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Bemerkungen. Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzentner
Stargard i. Pomm.
targard i. Pomm. 8
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aser. 15,50 15,50 15,55 16,00
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8 und der Verkaufswert auf volle Mark abgerundet mitgeteilt. Der Purchschnittspreis wird Ein liegender Strich (—) in den Spalten für Preise has die Bedeutung, daß der betreffende Preis nicht vorgekommen ist, ein Punkt (.) in den 6 sechs 3
15. 12. 19. 12.
19.12.
19. 12. 19. 12.
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15.12. 15. 12.
aus den unabgerundeten Zahlen berechnet.
Spalten, daß entsprechender Bericht fehlt.
haltungen gekaufte „Weckenmännchen“ lag in einem Exemplar auf
Bäcker eines guten Umsatzes von Patenstollen, die in den Haushal⸗
Aufenthalt in Holland darüber vorurteilsloser dachte, teils weil er vom Vor⸗
vertvolles Erinnerungsstück des Museums. Das Wappen zeigt eine
Die Königlich preußische Meßbildanstalt im Gebäude
Acten Bauakademie zu Berlin, Schinkelplatz 6 pt. r. wird vom veraanuar 1907 eine besondere Besucherzeit, vorläufig Dienstag 1 SFreitag, Nachmittags 5 — 7 Uhr. für das Publikum zu Besichtigung und Efudium ihres Denkmälerarchivs einrichten. Die Anstalt, die 1885 unter ihrem noch jetzigen Vorsteher, dem Regierungs⸗ und Geheimen Baurat, Professor Dr. Meydenbauer begründet wurde, hat seit dieser Zeit etwa 10 000 Aufnahmen aller wichtigen preußi⸗ ben Denkmäler gemacht, außerdem gegen 1700 außerpreußische saanch. und über 600 außerdeutsche, z. B. Athen, Baalbeck, Hagia bopbia in Konstantinopel, von denen eine Anzahl nach dem Meßbild⸗ erfahren aufgetragen und in Reproduktion der Zeichnungen zu haben s In der Besucherzeit findet auch der Verkauf von Meßbildern nd Vergrößerungen, die sich als Wandschmuck und zu Unterrichts⸗ iwecken eignen, in gutem und den dort einzusehenden Ausschußblättern fait. Der Besuch ist unentgeltlich. Die Aufsicht ist dem Architekten und Kunstschriftsteller A. Nothnagel übertragen
und
11““ 1
A. F. In der Dezemberversammlung der „Brandenburgia“, gesellschaft für Heimatkunde, wurden durch den Vorsitzenden, Geheimrat Friedel einige Mitteilungen gemacht, die eine erfreuliche Teilnahme weiter Kreise an den Verhandlungen und Bestrebungen der Gesellschaft beweisen. In Anknüpfung an den Vortrag von Fräulein vemke über „Festgebäck⸗ waren nämlich von verschiedenen Seiten ergänzende Berichte über örtliche Gebräuche eingelaufen, bei denen be⸗ simmte Arten von Gebäck eine Rolle spielen: Das an den hbeiden Weihnachtsfeiertagen in Cöln gebackene und von den meisten Haus⸗
isch des Hauses, interessant auch durch die niemals fehlende 8 1 der Figur im Arm getragene Tabakspfeife, von der die Cölner ja behaupten, daß sie zuerst in Cöln hergestellt worden sei und sich von hbier aus über die ganze Welt verbreitet habe. Von lachen war ein „Printenmännchen“ eingegangen, ein dort heimat⸗ berechtigtes Weihnachtsgebäck, und aus Treuenbrietzen lag ein Christ⸗ oder „Paten“⸗Stollen vor, woran sich die Sitte knüpft, daß, wer dort je Pate gestanden, sich allweihnachtlich mit so viel dieser aus gewöhnlichem Semmelteig gebackenen Stollen zu versehen hat, als er lebende Paten unter 14 Jahren am Orte besitt; denn er darf sicher sein, ihren Besuch zur Empfang⸗ nahme je eines Exemplars dieses Gebäcks zu erhalten. Da es, vielleicht im Zusammenhang mit der Sitte, in Treuenbrietzen Gewohnheit ist, zu Kindtaufen viele Paten zu laden, erfreuen sich die
tungen überall Verwendung beim Schweineschlachten und Wurstmachen finden, das man in Treuenbrietzen praktischerweise gleich nach Neu⸗ jfahr einzurichten sich gewöhnt hat. Endlich lagen aus Elbing neun ver⸗ schiedene kleine „Sylvestergebäcke“ vor, die immer in derselben Form hergestellt werden, als „Ring“, „Mann“, „Kind“, „„Brot“, „Geld“, „Glück“, „Tod“, „Himmelsleiter“ und „Himmelsschlüssel“ und mit zeren Hilfe in den letzten Stunden des Jahres Fragen an das Schicksal gestellt werden, in der Art, daß man unter den verhüllt vorgelegten gebacenen Symbolen drei für sich auswählt. Da es nach den Regeln der Permutationslehre eine große Zahl von Variationen gibt, haben die Zeichendeuter gute Gelegenheit, ihren Witz zu üben. — Aus den Sammlungen des Märkischen Provinzialmuseums legte der Kustos Buch⸗ holtz eine Anzahl von Gegenständen vor, die sich auf den frühesten Genuß von Tabak in Berlin und der Provinz beziehen. Es ist nicht genau nachweisbar, wann das Tabakrauchen und wann das Tabak⸗ schnupfen hier begonnen hat. Die früheste Nachricht über Tabak hat sich in einer Steuerrolle aus dem Jahre 1632 gefunden, in der von der Versteigerung einer vom Empfänger nicht abgenommenen Kiste mit „Tobak“ berichtet wird. Es ist wohl anzunehmen, daß nicht un⸗ beträchtlich frfüher schon Tabak in die Mark eingeführt sein wird. Sicher ist, daß der Kurfürst Georg Wilhelm von der Sitte des Rauchens nichts wissen wollte und daß sie zeitweise verboten war. Erst der Große Kurfürst stellte sich anders dazu, teils weil er aus seinem längeren
gang anderer Staaten lernte, daß sich der Tabak zu einer reichlich fließenden fickalischer Einnahmequelle verwerten lasse. Es hing hiermit zu⸗ sammen, daß 1674 den beiden Geschäftsleuten Daniel und Nathan in Berlin auf zwölf Jahre gegen eine bestimmte Abgabe ein Privileg erteilt wurde für Verarbeitung und Handel mit Tabak und zugleich für den Anbau der Tabakpflanzen. Weshalb dies Privileg schon 1681 widerrufen und fortan sowohl der Handel als die Fabrikation als der Anbau des Tabaks ganz freigegeben wurde, ist nicht nachweisbar. Aber eine Tatsache ist, daß bald sowohl Tabakindustrie als Tabakhandel zur Blüte gelangten, ja daß die Herstellung des Rollentabaks, das so⸗ genannte „Tabakspinnen“, sich als Hausindustrie so kräftig entwickelte, daß sich ein Bedürfnis, die „Tabakspinner“ zu einer Innung zusammenzufassen, herausstellte und auch Befriedigung fand. Ein Wappenschild dieser Innung, in Blech gestanzt, ist deshalb ein
der bekannten mächtigen Tabakrollen, von deren geringsten Sorte das Scherzwort galt: „für 'n Sechser dreimal um 'n Leib 'rum“. Das appen trägt die beiden Namen F. .Reichert und J. G. Gerecke. Für die Einführung des Tabakschnupfens in Berlin etwa ums Jahr 1700 sprechen die vorhandenen Tabaksdosen, deren aͤlteste auf die Regierungszelt des ersten Königs von Preußen zurückgeht. Das Museum besitzt etwa 150 Schnupftabaksdosen, darunter einige sehr kostbare Stücke aus Gold, mit Edelsteinen besetzt und mit kunstvollen Miniaturbildern geschmückt. Als Material der weniger kostbaren Dosen wurden anfaͤnglich Holz, Horn, versilbertes oder vergoldetes Zinnblech, Milchglas, Muscheln mit Silberbeschlag und dergl. verwandt. Friedrich der Große war bekanntlich ein leidenschaftlicher Schnupfer. In seinem Nachlaß fanden sich etwa 120 Dosen, außer⸗ dem liebte er es, Dosen zu verschenken, deren stets eine gewisse Zahl im Vorrat gehalten wurde. Kein Zweifel, daß die Berliner Gold- und Silberschmiede von der Sitte des Schnupfens vertvolle Anregung und Beschäftigung empfingen. Die größte erbreitung hatte die Sitte des Schnupfens und damit die Benutzung von Dosen um die Wende und in den ersten beiden Jahrzehnten des 9. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit datieren die Dosen aus Papier⸗ machs, die in großen Mengen und gediegener Ausführung von der Berliner Firma Stobner hergestellt wurden und nach dem Inhaber ber Firma „Müllerdosen“ hießen.Sie waren meist kreisrund, — eine Fam⸗ die auch schon eine Horndose aus 1781 mit dem Blldnis des chauspielers Unzelmann zeigt — und enthielten auf dem Deckel fast mmer rgend eine Darstellung, z. B. ein Kalendarium von 1808 und 1809, * Plan von Berlin, ein Bild des Opernhauses, einen Blick auf den üstgarten. Da in den kostbareren Exemplaren solcher Dosen die ilder mit großer Sorgfalt ausgeführt sind, wohnt ihnen auch ein wisser historischer Wert bei. Im Laufe des 19. Jahrhunderts ist ie Sitte des Schnupfens sehr bedeutend zurückgegangen, zunächst urch die vollständige Entwöhnung der Pamenwelt davon, die seit er zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein beträchtliches Kontingent he den Schnupfern gestellt batte. Zur Entwöhnung der Sitte mag be getragen haben, daß die höheren Kreise sie allmählich als eine ple⸗ elische zu betrachten anfingen, als sie ganz allgemein Leworden war, wozu nicht wenig auch die Einführung ußerst billiger Bosen beigetragen hatte, die, aus Birkenrinde hergestellt, berst aus Daber in Pommern kamen und als „Daberdosen“ das 8 18 zu 10 Pfennig sich überall einführten. Immerhin ist das den akschnupfen auch heute noch verbreitet genug, selbst in Berlin, wo kfaläbrliche Mindestkonsum von Schnupftabak noch auf 600 Zentner 5 ätzt wird. Neuerdings macht das Tabakkauen dem Schnupfen eine große Konkurrenz; von zwei Uebeln ist es wohl das größere. Den Vortrag des Abends hielt Dr. Gustav Albrecht über efangennahme des französischen Marschalls
2. ser im Jahre 1807 in Arnswalde: — Es waren gie ogenannte „Ranzionierte“, d. i. nach der Gefangennahme durch Franzosen auf dem Transport entwichene preußische Soldaten, die
am 11. Januar 1807 einer vierspännigen Extrapost mit 2 französischen Offizieren darin begegneten und alsbald den Beschluß faßten, sich der Insassen zu bemächtigen. Sie kehrten deshalb nach Arnswalde zurück, nahmen während des Umspannens den Wageninhalt ein⸗ schließlich der Waffen in Beschlag, und verfolgten, von Arnswalder Bürgern unterstützt, die fliehenden Offiziere bis vor die Stadt, wo deren Gefangennahme gelang. Auf das Rathaus geleitet, gaben sich hier die Offiziere als Marschall Victor und sein Adjutant zu erkennen, die auf dem Wege von Warschau nach Stralsund waren, wo ersterer den General Mortier im Kom⸗ mando ablösen sollte. Marschall Victor verlangte seine sofortige Freilassung, wozu Bürgermeister und Rathsherr von Arnswalde bereit waren, weil sie andernfalls die Rache der Franzosen für Arnswalde fürchteten. Der Freilassung widersetzte sich aber der Führer der Ranzionierten mit Entschiedenheit und wußte es durch⸗ zusetzen, daß die Gefangenen unter Bedeckung der 22 nach der Festung Kolberg gebracht wurden. Unterwegs traf der Transport auf eine von einem Offizier geführte preußische Patrouille, die das Weitere besorgte. Zwei Arnswalder, unter ihnen ein französisch verstehender Seifensieder, begleiteten aber den Transport bis Kolberg und ließen sich hier in kluger Vorsicht eine die Stadt Arnswalde ent⸗ lastende Erklärung des Marschalls Victor geben. Sie kamen damit am 17. in Arnswalde gerade zurecht, um großes Unglück zu verhüten; denn bereits am 16. Januar waren 800 Franzosen in Arnswalde ein⸗ gerückt, hatten Bürgermeister und Rat an Leib und Leben bedroht und Arnswalde plündern und in Brand stecken zu wollen angekündigt. Marschall Victor wurde am 20. Februar gegen den am 7. No⸗ vember in Radkau bei Lübeck gefangenen Blücher ausgetauscht. König Friedrich Wilhelm III. belohnte später die 22 mit je 50 Talern; in Arnswalde gibt eine 1883 angebrachte Tafel von dem Ereignis Kunde. Nächst der Ermöglichung des Austausches von Blücher hatte die kühne Tat der 22 Soldaten das Gute, daß sich die Operation der Franzosen gegen Kolberg und Graudenz, die Marschall Victor zu unternehmen bestimmt war, um einige Wochen zum Vorteil der Be⸗ lagerten in die Länge zog. — In der sich an den beifällig auf⸗ genommenen Vortrag anschließenden Diskussion wurde die Frage erörtert, ob die Antwort Courbières, des tapferen Verteidigers von Graudenz, auf die Mitteilung des ihn zur Uebergabe auffordernden französischen Parlamentärs, es gebe keinen König von hacst mehr, historisch beglaubigt sei oder nicht. Courbidère soll bekanntlich darauf geantwortet haben, das ändere seinen Entschluß, die Festung zu halten, nicht; denn er sei der König von Graudenz. Für die Nicht⸗ authentizität spricht bekanntlich nur der Umstand, daß Courbidre selbst sich über die Angelegenheit sogar gegen seine Familie ausgeschwiegen hat, dagegen fehlt seine bündige Ableugnung. Dr. Albrecht plädierte dafür, man solle bei dieser Sachlage nicht an der Wahrheit der männlichen Worte Courbidres zweifeln.
Eine Sonntagvormittag⸗Wanderung der „Brandenburgia“ hatte die Besichtigung von Schloß und Park Ruhwald in Charlottenburg zum Zweck. Rektor Otto Monke hielt an Ort und Stelle, in dem z. Zt. unbewohnten Schloß einen Vortrag über die nicht eben weit zurückgehende Geschichte des Platzes. Denn Schloß Ruhwald wurde etwa 1865 durch den Begründer und Besitzer des Modejournals „Bazar“ von Schäffer⸗Voit erbaut, der als großer Naturfreund mit richtigem Blick die wundervolle Lage dieses Punktes oberhalb des weiten Spreetals erfaßt hatte und den Besitzern der Spandauer Bockbrauerei im richtigen Moment mit der Erwerbung des Geländes zuvorgekemmen war. Von Schäffer⸗Voit hat dann mit großer Liebe so Schloß als Park und den an letzteren sich anschließenden Obstgarten angelegt. Leider traf ihn großes Unglück in der Familie durch den Verlust seiner drei Söhne, wovon der eine im Feldzug 1866, der andere infolge erhaltener Wunden noch 1870 starb und der dritte als Avantageur verunglückte. Das bestimmte v. Sch.⸗V., sich des Besitzes von Ruhwald zu entäußern. Der bekannte Johann Hoff hat dann hier längere Zeit seinen „Deutschen Porter“ ausschenken lassen, später war mehrere Jahre Ruhwald ein Genesungsheim für die Patienten eines Schöneberger Sanatoriums, um endlich in den Beßiß des ⸗Bankiers Abrahamsohn überzugehen, der das Schloß vorübergehend bewohnt hat. Seit seinem Tode und dem Eigentums⸗ übergang an den Bruder des Vorbesitzers, Bankier Siegfried Abrahamsohn, steht Ruhwald vereinsamt. Auch diese Gegend ist in den neuen Bebauungsplan von Westend⸗Charlottenburg hineinbezogen, eine Zukunftsstraße soll den durch prächtig herangewachsene Fichten und durch eine mächtige Felsgruppe, deren Herstellung eine enorme Summe gekostet haben soll, ausgezeichneten Park durchschneiven. Was aus dem geräumigen und schön eingerichteten Schloß, mit Veranda, Balkon und flachem Dach werden soll, ist ganz aufs ungewisse ge⸗ gestellt. Rektor Monke ermahnte die Stadt Charlottenburg, sich den Besitz nicht entgehen zu lassen, um ihn künftig für irgend welche 168 im Zeitenschoße schlummernden großen und guten Zwecke zu ver⸗ wenden.
Interessante Fresken aus dem 14. Jahrhundert sind in dem ehemaligen Schlosse der Päpste in Avignon, das bis vor kurzem als Kaserne gedient hatte und auf Betreiben des Gemeinde⸗ rats geräumt worden war, gemacht worden. Bei einer eingehenden Besichtigung des großen Gebäudes fand der Maire der Stadt in einem der Säle, der früher als Schlafzimmer der Päpste gedient hatte, außergewöhnlich schöne Ornamente, die ihm die Vermutun nahe legten, daß der Raum auch noch anderen künstlerischen Schmu gehabt haben dürfte. Obwohl die zu Rate gesagenen Gelehrten die Ansicht vertraten, daß die Wände aller Wahrscheinlichkeit nach mit Teppichen bedeckt gewesen seien, ließ der Maire durch besonders ge⸗ schickte Arbeiter die getünchten Wände vorsichtig abwaschen und erlebte die Ueberraschung, schon nach kurzer Zeit gut erhaltene Fresken aus dem 14. Jahrhundert zu entdecken, von denen bisher sech; Personen und ein Hund sichtbar sind. Die Malereien sind frisch erhalten und bieten ein großes kunsthistorisches Interesse, was den Maire veranlaßt, die begonnenen Arbeiten in größerem Umfange durch Pariser Spezialisten fortsetzen zu lassen.
Technik.
Eine neue Füllung für Pneumatiks. Man hat öfter die Frage aufgeworfen, ob sich nicht für die Füllung der Gummireifen an Fahrrädern und Automobilen irgendwelche andere Stoffe besser ver⸗ wenden lassen als die gewöhnliche atmosphärische Luft. Es sind demzufolge Experimente mit gasiger Kohlensäure gemacht worden, die sich ja leicht überall erzeugen läßt, weil die Herstellung flüssiger Kohlensäure ohnehin bereits eine erheb⸗ liche Industrie darstellt. Der Erfolg ist aber nicht sonderlich be⸗ friedigend gewesen, da sich zwischen der gewöhnlichen Luft und der Kohlensäure kein sehr großer Unterschied bezüglich der Elastizität ge⸗ zeigt hat. Andererseits müssen noch zwei andere Eigenschaften der Kohlensäure berücksichtigt werden, nämlich ihre Durchdringungsfähigkeit und ihxe chemische Wirkung gegenüber dem Gummimaterial. In dieser Hinsicht hat sie sich demnach als unverwendbar erwiesen; sie entweicht sehr viel schneller als Luft durch die unendlich feinen “ des Gummis. Man hat auch an die Benutzung von sogenannten Erhaustgasen gedacht, die sich aber auch nicht empfehlen, weil sie immer einen gewissen Gehalt an Schmieröl besitzen, das eine lösende Wirkung auf Gummi ausübt. Wie die Fachzeitschrift mit dem bezeichnenden Namen „Das pferdelose Zeit⸗ alter“ berichtet, ist man jetzt auf einen Einfall gekommen, der lohnender erscheint. Es ist nämlich festgestellt worden, daß die gewöhnliche Luft sich zwar im allgemeinen neutral verhält, daß aber doch ihr Sauerstoff allmählich eine Wirkung auf den Gummi ausübt, indem sie ihn gleich⸗ sam altern macht, bis er schließlich seine physikalischen Eigenschaften vollständig verändert, hart und brüchig wird. Ob dieser Vorgang auf die Zusammensetzung des Gummis selbst oder auf den ihm durch die Vulkanisation einverleibten Schwefel zurückzuführen ist, ist noch nicht sicher entschieden. Jedenfalls war es eine Folge dieser Einsicht, daß Versuche mit Stickstoff, also mit Luft ohne Sauerstoff vor⸗
für diesen Zweck sogar schon eine Art von Industrie hervorgerufen, die den Stickstoff unter Druck in Stahlflaschen in den Handel bringt. Die Flaschen werden einfach mit den Ventilen der Gummireifen ver⸗ bunden und besorgen dann selbsttätig das Aufblasen. ““
Literatur.
Deutsche Geschichte. Volk, Staat, Kultur und geistiges Leben, von Professor Dr. Eduard Heyck. In drei Bänden. Mit vielen Abbildungen, Kunstblättern in Schwarz⸗ und Buntdruck, H Karten usw. Velhagen u. Khrach Bielefeld, Leipzig, Berlin. 1905/06. — Die Deutsche Geschichte von Eduard — Heyck, die im März 1905 zu erscheinen begann, liegt seit dem vorigen Monat in drei Bänden (oder 12 Abteilungen à 3 ℳ) ab⸗ geschlossen vor. Die Anlage des Ganzen ist schon früher an dieser Stelle eingehend gewürdigt worden, ebenso der Inhalt der beiden ersten Bände. Die Zeit von 1273 bis 1648 wird als Uebergangszeit aufgefaßt, in der sich die neue Zeit anbahnt. Der dritte Band ent⸗ hält außer einer Reihe von Regententafeln (Könige und Kaiser, Päpste; Bayern, Oesterreich u. a.) die neuere Geschichte, das Werden des neuen Deutschland (1648— 1871) und das neue Heutsche Reich (bis in die Jetztzeit). Die Gabe frischer, impulsiver Darstellung, die schon den ersten Abschnitten nachgerühmt werden konnte, ist dem Ver⸗ fasser bis zum Ende seines Werkes treu geblieben. Die lebendige Durch⸗ dringung des Gegenstandes, die Herstellung von historischen Parallelen, oft in kurzen, schlagenden Andeutungen verrät die sichere Hand des Meisters, der in seiner Kunst zu Hause ist. So wenn er von Luthers Auftreten in Worms sagt: „Den Italienern und Spaniern erschien Luthers wohl etwas forciert unbefangenes Auftreten unziemlich dreist Daß er schüchtern, unsicher gewesen, wie ein deutscher Bericht angibt ist aus mancherlei Quellen neuerdings widerlegt, die ganze Szene in andere Auffassung gerückt worden. Eine wuchtige Stimme hat er ni gebabt; wie bei Bismarck enttäuschte sein Organ diejenigen, die sich nach dem zuvor gelesenen Wort und dem Ganzen des Mannes ihr Vorstellung gebildet.“ Treffend ist die weltgeschichtliche Bedeutung Luthers in folgenden Ausführungen gekennzeichnet: „Er hat der mens lichen Seele das Gut des innerlich wahrhaftigen Glaubens zurück⸗ heghnen, welches immer ihre höchste Fähigkeit und Er⸗ bebung bleibt, gleichviel, welches dabei ihre näheren Vorstellungen und Bekenntnissormeln sind.“ Oder um ein Beispiel aus der preußischen Geschichte anzuführen, so heißt es von der Stellun Fredesc des Großen zum Deutschen und zum Französischen: „Die deutsche Sprache, die er als rechter Märker aussprach, blieb ihm ein niederer Jargon; um Beamte und Soldaten anzuwettern ode für seine köstlichen sarkastischen Bemerkungen zu den vorgelegten Akte war sie gut genug, aber schon nicht für Briefe oder gar für fein⸗ gestimmte Literatur und Poesie. Aber alles das hat nur mit seinem Geschmack zu tun, nicht etwa mit Gesinnungen. In diesen war Friedrich doch nie Franzose, wurzelte viel zu rieß im Wesen der deut⸗ schen Ordnung, Pflichtstrenge und Sittlichkeit, um nicht beständig sich dessen, daß er es nicht sei und sein könne, bewußt zu bleiben.“ Mit hinreißendem Schwung ist die Einwirkung der Schillerschen Gedanken welt auf die Entwicklung des deutschen Volks zur Nation geschildert Auf die Darstellung der deutschen Verfassungs⸗ und Einheitskämpfe im 19. Jahrhundert kann hier nicht näher eingegangen werden, nu soviel sei bemerkt, daß die in Frage kommenden Probleme scharfsinnig und geistvoll und von hohen Gesichtspunkten aus erörtert werden. Der schwierigen Aufgabe, den Gang der politischen Geschichte in seinen Verflechtungen mit dem gesamten geistigen und wirtschaftlichen Leben der Nation aufzuzeigen, ist Eduard Heyck in seiner „Deutschen Geschichte glücklich Herr geworden.
— Studien aus Kunst und Geschichte, Friedrich Schneider zum siebzigsten Geburtstage gewidmet von seinen Freunden und Verehrern. Verlagshandlung Freiberg i. Br., 1906. — Der in weiten Kreisen hochgeschätzte Präla Friedrich Schneider zu Mainz feierte in diesem Sommer seinen sieb zigsten Geburtstag. Der Jubilar hat sich auf den verschiedensten
ebieten gelehrter Forschung erfolgreich betätigt. Mit mancher Frage der neuzeitlichen Altertumswissenschaft ist sein Name dauernd ver⸗ knüpft. Wiederholt ist er für neue Interessen der modernen Kultur, wie beispielsweise für die Denkmalspflege, führend und wegweisend gewesen. Aus seinem reichen literarischen Lebenswerk sei hier nur auf die Baugeschichte des Mainzer Doms hingewiesen — eine meisterhafte, für ähnliche Arbeiten vorbildliche Veröffentlichung. Mit Recht ist der feinsinnige Gelehrte, ein Meister des Worts und des Gedankens, mit den geistvollen, schönheitsfreudigen ö der Renaissancezeit verglichen worden. Aus dem ausgedehnten, internationalen Freundes⸗ kreis, den Schneider, auch nach Art jener Humanisten, pflegt, ist bei seinem siebzigsten Geburtstag eine nach Inhalt und Form bemerkens⸗ werte Festschrift hervorgegangen. Die Beiträge, unter deren Ver⸗ fassern sich Namen vom besten Klange befinden, behandeln überwiegend kunstgeschichtliche und kunstkritische, daneben gstherisch-pbilosophische, liturgiegeschichtliche und allgemeingeschichtliche Fragen. Diese, den verschiedensten Wissensgebieten angehörenden Aufsätze charakte⸗ risieren in ihrer Gesamtheit trefflich die vielseitigen Be⸗ strebungen Schneiders. Neben dem wissenschaftlichen In⸗ halt verdient die Ausstattung der Festschrift besondere Beachtung. Unterstützt durch die Munifizenz einiger Freunde Schneiders hat Heinrich Wallau in Mainz im Verein mit der Graphischen Kunstanstalt von Alphons Bruckmann in München und dem Herderschen Verlag in “ i. Br. eine typographische Musterleistung geschaffen. Ueber 40 den höchsten Anforderungen moderner Reproduktionstechnik entsprechende Tafeln in Lichtdruck, Gravüre und Autotypie gereichen dem vornehmen Werke zur besonderen Zierde. Schneider, der bei seinen Veröffentlichungen auf die äußere duchtechnische Ausstattung stets besonderen Wert legte, hat auch in dieser Hinsicht mit Erfolg vorbildlich gewirkt. Eine beschränkte Zahl numerierter Exemplare der Festschrift ist durch die Herdersche Verlags⸗ handlung in den Buchhandel gekommen. .“
— Land⸗ und Forstwirtschaft.
Getreidemarkt in Genua und Savona.
Das Kaiserliche Generalkonsulat in Genua berichtet unterm 13. d. M.: Im Azoffgebiet ließen die Preise für Hartweizen anfangs November d. J. wieder etwas nach. Die Mühlen in Genua, die für November nur sehr wenig Ware gekauft hatten, benutzten diesen Um⸗ stand, und es wurden deshalb für Novemberverschiffung größere Mengen Dur Taganrog 9,36 zum Preise von 19,50 Fr. und 10 P. zum Preise von 19,75 Fr. und einige Tage später 9,36 zum Preise von 19,25 Fr. und 10 P. zum Preise von 19 ⅞ — 19,50 Fr. gehandelt.
Gegen Mitte November trafen aber Nachrichten ein, die Frost⸗ wetter in Rußland meldeten und nach denen man innerhalb weniger Tage mit dem Schluß der Schiffahrt in Taganrog rechnen mußte. Trotzdem sich dann diese Vermutungen nicht verwirklichten, hat die Ausfuhr von Taganrog gänzlich aufgehört. In Novorossisk hielt man während des ganzen Monats November mit der Ware zurück. wurden nur geringe Mengen Dur Novorossisk 10 P. Dezember⸗ und Januarverschiffung zum Preise von 19 ⁄ gehandelt. Die Preise für nordamerikanischen Hartweizen Makkaroni I haben sich im November d. J. von der Oktoberbaisse wieder erholt und wurden Mitte November für Dezember⸗Januar⸗ Verschiffung mit 17,50 Fr. gehandelt, während sie Ende November für Januar⸗Februar⸗Verschiffung um etwa 50 Cent. im Preise stiegen.
Da die Donauweichweizen im November noch etwas weiter im Preise zurückgingen, wurden im Laufe dieses Monats ziemlich be⸗ deutende Mengen sowohl über Süditalien als auch über Genua ge⸗
andelt. b Während die Hauptexporteure für die Wintermonate keine Ware abgeben und nur von März an verkaufen wollen, haben verschieden weniger bedeutende Häuser in Sulina und Küstendie größere Vor⸗ räte angesammelt, um während der Wintermonate, falls die Donau zufriert, von diesen Häfen zu verladen.
auf dem W
ege zu ihren Regimentern 1 km östlich von Arnswalde
genommen wurden. In Frankreich hat die Benutzung von Stickstoff
Mais ist im November fast garnicht gehandelt worden.