Ausländer und Hospitanten können auch mit geringeren Vor⸗; kenntnissen aufgenommen werden, sofern sie die Zulassung zu den tier⸗
ärztlichen Sa Frcfngn in Deutschland nicht beanspruchen.
b B“ gramms die Direktion der Tierärztlichen 8 Hannover, den 24. Juli 1908. Hochschule Der Direktor: Dr. Dammann.
Personalveränderungen.
Königlich Preußische Armee.
Offiziere, Fähnriche usw. Bergen an Bord S. M. Jacht „Hoh⸗ - Kür. Regt. Graf Geßler 8 9 hein.) Nr. 8, in das 3. Schles. Drag. Regt. Nr. 15, Schmidt, Lt. im Kür. Regt. Graf Geßler 8 Nr. 8, in das Drag. Regt.
ohenzollern“*, 27. Juli. Etzel, Oberlt. im
Prinz Albrecht von Preußen (Litthau.) Nr. 1, — versetzt.
Swinemünde, an Bord S. M. Jacht „Hohenzollern“, 30. Juli. Oberlt. im Inf. Regt. von Lützow (1. Rhein.) Nr. 8 a-
Schultz, as 7. Rehn Inf. Regt. Nr. 69 versetzt. Beamte der Militärverwaltung.
Durch Verfügung des Kriegsministeriums. 16. Juli. s chel, Proviantmeister auf Probe in gult
Wahrendorff, Hent naiff v z Die kontrolleure auf Probe erner in enburg, Hochheim i Millitsch, Sicker in Rathenow, Oeltze in Thorn, N. Grelm. 8 Glogau, Eisenach in Ludwigslust, Hoffschild in Cöln, Messing in Berlin zu Proviantamtskontrolleuren ernannt. 17. Juli. Betenstedt, Lazarettoberinsp. auf Probe in Rastatt, um Lazarettoberinsp. ernannt. 8 8 Feabveertnür, tecqniscer Vorstand der rse e in Hannover, rüger, absveterinär, 8 bei der Militärlehrschmiede in Berlin, — der Charakter -Sh. Aüs. vetertnär“ mit dem persoͤnlichen Range der Räte V. Klasse verliehen. Tillmann (Erfurt), Schnöring (Barmen), Unterveterinäre der Res., zu Oberveterinären der Res., Berndt, Unterveterinär im 1. Großherzogl. Mecklenburg Drag. Regt. Nr. 17, zum Oberveterinär, — ernannt. Goerte, Oberstabsveterinär, technischer Vorstand der Militärlehrschmiede in Hannover, zum Braunschweig. Hus. Regt. Nr. 17, Stahn, Oberveterinär im 2. Unterel ass. Feldart. Regt. Nr. 67, jum Hus. Regt. Königin Wilhelmina der Niederlande (Hannov.) Nr. 15, Christian, Oberveterinär im 1. Bad. Leibdrag. Regt. Nr. 20, zum Jägerregt. zu Pferde Nr. 5, G“ bbeshe Fr; ZbF — versetzt. Floethe, Rechnungsrat, Proviantmeister in Lyck, auf seinen Antrag mi in d. Ke zan vrlen. 85 3 f; FEIII. ühn, erveterinär im Kür. Regt. von Driesen (Westfäl.) Nr. 4, zum Großherzogl. Art. Korps, 1 Gee Drtesen Hess. Feldart. Regt. Nr. 25 versetzt. Roßberg, Ppoofessor, Erster Armeemusikinspizient, Heym, Oberzahlmstr. vom I. Bat. 2. Thüring. Inf. Regts. Nr. 32, — auf ihren Antrag, ersterer zum 1. Oktober b. 8 Fhan. 8 den Rebestand Ppersett.
23. Juli. ewitz, Intend. Rat von der Schutztruppe fü Südwestafrika, als Militärintend. Rat des Frlese s chutztr “ angestellt und der Intend. des VI. Armeekorps überwiesen. Stott⸗ meister, Stabsveterinär, Remontedepotoberveterinär vom Remonte⸗ depot Wirsitz, Die drich, Rechnungsrat, Lazarettverwalt. Direktor in Straßburg i. E., auf ihren Antrag — ersterer zum 1. Oktober 1908, — mit Pension in den Ruhestand versetzt.
24. Juli. Tobien, Barz, Intend. Sekretäre von der Intend. der 18. Div. bzw. des XVI. Armeekorps, zum 1. Oktober 1905 gegen⸗
seitig versetzt. 27. Juli. Dropmann, Oberzahlmstr. vom III. Bat. 1. ssa Inf. Regts. Nr. 87, auf seinen Antrag, Mohr, Proviantsam Lar
in Halle a. S., — mit Pension in den, Ruhestand versetzt.
Königlich Bayerische Armee.
München, 30. Juli. Im Namen Seiner Majestät des Königs. Seine Königliche Hoheit Prinz Luityold, des Königreichs Bayern Verweser, haben Sich inhaltlich Allerhöchstens Handschreibens vom 30. d. M. v gefunden, Seine Königliche Hoheit den Großherzog Friedrich II. von Baden zum Inhaber des 8. In⸗ fanterieregiments zu ernennen und gleichzeitig verfügt, daß dieses Regiment sohin die Benennung „Großherzog Friedrich II den“
zu führen hat. Kaiserliche Marine.
Offiziere usw. Ernennungen, Beförderungen, Ver⸗ setzungen usw. 19. Juli. Nitzsche, Oberlt. zur See von der I. Marineinsp., zum Instrukteur an Bord S. M. großen Kreuzers „Prinz Heinrich“ ernannt.
21. Juli. Boehm, Lt. im I. Seebat., zum Oberlt. der Marineinf. befördert.
25. Juli. Meyer (Justus), Kapitänlt. von der II. Marine⸗ insp., vom 1. August d. J. ab zur Dienstleistung beim Bekleidungs⸗ amt des IX. Armeekorps in Altona⸗Bahrenfeld kommandiert.
29. Juli. Prof. Dr. Zie mann, Marineoberstabsarzt, ohne Gehalt kommandiert beim Gouvernement Kamerun, behufs Ueber⸗ tritts zur Schutztruppe für Kamerun mit dem 31. Juli d. J. der Ahlhet fumigt. “
winemünde, an or . Jacht „Hohenzollern“, 31. Juli. Es treten: 1) mit dem 1. August d. J.: zum II. Seebat.: v. Valentini, Hauptm. und Komp. Chef im III. Stammseebat.; zum III. Stammseebat.: Mansfeld, Hauptm. und Komp. Chef im II. Seebat., Stampe, Oberlt. vom I. Seebat., Bergeré, Lt. vom II. Seebat., Francke, Lt. vom I. Seebat., Brickenstein, Lt. vom II. Seebat.; 2) mit dem 16. August d. J.: zum III. Stammseebat.: Lemp, Lt. vom II. Seebat.
von “
Nicchtamtliches.
Preußen. Berlin, 6. August.
Nach der im Reichsversicherungsamt gefertigten Zusammenstellung, die auf den Mitteilungen der Vorstände der Versicherungsanstalten und der zugelassenen Kassen⸗ einrichtungen beruht, betrug die Zahl der seit dem 1. Januar 1891 bis einschließlich 30. Juni 1908 von den 31 Versicherungsanstalten und den 9 vorhandenen Kassen⸗ einrichtungen bewilligten Invalidenrenten (§§8 9. Absatz 2 und 10 des Invaliditäts⸗ und Altersversicherungs⸗ gesetzes und 15 Absatz 2 des Invalidenversicherungsgesetzes)
1 574 033.
Davon sind infolge Todes oder Auswanderung des Be⸗ veüee⸗ Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit, Bezugs von Unfallrenten oder aus anderen Gründen weggefallen 721 209, sodaß am 1. Juli 1908 liefen . . . . . 852 824
gegen 845 233 am 1. April 1908.
Die Zahl der während desselben Zeitraums bewilligten Altersrenten (§88 9 Absatz 4 des Invaliditäts⸗ und Alters⸗ versicherungsgesetzes und 15 Absatz 3 des Invalidenversiche⸗ 11114»*—
“
erteilt auf Aufrage unter Zusendung des Pro⸗
Proviantamts⸗
Davon sind infolge Tohr oder Auswande⸗ rung des Berechtigten oder aßlanderen Gründen weggefamlltee . .. sodaß am 1. Juli 1908 liefen
gegen 114 378 am 1. April 190bu99.
Invalidenrenten gem § 16 des Invalidenversiche⸗ rungsgesetzes (Krankenrente wurden seit dem 1. Januar ö NNNM . . . 82 168.
Davon sind infolge Todes Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit oder auanderen Gründen weggefallemnm.. .. sodaß am 1. Juli 1908 liefen 19 642
19 894 am 1. April 1908. Beitragserstattungensind bis zum 30. Juni 1908 bewilligt: a. an weibliche Versichet, die in die Ehe getreten iimdb 1 736 805
352 928, 112 096
64 526,
gegen
. b. an versicherte Perso ühie durch einen Unfall zuernd
erwerbsunfähig im Si
des Preesg
gesetzes geworden sis . .
4 1 11I1I1X1¹“X“ an die Hinterblieg in von
Versicherten. J.
. gegt
Zusamnun
8 gegi bis zum 30. März 1908.
m. — —
Der Hen Gesante in Oldenburg Hans Adol von Bülow ist von dem in Allerhöchst bewilligten Urlau auf seinen Posten zurückgekeht und hat die Geschäfte der Ge⸗ sandtschaft wieder übernomma.
„Der Präsident der Könglich preußischen Generallotterie⸗ direktion, Geheime Oberfinatzrat Dr. Strutz hat Berlin mit sechswöchigem Urlaub verlasen.
„Der Regierungsrat Cofrad aus Berlin ist dem König⸗ lichen Polizeipräsidium in Cöln endgültig, der Regierungs⸗ assessor Moll in Weißenfels der Königlichen Direktion für die Verwaltung der direkten Steuern in Berlin zur weiteren dienstlichen Verwendung überwiesen, der neuernannte Re⸗ hiern gzasgehsor Dr. jur. e von Ziegesar aus
otsdam dem Landrat des Kreises Rügen, der Regierungs⸗ assessor vom Rath in Fischhausen dem Landrat des Landkreises Wittenberg, der neuernannte Regierungs⸗ assessor von Mechow aus Merseburg dem Landrat des Kreises Karthaus, Westpr., der neuernannte Regierungsassessor Werther aus Schleswig dem Landrat des Landkreises Bochum und der neuernannte Regierungsassessor Dr. von Kalckreuth aus Frankfurt a. O. dem Landrat des Kreises Ottweiler zur Hilfeleistung in den landrätlichen Geschäften
zugeteilt worden.
. — —
8 89 22
n in V ded. zetroffen und geht am 12. August von dort nach Cadix in See. S. M. S. „Iltis“ ist vorgestern in Futschau ein⸗ getroffen. S. M. S. „Tiger“ ist vorgestern von Hankau nach Kiukiang (Nangtse) abgegangen. S. M. Flußkbt. „Tsingtau“ ist vorgestern von Sainam
Lan
abgegangen und an demselben Tage in Canton eingetroffen.
86 Frankreich.
Im Ministerrate berichtete gestern der Präsident Süage e über seine Reise und gab, „W. T. B.“ zufolge, einer Befriedigung über den herzlichen und warmen Empfang Ausdruck, den er uͤberall gefunden habe. 8
Rußland.
Der finnische Landtag ist gestern nach vorauf⸗ gegangenem Gottesdienst von dem Generalgouverneur Bäck⸗ mann im Thronsaal des Kaiserpalastes zu Helsingfors, laut v des „W. T. B.“, mit folgender Thronrede eröffnet worden:
Vertreter des finnischen Volkes! Fast hundert Jahre sind ver⸗ flossen, seitdem Finnland ein Teil des russischen Reichs “ ist. Unter dessen mächtigem Schutz erreichte dieses Gebiet eine bedeutende materielle und geistige Entwicklung. Zu unserm tiefsten Bedauern entwickelte sich nicht gleichzeitig auch das Gefühl der Solidarität der Bevölkerung Finnlands mit dem russischen Volke und das Bewußtsein, daß die dem Gebiete vom russischen Reiche, zu dessen souveränem Besitz es ge⸗ hört, auferlegten Verpflichtungen gerecht seien. In den Jegatken des Anfang Februar 1908 eröffneten Landtags wurden wiederholt Mei⸗ nungen ausgesprochen, die das Bestehen einer ganz falschen Auf⸗ fassung über die Lage Finnlands im Bestande unseres Reichs und die kraft dieser Lage der Bevölkerung Finnlands auferlegten Verpflichtungen beweisen. Schließlich wurde durch den in der Nacht vom 15. März gefaßten Beschluß des Land⸗ tags ein äußerst scharfes Urteil über die gemäß Aller⸗ höchstem Willen getroffenen Maßnahmen gefällt. Als wir den Land⸗ tag auflösten, haben wir befohlen, die Neuwahlen anzuberaumen und diesen Landtag einzuberufen. Auf die bevorstehenden Arbeiten den Segen des Allerhöchsten herabflehend, vertrauen wir fest darauf, daß Sie durchdrungen sein werden von der Solidarität der Interessen Finnlands mit denen ganz Rußlands.
Nach Verlesung einer Rede durch den Vizepräsidenten des Senats wandte sich der Talman Swinhuvud an den Generalgouverneur mit folgenden Worten:
Den Grundgesetzen gemäß versammelt sich der finnische Landtag nach den Neuwahlen zur Teilnahme an der Ordnung der Finanzen, an der Gesetzgebung und der Verwirklichung seines Petitionsrechts. Viele wichtige Reformen harren ihrer Verwirklichung. Der Landtag
eist bereit, diesen seine Mühe mit aufrichtigem Eifer zu widmen. Als
Bedingung jeden Fortschritts erscheint bei uns die Wahrung der politi⸗ schen Lage und der Rechtsordnung, unter deren Schutz das finnische Volk seine materielle und geistige Entwicklung erlangte. Den Eckstein dieser Lage und Rechtsordnung bilden die besondere Verwaltung des finnischen Volkes wie auch die selbständige Durchsicht und unmittelbare Berichterstattung über die Finanzangelegenheiten beim Monarchen. Jede hiervon abweichende Maßnahme ist als Nichtberücksichti⸗ gung der Rechte Finnlands zu betrachten und führt zu ver⸗ derblichen Molgen. Eben deshalb rufen einige in letzter Zeit getroffene Maßnahmen im Volke ernste Beunruhigung hervor. dtag hofft, daß die mit den Grundgesetzen bereinsttameachen Be⸗
dingungen das Vertrauen, das stets zwischen dem Volk und dem Monarchen bestehen muß, sichern und kräftigen werde. Ich bitte zu den Füßen Seiner Majestät und der Großfürsten die Gefühle der alleruntertänigsten Ehrfurcht und Ergebenheit des Landtags nieder⸗ legen zu dürfen.
Hierauf kündigte der Generalgouverneur die dem Landtage E Vorlagen an. Mit einem dreimaligen Hoch auf en Kaiser schloß die Eröffnungsfeier.
Belgien.
8
Die Deputiertenkammer hat gestern, „W. T. B.“ zufolge, die Artikel 3 bis 6 der Kolonialverfassung an⸗
genommen. 2
Nach den Artikeln 3 und 4 hat der Gouverneur des Kongo über die Verbesserung des Loses der Eingeborenen zu wachen. Weiterhin soll er die Polygamie unterdrücken, die Gewinnung von Eigentum erleichtern und olle Unternehmungen begünstigen, die religiösen, wissen⸗ schaftlichen und mildtätigen Zwecken dienen. Die christlichen Missionare und die wissenschaftlichen Forscher sind seiner besonderen Obhut empfohlen. Der Artikel 5 besagt, daß der König die gesetzgebende Gewalt durch Dekrete ausübt, außer für diejenigen Angelegenheiten, welche bereits durch Gesetz geregelt sind oder gesetzlich geregelt werden sollen. Die Dekrete werden nach den Vorschlägen des Kolonial⸗ ministers erlassen und erhalten gesetzliche Kraft erst nach ihrer Publi⸗ kation. Der Artikel 6 setzt die Grenzen der Exekutivgewalt des Königs und der richterlichen Gewalt fest.
Türkei.
Nach einer Meldung des „K. K. Telegraphen⸗Korrespondenz⸗ bureaus“ haben der Großwesir und das gesamte Ministerium gestern ihre Entlassung nachgesucht, die der Sultan angenommen hat.
— Der im Februar vorigen Jahres auf Beschwerde des deutschen Botschafters in Konstantinopel abgesetzte Chef der Geheimpolizei Fehim Pascha, der seine Amtsgewalt zu zahl⸗ reichen Verbrechen mißbraucht hatte, ist, „W. T. B.“ zufolge, gestern auf der Flucht von seinem Verbannungsort Brussa der Volksjustiz zum Opfer gefallen und erschlagen worden.
Schweden.
Der Deutsche Kaiser hat, wie das „W. T. B.“ meldet, den König Gustav zum Admiral der deutschen Flotte und die Königin Victoria zum Chef des Pommerschen Füsilier⸗ regiments Nr. 34 ernannt. Der König Gustav hat dem Kaiser das Großkreuz des Wasaordens mit Kette verliehen.
Die Königin hat an das ihr verliehene Regiment folgende Kabinettsorder gerichtet:
Nachdem Seine Majestät der Kaiser die Gnade gehabt hat, mich zum Chef des Pommerschen Füsilierregiments Nr. 34 zu ernennen, begrüße ich erstmals bewegten Herzens mein Regiment. Es erfüllt mich mit Stolz und Freude, als Enkelin des Großen Kaisers der Armee anzugehören, die er von Sieg zu Sieg geführt. Erhöht wird noch für mich die Bedeutung der mir gewordenen I1“ die geschichtlichen Erinnerungen des Regiments, das einst den Namen der schwedischen Königinnen trug. Meine innigsten Segenswünsche meinen braven pommerschen Füsilieren! 8
Victoria, Königin von Schweden.
Gestern vormittag besuchte der Kaiser mit der Kaiserin die deutsche Kirche der Jacobsgemeinde in Stockholm und am Nachmittag in Begleitung des schwedischen Königspaares das dortige Biologische Museum und das Nationalmuseum. Abends gaben die deutschen Majestäten an Bord der Jacht „Hohen⸗
zollern“ ein Diner, nach dem sie sich von dem König und der Königin swwic ven äbrigen Fssücbevsefter verabschiedeken. Die
Abreise des Kaiserpaares erfolgte in aller Stille ohne Salut um 3 Uhr Nachts. Ein schwedisches Torpedobootgeschwader folgte den deutschen Schiffen bis Almagrunden, wo die letzten Grüße gewechselt wurden. “
Amerika.
Die argentinische Abgeordnetenkammer hat gestern, nach einer Meldung des „W. T. B.“, in geheimer Sitzung den Gesetzentwurf, betreffend die Rüstungen, ge⸗
8 8
Einer Depesche des „W. T. B.“ zufolge hat Bou Aouda vorgestern abend im Dorf Ain Haloufa dam Garb Anhänger Raisulis angegriffen, das Dorf zerstört und in Brand gesteckt. Infolgedessen beßab sich gestern Raisuli mit 50 bewaffneten Reitern zur englischen Gesandtschaft in Tanger und forderte Wiedererstattung seines Hab und Gutes, widrigenfalls er auf den englischen Schutz verzichten und sein früheres Leben wieder beginnen würde.
“ handel
Ein⸗ und Ausfuhr von Zucker vom 21. bis 31. Juli 1908.
V m Spezial⸗
dz rein
Verbrauchszucker fraberte⸗ und dem raffi⸗
nierten gleichgestellter Zucker) (176 asi) . Rohrzucker (176 a)
Davon Veredelungsverkehlt.... Rübenzucker: Kristallzucker (granulierter) (176 b) Rübenzucker: Platten⸗, Stangen⸗ und Würfel⸗
zucker (176 c).. “ Rübenzucker: gemahlener Melis (176 d)) . Rüfrgfaee Stücken⸗ und Krümelzucker
W 11“ Rübenzucker: gemahlene Raffinade (176 f) Rübenzucker: Protzudern (176 g) 8 8— 8 Rübenzucker: 18. (176 h) Rübenzucker: Fnderer Zucker 1178 )
ohrzucker, roher, fester und flüssiger (176 k) Rahrzucee, roher, fester und filsger (176 ) Anderer fester und flüssiger Zucker (flüssige
Raffinade velegin des Invertzucker⸗
sirups usw.) (176 m “ Füllmassen und Feceiadlanfr (Sirup, Me⸗
sase, Melrerraftfuter; übensaft, Ahorn⸗
a 11“ T1116“”] Zuckerhaltige Waren unter steueramtli
Kerhantt 8 B Menge des darin enthaltenen
3 633 8 494
109 588 J109 274
Kaiserliches Sratttces Amt. Dr. Zache r.
134 185
99 412
19 38
1 4447 4 545
Landis (176 1) 519
Das Zimmervermietungs⸗ und Schlafstellenwesen in Sachsen.
Das Zimmervermietungs⸗ und Schlafstellenwesen spielt nament⸗ sb in den Großstädten eine große Rolle, in der Verwertung der Wohnungen und als Mittel zur Erzielung einer Beihilfe für die Nietezahlungen. Sowohl durch Landesgesetze, als auch durch städtische Fau⸗ und Wohnungsordnungen wird etwaigen Ausartungen des Sclafstellenwesens in gesundheitlicher und sittlicher Beziehung vor⸗ wbeugen gesucht. In dem Köͤnigreich Sachsen, einem dichtbevölkerten Andustrielande, kommt hinsichtlich des Vermietens von Einzelzimmern ind Schlafstellen fast das ganze Land in Betracht. Die am 1. De⸗ imber 1900 gezählten 962 978 Haushaltungen umfaßten 3 921 103 Huubaltungsmitglieder, 15 923 Besuchsfremde und 177 275 Unter⸗ nieter und Schlafleute. Am 1. Dezember 1905 wurden 1 057 268 Haus⸗ haltungen mit 4183 686 Haushaltsmitgliedern, 40 069 (Sonstigen und) Besuchsfremden und 178 236 Zimmermietern (81 380) und Schlafleuten 96 856) festgestellt. Hiernach ist, da die Begriffe „Untermieter und Schlafleute“ bei der Volkszählung von 1900 sich mit den Begriffen
Zimmermieter und Schlafleute“ bei der 1905er Zählung decken, unerhalb der letzten fünf Jahre eine Steigerung dieser Bewohner⸗ lltegorten um 961 Personen eingetreten, eine Steigerung, die in An⸗ betracht der allgemeinen Bevölkerungszunahme des Landes von 4202 216 auf 4 508 601 Einwohner als sehr gering angesehen
werden muß.
Auf die vier größten Städte des Landes: Dresden, Leipzig, ghemnitz und Plauen entfällt reichlich die Hälfte der Zimmermieter und Schlafleute des ganzen Landes. Im Jahre 1900 hatten diese vier Städte 99 652 und im Jahre 1905 96 201 solcher Bewohner (und zwar 50 503 Zimmermieter und 45 698 Schlafleute) aufzuweisen. Es war demnach ein Sinken der Gesamtziffer um 3451 Personen ngetreten. 8 3 gelus den in der „Zeitschrift des Königlich sächsischen Statistischen Landesamts“ über die Volkszählungsergebnisse veröffentlichten Tabellen stt zu ersehen, daß in den einzelnen vier Städten die Zahlen der an⸗ wesenden Zimmermieter und Schlafleute am 1. Dezember 1900 und am 1. Dezember 1905 nicht unwesentliche Abweichungen zeigten. Bei diesen Vergleichungen muß man nicht nur die allgemeine Bevölkerungszunahme, sondern auch den Umstand in Betracht ziehen, daß in dem Zeitraum 1900 — 1905 der Stadt Dresden 13 Orte und den Städten Chemnitz und Plauen je ein Ort einverleibt worden sind. Es ergibt sich, daß Dresden Ende 1900 38 183, dagegen Ende 1905 nur 30 149 Zimmer⸗ mieter (16 281) und Schlafleute (13 868) aufzuweisen hatte. Die Ab⸗ nahme beträgt demnach von 1900 bis 1905 nicht weniger als 8034 Personen. Für Leipzig stellen sich die analogen Ziffern Ende 1900 auf 41 629, dagegen Ende 1905 auf 44 105 (25 568 und 18 537) Personen. Hier zeigt sich also innerhalb des Zeitraums von fünf Jahren nicht, wie in Dresden, eine Abnahme, sondern eine Zunahme dieser Einwohnerkategorie, und zwar um 2476. Für Chemnitz ist wieder von 1900 bis 1905 diese Ziffer gesunken, wenn auch nur um 1032; denn sie betrug 1900 13 504 und 1905 12 472 (5125 immermieter und 7347 Schlafleute). Eine erhebliche Zunahme der immer⸗ und Schlafstelleninhaber hat in der Stadt Plauen statt⸗ gefunden. Hier belief sich die Zahl dieser Leute 1900 auf 6336, da⸗ gegen 1905 auf 9475 (3529 Zimmermieter und 5946 Schlafleute), was einer Steigerung um 3139 Personen = 50 % entspricht.
Die Gründe dieser immerhin in die Augen fallenden Bewegung der Zahl der Zimmermieter und Schlafleute in den vier größten Städten des Landes dürften verschiedenster Art sein. Für die erhebliche Abnahme in Dresden dürfte neben einer sich bemerkbar machenden Abwanderung größerer industriellen Etablissements aus der Stadt in die Umgebung die Einwirkung der Wohnungsordnung vom 25. Januar 1898 mitanzuführen sein. iese Wohnungsordnung trat hinsichtlich ihrer scharfen Bestimmungen über das Aftervermietungswesen erst in den letzten Jahren in Kraft, hat aber gewiß auch schon vor⸗ beugende Wirkungen in der Ausnutzung der Wohnungen für Schlaf⸗ stellen ausgeübt. Das steigende Angebot kleiner Wohnungen seitens der gemeinnützigen Bauvereine (1900 918, 1905 2209 Wohnungen) dürfte auch manchem früheren Aftermieter die Ermietung einer eigenen Wohnung ermöglicht haben. Für das Sinken der betreffenden Ziffer in Chemnitz kommt vielleicht auch die Einwirkung einer neuen Bauordnung in Betracht, deren Einführung die öffentliche Meinung von 1903 bis 1905 stark beschäftigte, allerdings aber erst teilweise 1906 und in ganzem Umfange 1907 Geltung erlangt hat. Auffällig ist auch, daß am 1. Dezember 1905 in der Stadt Chemnitz 797 vorübergehend Ab⸗ wesende gezählt wurden, während für die drei anderen Städte (Dresden z. B. hatte 30 Abwesende) diese Ziffer gar nicht ins Gewicht fällt. Es wäre wohl denkbar, daß unter diesen Abwesenden — z. B. als Monteure — viele Zimmermieter und Schlafleute sein könnten. Für Leipzig läßt sich die Steigerung von 2476 vielleicht mehr auf die Zimmermieter als auf die Schlafleute beziehen und als Grund hierfür anführen, daß der auswärtige Zuzug nach den Bildungzinstituten Leipzigs in andauerndem Steigen begriffen war. Die Zahl der Studierenden der Universität betrug 1900 3586 (und 3915 Hörer), dagegen 1905 4224 (und über 5000 Hörer). Für die anderen drei Städte kommt die steigende Zahl der Studierenden, die z. B. für die drei Hochschulen in Dresden von 1900 bis 1905 sich nur von 1323 auf 1430 bewegte, nicht in Betracht. Für das große Steigen der Ziffer in Plauen läßt sich wohl nur der Aufschwung in der
dort vorherrschenden Maschinenstickerei als Grund anführen. Die
Zahl der Einwohner Plauens betrug 1895 erst 55 000, 1900 schon 4 000 und 1905 rund 105 000. In diesem Verhältnis steigt auch die Zahl der Zimmer⸗ und Schlafstelleninhaber von 3800 im Jahre 1895 auf 6336 im Jahre 1900 und weiter auf 9475 im Jahre 1905, also innerhalb des jeweiligen fünfjährigen Zeitraumes immer um etwa 50 %.
„Gleichzeitig mit der Volkszählung von 1905 haben 30 sächsische Städte eine Wohnungszählung veranstaltet, die tiefere Einblicke in das Schlafstellenwesen ermöglicht. Die drei größten Städte be⸗ arbeiten ihre Ergebnisse selbst; letztere liegen noch nicht vor. Für die übrigen 27 Städte, darunter Plauen, sind sie in der „Zeitschrift des Königlich sächsischen Statistischen Landesamts“ veröffentlicht. Für die Stadt Plauen kann also in Verbindung mit den oben angezogenen Volks⸗ zählungsergebnissen eine Kombination von Wohnung und Insassen ge⸗ geben werden. Die für Plauen am 1. Dezember 1905 ermittelten 9475 Zimmermieter und Schlafleute verteilten sich hiernach an dem gleichen Zählungstage auf 5703 Wohnungen, von denen nur 571 an ein Ehbepaar ohne Kinder, dagegen 2042 an ein Ehepaar mit Kindern,
8 an eine erwachsene weibliche Person allein, 245 an eine solche mit Kindern, 508 an zwei oder mehr erwachsene weibliche Personen, 50 an erwachsene männliche Personen, 1449 an ein Ehepaar „mit Anhang“ und 400 an sonstige Erwachsene verschiedenen Geschlechts vermietet waren. Daß von den 5703 Wohnungsvermietern 2344 dem Arbeiterstande angehörten und 1558 Zimmer und Schlafstellen von alleinstehenden Frauen vermietet wurden, dürfte auch dafür sprechen, daß der Hauptteil der Mieter dem Arbeiterstande bezw. dem Stickerinnenberufe angehört. Ueber die Beschaffenhbeit und Besetzung der Schlafräume in den Wohnungen mit Untermietern gibt eine be⸗ sondere Uebersicht Auskunft. Aus dieser geht hervor, daß in Plauen vorgedachte 5703 Wohnungsinhaber für sich, ihre Familienangehörigen und für die 9475 Zimmermieter und Schlafleute im ganzen 14 932 Schlafräume zur Verfügung hatten, von denen sich 4848 als heizbare
immer, 8918 als nicht heizbare Zimmer, 18 als Alkoven, 3 gleich⸗ jeitig als Vorsäle, 173 gleichzeitig als Küchen und 972 als Boden⸗ räume repräsentierten. Von den 14 932 Schlafräumen waren 19 ohne ßenster, zu 3085 Schlafräumen konnten die Inanspruchnehmer nur durch andere Räume als Flur oder Vorsaal gelangen, 1765 wiesen weniger Betten als die Zahl der erwachsenen Schläfer auf, 380 waren mit 6, 150 mit 7, 49 mit 8 und 18 mit 9 und mehr Schläfern besetzt. Es ist 92 nicht gesagt, daß auf die aus diesen Ziffern ersicht⸗ lichen unsozlalen Verhältnisse gerade die Zimmermieter und Schlaf⸗ eute hbesonders einwirkten. Es standen nämlich nach einer weiteren Uebersicht, von den 14 932 Schlafräumen, welche die Ver⸗ mieter überhaupt besaßen, den Untermietern (d. i. den Zimmermieter Schlafleuten) 6824 Schlafräume allei
und noch weitere 779, die von ihnen gemeinsam mit Familien⸗ angehörigen bezw. dem Dienstpersonal benutzt wurden, zur Verfügung. Auf eine Kopfzahl von 9475 kamen also 7603 Schlafräume, sodaß, da die Zahl der Zimmermieter in Plauen 3529 betrug, am 1. Dezember 1905 von den 5946 Schlafleuten 4074 Schlafräume besetzt waren. Es war also nur reichlich der fünfte Teil der Schlafleute genötigt, mit Haushalt⸗ oder anderen Schlafgenossen den Schlafraum zu teilen.
1“ 8
Zur Arbeiterbewegung.
Die Breslauer Holiarbeiter beschlossen, wie die „Frkf. Ztg.“ erfährt, gestern in einer Versammlung nach stürmischer Debatte mit überwältigender Mehrheit, den auf ihren Lohntarifentwurf von der Freien Vereinigung der Holzindustriellen eingesandten Gegen⸗ entwurf abzulehnen und in den Gesamtausstand einzutreten.
Aus Essen meldet die „Köln. Ztg.“, daß der Ausstand der Fliesenleger in Rheinland und Westfalen durch Abschluß eines Tarifvertrages vom 4. d. M. beendigt worden ist.
In Leipzig haben, der „L pz. Ztg.“ zufolge, am Dienstag die Erdarbeiter, in der Mehrzahl polnische Arbeiter, die bei den Grundarbeiten für den Neubau des Krankenhauses zu L.⸗Eutritzsch beschäftigt sind, wegen Lohnstreits die Arbeit eingestellt. Von diesen etwa 90 Ausständigen haben gestern früh 30 die Arbeit wieder auf⸗ genommen.
1800 Arbeiter der Nancyer Tabakmanufaktur, die am Dienstag eigenwillig die Arbeit eingestellt hatten, wurden, wie die „Köln. Ztg.“ mitteilt, für 48 Stunden ausgesperrct. Heute sollte die Arbeit wieder aufgenommen werden.
Nach in London eingelaufenen Berichten aus Winnipeg sollte gestern, wie der „Voss. Ztg.“ telegraphiert wird, der Ausstand von 8000 Arbeitern der Canadischen Pacifiebahn beginnen.
Knnst und Wissenschaft.
Nach dem Jahresberichte der Generalverwaltung der Königlichen Museen für die Zeit vom April 1907 bis Ende März 1908 haben die Museen auch im vergangenen Verwaltungsjahre ihren Besitz in erfreulicher Weise erweitert und in ihren Unter⸗ nehmungen mannigfache Förderung erfahren.
Seine Majestät der Kaiser und König hat zur Fort⸗ führung der kartographischen Aufnahmen von Jonien in Kleinasien einen auf die Jahre 1907, 1908 und 1909 zu verteilenden Betrag bis zur Höhe von 25 000 ℳ, zur weiteren Erforschung der byzantinisch⸗christ⸗ lichen Bildwerke im Latmosgebirge einen Betrag bis zur Höhe von 8000 ℳ sowie zur Deckung der Kosten der Aksum⸗Expedition und zur Veröffentlichung ihrer Ergebnisse einen weiteren Bei⸗ trag bis zur Höhe von 7600 ℳ aus Allerhöchstseinem Dispositions⸗ fonds bei der Generalstaatskasse zu bewilligen geruht. Der ethnologischen Abteilung wurde zur Erwerbung altchinesischer und japanischer Kunstwerke durch den in Japan weilenden Direktorialassistenten Dr. Kümmel ein Allerhöchstes Gnadengeschenk von 20 000 ℳ zuteil. Ferner überwies Seine Majestät der Kaiser den Königlichen Museen eine in Eisenguß ausgeführte verkleinerte Nachbildung der Denksäule der Sekundiner bei Igel zu geeigneter Unterbringung (das Bildwerk wurde in das Antiquarium aufgenommen) und den Bibliotheken der Königlichen Museen sowie des Kunstgewerbe⸗ museums je ein Exemplar des Werkes von Paul Seidel „Der Kaiser und die Kunst“.
Mit den Geschwistern und gesetzlichen Erben des am 31. März 1907 verstorbenen Geheimen Hofrats, Professors Dr. Arthur Bäßler zu Eberswalde, nämlich Herrn Stadtrat Bäßler zu Glauchau, Frei⸗ frau Anna von Brockdorff zu Kasdorf bei Kleeth in Mecklenburg und Frau verwitweten Margarete Wolff zu Weißer Hirsch bei Dresden, ist ein Vertrag zustande gekommen, durch den in Ausführung einer früheren letztwilligen Bestimmung des Erb⸗ lassers den Königlichen Museen eine Reihe bedeutungsvoller Zuwendungen gemacht und nach erfolgter landesherrlicher Genehmigung durch den Testamentsvollstrecker, Herrn Stadtrat Hermann Bäßler zu Glauchau, der Generalverwaltung überwiesen worden sind. Zunächst ist ein Kapital von 1 250 000 ℳ, von dem jedoch 65 000 ℳ vor⸗ läufig bis zur Entscheidung noch schwebender steuerlicher Fragen zurückbehalten sind, für eine beim Museum für Völker⸗ kunde zu errichtende, mit dem Namen Bäßler⸗Institut zu bezeichnende Stiftung bestimmt, die durch ein besonderes, vom Mijnister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal⸗ angelegenheiten im Einvernehmen mit dem Generaldirektor der Königlichen Museen zu bestellendes Kuratorium verwaltet werden soll. Neben dieser großartigen Zuwendung erhielt die vom Erblasser am 6. Mai 1903 für das Museum für Völkerkunde begründete Arthur⸗Bäßler⸗Stiftung 150 000 ℳ, sodaß sich ihr Kapital auf 250 000 ℳ erhöht hat. Endlich erhielt das Museum für Völker⸗ kunde noch 10 000 ℳ zur würdigen Aufstellung der hervorragenden perumntschen Sammlung, die der Erblasser früher dem Museum ge⸗
enkt hat.
Durch Stiftung des inzwischen verstorbenen Geheimen Kom⸗
nerzienrats Julius van den Zypen kam die ethnologische Abteilung
in den Besi der überaus umfangreichen und vielseitigen Sammlung, die Herr Gretzer aus Hannover während seines dreiunddreißig⸗ jährigen Aufenthalts in Lima zusammengebracht hat. Von ganz be⸗ sonderem Werte ist die Sammlung deshalb, weil die Hauptmasse aus Gebieten und Kulturperioden stammt, die bisher in den reichhaltigen peruanischen Sammlungen des Museums verhältnismäßig nur sehr schwach vertreten waren.
Durch Vermächtnis des Herrn Sigismund Samuel sind die Königlichen Museen in den Besitz einer wertvollen Sammlung von vierundsechzig Porzellanfiguren und ⸗gruppen und sieben chinesischen Vasen gelangt. Der Besitzer, bis vor kurzem Mitinhaber der hiesigen Bankfirma Jacquier u. Securius, hat die Samm⸗ lung, die er erst in den letzten Jahren zusammengebracht hatte, dem Kaiser⸗Friedrich⸗Museum in der Absicht vermacht, daß in dem geplanten Deutschen Museum auch die eigenartige Kleinplastik in Porzellan vertreten sein feche Er hat dadurch dem Ausbau der Deutschen Abteilung des Kaiser⸗Friedrich⸗Museums nach einer bisher mit Uarecht unberücksichtigt gelassenen Richtung den Weg gewiesen. Sein patriotisches Vermächtnis ist daher von doppeltem Wert für unsere Museen.
Die Gemäldegalerie verdankt der Kunsthändlerfirma Duveen Broth in London ein Bild der flämischen Schule „Die Familie auf der Veranda“ von Gonzales Cocx, einst ein Schmuck der Marlborough⸗Galerie zu Blenheim. Es ist eins der bedeutendsten und besten Bilder des seltenen Künstlers, der hier nur mit einem ganz kleinen Porträt vertreten war. Ferner wurde der Galerie ein Bild von Rembrandt, ein tiefempfundener Christuskopf, von den Großkauf⸗ mann Martin Brombergschen Eheleuten in Hamburg zum Geschenk gem acht.
Die Ausgrabungen in Babylon und Kalat⸗Schergat, dem alten Assur, wurden fortgeführt und ergaben weiter reiche wissen⸗ schaftliche Ausbeute. Hierbei ist der außerordentlich verdienstvollen Tätigkeit der Deutschen Orientgesellschaft zu gedenken, die durch fördernde Mitarbeit und ihre Beiträge das Unternehmen tatkräftig unterstützt hat.
Die wissenschaftliche Bearbeitung der Ergebnisse des Baalbek⸗ unternehmens wurde unter Leitung des Professors Puchste in durch die Regierungsbaumeister Krencker und von Lüpke sowie Regierungsbauführer Kohl fortgesetzt. Auch die wissenschaftliche Be⸗ arbeitung der Ergebnisse der Expedition nach Axum in Abessinien im Jahre 1906 durch Professor Littmann in Feaf. burg sowie durch die Regierungsbaumeister Krencker und von Lüpke sieht ihrer Vollendung entgegen.
Für die Gemäldegalerie ist mit Allerhöchster Genehmigung der Rest der vieeesn Gemäldesammlung, welche vom Kaiser⸗Friedrich⸗Museums⸗Verein einstweilen angekauft und der Galerie
als Leihgabe überlassen w⸗ b d
zurückgekehrt. Unter
Aus der aufgelösten Sammlung Rudolf Kann in Paris sind einige hevorragende Gemälde und Bildwerke durch Kauf in das Kaiser⸗Friedrich⸗Museum gelangt.
Die von der Abteilung antiker Bildwerke veranstalteten Aus⸗ grabungen in Milet und Didyma wurden fortgesetzt und haben gute Ergebnisse geliefert. Ein Teil der Marmorfunde wird im Sommer 1908 nach Berlin übergeführt werden. .
Die Neuaufstellung des Antiquariums in den früher von der 1 Gemäldegalerie innegehabten Räumen des Obergeschosses des Alten Museums ist nahezu beendet. Weitere Säle sind inzwischen für das Publikum geöffnet worden.
In der vorderasiatischen Abteilung wurden die Kon servierungs⸗ und Zusammensetzungsarbeiten an babylonischen Ton⸗
ziegeln fortgesett.
Der Direktor an der ethnologischen Abteilung, Professor Dr. Grünwedel ist mit dem technischen Arbeiter Hartus am 9. Juni 1907 nach 1 ¾ jähriger Abwesenhett aus Turfan in Zentral⸗ asien zurückgekehrt. Der Direktor, Professor Dr. Seler langte am 19. September 1907 nach etwa vierzehnmonatiger Abwesenheit von der zu wissenschaftlichen Zwecken nach Mexico unternommenen Reise hier wieder an. Der Direktorialassistent Dr. Preuß ist von seiner ebendahin unternommenen Studienreise am 22. August 1907
der Leitung des leider jüngst verstorbenen Dr. Stephan hat eine wissenschaftliche Erforschung des westlichen Neupommerns (früher Neubritannien) Anfang September 1907 ihre Reise nach der Südsee angetreten. Die Dauer der Reise ist auf zwei Jahre vorgesehen. Der Direktorialassistent Dr. Ankermann hat am 9. Oktober 1907 eine Forschungsreise nach dem nördlichen ₰ lande von Kamerun angetreten. Der wissenschaftliche Hilfsarbeiter Dr. W. Lehmann hat Anfang Oktober 1907 eine auf zwei Jahre berechnete Forschungsreise nach Zentralamerika angetreten. Der wissenschaftliche Hilfsarbeiter Dr. Czekanowski ist seit dem 1. Mai 1907 zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Expedition Seee. .“ des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg nach Afrika eurlaubt. 8
Ausgrabungen für die vorgeschichtliche Abteilung wurden in den Provinzen Brandenburg, Sachsen und Westfalen unter⸗ nommen. 6
Die Sammlung für Volkskunde ist am 15. Januar 190 8 nach Beendigung der Neuaufstellung der allgemeinen Besichtigung wieder zugänglich gemacht worden.
Vom Kunstgewerbemuseum wurden an Ausstellungen veranstaltet: Vom 13. Mai bis 20. Junt 1907 im oberen Vestibül Entwürfe für Abendmahlsgeräte aus einem vom „Verein für religiöse Kunst in der evangelischen Kirche“ veranstalteten Wettbewerb. — Vom 20. Mai bis 1. September 1907 im Lichthof: Alte und neue Buntpapiere vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, unter praktischer Vorführung der Marmorierkunst und der Technik des Kleisterpapiers. — Vom 4. Juni bis 11. Oktober 1907 in den Sälen 9 und 10: Auß⸗ stellam neuer deutscher Kunsttöpfereien, von 32 Werkstätten beschickt. — 4. bis 29. September 1907 im Lichthof: Preisgekrönte Modelle von Sommer⸗ und Ferienhäusern. — Vom 3. November bis 8. De⸗ zember 1907 im Lichthof: Kartons, Entwürfe und Studien zu monumentalen Malereien, darunter solche für das Reichs⸗ gericht in Leipzig, das preußische Landtagsgebäude und für das Rathaus in Lübeck von Professor Max Koch, Lehrer an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums. — Vom 3. November 1907 bis 3. Januar 1908 im Saal 9: Schriftproben, Buchdruckornamente und lehrreiche Satzbeispiele der Schriftgießerei Gebrüder Klingspor in Offenbach a. M. — Vom 3. November 1907 bis 14. Januar 1908 im Saal 10: Bilderbücher und Jugendschriften aus dem Verlage Hermann und Friedrich Schaff⸗ stein in Cöln. — Vom 15. Dezember 1907 bis 16. Februar 1908 im Lichthof: Arbeiten der Werkstätten der Kunstgewerbeschule in Breslau, darunter das Amts⸗ und Trauzimmer für das Rathaus in Löwenberg nebst Einrichtung. — Vom 21. Dezember 1907 bis 12. April 1908 im oberen Vestibül: Neuerwerbungen der Sammlung des Kunst⸗ Fegetenünsenms. — Vom 8. bis 19. Januar 1908 im Saal 9:
ntwürfe aus dem Wettbewerb der Zeitschrift „Berliner Architektur⸗ welt“. — Vom 29. Januar bis 16. Februar 1908 in den Sälen 9 und 10: Die Baukunst Konstantinopels in Photographien und. Aufnahmen von Professor Cornelius Gurlitt in Dresden⸗ — Vom 4. bis 11. Februar 1908 im oberen Vestibül: Schreib tisch nebst Sessel, Ehrengeschenk, nach Entwurf von Direktor Pro⸗ fessor Bruno Paul, ausgeführt in den Werkstätten für Kunst im Handwerk in Berlin mit Schnitzereien von Schülern der Unterrichts⸗ anstalt. — Vom 26. bis 29. Februar 1908 im Saal 9 zur Besichti⸗ gung durch Seine Majestät den Kaiser: Modellentwürfe für Cadiner Majolikaarbeiten von den Bildhauern, Professoren Manzel, Tuaillon, Vogel, Taschner und Westphal. — Vom 28. Februar bis 5. April 1908 im Lichthof: Neuerwerbungen des Museums für Völker⸗ kunde. — Vom 22. März ab bis auf weiteres in den Sälen 9 und 10: Neue Stickereien und Nadelarbeiten als Anregung für den Hand⸗ arbeitsunterricht in den Mädchenschulen.
Die Nationalgalerie erhielt einen Zuwachs von 41 Ge⸗ mälden, 9 Bildwerken und 1940 Aquarellen und Handzeichnungen. Durch Geschenke und Vermächtnisse wurde die Sammlung um 20 Ge⸗ mälde und 12 Blatt Aquarellen und Zeichnungen bereichert. Die Handblibliothek wurde um 131 Bände und 148 Broschüren vermehrt. Auf längere Dauer sind aus den Beständen der Galerie etwa 421 Kunstwerke an Provinzialsammlungen und zur Ausschmückung von Staatsgebäuden ausgeliehen. In den Gartenanlagen bei der Galerie wurde eine Anzahl von Bronzebildwerken der Sammlung aufgestellt.
Marinestabsarztes Expedition zur
Im Königlichen Museum für Völ kerkunde ist in dem ersten Hauptgeschoß in den Sälen 1 und 2 und in dem Vorsaal zu ersterem eine Sonderausstellung, welche einen Ueberblick über die vor⸗ und frühgeschichtliche Kulturentwicklung Europas geben soll, veranstaltet worden. Diese ist dem Publikum vom 6. d. M. ab zu den gewöhnlichen Besuchszeiten des Museums zugänglich. 1
Land⸗ und Forstwirtschaft. Saatenstand in Ungarn.
In der zweiten Hälfte des Monats Juli trat, nach dem Saaten⸗ standsbericht des ungarischen Ackerbauministeriums, im größten Teile des Landes eine Aenderung des Wetters ein. Stellenweise fiel reichlicher Regen, stellenweise sogar so viel, daß die Gewässer an vielen Orten, besonders in einigen Teilen Oberungarns und Sieben⸗ bürgens, aus ihren Ufern traten und bedeutenden Schaden verursachten. Besonderer Schaden zeigt sich an Futterstoffen. Auch das auf dem Felde befindliche Getreide litt unter allzu vielem Regen. Während in den Gebirgs⸗ gegenden zu viel Regen fiel, herrschte in den tiefergelegenen Gegenden Regenmangel. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich Hackfrüchte, Wiesen und Weiden infolge des Regens zusehends besserten, während im Alföld und jenseits der Donau der Regen dem Futterertrage nichts mehr nützen konnte, sodaß daselbst die Oekonomen auf Kraftfutter angewiesen sind. In diesen Gegenden wäre Regen noch sehr erwünscht. Das abgeerntete Getreide litt gleichfalls infolge Regens. Stellenweise verursachte auch Sturm bedeutenden Schaden, auch an der Qualität, welche sich heuer überwiegend befriedigend gestaltete. Das Getreide ist qualitativ nur in jenen Gegenden gut, wo die Niederschlagsverhältnisse ungünstig waren. Betreffs der heurigen Ernte zeigen sich außerordentlich große Abweichungen. In den kleinen Oekonomien ist der Ertrag zumeist kaum befriedigend, doch gibt es auch hier einzelne Ausnahmen. Dort, wo intensive Oekonomie betrieben wird, zeigen sich stellenweise kaum erhoffte günstige Erträge. Auch qualitativ ist dort der Ertrag hervorragend und kann im Alföld sozusagen durchschnittlich als mittel bezeichnet werden. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, z. B. in den Komitaten Csanaͤd, Csongrad, Pest, zum Teile in Jasz⸗Nagy⸗Kun⸗Szolnok, Hajdu und Bekes und ferner in einem ziemlich großen Teile jenseits der Donau, wo der Ertra ist. Sehr gut ist der Er⸗