Im Rechnungsjahre 1905 sind nach dem „Zentral⸗ latt für das Deutsche Reich“ folgende Einnahmen (ein⸗ chließlich der gestundeten Beträge) an Zöllen und ge⸗
einschaftlichen Verbrauchssteuern sowie andere
Einnahmen des Deutschen Reichs zur Anschreibung
dn 8 ölle 643 505 103 ℳ (gegen das Vorjahr + 122 904 896 % 1 Tabaksteuer 12 394 115 ℳ (+ 989 12) ℳ]), Zuckersten 2 129 948 425 ℳ (+ 2 486 584 ℳ), Salzsteuer 54 353 916 ℳ (+ 2650 030 ℳ), Maischbottichsteuer 23 056 935 ℳ (+ 5 807 851 ℳ), Branntweinverbrauchsabgabe und Zuschla 13 512 148 ℳ (s— 4147 542 ℳ), Brennsteuer 2 723 941 4 8. 1 435 009 ℳ), Schaumweinsteuer 5 294 231 ℳ (+ 432265 ℳ „ austeuer 33 343 349 ℳ (+ 1 584 671 ℳ), Uebergangsabgabe von Bier 3 615 091 ℳ (+ 33 409 ℳ), Summe 1 021 747 254 ℳ (+ 134 170 496 ℳ). Stempelsteuer für: a. Wertpapiere 29 756 573 ℳ (+ 6 534 544 ℳ), b. Kauf⸗ und sonstige Anschaffungsgeschäfte 20 630 633 ℳ (+ 2 930 759 ℳ), c. Lose zu: Privatlotterien 5 338 998 ℳ (+ 724 466 ℳ), Staatslotterien 30 764 276 ℳ (— 2 101 288 ℳ), d. Schiffs⸗ frachturkunden 973 879 ℳ (+ 89 525 ℳ), Spielkarten⸗ stempel 1 828 021 ℳ (+ 113 732 ℳ), Wechselstempelsteuer 14 683 445 ℳ (+ 1 593 728 ℳ), Post⸗ und Telegraphen⸗ verwaltung 526 920 000 ℳ (+ 39 148 644 ℳ), Reichs⸗ eisenbahnverwaltung 109 011 064 ℳ (+ 8 380 856 ℳ).
Die zur Neichstase vIe g Isteinnahme, abzüglich der Ausfuhrvergütungen usw. und der Verwaltungskosten, be⸗ trägt bei den nachbezeichneten Einnahmen: Zölle 625 845 674 ℳ
+ 135 982966 ℳ), Tabaksteuer 12239 362 ℳ (+ 1 287553 ℳ), uckersteuer 112 908 630 ℳ (— 15 402 585 ℳ), Salzsteuer 2 751 186 ℳ (+ 1238 327 . Maischbottichsteuer 16 139 805 ℳ (+ 3639 343 ℳ), anntweinverbrauchs⸗ abgabe und Zuschlag 93 582 752 ℳ (— 12 196 548 ℳ), Brennsteuer 2 723 941 ℳ (+ 1 435 009 ℳ), Schaumwein⸗ steuer 4 640 312 ℳ (+ 275 958 ℳ), Brausteuer und Ueber⸗
Eeearge. von Bier 31 425 920 ℳ (+ 1 367 002 ℳ), Summe 952 257 592 ℳ (+ 117 627 025 ℳ). — kartenstempel 1 720 363 ℳ (+ 61 582 ℳ). 1
Sgpiel⸗
8 c 1 1 8 Laut Meldung des „W. T. B.“ hat S. M. S. vorgestern Nanking verlassen und ist gestern eingetroffen.
S. M. Flußkbt. „Vorwärts“ ist vorgestern in Kiukiang eingetroffen und beabsichtigt, heute nach Schanghai in See zu gehen. in See Kegangen.
S. M. S. „Bremen“ ist vorgestern in Port of Spain eingetroffen und hat die Absicht, am 13. Juni nach Pernam⸗ buco in See zu gehen.
in Schanghai „Tiger“ ist gestern von Nagasaki nach Kobe
Potsdam, 9. Juni. Seine Majestät der Kaiser und König ist gestern, „W. T. B.“ zufolge, von Schön⸗ brunn Zum 2 Uhr 40 Minuten auf Station Wildpark ein⸗ getroffen und mit Ihrer Majestät der Kaiserin, Aller⸗ höchstwelche dort zum Empfange erschienen war, nach dem Neuen Palais gefahren.
s ammer der Abgeordneten
„W. T. B.“ meldet, die Regierungsvorlage, betreffend die Entfestigung von Neuulm, angenommen. Nach der Vor⸗ lage hat die bayerische Staatskasse an das Reich für das frei werdende Gelände eine Million Mark zu zahlen, die von der vve. Neuulm und der Eisenbahnverwaltung zurückerstattet 1141“ 14
. 8 1 t,
Hessen.
In der älten Kammer teilte gestern, „W. T. B.“ zufolge, der räsident Haas bezüglich der vorgestrigen Ver⸗ eidigung des Abg. Finge mit, daß schon bei früheren Gelegen⸗ heiten, wie bei der Vereidigung des Abg. Moel inger und des späteren Staatsministers Finger, die beide der Menno⸗ nitengemeinschaft angehört hätten, bei der Vereidigung auf die Verfassung an Stelle des Schwures die Gelobung durch Handschlag eingetreten sei.
Bremen.
Der Senat hat mit der preußischen Lotterieverwaltun nach einer Meldung des „W. T. B.“, einen Staatsvertra 88. geschlossen, wonach mit dem Aufhören der braunschweigischen Staatslotterie, an der Bremen vertragsmäßi beteiligt war die preußische Staatslotterie im Frenai chen Staats⸗ gebiete zugelassen wird.
Oesterreich⸗Ungarn. 1
In der gestrigen Sitzung des österreichischen Herren⸗ hauses erbat der Minisungaffbena Frathich hnn 9* das Wohlwollen des Hauses für die Regierung, die die hervor⸗ ragendsten Vertreter der großen Parteien und Nationen in sich
siich die Bürgschaft des Bestandes
ge.
Nach dem Bericht des „W. T. B.“ führte der Ministerpräsik en in seiner Rede weiter aus: er glaube mit dem Hause darin sen daß die Wahlreform nicht auf halbem Wege stehen bleiben dürfe, sondern zu Ende geführt werden müsse. Die Befürchtung, daß der Ausgleich der politischen Rechte zur Herrschaft des Radikalismus führe, ei unbegründet. In anderen Staaten seien die Parlamente durch das allgemeine Stimmrecht nicht radikalisiert, sondern die Radikalen seien parlamentarisiert worden. Nur auf der innigen Verbindung zwischen Regierung und Parlament erwüchsen die Früchte, deren das Land dringend benötige, um an all das heranzutreken, was keinen Aufschub leide. Dazu gehöre vor allem die Regelung des Verhältnisses zu Ungarn. Der Ministerpräsident verwies auf seine darüber im Ab⸗ geordnetenhause abgegebene Erklärung und fuhr sodann fort: Die ungarische Auffassung von dem selbständigen ungarischen Zolltarif stehe nicht im Einklang mit der im Gesetz vom Jahre 1899 verein⸗ barten Reziprozität. Die Votierung des ungarischen Zolltarifs mit Wirksamkeit vor Ende des Jahres 1907 wäre unzweifel⸗ haft eine Verletzung dieses Gesetzes und der Reziprozität.
4 L u ch 83 1
die Einberufung einer konstituierenden
erhalten sei. Es sei allgemeine Ueberzeu⸗ g, seitigen Interesse unerläßlich wäre, eine völlig klare Situation zu schaffen. Gewiß sei bei beiderseitigem guten Winen und bei rückhalt⸗ loser Offenheit die Möglichkeit zu einer allen Teilen besser zusagenden Gestaltung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu erlangen, nur müsse ein ee Friede geschaffen werden, ein unzweideutiges Paktum, dessen uhalt und Sinn allen Interpretationen der Par⸗ beien entrückbar wäre. Die Zwangslagen müßten für immer ein Ende n. 6 Der Ministerpräsident schloß mit folgenden Worten: Das Herrenhaus wird gewiß mit Befriedigung wahrnehmen, daß dieses Kabinett eine Garantie für die nationale Rechtssphäre aller Völker bedeutet. Aus den Repräsentanten der großen Völker Oester⸗ reichs gebildet, kann die neue Regierung nur jene Ziele verfolgen, die 5 n .lens brrühsöen er. a9 sind. Darin liegt gierung die Gewähr, da e m en i Herrenhauses in Uebereinstimmung bleiben wird.“ ““ — Das Abgeordnetenhaus hat in seiner gestrigen Sitzung das Militärtaxgesetz angenommen und die Dega Lesung der Gewerbereform begonnen. In der gestrigen Sitzung des Wahlreform⸗ ausschusses erklärte der Ministerpräsident Freiherr von Beck, obiger Quelle zufolge, es könne der Regierung nicht zugemutet werden, die vorliegenden Vorlagen abzuändern oder mit neuen Vorschlägen herxveeen weil das einer Verzögerung gleichkäme. Der Ausschuß solle sofort in die beschlossene Spezialdebatte eintreten. Die Regierung werde Abänderungsvorschlägen nicht hindernd entgegenstehen, wenn diese geeignet erscheinen, eine Verständigung zwischen den Parteien zu ermöglichen, sie werde alles tun, um das Reform⸗ werk mit Entschiedenheit einem gedeihlichen Ende zuzuführen. Nach längerer Debatte beschloß der Ausschuß, zunächst die Wahlkreiseinteilung nach einzelnen Kronländern in Beratung zu ziehen und mit dem Kronlande Böhmen zu htren. — Die ungarische Delegation hat zu ihrem Präsi⸗ denten den Nikolaus “ Veepraf denten den Grafen Theodor Batthyany gewählt. 1
Großbritannien und Irland.
Das Unterhaus beschäftigte sich gestern mit der Be⸗ datna des Kolonialbudgets, in deren Verlauf der Unter⸗ staats ekretär Churchill, nach dem Bericht des „W. T. ö erklärte, die Regierung hoffe, die Erledigung der Frage der Verfassungen von Transvaal und der Oranje⸗ kolonie in kurzer Zeit zu bewirken.
Wenn die Regierung imstande sei, fuhr der Redner fort, zwischen den Buren und den Engländern eine Verständigung herbeizuführen, die von Dauer sei und den Buren praktischen Anteil am Reiche ge⸗ währen würde, ohne die Oberhoheit der Krone zu gefährden, würde sie ein Werk vollendet haben, das noch lange im Gedenken der Bevölkerung von Südafrika bleiben werde, wenn die Erinnerung an die häßliche Frage der Chinesenarbeit schon entschwunden sei. Einst⸗ weilen würde es von der Regierung übereilt sein, wenn sie von der von ihr bestimmt anspesprghe Politik bezüglich der Chinesenarbeit abginge. Anth 2 Peisitzer des Hauses äußerten hierauf ihr Bedauern darüber, daß die ierung in i arbeit nicht genügend drastisch au 1u.“ — Der internationale Bergarbeiterkongreß hat gestern zwei Resolutionen angenommen, die dies Ahrat versicherung der Bergarbeiter als erforderlich bezeichnen und die Verstaatlichung der Bergwerke mit dem Hinweis befür⸗ worten, daß diese nicht dem Privatkapital, sondern der Ge⸗ samtheit nützen müßten. Bezüglich der zweitgenannten Resolution verhielten sich, obiger Quelle zufolge, die christlichen ö und amerikanischen Bergarbeiter neutral. instimmig ist ferner eine Resolution angenommen worden, die sich für internationale Regelung der Kohlenproduktion ausspricht, sowie eine von dem deutschen Delegierten Hoffeld welche die weitere Ausgestaltung der Ar eiterversicherung dahin fordert, daß für alle erwerbs⸗ unfähig gewordenen Arbeiter ein zweifellos ausreichendes Aus⸗ kommen gesichert wird, und die für die Erben gestorbener Arbeiter eine ausreichende gesetzliche Zuwendung verlangt. Auf Antrag der deutschen Abordnung erhielten die Sekretäre des Kongresses den Auftrag, den verschiedenen Parlamenten die Resolutionen des Kongresses mit der Bitte um Erwägung der Wünsche der Bergarbeiter zu unterbreiten. Als Ort des vächstjährigen Kongresses wurde Salzburg gewählt und hierauf der Kongreß geschlossen. 11M“ 8
Frankreich. 1 In der Deputierten kammer ist gestern, wie „W. T. B.“ meldet, Brisson mit 382 von 428 abgegebenen Stimmen end⸗ gültig zum Präsidenten und die Abg. Berteaux, Rabier, Caillaux und Cruppi zu Vizepraͤsidenten gewählt worden.
— In ige; (Departement Cote d'Or) wurden nach einer Depesche des genannten Bureaus im Auftrage des S Liquidators die Ursulinerinnen aus ihrem loster durch Gendarmen gewaltsam weggeführt. Die Oberin erhob lebhaften Einspruch gegen die Ausweisung, x82, 33 hab⸗ Se e e von Dijon sprach über die Urheber und die Vollstrecker des Kongregationsges die höhere Exkommunikation aus. 9. Fetaig
.“ Rußland. Ddie Antwort des Ministeriums auf die Inter
m des T au pellationen der Duma über die im Amtsblatt veröffentlichten Telegramme, betreffend die Abschaffung der Todesstrafe, gab gestern in der Duma Veranlassung, die Debatte über die Heefrshe be ,
Zahlreiche Abgeordnete hielten, wie das „W. T. B.“ beri heftige Reden gegen das Ministerium, insbesondere die der Pepchter, partei, von denen einer, Aladjin, erklärte, daß die Duma und das „Ministerium zwei einde seien, von denen einer sterben müsse. Der Präsident rief Aladjin wegen dieser Aeußerung zur Ordnung. Andere Redner von .rnee Partei verlangten G G Versammlung. ischen d
2 und radikalen Parteien entspann sich ein bele. Re⸗ ampf. Die Abgg. Roditscheff und Lednitzky wiesen darauf hin, das —n nnbedingt notwendig sei, den konstitutionellen Weg einzuhalten; 9e-ee würde der Monarch selbst von der Revolution weggerissen Nachdem noch eine große Zahl von Rednern ges
1 . gesprochen hatte, nahm die Duma eine Tagesordnung Nabokoff S56 der ausgesprochen wird, daß, da das ganze Volk die Ab⸗ schaffung der Todesstrafe wünsch zukünftige Hin⸗
Die von Ungarn geäußerte Meinung, daß keine Zollgemeinschaft mehr bestehe, scheine ihm nicht richtig angebracht zu sein Usaht mebe 1 jiernach keine Zollgemeinschaft mehr im Sinne eines Lreneseg ichen Zollgebiets, wohl aber eine Gemeinschaft der Zölle, d. h. der Zolleinnahmen. Auch⸗ 12 sei bis Ende 1907 gesetzlich aufrecht zu erhalten. Aus den bisherigen Erfahrungen gehe unzweifelhaft hewvor, daß der bisherige Zustand der perennierenden Ausgleichs⸗ krisen mit allen traurigen Folgeerscheinungen nicht mehr aufrecht zu
frage schneller zur Lösung zu bringen.
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richtungen nicht Akte der Rechtspf 2. liche Morde sein wuͤrden. Ehaslg, sondas gewdhr⸗ Im weiteren Verlaufe der Sitzung beantragte die Partei
der Nee we eine Kommission zu wählen behuss 9 von Ortsausschüssen anf Grundlage des allge⸗ meinen Wahlrechts im ganzen Lande, um die Agrar⸗
im beider⸗
Zahlreiche Mitglieder der konstitutionell⸗demokratischen suchten die Unmöglichkeit der Verwirklichung dieses Pilisch Der Führer der Partei der Arbeiter Aladjin legte dar, daß die agrarischen Ortsausschüsse den Zweck haben sollten, Tausende von kleinen Dumas zu schaffen als unwiderstehliche Macht gegenüber de Regierung, die niemals wagen würde, diese zu unterdrücken. Redner schloß mit den Worten: „Unser Plan hat eine wirklich⸗ Grundlage, während die Pläne der anderen Parteien aus abstrakten Erwägungen hervorgehen. Wenn wir hier nicht durchdringen können dann ziehen wir unseren Antrag auf sofortige Diskussion zurück.“ Das Han⸗ trat sofort in die Diskussion des Antrag⸗ ein und beschloß die Verweisung an die Agrarkommission Hierauf wurde die Sitzung geschlossen.
— In der gestrigen Sitzung des Reichsrats gelanat⸗ der⸗Be eh der Kommission 2 8 haabgt er Reichsratsmitglieder zum Vortrag. Der Reichsrat be⸗ stätigte alle 8 mit Ausnahme von vier Mitgliedern, über die er die Wahlurkunden noch nicht erhalten hat.
Cyhristiania, 8. Juni. „Morgenbladet“ hat im Minist rium des Aeußern erfahren, die s wedische Fetean bak⸗ mitgeteilt: Bei der Krönung des Königs Haakon wird Schweden, wie das „Morgenbladet“ meldet, nicht vertreten sein Dies dürfe aber nicht als ein politischer Schritt aufgefaßt werden und das freundschaftliche Verhältnis zwischen den beiden Reichen dadurch nicht getrübt werden. Die Bestimmung, daß Schweden bei der Kroͤnung sich nicht 2 das Blatt hinzufügt, vom König Oskar getroffen, dem sein persönliches Gefühl nicht gestatte, sich bei einer Krönung ver⸗ treten zu lassen, die in derselben Kirche und mit derselben Krone vorgenommen werde, mit der er selbst vor 34 Jahren
gekrönt worden sei.
h 1x“ MNach einer Meldung des Wiener „Telegraphen⸗Korre⸗ spondenzbureaus“ hat der Kassationshof das gegen die Urheber Sesn⸗ hascha, Ali Schamil Pascha
ur Rezak und einen ihrer Verwandten, 8⸗ urteil bestätigt. 8uu XA“
Der Präsident Roosevelt hat dem Kongr Vereinigten Staaten den Berlat der Lonmgf⸗ *. Ackerbaudepartements über die Sb in den Fleisch⸗ verpackungshäusern in Chicago zugehen lassen. In einem Begleitschreiben stellt der Präsident, „W. T. B.“ zu⸗ folge, fest, daß dieser Bericht im wesentlichen nicht mit dem Bericht der Kommissare Neill und Reynoldi, den er dem Kongreß schon habe zugehen lassen, im Widerspruche stehe. Ferner übersandte Roosevelt einen ihm von glaubwürdiger Seite vor kurzem zugegangenen Brief, in dem die fast komische Hast beschrieben wird, mit der die Fleischpacker zur Zeit be⸗ müht seien, die Zustände zu verbessern. Der Präsident fügte aber hinzu, es sei genug aufgedeckt worden, um eine sofortige Erweiterung der Regierungsbefugnisse bezüglich der Aufsicht E1 ötther Fnthnarnte zu rechtfertigen, b s ür den heimatlichen Bedarf oder fü 8⸗ ländischen Handel bestimmt seien. 8 1 8 E 1 88 8
1“
Kunst und Wissenschaft.
Die physikalisch⸗mathematische Klasse der König⸗ lichen Akademie der Wissenschaften hielt lI 10. Mai 8. dem Vorsitz ihres Sekretars Herrn Waldeyer eine Si ung, in der Herr Hertwig über den Krebs der Mäuse und über dessen Uebertragung durch Transplantation nach gemeinsam mit Dr. Poll ausgeführten Untersuchungen las. Die Transplantation von kleinen Stücken des Krebsgewebes wurde unter anderem auch in der Absicht vorgenommen, von Tag zu Tag an konserviertem Material die eintretenden bistologischen Veränderungen genauer zu verfolgen. Während die Mitte des Transplantates regelmäßig abstirbt, bleiben Nester und Stränge von Krebszellen in der Rinde erhalten, von denen aus die Regeneration des Tumors unter vollständiger Beibehaltung seines Typus rasch erfolgt. Unter den untersuchten Primärtumoren befand sich einer, der sich von den bisher bekannt gewordenen durch ausgebreitete Verhornungen der zentralen Partien (dicke Stränge und Nester verhornter Zellen, die durch Metamorphose oberflächlich ge⸗ segener Stränge protoplasmatischer Geschwulstzellen entstehen) unter⸗ In der an demselben Tage unter dem Vorsitz ihres Sekretars Herrn Vahlen abgehaltenen Si ung der phikosbpbaffch. Fefraen schen Klasse sprach Herr Schäfer über die Sundjoll⸗ rechnungen. Die Dru egung der Schiffslisten ist bis 1620 vor⸗ geschritten. Der außerordentliche Wert dieser sich nun eröffnenden Geschichtsquelle für die Kenntnis der nordeuropäischen Entwicklung wurde nach den Hauptrichtungen erörtert. — Herr Koser las üͤber eine Sammlung von Originalbriefen Friedrichs des Großer an Voltaire. Die bisher unbekannte, soeben in Frankreich aus Privatbesitz für das Berliner Geheime Staatsarchiv angekaufte Sammlung umfaßt 184 Briefe aus den Jahren 1740 bis 1777. Mehr noch als in der verhältnismäßig kleinen Zahl von noch un⸗ edruckten Stücken liegt der Wert der Erwerbun darin, daß gegen⸗ über den durch Auslassungen, Einschiebungen und son hia⸗ Aenderungen sowie durch zahlreiche falsche Daten entstellten Texten sämtlicher Aus⸗ gaben jetzt auf Grund dieser Originale und einiger kleinerer in der letzten Jahren angekauften Sammlungen zum ersten Male die Vor⸗ legung eines völlig gesicherten Textes ermöglicht wird. 1 authentische neue n-rne wird für die „Publikationen aus der ⸗ F wees us
m 17. Mai hie e Akademie eine Gesamtsitzung unter dem Vorsitz ihres Sekretars Herrn Waldeyer. Herr Feg.; las über die Dzonisierung des Sauerstoffs und der atmo⸗ sphärischen Luft, nach Versuchen in Gemeinschaft mit Dr. Leithäuser. Bei der stillen Entladung aus kleinen negativen Metallkugeln wurden aus atmosphärischer Aft bei einer Konzenkration von 8 —9 g Ozon im Kubikmeter 30 g Ozon pro Kilowatt⸗ stunde erhalten. Nitrose gn werden in Gegenwart don Ozon leicht von verdünnter Natronlauge absorbiert. Wasser⸗ dampf setzt die Ozonbildung herab, mehr in atmo phärischer Luft als in Sauerstoff, um so mehr, auf eine um so größere Entfernung von der Elektrode hin das Gas zum Leuchten kommt. — Herr Koser überreichte den Jahresbericht über die Heraus gabe der Monumenta Germaniae historica. Herr von Wilamowitz⸗Moellendorff machte Mitteilung von einigen Ergebnissen der Grabusgen, die die Königlichen Muscen in Hermupolis und Elephantine auf Papyri veranstaltet haben. Das merkwürdigste sind Reste von zwei Gedichten der Korinna und ein Blatt aus der ältesten Ptolemlerzeit mit einer Anzabl poetischer Sprüche. — er Pischel machte Mitteilung aus einem Briefe des Leiters der Königlich preußischen Experition nach Chinesisch⸗Turkestan, Professort . datiert au Kumtura bei Kutscha vom 21, Februar 1906z. Danach war die Ausbeute an Manuskripten in den Ming Oi⸗Höhlen bei Kumtura nicht sehr bedeutend, da im Frühjahr 1903 die Japaner die Höhlen ausgeräumt hatten. Um so bedeutender waren
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die archäologisch Fu Besonders merkwürdig sind die Typen d
ür die Revision der Mandat⸗
vertreten lasse, sei, wie—
Fer enes eeanilae Botaniker Dr. Clements hat nun mburger Na von vebraska auf Grund von Beobachtungen
fahrts⸗
Stifter der Höh lentempel: Leute, die einem rothaarigen, blauäugigen Volke angehören, in unzweifelhaft iranischer Tracht, mit ganz ungeheuren eisernen Schwertern. Ferner sind figurenreiche bud⸗ dhistische Fresken gefunden worden, die ein ganz eigenartiges bud⸗ histisches Pantheon aufweisen. Durch die Bemühungen des Herrn von Lecog ist ferner eine ausgezeichnete eth nographische Sammlung zusammengebracht worden, wie sie kein Museum der Erde besitzt und in dieser Vollständigkeit nie mehr Fhdeecheehnseh kann. Die eigen⸗ artige altertümliche Keramik des Landes und zahlreiche Stickereien in alttürkischen Mustern, die in Turkestan selbst schon Seltenheiten sind, sind vornehmlich gesammelt worden. Große Verdienste hat sich um die Sammlungen der Expedition auch der energische und unermüdliche Hilfsarbeiter Bartus erworben. — Herr Zimmermann über⸗ reichte das von ihm herausgegebene Werk: Der Eisenbahnbau. Bd. 2. Berechnung, Konstruktion, Ausführung und Unterhaltung des Oberbaues. 2. Aufl. Leipzig 1906.
Zu wissenschaftlichen Unternehmungen hat die Akademie bewilligt durch die physikalisch⸗mathematische Klasse: Herrn F. E. Schulze zur Anschaffung eines Apparats für Mikrophoto⸗ graphie mittels ultravioletten Lichts behufs Fortführung seiner Unter⸗ suchungen über den Bau der Wirbeltierlungen 2578 ℳ; dem Professor Dr. Julius Bauschinger in Berlin zur Bearbeitung einer acht⸗ stelligen logarithmisch⸗trigonometrischen Tafel als zweite Rate 3500 ℳ; dem Professor Dr. Reinhard Brauns in Kiel zum Ab⸗ schluß seiner Untersuchung der zur Diabasgruppe gehörenden Gesteine des rheinischen Schiefergebirges 1000 ℳ; dem Dr. Walter Gothan in Berlin zu Untersuchungen über die Anatomie der Gagathölzer sowie über die Juraflora von Whitby Mordengland) 700 ℳ; dem Ingenieur Wilhelm Herrmann in Weißensee bei Berlin als Zu⸗ schuß zu den Kosten einer Expedition in das argentinisch⸗ bolivianische Grenzgebiet zum Zweck der Feperapbifghen Erforschung desselben 2000 ℳ; dem Dr. Otto Kalischer in Berlin zu einer Untersuchung über die Beziehungen des Schläfenteils des Großhirns
um Hörakt 700 ℳ; dem Professor Dr. Gustav Klemm in Darm⸗ sadt zum Abschluß seiner Untersuchungen über die kristallinen Gesteine der Tessiner Alpen 250 ℳ; dem Professor Dr. Willy Kükenthal in Breslau zu einer Reise nach Westindien behufs Studiums der dortigen Korallen 4500 ℳ; dem Professor Dr. Oskar Schultze in Würzburg zu Untersuchungen über die Histo⸗ logie des Nervensystems 1000 ℳ; dem Herrn Albert Schulz in Busch bei Dahl (Kreis Paderborn) zum Abschluß einer Senograpbt⸗ der Trigonaloiden 325 ℳ; dem Dr. Felix Tannhäuser in Berlin zu einer mineralogisch⸗petrographischen und geologischen Untersuchung des Gabbrogebietes von Neurode (Schlesien) 540 ℳ; dem Dr. J. Wilhelmi aus Marburg zu einer Mono⸗ raphie der marinen Trikladen 600 ℳ; durch die philosophisch⸗ historische Klasse: Herrn Diels zur Fortführung der Arbeiten an einem Katalog der Handschriften der antiken Aerzte 3000 ℳ; Herrn Koser zur Fortführung der Herausgabe der Politischen Korrespondenz Friedrichs des Großen 6000 ℳ; Herrn von Wilamowitz⸗Moellendorff zur Fortführung der Samm⸗ lung der griechischen Inschriften 5000 ℳ; der Deutschen Kom⸗ mission zur Fortführung ihrer Unternehmungen 3000 ℳ; für die Bearbeitung des Thesaurus linguae Latinae über den etatsmäßigen Beitrag von 5000 ℳ hinaus noch 1000 ℳ und zur Bearbeitung der hieroglyphischen Inschriften der griechischrömischen Epoche für das Wörterbuch der ägyptischen Sprache 1500 ℳ
Die Akademie hat auf den Vorschlag der vorberatenden Kom⸗ mission der Bopp⸗Stiftung den Jahresertrag der Stiftung im Betrage von 1350 ℳ dem Direktorialassistenten am Museum für Völkerkunde in Berlin, Professor Dr. Friedrich Wilhelm Karl Müller in Anerkennung seiner scharfsinnigen und folgenreichen Ent⸗ zifferung der in Chinesisch⸗Turkestan gefundenen manichäischen Schrist⸗ werke zuerkannt.
Die Akademie hat das korrespondierende Mitglied der philo⸗ sophisch⸗historischen Klasse Herrn Oskar von Gebhardt in Leipzig am 10. Mai durch den Tod verloren. 8b
8 1
Der Wuchs der Alpenpflanzen. In höheren Gebirgslagen nehmen die Bäume bekanntlich Zwergwuchs an, um schließlich ganz zu verschwinden und niedrigem Gesträuch und Stauden Platz zu machen, bis in der Schneeregion die Vegetation völlig erlischt. Wer sich nicht mit botanischen Studien abgegeben hat, wird geneigt sein, die Ursache des Zwergwuchses der Alpenpflanzen in dem rauhen Klima der Berg⸗ höhen zu suchen. Die Botaniker haben bisher in der Mehrzahl an⸗
enommen, daß die Lichtverhältnisse in großen Höhen für diese Naturerscheinung wesentlich verantwortlich zu machen 8 e die
richten“ mitteilen, vor der Akademie der Wissenschaften in den Gebirgen Coloradeg nachzuweisen gesucht, daß die zuletzt bezeichnete Ansicht irrtümlich „%. Er hat eine große Zahl von Pflanzenarten gefunden, die in gleichen Höhen teils in normaler Entwicklung, teils als Zwerg⸗ form vorkomm, und zwar oft auch ganz dicht beieinander. Er stellte ferner fest, daß in jedem Falle die Zwergform im trockenen, die normale im feuczen Boden wuchs, woraus zu folgern ist, 2 die Verschiedenheit durh die Wasserzufuhr bedingt ist. Au Lichtmessungen hat Dr. Clements im Gebirge vorgenommen. Für Höhen zwischen 1905 und 3600 m ergab sich durch⸗ weg die gleiche Lichtstärke, weigstens waren die Unterschiede zu ering, um eine Erklärung des Zwergwuchses der Pflanzen in der lpenregion daraufhin geben zu koͤnnen. Durch fortgesetzte Be⸗ obachtungen, die schon im Jahre 1890 begonnen wurden, ist ermittelt worden, daß die Feuchtigkeit auf den Alpengipfeln immer bedeutend geringer ist als auf den Ebenen. Dr. Clements kommt also zu dem Schlusse, daß die Alpenpflanzen im Vergleiche zu denen der Ebene zwerghaft werden, einmal wegen übermäßiger Ausatmun minderter Wasserversorgung. 1“ 8
Land⸗ und Forstwirtschaft. Durch eine Sonderausstellung für ländliche Wohl⸗ und Heimatpflege wird sich an der vom 14. bis 19. Juni d. J. in Berlin⸗Schöneberg stattfindenden großen land⸗ wirtschaftlichen Wanderausstellung auch der Deutsche Verein für ländliche Wohlfahrts⸗ und Heimatpflege (Geschäftsstelle Berlin SW. 11, Dessauerstraße 14) beteiligen. Er wird in der Erzeugnis⸗ halle, Stand 133, an einer Reihe von charakteristischen Beispselen die praktische Wohlfahrtsarbeit auf dem Lande vor Augen führen. In erster Linie wird das Samariterwesen und die Krankenpflege auf dem
Lande an den vortrefflichen Einrichtungen des sächsischen Landes⸗
samariterverbandes (Rettungswagen, Entleihdepot für Krankenpflege⸗ Päenstände, Verbandskästen usw.) dargestellt; daneben sind der flegekasten des evangelisch⸗kirchlichen Hilfsvereins „Frauenhilfe“ in Potsdam, ein Woöchnerinnenkorb (nach Dr. Denecke) sowie Ansichten von kleineren Krankenhäusern berücksichtigt. Die innere Kolonisation wird an Beispielen aus den Arbeits⸗ gebieten der Königlichen Ansiedlungskommission für Westpreußen und 2. und der „Landbank“ (Ansichten, Flurplänen ꝛc.) veran⸗ schaui cht werden. In das Bereich der „Landindustrie und des Hausfleißes ühren die Arbeiten des „Eutiner Hausfleiß“, die von der Großberzog⸗ lichen Zentralstelle für das Gewerbe in Darmstadt gesandten Korb⸗ flechtarbeiten des Korbflechterkursus zu Hamm a. Rh, die Schnitz⸗ arbeiten aus dem Holzschnitzerdorf Empfertshausen in der Rhön, die Webearbeiten aus den Insthäusern der Putlitzschen Güter in der Prignc und ein neuer, von Fräulein Hamkens⸗Berlin konstruierter Webestuhl, der sehr wenig Raum einnimmt und in Benutzung vor⸗ eführt wird. Den ländlichen Kunstfleiß werden vrachtige, von dem
auernknecht Jes. Lind in Scherrebeck (Schleswig⸗Holstein) ohne jede achmännische Leitung in altem Eichenholz geschnitzte Arbeiten zeigen. uf die hauswirtschaftliche Ausbildung der Landfrauen und Mädchen weisen die Ansichten der Schule in Hedemarschen (Schleswig⸗Holstein) den der Wanderschule des Kreises Siegen hin. Die kleine, aber be⸗ deutungsvolle häusliche Einrichtung der Kochkiste wird vorgeführt in
verschiedenen Formen, von der selbstgefertigten Kiste bis zum technisch
ausgebildeten Schnell t der Firma P. Raddatz u. Co. in Beulin. Per Lehreckochapfara berührt durch Apparate zum Abtöten
des Schlachtviehs (zwei Konstruktionen) und durch eine Sammlung von Nistkästen. Das Fenf Gebiet der Wohlfahrtspflege ist berück⸗ sichtigt u. a. durch die von der „Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildurng“ zusammengestellte ländliche Bibliothek, dann durch die für die Femeiate . so wertvollen Lichtbilderapparate. Auf die Pflege des Heimatsinnes weisen die Trachtenbilder vom Volks⸗ trachtenfest in Scheeßel und aus Baden und Hessen hin. Die länd⸗ liche Baukunst findet ihre besondere Berücksichtigung durch Ab⸗ bildungen märkischer Dorfkirchen, dazu liegen Werke über das deutsche Bauernhaus zur Ansicht aus. Der Bilderschmuck, der sich für die ländliche Stube oder Schule eignet, ist vertreten durch Künstler⸗Stein⸗ zeichnungen des Verlags B. Teubner und durch schöne Konfirmationsscheine vom Künstlerbund Karlsruhe. Den farben⸗ reichen Abschluß machen prächtige, von Maler Oenike in Groß⸗Lichterfelde dargebotene große Aquarelle aus märkischen 8.. Druckschriften des Vereins stehen zur Verfügung. Freunde unserer Landbevölkerung sind zum Besuch dieser reichhaltigen Wohlfahrts⸗ ausstellung eingeladen, sie werden noch mrhrds teressantes sendes.
Saatenstand und Produktenmarkt in Italien.
Das Kaiserliche Generalkonsulat in Neapel berichtet unterm 28, v. M.: Die Aussichten für die diesjährige Ernte in Süditalien sind, nachdem zu Anfang des Monats überall reichlicher Regen nieder⸗ gegangen ist, im ganzen günstig. Dies gilt auch für die in der Um⸗ gebung des Vesuv gelegenen Gebiete, soweit hier ein Umhacken des mit Asche bedeckten Bodens möglich gewesen ist. Weniger befriedigend lauten die Nachrichten aus Bari, woselbst das lange Ausbleiben der Regenperiode äußerst nachteilig gewirkt hat. Insbesondere sollen die Aussichten auf eine ergiebige Haferernte geschwunden sein.
Die Preise betragen zur Zeit für den Doppelzentner Hartweizen 27 bis 29 Lire, für Weichweizen 25,75 bis 27 Lire und für Hafer 20 bis 21 Lire. 88
Nach dem überreichen Ertrag der vorjährigen Olivenernte wird in diesem Jahr nur auf eine geringe Ernte in dieser Fruchtart ge⸗ rechnet werden können. Bari dürfte voraussichtlich bestenfalls ein Drittel einer Durchschnittsernte erzielen. Am 15. d. M. notierte man daselbst für Olivenöl 1 8 9 dz seneen 100 bis 105 Lire,
8 8 „ fein re, “ „ corrent 80 bis 90 Lire, 1 1 „ Baumöl (comune) 75 bis 77 Lire.
In Sizilien sind die Olivenölpreise etwas niedriger. Allgemein macht sich ein Rückgang der Preise bemerkbar. Auch die Aussichten für die Mandelernte sind im Vergleich zum Vorjahre gering. Die Preise für jährige Frucht stellen sich in Bari auf 171 bis 172 für den Doppelzentner, in Palermo auf etwa 176 Lire. Dort sind für Lieferung auf Oktober 185,30 Lire notiert worden. Der Ansatz der Weinstöcke ist durchweg gut, in der ee Neapel sogar vorzüglich; jedoch ist hier mit der Verringerung des Rebbestandes durch Lava und Steinfall zu rechnen. 6 1 Die Lagerbestände an vorjährigem Gewächs sind gering. Eine erhebliche Aenderung der Marktlage ist nicht zu verzeichnen. Hochfeine Verschnittweine (Bari) kosten 30 bis 32 Lire das Hektoliter, die Preise der nächstgeringeren Sorten bewegen sich zwischen 24 und 27 Lire und zwischen 17 und 22 Lire. 1
Die Han faussaat fand unter günstigen Verhältnissen statt. Die von der Vesuvasche nicht übermäßig heimgesuchten Felder haben sich in⸗ folge von Regengüssen meist erholt; bei anderen hat man sich durch Um⸗ pflügen und nochmaliges Aussäen geholfen. Es besteht die Hafnung auf eine befriedigende Ernte. Der Hanfmarkt war infolge des Vesup⸗ ausbruchs sehr lebhaft. Alles, was der Markt bot, wurde zu steigenden Preisen aufgekauft. Zuletzt wurden in der Campagna für beste Natur⸗ ware 105 Lire für den 1ꝙ399„ bezahlt. Da die etwa noch verfügbaren Bestände für die Ausfuhr kaum mehr in Betracht kommen, wird der Verkauf der neuen Ernte wahrscheinlich mit hohen Preisen
Ein Nahrungsmittel zur Linderung der indischen Hungersnot.
Der „Pioneer“ vom 7. April 1906 veröffentlicht eine Zuschrift, in der auf eine Pflanze mit Namen „Indigofera glandulosa“ aus der Ordnung der Leguminosen als ein ausgezeichnetes Nahrungs⸗ mittel während einer Hungersnot hingewiesen wird. In vielen Teilen Indiens soll die Pflanze wild wachsen. Ihre Nahrungskraft soll die des Weizens um 56 % und die des Hafermehls um 32 % übertreffen. (Nach einem Bericht des Kaiserlichen Generalkonsulats in Kalkutta.)
Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs⸗ maßregeln.
Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.
(Aus den „Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts“, Nr. 23 vom 7. Juni 1906.)
Pest.
Türkei. In Djedda ist die Pest aufgetreten und hat bis zum 2. Juni 8 Erkrankungen, von denen 3 bereits tödlich verlaufen waren, veranlaßt. Die Einschleppung soll durch Ratten in Reissäcken aus Bombay erfolgt sein.
Aegypten. In der Zeit vom 19. bis 25. Mai wurden 15 neue Erkrankungen (und 8 Todesfälle) an der Pest gemeldet, davon 8 (3) in Samalut, 5 (4) in n. 1 (1) in Dechneh und 1 (—) in Bebeh; 2 der Erkrankten litten angeblich an Lungenpest.
Britisch⸗Ostindien. In ganz Indien ausschl. Rajputana sind während der am 28. April abgelaufenen Woche 15 633 Pesttodes⸗ 1. sür Anzeige gelangt, gegen 56 732 in der gleichen Woche des
orjahres.
In Moulmein sind vom 21. bis 28. April 41 Personen an der Pest gestorben.
Während der am 12. Mai abgelaufenen Woche sind in der Präsidentschaft Bombay 1654 neue Erkrankungen (und 1371 Todesfälle) an der Pest gemeldet, davon 808 (740) in der Stadt Bombay, 231 (208) im Stadt⸗ und Hafengebiet von Karachi, 125 (78) in demjenigen von Jamnagar, 25 si im Hafen von Porbandar, 3 (2) im Hafen von Jodia, 10 (10) in dem von Balein und 12 (9) im Hafen von Bandra.
hina. Zeletge einer Mitteilung vom 23. April erkrankten in Amoy zur Zeit täglich 2 bis 3 Personen an der Pest; von den Erkrankten, die ausschließlich die sogenannte Chinesenstadt bewohnten, soll etwa die Hälfte alsbald verstorben sein.
In Kanton und Umgegend haben sich die Pestfälle seit Anfang dieses Jahres beträchtlich gehäuft; gegen Ende April soll die Zahl der Pesttodesfälle täglich 50 bis 60 betragen haben. Für jede eingelieferte Ratte wird behördlicherseits 1 Cent gezahlt.
Chile. In Antofagasta sind im April 13 Personen an der Pest erkrankt und davon 1 gestorben.
Queensland. In der am 12. April abgelaufenen Woche wurden
aus Rockhamton 4 Pestfälle gemeldet.
Pest und Cholera.
Britisch⸗Ostindien. In Kalkutta starben in der Woche vom 22. bis 28. April 167 Personen an der Pest und 126 an
holera. Cholera. 6
Britisch⸗Ostindien. 1 28. April abgelaufenen Woche 2 Choleratodesfälle gemeldet. Straits Settlements. In Singapore sind vom 25. April
Aus Moulmein wurden in der am
Pocken.
Deutsches Reich. In der Woche vom 27. Mai bis 2. Juni sind in Culm bei einer Arbeiterin, in Graudenz auf einem Weichsel⸗ dampfer bei einem Steuermann, der sich kürzlich in Rußland aufgehalten hatte, in Vandsburg (Kr. Flatow, Reg.⸗Bez. Mari werder) bei einem Pferdehändler, in Erlangen (Reg.⸗Bez. Mittel⸗ franken) bei einer Frau und in Strecknitz bei Lübeck bei einem russischen Saisonarbeiter die Pocken festgestellt worden.
Oesterreich. Vom 13. bis 19. Mai in Galizien 5, in der Bukowina 7, in Schlesien 2 Erkrankungen.
Luxemburg. Vom 7. bis 26. April 23 Erkrankungen, davon während der letzten Woche je 3 in den Ortschaften Pfaffenthal
und Dudelange. b Vom 4. bis zum 17. April 2 Erkrankungen,
Niederlande. davon 1 in Rotterdam. “
Britisch⸗Ostindien. Vom 21. bis 28. April in Moul⸗ mein 5 Todesfälle an den Pocken.
Chile. Zufolge einer Mitteilung vom 30. April herrschen die ocken auch in Jquique, Pica 1,9 Tarapara), Petorca, Los ilos (Prov. Aconcagua), Los Anjeles (Prov. Bio⸗Bio), San ö del Monte (Prov. Santiago); in der Stadt Santiago efanden sich am 25. April 42 Pockenkranke im Hospital.
Fleckfieber.
Oesterreich. In Galizien wurden vom 13. bis 19. Mai 65 neue Erkrankungen an Fleckfieber gemeldet.
Genickstarre.
Preußen. In der Woche vom 20. bis 26. Mai sind 53 Er⸗ krankungen (und 22 Todesfälle) an Genickstarre angezeigt worden, die sich 899 Regierungsbezirken l[und Kreisen] in folgender Weise verteilen: Arns berg 13 (2), (Altena 1 (1), Bochum Land 2, Dort⸗ mund Land 4, Gelsenkirchen Land 1 (1), Hörde 3, Schwelm 1, Siegen 1), Breslau 3 (5), (Breslau Stadt 1 (3), Schweidnitz Stadt 1 (1), Waldenburg 1 (1)), Düsseldorf 14 (8) [Düssel⸗ dorf Stadt 2 (1), Duisburg 5 (1), Mörs 1 (1), Rubrort Land 6 (5)), Hannover 1 ([Sulingen 1), Königsberg 1 (Fried⸗ land 1], Köslin 1 Neustettin 1), Lüneburg 1 [Harburg Stadt 1], Merseburg 1 [Halle a. S. 1], Münster 1 (Reckling⸗ hausen Land 1), Oppeln 11 (5) [Beuthen Land 2 (2), Kattowitz Land (1), Königshütte 1 (1), Ratibor Stadt 1, Ratibor Land 4 (1), Rybnik 2, Zabrze 1], Posen 3 (1) ([Obornik 1, Posen West 1, Schroda 1 (1)], Potsdam 2 (Niederbarnim 1, Templin 1], Schles⸗ wig 1 (1) [Kiel Stadt 1 (1)].
Verschiedene Krankheiten.
Pocken: Moskau 5, St. Petersburg, Warschau je 2, Kalfutta 99 Todesfälle; New York 3, Paris 7, St. Petersburg 6, Warschau (Krankenhäuser) 5. Erkrankungen; Varizellen: Budapest 27, New York 90, Wien 98 Erkrankungen; Fleckfieber: Krakau 8 Todesfälle; St. Petersburg 3, Warschau (Krankenhäuser) 19 Er⸗ krankungen; Rückfallfieber: Moskau 4 Todesfälle; St. Peters⸗ burg 18 Erkrankungen; Genickstarre: New York 32, Wien 2 Todesfälle; New York 32, Prag 2, Wien 4 Erkrankungen; 8 durchfall: Nürnberg 34 Erkrankungen; Rotlauf: Wien 40 Er⸗ krankungen; epidemische Ohrspeicheldrüsenentzündung: Prag 45, Wien 41 Erkrankungen; Influenza: Berlin 4, London 12, Moskau 10, New York 5, Paris 2, St. Petersburg 12 Tedes⸗ fälle; Nürnberg 12, Kopenhagen 14 Erkrankungen; Lungen⸗ entzündung: Nürnberg 26 Erkrankungen; kontagiöse e zündung: Reg⸗Bezirke Arnsberg 42, Marienwerder 86, Merseburg 30 Erkrankungen; Ankylostomiasis: Reg.⸗Bez. See 13 Er⸗ krankungen. — Mehr als ein Zehntel aller Gestorbenen starb an Scharlach (Durchschnitt aller deutschen Berichtsorte 1886.95: 0,91 %): in Posen — Erkrankungen kamen zur Anzeige in Berlin 37, Breslau 28, im Reg.⸗Bez. Allenstein 114, in Nürnberg 32, Hamburg 20, Burapest 38, London (Krankenhäuser) 338, New York 225, Paris 81, St. Petersburg 97, Wien 105; desgl an Masern und Röteln (1886/95: 1,15 %): in Königshütte, Potsdam — Erkrankungen wurden gemeldet im Reg.⸗Bez. Posen 136 u“ im Kreise Pleschen epidemisch), in Nürnberg 59, Hamburg 135, Budapest 161, Kopenhagen 196, New York 1068, Paris 393, St. Petersburg 131, Prag 49, Wien 782; desgl. an Keuchhusten in Frankfurt a. O. — Erkrankungen wurden wurden angezeigt in Nürnberg, Hamburg je 24, Budapest 28, Kopenhagen 45, New York 56, Wien 92; ferner kamen Erkrankungen zur Meldung an Diptherie und Krupp in Berlin 53, Breslau 24, Hamburg 26, Budapest 21, Christiania 42, London (Krankenhäuser) 107, New York 387, Paris 62, St. Feie 99, Stockholm 35, Wien 104; desgl. an Typhus in New York 27, Paris 35, St. Petersburg 154.
Im Monat April 1906 (für die deutschen Orte) sind nach⸗ stehende Todesfälle — außer den in den fortlaufenden wöchentlichen Mitteilungen verzeichneten Fällen von Cholera, Pest und Gelb⸗ fieber — gemeldet worden: Pocken: Athen 17, Barcelona ²) 20, Madrid ²) 3, Malaga ²) 63, Alexandrien 3, Buenos Aires 63, Rio de Janeiro 3; Fleckfieber: Kairo 10; Genickstarre Beuthen 3, Hagen 2, Hamborn 19, Schweidnitz 2, Zabrze 6, Buffalo ³) 4; Influenza: Berlin 17, Magdeburg, Rirdorf je 2, Leipzig 3, Barcelona²) 31, Bukarest 4, Haag 6, Madrid ²) 49, Mailand 15, Malaga ²) 7, Murcia ²) 5, Rotterdam 2, Utrecht 5, Buenos Aires 2, Detroit ¹) 3, Havanna ¹) 7, Içndiana⸗ polis²) 2, New Orleans 16, Rio de Janeiro 37, St. Louis ³) 3; Tollwut: Athen 3, Bukarest 2; Aussatz: Buenos Aires, Havana ¹) je 2, Rio de Janeiro 3; Beriberi: Rio de Janeiro 6v; Ankylo⸗ stomiasis: Rio de Janeiro 4.
Im übrigen war in nachstehenden Orten die Sterblichkeit an einzelnen Krankheiten im Vergleich mit der Gesamtsterblichkeit eine besonders große, nämlich höher als ein Zehntel: an Masern und Röteln (1886/95 erlagen diesen 1,15 von je 100 in sämtlichen deut⸗ schen Berichtsoxten Gestorbenen): in Reinickendorf, Emden, Königshütte, Schwientochlochitz, Viersen, Coburg, Meiningen; an Keuchhusten in Roßberg, Wilhelmsburg. Mehr als ein Fünftel aller Ge⸗ storbenen ist ferner nachstehenden Krankheiten erlegen: der Tuberkulose (1886/95 starben an Lungenschwindsucht 12,38 % in allen deutschen Orten): in Anklam, Reinickendorf, Goslar, Guben, Hanau, Herford, Höchst a. M., Neuruppin, Odenkirchen, Ohligs, Remscheid, Rheydt, Solingen, Wilhelmsburg, Ansbach, Aschaffenburg, Bayreuth, Frankenthal, Kaiserslautern, Landshut, Ludwigshafen, Pirmasens, Regensburg, Rosenheim, Straubing, Würz burg, Meißen, Eßlingen, Göppingen, Ludwigsburg, Karlsruhe, Offen⸗ burg, Darmstadt, Guͤstrow, Eisenach, Bremen, Meiningen, Oldenburg, Hagenau, Metz, Aussig, Bern, Glatz, Innsbruck, Linz, Havannan); den Krankheiten der Atmungsorgane (1886/95 starben an akuten Erkrankungen der Atmungsorgane 11,98 % in allen deutschen Orten): in 94 deutschen Orten, darunter sogar mehr als ein Drittel in Burg, Katern⸗ berg, Dudweiler, Roßberg, Rotthausen, Schweinfurt, Wurzen, 1 ferner im Landkreis Beuthen, in Barcelona*), Genuan), Innsbruck, Madrid²), Mailand, Malagaꝛ), Murciaꝛ²); dem Magen⸗ und Darmkatarrh. Brechdurchfall (1886/95 starben an akuten Darmkrankheiten 11,72 % in allen deutschen Orten): in Weißensee,
auchau. 8
8 Ien den 316 deutschen Orten hatten 2 im Berichtsmonat eine verhältnismäßig hohe Sterblichkeit (über 35,0 auf je 1000 Einwohner und aufs Jahr berechnet): Schwientochlowitz 35,5, Neuruppin 42,2 (1896/1900: 25,3). Im Vormonat betrug das Sterblichkeitsmaximum 43,1 %o. — Die Seäucing ssterblichkeit war in 10 Orten eine betraͤchtliche, d. h. höher als ein Drittel aller Lebendgeborenen, in: Laurahütte 342 % (Gesamtsterblichkeit 19,9), Zwickau 348 (24,3), Ratibor 350 (22,2), Liegnitz 351 (23,6), Schleswig 355 (26,7), Gera 362 (19,7), Glatz 370 (24,8), Reutlingen 378 (23,2), Langenbielau 380 (27,9), Schwientochlowitz 410 (35,5).
bis 1. Mai 17 Erkrankungen und 17 Todesfälle an der Cholera ge⸗
meldet. 8
¹) Dezember 1905. — ²) Januar. — ³) Februar. — ⁴) März.