1908 / 38 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 13 Feb 1908 18:00:01 GMT) scan diff

Königreich Preußen.

Seine Majestät der König haben die Wahl des Pro⸗ fessors Dr. Börnstein zum Rektor der landwirt chaftlichen Hochs ule in Berlin für die Amtszeit vom 1. April 1908 is dahin 1910 Allerhöchst bestätigt.

Auf den Bericht vom 11. Januar d. J. will Ich der Stadtgemeinde Mörs im Regierungsbezirk Düsseldorf auf Grund des Gesetzes vom 11. Juni 1874 (Gesetzsamml. S. 221) hiermit das Recht verleihen, das Er Regulierung des Ballbruchgrabens im Ortsteile Mörs⸗Schwafheim er⸗ forderliche Grundeigentum im Wege der Enteignung zu erwerben. ““ Berlin, den 18. Januar 1908. Wilhelm R. Bereitenbach. von Moltke. An die Minister der öffentlichen Arbeiten und des Innern.

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18 Königliche Technische Hochschule Hannover.

Die Vorträge und Uebungen werden im Sommerhalbjahr Donnerstag, den 23. April 1908, beginnen. Einschreibungen dazu er⸗ folgen vom 4. bis 25. April d. §. b Programme werden vom Sekretariat gegen Einsendung von 60 in Briefmarken der deutschen Reichspost portofrei oder auf Wunsch gegen Nachnahme zugesandt.

Hannover, den 10. Februar 1908.

Der Rektor * eb Hochschule. r. .

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Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 13. Februar.

Seine Majestät der Kaäiser und König hörten,

„W. T. B.“ zufolge, gestern nachmittag im hiesigen König⸗

lichen Schlosse den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts,

Wirklichen Geheimen Rats Dr. von Lucanus. Heute vor⸗

mittag besuchten Seine Majestät den Staatssekretär des

Auswärtigen Amts von Schoen und wohnten darauf der Sitzung des Landwirtschaftsrats im Herrenhause bei.

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Der Bundesrat versammelte sich heute zu einer Plenar⸗ sitzung; vorher hielten die vereinigten Ausschüsse für Henth⸗ und Verkehr und für Justizwesen sowie der Ausschuß für Justizwesen Sitzungen. 8 XXX“

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Die Ratifikationsurkunden zu der am 18. Juni v. J. in Cetinje unterzeichneten Handels⸗ und Schiffahrtsüber⸗

e zwischen dem Deutschen Reich und Monte⸗ i

negro sind, wie das „W. T. B.“ meldet, gestern in Cetinje ausgewechselt worden. 8

In der Beilage zu Nr. 298 des „Reichsanzeigers“ vom 16. Dezember 1907 ist der vorläufige Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs vom 27. Mai 1896, veröffentlicht worden. Die Fassung des 10, welcher von der Verhängung einer öffentlichen Utrahe im alle des Warennachschubs beim Ausverkaufe handelt, ist in ieser Veröffentlichung durch einen Druckfehler unrichtig wiedergegeben. Es ist daselbst von einer Geldstrafe „bis zu fünfhundert Mark“ die Rede, während es, wie der Vergleich des § 10 mit der gleichartigen Vorschrift in § 6 und ferner die dem Entwurfe beigegebenen Erläuterungen ergeben, viel⸗ mehr „fünftausend Mark“ heißen muß. ie richtige Fassung des § 10 lautet hiernach: 8

§ 10.

Mit Geldstrafe bis zu fünftausend Mark oder mit Gefängnis bis zu einem Jahre wird bestraft, wer im Falle der Ankündigung eines Ausverkaufs Waren zum Verkaufe stellt, die den durch die Ankündi⸗ gung betroffenen Waren nachträglich hinzugefügt worden sind, oder

für deren Verkauf der bei der Ankündigung angegebene Grund des 8 8

Ausverkaufs nicht zutrifft.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. „Tsingtau“ vorgestern in Hongkong eingetroffen morgen nach Macao weiter.

Flußkbt.

Oesterreich⸗Ungarn.

Die Schwierigkeiten, die dem Abschlusse des Handels⸗ vertrags mit Serbien entgegengetreten waren, sind, wie die „Neue Freie Presse“ meldet, in der vorgestrigen und estrigen vexeF,n.; beseitigt worden, da Serbien die volle Feczen der Handhabung der e“ von seiten esterreichs und Ungarns als Basis für die Vertragsbestim⸗ mungen angenommen habe.

Die österreichische Delegation setzte Fn die ven des Budgets des Ministeriums des Aeußern ort.

Nach dem Bericht des „W. T. B.“ verteidigte der Delegierte Pacher das Bündnis mit Deutschland gegen die von flawischen Rednern erhobenen Vorwürfe. Die Polenvorlage der preußischen Regierung sei keine Maßnahme zur Vernichtung der Polen, sondern hlos eine Maßregel, den deutschen Bevölkerungsstamm in den Ostprovinzen zu stärken zum Schutze dieser strategisch wichtigen Provinzen. Es gebe für Oesterreich keine bessere I als die Aufrechterhaltung des Dreibundes, vor allem des

ündnisses mit dem Deutschen Reiche. Dr. Kramarcz trat mit aller Entschiedenheit den in der ausländischen Presse der österreichischen Balkanpolitik x. vn aggressiven Tendenzen wutgegen und betonte, daß sich weder in Oesterreich noch N Ungarn für eine aggressive Politik auf dem Balkan ne Majorität fände. Dr. Kramarcz erklärt in seiner

und geht

Rede weiter, er erwarte beruhigende Erklärungen darüber, daß die Entente Oesterreich⸗ Ungarns mit Rußland und den übrigen Mächten bezüglich der Resormaktion in Mazedonien durch das Projekt der Sandschakbahn nicht erschüttert werde. Der Dele⸗ gierte Bärnreither verwies darauf, daß die Zusammensetzung Oesterreich⸗Ungarns aus den verschiedensten Nationalitäten ihren Einfluß auf die auswärtige olitik immer mehr geltend mache. Das Mittel, die Nationalitätenpolitik abzuschwächen, sei, das Nebeneinanderleben der Nationen auf die Basis einer gewissen gegenseitigen Achtung der nationalen Gefühle zu stellen. n aber ein äußeres Ereignis eine oder die andere Nationalität etwas lebhafter anrege, könne die österreichisch⸗ungarische olitik daraus nicht sofort Konsequenzen ziehen. Der ister des

ußern solle derartige Störungen keineswegs ignorieren; er könae aber nichts anderes tun, als sie beobachten und seine Beobachtungen bei Führung seiner Politik verwerten. Der Kurs der auswärtigen Politik dürfe durch vorübergehende Störungen, durch einen Windstoß von außen nicht ins Wanken gebracht werden. Der Minister des Aeußern habe innerhalb der Grenzen des Möglichen und Wirklichen getan, was er habe tun können. Er fasse die Stellung Oesterreichs lebendig auf, und der Ausfluß dieser Stellung sei seine Wirtschaftspolitik auf dem Balkan. Der Redner trat der miß⸗ verständlichen Auffassung dieses ktes in dem Programm Aehren⸗ thals in der uslandsp entgegen und betonte, es handle sich keines Wum eine Abenteuerpolttik, sondern lediglich um die edliche, zivilisatorische und volkswirt⸗ schaftliche Erschließung des Balkans, wobei Deutschland durch die aufrichtige Unterstützung der Bestrebungen Oester⸗ reich⸗Ungarns Gelegenheit haben werde, ritterliche Revanche für Algeciras zu nehmen. Das Mürzsteger Programm bilde die unverrückbare Basis der österreichisch⸗ungarischen Orientpolitik; eine Lücke dieses Programms sei es, daß die wirtschaftlichen, sozialen und Schulverhältnisse Mazedoniens keinerlei Beachtung darin finden. Bärnreither regte eingehendes Studium dieser Verhältnisse an und betonte die Notwendigkeit des Abschlusses von Handelsverträgen mit den Balkanstaaten. Der Redner trat für die Kon⸗ .- des Verhältnisses Oesterreichs zu Ungarn ein und ob hervor, die wirtschaftliche Gemeinsamkeit biete die einzige und sicherste Gewähr für die Kraftstellung der Monarchie nach außen. Der Delegierte Seliger verurteilte die vom „preußischen Junker⸗ tum diktierte“ Polenpolitik und erörterte eingehend die traurige 5 der österreichischen, nach Preußen ausgewanderten Arbeiter. forderte den Minister des Aeußern auf, sich ihrer anzu⸗ nehmen, und schloß mit dem Wunsche, daß die auswärtige Politik Oesterreich⸗Ungarns nicht bloß eine Politik der kapi⸗ talistischen Interessen, sondern auch eine Politik zum Schutze der Gesundheit und der ökonomischen Interessen der im Auslande lebenden Oesterreicher sei. Der Delegierte Axmann betonte, daß die Christlich⸗Sozialen unentwegt am Bündnisse mit Deutschland fest⸗ hielten, und sprach die Erwartung aus, daß Deutschland Oesterreich⸗ Ungarns Unterstützung in Algeciras mit Unterstützung der österreichisch⸗ ungarischen Balkanpolitik vergelten werde. Hormuzaki begrüßte das Festhalten an dem bewährten Bündnis mit Deutschland und Italien, erklärte jedoch, die preußische Politik verletze nicht nur die Gefühle der Polen, sondern aller, die auf dem Standpunkt der Gleich⸗ berechtigung der Nationalitäten ständen.

ierauf ergriff der Minister des Aeußern Freiherr

von Aehrenthal das Wort und führte in Erwiderung guf verschiedene, in der Delegation eingebrachte Beschwerden folgendes aus:

„Was die Frage der Behandlung österreichischer oder ungarischer Staatsangehöriger israelitischer Konfession in Preußen anlangt, so hat die Kaiserlich deutsche Regierung anläßlich einer speꝛiellen Anfrage erklärt, es beruhe auf einer irrigen Voraussetzung, wenn angenommen werde, Ausländern mosaischen Glaubens der Aufenthalt in Preußen überhaupt nicht gestattet werde. Es bedürfe vielmehr für diese nur bestimmungs⸗ gemäß in der preußischen Monarchie im einzelnen Falle einer Ge⸗ nehmigung zum Aufenthalte. Aus dieser Erklärung der Kaiserlich deutschen Regierung geht hervor, daß es sich hier nicht um eine speztell gegen unsere israelitischen Staatsangehörigen gerichtete Maß⸗ regel, sondern um eine generelle Verfügung handelt, die in gleicher Weise alle ausländischen Israeliten trifft. Gleichgültig welcher Kon⸗ fession die von der Ausweisungsverfügung Betroffenen angehören, werde ich nach wie vor, sofern sonst die Foreeshe.sen hierzu gegeben sind, meine rn E jedem gaee. Falle eintreten lassen. Wie die von mir schon Ausschusse mitgeteilten einschlägigen Daten beweisen, sind die Resultate meiner Intervention im Interesse unserer Landsleute ungünstig gewesen. In der Frage des Anspruchs unserer aus Deutschland heimgekehrten Arbeiter auf den Fortbezug von und Invalidenrenten möchte ich folgendes bemerken: Infolge unserer Fnterwegton bat 2 ö bärete, b gae. einen Be gefaßt, wona ie österreichi rbeiter, a wenn sie das Deuts Reich verlassen haben, im Genusse ihrer dort erworbenen Unfallrente verbleiben. Wegen Zuerkennung desselben Rechtes an jene österreichischen Arbeiter, die in Deutschland auf Invalidenrente Anspruch erworben haben, sind Verhandlungen mit der Kaiserlich deutschen Regierung im Gange. Es ist darauf hingewiesen worden, daß die Verfügung, welche die sogenannten Sachsengänger be⸗ trifft, bloß auf unsere Staatsangehörigen Anwendung findet. Das ist nicht ganz zutreffend. Die Verfügungen der preußischen Behörde, die am 1. Februar in Kraft getreten sind, beziehen sich auf alle Arbeiter, die vom Osten kommen, also auch auf die Russen. Ia betreff dieser Verfügungen kann ich auf die Erklärungen ver⸗ weisen, die ich dem Ausschusse abgegeben habe, und die dahin lauten, daß wir mit der preußischen Regierung in freundschaftliche Verhand⸗ lungen eingetreten sind, gewisse Bedenken und Vorstellungen gegen diese Verfügungen erhoben ba und daß diese Verhandlungen noch fort⸗ Fseßt werden. Ich komme zu den Erörterungen, welche die allgemeinen Verhältnisse der Monarchie betreffen. Mit Befriedigung muß ich konstatieren, daß die Mehrzahl der Redner in betreff der Grundlagen und Ziele unserer Politik übereinstimmen. In einer sehr interessanten und geistreichen Rede hat der Graf Dzieduczycki an dem Dreibunde eine Kritik geübt. Nun, mein verehrter Freund wird von meiner Antwort nicht überrascht sein, die ich im folgenden zusammenfassen möchte. Der Dreibund wurde geschaffen zum Schutze und zur Befestigung des Gleichgewichts in Europa, zur Abwehr der Gefahren, die aus einer Verschiebung dieses leichgewichts für die einzelnen Mitglieder des Dreibundes entstehen könnten. Ich sage aus⸗ drücklich „in Europa“, denn der Dreibund hat mit über⸗ seeischen Unternehmungen nschts zu schaffen. Ueber die einzelnen Bestimmungen der Dreibundverträge ist nichts verlautbart worden, aus dem einfachen Grunde, weil die Geheimhaltung dieser Verein⸗ barungen stipuliert worden ist, wie auch Vereinbarungen, die besondere Gruppen in Europa abgeschlossen haben, bisher nicht veröffentlicht worden sind. Auch an das Bündnis mit Deutschland wurde die kritische Sonde gelegt. Mir scheint es, daß es keine richtige Methode ist, bei dem Bündaisse, das seit 30 Jahren besteht, in einem gegebenen Moment die Bilanz ziehen zu wollen und zu fragen: Was hat dieses Bündnis mir, was hat es den anderen Kontrahenten gebracht? Meine Herren! Was ist das Wesen dieses Bündnisses? Im Interesse des Friedens ist es notwendig, daß in Mitteleuropa die zwei Groß⸗ mächte in enger Freundschaft zusammenhängen. Deutschland hat ein eminentes Interesse, daß Oesterreich⸗Ungarn eine starke Großmacht ist. Wir haben ein gleiches Interesse, daß Deutschland eine Großmacht bleibt. Dieses Verhältnis basiert auf vollkommene enseitigkeit; natürlich ist damit die Politik nicht ganz erschöpft. Große Staaten, wie Oesterreich⸗Ungarn oder Deutschland, haben auch andere be⸗ sondere Interessen, denen sie nachgehen. Ich verweise da speziell auf die überseeische Frage. Deutschland nimmt eine Weltstellung ein, aber auch in Europa gibt es Fragen, die uns nicht berühren. Wenn Deutschland z. B. im Baltischen Meere oder in der Nordsee ein spenielles Interesse bätte, und dort Verwicklungen entstehen würden, so würden dadurch unsere Verpflichtungen nicht berührt.“

. eäeincs h 899 Erlegung der Geldbuße ehehs Üea

Der Mini klärte sodann, timme em Abg. Klofac überein, der Bulgarien und Serbien den Rat gegeben habe, nicht mit Gewalt in die mazedonische Angelegenheit einzugreifen. Es sei dies der gleiche Rat gewesen, den er, der Minister, den Regierungen in Sofia und Belgrad habe geben lassen. Der Minister sprach weiter die Hoffnung aus, sich die gewiffe Erregung, die seine Erklärungen über die Anschlußbahn, speztell in Rußland, hervorriefen, bald legen werde. Denn, wenn man die Sache objektiv prüfe, erkenne man, daß eine Verwechslung von Politik und wirtschaftlichen Angelegenheiten vorliege. Seit dem Be⸗ stehen der Entente beruhe diese auf dem übereinstimmenden festen Entschluß der österreichisch⸗ungarischen und der russischen Regierung, die Unabhängigkeit und das Selbstbestimmun recht der Balkanstaaten striktest zu achten, da beide Mächte jedwede territoriale Eroberung auf dem Balkan von der Hand weisen. Die Frage e h⸗ an das türkische Bahnnetz liege weit weg vom Felde dieses Akkordes sowie des Mürzsteger Pro⸗ gramms. Dieser Akkord sei die Konsekration des Prinzips der Er⸗ haltung des status quo, während es sich bei dem Bahnanschluß um eine natürliche Entwicklung des Handels und des Verkehrs handle. Mit anderen Staaten sei die Regierung über die Anschlußangelegen⸗ heit nicht in Verhandlungen getreten, da die Angelegenheit ausschließ⸗ lich zwischen Oesterreich⸗Ungarn und der Türkei spiele. Er könne nicht zugeben, daß dies auf die Reformfrage einen ungünstigen Einfluß ausüben werde. Zweifellos sei die Verbesserung des Justizwesens ersichtlich, ebenso wie die Gendarmeriefrage und die Finanzreform bereits durchgeführt seien. Bezüglich der Justizreform be⸗ merkte der Minister, daß die beiden Ententemächte sie allein hätten durchführen können, daß sie jedoch, da mehrere Signatarmächte den Wunsch der Mitwirkung deutlich erkennen ließen, diese Mitwirkung angenommen hätten. Die Verhandlungen seien noch nicht beendet. Der Minister müsse sich daher auf diese Bemerkungen beschränken, wolle aber betonen, daß er mit Rußland in allen Fragen, auch in der letzten Frage, betreffend die Justizreform, in vollstem Einverständnis vorgehe. Der Minister versicherte schließlich, die Regierung werde alle Bemühungen unterstützen, die zur Konsolidierung der Sitration in Europa beitragen. Er glaube aus der Verhandlung in der Dele⸗ gation die Ueberzeugung gewonnen zu haben, daß die Politik, die sich ausschließlich von friedlichen Zielen leiten lasse, gleichzeitig aber für b 5 der Monarchie eintrete, die Unterstützung der Delegation

nden werde.

Das Budget des Ministeriums des Aeußern wurde schließlich im allgemeinen und in den Details angenommen.

Die Verhandlungen wegen Verstaatlichung der südnorddeutschen Verbindungsbahn haben gestern nach⸗ mittag in Wien begonnen. b

Der Eisenbahnminister Dr. von Derschatta eröͤrterte, „W T. B.“ zufolge, die näheren Modalitäten, die nach den Intentionen der Re⸗ gierung bei einer Vereinbarung mit der Gesellschaft in Betracht kommen. Der Minister fügte hinzu, daß die Regierung für den Fall, daß die Vereinbarung nicht zustandekomme, sich selbstverständlich vor⸗ behalte, von dem konzessionsmäßigen Einlösungsrechte Gebrauch zu machen. Die Vertreter der Bahngesellschaft stellten die baldige Be⸗ kanntgabe der Anträge der Gesellschaft in Aussicht.

Ein von der Deutsch⸗Nationalen Korrespondenz ver⸗ öffentlichtes Kommuniqus besagt, daß in der gestrigen Sitzung des Neunerausschusses die neuerlich aufgetauchten Forderungen der Italiener in Beratung gezogen worden seien und der Unterrichtsminister Marchet eingehende Aufklärungen gegeben habe, aus denen hervorgehe, daß der Vorschlag, eine von der Universität unabhängige juristische ita entsa Fakultät in Wien zu errichten, nichts anderes als eine Anregung sei, die weder von italienischer noch von deutscher Seite ausginge.

Großbritannien und Irland.

Im Unterhaus brachte gestern der Premierminister Campbell⸗Bannerman eine Resolution ein, für alle Verhandlungen, die mit den beiden schottischen Land⸗ bills in Beziehung ständen, einen Zeitraum von 6 Tagen festzusetzen. b

In der Begründung der Resolution erklärte der Premier⸗ minister, laut Bericht des „W. T. B.“, daß sich zu sten der Bills, die während der letzten Tagung vom Hause der Lords abgelehnt, für die jetzige Tagung jedoch wieder eingebracht worden seien, eine Veränderung fühlbar gemacht habe, über die das Unterhaus seine Meinung bereits ausgesprochen habe. Die Bills seien in dieser Tagung so ,12 wieder eingebracht worden, damit das Oberhaus hinreichend be, sie nochmals in Erwägung zu ziehen. Vorgehen der jerung stehe in Ueber⸗ einstimmung mit dem Plan, den er über die Beziehungen der beiden E in der letzten Session vorgetragen habe, und würde Zeit sparen und die Würde des Unterhauses aufrechterhalten. Balfour behauptete, mit den Bills wolle die Regierung nicht legislative Politik treiben oder irgend einer Klasse Schott⸗ lands eine Wohltat erweisen, sondern sie sollten nur als ein Mittel zum Angriff auf die Lords dienen. Die letzten Nachwahlen hätten gezeigt, daß die Regierung nicht in der Lage wäre, eine große Um⸗ wälzung durchzuführen. Der Kanzler des Süüeben. Asquith trat Balfours Andeutungen bezüglich der Absichten der Regierung bei der Einbringung der Bills energisch entgegen und sagte, die Bills fänden in Schottland eifrige Unterstützung.

Die vorgestern verhafteten Anhängerinnen des Frauenstimmrechts sind gestern vom Polizeigericht in West⸗ minster zu Geldstrafen oder sechs Wochen Haft verurteilt worden. 48 haben die Haftstrafe auf sich genommen, die

A1“ Frankreich.

Die Senatskommission zur Untersuchu 1 dation der Kongregationsgüter hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, fünf Unterausschüsse einzusetzen, denen nach den Gerichtssprengeln eine Anzahl von Liquidationen zur Prüfung überwiesen werden soll.

Im Laufe der Debatte erklärte der Kommissionspräsident Combes, „W. T. B.“ zufolge, daß die Zahl der Liquidationen, über die Bemerkungen zu machen seien, im ganzen gering sei. Die meisten Unklarheiten und Widersprüche fänden sich in den Rech⸗ nungen über die Liquidationen der in Paris gelegenen Kon⸗ gregationsgüter. Zwei Mitglieder der Kommission, der Gemäßigte Ferrier und der Konservative Riou, wiesen auf Ge⸗ rücht hin, nach dem der Justizminister sich geäußert habe, daß die Schweiz ihre Bahnen mit dem Gelde der französischen Kongreg n verstaatlicht habe. Beide Redner sprachen den Wunsch aus, daß dieses Gerücht dementiert würde, da diese dem Justizminister zugeschriebene

Aeußerung sonst in der Schweiz Mißstimmung hervorrufen könne. 8

Rußland.

Die ordentliche Session des finnischen Landtags ist gestern eröffnet worden. Auf die Begrüßung der Volks⸗ vertreter durch den Generalgouverneur antwortete der Präsi⸗ dent in finnischer Sprache und sagte „W. T. B.“ zufolge:

Das finnische Volk erwarte ungeduldig die Verwirklichung der Reformen und hoffe, daß sie zur friedlichen Entwicklung des Landes beitragen würden. Seit dem Schluß der letzten Session im vergangenen Herbst seien Ereignisse eingetreten, die zu lebhaften Be⸗ sorgnissen im Volk Anlaß gegeben hätten. In Verleugnung der lokalen Ge⸗ setze sei eine der höchsten Stellen in Finnland einer Persönlichkeit anvertraut worden, die aktiv dazu beigetragen habe, ein Regime im

Lande einzuführen, das vom Kaiser⸗Großfürsten durch das Manifest vom 4. November 1905 großmütig zurückgenommen worden wäre. In gewissen politischen Kreisen des Reichs erhebe man gegen Finnland falsche Anklagen, die der politischen und wirtschaftlichen Lage des Landes Schaden zuzufügen geeignet seien. Das Volk Finnlands sei sich bewußt, daß die von den Vorfahren ererbte geseßliche Ordnung zur gleichmäßigen inneren Entwicklung des Landes unbedingt ee.n; sei, und hoffe, unter dem Schutze eben dieser Gesetze auch weiterhin leben zu können. Er⸗-lege im Namen des Landtags dem Herrscher die treuen Gefühle tiefer Ehrfurcht und Ergebenheit zu Füßen. 8 Das Präsidium des Landtags blieb unverändert.

Spanien.

„Die von dem Blatte „El Mundo“ verbreitete Nachricht, daß die französische Regierung die spanische Regierung mittels einer Note zu einer tätigeren Mitarbeiterschaft in Marokko aufgefordert habe, ist, wie das „W. T. B.“ meldet, unbegründet. Der Minister des Innern de la Cierva habe nach Schluß des gestrigen Ministerrats erklärt, daß Spanien von Frank⸗ reich keine Note über Marokko erhalten habe. u“

Portugal.

Unter Vorsitz des Königs Manuel hat gestern ein Staatsrat stattgefunden, der seine Zustimmung zur Be⸗ nadigung der wegen Meuterei im April 1906 be⸗ raften Matrosen gegeben und damit einem besonderen Wunsche des Königs, seine Regierung mit einem ihm verfassungsmäßig zustehenden Gnadenakt einzu⸗ leiten, entsprochen hat. Wie die „Frankfurter Zeitung“ meldet, hat der König außerdem eine allgemeine Amnestie erlassen, die sich auf Deserteure aus der Armee und Marine sowie auf Offiziere und Mannschaften, die wegen Disziplinarvergehen

bestraft find, erstreckt.

Asien.

Doeopeschen aus Wan melden, „W. T. B.“ zufolge, daß in der dortigen armenischen Kirche eine große Anzahl Kisten

mit Gewehren, Patronen und Dynamit entdeckt wurden. Als Soldaten diese Kisten fortschafften, wurden sie von arme⸗ nischen Revolutionären angegriffen. Es entstand ein heftiger Kampf, bei dem im armenischen Quartier großer Schaden angerichtet und eine große Anzahl Menschen umge⸗

kommen sein soll.

Das zur Bestrafung der Zakkakhels bestimmte Ex⸗ peditionskorps unter dem Kommando des Generals Willcocks ist, „W. T. B.“ zufolge, heute nach deren Gebiet aufgebrochen.

Afrika.

Nach einer vom „W. T. B.“ verbreiteten Depesche des Generals d'Amade haben die beiden Kolonnen, welche die Kasbah der Uled Said besetzt halten, die Umgegend erkundet. Sie fanden die Febder bestellt, aber teilweise von den Bewohnern verlassen, die sich in südwestlicher Richtung zurückgezogen haben. Der Widerstand der auf der Flucht befindlichen Stämme und der

rückgeworfenen Heereshaufen scheint, da der Feind außer be⸗ krachtt en Verlusten auch den Tod zahlreicher Kaids zu be⸗ klagen hat, vollständig gebrochen. Die französischen Truppen könnten gegenwärtig im ganzen Gebiet der Schaujas unge⸗ hindert Streifzüge .-e⸗ b

Ein am 9. d. M. aus Mazagan abgesandter Brief ent⸗ hält, wie „W. T. B.“ aus Tanger meldet, die Nachricht, daß die dort befindlichen Truppen des Sultans Abdul Asis die an der Küste gelegene Ortschaft Asemmur und die den Ort umgebenden Befestigungswerke, die von Truppen Mulay Hafids befezt gehalten wurden, eingenommen haben. Es liegt noch keine Nachricht darüber vor, ob die Truppen bei dieser Gelegenheit Widerstand gefunden haben.

der Liqui⸗

jedoch das

Die Hohkönigsburg nach ihrer Wiederherstellung.

In wenigen Monaten werden die Bauarbeiten an der Hohkönigsburg vollendet sein und das prächtige Bauwerk, das man als den schönsten Kriegsbau in deutschen Landen be⸗ zeichnet, steht dann wieder vor uns in seiner ganzen mächtigen Erscheinung, die es vom 15. bis zum 17. Jahrhundert bis zu seiner Zerstörung während des 30 jährigen Krieges aufge⸗ wiesen hat. Bei den Wiederherstellungsarbeiten hat der Architekt Bodo Ebhardt sich sorgfältig an die Ueber⸗ lieferungen gehalten. Dazu boten die Ausgrabungs⸗ arbeiten schätzbares Material, und die Studien in den Archiven gaben ebenfalls reiche Unterlagen. Vor allem aber standen die Bauten selbst noch bis auf Dächer und Zinnen in allen Teilen aufrecht da. Zahlreiche Studienreisen, besonders die nach Burgund und Italien, ergänzten die noch vorhandenen Lücken, sodaß heute ein historisch treuer Bau vor uns steht. Es ist schon früher darauf hingewiesen worden, daß keineswegs die Absicht besteht, etwa ein Museum auf der Burg anzulegen, sondern daß die Räume nach den alten In⸗ ventaren so ausgestattet werden, daß die Besucher ein getreues Bild der Einrichtung einer alten Burg erhalten.

Scchon auf halbem Wege zwischen Straßburg und Schlett⸗ stadt tritt die Hohkönigsburg aus der großen Zahl der Burgen dieser Gegend imponierend 1 Auf steiler Bergpyramide ragt sie, losgelöst von ihren Nachbarn, frei und kühn in die Lüfte, nach ihrem Wiederaufbau noch mehr als früher scharf hervortretend. Ein Besuch geschieht am besten von Schlett⸗ stadt aus, von wo im Sommer zweimal täglich eine Auto⸗ mobilverbindung bis nach dem Hotel Hohkönigsburg besteht, das sich etwa 150 m unterhalb am Suͤdabhange des 1 km. langen Bergkammes befindet, der die Hohkönigsburg trägt. Durch reiches Rebengelände führt der Weg über Dorf Kinz⸗ heim mit seiner alten Ruine in die Vogesen hinein. Die Stadt Schlettstadt hat von 5 bis zur Hohkönigsburg eine neue Fahrstraße, die Kaiserstraße genannt, anlegen lassen. Wo der

eg zu steigen beginnt, umfangen uns die Tannen des Wasgenwaldes, und von der Hohkönigsburg sehen wir nur an den Kehren ein wenig hervorschimmern. Kurz bevor wir 1 otel erreichen, öffnet sich ein wunderbarer Aus⸗ blick auf die Rheinebene gen Süden, den Schwarzwald im Osten und vor uns auf die Südvogesen. Es ist wohl mit die schönste, wenn nicht überhaupt die schönste Aussicht von einem Burgberge in deutschen Landen. In etwa 20 Minuten erreicht man auf dem bequcmen Hohenlohepfad die Burg. „Der rote Sandstein, aus dem das Bauwerk errichtet ist, gibt ihm einen warmen Ton. Besonders wenn die Sonne hinter den Vogesen verschwindet oder im Frühlicht, dann scheint es, als ob der Bau neues Leben gewinnt.

Es ist jetzt’ Von dem Bergfried weht

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fast alles vollendet, nur im Tiergarten wird noch eifrig gearbeitet. Doch ist mit Sicherheit 9 erwarten, wenn nicht besondere Zwischenfälle eintreten, daß zum Mai alles fertig ist, sodaß also vom Tage der Grundsteinlegung zum eigent⸗ lichen Wiederaufbau durch Seine Majestät den Kaiser am 12. Mai 1901 genau 7 Jahre gebraucht worden⸗sind, um diese größte und besterhaltene Burgruine des Elsaß wieder⸗ herzustellen. Allerdings gingen 2 Jahre Ausgrabungen und Forschungen an der Burg und in den Urkunden vorauf, da der Architekt Bodo Ebhardt seine Arbeiten schon 1899 begann. Wir rüsten uns zu einem Rundgange. Durch das Haupttor auf der Südseite mit dem Wappen der Thiersteiner Hten wir zunächst in den äußeren Zwinger. Links ragen gewaltige Sandsteinfelsen 20 bis 25 m empor, auf denen das Hochschloß ruht. Seine unteren Mauerteile stammen aus der romanischen, seine oberen aus der spätgotischen Zeit. Rückwärts blickend sehen wir den ersten der 11 Zwinger⸗ türme, die auf die rings um die ganze Anlage laufende Wehrmauer verteilt sind. Er ist nach der Innenseite offen, nach außen sind. Verteidigungs⸗ luken angebracht. Nunmehr durchschreiten wir das eiserne innere Tor unter einem Fallgatter, das, wie die Tor⸗ flügel, wiederhergestellt worden ist. Ueber dem innern Tor befindet sich das Kaiserwappen, links hinter dem Tor steht das „Porthuslin“ (Pförtnerhaus). Ueber dem Torbau ist eine Wohnung für den künftigen Kastellan der Burg hergerichtet worden. Jetzt sind wir im östlichen Vorhof und haben zur rechten Hand das Wirtshaus, dessen bereits im Jahre 1500 Erwähnung getan wird. Darunter befinden sich der 8 stall und der Eselstall. Es wurden hier bei den Ausgrabungen noch 5 im Boden liegende Schalen zur unterirdischen Ent⸗ wässerung der Stände gefunden. Das Wirtshaus ist mit Holzwandverkleidung nach alten elsässischen Mustern wieder⸗ hergestellt. In diesem Vorhof, der die Wirtschaftsgebäude enthielt, befinden sich ferner der eem mit einem Aufzug und die alte Schmiede, die während des Baues bereits benutzt wurde. Geschützt wurde der Vorhof durch zwei mächtige Batterietürme, verbunden durch eine Quermauer, die ebenso wie die nördliche und südliche Mauer Wehrgänge aufwies. Vom Vorhof gelangen wir zum Hochschloß, das nur diesen einen Fugang hat. Behütet wird dieser Zugang durch die untere Wacht, über deren Tor wir das Wappen der Freiherren von Bollweiler und links daneben das Familienwappen Thier⸗ stein⸗-Neuenburg erblicken. Durch das Haus Neuenburg sind die Thiersteiner auch mit den Hohenzollern verwandt geworden. Auf einer steilen Treppenanlage gelangen wir über eine Zug⸗ brücke zunächst zum Löwentor, so genannt nach den beiden Löwen, die als Wappen der Hohenstaufen über diesem Tore. sich befinden. Bevor wir in den innern Burghof treten, begegnen wir einem kleinen Brunnenhof mit dem wieder hergestellten Brunnen. Dieser in den Felsen gespitzte Brunnen hat eine Tiefe von 62 m bei einem Durchmesser von 1,60 m. Bei den Aufräumungsarbeiten wurden besonders hier und in den Zisternen viele wichtige Funde gemacht. Er ist in seinem alten Zustande wieder hergestellt und selbst das Winderad zum Aufziehen des Wassers und die Eimer fehlen nicht. Bemerkenswert sind auch die Gußerker über dem Brunnenzwinger, sogenannte Pechnasen, die zur Verteidigung sowohl des Brunnens als auch des üpteingenges dienten. Durch ein siebentes Tor kommen wir schließlich in den Burghof des Hochschlosses. Zunächst befinden wir uns in einer schönen, geräumigen Halle unter dem Kapellenbau. ringsum von den Bauten des Hochschlosses eingeschlossen, und zwar nach Süden vom Kapellenbau, nach Westen vom Saalbau, nach Norden vom Küchenbau, an der Ostseite ragt der Bergfried empor. Unter dem Saalbau ist ein Weinkeller, in dem wir ein altes Stückfaß sehen, das ein Bürger der Stadt Lahr vor zwei Jahren der ne stiftete. Bei der Wiederherstellung der Burgküche wurde ein geheimer Gang entdeckt, der nach außen führte; er ist in diesem Zustande auch belassen worden. Die vier Geschosse der Hochbau⸗ flügel werden durch vier Wendeltreppen verbunden, von denen besonders bemerkenswert die eine ist, erste Geschoß führt und die „große Schnecke“ genannt wird. Sie ist nach aufgefundenen alten Bruchstücken in ihrer ursprünglichen feinen Profilierung wieder hergestellt worden. Im Grundriß bildet sie ein regelmäßiges Achteck und zeigt reiche spätgotische Formen. Auf dem Podest sind mehrere Inschrifttafeln angebracht. Ueber die „große Schnecke“ gelangen wir auf die erste Galerie und von hier aus in die Wohnräume. Im äußersten Zimmer nach Osten, der sogenannten Haupt⸗ mannsstube, dient eine Klappe im Fußboden zur Verteidigung des Brunnenzugangs. Ueber dem Kamin in diesem Raume sehen wir das Wappen Thierstein⸗Nassau; die Gemahlin des Grafen Oswald von Thierstein entstammte dem Hause Nassau. Ueber dem Kamin in einem andern Raume des Kapellenbaues ist ein Flachrelief des Kaisers Friedrich III. von Oesterreich zu finden, mit den Wappen der Länder, die zu seinem Hause gehörten. Die kleine Kapelle, in die wir dann treten, hat wieder einen Altar und soll demnächst kunstvolle Glasfenster erhalten. Sie geht durch zwei Stockwerke, und in Höhe des oberen Stockwerks befindet sich eine Empore, von der die Herr⸗ schaften dem Gottesdienste beiwohnten, während das Gesinde durch chräge Fensterluken von den Nebenräumen aus in die Kapelle blicken konnte. Von der Kapelle gelangen wir durch die Sattel⸗ oder Rüstkammer in den Saal. Seine vier Bogen werden von Säulen getragen, deren Kapitäle und Sockel die Wappen der 24 deutschen Bundesstaaten zeigen. Die Glas⸗ fenstermalereien stammen von dem Freiburger Maler Stritt. Ueber diesem Saal befindet sich der sogenannte obere Saal,

den wir durch den östlichen Treppenturm erreichen. Dieser

obere Saal zieht sich durch zwei Geschosse bis unter das Gewölbe des Hochschlosses. Eine kunstvoll geschnitzte gotische Wand schließt am Suͤdende des Saales das Lothringer Zimmer ab, dessen Ausstattung eine Stiftung des Vereins für lothringische Geschichte und Altertumskunde in Metz ist.

Das zweite und dritte Stockwerk des Kapellenbaues enthielten ebenfalls Wohnräume. Vom dritten Stockwerk gelangt man in den Bergfried und zwar Frnaͤchst in den Archivraum, dann in die goldene Kammer. Dieser höchst gelegene Raum der ganzen Burganlage wird künstlerische Malereien erhalten. Sodann zur Plattform mit dem Zinnenkranz und den Senk⸗ scharten hinansteigend, finden wir unterwegs zwei Gedenk⸗ steine, die gelegentlich von Besuchen des Kronprinzen und der Prinzen Aagrs⸗ Wilhelm und Oskar im Jahre 1902 und 1903 Von der Plattform gelangt man in den Dach⸗

Erker nach Süden ausgebaut ist, der

Fernsicht gestattet. Der trägt auf seiner Spitze

auch beim Besuch

gesetzt wurden. raum, wo ein eine herrliche Bergfried Seiner

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Der Burghof wird b das alte Dach erhalten, wie sie derartige Bauten in früheren

welche ins

von Versuchen auf dem Gebiete der

60 m hohe einen Adler. Aussicht

Majestät des Kaisers die K

eerstandarte. Beim Verlassen des Bergfriedes gelangen wir n.

an das Dach des Ho Fh es, das ein Bleidach war. Aber da 8 5 8 das später an seine Stelle ö Steindach die Räume vor Nässe schützte, wurde schließlich über allen Teilen des Baues ein Holzdach errichtet, das auch den bereits vorher um etwa 2 Landsknechtsspießhöhen (etwa 10 m) erniedrigten Bergfried mit überdeckte, und das nun wieder hergestellt ist.

Vom Hochschloß gehen wir über eine Zugbrücke und eine feste Holzbrücke nach dem hohen Garten, dem westlichen Teil der Burganlage. Dabei überschreiten wir einen 7 m tiefen Graben, in dessen Tiefe 1560 67 vergeblich Brunnenbauten vor⸗ genommen wurden, um Quellwasser zu erhalten. Von diesem Graben führt ein unterirdischer Gang zu einer großen Zisterne im oberen Garten, wo bei den Ausgrabungsarbeiten noch Teile der Klärvorrichtungsanlagen gefunden wurden. Der obere Garten wird jetzt wieder als Ziergarten hergerichtet. Das österreichische 1. mit dem burgundischen er

stahl oder Hobel im Türsturz an der Zugbrücke erinnert an

Maria von Burgund, die Gattin Kaiser Maximilians I. Im hohen Garten stehen wir nun vor dem großen Bollwerk, das gegen Westen, die Hauptangriffsseite, die ganze Burganlage abschließt. Es wird aus zwei Türmen und einer Mittelmauer ebildet, deren gewaltiges Mauerwerk im Südturm eine Stärke bis 7 m erreicht. Den mächtigen Verteidigungsbau erreichen wir wieder über eine Zugbrücke. Ueber dem Eingang befindet sich folgende Inschrift: „Dieser Bau ward errichtet durch Schweickhardt und Franz Conrad von Sickingen vor 1557 und erneut durch Wilhelm II., Deutschen Kanser und König von Preußen, im Jahre 1907“. Ueber der Inschrift sehen wir das große Wappen der Herren von Sickingen. Hinter dem Tor befinden sich zu beiden Seiten Stuben und darüber die große Geschützhalle, die nach Westen eine Schieß⸗ scharte hat. Der Südturm hat in Höhe der Plattform mächtige Gewölbe und über diesen das Wachtstüblein mit 4 Sguckfenstern. In diesen Raum ist ein Inschrift⸗ stein versetzt worden am Tage der Geburt des ersten .eerven Von dem Gewölbe führen Tore nach dem Wehrumgang. Vom Dachraum des Turmes genießt man einen schönen Blick auf die Vogesen. Beim Hinabsteigen vom Turm gelangen wir durch sechs Geschosse bis in die unterste Schießkammer. Ihre Rückseite bildet der nackte Fels, die Vorderseite ist durch gewaltige Mauern gedeckt. Es standen hier leichte Geschütze. Während der Fergf fast vollständig bis in Höhe des Daches des Hochschlosses abgetragen war, sind die Türme des großen Bollwerks bis zur Plattform er⸗ halten gewesen. Im Mittelbau ist gen Westen eine kleine Pforte angebracht, die zum Aufziehen 1acPreeee. Verteidigungs⸗ stuͤcke gedient haben wird.

Nunmehr er wir uns zurück durch das Löwentor wer. dem östlichen Vorhof und betreten von hier den Nordzwinger un den östlichen Felsgraben, wo die Bauern Unterkunft in fehde⸗ reichen Zeiten gefunden haben. Auch der östliche Teil der Burganlage ist von Wehrmauern umgeben und wurde Tier⸗ garten genannt, wahrscheinlich weil hier im Mittelalter Wild gehalten wurde. Im äußersten Osten des Tiergartens be⸗ findet sich ein interessanter Verteidigungsbau, der Stern⸗ bau, so genannt wegen seiner sternförmigen Anlage. In romanischer Zeit stand hier bereits ein Bergfried, und später --. man ein Festungswerk angelegt, das ein typisches Bild

ietet, wie nach Einführung der Pulverwaffen die Ver⸗ teidigungsbauten zuerst eingerichtet waren. Der Sternbau hat

Zeiten trugen.

Schon dieser flüchtige Rundgang zeigt, welche gewaltige Ausdehnung die Hohkönigsburg besitzt. Sie nimmt auf dem 1 km langen Bergkamme den östlichen Teil ein in einer Länge von 265 m. Auf dem Westende desselben Bergkammes be⸗ findet sich die Oedenburg, die bereits gänzlich verfallen war, als die Thiersteiner die Hohkönigsburg nach ihrer 8 n. im Jahre 1479 neu aufbauten. .

Parlamentarische Nachrichten.

Die Schlußberichte über die Feftrigen Sitzungen des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten befinden sich in der Ersten und Zweiten Beilage.

In der heutigen 100. Sitzung des Reichstages, welcher der Staatssekretär des Innern Dr. von Bethmann Hollweg und der Staatssekretär des Reichspostamts Kraetke beiwohnten, stand der Nachtragsetat für 1907, außerordent⸗ liche Bewilligung von 400 000 zur Förderung

Motorluft⸗ schiffahrt, zur dritten Beratung.

Ohne Diskussion wurde die Summe endgültig bewilligt.

Darauf setzte das Haus die zweite Lesung des Reichs⸗ haushaltsetats für 1908 2. und wandte sich zum Spezialetat der „Reichspost⸗ und Telegraphenver⸗ waltung“ 8

Zur Diskussion gestellt wurde zunächst der erste Titel des Ordinariums der Ausgaben „Gehalt des Staatssekretärs 44 000 ℳ“. Dazu liegt vor die von den Abgg. von Damm u. Gen. (wirtsch. Vgg.) beantragte Resolution:

„den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, die früher in Geltung gewesenen Ausnahmetarife für Postkarten, Drucksachen, Waren⸗ Geschäftspapiere im Orts⸗ und Nachbarverkehr wieder

nzuführen“.

Abg. Dr. Dröscher (dkons.): Der vorliegende Postetat ist offenbar mit Rücksicht auf die gesamte Finanzlage sehr vorsichti aufgestellt. Auf den Etat wirkt auch ein die täglich sich voll⸗ ziehende organische Umbildung des Beamtenkörpers. Die Steige⸗ rung der Einnahme ist im Etat in sehr vorsichtiger Weise eingesetzt. 1905 und 1906 war ja schon der Ueberschuß erheblich geringer als veranschlagt worden war; darum war Vorsicht geboten. Im laufenden Etat war dennoch die Einnahme hinter dem Voranschlage

mrückgeblieben; infolgedessen sind die Einnahmen geringer eingesetzt

worden. Um einem Verkehrsbedürfnis zu genügen, sind die Ausgaben in dankenswerter Weise erhöht worden. Die Aufhebung der Ausnahmetarife für das Ortsporto hat eine Mehreinnahme von einer Million gebracht, also 6 Millionen weniger, als man erwartet hat; diese sicher nicht verkehrsfreundliche Maßregel hat also nicht den erwarteten Erfolg gehabt. Wahrscheinlich wird der Ertrag von 6 Millionen nicht einmal erreicht werden. Es ist aber sehr fraglich, ob man entsprechend dem Antrage Damm bei der Finanzlage des Reiches die Ausnahmetarife wieder einführen kann. Dasse gilt auch von der in der Presse gewünschten Wiederaufhebung der Beschwerungen der Zeitungsbeilage usw. Zu der

age der Telephontarifreform ist es nicht nötig, jetzt schon

tellung zu nehmen. Wir werden dazu Gelegenheit haben, wenn die in gestellte Vorlage über diesen Punkt uns vorge⸗

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