1908 / 208 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 03 Sep 1908 18:00:01 GMT) scan diff

Schilling v. Canstatt, Eskadr. Chef im Leibgardehus. Regt; den Hauptleuten: Schuster, Adjutant der ein ebel.gr mann, Komp. Chef im Eisenbahnregt. Nr. I1, Reiff, Komp Chef im Eisenbahnregt. Nr. 2, Kopsch, Komp. Chef im Eisenbahnregt. Nr. 3, Uppenborn, Komp. Chef im Telegraphenbat. Nr. 3. v. Massow, Oberlt. im Kaiser Alexander Gardegren. Regt. Nr. 1, unter Beförderung zum Hauptm., zum Komp. Chef ernannt. Befördert: die Obersts.: v. Oertzen, Rogalla v. Bieber⸗ stein im Kaiser Franz Gardegren. Regt. Nr. 2, v. Schroetter im 4. Garderegt. z. F., zu überzähl. Hauptleuten, Gr. v. Rittberg im 1. Gardeulan. Regt., zum überzähl. Rittm.,, Müller, Adjutant der Traininsp., zum Rittm., vorläufig ohne Patent; die Lts.: 8 L8. 4 82 Frhr. 2 1212 u. Leipe im .Gardedrag. Regt. Kaiserin Alexandra von Rußland, v. Rei

im 3. Gardefeldart. Regt., zu Oberlts. 8 be v. Ferno, Gen. Major z. D., zuletzt Kommandeur der 40. Inf. Brig., der Charakter als Gen. Lt. verliehen. v. Mikusch⸗Buch⸗ berg, uptm. a. D., zuletzt Komp. Chef im Jägerbat. von Neu⸗ mann (I. Schles.) Nr. 5, der Charakter als Major verliehen. v. Bassewitz, Hauptm. und Komp. Chef im Jägerbat. von Neu⸗ mann (I1. Schles.) Nr. 5, ein auf den 28. September 1897 vordatiertes Patent seines Dienstgrades verliehen. Gr. v. Stosch, Oberlt. im Jäger⸗ bat. von Neumann (1. Schles.) Nr. 5, der Charakter als Hauptmann verliehen. v. Dziembowski, Hauptm. der Res. a. D., zuletzt in der Res. des Jägerbats. von Nrumann (1. Schles.) Nr. 5, an Stelle der ihm bei seiner Verabschiedung bewilligten Landw. Armeeuniform, die Erlaubnis zum Tragen der Uniform der Res. Offiziere dieses Bats. erteilt. Neumann, Hauptm. d. Landw. a. D., zuletzt im 2. Aufgebot der Landw. Jäger, an Stelle der ihm bei seiner Ver⸗ abschiedung bewilligten Landw. Armeeuniform, die Erlaubnis zum Tragen der Uniform der Landw. Jägeroffiziere des V. Armeekorps

erteilt. Königlich Sächsische Armee.

Offiziere, Fähnriche usfw. Ernennungen, Beförde⸗ rungen und Versetzungen. Im aktiven Heerc. 22. August. im 14. Inf. Regt. Nr. 179, von dem Kommando zur

iensileistung beim 1. Trainbat. Nr. 12 enthoben.

28. August. Grosse, Oberlt. im 7. Feldart. Regt. Nr. 77, vom 1. August d. J. ab auf ein weiteres Jahr ohne Gehalt be⸗ urlaubt.

8 Beamte der Militärverwaltung.

Durch Verfügung des Kriegsministeriums. 22. August. Winter, Oberveterinär der Res. des Landw. Bezirks Borna, bghus Ueberführung zum Landsturm 2. Aufgebots der Abschied bewilligt.

24. August. Jurk, Oberveterinär vom Gardereiteregt., unterm 1. September d. J. zum 3. Feldart. Regt. Nr. 32 versetzt. Sust⸗ mann, Unterveterinär vom 2. Ulan. Regt. Nr. 18, unterm 1. Sep⸗ tember d. J. zum Oberveterinär beim Gardereiterregt. ernannt.

Kaiserliche Marine.

18. August. Firmenich, Lt. vom I. Seebat., zum Oberlt. befördert.

Seine Exzellenz der Präsident des Cran gelishen Obn. kirchenrats, Wirkliche Geheime Rat D. Voigts, 82 Urlaub.

Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 3. September. 2

Seine Majestät den Kaiser und König ist gestern 9 nach

abend gegen 11 Uhr vom hiesigen Potsdamer Bahn Straßburg i. E. abgereist. 18

Türkei.

Nach einer Meldung des „Wiener K. K. Telegr.⸗Korresp.⸗ Bureaus“ aus Konstantinopel erklärte bei der vorgestrigen Entgegennahme der Glückwünsche des Ministerrats, der Spitzen der Zivil⸗ und Militärbehörden sowie der geistlichen Würdenträger der Sultan in Erwiderung einer Ansprache des Großwesirs, daß sein inniger Wunsch das Glück Aller sowie der Fortschritt und die Macht des Landes sei. Wie üblich, wurden auch die geistlichen Oberhäupter der nicht mohammedani⸗ schen Gemeinden vorgestern vom Sultan empfangen, um ihre Glückwünsche darzubringen. Der ökumenische Patriarch hielt eine Ansprache, in der er auch den Dank für die Wieder⸗ herstellung der Verfassung aussprach. Der Sultan dankte und sagte, die Verfassung sei begründet auf der gegenseitigen Liebe und Achtung der verschiedenen Völker des Reiches. Die musel⸗ manischen und die christlichen Gäste aus Bulgarien veranstalteten vorgestern unter Vorantragung von Fahnen und in Begleitung einer Musikkapelle eine Kundgebung vor dem Falais Sodann erschien eine Abordnung von 400 muselmanischen und christlichen Kretern. Der Sultan äußerte ihnen gegen⸗ über seine hohe Befriedigung, daß sie hierher gekommen seien, um ihn zu sehen und zu beglückwünschen. Das Zentral⸗ komitee für Einigkeit und Fortschritt richtete an den Sultan ein in herzlichen Worten abgefaßtes Glück⸗ wunschtelegramm, in dem der politische Sinn des Sultans hervorgehoben wird, der durch die Verfassung die Einigkeit aller Ottomanen gesichert habe. Eine vier⸗ Küenige Abordnung des Zentralkomitees begab sich in das

alais, um dem Sultan persönlich die Glückwünsche des Komitees darzubringen. Dieser ließ der Abordnung sagen, sein Ziel sei die Aufrechterhaltung der Verfassung und die Hebung der Wohlfahrt des Landes. Er hege Vertrauen in die Treue und Ausdauer des Komitees. Auch das Ottomanische Komitee für Freiheit und Fortschritt in Rethymnon (Kreta) richtete an den Sultan ein Glückwunschtelegramm. Der Sultan empfing vorgestern ferner die Prinzen Suleiman und Medschid sowie den apostolischen Delegaten Monsignore Sardi.

Nach einer Meldung desselben Bureaus sind am ver⸗ gangenen Sonnabend bei Istertschewo im Sandschak Serres des Wilajets Saloniki drei Bulgaren von Unbekannten er⸗ mordet worden. Es ist dies seit Einführung der Verfassung die erste größere Bluttat in Mazedoniien.

Amerika. 18

In der vorgestrigen Sitzung der chilenischen Ab⸗ geordnetenkammer verlas der Premierminister Sotomgyor das Regierungsprogramm und bemerkte dabei, die Aus⸗ führung der auf die Vermehrung des Reichtums und der wirtschaftlichen Macht des Landes hinzielenden Arbeiten und die gräumung der der Wiedereinführung der Metall⸗ währung entgegenstehenden Hindernisse werde die Hauptsorge der amtlichen Stellen sein. Gleichzeitig werde die Regierung das Los der Arbeiter zu verbessern suchen, indem sie die

1

ch einer Meldung Dienstag in Peking einikt veröffe der Entwurf der beabsicen chinesischen Verfassung dargelegt und die Zeit egeben wird, bis zu welcher das Parlament einberufen den soll.

s „Reuterschen Bure ntlicht worden, in dem

General Bailloud zraphierte von gestern abend nach 1— 1 Uhr Nachmittags angegriffen. Bis 7 Uhr richteten die jde ihre Anstrengungen beson auf das Blockhaus, danrurde der Angriff schwächer. Auf seiten der Fanzosen wurdsvei Fremdenlegionäre verwundet, die Feinde hatten große Vste. Nach einer weiteren Meldung außudenib von der marokkanischen Harka Nachts wiederholtber mit großen Verlusten zurück⸗ Nähere Anen über den Angriff übermittelt N ihnen erfolgte der Nachts um 2 Uhr. Er rde mit Hilfe von und von Handgranaten eschlagen, die sich ganz besonders wirksam erwiesen. Obwidie Angreifer beim Rückzuge ihre Toten mitnahmen, wurdeoch eine große Zahl Leichen ge⸗ funden, die mitzunehmever Feind nicht mehr Zeit h. was vermuten läßt, daß sehr schwere Verluste hatte. französischer Seite wurdur ein Schütze getötet und sieben verwundet.

Paris: Budenib wird

wurde der Angriff

geschlagen. die „Agence H itrailleusen

Statistik d Volkswirtschaft.

In dem XI. Hesft des ). Bandes der vom Kaiserlichen Sta⸗ tistischen Amt herausgegeber „Statistik des Deutschen Reiches“ wird der deutsche auswärtighandel des Jahres 1907 mit Groß⸗ britannien sowie mit Fraltar, Malta und Cypern dar⸗

I. Großbritannien mit Irland sowie der Insel Man und den britischen Kanalinseln. Im Berichtsjahre beweriete sich Spezialhandel (in Millione Nark) ohne Edelmetalle die Einfuhr auf 976,6 und die Ausfuhruf 1060,4. Im Vorjahre 1906 belief sich jene auf 824,4 und diesuf 10567,2; hiernach ist die Einfuhr um 152,2 oder 18,5 v. H. gestieg die Ausfuhr aber um 6,8 oder 0,6 v. H. gefallen. 1907 ragten hervoin Millionen Mark): in der Einfuhr bearbeitete Spinnstoffe undJaren daraus mit 351,6, mineralische . er Steinkohlen mit 215,1), Erzeugnisse der Lankund Forstwirtschaft und andere tierische und pflanzliche Naturerzeugni Nahrungs⸗ und Genußmittel mit 139,6 (darunter Pelztierfelle mit 2 und Wolle mit 14,4), unedle Metalle und Waren daraus mit 113, (darunter Eisen und „legierungen 66,6 sowie Kupfer und legierung 29,1) und Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse und Fahrzeuge it 52,0; in der Ausfuhr Zucker mit 149,4, Halbseidenwaren mit33,7, Wolltuche mit 32,3, Handschuhe, Haarnetze mit 28,2, Anili und andere Teerfarbstoffe mit 19,9, Spielzeug mit 19,4, wolle Frauen⸗ und Mädchenkleider mit 16,5, gefärbte, bedruckte Baumwgewebe mit 15,6 und Fahrradteile

II. Gibraltar, Mah, Cypern. gegen das Vorjahr der Wi der Einfuhr (in 1000 ℳ) von 1076 auf 1633 gestiegen, der der usfuhr Haupteinfuhrwaren waren ah 1907 Maltakartoffeln, deren Wert 1369 erreichte; weiter kamen och Kleie mit 52 und Wein mit 42 in Betracht. In der Aussuhdes Verichtsjahres sind Zucker mit 727, Edelmetallwaren mi, 248 un Wontuche mit 224 hervorzuheben

Im Spezialhandel ist on 29354 auf 2866 gefallen.

Die Verforgung Sachsens mit Fleisch. 1 Einen interesenten Beitrag zur Beantwortung der Frage, wer das Königreich Sachpn mit Fleisch versorgt, liefert der vom sächsischen Landeskulturrat veröf ntlichte Bericht über die Landwirtschaft im Königreich Sachsen das Jahr 1907. Danach hat der luftrieb auf den sieben bedeutendst Schlachtviehmärkten in Jahre 1907 betra 106 290 Rinder, 606 981 Schweine, 139 260 Schafe, 8 195 227 Kälber. Von diesem Auftieb stammten

en sächsischen

aus Sachsen nur 23,4 v. H. aus anderen deutschen 1 3 „„ 98

1

aus dem Auslande

8 Zu Arbeiterbewegung.

ie Tarifbewegungder Berliner Rollkutscher wie die „Voss. Ztg. miteilt, einen friedlichen Abschluß gefunden. In einer Versammlung der Speditionsarbeiter und Rollkutscher erklärten sich zwar die meisten de Redner für den Ausstand, da die Zugeständ⸗ nisse der Arbeitgeber ungnügend seien, bei der Abstimmung wurde jedoch die für den Streikbeschlu erforderliche ½⸗Mehrheit nicht erzielt; es wurden für den Ausstanz nur 503, 203 Stimmen dagegen abgegeben, während 126 Stimmen ungültig waren. ergebnis ist also die Arbetsniederlegung verworfen und die Annahme der Arbeitgeberzugeständnsse beschlossen.

Die „Kölnische Zeitig“ meldet aus Konstantinopel: Die An⸗ estellten der Eisenkuhn Smyrna Aidin sind in den Aus⸗ and getreten. Die Drektion der Linie Smyrna— Kass hat sich mit ihren Angestälten verständigt. 1—

Bohlfahrtspflege.

Auf eine von der zentralstelle für Volkswohlfahrt in Berlin

kurzem herausgegebne „Ratgeber für Jugerndvereinigungen“ sei die Aufmerksamkeit ein Gebiet der Wohlfahrts⸗

schulentlassene,

hat nunmehr,

Durch das Abstimmungs⸗

kleine Zeitschrift dem Titel aller Jugendfreunde geleckt. beansprucht das der Fütorge

insbe ondere 2 bekannte Lücke Schulbank und Kaserne; iber wachsende Kriminalität und bedrohliche Zunahme der Fürsorgeerzichungsfälle; über die Gefahr, die emchungen der Soztaldemokratie um die un⸗ re Wiederholte Ministerialerlasse, so jüngst noch der preußische, betreffend die Fürsorgeeinrichtungen an Fortbildungsschulen, haben die Bedeutung der Frage ins hellste Licht gerückt und ihre dauernde Bachtung energisch gefordert. Allerdings sind hier zahlreiche Kreise zum Teil seit Jahrzehnten mit Erfol Rühmliches haben trotz marcher Anfechtung die konfes Fünglings⸗ usw. Vereine geleistet; eifrig an der Aebeit sind die Vereine der deuischen Turnerschaft mit ihren hunderten von Zöglings⸗ abteilungen, die Guttemplerlogen mit ihrem Jugendwerk, die Standes⸗ vereine (der Arbeiter, Handwerker, Kaufleute) mit ihren Lehrlingsabtei⸗ lungen, die Bildungevereine und die Volksheime mit ihrer Jugendarbeit; in vielen Städten gibt es Abend⸗ und Sonntagsheime; neuerdings wird die Fortbildungsschule durch entsprechende Einr Allen diesen Bestrebungen will das neue Unternehmen n aber es will noch mehr, denn es geschieht für unsere Jugendlichen bei weitem noch nicht genug. Erst wenige Hunderttausende werden von der⸗ artigen Maßnahmen erfaßt, mehrere Millionen bleiben ohne weitere

neuerdings von den reife gewerbliche Jugend drohe.

tungen ergänzt. Kräften dienen,

Differenzen mit den Arbeitgebern beseitigen wolle.

gute Beeinflussung in der Zeit der geschlechtlichen Reife und der Ausbildung.

beruflichen

15 Lalen auf den Plan. Für die Jugend, die Zukunft unseres

Volles, müssen finanzielle Opfer gebracht werden, z. B. für die Gründung und Unterhaltung von Ledigenheimen und Sonntagssälen. Noch viel wichtiger ist persönliche Mitarbeit in den Jugendvereinen und Abendheimen, durch Hilfe bei der Leitung, Halten von Vorträgen usw. Leider mangelt es für diese wahrhaft volks⸗ erzieherische und in bestem inne prophylaktische Arbeit noch recht sehr an Interesse und Verständnis; für die Interessierten ist dagegen das einschlägige Material in vielen Büchern und Zeitschriften zerstreut. Hier erscheint als gutes Hilfsmittel der „Rat⸗ geber für Jugendvereinigungen“ auf dem Plane, denn er will nicht nur über Fragen der Vereinspraxis, sondern auch über die Mitwirkung der Gesellschaft an dieser Arbeit tunlichst unterrichten. Die kleine Zeitschrift, die von Carl Heymanns Verlag (Berlin W. 8, Mauer⸗ straße 43/44) zu dem billigen Preise von 1 (für 6 Hefte zu

32 Seiten) postfrei versandt wird und auch durch den Buchhandel zu

beziehen ist, sei allen Interessenten bestens empfohlen.

Kunst und Wissenschaft.

Im Gebäude der Sezession wird am 1. Oktober eine Aus⸗ stellung belgischer Kunst eröffnet werden. Ein unter dem Pro⸗ tektorat der belgischen Regierung stehendes Komitee, bestehend aus Vertretern der Regierung und der beiden Künstlergesellschaften LArt Contemporain, Antwerpen, und Socists Royale des Beaur⸗ Arts, Brüssel, hat sich die Aufgabe gestellt, durch persönliche Einladung der bedeutendsten Künstler des Landes ein Ge⸗ samtbild des heutigen künstlerischen Schaffens in Belgien zu⸗ sammenzustellen, ähnlich wie es im vorigen Jahre in Paris im Salon d'Automne gezeigt wurde. Ergänzt wird diese Ausstellung durch eine retrospektive Abteilung werden, in der die Werke einiger bedeutender verstorbener Künstler, wie Constantin Meunier, Artan, Henri de Brackeler, Dillems, Evenspoel, Félicien Rops, Jef Lambeaux, Ver⸗ straeten : eren vereinigt sind.

Die Galerie Eduard Schulte eröffnet mit einer Vorbesichti⸗ gung am Sonnabend, den 5. September, die bereits angekündigte Carl Spitzweg †⸗Gedächtnisausstellung. Sie enthält 225 Werke und gibt ein vollständiges Bild von dem Schaffen dieses einzigartigen Künstlers. Dieselbe Zeit der Münchener Kunst mit kleinen, mehr idyllischen Landschaften der durch Rottmann angeregte August Seidel †. Von weiter ausgestellten Werken seien erwähnt: die des schwedischen Wintermalers G. A. Fjaestad⸗Arvika, die des Dresdners Otto Hettner, die Zeichnungen zu den „Gleichnissen des Evangeliums“ von Eugoêne Burnand, der auch ein großes Gemälde „Der Leidens⸗ weg“ ausstellt, und, neben Zeichnungen verschiedener deutscher Künstler zu einem Kalender „Kunst und Leben“, die Sammlung der Stuttgarter Künstlervereinigung „Die Freunde“ (Fr. Hafner, Jul. Kunz, G. Lebrecht, E. Stammbach).

Vor kurzem konnte an dieser Stelle gemeldet werden, daß die Ankunft Spen Hedins, über dessen Schicksal man seit Monaten im ungewissen war, in Simla bevorstehe. Wir dürfen also hoffen, bald Mitteilungen über den letzten Teil der Forschungsreise Hedins zu bekommen. Inzwischen veröffentlicht „Harper's Monthly Magazine“ einen Bericht des kühnen Forschers über seinen Besuch am heiligen See Manna Sarowar und die Erforschung der Quellen des Indus, einer Gegend, die bisher wohl keines Europäers Fuß betreten hat. Nach langwierigen, umständlichen Verhandlungen mit den Behörden von Brakha trat er nur mit fünf Mann und sechs Pferden die Reise nach den Indusquellen an. Es war ein aben⸗ teuerlicher und hindernisreicher Ritt, er führte mitten durch ein völlig unerforschtes Land; aber auch diesmal überwand die Zähigkeit des Reisenden alle Schwierigkeiten, und endlich kam auch der Abend, an dem die Reisenden am „Singi⸗kabap“ am „Munde, aus dem der Indus hervorkommt“, von den Pferden stiegen. Den Tibetanern gilt der Ort als heilig, hole Steinmonumente sind aufgetürmt, und auf einer felsigen Plattform erhebt sich ein kunstvoll ausgehauenes Götterbild. „Man kann sich vorstellen, mit welchen dankbaren und frohen Gefühlen ich hier stand und die Quellen des Indus vor mir sab, wie sie hier aus dem Berge hervorsprangen. Ich stand da und blickte auf den bescheidenen kleinen Bach, wie er da hernieder⸗ rauschte in die Täler, und ich dachte an die mannigfachen Ver⸗ änderungen, die er erfahren muß, ehe in einem immerwährenden Crescendo sein Gesang ausklingt in die rauschende Musik des Ozeans, zwischen den Klippen von Karachi, wo die großen Schiffe liegen und ihre Waren aus⸗ und einladen Ich stand da und be⸗ wunderte Alexander von Mazedonien, der, als er vor 22 Jahr⸗ hunderten den Indus überschritt, eine ferne Vorstellung hatte von der Quelle dieses Flusses, und ich genoß das Bewußtsein, der erste Europäer zu sein, der seinen Fuß an die Quelle des Indus setzte.“ Von hier aus wird die Reise in nordöstlicher Richtung bis etwa zum 32. Breitengrad durch völlig unbekanntes Gebiet fortgesetzt. Dann wendet sich die kleine Karawane nach Westsüdwest und er⸗ reicht schließlich am 26. September Gartok, wo Sven Hedin wieder zu dem zurückgelassenen Haupttrupp seiner Expedition stößt. Ein außerordentlich reichhaltiges kartographisches Material ist gewonnen; allein die Notizen des Forschers füllen 4900 Seiten, wichtige astronomische Punkte sind festgestellt, eine reichhaltige Sammlung interessanten geologischen Materials ist gewonnen, und Hunderte von Photographien und Zeichnungen bilden eine ergänzende Veranschaulichung der gewonnenen wissenschaftlichen Resultate. Sven Hedin selbst spricht davon, daß das Schicksal ihn bei diesem Zug durch Tibet besonders begünstigt habe; obgleich diese Reise nicht zwei Jahre währte, sind ihre geographischen Resultate doch reichhaltiger und wichtiger als die während seiner letzten Reise (1899 1902) gewonnenen, und sie übertreffen auch das Ergebnis aller früheren Expeditionen durch Tibet. Als einen der größten Eindrücke von dieser wechselvollen Fahrt durch das Land der Lamas schildert der Forscher einen Marsch um den heiligen Kailas, den heiligen Berg, den die Tibetaner auch den Kang Rimpoche nennen. Nach dem Glauben der Hindus lebt hier auf dem Gipfel des Berges Siwa in seinem Paradiese, und nur hin und wieder steigen die Götter zu den Ufern des Manasarowar⸗Sees hernieder, um in der Gestalt weißer Schwäne über die silbernen Fluten dahin⸗ zugleiten. Durch alle Täler, über alle Pässe der Nachbarschaft Fehn hem Tausende von ehrfürchtigen, schweigsamen Pilgern, n tiefes, weltabgewandtes Sinnen versunken, zu dieser hbeiligen Stätte. Männer, Frauen mit ihren Kindern, das Greisenalter neben der Jugend, der büßende Verbrecher neben dem meditierenden Geist⸗ lichen, so ziehen sie daher und suchen hier einen Abglanz der Un⸗ sterblichkeit, ehe sie in das Tal des Todes eingehen. Sven Hedin sieht auf dem Wege zwei junge Lama aus Khan; sie gehen nicht wie gewöhnliche Pilger, mit ihrem Leibe selbst scheinen sie die Strecke zu messen, die sie von dem Ziele ihrer sehnsüchtigen Inbruast trennt. Lang ausgestreckt liegen sie auf der Erde, über dem Kopf falten sie die Hände und beten, machen dann ein Zeichen in die Erde, stehen auf, schreiten bis zu diesem Zeichen, werfen sich nieder und beten wieder. Auf diese Weise währt die Umkreisung des Berges gegen manssh Tage, und diese beiden Lamas wollten zweimal die Reise zurücklegen. Der eine wollte nach Ableistung seiner Pilgerpflicht heimkehren; der zweite aber, ein junger Mensch von kaum zwanzig Jahren, wird den Rest seines Lebens in einer dunklen Grotte an den Ufern des oberen Tsangpo verbringen. Denn bei den Gläubigen gilt diese Selbstaufopferung, dieses Leben in Dunkelheit, Abgeschlossenheit und Einsamkeit als verdienstvollster Weg zur Seligkeit. Im feierlichen Zuge werden diese freiwilligen Dulder nach der Höhle geführt, bis auf eine kleine schmale Oeffnung wird die Höhle dann verschlossen, und alltäglich kommt ein rotgekleideter Mönch, um durch den schmalen Spalt dem Einsiedler eine Schüssel mit Speisen zu reichen. Der Mann, der da drinnen hockt, wird nie mehr das Sonnenlicht sehen, er ist für die

antwortete:

er ist Tag und Nacht in

verschwunden

„Wir standen draußen, und er uns sprechen hören eder hören noch sehen; versunken.“

den Spalt weiß man, wo die Schüss gestorben. Diese nahmeerscheinung; Einsiedler in ewiger Betrachtungen na

Menschheit gestorben. Lamapriester,

el unberührt sein wird, wird man wissen: er ist stanfopferung aber ist keineswegs eine Aus⸗ et man Stätten, wo weltabgewandte d ewigem Schweigen ihren heiligen nd den Tod erwarten. dieser Weise 69 Jahre gelebt. in sitzender Stellung sterben, nichts anhabe, Holzgestell mit in die H deskampfes stützen soll.. Sven Hedin die Kir mme steht

frischen Stimmen, sie aller Schärfe,

sehr oft find

In Linga 1j. B. Er mußte wie alle Todeskampf ihm schon bei der Einmauerung ein öhle, das ihn in der Stunde des Als einen der herrlichsten Genüsse chenmusik der Tibetaner. Mittelpunkt; hell und klar ertönen die aber durch schwere dunkle, weiche Draperien fast sagen aller Wirk⸗ die Klänge durch

chhängen u

und damit der nimmt er

Die mensch⸗

ja man möchte in weiten Wogen hallen dann großen Tempelbauten und einen amen Hymnen von edämpft der

ölbten Galerien ifenden Chorgesängen, zu wunders Dazwischen aber tönt ö pfeifen oder das rhythmische Klingeln Flöten ihre Stimmen zu lauten, Melodien und von den Wänden des Tempelhofes und allt dröhnend der dumpfe Schlag der Trommeln wider. ieder überwindet die Menschenstimme das Chaos, in t der Chorgesan .

Liebe und Sehnsucht. melancholische Klang der B von Cymbeln, hellen, schrill den Dächern h Dann aber w weiten ergr

empor und

bisweilen erheben die

eifenden Akkorden steig fort von den Leiden dieser Erde...

ung des Großen Ozeans. Nach ean, die sich über mehr die amerikanische Jacht cisco heimgekehrt. Ihre Aufgabe war die schen Vermessung des Großen Ozeans im der Wissenschaft Kosten wurden vom Department of Research netism des New Porker Carnegie⸗Instituts rfolgreiche wissenschaftliche Unternehmen macht * u. a. nähere Angaben, denen die „Voss. Ztg.“ ie Leitung lag während des größten Teiles der W. J. Peters, eines Teilnehmers der Fialaschen te Gesamtlänge der Fahrten ent⸗ halbfachen Erdumfang; sie erstreckten sich von den zu den asiatischen Küsten und von den Alsuten im land im Süden und berührten fast jeden der be⸗ fen der Südseeinseln. Obwohl die „Galilee“ kei schließlich auf die Segelkraft angewiesen war und re Stürme auszuhalten hatte, begegnete Unfall: während sie in YPokohama lag, 24. August 1906 durch einen Taifun derart „daß sie über 4 m Wasser jog und Wellenbrecher retten mußte, wo sie

Das Schiff, das ins

Magnetische Vermess 1 einer dreijährigen Kreuzfahrt im Großen O. 00 000 km erstreckte, ist Ende Mai „Galilee“ nach San Fran Einleitung einer magneti der Schiffahrt vom Erd⸗ magnetismus; die in Terrestrial Mag Ueber das e das „Nat. Geogr. Mag. folgendes entnimmt: Fahrt in den Händen von Nordpolexpedition. spricht dem zweiein amerikanischen bis Norden bis Neusee deutenderen maschine hatte und ausseh obwohl sie nicht selten schwe ihr doch nur ein ernstlicher wurde sie in der Nacht des gegen einen Wellenbrecher geworfen die ganze Bemannung sich auf den das Ende des Sturmes abwartete. wurde aber so schnell ausgebessert, daß es bereits zehn Tage eine 10 000 km lange Fahrt nach San war gemietet worden und Da nun die und zwar mit einem eigens at das Carnegie⸗Institut sich ent⸗ bei dem nur sehr weni Plänen des New PYor

Die erwähn

okohama verlassen konnte für iego in Kalifornien. mußte ihrem Besitzer zurückgegeben werden. der Vermessungen notwendig ers hierfür eingerichteten Schiffe, so schlossen, ein solches Fahrzeug, wendet werden darf, ingenieurs Heury J. Gielow erbauen zu la „Carnegie“ erhalten und im Juni 1909 zur diesmal für den Atlantischen Ozean.

Die „Galilee“ b ortführung

r Schiffs⸗ Es soll den Namen Verwendung bereit stehen,

enlampen als Empfänger für drahtlose Tele⸗ ein Braunschweiger Eine sonderbare Erscheinung konnte ich jüngst in meinem Laboratorium beobachten. S ndlich in pfeifendem, zischendem Tone Morse⸗ ch als das Anrufzeichen der hiesigen radio⸗ die mit ungedämpften Schwingungen arbeitet, unte also fortan ohne Antenne oder sonstige die von dort abgesandt Bogenlampe anzuzünden brauchte. untersucht, die in n der hiesigen

„Umschau“ folgende Mitteilung: an einer Bogenlampe nämlich klar und verstä zeichen von sich, die i telegraphischen Station, entziffern konnte. Empfangsapparate die wurden, abhören, indem ich nur eine Ich habe Bogenlampen auf diese Erscheinun elner Entfernung von drei Kilometern und mehr vo drahtlosen Station entfernt sind und die dieselbe Erscheinung in der⸗ selben Stärke wahrnehmen ließen. eines Lichtbildervortrags habe ich dasselbe können; die Morsezeiche direkt störend; der die vergeblich das Zischen kann, glaube ich, darin bestehen, sich die Schwingunge so die Bogenlampe, (singende Bogenlampe

ganzen Depeschen,

Sogar eines Abends während Phänomen wahrnehmen Saale hörbar und wirkten Bogenlampe bedienende Mechaniker versuchte zu beseitigen. Der Grund dieser Erscheinung daß im primären Schwingungskreis ichtnetz fortpflanzen und

n waren im ganzen

n beim Geben auf das L ö die auf kleine Stromschwankungen leicht reagiert ), zum Mitschwingen bezw. ⸗tönen veranlassen.

Land⸗ und Forstwirtschaft.

Ernteergebnisse, Ernteaussichten und Getreidehandel

Der Kaiserliche Generalkonsul in Odessa berichtet unterm 27. Mitte August gingen im Amtsbezirke häufig Zu dieser Zeit lag noch etwa die Gerstenernte geschnitten im Felde

Anfang und wolkenbruchartige Regen nieder.

Hälfte der Weizen⸗, Roggen⸗ und . und wurde in der Beschaffenheit erheblich geschädigt. ark auf und erschwerte die Ernteärbeiten, ins⸗ des gedroschenen Getreides nach der Stadt. die zur Zeit des Regens noch nicht ge⸗ n Regen wenig berührt.

erner weichte der Regen die Wege st besondere die Zufuhr Hafer, Erbsen und Bohnen, schnitten waren, wurden durch den der Entwicklung befindlichen Mais ist der Regen

Die Ernteergebnisse haben sich nunmehr Winterweizens ist der Menge nach in Ulka als unter mittel zu bezeichnen. der bereits gedroschene Weizen höhere Ge⸗ Regen zu erwarten war, nämlich fast Die Ergebnisse der Ernte des Winter⸗ wie man Ende Juli an⸗ igt infolge des Regens ernte günstig aus⸗ Gerste, Bohnen t Ende Juli nicht geändert. den allgemein als glänzend bezeichnet. Ernte sind fast vollständig aufgebraucht. Da die Landleute bemüht sind, das noch auf dem Felde liegende Ge⸗ treide so schnell als möglich unter Dach Witterung zum Dreschen auszunutzen, da fern unpassierbar sind, so finden Zuf in beschränktem Maße statt. Roggen ganz gering; auch die Gerstenzu hinter der Nachfr.

„Nachdem die

haben, sind die Weizenpreis Parität mit dem Preise des Auslandes anzunähern. preise stehen noch weit über der Parität des Auslandes; Gerstenpreise.

Von Hafer fehlen n

Be

vorteilhaft gewesen. folgendermaßen ge⸗ staltet: Die Ernte des durchweg als schlecht, die der Beschaffenheit zeigt wichte als bei dem vielen durchmeg 9,25 bis 10 Pud. roggens sind so wenig günstig geblieben, Der gedroschene Roggen ze geringes Gewscht. Nur am Dnjepre ist die Roggen gefallen. Die Aussichten der Ernte für Hafer, und Erbsen haben sich sei sichten der Maisernte wer

Die Vorräte der alten

gegeben hatte.

zu bringen und die günstige er die Wege vom Regen Ernte zum Markte nur Insbesondere sind die Zufuhren in fuhren bleiben noch immer

uhren neuer

Mühlen ihren Bedarf an Weizen gedeckt e erheblich gesunken und scheinen sich der Die Roggen⸗ ebenso die

Die gegenwärtigen Getreidepreise sind: O 1116 - 139 Kop. 3 . 114 136

81 86

1 (16,38 kg)

11“ delen . k1X“ 2 Rbl. 18 D“ 3 160 Kop.

Die Vorräte beliefen sich in Odessa am 14. August in:

Weizen auf . 1111““ . . 16 918 dz,

und zwar:

na

Vv““ verschiedene Sorten 1.“

8 .1.“ 1““ k; Mais 1“” 1 Leinsaat 8 8 8* Die Preise auf de en sich folgendermaßen: Leinkuchhen.. 1,04— 1,05 Rbl. Kokoskuchhen. . 94 95 Kop., in Säcken, Hederichbauernkuchen . . 68 69

Rapskuchen und hydraulische Hederichkuchen waren am Markt nicht vorhanden. Die allgemeine Marktlage in Leinkuchen war fest, in allen anderen Kuchensorten schwächer.

Die Verladungen von Odessa, Cherson betrugen in der Zeit vom 24. Juli bis 24. August: 8 8 wbEEb“ Million Pud, Roggen. ““ ee11““ . 2 Millionen Pud, EXEI——— —8—* 8 8 In Odessa, Nikolajew, Cherson stehen etwa 60 Dampfer, die auf Ladung warten. Zufolge der verspäteten Ernte und den bis⸗ herigen knappen Zufuhren hält es schwer, Ladung zu finden. Die Frachten sind anhaltend gedrückt. Sie betragen gegenwärtig für 88 Relitän . ... . .... 11. . London. . mburg . Antwerpen.. ganze Dampfer

2

Jagdausstellung. Der Rotwildjagdverein für die Mark Brandenburg beabsichtigt, um das Interesse für die Wildbestände in den Revieren der Mark Brandenburg zu heben und den Besitzern und Pächtern der Märkischen Rotwild⸗ usw. ⸗„Reviere den Wert weid⸗ männischer Hege und Pflege vorzuführen, in der Zeit vom 12. bis 20. Dezember 1908 in der Ausstellungshalle am Zoologischen Garten in Berlin eine Brandenburgische Jagdtrophäen⸗ ausstellung aus der Zeit des vergangenen und dieses Jahrhunderts zu veranstalten, die eine Uebersicht gewähren soll, wie die Entwicklung der Geweih⸗ und Gehörnbildung in den verschiedenen Märkischen Revieren vor sich gegangen ist. Die Besitzer von solchen in der Pieee Brandenburg in freier Wildhahn erbeuteten, auch der in

eutschland und dem Auslande vorhandenen Rothirschgeweihe, Dam⸗ schaufeln und Rehkronen werden ersucht, die bezü lichen Bedingungen und Anmeldeformulare usw. möglichst bald vom Rechnungsrat Herr⸗ mann, Berlin W. 30, Kyffhäuserstraße 24, unter Angabe der Anzahl der auszustellenden Trophäen zu beziehen und die Anmeldung bis spätestens den 15. November 1908 bei demselben zu bewirken.

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs⸗ maßregeln.

Der Deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke wird in Cassel vom 14. bis 17. September d. J. in Erinnerung an das 25 jährige Bestehen des Vereins seine (25.) Jubiläums⸗Jahresversammlung abhalten. In der Tagesordnung der Versammlung sind u. a. Vorträge und. Ansprachen über folgende Gegenstände vorgesehen: „Die Alkoholfrage in ihrer Bedeutung für Deutschlands Gegenwart und Zukunft’: Obermedizinalrat, Professor Dr. von Gruber⸗München. Die Notstände, welche der Mißbrauch geistiger Getränke verursacht a. für die Gesundheit des Einzelnen und des Volkes: Wirkl. Geh. Rat, Professor Dr. von Leyden, Berlin, b. für die Wohlfahrt des Einzelnen und des Volkes: Geh. Reg.⸗Rat, Professor Dr. Böhmert, Dresden, c. für die Sittlichkeit des Einzelnen und des Volkes: Superintendent Stursberg, Bonn. Die Be⸗ kämpfung der Notstände a. in persönlicher Einzelhilfe: Justizrat Dr. jur. Gensel, Leipzig, b. in Vereinshilfe: Geh. Kommerzienrat Dr. Möller, Brackwede, c. in Gemeinde⸗ und Staatshilfe: Ob.⸗Bürgerm. Dr. Struckmann, Hildesbeim. Für die im Anschluß an die Jubiläums⸗Jahresversammlung statt⸗ findende IX. Jahresversammlung des Verbandes von Trinkerheilstätten des deutschen Sprachgebietes sind nachstehende Vorträge angemeldet: Der Verband von Trinkerheil⸗ stätten des deutschen Sprachgebiets: Pastor Dr. Martius⸗Freien⸗ bessingen; Die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung der Trinkerfürsorge: Stadtrat Kappelmann⸗Erfurt; Die Fürsorge für alkoholkranke Frauen: Pastor Wöhrmann⸗Herford. Am letzten Versammlungstage sollen Jugendversammlungen für die Schüler der Bürgerschulen und der höheren Lehranstalten stattfinden. Mit der Tagung wird eine Ausstellung über den Alkoholismus verbunden sein.

Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt ist der Ausbruch der Maul⸗ und Klauenseuche gemeldet aus dem Kreise Saarbrücken, Reg.⸗Bezirk Trier, am 1. September 1908, und aus Forbach,

zirk Lothringen, am 2. September 1908. 8

—ö

Tierseuchen und Einfuhr von Tieren in Großbritannien

im Jahre 1907.

Nach den vom Board of Agriculture and Fisheries heraus⸗ gegebenen „Annual Reports of Proceedings under the Diseases of Animals Acts, the Markets and Fairs (Weighing of Cattle) Acts, etc. for the year 1907 (London 1908) ist der Milzbrand in 83 Grafschaften (47 von England, 8 von Wales und 28 von Schottland) aufgetreten. Bei 1084 neuen Ausbrüchen sind 1456 Tiere erkrankt, nämlich 1163 Rinder, 66 Schafe, 190 Schweine und 37 Pferde. In England erkrankten 638 Rinder, die meisten davon in den Grafschaften York, West Riding (46), Cornwall, Gloucester, Lancaster (je 40), Chester (34), Wilts (33), Salop (32), Devon (29) und Sommerset (27). In Wales er⸗ krankten 24 Rinder, davon 8 in der Grafschaft Glamorgan. Von den in Schottland erkrankten 501 Rindern wies die nen Aberdeen, wie auch in den Vorjahren, die höchste Zahl (103) auf; demnächst folgten Haddington (51), Perth (47), Forfar (44), Fife (36) und Banff (35). Im Jahre 1906 sind in 80 Grafschaften Groß⸗ britanniens 939 Ausbrüche mit zusammen 1330 Erkrankungsfällen gemeldet worden. 4

An Rotz erkrankten 1921 Pferde in 27 Grafschaften von Eng⸗ land (804 Ausbrüche und 1765 Pferde) und 6 von Schottland und 156). Die meisten Erkrankungen kamen wie auch in den Vorjahren in der Grafschaft London (1365 bei 577 Ausbrüchen) vor. Die Zahl der Ausbrüche und die der erkrankten Tiere hat sich im Vergleich zum Jahre 1906 um 212 und 91 verringert.

An Schafräude sind 751 Ausbrüche in 64 Grafschaften ge⸗

meldet (534 Ausbrüche in 63 Grafschaften im Vorjahre). Hiervon

entfielen auf England 216, Wales 441 und Schottland 94. Am

stärksten betroffen waren in England die Grafschaften Lancaster (30)

„und PYork, West Riding (28), in Wales Merioneth (111), Cardigan (73),

Hen.ab (8h, Carnarvon (46) und Montgomery (43), in Schottland nverne 5).

Das Schweinefieber ist in 48 Grafschaften von England, je

8 von Wales und Schottland aufgetreten. Insgesamt wurden bei 2336 Ausbrüchen als erkrankt oder der Ansteckung verdächtig 11 275 Schweine abgeschlachtet (7359 bei 1280 Ausbrüchen im Vorjahre), davon 10 405 bei 2185 Ausbrüchen in England, 462 bei 109 in Wales und 408 bei 42. Ausbrüchen in Schottland.

Von Tollwut sind 55 Verdachtsfälle (72 im Vorjahre)

gemeldet.

Rinderpest, Maul⸗ und Klauenseuche, Lungenseuche

und Pockenseuche der Schafe sind nicht festgestellt worden.

Das im Juni 1907 in Großbritannien vorhandene

Klauenvieh bezifferte sich auf 6 912 067 Rinder, 26 115 455 Schafe und 2 636 766 Schweine gegen 7 010 856 Rinder, 25 420 360 Schafe, 2 323 461 Schweine im Jahre 1906.

An lebenden Tieren wurden eingeführt: aus Irland

841 973 Rinder (775 374 im Vorjahre), 660 415 (657 413) Schafe

und 481 907 (429 430) Schweine, aus dem Auslande 472 015

(561 215) Rinder und 105 601 (103 359) Schafe. Hiervon kamen von den Kanalinseln 1801 (1639) Rinder, von Island 2532 (4879

Schafe, aus Canada 125 753 (160 689) Rinder und 14 485 (14 29

Schafe, aus den Vereinigten Staaten von Amerika 344 461 (398 887) Rinder und 88 584 (84 184) Schafe. Darnach hat die Einfuhr von

Rindern von den Kanalinseln und von Schafen aus Canada und den Vereinigten Staaten von Amerika dem Vorjahre gegenüber etwas zugenommen, dagegen ist die Einfuhr von Rindern aus Canada und den Vereinigten Staaten von Amerika sowie von Schafen aus Island geringer gewesen.

Die Verluste an Tieren während der Ueberfahrt aus dem Auslande betrugen 1003 Rinder = 0,21 %, 793 Schafe = 0,75 %. Von den aus Frland eingeführten Tieren waren 171 Rinder, 107 Schafe und 186 Schweine verendet.

Unter den eingeführten Tieren wurden bei 66 Schafen die Schafräude festgestellt. 1“

Von Kiew werden, dem „W. T. B.“ zufolge, zwei Cholera⸗ fälle und mehrere choleraverdächtige Fälle gemeldet. Im Wasser des Dnjeprs wurden Cholerabazillen festgestellt. 11¹“]

Verdingungen im Auslande.

Rußland.

Stadtamt in Charkow: Vergebung des Baues einer eiselnen oder Eisenbetonbrücke in Charkow über den Fluß Lopan. Offerten

sind bis zum 1./14. November 1908 einmreichen (mit Plan und Bau-

kostenvoranschlag). Die näheren Angaben köͤnnen in der Technischen Abteilung des Stadtamts werktäglich von 10—2 Uhr erhalten werden.

Spanien. 8 15. September 1908. Königliche Waffenfabrik in Toledo (Fabrica de Armas de Toledo): Verkauf von 5867 kg Stahl in unbrauchbaren Stücken. Aeußerster Verkaufspreis: 25 Centimos für das Kilogramm. Näheres in spanischer Sprache beim „Reichsanzeiger“ und an Ort und Stelle.

Verkehrsanstalten.

Das abgelöste ostasiatische Besatzungsdetachement wird in diefem Jahre nicht wie früher auf dem Seewege, sondern über

Sibirien mit der Eisenbahn in die Heimat zurückkehren und voraus⸗

sichtlich am 30. September in Wirballen eintreffen. Den Angehörigen des Detachements werden nach Möglichkeit unterwegs wah j liche Briefe und Postkarten (jedoch nicht Drucksachen, Geschäfts⸗ papiere und Warenproben) zugeführt werden. Solche Sendungen unterliegen denselben Taxen, wie wenn sie nach der asiatischen Garnison gerichtet wären. Sie müssen in der Aufschrift die deutliche Angabe tragen:

„Durch das Marinepostbureau in Berlin. Empfänger gehört dem aus Ostasien heimkehrenden Besatzungs⸗ detachement an.“

Die Angabe eines Bestimmungsortes ist nicht erforderlich.

Der Norddeutsche Lloyd hat, „W. T. B.“ zufolge, beschlossen, außer den ostasiatischen Reichspostdampfern künftig auch die heim⸗ kehrenden australischen Reichspostdampfer Algier anlaufen zu lassen, die dort Passagiere landen oder aufnehmen können. erster australischer Dampfer wird der am 18. September in Genua fällige Dampfer „Roon“ Algier anlaufen. Vorgestern fand die öffnung der Mekkabahn bis Medina statt. 8

Windsignale auf der Eisenbahn. Ein Windmesser zur Sicherung des Eisenbahnbetriebs ist, wie der „Globus“ nach der amerikanischen Zeitschrift „Science“ mitteilt, seit September 1903 bei Ulverston in England in Betrieb; er soll bei starkem Winde die Züge vor dem Ueberschreiten des sehr exponierten Levens⸗Viadukts warnen. Der Apparat, der an dem Westende des Viadukts angebracht ist, besteht im wesentlichen aus zwei durch Federn in vertikaler Lage gehaltenen Platten, deren Bewegungen durch die übliche Schreibstift⸗ und Uhrwerkvorrichtungauf einem Blatt angezeigt werden. Ein Schreibstift wird von jeder Platte je nach der Windrichtung in Bewegung gesetzt und zwecks größerer Genauigkeit in der Zeit ist das etwa 200 m lange Kartenblatt durchlocht, sodaß die Löcher den Stiften des Uhrwerkrades entsprechen. Wenn der Winddruck 32 Pfund auf den Quadratfuß errescht, stellen die Federplatten eine elektrische Verbindung her wodurch die Glocken zu beiden Enden des Viadukts in Bewegung

esetzt werden. Sobald das geschieht, werden die Züge angehalten is der Wind sich gemäßigt hat. Jede solche Unterbrechung wird dem Inspektor der Linie gemeldet. Die größte Windstärke mit 104 km in der Stunde wurde im Februar 1907 angezeigt.

Theater und Musik. Neues Schauspielhaus.

u.“ Die Schauspielbühne am Nollendorfplatz hat am Diens

aäͤlteres Stück, Ernst von Wolzogens und W. Schumanns

Lustspiel „Die Kinder der Exzellenz“ in seinen Spielplan auf⸗ genommen, und sie tat wohl daran, denn es ist nicht das Schlechteste, was auf dem Gebiete der harmlos⸗ den letzten Jahren geschrieben worden ist. Vor allen Dingen hat die sol⸗ datisch biedere Gestalt des Majors a. D. von Muzell, des Onkel Muz, von ihrer derben ostpreußischen Urwüchsigkeit nichts ein ebüßt, und das Neue Schauspielhaus verfügt in Ernst endt über einen geradezu idealen Vertreter für diese wichtigst Rolle des Lustspiels. Aber auch sonst fehlt es nicht an dankbaren Aufgaben für die Darsteller, und sie vereinigten sich alle unter trefflicher Regie zu geschlossenem Zusammenspiel. Herrn Siebert gelang es sogar, den etwas unwahrscheinlichen Amerikaner Normann recte von Normann durch sein warmherziges Spiel glaubhaft zu gestalten. Auch die Damen Jona, Maren und Ehren, die Herren Feetzbach, Romberg, Höbling, Kleinke und Borse trugen das Ihrige zu dem erneuten Erfolg des Lustspiels bei, das sich wieder längere Zeit auf dem Spielplan behaupten dürfte.

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rend des Aufenthalts auf größeren Stationen gewöhn⸗