1906 / 201 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 25 Aug 1906 18:00:01 GMT) scan diff

Justizministerium.

Versetzt sind: der Landgerichtsrat Stammler in Wies⸗ baden als Amtsgerichtsrat nach Cochem und der Amtsrichter Brauns in Ortelsburg nach Altona.

Dem Landgerichtsrat Koenig in Halle a. S. ist die 85 gesuchte Dienstentlassung mit Pension, dem Amtsrichter Fei 8 dea g ste nachgesuchte Entlassung aus dem Justizdienst erteilt.

Zu Handelsrichtern sind wiederernannt: der Kaufmann Artur Alexander Katz und der Fabrikbesitzer Kurt Lisco in Görlitz bei dem Landgerichte daselbst, der Kaufmann Johann

einrich Jaspersen und der Bankdirektor Christian Adolf errmannsen in Kiel bei dem Landgerichte daselbst, die aufleute und Konsuln Martin August Theodor Lieckfeld und Philipp Max Metzler Martin Ernst Rosenow in daselbst.

Zu stellvertretenden Handelsrichtern sind wiederernannt: der Ingenieur und Fabrikbesitzer Ewald Albinus, der Fabrik⸗ beftzer Moritz Iwand und der Ingenieur und Steinbruch⸗ besitzer Christiuan von Thaden in Görlitz bei dem Land⸗ daselbst, die Fabrikanten Wilhelm Heinrich Ludwig

smus und Friedrich Julius Heinrich Lehment in Kiel bei dem Landgericht daselbst. Schneidemühl ist

Der Staatsanwalt Poppendieck in nach Greifswald versetzt.

Aus dem Justizdienst sind geschieden: der Staatsanwalt⸗ schaftsrat Jürgens vom Landgericht III in Berlin infolge seiner Ernennung zum Kaiserlichen Regierungsrat und Mit⸗ gliede des Kaiserlichen Statistischen Amts und der Staats⸗ anwalt Dr. Schmidt⸗Ernsthausen in Elberfeld infolge seiner Zulassung zur Rechtsanwaltschaft.

Ferner ist dem Staatsanwalt Bruhns von der Staats⸗ anwaltschaft I in Berlin behufs Uebertritts zur Kolonialver⸗ waltung die nachgesuchte Entlassung aus dem preußischen Justizdienst erteilt.

u Notaren sind ernannt: die Rechtsanwälte Otto Stein in Potsdam und Nordmann in Dorsten.

In der Liste der Rechtsanwälte sind gelöscht: die Rechts⸗ anwälte Justizrat Eduard Kassel bei dem Landgericht I in Berlin, Dr. Brockmann bei dem Oberlandesgericht in Cöln, Dr. Bucerius bei dem Oberlandesgericht in Hamm, Dr. Wangemann bei dem Landgericht II in Berlin, Gustav . sohn und TDr. Georg Freund bei den Landgerichten „II, III in Berlin, Halle bei dem Amtsgericht in Charlottenburg und dem Landgericht III in Berlin, Dr. Ewald Schmitz bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Düsseldorf, Appelbaum bei dem Amtsgericht in Konitz und Dr. Schmidt bei dem Amtsgericht in Swinemünde.

In die Liste der Rechtsanwälte sind eingetragen: der frühere Amtsrichter Mertens bei dem Amtsgericht in Rix⸗ dorf, der Rechtsanwalt Dr. Wangemann vom Landgericht II. in Berlin, der frühere Rechtsanwalt Rudolf Bartels und der frühere Gerichtsassessor Dr. Kyrieleis bei dem Land⸗ Frich I in Berlin, die Gerichtsassessoren Schlaeger bei dem

andgericht II in Berlin, Engels bei dem Landgericht in Cöln mit dem Wohnsitz in Kalk, Dr. Seelbach bei dem Landgericht in Elberfeld und Kroeber bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Naumburg a. S.

Die Amtsgerichtsräte, Geheimer Justizrat Ro ü. in Hildes⸗ heim und Franz zes a. M., die Rechtsanwälte und Notare, Justizräte Poppe in Breslau und Freude in Stettin sind gestorben.

owie der Kaufmann Adolf tettin bei dem Landgericht

Personalveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Offiziere, rb. usw. Ernennungen, Beförde⸗ rungen und Versetzungen. Im aktiven Heere. Wilhelms⸗ höhe, 21. August. Gallus, Hauptm. und Lehrer an der Kriegs⸗ schule in Anklam, bis auf weiteres zur Dienstleistung beim . Frhr. v. Uslar⸗Gleichen, Oberlt. und Adjutant beim Kommando des Kadettenkorps, in das Kaiser Alexander Gardegren. Regt. Nr. 1 versetzt und auf ein Jahr zur Dienstleistung bei der Schloßgardekomp., kom⸗ mandiert. Karpowski, Oberlt. an der Hauptkadettenanstalt, zum Adjutanten beim Kommando des Kadettenkorps ernannt. Moschner, Königl. württemberg. Oberlt., Erzieher an der Hauptkadettenanstalt, unter Belassung bei dieser Anstalt, in das Kadettenkorps eingereiht. v. Bülow (Adolf), Lt. im Inf. Regt. Markgraf Karl (7. Bran⸗ denburg.) Nr. 60, als Erzieher zur Hauptkadettenanstalt versetzt.

XIII. (Königlich Württembergisches) Armeekorps.

DOffiziere, Fähnriche usw. Ernennungen, Beförde⸗ rungen und Versetzungen. Im aktiven Heere. 29. Juli. Geyer, Lt. im Gren. Regt. Königin Olga Nr. 119 und kommandiert zur Dienstleistung beim I. See⸗Bat., scheidet behufs Uebertritts zu diesem Bat. mit dem 14. August 1906 aus. Gr. Alfred v. Neipperg, im Armeekorps und zwar als Lt. im Ulan. Regt. König Wilhelm I. Nr. 20, vorläufig ohne Patent angestellt.

18. August. Ernst Prinz von Sachsen⸗Weimar, Herzog zu Sachsen, Hoheit, Oberst, beauftragt mit der Führung der 21. Kav. Brig., behufs Ernennung zum Kommandeur dieser Brig., in dem Kommando nach Preußen sowie à la suite des Drag. Regts. Königin 85 Nr. 25 belassen. Schwerin, Hauptm. und Komp. Chef im 8. Inf. Regt. Nr. 126 Großherzog Friedrich von Baden, unter Be⸗ förderung zum überzähl. Major, dem Regt. aggregiert. Blaich, Major z. D. und Bezirksoffizier beim Landw. Bezirk Reutlingen, zum Landw. Bezirk Calw, Bazing, Major z. D. und Bezirks⸗ offizier beim Landw. Bezirk Calw, zum Landw. Bezirk Reutlingen, versetzt. Vasall, Oberlt. im Inf. Regt. Kaiser Wilhelm, König von Preußen Nr. 120, kommandiert zur Dienstleistung beim UAlan. Regt. König Karl Nr. 19, von dem Kommando enthoben. Fischer, Oberlt. im Gren. Regt. Königin Olga Nr. 119, Wolt⸗

mann, Oberlt, im Inf. Regt. Alt⸗Württemberg Nr. 121, ein Patesh Telben. . hen f

1 em 1. ober 1] nach Preußen kommandiert: Wilker, Lt. im Inf Regt. Alt⸗Württemberg Nr. 121, behufs Verwendung an der Unteroff. Schule in Potsdam, Oppermann, Lt. im 4. Jnf. Regt. Nr. 122 Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, König von Ungarn, behufs Verwendung an der Unteroff. Vorschule in Barten⸗ stein, Glümann, Lt. im 9. Inf. Regt. Nr. 127, behufs Dienst⸗ leistung beim Eisenbahnregt. Nr. 3, letzterer auf ein Jahr.

Frhr. Hiller v. Gaertringen, Lt. im Ulan. Regt. König Wilhelm I. Nr. 20, vom 1. Oktober d. J. ab auf ein Jahr zur S. . renß Secsspervelheng kommandent

efördert: zu Lts. die Fähnriche: Schempp im Inf. Regt. Alt⸗Württemberg Nr. 121, mit Patent vom 10. Januar 1968, Lemke im 10. Inf. Regt. Nr 180, mit Patent vom 15. Februar 1905, Leitgebel, Böhm, Straub im Inf. Regt. Kaiser Wil⸗ 2 Hee von⸗ 8 122, Slnm im 4. Inf. Regt. Nr. 122 er Franz Joseph von Oesterreich, König von Ungarn, Schneide im Inf. Regt. König Wilhelm I. Nr. 12, Merkel im 88 tger

Großen Generalstabe,

bachtungen der Justizbehörden überein.

Martin im Pion. Bat. Nr. 13; zu Fähnrichen die Unteroffiziere: Schwenzer im Gren. Regt. König Karl Nr. 123, Vischer im Drag. Königin Olga Nr. 25.

m Beurlaubtenstande. 18. August. Befördert: Storz (Horb), Oberlt. der Landw. Inf. 1. Aufgebots, Gerok (Reutlingen), Oberlt. der Landw. Fußart. 2. Aufgebots, zu Hauptleuten, Elbers (Ulm), Lt. der Landw. Kav. 1. Aufgebots, zum Oberlt.; zu Lts. der Res.: die Vizefeldwebel bzw. Vizewachtmeister: Künlen (Fenttoaft)⸗ des Gren. Regts. Königin Olga Nr. 119, Rapp Ehingen), des Inf. Regts. Kaiser Wilhelm, König von Preußen Nr. 120, Leube 892. Pflüger (Ulm), Hänle (Ehingen), des Gren. Regts. König Karl Nr. 123, Gundert, Wetzel (Stutt⸗ gart), des 9. Inf. Regts. Nr. 127, Mögling (Reutlingen), des 10. Inf. Regts. Nr. 180, Leibbrand (Ulm), des 3. Feldart. Regts. Nr. 49; Stohrer (Leonberg), Vizefeldw., zum Lt. der Landw. Pioniere 8 Afh hete,- bewilli J

iedsbewilligungen. Im aktiven Heere. 18. August. v. Kapff, Rittm. und Eskadr. Chef im Drag. Regt. von Mhanr (2. Brandenburg.) Nr. 12, unter Enthebung von dem Kommando nach Preußen und Verleihung des Charakters als Major, mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Drag. Regts. König Nr. 26, mit Pension der Abschied bewilligt. Meyernicolay, Lt. im 8. Fne Regt. Nr. 126 Großherzog Friedrich von Baden, auf sein Gesuch zu den Res. Offizieren des Regts. übergeführt.

Im Beurlaubtenstande. 18. August. Frhr. v. Süß⸗ kind⸗Schwendi (Ehingen), Major der Landw. Kav. 1. Aufgebots, mit der Erlaubnis zum Tragen der bisherigen Uniform, Baur Cetet genh), Lt. der Landw. Inf. 1. Aufgebots, Peipers (Stutt⸗ gart), Lt. des Landw. Trains 1. Aufgebots, der Abschied bewilligt.

Im Sanitätskorps. 6. August. Dr. Stockmayer (Stuttgart), Unterarzt der Res., zum Assist. Arzt befördert.

Beamte der Militärverwaltung.

31. Juli. Eckel, Unterzahlmstr., zum Geheimen Sekretär des Ersecenglamt erngh.. Ober ahlmfe 4. August. auter, erzahlmstr. im Inf. Regt. Kaiser Friedrich, König von Preußen Nr. 125, seinem Ansuchen mit der gesetzlichen Pension in den Ruhestand versetzt, unter Ver⸗ leihung des Charakters als Rechnungvatat. 8

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Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 25. August.

In der Zeit vom 1. April 1906 bis zum Schlusse des Monats Juli 1906 sind nach dem „Zentral⸗ blatt für das Deutsche Reich“ folgende Einnahmen e(ein⸗ schließlich der gestundeten Beträge) an Zöllen und ge⸗ meinschaftlichen Verbrauchssteuern sowie andere Einnahmen des Deutschen Reichs zur Anschreibung

gelangt: Füle 164 104 071 (gegen das Vorjahr 5 093 196 ℳ), Tabaksteuer 2 990 484 (— 182 093 ℳ), Zigaretten⸗ steuer 477 741 (+ 477 741 ℳ), Zuckersteu r 46 186 953 (+ 7 770 417 ℳ), Salzsteuer 15 773 656 + 1 006 449 ℳ), Maischbottichsteuer 42 718 + 27 929 ℳ), Branntweinverbrauchsabgabe und Zuschla 45 566 215 (+ 5 921 103 ℳ), Brennsteuer 160 144 4 489 789 ℳ), Schaumweinsteuer 1 649 243 (+ 52 367 ℳ),

rausteuer 9 810 620 (— 2 048 798 ℳ), Uebergangsabgabe von Bier 1 256 723 (+ 108532 ℳ), Summe 287 933 132 (+ 7 550 66 109 Spielkartenstempel 448 977 (s— 8140 ℳ), Wechselstempelsteuer 5 085 967 (+ 325 432 ℳ), Stempelsteuer für Wertpapiere 11 466 783 (— 438 440 ℳ), Kauf⸗ und sonstige Anschaffungsgeschäfte 6 227 584 (— 413 619 ℳ), Lose zu: Staatslotterien 4 494 752 (s— 1 693 230 ℳ), Privatlotterien 2 528 300 (+ 625 350 ℳ), Schiffsfrachturkunden 368 972 (+ 73 177 ℳ), Fracht⸗ urkunden 1 368 042 (+ 1 368 042 ℳ), Personenfahrkarten 43 775 (+ 43 775 ℳ), Steuerkarten für Keafifahrenge 473 875 (+ 473 875 ℳ), Vergütungen an Aufsichtsrats⸗ mitglieder usw. (—), Erbschaftssteuer 897 (+ 897 ℳ), Post⸗ und Telegraphenverwaltung 182 408 0999 (+ 11 890 441 ℳ), Reichseisenbahnverwaltung 39 238 000 (+ 3713 000 ℳ).

Die zur Reichskasse gelangte Isteinnahme, abzüglich der Ausfuhrvergütungen usw. und der Verwaltungskosten, be⸗ trägt bei den nachbezeichneten Einnahmen: Zölle 163 858 666 8 7 691 482 ℳ), Tabaksteuer 2784 345 (— 310100 ℳ), t

igarettensteuer 248 628 (+ 248 628 ℳ), Zucker⸗ euer 47 810 355 (+ 8 450 376 ℳ), Saäͤlzsteuer 16 802 646 (+ 1 248 662 ℳ), Maischbottichsteuer 192 037 8 175 470 ℳ), Branntweinverbrauchs⸗ abgabe und Zuschlag 40 932 700 (+ 4593 690 ℳ), Brennsteuer 160 144 (— 489 789 ℳ), Schaumwein⸗ steuer 1 674 858 (+ 156 380 ℳ), Brausteuer und Ueber⸗ Feaegen⸗ von Bier 9 449 970 (— 1 602 861 ℳ), Wumme 283 914 359 (+ 19 810 998 ℳ). Spiel⸗ kartenstempel 584 752 (— 148 ℳ).

Eine allgemeine Verfügung des Justizministers vom 14. d. M. bringt einen an sämtliche Regierungspräsidenten ge⸗ richteten Runderlaß des Ministers des vIv vom 30. Juni d. J., betreffend die Ausstellung des zur Erwirkung des Armenrechts beizubringenden E1’ zur Kenntnis der Justizbehörden.

Bei den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über den Justizetat ist im vorigen und in diesem Jahre von verschiedenen Seiten darüber geklagt worden, daß bei der Ausstellung des zur Erwirkung des Armenrechts beizubringenden Zeugnisses von den zaftündigen Behörden nicht mit der erforderlichen Vor⸗ sicht und Sorgfalt verfahren werde und daß dies nicht nur 8. die Gegner der zum Armenrechte verstatteten Partei, son⸗ ern auch für die Gerichte und die Staatskasse bedauerliche Nachteile im Gefolge habe. Hiermit stimmen auch die Beob⸗ . Der Minister des Innern ersucht daher durch jenen Runderlaß die Regierungs⸗ präsidenten, den zuständigen nachgeordneten Behörden die einschlägigen Bestimmungen der Runderlasse vom 26. Mai 1887 und 11. Oktober 1895 nachdrücklichst in Er⸗ innerung zu bringen und dieselben dahin anzuweisen, daß in jedem Falle, in dem über Erteilung eines Zeugnisses zur Erlangung des Armenrechts zu befinden ist, vorerst eine sorg. fältige I aller in Betracht kommenden Umstände statt⸗ zufinden hat, daß dabei namentlich auch die Höhe der durch die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung in dem Einzelfalle voraussichtlich erwachsenden Kosten in Rücksicht zu ziehen ist. Dabei werden aber immer nur die Kosten

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für jede Instanz besonders zu erfolgen hat 119

Sollten Fälle bekannt werden, in denen die auf Grund des Zeugnisses der zuständigen Verwaltungsbehörde erfolgte Bewilligung des Armenrechts später wieder aufgehoben werden mußte, weil eine nähere Pruͤfung der wirtschaftlichen Ver⸗ hältnisse der zum Armenrechte Partei ergab, daß bei ihr die Voraussetzungen des § 114 3⸗P.⸗O. nicht vorlagen und auch zur Zeit der Ausstellung des Zeugnisses nicht vor⸗ gelegen hatten, so ist zu prüfen, ob die einschlägigen Be⸗ timmungen bei Ausstellung der Bescheinigung beachtet worden ind, und eventuell das Erforderliche zu veranlassen. 1

G Der Wirkliche Geheime Oberregierungsrat Schier bei der Königlichen Oberrechnungskammer ist von seiner Urlaubs⸗ reise nach Potsdam zuruͤckgekehrt.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. am 23. August in Zanzibar eingetroffen un 29. August von dort nach Bagamojo in See.

„Bu ssard“ b geht an

In der Ersten Beilage zur heutigen Nummer des „Reiche⸗ und Staatsanzeigers“ werden im Kaiserlichen Statistischen Amt eseneeee Nachrichten uͤber den Saaten⸗ stand im Deutschen Reiche um die Mitte des Monatzs August 1906 veröffentlicht. ““

““ Hessen. Mainz, 25. August. Heute morgen 8 Uhr traf Seine Majestät der Kaiser und König von Wühr mafs⸗ mit Gefolge im Sonderzuge beim Bahnwärterhause 39 der Streckte Alzey Mainz ein. Bei der Haltestelle waren, „W. T. B.“ zufolge, anwesend Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Hessen⸗ Seine Hoheit der Prinz Friedrich Karl von Hessen und dessen erlauchte Ge⸗ mahlin, der kommandierende General des XVIII. Armeekorps von Eichhorn, der Gouverneur von Mainz, Generalleutnant von Voigt und der Provinzialdirektor von Rheinhessen, Fre⸗ herr von Gagern. Nach der -- ; fand auf dem Großen Sand die Besichtigung des 6. Dragonerregiments statt, an die sich eine größere Gefechtsübung und eine anschlossen. u“ 11“

arade

144*“ Ihre Durchlaucht die Prinzessin Pauline zur Lippe ist, „W. T. B.“ zufolge, gestern mittag im Stift Kappel Pltorben⸗ Mit dem Tode der im Jahre 1834 geborenen Prinzessin ist die ältere, ehemals regierende Linie des Fürstlic lippischen Hauses erloschen.

Großbritannien und Irland.

..“

Wie „W. T. B.“ aus London meldet, ist der Kriegs⸗ minister Haldane zum König Eduard nach Marienbad berufen worden.

Rußland.

Der Ministerrat beriet in seiner gestrigen Sitzung üͤber die innere Lage des Reichs und kam, „W. T. B.“ zufolge, zu dem Beschluß, die bisherige Politik unter genauer Beob⸗ dcftung. der bestehenden Gesetze fortzuführen. Ferner wurde beschlossen, daß alle Minister am 14. September Programme für die Tätigkeit ihrer Ministerien vorlegen sollen. Die zu lösenden Fragen sollen in zwei Gruppen 1e werden, nämlich in solche, die eine Regelung auf dem Wege der Gesetzgebung erfordern, und solche, über die auf dem Verwaltungswege sofort ent⸗ schieden werden kann. Was die Fragen der ersteren Art be⸗ trifft, so sollen darüber bis zum Zusammentritt der Duma Gesetzentwürfe ausgearbeitet werden. Die Wahlen zur Duma sollen in ganz Rußland an demselben Tage tattfinden; süeüshas Datum machte sich der Ministerrat jedoch noch nicht

üssig.

Nach einer Meldung der „St. Petersburger Tele raphen⸗ agentur“ hat der Kaiser zur Unterstützung des Lirlän⸗ dischen Adels, der 22. die Unruhen gelitten hat, diesem Adel gestattet, im Auslande eine Hypothek auf die ihm von den Kaisern Paul und Alexander I. geschenkten sechs Güter im Wendener Kreise, die zusammen etwa 25 000 Dessjätinen groß sind, aufzunehmen.

Der Minister für Wegebau hat beim Ministerrat be⸗ antragt zu erwägen, ob nicht auf den Privatbahnen des Zartums Polen im innern Dienstverkehr mit Privatpersonen Schriftwechsel in polnischer Sprache zu gestatten sei.

Der Verband vom 30. Oktober hat einen Aufruf an die Wähler erlassen, in dem es heißt: nicht Blutver⸗

ießen, sondern nur friedlicher Kampf mit gesetzlichen Mitteln önne das Land vor dem Untergang bewahren und den Sieg der Wahrheit, Freiheit und Ordnung herbeiführen. Daher bringe der Verband den Wählern die Grundzüge seines Pro⸗

gramms in Erinnerung. In dem Sommerlager zu Morosowka bei Odessc Nach einer Meldung des

haben sich Unruhen ereignet. W. T. B.“ meuterten das 11. und 12. Sappeurbataillon,

sie kamen unter Absingung der Marseillaise g einer politischen

Versammlung zusammen und faßten den Beschluß, auf Aus⸗ sasdg und Revolutionäre nicht zu schießen. öffiziere, die auf Anordnung der Militärbehörde in der Versammlung erschienen, wurden mißhandelt.

Von kleineren Nachrichten liegen heute folgende aus Nuß⸗ land vor: Bei der Oeffnung eines Postbeutels für Wertsachen aus Eriwan auf dem Hauptpostamt in St. Peters⸗ burg, der nach den amtlichen Scheinen Banknoten und Werr⸗ papiere im Gesamtbetrage von 148 400 Rubeln enthalten sollte, wurde eine Bleistücke enthaltende Papierhülle vor⸗ 8 Der Postbeutel war äußerlich völlig unver⸗ ehrt. In Simferopol wurden in dem Hofe eines einem ehemaligen Rabbiner gehörenden Hauses, in dem sich der Stab des Artilleriekorps befindet, Bomben, eine Druckerei und mehrere revolutionäre Aufrufe entdeckt. In Essentuki bei Pjatigorsk wurden in einem vol⸗ besetzten Personenwagen ein Bahnkassierer und ein ihn begleitender Gendarm schwer verwundet; die Täter raubten

Regt. Nr. 180, Krauße im Drag. Regt. Königin Olga Nr. 25,

einer Instanz zu berücksichtigen sein, da die Bewilligung des

17 000 Rubel, sprangen aus dem Zuge und verschwanden im

Walde. In Kineschma bei Kostroma wurden dem Kassierer der Fabrik Bahakin 28 Rubel, in Iwanow⸗Wosnessensk dem assierer der Fabrik Janjunenski 30 000 Rubel geraubt. Die Räuber entkamen. Vorgestern nacht wurde das Stationsgebäude in Otwozk bei Warschau durch be⸗ waffnete Räuber überfallen. Ein Lokomotivführer wurde getötet. Es gelang, mehrere der Räuber zu verhafter Spanien. 8 Die Zollkommission rechnet darauf, noch vor dem 3. September dem Finanzminister ihren Bericht betreffs der französischen Vorschläge vorlegen zu können, denen sie, der „Agence Havas“ zufolge, zum größten Teil zustimmt. Nach dem 10. September würde dann ein modus vivendi bis zur Annahme durch die Cortes eintreten können. Die letzten Schwierigkeiten bestehen in bezug auf Weine und Frühobst.

Amerika.

Der Verlauf des Aufstandes in Cuba hängt, wie dem Reuterschen Bureau“ aus Havanna gemeldet wird, davon ab, öb es dem Führer der Au ständischen, Guerra, gelingt, die Stadt Pinar del Rio zu nehmen. Die Rebellen haben bereits mehrere südwestlich dieser Stadt gelegene Orte ge⸗ nommen. In der Provinz Havanna herrscht Ruhe. n der Provinz Santa Clara wurden die Auf⸗ ändischen bei ihrem ersten Zusammenstoß mit den Regierungstruppen zersprengt. Ein Berichterstatter, der sich bei Guerra aufgehalten hat, erzählt, dieser verfüge über 2000 Mann und habe unter dem Landvolk großen Anhang, besitze aber nicht genügend Munition, um Pinar del Rio zu nehmen oder einen langen Kampf auszuhalten.

Statistik und Volkswirtschaft.

Ein⸗ und Ausfuhr einiger wichtiger Waren in der Zeit vom 11. bis 21. August 1906.

Einfuhr Ausfuhr im Spezialhandel

dz = 100 kg

75 859 4 897 11 084

Paumtwollt ... . .. gebrochen, geschwungen usw. anf, 2 Jute und Jutewerg ““ Merinowolle im Schweiß. Kreuzzuchtwolle im Schweiß. e1.“ Steinkohlen Braunkohlen.. Erdöl, gereinigt. Chilesalpeter. Roheisen V8 1ööö“ Berlin, de

2 576 403 2 076 015 127 037 77 359

8 108 332 . 51 043

August 1906. Kaiserliches Statistisches Amt.

Statistik der an den deutschen Universitäten

immatrikulierten Studierenden aus Elsaß⸗Lothringen. Im Sommerhalbjahre sind an den sämtlichen deutschen Universitäten 44 942 Studierende (gegen 42 390 im letzten Winter und 41 928 im Sommer 1905) immatrikuliert ge⸗ wesen. Von diesen waren 3 888 (gegen 3555 und 3178 in den beiden vorausgegangenen Semestern) A ugländer und 41,054 (gegen 38 835 und Angehörige des Deutschen Reiches, unter denen sich nach einer in der „Straßburger Korrespondenz“ veröffentlichten Statistik der elsaß⸗lothringischen Üniversitätsstudenten 1064 Elsaß⸗ Tothringer (gegen 1126 im letzten Winter und 1033 im Sommer 1905) befanden; im Wintersemester 1903/04, als eben die neue katholisch theologische Fakultät an der Universität Straßburg ins Leben getreten war, wurden 1020 Studierende aus Elsaß⸗Lothringen an den deutschen Universitäten gezählt, während es im Sommersemester 1900 nur 823, vor 10 Jahren 697 und vor 20 Jahren etwas unter 400 gewesen waren. Berechnet man, um einen Vergleich auf einheitlicher Grundlage zu ermöglichen, wie viele Studierende auf 100 000 Ein⸗ wohner kommen, so ergeben sich für Elsaß⸗Lothringen 62,2 gegenüber einem für das ganze Reich ermittelten Durchschnitt von 72,8; unter diesem Durchschnitt stehen noch Sachsen mit 71,2, Preußen mit 71,1, die beiden Schwarzburg mit 69,5 Waldeck mit 68,9, die drei sächsischen Herzogtümer mit 68,7, Württemberg mit 67, die beiden Lippe mit 66,5, Hamburg mit 64,9, Oldenburg mit 61,9 und die beiden Reuß mit 52,9; Elsaß⸗Lothringen steht also nicht mehr, wie früher, weitaus zu unterst in der ganzen Stufenleiter. Ueber dem Reichsdurchschnitt stehen Bayvern mit 75,/7, Anhalt mit 81,9, die beiden Mecklenburg mit 83,9, Braunschweig mit 86, Baden mit 88,5, Sachsen⸗Weimar mit 89,3, Bremen mit 90,2, Lübeck mit 96,9 und Hessen, das von jeher die verhältnismäßig höchste Studentenzahl auf⸗

weist, sogar mit 111,5. 3 Auf die verschiedenen Studienfächer verteilen sich die im ver⸗ flossenen Sommersemester an den deutschen Universitäten immatrikuliert gewesenen Studierenden aus Elsaß⸗Lothringen nach der „Straßb. Korr., wie folgt: Juristen 271 (gegen 252 im Sommersemester 1905 und 247 vor 10 Jahren, im Sommer 18956), Philologen und sstoriker 223 (gegen 210 und 67 in den eben erwähnten beiden rüheren Semestern), katholische Theologen 179 (gegen 180 und 4, letztere Zahl vor dem Bestehen der katholisch⸗ theologischen Fakultät an der Universität Straßburg), Mathemat kker und Naturwissen⸗ schaftler 142 (gegen 148 und 68), Mediziner 129 (gegen 114 und 181), Pharmazeuten 59 (gegen 59 und 45), evangelische Theologen 37 (gegen 42 und 67), Studierende der Zahnheilkunde 14 (gegen 8 und 5), Studierende der Staats⸗ oder Forstwissenschaft 7 (gegen 3 und 4), Studierende der Landwirtschaft 2 gegen 6 und 7), endlich Studierende der Tierheilkunde 1 (gegen 1 und 2). Die Abnahme der evangelischen Theologen und der Mediziner entspricht der gleichartigen Bewegung in ganz Deutschland, ebenso die starke Zunahme bei den Philologen und Historikern wie bei den Mathematikern und Metaewige s. ne e. Bei den Juristen hat sich im letzten Jahrzehnt die ahl nicht so stark vermehrt, wie im übrigen Deutschland; dagegen waren es am Ende der 80 er Jahre nur 80 Juristen unter den e saß⸗lothringischen Universitätsstudenten, seitdem hat sich also ihre Zahl auch mehr als verdrei⸗ facht. Besonders deutlich wird diese Entwicklung, wenn man sowohl für den Sommer des laufenden Jahres wie für den Sommer des Jahres 1885 bei den einzelnen Studienfächern berechnet, wie viele Studierende auf 100 000 Einwohner kommen, wobei natürlich bei den Theologen nur die Bevölkerung des entsprechenden Bekenntnisses u berücksichtigen ist: alsdann ergibt sich für die ag Hangetegsben uristen im laufenden Sommer 15,8 gegen 4,4 vor zwanzig Jahren, für die katholischen Theologen 13,7, für die Philologen und Historiker 12,9 gegen 3,1, für die evangelischen Theologen 9,9 gegen 19,8, für die Mathematiker und Naturwissenschaftler 8,3 gegen 2,4, für die Mediziner 7,5 gegen 5,4 und für die Pharmazeuten 4 gegen 1,3. Aus dieser Zusammenstellung geht mit großer Deut⸗ lichteit hervor, daß überall eine beträchtliche Vermehrung eingetreten ist mit alleiniger Ausnahme der evangelischen Theologen, deren Zahl,

wie im Deutschen Reiche überhaupt, so auch in Elsaß⸗Lothringen sehr bedeutend zurückgegangen ist. Nicht ohne Interesse ist es, den obigen Ver⸗ hältniszahlen die entsprechende allgemeine, für das ganze Reich im Durch⸗ schnitt berechnete an die Seite zustellen; alsdann ergibt sich für die Juristen in Elsaß⸗Lothringen, wie erwähnt, 15,8 gegenüber dem allgemeinen Reichs⸗ durchschnitt von 21,1, für die latbolischen Theologen 13,7 gegen 8,6, für die Philologen und Historiker 12,9 gegen 17,6, für die evangelischen Theologen 9,9 gegen 6,0, für die Mathematiker und Naturwissen⸗ schaftler 8,3 gegen 9,7, für die Mediziner 7,5 gegen 9,3 und für die 3,4 gegen 3,3; die Verhältniszahl ist also in Elsaß⸗ othringen nur bei den Pharmazeuten und dann namentlich bei den Theologen beiderlei Bekenntnisses höher als die für das ganze Reich berechnete Verhältniszahl. Schließlich bleibt noch die Beantwortung der Frage übrig, an welchen Universitäten sich die elsaß⸗lothringischen Studenten aufgehalten haben. Die Mehrzahl ist natürlich im Lande selbst, in Straßburg immatrikuliert gewesen, nämlich 781 gleich 73,4 % der Gesamtzahl; 26,6 % sind an die übrigen deutschen Universitäten gegangen. In Baden beträgt der Prozentsatz der Studierenden, die an deutschen Universitäten außerhalb, des Heimatstaates imma⸗ trikuliert waren, 26,7, in Preußen 27,8, in Württemberg 33,5, in Hessen 40,2, in Sachsen⸗Weimar 52,8 und in Mecklenburg sogar 58,2, dagegen in dem Königreich Sachsen nur 25,4 und in Bayern sogar nur 13,8. Sehr verschieden ist dieser FEehehtta natürlich bei den verschiedenen Fakultäten: es sind 40,3 % ei den elsaß⸗lothringischen Medizinern, 35,8 bei den Juristen, 30,5 bei den Philologen und Historikern, 24,3 bei 18,3 bei den Mathematikern und Natur⸗ bei den katholischen Theologen. Im an den zehn preußischen

den Pharmazeuten, 26,5 bei den evangelischen Theologen, wissenschaftlern und nur 5,0 % 6 einzelnen findet man 101,. Elsaß⸗Lothringer Universitäten (31 in Berlin, 25 in Bonn, je 13 in Halle und Mar⸗ burg, 6 in Göttingen, je 5 in Greifswald und Kiel, 2 in Königsberg und 1 in Münster, 94 in Bayern (81 in München, 9 in Würzburg und 4 in Erlangen), 73 an den beiden badischen Universitäten (56 in Freiburg und 17 in Frnel 6 in Tübingen, 4 in Gießen, 3 in

eipzig und je 1 in Jena und Rostock. Im ganzen befinden sich also an den norddeutschen Universitäten 110 oder 10,3 %, an den sůüd⸗ deutschen dagegen 173 gleich 16,2 % der Gesamtzahl.

1“ .““ 2 8

äur ebeitszüznegunsg. 88

Die Kohlenakkordarbeiter * Kahn⸗ und Eisenbahn⸗ ladungen Berlins erklärten sich in einer zahlreich besuchten Ver⸗ sammlung, wie die „Voss. Ztg.“ berichtet, mit den ausständigen Kohlenarbeitern und Kutschern (vgl. Nr. 200 d. Bl.) solidarisch und verpflichteten sich, die Arbeit bis zur Erledigung des Ausstands von heute (Sonnabend) ab ruhen zu lassen. Soweit Kahn⸗ ladungen in Frage kommen, sollen angefangene Akkorde fertig gestellt, neue dagegen nicht in Angriff genommen werden.

Unter den Hochofenarbeitern der Gewerkschaft „Deutscher Kaiser“ brach, wie der „Frkf. Ztg.“ aus Essen telegraphiert wird, eine Lohnbewegung aus. Falls die Gewerkschaft heute nicht die ver⸗ langten 10 % Lohnerhöhung auszahlt, soll die Arbeit niedergelegt

werden.

In I beschlossen, wie dasselbe Blatt erfährt, die Stein⸗ setzer, die Arbeit niederzulegen, weil die Innung die Gehilfenforde⸗ rung, das Rammen des Pflasters nur von Steinsetzern ausführen zu lassen, oder den mit diesen Arbeiten Hilfsarbeitern den

Lohn der Steinsetzer zu bezahlen, mit einer allgemeinen Aussperrung

beantwortete. 1“

Die Ausschreitungen der Ausständigen in der Motor⸗ fahrzeugfabrik „Union“ in der Regensburger Straße in Nürnberg (vgl. Nr. 200 d. Bl.) haben sich, wie „W. T. B.“ be⸗ richtet, im Laufe des gestrigen Nachmittags und Abends wiederholt. Es kam zu größeren rdnungsstörungen die ein tat⸗ kräftiges Einschreiten der Polkzei und des bherbeige⸗ rufenen Militärs notwendig machten. Die gesamte Schutz⸗ mannschaft zu Fuß und zu Pferde war aufgeboten um die Regensburger Straße und ihre Umgebung zu säubern. Die Schutzleute wurden von der Menge angegriffen. Aus den umliegenden Wirtschaften wurden sie mit Gläsern, Flaschen und Steinen bom⸗ bardiert. Die Beamten räumten darauf die Wirtschaften und waren dabei genötigt, von der Waffe Gebrauch zu machen. Gegen 10 ½ Uhr rückte ein Bataillon Infanterie an und sperrte die Regensburger Straße ab. Die Ansammlungen dauerten bis Nachts gegen 2 Uhr. Der Magistrat erläßt in den Blättern eine vor Zusammenrottungen warnende Bekanntmachung. Zehn Schutzleute sind durch Messerstiche und Hiebe verletzt, einigen Schutzleuten ist die Uniform vollständig zerrissen worden. Zehn er⸗ heblich verletzte Ruhestörer haben im Krankenhaus Aufnahme gefunden. Eine größere Anzahl weniger schwer Verletzter entzog sich der ärzt⸗ lichen Behandlung. Ein 19 jähriger junger Mann, der aus einem Wirtschaftszimmer einen Revolverschuß auf einen Schutzmann abgab, wurde vbverhaftet.

Die Vermutung, daß die Lohnbewegung in der Pforzheimer Schmuckwaren⸗ und Edelmetallindustrie (vgl. Nr. 199 d. Bl.) friedlich verlaufen werde, bestätigt sich. Nachdem die Ver⸗ treter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vergangenen Montag in gstündiger Beratung sich auf eine Neuregelung der Arbeits⸗ und Lohn⸗ verhältnisse Peinigt, haben, wie die „Frkf. Ztg.“ mitteilt, am Mitt⸗ woch vier Versammlungen, die von etwa 5000 Personen besucht waren, diesem Abkommen zugestimmt. Die Fabrikantenversammlung hat die Vereinbarung gleichfalls gutgeheißen.

Eine Versammlung der ausständigen Arbeiter der Strebel⸗ werke in Mannheim (vgl. Nr. 194 d. Bl.) beschloß, nach dem⸗ selben Blatte, in geheimer Abstimmung, auf die Bedingungen der Direktion wegen der Wiederaufnahme der Arbeit nicht einzugehen und im Ausstande zu verharren

Nach einer Meldung der „St. Petersburger Telegraphenagentur⸗ aus Narwa sind 6000 Arbeiter der Krenholmer esb in den Ausstand getreten, weil die Direktion ihre Forderungen ab⸗

eschlagen hatte. Die Fabrik ist geschlossen. Im Verlaufe des Aus⸗ tandes mißhandelten die Arbeiter den Fabrikdirektor. Darauf⸗ hin wurden Truppen herbeigerufen. 40 Rädelsführer wurden ver⸗ haftet und nach Reval geschafft, wohin sie 3000 Arbeiter begleiteten.

Der Ausstand in Bilbao (vgl. Nr. 200 d. Bl.) nimmt, wie „W. T. B.“ meldet, an Ausdehnung zu. Die Nacht zum Freitag soll ruhig verlaufen sein.

Die Ausständigen der Automobilfabrik „Minerva“ in Antwerpen (vgl. Nr. 200 d. Bl.) entsandten, wie die „Köln. san berichtet, an die Arbeitgeber eine Abordnung, um eine Ver⸗

ändigung zu versuchen. Wie bei den Webern in Verviers, auch bei den Drehern der Automobil⸗ und Fahrradfabrik „Minerva“ um ein „Zweistuhlsystem⸗. Die Arbeit⸗ geber verlangen die Bedienung zweier Drehbänke. Bei einer Unter⸗ redung zwischen den Vertretern der Ausständigen und dem Fabrikleiter wurden folgende Einigungsvorschläge gemacht: „Ein gemischter Aus⸗ schuß soll feststellen, ob ein Dreher zwei Bänke bedienen kann oder nicht. Der Zuschlag für Ueberstunden wird von 25 auf 50 v. H. erhöht. Die Akkordarbeit fällt fort; die Dreher erhalten 55 Centimes müssen aber täglich eine Mindestzahl von Stücken iefern.

andelt es

2 Kunst und Wissenschaft.

Im literarischen Anhang des „Anzeigers des Germanischen Nationalmuseums“ berichtet Dr. jur. Freiherr von Künßberg über den Stand der Arbeiten am „Wörterbuch der deutschen Rechtssprache. Er führt im wesentlichen folgendes aus: Das Bedürfnis nach einem Werke, in dem die deutschen Rechtsausdrücke aller Zeiten und Mundarten gesammelt und erklärt sind, ist bei allen Studien auf historischem Gebiete seit langem lebhaft empfunden. Die vorhandenen Wörterbücher und lossare sind abgesehen davon, daß sich in den letzten Jahrzehnten infolge der großen Zahl

von Quellenausgaben unsere Kenntnis des alten Wortschatzes

außerordentlich erweitert berücksichtigen sie die rechtliche Bedeutung der Ausdrücke zu wenig; andere bringen überhaupt keine Erklärungen oder sie beschränken sich der Natur der Sache nach zeitlich, örtlich oder sachlich auf ein be⸗ grenztes Gebiet, wie ausgaben. deutsche Sprachgut erst in zweiter Linie. Brunner wörterbuch aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen, Förderung der historischen Forschungen durch ein derartiges Unter⸗ nehmen zu erwarten sei. nahm sich des Planes an, Stiftung stellte Mittel dafür zur Verfügung, eine Kommission von Rechtsgelehrten und Germanisten, weiteren Schritte einzuleiten. gehören dieser Kommission an die Professoren Brunner,

als Vorsitzender der seit 1900 bestehenden Schweizer Kommission), Frensdorff (Göttingen), von Schwind (Wien, als Vorsitzender der 1903 ins Leben tretenen österreichischen Kommission). rat Brunner; die Händen des Geheimrats Schröder. Arbeit sind kurz folgende: gelten auch 8n Münzen und Maße) des deutschen Spra gebiets vom

1750 Küsammmeln

langobardi Wortschatz wird herangezogen. Aufzeichnungen in lateinischer Sprache werden eben⸗ falls verwertet, Wörter notiert, z. B. jus quod vulgariter dicitur spitzreht oder gualdemannus. nungen älterer und andere Nebenquellen der des Materials erfordert eine 1 auch erfreulicherweise eine Reihe von Juristen, Historikern und Philologen bereits dafür gewonnen worden. Akademie der Wissenschaften zu entnehmen Quellen erledigt, doch ist begreiflicherweise noch ein reichlicher Stoff zu bewältigen, sodaß weitere

hat teils veraltet und lückenhaft, teils

z. B. die oft vortrefflichen Register der Urkunden⸗ in seinem bekannten Glossar berücksichtigt das Bereits 1893 hat Heinrich einem deutschen Rechts⸗ welche

Du Cange

dieses Bedürfnis nach

auf

Die Berliner Akademie der Wissenschaften das Kuratorium der Wentzel⸗Heckmann⸗ und 1896 bildete sich um die Gierke, Roethe (Berlin), Huber (Bern, und Freiherr ge⸗ Den 11 führt der Geheim⸗ Leitung der praktischen Arbeiten liegt in den Die leitenden Grundsätze bei der Es werden alle Rechtsausdrücke (als 8

Schroeder (Heidelberg)

eginn der Aufzeichnungen bis um das Jahr Auch die angelsächsischen, friesischen und chen Wörter werden aufgenommen; der skandinavis

nur zur Etymologie gemeingermanischer Ausdrücke jedoch daraus bloß die eingestreuten germanischen

Vor allem gilt es, die gesamten Rechtsaufzeich⸗ Zeit zu exzerpieren; weiter werden aber au Urkunden Rechtserkenntnis verarbeitet. Die Fülle große Zahl von Mitarbeitern, und es ist

Wie den Sitzungsberichten der Berliner st, sind bereits sehr viele

eldungen zur Mitarbeit sehr willkommen Absicht sind an Geh. Rat, Professor Dr. jegelhäuser Landstraße; betreffs öster⸗ reichischer Quellen an Prof. Ernst Frhr. v. Schwind, Wien XIII, Pen⸗- zingerstraße 66, zu he ag, Forscher, die dem Werke Interesse schenken, aber infolge Berufspflichten und anderer Arbeiten nicht in der Lage sind, in größerem Umfange mitarbeiten, können der Sache dadurch außerordentlich schätzenswerte Dienste leisten, daß sie gelegente-⸗ liche Funde dem Rechtswörterbuche zukommen lassen. Für diche ge⸗ legentliche Mitteilung von Notizen handelt es sich vornehmlich um solche deutschen Rechtsaudrücke und formelhaften Wendungen der Rechtssprache, die entweder überhaupt oder doch in ; Zeit und Gegend selten vorkommen; insbesondere sind aber jene Ausdrücke sehr willkommen, die in den landläufigen Glossarien und Wörterbüchern nicht oder nicht in Bedeutung für jene Zeit und Gegend verzeichnet sind. Hierbei kommt edrucktes und ungedrucktes Material in Betracht. Namentlich wir ich Anlaß bieten zu solchen gelegentlichen Beiträgen bei Archiv⸗- studien, Urkundenausgaben, lokalgeschichtlichen Untersuchungen u. dergl. Auf diese Weise kommen Kenntnisse des Spezialforschers der Allgemein- heit in weitestem Maße zugute; die zeitliche und räumliche Ver⸗ breitung von Rechtsausdrücken und Rechtseinrichtungen kann genauer festgestellt werden, viele bisher nicht genügend erklärte örter werden in ihrer Bedeutung erkannt, und der reiche Schatz der deutschen Rechtssprache erhält weiteren Zuwachs. (Für die äußere Form der Einsendung derartiger gelegentlicher Beiträge wird gebeten, folgendes zu beachten. Alle Beiträge sind auf Oktavblätter des Kanzlei⸗ papiers (16 ½ % 10 ½ cm) quer zu schreiben mit Unter⸗ streichung des Stichwortes und rechts mit Freilassung eines etwa zwei Finger breiten Randes. Die betreffende Stelle ist buch⸗ stabengetreu und in solcher Ausdehnung zu geben, daß sich die Bedeutung des Stichwortes möglichst unzweideutig erkennen läßt. Es wird um deutliche lateinische Schrift gebeten. (Jede weitere Auskunft erteilt das Archiv des deutschen Rechtswörterbuchs, Heidel⸗ berg, Universitätsbibliothek.) Abgesehen von solchen buchstabengetreuen Quellenerzerpten, wird sich unter Umständen Gelegenheit zu einer wertvollen Bereicherung des gesammelten Materials dadurch ergeben, daß Bemerkungen, Ergänzungen und Berichtigungen zu bereits vor⸗ handenen Wörterbüchern dem Archive des Rechtswörterbuchs mitgeteilt werden. 8

nd. (Zuschriften in dieser ichard Schröder, Hece r

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs⸗ maßregeln. 1

Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.

(Aus den „Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts“, Nr. 34 vom 22. August 1906.)

Türkei. Nach dem amtlichen Ausweise sind in Trapezunt vom 6. bis zum 12. August insgesamt 7 Pestsälle, darunter 2 mit shelicen Ausgang, vorgekommen. 8

achdem bis zum 30. Juli in Djedda 75 Erkrankungen und 75 Todesfälle an der Pest 3 worden waren, ist dort bis zum 5. August kein weiterer Pestfall gemeldet. . Vom 4. bis 10. Pagast wurden 14 neue Er⸗

egypten. t gemeldet, darunter 9 (6)

krankungen (und 10 Todesfälle) an der Pe in Alexandrien, 5 (4) in Suez.

Britisch⸗Ostindien. Während der am 21. und am 28. Jult abgelaufenen Wochen sind in der Präsidentschaft Bombay 289 und 325 Erkrankungen (200 und 262 Todesfälle) an der Pest zur Anzeige gelangt, davon 32 und 42 (28 und 37) in der Stadt Bombay, 16 und 5 (15 und 5) im Stadt⸗ und Hafengebiet von Karachi, 10 und 5 (9 und 6) in demjenigen von Jamnagar, 17 und 14 (10 und 6) im Hafen von Porbandar und insgesamt 2 (1) im Hafen von Veraval.

Japan. In Schimonoseki und zwei benachbarten Ort⸗ schaften sind vom 8. bis 30. Juni 6 tödliche Pestfälle aufgetreten.

Britisch⸗Südafrika. In der zweiten Juliwoche sind in East London und in King Williams Town noch pestinfizierte Ratten gefunden worden.

Brastilien. Rio de Janeiro 8 vom 25. Juni bis zum 22. Juli 6 Personen an der Pest erkrankt und 2 gestorben.

Neu⸗Süd⸗Wales. Ein weiterer Todesfall in Sydney vom 24. Juni hat sich nachträglich als Pesttodesfall erwiesen; auch 2 An⸗ gehörige dieses Verstorbenen sind am 29. und 30. Juni der Pest

erlegen. Pest und Cholera. Britisch⸗Ostindien. In Kalkutta starben in der Woche vom 8. bis 14. Juli 10 Personen an der Pest und 8 an der Cholera. Pocken.

Deutsches Reich. In der Woche vom 12. bis 18. August ist in der Stadt. Metz 1 weiterer Pockenfall zur Anzeige gelangt. Oesterreich. Vom 29. Juli bis 4. August in Galizien

1 Erkrankung. Brasilien. In Rio de Janeiro sind

22. Juli 5 Personen an den Pocken erkrankt.

Gelbfieber.

Nach den Veröffentlichungen des Gesundheitsamtes m Rio de 8 Janeiro ist daselbst vom 27. Mai bis 22. Juli nur 1 Person am Gelbfieber erkrankt und 1 der früher erkrankten ge torben.

Fleckfieber. Oesterreich. In Galizien vom 29.

vom 25. Juni bis

8

1““

Juli bis 4. August neue Erkrankungen.