1907 / 94 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 18 Apr 1907 18:00:01 GMT) scan diff

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wird unter den daselbst bezeichneten Bedingungen und mit der

Maßgabe, daß die Beschäftigung der Arbeiterinnen in Gemã heit der Ziffer III erst von 5 Uhr Morgens an darf, weiter bis zum 1. April 1912 nachgelassen. „Berlin, den 12. April 1907. Der Stellvertreter des Reichskanzlers. Graf von Posadowsky.

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Die von heute ab des Reichsgesetzblatts enthält unter Nr. 3318 die Bekanntmachung,

Berlin W., den 18. April 1907. Kaiserliches Postzeitungs ͤ

ß⸗ liche Fürstli owie die siattfinden 9e F 8,₰2

zur Ausgabe gelangende Nummer 16

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noch die Besiung des kankenßauses. Sämt⸗ rdensritter begaben sich Mittags

zur Fortsetzundg eierlichkeiten nach Schweri

Zu Begi er gestrigen Bürgerschaftssitzung be⸗ fragte der hag Abgeordnete und Redakteur des „Hamburger G Emil Fischer die Mitglieder der Depu⸗ tation für Han und Schiffahrt, welche Schritte diese Be⸗ hörde zur Begung des Hafenarbeiterkonfliktes getan habe undes sie zu tun gedenke.

Das Mitglsder Deputation Eiffe gab, dem Bericht des

3318 betreffend die Beschäftigun W. T. B.“ zus, eine aktenmäßige Darstellung der Entstehun von Arbeiterinnen auf Steinkohlenbergwerken, Zink⸗ 8 Bleg 1 erzbergwerken im Oppeln, vom 12. April 1907.

des Konfliktes uerklärte, daß dieser von den Schauerleuten pro⸗ voziert worden Dr. Karl Petersen von den vereinigten Liberalen rügte, Eiffe als Vertreter einer Hamburger Be⸗ hörde nicht unxkiisch gesprochen habe. Auch die politische Presse, speziell dHamburger Nachrichten“ und das „Hamburger cho“, hätten unerhörter Weise gesündigt, indem sie die Gegensätze vers der Aufgabe der politischen

Königreich Preußen. Ministerium der geistlichen, Unterrichts⸗ und * Medizinalangelegenheiten.

Die Kreisarztstellen des Stadt⸗ und Land

kreises Crefeld, Regierungsbezirk Düsseldorf, des Kreises

1 H Regierungsbezirk Köslin, und des Kreises Schild berg, Regierungsbezirk Posen, stelle des Kreises Teltow sind zu besetzen.

Ministerium des Innern. .

Auf Grund des § 4 Absatz 1 und 2 der Kreisordnun für die Provinz vom

durch die Stadt

vom 1. April d. J. ab für ausgeschieden, sodaß

Berlin, den 16. April 1907. Der Minister des Innern. von Bethmann Hollweg.

sowie die Gerichtsarzt⸗

31. Juli 1886 erkläre ich hier⸗ enscheid im Regierungsbezirk Arnsberg aus dem Verbande des Kreises Altena sie von diesem Tage ab einen Stadt⸗

Presse entspreche sie auszugleichen. Es sprachen dann noch

Dr. MommseSyndikus der Hamburg⸗Amerikalinie, und

Dr. Westphal Wr Fraktion der Rechten, der es für unzweck⸗

r äßig hielt, daß sice Deputation in den Konflikt einmische. Darauf wurdar Tagesordnung übergegangen.

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. Hesterreich⸗Ungarn b

Im ungarien Abgeordnetenhause beantwortete der Ministerpräsid Dr. Wekerle gestern eine Interpellation des Abgeordneten rkos, betreffend die alldeutsche Be⸗ wegung, und mi „W. T. B.“ zufolge, darauf hin, daß dieser Bewegung e allzugroße edeutung beizulegen sei. Die ungarischen Biden seien angewiesen, Agitationen, die den inneren Friederfährden, zu bekämpfen.

Gryritannien und Irland.

Im Oberhe. stand gestern das Flottenbau⸗ programm zur Bung.

Nach dem Bes des „W. T. B.“ führte Lord Ellen⸗ borough aus, daß dieine Reduktion des englischen Programms Deutschland zu weite Anstrengungen ermutigt werden würde, und das würde dann ir England zwingen, auch seinerseits die ent⸗

esto ser und König hörten heute niglichen Schlosse zu Homburg die Vortröge des Chefs des Zivilkabinetts, Wirklichen Geheimen Rats Dr. von Lucanus und des Chefs des Militärkabinetts, Generals der Infanterie Grafen von Hülsen⸗Haeseler.

Der Bundesrat versammelte sich heute su einer Plenar⸗

sitzung; vorher hielt der Ausschuß füͤr ustizwesen eine Sitzung.

Die Verkehrseinnahmen deutscher 3

für März 1907 betrugen nach der im Reichseisenbahn⸗ amt aufgestellten Uebersicht: g chseisenbahn

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gegen das Vorjahr mehr, weniger) im ganzen auf 1 km Proz.

Monat März 1907:

im auf

ganzen 1 km.

für alle Bahnen im

Personen⸗ 53 288 717] 1 1099—+7 883 197 + 150 + 15,64

verkehr. 133 453 036] 2 7122+5 725 228 + 76 ₰+ 2,88

Güter⸗ verkehr. für die Bahnen mit dem Rechnungsjahre April März in der Zeit vom pungt shes bis Ende März 1907: Personen⸗ verkehr . 573 727 842 13 7928— 38811690 + 733 + 5,61

Güter⸗ 1378975190] 32 402—+ 103421094 + 1 968 + 6,47

verkehr. für die Bahnen mit dem Rechnungsjahre Ignuht⸗— Pezembhee in der Zeit 595 1. 1907 bis Ende März 1907: Personen⸗ verkehr . 17 279 523] 2 809——1 120 065 + 131 + 4,89

Güter⸗ verkehr . 39 839 086] 6 276 1 480 901 + 79 1,27

Die Gesamtlänge der Bahnen betrug 49 397,74 k das Vorjahr + 795,27 km. Iu1“.“ Bei den Mehreinnahmen des Monats aus dem Personen⸗

verkehr kommt in Betracht, daß die Osterfeiertage 1906 in den April fielen 1 sterfeiertag 5 ganz

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Yltis vorgestern in Tschinwangtau eingetroffen und gestern von dort nach Esafn Fir zee gegangen.

„M. Flußkbt. „Vaterland“ ist vorgestern in Itschan (am Yangtse) eingetroffen. 8f

Ihrer Königlichen opesten des Großherzogs und der Großherzogin 8 Mecklen⸗ burg⸗Schwerin, des Prinzen Eitel⸗Friedrich von

In Anwesenheit

sprechenden Anstrengus zu machen. Der Erste Lord der Admiralität Lord Tweedmouth derte: die Politik, welche die Admiralität be⸗ folge, gehe von drei Ehtspunkten aus, die von allen Parteien des Landes gebilligt Fien. Erstens müsse sich England die Oberherrschaft zur Kahren ohne jede Rücksicht auf die Kosten; zweitens befinde sich Zland zur Zeit ohne Frage in dieser Lage, was das Ergebnis dZemühungen der verschiedenen Regierungen seit 20 Jahren sei; ßlich sei die Last der Ausgaben für die Flotte sehr groß es habe sich bereits ein zu scharfer Wettstreit in den gaben unter den einzelnen Seemächten entsponnen. Der Fer entwickelte sodann das Programm der Admiralität unfetonte , daß England zu Anfang des Jahres 1909 neunleue große Kriegsschiffe, einschließlich 4 Schiffe der Dreadnotklasse, besitzen werde, während keine andere Macht in Europa auchr ein fertiges Schiff, das diesen gleich käme, würde aufpeisen Fh⸗ ie einzige Macht, die Schiffe von dem Typ des „Dregd.., Kelser Zeit gebaut haben werde, sei das verbündete Japan. J. Bweedmouth die Politik der Admiralität, nur in kirier 2 uͤhrbare Programme aufzustellen, verteidigt hatte, wansd /e, 2Frage der Einschränkung der Flottenrüstungen zu und erkarte was die Haager Konferenz betreffe. Regierung au e. erklärt, daß sie sehr †eit sei, ein UeberFnkom mn sieser Art einzugehen, wenn die anderen Mächte bereit seiet dan er zu verhandeln und sich durch die Entscheidung der Konfeinz sün gehnden zu erachten. Wenn jedoch die Mächte dieses verchigern solltz, so trete England absolut unverpflichtet in die Konferenz hder mit Verpflich ung, daß, wenn die Mächte ihre Flottenprocamme aufhnen, England auch seinerseits sein Flotten⸗ programm krgrößern serde, um seine relative Stellung unter den Seemächten aufrecht n erhalten. Lord Cawdor, der früher Erster Lord der Adnalität war, drückte Lord Tweedmouth seine warme Zustimnung zuseiner Rede aus. Ja Erwiderung einer Be⸗ merkung Lord Hrasseychaß die durchschnitilichen Kosten für gepanzerte Kreuzer höher ge word seien, fügte Lord Tweedmouth hinzu, daß die Ansicht der Marisachverständigen in neuerer Zeit dahin gehe, daß große gepanzerte Luzer vorteilhaster seien, als kleinere Kreuzer. Er glaube nicht, daß end ein ausländischer Kreuzer imstande sein würde, einem Kreuzer m Typ des „Invincible“ standzuhalten.

Im Unterluse wurde gestern in zweiter Lesung die Novelle zumsatentgesetz einstimmig angenommen und darauf die Rierung über die Ausführung des deutschen Flottelauprogramms in den Jahren 1906 und 1907 inpelliert.

In Beantwortung r Anfeage erklärte der Unterstaatssekretär in der Admiralität Roberon, obiger Quelle zufolge, daß die Kiel⸗ legung der in dem Pzramm vorgesehenen beiden Schlachtschiffe, wenn überhaupt schon, n man glaube, erst in den letzten Wochen stattgefunden habe, wrend die Kiellegung des gepanzerten Kreuzers wohl im Februar stattgefunden habe. Gegen über einigen absprecheen Bemerkungen verteidigte Robertson die Politik der Admiralit und betonte, daß die englische Flotte niemals so bereit oder so iegstüchtig gewesen sei, wie gegenwärtig. Bezüglich der Frage des peimächte⸗Siandards versicherte Robertson aufs neue, daß die Regieng ensschlossen sei, die Suprematie Eng⸗ lands zur See so, wie sit tzt sei, aufrechtzuerhalten und, falls die Haager Konferenz ergebniss verlaufen sollte, sich solche Maßregeln vorzubehalten, welche die sotte in dieser Stellung erhalten.

Rußland.

Nach einer Meldun des „W. T. B.“ beriet die Kom⸗ mission der Reichsd ma für Interpellationen gestern über die von den Sozialemokraten eingebrachte Interpellation, betreffend die Entsendug des Generals Baron Taube nach Baku, und kam zuhem Ergebnis, daß keine ausreichenden Gründe vorlägen, um le Regierung zu interpellieren. Die vommission beschloß, da Antrag abzulehnen, andererseits jedoch die Regierung zu ersuchen, in Anbetracht der hohen Bedeutung der Petrolemnindustrie in Baku für das ganze Reich, der Reichsduma üer die Lage in Baku Aufklärung zu geben, ohne dabei die von den Sozialisten aufgeworfene Frage wegen der Einmischung deo Regierung in den Kampf zwischen Kapital und Arbeit zu baühren. Der Vertreter der Sozial⸗ demokraten erklärte sich mi dieser Entscheidung der Kommission einverstanden.

Das „W. T. B.“ verbreitet ferner folgende Meldungen: Der Kampf zwischen den Parteien in Lod; dauert fort. Gestern

Preußen, Seiner oheit des Herzogs Adolf Friedri zu Mecklenburg, Fres Durchlaucht v Igrebric Heinrich XVIII. J. L. Reuß und von ungefähr 80 mecklen⸗ burgischen Ordensrittern fanden gestern, „W. T. B.“ zufolge, im Stift Bethlehem zu Ludwigslust die Feierlichkeiten aus Anlaß des 50 jährigen Jubiläums der mecklenburgischen Jo⸗

wurden fünf Personen erschossen und sechs verwundet. Auch Ueber⸗ fälle zur Beraubung offene Läden und Kontore kommen vor. Dreißig Personen wurden verhaftet.

In Odessa kam es gestern auf dem Hafenplatze zu einem blutigen Zusammenstoße zwichen einer Abteilung der Kampforganisation des Verbandes wahrhaft russischer Leute und Hafenarbeitern. Als die erstere in einer Stärke von 30 Mann den Lewaschewkai entlang ging,

hannitergenossenschaft statt. Nach der Feier erfolgte

wurde sie von einer etwa gllich starken Arbeitergruppe mit Pfeifen und

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justizamts Dr. Nieberding abe die

Johlen begrüßt. Darauf gaben die Mitglieder haft russischer Leute etwa 30 Revolverschüsse ab, durch die 5 Arbeiter darunter zwei tödlich, verletzt wurden. Militär eilte an den Ort, an dem der Zusammenstoß stattfand, und nahm 13 Verhaftungen vor.

Italien.

Die italienische Königsjacht „Trinacria“ Victor Emanuel an Bord ist, begleitet vom Mittelmeer⸗ geschwader, gestern in Gaëta dngeeo es. hat der Finanz⸗

des Verbandes wahr⸗

Nach einer Meldung der „Tribuna“ minister Massimini sein Entlassungsgesuch eingereicht.

Belgien.

Die liberale Linke hat gestern eine Tagesordnung an⸗ genommen, in der sie sich, nach einer Meldung des „W. T. B.“, bezüglich der Zurückziehung der Bergge etzvorlage ein parlamentarisches Vorgehen für den Tag des Wiederzusammen⸗ tritts der Deputiertenkammer vorbehält und mit aller Energie gegen die schwere Verletzung, die der Würde des Parlaments zugefügt sei, und gegen die Haltung des Kabinetts protestiert, die den parlamentarischen widerspreche.

Der Generalrat der Arbeiterpartei hat in einer ebenfalls gestern abgehaltenen Sitzung unter Zustimmung der sozialistischen Deputierten und Senatoren beschlossen, an das Land eine Erklärung zu richten, in der die wirtschaftliche Be⸗ deutung der Zurückziehung der Berggesetzvorlage hervorgehoben werden soll, und am 28. April und am 1. Mai im Lande wei große Kundgebungen zu Gunsten der Einführung

es Achtstundentages zu veranstalten.

Rumänien.

Ein königliches Dekret genehmigt die Regierungs⸗ maßnahmen, durch die den Landwirten Hllfe geleistet werden soll, die infolge der Bauernaufstände außer Stand gesetzt sind, ihre Betriebe fortzuführen. Es werden den notleidenden Landwirten nach gepflogenen Cthhüchehn von Staats wegen Kredite eröffnet. Die betreffenden Beträge sind „W. T. B.“ zufolge, mit 6 Proz. zu verzinsen und na 3 Jahren rückzahlbar.

Montenegro.

Das neue Kabinett ist, „W. T. B.“ zufolge, heute unter dem Präsidium des Dr. Tomanovic, der auch Fettung der auswärtigen Angelegenheiten übernimmt, gebildet worden.

Afrika.

Nach einer Meldung der „Agence Havas“

ist die Ruhe in Casablanca wiederhergestellt.

. über die gestrigen Sitzungen des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten besinden sich in der Ersten und Zweiten Beilage.

Der Reichstag setzte in seiner heutigen (32.) Sitzung, welcher der Staatssekretär des Innern Br. Graf von Posadowsry⸗Wehner, der Staatssekretär des Reichs⸗ . und der stellvertretende Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes Dernburg beiwohnten, die zweite Lesung des Ekats des Reichsamts des Innern bei dem Kapitel „Noichagesundhat422.7 feen-

Abg. Prinz zu Schönaich⸗Carolath (nl.): Ich wollte eine Anfrage im Interesse des Publikums an das Reichsgesundheitsamt richten, sehe aber zu meinem Bedauern, daß kein Vertreter des Reichsgesundheitsamts im Hause anwesend ist. Ich wollte fragen, ob im Reichsgesundheitsamt näheres über die Versuche bekannt ist, die von seiten der Automobilindustrie „angestellt worden sind, um die entsetzlichen, das Publikum belästigenden und schädigenden Ausdünstungen sowie die übermäßigen Stauberregungen der Automobile auf öffentlichen Straßen und Verkehrswegen einzu⸗ schränken und zu beseitigen. Unsere arbeitende Bevölkerung, unser Mittelstand sucht nach langer mühevoller Arbeit seine Echolung, Ruhe und Erfrischung in der freien Natur. Kann man diese heute noch finden? Das Wachsen der Automobilindustrie erfüllt uns gewiß mit großer Freude. Um so mehr muß sie bestrebt sein, diejenigen Verbesserungen einzuführen, die im Interesse der Gesundheit des Publikums absolut notwendig und erforderlich sind. Die Auto⸗ mobilindustrie hat ja bereits auf dliesem Gebiete erbeiiche Fortschritte gemacht, hoffentlich wird sie darin fortfahren. W bauen Lungenheilanstalten, das ist sehr schön und anerkennenswert, wir sollten aber vor allen Dingen dafür sorgen, daß die Lungen nun auch wirklich gesund bleiben. Heute sind der Tiergarten, der Grune⸗ wald usw. keine Erholungsstätten. Man sollte dafür forgen, daß man wirklich Erholung in der freien Natur findet. Ich bitte das Reichsgesundheitsamt, dieser Sache seine Beachtung zu schenken.

Abg. Severing (Soz): Der Staatssekretär des Reichsamts des Innern hat neulich erklärt, daß er sich in bezug auf die Resolution über die Verhältnisse in den Walz⸗ und Hüttenwerken an den preu⸗ ßischen Handelsminister gewandt habe. Unsere Forderung geht aber nicht auf Erhebungen, sondern auf Verordnungen zum Schutz dieser Arbeiter. Wenn die Reichsregierung zuverlässiges Material über diese Sache wünscht, so werden ihr die gesamten Arbeiter⸗ organisationen, insbesondere der deutsche Metallarbeiterverband, damit dienen. Heute haben wir überhaupt keine zuverlässigen amt⸗ lichen Angaben. Die große Zahl der in der Metallindustrie be⸗ schäftigten Arbeiter zeigt die Notweadigkeit eines wirksamen Schutzes. Der Staatssekretär hat einmal anerkannt, daß die Intelligenz der Arbeiter die Größe der Industrie bedingt. Ist dies richtig, dann hat die Reichsregierung auch die Verpflichtung, für die Gesundbeit dieser so hart bedrängten Arbeiter zu sorgyn. Zwölf bekannte große Hüttenwerke haben im Jahre 1905/06 einen Rohgewinn von 78 Mil⸗ sionen erzielt. Bei dieser Rentabilität können sie den Arbeitern auch höhere Löhne zahlen und die nötigen Schutzvorrichtungen einführen⸗ Es wird allgemein behauptet, daß die Löhne der Hütten⸗ und Walz⸗ werkarbeiter in Deutschland die höchsten Arbeiterlöhne seien. Be⸗ weise für diese Behauptung sind indessen nicht erbracht; die Lohn⸗ nachweisungen der Berufsgenossenschaften sind hier keineswegs maß⸗ gebend. Angesichts der Lebensmittelteuerung reichen übrigens auch die relativ hohen Löhne kaum zur Bestreitung der notwendigen Lebens⸗ bedürfnisse aus, wie auch der sozialpolitische Schriftsteller Ehrenberg⸗ der sich besonders mit dieser Frage beschäftigt hat, zugeben muß.

(Schluß des Blattes.)

Das Haus der Abgeordneten se b heutigen (46.) Sitzung, welcher der Finanzminister Freiherr von Rheinbaben und der Minister der öffentlichen rbeiten Breitenbach beiwohnten, die zweite Beratung des Staats⸗ haushaltsetats für das Rechnungsjahr 1907 fortk.

Der Etat des Herrenhauses wird ohne Debatte be⸗ willigt. b

Beim Etat des Abgeordnetenhauses weist

Berichterstatter Abg. von Bockelberg darauf hin, daß der Etat

Die Schlußberichte

setzte in der

eine Mehrausgabe von 1200 für eine pensionsfähige Zulage vor

mit dem König

Diekussionen

und der

die

e 600 für den Bibliothekar und den Vorsteher des Stenographi⸗

sten Bureaus enthalte, und beantragt die Bewilligung.

Dr. uptmann (Bentr.) regt an, daß den Abgeordneten persebenr 8 die Beförderung von Drucksachen gewährt werde. Der Etat des Abgeordnetenhauses wird bewilligt. appenheim (kons.) schlägt zur Geschäftsordnung r 8 das 8g hias schon jetzt über die Führung der Debatte über ven Etat der Bauverwaltung verständige, und empfiehlt, in getrennten zu behandeln 1) die Frage der Schiffahrtsabgaben, 2) den Ausbau des Mosel⸗ und Saarkanals, 3) den Kanal Dörpen Kampen-— Oldenburg und 4) die Bildung der Wasserstraßenbeiräte. Das Haus ist damit einverstanden. Es folgt die zweite Beratung des Etats der Staats⸗ chuldenv ö in Verbindung mit der einmaligen shramung des 58. Berichts der Staatsschuldenkommission über die Verwaltung des Staatsschuldenwesens. Zunächst nimmt der Finanzminister Freiherr von Rhein⸗ haben das Wort. An der weiteren Debatte beteiligen sich bis zum Schluß des Blattes die Abgg. Dr. von Heydebrand Lasa (kons.) und Kreitling (freis. Volksp.)

Dem Reichstage ist ein am 11. Februar d. J. unter⸗ zeichneter Vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und den Niederlanden über die gegenseitige Aner⸗ kennung der Aktiengesellschaften und anderer kom⸗ merzieller, industrieller oder finanzieller Gesell⸗ s Fasten zugegangen. 1 Der Vertrag bezweckt die Erleichterung des Geschäftsverkehrs deutscher Gesellschaften in den Niederlanden und umgekehrt. Er lehnt sich im wesentlichen an die gleichartigen Bestimmungen der neueren Handelsverträge ds Reichs an (vergl. zum Beispiel Artikel 19 Abs. 5 des Handels⸗ und Zollvertrags zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich⸗Ungarn in der Fassung des Artikels 1 Nr. V des Zusatzvertrags vom 25. Januar 1905, Reichsgesetzblatt 1906 Seite 143; Artikel 5 des Handels⸗ und Schiffahrtsvertrags zwischen dem Deutschen Reich und Schweden vom 8. Mai 1906, Reichsgesetzblatt Seite 739). Nur ist noch eine be⸗ sondere Bestimmung des Inhalts als erwünscht erachtet worden, daß der Vertrag auch auf die beiderseitigen kolonialen Besitzungen und Konsulargerichtsbezirke Anwendung finden soll.

Dem Hause der Abgeordneten ist ein am 15. No⸗ vember v. J. zwischen See Oldenburg und Bremen abgeschlossener Vertrag über den weiteren Ausbau der Fahrbahn in der Außenweser nebst einer Denkschrift und einem Finanzplan, G die Deckung der Kosten für den weiteren Ausbau der Außenweser abwärts der Geestemündung aus dem Ertrage der Schiffahrtabgabe, die zufolge Staats⸗ vertrages zwischen Preußen, Oldenburg und Bremen vom 6. März 1876 erhoben wird, zugegangen.

Statistik und Volkswirtschaft.

Die Einnahmen der französischen Gemeinden aus Oktrois in den Jahren 1901 bis 1905.

n, vem vom franzonschen Finanzministerium herausgegebenen Bulletin de statistique et de législation comparée, von dem bis jetzt dreißig volle Jahrgänge erschienen sind, wird alljährlich u. a. auch eine Zusammenstellung über die Gemeindeccinnahmen „us Orteala mitgeteilt, welcher die nachstehenden Angaben entnommen 8

Mit dem Jahre 1901 ist in der Oktroibesteuerung der französischen Gemeinden eine sehr erhebliche Aenderung dadurch eingetreten, daß das Gesetz vom 29. Dezember 1897, betreffend die Er⸗ mäßigung bezw. Aufhebung der Oktroitaxen von den hygienischen Getränken, in fast sämtlichen Oktroigemeinden, deren es in diesem Jahre 1501 gab, zur Durchführung gekommen ist. Die Wirkung der neuen Gesetzesbestimmungen tritt in dem sehr erheblichen Rück⸗ gange des Steuerertrages dieses Jahres deutlich in die Erscheinung; denn während 1900 die Roheinnahmen aus Oktrois noch rund 355 409 000 Fr. betragen hatten, beliefen sie sich 1901 nur noch auf rund 278 322 000 Fr. Im nächsten Jahre verringerte sich der Ertrag weiter bis auf 275 158 000 Fr.; 1903 zeigte er demgegenüber eine geringe Zunahme um etwa 400 000 Fr., um 1904 schon auf rund 278 379 000 und endlich 1905 auf 279 689 000 Fr. zu steigen.

Von dem Rohertrage der Steuer entfielen 1905 auf die Stadt Paris allein rund 108 459 000 Fr. oder 38,78 v. H., während 3 068 000 Fr. aus dem Oktroi der sog. Bannmeile herrührten und der erheblichste Teil der Gesamteinnahme, rämlich rund 168162 000 Fr., in den übrigen Oktroigemeinden aufkam.

Der Rohertrag aus dem Pariser Oktroi zeigte innerhalb der Berichtszeit im Jahre 1904 mit rund 109,6 Millionen Francs den böchsten und 1901 mit 166,6 Millionen Francs den tiefsten Stand, während sich in den übrigen Oktroigemeinden (jedech ohne Bannmeile von Paris) die Einnahme des Jahres 1901, welche rund 168,6 Mil⸗ lionen Francs betrug, als die günstigste und die des Jahres 1902 im von 163,1 Millionen Francs als die am wenigsten ergiebige erwies.

Nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1901. beeg die für die Oktroibesteuerung in Betracht kommende Bevölkerung in Paris 2 714 068 und in den übrigen Gemeinden 11 450 464 Köpfe. Mithin machten im Jahre 1905 die Einnahmen aus Oktrois in Paris rund und in den übrigen Oktroigemeinden rund 15 Fr. auf den Kopf der Bevölkerung aus. (Stat. Korr.)

Zur Arbeiterbewegung.

„„ In Sachen des Lohnkampfes im Baugewerbe zu Berlin sah sich gestern nach sechsstündiger Verhandlung das Einigungsamt des Gewerbegerichts, das einen Frieden zwischen beiden streitenden Partesen nicht erzielte, wie die „Voss. Ztg.“ berichtet, veranlaßt, fol⸗ genden Schiedsspruch zu fällen: „Das Einigungsamt empfiehlt den Parteien unter Berücksichtigung der augenblicklichen Lage im Bau⸗ gewerbe: 1) Einen Tarifvertrag von dreslähriger Dauer abzuschließen. 2) Den Zeitlohn im ersten Jahre um 3 ₰, in den beiden folgenden ahren um je 2 pro Stunde zu erhöhen. 3) Während der dreijährigen Tarifvertragsdauer die jetzige Arbeitszeit beizubehalten.“ Es bleibt nun

abzuwarten, ob sich die Arbeitnehmer diesem Schiedsspruch unterwerfen

werden. Von den Arbeitgebern dürfte er sicher angenommen werden. In den nächsten Tagen stattfindende Mitgliederversammlungen der Maurer, mmerer, Bauhilfsarbeiter und verwandter Berufe werden zu diesem chiedsspruch Stellung nehmen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß ei der jetzt in Arbeitnehmerkreisen herrschenden Kampfesstimmung diese den Schiedsspruch nicht anerkennen und in den Ausstand eintreten. Aus Gelsenkirchen wird dem „W. T. B.“ 1“ Die seit gestern ausständigen Rangierer des Schalker Gruben⸗ und Hüttenvereins drangen in die Fabrik, um die arbeits⸗ willigen Arbeiter mit Gewalt an der Arbeit zu hindern. Der Aufforderung, die Fabrik zu verlassen, kamen sie nicht nach. ei der gewaltsamen Entfernung widersetzten sie sich, wobei mehrere Arbeitswillige verletzt wurden. Die Fenster des Wiegehauses wurden hei dem Streit eingeschlagen. Seitens der Streikenden ab⸗ segebene Revolverschüsse verfehlten zum Glück ihr Ziel. Die Polizei onnte acht der Rädelsführer verhaften. Ausfen Frankfurt a. M. ist, wie die „Köln. Ztg.“ erfährt, der usstand der Gärtner nach fünfwöchiger Dauer beendet worden. Die Gehilfen nehmen die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder auf.

Die Braunschweiger Metallarbeiter haben, nach dem⸗ selben Blatte, beschlossen, den Fabrikanten vorzuschlagen, die Arbeitszeit zusammenzulegen und sie von 10 auf 9 Stunden zu verkürzen mit Erhöhung der Akkordsätze und höherer Bezahlung für eberstunden.

Wegen Arbeitsverweigerung entließ, wie der „Frkf. Ztg.“ tele⸗ skapbier. 6— die Kammgarnspinnerei in Eisenach ein Drittel

rer Arbeiter.

Der in Hamburg tagende Verbandstag der Schiffs⸗ zimmerer Deutschlands beschloß mit Zustimmung des Vertreters der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, den einzelnen Filialen zu empfehlen, angesichts der angedrohten allgemeinen Aus⸗ sperrung in diesem Jahre von vollständiger Arbeitsruhe am 1. Mai abzusehen.

In einer gestern abgehaltenen stark besuchten Versammlung der öö“ Schauerleute wurde, wie „W. T. B.“ meldet, olgende Resoluton gefaßt: „Die Schauerleute beschließen, falls die Aussperrung vom Hafenbetriebsverein tatsächlich aufgehoben wird, trotzdem sie die Arbeitsruhe am 1. Mai für die würdigste Form der Feier halten, im Interesse des Friedens dieses Jahr von einer Teilnahme an der Arbeitsruhe Abstand zu nehmen. Diese Resolution hat für die Schauerleute nur dann Verbindlichkeit, wenn die übrigen Hafenarbeiter dasselbe beschließen“ In einer Abends ab⸗ gehaltenen Versammlung sämtlicher Hafenarbeiter wurde eine Resolution gefaßt, in der erklärt wird, daß sich die Hafenarbeiter unter voller Wahrung des Standpunkteg, daß die Arbeitsruhe am 1. Mai die würdigste Feier sei, in Anbetracht der gegenwärtigen Verhältnisse veranlaßt sehen, in diesem Jahre von der Teilnahme an der Maifeier durch Arbeitsruhe abzusehen. Die Versammelten beschlossen, einen Teil ihres am 1. Mai verdienten Tagelohnes an die ausgesperrten Schauerleute abzuführen. Eine von ungefähr 1200 Verbands⸗Schneider⸗ gesellen besuchte Versammlung erklärte gestern den Ausst and für beendet und nahm die vom Gewerbegericht gemachten Ver⸗ mittelungsvorschläge an, wonach die Gesellen einen Lohnaufschlag von etwa 6 bis 7 % erhalten. 8

In Paris wurden gestern vormittag 362 ausständige Bäcker und 452 ausständige Arbeiter von Limonadenfabriken gezählt. Die meisten Fe der großen Boulevard⸗Cafés und Restaurants sind gestern abend in den Ausstand getreten. Der Streikbefehl war ihnen vom Syndikatsausschuß mittels versiegelter Briefe zugegangen und sofort befolgt worden. Die Restaurants, deren

8 sich dem Ausstand nicht angeschlossen hat, werden polizeilich ewacht. Die Ausständigen verlangen u. a. Regelung der Arbeits⸗ stunden und feste Löhne. An 1400 ausständige Kellner hielten gestern nacht in der Arbeitsbörse eine Versammlung ab und be⸗ schlossen die Fortsetzung des Ausstandes, der heute sehr an Aus⸗ dehnung gewinnen dürfte. Das Stereotypiepersonal der Zeitung „Le Journal“ ist in vergangener Nacht in den Ausstand getreten. 8

Die I1“ Motte u. Delecluse in Roubaix hat, dem „W. T. B.“ zufolge, infolge einer von den Arbeitern ver⸗ langten Lohnerhöhung gestern morgen die Fabrik gesperrt. Tau⸗ send Arbeiter sind beschäftigungslos.

In Verviers sind, nach der „Köln. Ztg.“, sämtliche Stuck⸗ arbeiter in den Ausstand getreten. Sie verlangen 45 50 Centimes Stundenlohn, während die Arbeitgeber ihnen 43—48 Centimes be⸗ willigen wollen.

Kunst und Wissenschaft.

Die Arbeiten zur Wiederherstellung der Hauptbaulichkeiten des Römerlagers auf der Saalburg sind in der jüngsten Zeit so gefördert worden, daß sie als abgeschlossen gelten können. Nur noch ein kleines Stück der Kastellmauer ist aufzuführen. Ueber die letzten Wiederherstellungsarbeiten wird der „Frankfurter Zeitung“ geschrieben: Gerade bei der Wiederherstellung des letzten, nordöstlichen Teils der Umfassungsmauer kam die darunrer lieagende Puuc des früheren Kastells völlig unversehrt zutage. Sie ist aus Trockenmauerwerk hergesteclt, das horizontale und vertikale Einlagen von Holzbalken hatte. Bei dem Mangel an Kalk, dem Ueberflusse an Stammholz in den nahen Taunusforsten und den schlechten Verbindungswegen mit der Ebene ist diese Bauweise, die an den schon aus Cäsar bekannten gallischen Mauerbau erinnert, leicht erklärlich. Dieselben Steinholzmauern sind jetzt auch bei einer ganzen Reihe anderer Taunuskastelle, so bei der nahen Capersburg festgestellt., kommen aber auch schon in vor⸗ römischer Zeit vor. So sind die Wallmauern des Altkönigs in ähnlicher Weise hergestellt. Unter diesem älteren, wohl aus hadrianischer Zeit stammenden Lager liegt ein noch älteres, das soge⸗ nannte Erdkastell, dessen Umfassung ein aus Erde mit untermischten Steinen bestehender Damm war, der eine Rasendeckung trug. Vollendet ist weiter im Innern des Lagers das nach dem Eintritt durch das Haupttor zur Linken liegende Gebäude, das man als Quͤästorium bezeichnet hat. Jetzt birgt es die Post und enthält Räume für die Bibliothek, die den Limesforschern alle über die Saalburg wie das römische Grenzwehrsystem überhaupt erschienenen wissenschaftlichen Arbeiten zum sofortigen Nachschlagen bieten wird. Gegenüber diesem Gebäude erhebt sich der Doppelbau, der nach einer Inschrift der Capersburg als Horreum bezeichnet wurde. Bauten von ähnlicher Grundform, gewöhnlich mit Strebepfeilern und dicken Mauern, kommen in allen Kastellen vor. Die Capersburginschrift gibt nun endgültig Auskunft über ihre Bestimmung: sie waren Getreide⸗ magazine (der römische Fußsoldat erhielt täglich eine Ration Getreide, die etwa 2 ½ bis 3 Pfund Brot entsprach), dienten wohl auch zur Aufbewahrung anderer Nahrungsmittel wie geräucherten Fleisches, von Schinken und Würsten u. a. Neuerdings sind ja auch außerhalb der Kastelle an den Heerstraßen solche Proviantniederlagen gefunden worden: an der Römerstraße Saalburg⸗Heddernheim bei Ober⸗ stedten, bei der Hohen Mark und auf der 2v bei Seulberg. Sie waren Getreidemagazine für die Ver⸗ pflegung der Grenztruppen. Auf der Saalburg haben wir nun Ses ein Doppelmagazin, das jetzt fertig aufgebaut und mit unterirdischer Heizung nach römischem Muster sie hat sich schon im vergangenen Winter bvortrefflich bewährt versehen ist. Die beiden gewaltigen Säle dienen fortan dazu, alle auf der Saalburg gemachten Funde aufzunehmen, damit der Besucher ein völlig ab⸗ Seleh. Bild von der Kultur und dem Leben auf der Taunus⸗ höhe bekomme. Abgesondert davon finden die Limesfunde und die anderen Gegenstände römischer Herkunft in anderen Räumen im sogenannten Prätorium) ihre Aufstellung, so die beträchtlichen unde, die das Feldbergkastell und die Alteburg bei Heftrich ergeben haben, ferner die lostbare Sammlung römischer Gläser eine Stiftung des Konsuls Nissen u. a. Auch ist in der letzten Zeit eifrig weiter gegraben worden, vornehmlich zur linken Seite der Straße unmittelbar vor dem Dekumantore. Unter dem hier befindlichen Bau, den man als Schlachthaus oder wegen der hier gefundenen Hufeisen als Ausspann bezeichnete, kamen große Mauerzüge, Pfostenlöcher, auch zwei viereckige, holzverschalte Brunnen zum Vor⸗ schein. Die weiteren Grabungen müssen über die Bedeutung dieser

der Ausgrabungen in Hereulaneum im nächsten Juli getroffen 8 Es steht zunächst eine Summe von 15 000 Fr. zur Verfügung. Ein Leiter für die Ausgrabungen ist bisher noch nicht bestimmt

Der Heofese zber Columbia⸗Universität in New York Felix Adler ist auserseheß, im Jahre 1908 als Nachfolger von Professor Burgeß Vorlesungen an der Berliner Universität zu halten. 8

Land⸗ und Forstwirtschaft.

Die Erfolge des .“ Landarbeiteransiedlungs⸗ gesetzes.

Wie bekannt, wurde 1899 in Dänemark ein Gesetz über Land⸗ arbeiteransiedlungen mit Staatsbeihilfe erlassen. Dieses Gesetz hat 4 im Jahre 1904 eine Revision erfahren, wobei sich einige Aenderungen ergeben haben.

Das neue Gesetz stimmt in der Hauptsache mit dem alten überein, jedoch ist die jährlich für den Zweck des Ge etzes zur Verfügung ge⸗ stellte Summe von 2 000 000 auf 3 000 000 Kr. (1 Kr. = 1,25 o.) erhöht, ferner ist die Maximalgrenze für den Wert der zu errichtenden Ansiedlerstelle von 4000 Kr. auf 5000 Kr. erweitert, und schließlich ist eine nicht unwesentliche Aenderung insofern getroffen, als nach dem früheren Gesetz nur solche, die all⸗ gemein landwirtschaftliche Arbeit gegen Lohn für andere ausführten, in Frage kamen, während nach dem neuen Gesetz auch die kleinen d und Faesteleute, die sozusagen ihre eigenen Lohnarbeiter sind nspruch auf das Staatsdarlehn haben. In der letzten Abänderun drückt sich die Auffassung der Reichstagsmehrheit aus, die in dem Gesetz nicht mehr lediglich ein Mittel zur Beschaffung von Land arbeitern sehen will, sondern die Schaffung von Kleingrundbesitz an sich erstrebt, von dem dann freilich mittelbar reichliche Arbeitskräft für den mittleren und größeren Betrieb erwartet werden. Die Hauptbestimmungen des Gesetzes sind, wie der deutsche land wirtschaftliche Sachverständige für Skandinavien in einem dem Aus wärtigen Amt erstatteten, in den „Mitteilungen der Deutschen Land wirtschaftsgesellschaft“ abgedruckten Bericht ausführt, folgende: Es wir für seden Amtsratskreis eine Kommission von 3 Mitgliedern eingesetzt die für die Errichtung von Stellen für Landarbeiter zu sorgen bat und der die Aufsicht über die errichteten Stellen obliegt. Der Vorsitzend der Kommission wird vom Landwirtschaftsminister, die beiden ander Mitglieder, von denen das eine ein „Husmand’ Kleinstellenbesitzer sein soll, werden vom Amtsrat gewählt. Als Landarbeiter wird jed männliche Person, die sich im wesentlichen von allgemeiner landwirt Arbeit für andere gegen Lohn ernährt, betrachtet, einerlei ob er fester Dienstbote oder Tagelöhner ist; desgleichen wird al solcher betrachtet, wer eine kleine Stelle im Sinne dieses Gesetzes in Faeste oder Pacht bewirtschaftet, ferner Landhandwerker, Ziegelei arbeiter usw. Der Bewerber muß außerdem eine Reihe von persönlichen Be dingungen erfüllen, die eine gewisse Gewähr dafür leisten, daß di Stelle gut verwaltet wird. Alsdann kann der Arbeiter ein Staats darlehn erhalten, das %⁄0 des Beleihungswerts der Stelle beträgt In den ersten fünf Jahren ist dieses Darlehn tilgungsfrei, alsdan findet eine Tilgung von 1 % für % des Darlehns statt, währen die anderen erst nach Amortisation der ⅛¼ getilgt werden. Da Darlehn ist unkündbar, soweit die Bedingungen gehalten werden Bisher hat das Gesetz nicht ganz die Wirkung gehabt, die man vo ihm erhoffte, Lnas die zur Verfügung stehenden 2 Millionen Krone in keinem Jahre voll ausgenutzt wurden. Insgesamt sin in den Jahren 1900 bis 1905 im ganzen Staate 1859 8 Häuslerstellen eingerichtet worden. Davon kommen 586 auf di Inseln und 1273 auf Jütland. Vier Fünftel der Ansiedler ware aus der Klasse der landwirtschaftlichen Tagelöhner hervorgegangen, ei 8 Zehntel hatte in festem Gesindeverhältnis gestanden und ein Zehntel andere Erwerbsquellen angegeben. Unter den letzten waren 20 Dach decker, 13 Wegeaufseher, 12 Holzschuhmacher, 12 Ziegeleiarbeiter 11 Fischer, 11 Landpostboten und 7 Forstarbeiter. 8

Besonders wichtig ist die Frage, ob einer der Hauptzwecke des Gesetzes, nämlich Landarbeiter heranzuziehen, die neben ihrem eigene Betrieb als Tagelöhner tätig sind, erfüllt wurde. Dies ist tatsächlich bei der weitaus größten Anzahl der Fall. 1477 Stelleninhabe arbeiten nämlich für andere.

Die Größe der Stelle beträgt 2 bis 8 Tonnen (rund 1 bis 4 ha) Ueber diese Größe kann nur in Ausnahmefällen hinaus egangen werden, namentlich dann, wenn der Boden sehr schlecht ist. Von dieser Genehmigung ist in 272 Fällen Gebrauch gemacht worden Von den sämtlichen Fällen sind im Laufe der 6 Jahre 85 Stellen freihändig weiter verkauft und 4 zwangsweise enteignet.

Die Viehbesetzung der Häuslerstellen war allgemein eine bessere als beim Durchschnitt der übrigen dänischen Betriebe, wobei noch zu erwägen ist, daß eine große Anzahl der Stellen noch nicht voll ein⸗ gerichtet ist. Die größere Intensität kommt fast ausschließlich dem Rindvieh, den Schweinen und Hühnern zugute. Die Stellenbesitzer beteiligen sich auch lebhaft an dem in Dänemark ja so entwickelten Genossenschaftswesen. Ueber % waren z. B. an Genossenschaftsmeiereien beteiligt, ½ bei einer Genossenschaftsschweine⸗ züchterei. Wenn auch die Inanspruchnahme des Kolonisationskredits, wie schon gesagt, im allgemeinen noch nicht so ausgiebig war, wie er⸗ hofft wurde, so ist man doch von dem Ergebnis immerhin durchaus befriedigt, und namentlich der Umstand, daß der weitaus größte Teil der Angesiedelten auch weiterhin als Landarbeiter tätig ist auch für deutsche Verhältnisse beachtenswert zu sein.

Theater und Musik.

8 Neues Königliches Operntheater.

Die englischen Gäste spielten gestern den „Hamlet“, das Drama Shakespeares, das wir Deu 8 vielleicht am meisten lieben, das jedenfalls seit mehr als hundert Jahren unsere Dichter, Aesthetiker und Schauspieler auf das lebhafteste beschäftigt hat. Zudem sollte das Stück auf der alten Shakespeare⸗Bühne dargestellt werden: An⸗ ziehungen genug, den großen Theatersaal bis auf den letzten Platz zu füllen. Und der Abend brachte keine Enttäuschung, er verlief vielmehr recht anregend. Es hieße der künstlerischen Be⸗

abung der ein geradezu beschämendes Zeugnis aus⸗ stellen müßten wir, die wir auf eine durch Generationen zurückreichende, auf unsere erlesensten Geister sich stützende Ueber⸗ lieferung für die Darstellung Shakespearescher Dramen zurückblicken, eingestehen, daß wir von englischen Künstlern, die sich eben erst, nachdem ihre Nation ihm durch Geschlechter fernstand, und dazu in einer Zeit des Tiefstandes des englischen Theaters, der Pflege ihres rößten Dichters zuzuwenden beginnen, etwas Wesentliches zu’ lernen Was die Aufführung Beerbohm Trees und seiner Truppe so interessant macht, ist weniger der gute Durchschnitt ihres schauspielerischen Könnens als die durch ihr Gastspiel augenfällig gemachte Erkenntnis, daß die englischen Künstler, abgesehen von den feineren Unterschieden, die auf der nationalen Sonderheit beruhen, im wesentlichen denselben Entwicklungggang in der Durchdringung und Darstellung der Shakespeareschen Dramen durchzumachen 1“ der hinter uns

Baulichkeiten noch Klarheit schaffen. Auch die bei der sogenannten

die Erklärung dieses als Bad,

Offizierkasino, wohnung usw. bezeichneten Baues.

Kommandanten⸗

Seine Königliche Hoheit der Prinz Arnulf von Bayern ha in Begleitung des Professors Merzbacher, des Geologen Dr. Leuchs und des Präparators Rockinger eine Reise nach Zentralasien angetreten. Die Reise, die jagdlichen und wissenschaftlichen Zwecken sowie der Erforschung des Thianschan dient, ist auf acht bis neun Monate berechnet. 1

Der italienische Minister für das Unterrichtswesen hat, wie aus Rom geschrieben wird, die nötigen Vorkehrungen für den Beginn

Villa begonnenen Schürfungen werden wohl von Bedeutung sein für

liegt; nur 8 sie diesen Weg schneller zurücklegen können, weil ihnen Vorbilder zu Gebote sehen j

die gestrige Aufführung ein Musterbeispiel. Herr Tree selbst spielte den Hamlet. Daß er die Sprache noch völlig so behandelt, wie es unsere guten Schauspieler vor 20 Jahren taten, d. h., daß er deklamiert, ist schon gelegentlich der Besprechung seiner Antoniusdarstellung hervor⸗ ehoben. Das soll durchaus keinen absoluten Tadel bedeuten, denn bes zu einem gewissen Grade liegt das „Deklamieren“ durchaus im Stil des alten Dramas, auch noch in dem unserer Klassiker. Eine pathetische Ausdrucksweise verlangt ein Pathos auch in der Sprache, und die klassischen Dramen wollen außerdem auch deutlich und sorglich ge- sprochen sein, wie bei Mozartscher Musik kein Ton unter das Klavier fallen darf. Was die Deutlichkeit des Sprechens anlangt, können Herr Beerbohm Tree und seine Künstler der großen Mehrzahl unserer Schauspieler als nachahmenswerte Vorbilder dienen. Seine deklama⸗

Für diese Tatsache war