ gleichen, und wenn man der Kolonie zu einer Zeit, wo die durch den Krieg hervorgerufene Stimmung noch vorherrschend gewesen sei, größere Machtbefugnisse gegeben hätte, fo würde der Gegensat der Rassen noch verschärft worden sein. Zur Unterstützung seiner Ausführungen wies ” das Vorgehen der Burenvereinigung „Het Volk“ in der letzten
eit hin.
Das „Reutersche Bureau“ erfährt aus London, die Nachricht, daß das englische Kanal eschwader während des August und September in der Ofcgee kreuzen solle, sei richtig. Nach den jetzigen Bestimmungen solle das Geschwader ungefähr am 20. August die Reise antreten.
“ Frankreich.
Der Präsident des russischen Ministerkomitees Witte hat gefterg. dem „W. T. B.“ zusolge, von Cherbourg an Bord es Lloyddampfers „Kaiser Wilhelm der Große“ die Reise
nach Amerika über Southampton angetreten. “ Der Staatsdirektor der Warschau⸗Wiener Bahn hat, dem „Kuryer Warszawski“ zufolge, verfügt, daß in den Bahnbureaus das Russische als Amae, nache gelten
88
und das Polnische nur im Gespräch mit dem polnischen Publikum gefhategs ein solle. Auf den Fahrkarten und Schildern sind eide Sprachen zu gebrauchen. 1“ B
SüRlaliehan.
8 8
Eb.
Die zu einer außerordentlichen Tagung zusammengetretene De⸗ putiertenkammer begann, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern die Beratung der Vorlage, betreffend die Zahlungen an die Adriatische⸗, die Mittelmeer⸗ und die Sizilianische Eisen bahngesellschaft, die dur den Ablauf der Konvention mit diesen Gesellschaften und die V taatlichung ihrer Betriebe vom 1. Juli ab erforderlich geworden sind. 8 8
Der König empfing gestern in Brüssel, wie „W. T. B.“ berichtet, in Gegenwart des Prinzen Albert eine Abordnung der deutschen Kolonie, die ihre Glückwünsche zur 75. Jahrfeier überbrachte.
Der Prinz Albert traf an Bord der Jacht „Alberta“ gestern mittag von Ostende in Antwerpen ein. Das deutsche Panzerschiff „Kaiser Karl der Große“ gab zur Begrüßung eine Salve ab. Die Geschütze der nördlichen Festung ant⸗ worteten. Um 12 Uhr 55 Minuten traf der König in Be⸗ sleitung mehrerer Minister von Brüssel dort ein und begab sich sofort an Bord des deutschen Panzerschiffes, wo er von dem deutschen Gesandten Grafen von Wallwitz, dem Kom⸗ v und dem Offiziersstabe des Schiffes empfangen wurde.
Der König begab sich später nach dem Rathause und erwiderte auf eine Ansprache des Bürgermeisters:
„Ich bin glücklich, hier im Rathause die Versicherung zu ver⸗ nehmen, daß alle Einwohner Antwerpens den Vorschlag der Regierung auf Erweiterung der Hafenanlagen einmütig billigen, und ich hoffe, daß die Kammern den Gesetzentwurf annehmen werden.“
In seiner Antwort an die Vertreter des Handels sagte der König:
„Der Plan der Regierung entspricht modernen Ieermngen und findet den vollen Beifall aller Ingenieure. In Belgien ist man ziemlich mißtrauisch, und Mißtrauen ist eine Krankheit. Ein Volk, das nicht vorwärts schreitet, geht zurück und setzt sich der Mög⸗ lichkeit aus, in eine Lethargie zu verfallen, die dem Tode gleicht. Wollen Sie sich auf den verhängnisvollen Weg des Niedergangs reißen lassen? Nun, dann verschließen Sie diesen Weg. Die Aus⸗ führung des Planes wird Antwerpen zum größten Hafen der Welt machen und sein Gedeihen und dasjenige Belgiens sichern.“
Der König fügte in flämischer Sprache hinzu: Für Antwerpen und darüber hinaus für ganz Belgien.“ Türkei. u
Nach einer Meldung des Wiener „Telegr.⸗Korresp.⸗ Bureaus“ wird die Unter mchung des Bombenanschlags auf den Sultan eifrigst ee lußer dem früheren Direktor des bulgarischen Spitals Dr. Dinow und einigen Maze⸗ doniern wurden keine Bulgaren verhaftet. Für Dinow ver⸗ wandte sich die russische Botschaft. Seine Freilassung steht bevor. Ebenso dürften einige von den verhafteten Utastenerg, deren Zahl ziemlich groß üs. freigelassen werden. Anhalts⸗ bunte⸗ füc die Person des Urhebers des Anschlags fehlen isher noch.
Nach einer mec des Wiener „Telegr.⸗Korresp.⸗ Bureaus’ berichten die türkischen Blätter offiziös, der Marschall Ahmed Feisi Pascha habe einen neuen Sieg über die Auf⸗ ständischen in Jemen errungen. Den Truppen sei es , die Aufständischen aus dem befestigten Platz
ie im Sandschak Assir zu vertreiben und in Ibha ein⸗ zumarschieren, wo die Auffͤndischen seit der Belagerung an 8 “
klärte, den Gesandten der Vereinigten Staaten in video angewiesen,
V
Sch aden erlitten; auch
8
tausend Mann verloren hätten. 50 ihrer Führer seien ae. fangen genommen worden. Auch aus anderen Ortschaften seien die Aufständischen mit vielen Verlusten vertrieben worden Die Truppen hätten nur unbedeutende Verluste gehabt.
Schweden und Norwegen. In der Zweiten schwedischen Kammer erfolgte wie „W. T. B.“ meldet, die Annahme des Punktes Pb- Berichts des Sonderausschusses ohne Debatte. Bei Beratung des Punktes B, der die Aufnahme einer Anleileihe von 100 Millionen Kronen betrifft, erklärte der Abg. Branting daß die Anleihe mit dem friedlichen Inhalt des Berichts nicht mn Einklang stehe. Sie bedeute eine geballte Faust, wenn sie auch unen⸗ heblich sei. Branting schlug schließlich die Ablehnung der Anleihe vor. Der Vizepräsident Persson sagte, es handle sich nur um eine Vorsichtsmaßregel; für die Verwendung der Anleihemittel sei die Zu⸗ stimmung des Reichstags erforderlich. Der Abg Staaff befürwornte den Anleihevorschlag. Der Reichstag spreche sich nach seiner Ueber⸗ zeugung mit der Annahme des Vorschlags für eine friedliche Poliik aus, die alle Schweden wünschten. Norwegen werde nac genauer Prüfung einsehen, daß die einfachste Klugheit die Annahme der von Schweden gestellten maßvollen Bedingungen gebiete. d Abgeordnete Hedin trat für Ablehnung ein und betonte, Schweden und Norwegen seien von Natur verpflichtet, sich gegenseitig zu unter⸗ stützen. Schließlich wurde der Vorschlag des Ausschusses in einfacher Abstimmung angenommen. . In der gestrigen Nachmittagssitzung des norwegischen Storthing legte die Regierung einen Entwurf, betreffend die Abhaltung einer Volksabstimmung über die Aufhebung der Union nit Schweden, vor. Die Abstimmung foll am 13. August um 1 Uhr Mittags nach den Wahllisten für die letzte Storthingswahl und in derselben Weise wie diese abgehalten werden. Neue Stimmberechtigte müssen persön⸗ lich verlangen, in die Wahllisten eingetragen zu werden. Die Stimn⸗ zettel sollen nur auf ja oder nein lauten. Das Ergebnis soll schnel⸗ stens, wenn möglich telegraphisch, dem Justizdepartement übersardt werden. Die Regierung wird dann schnellstens dem Storthing das Gesamtergebnis mitteilen. Der Regierungsentwurf wurde einem Sonderausschuß überwiesen, der sofort zusammentrat.
Dänemark.
Aus Reykjavik ist, dem „W. T. B.“ zufolge, folgende Meldung vom 16. Juli eingegangen:
Das Althing hat einen Gesetzentwurf angenommen, durch den die im Zollgesetz für Island vom 8. November 1901 festgesetzten Einfuhrzölle für den Zeitraum von der Sanktion des Gesetzentwurft bis zum Ausgang des Jahres 19 07 um 30 % erhöht werden.
3 Amerika. Der japanische Bevollmächtigte für die Friedensunter⸗ handlungen Baron Komura und der japanische Gesandte Takahira kamen, wie „W. T. B.“ meldet, gestern in Oyster Bay an, frühstückten bei dem Präsidenten Roose⸗ velt und kehrten Abends nach New York zurück.
Nach einer Meldung des ‚„Reuterschen Bureaus“ aus Washington ist nunmehr endgültig festgesetzt worden, daß die russischen und japanischen Friedensbevollmächtigten am 5. August Morgens an Bord zweier Kreuzer von New York abreisen, in Oyster Bay bei dem Präsidenten Roosevelt frühstücken und am Nachmittag des 5. August nach Ports⸗ mouth im Staate New Fhd äe abfahren, wo die Ankunft am. 7. August erfolgen soll.
Die britische Regierung hat, wie aus Washington gemeldet wird, dem Staatsdepartement die Angelegen⸗ heit des canadischen Fischerbootes „Agnes Donophoe“ unterbreitet, dessen Kapitän Ryan und dessen Be⸗ mannung im März dieses Jahres von den Behörden Uruguays wegen unerlaubten Seehundfangs in Haft genommen worden waren. Der Kapitän Ryan ist seiner⸗ eit deswegen zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden.
as Staatsdepartement hat auf Beschwerden der britischen Regierung, die dieses Vorgehen Uruguaps für ungesetzlich er⸗ onte⸗ - auf eine gütliche Beilegung des zwischen England und Uruguay Cits enhesen Streitfalls hinzu⸗ wirken. Trotz der von dem Gesandten erhobenen Vor⸗ stellungen wurde jedoch der Kapitän Ryan in Haft behalten. Die englische Regierung trägt sich mit der Absicht, ein Kriegs⸗ schiff nach Uruguay zu entsenden, allerdings nur im äußersten Fall; sie ist einer schiedsgerichtlichen Entscheidung nicht ab⸗ geneigt, während sich Uruguay ablehnend verhält. as „Reutersche Bureau“ meldet aus Barba dos unter dem 5. Juli, es sei sehr wahrscheinlich, daß der Ankauf der dänisch⸗westindischen Inseln wiederum in der nächsten Session des Kongresses in Washington werde erwogen werden, da man in St. Thomas jetzt beabsichtige, eine Kom⸗ mission nach Dänemark zu senden, um in Dänemark dring⸗ liche S u machen, die Uebernahme der Inseln St. Thomas, St. John und Santa Cruz durch die Ver⸗
einigten Staaten nicht länger zu verweigern.
Asien. 8 8
Der General Linewitsch meldet unter dem 25. Juli:
Am 24. d. M. Nachmittags landeten die japanischen Torpedobootszerstörer ein Bataillon in der Bucht von Castries, besetzten den Leuchtturm und hißten die japanische Flagge⸗
Der Höchstkommandierende in Wladiwostok hat, nach einer Meldung der „St. Petersburger Telegraphen⸗ Agentur“, in Anbetracht der militärischen Lage angeordnet, daß dem Kommandanten der Festung alle in der Festung be⸗ findlichen Land⸗ und Seestreitkräfte unterstellt werden sollten, darunter auch ein von den Kreuzern gelandetes Detachement. Der Hafenkommandant solle dem Kommandanten der Festung unmittelbar beigeordnet werden, und letzterer solle alle auf das Marineressort bezüglichen Anordnungen durch Vermittlung des Hafenkommandanten ergehen lassen.
Aus dem jap anischen Hauptquartier wird, einer amt⸗ lichen Meldung zufolge, berichtet:
Die japanische Sachalinarmee habe die Landung bei Alcoba um 9 Uhr Vormittags am 24. d. M. begonnen, ohne viel Widerstand zu finden. Der Admiral Kataoka, der das nach Norden entsandte Geschwader befehlige, berichte, daß das Geschwader die Operations⸗ bafis verlassen und, wie es vorher bestimmt worden sei, die Truppentrans⸗ porte geleitet habe. Ein vorher abgesandtes Geschwader unter dem Admiral Dewa habe die Küste rekognosziert und das Fahrwasser und den vorher bestimmten Landungsplatz in der Nähe von Alexan⸗ drowsk untersucht. In dem Maße, wie die Untersuchungen fort⸗ schritten, seien die Transportschiffe dem Lande genähert worden. Die Marinetruppen seien, ohne Widerstand zu finden, gelandet und hätten die für die Landung nötigen Punkte besetzt. Später habe die Lan⸗ dung der Armeesoldaten begonnen, und die Marinetruppen seien an Bord zurückgekehrt. Der Feind habe Numina verbrannt, au Alcova in Brand gesetzt. Alexandrowsk sei vom Feuer verschont geblieben. Die japanischen Flasgen wehten gegenwärtig auf dem Gouvernementsgebäude in Alexandrowsk und von den Häusern der Stadt. Die Schiffe des japanischen Geschwaders hätten keinerlei Mannschaftéverluste seien nicht zu beklagen.
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Der Kriegssekretär der Vereinigten Staaten Taft und Miß Alice Roosevelt wurden vorgestern, wie „W. T. B.“ aus Tokio erfährt, vom Kaiser von Japan in Audienz
gen. Hieran schlossen sich ein Festmahl und ein Gartenfest. Die Kaufmannschaft von Tokio gab gestern abend ein Diner nach japanischer Art zu Ehren des Staatssekretär Taft und der Miß Alice Roosevelt.
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Statistik und Volkswirtschft.
Krüppelkinder und Krüppelfürsorge in Deutschland.
Anläßlich der Erwägung, ob seitens des hamburgischen Staats eine Unterstützung dem Krüppelheim „Alten Eichen“ in Stellingen ür die Unterbringung von Krüppeln aus hamburgischem Gebiete zufließen soll, hat das Armenkollegium in Hamburg umfangreiche Erhebungen angestellt, die sich auf ganz Deutschland erstreckten und daher allgemeines Interesse beanspruchen. In den „Blättern für das hamburgische Armenwesen“ (1905, Nr. 6 u. ff.) wird über den egenwärtigen Stand der Krüppelfürsorge in Deutschland berichtet. Fingehende statistische Erhebungen sind nur in den Provinzen Schles⸗ wig⸗Holstein und Rheinland durchgeführt worden. Dabei hat sich für die Rheinprovinz eine erschreckend hohe Ziffer ergeben: unter 5 760000 Ein⸗ wohnern befanden sich 7172 Krüppel ki ndersbis zu 14 Jahren) = 1,245 auf je 1000 Einwohner. In Schleswig⸗Holstein wurden unter 1 300 000 Einwohnern 1079 Krüppel kinder = 0,83 auf je 1000 Einwohner gezählt. Nimmt man für das Reich den Durchschnitt der beiden Pro⸗ vinzen — 0,614 % — als wahrscheinlich an, so würde man eine Anzahl von etwa 370 (00 Krüppelkindern erhalten. ragt man, was angesichts dieser Verhältnisse bisher im Feas. Reiche auf dem Gebiete der Krüppelfürsorge geschehen ist, so ist zu bemerken, daß hier fast ausschließlich die Anstaltspflege in Betracht kommt, und daß es zur Zeit in Deutschland 22 Anstalten für Krüppelpflege gibt, die im Jahre 1901 über 1182 und im Jahre 1902 über 1508 Plage verfügten. Auf dem Gebiete der Krüppelpflege ist besonders der Leiter der Altonaer Diekonissenanstalt, Pastor D. Theodor Schäfer, unermüdlich tätig; sein alljährlich erscheinendes „Jahrbuch der Krüppelpflege“ orientiert eingehend über den Stand dieser Frage, zu deren Lösung es allseitiger werktätiger Menschenliebe bedarr. 1
Zur Arbeiterbeweg
Eine am Mittwoch abgehaltene, stark besuchte Versammlung des Verbandes der Kürschner Berlins und der Umgegend, hat, wie die „Deutsche Warte“ berichtet, einmütig beschlossen, im Aus⸗ stand, der nun bereits seit fünf Wochen anhält, zu verharren und keinesfalls nachzugeben (vgl. Nr. 159 d. Bl.). Gleichzeitig stellte die Versammlung in einer Resolution folgende neuen Lohn⸗ und Arbeitsforderungen auf: „Vom 31. Juli 8 stündige Ar⸗ beitszeit und Erhöhung des Minimallohns um je 1 ℳ steigend bis zu 30 ℳ für Gesellen, 21 ℳ für Maschinennäherinnen und 18 ℳ für Mamsells. Vom 14. August ab wird der Achtstundentag ; Diese erhöhten Forderungen — außer der 8 ½stündigen Arbeitszeit — bleiben bis Weihnachten in Kraft, jedoch sind die bewilligten Werkstätten davon ausgeschlossen.“ Ferner bewilligte die Versammlung, daß an alle diejenigen, welche die ersten zwei Wochen im Streik waren, wöchentliche Unterstuͤtzungen und zwar für Verheiratete 10 ℳ und für Unverheiratete 5 ℳ ausgezahlt werden.
In der Blechwarenfabrik von Schmidt u. Melmer in Weidenau ist der „Köln. Ztg.“ zufolge der größte Teil der Arbeiter wegen Lohnstreitigkeiten ausständig. Die in der Ver⸗ zinkerei beschäftigten Arbeiter arbeiten noch. Man glaubt, daß es bald zu einem Ausgleich kommen wird.
Nach einer Meldung der „Meeraner Zeitung“ beruht die Nach⸗ richt, daß die Sächsisch⸗thüringische Färberkonvention den Aussperrungstermin auf den 7. August verschoben habe, auf einem Irrtum (vgl. Nr. 174 d. Bl.). Die Aussperrung soll am 31. Juli vorgenommen werden. Dagegen haben die vogtländischen 7H be beschlossen, ihre Arbeiter am 7. August aus⸗ zusperren.
Aus Longwy wird dem „W. T. B.“ gemeldet, daß die zur Bei⸗ legung des Ausstandes stattgehabten Besprechungen zwischen Vertretern der Bergarbeiter in Husigny (vgl. Nr. 175 d. Bl.) und den Direktoren ergebnislos verlaufen sind, da die Direktoren die Forderungen der Arbeiter ablehnten. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe im Becken von Longwy sind 8 Schwadronen Reiterei, drei Bataillone Infanterie und zahlreiche Gendarmerie dort vereinigt.
In Belgrad ist, wie „W. T. B.“ meldet, der Betrieb der elektrischen Zentrale gestern früh durch neue Arbeiter wieder aufgenommen worden. (Vgl. Nr. 175 d. Bl.)
— “ “
Kunst und Wissenschaft.
Die russische Verbrecherinsel Sachalin.
In jüngster Zeit ist wieder von der russischen Insel Sachalin öfters die Rede gewesen; denn die Abtretung dieser Insel wurde als eine der Bedingungen genannt, unter denen Japan mit Rußland ieden schließen wolle. Bereits bis vor 30 Jahren gehörte die üdhälfte von Sachalin den Japanern, dann nahmen sie die Russen; denn zu jener Zeit waren die shben Völker Ostasiens noch nicht im⸗ stande, sich den Gelüsten europälscher Staaten mit Erfolg zu widersetzen. s ist also möglich, daß Sachalin wieder in die Hände seiner früheren Herren kommt, und da in deutscher Sprache seit längerer Zeit nichis mehr von Belang über die Insel veröffentlicht worden ist, dürfte eine vor zwei Jahren erschienene englische Schilderung, von der jetzt eine deutsche Ausgabe vorliegt-), in weiten Kreisen willkommen geheißen werden. Der Verfasser des Buches, Ch. H. Hawes, kam 1901 von Nagasaki her über Fusan, Gensan, ladi⸗ wostok, Chabarowsk nach Alexandrowsky Post auf Sachalin, durchkreuzte die Insel den Tymifluß hinunter nach der Niwobai und folgte der Ostküste nach Norden bis zur Chaiwobai. Auf demselben ge begab er sich nach Alexandrowsky Post zurück, um über Wladiwostok und durch Sibirien heimzukehren. Als Zweck seines Besuchs auf der Insel bezeichnet Hawes Beobachtungen unter den Eingeborenen; daneben wollte er auch Sachalin als Verbrecher⸗ kolonie studieren. Als Engländer begegnete Hawes dem besonderen Mißtrauen der russischen Behörden, und diese wollten ihm auch die Landung untersagen. Als er dennoch zurückblieb, wurde er unter dem Verdacht, ein Spion Japans zu sein, festgevommen. Es gelang indessen Hawes, den Gouverneur umzustimmen, und so erhielt er nicht nur die Erlaubnis zu einer Reise durch die Insel, sondern auch in der Person eines jungen Verbannten einen Dolmetscher. Hawes ist mit den Giljaken und Orotschonen in nähere Berührung gekommen und schildert diese Stämme ausführlich auf Grund der eigenen Beobachtungen sowohl, wie der älterer Reisender. Ferner be⸗ richtet er viel über das Leben der Verbannten. Auf einiges Wenige sei hier hingewiesen, wobei wir einem im letzten Heft des „Globus“ wiedergegebenen Auszug aus dem Buche folgen.
Alexandrowsk oder Alexandrowsky Post, die Hauptstadt von Sachalin, liegt mit seinem Hauptteil in einer Einsenkung am Fuß des den Osten der Insel durchziehenden Gebirges. wischen Stadt und Meer zieht sich sumpfiges Land hin. Die beiden Haupt⸗
—
*) Charles H. Hawes, Im äußersten Osten. Von Korea über Wladiwostok 8 der Insel Sachalin. Reisen und Forschungen he den Eingeborenen und russischen Verbrechern. Autorisierte ebersetzung aus dem Englischen. XVI und 575 S. Mit 87 Abbild.
üdh Karten. Berlin, Kgl. Hofbuchhandlung von Karl Siegismund, 5. 9, geb. 10 ℳ
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straßen kreuzen sich rechtwinklig im an der einen stehen die Kirche, die Häuser der höheren Beamten und das Postamt, an der anderen die Gefängnisse. Die erstere führt zum Marktplatz, die letztere zur Werft hinunter. Die Anlage gleicht, wie Hawes sagt, der einer armseligen Stadt im Westen Amerikas. Die 6000 Einwohner setzen sich aus Sträflingen, ehemaligen Sträflingen, deren Frauen und Kindern und den Beamten und deren Familien zusammen. Außer diesen gibt es vielleicht nur ein Dutzend freigeborener Menschen hier, die sich mit kaufmännischen Vertretungen usw. beschäftign. Mit dem Be⸗ ginn des Winters wird die Schiffahrt auf dem Tatarischen Golf zwischen der Insel und dem Festlande eingestellt, von Mitte November bis Mitte Mai sieht man keine Schiffe, und nur das Kabel bleibt bis auf zwei Monate um die Wintermitte in Betrieb. Gegen Ende Dezember oder Anfang Januar ist das Meer hinreichend stark gefroren, daß man daran gehen kann, die Post auf Schlitten zwischen Nikolajewsk und Alexandrowsky Post zu befördern. Es geschieht dies mit Hilfe von Hunden, von denen je 13 vor einen solchen Postschlitten gespannt werden. Die Beförderung ist aber keineswegs gefahrlos und verlangt erfahrene Leute, da offenes Wasser und nur dünn überfrorene Stellen vielfach vorkommen und dem Unvorsichtigen Verderben bringen können.
Von Alexandrowsky Post begab sich Hawes im September 1901 über Land und durch den Wald nach Slawo am Tymi. Der dortige dichte Wald besteht aus Hollunder, Esche, Eberesche, Birke, Pappel, Lärche, das Unterholz aus wilder Rose, Spier und Heidel⸗ beergestrüpp. Die Witterung in jener Jahreszeit bezeichnet Hawes als schön; von den berüchtigten Nebeln der Insel konnte er nichts bemerken, vielmehr hatte er im September und Anfang Oktober, wo der Umschlag des Wetters zum Winter erwartet wird, prächtige, sonnige Tage. Mit Hilfe der giljakischen Bewohner der am Tymi liegenden Börfer fuhr dann Hawes diesen im Oberlauf nicht von Schnellen freien Fluß hinunter. 88
Die Eingeborenenbevölkerung besteht aus Aino, Giljaken, Orotschonen, Tungusen und einigen Jakuten. Hawes schätzt die Kopfzahl der Aino auf 1300, die der Giljaken auf über 2000, die der Orotschonen auf 750 und die der Tungusen auf 200. Die Aino stellen jedenfalls die älteste Bewohnerschaft dar. Die Orotschonen haben viel tungusisches und anderes Blut in sich auf⸗
enommen. Ebenso sind die Giljaken kein anthropologisch ein⸗ eitliches Element mehr; z. B. haben manche, wohl in⸗ folge Kreuzung mit den Aino, buschige Bärte und üppigen Haarwuchs, andere wieder haben fast gar kein Haar im Geäsicht. Die Giljaken besitzen Winter⸗ und Sommerhütten, von denen aber die letzteren, wie Hawes meint, dem Volke aus Nordchina durch die Mandschurei überkommen sind. Von den Gerätschaften, mit denen eine solche Hütte aus⸗ gestattet ist, bildet Hawes u a. einen Korb aus Birkenrinde ab, der zum Füttern der Bären benutzt wird. Zu den Beschäftigungen der Giljaken gehört nämlich die Bärenzucht. Die jung gefangenen Tiere (Ursus arctos) werden in S. vier Jahre lang auf⸗ gezogen und dienen zur Opferung am„ ärenfest“, das ursprünglich ein rein religiöses Fest war. Es wird von Hawes eingehend be⸗ schrieben und endet nach komplizierten Zeremonien, bei denen der Cham (Zauberer) und der Bär die Hauptrolle spielen, mit der Tötung des letzteren durch Pfeilschüsse. Die Bedeutung der einzelnen Zeremonien scheint den Giljaken jetzt verloren gegangen zu sein, der religiöse Grundgedanke aber dürfte der sein, daß der Bär als Bote an den „Großen Herrn der Berge“ (Palnivookh) dienen soll. Wahrscheinlich soll der Umstand, daß der Bär dasjenige Tier ist, dessen Fang am schwersten und gefährlichsten ist, den Wert des Opfers, dessen Zeuge der Geist des Bären sein soll, erhöhen. Die Geister der Verstorbenen werden als unsterblich gedacht, und zwar geht der Geist eines guten Menschen in den Boden, in die Mitte der Erde, während der eines bösen Menschen ruhelos die Hütten des Dorfes umschwebt und im Walde haust. Mit ihren irdischen Angehörigen treten die Geister der Ver⸗ storbenen manchmal in Verbindung, z. B. als Warner im Traum. Hawes wurde auch gesagt, sie klopften gelegentlich an die Tür, und sie kämen, um vor irgend einem Unglück zu warnen. Es wird dann etwas Nahrung hinausgelegt. 8
Für die Bestattung der Toten ist das Verbrennen ur⸗ sprünglich und auch üblich, obwohl man sich vielfach auch schon zum Begraben in der Erde verstanden hat. Zum Verbrennen wird ein Scheiterhaufen errichtet und daneben ein kleiner hüttenförmiger Aufbau, Raff genannt, der nach dem Scheiterhaufen zu ein Loch oder eine kleine Tür hat. Wenn nun die Flammen den Scheiterhaufen verzehren, nimmt die Seele durch jenes Loch ihren Weg in die Hütte, von wo sie später ihre lange Reise nach der anderen Welt antritt. Da nun der Geist so reisen muß, wie der Verstorbene es auf Erben gewohnt war, so müssen die Geister seiner Hunde „befreit“ werden. Deshalb tötet man seine Hunde und zerbricht seinen Schlitten und seine Waffen. Ist die Verstorbene eine Frau, so werden ihre Ohrgehänge, ihre Ringe und ihr Fischmesser zerbrochen. Die Asche des verbrannten Leichnams wird in einen sargähnlichen Kasten (Paff) getan und neben der Ver⸗ brennungsstelle begraben.
Die Giljaken sind eifrige Fischer; Fische bilden die Hauptnahrung se den Winter. Das Fischfleisch wird auf dem Dorfplatz zum
rocknen in die Sonne gehängt. Später bewahrt man die Vorräte in sargfsrmigen Gerüsten, die aus kurzen Baumstämmen zusammen⸗ gesetzt sind und auf Pfosten stehen. Oft schützt man diese Speicher vor den Ratten durch schirmförmige Rindenstücke, mit denen man die Pfosten umgibt. Schwanz und Kopfstück der Fische gibt man den Hunden, die als hüns und für die Jagd dienen.
im Mittelpunkte der Stadt;
Der Tymifluß mündet in die Niwobucht, eine der Lagunen oder affe, die die flache Ostküste von Sachalin begleiten. In dieser Lagunenkette, die dort, wo Flüsse hineinkommen, mit dem Meere in Verbindung steht, fuhr Hawes bis zur Chaiwobai. Zur Linken, also im Westen, lag das niedrige, sumpfige Ufer, hinter dem sich in weiter Entfernung Wälder und eine lange Hägelkette zeigten. Zur Rechten dehnten sich die Sanddünen aus, die kahl oder spärlich mit grobem Gras und verkümmerten Zirbelkiefern bewachsen waren. Zahlreich waren die Sandbänke, die eine große Achtsamkeit erforderten. Beim Nahen des Bootes flogen große Scharen von Möwen auf; Strandläufer und Schnepfen wateten und plätscherten in der ebbenden See. Es wird in dieser Gegend nach Petroleum gesucht, und es ist solches auch gefunden worden; den Eingeborenen war es übrigens schon lange bekannt.
„Mit dem Lagunengebiet hatte Hawes die Sitze der Orotschonen erreicht, die an Intelligenz und Geschicklichkeit vor den Giljaken viel vor⸗ aus haben. Die Orotschonen räuchern die Fische, sind also nicht wie die Giljaken von der Ausdehnung der sonnenreichen Jahreszeit abhängig. Die Giljaken Pifchen ferner gewöhnlich nur ihre eigene 2₰ während die Orotschonen neben der ihrigen auch die der Giljaken be⸗ herrschen. Außerdem sind die Orotschonen geschicktere Jäger und bessere Handelsleute. Von sonstigen Unterschieden ist noch der zu er⸗ wähnen, daß die Orotschonen Renntiere zum Ziehen ihrer Schlitten, die Giljaken Hunde benutzen; die ersteren verwenden die Hunde nur zu Jagdzwecken.
Die Eingeborenen Sachalins sind allem Anscheine nach dem Aus⸗ sterben geweiht. Die Hauptursachen dafür sind nach Hawes Krank⸗ heiten, die Einengung ihres Jagdgebiets und das Unvermögen, sich einer anderen Lebensweise anzupassen, die ihnen allmählich, aber sicher aufgezwungen wird. Die russische Regierung verhält sich zwar korrekt, mischt sich so wenig als möglich in ihre Or⸗ anisation, sofern die Aeltesten der Dorfgemeinden — was n der Regel der Fall ist — auf Ordnung sehen, und verbietet den Verkauf berauschender Getränke. Was den Ein⸗ geborenen aber vor allem fehlt und was schwerlich von Beamten er⸗ wartet werden kann, deren Aufgabe in der Bewachung von Ver⸗ brechern besteht, ist nach Hawes „eine patriarchalische Regierung, die 88 eenefe an der Rasse und an ihren veränderten Lebensbedingungen nimmt“.
Was Hawes über Sachalin als Verbrecherkolonie ausführt, ist be⸗ greiflicherweise ein recht trauriges Kapitel, obwohl nicht zu verkennen v16““ “
ist, daß die Lage d erbannten im allgemeinen doch nicht so schlim ist, wie oftmals behauptet wird. Besser würde es hiermit stehen, wenn die Beamtenschaft sich aus geeigneteren Elementen zusammen⸗ setzen würde. Da die Versetzung nach Sachalin als eine Art Strafe betrachtet wird, so läßt sich begreifen, daß es nicht die besten Beamten sind, die hier „kolonisieren“. Die Moralität steht auf denkbar niedrigster Stufe, und etwas Gutes haben die Eingeborenen von den Russen nicht gelernt, wohl aber alle möglichen Laster.
Die weiße Bevölkerung Sachalins besteht aus Beamten und Sträflingen mit deren Anhang. Am 1. Januar 1898 betrug die Zahl der letzteren 7080, darunter 2836 Mörder. Die Gesamtzahl der Sträflinge und der früheren, angesiedelten Sträflinge mit ihren Frauen und Kindern belief sich am 1. Januar 1898 auf 22 167.
Wie das Zentralkomitee der IX. Internationalen Kunst⸗ ausstellung zu München 1905 mitteilt, ist die französische Ab⸗ teilung im Glaspalast nunmehr vollständig, nachdem die in den dies⸗ jährigen Salons ausgestellt gewesenen Kunstwerke in den letzten Tagen eingetroffen sind. Es befinden sich darunter Bilder von Chabas, Avy, Blanche, Delvaille, La Touche, Hochard, Bail, Robert— Fleury, Dauchez, Guillement, Morot, Cottet, Gripeau, Roll, A. Vollon, Beraud, ferner plastische Werke von Hypolyte Leföbvre, Levasseur, Vermare, Ségoffin ꝛc. Auch die amerikanische Abteilung, die bisher aus einer von New York beschafften Kollektion bestand, wurde durch Werke von in Paris lebenden amerikanischen Künstlern bereichert; hierbei sind Bilder von Stewart, Mac Ewen, Melchers, Parker, Maurer, Pearce, Dannat, Van der Weyden ꝛc. 8
Land⸗ und Forstwirtschaft. Ernteaussichten und Getreidehandel in Serbien.
Der Kaiserliche Konsul in Belgrad berichtet unterm 20. d. M.: Die Getreideernte ist in vollem Zuge. Die Gerste ist zum größten Teil bereits gedroschen. Seit einigen Tagen kommt neue Gerste in guter und sehr guter Beschaffenheit auf den Markt, wo sie 9,30 — 9,50 Dinar für den Doppelzentner erzielt. Roggen und Weizen werden zur Zeit gemäht, stellenweise haben auch in diesen Getreide⸗ sorten schon Druschproben stattgefunden. Aus diesen Proben wird auf ein der Menge nach etwas geringeres Ernteergebnis als im Vor⸗ jahre geschlossen; dagegen dürfte die Beschaffenheit besser sein als bei der letzten Ernte. Bisher ist neuer Roggen und Weizen nicht ge⸗ handelt worden. Die Getreidepreise haben während der letzten Wochen nachgelassen, was auf die guten Ernteaussichten, namentlich in Mais, zuruͤckzuführen ist.
Sge steht in der Reife und verspricht nach wie vor ein gutes Ergebnis. 8
Den Maisfeldern kamen die häufigen Regen im letzten Monat sehr zustatten; man rechnet auf eine vorzügliche Ernte.
Von altem Getreide gingen aus Ostserbien in den letzen vier Wochen etwa 80 Waggons Weizen und 28 Waggons Roggen donau⸗ abwärts ins Ausland, während donguaufwärts 50 Waggons Weizen und 25 Waggons Hafer aus Westserbien nach Oesterreich⸗Ungarn ver⸗ frachtet wurden. Damit sind die Vorräte an alter Ware geräumt. In Belgrad, Semendria und Obrenowatz wird seit einigen Tagen mit dem Verladen neuer Gerste für die Ausfuhr begonnen.
Das Regenwetter der letzten Wochen dürfte dem Obst, namentlich den Pflaumen⸗ und Weingärten, kaum geschadet haben. Man nimmt an, daß die Früchte durch den vermehrten Abfall zwar in geringerer Menge, aber in verbesserter Güte zur Reife gelangen werden. Im großen und ganzen versprechen die Obstgärten ein gutes Jahr. Aus dem Vorjahr stehen noch etwa 50 Waggons gedörrter Pflaumen zu Ausfuhrzwecken zur Verfügung.
Verkehrsanstalten.
Die nächsten Postverbindungen nach Swakopmund und Lüderitzbucht ändern sich nach Ire. des Extradampfers „Lulu Bohlen“, ab Hamburg am 29. Juli Vormittags, wie folgt:
1) für Brief⸗ und Paketsendungen mit Woermann⸗Dampfer „Hans Woermann“ ab Cuxhaven am 1. August Mittags, in Swa⸗ kopmund etwa am 28. August. Schluß in Hamburg am 1. August für Briefe 6,0 Vormittags, für Pakete 2,0 Nachts. Letzte Beför⸗ derung ab Berlin Lehrter Bahnhof am 31. Juli für Briefe 11,24 Abends, für Pakete 1,27 Nachmittags; 4 1
2) für Briefsendungen, jedoch nur für solche mit beson⸗ derem Leitvermerk, mit Extradampfern „Marie Menzell“ und „Luise“, ab Hamburg am 1. August, 2,0 Nachmittags, in Swakopmund etwa am 31. August. Schluß in Hamburg am 1. August, 12,0 Mittags; letzte Beförderung ab Berlin Lehrter Bahnhof am 1. August, 6,34 Vormittags. “ e11“”“
Theater und MusfiktU.
In der morgigen Aufführung der Oper „La Traviata“ im Neuen Königlichen Operntheater, in der Frau Aenny e; vom Stadttheater in Hamburg ihr Gastspiel als Violetta eginnt, sind die anderen Rollen, wie folgt, besetzt: Alfred Germont: Oskar Braun; Georg Germont: Kammersänger Hermann Gura; Flora: Eugenie Wilms; Dr. Douphal: Robert vom Scheidt; Marguis d'Obigni: Robert Leonhardt; Gaston, Vicomte von Letorières: Emil Pahren. — Leiter der Aufführung ist Hermann Gura, Großherzog⸗ licher Oberregisseur; die musikalische Leitung des Werks liegt in den Püden des Kapellmeisters Dr. Ernst Kunwald. Am Sonntag gastiert Madame Théa Dorré noch einmal als „Carmen“.
Mannigfaltiges. Berlin, den 28. Juli 1905.
Das Schloß Bellevue wird von Anfang August an dem Publikum zur Besichtigung geöffnet sein.
Zur Reform unserer Lebensfreuden und Volkssitten Menschenglück und Völkerwohl sind überall abhängig von guten Volks⸗ itten und reinen Lebensfreuden. Erst dann, wenn bis in die untersten
olksschichten hinein etwas mehr Humor und Lebensfreudigkeit vor⸗ herrschend werden, können auch Unzufriedenheit, schlechter Wille, Neid, Willkür, Lust zur Ausbeutung der Mitmenschen, Zer⸗ störungswut und Hang zum Verbrechen aller Art allmählich aus der Welt verschwinden. Volkssitte und Volksgeselligkeit müssen eine Aenderung erfahren, wenn sich die Völker selbst und ihre Beziehungen zueinander verbessern und verjüngen sollen: Das war der Grundton eines Volksfestes, das am 22. und 23. Juli in Danzig gefeiert wurde und von drei akademisch gebildeten Männern seine Weihe empfing. Es waren über 1500 Personen aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes erschienen, um mit Musik und Chorgesängen das 16. Jahresfest von Deutschlands Guttemplerlogen, der Großloge II, zu begehen. Sie wurden vom Bürgermeister Trampe warm begrüßt. Konfistorialprsident Dr. Meyer gab die Erklärung ab, daß die evangelisch⸗kirchlichen Behörden Westpreußens den Bestrebungen der Guttempler verständnisvoll und freundlich gegenüberstehen und daß erst kürzlich eine ganze Reibe von Synoden sich für die völlige Ent⸗ haltsamkeit ausgesprochen hat. Von besonderer Bedeutung waren die beiden Hauptvorträge des Geheimen Justizrats, Landgerichtsdirektors Buddee aus Greifswald über „Lebensfreude ohne Alkohol“ und von Professor Masaryk aus Prag über „Ethik und Alkohol“.
Buddee führte aus: Die Alkoholfreiheit bedeutet für jeden Menschen eine Wohltat, was nur derjenige richtig beurteilen kann, der den Versuch, abstinent zu leben, schon an sich selbst gemacht hat, während alle anderen die Erfahrungen enthaltsam lebender Personen gelten lassen müssen. Der Redner hat die in der ersten Zeit fast allgemein vorhandene Vorstellung, daß mit der Enthaltsamkeit ein Zustand fort⸗ dauernder Entbehrung verbunden sei, sehr bald als eine irrige empfunden, als er nämlich sah, daß man an jeder, auch an der den Alkohol
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