des Kreises Grafschaft Schaumburg und der venübue assessor Graf von Bothmer aus Stralsund dem Landrat des Landkreises Oppeln zur Hilfeleistung in den landrätlichen Geschäften zugeteilt worden. 8 Die Regierungsreferendare Dr. jur. Nollau aus Breslau, Dr. jur. Janssen aus Düsseldorf, Dr. jur. Günther und v“ Dr. jur. Graf zu Rantzau aben die zweite Staatsprüfung für ö Verwaltungsdienst ö 9 8 g 8 G
g des „W. T. B.“ ist der heimkehrende Transport der von S. M. S. “ Besatzung mit dem Reichspostdampfer „Lucie Woermann“ am 15. November in Groß⸗Bassam eingetroffen und hat an demselben Tage die Reise nach Monrovia fortgesetzt. 1 Der ausreisende Ablösungstransport für S. M. S.
„Planet“ ist mit dem Reichspostdampfer „Yorck“ am 16. No⸗ vember in Aden eingetroffen und hat an demselben Tage die Reise nach Colombo (Ceylon) fortgesetzt. b Der ausreisende Ablösungstransport für die
Schiffe des Kreuzergeschwaders (Fähnrichstransport)
6 S. M. S. „Moltke“ ist am 16. November i Spain auf Trinidad eingetroffen und geht am 7. .eense von dort nach Fort de France auf Martinique in See. S. M. Flußkbt. „Tsingtau“ ist am 16. November in “ heae ken. M 1 „Luchs ist i ein⸗ veronn ch st vorgestern in Nagasaki ein 1b M. Kbt. „Iltis“ ist gestern von Ningpo nach dem imrodsund in See gegangen und r di
Sachsen.
Dcas gestern ausgegebene Bulletin über das Befinden G“ Majestät der Königin⸗Witwe besagt, „Vefbe B. zufo Ige. ie Nachtruhe Ihrer Majestät der Königin⸗Witwe vom Sonn⸗
tag zu Montag war mehrfach gestört. Gestern konnte festgestent werden, daß das Sinken der bisher erhöhten Körpertemperatur bei Leshretigem öö Entzündungserscheinungen am
eine erfreu⸗ e . die Temperatur 37,2 Grad. u““
Oesterreich⸗Ungarn.
Der König der Hellenen ist, „W. T. B.“ zufolge gestern abend aus Per dn Wien eingetroffen. zufoige, — Der Ausgleichsausschuß des österreichischen Abgeordnetenhauses hat gestern die ersten drei Gruppen des Ausgleichen b v, aeond die Festsetzung eines ein⸗ heitlichen a 16 4 11 287,5 bz samt Zolltarif angenommen. “ 8 1 888; ig iese ist demnach mit — Fets vo— birischaftlichen Ausschuß des ungarischen Aogeoronetenhauses wurde gestern der Gesetzentwurf über den durch das Kabinett Fejervary am 25. Januar 1905 mit dem Deutschen Reiche abge⸗ schlossenen Handelsvertrag einer Beratung unterzogen. Nach dem Bericht des „W. T. B.“ beantragte der Bericht⸗ erstatter Graf Arped Teleki die Annahme einer Erklärung, wonach die in dem Henzelsvfrtrag und dessen Beilagen vorkommenden Aus⸗ drücke Oesterreich⸗Ungarisches ollgebiet und Oesterreichisch⸗ Ungarischer allgemeiner Zolltarif so verstanden werden sollen, wie dies in dem am 8. Oktober 1907 abgeschlossenen Handelsvertrage zwischen Ungarn und Oesterreich festgesetzt worden sei. Auf eine Anfrage über die Wirkung des seit zwei Jahren in Kraft befind⸗ lichen deutschen Handelsvertrags und dessen Folgen auf die Ausfuhr nach Deutschland erklärte der Landwirtschaftsminister Dr. Daranyi, daß die Ausfuhr von Rindvieh auf die Hälfte ge⸗ sunken sei; das Kontingent von 80 000 Schweinen hätte nicht nach Deutschland Fiefer⸗ weiden können, weil infolge der Schweinepest der Viehstand stark vermindert worden sei. Bezüglich der Gerste hälten sich Nachteile infolge der Zollerhöhung für Ungarn nicht bemerkbar gemacht. Der Minister sprach die Hoffnung aus, daß die Gerste⸗ ausfuhr künftighin aufrechterhalten bleibe. Falls bei Abschluß der restlichen Handelsverträge mit Umsicht vorgegangen werde, so werde sich die Lage nicht bedeutend verschlimmern, trotzdem der deutsche Handels ertrag den Export stark eingeschränkt habe. “
Großbritannien und Irland. 8
Der König und die Königin, der Prinz und di Prinzessin von Wales, der Prinz Mrins⸗ und die rinzessin Viktoria von Connaught begleiteten „W. T. B.“ zufolge, gestern vormittag mit großem Gefolge den Kaiser und die Kaiserin von Windsor zu Wagen nach der Southwestern Station, von wo die Kaiserin mittels Sonder⸗ zuges nach Port Viktoria und Holland abreiste. Alsdann begaben sich die hohen Herrschaften nach der Great Western Bahnstation, von wo nach herzlichem Abschied der Kaiser die Reise nach Figheliffe antrat. Bei seiner Ankunft 1Shb “ 1geas 5 . dem Obersten Stuart Wortley m Besitzer von Higheliffe Castle, un Spi 4 e gheliff s und den Spitzen der Be
Frankreich.
Die Deputiertenkammer hat gestern, einer Meldun des „W. T. B.“ zufolge, das Landwirtschaftsbudget 8 8 16 11“
Dem Reichsr em Reichsrat und der Reichsduma ist gestern der Budgetvoranschlag für 1908 zugegangen, aus dem das . Feitet. v mitteilt:
1 rden e nnahmen in Rubeln: Dire S
173 301 059; indirekte Steuern 490 033 800; Getenern 116 949 507 b Regalien 784 715 100; Kronseigentum und Kapi⸗ talien 657 366 467; Verkauf von Staatsimmobilien 488 252:; Ablösungszahlungen 506 600; ersetzte Rückzahlungen an die Staats⸗ rentei 83 139 691; diverse Einnahmen 12 360 524. Gesamtsumme 2 318 887 000, Außerordentliche Ressourcen. Ewige Ein⸗ lagen in der Reichsbank 1 900 000; Verkauf bedeutenden Staatseigen⸗ tums 100 000; Rückzahlung von Darlehen zur Verstärkung des allgemeinen Verpflegungskapitals 5 000 000; Spezialkapital, Er⸗ trag bevorstebender Kreditoperationen 189 628 866. Zusammen 196 628 866. Oddentliche Einnahmen plus außerordentliche Ressourcen
Ordentliche Ausgaben: Hofministerium 16 359 595; Staats⸗ rat, Reichsrat 2 374 843; Reichsduma 1 942 307; Kanzlei des Ministerrats 149 426; eigene Kanzlei des Kaisers 741 703; Kanzlei für Bittschriften an den Kaiser 530 356; Heiliger Synod 29 739 152; Innenministerium 144 123 675; Finanzministerium 428 548 442; Justizministerium 58 943 245; Außenministerium 6 208 327; Volksaufklärungsministerium 53 149 088; Vrkehrs⸗ ministerium 552 298 967; Handelsministerium 33 609 599; Ackerbau⸗ ministerium 58 987 039; Gestütwesen 1 862 723; Kriegsministerium 425 141 793; Fonds für den Fall von Preissteigerung des Proviants und der Fourage 8 000 000; Marineministerium 87 091 933; Staats⸗ kontrolle 9 845 654; Zahlungen für Staatsanleihen 385 965 986; zur Deckung im Budget nicht vorgesehener Bedürfnisse 10000 000. Im ganzen 2,317 550 169 Rubel. Außerordentliche Ausgaben: Mit dem russisch⸗japa⸗ nischen Krieg verknüpfte Ausgaben 66 687 811 Rubel; für Eisenbahnbauten 59 386 981; Unterstützung der notleidenden Bevölkerung 7 732 000; Fea an an die ostchinesische Eisenbahngesellschaft 7 500 000; Aus⸗ auf des Propinationsrechts 3 680 000; zur Tilgung kurzterminierter Schatzscheine der Emission von 1906 52 978 905. Im ganzen 197 1 86 Gesamtbetrag der Ausgaben 2 515 515 866 Rubel.
n dem Exposé, welches der Finanzminister zu⸗ sammen mit der Budgetvorlage im Reichsrat und der Reichs⸗ duma einbrachte, wird, obiger Quelle zufolge, ausgeführt:
Da nach Auflösung der ersten Duma die Einberufung der zweiten auf den 4. März 1907 anberaumt wurde, konnte das Staatsbudget nicht zur vorgeschriebenen Zeit eingebracht werden, und es mußte in das laufende Jahr ohne ein gesetzmäßig be⸗ stätigtes Budget eingetreten werden. Infolgedessen wurden dur Beschluß des Ministerrats dem Finanzminister und den Oberdirigierenden der einzelnen Ressorts Kredite in der vom wirklichen Bedürfnis verlangten Höhe eröffnet, wobei das am 11. De⸗ zember 1905 bestätigte Budget für 1906 als Grundlage diente. Die Jahrezausgaben wurden hierbei bis zur Bestätigung des Budgets für 1907 auf einen Höchstbetrag von 2 571 902 320 Rubel festgesett. Bei der Aufstellung des Budgets für 1908 war zu beachten, daß „die Staatseinnahmen viel langsamer wachsen als die Bedürfnisse und daß auf eine bedeutende Er⸗ höhung der Einnahmen in nächster Zukunft kaum zu rechnen ist, zumal da der Staatsschatz 80 — 90 Millionen jährliche Einnahme durch Auf⸗
hebung der Ablösungszahlungen in letzter Zeit verloren hat. Der Ministerrat machte demzufolge den Ressorts zur Pflicht, die wirk⸗ samsten Mittel zur Beschränkung der Forderungen für 1908 zu ergreifen und die Einstellung von Ausgabeposten, die auf das nächste Jahr verlegt werden können, in die Voranschläge nicht zu gestatten.
Der gemäß den Weisungen des Ministerrats aufgestellte Budget⸗ voranschlag für 1908 weist folgende Posten auf: Ordentliche Ein⸗ nahmen 2 318 887 000 Rubel, ordentliche Ausgaben 2 317 550 169 Rubel, d. i. die ordentlichen Einnahmen übersteigen die ordent⸗ lichen Ausgaben um 1 336 831 Rubel. Außerordentliche Ein⸗ nahmen 7 000 000 Rubel, außerordentliche Ausgaben 197 965 697 Rubel, d. i. die außerordentlichen Einnahmen nebst den Rest⸗ beträgen des ordentlichen Budgets sind um 189 628 866 Rubel ge⸗ ringer als die außerordentlichen Ausgaben. Der fehlende Betrag ist somit durch Kreditoperationen zu beschaffen. Der bedeutendste Teil der Ueberschüsse des letzten Jahrzents ist für den Bau neuer Eisen⸗ bahnen, insbesondere der e Bahn, verwendet worden.
Die Realisierung des Budgets für das laufende Jahr 19 07 geht, so fährt das Exposé fort, bisher in verhältnismäßig sehr günstiger Weise vor sich, sodaß, falls die Einnahmen für Oktober⸗
Dezember die Höhe der Einnahmen des Vorjahres errei ⸗ schuß von 145 Millionen zu erwarten ist. — 6 len lirher⸗ s Millionen Rubel mehr erwartet als im Vor⸗
nahm anschß Acc. Bssgeführt waren und um 47,2 Millionen me die N. Közge im Jahre 1906 betrugen. Die 1 lichen. Aeahen sind gegen 1907 um 144,1 Millionen höher be⸗ rechnet. Hiervon erhält das Kriegsministerium 43,6 Millionen und das Marineministerium 12,1 Millionen mehr. Auch für das Ver⸗ kehrsministerium, das Finanzministerium und das Eisenbahndepartement sind größere Ausgabeposten bewilligt worden. Die Ausgaben für das Ministerium der Volksaufklärung sollen um mehr als 7,2 Millionen für das Ackerbauministerium um 12,1 Millionen erhöht werden. Das Ausgabebudget für Post⸗ und Telegraphenwesen erhält einen Zuwachs von 3,2 Millionen. Sämtliche Ressorts erhalten für Ausgaben 12,7 Millionen mehr; auch die Zahlungen für Anleihen sind um 1,4 Millionen erhöht. In den außerordentlichen Aus⸗ gaben siad die durch den Krieg bedingten Kredite um 57,1 Millionen gekürzt, ebenso diejenigen zur Hilfeleistung an die von Mißernte heim⸗ gesuchte Bevölkerung um 8,19 Millionen. Für dnee gernte bo — im ganzen 46,2 Millionen — ist vorgesehen ein Mehr von 10,8, für Erteilung von Darlehen an Eisenbahngesellschaften 2,2 Millionen. Sen Fniten sind die außerordentlichen Ausgaben um 126,6 Millionen z1. Bei den Zolleinnahmen werden 8,2 Millionen mehr erwartet als im Jahre 1906. Die von China zu zahlende ven,sihr eetet geht im allgemeinen ohne Rückstand ein, dagegen ist die Türkei in ihren Verbindlichkeiten mit 2 595 000 Rubel rückständig. Den Fehlbetrag von 139 628 866 Rubeln in der zur Deckung der außerordentlichen Ausgaben erforderlichen Summe beabsichtigt der Finanzminister durch Kreditoperationen zu beschaffen. Eine wesentliche Erhöhung der Einnahmen ist nicht zu erwarten, da eine gute Ernte im nächsten Jahre fraglich erscheint. Der Umfang der Kredit⸗ operationen wird von der Entwicklung der Dinge abhängen, jedenfalls werden sie nur in erforderlichem Umfange zur Ausführung gelangen. Dementsprechend beantragte der Finanzminister, ihm das Recht zu 20s 5 Dece fehlende Summe durch Kredit⸗ n eschaffen und Anleihen in li et d 8 eih dem erforderlichen Betrage Sodann weist der Finanzminister darauf hin, daß in den letzte 5 Jahren infolge Aufhebung der Neisangezabln an die heüen SeS. Lö; taazg anfsfeilen, s indirekten Steuern und andere men dagegen mehr oder weniger ihren frü⸗ Budger beenee haben. “ ““ as Exposé verbreitet sich serner über einige Fragen wir 2 lichen Charakters und erklärt die bedeutende he ürag. der Cschaft. im Jahre 1906 (um 25,4 %) durch den nie dagewesenen Zufluß von Waren nach Wladiwostok und Nikolajew infolge der während des Krieges erfolgten Aufhebung der Einfuhrzölle im fernen Osten. Der Finanzminister weist sodann auf die merkbar zu⸗ nehmende Festigung des russischen Staatskredits hin, welcher sich in der Festigkeit der russischen Fonds äußert. Das zu Ende Ok⸗ to er 1907 im Umlauf befindliche Gold beträgt 605,9 Millionen Rubel, der der Reichsbank gehörige Goldvorrat ist auf 1254,8 Mil⸗ nonen ber eHeggachsen 8 e verhaͤltnismäßig guten Ergebnisse auf dem Gebiete Staatskredits, des Geldumlaufs und des kommerziellen Kredits lashen in jüngster Zeit eine ungünstige Beeinfl ssung durch die in Amerika ausgebrochene Krise erkennen; doch ist man berechtigt, anzunehmen, daß die Lage des russischen Kredits im Auslande keine wesentli 8 Einbuße erleiden wird, die diesjährige Ernte fiel allerdings nicht so reichlich aus, wie erwartet wurde, gestattet aber doch eine genügende Ausfuhr. — In der gestrigen Sitzung der Reichsduma über⸗ reichten 246 Mitglieder des Hauses dem Präsidenten eine Denkschrift, in der die Notwendigkeit betont wird, dem Kaiser als Antwort auf dessen an die Duma gerichtete Begrüßungs⸗ wünsche eine Ergebenheitsadresse zu überreichen. Die Duma erörterte darauf, wie das „W. T. B.“ meldet, den bei der Wahl zweier Vizepräsidenten zu beobachtenden Wahlmodus. Die Wahl erfolgte F mittels Zettelabgabe. Es erhielten: Baron Meyendorf (baltischer konstitutioneller Monarchist) 269 Stimmen, Fürst Wolkonski (Verband echt russi⸗
zum Ersten Vizepräsidenten der Duma der Fürst Wolko ski b 261 Stimmen, weit Ftevwenvn 5 88 Ce Ven Ee 8 der Baron Meyendorf ie Frage der Anzahl der Sektionsgehil lang EE hervor. g e Oktobristen beantragten, daß Stellen für S allen politischen und sogar den volkstümlichen p ees 8 “ Rechte und die äußerste Rechte hielten die Zulassung hden 8 nöns Rußland kämpfenden Parteien ins Präsidium 1 a chluß der Rednerliste wurde die Verhand dieser Frage mit einer durch die Linke, das h Rechte gegen die äußerste Rechte gebildeten Mehrheit auf die nächste Sitzung verschoben. Nachdem einstweilen die Geschäfts⸗ ordnung der zweiten Duma angenommen worden war, teilte sich die Duma in 11 Sektionen zwecks Prüfung der Voll⸗ machten der Abgeordneten. Die Sitzung wurde darauf ge⸗
schlossen. Niederlande. ie Jacht „Hohenzollern“, mit der Deutschen Kaiserig an Bord, fuhr, „W. T. B.“ zufolge, heute früh Fiserin unter den Hochrufen der auf dem Hafenkai versammelten Menge und den Salutschüssen des Forts in den Hafen von
Nmuiden ein.
8 Belgien. 1 . die Zuckerkonferenz ist, „W. T. B.“ zufolg in Brüssel zusammengetreten, um uͤber den eel n Rußlands zur Zuckerkonvention zu beraten.
8 Afrika. er französische Gesandte Regnault und der spani Gesandte Llaß eria hatten, nach einer Meldung des expar Uche vorgestern mit dem Machsen Vorbesprechungen über eine sofortige Organisation der Polizei, wie sie in Algeciras vorgesehen ist. Der zur Erö terung gelangende Plan wuürde RRartstcht 8”” im Suͤden Marokkos im gegen⸗ gen Augenblick die Bildung von Polizeikorps auf Tanger Tetuan, Larrasch und Rabat bgenanggo 3 11““ Einer telegraphischen Nachricht des Generals Drude zu⸗ folge hat die aus Parteigängern Abdul Asis' bestehende Mahalla Buchta ben Bagdadis das Gebiet des Stammes Ziaida, 35 km nordöstlich von Casablanca, erreicht. Ihr folgt Pen derftärdung üs. benn, 16“”] Abdel Malecks, die in ka angekommen sein soll. Die Mahall Rachids lagert noch in Sidi Aissa. 1; “
Parlamentarische Nachrichten. b
Die Vorlage über die Aenderung, die de ste lottengesetz erfahren soll, ist am 14. aeaae angenommen worden. Sie hat nachstehenden rtlaut:
Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des § 2 d Gesetzes, betreffend die deutsche bea 14 vom 14. Juni 1900. 2. Eüt Einziger Paragraph. An Stelle des § 2 des Gesetzes, betreffe vom 14. Juni 1900, tritt der vlchshaebe 9 “ Ausgenommen bei Schiffsverlusten sollen Linienschiffe und Kreuzer nach zwanzig Jahren ersetzt werden. Die Fristen laufen vom Jahr der Bewilligung der ersten Rate des zu ersetzenden Schiffes bis zur bT“ Rate des Ersatzschiffes. Für den 1 1 8 werden die Ersatzbauten nach der nlage B 8 Anlage B. “ erteilung der in den Jahren 1908 bis 1917 ei 8 zunehmenden Ersatzbauten auf die einzelnen Jahre. Cisäntsgraes 8 ee i Große Kreuzer Kleine Kreuzer 8 — 2
vor⸗
1“
Sbo bdo bdo dodo do
17
8 8n 8 Begründung. on bei den Verhandlungen über das erste Flott
Jahre 1898 ist von dem Vertreter der Verbündeten N.em ec. sehe bn hingewiesen worden, daß die Lebensdauer der Linienschiffe mit 25 Jahren möglicherwelse zu hoch bemessen sei. Die 25 jährige Ersatzfrist rechnet im Sinne des Gesetzes von der Bewilligung der ersten Rate des zu ersetzenden Schiffes bis zur Bewilligung der ersten Rate des Ersatz⸗ schiffes. Für die Lebensdauer der Schiffe im militärischen und technischen Sinne kommt aber ein erheblich größerer Zeitraum in Betracht. Der militärisch⸗technische Geburtstag eines Schiffes ist nicht der Tag der Bewilligung der ersten Rate, sondern der Zeitpunkt der endgültigen Festsetzung der der Konstruktion zu Grunde zu legenden militärischen und technischen Anforderungen. Ferner erfolgt die Aus⸗ rangierung eines Schiffes nicht dann, wenn die erste Rate des Ersatz⸗ sa. bewilligt wird, sondern erst dann, wenn das Ersatzschiff 98 * ggestellt ist und in den Frontdienst eintritt. Infolgedessen 8 die Linienschiffe bei ihrer Ausrangierung nicht 25, sondern in irklichkeit etwa 30 Jahre alt. Sie sind dann, wie die Erfahrung in allen Marinen gelehrt hat, völlig überaltert und zur Verwendung in der Schlacht in den letzten Jahren nicht mehr brauchbar ge⸗ Fen. Dies ist begründet durch die schnellen Fortschritte, die auf allen
ebieten der Schiffbau⸗, Maschinenbau. und Waffentechnik andauernd Fibcht werden und denen jede Marine Rechnung tragen muß. Nach den
rfahrungen, die seit dem ersten Flottengesetz gesammelt worden sind steht es fest, daß die Lebensdauer der Linienschiffe verkürzt werden muß, 257 die Schiffe bis zu ihrer Ausrangierung zur Verwendung in der 88 22 geeignet bleiben sollen. Hervorragende Fachmänner fremder 4 arinen sind der Ansicht, daß die Lebensdauer eines Linienschiffes 15 bis 9- Jahre nicht überschreiten sollte. Bei der Forderung der Ver⸗ Regierungen, die Lebensdauer der Linienschiffe in der bis⸗ 9 rtcp 2 Berechnungsweise auf zwanzig Jahre festzusetzen, beträgt die w * che Lebensdauer vom Konstruktionsbeginne bis zur Aus⸗ nang erung immer noch etwa 25 Jahre. Dieser Zeitraum ist in An⸗ becfach der anderernsen Fortschriti⸗ der Technik noch so lang, daß an
ür die Verwendun ⸗ linie vaum 1* Frage kommen wird. “ 118 e Verkürzung der Lebenedauer der Linienschiffe werden 2 der Periode 1908 bis 1917 3 Linienschiffe mehr nelg ehtve dis b sher. Um diese 3 Schiffe in der jetzigen Ersatztabelle (Anlage B es Gesebes) unterzubringen, ist eine neue Anlage B erforderlich. Fr. ne solche neue Anlage spricht auch noch ein zweiter Grund. ollte man unter Berücksichtigung der verkürzten Lebensdauer während
Summe..
scher Leute) 259, Maklakow (Kadett) 133 und Fuürst Lwow (Partei
2 515 515 866 Rubel.
der friedlichen Erneuerung) 101 Stimmen. In der Stichwahl wurde
der Periode 1908 bis 1917 die Linienschiffe und denjenigen Jahren ersetzen, in denen laiff. § ½ efeh eeeeose
neuen Anlage B die von 1908
beranstehen, so würde sich infolge der ungleichmäßigen Bewilligungen früherer Jahre nachstehender Ersatzbauplan ergeben:
Ersatzjahr deen s Große eheah Summe
11“
S,ceenSbdodo —coe
Ebq1
23 nicht rationell. Es sind daher in der bis 1911 fällig werdenden 11 Linien⸗ schiffsersatzbauten möglichst gleichmäßig auf die ersten vier Jahre ver⸗ teilt, die von 1912 bis 1917 fällig werdenden Ersatzbauten für Linien⸗ schiffe sowie die Ersatzbauten für Große Kreuzer auf die folgenden sechs Jahre, in welche im Interesse der Gleichmäßigkeit noch ein Ersatzlinienschiff aus der Zeit nach 1917 hineingezogen ist. Zum Aus⸗ gleich ist ein Großer Kreuzerersatzbau auf die Jahre nach 1917 zurück⸗ geschoben worden.
Die Gesamtkosten der Aenderung des Gesetzes kommen etwa den Kosten von drei Linienschiffen gleich. V
Ses 16 Ein derartiger Bauplan ist
Kunst und Wissenschaft.
Römerforschung in Nordwestdeutschland im Sommer 1907.
Im Frühling dieses Jahres ging durch die Tageszeitungen die Nachricht von der Entdeckung eines neuen westfälischen Römerlagers, das bei dem Dorfe Erle im Kreise Recklinghausen von dem Oberlehrer Hartmann gefunden sein sollte. Begeisterte Gemüter hatten da wieder einmal mehr gesehen und gewußt als der Entdecker selbst, der zunächst nur mit einigen Versuchsschnitten den Befestigungscharakter alter Wallreste hatte feststellen wollen und sich wohl gehütet hatte, seine Entdeckung der Welt sofort als ein neues Römerlager vorzusetzen. Sein sachlicher Berscht erschien, veranlaßt durch die falschen Mitteilungen, im „Westfälischen Merkur“ (Nr. 309). Nachdem nun aber einmal die öffentliche Aufmerksamkeit erregt war, schien es Pflicht, möglichst bald eine weitere Untersuchung folgen zu lassen, um die Sache womöglich gleich klar zu stellen und dem „Römerlager“, wenn es keines war, sofort den Garaus zu machen. Die Untersuchung ist im August durch Herrn Hartmann erfolgt und in wenig Tagen war die Frage entscheiden. Heute ist das Römer⸗ lager von Erle längst begraben. Es war wieder einmal blinder Lärm. Die Wallreste sind, wie Herr Hartmann feststellen konnte, sicher kein Römerlager, wahrscheinlich sogar ganz späten Ursprungs.
ch erwähne den Vorgang, weil er zeigt, mit welchem Interesse die Römerforschung in Westfalen verfolgt wird, und wie stark noch immer die Neigung ist, jeden alten Rest aus den Jahrtausenden west⸗ fälischer Geschichte und Vorgeschichte zunächst einmal mit den wenigen Jahren der Römerzüge in Verbindung zu lchen. Der Fall Erle steht nicht vereinzelt da. Erst vor wenigen Wochen wurde der öffent⸗ lichen Meinung wieder ein Römerlager aufgetischt. Die Grundlage war, daß eine Anzahl Skelettgräber bei Nieder⸗Ense gefunden waren. Gleich wurde aus einigen Wallresten in der Nähe ein Römerlager und die Gräber wurden mit einer Schlacht aus der Römerzeit — im intergrunde tauchte sogar das Gespenst der Varusschlacht auf — in usammenhang gebracht. Leider ist das einzige, was bisher feststeht, daß die Gräber nicht aus der Römerzeit, d. h. nicht aus dem Anfang des I. Jahrhunderts stammen. Alles Weitere muß sich finden. 8 Doch genug von diesen Irrgängen. Glücklicherweise hat die Römerforschung in Westfalen auch positive Erfolge zu verzeichnen. Namentlich ist an den beiden großen Ausgrabungsstätten der letzten Jahre bei Haltern und Oberaden, über die auch an dieser Stelle regelmäßig berichtet ist, energisch weiter gearbeitet worden.
Von dem Römerlager von Oberaden, wo das Dortmunder Museum mit der Römisch⸗Germanischen Kommission des Kaiserlichen Archäͤolo⸗ gischen Instituts gräbt, wurde von Dr. Baum gleich zu Anfang der diesjährigen Kampagne das Nordtor gefunden und aufgedeckt. Es stellte sich als prinnpiell ganz den Halterner Toranlagen gleichartig heraus, nur entsprechend den größeren Abmessungen des Lagers eben⸗ falls größer als dort. Zwei ins Lager hineinspringende Türme sind hinten durch den eeigentlichen Torverschluß miteinander ver⸗ bunden, sodaß davor, von den Türmen flankiert, ein offener Vorhof entstand, in dem der das Tor berennende Feind von drei Seiten gefaßt werden konnte.
Auf eine Flankierung der Wall⸗ linien verzichtete man, wie auch in Haltern, noch gänzlich. Die Wall⸗ front wurde durch die Gräben hinreichend geschützt. Man setzte offenbar voraus — und das ist für die primitive Kampfesweise der Germanen in jener Zeit ganz lehrreich —, daß der Feind das Tor berennen und aufzubrechen suchen würde. In den allmählich immer stärker und komplizierter werdenden veseütenzgen der Römer auf germanischem Boden spiegelt sich die wachsende Angriffstechnik der Germanen wider. Und die weit vorspringenden Türme der gerade gegen die Germanen⸗ anstürme des III. und IV. Jahrhunderts gekrönten mächtigen Befesti⸗ gungen auf dem linken Rheinufer zeigen, wie anders sich damals schon die Germanen auf den Angriff verstanden.
Entsprechend dem Nordtor war auch das Westtor gestaltet, dessen Stelle schon im vorigen Jahre gefunden wurde und das jetzt aufgedeckt ist. Wieviel Tore an dem Oberadener Lager, das abweichend vom üblichen Schema ein Polygon war, vorhanden waren, muß noch festgestellt werden. Einige Anzeichen lassen es mög⸗ lich erscheinen, daß zwischen den Toren in der Wallinie sich noch Türme befanden. Doch bedarf das noch weiterer Prüfung. Im übrigen ist die Wallkonstruktion im Prinzip ebenfalls der uns von den Lagern bei Haltern bekannten gleich. Nur sind die Pfosten, welche den Wall hielten, enger gestellt und — wie erhaltene Reste zeigen — sorgfältig vierkantig behauen. Auch der Oberbau des Walles war mit behauenen verzahnten Balken hergestellt. Reste davon sind, vom ö erhalten, in der Tiefe des Grabens zum Vorschein gekommen.
Dem feuchten Boden Oberadens verdanken wir die Erhaltung der interessantesten Einzelfunde, die gleich berechtigtes Aufsehen gemacht haben. Während der zähe Lehm das Finden sonstiger Kleinfunde, der Scherben, Münzen usw. sehr erschwert, hat er im Grundwasser das Holz erhalten. Neben den schon erwähnten Resten des Wallgerüstes, des flessweree⸗ aus dem die Brustwehr bestanden haben mag, u. a. anden sich schon im ersten Jahre der Grabung zahlreiche, an beiden Enden zugespitzte Eichenhölzer, und die diesjährige Grabung hat eine beträchtliche Zahl hinzugebracht. Die Hölzer sind etwa 1,50 — 2 m lang, die bestgearbeiteten unter ihnen sorgfältig vierkantig behauen und tragen eine eingeschnittene Inschrift, welche die Centurie, der die Ge⸗ räte gehörten, mit dem Namen des Centurionen bezeichnen. Da lesen wir S (centuria) c. Lusi, . Campani, —. Fusci und eine ganze Reihe anderer. Einmal wird auch die Kohorte genannt, leider nie die Legion, die uns historisch weiterhelfen könnte. Jetzt bringen uns die Inschriften einstweilen nicht weiter, als wenn auf einem Inventur⸗ stück heutzutage „dritte Kompagnie“ ohne Angabe des Regiments steht. Jateressant sind die Inschriften trotzem in mancher Richtung, und wir dürfen immerhin hoffen, daß wir im Laufe der Zeit auch lernen werden, sie zu geschichtlichen Schlüssen zu verwenden. Interessant sind aber vor allem die Geräte selbst. Es ist schon 11 darauf hingewlesen, 7. ein paar ähnliche Hölzer auf der Saalburg und ein Bruchstück in Remagen gefunden sind. Ob wir es hier mit Waffen zu tun haben — schon gleich nach der Auffindung wurde von ver⸗ schiedenen Seiten an die pila muralia erinned, schwere Waffen, die nhater bei der Verteidigung der Wälle bhnuß wurden — steht noch nicht fest. Möglich ist es; auch ohne Eisenspitze waren diese Hölzer, namentlich den ungepanzerten Germanen gegenüber, eine bösartige Waffe.
in diesem Sommer mit einigen Untersuchungen im sogenannten Feldlager, dem großen, leichter gebauten Lager, das als erstes den später von dem angelegten „großen Lager“ eingenommenen Raum umfaßte. Es galt, an Stellen, wo dieses Feldlager nicht von dem späteren großen Lager überbaut war, sich einen Begriff von seiner Anlage zu machen, um mit Hilfe des gewonnenen Bildes dann womöglich innerhalb des Lagers die zum Feldlager gehörigen Reste ausscheiden zu können. s ergab sich, daß zum mindesten große Teile des Feldlagers nur 8 leichte Innenbauten gehabt haben können, die wenig Spuren im oden hinterlassen haben. Die Fahh der Fundstücke war ebenfalls gering. Dafür wurde eine interessante Feststellung gemacht, durch die das Bild der Halterner Anlagen sich wesentlich belebte: in der Gegend, wo der vom Nordtor des großen Lagers herkommende Weg den Feldlagergraben überschritten haben muß, fanden sich über diesem große Wohngruben mit zahlreichen Funden, namentlich an Trink⸗ geschirr, Lampen usw., augenscheinlich die Reste von canabae, von Kneipen u. a., aus der Zeit des großen Lagers, die sich während der Dauer der Besetzung hier angesiedelt hatten und der Garnison den Aufenthalt im rauhen Germanien etwas angenehmer zu gestalten suchten. Als sie angelegt wurden, waren Wall und Graben des Feldlagers noch in Resten erhalten. Stets lag die eine Grube in der Vertiefung des Lagergrabens, während eine zweite innerhalb desselben, durch einen 3 m breiten, von Funden völlig freien Streifen von der ersten getrennt. Hier bedeckte den Boden also noch der Wall, der danach eine Breite von 3 m hatte. Da an dem Wall auch hier keinerlei Spuren eines hölzernen Wall⸗ gerüstes gefunden wurden, muß man schließen, daß der Wall ein Rasenwall, aus Heideplaggen aufgebaut, war. Die Canabae sind eines Tages durch Brand zu Grunde gegangen. Das mag geschehen sein, als nach der Varuskatastrophe die Germanen durch das Land zogen. Dann hat man die Reste eingeebnet, auch den Rest des Walles in den Feldlagergraben geworfen, offenbar um das Gelände unmittelbar vor der Festung frei und übersichtlich zu haben. Canabae aus der letzten Zeit des großen Lagers scheinen wenigstens an dieser Seite nicht gelegen zu haben. Die Forschungen in diesem Teile der Ausgrabungsfelder führten auch zur Auffindung des Nordtors des Feldlagers, das aber ebenso wie das jetzt gefundene Osttor nur in einer Unterbrechung des Grabens sich zeigte. Spuren eines festen größeren Torbaues waren nicht vor⸗ banden. Das Südtor wurde noch nicht gefunden. Hier liegt eine Aufgabe für das nächste Jahr; denn für das geschichtliche Verständnis der Anlagen scheint es jetzt unerläßlich, die Orientierung des Feld⸗ lagers festzustellen. Dazu müssen wir den Hauptbau, das Prätorium finden, und das können wir wiederum nur mit Hilfe mindestens dreier Tore, die uns die Richtung der beiden Hauptstraßen geben. Vor dem Prätorium können wir auch am ersten hoffen, auf Gruben mit reicherem Inhalt zu stoßen, die uns dann vielleicht auch für die Zeit dieses „Flblegese. und sein Verhältnis zu dem „großen Lager“ Aufschluß geben. Einst⸗ 88. ist hier das Material für eine sichere Entscheidung noch zu gering. Als zweite Hauptaufgabe hatten wir uns in Haltern die Frei⸗ legung des Prätoriums des großen Lagers gesetzt, dessen nach Süden gerichtete Front im vorigen Jahre festgestellt war. Ohne auf die zahlreichen, zum Teil durch Umbauten und ältere, an der Stelle liegende Reste überaus verwickelten Einzelheiten einzugehen, sei hier nur auf das Hauptergebnis hingewiesen. Das ganze rechteckige Ge⸗ bäude wurde von einer Holzwand umschlossen. Durch den südlichen Eingang betrat man einen großen, etwa quadratischen Hof, der von Hallen umgeben war. An diesen schloß sich nördlich ein zweiter kleinerer Hof, an dessen Rückwand eine Anzahl Gemächer lagen, hier führte auch eine Tür ins Freie. Ob schon das ganze Prätorium freigelegt ist oder ob es nach Norden zu eine weitere Fort⸗ setzung findet, bleibt mir demnach noch zweifelhaft. In dem zweiten Hof lagen anscheinend auch Werkstätten, wie ja der Hauptbau des Lagers neben den Verwaltungsräumen gerade auch Waffenkammern u. a. barg. Während das Innere des Prätoriums, namentlich des vorderen Hofes bezeichnenderweise an Einzelfunden so gut wie nichts brachte, wurden die Grabungen vor der Südwand des Prätoriums an solchen ungemein ergiebig. An der hier vorüberziehenden Via principalis mußten nach allen Analogien die Offiziersquartiere ge⸗ 585 haben, und schon im vorigen Fahre hatten ganz besonders reiche Einzelfunde darauf hingewiesen, daß das auch in Haltern der Fall war. In diesem Jahre wurden nun eine ganze Reihe von Gruben in dem Streifen zwischen Straße und Prätoriums⸗ wand systematisch ausgegraben und ergaben eine ganz überraschend reiche Ausbeute, namentlich an feinem Tongeschirr. Einzelne Gruben enthielten ganze Reihen von Bechern, Tassen, Tellern aus italischer Terra sigillata und in der feinen belgischen Technik, die sich damals bereits unter dem Einfluß italischen Imports auf einheimischer Grundlage entwickelt hatte. Daneben gab es Fibeln, Münzen, Reste von schönem bunten Glas, mehrere Bronzekasserolen und Siebe, ein Bronzetintenfaß u. a. Die Sammlung der Kleinfunde von Haltern ist durch die diesjährige Kampagne ganz besonders bereichert worden. Sie ist für augusteische Keramik augenblicklich zweifellos die reichste Sammlung, in der man diese für die Kultur Westdeutsch⸗ lands Epoche machende Periode, in der aus italischem und einheimischem sich provinziale Eigenart zu entwickeln beginnt, vor Augen führt wie kaum eine andere. Man staunt über die Fülle der Formen und Tech⸗ niken, die diese Frühzeit im Vergleich zu der späteren auszeichnet. Man bekommt aber auch ein Bild von dem ausgedehnten Handel, der den Heeren bereits bis an den Rhein folgte und dessen Produkte dann wieder den in Germanien operierenden Heeren nachgesandt wurden. In ihrer zeitlichen und örtlichen Geschlossenheit bieten diese Funde von Haltern ein eigenartiges Arbeits⸗ material. Seit Mitte August, wenige Tage, nachdem die Grabungen noch den bedeutendsten Zuwachs gebracht hatten, haben die Fundstücke nun auch eine würdige Unterkunft gefunden in dem hübschen kleinen Museum, das im Beisein zahlreicher Gönner und Gelehrten eröffnet wurde. Nachdem durch private Zuwendungen eine ansehnliche Summe zusammengebracht und von der Stadt Haltern ein Bauplatz zur Ver⸗ fügung gestellt war, ermöglichte ein Gnadengeschenk Seiner Majestät des Kaisers den Bau, der von Baurat Schmedding in Münster aus⸗ eführt wurde. In musterhafter Ordnung, die in erster Linie der tndigen Fürsorge des Vorsitzenden des Halterner Altertümer⸗ vereins, Dr. Conradt verdankt wird, sind hier die Funde untergebracht. Die in den Schaukästen aufgestellte Auswahl der besten Stücke wird für den, der ein eingehenderes Interesse hat, durch das in den zahlreichen Schubfächern untergebrachte Parallelmaterial er⸗ gänzt. Dem wissenschaftlich Arbeitenden endlich gibt ein schöner, heiz⸗ barer Magazinraum alle Begquemlichkeit, die dort in guter Ordnung aufbewahrten Massen des Materials durchzuarbeiten. So ist in dem kleinen Museum zugleich eine gute Lösung für das Problem gefunden, eine übersichtliche Schausammlung . das größere Publikum mit einer Arbeitssammlung, die dem Gelehrten jeden Moment zugänglich gemacht werden und weiteres zugehöriges Material liefern kann, zu verbinden. Die Ausgrabungen von Haltern haben schon in vielem befruchtend gewirkt und nicht zum wenigsten sind es die Kleinfunde, denen unsere Wissenschaft eine große Bereicherung ihrer Kenntnisse verdankt. Aber auch die Ausgraber erhoffen gerade von den Klein⸗ funden noch wichtige Ergebnisse für das historische Verständnis der in Fehes freigelegten Anlagen — ein Ansporn zu immer erneuter orgfalt in der Behandlung und Durcharbeitung des Materials, das uns die Grabungen liefern. D. “ Literatur.
Bilder aus der Branden zurgisch Preuilchen Ge⸗ schichte, nach Radierungen von Daniel C odowiecki, ber⸗ ausgegeben von Professor Dr. Georg Voß. Album mit 83 Licht⸗ druckbildern und erläuterndem Text von Professor Dr. Georg Voß. Verlag von J. Spiro, Berlin W. 30. — Es ist ein mit großem Dank zu begrüßendes Unternehmen, dessen Ausführun Professor Voß und der Verlagsbuchhändler Spiro mit dieser schönen Sammlung wert⸗
während des 17. und 18. Jahrhunderts mit und nicht minder seine intime Bekanntschaft mit der brandenburgisch⸗preuß schen Hof⸗ und Staatsgeschichte, die ihn zu gesteigerter Hochschätzung der großen Persönlichkeiten dieses Zeitaltere, insbesondere des einzigen Friedrich, geführt hat; der Verleger aber ist seit lange in einer Spezialrichtung tätig, in der er den Beifall Aller findet, die Alt⸗Berlin lieben und gern sich von seinem Werdegang erzählen lassen. In diese Richtung paßt auch die vorliegende neue Gabe ganz prächtig hinein. Denn, wie Professor Voß in einer orientierenden Einleitung lichtvoll darlegt, sind diese Bilder nicht nur deshalb in Berlin entstanden, weil der Künstler hier wohnte, sie konnten nur in Berlin entstehen, weil alles, was Chodowiecki in seinen zahlreichen Radierungen aus dem Leben des großen Königs wiedergibt — die nicht selbst erlebten Ereignisse aus⸗ genommen —, alle diese Gestalten in seinen Bildern, der König selbst, die Prinzen, die Offiziere und Soldaten, die Zimmer der Königlichen Schlösser, die Trachten der Bürger und Bauern und der Königlichen Diener, mit dem frischen Blick des Künstlers festgehalten und in un⸗ gezählten einzelnen Studienblättern mit schneller Hand nach der Natur gezeichnet sind. Das gibt, wie der Herausgeber treffend bemerkt, Chodowieckis Radierungen die Wahrheit; des Milieus, das macht sie zu Dokumenten des Zeitalters Friedrichs des Großen; denn so wie Chodowiecki den König in Krieg und Frieden geschildert hat, so lebte sein Bild in den Augen der Zeit⸗ genossen. Es war hohe Zeit, daß diese Radierungen in den vor⸗ liegenden, trefflichen Nachbildungen gesammelt und der Oeffentlichkeit zugängig gemacht wurden. Denn die Originale und tausende guter, aber bereits recht kostspieliger Abdrücke sind wohl weitverbreitet und eine große Anzahl der Blätter in den Königlichen Kunstsammlungen dem Publikum zugänglich, aber eine systematisch angelegte Sammlung der besten Blätter fehlte. Angesichts der vorliegenden Gabe leuchtet es ein, wie jetzt erst das in Erfüllung geht, was im Voranstehenden als Hauptgewinn aus der Bekanntschaft mit diesen Dokumenten aus einer großen Epoche bezeichnet ist. Das Format der Chodowieckischen Radie⸗ rungen bedarf einer Erklärung. Der größte Teil von ihnen ist für jene kleineren, zierlich ausgestatteten Kalender und Almanachs angefertigt worden, die für den Ausgang des 18. Jahrhundert so charakteristisch sind. An der künstlerischen wie wissenschaftlichen und literarischen Vollendung dieser Kalender hatte die Königliche Akademie der Wissen⸗ schaften in Berlin den lebhaftesten Anteil; denn aus dem Kalender⸗ privilegium bezog sie ihre wesentlichsten Einkünfte. Das glänzende Talent Chodowieckis für die künstlerische Ausstattung des Berliner Kalenders heranzuziehen, lag deshalb im wohlverstandenen Interesse der Akademie. Es geschah zuerst für den „historisch⸗genealogischen Calender“ von 1769. Später war Chodowiecki in gleicher Art auch Mitarbeiter an andern Kalendern, dem westpreußischen, dem Gothaischen, dem Königlich großbritannischen, Lauenburger, dem Göttinger Kalender u. a⸗ So wurde das übereinstimmende kleine Format dieser Kalender der Maßstab für die Chodowieckischen sie begleitenden volkstümlichen Illustrationen und fosgie⸗ auch der meisten Blätter des vorliegenden Werks. Es sind 83 Blätter, die sich hier in einem Bändchen in handlichem Format von 13 auf 19 cm darbieten. Acht von den Bildern gehören der Geschichte des Großen Kurfürsten, 2 der des ersten Königs an, die bei weitem größte Zahl der fridericlanischen Zeit, im besondern der Kriegszeit; den Schluß bilden wenige Bilder aus der Zeit Friedrich Wilbelms II., endlich ein Bild „Daniel Chodowiecki und seine Familie im Jahre 1771“‧, ein ganz besonders wohlgelungenes Blatt. Ein kurzer Text ist jedem Bilde durch den Herausgeber beigefügt, zum Teil in Anlehnung an die Begleitworte, mit denen sich zu ihrer Zeit die Originale in den betreffenden Kalendern einführten. Es bietet einen Reiz eigener Art, Bilder und Texte gleichzeitig zu genießen. Diese Dokumente zur Zeitgeschichte, als welche an sich die Blätter an⸗ muten, gewinnen Leben und Bewegung durch die Texte, die so rund und abgeschlossen zu fassen, die Leistung einer ihres Ziels bewußten, die Ereignisse von dem höheren Werte des Geschichtskundigen würdigenden Feder ist. Hoffentlich läßt sich das große Publikum die Gelegenheit nicht entgehen, ein Werk von dieser Anschaulichkeit und historischen Treue, zugleich ein so unterhaltendes und belehrendes Buch, sich zu dauerndem Besitz zu erwerben. A. F.
Wohlfahrtspflege.
Einer der ältesten deutschen Arbeiterfürsorgevereine, der im Jahre 1844 nach der ersten Zollvereinsausstellung von Industriellen und höheren Beamten begründete Zentralverein für das Wohl der arbeitenden Klassen, wird am 13. Dezember d. J., Abends 6 Uhr, in Berlin, Leipziger Straße 3 (Herrenhaus), die Hauptversammlung seiner Mitglieder abhalten. Der Verein hat die statutenmäßige Auf⸗
abe, „für die Verbesserung des sittlichen und wirt⸗
schoftlichen Zustandes der arbeitenden Klassen an⸗ regend und fördernd zu wirken“. Diese Aufgabe zu erfüllen, ist der Verein unter der Leitung seiner früheren Vorsitzenden Viebahn, Lette, von Gneist, Herzog, Lohmann und seines üegenmärtigen von Hollmann stets nach Kräften bemüht gewesen. Der Verein sucht vor⸗ zugsweise durch die Herausgabe seiner Vierteljahrsschrift „Der Arbeiterfreund“ und durch die zweimal wöchentlich erscheinende „Sozial⸗Korrespondenz“ die Arbeiterfrage in möglichst weitem ÜUmfange zu beleuchten, mustergültige Einrichtungen zur Förderung des Arbeiterwohls zu beschreiben und gemeinnützige Bestrebungen aller Art anzuregen oder auch finanziell durch Unterstützung bestehender oder neu sich bildender Spezialvereine zu fördern. Die Mitgliedschaft des Vereins, dem bisher stets eine größere Zahl hervorragender Staats⸗ männer, Parlamentarier, Industrielle, Kaufleute sowie auch Staats⸗ und Kommunalbehörden, Vereine, Aktiengesellschaften und andere Körperschaften als Mitglieder angehören, wird durch Anmeldung bei dem Vorstande (Geschäftsstelle: Berlin NO. 55, Heinersdorfer 22) und Zeichnung eines Jahresbeitrags von mindestens 12 ℳ erworben, Sg. die Vereinszeitschrift „Der Arbeiterfreund“ in Vierteljahrsheften kostenfrei geliefert wird.
Land⸗ und Forstwirtschaft.
dach einer Meldung des „K. K. Telegraphen⸗Korrespondenz⸗ Bureaus aus Konstantinopel wird amtlich bekannt gegeben, daß die Ausfuhr von Gerste für das ganze Gebiet der Türkei verboten und die für die Einfuhr von Weizen speziell nach Kon⸗ stantinopel angeordnete Zollfreiheit bis zum 13. Februar 1908 auf die Wilajets Adrianopel und Trapezunt ausgedehnt
worden ist. 8 Verkehrsanstalten.
Die Vereinigten Elbeliflaheteg Neessbee (Aktien⸗ geselschagh) erklären laut Meldung des „W. T. B.“ zugleich im Namen der mit ihr im Pachtverhältnis stehenden Gesellschaften den regelmäßigen Schiffahrtsbetrieb mit dem heutigen Tage als wieder er⸗ öffnet, da die Niederschläge eine wenn auch unbedeutende Wasser⸗ zunahme bewirkt haben.) E1“ EE““
Theater und Mufik.
eues Königliches Operntheater.
Bei Gelegenheit des gestrigen ersten Gastspiels von Madame Jane Hading wurde des suͤngeren Dumas alte Sittenkomödie „Le Demi-Monde“ aufgeführt. Bei aller Bühnengewandtheit, die der berühmte französische Dramatiker auch in diesem Werk entwickelt, merkle man der Komödie doch ihr ehrwürdiges Alter von ungefähr einem halben Jahrhundert an. Die Fein⸗ heiten des 5 die Dumas in verschwenderischer Fülle über das das ganze luͤck regen dagegen immer wieder an, und der leichte liebenswürdige Konversationston, über r Künstler gebieten, verhalf den geistreichen 8 ällen zu zündender Wirkung. Madame Jane Hading A 8 außerdem die Reden der weitherzigen, kühl aufwärtsstrebenden Baronin Suzanne 185 mit beredtem Mienenspiel und ausdrucks⸗
voller Chodowieckischer Bilder in die Hand genommen haben. Der
In Haltern, wo die Ausgrabungen, die seit Jahren unter Leitung der Professoren Dr. Koepp und Dr. Dragendorff standen, begannen die Arbeiten
Herausgeber brachte dafür seine genaue Kenntnis der Kunstentwicklung
vollen Gesten; sie erschien als geistvolle, vornehme Sprecherin stets anziehend und natürlich. Alles, was mit kluger Ueberlegung und