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Man hat auf der anderen Seine viersaa, ver angt, daß man die vorhandenen neunklassigen g. untersagen oder zwangs⸗ weise fortentwickeln solle. Dazu hat der Minister sich nicht ent⸗ schließen können, da tatsächlich noch immer ein Drittel der vorhandenen Mädchenschulen neunklassig sind, und es den ärmeren Gemeinden namentlich im Osten nicht ganz leicht sein wird, sofort diese Fortentwicklung vorzunehmen. Wenn der Fehler der bis⸗ herigen Organisation darin lag, 8. nicht für die Ausbildung bis zum 18. Jahre hinreichend gesorgt ist, so genügt es nicht, daß man nur ein uljahr auf das neunte heraufsetzt, sondern man muß weiter⸗ gehen. Wir brauchen zwölf⸗, mindestens Aflährige Vollanstalten, und zwar in einer Form, die dem Wesen der Frauenbildung entspricht und dem Wesen der jungen Mädchen gerecht wird, sich also nicht auf eine rein schulmäßige Weiterführung des bisher Gegebenen beschränken darf. Die Neuorganisation muß darauf Bedacht nehmen, eine Fortbildung in den vom Minister genannten Fächern zu schaffen, die in Zukunft in die sogenannten Frauenschulklassen verlegt werden sollen. Diese werden, wenn es sich um zehnklassige Schulen handelt, zweijährig, bei neun⸗ klassigen dreijährig sein. Man wird Ich entschließen müssen, nicht gar zu enge bureaukratische orschriften zu wählen, sondern der freien Entwicklung einen gewissen Raum geben müssen, die sich zunächst ganz von selbst fortsetzen muß. Versuche, sog. Frauenschulen einzurichten, sind schon hie und da ge⸗ macht worden, aber nicht mit genügenden Mitteln und genügender Organisation. Für den Staat wie für die Kommunen fragt es sich natürlich, wie man überhaupt praktisch solche Frauenschulklassen ein⸗ richten kann. Sie kosten ziemlich viel Geld. Der Minister hat in Aussicht genommen, daß man sich an das gegebene Praktische an⸗ schließen und versuchen soll, die in sehr vielen Kommunen vorhandenen Lehrerinnenseminare nutzbar zu machen, indem man Frauenschulklassen an die Lehrerinnenseminare angliedert. Dort stehen uns qualifizierte Lehrkräfte zur Verfügung, denen man noch zwei oder drei Lehrkräfte hinzufügen kann, um die Frauenschulklassen einzurichten. Diese Ver⸗ bindung wird die Sache überhaupt möglich machen und das Lehrer⸗ material, das wir für die Frauenschulklassen gebrauchen, für diesen 1ne. ausbilden lassen. Bei der Gestaltung des Bildungsganges der
niversitätsstudien muß verhütet werden, daß die Maͤdchenschule sich ihren Bedürfnissen nach den wenigen zu richten hat, die eine Universitätsreife erstreben; das wäre ein sühler Die Mädchen⸗ bildung verfolgt vielmehr ein eigenes Ziel, sie soll die jungen Mädchen für den Beruf als Hausfrau und Mutter vorbereiten, dagegen ist für die, welche einen gelehrten Beruf erstreben, eine besondere Organisation zu schaffen. Man muß versuchen, die Eatscheidung der Eltern, ob sie ihre Töchter für einen gelehrten Beruf vorbereiten lassen wollen, möglichst spät zu legen. Dadurch bestanden bisher viele Differenzen, die einen wollten nur einen Aufbau, die anderen eine möglichst früh⸗ zeitige Gabelung. Wir wollen im wesentlichen bei der Mädchen⸗ bildung einen gewissen Abschluß nach dem 9. Jahre schaffen und damit erzielen, daß die Mädchen im allgemeinen reif werden. Für den Gelehrtenberuf können vielleicht Parallelklassen im 9. Jahre mit Lateinunterricht usw. geschaffen werden, die sich nach den besonderen Bedürfnissen Cö“ lassen. So will der Reformplan den Mädchen, die sich für die Universität vorbereiten wollen, eine gleichwertige Bildung sichern, ohne daß wir die Mädchenschule in zu weitgehendem Maße mit dem Bildungs⸗ stoff beschweren, der für die allgemeine Bildung nicht notwendig ist. Inwieweit männliche und weibliche Lehrkräfte herangezogen werden sollen, darüber kann die Regierung noch keine bindende Erklärung ab⸗ geben. Man wird sich bei der Reform hüten müssen, allzu fest normierte Bestimmungen von vornherein zu geben, sondern man wird Raum schaffen müssen und bei den Lehrplänen nicht alles von vorn⸗ herein bis zum Letzten ausgeführt verlangen dürfen, sondern auf ört⸗ liche Verhältnisse Rücksicht nehmen müssen. Wir haben es mit einer Entwicklung zu tun, die sich nach Maßgabe der praktischen Verhält⸗ nisse gestalten muß. Die Unterrichtsverwaltung hofft, auf diesem Wege ein Ziel zu erreichen, das unserer gesamten Frauenbildung und damit unserem Vaterlande zum Segen gereichen wird.
Abg. Ramdohr (nl.): Auch meine Partei kann sich vorbehaltlich der Prüfung der Einzelheiten mit der Erklärung des Ministers ein⸗ verstanden erklären. Wichtig ist, daß das Lyzeum sich auf die höhere Mädchenschule aufbauen soll, und daß man diese selbst nicht mit den Fragen der Gelehrtenbildung belasten will. Ich bin auch erfreut darüber, daß der Regierungskommissar erklärt, daß eine bureaukratische Entwicklung nicht geplant wird, und daß es nicht richtig sein würde, viele Bestimmungen im einzelnen zu treffen. Im allgemeinen kann ich also die Zustimmung meiner Freunde in dieser Sache aussprechen. Was die Entwicklung der höheren Knabenanstalten anbelangt, 8” hat sich das Publikum mit der Zeit mit dem Grundsatz der Gleich⸗ wertigkeit der verschiedenen Anstalten abgefunden. Es ist allerdings begreiflich, daß bei der Macht der Gewohnheit zu Zeiten noch Klagen ertönen, die aus der Zeit des Monopols des humanistischen Gymnasiums herstammen. Das Gymnasium wurde vielfach aus äußeren Gründen aufgesucht, wo aus inneren Gründen eine andere Anstalt benutzt werden sollte. Das lag daran, daß das Gymnasium vielfach als Standesschule angesehen wird. Die Zahl der Vollgymnasien überwiegt die der Reacgedamastnn
mit
und Oberrealschulen; namentlich im Osten haben die Gymnasial⸗ vollanstalten in den Städten vielfach noch das Monopol. In neuester Zeit ist man ja dem Gedanken der Reformschule etwas näher ge⸗ treten, aber es ist noch viel zu tun. Die Unterrichtsverwaltung hat den Ersatz für das Griechische nur an einer ganz geringen Anzahl von Gymnasien eingeführt. Es ist zu wünschen, daß dieser Ersatz⸗ unterricht bis zur Oberprima durchgeführt wird. ie Zahl der Realgymnasien ist von 78 im Jahre 1898 bis auf 108 gestiegen. Vielleicht könnte den Naturwissenschaften auf diesen Anstalten ein 2— Raum eingeräumt werden. Bei den Versetzungen und Reifeprüfungen sollten die Naturwissenschaften als dem Lateinischen leichwertig erachtet werden; jetzt wird niemand zur Universität ent⸗ assen, wenn er auch ein noch so guter Naturwissenschaftler ist, wenn er nicht im Lateinischen, Französischen und Englischen eine genügende Note hat. Ueberhaupt müßten die Versetzungs⸗ und L“ einer Revision unterzogen werden. Der Minister ollte auch erwägen, ob nicht dem Unterricht in der Geschichte, die jetzt als Nebenfach dasteht, nicht in Ansehung der großen Bedeutung dieses Lehrgegenstandes eine höhere Stelle anzuweisen ist. Ueber die Bedeutung und den Wert der lateinischen Schulen hat 88. unter meinen politischen Freunden hier im Hause selbst Meinungs⸗ verschiedenheit geherrscht. Als Leiter eines Reformgymnasiums kann ich sagen, daß wir bei vollem an den äußeren Zielen fest⸗ stellen konnten, daß der Unterricht eine größere Fecgeigjete ein regeres Interesse und einen bessern Lerneifer von Anfang bis zu Ende mit sich beinqt. Wir schreiten vom Leichteren zum Schwereren vor, und das hat sich namentlich in der Erlernung der fremden Sprachen als sehr praktisch erwiesen. Es sollte überhaupt allgemein durchgeführt werden, daß die fremden Sprachen erst auf der mittleren Stufe gelehrt werden. Aufs entschiedenste muß ich mich gegen den Einwand wenden, daß die Reformanstalten das Ziel nur durch Ueberanstrengung der Schüler erreichen können. Eine übermäßige Anstrengung der jugendlichen Geisteskraft liegt keineswegs in dem System der Reforms ulen. Das Frankfurter 5 ramm trägt den gesundheitlichen Anforderungen voll Rechnung. Auch dem Einwand gegenüber, daß das Fiel der Reform⸗ anstalten nur auf Kosten der naturwissenschaftlichen und mathematischen Bildung erreicht werden könne, kann ich auf Grund meiner eigenen Erfahrungen und derjenigen in Lehrerkreisen das Gegenteil behaupten. Je mehr sich unser höheres Schulwesen nach den Grundsätzen von 1901 entwickeln wird, desto mehr wird auch die Behauptung ver⸗ schwinden, daß die Reformschulen den Oberrealschulen feindlich seien. Den Klagen über die Ueberbürdung der Schüler, die auf fast allen drei Schulanstalten wiederkehren, kann man vielleicht dadurch ab⸗ helfen, daß man die Unterrichtestunden verkürzt und die Pausen ver⸗ längert, ein Zurückgehen der Leistungen wäre dadurch nicht zu be⸗ fürchten. Auch gegen einen späteren Anfang des Schulunterrichts in den Wintermonaten würden pädagogische Bedenken nicht bestehen. Das Wohlwollen des Hauses gegenüber den Wünschen der Oberlehrer und die Erklärung des Ministers hierzu ist mit Freuden zu be⸗
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rrüßen. Aber von seiten des Finanzministers wird wohl noch ein sselfe Widerstand zu erwarten sein. Ich möchte mit der Hoffnung dnene. 89 dieser Widerspruch im nächsten Etat nicht in Er⸗ einung trit Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat Dr. Köpke: Bei den Erörterungen der Reformfrage ist das Wort Reform nicht immer in einem ganz zutreffenden Sinne ede worden. Wir wollen nicht verwechseln: Reform des höheren Schulwesens und Ein⸗ führung einer Reformschule. Ich glaube, es wäre nicht richtig, dem humanistischen Gymnasium eine zu geringe Bedeutung für die Geistesbildung beizumessen. Es ist nicht angebracht, daß man von veralteten Gymnasialeinrichtungen und von modernen Reformschulen spricht. Es handelt sich überhaupt bei dieser Frage nicht bloß um die e von Schulen, sondern um die Zahl der Schüler und die Verschiebungen, die darin in den letzten Jahren eingetreten sind. Im Winter 1882/83 gab es unter den Schülern der höheren Lehranstalten 63 % Gymnasiasten, 27 % Realgymnasiasten und 10 % Schüler von lateinlosen Real⸗ schulen. Es waren rund 128000 Schüler. Im Winter 1905/06 aber hatten wir in Preußen rund 200 000 Schüler höherer Lehranstalten. Davon sehörten nur noch 52,4 % Latein und Griechisch treibenden An⸗ ftalten an, 16 % den Realgymnasien und 31 % den lateinlosen Realanstalten. Es ist also bei letzteren in dem genannten Zeitraum ein Steigen von 10 auf 31 % zu verzeichnen. Die Wünsche einer Umwandlung in Reformschulen werden immer berücksichtigt; die Unterrichtsverwaltung tritt da niemals hindernd in den Weg. Der Kommissar geht dann noch auf die Frage des Ersathnterr. ts für Griechisch und auf die Frage der Reform der Vorschriften über die und die Reifeprüfung ein. bg. Eickhoff (frs. Volksp.): Auch meine Freunde begrüßen es mit Feseh daß die vorbereitenden Schritte zur Aenderung der bisherigen Einrichtung auf dem Gebiete des Mädchenschul⸗ wesens zu einer Verstäͤndiaung geführt haben, die den Namen einer Reform verdient. Wir freuen uns der Ankündigung des Kultusministers und des Ministerialdirektors, und wir schließen uns auch dem Ausspruch des Herrn von Heydebrand an, daß die Mädchenschulbildung der Knabenschulbildung zwar nicht gleich⸗ artig, aber gleichwertig sein soll. Auch Frauen wird man als Lehrerinnen, so auch als Leiterinnen der höheren Mädchenschulen an⸗ stellen können. Lateinisch und Griechisch sollten in den Studien⸗ anstalten wahlfreie Fächer sein. Es ist doch jetzt den Abiturienten der nicht Latein treibenden Anstalten die Universität, abgesehen vom theologischen Studium, geöffnet; was sie an Latein und Griechisch brauchen, könnten sie sich auf privatem Wege erwerben. Mehr sollte man auch von den Mädchen nicht verlangen. Der obligatorische Unterricht in vies ffächean sollte also von dem Oberbau dieser Or⸗ ganisation ausgeschlossen bleiben. Ich hatte mich aber aus anderen Gründen zum Worte gemeldet. Ich muß auf den im Vorjahre vom Hause widerspruchslos angenommenen Antrag zurückkommen, welcher den älteren Oberlehrern auch bei weniger als 12stündigem Unterricht in der Woche gewisse Vergünstigungen des Normaletats zuwenden wollte. Der in dieser Beziehung ergangene Ministerialerlaß hat keine rück⸗ wirkende Kraft und ändert an den bisherigen Verhältnissen so gut wie nichts. Die Unterrichtsverwaltung hat ase. die Finanzverwaltung nicht von der Berechtigung dieser Forderung überzeugen können; denn daß sie den Versuch dazu gemacht hat, nehme ich ohne weiteres an. Die ablehnende Haltung der Verwaltung hat in den beteiligten Kreisen große Mißstimmung hervorgerufen. Es handelt sich um ein altes Unrecht, das längst hätte beseitigt werden sollen. Viele ältere Oberlehrer leiden darunter, die Tüchtiges leisten, aber ohne ihr Ver⸗ schulden lange Zeit auf ihre Anstellung haben warten müssen. Wer vor der Anstellung lange Zeit hindurch zur Aushilfe herangezogen worden ist, aber sartgesest dem Provinzialschulkollegium unter⸗ standen hat, soll dieser Wohltaten des Normaletats nicht teil⸗ haftig werden. Mir ist eine solche Differenzierung nicht verständlich. Und nicht nur wegen der 12 Stunden, sondern auch aus anderen Gründen bleiben Gesuche um Anrechnung der Dienstzeit vor der An⸗ stellung unberücksichtigt. Diese Frage greift in das Berufsleben der Ober⸗ lehrer so tief ein, daß die Unterrichtsverwaltung sie nicht unterschätzen sollte. Im neuen Richterbesoldungsgesetz soll die Wartezeit der Richter vor der Anstellung zu bestimmten Graden angerechnet werden. Was den Richtern recht ist, sollte den Oberlehrern billig sein. Ich bitte die Regierung, alle Gesuche um Anrechnung der Wartezeit der Oberlehrer wohlwollend zu prüfen und möglichst zu berücksichtigen. In einem anderen Fan muß ich der Regierung meinen Dank aus⸗ sprechen, nämlich dafür, daß sie den Wünschen der Direktoren an den Nichtvollanstalten durch einen neuen Nachtrag zum Normaletat ge⸗ recht geworden ist. Neben den Gehältern der Oberlehrer müssen ferner auch die Gehälter der Direktoren und der Provinzialschulräte wesentlich aufgebessert werden. Namentlich sind die Wohnungspreise in den letzten Jahren so gestiegen, daß Gehalt und Wohnungsgeld⸗ zuschuß nicht mehr in einem richtigen Verhältnis zueinander stehen. Unter solchen Verhältnissen werden viele Oberlehrer früh⸗ zeitig aufgerieben und in ihrer Berufsfreudigkeit beeinträchtigt. Die Direktoren werden vielfach mit Arbeiten beschäftigt, die nicht eigentlich zu ihren Aufgaben gehören; sie klagen über die vielen Bureau⸗ und Schreibarbeiten. Ich möchte deshalb die frühere An⸗ regung wiederholen, den Direktoren der größeren Anstalten ständige Sekretäre zu geben, die vollauf beschäftigt sein würden. Was die innere Organisation der höheren Lehranstalten betrifft, so habe ich schon früher mit Genugtuung betont, daß das höhere Schulwesen unter der Mitwirkung des Ministeriums sich in erfreulicher Ent⸗ wicklung befindet. Die Frage der Gleichberechtigung der Anstalten ist glücklicherweise gelöst. Sehr erfreulich ist, daß die Abiturienten der Oberrealschulen endlich zum medizinischen Studium zugelassen sind. Das ist das Verdienst des Mannes, der leider schon längere Zeit durch Krankheit vom Regierungstische ferngehalten wird. Nach⸗ dem die Gleichwertigkeit der humanistischen und der realistischen Anstalten grundsätzlich anerkannt ist, kann das Griechische und Lateinische nicht mehr als notwendige Grundlage der allgemeinen Bildung angesehen werden, deshalb sollte man es auch den Medizinern überlassen, sich selbst die Kenntnisse des Lateinischen anzueignen. Es soll aber diese Kenntnis schon . der Oberrealschule erworben werden als Vorbedingung für die Zulassung zum medizinischen Studium. Es muß auch der Privatunterricht im Lateinischen als wahlfreier Unterricht zugelassen werden. Dem Charakter der Oberrealschulen würde dadurch kein Eintrag geschehen. Jede Schulform muß sich frei in ihrer Eigenart entwickeln können. Ich verkenne auch nicht die großen Verdienste, die sich das Gymnasium erworben hat. Zu begrüßen ist auch mit Freude die e der Reformschulen, deren Zahl schon bis auf 95 in Preußen gestiegen ist. Die Zahl der Gegner der Reformschule chwindet immer mehr. Natürlich verlange ich nicht, daß nur Re⸗ ormschulen eingerichtet werden, für solche Schematisierung bin ich nicht, denn auch auf dem Gebiete der Bildung führen viele Wege nach Rom. Die Reformschule hat sich namentlich in den kleinen Städten bewährt, wo neben einer sechsklassigen Realanstalt nur eine höhere Anstalt sich befindet. Namentlich hat sich das Reform⸗ venne. bewährt. Die Reformschule hat die Gleichwertigkeit der umanistischen und realistischen Anstalten in der Praxis zur Geltung Pöree Immerhin beweist aber die Statistik noch, daß die Zahl der m
ymnasien fast das Doppelte von derjenigen der Realanstalten aus⸗
acht, und das entspricht nicht mehr den modernen Anforderungen. In 113 Städten, darunter 98 mit Königlichen Gymnasien, gibt es lediglich ein Gymnasium als höhere Lehranstalt. Ich freue mich, daß die Regierung auf dem Wege der Umwandlung in Reformschulen fortschreiten will. Zunächst sollten an vielen Gymnasien griechischlose Klassen eingerichtet werden. Stellt sich dann heraus, daß die größere Zahl der Schüler der realistischen Bildung den Vorzug gibt, so muß die Umwandlung in eine Reformschule stattfinden. Ich stehe mit dieser Ansicht nicht allein, Herr Ramdohr hat sich ebenso ausgesprochen, ferner auch konservative Männer, und ich habe mich schon früher auf den Fürsten Hatzfeldt, den Vertreter Breslaus im Reichs⸗
tage, berufen können. Es handelt sich eben nicht um eine Parteifrage, aber um eine Frage, die von größter Bedeutung für
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die Entwicklung unseres höheren Schulwesens ist. Im üb bestebt die alt. Klage fock, daß unsere Schäler mit icen Zuviel an Stoff überbürdet sind. Man könnte die Unterrichtsstunden auf 40 oder 45 Minuten verkürzen und den wissenschaftlichen Unter⸗ richt lediglich auf den Vormittag verlegen. Versuche in dieser Richtung sind ja schon gemacht worden. Auch hier gilt es wie im wirtschaftlichen Leben: die verkürzte Arbeitszeit bedeutet noch nicht eine Verkürzung der Arbeitsleistung. In Frankfurt hat man in dieser
insicht gute Erfahrungen bereits gemacht. Eine Eingabe in dieser
rage an die Unterrichtsverwaltung hat zahlreiche Unterschriften ge⸗ unden, und auch Prinzen haben sich diesen Gedankengang zu eigen gemacht. Bei dem neusprachlichen Unterricht könnten die schriftlichen ö wesentlich eingeschränkt werden. Das ist leider von der nterrichtsverwaltung abgelehnt worden, es herrscht in dieser Hinsicht ein gewisser Mangel an vr. Ich bitte die Verwaltung aber mit frischem Wagemut alle Reformyvorschläge vorurteilsfrei zu prüfen. Geheimer Oberregierungsrat Tilmann erörtert die Gründe, aus denen den Oberlehrern, die nicht mehr als zwölf Stunden wöchentlich Unterricht erteilen, die Hilfslehrerzeit nicht angerechnet werden könne, erkennt aber an, daß in einzelnen Fällen Härten entstehen könnten, die vermieden werden müßten. aß die Dienstzeit an Privatschulen nicht angerechnet werde, habe seine guten Gründe, immerhin aber werde diese ganze Frage mit Wohlwollen behandelt. Das Uebermaß von Schreibarbeit für die Direktoren lasse sich nicht generell beseitigen. Es könne nur von Fall zu Fall darüber ent⸗ sehhen werden. Bei einzelnen größeren Anstalten sei den Direktoren ereits als Schreibhilfe eine nebenamtliche Hilfskraft gestellt worden. Es werde in jedem einzelnen Falle zu prüfen sein, ob der geeignete Moment da sei, um eine Vollkraft dafür anzustellen.
Abg. Dr. Arendt (freikons.): Nachdem ich seit langen Jahren be⸗ rechtigte 8. darüber geführt habe, daß die Unterrichtsverwaltung der Frauenbildung so wenig gerecht wird, gereicht mir die heutige Er⸗ klärung des Kultusministers zu besonderer Genugtuung, und ich hoffe, daß der Entwurf mit vollem Nachdruck zur Ausführung gelangt. Ich gehe so weit, zu sagen, daß, wenn dieser Entwurf inach. geführt ist, unsere Mädchenschulbildung weiter fortgeschritten sein wird als unsere Knabenschule. Der Abg. von Heydebrand hat mit Recht als wichtigsten und besonderen Vorzug hervorgehoben, daß die Gabelung für die künftige Fortbildung unserer Töchter in einen so späten Zeitpunkt — nach 9 Jahren — gelegt ist. Die Mädchenschulen haben somit einen 9 jährigen gemeinsamen Unterbau, während dieser sich bei den sog. Reformschulen der Knaben nur auf 6 Jahre erstreckt. Aber den von Herrn von Heydebrand gefürchteten stärkeren Zudrang des weiblichen Geschlechts zur Universität infolge dieser Reform fürchte ich nicht, da gerade die so späte Gabelung besser als bisher zeigen wird, welche Elemente des weiblichen Ge⸗ schlechts genügend für das vhr assirstsftegütn begabt sind. Gegen den Ausdruck „Lyzeum“ für die auf den 9 jährigen Kursus aufgesetzte mehr praktische Fortbildungsanstalt möchte ich mich deshalb wenden, weil hier wieder ein Fremdwort gebraucht wird, und zwar gerade für eine Anstalt, auf der die fremden Sprachen nicht die Hauptsache sein sollen. Ich begrüße es, daß nach den Vorschlägen des Kultus⸗ ministers neben der geistigen Ausbildung des weiblichen Geschlechts die Ausbildung auch in wirtschaftlicher und sozialer Richtung gefördert werden soll. Mit besonderer Anerkennung habe ich auch die Worte des Herrn von Heydebrand aufgenommen, daß bei diesen Vollanstalten die weiblichen Lehrkräfte als völlig gleich⸗ berechtigt mit den männlichen Lehrkräften angesehen werden solle⸗ Wenn die Schulfrage eine Lehrerfrage ist, wie Herr Ministerialdirektor Schwartzkopff so richtig sagte, so kann man auch bergerabtt sagen, daß die Lehrerfrage eine Schulfrage ist, und daß deshalb eine Ergänzung dieses ganzen Reformprogramms zweifellos in einer gesetzlichen Regelung der Lehretverhältnisse an allen diesen Schulen liegen muß. Wird dieses Reformprogramm verwirklicht, so wird damit allen berechtigten An⸗ forderungen der modernen Zeit hinsichtlich der weiblichen Bildung ge⸗ nügt sein. Wir dürfen dann aber nicht zurückbleiben in der Bildung für die männliche Jugend. Ich halte es zwar für veraltet, wenn auch heute noch vom Unterschiede humanistischer und realistischer Bildung gesprochen wurde, denn dieser Streit ist völlig abgeschlossen worden durch die Anerkennung der vollen Gleichberechtigung der verschiedenen höheren aber als nächster Schritt zur Vollendung des ganzen Reformwerks wird der umfassende Ausbau der höheren Lehranstalten zu Reformschulen er⸗ folgen müssen. Der Ausdruck „Reformschule“ ist ja nicht ganz glück⸗ lich, es ist keine Schulart, sondern es handelt sich nur um eine andere Verteilung des Lernstoffes. Das Reformschulsystem ist für den Schulbetrieb praktischer und auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus besser. Es wird dadurch, daß vom 6. Unterrichtsjahre an eine Gabelung für die humanistische und realistische Bildung eintritt, erreicht, daß man besser übersehen kann, welche Knaben mehr für die humanistische Bildung sch eignen, und so wird den Gymnasien der Ballast ferngehalten. Der Minister hat ja selbst von den günstigen Erfahrungen dieses Systems gesprochen. Diese Bewegung für die Reformschule wird ebenso unaufhaltsam sein, wie es seinerzeit die für die Gleichberechtigung der höheren Lehranstalten war. Die Reformschulen sind heute noch so vereinzelt, daß es bei Versetzungen von Offizieren und Beamten deren Knaben oft sehr schwer fällt, sich in die neuen Verhältnisse zu finden. In den Städten, die nur eine höhere Lehr⸗ anstalt besitzen, sind diese ja oft gegenseitig sehr verschieden, und die Städte “ große Opfer bringen, um die Umschulungen von Gymnasien auf Realgymnasien und Realschulen zu ermöglichen. Das System der Reformschulen wird hier große Erleichterungen schaffen. Deshalb bitte ich, diese Frage nicht vom engen Standpunkt der Schulbildung, sondern vom weiten Standpunkt des praktischen Lebens aus zu betrachten. Dadurch wird gleichzeitig eine praktische Lösung der Mittelschulfrage überhaupt angeschnitten. Auch ich halte Vorsicht für durchaus am Platze gegenüber Schulreformen, aber wenn die Regierung jetzt hbei Mädchen erst nach 9 Jahren eine Gabelung der spezielleren Ausbildung für möglich hält, so wird doch bei Knaben das nach sechs Jahren mindestens ebenso möglich sein. Das humanistische Gymnasium wird dadurch nicht bedroht, den Streit darüber wollen wir der Zukunft he eöar Zum Schluß habe ich noch zu bemerken, daß 1 Antrag erst heute an das Haus gelangen konnte; wir möchten daher die Abstimmung bis zur dritten Lesung
aussetzen, damit die Fraktionen bis dahin Stellung zu dem Antrag nehmen können. Abg. von Kessel (kons.): Namens eines großen Teiles meiner politischen Freunde kann ich schon heute erklären, daß wir gegen den Antrag stimmen werden. Die Ausführung des Antrages würde 8. sicher
einige wirtschaftliche Vorteile bringen, es ist auch möglich, daß in Zukunft die seermopeeaeh sich so bewähren, daß man ihnen eine weitere Ausdehnung geben kann, aber bis heute ist der Beweil dafür noch nicht erbracht. Mit der Einrichtung der Reformgymnaszen sollte zunächst ein Versuch gemacht werden, der aber heute noch ni als abgeschlossen gelten kann. Es ist auch möglich, daß in den nächsten Jahren es sich vielleicht zeigen wird, daß diese Reformgymnasien im Durchschnitt bessere Leistungen als die humanistischen Gymnasien aufweisen werden. Das liegt daran, daß man den Reformgymnasien eine be ondere Aufmerksamkeit zuwendet und die besten Lehrkräfte bei ihnen vorhanden 89 Man behandelte eben die ganze Sache als etwas Neues mit großer ufmerksamkeit. Ich würde aber nicht geneigt sein, weiter an dem humanistischen Gymnasium rütteln zu lassen. Würden wir heute den
Antrag Arendt annehmen, so würde dem humanistischen Gymnasium
ein weiterer Pfeiler weggebrochen sein. Dem humanistischen Gymnasium drohen große Gefahren von verschiedenen Seiten, namentlich von der Seite, die sich für das Reformgymnasium begeistert. Ich stehe nicht auf dem Standpunkt, daß das Fümaneeische Gymnasium nicht das zu leisten imstande wäre, was man von ihm verlangt. Ich meine viel⸗ mehr, daß, wenn wir gerade in bezug auf kechnische Leistungen andere Nationen überflügelt haben, dies wesentlich auf die logische Schulung unserer besten Kräfte im Gymnasium zurückzuführen i
Man mnf vorläufig am Gymnasium festhalten, aber au
genau prüfen, ob einzelne Anstalten wirklich das Ziel des humanistischen Gymnasiums leisten. Auf dem vre Gymna r. soll der Junge dreierlei erreichen: 1) soll er wirklich arbeiten gelern
.
zudrücken, das Ganze in seinem Sinne zu
ich eine gute allgemeine Bildung angeeignet haben,
soll er sich eine g Pin cerweitern —* und foli ismus vom Gymnasium mitbringen, nicht nur in
4 einen, ocher Wezehung, sondern eine ideale Weltanschauung viffeajug die ihm durch das Leben erhalten bleibt und ihn über -5 Fährlichkeiten hinwegbringt. Wir die wir für 8 humanistische Gymnasium eintreten, haben die Pflicht, e; voller Offenheit die Frage zu beantworten, ob diese Bedingungen mit noller at sind. Diese Frage ist aber nicht mit einem Wort zu 1e. Cs ist keine Frage, daß einzelne Anstalten dieses Ziel
6, 2 2 jeder Richtung
beantworten.
erreichen, andere weniger. Manche Anstalten leisten ganz Hervor⸗
an anderen besteht aber die Klage, daß der Unterricht über⸗
aagendeszen it, eund daß häuftg an, das Pflichtgefühl der Schüler
ird, wo vielmehr sein Interesse erregt werden sollte. Da⸗ crpellten teht ein gewisser Widerwille bei den Schülern, und auf desem Grunde kann natürlich eine ideale Begeisterung für die Wissen⸗ schaften nicht erwachsen. Wenn ich an meine eigene Schulzeit zurück⸗ denke — ich habe mich seitdem noch vielfach mit diesen Fragen beschäftigt so sind meine Er ahrungen dieselben gewesen, die ich eben aussprach. Dle Mehrzahl der Stunden sind öde und nicht anregend. Aber eines Lehrers gedenke ich mit besonderer Begeisterung; er gab deutschen Unterricht, und wenn er uns an dem romantischen Oedipus in die Schönheiten der Platenschen Sprache einführte, so erweckte er auch bei dem törichtsten Schüler für diese Romantik Begeisterung. Gewisse Hindernisse lassen allerdings das Ziel des Gymnasiums nicht voll erreichen. Selbstverständlich ist nicht jeder Lehrer ein erstklassiger Pädagoge und kann die Schüler nicht so be⸗ eistern, wie der von mir erwähnte, und die überfüllten Klassen zindern die individuelle Behandlung der Schüler, aber alles das kann uns nicht überzeugen, daß es nicht möglich wäre, den Unterricht besser zu gestalten. Der Beruf des Lehrers ist einer der schwersten, die es gibt, es werden zu viele menschliche Anforderungen an ihn gestellt, er soll nie ausruhen und immer frisch sein, und alle diese Schwierigkeiten sind natürlich ganz ungeheuerlich. Wenn daraus auch eine gewisse Eintönigkeit erklärlich wird, so muß trotzdem der Grundsatz bestehen bleiben: Jede Methode ist erlaubt, nur die lang⸗ weilige nicht. Wir müssen nach jeder Richtung den Beruf den Lehrern zu erleichtern suchen, ich freue mich deshalb, daß das Haus übereinstimmend für die Gehaltserhöhung der Lehrer eingetreten ist. Das ist immerhin ein wichtiger Punkt, der manchem Lehrer wieder mehr Mut gibt. Bedenken Sie weiter das Schicksal eines Lehrers, der mit 25 Jahren in eine Kleinstadt kommt und sein ganzes Leben dort bleibt, dessen Verkehr auf Kollegen und Schüler beschränkt ist; daß da eine gewisse Einförmigkeit und Langweiligkeit bei den Herren eintritt, kann ihnen niemand übelnehmen. Man sollte deshalb häufiger Versetzungen jüngerer Lehrer von einer Stadt in die andere und womöglich “ Austausch zwischen größeren und kleineren Städten stattfinden lassen. Ueberlastend sind für die Lehrer nicht die 22 oder 24 Unterrichtsstunden, sondern die Nebenarbeiten. Wenn ein Lehrer der Untersekunda wöchentlich eine lateinische Arbeit bei 40 Schülern schreiben läßt, so macht das in 40 Wochen 1600 zu korrigierende Arbeiten aus; dazu kommt noch alle Vierteljahre eine Uebersetzung aus dem Lateinischen ins Deutsche, und das macht 160 Arbeiten. Derselbe Lehrer lehrt in der Unterprima vielleicht Griechisch und hat da auch nicht weniger schriftliche Arbeiten zu korrigieren, sodaß er im Jahr vielleicht für 3000 Arbeiten Korrektur⸗ arbeit hat. Das Korrigieren an sich macht nicht viel aus, wohl aber das unglaublich Eintönige und Langweilige dieser Arbeit. Wenn man da noch verlangt, daß der Lehrer in persönlichen Konnex mit den Schülern treten soll, so ist das zu viel. Ferner scheint mir, daß an gewissen Anstalten eine große Anzahl älterer Lehrer ist, während an anderen eine bessere Verteilung nach dem Alter besteht. Diesem Uebelstand würde leicht abzuhelfen sein, wenn man auf den Vorschlag häufigerer Versetzung der Lehrer einginge. Den Vorrednern stimme ich darin zu, daß die Direktoren von Ver⸗ waltungs⸗ und Bureauarbeiten entlastet werden müssen. Diese Tätig⸗ keit entzieht sie ihrem eigentlichen Fache fast ganz und gar. Erst wenn den Direktoren diese Arbeit abgenommen wird, werden sie ihre Aufgaben voll erfüllen können. Ein Direktor soll fähig und imstande sein, sei ne Persönlichkeit der Anstalt, der er vorsteht, auf⸗ leiten. Wenn sie mit anderen Arbeiten überlastet sind, können sie die Lehrer und die Schüler nicht genügend kennen lernen. Die Visitationen durch Schulräte finden alle Vierteljahre statt, man weiß vorher, wann der betreffende kommt, ind dann bereitet man sich wie beim Militär darauf vor, sodaß Fr igen und Antwort vorher ganz genau einstudiert werden. Diese Visita ionen sind unnütz. Wenn der Direktor wirk⸗ lich kontrolliert werden muß, müßten die Visitationen viel öfter statt⸗ nden. Bei einzelnen Fächern wird bei der Lektüre der Schriftsteller n manchen Schulen viel zu viel Wert auf die Form gelegt und uch in der Auswahl der Schrifsteller gefehlt. Die grammatikalischen Dinge sollten sich auf ein äußerstes Minimum beschränken. Es st auch nicht durchaus erforderlich, daß sämtliche Reden Ciceros elesen werden. Es ist nicht richtig, wenn ein Lehrer darauf olz daß der Cäsar z. B. ohne einen einzigen Fehler elesen werden kann. Leider bringt es der Unterricht selbst manchmal mit ch, daß die Schüler die „Klatsche“ ebrauchen. Es müssen Mittel und Wege Seh e werden, um die latsche an unseren Gymnasien ganz zu beseitigen. Dazu wäre es jelleicht gut, daß mehr als bisher extemporiert wird. Die schrift⸗ ichen Arbeiten müßten beschränkt werden. Manche Schüler leisten m Schriftlichen nicht Genügendes, wohl aber im Mündlichen. Der unkelste Punkt ist der Unterricht im Deutschen. Die Schüler müßten angewiesen werden, zu Hause schwierige Sachen zu lesen und arüber nachzudenken, damit die Schüler selbständig sich eine Bildung erschaffen. In Schulpforta fällt einmal der Unterricht in der Woche aus, damit die Schüler für sich arbeiten können. Das halte ch für einen sehr großen Vorteil. Es fragt sich allerdings, ob es an allen Schulen möglich sein würde. An manchen Schulen wird ein halbes Jahr Wallenstein gelesen; wie kann man dabei schließlich noch Interesse verlangen? Warum werden nicht lieber die herrlichen Natur⸗ childerungen im Faust den Schülern zu Gemüte Fefssrt⸗ An inzelnen Gymnasien hält ein Lehrer Vorlesungen über Kunstgeschichte, nd ich halte das für eine ausgezeichnete Einrichtung. Auch an dem Religionsunterricht hätte ich mancherlei Ausstellungen zu machen. In der Geschichte fehlt eine einheitliche Leitung. Auf vielen Gym⸗ nasien werden zu viel Daten und Zahlen gelernt, und auf die ältere Geschichte wird mehr Wert gelegt, als auf die neuere Geschichte. Die Versuche, die Geschichte umgekehrt, von der neuesten Geschichte an⸗ angend, zu lehren, was ich für ganz unmöglich halte, haben sich als vergeblich erwiesen. Aber leider ist man in das andere Extrem ge⸗ allen, in der Prima die neueste Geschichte ganz wegfallen zu lassen. Ich will nicht, daß politische Geschichte getrieben wird, aber die Verfassungsgeschichte, auch die englische, muß doch werden. Im Französischen mangelt es heute leider noch den Lehrern selbst an einer guten Aussprache. Das Gymnasium soll starke, kraftvolle Männer ausbilden, die allen Gefahren des Lebens gewachsen sind, aber hren Idealismus sich bewahren.
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Minister der geistlichen, Unterrichts⸗ angelegenheiten Dr. von Studt:
Meine Herren! Die Generaldebatte über das Kapitel der höheren Lehranstalten hat in den Ausführungen der sämtlichen Herren Vor⸗ edner ein außerordentlich reiches Material von Anregungen für die
Unterrichtsverwaltung geliefert, und ich kann namens der Unterrichts⸗ verwaltung für diese Anregungen nur den wärmsten Dank aussprechen. Allerdings mit einer Reserve: ich kann nicht verschweigen, daß doch auch erhebliche Irrtümer vorgekommen sind. Namentlich die soeben
ehörte Rede des Herrn von Kessel veranlaßt mich, sofort auf einige
Irrtümer aufmerksam zu machen, zumal da, wenn man alles, was
und Medizinal⸗
dder Herr Abgeordnete bezüglich der Durchführung unserer neuen Lehr⸗
pläne hier zur Sprache gebracht hat, als vollständig zutreffend an⸗
nehmen sollte, dies ein geradezu betrübendes Bild ergeben würde. (Abg. Cassel: Sehr richtig!) Ich bitte, zunächst hervorheben zu dürfen, daß die in bezug auf Cicero angeführten Bemängelungen doch insofern irrtümlich sind, als in den Lehrplänen die verschiedenen Reden Ciceros nur als Beispiele hingestellt sind und zur Auswahl empfohlen werden. Es ist also durchaus nicht erforderlich, daß sämtliche ciceronianischen Reden, die in den Lehrplänen aufgeführt sind, auch in den betreffenden Klassen durchgenommen werden.
Was nun die Religion anbetrifft, meine Herren, so gestatte ich mir gegenüber dem wirklich ziemlich schwerwiegenden Vorwurfe darauf hinzuweisen, daß in den neuen Lehrplänen von 1901 hinsichtlich der Kirchengeschichte ausdrücklich betont ist:
Es bleibt dabei stets das Ziel im Auge zu behalten, daß der Schüler zu verständnisvoller Teilnahme an dem kirchlichen Leben der Gegenwart befähigt werde.
— Das ist gerade für die Oberstufe als maßgebend hingestellt. — Die christliche Glaubens⸗ und Sittenlehre wird nicht nach einem System, sondern im Anschluß an die neutestamentlichen Schriften und in Verbindung mit der Erklärung der Augustana gelehrt. Dabei sind die Schüler auch mit den Unterscheidungslehren der christlichen Hauptbekenntnisse bekannt zu machen. Auch in der Prima des Gymnasiums ist beim Lesen der neutestamentlichen Schriften im allgemeinen der deutsche Text zu Grunde zu legen; daneben ist der griechische Text heranzuziehen, um die Schüler zum Zurückgreifen auf den Urtext anzuleiten;
es steht aber ausdrücklich am Schluß: es ist aber vorzusehen, daß der Unterricht dadurch nicht einen philo⸗ logischen Charakter bekommt und sein Hauptzweck gefährdet wird.
(Zuruf rechts: Geschieht aber!) Meine Herren, ich gebe zu, daß nach
dem Satz: „errare humanum“ so mancher Irrtum, so mancher
Fehlgriff einzelner Lehrer vorkommen mag. Aber ich glaube doch,
unsere preußischen Oberlehrer gegen eine Verallgemeinerung dieses
Vorwurfes in Schutz nehmen zu müssen und aussprechen zu können⸗
daß solche Fehler immer seltene Ausnahmen und nicht die Regel sind.
Meine Herren, was nun den Unterricht im Französischen an⸗ betrifft, so habe ich an den zahlreichen Gymnasien, die ich auch während meiner ministeriellen Stellung revidiert habe, zu meiner Freude feststellen können, daß die diesseitigen Weisungen eine ganz er⸗ heblich bessere Ausgestaltung des französischen Unterrichts zur Folge gehabt haben. Ich habe zufällig in meinem elterlichen Hause Gelegenheit gehabt, von einem geborenen Franzosen den Unterricht zu erhalten, der sich natürlich wesentlich von dem unterschied, den man in früheren Jahren — das gestehe ich ohne weiteres zu — auf dem humanistischen Gymnasium in vollständig unzureichender Weise erhalten hat. Die frühere Unterrichtsmethode im Französischen war vielfach eine reine Karikatur (sehr richtig!); für das praktische Leben hatte sie kaum einen Wert. Man konnte höchstens diesen oder jenen Schriftsteller mal lesen; damit war aber die Fähigkeit des Verständnisses zu Ende; vor allen Dingen war es kaum möglich, irgend eine französische Zeitung zu lesen, weil man sofort vis-à-vis de rien in der Kenntnis einer ganzen Menge von Ausdrücken stand.
Nun aber bitte ich Sie, sich gegenwärtig zu halten, daß zufolge der in neuerer Zeit getroffenen Anordnungen die neusprachlichen Lehrer zum Unterricht überhaupt erst dann zugelassen werden, wenn sie im Aus⸗ lande, sei es in England, in Frankreich, oder in der französischen Schweiz, praktische Erfahrungen gesammelt haben, und daß außerdem diese Methode insofern eine ganz andere geworden ist, als die Lehrer ver⸗ pflichtet sind, in einer Art von Konversation mit den Schülern den Text der gelesenen Stücke in der betreffenden Sprache selbst zu er⸗ läutern. Auf diese Weise ergibt sich eine Fähigkeit, wechselseitige Gespräche zu führen, die außerordentlich wertvoll für das praktische Verständnis ist. Dabei darf allerdings das humanistische Gymnasium — und das, glaube ich, ist ein sehr guter Kern seiner Aufgabe — den grammatischen Teil dieser Kenntnis auch der modernen Sprachen nicht vernachlässigen. Daran halte ich immer fest, und ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß gerade die Detailkenntnis der Grammatik erst in den richtigen Geist der Sprache einführt. (Sehr richtig!) Ich bin also der Meinung, daß in dieser Beziehung denn doch nicht solche Uebelstände bestehen, bezw. wenn sie bestanden haben — vielleicht in der Zeit, wo der Herr Abg. von Kessel das Gymnasium besucht hat —, daß sie inzwischen nun gründlich beseitigt sind. Es ist ja natürlich nicht möglich, das Material an neusprachlichen Lehrern sofort allen modernen Anforderungen entsprechend vollkommen zu ersetzen; aber ich muß für die neusprachlichen Lehrer in Anspruch nehmen, daß die jetzt in das Amt tretenden und vielfach auch schon seit einer Reihe von Jahren darin Befindlichen, welche durch Reisen und Uebungen sich vervollkommnet haben, den modernen Anforderungen durchaus ge⸗ wachsen sind.
Nun habe ich mich noch gegen den Herrn Abg. Eickhoff zu wenden, der unter Berusung auf einen Universitätslehrer die allermodernsten Anforderungen in bezug auf die gesamte Gestaltung des Unterrichts derartig in den Vordergrund gestellt hat, daß von den alten bewährten Einrichtungen unserer höheren Lehranstalten kaum noch etwas übrig bleiben würde. Meine Herren, in der Beziehung ist eine gewisse Vorsicht unbedingt geboten, und ich muß namentlich auch für das humanistische Gymnastum, welches mir persönlich besonders am Herzen liegt, doch das in Anspruch nehmen, daß in dem humanistischen Gymnasium eine Eigenart unserer deutschen Bildung gefoͤrdert wird, um die uns das Ausland beneidet. Es ist gar kein Zweifel, daß dieles von dem, was an streng logischer Verstandesbildung, was an Ver⸗ tiefung des Wissens gerade in unserm besonderen deutschen Bildungs⸗ stande gerühmt und auch auswärts anerkannt wird, in der Methode und in dem Lehrplan des humanistischen Gymnasiums liegt. (Sehr richtig!) Es mag richtig sein, daß, wenn man von dem humanistischen Gymnasium abgeht, man vielen Aufgaben der Technik und der realistischen Wissenschaften und Kenntnisse von vornherein nicht so ge⸗ wachsen ist, wie das durch die Oberrealschule und durch das Real⸗ gymnasium ermöglicht wird; aber, meine Herren, der Student und der junge Beamte hat meiner Ansicht nach nicht bloß die Gelegenheit, sondern auch die Pflicht, die Lücken seiner Kenntnisse auf den vor⸗ bezeichneten Gebieten zu ergänzen. Es gilt das namentlich auch von dem jungen Verwaltungsbeamten, der meiner Ansicht nach nichts Besseres tun kann, als als Student, als Referendar und Assessor in den Fortbildungskursen nach dieser Richtung hin sein Wissen nach
gebracht worden, die ich noch meinerseits zum Gegenstande einer
speziellen Ausführung machen möchte. Es ist das die Frage der
freieren Bewegung im Unterrichtsbetriebe der höheren Schulen. Daß
in dieser Beziehung eine Besserung und vor allen Dingen auch eine
Anregung von der Zentralinstanz aus notwendig ist, darüber habe ich nie
einen Zweifel gelassen, und besonders habe ich mich auch in meiner
Aeußerung vom 2. März 1905 darüber ausgesprochen. Es führt mich
dies dazu, meine damalige Aeußerung hier noch zu wiederholen. Da⸗
nach wird seitens einiger Lehrerkollegien noch immer nicht genug von
der ihnen zustehenden Bewegungsfreiheit Gebrauch gemacht; manches
Lehrerkollegium fühlt sich ohne Not durch die Lehrpläne eingeschränkt.
Die Lehrpläne von 1901 — ich möchte das nachdrücklich betonen —
wollen nur einen grundlegenden Anhalt bieten, nicht aber als beengende
und engherzige Vorschriften angesehen werden. Auf die Erfassung des
Geistes dieser Pläne kommt es an, nicht auf die mechanische Be⸗
achtung des Buchstabens. Aus einer solchen freieren Auffassung der
Lehrpläne ist aber die weitere Folgerung zu ziehen, daß auch die Vor⸗
schriften für die Reifeprüfung und für die Versetzungen in humanem
Geiste durchgeführt werden, damit denjenigen Schülern, die nach ihrer
ganzen bisherigen Arbeit und nach ihren Klassenleistungen unzweifelhaft
für reif zu halten sind, das Durchkommen auch gewährleistet wird. Sollten
die Bestimmungen an einer Stelle, wo es sich um die Ausgleichung von
weniger genügenden Leistungen in dem einen oder dem andern Fache
durch bessere Leistungen in andern Fächern handelt, zu eng gefaßt sein,
und sollte dadurch die Bewegungsfreiheit bei dem Schlußurteil zu sehr
eingeengt erscheinen, so werde ich zu der Weisung Anlaß nehmen, daß
auch hier eine freiere Bewegung den Prüfungskommissionen gelassen
werde (hört, hört!), und daß diese Kommissionen nach pflichtmäßigem Ermessen selbst zu entscheiden haben, ob und inwieweit sie weniger genügende Leistungen in dem einen oder dem anderen Prüfungsgegenstand durch die Leistungen des Schülers in anderen Gegenständen als aus⸗ geglichen angesehen wissen wollen. Meine Herren, mit solchen freieren Bestimmungen würde der Weg, auf den ich schon am 2. März 1905 hingewiesen habe, gangbar werden, also die Möglichkeit der Ersetzung eines sonst obligatorischen Faches durch ein freigewähltes, nicht obli⸗ gatorisches Fach oder größere Vertiefung in diesen oder jenen obli⸗ gatorischen Unterrichtsgegenstand geboten sein. Dadurch würde den oberen Klassen die von mir am 2. März 1905 schon angedeutete mehr akademische Gestaltung des Unterrichts in den oberen Klassen gegeben werden können im Interesse freudigerer Arbeit. Unserm höheren Schulwesen wird, wie ich bestimmt hoffe, hierdurch die Bahn einer günstigen Fortentwicklung geebnet sein.
Sie wollen daraus ersehen, daß der Unterrichtsverwaltung auch eine Fortentwicklung des humanistischen Gymnasiums hinsichtlich der Bewegungsfreiheit in den Unterrichtsgegenständen wesentlich am Herzen liegt. In Anknüpfung an die Darlegungen meines Kommissars, des Herrn Geheimrats Köpke, möchte ich noch hinzufügen, daß, so sehr die Unterrichtsverwaltung darauf Bedacht nehmen will, die Zahl der sogenannten Reformanstalten in geeigneten Fällen, namentlich da, wo die örtlichen Voraussetzungen gegeben sind, zu vermehren, auf der anderen Seite der Bestand des humanistischen Gymnasiums dadurch nicht in Frage gestellt werden darf. (Bravo!)
Ich glaube, daß die in dieser Beziehung abgegebenen Erklärungen Ihnen genügen können. Mich heute weiter in dieser Beziehung auszulassen, dazu habe ich keine Veranlassung, nachdem in Aussicht gestellt ist, daß der heute eingebrachte Antrag bei der ditten Lesung erneuert werden soll.
Was nun aber — und das ist eigentlich eine nicht unwichtige Frage — die häuslichen Arbeiten anbetrifft, so steht das Urteil, welches der von dem Herrn Abg. Eickhoff zitierte Universitätsprofessor abgegeben hat, doch in einem wesentlichen Gegensatz zu dem Urteil⸗ welches bewährte Pädagogen kundgegeben haben. Ich darf als Bei⸗ spiel ein Urteil hervorheben, welches etwa folgendermaßen lautet:
„In einer Zeit, wo die pädagogische Literatur vielfach einen unmännlichen, fast weiblichen Geist verrät, ist darauf hinzuweisen, daß nicht die Arbeit des Lernens, sondern der Sport, der Wegfall des Nachmittagsunterrichts, Abschaffung oder äußerste Beschränkung der Hausaufgaben, die durch Spielstunden ersetzt werden müssen, die Verkürzung des Lernens und der Lehrstunden als mustergültige Probleme gerühmt werden, welche der Erziehungskunst heute zu stellen sind, und das dritte Wort eines guten Bildes dieser Lite⸗ ratur ist das von der außerordentlich beklagenswerten und gemiß⸗ handelten Jugend.“
Hierzu ist hervorzuheben, daß wir vor einer vollständig unerfüll⸗ baren Aufgabe stehen würden, wenn die sogenannte Kurzstunde, also die Stunde von 45 Minuten, eingeführt und auf der anderen Seite gleichzeitig die häusliche Arbeit erheblich eingeschränkt werden sollte. Das ist nicht angängig. Die Unterrichtsverwaltung ist sehr gern be⸗ reit, diese Frage noch ernstlich zu prüfen. Daß wir Schritt vor Schritt mit den Forderungen der Gegenwart uns bewegen, dafür können Sie in dem „Zentralblatt der Unterrichtsverwaltung“ genügenden Anhalt finden. Ich bleibe dabei, daß es notwendig ist, doch ein ge⸗ wisses Maß der Anforderung auch an die häusliche Arbeit der Schüler zu stellen, wenn der Unterricht in der Schule eine Verkürzung erfahren soll. Es bleibt auch in dieser Beziehung das griechische Wort: 4 a dapelc νιρασασαοςο 00 racdeberat jedenfalls von Wert, und die Unterrichtsverwaltung wird sich nach den alten, bewährten preußischen Prinzipien gegenwärtig halten müssen, daß, wie der preußische Staat in allen möglichen Beziehungen des öffentlichen Lebens und namentlich bei seinem Beamtentum eine energische Leistung der geistigen und körperlichen Tätigkeit fordert, diesem Ziele entsprechend auch schon unsere Jugend herangebildet werden muß. (Bravo! rechts.)
Abg. Dr. Eckels (nl.) führt aus, wie wünschenswert und not⸗ wendig eine Festlegung des Ostertermins wäre, um die Schule den Schwankungen der HPfeerferien nicht mehr auszusetzen.
Geheimer Oberregierungsrat Tilmann erkennt diesen Wunsch als elbstverständlich und berechtigt an, aber in allen den darauf gerichteten vSeege spielten die kirchlichen Faktoren eine veen und nach dieser Richtung hin sei noch keine Klärung erfolgt, weil Rußland den Gregorianischen Kalender nicht aufgebe. Vielleicht ließe sich unabhängig von Rußland eine Festlegung des Osterfestes er⸗ ö ) Lenkt die Aufmerksamkeit auf den Umstand,
Abg. Faltin (Zentr.) lenkt die Aufmerksamkeit auf den daß Se derʒ Sülerbibriotheken hinsichtlich des botenen Lese⸗ toffes nicht immer ganz einwandfrei sei. — Für den dicht bevölkerten Kreis Rpbnik in Oberschlesten, wo bisher nur eine einzige höhere Lehr⸗ anstalt destebe, gibt der Redner der Regierung die Errichtung einer weiteren Anstalt anbeim.
Möglichkeit zu erweitern.
Meine Herren, eine besondere Frage ist heute hier zur Anregung
etats auf Dienstag 11 Uhr vertagt.
Um 4⁄ Uhr wird die weitere Beratung des Kultus⸗