Gründung des Stahlwerksverbandes erfolgt; es könnte also da nur gewissermaßen eine vorausgeahnte Wirkung entscheidend gewesen sein. Professor Dr. Liefmann⸗Freiburg i. B.: Meine erren! Ich habe die nicht ganz klare Fassung der Frage 12 chon bei Beginn der ganzen Kartellenquete kritisierte) und möchte auf Anregung des Herrn Assessors Albert darauf hin⸗ weisen, daß es sich eigentlich um 3 Punkte handelt: 1) um die Frage der Beseitigung minder leistungsfähiger oder nicht leistungsfähiger Betriebe, die durch die großen Unternehmungen, seien sie zum Kartell 1Se oder nicht, unter⸗
drückt werden können; 3 kommt hinzu die der Fusio⸗ nierung, die beim Kohlensyndikat eine so große Rolle ge⸗ spielt hat, dort aber wegen mißverständlicher Auffassung dieser
Frage 12 nicht erörtert ist: die Frage der Zusammenfassung mehrerer gleichartiger Betriebe in einer Unternehmung, und 3) die Frage der Kombinierung, der Verbindung ver⸗ schiedener Produktionsstadien in einer Unternehmung.
Nun hat zu diesem dritten Punkte Herr Lippert schon die Fragen aufgeworfen, die ich auch erörtern wollte, und so möchte i nur noch eine andere Frage stellen: hat der Stahlwerksverband im Sinne einer
vefenc igen Verteilung der Produktion gewirkt, in dem
Sinne, daß jedes Werk möglichst diejenigen Artikel produziert,
ür die es am besten geeignet ist? Es ist klar, daß diese
Frage volkswirtschaftligh von der größten Wichtigkeit ist, und ich habe hier gewisse Bedenken, ob das Kartell in diesem Sinne gewirkt hat, weil, soviel mir bekannt ist, vielmehr eine andere Wirkung große Bedeutung erlangt hat, nämlich die, daß sich die großen gemischten Werke in ihrem Ausdehnungs⸗ bedürfnis auf die Herstellung aller möglichen Produkte werfen,
r die sie ursprünglich vielleicht nicht besonders geeignet sind, namentlich auf die Herstellung von Produkten, die nicht syndiziert sind. In den syndizierten Artikeln ist ja 8 Pro⸗ duktion beschränkt, und es liegt nun die Gefahr vor, daß diese großen gemischten Werke, um ihre Rohstoffe und Halbfabrikate verwerten zu können, sämtlich oder der größte Teil von ihnen die Herstellung aller möglichen weiterverarbeiteten Produkte in Angriff nehmen und so die vorhandene Ueberproduktion verstärken und den schon vorhandenen reinen Werken, die vorher diese Weiterverarbeitung allein besorgten, eine un⸗ nötige und volkswirtschaftlich nicht nützliche Konkurrenz machten. Auch wenn darüber noch kurze Aufklärungen erfolgen würden, wäre ich sehr dankbar.
Direktor, Regierungsrat a. D. Dr. Voelcker⸗Düssel⸗ dorf: Meine Herren! Die Unterlagen, die wir Ihnen zu⸗ gestellt haben, konnten leider erst spät Ihnen zugehen, sonst könnte sich Herr Professor Liefmann diese Frage selbst beant⸗ worten; denn aus der Tabelle, die wir zu Frage 12 vorgelegt haben, sehen Sie die Verteilung der verschiedenen Erzeugnisse auf unseren Werken, und die Verhältnisse sind tatsä lich so, daß diese Erzeugnisse, die Produkte B, für die Werke des Stahlwerksverbands kontingentiert sind. Die Werke können über die festgelegte Beteiligungsziffer nicht produzieren oder sie müssen fuͤr ihre Mehrlieferungen an diejenigen Werke, die weniger geliefert haben, eine Abgabe bezahlen. Die Fabrikation neuer Artikel, die sie vor Bestehen des Verbands nicht her⸗ gestellt haben, können sie überhaupt nur in einer Fabrikat⸗ gruppe aufnehmen, in der sie bereits eine Beteiligung besitzen, zwar auch nur in Höhe dieser Beteiligung.
Ppvrofessor Dr. Liefmann⸗Freiburg i. B.: Ich habe die Frage gestellt, weil ich sehe, daß die Heer gsee in den Drucksachen des Stahlwerksverbandes nur bis Nr. 10 geht und die Frage 12 nicht ausdrücklich in einer Rubrik 12 be⸗ antwortet ist. Direktor Willikens⸗Dortmund: Meine Herren! Es hat sich bei der Zunahme der Produktion von Thomasflußstabeisen herausgestellt, daß mit ihr auch die Güte des Materials immer besser geworden ist. Das ist der Grund, weshalb das Handels⸗ schweißeisen vollständig an die Wand gedrückt und aus dem Handel fast ausgeschaltet ist. Infolgedessen haben die meisten Schweißeisenwerke nur noch Qualitätsschweißeisen zu fabrizieren. Diese Fabrikation paßt aber in die Großbetriebe nicht mehr hinein. Daher haben die meisten Stahlwerke in Rheinland und Westfalen die Herstellung von Schweißeisen aufgegeben. Die Gutehoffnungshuͤtte in Oberhausen hat zuerst damit auf⸗ geräumt, es folgte der Hörder Verein, dann der Phönix und schließlich Haspe. Sie alle haben die Schweißeisenfabrikation eingestellt, und das kommt uns ja in etwas zu gut. Nun ist allerdings noch ein rheinisch⸗westfälisches Werk da, die Union in Dortmund, das noch Schweißeisen herstellt und liefert. Ich glaube, daß der Stahlwerksverband die Schweißeisenwerke sehr zu Dank verpflichten würde, wenn er seine Macht dahin ausübte, daß er eventnell auch die Union veranlaßte, die Schweißstabeisenfabrikation aus ihrem Betriebe auszuschalten. Er paßt absolut in den Rahmen der heutigen Großbetriebe nicht mehr hinein, das wird Herr Direktor Schaltenbrand mir zugeben.
Direktor Schaltenbrand⸗Düsseldorf: Darin muß ich Herrn Willikens recht geben: Die Schweißeisenfabrikation paßt in den Rahmen der großen Betriebe schlecht hinein, und es ist richtig, daß die Union als einziges Stahlwerk in Rheinland⸗ Weftfalen diesen Betrieb noch . Ich habe mit den Herren auch schon darüber gesprochen, aber die Antwort erhalten, daß dieses Schweißeisen für eine spezielle Fertigfabrikation noch nötig ist — ich weiß nicht, für was. (Zuruf: Nieten!) Handelskammersekretär Gerstein⸗Hagen: Ich habe vorher schon das Wort zu diesem Punkt erbeten und bedauere sehr, daß Herr Geheimrat Wagner uns gleich nach seinem Vortrag verlassen hat; denn er hat ja I diesen Punkt er⸗ wähnt. Herr Geheimrat Wagner sagte in der ihm eigenen bestimmten Art, daß er einen günstigen Einfluß der Kartelle empfunden hat in bezug auf die Hersteller der Fabrikate, einen ungünstigen Einfluß in bezug auf die Verbraucher und die Arbeiter. Das letztere hat er uns keineswegs begründet, und ich bedauere deshalb, daß er bei der Erörterung dieses Punktes nicht mehr zugegen ist.
Herr Reichstagsabgeordneter eeee; hat uns ja gestern schon über die Lohnverhältnisse der verschiedenen Arbeiter⸗ kategorien und der Arbeiter in den verschiedenen Provinzen berichtet, und dabei kam auch die mir bereits be⸗ kannte Tatsache zum Vortrage, daß die Entwicklung der Arbeiterlöhne am günstigsten gewesen ist bei der Rheinisch⸗Westfälischen Hütten⸗ und Walzwerkindustrie, welche im wesentlichen zu der hier erörterten kartellierten Industrie, zum Stahlwerksverband gehört. Ich glaube nicht, daß Herr Professor Wagner seine Ansicht, daß der Stahlwerks⸗
Band?
verband einen ungünstigen Einfluß auf die Arbeiterverhältnisse hervorgerufen hat, aufrecht erhalten kann. Ich persönlich wüßte einen ungünstigen Einfluß nur darin zu finden, daß die Leute mehr und mehr in die großen Industriezentren zusammen⸗ gedrängt werden, indem die großen Werke, wie es heute hier vielfach erörtert ist, auch die Fertigfabrikation mehr und mehr aufnehmen und deshalb die Arbeiter aus den ländlichen Be⸗ zirken in die großen Städte hineinziehen. Die Arbeiter selbst empfinden das, soviel ich weiß, indessen nicht als einen Schaden, denn ich kann berichten, daß Fabrikanten, die in sehr schöner Gegend auf dem Lande gut eingerichtete Arbeiterwohnungen gebaut haben, keine Leute in diese hineinbekommen können; die Leute wohnen lieber in der Stadt, namentlich auch die Frauen, wo sie alle ihre Haushaltungsbedürfnisse allerdings bequemer, wenn auch teurer anschaffen können, als auf dem Lande. Ich glaube also, auf die Arbeiter selbst wird ein ungünstiger Ein⸗ fluß nicht festzustellen sein. Ich weiß auch aus einem Zweige der Kleineisenindustrie, daß in demselben Augenblick, wo die Preise infolge einer Verbandsbildung eine Aufbesserung er⸗ fuhren, dasselbe mit den Löhnen geschah. 88 8
Direktor, Regierungsrat a. D. Dr. Voelcker⸗Düsseldorf: Meine Herren, bei den früheren kontradiktorischen Verhand⸗ lungen über diese Frage ist ihre Beantwortung von den Kartellen abgelehnt worden, aus dem Grunde, weil die Kar⸗ telle als solche sich mit der Lohnfrage nicht beschäftigen und nicht in der Lage waren, hier unmittelbare Erfahrungen ge⸗ sammelt zu haben. Wir haben, um unser Interesse an den kontradiktorischen Verhandlungen zu beweisen, eine Umfrage bei unseren Mitgliedern veranstaltet, in welcher Weise etwa das Bestehen des Stahlwerksverbands auf die Lohnverhält⸗ nisse der Arbeiter eine Wirkung zur Folge gehabt hat. Wie schon bei der vorigen Frage, so muß ich auch hier sagen, daß unser Verband noch zu kurze Zeit besteht, als daß man gegen⸗ über früheren Zeiten eine Einwirkung nachweisen könnte. Unsere Mitglieder haben sich deshalb auch nicht darauf be⸗ schränkt, ihre Antwort nur für die Dauer des Stahlwerks⸗ verbands zu geben, sondern haben auch zurückgegriffen auf die Zeiten unter den früheren Verbänden.
Einige Werke haben die Frage, ob der Verband einen Einfluß auf die Arbeiter⸗ und Lohnverhältnisse gehabt habe, verneinend beantwortet. Eine ganze Anzahl jedoch betont den günstigen Einfluß des Verbandes bezw. der Kartelle auf die Arbeiter⸗ und Lohnverhältnisse. Von diesen Werken sprechen sich einige dahin aus, daß durch die Verbandsbildung eine Stetigkeit in die Lohnverhältnisse gekommen sei, andere, daß die Löhne seit Gründung des Stahlwerksverbandes um mehrere Prozent gestiegen seien. Wieder andere betonen, daß der Stahlwerksverband, ebenso wie die früheren Verbände, einen indirekten Einfluß insofern gehabt habe, als die Löhne sukzessive gestiegen seien; ohne Verbände würden die Lohnsätze und Gesomtlohne Reduktionen erfahren haben, da die Preis⸗ stürze, die ohne Verbände je nach Konjunktur platzgriffen, notwendigerweise zu Lohnkürzungen oder zu Lohnansfallen durch geringere Beschäftigung führen müßten. Die stabileren Verhältnisse, welche durch den Stahlwerksverband geschaffen worden seien, müßten auf die Arbeiter⸗ und Lohnverhältnisse ohne Zweifel und auf die Dauer günstigen Einfluß ausüben.
olkenbuhr, M. d. R., Schöneberg: Meine Herren! Wenn eine gewisse günstige Lohnentwicklung in der letzten Zeit stattgefunden hat, so ist das wohl weniger auf die Tätigkeit der Kartelle zurückzuführen, als darauf, daß zu einer be⸗ stimmten Zeit eine bestimmte Anzahl Arbeiter verlangt wurde, und, wenn man sie heranziehen wollte, wohl oder übel ge⸗ zwungen war, etwas höhere Löhne zu zahlen. Es ist sicher, daß mit der Entwicklung der Werke auch immer höhere An⸗ forderungen an die Arbeiter gestellt werden und infolgedessen immer entsprechend höhere Löhne gezahlt werden müssen. Wenn Professor Wagner darauf hinwies, daß diese Konzentration eine gewisse Gefahr für die Arbeiter in sich berge, so glaube ich, wird es wohl darauf zurückzuführen sein, daß Professor Wagner zu der Ansicht gekommen ist, daß eine so gewaltige Verbindung von Fabrikanten, wie sie einmal in den Stahlwerken dastehe, eine wirtschaftliche Großmacht allerersten Ranges ist. Dieser Stahlwerksverband und die in ihm vereinigten Fabri⸗ kanten beschäftigen, wie uns gestern mitgeteilt wurde, ungefähr 200 000 Arbeiter. Das ist eine kolossale Arbeiterzahl. Nun sind die Fabrikanten in einer etwas glücklicheren Lage, als sie ohne “ Verbände sind. Sobald sie nicht in einem Verbande sind, und es kommt wegen schlechter Lohnverhältnisse oder wegen irgend etwas anderem zum Streik, dann müssen sie immer befürchten, daß ihre Konkurrenten ihnen die Kunden wegnehmen. Diese Gefahr ist für den einzelnen Fabrikanten, soweit er Mitglied eines Syndikats ist, ausgeschlossen, denn in dem Augenblick, wo — ich will sagen, irgend ein Werk des Stahlwerksverbandes zu einem Streik käme, würde der Fabrikant aus diesem Streik persönlich keinen Nachteil haben, auch gar nicht Gefahr laufen, daß ihm ein Kunde verloren geht, sondern der Stahlwerksverband würde die Produkte, die sonst in dem Werk hergestellt werden, anderen Werken übertragen. Also die dringende Nach⸗ frage der Kundschaft würde den Fabrikanten nicht zum Nachgeben dem Arbeiter gegenüber zwingen. Und weil dieses treibende Element fehlt, ist theoretisch an und für sich dies schon eine Schlechterstellung der Arbeiter, weil die Möglichkeit, in irgend welchen Lohnkämpfen etwas durchzusetzen, für sie unbedingt sehr erschwert ist durch das Syndikat. Denn das liegt auf der Hand: wenn die Arbeiter irgendwo in einen Streik eintreten, dann fragen sie zunächst: ist in diesem Augen⸗ blick die Geschäftslage eine solche, daß der Fabrikant ge⸗ zwungen ist, nachzugeben? Wenn sie zu der Ueberzeugung kommen, kommen sie in der Regel mit ihren Forderungen, die bei schlechter Konjunktur zurückgestellt werden. Der Zwang, der sonst bei der freien Konkurrenz besteht, ist durch die Kartellbildung bis zu einem gewissen Grade für das einzelne Werk ausgeschaltet, und daher konnte wohl Professor Wagner zu der Auffassung kommen, daß allerdings die Lage der Arbeiter sich erhebli zu ihren ungunsten verschlechtert hat. Wenn jetzt die Werke vielleicht diese Machtstellung den Arbeitern gegenüber noch nicht ausgenutzt haben, ist es sehr zu begrüßen, und wenn sich die Löhne an und für sich ein wenig gebessert haben, so ist das erfreulich. Nun ist aber eine merkwürdige Erscheinung gerade in den Bezirken vorhanden, wo die Kartelle am allerersten Einfluß haben. Ueberall spricht man von dem Segen der Organisation, denn diesen empfinden ja die Unternehmer, die sich in Kartellen vereinigen, sehr, und überall sagen sie immer zu den Leuten, mit denen sie zu tun haben, wie wir z. B. vom Stahlwerks⸗ verband hörten, daß er zu den Halbzeugverbrauchern sagt:
*) Vgl. Conrads Jahrbücher —
III. Folge 11“
S euch doch, schafft doch auch ein Kartell, von Kartell
zu Kartell läßt sich doch viel besser verhandeln. Aber sobald ie Arbeiter in Frage kommen, sagt man nicht: organisiert euch doch, daß wir mit euch durch eure Organisation ver⸗ handeln können, — sondern da tritt man in der Regel un⸗ gefähr so auf, daß man sagt: wer sich einer Organisation anschließt, wird entlassen. Das hat wenigstens eine Anzahl Werke getan, die hier in Frage kommen. Nun ist es doch aus⸗ geschlossen, daß 200 000 Arbeiter jeder einzelne mit dem Syndikat unterhandeln kann. Da sollte man doch in Erwägung ziehen, ob der Rat, den Sie den andern Unternehmern erteilen, und der Vorteil, der an und für sich in der Organisation selbst liegt, wie Sie selber anerkennen, nicht auch fuͤr die Arbeiter anzu⸗ erkennen ist. Die Arbeiterorganisation kann unter Umständen für den Unternehmer auch von Vorteil sein. Ich will hier an ein Gewerbe erinnern, wo das der Fall ist, wo das Unter⸗ handeln der Unternehmer mit der Arbeiterorganisation besteht: das ist das Buchdruckereigewerbe. Im Buchdruckereigewerbe sind die Arbeiter organisiert, da unterhandeln die Fabrikanten mit den Gehilfen, und da werden regelmäßig die Tarifverträge auf 4, 5, 6 und 10 Jahre festgelegt, da weiß man: für diese vei arbeiten die Arbeiter für den und den Lohn. Wenn die
eit abgelaufen ist, werden wieder neue Tarifverträge ab⸗ geschlossen, aber während dieser Zeit sind doch die Unternehmer in der Buchdruckerei vor jedem Streik und jeder Störung gesichert, sie wissen, daß in dieser Zeit bestimmte Lohn⸗ forderungen nicht auftauchen. Vielleicht wäre zu erwägen, ob nicht auch die Verbände dahin kommen, daß sie ein ähnliches Verhältnis anstreben, wie es im Buchdruckergewerbe besteht, wo ja eine gewisse gute Lebensstellung für die Arbeiter vor⸗ handen ist und andererseits durch die abgeschlossenen Tarif⸗ verträge gleichzeitig eine gewisse Sicherheit für das Gewerbe gegeben ist, indem man sich sagt: für die Zeit sind wir gegen Streik gesichert.
Direktor Willikens⸗Dortmund: Herr Regierungsrat Voelcker hat schon gesagt, daß für die Anfrage noch nicht die nötigen Unterlagen bei den einzelnen Werken haben beschafft werden können. Als Vorstandsmitglied der Rheinisch⸗Wen⸗ fälischen Berufsgenossenschaft, insbesondere der Sektion VI Dortmund, der ich lange und zwar seit Bestehen derselben an⸗ gehöre, habe ich einiges Material. Es sind wenige Zahlen. Sie können aber aus ihnen ersehen, in welcher Weise die Steigerung der Löhne erfolgt ist. Für 1886 hatten wir einen Durchschnittslohn von 973,31 ℳ der sich bis 1890 auf 1096,40 ℳ erhöhte, dann 1895 auf 1130,63 ℳ und bis 1900 auf dem Höchstpunkte von 1354,32 ℳ ankam. In diesen 15 Jahren haben wir aber wiederholt auf⸗ und abgehende Konjunkturen gehabt, trotzdem jedoch ein ununterbrochenes Steigen der Löhne. Daraus läßt sich doch wohl der Schluß ziehen, daß, wenn bei einer günstigen Konjunktur die Löhne einmal erhöht sind, es in unserem Bezirke absolut unmöglich ist, die Akkordsätze jemals wieder herunterzu⸗ setzen. Das geht auch daraus hervor, wenn ich Ihnen die letzten Jahre vorlese. 1900 also hatten wir den höchsten Satz von 1354 ℳ, dann gingen 1901 bei dem Sturz der Industrie die Löhne zurück auf 1310 ℳ, also nur um 44 ℳ; sanken 1902 um weitere 8 ℳ, also auf 1302 ℳ, stiegen 1903 aber wieder auf 1324 ℳ und haben für 1904 die höchste Höhe erreicht, also noch über 1900, mit 1356,55 ℳ Ich glaube, die Zahlen sprechen für sich.
Vorsitzen der: Wollen Sie die Zahlen vielleicht als An⸗ lage zum Protokoll zu den Akten geben?*) (Zustimmung.) Direktor Schaltenbrand⸗Düsseldorf: Ich möchte Herrn Molkenbuhr erwidern, daß ihm nicht bekannt zu sein scheint, daß unser Verband mit den Arbeitern unserer Werke absolut nichts zu tun hat. Wir kaufen die Produktion unserer Werke und verkaufen sie; das ist das Ganze, was wir zu tun haben. Im übrigen erhalten wir die Selbständigkeit unserer Werke. Die Werke verfügen also in ihren Arbeiterangelegenheiten so, wie es ihnen für richtig erscheint. Wir sind da gar nicht in der Lage einzugreifen und irgendwie mit den Arbeitern zu verhandeln.
Direktor Kapal⸗Berlin: Der Oberschlesische Stahlwerks⸗ verband hat neben seiner Verkaufsorganisation auch eine Neuerung insofern geschaffen, als er ein Verteilungsbureau vngerichte⸗ hat, das von der Verkaufsstelle die sämtlichen Aufträge übernimmt, um sie auf die einzelnen Werke zu ver⸗ teilen. So jung diese Einrichtung ist, so hat sie sich doch außerordentlich bewährt, und unsere Werke haben uns auf unsere Anfrage bezüglich der Lohnverhältnisse mitgeteilt, daß gerade diese Einrichtung außerordentlich segensreich gewirkt hat, indem diese Verteilungsstelle in der Lage war, den Werken erstens Hleichmäßig die Aufträge zu überweisen, und zweitens entsprechend ihren Betriebseinrichtungen. Die Werke sind also in der Lage gewesen, in bezug auf ihre Arbeitsdispositionen ganz klar zu sehen, diese Dispositionen rechtzeitig vorher zu treffen, und das hat auch eine durchaus günstige Wirkung auf die Arbeiterlohnverhältnisse gehabt insofern, als diese Ver⸗ hältnisse stetige geworden sind, es nicht nötig geworden ist, in den einzelnen Betrieben eine Pause eintreten zu lassen oder diese Betriebe einzuschränken. Also diese Art der Verteilung der Aufträge, die nur durch den Verband möglich gewesen ist, hat eine durchaus günstige Wirkung auf die Gleichmäßigkeit, die Stabilität der Beschäftigung der Werke und infolgedessen auf die Lohnverhältnisse gehabt.
Molkenbuhr, M. d. R., Schöneberg: Es wurde gesagt, daß eine fortwährende Steigerung der Löhne stattgefunden hat. Aber diese Steigerung ist nicht so bedeutend, wie es aussieht, wenn man dem vielleicht die Steigerung der Woh⸗ nungsmieten für die rheinischen Orte in derselben Zeit gegen⸗ überstellt. Man wird dann finden, daß der weitaus größte Teil der gesteigerten Löhne von den gesteigerten Mieten wieder absorbiert wird. Dann haben wir auch, wie hervorgehoben wurde, seit 1900 dort wieder einen Rü irgendwo sonst die Krise so scharf eingesetzt leicht bei den Roheisenwerken, das wilt ich Löhne sind doch erheblich weiter
hat — außer viel⸗ 1 zugeben. Aber die zurückgegangen, sobald der
stande kam; der hat es halten. Aber das ist ja zu, daß gegenwärtig die een Arbeiterverhältnissen befassen. Personen, die in den Werken sind, die sich mit den Arbeiter⸗ verhältnissen sehr wohl befassen, und ich wollte nur anregen, daß diese selben Leute, die ja so Anhänger der Organisationen sind und allen anderen Fabrikanten den Rat geben, zur Wahrung ihrer Interessen sich zu organisieren, sich den Ar⸗
verstanden, die Preise zu das Wenigste dabei. Ich Verbände sich nicht mit Es sind aber doch dieselben
gang erlebt, ohne das
Stahlwerksverband oder der fruͤhere Halbzeugverband zu-
sati über nicht so feind beiterorganisationen gegeeitaus größten Teile bei de Muten aus der
Ich wollte nur er⸗ doch 50 Prozent gegen 1886
ksleiter nichts F. uns kommen und mit
ollten, wie es pal ist, deren zieheg enior widern, daß die Lohnsteigerung if ist doch eine ga tige 88 8-2 möchte ich sagen, daß wir dagegen haben, wenn unsere Arbeiter uns über Lohnfragen sprechen. Mein steht auf demselben Standpunkt und anderer Werksleiter, die gern um mit ihnen zu sprechen und
Besitzer so großen Willikens⸗Dortmund:
fragen oder um Vorsitzen kommen zur folgenden Frage: Hat das Kartell
auf die Qualität
sehen, wenn die Arbe ihnen ihre Wünsch . Abstellung von Uebelständen vorzutragen.
der: Das Wort ist nicht weiter verlangt. Wir
ewaltige Steigerung eine ganz gewaltig igerung.
einen Einfluß au und die Herstellung
der syndizierten Erzeugnisse!
Pielleicht ist die Frage damit erledigt,
zu kurze Zeit besteht.
eine Herren! Also stehen wir am Schluß unserer Ver⸗ Es bleibt mir nur übrig,
en. 1 perenac den Dank auszusprechen. . 88 bitte ich machen dür
und Auslandpreises, disch gesprochen, d vielleicht einige Verschiedenheit
des
machen könnten.
Dr. Soetbeer⸗Berlin: dürfen we
d die ausländischen Abnehmer. . daß während des Fortgangs d Herren Kalkulalionen zur
daß das Kartell noch
en
daraus geworden ist. Ich würde bedauern,
uf verzichten müßten, indem ich annehme, verafhe s8 81— nachträglich in einer
handlungsbericht bearbeitet zu werden.
daß wenigstens die Regt⸗ . sich unterrichten läßt. Kommerzienrat schieden, gerogetin den Blechwalzwerk ichere Handhabe zu schen s daher sichere Normen nicht Vorsitzender: werden den Versuch machen, anderem Wege zu erlangen.
gessen, daß Herr Direktor Mannstädt noch Ioh habef der Iüae 8,98 gesetzt wissen wollte. Die ist erledigt durch die
ine Frage auf die Tagesordnung 8 sktor Mannstädt⸗Kalk⸗ des Stahlwerksverbandes!)
Zusage ich Ihnen noch den
Dann habe Ihre Ausdauer und für Ihr handlungen, die Sie zwei Tage, festgehalten haben,
Direktor Scha
lebhafteren Dank aussprechen unsere
fsitzenden, der diese anstrengenden Verhandlun
Goecke⸗Ruhrort: wissen, wie die englischen Walzwerke walze
haben, ist vollst Ich glaube, im
t sich die Sache nicht Verhandlung läßt sich
Ihre lebhaft man
en.
Wir können n; das ist sehr ver⸗ Da irgendwie eine ändig unmöglich, es
lich verhalten
der Werke
Freund, Herr Schmieding mit uns eine Reihe Arbeiter kommen, e in Lohn⸗
8 8
dem versammelten
Noch eine Be⸗ der Verschiedenheit Preises für die inlän⸗ Es wurde davon er Verhandlungen vens. Ich möchte fragen, wa 89 hier
daß diese
Beilage zu dem V Jedenfalls möchte ich, Regierung noch genau über die Angelegen⸗
können
aufstellen.
Dank auszusprechen für e Teilnahme an den Ver⸗ che sogar drei Tage hier zur Aussprache “ die Sie oßenteils sehr nahe angehen. Secag 9e ltenbrand-Düsseldorf:
rgehen, glaube ich, müssen wir — ö1 9 m verehrten Herrn Vor⸗
en in einer sach⸗
Rahmen der heutigen weiter erörtern. Kalkulationen noch auf
Meine
lichen und vornehmen Weise geführt hat. ravo!)
(Schluß der Sitzung:
3 ¾
““
Uhr.)
8
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Statistisches Material
— 2 für die
8
.“ (Stahlwerksverbände.) Zusammengestellt im Reichsamt des Innern.
Durchschnittshandelspr geröstetem Spat, bra
Koks⸗ kohle ℳ 4 —
e. 4, 4,
Monat
1885 Januar zein. 10 35
5 00 00 02
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Cm 25 5888 ode 5S8
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eise von Kokskohle, uner Minette und Jahren 1885 — 1905.
(Aus der Zeitschrift „Stahl und Eisen“.) erösteter
Spat ℳ 11,90 11,70 11,15 böS5
11,75 11,— 10,50 10,20
11,90
kontradiktorischen Verhandlungen in der Kartell⸗Enquete am 20. und 21. Juni 1905.
—
S
Braune Minette ℳ 3,30 3,30 3,30 3,30
3,10 3,10 3,10 3,10
Organisation
geübt kosten
Hochofenkoks, omorrostro
Monat
1893 Januar. April. SIu.. Oktober. 1894 Januar April.
Juli Oktober. 1895 Januar. April. Ini. Oktober. 1896 Januar. e1““ SInmn. Oktober. 1897 Januar April. EVWW Oktober. 1898 Januar April. b. Oktober. 1899 Januar.
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E Oktober. 1901 Januar — April. EIIö Oktober. 1902 Januar April. ö Oktober. 1903 Januar April. Juli Oktober. 1904 Januar April. Juli Oktober 1905 Januar April.
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1885 Januar April. Juli Oktober. 1886 Januar April. Oktober. 1887 Januar
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Trägern in den Jahren 1885 — 1905.
(Aus der Zeitschrift „Stahl und Eisen“.)
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roheisen rohblöcke ℳ
Minette
In, Fluß —
Somor⸗ rostro ℳ 11,64 12,37 12,13 12,50
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ℳ
3,20 12,25
12,36 12,24
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Januar. Are.. E1“ Oktober.
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ℳ 46,— 50,— 56,— 8 56,— 1897
Januar April. Juli
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2,— 42,50 41,50 41,—
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nittshandelspreise eisen und Jahren 188 der Zeitschrift „Sta Qualitäts⸗ puddeleisen
18
Thomas⸗ knüppel ℳ 84,— 84,—
von Kesselbleche
Grobbleche
ℳ 147,50 147,50 144,50 135,—
132,50
126,50
135,— 135,— 135,— 135,—
140,— 145,— 150,—
Fluß⸗ stabeisen ℳ 105,— 112,50 120,— 126,—
130,— 130,— 130,— 130,—
117,50 115— 120,— 125,—
ℳ 157,50 157,50 152,50 142,50
n, Grob⸗
Sualitätspuddeleisen 5 — 1905. hl und Eisen“.)
Kesselbleche
Schweiß⸗ stabeisen ℳ 110,— 109,— 108,— 101,50
100,— 97,50
92,50 92,50
107,50 110,—
113,50
119,50 122,50
128,75 126,— 126,— 126,25
130,50 140,—