anzeiger.
Am vorigen
Qualität Durchschnitts⸗ 8 Markttage
gering mittel Verkaufte
ver aann. *Tnn schen Reichsanzeiger und Königlich Preußischen Sta
Ien 8 Mark 1.“ Gezahlter Preis für 1 Doppelzentner E 8 “ schnittg. dem Berlin, Montag, den 28. Mai niedrigster höchster niedrigster höchster niedrigster höchster Doppelzentner preis 8 8 — — — .hs⸗ 1 Henüin ℳ ℳ ℳ ℳ am,o
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Bemerkungen. Die verkaufte M Ein liegender Strich (—) in den Spalten für Preise hat die Bedeutung,
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enge wird auf volle Doppelzentner und der Verkaufswert auf volle Mark abgerundet mitgeteilt. Der daß der betreffende Preis nicht vorgekommen ist, ein Punkt (.) in den letzten sechs Spalten, daß entsprechender Bericht felh
14,20 & u14,60 15,00 15,40
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Durchschnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahl
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Ingenieure,
richtsfragen; Berie 8 eines technischen Sprachen Deutsch,
erzeugern; Maßstäbe für Indika gehalten werden: t technische Arbeit einst und jetzt“; Dr. A. Riedler über „die Eniw
Dampfturbine“;
H. Hoffmann ü und Hüttenwesen“.
8 Technik. Die 47. Hauptversammlun bar der zugleich die
des Vereins verknüpft ist, wird Berlin unter Beteiligung zahlreicher Eh Auslande stattfinden.
Benutzung von Zeichnungen
für Leistungsversuche
1 8 Verdingungen im Anslande. 88 Belgien.
8*
des Vere er des 50 jährigen Bestehens 11. bis 15. Juni d. J. i rengäste aus dem In⸗ und chen Verhandlungen dürften schulk⸗ und Unter⸗ iten zur Heraus⸗ drei abe eines maschine; mißbräuchliche anderen Ingenieurarbeiten; Gasmaschinen torfedern. Folgende Vorträge werden Dr. W. von Oechelhaeuser über heimer Regijerungsrat, Professor g und die 82 Professor Dr. Muthmann über „t zur Verarbeitung des atmosphärischen Stickstoffes“; ber „Kraftgewinnung und Die Nachmittage des 13. und des 14. uni werden dem Besuche von industriellen Aulagfn in und
bei Berlin gewidmet sein.
Von den gesch Punkte allgemeines Interesse tt über den Fortgang der Ar Wörterbuches (Technolexikon) in Französisch und En 1 über die Geschichte der Damp
den
Generaldirektor
Bedeutun nische Methoden Ingenieur Dr. Kraftverwertung im Berg⸗ Juni sowie
um 4. Juni 1906, 10 Uhr. sür den Bau einer 42 chm Inhalt. — 2) Anlage eines Röhrennetzes.
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Hôötel de ville in Diest: rik. 1) Anlage eines Gasmessers
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8 5. Juni 1906, Mittags. Höôtel de ville in Lüttich: Lieferung von 100 000 kg Hafer. Gahier des charges für 50 Centimes.
5. Juni 1906. Bureau de bienfaisance in Brüssel: Lieferung von Tuch, Leinwand, Decken usw.
6. Juni 1906, 11 Uhr. Société nationale des chemins de fer vicinaux, 14 Rue de la Science in Brüssel: Lieferung von 12 Wasserbehältern mit Röhren und allem Zubehör in 2 Losen. Ein⸗ geschriebene Angebote zum 5. Juni.
. 1906, 10 Uhr, Maison communale in Etterbeek bei Brüsei. Hns einer ha üsn im „Quartier Solbosch, Rue des Etables und Place Jourdan-. 38 475 Fr., Sicher eitsleistung 2500 Fr. Eingeschriebene Angebote zum 6. Juni.
12. Juni 1906, 1 ¼ Uhr. Höôtel de ville in Brüssel: Neu⸗ 1Eee der Rue de l'Amigo und Rue Pachéco. Sicherheits⸗ leistung 5 % der Höhe der Verdingung. Cahier des charges für 50 Centimes. Angebote zum genannten Tage vor 11 Uhr.
„Juni 1906, 11 Uhr. Société hationale des chemins de fer ügen 14 Rue de la Science in Brüssel: Bau einer Remise für 10 Wagen und einer neuen Umfassungsmauer zur Vergrößerung des Magazins und für die Anlage von neuen Linien im Depot von Charleroi. 33 960 Fr. Sicherheitsleistung 3500 Fr. Eingeschriebene Angebote zum 12. Juni.
Brasilien.
31. August 1906, 12 4 BSüre A * befillanffäen tendencia strada de Ferro ntral do re s Hbesngebeg. Lieferung von 34 metallenen Brücken⸗
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. Mai 1908, 12 Uhr. K. K. Hauptm von Brennholz. Näheres bei dem genannten anzeiger“.
dheitswesen, Tierkrankheiten und Abspern 8 8 maßregeln.
Spanien. irektor in Madrid lements über die en von Sydney u“ “ EE““
Verkehrsanstalt
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Lüderitzbucht: 1 r Swakopmund und für Pakete n Professor Woermann“ ab
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Der Generalgesundheitsd auf die Vorschriften des Re polizei bekannt, daß im Ha aufgetreten ist.
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In 61 Nachmittags,
akopmund, Abgang Mai 88 3. Juni.
Deutscher Reichstag.- 113. Sitzung vom 26. Mai 1906, Nachmittags 1 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphischem Bureau.)
Tagesordnung: Petitionen, dritte Beratung des am 8. Mai 1906 zu Stockholm unterzeichneten Handels⸗ und Schiffahrtsvertrages zwischen dem Deutschen Reich und Schweden, Fortsetzung der zweiten Beratung der Er⸗ gänzung des Haushaltsetats für die Schutzgebiete und dritte Beratung der Ftninganc des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1906.
Den Verhandlungen wohnen der Staatsminister, Staats⸗ sekretär des Innern Dr. Graf von Posadowsky⸗Wehner und der stellvertretende Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts Erbprinz zu Hohenlohe⸗Langen⸗ burg bei.
Nachdem eine Reihe von Petitionen, welche die Petitions⸗ kommission als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet er⸗ achtet hat, für erledigt erklärt waren, geht das Haus über zur dritten Beratung des schwedischen Handelsvertrags. Ohne Diskussion wird der Vertrag in allen seinen Teilen und darauf im ganzen definitiv genehmigt.
Darauf wird die zweite Beratung der Ergänzung zum Sen der Schutzgebiete für 1906 fortgesetz Die
dgetkommission hat die Nachforderungen für das ostafri⸗ kanische Schutzgebiet (4 schwarze Kompagnien) abgelehnt, ebenso die Nachforderung in dem Ordinarium der Ausgaben für Südwestafrika, desgleichen die Forderung von 5 Millionen zur Fortführung der - e Lüderitzbucht⸗Kubub von Kubub nach Keetmanshoop und die Forderung von 10 ½ Millionen „zur Hilfeleistung aus Anlaß von Verlusten infolge der Ein⸗ geborenenaufstände“; statt dessen sollen nur 500 000 ℳ be⸗ willigt werden „unter Gewährung von Beihilfen an aus⸗ ediente Angehörige der Schutztruppen und an wehrpflichtige Keichsangehorige, die als Landwirte sich in konzentrierten An⸗ siedlungen niederlassen.“ Referent ist der Abg. Erzberger entr. 8' n.) Semler (nl.) beantragt, 3 Millionen zu bewilligen mit dem Dispositiv: „zur Hlilfeleistung aus Anlaß von Verlusten infolge der Eingeborenenaufstände zu Gunsten von Personen, die sich innerhalb des tatsächlichen Machtbereichs der Verwaltung wieder ansiedeln, in Gemäßheit der Verfügung des Reichskanzlers vom 2. Juni 1904.“
Es wird zunächst über die Ergänzuung zum Etat für
Deutsch⸗Ostafrika verhandelt.
Die Abgg. Semler (nl.) und Richthofen (d. kons.) erklären,
daß, wenn sie sich dem Kommissionsantrage anschließen, sie nicht etwa die Forderung an sich für unnötig halten, sondern, daß sie mit Rück⸗ 5 auf die Geschäftslage nur die Bahn für Westafrika freimachen wollen.
Es wird nach dem Antrage der Kommission beschlossen.
Bei den Nachforderungen für Südwestafrika hat die Kommission ohne Debatte entsprechend dem Kommissionsantrage die Forderung von 210 125 ℳ im Ordinarium zur Aus⸗ stattung der Zivilverwaltung gestrichen.
Unter den einmaligen Ausgaben waren 500 000 ℳ „zur Beförderung der Ansiedlungen des Schutzgebietes“ gefordert worden. Die Kommission bat diese Summe mit der oben angeführten Aenderung des Dispositivs bewilligt. Das Haus beschließt dementsprechend. “
ur Beschaffung von Trinkwasser in Lüderitzbucht und ur Steigerung der Wasserversorgung in Swakopmund werden 000 ℳ ohne Debatte bewilligt.
Ueber die von der Hommission zur Ablehnung empfohlenen Positionen von 10 ½ Millionen Mark zur Farmerentschädigung, 5 Millionen Mark für den Eisenbahnbau nach Keetmanshoop und 1 ½ Million zum Ankauf von Reit⸗ und Zuchttieren für die Zivilverwaltung wird gemeinsam diskutiert.
Referent Abg. Erzberger (Zentr.) hebt hervor, daß nach den Erklärungen der Vertreter der Kolonialverwaltung in der Kommission von den 77 Millionen für 1906 für Suͤdwestafrika bereits 34 Millionen verausgabt seien. In der Kommission sei allseitig die Befürchtung laut geworden, daß man mit weiteren Nachtragsetats in Höhe von 100 Miliionen zu rechnen haben werde. Ferner sei mit⸗
eteilt worden, daß 300 Hottentotten unter Abraham Morris uns ampfbereit gegenüberständen, und daß dieser Abraham Morris der Sohn eines Rabbiners aus dem Posenschen sei. Die Kommissions⸗ mehrheit habe die sämtlichen Forderungen ablehnen zu müssen ge⸗ glaubt, weil es vor allem jetzt auf eine Reduktion unserer dortigen Truppen und auf den Wiederaufbau der Ansiedlungen von wenigen Konzentrationspunkten aus ankomme.
Stellvertretender Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts Erbprinz zu Hohenlohe⸗Langenburg: Meine Herren, die Beschlüsse, die die Mehrheit der Kommission gefaßt hat, beruhen auf dem Gesichtspunkte, wie soeben der derr Berichterstatter g⸗sagt hat, daß grundsätzlich ein Fest⸗
alten des Südens der Kolonie nicht zu empfehlen sei, daß im Gegenteil eine Konzentration unserer Kräfte auf den Norden der Kolonie empfehlenswert sei. Ich glaube, das ist vom Standpunkt des Reichs, vom Standpunkt des Inter⸗ esses des Schutzgebiets nicht möglich. Der Süden der Kolonie wird allerdings zur Zeit noch von Räuberbanden beherrscht, deren Zahl wir nicht genau angeben können — es werden da sehr verschiedene Zahlen genannt. ieses Gebiet, das durchaus nicht pazifiziert is. ist durch seine geographische 2,1b. dazu geeignet, der Vermehrung und Rekrutierung jener Räuberbanden, wenn man sie o nennen will, Vorschub zu leisten, und zwar nicht nur aus unserem Schutzgebiete, sondern auch aus den benachbarten Gebieten, deren Eingeborene stammverwandt sind mit den Hottentotten auf unserem Grund und Boden. Würden wir dieses Grenzgebiet gegen die Kapkolonie vollständig aus der Hand lassen, ohne militärischen Schutz es aufgeben und uns auf den Norden und die Mitte unseres Schutzgebietes beschränken wollen, so hätten wir dort einen Herd erneuter Unruhen, den wir nicht unbeachtet lassen können, einen Herd erneuter Unruhen, der auch für die benach⸗ barten Länder nicht ohne Gefahren wäre, der also für die ukunft eine gewisse internationale Wichtigkeit haben könnte, die urchaus nicht zu verkennen Ich glaube, ich würde gegen meine Pflicht handeln, wenn ich Ihnen das verschweigen wollte, wenn ich nicht darauf aufmerksam machen wollte. Auf ein derartiges Grenzgebiet muß ganz besondere Aufmerksamkeit gelenkt werden, weil sich hier immer die Möglichkeit von Komplikationen bildet, namentlich in einem unkultivierten Lande, wie wir es dort haben. Wir haben gesehen, daß in Afrika nicht nur in unserer Kolonie, sondern auch in
1
den benachbarten die Zustände heutzutage keineswegs ruhige sind, daß der Aufstand, der uns so viel Kosten verursacht hat, nicht ohne Ein⸗ fluß geblieben ist auf die Haltung der Stämme in anderen Gebieten. Wir dürfen uns daher nicht auf den Standpunkt stellen, daß unser Schutzgebiet gewissermaßen eine Insel bildet, die von dem übrigen Afrika vollständig getrennt ist. Ich glaube, daß gerade auf die Be⸗ ziehungen zu den Nachbarkolonien die Zustände im Süden unserer Kolonie einen großen Einfluß haben können und werden. Wir haben es selbst gesehen, wie schwer es für die Kapregierung war, beim besten Willen die Grenze abzusperren und zu verhindern, daß uns immer wieder Schwierigkeiten durch die Eingeborenen bereitet wurden, die über die englische Grenze gegangen waren und wieder nach unseren Gebieten zurückkehrten. anz dieselben Schwierigkeiten würden sich in umgekehrter Richtung bieten, wenn wir jedes Auf⸗ sichtsrecht im Süden aufgeben und uns darauf beschränken wollten bloß den Norden festzuhalten. Ich habe die feste Ueberzeugung, da es für die Stellung unseres Schutzgebjetes im Rahmen des ganzen Südafrika von eminenter Wichtigkeit ist, daß wir vom Süden dieses Schutzgebietes nicht die Hand 8 sondern so viel Truppen dort belassen, daß wir die Gewißheit haben können, nötigenfalls hier die Herren spielen zu können. Wie viele das sein werden, läßt sich nicht absehen; ich nehme an, daß wir vielleicht in naher Zukunft im Süden mit 1000 Mann auskommen können. Diese 1000 Mann müssen verpflegt werden. Die ungeheuren Schwierigkeiten der Ver⸗ pflegung sind Ihnen aber durch den Herrn Berichterstatter dargestellt worden, sie sind natürlich ungemein viel größer, wenn wir eine starke Schutztruppe da unten stehen haben — das gebe ich ohne weiteres zu —; aber immerhin werden, wenn wir diese Schutztruppe im Süden, wie ich hoffe, bald erheblich reduzieren können, die Schwierig⸗ keiten der Verpflegung dieser zur Sicherung des Südbezirkes not⸗ wendigen Truppen ganz erhebliche sein. Ich glaube, nicht noch einmal näher eingehen zu sollen auf die verschiedenen Gründe, aus denen die Verpflegung dort unten so un⸗ gemein schwierig ist; sie sind Ihnen schon des öfteren auseinander⸗ gesetzt. Ganz er. vermindert würden diese Schwierigkeiten durch den Bau einer Eisenbahn, vermindert aber auch die Kosten, die dem Reich aus dieser Verpflegung erwachsen. Ich darf den S vielleicht noch einmal in Erinnerung bringen, was in der enkschrift zum Ergänzungsetat ausgeführt ist. a heißt es auf Seite 31: „Auf der Etappenstraße von Lüderitzbucht bis Keetmans⸗ hoop kann zur Zeit noch nicht einmal zein Drittel des für die Truppe erforderlichen Nachschubs befördert werden. Speziell auf der Strecke Kubub — Keetmanshoop werden durchschnittlich 12 ½ t für den Tag be⸗ fördert, während der Bedarf für eine Truppe von 5000 Mann und Pferden sich auf rund 50 t für den Tag beläuft. Die Kosten des Transports von je 12 ür den Tag auf der Strecke Kubub — Keetmanshoop belaufen sich zur Zeit 22 800 000 ℳ monatlich, also auf 9 600 000 ℳ für das Jahr. Rechnet man nun unter Zugrunde⸗ legung von 20 Millionen Mark Baukosten für Verzinsung und Amorti⸗ sation 8 %, für den Betrieb bei Beförderung eines Zuges täglich 3000 ℳ für das Kilometer, so würde der Nachschub für 5000 Mann und n⸗ auf der Eisenbahn jährlich 2 260 000 ℳ gegen 9 600 000 ℳ letzteres bei Beförderung durch die Kolonnen) kosten. Nimmt man aber an, daß künftig die Besatzung des Südens auf 1000 Mann vermindert werden könnte, so würde die Beförderung des erforder⸗ lichen Nachschubs von 3650 t für das Jahr oder 10 t für den Tag si mit Kolonnen immer noch auf 7 680 000 ℳ stellen, während na
höchstens eine Belastung des Fiskus für Verzinsung, Amortisation und Betriebskosten in Höhe von 2 260 000 ℳ eintreten würde. Die Ersparnisse würden ganz bedeutend sein, selbst wenn wir die Schutztruppe auf 1000 Mann herabsetzen. ie verbündeten Re⸗ sierungen haben die Bahn, deren Kosten im Ergänzungsetat ange⸗ ordert sind, hauptsächlich oder eigentlich ausschli lich aus militäri⸗ schen Gründen befürwortet. Zu der Zeit, als dieser Ergänzungsetat aufgestellt wurde, war Morenga noch nicht gefangen, aber es finden sich dort immer noch erhebliche Banden von Eingeborenen, die nicht gering geschätzt werden dürfen. Ich will mich hier keiner Uebertreibung schuldig machen und will bekennen, daß gegen ein paar Hundert Hottentotten eine so erhebliche Truppenmasse, wie wir sie bis jetzt hatten, ja für die Zukunft nicht nötig sein wird. Aber im Süden wird immerhin doch auf eine Garnison von 1000 Mann gerechnet werden müssen, hauptsächlich aus politischen Gründen. Nun ist gesagt worden, daß ja auch, wenn die Bahn bis Keetmanshoop gebaut würde, immerhin noch erhebliche Kosten erwachsen würden, um die Transporte bis nach Warmbad zu führen, wo man auch eine Truppe stationieren müsse. Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, daß von diesen Kosten doch diejenigen Mehrkosten abgehen werden, die durch den Nichtbau der Eisenbahn auf der Strecke Kubub— Keetmanshoop erwachsen würden, wenn man hier die Zufuhr noch weiterhin durch Ochsenwagen und andere Beförderungsmittel bewerk⸗ stelligen müßte. Ich glaube also, daß dem Reich durch diesen Bau Mehrkosten auf die Dauer nicht erwachsen würden, sondern im Gegenteil, daß das Reich in Zukunft mit sehr hohen Ersparnissen rechnen kann. Ich möchte aber noch mit ein paar Worten darauf hinweisen, daß die Bedeutung dieser Bahn doch nicht eine lediglich militärische ist, also nicht lediglich für vorübergehende Zwecke ins Feld geführt werden kann. Die Be⸗ deutung dieser Bahn ist ganz entschieden auch eine wirtschaftliche. Wenn Sie die Karten ansehen, die bei S1e Gelegenheiten Ihnen vorgelegt worden sind, so werden Sie sehen, daß nicht nur im Norden der Kolonie Ansiedlungen von eißen vorhanden waren, sondern daß auch im Süden eine ganze Anzahl von Farmen verkauft, vermessen und besiedelt worden sind. In dem Jahresbericht von 1903/4, also in dem letzten Jahresbericht vor dem Aufstande, finden Sie angegeben, daß in dem Bezirk Keetmanshoop von der vort befindlichen weißen Bevölkerung 348 Ansiedler und Farmer vorhanden waren, und in dem Bezirk Gibeon 145; also ein erheblicher Bruchteil der weißen Bevölkerung, die im Bezirk Keetmanshoop 601, im Be⸗ zirk Gibeon 225 betrug, waren weiße Ansiedler. Daraus ergibt sich, daß wir in diesem Südbezirk nicht etwa erst in ein Gebiet gehen, welches für die weiße Bevölke⸗ rung ganz neu zu besiedeln ist, sondern in ein solches, welches bereits besiedelt gewesen ist, dessen Ansiedlungen allerdings durch den Aufstand sehr gelitten haben. Wenn in einem Bericht von Ruinen, von Trümmer⸗ feldern erzählt wird, die da draußen im Süden als aus⸗ schließliches Gut zu finden sind, das 18 schützen wäre, so beruhen eben diese Berichte auf dem Eindru der dadurch hervorgerufen ist, daß der Aufstand die früher geschaffenen Werte zerstört hat. Aber, meine Herren, die Farmer, denen diese Farmen gehören, die ihr Vermögen dort hineingesteckt haben, sind zum größten Teil noch im Lande und bereit, dort wieder neue Werte zu schaffen. Nicht nur der Bezirk Keetmanshoop wurde durch die Bahn wesentlich gefördert, sondern auch Gibeon; denn ein Blick auf die Karte zeigt, daß die Entfernung von Gibeon nach Keetmanshoop weit geringer ist als die von Gibeon nach Windhuk, der nächsten Eisenbahnstation im Norden. Dazu kommt, daß wir in Lüderitzbucht einen Hafen haben, der gar nicht zu vergleichen ist mit den Verhältnissen der Reede in Swakopmund. Lüderitzbucht ist nach der übereinstimmenden Ansicht aller
Sachverständigen ein Hafen, der allen Anforderungen genügtf, in den wir keine erheblichen Gelder hineinzustecken brauchen, um daraus etwas
“ 8.
dem Baue der Bahn bei einer Beförderungsmöglichkeit von 18 250 t
Wertvolles zu machen. Von diesem Hafen führt die bereits bewilligte Bahn nach Kubub, ihre Fortsetzung würde die Bahn nach Keetmanshoop sein. Wir würden aisc einen für die Besiedlung wertvollen Besitz mit einem Seehafen verbinden, von dem wir wissen, daß eine Versandung dort nach menschlichem Ermessen nicht eintreten
kann. Wir würden den Hafen von Swakopmund gleichzeitig ent⸗
lasten, der, namentlich wenn im Norden die Besiedlung wieder beginnt, in erbeblichem Maße in Anspruch genommen sein wird. Ich erinnere daran, daß dort zwei Bahnen ausmünden, einmal die Bahn von Windhuk, zweitens die Otavibahn, die demnächst fertiggestellt wird und das wichtige Otavigebiet mit dem Meere verbinden soll. Also auch von dem Gesichtspunkte der Ver⸗ bindung des mittleren und Südbezirks mit dem Meere ist die Bahn Kubub — Keetmanshoop von entschiedener Wichtigkeit. Was nun die Bauzeit betrifft, so wird sie bis zur Herstellung für den Betrieb zu
militärischen Zwecken 18 Monate betragen. Der endgültige Ausbau kommt ja augenblicklich nicht in Betracht. Es handelt sich vor⸗ läufig nur darum, den Bau so weit zu fördern, daß die Bahn Militärtransporte genügt. Dies wird in 18 Monaten der Fall sein; in 10 Monaten schon wird die Bahn aller Voraussicht nach bis zum Kilometer 145 ausgebaut sein, natürlich nur unter der Voraus⸗ setzung, daß der Weiterbau unmittelbar im Anschluß an
die Fertigstellung der Bahn bis Kubub in Angri
nommen werden kann. Denn wir haben dann an Ort und Stelle die Arbeiter, die schon den vorhandenen Bahn⸗ bau in Angriff 1 und fertiggestellt haben, die ein geübtes Personal darstellen und die wohl kaum an Ort und Stelle gehalten werden könnten, wenn der Bahnbau auf Monate unterbrochen werden müßte. Das würde aber eintreten, wenn das hohe Haus sich ent⸗ schließen sollte, etwa erst im Herbst die erforderlichen Mittel zu bewilligen. Meine Herren, wenn ich also die Situation überlege, so komme ich zu dem Ergebnis, daß der Bahnbau erstens aus militärischen Gründen notwendig bleibt, auch wenn wir unsere Schutztruppen reduzieren können, was hoffentlich recht bald der Fall sein wird, zweitens, daß die Bahn auch ihre erhebliche wirtschaftliche Not⸗ wendigkeit hat, und drittens, daß eine Beschleunigung des Bahnbaues dem Reich eine erhebliche Anzahl von Millionen ersparen wird, die der Fiskus sonst verwenden müßte, um Transporte auf dem beschwerlichen und kostspieligen Landwege durch Ochsenkarren oder sonstige unendlich teure Betriebsmittel zu befördern. Wir haben schon sehr viel Geld in die Bekämpfung des Aufstandes hineinstecken müssen. Mit Recht sind in diesem hohen Hause immer wieder die Rücksichten betont worden, welche das Interesse der deutschen Steuerzahler er⸗- fordert. Ich glaube aber, gerade im Interesse der deutschen Steuer⸗ zahler muß die Regierung mit aller Energie darauf aufmerksam machen, daß Sie ein erhebliches Geld ersparen würden, wenn Sie uns in die Lage versetzten, ein Beförderungsmittel im Süden unseres zu schaffen, welches nicht allein unseren Truppen die erpflegung ermöglichen und verbilligen, fondern auch in Zukunft dem Schutzgebiete die Möglichkeit der Ent⸗ wicklung schaffen und den hüwqls dort erlauben würde, ihre Bedürfnisse auf eine Weise zu beschaffen, die ihnen den Betrieb er⸗ leichtert und insbesonders wesentlich verbilligt. Also, meine Herren, wirtschaftliche und militärische Interessen e. für die Bahn, sprechen für ihren schleunigen Ausbau, und ich möchte Ihnen aufs allerdringendste ans Herz legen, mit Wohlwollen noch einmal die An⸗- forderungen der Regierung zu prüfen und sie, wenn möglich, noch vor dem Auseinandergehen dieses hohen Hauses zu bewilligen.
2 Arendt (Rp.): Im März das Haus durch eine Resolution mit großer Mehrheit eine Vorlage für die Verlängerung der Bahn nach Keetmanshoop gefordert; jetzt, wo die Vorlage kommt, lehnt die Kommissionsmehrheit sie ab! Das ist doch ein eigentüm⸗ liches Schauspiel. Es stimmt auch nicht, daß wir im März nur für die Bewilligung von Mitteln für Vorarbeiten zu diesem Bau uns erklärt haben; das war bloß eine Form, zu der uns budgetäre Bedenken des Reichsschatzamts veranlaßten. Wenn
auch Morenga inzwischen von den Engländern gefangen ge-.
nommen worden ist, so macht dies keinen Unterschied. Wir haben ja bei derselben Gelegenheit die Kriegsführungskredite von 15 Millionen herabgesetzt, aber trotzdem mit vollem Recht die Fortführung der Eisenbahn gefordert, weil wir die Entblößung des Südens nicht wollten, um nicht die Wiederkehr der Aufstände herauf⸗ zubeschwören. Jetzt will man also den Süden einfach aufgeben, und die Sozialdemokraten triumphieren. Wunderbar ist schon die Haltun der Freisinnigen, die doch früher A gesagt haben und jetzt nicht sagen wollen. Damit begeben sich die Herren des Einflusses, den sie sonst im Hause haben könnten; man rechnet eben nur noch mit dem Zentrum, dem die Freisinnigen dadurch zu seiner Machtstellung ver⸗ helfen. Wie wenn Morenga in acht Tagen den Engländern ausrückt? Dann stimmen Sie also wieder für die Bahn. Eine bessere Maßregel, um Aufstände zu verhüten, ist nicht denkbar als der Bau von Eisen⸗ bahnen. Die schwerste Verantwortung für den jetzigen 22 stand trifft die Kolonialverwaltung und ihre keätere . tung, weil sie nicht sofort bei Ausbruch des Aufstandes im Süden den Ausbau der Bahn in die Wege geleitet hat. Die deutsche Herrschaft muß und wird doch in dem Schutzgebiet auf⸗ recht erhalten werden, also kann ich diese Politik der Eisenbahn⸗ ablehnung nicht begreifen. Sparsawkeit, gewiß, bei jeder Gelegenheit; aber nirgends ist sie verkehrter als beim Eisenbahnbau! Diese Schein⸗ sparsamkeit wird uns unendlich viele Millionen kosten. Wir müssen den Süden unbedingt halten, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Der Preis für die Tiere ist im Süden höher als im Norden, weil die Rassen dort wertvoller sind. Die Ansiedlungsnachfrage ist hier gerade am aller⸗ stärksten. Wie denkt man sich das Aufgeben des Südens? Der ist ja der Grenzdistrikt gegen England. Dort werden sich dann die unruhigen Elemente einnisten, von dort aus weiter nordwärts stoßen, und wir werden einen ewigen Krieg dort zu führen haben. Auch in den englischen Grenzbezirken ist es unruhig; im Basutoland kann sehr bald auch ein Aufstand ausbrechen. Bewilligen Sie jetzt nicht den Bahnbau, so werden Sie ihn später unter viel teureren Opfern bewilligen müssen. Sie fassen hier auch geradezu einen Beschluß, der die Zurückziehung der Truppen verhindert. Denn unsere Truppen müssen ernährt werden, durch Karrentransporte, solange keine Eisenbahn ist; ein Karrentransport erfordert größere Bedeckung und geht unendlich lang⸗ sam vorwärte. Der Aufstand lebt ja wesentlich davon, die Ver⸗ pflegungstransporte zu überfallen und abzuschießen. Wie viele Menschenleben werden hier verbluten müssen, weil diese Strecke nicht gebaut wird! Gerade das Gebiet hinter Kubub bietet gar keine Schwierigkeiten für den Bau; geht dieser erst im nächsten Feitzet vor sich, so tritt eine schwere nanzielle, Opfer fordernde Stockung ein, weil die Ar⸗ eiter, die Ingenieure, die jetzt dort bis Kubub bauen, nicht verwendet werden können, sondern neu herangezogen werden müssen. Wir müssen doch der Regierung dankbar sein, daß ihre Vorlage so rasch an uns gekommen ist. Würde wenigstens bis an den Schaffluß gebaut! Auch so schon würde durch die Verminderung der gegen⸗ wärtigen Transportkosten ein Erhebliches erspart werden. Jetzt kostet die Beförderung eines Kilogramms von Lüderitzbucht nach Keetmans⸗ hoop 40 ℳ! Die Politik Hannibal Fischers wollen wir doch nicht wieder treiben. Wie unsere deutsche Flotte werden auch unsere Kolonieen groß und mächtig werden trotz des Abg. L-S.e. Kein
verhängnisvollerer Heen kann vom Reichstage gefaßt der der Ablehnung dieser Bahnforderung!