S. M. S. „Hansa“ ist am 18. Mai von Schimonoseki nach der Insel Kotsuschima gegangen, um dem dort auf Grund geratenen Lloyddampfer „Roon“ Hilfe zu leisten. S. M Flußkbt. „Vaterland“ ist vorgestern von Nankin nach Tschingkiang abgegangen und geht heute von dort na Schanghai. 8
Potsdam, 20. Mai. Die Beisetzung Ihrer König⸗ lichen Hoheit der Prinzessin Friedrich Karl von Preußen hat gestern in der Kirche bei Nikolskoe statt⸗ gefunden. Vor dem Altar war der Sarg, an dem prächtige Kränze niedergelegt waren, aufgebahrt. Um 12 Uhr erschienen, „W. T. B.“ zufolge, unter dem Geläute der Glocken Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz und sämtliche preußischen Prinzen und Prinzessinnen. In der Kirche anwesend waren bereits Ihre Königlichen Sevaer. der Prinz und die Prinzessin Friedrich eopold nebst ihren Kindern, der Prinz Heinrich von Preußen, der Herzog und die Herzogin von Connaught, der Groß⸗
erzog von Oldenburg, der Großherzog von Mecklen⸗ mit Gemahlin und dem Erbgroßherzog, der Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braun⸗ schweig, mit seinen Söhnen, der Prinz Gustav Adolf von Schweden und Seine Hoheit der Herzog von Anhalt, ferner Vertreter Ihrer Majestäten des Königs von Sachsen und des Königs von England, der Chef des
ivilkabinetts, Wirkliche Geheime Rat Dr. von Lucanus, der Staatssekretär des Innern Dr. Graf von Posadowsky⸗Wehner, die Minister Dr. Studt und von Wedel, die Generalität, die Geistlichkeit von Potsdam, der Generalsuperintendent D. Faber, der Bürgermeister Vorkastner von Potsdam sowie der Ober⸗ bürgermeister von Dessau. Der Oberhofprediger D. Dryander hielt die Liturgie und sprach Gebet und Segen. Die Gesänge wurden vom Berliner Domchor ausgeführt. Nachdem sich die Kirche entleert hatte, wurde der Sarg nach der Gruft getragen, womit die Feier beendet war. “
In der Kammer der Abgeordneten stan
ein von der Volkspartei eingebrachter Antrag zur Beratung, der die Regierung auffordert, im Bundesrat unter allen Um⸗
ständen der Fahrkartensteuer ihre Zustimmung zu versagen. Der Finanzminister Dr. von Zeyer erklärte, nach dem Bericht des „W. 8 B.“, die Regierung habe gegen die Fahrkartensteuer selbst schwerwiegende Bedenken. Sie habe auch mit diesen Bedenken im Bundesrat keineswegs zurückgehalten. Wenn sie aber jetzt ersucht werde, ibie Zustimmung zu dieser Steuer unter allen Umständen zu versagen, so darauf hinzuweisen, daß die Steuer noch nicht endgültig feststehe. Es sei nicht ausgeschlossen, daß sie noch eine wesentlich andere assung erhalte. Die Resgierung müsse sich deshalb bis dahin ihre Stellungnahme vorbehalten, Leuestichlich auch deshalb, weil es sich auch darum han⸗ Leipzie könne und werde, die Ablehnung der Fahrkarten⸗ opr möglich sei, ohne die ganze Reichestnanzreform zu gefährden, von allen Seiten als unbedingt notwenig bez⸗ichnet werde. Der Minister bat den Antrag deshalb abzulehnen. 8 Im Laufe der Debatte teilte der Kultusminister Dr. von Weiz⸗ säcker im Namen des erkrankten Ministers des Auswärtigen Freiherrn von Soden mit, daß dieser sich der Fahrkartensteuer gegenüber von jeher ablehnend verhalten habe. Im übrigen lege die Entwick⸗ lung dieser Frage für die Eisenbahnen Württem lichsten Anschluß an Norddeutschland umsomehr nahe, als man bedauerlicherweise in absehbarer Zeit keine einheitliche Wazenklesse in Deutschland bekommen werde. Einfach die Fahrkartensteuer zu streichen, ginge nicht an. Würde man dies tun, so ‚würden die Matrikular⸗ beiträge in Württemberg um 2 Millionen steigen. Wie wolle man den Ausfall decken? Eine Mehrbelastung von 2 Miillionen könne
burg⸗ Streli
falle, Ersatz geschaffen werden.
Nach längerer Debatte wurde darauf der Antrag der Volkspartei angenemmen. Das Zentrum enthielt stimmung. 22 9
1“ Deutsche Kolonien. 1“ .““
Nach einem Telegramm des Gouvernements von Deutsch⸗ Ostafrika ist, wie „W. T. B.“ berichtet, die Unterwerfung der gebirgigen Landschaften Ukinga und Upangawa am
nordöstlichen Gestade des Nyassasees in der zweiten Hälfte des nv unterzeichneten Antrag über unverzügliche Beratung der
1 durch die Duma einzubringen. Die Frage sol
April beendet worden, nachdem die Expedition des Majors Jo⸗ es den Eingeborenen in verschiedenen Kämpfen einen Ver⸗ ust von 400 Toten, 600 Gefangenen und zahlreichem Vieh bei⸗
gebracht hatte. Das Detachement Johannes hatte sodann sich
weiter nach Osten gewendet und seine Tätigkeit nach dem Süden von Mahenge verlegt, um im Verein mit den dortigen Truppen einen konzentrischen Angriff gegen die Land⸗ schaft Mgende zu unternehmen. — Der Sultan Schabruma macht den Versuch, von Songea über die portugiesische Grenze zu entkommen. Gegenmaßregeln find getroffen worden.
Aus Deutsch⸗Südwestafrika wird amtlich gemeldet:
Gefreiter Adam Mikloweit, geboren am 20. 1883 zu Lapallen, früher im Gardepioaierbataillon, ist am 11. März im Lazarett zu Swakopmund an Nierenentzündung und Wassersucht, Reiter Georg Seibel, geboren am 11. 6. 1882 zu Traisa, früher im 2. Erohberpoclich hessischen Dragoverregiment (Leibdragoner⸗ regiment) Nr. 24, an demfelben Tage im Lazarett zu Kertmanshoop an Typhus, Reiter Paul Kroll. gedoren am 20. 8. 1882 zu Selchow, früher im Grenadierregiment Nr. 4., am 12. Mai im Lazarett zu Warmbad ebenfalls am Typhus gestorben.
Oesterreich⸗Ungarn.
Die Absicht der ungarischen Regierung, den als gemein⸗ samen Tarif vereinbarten Zolltarif dem ungarischen Reichstag als einen autonomen vorzulegen, hat, der „Neuen Freien Presse⸗ zufolge, einen Konflikt zwischen beiden Re⸗ gierungen hervorgerufen, da der österreichische Minister⸗ präsident Prinz zu Hohenlohe darauf bestand, daß die Vereinbarungen nicht in einem Punkte ein⸗ seitig abgeändert werden dürfen, und einen autonomen ungarischen Tarif für unvereinbar mit dem gemeinsamen Zoll⸗ gebiet erachtet. Eine Audienz des ungarischen Ministerpräsi⸗ denten Dr. Wekerle beim Kaiser Joseph am Sonn⸗ abend hat eine Beilegung des Konflikts gebracht, und im ge⸗ meinsamen Kronrat 8 eine Entscheidung getroffen worden.
— Der Ministerpräsident Prinz zu Hohenlohe hat am Sonnabend die Vertreter der drei zentralen industriellen Körperschaften Oesterreichs empfangen. Auf die Ausführungen des Sprechers erwiderte der Ministerpräsident, „W. T. B.“
ge: zufo e begrüße mi Freude die Vertreter der Industrie, von deren Bedeutung für das gesamte staatliche Leben er seit jeher durchdrungen
gs den mög⸗
gewann 41 Mandate und verlor 6. den Württemberg nicht tragen. Es müsse also, wenn die Fahrkartensteuer gewonnenen 22 Mandaten beträgt die Gesamt⸗ summe der
neue Kammer wird, „W. T. B.“ zufolge, nach einer Zusammen⸗
sich der Ab⸗
ei und deren Förderung eine der wichtigsten Aufgaben der öffentlichen He bilde. Eeer allen staatlichen Aemtern nicht nur die bestehenden Industrien gefördert werden, sondern daß sie sich auch angelegen sein lassen, bei Entstehung neuer Anlagen in jeder Weise hilfreiche Hand zu hieten. In der Lohnkampf⸗ frage stehe er, fuhr der Ministerpräsident fort, auf dem Boden des Gesetzes. Er werde darauf seben, daß dieses von allen Teilen geachtet werde Der Ministerpräsident bemerkte sodann in betreff des Verhältnisses zu Ungarn, er werde mit der größten Energie die Inkeressen der diesseitigen Reichshälfte wahren, was auch von der Aufteilung der Heereslieferungen gelte, und ein⸗ seitige Abänderungen des bestehenden Verhältnisses zu Ungunsten Oesterreichs unter gar keinen Umständen zulassen. Schließlich erklärte sich der Ministerpräsident stets bereit, den Industriellen jede gewünschte Aufklärung zu erteilen; seine Tür stehe ihnen jederzeit offen, es könne ibm nur angenehm sein, in steter Fühlung mit ihnen das Wohl der Industrie zu fördern. .
— Der Kaiser Franz Joseph ist gestern abend in Budapest eingetroffen und, „W. T. B.“ zufolge, von einer zahlreichen Menge begeistert begrüßt worden.
— Die Delegationen zur Beratung der 1SSe samen Angelegenheiten werden, nach einer Meldung des
Ungarischen Korrespondenzbureaus, auf den 9. Juni nach Wien ein erufen.
— In einer vorgestern in Budapest abgehaltenen Kon⸗ ferenz der Unabhängigkeitspartei hat der Handels⸗ minister Kossuth eine Rede gehalten, in der er, nach dem Bericht des „W. T. B.“, ausführte:
Die Partei habe nach jahrelangem Kampfe die Mehrheit erlangt, doch müsse sie die Rechte der Majorität mit Mäßigung und Vorsicht üben, umsomehr als sie zu einer Koalition gehöre, in der keine der vereinigten Parteien ihre Grundsätze unbedingt verwirklichen könne. Die Nation habe bei den Wahlen zam Ausdruck gebracht, daß das Steuerruder in die Richtung der Kossuthpartei gelenkt werden müsse. Der Minister erklärte weiter: da bei der Eröffnung des Reichstags in der Köͤniglichen Burg gewisse Abzeichen, die das Nationalgefühl ver⸗ letzten, fehlen werden, so würden selbstverständlich nicht nur die
inister, die Mitglieder der Kossuthpartei seien, erscheinen, sondern es müsse auch die Kossuthpartei als solche sich einfinden.
Die Kossuthpartei beschloß darauf, bei Eröffnung des Reichstags in dem königlichen Schloß zu erscheinen, während sie bisher an solchen Feierli chkeiten nicht teilgenommen hatte.
— Das ungarische Abgeordnetenhaus hielt heute eine konstituierende Sitzung ab. Der Ministerpräsident Dr. Wekerle und die übrigen Minister wurden bei ihrem Er⸗ scheinen im Saale stürmisch begrüßt. Der Alterspräsident teilte, „W. T. B.“ zufolge, mit, daß der König den Reichs⸗ tag morgen mit einer Thronrede in der Hofburg eröffnen werde, und lud die Ahgeordneten dazu ein. Das Magnaten⸗
haus hielt ebenfalls zine Eröffnungssitzung. 8
Gro annien und Irland. Den vorgestrigen Meldungen des „Standard“ über eine bevorstehende dauernde Regelung der englisch⸗russischen Interessensphürr in Asien wird von verschiedenen Seiten widersprochen. So erklärt der „Observer“, daß unmittelbare Verhandlungen weder stattgefunden hätten noch jetzt statt⸗ finden würden. 8 “ Frankreich. Gestern haben in 156 Wahlkreisen, die sich auf 65 De⸗ partements einschließlich Algier und Martinique verteilen, die Stichwahlen zur Deputiertenkammer tattgefunden und sind, abgesehen von einigen unbedeutenden Straßen⸗
ö1114““ 8 . Berseba nach Rafah gesandt worden seien, um noch vor der Ankunft der gemischten Grenzkommission die fehlenden Grenz⸗ pfeiler zu suchen und wiederherzustellen. Es wird berichtet, daß sie diese Pfeiler nicht auffinden konnten, und daß diese in Stücke gebrochen oder im Sande vergraben worden sein müssen. Infolgedessen sollen auf Anordnung des Gou⸗ verneurs von Jerusalem zwei andere ähnliche Pfeiler errichtet werden. Der britische Konsularagent in Gaza hat sich am Freitag an Ort und Stelle begeben, um zu überzeugen, daß die an der richtigen Stelle aufgestellt werden. Die türkische Besatzung von Rafah ist verringert worden; 30 Mann haben Befehl erhalten, sich eine Strecke nach Norden zurückzuziehen. 1t
— Nach einer Meldung der „St. Petersburger Telegraphen⸗ agentur“ aus Teheran flößt der, Zustand; des Schahs Beun⸗ ruhigung ein. Die starke Hitze rief bei ihm anhaltende Ohn⸗ machten hervor, auch ist er akuten Gichtanfällen ausgesetzt.
— Nach einer Meldung des „Reuterschen Bureaus“ teilten in einer vorgestern abgehaltenen Zusammenkunft des diplo⸗ matischen Korps in Peaking die Vertreter sämtlicher Regierungen mit, daß sie den Einspruch Englands gegen jede Veränderung in der Zollverwaltung unterstützen. Der britische Geschäftsträger Carnegie hat an die chinesische Regierung eine neue Note über den Gegen⸗ stand gerichtet, da die Antwort auf die erste Note nicht be⸗ ee Bis zum Eingang der Antwort der chinesischen
egierung sollen keine weiteren Schritte geschehen. Afrika. 1““
Wie dem „Reuterschen Bureau“ aus Eskome gemeldet wird, hatten am 18. Mai die von Nkhandla und Fort Yolland vorgehenden Kolonnen ihre Verbindung hergestellt und hatten dann ein ernstes Arrieregardengefecht gegen die Leute Bambaatas, die von dem Mkala⸗Berge herabstiegen. Zwölf Rebellen sind gefallen, auf englischer Seite wurden ein Offizier und ein Soldat verwundet.
Parlamentarische Nachrichten.
Der Schlußbericht über die vorgestrige Sitzung des Reichs⸗
tags befindet sich in der Zweiten und Dritten Beilage.
— Die heutige (108.) Sitzung des Reichstags, welcher der Staatsminister, Staatssekretär des Innern Dr. Graf von Posadowsky⸗Wehner sowie der Staats⸗ und Kriegs⸗ minister von Einem beiwohnten, wurde vom Präsidenten Grafen von Ballestrem um 1 Uhr 20 Minuten eröffnet.
Eingegangen sind zwei Ergänzungen zum Reichshaushalts⸗ etat und zum Etat für die Schutzgeblete für 1906.
Auf der Tagesordnung stand zunächst die Beratung des am 8. Mai 1906 zu Stockholm unterzeichneten Handels⸗ und Schiffahrtsvertrages zwischen dem Deutschen Reich und Schweden.
bg. Freiherr Heyl iu Herrnsheim (nl.). (Auf der Jour⸗ nalistenbühne sehr schwer verständlich) Mit dem schwediscken “ ist die Regelung unserer Handelsbeziehungen mit uropa abgeschlossen. Die Wirkungen der abgeschlossenen Hendele. verträge lassen sich natürlich in diesem Augenblick n nicht übersehen, das Eine aber sieht fest, daß unter den jetzigen Handelsvekträgen die Abwicklung der Geschäfte der In⸗ ustric keinerlei Schwierigkeiten gefanden hat. Das deutsche Geschäft ist durch die russischen Wirren vnd die französischen und italienischen Streiks weit mehr beeinflußt worden als durch die Handelsverträge.
demonstrationen, ruhig verlaufen. Nach offiziösen Angaben ent⸗ fallen von den 155 bekannt gewordenen Wahlen 140 auf den
Block und 15 auf die Opposition. - Mit den im ersten
ewinne der Blockparteien 57 Mandate. Die stellung des Ministeriums des Innern 79. Reaktionäre, 30 Nationalisten und 66 Progressisten (gemäßigte Republikaner) ählen, ferner 118 Radikale, 127 sozialistische Radikale, 86 geeinigte und unabhängige Sozialisten.
Der „Nowoje Wremja“ zufolge beschloß die Agrar⸗ kommission der Kadetten, einen von 30 Abgeordneten
einer 33 gliedrigen Kommission übergeben werden. Ferner wurde beschlossen, im Reichsrate eine Fraktion der Kadetten zu bilden.
Italien. 28
Der König hatte, wie „W. T. B.“ meldet, gestern zwecks Lösung der Kabinettskrise Unterredungen mit Finali, Giolitti und Gallo. 1
— Der Papst hat gestern eine ruhige Nacht verbracht. Der Schmerz und die Anschwellung am Knie haben sich ver⸗ mindert. Die Bewegungen des Fußes vollziehen sich leichter und schmerzlos, doch wird der Papst das Bett noch einige Tage hüten müssen.
Portugal.
Das neue Kabinett ist nunmehr gebildet und hat nach einer Depesche des „W. T. B.“ folgende I1“ ranco Vorsitz und Inneres, José Novaes Justiz, chröter Finanzen, Vasconcellos Porto Krieg, Ornellas Marine, Luis Magalhaes Aeußeres, Reymao Oeffentliche Arbeiten. Die Fortschrittler haben kein Minister⸗ portefeuille oder andere politischen Stellungen erhalten, werden aber das Kabinett unterstützen.
Niederlande.
Die Regierung hat vorgestern in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, der, „W. T. B.“ zufolge, die Zu⸗ stimmung der Kammer zu einem Protokoll fordert, welches die ruffische Regjerung in der Absicht, den auf der ersten Frtenehser eres nicht vertretenen Mächten die Teil⸗ nahme an der zweiten Konferenz zu erleichtern, sofort nach Eröffnung der zweiten Konferenz von den Bevollmäch⸗ tigten der Signatarmächte der Konvention von 1899 unter⸗
eichnen lassen will. Das Protokoll soll festsetzen, daß die auf er ersten Konferenz nicht vertretenen, aber zur zweiten ein⸗ geladenen Maͤchte als der Konvention zur friedlichen Schlich⸗ tung internationaler Streitigkeiten beigetreten gelten sollen von
dem Augenblick an, wo sie diesen Beitritt der niederländischen Regierung mitteilen. 8 Asien.
8 Zu dem türkisch⸗englischen Grenzkonflikt meldet das „Reutersche Bureau“, daß die Kaimakams von Gaza und
1“ “
Die Gruppe des Blocks
Man kann wohl sagen, daß die Geschäfte der deutschen Industrie sich im Aufblühen befinden. Die Arbeitslöhne haben sich nicht vermindert, die Lebensmittelpreise sind im wesentlichen dieselben geblieben. Der Preis des Brotet ist, abgesehen von einer vorübergehenden kleinen Steigerung von 190¹1bis zum April 1906, unverändert geblieben, ebenso der des Reis, und der Preis des Fleisches hat sich in diesem Jahre ermäßigt. Es ist erstaunlich, daß eine gewisse Presse immer geneigt ist, wenn die Preise der Lebensmittel oder anderer Produkte steigen, dafür die Zölle verantwortlich zu machen. Das Eigentümliche ist nun, daß gerade die Robprodukte, die zollfrei eingeben, am aller⸗ stärksten im Preise in die Höhe gegangen sind. Bei der Landwirtschaft, die ja für die Induftrie und nicht nur für die Großindustrie, sondern auch für die Detaillisten von großer Bedeutung ist, hat sich ge⸗ zeigt, daß die Zahl der kleinen selbständigen Landwirte auch bei uns si gesteigert bat. Es bat sich in der Landwirtschaft die ent⸗ egenge ete Entwicklung gezeigt wie in der Industrie. Was nun den chwedischen Handelsvertrag beirifft, so ist das schiedsgerichtliche Ver⸗ fahren bei Zollstreitigkeiten dankbar zu akzeptieren. Wir haben eine Ausfuhr nach Schweden von 156 Millionen, und es wäre vorauszusetzen ewesen, daß wir von Schweden mehr erreicht hätten. So ist 3. B. in eer allerdings schwierigen Frage der Behandlung der Handlungsreisen⸗ recht wenig erreicht worden. Nach dem Vertrage haben deutsche “ in Schweden eine Abgabe von 100 Kronen für einen onat zu bezahlen. Die Bemühungen der deutschen Unterhändler haben nur das Zugeständnis erreicht, daß im Anschluß an das erste Patent zu 100 Kronen Ergänzungepatente zu 50 Kronen für je 15 Tage erteilt werden sollen. Der Redner, der im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen immer weniger verständlich wurde, sprach sodann sein Be⸗ dauern darüber aus, daß man offenbar Schweden gegenüber einen Zollkrieg befürchtet habe, wie man sich auch von Amerika durch dieselbe Drohung habe einschüchtern lassen. Das sei um so unverständlicher, als Deutschland ja ein sehr guter Käufer sei, namentlich in schwedischen Erzen und anderen Artikeln. Der Redner erörterte das handelspolitische Verhältnis Deutschlands zu Spanien und Italien bezüglich der Weinfrage. Es vwäre angezeigt, daß die verbündeten Regierungen sich Spanien und Amerika gegenüber auf den Standpunkt der vollen Reziprozität stellten. Dann kam er auf die gegenwärtigen großen Interessenkämpfe zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu sprechen. Die deutschen Arbeiter hätten bisber keine Ausschreitungen dabei begangen, was in vollem Maße anzuerkennen und zu würdigen sei, da in Frankreich und Italien das Gegenteil eingetreten sei. (Präsident Graf von Ballestrem: Die letzten Ausführungen stehen doch nur in sehr lockerem Zusammenhange mit der Sache; ich bitte, auf diese zurückzukommen.) Der Redner hielt diese Ausführungen auch zur Beurteilung des schwedischen Handelsvertrags für notwendig. (Der Präsident blieb dabei, daß diese Ausführungen, wenn auch nicht in gar keinem, so doch in einem sehr lockeren Zu⸗ sammenbange mit dem Handelsvertrage stehen, und ersuchte wiederholt um Rücksichtnahme auf die Geschäftslage.) Der Redner schloß darauf seine Darlegungen. (SüSchluß des Blattes.)
2
2
tatistik und Volkswirtschaft.
s. S
Zur Arbeiterbewegung. 85
gung der Berliner Metallwarenfabri⸗ kanten teilt mit, daß sie in ihrer außerordentlichen Generalversamm⸗ lung am Sonnabend einstimmig beschlossen hat, im ovdegr. an den bekannten Beschluß des Gesamtverbandes Deutscher Metallendustrieller am 2. Juni 60 % ihrer organisierten Arbeiter auszusperren (vgl⸗
Nr. 118 d. Bl.). — Der Generalrat des Gewerkvereins der deutschen Maschinenbau⸗ und Metallarbeiter sieht sich, wie
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bö 11““ Se.
. B.“ mitteilt, durch die in einer Versammlung des Ortsvereins Sihes am Freitag, den 18. Mai, gefaßte und in der Presse ver⸗ breitete Resolution, die zu der geplanten großen Aussperrung in der Metallindustrie Stellung nimmt Ferenloße die Erklärung a zugeben, daß der Generalrat des Gewerkvereins er deutschen Masch nenbau⸗
nd Metallarbeiter nach wie vor jede Solidarität mit dem deutschen Metallerbeiterverband für alle aus der jetzigen Formerbewegung ent⸗ olgen ablehnt. stebenden Folcfagböltcher Berlins (dgl. Nr. 98 d. Bl.) waren am Freitagabend zahlreich versammelt, um zu einer Antwort der Arbeitgeber Stellung zu nehmen. Die Forderungen: neunstündige Arbeitszeit, Mindestwochenlohn 32,50 ℳ oder Mindeststundenlohn von usw. sind der Innung Ende April unterbreitet worden. Die Innung als solche hat, der „Voss. Ztg.“ zu⸗ olge, allgemeine Vereinbarungen abgelehnt und die Arbeiter darauf verwiesen, daß jeder einzelne Arbeitgeber direkt mit seinen Arbeitern in Verhandlung zu treten wünsche. Das aber lehnten die Versammelten ab und erklärten, in dem Verhalten der Arbeitgeber nur eine Verschleppung sehen zu können, die einer Ablebnung gleich⸗ komme. Es wurde beschlossen, am 21. Mai (heute) überall die Arbeit einzustellen und nicht früher wieder aufzunehmen, bis alle Forderungen bewilligt sind und ein Tarifvertrag zustande gekommen seiir.
Aus Breslau wird der „Köln. Ztg.“ telegraphiert, daß eine Versammlung der organisierten Hootsleute, Steuermänner, Schiffs beizer und Maschinisten beschloß, die Arbeit überall da einzustellen, wo die geforderten Arbeits⸗- und Lohnbedingungen nicht zugestanden werden. 1
Die Aussperrung der Dresdener Metallarbeiter ist, wie die „Frkf Ztg“ erfährt, beendet. Eine Versammlung der Former und Gießer nahm am Sonnabend die Unternehmervor⸗ schläge an. sc Hie Heidelberger Straßen⸗ und Bergbahner haben, nach demselben Blatte, beschlossen, von dem Eintritt in den Ausstand borläufig abzusehen. Es sollen mit dem Aufsichtsrat weitere Unter⸗ handluagen gepflogen werden (vgl. Nr. 113 d. Bl.)
In Gotha sind, wie der „Frkf. Ztg.“ gemeldet wird, sämtliche Bauhandwerker Sonnabend in den Ausstand getreten.
In Saint⸗Etienne haben, wie „W. T. B.“ meldet, die Hüttenarbeiter durch Abstimmung mit 100 Stimmen Mehrheit beschlossen, den Neunstundentag zu fordern und heute in den Ausstand u treten. in Der Ausstand auf der Bahnlinie Malm— Pstad ist, „W. T. B.“ zufolge (vgl. Nr. 116 d. Bl.), durch Uebereinkunft bei⸗ gelegt worden. Der Verkehr sollte heute wieder aufgenommen werden.
Aus Rio de Janeiro wird dem „W. T. B.“ telegraphiert, daß ein Ausstand der Angestellten der Eisenbahn von Sao Paulo sich ausbreitet; auch die Angestellten anderer Linien schließen
sich an.
1
8
A. F. Die unter Vorsitz von Professor Dr. Lissauer tagende jüngste Versammlung der Berliner Gesellschaft für Anthro⸗ pologie beschloß, den am 21. Juni seinen 80. Geburtstag begehenden Geheimen Admiralitätsrat Dr. veehe zum Ehrenmitglied zu er⸗ nennen. Von Professor Dr. Klaatsch sind Nachrichten aus Java ein⸗ etroffen, das er von O. nach W. durchkreuzt hat, ohne doch eine be⸗ Feierigeabe Ausbeute zu erreichen. Australien dünkt dem Forscher prä⸗ bistorisch ungleich interessanter als Java. Er denkt, dabin zurückzukehren, zmal er in Java an Malaria erkrankt ist. Der übrige Abend ge⸗ hörte ausschließlich Ostasien. Es brachte zuerst Dr. Nach od die historische Reminiszenz, daß im 16. Jahrhundert lis zu Beginn des 17. in Japan eine Bewegung zur Anknüpfung von Beziehungen mit Europa nachweisbar ist. In den Jahren 1589 und 1615 wurden aus Japan Gesandtschaften nach Spanien und Rom entsandt und von dort auch erwidert Bald nachher (1635) trat indessen in Japan ein Umschwung in den Meinungen ein, jeder Austausch mit Europa wurde verboten, Zuwiderhandlung mit Todesstrafe bedroht. Unter diesen Umständen darf es als ein Unikum gelten, daß in den Verzeichnissen der Universität Leiden ein japanischer Student der Mathematik vorkommt, Harzingius Japonicus genannt, dessen von 1669 datierende hollän⸗ dische Matrikel noch erhalten ist, ja der von Cartesius in einem seiner lateinisch geschriebenen Bücher erwähnt wird.
„Den Vortrag des Abends hielt der Professor Dr. E. Baelz, Leibarzt des Mikado und seit 30 Jahren in Japan ansäsig, unter Vorlage und Erläuterung einer sehr reichen Sammlung, über „Ost⸗ asiatische Prähistorie“: Japan ist wie kaum ein anderes Land von feindlichen Invasionen verschont geblieben. Seit 2000 Jahren fand hier keine Eroberung statt, auch früher S- feindliche Einfälle unwahrscheinlich. Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung sind in friedlicher Weise Chinesen ins Land gekommen, seitdem aber, somit in 60 bis 100 Generationen, hat sich das Volk frei von jedem Mitbewerb durch Fremde entwickeln können; in China und Korea war das ganz anders. Es lassen sich deshalb in Japan, deutlich und ziemlich charakteristisch von⸗ einander differenziert, drei Völk⸗ergruppen unterscheiden: Der nord⸗ mongolische Typus (wozu u. a. auf dem Festlande die Tungusen ge⸗ hören), der südmongolische oder malaiische Typus und die Ainos, welche man geneigt ist, als die Ureinwohner des Landes anzusehen. Gruppe 1 und 2 sind nicht so scharf voneinander zu trennen, wie Gruppe 3 von den andern beiden. Gruppe 2 ist wenig verschieden von Koreanern und Chinesen, dennoch ist, in der Farbe vornehmlich, ein Unterschied wahrnehmbar. Dr. Baelz möchte sie der malaiisch⸗mongolischen Mischrasse zuzählen, die er wegen ihres Verbreitungsgebiets „australische“ Rasse zu nennen vorschlagt. Gruppe Nr. 2 ist ausgezeichnet dnrch großen Kopf und vorstehende Jochbeine, mesocephale Kopfbildung i tark verbreitet, manchmal auch brachycephale. Gruppe 2 ist von grazileren Formen, weniger schiefen und flachstehenden Augen. In Japan bestehen beide Gruppen ziemlich rein und unvermischt neben⸗ einander; dennoch haben sich viele Fremde täuschen lassen. Curzon hält den Typus von Korea für den reineren und spezifischen der Gruppe 2, der Vortragende findet dagegen keinen Rassenunterschied zwischen Koreanern und Japanern, dessen zum Beweise er das Zeugnis beider anruft, die sich nicht auseinanderkennen. Zwischen Cbinesen und Japanern aber ist kein größerer Unterschied als etwa zwischen Engländern und Deutschen. Nach einer japanischen Ueberlieferung war die Pforte der aus Korea erfolgten Einwanderung die japanische Provinz Kiu Tschiu und zwar die Südwest⸗ und Nordwestküste der Insel. Eine andere Ueberlieferung macht die eenh Itzamo zum Eingangstor und läßt den Sonnengott dabei als erobernd auftreten, was auf eine Einwanderung von Osten schließen und mit Koreag als Ausgangspunkt nicht stimmen würde. Eine dritte Ueberlieferung läßt die nwanderung von Süden kommen. Vielleicht haben alle drei Versionen eine gewisse Berechtigung, die letztere besonders wegen der Verwandt⸗ schaft der Gruppe 2 mit dem malaiischen Typus. Man wird dabei aber nicht auf Einwanderung von Borneo oder den Philippinen her schließen dürfen, sondern von Südchina her, weil Schiffe von dort während eines großen Teils des Jahres durch den Südwestmonsun direkt nach den japanischen Inseln getrieben werden; auch bekunden Funde in prähistorischen Gräbern Uebereinstimmung mit Prähistori⸗ schem in Südchina und Korea. Die Japaner datieren ihre Geschichte ziemlich beweislos vom 7. Jahrhundert vor Christo ab. Wir müssen nach Analogien die peähistorischen Funde in Ostasien auf 1000 — 2000 vor unserer Zeitrechnung ansetzen, die Zwischenzeit bis zum nachweis⸗ lichen Beginn einer japanischen Geschichte nennt der Vortragende eo = historisch. Die gegenwärtigen Kulturträger in Japan, also die vereinten Gruppen 1 und 2, hält der Vortragende für entfernt rassenverwandt mit Türken, Magyaren und Finnen. Von den Tücken ist ja bekannt, daß sie im 8. und 9. Jahrhundert noch in Nordchina herrschten, daß se Einfälle nach Korea gemacht haben und daß die zu ihnen gehörigen
Uiguren in Ostturkestan ein großes Reich besaßen; auch zeugen die
beiderseitigen Sprachen für Verwandtschaft. Dagegen lehnt Dr. Baelz lange Zeit geglaubte, dann vergessene, aber immer wieder neu⸗
belebte Ansicht entschieden ab, daß die Japaner die Nachkommen der
8
ogenannten 10 verlorenen Stämme seien. Diese Theori⸗ wurde zuerst vor 200 Jahren von dem Deutschen Engelhard Kaempfer auf⸗ gestellt, neuerdings von dem Schotten Mac Cleod wieder hervor⸗ gesucht (merkwürdigerweise zur angeblichen Förderung des englisch⸗ japanischen Bündnisses) und ganz zuletzt durch ein französisches Journal verfochten, das auf Grund seines Titels Je sais tout“ es ja wissen muß. Daß die dritte japanische Bevölkerungsgruppe, die Ainos, welche, nur noch 15 000 Köpfe stark, Jesso, die nördlichste Insel, und Sachalin bewohnen, die Urbewohner der japanischen Inseln sind, und sie früber in ihrer ganzen Ausdehnung bewohnt haben, wird von den Japanern entschieden bestritten. Zweifellos sind sie von den beiden anderen Gruppen außerordentlich verschieden und gleichen den Europäern mehr als den Astaten, auch hat ihre Sprache keine Aehn⸗ lichkeit mit asiatischen Jdiomen. Die Japaner wollen nur zugeben, daß die Ainos auf Sachalin autochthon sind, und daß sie vermutlich zu einer Zeit, wo das Klima dieser früher mit dem Festlande ver⸗ bundenen Insel kälter wurde, sich füdlich nach Jesso ausbreiteten. Anscheinend gehen die Ainos, die ein körperlich ganz tüchtiges Volk sind und sich im letzten Feldzuge auch als gute Soldaten bewährt haben, ihrem Untergang als Volk entgegen, nicht sowohl durch Aussterben, denn ihre Ehen sind ziemlich fruchtbar, als durch Vermischung mit den anderen japanischen Volks⸗ typen, die in früherer Zeit ausgeschlossen war. Es ist näm⸗ lich ebensosehr ein unberechtigtes Vorurteil, daß Ehen zwischen Ainos und Japanern unfruchtbar seien, als es irrig ist, das Gleiche von Ehen zwischen Europäern und Japanern zu behaupten. Die Ehen der ersteren Art übertreffen die der zweiten an Fruchtbar⸗ keit, und man wird einen Schluß auf die von den Mischehen zwischen Japanern und Ainos zu erwartende Volksvermehrung ziehen können, wenn die Tatsache gewürdigt wird, daß von 20 in den letzten beiden Jahrzehnten geschlossenen Ehen zwischen Europäern und Japanern 4 mit je 6 und 4 mit je 4 Kirndern von 12 Jahren gesegnet waren. Welche e v. 9. haben nun aber die Japaner von den Ur⸗ bewohnern ihres Landes? Darauf ist zu antworten, daß diese Vorstellungen höchst unbestimmter Natur und völlig wertlos sind, wenn sie von Zubai Tokin, d. i. Erdspinnen, Zwergen, Höhlen⸗ bewohnern o. dergleichen erzählen. In diesen nicht einmal als Ueberlieferungen anzusprechenden Erzählungen sieht Dr. Baelz nicht die Spur eines Beweises gegen die Ainos als Urbevölkerung, deren e“ auch auf eine gewisse Verwandtschaft mit den Eskimos hinweist. Dagegen spricht ein anderer Umstand gegen die Ainos als identisch mit den eenschen der prähistorischen Zeit des größeren Teiles von Japan: die in solchen Gräbern aufgefundenen Ton⸗ figuren sind bartlos und bei den Ainos sind beide Geschlechter durch enormen Haar⸗ und auch Bartwuchs —— Vortragende hat den Spuren der Prähistorie Japans große Aufmerksamkeit gewidmet. In den zahlreichen Höhlen in der Nähe von Tokio war absolut nichts zu finden, außer einzelnen eisernen Waffen und Geräten, die nur beweisen, daß die Höhlen in jüngerer Zeit Schlupfwinkel der Räuber gewesen. Ergiebiger an Funden waren die Muschelhaufen, deren es in der Um⸗ eegend von Tokio und Yokohama allein gegen 3000 gibt. Es fanden 6 darin Steinwaffen, steinerne Beile, Hämmer, geschliffene Pfeil⸗ spitzen, Obsidianmesser, und zwar desto mehr davon, je weiter nach Norden. Bis wenig säüglich von Tokio und hier gänzlich aufhörend, finden sich dagegen Spuren einer Bronze⸗ und Eisenkultur und nur selten noch Steinwerkzeuge, dagegen auch Tongeräte und Tonfiguren, beide mit Schmuck⸗ werk überladen, aber auch Knochen von Hirschen, Wölfen und Menschen, letztere mit Spuren, daß die Anleger dieser Muschelhaufen Menschen⸗ fresser waren. Merkwürdig ist, daß hier Metallzeit — Bronze und Eisen — und Steinzeit vollständig unvermittelt nebeneinander stehen, doch nicht in dem Sinne, daß man an derselben Stelle Bronze und Eisen zusammen findet, während nördlich von der bezeichneten Linie Metalle überhaupt fehlen. Nimmt man diese Linie als die Grenze, bis wohin sich die Wohnsitze der Kinos erstreckten, so folgt hieraus, daß als Träger dieser Kulturepoche südlich der Linie ein anderer Menschentypus anzusprechen ist. Hierfür legen auch verschiedene Dinge ⸗ ab, die sich im Norden nicht finden, wie chinesische Spiegel, Glasperlen ꝛc. neben Bronzeschwertern und einem un⸗ definierbaren plattenartigen Gegenstande aus Bronze. Diese Dinge finden wesentlich in den nicht eben seltenen Megaltth⸗Steingräbern, deren eedees eine oder zwei Kammern enthält, und die zuweilen in Gruppen zusammenliegen. Der offene Eingang zu diesen Gräbern ist stets an der Süd⸗ oder Südostseite, Bilder oder Inschrirten finden sich aber nirgends, obgleich die sonstigen Funde an Bronzen, Tonvasen, Schmuck⸗ sachen, kunstreichen bronzenen Pferdegehängen ꝛc. auf eine gewisse Kulturhöhe des betreffenden Volkes schließen lassen. Eine merkwürdige Erscheinung, die 1 maachen dieser Steingräber wohl bis in die historische Zeit hineinragt, die sogenannten Kaisergräber, das sind Gräber von Vornehmen, um die im Kreise herum menschliche Figuren aus Ton eingegraben sind, die mit dem oberen Köꝛrperteile über das Erdreich ragen. Sie sollen daran erinnein, daß es in der Vorzeit beim Tode und der Beisetzung eines Großen Sitte war, auch eine Anzahl seiner Untergebenen auf diese grausame Weise den Tod erleiden zu lassen. Die Sitte soll nach der japanischen Geschichte im Jahre 507 auch für den Todesfall des Mikado ab⸗ geschafft worden sein, in Korea und China hat sie sich viel länger er⸗ alten. Dolmen wie in den einst von Kelten bewohnten Ländern finden sich in ganz Asien, vom Kaspischen Meere bis nach Japan, nicht. Nur in Korra begegnet man einer dolmenähnlichen Auszeich⸗ nung der Kaisergräber.
In der am 15. d. M. zu Berlin abgehaltenen Sitzung des Ge⸗ samtvorstandes der Comenius⸗Gesellschaft erstattete der Vor⸗ sitzende, Geheimat Dr. Keller⸗Berlin, zunächst den Bericht über das jetzte Gesellschaftsjahr und stellte fest, daß sowohl die Mitgliederzahl wie die Einnahmen in erfreulicher Zunahme begriffen sind. Von den im Jahre 1905 begonnenen neuen Unternehmungen verdienen die Berichte über die neuere Fachliteratur zur Volkserziehung, die der Begründung einer Wissenschaft der Volkserziehung und der Schaffung von Lehrstühlen für Erziehungslehre dienen sollen, be⸗ sondere Beachtung. Ferner bat die Gesellschaft die Bemühungen zur Begründung einer „Zentralstelle für Volkswohlfahrt“ durch verschiedene Veröffentlichungen in der Vorausfetzung 58*.— daß diese Zentral⸗ stelle auch die volkserzieherischer Aufgaben übernehmen wird. Auf die Errsichtung eines solchen Amtes hat die Gesellschaft schon im Jahre 1903 durch die Herausgabe der Denkschrift „Ein Reichsamt für Volkserzlehung und Bildungswesen“ hingewirkt. Ferner beschloß der Vorstand, eine Reihe verwandter volkserzieherischer Unternehmungen zu unterstützen, dagegen wurde der Beitriit zum „Komitee für Massenverbreitung guter Volksliteratur“ abgelehnt. In den Vorstand wurden gewählt die vFenas Graf Douglas⸗Berlin, Direktor Dr. Bischoff⸗Leipzig und Professor Dr. Worke⸗Wien. Ein ausführlicher Bericht über die Tätigkeit der Ge⸗ sellschaft ist vor einiger Zeit im 21. Bande des „Archiv für Sozial⸗ wissenschaft und Sozialpolitik“ erschienen.
v. A. Der Salon Schulte hat in seinem neuen Heim die zweite Ausstellung eröffnet. Er bringt diesmal eine Anzahl größerer Sammlungen von zum Teil wenig bekannten Künstlern. In dem ersten Oberlichtsaal sind Werke von Johannes Becker⸗Gundahl und von dem verstorbenen Otto Dörr ausgestellt. Otto Dörr ist in der Hauptsache mit Bildnessen und Interieurs vertreten. Seine Bilder gehören einer vergangenen Zeit an sowohl in der ganzen Auf⸗ fassung wie in der sorgfältig alatten Ausführung. Was ihnen ihren Reiz gibt, ist die ftille, innige Beseelung der Bildnisse, dieser verklärende Zauber, der sie umgibt und der uns neben den Dar⸗ gestellten zugleich die liebenswürdig klare Seele des Künstlers zeigt. Becker⸗Gundahl erweckt etwas ö Gefühle. Er gibt Genrebilder in großem Format, von schärfster Charakteristik und künstlerischer Auffassung. Aber in der Größe dieser Bilder hat er sich vergriffen. Arbeiten wie „Der Blinde“, „Die Strickerin“, auch noch wie „Die Botenfrau“ besitzen in dem typischen Charakter, den der Künstler ihnen zu geben gewußt hat, etwas Feierliches und Ein⸗
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9 8 8* “ B1 “ 8 dringliches, zu dem das anspruchsvolle 5
1 1“
„ ja, das es no erhöht, andere aber, wie etwa „Die zählenden Art, wirken im letzten Grunde dur verlieren an Tiefe der Stimmung und Kraft der Schilderung.
Im zweiten Oberlichtsaal nimmt der Norweger Edward
Munch einen beherrschenden Platz ein. Gegenüber der völligen Ab⸗ das Können, das trotz allem in den Arbeiten dieses wunderlichen
Sinne des Wortes. Sein ganzes Bestreben ist darauf gerichtet, einen starken seelischen Eindruck, den er 1 hat, voll auszudrücken. Auf das wahre Gesicht der Dinge kommt es ihm in keiner Weise an. Nur von diesem Standpunkt aus kann man überhaupt ein Verständnis für seine Arbeiten ge⸗ winnen. Das seelenlose Hasten und Drängen der Menschen stellt⸗
in seinem Bild „Straße“ dar; den Zauber des Abends muß das dumpfe Träumen einer unindividualisierten, nur in allgemeinen Um⸗ rissen gegebenen Menschengestalt verkörpern. dem Bild „Melancholie“. In der Mehrzahl der Fälle wird zwischen ihm und uns die Brücke des Berstä daisses fehlen. Seine Bilder wirken als Karikaturen, sie nichts Spöttisches, sondern gleichsam etwas Tragisches besitzen. — Neben Munch hat der Engländer Jacob Smits ausgestellt. Er perfügt über eine merkwürdig pastose Technik, seine tiefen, dunklen Farben sind schwer und massig aufgetragen. gegen den leuchtenden Abendbimmel ab, ebenso gibt er den Bauer die Landschaft mit dem Himmel voll silbern durchleuchteter Wolken. Schließlich ist hier noch Jens Birkholm zu nennen, der haupt⸗
suppe kommen, Armenhäusler, denen von Soldaten der Heilsarmee gepredigt wird, eine Volksversammlung, „Hunger“ u. a. m. Er wirkt
Anschauung gebracht.
Die retrospektive Abteilung im vierten O auf eine weniger weit abliegende Zeit zurück. Das Hauptwerk ist hier ein köstlicher Leibl, ein Mädchen, ganz in Schwarz gekleidet, gegen dunklen Hintergrund. Daran schließen sich Gebhardt mi einer Skizze zu Christus und Nicodemus, Schreyer, Achenbach, Calame, Bürkel mit zwei schönen Landschaften mi
in der es Werke schottischer und englischer Künstler bringt.
ganz flächenhaft behandelt, fern von der unmittelbaren Natur anschauung, die Deutschland und Frankreich haben. Was an englische Kunst zu uns herüberkommt, trägt alles den gleichen Charakter. E⸗ fein ausgebildeter Geschmack, der mit bestimmten f Werten arbeitet, feine technische Durchbildung, aber eigenes Schauen, eine eigene Auffassung. Auch kehren immer bei uns wieder: Austen Brown,
selten
gestellt, die sein auß⸗rordentlich tüchtiges und vielseitiges Können zeigen. 8 8—
Verkehrsanstalten.
In Bonaberi in Kamerun ist am 15. Mai graphenanstalt für den internationalen Verkehr eröffnet worden. Bonaberi liegt auf dem nördlichen Ufer des Kamerunflusses 4,5 km oberhalb von Duala. Die Taxen für Duala.
Postfrachtstücke nach einzelnen Gebieten von Afrika Asien und Südamerika sowie nach Australien können vom 1. Juni ab auf dem Wege über Brig (Simplon) —Genua befördert werden. Nähere Auskunft erteilen die Postanstalten.
Der Weltpostkongreß hat, „W. T. B.“, in seiner gestrigen Sitzung die Uebereinkünfte und Be⸗ stimmungen, betreffend Postanweisungen, Behandlung von Poststücken mit Wertangabe und von Nachnahmesendungen, gutgeheißen, des⸗ leichen die Annahme von Abonnements auf Zeitungen und Zeitschriften.
ie Höchstsumme für Postanweisungen wurde auf 1000 und die Portogebühr für Postanweisungen ermäßigt.
Theater und Musik.
nach einer Meldung
im Sonderabonnement des Wagner⸗Zyklus „Tristan und Isolde“ in Szene, in den Hauptrollen durch die Damen Plaichinger, Gorctze, die Herren Kraus, Hoffmann und Mödlinger besetzt. Anfang 7 Uhr.
Im Königlichen Schauspielhause setzt morgen Fräulein Elisabeth Schneider vom Hoftheater in Weimar als J „Jungfrau von Orleans“ ihr Gastspiel fort. —
Im Residenztheater begeht die Komödie „Liebeskunst“ nicht nur bis zu dem am 31. Mai erfolgenden Schluß der diesjährigen Spielzeit auf dem Spielplan, sondern wird auch die nächste Winter⸗ spielzeit eröffnen.
Im Thaliatheater wird am 24. Nachmittags (Himmel⸗ fahrtetag) partere links“ wiederholt.
Im Zentraltheater finden Dienstag: Gu ermäßigten ½α Donnerstag: „Boccaccis“, Freitag: „Die Puppe“, Sonnabend: „ Bettelstudent“.
Im Kleinen Theater wirdd an allen Abenden dieser Woche Oecar Wildes „Idealer Gatte“, Fehdmer n Hauptrollen, aufgeführt.
Mannigfaltiges. Berlin, den 21. Mai 1906.
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Ueber die Witterung im Monat April, 1906 berichtet das Königliche Meteorologische Institut auf Grund der angestellten Beob⸗ achtungen folgendes: Im Gegensatz zu seiner sprichwörtlichen Un⸗ beständigkeit brachte der April diesmal in seiner ersten Hälfte sehr beständiges, schönes Wetter mit großer Trockenheit und ungewöhnlich hoher Temperatur. Die Tagesmittel lagen bis zu 10° über der normalen, in Berlin übertrafen sie sogar am 11. bis 14. die höchsten seit 1848 für diese Tage bekannten Werte. Zu Beginn und im letzten Drittel des Monats war es dagegen meist zu kalt und trübe. Das Gesamtmittel der Temperatur überstieg mit Ausnahme der etwas zu kühlen westlichen Rheinprovinz überall den Normalwert, und zwar meist um 1—2, im Nordosten sogar bis zu 3 ½ 0. Bei dem vorwiegend schönen Wetter dlieb der Niederschlag weit hinter den Erwartungen zurück, am beträchtlichsten im Osten, wo kaum ein Drittel der vieljährigen Durchschnittsmenge gefallen ist. Nur kleinere Bezirke im Nordwesten und Südwesten hatten einen mäßigen Ueberschuß zu verjeichen. Schnee fiel nur noch ganz ver⸗ einzelt, und selbst die höheren Berge wurden im Laufe des Monats schneefrei; nur die Schneekoppe, die anfangs eine 170 cm hohe Schnee⸗ decke hatte, wies ulcht noch eine solche von 5 cm auf. Die Be⸗ wölkung war namentlich im Osten gering und die Zahl der heiteren Tage außerordentlich groß. Dementsprechend überstieg die Sonnen⸗ scheindauer die normale, im Osten sogar ganz erheblich (stellenweise um mehr als 50 %), während der Südwesten etwas zu wenig hatte. Das Hochdruckgebiet, das Ende März im Nordwesten gelegen hatte, wanderte in den ersten Tagen des April langsam über Deutschland nach
folgende
Südosten und bewirkte mit Aufklaren und Sonnenschein rasche Er⸗
Fr. festgesetzt
ahrsagerin“ in ihrer rein er⸗ diese Größe leer und
lehnung des Publikums, sah die Kritik sich seinerzeit veranlaßt, auf Künstlers steckt, hinzuweifen. Munch ist Impressionist im wahrsten
2g; Mitunter gibt der Künstlet in überraschender Weise das, was er beabfichtigt, 9. B. in
nur daß sie
Sehr gern wirkt er durch starke Silhouetten: „Judas und Christus“ 2 sich dunkel
mit dem charaktervollen Gesicht im schärfsten Profil. Schön ist auch
sächlich soziale Probleme behandelt: Armenhäusler, die zur Mittags.
nirgends tendenziös, seine künstlerischen Mittel sind unauforinglich, aber fein und überall mit Klarheit ist das Wesentliche betont und zur
berlichtsaal greift diesmal 6
Vautier,
Kühen, Bochmann, Burger, Seiler, Diek und Lenbach. 8
Auch das Künstlerhaus hat eine neue Ausstellung eröffnet, b 6 Es sind vorzugsweise Landschaften, in gedämpften Tönen gebalten, zum Teil
die gleichen Namen . 1 Grosvenor, “ Paterson u. a. m. Im Nebensaal hat der Königs⸗
rger Carl Albrecht Blldnisse, Landschaften und Stilleben aus⸗
eine Tele⸗
sind dieselben wi
des
8 8 9
Im Königlichen Opernhause geht morgen als 5. Vorstellung
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a in der
in dieser Woche das Jubiläum ihrer 25. Aufführung und bleibt
„Nathan der Weise“ aufgeführt. Allabendlich wird „Hoch⸗
Vorstellungen statt: 8 „Der Bettelstudent“, Mittwoch: „Der Zigeunerbaron“
mit Harry Walden und Helene
in der Karwoche