1905 / 264 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 08 Nov 1905 18:00:01 GMT) scan diff

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den bisherigen Vorsteher der Diakonissenanstalt, Pastor Zoellner in Kaiserswerth a. Rh. zum Generalsuperintendenten der Provinz Westfalen,

den Oberlehrer an der Oberrealschule in Düsseldorf Friedrich Seitz zum Direktor einer sechsstufigen höheren ehranstalt, und

den bisherigen Direktor der Realschule in Oschersleben Dr. Paul Diebow zum Direktor der Königlichen Turn⸗

8 lehrerbildungsanstalt in Berlin zu ernennen.

Ministerium der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinalangelegenheiten.

Der bisherige Privatdozent Dr. Heinrich Konen zu Bonn ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen und naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Münster ernannt worden. 111““ .

Dem Direktor Seitz ist die Direktion der Realschule in Hechingen übertragen worden.

Ministerium für Handel und Gewerbe. Der Lehrer Robert Oréans ist zum etatsmäßigen Lehrer an der Königlichen Kunstgewerbe⸗ und gewerblichen

Zeichenschule in Cassel ernannt worden.

ev.

Nichtamtliches.

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Deutsches Reich. f a2 Preußen. Berlin, 8. November.

Seine Majestät der Kaiser und König und Seine

Majestät der König von Spanien begaben Sich gestern

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nach der Vereidigung der Rekruten nach der Kaserne des M2. Garderegiments zu Fuß, wo zunächst ein Vorexerzieren der 1. Kompagnie des Regiments stattfand, alsdann nahmen die Monarchen an einem Frühstück in der Offizierspeiseanstalt des

Regiments teil. Nachmittags empfingen Seine Majestät

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—— .

der König von Spanien den Reichskanzler Fürsten von Bülow und darauf das diplomatische Korps in Audienz. Abends um 6 ½ Uhr fand bei Ihren Majestäten eine Familien⸗ tafel statt und um 8 Uhr war im Opernhause auf Aller⸗ höchsten Befehl Galavorstellung. Das Haus, das auch außen Festschmuck aufwies, war in seinem Innern außer⸗ Seee geschmackvoll und unaufdringlich mit Teppichen und

Blumengewinden dekoriert, die, in diskreten Farben gehalten,

sich an den Brüstungen der Balkone und Logen entlang zogen. Der Zuschauerraum zeigte das bei solchen Gelegenheiten gewohnte glänzende Gesellschaftsbild. Den ersten und zweiten Rang nahmen die Damen der Hofgesellschaft ein, das Farkett füllten die geladenen Herren, während die Orchester⸗ und Proszeniumslogen den Botschaftern mit ihren Damen, den Ministern, Generalen und Admiralen eingeräumt waren. Pünktlich um die für den Beginn der Vorstellung angesetzte erschienen die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften unter Vorantritt des Generalintendanten von Hülsen in der großen mittleren Hofloge des ersten Ranges. Seine Majestät der König Alfons führten Ihre Majestät die Kaiserin, Seine Majestät der Kaiser Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Friedrich Leopold. Ihre Majestäten sowie Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz und die anderen hier anwesenden Prinzen des Königlichen Hauses nahmen zämtlich an der Logenbrüstung Platz, und die Vorstellung nahm alsbald ihren Anfang. Gegeben wurde das Ballett „Coppelia“ von Delibes in der bekannten Besetzung unter der Leitung des Professors Hellmesberger. In der großen Pause, die nach dem zweiten Akt stattfand, vwurde im Foyer, wo die Allerhöchsten Herrschaften Cercle hielten, der Tee eingenommen. b Heute morgen unternahmen, wie „W. T. B.“ meldet, Ihre Majestäten der Kaiser und der König von Spanien einen gemeinsamen Spaziergang im Tier⸗ arten. Seine Majestät der Kaiser sprachen dann beim

Reichskanzler Fürsten von Bülow vor und hörten im König⸗

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lichen Schloß den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts, Wirklichen Geheimen Rats Dr. von Lucanus. Seine Majestät der König von Spanien statteten am Vor⸗ mittag einer Reihe von Fürstlichkeiten, dem Reichskanzler und sämtlichen Botschaftern Besuche ab.

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Der Ausschuß des Bundesrats für Handel und Verkehr, der Ausschuß für Rechnungswesen, die vereinigten Ausschüsse für Rechnungswesen und für Justizwesen und die vereinigten Ausschüsse für Rechnungswesen und für Eisenbahnen, Post und Telegraphen hielten heute Sitzungen. 1

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iuo 0 E gnot⸗ I n.

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Besatzung S. M. S.

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Deer hiesige Königlich rumänische Gesandte Dr. Beldiman ist nach Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Gesandt⸗ schaft wieder übernommen. H“ 8

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gotssE Sue. H 8—. 10 L““

1 Laut Meldung des „W. T. B.“ ist die heimkehrende b M. S. „Möwe“ gestern mit dem Reichs⸗

postdampfer „Prinzeß Alice“ in Hongkong eingetroffen und setzt

heute die Reise nach Singapore fort.

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1125½2q

*

Der Transport der abgelösten Besatzungen der Schiffe der westafrikanischen Station tritt heute mit dem Reichspostdampfer „Eleonore Woermann“ von Duala aus die Heimreise an und läuft zunächst Victoria (Kamerun) an.

S. M. S. „Stein“ ist gestern in eingetroffen und geht am 11. November von dort nach Patras in See.

S. M. S. „Hansa“ ist vorgestern in Yokohama ein⸗

M. S. „Iltis“ ist gestern in und an demselben Tage von dort nach gegangen.

8 Der heimkehrende Transport der vom Kreuzer⸗

Se eingetroffen schingkiang in See

geschwader abgelösten Offiziere und Mannschaften

122422 re.

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8 ist vorgestern mit dem Reichspostdampfer „Bayern“ in Neapel eingetroffen und hat an demselben Tage die Reise nach Wenna 92☛ 789

fortgesetzt. 85

91 er Landtag ist gestern, wie „W. T. B.“ meldet, r⸗

öffnet worden. Der Minister Willich verlas die Thron⸗ rede. Darauf wurde die Wahl des ersten Präsidenten vor⸗ genommen, die auf Landwirt Schräber oehermsoe fiel.

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Deutsche Kolonien.

Aus Deutsch⸗Südwestafrika wird dem „W. BB zufolge amtlich berichtet:

In der Gegend zwischen Nunub und Awadaob, östlich vom Auob, fanden vom 27. bis 29. Oktober kleine Zusammenstöße mit Hotten⸗ totten des Simon Kopper statt. Hierbei fielen im ganzen dreißig Hottentotten. Auf deutscher Seite wurden drei Reiter verwundet. Die bisher in Aminuis stationierten Truppen unter Major von der Heyde und eine unter Hauptmann Morath bei Stamprietfontein gesammelte Abteilung setzen die Bekämpfung dieser Banden fort.

Auf der Verfolgung des Cornelius kam es am 29. Oktober zu einem kurzen Gefecht der 4. Ersatzkompagnie am Chamhawib⸗ revier. Ehe der die Verfolgung leitende Hauptmann von Lettow⸗ Vorbeck mit seinen beiden anderen Kompagnien heran⸗ kommen konnte, hatte sich Cornelius weiter zurückgezogen, durchquerte abermals den Schwarzrand und überfiel schon am 2. November am lUibib⸗Revier nördlich von Gellap einen Wagentransport, wobei vier deutsche Reiter fielen. Außer der Abteilung Lettow nahm je eine Kompagnie über Berseba und Tses seine Verfolgung auf. Die in der Gegend von Gründorn gemeldeten feindlichen Banden haben sich geteilt, ehe Major von Estorff sie angreifen konnte. Einen Teil verfolgt Hauptmann Brentano in nördlicher Richtung, andere scheinen sich Cornelius angeschlossen zu haben.

Ein weiteres Telegramm aus Windhuk in Deutsch⸗ Südwestafrika berichtet:

Am 2. November sind beim Ueberfall znes Wagens bei Uibis gefallen: Unteroffizier Otto Velzner, AMhlaen am 15. 5. 1881 zu Bock und Teich, früher im Pionierb. 7. Nr. 11, Unter⸗ offizier Heinrich Lorenz, geboren am 30 Un 1882 zu Pogegen, früher im Ulanenregiment Nr. 12, n,. fr teroffizier Gustav Jedamzik, geboren am 9.9. 1879 zu Snopkeen üher im Infanterie⸗ regiment Nr. 65, Reiter Albert Koch, geborg. am 12. 2. 1882 zu Badersleben, früher im Telegraphenbataillon Nal 2.

Am 1. November ist im Feldlazarett 3 zu Krckfontein der Reiter Rudolf Labusch, geboren am 4. 8. 1882 zu Sinnanowen, früher im Feldartillerieregziment Nr. 35, an der Ruhr und im Lazarett zu Dawignab der Reiter Johann Meyer, geboren am 27. 4. 1884 zu Quickborn, früher im Feldartillerieregiment Nr. 9, an Typhus ge⸗ storben.

Aus Berichten des mit der Erforschung der Schiff⸗ barkeit des Nyong im Schutzgebiet Kamerun beauf⸗ tragten Hauptmanns Freiherrn von Stein, die infolge der Störung der Postverbindung durch die Unruhen im Süd⸗ bezirk teilweise verspätet eingetroffen sind, entnimmt das „Deutsche Kolonialblatt“ folgendes:

Die Flußfahrt der Hauptexpedition von dem Lager am Uebergang der Jaundestraße bis in die Quellbambusümpfe, vier bis fünf Tage östlich Akonolinga, ist, wenn auch Felspartien, viele hohe Bäume und vor allem massenhafte Fischereianlagen der Eingeborenen häufig sehr hinderlich waren und auch mehrere kleine Unfälle im Gefolge hatten, im ganzen gut aber langsam vonstatten gegangen. Sie hat ergeben, daß der Fluß für Dampfer in Größe des „Mungo“ und auch für tiefer (bis zu 1:2) gehende Barkassen während acht bis neun Monaten des Jahres benutzbar ist. Auch die sehr viel kleinere Landexpedition unter dem Stationsassistenten Schlief, mit der unter⸗

gs mehrere Treffpunkte verabredet waren, und die streckenweise nördlich, streckenweise füdlich des Flusses sich vorwärts bewegte, hatte einen Zwischenfall auf dieser Strecke nicht zu verzeichnen. Etwa an der Grenze der die Nyongquellflüßchen umschließenden, sehr großen und tiefen Bambusümpfe wurde an einer etwa 200 m breiten und 8 bis 10 m tiefen Stelle (— sonst ist der Fluß in diesen Gegenden 40 bis 50 m breit und 3 bis 4 m tief —) der Dampfer der Gesellschaft Südkamerun vorgefunden, der vor Reigigung des Flusses weiter aufwärts nicht gelangen konnte. Die Faktoreineu⸗ anlagen mit den Verbindungen nach 8. und S0. liegen noch zwei bis drei Tage weiter östlich. ie Fahrstraße dahin wird nach allerdings recht erheblichen Reinigungsarbeiten sicher brauchbar sein, da die Wassertiefe bei 30 bis 50 m Breite nirgend unter 3 m in der trockensten Zeit beträgt.

Die vorläufige Grenze der Schiffbarkeit, die mit einiger Arbeit sich aber noch weiter ostwärts wird verlegen lassen, liegt etwa einen Tag westlich genannter Route. Dort hat am Nordufer bereits die Gesellschaft Südkamerun ihr oberes Nyongdepot ein⸗ gerichtet und die Verbindung mit Bimba (fünf Tage durch Bepöl) hergestellt. Etwas flußabwärts am Südufer ist die Expe⸗ dition mit Errichtung eines provisorischen Postens beschäftigt, der mit einer 1,5 km langen Brücke durch unüberschreitbaren Sumpf mit dem Nordufer verbunden werden wird und auf alle Fälle der sehr schwierigen Makaverhältnisse halber länger besetzt bleiben muß. Nach⸗ dem bereits mehrere Händler der Gesellschaft Südkamerun auf dem Südufer zwischen Atok und dem oberen Nvongdevpot ausgeraubt und getötet worden waren, hat der Direktor der Gesellschaft sich klagend an die Verwaltung des Sanga⸗Ngoko⸗Gebiets und an die Expedition mit der Bitte um Hilfe gewandt. Es wurde ihm diese seitens der Expedition auch zugesichert. Noch ehe aber die Antwort der Verwaltung des Sanga⸗Ngoko⸗Gebiets eintraf, wurde ein vorausgefahrener Teil der Flußexpedition Abends im Lager vier Stunden unterhalb des oberen Nvyongdepots scharf beschossen. Sofort nach Süd, Südwest und West ausgesandte Patrouillen erhielten ebenfalls Feuer. Nach Ost wurde das nahe Grenz⸗ flüßchen Maka⸗Nordganguma (Nyem) nicht überschritten. Ich habe nun die ganze Expedition herangezogen und vom neuen Posten Abong⸗mbang und dem Kriegslager Abongendume aus, die etwa 1 ½ Fahrstunden auseinanderliegen, vom 13. März ab Krieg geführt, ohre aber bisher eine Unterwerfung er⸗ zielt zu haben. Das Nordufer, an dem die Faktoreien liegen, ist bisher ruhig geblieben. Auch hat die Teilexpedition Schlief, die dort zum oberen Nyongdepot der Gesellschaft Südkamerun marschiert ist, friedlich durchkommen können. Unter Hinterlassung einer Wache habe ich sie hierher gezogen. Die sämtlichen gefährdeten Angestellten der Gesellschaft Südkamerun sind teilweise unter leb⸗ haften Kämpfen in den Distrikt Nyongdepot Bini überführt worden. Bis auf geringe Ausnahmen ist in diesem Flußabschnitt jetzt Ruhe, wenn auch noch kein formeller Friede mit den Eingeborenen geschlossen worden ist. Der Abschniet Bini —-Amuna—Atok ist fast völlig niedergekämpft. Eine Anzahl der dortigen Häuptlinge habe ich in Gewahrsam. Die Njemroute vom oberen Nyongdepot nach Süd war zeitweise gesperrt, ist jetzt aber wieder gangbar, wenn auch definitive Friedensschlüsse dort noch nicht vorliegen. Der Weg oberes Nyongdepot Bimba Bertua ist neuerdings in der Nähe des Dume gesperrt. Es handelt sich um eine partielle Erhebung in Bepoôl, deren Ursachen und Umfang mir noch unbekannt sind. Ein Vorgehen ist aber hier derzeit noch unmög⸗ lich, da zunächst die Etappenstraße nach West (Akonolinga) in Angriff genommen werden muß. Eine neue direkte Verbindung von Abongembang nach Bertua, die Bepöl im Osten läßt und etwa der Engelhardtschen Route folgt, ist in Angriff genommen (vier Tage). Eine aus dem Personal der Gesellschaft Suͤdkamerun und Bedeckungsmannschaften der Expedition gebildete Bergungs⸗ kolonne unter Führung Schliefs hat fast kampflos den Dampfer der Gesellschaft Suüdkamerun von Atok zum oberen Nvongdepot geschafft. Schlief hat ohne Unterstützung eines anderen maschinenkundigen oder tätigen Weißen der Gesellschaft Südkamerun in überraschend kurzer

habe ebentuell durch genaue Untersuchung festzustellende Ueberschreitung ihre

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Zeit diese schwierige Aufgabe gelöst und damit gleichzeitig den Bewes von der Sbhiffarkei des oberen Flußlaufes erbracht. er

Von Atok nach West ist der Fluß noch an mehreren Stella anscheinend nachhaltig gesperrt. So werden von den verschiedensten Quellen mehrere deutende Jebekolechefs, die etwa vier bi fünf Kanutage von hier westwärts sitzen, dau Flußräuber angegeben. Auch die Makaenklave, die scch an der Mündung des Longmapfok, fünf Tage (für Kam⸗ von hier entfernt, zwischen Jebekole und Jengone einschiebt, soll in Aufstand sein. Um über diese Verhältnisse im Westen Aufklärung z gewinnen und die in Akonolinga lagernden Lasten der Expediticn berbeizuschaffen, wird Schlief mit einer ausgesuchten Bedeckung von 25 Mann in Marsch gesetzt werden. An eine definitive Beruhigmg der Jebekole Longmapfok und Jengone⸗Flußstrecken ist dabei abe natürlich nicht gedacht. Die Hauptexpedition wird während der M. wesenheit dieser Durchbruchspatrouille nach Möglichkeit die Fahrba⸗ machung der Flußstrecke Atok —oberes Nyongdepot fördern und gleich. zeitig die definttive Eröffnung einer brauchbaren Verbindung in de Berri— Bertua⸗Region anstreben.

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Oesterreich⸗Ungarn.

In der gestrigen Sitzung des böhmischen Landtages witz der Statthalter, wie „W. T. B.“ berichtet, in Beantwo einer Interpellation der Abgeordneten Pacak und Ge⸗

nossen, betreffend die Vorfälle in den letzten Tagen,

in der die öffentlichen DOrgane der Ueberschreitung ihrer Machtvol⸗ kommenheiten beschuldigt werden, darauf hin, daß die Regierung die Wahlrechtsbewegung nicht im mindesten beschränke, selbst nicht nachden am 4. November in Prag ohne Veranlassung organisierte Ueberfällke und blutige Angriffe auf Polizeibeamte und Wachorgane erfolg seien. Auch die Kundgebungen am Sonntag seien nicht behinden worden. Die aufrührerische Haltung der Demonstranten habe jedoch die Aufbietung großer Machtmittel drohte und schwerverletzte öffentliche Ordnung zu schützen. Der Statthalter erklärte, er werde die der Regierung zu Gebote stehenden Machtmittel bis zur vollständigen Erreichung dieses Zieles anwenden. Redner stellte ferner mit Befriedigung fest, daß vorgestern in erfolg⸗ verheißender Weise zur Ruhe gemahnt worden sei. Die Polizi sich nach den bestehenden Vorschriften verhalten; ein

Befugnisse würde gewiß nicht ungeahndet bleiben. Beobachter erklärten jedoch, daß die äußerste Langmut entgegengesetzt habe. Die Ausführungen des Stat⸗ halters wurden mehrfach durch laute Zwischenrufe der Jungtschechen und der Tschechisch⸗Radikalen unterbrochen, von den Großgrundbesitzem und den Deutschen aber beifällig aufgenommen. S

Frankreich. 1

In der gestrigen Sitzung der Deputiertenkammer wulde die Erörterung der Vorlage, betreffend die Arbeiterversicherung, aufgenommen. Ueber den Verlauf der Verhandlung berichtet „W. T. B.: Vaillant (Soz) entwickelte ein Gegenprojekt, das jeden mittellosen Arbeiter beim Eintritt von Alter, Krankheit, Unfall und Invalidität sicherstellen soll. Der Berichterstatter bekämpfte dieses Gegenprojekt mit der Begründung, daß die Geldmittel fehlten, um es durchzuführen. Das Gegenprojekt Vaillants wurde hierauf mit 447 gegen 97 Stimmen àb. gelehnt. Fournier (So;.) entwickelte ein anderes Gegenprojekt, dessen Erörterung auf die heutige Sitzung vertagt wurde. Mehren Sozialisten protestierten gegen das gegen die Lehrer eingeleitete Ver⸗ fahren und nahmen für die Staatsbeamten das Recht in Ansprach, sich zu organisieren. Der Unterrichtsminister Bien venu⸗Martin er⸗ klärte, er müsse seinen Runderlaß, der den Lehrern verbietet, sich zn organisieren, aufrecht erhalten. Codet (Republikaner) verlangte die Ueberweisung des Antrags Lasies an die Arbeitskommission. Jaurès (Sozialist) erklärte unter dem Beifall der Linken, die Verfolgung der Lehrer sei eine reaktionäre Handlungsweise. Der Ministerpräsident Rouvier übernahm die ganze Verant⸗ wortung für die Maßregel und sagte: „Allen Angestellten und Beamten der Regierung das Recht des Ausstandes zuz⸗ gestehen, das heißt die Anarchie schaffen. Keine Regierung könnte, ohne Selbstmord zu begehen, den Lehrern und den Poft⸗ beamten das Recht verleihen, sich zu organisieren. Rouvier er⸗ klärte weiter, er könne nur die Tagesordnung Grosdidier annehmen, welche die Erklärungen der Regierung billigt und die Verhandlung über die vorgeschlagenen Abänderungen des Gesetzes über die Berufs⸗ vereine aufschiebt. Die Tagesordnung Puech, die Einstellung der ge⸗ richtlichen Verfolgung der Lehrer vorschlägt, wird mit 312 gegen 285

Unbeteiligte

Stimmen abgelehnt und die Tagesordnung Grosdidier muß

301 gegen 32 Stimmen angenommen. In der Nachmittagssitzung begründete der Deputierte Lasiet Antisemit) einen Antrag, in dem er die Regierung auffordert, der ngestellten und Arbeitern in Staatsdiensten die Er⸗ mächtigung zu erteilen, Verhbände gemäß dem Gesehe vom Jahre 1884 zu gründen. Der Minnisterpräsident Rouvier erwiderte, daß dieses Gesetz sich nicht auf Beꝛmte anwenden lasse, sondern lediglich für Arbeiter im eigensten Sinne des Wortes Gültigkeit besitze. Aus diesem Geunde habe die Regierung auch den Fall von 40 Lehrern, die einen Verband gründeten, den Gerichten überwiesen. Nachdem das Urteil in diesem Falle gefällt sei, stehe es der Kammer frei, das Gesetz einer Abände⸗ rung zu unterziehen, wenn sie es für wünschenswert erachte.

Rußland.

Nach einer Meldung der „St. Petersburger Telc⸗

graphen⸗Agentur“ ist der Finanzminister Kokowzew vom Amte zurückgetreten und an seiner Stelle Schipow zum Finanzminister ernannt worden. Kokowzew ist, laut „W. T. b unter Beförderung zum Wirklichen Geheimen Rat und unter Belassung in der Würde als Staatssekretär und Senator in den Reichsrat berufen worden. Es besteht der Plan, jetzt als Abteilung des Finanzministeriums bestehende partement für Handel, Industrie und für die Verwaltung der Handelsschiffahrt zu einem besonderen Handels⸗ ministerium umzugestalten.

Der Ministerrat hat derselben Quelle zufolge er⸗ Bestimmungen für die Wahlen zur Reichs⸗ uma ausgearbeitet. Danach soll das Wahlrecht auch Mietern übertragen werden, die eine Mietssteuer mindestens der dritten Klasse zahlen; den Kaufleuten, die Gewerbesteuer der zweiten Klasse zahlen, und allen, die das Abgangszeugnis

einer höheren Lehranstalt besitzen; den Beamten, die ein halt von mindestens 1200 Rubeln in den Hauptstädten, von mindestens 900 Rubeln an anderen Orten beziehen, und den Eigen⸗ tümern, die Immobilien im Werte von schätzungsweise mindestens 300 Rubeln in Städten bis zu 25 000 Einwohnern, mindestens 1000 Rubeln in Städten mit mehr als 25 2 wohnern besitzen. Die Zahl der Arbeitervertreter wird auf 21 festgesetzt, ungefähr einer auf 250 000; die Wahlen der Arbeitervertreter werden bezirksweise vorgenommen wer Die Mitgliederzahl der Duma wird auf 600 erhöht, Dar Ministerrat hat, wie ferner gemeldet wird, die Verhandlungen über die Bestimmungen, betreffend die Aufhebung der Präventivzensur für die Presse, beendet. Die letzten Meldungen aus verschiedenen Teilen Rußlands berichten nach einem von dem „W. 83 übermittelten Regierungscommuniqus von einer allge⸗ meinen Beruhigung. Es sei klar, heißt es in

notwendig gemacht, um die be⸗

olizei allen Herausforderungen

DOsurgety

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8 Bergström, Mitglied der Zweiten Kammer. ddes neuen Ministeriums, Staaf Berg und Bergström gehören in der Zweiten Kammer der

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in Gegenwart des Gesandten von Müller vom Audienz empfangen woreen.

Manifest, daß die scharfe Krise, die der Zusammenstoß zwischen dem neuen System und veralteten Tendenzen ver⸗ ursacht habe, ihrem Ende entgegengehe. Die tragischen und beklagenswerten Ereignisse der letzten Woche in verschiedenen Orten des Reichs könnten als eine spontane Reaktion der konservativen Elemente der Bevölkerung gegen die vielleicht übertriebenen Kundgebungen der radikalen Elemente be⸗ trachtet werden. Andererseits könne unmöglich in Abrede gestellt werden, daß in manchen Fällen diese Reaktion durch Agenten der lokalen Verwaltungen begünstigt worden sei. Die jetzige Regierung sei weit entfernt, diese Tatsache zu ignorieren oder verhehlen zu wollen; wenn sie dies täte, so würde sie in der alten Richtung weitergehen, anstatt auf dem Wege des Fortschritts. Unter den Agenten in der Lokalverwaltung ebe es Feinde des neuen Systems, welche mit allen

itteln der Verwirklichung der Reformen entgegenarbeiteten. In einem an einen New Yorker Bankier gerichteten Tele⸗ gramm habe der Graf Witte erklärt, daß er alle die vorgefallenen Gewalttaten verabscheue, es sei aber schwierig, sofort alle Abteilungen der Verwaltung mit neuen Beamten zu besetzen, die rückhaltlos die Wohltaten einer ausgesprochen liberalen Regierung zu würdigen wissen. Andererseits könne man fest⸗ stellen, daß in allen Fällen, wo der Verdacht aufkommen könne, daß Beamte der Lokalverwaltung gewalttätige Nei⸗ gungen unterstützt hätten, die Justizbeamten angewiesen seien, Untersuchungen einzuleiten.

Ein weiteres Regierungscommuniqus verurteilt, der „St. Petersburger Telegraphenagentur“ zufolge, die Versuche der Blätter, aus Anlaß der Unruhen die Autorität der Militärobrigkeiten zu erschüttern, und hebt hervor, daß in der alllgemeinen Beurteilung der Tätigkeit der Truppen keine Meinungsverschiedenheit zwischen den höchsten Militär⸗ und Zivilverwaltungen be⸗ stehe. Auch die Mehrheit der Gesellschaft werde bei ruhiger unparteiischer Beurteilung die Verdienste der Truppen bei der Beruhigung des Landes anerkennen.

Aus Lodz meldet das „W. T. B.“, der General⸗ gouverneur habe gestern durch Maueranschläge bekannt ge⸗ macht, daß Demonstrationen und Volksversamm⸗ lungen nicht zugelassen und mit Waffengewalt unter⸗ drückt werden würden. Falls die Straßenbeleuchtung unterbrochen würde, würde jeder Verkehr von 6 Uhr Abends bis früh Morgens untersagt werden. Die Geschäfte sind zum Teil mit Brettern vernagelt; die Bevölkerung ist in größter Unruhe. Die Zeitungen sind nicht erschienen; veröffentlicht werden nur die Telegramme der „St. Petersburger Telegraphenagentur“. Laut Meldung dieser Agentur aus Saratow ist die Bevölkerung, die sich bereits einigermaßen beruhigt hatte, durch eine Proklamation des dortigen Bischofs von neuem heftig erregt worden. In dieser Proklamation fordert der Bischof zu Gewalttätigkeiten gegen die Feinde des Staats auf, zu denen er die männlichen und weiblichen Zöglinge der Gymnasien zählt. Nur die Entfernung des Bischofs könnte die Bevölkerung beruhigen. In Batum sind an vielen Stellen die Schienengleise und Brücken be⸗ schädigt, auf der Station Supssa sind 5 Kosaken und auf der Station Kobuleth der Stationsvorsteher und zwei Bahn⸗ wärter getötet worden. Am 2. November griff die Volks⸗ miliz in dem Orte Nassakvirali den⸗ von 120 Ko⸗ saken begleiteten Bezirkschef an. Der Kampf dauerte 17 Stunden. 105 Kosaken fielen. Die Polizeibeamten des Ortes wurden sämtlich getötet, von der Miliz fielen nur 4 Mann. Wütende Kosaken zünden die Baulichkeiten in den Dörfern

an. Da es an Landstraßen fehlt, werden die Truppen auf dem Seewege nach dem Schauplatz des Aufstandes befördert. Blutige Zusammenstöße mit den Truppen haben auch in der Landschaft Gurien stattgefunden. Eine in dem dortigen Theater abgehaltene Versammlung richtete an den Statthalter die Forderung, die Truppen aus Gurien zurückzuziehen, und es ist der Beschluß gefaßt worden, bis zu einer günstigen Entscheidung In dem Kreise Kreischef, der große

in den allgemeinen Ausstand einzutreten.

sind durch Bomben der Kreis Friedensrichter und dessen Frau sowie eine Anzahl Kosaken getötet worden. 8

Spanien. 8 Der Ministerrat hat, „W. T. B.“ zufolge, beschlossen, Norwegen als selbständigen Staat anzuerkennen.

Schweden.

einer Meldung des „W. T. B.“, ij 1 Ministerium endgültig mit folgender Zusammensetzung

ist das neue

gebildet worden: Ministerpräsident und Justizminister⸗ dder bisherige Minister ohne Portefeuille Staaff, Mitglied der

weiten Kammer; Minister des Aeußern: der bisherige Besandte in Kopenhagen, Kammerherr Trolle; Kriegs⸗ minister: wie bisher Oberst Tingsten; Marineminister: Kontreadmiral Sidner; Minister des Innern: Amts⸗ ekretär Schotte; Finanzminister: der bisherige Finanz⸗ minister Biesert, Mitglied der Zweiten Kammer; Kultus⸗ minister: Volksschullehrer Berg, Mitglied der Zweiten Kammer; Landwirtschaftsminister: Hofstallmeister Tamm, Mitglied der Zweiten Kammer; Minister ohne Porte⸗ feuille: Justizrat Marks von Würtemberg, Bureauchef im Justizministerium Dr. Hellner und Dr. phil.

Fünf Mitglieder Biesert, Tamm,

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die Minister Staaff, liberalen Partei an und geben dem Ministerium den Charakter eines Ministeriums der Linken.

8 Die deutschen Unterhändler zu den Handels⸗ vertragsverhandlungen sind, „W. T. B.“ zufolge, gestern . önig in

8 Amerika. Zum Bürgermeister von New York ist, wie „W. T. B.“ meldet, der Tammany⸗Kandidat Me Clellan wiedergewählt worden. Zum Gouverneur von Ohio ist, nach derselben Quelle, der demokratische Kandidat Pattison, zum Gouverneur

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von Massachusetts der republikanische Kandidat Guild ge⸗ . v“

Statistik und Volkswirtschaft.

Die Bevölkerungsbewegung, die SS nach Berufsklafsen, die Chescheidungen, die Geborenen nach dem Berufihres Vaters unddie Sterbefälle in Berlin 1 904.

Die erste Volkszählung fand in Berlin im Jahre 1709 statt, im Städte Berlin und Cölln unter

Jahre der Wiedervereinigung der 2 Beitritt der Städte Friedrichswerder, Neustadt und Friedrichstadt. Damals zählte Berlin mit den ihm einverleibten Städten nach dem jetzt erschienenen 29. Jahrgang des „Statiftischen Jahrbuchs der Stadt Berlin“ erst 57 000 Einwohner, im Jahre 1750 113 289 (nämlich 65 375 männliche und nur 47 914 weibliche), i. J. 1800 172 132 (88 967 männl. und 83 165 weibl.), i. J. 1825 219 968 (113 523 männl. und 106 445 weibl.), i. J. 1850 418 733 (216 857 männl. und 201 876 weibl), im Jahre 1860, in dem Charlotten⸗ burger, Schöneberger, Tempelhofer Gebiet, die Gutsbezirke Moabit, Wedding und Gesundbrunnen Berlin einverleibt wurden, im neuen Weichbilde 528 876 (270 334 männl. und 258 542 weibl.), am Schluß des Jahres 1870 774 498 (379 897 männl. und 394 601 weibl.), Ende 1880 1 123 749 (542 794 männl. und 580 955 weibl. während des deutsch⸗französischen Krieges war die weibliche Bevölkerung vorübergehend, seit 1876 ist sie dauernd größer als die männliche —), Ende 1890 1 578 516 (757 963 männl. und 820 553 weibl.), Ende 1900 1 888 574 (901 960 männl. und 986 614 weibl.), und zu Anfang des Jahres 1905 wurde die Be⸗ völkerung der Stadt auf 2 000 000 Personen berechnet sim De⸗ zember 1904 953 745 männl. und 1 045 449 weibl.). Der Be⸗ völkerungszuwachs im Jahre 1904 überstieg 43 000 und war um fast 8000 höher als der des Jahres 1903, wozu die starke Vermehrung der Zugezogenen (266 000 gegen 254 000 im Vorjahre) wesentlich beigetragen hat. Wie schon seit langer Zeit, so zeigten auch 1904 die innere Stadt und die sich an diese ansetzenden Bezirke eine Abnahme, sodaß die Zunahme auf einem nur verhältnismäßig kleinen Teile der Stadt (in 134 von 376 Bezirken) vor sich ging. In den Vororten war das Anwachsen der Bevölkerung recht beträchtlich. Während in Berlin die Zunahme 1904 2,16 % betrug, hat Char⸗ lottenburg um 6,08 %, Schöneberg um 7,84 %, Wilmersdorf um 17 %, Friedenau um 11,06 %, Schmargendorf um 14,98 %, Grune⸗ wald um 6,76 % zugenommen. Unter den südöstlichen und östlichen Vororten hat Rixdorf eine Zunahme von 16,47 %, Treptow von 21,13 %, Stralau von 25 94 %, Rummelsburg von 18,50 % zu ver⸗ zeichnen. „Groß⸗Berlin“ hatte im Oktober 1904 2,7 Millionen Einwohner.

Was den Beruf der von Berlin Ab⸗ und der Zuzichenden an⸗

belangt, so zeigt eine im „Statistischen Jahrbuch“ enthaltene Tabelle

den großen Anteil der minder bemittelten Volksklassen, beim weib⸗ lichen Geschlecht speziell der Dienstmädchen (49 427 zugezogene und 37 023 fortgezogene Dienstmädchen). Daß die Arbeiterbevölkerung im besonderen dauernd zunimmt, beweist das Anwachsen der Mit⸗ gliederzahlen der Krankenkassen. Im Januar 1904 hatten diese insgesamt 431 070 männliche und 231 560 weibliche, im Januar 1905 460 095 männliche und 242 203 weibliche Mitglieder. Auf das Tausend der männlichen Bevölkerung kamen im Januar 1894 311, im Januar 1904 404, im Januar 1905 427, im Juni 1905 447 männliche, auf as Tausend der weiblichen Bevölkerung im Januar 1894 105, im anuar 1904 178, im Januar 1905 188, im Juni 1905 194 weibliche mitglieder. Aber auch die steuerzahlende Bevölkerung wird an⸗ nd in ihrem Bestande durch die Zuzüge und Abzüge ungünstig Wenigstens haben die Auszählungen der Steuerüber⸗ Staatssteuerzahler ergeben, daß in den Stufen bis zu 1800 Einkommen ein Zuzugsüberschuß (von 8100 Personen) zu verzeichnen, in den Stufen von 1800 an aufwärts dagegen ein Abzugüberschuß (von 2600) vorhanden war (im Jahre 1903 beliefen sich diese Zahlen auf 6700 bezw. 2800). Von den 2600 Steuerzahlern der Einkommensteuerstufen von 1800 aufwärts, kie mehr fort⸗ als zuzogen, entfielen fast 2000 auf Charlottenburg, Scköneberg und Wilmersdorf. Es kann nicht ausbleiben, daß die Fortdauer dieser Verhältnisse den sozialen Charakter der Berliner Bevölkerung allmäblich verändert.

Die Zahl der Eheschließungen 21 220 war im Jahre 1904 größer als je zuvor; im Vergleich mit der Bevölkerung freilich war das Anwachsen nicht ganz so stark. Es heirateten vom Taufend der Bevölkerung 21,5, zwar mehr als im Vorjahre (20,85), aber nicht so viele wie in den letzten Jahren des vortgen Jahr⸗ hunderts (1900 22,26 % 1899 21,92 %0, 1898 22,07 ‧%0, 1897 22,20 %, gegen 27,02 % im Durchschnitt der Jahre 1871,75)) vom Tausend der unverheirateten Männer über 20 Jahre 92,0 (gegen 89,1 im Vorjahre, 90,8 i. J. 1900, 93,1 i. J. 1897), vom Tausend der unverheirateten 15 Jahre 52,1 (gegen 50,3 im Vorjahre, 53,5 i. J. 1900, 52,8 Z 1892). Von je 1000 heiratenden Männern waren 264 20 bis 25 Jahre, 432 25 bis 30 Jahre alt, von je 1000 beiratenden Frauen dagegen 427 20 bis 25 Jahre und nur 299 25 bis 30 Jahre alt.

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ass schei eeinflußt. reisungen der

Dem Berufe nach waren von den 21 220 heiratenden Männern

12 194 Abhängige in einem näher bezeichneten Industriezweige, im Baugewerbe, Handel oder Verkehrsgewerbe, weitere 2480 „Arbeiter“ ohne nähere Angabe, 1089 Dienstboten ꝛc, 863 im siskalischen Post⸗, Telegraphen⸗ oder Eisenbahndienst Stehende, 437 niedere Reichs⸗, Staats⸗ ꝛc. Verwaltungsbeamte, 212 Unteroffiziere ꝛc. der Armee oder Flotte, 259 in der großen Mehrzahl ebenfalls zu den Ab⸗ hängigen zählende Schriftsteller und bei der Presse Beschäftigte; Selbst⸗ ständige in einem näher bezeichneten Gewerbe waren 2249, gewerblich, aber nicht in einem bestimmten Gewerbe, waren außerdem 573 tätig; 199 gehörten der Berufsklasse der Künstler an, 160 zählten zum Heil⸗ personal, 120 zum Lehr⸗ und Erziehungspersonal, 87 waren höhere Reichs⸗, Staats⸗ ꝛc. Verwaltungsbeamte, 53 Offiziere der Armee oder Flotte, 37 standen im Dienst der Kirche, 67 waren Pensionäre, 63 Rentiers. Die Zahl der abhängigen und den arbeitenden Klassen angehörigen Männer, die in die Ehe getreten sind, hat bedeutend zugenommen, dagegen ist die der heiratenden Selbständigen zurückgegangen. Es schlossen im Jahre 1904 1444 in Gewerbe und Haadel be⸗ schäftigte Abhängige mehr als im Vorjahre und 2196 mehr als 1. J. 1902 eine Ehe, nur die ebenfalls hohe Zahl der „Arbeiter“ ohne nähere Angabe, die heirateten, war um 261 kleiner als im Vorjahre und um 147 geringer als i. J. 1902. Von den männlichen Dienstboten ꝛc. gingen 58 mehr als im Vorjahre eine Ehe ein. Zugenommen hat auch die Zahl der heiratenden Schrifisteller und bei der Presse Beschäftigten (78 mehr als im Vorjahre und 162 mehr als i. J. 1902), die der heiratenden Unteroffiziere ꝛc. (19 mehr als im Vorjahre), die der heiratenden böheren Reichs⸗, Staats. ꝛc. Beamten (16 mehr als i. Vorj), die Zahl der im Kirchen⸗ dienst Stehenden (17 mehr) und die der heiratenden Pensionäre (22 mehr). Dagegen war die Zahl der heiratenden Selbständigen in Gewerbe und Handel 1904 um 127 kleiner als im Vorjahre. Auch in allen übrigen Berufsklassen hat die Zahl der heiratenden Männer abgenommen; von den niederen Reichs⸗, Staats⸗ ꝛc. Verwaltungs⸗ beamten gingen 81 weniger als i. Vorj. und 167 weniger als i. J. 1902, von dem Perfonal des Post⸗, Telegraphen⸗ und Eisenbahndienstes 63 weniger als i. Vorj. und 74 weniger als i. J. 1902 eine Ehe ein. Von den 21 220 heiratenden Frauen waren 7356 Abhängige in einem näher bezeichneten Industriezweige, im Handel oder Gast⸗ wirtschaftsgewerbe, 2747 „Arbeiterinnen“ ohne nähere Angabe, 4191 Dienstmädchen ꝛc, 1630 Selbständige in einem näher bezeichneten Gewerbe, 175 in nicht bestimmtem Gewerbe Tätige, 135 zählten zum Heilpersonal, 112 zum Lehr⸗ und Erziehungspersonal, 60 zur Berufs⸗ klasse der Künsiler; 4127 waren ohne Beruf oder in Berufsvor⸗ bereitung, und 555 haben keine bestimmte Berufsangabe gemacht. Geschieden wurden im Jahre 1904 1376 Ehen, eine erheblich größere Zahl als in den Jahren vorher, aber nicht so viel wie in den letzten Jahren vor Einführung des die Ehescheidung erschwerenden Bürgerlichen Gesetzbuchs. 348 der geschiedenen Ehen hatten noch nicht 5 Jahre gedauert, 343 sind nach 5 —10jähriger, 309 nach 10 - 15jähriger, 164 15 20jähriger, 64 nach 20 25jähriger, 31 nach 25 bis heegeses nc nach 30 35ähriger, 2 nach 35 36jähriger und 1 nach

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Frauen über

45jähriger Dauer geschieden worden, bei 1 Ehe fehlt eine Angabe über deren Dauer.

Die Zahl der Geborenen war im Jahre 1904 sehr niedrig. Seit 1897 wies nur das Jahr 1903 eine nech niedrigere Zahl auf. Es wurden 1904 (einschließlich der Totgeborenen) 26 023 Knaben und 24 693 Mädchen, zusammen 50 716 (1903 49 571) Kinder geboren, auf das Tausend der Bevölkerung 25,72 (gegen 25,66 im Jabre 1903, 27,71. i. J. 1900, 29,41 i. F. 1895, 32,8 i. J. 1890, 36,4 i. J. 1885, 41,5 i. J. 1880 und 47,2 im Jahre 1876, nach dem der Rückgang begann). Von dieken würden 4251 Knaben und 4018 Mädchen, zu⸗ sammen 8269 Kinder außerehelich geboren, das sind 16,30 % der Gesamtzahl der Geborenen (gegen 15,63 % im Jahre 1903, 14,96 % i. J. 1900, 14,56 % i. J. 1895, 12,3 % i. J. 1890, 13,5 % i. J. 1885 und 13,0 % i. J. 1876), auf das Tausend der Bevölkerung 4,19 (gegen 4,01 im Jahre 1903, 4,14 i. J. 1900, 4 28 i. J. 1895, 41 1. J. 1890, 4,9 i. J. 1885 und 6,1 i. J. 1876). 49 550 Geburten waren einfache, 571 (darunter 74 außereheliche) Zwillings⸗ und 8 (darunter 2 außereheliche) Drillingsgeburten. 1037 Knaben und 794 Mädchen, zusammen 1831 Kinder oder 3,61 % der Gesamtzahl der Geborenen (im Vorjahre 1747 oder 3,53 %) wurden tot geboren; darunter befanden sich 421 uneheliche (228 Knaben und 193 Mädchen). Von den ehelich Geborenen waren 3,32 %, von den außerehelich Ge⸗ borenen 5,09 % tot geboren. Vergleicht man die Zahl der ehelich Geborenen mit der mittleren Zahl der Ehefrauen, so entfielen auf 1000 Ehefrauen 111,5 Geborene gegen 113,1 im Vorjahre, 127,0 i. J. 1800, 163,7 i. J. 1890, 205,0 i. J. 1880 und 240,3 i. J. 1876, seit welcher Zeit dieser Rückgang andauert.

Eine Tabelle des Jahrbuchs über den Beruf der Väter der ehelichen und den der Mütter der unehelichen Kinder ergibt, daß mehr als die Hälfte der 41 037 ecehelichen Lebendgeborenen, nämlich 21 986, zu Vätern Abhängige in einem näher bezeichneten Industriezweige, im Baugewerbe, Handel oder Verkehrs⸗ gewerbe hatten, weitere 5775 Lebendgeborene „Arbeiter“ ohne nähere

ngabe, 2214 Dienstboten ꝛc., 1940 im Post⸗, Telegraphen⸗ oder Eisenbahndienst Stehende, 1254 Lebendgeborene niedere Reichs⸗, Staats⸗ ꝛc. Verwaltungsbeamte, 198 Unteroffiziere der Armee eder Flotte, 309 Schriftsteller und bei der Presse Beschäftigte; Selbständigen in einem räher bezeichneten Gewerbe wurden 5298 eheliche Lebendgeborene, 8 in nicht bestimmtem Gewerbe Tätigen 969, Künstlern 259, Lehrern und Erziehern 258, zum Heilpersonal zählenden Vätern 194, höheren Reichs⸗ Staats⸗ ꝛc. Verwaltungsbeamten 69, Offizieren der Armee und Flott 50, im Dienste der Kirche Stehenden 43, Pensionären 94, Rentier 42, Vätern ohne Beruf oder in Berufsvorbereitung 30 Kinder geboren Im Vergleich mit dem Vorjahre stieg die Zahl der ehelichen Lebendgeborenen erheblich in den Familien der Abhängigen in 8 Gewerbe und Handel, der männlichen Dienstboten ꝛc, sowie in dene 3 der Schriftsteller und bei der Presse Beschäftigten, unwesentlich in den Familien der Lehrer und Erzieher, der im Kirchendienst Stehenden, der Unteroffiziere ꝛc. und der Pensionäre; in den Familien der Selbständigen in Gewerbe und Handel blieb sie ungefähr gleich niedrig; in allen übrigen Berufsklassen aber ging sie weiter zurück, verhältniemäßig am bedeutendsten in den Familien der niederen Reichs⸗, ꝛc. Beamten. Bei den unehelichen Kindern ist der Beruf der Mütter angegeben: Unter den 7848 Lebendgehorenen waren 2599 von Dienstmädchen ꝛc geboren, 2277 von in näher bez ichnetem Industriezweige, im Handel oder in Gastwirtschaften beschäftigten ab⸗ dängigen weiblichen Personen, 1870 von „Arbeiterinnen“ ohne rähere Angabe, 343 von Selbständigen in Gewerbe oder Handel, 50 von Lehrerinnen und Erziehberinnen, 45 von zum Heilpersonal zählenden weiblichen Personen, 36 von Künstlerinnen, 15 von Schriftstellerinnen und bei der Presse beschäftigten weiblichen Personen, 4 von im Post⸗, Telegraphen⸗ oder Eisenbahndienst Stehenden, 3 von Pensionärinnen, 2 von Rentieren; die Mütter von 190 unehelichen Lebendgeborenen haben üker ihren Beruf keinerlei Angaben gemacht, die von 406 Kindern waren ohne Beruf oder in Berufsvorbereitung.

An Sterbefällen wies das Jahr 1904 35 256 einschließlich der Totgeborenen auf, nicht unerheblich mehr als die beiden Vorjahre (1903 33 629, 1902 32 569). Gleichwohl war im Vergleich mit der Bevölkerung das Ergebnis ein sehr günstiges: 17,88 auf das Tausend derselben (1903 17,41 %0, 1902 17,11 %0, dagegen i. J. 1900 19,9 ¾ %0, 1895 21,24 %⸗, 1890 22,47 % , 1880 31,28 ¼). Seit dem Jahre 1895 hat die Sterblichkeitsziffer nicht mehr 20 % erreicht. In der Zeit von 1891 bis 18955 war nur im Jahre 1894 die Sterbeziffer unter 20, und in den Jahren von 1881 bis 1890 war nur einmal (1888) 21,5 erreicht worden, von 1870 bis 1880 aber war die günstigste Ziffer 29,35 (1879). Es ist bekannt, daß die Sterblichkeit der Altersklassen sehr verschieden ist. Im ersten Lebensjahre stirbt 1 bis aller lebenden Kinder dieser Altersklasse, wäͤhrend schon im zweiten FJahre dieser Anteil auf etwa t seiner Höhe herabgeht und dann dauernd weiter sintt bis zur günstigsten Zeit im Alter von 10 bis 15 Jahren; dann beginnt wieder ein Ansteigen bis zur Höhe des ersten Lebensjahres und höher in den letzten Altersstufen. Von den beiden Geschlechtern zeigt dann das weibliche fast durchweg eine nicht unerheblich günstigere Sterblichkeit. Es starben im Jahre 1904 einschließlich der Totgeborenen 18 580 männliche und nur 16 676 weibliche Personen, das sind 19,77 auf das Tausend der männlichen bezw nur 16,15 auf das Tausend der weib⸗ lichen Bevölkerung (gegen 19,23 bezw 15,77 i. J. 1903, 19,06 bezw. 15,34 i. J. 1902, 22,15 bezw. 17,99 i. J. 1900, 23,74 bezw. 18,98 i. J. 1895). Im ersten Lebensjahre starben 9783 Kinder (gegen 9452 i. J. 1903), d. s. auf das Tausend der Bevölkerung 5,89 (gegen 5,80 i. J. 1903, 5,65 i. J. 1902, 7,29 i. J. 1900, Ig ö18ää 14,10 i. J. 1880, 16,61 i. J. 1875, in welchem die Kindersterblichkeit am höchsten gewesen ist). Von den 1904 im ersten Lebensjahre gestorbenen Kindern waren 5531 Knaben und 4252 Mädchen (1903 5189 Knaben und 4263 Mädchen), darunter 1289 bezw. 996 außerehelich geborene (1903 1217 bezw. 985). Weitaus die häufigste Todesursache bildeten die verschiedenen Formen der Tuberkulose (4734 Fälle). Es folgen dann Darmkatarrhe, Krebs, Gehirnschlag. Von den einzelnen Altersklassen waren die bis 5 Jahre alten Kinder zumeist durch Lungenentzündung gefährdet, in den übrigen Altersklassen über⸗ wiegen bis zum 55. Jahre bei den Männern, bis zum 45. Jahre bei den Frauen Lungenschwindsucht, dann bei den Männern Herzkrank⸗ beiten, bei den Frauen meistens bis zum 65. Jahre Krebs, ebenfalls Herzkrankheiten. 8

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Zur Arbeiterbewegung. ““

Aus Bochum berichtet die „Rh.⸗Westf. Ztg.“, waltung des „Alten Bergarbeiterverbandes“ an die Berg⸗ leute Mitteldeutschlands und des Königreichs Sachsen einen Aufruf richtet, der unter den Belegschaften eine starke Er⸗ regung verzeichnet. Der Verband befürchtet eine Arbeitsniederlegung. Die Bergleute werden dringend ersucht, von einer Arbeitsniederlegung Abstand zu nehmen, die man durch Verhandlungen zu vermeiden suchen wolle. Die gleiche Mahnung wird an die Bergleute Sachsens, welche eine Lohnerhöhung verlangen, gerichtet.

In Solingen wurde, wie dasselbe Blatt mitteilt, zwischen einer Kommission des Verbandes der Buchbindergehilfen und der in der Kartonagenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen einerseits und den Vertretern der vereinigten Arbeitgeber dieser Branche im oberen Kreise Solingen andererseits ein Lohn⸗ urd Arbeitstarif vereinbart. Der Tarifvertrag soll zum 1. Dezember d. J. in Kraft treten; er setzt u. a. die Arbeitszeit auf 9 ½ Stunden fest.

Aus Gera wird der „Frkf. Ztg.“ telegraphiert: Auf die Erklärung der Färberkonvention, evenkuell am nächsten Sonnabend sämtli Betriebe zu schaichen, haben die Presser und Drucker in Gera m. der sofortigen Arbeitsniederlegung geantwortet. Die Zahl der arbeits⸗ willigen Weber ist seit Montag zurückgegangen. (Vgl. Nr. 262 d. Bl.)

Die Hafen⸗ und Arsenalarbeiter von Brest, Cher⸗ bourg, Lorient und Toulon hielten, wie „W. T. B.“ meldet,