1906 / 178 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 30 Jul 1906 18:00:01 GMT) scan diff

8

allgemeinen Gewerkschaftsbedingungen eingehend geregelt. Die Kontrolle geschieht sowohl durch Meldung beim Verband, wie durch ehrenwört⸗ liche Verpflichtung der Mitglieder sowie durch Bestellung von Arbeits⸗ losen selbst als Kontrolleure. Im allgemeinen besteht bei den dänischen Fachverbänden getrennte Kassenführung für die Zwecke der Arbeits⸗ losenunterstützung. Die Unterstützung wird durchgängig als Recht

gewährt. Den Bestimmungen über die Arbeitslosenfürsorge in den

dänischen Gewerkvereinen entspricht die Organisation in Schweden und Norwegen, wo jedoch erst verhältnismäßig wenig Verbände die Arbeitslosenunterstützung eingeführt haben. Ebenso ist in den Niederlanden, in denen auch die Gewerkvereinsbewegung noch unbedeutend ist, die Unterstützung bei Arbeitslosigkeit in den Fach⸗ verbänden wenig ausgebildet. 1

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben eine durch⸗ ebildete Gewerkschaftsorganisation. Im Jahre 1904 wurde die Gesamtzahl der organisierten Arbeiter auf 2,6 Millionen geschätzt. Die größte Gesamtorganisation ist die Federation of Labor, der 118 Zentralverbände angeschlossen sind, und die 1905 allein annähernd 1 ¼ Millionen umfaßte. Trotzdem ist die Arbeitslosenunterstützung b den amerikanischen Gewerkschaften bisher wenig ausgebildet. Die wesentlich höheren Löhne ließen das Bedürfnis danach nicht so hervortreten. Es finden sich indessen Anzeichen dafür, daß dieser Zustand bald eine Aenderung er⸗ fahren wird. Nach den neuesten Nachweisungen zahlten von den Inter- national Unions, die der Federation of Labor angeschlossen sind, nur 15 Arbeitslosenunterstützung, insgesamt im Jahre 1905 85 050 Dollars, außerdem wurden 62 989 Dollars Reiseunterstützung gezahlt. Am besten ausgebildet ist die Arbeitslosenunterstützung im Internationalen Verband der Zigarrenarbeiter, der 1905 allein 29 802 Dollars Arbeits⸗ losenunterstützung und 58 728 Dollars Reiseunterstützung zahlte, also an der Gesamtsumme ganz unverhältnismäßig beteiligt ist. Die Unterstützungsleistungen der übrigen Verbände sind entsprechend gering.

Damit ist das Wesentlichste der bestehenden Einrichtungen, die aus der Selbsthilfe des Arbeiterstandes ohne jede Unter⸗ stützung öffentlicher Gewalten hervorgegangen sind, vorgeführt. Be⸗ trachtet man diese Leistungen in ihrer Gesamtheit, so sind sie verhãlt⸗ nismäßig recht bedeutend, jedenfalls weitaus das Bedeutendste, was auf dem Gebiete der Sicherstellung gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit bisher besteht, bedeutender als die Leistungen aller übrigen Formen der Sicherstellung, die noch vor⸗ zuführen sind. Allein die 13 Miillionen Mark, welche die englischen Gewerkvereine im Jahre 1904 für Arbeitslosenunter⸗ stützung ausgegeben haben, übersteigen um ein Vielfaches die Leistungen aller anderen bestehenden Versicherungseinrichtungen. Was überall wünschenswert erscheint, ist die Verbreiterung der Grundlage dieser Selbsthilfeorganisation, die durchgehends noch auf einen ver⸗ hältnismäßig engen Kreis der Arbeiter beschränkt ist, für einen Teil der Organisationen auch die Erhöhung der Leistungsfähigkeit. Im übrigen hat sich ergeben, daß der Ausbau dieser Form der Unterstützung sel bst· verständlich den gewerkschaftlichen Forderungen und Zwecken angepaßt ist, daß z. B. der Begriff der unterstützungsfähigen Arbeits⸗ losigkeit dementsprechend gefaßt ist, daß die Annahme von Arbeit in der Regel nur zu gewerkschaftlichen Bedingungen verlangt wird, oder daß Arbeitslosigkeit wegen Maßregelung und Aussperrung vielfach zur Unterstützung berechtigt und anderes mehr. Die Frage der Kontrolle ist durch die Mitwirkung des Verbandes und der Berufskollegen hier in wwechentsprechender Weise gelöst.

Zur Arbeiterbewegung.

Die Ausgesperrten und Ausständigen im Berliner Buch⸗ bindergewerbe erklärten sich, der „Voss. Ztg.“ zufolge, Sonnabend⸗ nachmittag in einer Versammlung nach 4 stündigen Verhandlungen mit den in Leipzig getroffenen Vereinbarungen einverstanden (pgl. Nr. 177 d. Bl.). Es wurde beschlossen, daß die Versamm⸗ lung nur unter Berücksichtigung aller Umstände dem am 27. Juli in Leipzig abgeschlossenen Vertrage zustimme, obgleich er di⸗ Versammelten in keiner Weise befriedige. Der bereits mitgeteilte Tarifvertrag bezieht sich außer auf die reinen Buch⸗ bindereien auch auf Kartonnage⸗, Kontobuch⸗ und Etuifabriken sowie Buchdruckereien usw., wo Buchbinderarbeiten hergestellt werden. Die Arbeit soll am Montag wieder aufgenommen werden. Abends fand eine Versammlung der Berliner Glasergehilfen statt, in der über den gegenwärtigen Stand der Aussperrung (vgl. Nr. 166 d Bl.) Bericht erstattet wurde. Die Zahl der organisierten aus⸗ ständigen und ausgesperrten Gebilfen soll 455 betragen. Zu den neuen Bedingungen sollen 231. Organisierte arbeiten, während etwa 100 Unorganisierte beschäftigt würden. Weiter wurde mitgeteilt, daß es geglückt sei, die Materialsperre aufzuheben, da sich eine große Glasfirma zur Lieferung bereit erklärt habe.

In Cöln besprach am Freitag eine Massenversammlung von Bauarbeitern die angedrohte Aussperrung im Cölner Bau⸗ gewerbe (Nr. 177 d. Bl.) und erklärte, wie die „Frkf. Ztg.“ mit⸗ teilt, falls es zur Ausführung der Drohung der Bauunternehmer kommen sollte, den aufgedrungenen Kampf mit Energie durchführen zu wollen. Tausende von ausgesperrten Arbeitern konnten bereits im rheinisch⸗westfälischen Industriegebiet untergebracht werden.

Der Ausstand in der Metallspielwarenindustrie Nürn⸗ bergs ist, wie die „Frkf. Zta.“ erfährt, durch beiderseitiges Entgegen⸗ kommen nach fünfwöchiger Dauer beendet worden. Die Wieder⸗ aufnahme der Arbeit erfolgt am Montag. Es wurden den Arbeitern namhafte Lohnaufbesserungen bewilligt, die Arbeitszeit bleibt aber die⸗ selbe wie bisher.

In Stuttgart nahmen am Sonnabend die ausständigen Buchbindereiarbeiter und „Arbeiterinnen in einer abge⸗ haltenen Versammlung den am Freitag in Leipzig zwischen den Arbeitgebern und den Vertretern der Arbeiter vereinbarten Tarif⸗ vertrag an. Die Arbeit wird am Dienstag wieder aufgenommen werden. (Vgl. oben.)

In Pforzheim kam, der „Frankf. Ztg.“ zufolge, zwischen dem Lokalverband der Gold⸗ und Silberarbeiter und dem Arbeit⸗ der Gold⸗ und Silberwarenindustrie, nachdem frühere

ersuche des Metallarbeiterverbandes, für Ueberstunden 25 % Zuschlag zu erwirken, fehlgeschlagen waren, letzte Woche eine Vereinbarung zustande, derzufolge für die mehr als 60stündige Wochenarbeit ein Lohnzuschlag von 20 % gewährt wird.

Die Hafenarbeiter in Rostock und in Warnemünde sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Auf sämtlichen Schiffen sind, wie die „Voss. Ztg.“ meldet, die Lade⸗ und Löscharbeiten eingestellt worden.

v“

Leffingtheater. Gastiviel des Neven Operetten⸗

theaters aus Hamburg. Dienstag und folgende Tage: Die lustige Witwe. Anfang 8 Uhr.

zählungen.

Scchillertheater. o. (Wallnertbeer.) Morwitz⸗Oper. Dienstag, Abends 8 Uhr: Gast⸗ sfpiel von Heinrich Bötel. Der Troubadour. Große Oper in 4 Akten von G. Verdi. Mittwoch, Abends 8 Ubr: Fideliv. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Gaftspiel von Heinrich Bötel. Martha, oder: Der Markt zu Richmond. N. (Friedrich Wilbelmstädtisches Theater.) Dienstag, Abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Drama in 4 Aufzügen von Franz Adam Bevxerlein. Mitiwoch, Abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Im Garten täglich: Großes Militärkonzert.

Unsere Käte.

Donnerstag:

1“

Der „Lothringer Volkestimme“ zufolge werden die Arbeiter der Saline in Dieuze, deren Lohnf ungen abgelehnt wurden, in den Ausstand treten. 8

8 Kunst und Wissenschaft.

In der Abteilung Volkskunst der 3. Deutschen Kunstgewerbe⸗ ausstellung Dresden 1906 ist die Sammlung ostfriesischen Schmuckes des Postdirektors Eßlinger in Lehr besonders bemerkenswert. Die materialechte Behandlung und reizvolle Anordnung der einzelnen Schmuckgegenstände, die Treffsicherheit in der Wirkung überrascht bei eingehenderem Studium jedesmal aufs neue und bietet dem schaffen⸗ den Künstler eine Fülle von Anregungen. Zugleich gibt die Sammlung aber einen erneuten Beweis dafür, welche wirklichen Schätze uns mit dem Abhandenkommen dieser hervorragenden Einzelleistungen auf

9s

volkskundlichem Gebiete verloren zu gehen drohen.

In Karlsruhe wurde, wie „W. T. B.⸗ meldet, am Sonn⸗ abend die Jubiläums⸗, Kunst⸗ und Kunstgewerbeausstel⸗ lung im markgräflichen Palais durch den Prinzen Max von

Baden in Anwesenheit der Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden eröffnet.

Ueber die Bevölkerung von Marokko werden in „La Géographie“ vom Mai 1906 Mitteilungen von dem Kapitän Larras veröffentlicht und im „Globus⸗“ auszugsweise wiedergegeben. Larras ist Mitglied der französischen Militärmission in Fes, er weilt seit 1898 im Lande und kennt einen großen Teil desselben aus eigener An⸗ schauung; seine Ansichten dürften daher Beachtung verdienen. Die Schätzungen der Bevölkerungszahl schwanken zwischen 3 bis 4 und 9 bis 15, ja sogar 30 Millionen. Gewöhnlich geben die Reisenden etwa 7 Millionen an, so Rohlfs 6 ½ Millionen, während schon Chénier und Lempière im 18. Jahrhundert von 6 Millionen sprachen. Daraus würde man auf eine Stabilität der Bevölkerungszahl schließen müssen. Larras bespricht darauf die Verhältnisse, die für eine Schätzung in Betracht kommen. Da in Marekko jeder erwachsene Mann heiratet, die Zahl seiner Frauen oft groß und ihre Fruchtbarkeit erheblich ist, so würde man eine starke Zunahme folgern müssen. Freilich sei anderer⸗ seits die Kindersterblichkeit sehr groß, und in der ständigen Anarchie gingen viele Menschenleben zugrunde, aber eine Zunahme ergebe sich doch. Larras hält indessen alle Schätzungen von über 7 Millionen für übertrieben. Vergleiche man z. B. Algerien, das ebenso groß wie Marokko sei und dieselbe Verteilung der Bevölkerung habe wie dieses, so komme man zu dem Schluß, daß die Bewohnerzahl Marokkes nicht größer sein könne als die Algeriens, und hier wurden zuletzt nur 4 Millionen Eingeborene (und 600 000 Europäer) gezählt. Larras gelangt dann schließlich nach sorgfältiger Kritik aller Verhältnisse zu folgenden Zahlen: Saharagebiet 500 000, Atlas und Rif 1 900 000 und atlantisches Gebiet 2200 000. Das sind zusammen 4 600 000 Ein⸗ wohner. Ueber das Endergebnis drückt er sich, wie folgt, aus: „Ma⸗ rokko hat 4 bis 5 Millionen Einwohner. Aber ich bin überzeugt, daß die Zahl mehr in der Näbe der 4 als der 5 Millionen liegt.“ Parras bringt auch Zahlen über die Einwohnerzahl der größeren Städte und gibt die Zahl der normalen Bevölkerung von Fes auf 65 000, der von Marrakesch auf 57 000 an; dazu kämen noch zeitweise 10 000 bis 15 000 Köpfe, je nachdem der Sultan in Fes oder Marrakesch residiert. Er gibt dann noch unter anderem an: für Meknes über 20 000, für Tanger 30 000 bis 32 000, für Tetuan 18 000 bis 20 000, für Larasch 6500, für Rabat 22 000 bis 25 0002, für Saleh 15 000, für Casablanca 20 000, für Asemur 12 000 bis 15 000, für Masagan 20 000 bis 22 000, für Safi 6000 bis 7000, für Mogador 20 000, für El Kasr⸗el Kebir 10 000 bis 11 000, für Ussan 6000, für Tarudant 7000 bis 8000, für Demnat 4000, für Amismis 3000 Einwohner uws.

3 Theater und Musik.

Die Direktion des Deutschen Theaters errichtet im Neben⸗ hause (Schumannstr. 14) einen intimen Theaterraum, der etwa 290 Personen fassen und im Oktober d. J. eröffnet werden wird. Sie plant in diesem neuen kleinen Theater Aufführungen, von denen sie im intimen Raume eine erhöhte Wirkung erhofft, und will ihre Absichten unter der Bezeichnung „Kammerspielabende des Deutschen Theaters“ zusammenfassen. Z“ diesem Zwecke wird durch Subskription eine Gesellschaft gebildet, deren Mitglieder auf Grund eines Abonnements das Recht zum Besuche der Vorstellungen dieses Theaters erwerben. Die Abonnementsbedingungen werden durch das Bureau des Deutschen Theaters mitgeteilt; die Anmeldungen werden chronologisch vorgemerkt. Mit Ibsens „Gespenstern“ wird im Oktober das Neue Theater eröffnet; Agnes Sorma spielt die Frau Alving, Lucie Höflich die Regina, Alexander Moissi den Dswald, Friedrich Kayßler den Pastor Manders, Max Reinhardt den Engstrand. In demselben Monat folgt eine neue Arbeit Frank Wedekinds, im November „Aglavaine und Selysette“ von 2 aeterlinck, im Dezember „Hedda Gabler“ und ein Lustspiel von Oskar Wilde, im Januar eine Komödie von .; im Februar das neue Werk von Bernhard Shaw und im März Lessings „Emilia Galotti“.

In der Komischen Oper endet morgen die Sommerspielzeit. Am Mittwoch beginnt mit „Don 47 wieder das wechselnde Repertoire. Für Donnerstag ist eine Aufführung des „Corregidor“ angesetzt, während am Sonn d „Die Bohème“ und am Sonntag Figaros Hochzeit“ gegeben werden. Vielfachen Wünschen entsprechend, wird die Direktion während der Winterspielzeit wöchentlich eine Vor⸗ stellung zu Preisen veranstalten; die erste dieser volks⸗ tümlichen Vorstellungen findet am Montag, den 6. August, statt

und wird Hugo Wolfs „Corregi or“ bringen.

8

Mannigfaltiges. ““

Hildesbeim. 30. Juli. (W. T. B.) Am 28. und 29. d. M. fand hier eine Sitzung des Ausschusses der deutschen Turnerschaft, der auch der Regierungepräsident Fromme bei⸗ wohnte, unter der Leitung des Vorsitzenden Dr. med. Ferd. Goetz, Leipzig⸗Lindenau, statt. Aus dem Berichte des Vorsitzenden ist hervorzuheben, daß sich die Zahl der Vereine um 242 auf 7538, die Zahl der Vereinsmitglieder um 35 043 auf 772 134 vermehrt hat. In 992 Frauenabteilungen turnen 35 106 Frauen; 800 Vereine pflegen das Kinderturnen, an dem 63 126 Knaben und Mädchen teilnehmen; 29 520 Mitglieder wurden

Komische Oper. Dienstag: Hoffmanns Er⸗

Mittwoch: Don Pasquale. Donnerstag: Der Corregidor. Freitag: Hoffnanns Erzählungen Sonnabend: Figaros Hochzeit. Sonntag: Die Boheme. 3

Lustspielhaus. (Fliedrichstraße tag, Abends 8 Uhr: Unsere Käte. Sommer⸗ preise: Parkettfauteuil 3,20

Mittwoch und folgende Tage,

Bentraltheater. Mittwoch, Abends 8 Uhr: Die Fledermaus. Der Zigeunerbaron.

Freitag: Nanon. Sonnabend: Nanon.

Sonntag, 5. August,

—— eerbe Frucht.

Paris,

Nachmittags 3 Uhr: Zigeunerbaron. Abends 8 Uhr: Nanon.

Trianontheater (Georgenstraße, nahe Bahnhof Mittwoch bis Sonnabend:

zum esdienst eingeiogen. Der Bericht des Kassenwarts, Kanzlei⸗ rats Atzrott, ergab ein Vermögen der Kasse der Deutschen Turner⸗ schaft von 60 530,83 ℳ, der Stiftung für Errichtung deutscher Turn⸗ stätten 56 803,08 ℳ, der Abgeordnetenkasse 20 186 81 und der „Dr. Ferd. Goetz⸗Stiftung“ 18 315,26 einschließlich des Wertes des ahnmuseums im Betrage von 32 129,82 ℳ, insgesamt 188 265,80 Ueber das Turnen der Fortbildungsschüler wird eine Denkschrift an die Staatsregierungen gerichtet werden, in der auf die körperliche Kräftigung der aus der Schule entlassenen Jugend hinge⸗ wiesen wird. Die Satzungen der „Stiftung für Errichtung deutscher Turnanstalten“ wurden in einigen Punkten geändert, aus den Mitteln an 27 Vereine Gaben im Gesamtbetrage von 9705 verteilt und beschlossen, die Stiftung in Zukunft „Dr. Ferdinand Goetz⸗Stiftung“

zu nennen. Der Haushaltplan wurde mit 26 000 in Einnahme

ein namhafter Beitrag für das für die deutschen Turner bewilligt, ihr Eigentum verloren ferner die Vorbereitungen

und Ausgabe festgestellt und u. a. Fichte⸗Denkmal in Bexlin sowie die bei der Katastrophe in San Francisco haben. Von besonderer Bedeutung waren

für das im Zahre 1908 in Frankfurt a. M. stattfindende deutsche

Turnfest. Der nächste deutsche Turntag wird 1907 abgehalten werden.

Lambrecht (Pfalz), 29. Juli. Kölsch und Hellmann ist heute früh vollständig nieder⸗ gebrannt. Viele Vorräte sind mitverbrannt. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.

Darmstadt, 29. Juli. (W. T. B.) Heute vormittag 11 ¼ Uhr fand hier die feierliche Eröffnung des Tuberkulosemuseums der Landesversicherungsanstalt für das Großheriogtum Hessen durch den Vorsitzenden der letzteren, Geheimen Regierungs⸗ rat Dr. Dietz, statt.

Das Museum befindet sich in

raum der Großherzoglich hessischen Zentralstelle für die Gewerbe

(W. T. B.) Die Tuchfabrik

in Worms

8

dem neu errichteten Ausstellungs⸗

(Neckarstraße 3) und ist dafür bestimmt, weitere Kreise der Bevölke⸗

rung über die Gefahren, und sie über die Mittel zu belehren, die zu ihrer Bekämpfung dienen. Eine große Reihe von Behörden hat fördert, so das Kaiserliche Gesundheitsamt, amt, das Großherzoglich hessische Kaiserliche Leitung der ständigen

1 1 Ausstellung für Arbeiter⸗ wohlfahrt in Charlottenburg u a. Das Museum,

das demnächst in

die von der Tuberkulose drohen, aufzuklären

das Unternehmen ge⸗ das Reichsversicherungs⸗

8

Ministerium des Innern die

seinen wesentlichen Teilen in allen größeren Orten des Landes als

Wandermuseum zur Schau kommen soll, die Ergebnisse der medizinischen Wissenschaft in einer auch Laien leicht verständlichen Weise vorgeführt werden. In den ver⸗ schiedenen Abteilungen wird Ursache und Verbreitung der Tuberkulose sowie deren Heilung und Verhütung anschaulich

ist so eingerichtet, daß

dargestellt, auch der Ernährung der Säuglinge in den verschiedenen der

Lehbensmonaten ist ein Raum gewidmet, während in letzten Abteilung die Schädlichkeiten, die der Alkoholismus im Gefolge hat und die auch zu der Tuberkulose in innigem Zusammenhang stehen, gezeigt werden. Es ist ferner Vorsorge Zetroffen, daß während der Dauer der Ausstellung Führungen, namentlich von ärztlicher Seite, vorgenommen werden, auch Vorträge aus dem Gebiet der Tuberkulose sind während der Dauer der Ausstellung vorgesehen.

29. Juli (W. T. B.) Dem Temps“ zufolge hat der mit der Untersuchung der Katastrophe von Courribres betraute Richter in Béthune in einem amtlichen Bericht die Nieder⸗ schlagung des Verfahrens gegen die der fahrlässigen Tötung angeklagten Staatsingenieure empfohlen. Her Untersuchungsrichter stellt in dem Bericht fest, daß die Ingenieure ihre Pflicht getan hätten. Der „Temps“ teilt ferner mit, daß die Arbeiten zur Bergung der Leichen der verunglückten Arbeiter ihrem Ende entgegengehen. 1064 Tote seien bis zum 25. Juli geborgen worden. Die Leichen der noch fehlenden 31 Arbeiter

würden w hrsche lich innerhalb 14 Tagen heraufgeschafft werden

8 5 1

Bern, 29. Juli. (W. T. B.) Aus den Alpen werden mehrere ergunfälle gemeldet, bei denen drei Menschen das Leben ein⸗ büßt haben. In den Bernischen Voralpen stürzte beim Edel⸗ ißsuchen am Lattreierfirst im hinteren Suldtale ein 21 jähriger rbeiter aus Spiez über eine 50 m hobe Felswand und wurde voll⸗ dig zerschmettert. Auch das zweite Unglück ereignete sich beim Edelweißpflücken; am Bürglen in der Stockhor nkette stürzte ein

junger andarbeiter aus Watterwil ab und fand den Tod. dritte Bergunglück wird aus Andermatt gemeldet; ein Feldwebel der Festungstruppen am Sankt Gotthard wollte mit drei Kameraden ohre Führer vom Galenstock nach Tiefenbach im Urserental ab⸗ steigen und kam durch Absturz über eine 800 m hohe Felswand

auf den Siedelengletscher um.

Anglesia (New Jersey), 30. Juli. Die Schaluppe „Nora“, mit 32 Personen aus Philadelphia an Bord, die einen Ausflug hierher gemacht hatten, um zu fischen, schlug bei der Rückfahrt in⸗ folge eines heftigen Windstoßes um; 8 Mann ertranken.

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

St. Petersburg, 30. Juli. (W. T. B.) In Samara wurden bei einer öffentlichen Versammlung über 500 Per⸗ sonen durch Kosaken und zwei Kompagnien Infanterie fest⸗ genommen und 15 davon ins Gefängnis abgeführt. Einer kurz darauf veranstalteten Protestdemonstration wurde von der Polizei ein Ende gemacht, ohne daß es zu Tätlich⸗ keiten kam.

cr +.˖ ꝛ——

Der (Berlin). Eine Tochter: Hrn. Oberleutnant Kurt von Reichmeister (Braunschweig). Hrn. Hauptmann a. D. Frhrn. Vollrath von Maltzan (Odratzheim bei Marlenheim.) Gestorben: Hr. Oberst z. D. Buddenbrock. Hettersdorff (Bad Professor Gustav Kosack (Berlin). fessor Ludwig Stacke (Erfurt.)

Frhr. Oscar von Die

gerichtspräsident Emmy Barre, ge

Diens⸗

58 8 Uhr⸗ assessor Adolf

tallupönen). Verehelicht: Hr.

Kr. Stolp). Geboren: Ein Sohn: Hrn.

Familliennachrichten.

Verlobt: Frl. Else Wesener mit Hrn. Regierung Winkelmann (Münster i. W.—

Hr. Generalmajor z. D. Richard von Heydebreck mit Frl. Asta von Zitzewitz (Budow,

Friedrich von Rissel⸗ rer Georg Finger

mann (Görbitsch). Hrn. Pfar este, Hrn. Contad Borsig

Verantwortlicher Redakteur: J. V.: Weber in Berlin. Verlag der Expedition (J. V.: Heidrich) in Berlin.

Druck der Norddeutschen druckerei und Verlags⸗ Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.

Sieben Beilagen

für den

Erste B chen Reichsanzei

Qualität

ger und Königlich Pre

gering

mittel

1—

Gezahlter Preis für 1 Doppelzentner

niedrigster V höchster

niedrigster

höchster

niedrigster

Verkaufte Menge

Doppelzentner

u

8

Durchschnitts⸗ preis

gischen Staatsanz

Am vorigen Markttage

dem

eiger. 1906.

Außerdem wurden am Markttage (Spalte 1) nach überschläglicher 6 verkauft Doppelzentner (Preis unbekannt)

Tilsit. Insterburg 1u1““

Brandenburg a. H.

rt a. O

Frankfu

Greifenhagen..

Kolberg. Köslin. Bromber

Trebnitz i. Schl.

Breslau . Brieg.. Bunzlau. Goldberg i. Jauer. Leobschütz

Neiße.. bermit ilenburg Erfurt. Kiel

Goslar 8

Schl.

lauen i. V.

Offenburg Bruchsal. Rostock.

Braunschweig

Altenburg Arnstadt.

Nördlingen

2 6

8— 2

Mindelheim. Reutlingen. idenheim.

avensburg mMmm .. Bruchsal.

. Lyck

Luckenwalde

Brandenburg a.

a. O

Anklam 8 Stettin.

Greifenhagen.

Pyritz. . Schivelbein Kolberg. Köslin.

Rummelsburg i. P

Bromberg Namslau

Trebnitz i. Schl.

Breslau. Oblau. Brieg.. Sagan. Bunzlau. Goldberg i. Jauer.

eeen

obschütz Neiße. Iberstadt ilenburg Erfurt. . Goslar. Duderstadt aderborn ulda.. leve.. Neuß.. München. Meißen.

rna.. lauen i. V. Ravensburg.

Altenburg Arnstadt.

Insterburg Lyck.. Elbing.

Luckenwalde

Schl.

2 2* 2* *

Brandenburg a. H.

Frankfurt a. O

2*

Greifenhagen

omm.

88888

0 d —έ½

5 üsIIin

Kernen (enthülster Spelz,

20,20 19,60

19,80 20,00 19.50

13,20 14,10 14,90 14,00

14,00 15,00

88

8888888

—,— * 8

18,00

17,30 1740

17,20

17,40 16,50 17,40 17,70 18,10

1770 17,70 16,0

16,90 17,50 18,00 17,50 17,75 17,10 19,40 17,30 18,00 17,00

19,50

Weizen.

18,00 18,00 17,

16,40 18,00 17,60 17,80

16,50 17,50 17,90 18,40 18,30 18,10 18,40 16,80 18,00 16,90 16,90 18,00 18,50 17,50 18,00 18,10 20,00 17,40 18 00 18,00 19,50 19,75 18,50 17,30 17,20 18,00

20,60 19,80 24,00 20,20