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Hufolge der Allerhöchst genehmigten Vorschriften, welche den hier akkreditierten Botschaftern auswärtiger Mächte gegen⸗ über zu beobachten sind, haben sämtliche zum A erhöchsten ofe gehörigen oder daselbst vorgestellten Herren den Bot⸗ chaftern und deren Gemahlinnen, nachdem dieselben von hren Kaiserlichen und Königlichen Majestäten, von Ihren Kaiserlichen und Königlichen Hoheiun dem Kronprinzen und der Kronprinzessin und von Ihren Königlichen Hoheiten den Prinzen 88 den Prinzessinnen des Königlichen Hauses empfangen worden sind, sowie sämtliche zum Allerhöchsten ofe gehörigen oder daselbst vorgestellten Damen den Bot⸗ afterinnen nach allgemeinem Herkommen den ersten Besuch, und zwar in Person, zu machen. Diese Bestimmung tritt jetzt in Betreff des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika und dessen Gemahlin in Kraft. Berlin, den 14. Januar 1909. — 8 Der Oberzeremonienmeister. Sra M. Gutenburg.
Justizministerium. .
1 Dem Notar Schroeder in Manderscheid ist der Amtssitz in Bedburg angewiesen. 1
Ministerium der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinalangelegenheiten.
Am Lehrerseminar in Friedeberg N.⸗M. ist der kommissarische Lehrer Lucas vom Seminarnebenkursus in Prenzlau als ordentlicher Seminarlehrer angestellt worden.
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In der Dritten Beilage zur heutigen Nummer des „Reichs⸗ und Staatsanzeigers“ wird eine Genehmigungs⸗ urkunde, betreffend eine Anleihe der Stadt Hanau, veröffentlicht. .
Preußen. Berlin, 15. Januar.
Seine Majestät der Kaiser und König nahmen vorgestern im Neuen Palais bei Potsdam die Vorträge des Ministers der dcs s hen Arbeiten Breitenbach, des Ober⸗ präsidenten der Provinz Brandenburg von Trott zu Solz und des Chefs des Zivilkabinetts, Wirklichen Geheimen Rats on Valentini entgegen. Gestern hörten Seine Majestät ie Vorträge des Kriegsministers, Generals der Kavallerie von Einem, des Chefs des Generalstabes der Armee, Generals der Infanterie von Moltke und des Chefs des Militärkabinetts, Generalleutnants Freiherrn von Lyncker.
Rom!
53 Fogr am 14. d. M. unter dem Vorsitz des Staats⸗ ministers, Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Staats⸗ ekretärs des Innern Dr. von Bethmann Hollweg ab⸗
gehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung der Gesetze, betreffend Jasbanmfichiffaneebüngungen mit überseeischen Ländern, die
.“ erteilt. Angenommen wurde ferner die Vorlage
egen Aenderung der Prüfungsordnung für Aerzte und die Vorlage, betreffend die Feststellung des Landeshaushaltsetats von Elsaß⸗Lothringen für das Rechnungsjahr 1909. Schließ lich wurde über mehrere Anträge Besch 89 b8Z“
Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika und dessen Gemahlin werden, wie aus der bereits veröffentlichten Hofansage hervorgeht, nunmehr die zum Allerhöchsten Hofe gehörigen oder daselbst vorgestellten Herren und Damen empfangen. Dieser Empfang wird am Sonn⸗ abend, den 23. d. M., Abends von 9 Uhr ab, stattfinden. Der Anzug ist für die Damen in ausgeschnittenen Kleidern, für die Herren vom Militär in kleiner Uniform (Gesellschafts⸗ anzug), für die Herren vom Zivil in Frack mit Ordensband über der Weste. —
Der Bevollmächtigte zum Bundesrat für Ha Senator Dr. Sthamer ist von Berlin abgereist.
In der Ersten Beilage zur heutigen Nummer des „Reichs⸗ und E“ wird eine Zusammenstellung der Berichte von deutschen Fruchtmärkten für den Monat Dezember 1908 veröffentlicht.
Bei der gestrigen Beratung der Volksschulnovelle in der Zweiten Kammer brachte der Berichterstatter Dr. Hieber seufsche Partei) die Sprache auf die Verwahrung, die das bischöfliche Ordinariat se en den Inhalt des Regie⸗ rungsentwurfs seinerzeit öffent 8. eingelegt hat. Wie das „W. T. B.“ berichtet, erklärte der Kultusminister von Fleischhauer im Verlauf der Debatte:
Ich bestreite dem Ordinariat nicht das Recht, Stellung zu nehmen. Bedauern muß ich, daß das Ordinariat die Eingabe veröffentlicht hat, ohne die Antwort der Regierung abzuwarten, weil dadurch die Ver⸗ ständigung aschwert worden ist. Den Zweck, eine zeitgemäße Schul⸗ reform zu schaffen, dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren. Das Ordinariat hat sich darüber beklagt, daß ihm amtlich vor Fertigstellung des Entwurfs keine Gelegenheit sr Aeußerung gegeben worden sef. Dies ist unterblieben, damtt nicht dem Ordinariat dadurch ein Anschein des Rechts eingeräumt würde. Auch früher ist ein solches Anhören unterblieben, ohne daß Einspruch dagegen erhoben worden ist. Uebrigens ist die bischöfliche Behörde nicht ohne Kenntnis von den Absichten der Regierung gewesen. Ich habe selbst bei einer Begegnung mit dem Bischof im April vorigen Jahres ihm von den wesentlichen Bestimmungen des Entwurfs über die Aufsichtsfrage ver⸗ traulich Mitteilung gemacht. Etwaige Einwendungen hätte der Bischof sehr wohl geltend machen können. Wenn das Ordinariat für
1“ 8 8 8 die Kirche das Recht der Aufsicht über die religiös⸗ sittlich Erziehung der Kinder in Anspruch nimmt, so ist dieser Forderung durch Artikel 84 tatsächlich genügt. Eine Erweiterung der Aufsichts⸗ rechte der Kirche kann nicht in der Absicht der Regierung liegen und ist stets von der Regierung und den Ständen zurückgewiesen worden. Die Regierung wird den Angelegenheiten der katholischen Kirche auch künftighin das Wohlwollen entgegenbringen, welches das katholische Volk erwartet. Sie wird sich durch das Vorgehen des Ordinariats nicht abhalten lassen, auf den von ihr als richtig erkannten Wegen in der Schulreform fortzuschreiten und wird ohne Rücksicht auf Anfechtungen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, ihr Ziel zu erreichen suchen. — Auf die Erklärung des Kultusministers
emerkte der Abg. Gröber (Zentr.), daß das evangelische Kon⸗ sistorium nicht nur als Oberschulbehörde, sondern auch als Ober⸗ kirchenbehörde befragt worden sei, sonst hätte in die Motive nicht eine Aeußerung des Konsistoriums in seiner Eigenschaft als Oberkirchenbehörde aufgenommen werden können. Die arität hätte es verlangt, auch dem Ordinariat Gelegen⸗ eit zur Aeußerung zu geben. Gröber kritisierte dann, daß der Minister von einer privaten Unterredung mit dem - Mitteilung gemacht habe. Die Behandlung der Kirche sei in diesem Falle rückständig und bureaukratisch gewesen. Der Bischof habe nur seine Pflicht getan, und das Brbinar satsen es dem katholischen Volke schuldig gewesen, keine Zweifel über seine Stellung zu lassen. Die Kirche brauche sich nicht als Dienst⸗ magd behandeln zu lassen und könne eine würdige Behandlung bean⸗ spruchen. — Der Kultusminister erwiderte, daß die Unterredung keine private, sondern eine amtliche gewesen sei. Er bleibe dabei, daß dem Konsistorium nur in seiner Eigenschaft als Oberschulbehörde der Entwurf mitgeteilt worden sei. Wenn der Abg. Gröber es für un⸗ recht halte, daß die Regierung auch gegenüber dem Bischof ihren Standpunkt wahre, so werde er, der Minister, sich doch nicht abhalten lassen, das zu sagen, was er dem Staate und seiner Stellung
schuldig sei. 8
Oesterreich⸗Ungarn.
Der Kaiser Franz Joseph hat gestern, „W. T. B.“ zufolge, die Aborbnung des preußischen Kaiser Franz Gardegrenadierregiments Nr. 2 in besonderer Audienz empfangen und die Glückwünsche zu seinem Inhaberjubiläum entgegengenommen, die der Kommandeur des Regiments, Oberst Freiherr von Esebeck, übermittelte. Dieser über⸗ reichte eine künstlerisch ausgestattete Huldigungsadresse sowie eine Jubiläumsgabe, bestehend aus einer 1 ½ m hohen Bronze⸗ statuette auf armorsockel, die einen des Keegimeate darstellt. Abends fand in der Hofburg eine Fest⸗ tafel statt.
— Die Negi. welche die Ordnung der nationalen Streitfragen in Böhmen zu den dringendsten Notwendig⸗ keiten rechnet, hält, der „Wiener Abendpost“ zufolge, an der Ansicht fest, die diesen Zwecken dienenden Gesetzentwürfe, die bereits in allen wesentlichen Punkten setsteher, in kürzester Frist den berufenen gesetzgebenden Körperschaften vorzulegen. Sie ist der Ansicht, daß es der Erreichung des angestrebten Ziels wesentlich zustatten käme, wenn die berufenen Vertrauensmänner der beteiligten G die Grundzüge der vorbereiteten Gesetzentwürfe vor deren Einbringung in den e etzgebenden Körpern zur Kenntnis nehmen und in eine wechse seitige Aussprache hierüber eintreten würden. Die Regierung Jonkt bereits in den nächsten Tagen die Einladung zu diesen Besprechungen ergehen zu lassen und deren Gang 2 zu beschleunigen, daß ohne usschuß und zu dem ursprünglich in Aussicht genommenen Zeitpunkte die Mög⸗ lichkeit vorliege, die Gesetzentwürfe den gesetzgebenden Körper⸗ b endlich zu unterbreiten. Sie glaubt, auf diesem Wege 55 eingeleitete Verständigungswerk nachhaltig fördern zu nen.
Großbritannien und Irland.
Der Unterstaatssekretär des Krieges Lord Lucas hat
v an eine Anzahl Offiziere, die an der Universität zu
elfast ausgebildet werden, eine Ansprache gehalten, in der er, „W. T. B.“ zufolge, ausführte:
Die vor kurzem erfolgte Organisation des Heeres gestatte, heute eine größere Expeditionsmacht ins Ausland zu senden, als je zuvor. Es könnten jetzt 166 000 Mann mit einem Male aus⸗ gesandt werden; aber das Problem, mit dem man sich zu befassen habe, sei, wie man dieses Expeditionskorps während der Dauer eines langen Feldzuges auf seiner. Stärke er⸗ halten könne. Im Falle eines großen Krieges mit einer ziüvilisierten Macht sei es möglich, daß 100 000 Mann und 5000 Offiztere nötig seien, um die reguläre Armee während der ersten sechs Monate auf ihrer Stärke zu erhalten. Er, der Unterstaatssekretär, freue sich, sagen zu können, daß man hauptsächlich infolge der Einrichtung der Spezial⸗ reserve die erforderlichen Mannschaften zur Verfügung haben werde, nicht allerdings die Offiziere, die vielleicht noch wichtiger seien.
Frankreich.
Zum Präsidenten des Senats ist, „W. T. B.“ zu⸗ folge, der bisherige Präsident Dubost mit 229 von 245 ab⸗ gegebenen Stimmen wiedergewählt worden.
— In der Deputiertenkammer gedachte gestern der Präsident Brisson der Erdbebenkatastrophe in Süditalien und der internationalen Beweise der Solidarität, die dabei zu Tage getreten sind. Dann setzte die Kammer die Besprechung der Interpellation über Marokko für heute auf die Tagesordnung, lehnte es aber trotz dringenden Verlangens des Handelsministers Barthou mit 372 gegen 205 Stimmen ab, am Mittwoch über den Gesetz⸗ ents betreffend die Konzession der Minen von Quenza, zu verhandeln. Der Handelsminister ersuchte so⸗ dann, das Projekt Quenza unmittelbar nach Annahme der Einkommensteuervorlage zur Beratung zu stellen. Dies wurde mit 303 gegen 244 Stimmen beschlossen. Nachdem der Justiz⸗ minister Briand eine Vorlage, betreffend Begna digung der an den Unruhen in Dravan⸗Vigneux Betei⸗ ligten, eingebracht hatte, wurde die Sitzung geschlossen.
Rußland
Der Vizeadmiral a. D. Roschdjestwenski ist, einer Meldung des „W. T. B.“ zufolge, gestern früh in St. Peters⸗ burg gestorben.
Türkei. 8
Markgraf Pallavicini, hatte, „W. T. B.“ zufolge, gestern nachmittag eine Unterredung mit dem Großwesir Kiamil Pascha und dem Minister des Aeußern Tewfik Pascha über die Formulierung der einzelnen Punkte des Ein⸗ vernehmens. b
— In der gestrigen Sitzung der Deputiertenkammer gab der Minister Pe⸗ Innern eine Erklärung über ein angebliches Attentat auf den Thronfolger ab und er⸗ läuterte sodann die Maßnahmen der Regierung zum Schutze
“ “ der allgemeinen Sicherheit, insbesondere im Wilajet
1 1 m Beri komn d. Der österreichisch⸗ungarische Botschafter in Konstantinopel, Eö
Smyrna, sowie die Maßregeln zur Linderung der Not in Anatolien.
Wie das „W. T. B.“ berichtet, stellte der Minister bezüglich des ersten Punktes fest, daß es sich nach dem Ergebnis der — 8
Untersuchung lediglich um unbewiesene, unter den Haremsdamen ent⸗ standene Gerüchte handelte, und erklärte betreffs des zweiten Punktes,
daß die Regierung zu den angegebenen Zwecken 100 000 Pfund bei der Ottomanischen Bank geliehen und die deutsche -naesar adhbet der 8
schaft 60 000 Pfund zur Verteilung an die längs der Bahnlinie wohnenden Notleidenden zinsenfrei vorgestreckt habe. Die Kammer nahm die Ausführungen des Ministers mit
Befriedigung zur Kenntnis.
— In der Boykottbewe geg reichischen Waren und Lroydschißfe ist, Veränderung zu bemerken. Der österreichisch⸗ungarische Bot⸗ schafter Markgraf Pallavicini hat bei der Pforte abermals wegen der Löschung österreichischer Schiffe interveniert. Die Pforte hat zugesagt, Anweisungen geben zu wollen, die ein baldiges Ende des Boykotts erheffer lassen.
Serbien.
Wie das Handelsblatt „Trgovinski⸗Glasnik“ mitteilt, hat der Kaufmännische Verein in Belgrad auf eine Anfrage bei der Regierung den Bescheid erhalten, daß sie einen Boykott gegen österreichisch⸗ungarische Waren nicht billige und ihn mit allen Mitteln verhindern würde.
des „K. K. Telegraphen⸗Korrespondenzbureaus“, f
Dänemark.
Im Folkething stand gestern die zweite Beratung des ceg des Kriegsministeriums auf der Tages⸗ ordnung.
Wie das „W. T. B.“ berichtet, sprach der Verteidigungsminister Neergard im L ufe der Debatte sein Bedauern aus über die auf⸗ getauchten Gerüchte, betreffend die Anwesenheit fremder Kriegsschiffe in dänischen Gewässern zu Uebungszwecken. Die Gerüchte richteten nur Schaden an. Die angestellte Untersuchung habe ihre völlige Grundlosigkeit erwiesen.
Amerika.
Wie vom „W. T. B.“ aus Willemstad gemeldet wird, haben die Niederlande das Dekret, das die freie Waffen⸗ ausfuhr gestattete und seinerzeit als Maßregel gegen Castro erlassen worden war, wieder aufgehoben.
Afien.
Nach Meldungen der „St. Petersburger Telegraphen⸗ agentur“ hat das in Ispahan zusammengetretene Pro⸗ vinzialparlament sich an die ausländischen diplomatischen Vertretungen mit der Bitte gewandt, die Verfassung wieder⸗ herzustellen. Der Pra Ferman Ferma ist vor⸗ gestern mit siebenhundert Reitern, darunter fünf⸗ hundert Bachtiaren, nach Ispahan aufgebrochen. Makureiter (Sr. Khoi und das Dorf Julphad bei Maranda esetzt. In der Nähe des Grenzdorfes Dschulfa haben sich Kurden einer aus Urmia kommenden, dreihundert Kamele zählenden Warenkarawane bemächtigt, desgleichen der nach Täbris fahrenden persischen Personenpost. Revolutionäre haben vor üsrn das Palais des Prinzen Ferman Ferma in Täbris geplündert.
Parlamentarische Nachrichten.
Der Schlußbericht über die gestrige Sitzung des Reichs⸗ .
tags befindet sich in der Ersten Beilage.
— Auf der Tagesordnung der heutigen (185.) Sitzung des
Reichstags, welcher der Staatssekretär des Innern Dr. von Bethmann Hollweg beiwohnte, stand die erste Be⸗ ratung des Entwurfs eines Arbeitskammergesetzes.
Als erster Redner ergriff der Staatssekretär des Innern Dr. von Bethmann Hollweg das ort, dessen Aus⸗ führungen morgen im Wortlaut werden mitgeteilt werden.
Kunst und Wissenschaft.
Die Königliche Akademie der Wissenschaften hielt am 7. Januar unter dem Vorsitz ihres Sekretars Herrn Waldeyer eine Gesamtsitzung. Herr Dilthey las, als Fortsetzung seiner am 6. Dezember 1906 vorgetragenen Untersuchung, über das Wesen der Geisteswissenschaften und ihr Ver⸗ hältnis zu den Naturwissenschaften. — Herr Zimmer legte vor: Beiträge zur Erklärung alttrischer Texte der kirchlichen und Profanliteratur. 3. Conall Cernach clöen. Die Untersuchung beschäftigt sich mit der Be⸗ deutung eines in den Erzählungen der altirischen Heldensage dem hervorragenden Helden Conall Cernach beigelegten Adjektivs (clöen) und den Bildern, die wir uns von Hauptfiguren der Sage machen müssen. — Das korrespondierende Mitglied Herr Loofs übersandte eine Abhandlung: Das Glaubensbekenntnis der Homou⸗ sianer von Sardica. Einer Rezension des bisher nur in arg korrumpierter Gestalt gedruckten Textes folgen erklärende An⸗ meekmigen und Ausführungen zur dogmengeschichtlichen Würdigung des Bekenntnisses. Erstere bringen neben texekritischen Bemerkungen den Nachweis dafür, daß hinter den dogmatischen Aussagen des so⸗ genannten Sardicense alte abendländische Traditionen stehen, die den von Marcell von Ancyra verarbeiteten kleinasiatischen eng verwandt waren. Letztere wollen dartun, daß in dem fraglichen Bekenntnis nichts Geringeres zu sehen sei als eine authentische Interpretation des Nicaenum, ein Ausdruck einer erst durch den wachsenden Einfluß der 1 Theologie antiquierten Orthodoxie, die dem Mono⸗ theismus und dem menschlichen Leben Jesu gerechter wurde als die spätere Trinitätslehre und Christologie. — Herr Branca legte eine Arbeit des Professors Dr. A. Tornquist in Königsberg i. Pr. vor: „Die Annahme der submarinen Erhebung des Alpen⸗ zuges und über Versuche, Vorstellungen über submarine Gebirgsbildung zu erlangen.“ Eine Anzahl von Erscheinungen spricht dafür, daß die ersten Phasen der Erhebung der Alpen submarin erfolgt sind. Es wird weiter wahrscheinlich gemacht, daß feste meso⸗ zoische Kalke submarin mit noch weichen tertiären Sedimenten (Flysch) „Ursprünglich lagen diese kantigen, festen Kalkmassen in groben Trümmerschichten über dem Flysch; von dort aus sind sie submarin in die liegenden weichen Flyschsedimente hineingesunken, sodaß sie nun sogar den Anschein eines glazialen Transports erwecken konnten. Eine Reihe von Versuchen, welche noch weiter fortgesetzt werden sollen, bestätigt die Möglichkeit eines solchen Vorganges. — Herr Schwarz legt⸗ einige von dem Professor E. R. Neovius (setzt in Kopenhagen lebend) angefertigte Modelle fester Lamellen vor, bestehend aus einem Kern von Gelatine⸗ häutchen und einem Ueberzuge von Wachs, gelöst in Canadabalsam in der Wärme. Durch diese festen Lamellen werden Stücke bestimmter Minimalflächen zur Anschauung gebracht.
olgende Druckschriften wurden vorgelegt: L. Boltzmann, Wi 8 aftliche Abhandlungen. Im Auftrage der kartellierten deutschen Akademien hrsg. von F. Hasenöhrl. Bd. 1. Leipzig 1909, das von der Akademie unterstützte Werk O. Mann, Kurdisch⸗ persische Forschungen. Abt. 4. Bd. 3. Die Mundart der Mukri⸗ Kurden. Tl. 2. Berlin 1909, und das von dem korrespondierenden Mitgliede Arthur Chuquet eingesandte Werk Episodes et Portraits. Serie 1. Paris 1909; endlich von Brunner seine Ab⸗ handlung The Sources of English Law. Translated by E. Freund. Boston 1908. v.
Die Akademie hat durch die philosophisch⸗historische Klasse für das Unternehmen einer Neuausgabe der Septuaginta, die das Kartell der deutschen Akademien in die Hand genommen hat, 2500 ℳ
Das ordenkliche Mitglied der philosophisch⸗historischen Klasse Richard Pischel ist auf einer Studienreise in Madras im Dezember
1908 verstorben.
Am 13. Januar sprach Professor Dr. Erich Pernice aus Greifswald im Verein für profeff es Kunstgewerbe zu Berlin über antike Bronzen. Er ging aus von den Versuchen der Alten, bei den Bronzen durch verschiedene Mischungsverhältnisse verschiedene Metallwirkungen hervorzurufen, und sprach sodann ausführlicher über die Patina. Eime Reihe von Gründen wurden dafür angeführt, daß die Alten eine absichtliche ihrer Bronzearbeiten nicht gekannt haben, sondern die Bronze in ihrem ursprünglichen Goldton zu sehen wünschten. Zwar waren schon im Altertum za lreiche Bronzen an heiligen Stätten mit einem Ueberzug versehen, und schon die Alten stritten sich darüber, ob das Zufall oder Absicht sei, jedoch läßt ch der Beweis für die vorgetragene Ansicht nahezu mit Sicherheit heG — Im zweiten Teil des Vortrags wurde, zunächst in historischer Darlegung, ausgeführt, wie namentlich in den Anfängen die Technik den Stil der Bronzen bestimmt hat und wie künstlerische Gesichts⸗ punkte für die Formgebung erst dann in den Vordergrund traten, als die Meister 1. aller technischen Schwierigkeiten geworden waren. Für die Vervollkommnung der Technik haben besonders die jonischen Griechen Kleinasiens den festländischen die Wege gewiesen durch Ausbildung der Eisenindustrie. Einige Beispiele erläuterten, wie diese Industrie auch auf die Bronzeformen umgestaltend gewirkt hat. Des weiteren wurde auf die Erfindung der Metalldrehbank eingegangen und ihre Wirkung auf die Bildung gewisser Bronzeformen und auf das Gußverfahren geschildert, das in den Ausgüssen ganz bestimmte charakteristische Eigentümlichteiten zurückläßt. Endlich wurde an einigen Beispielen erläutert, wie sehr die uns erhaltenen Bronzearbeiten noch einer wissenschaftlichen Durcharbeitung bedürfen, um als Grundlagen für die stilistische Würdigung zu dienen, und danach wurde an einigen Gefäßen das künstlerische Feingefühl der Alten dargetan. Antike Bronzen in Originalen und Nachbildungen sowie zahlreiche Photo⸗
aphien und Lichtbilder boten den Zuhörern, die den Saal dicht er⸗ falten, reichlich Gelegenheit zu eigener Anschauung.
Wie die „Korrespondenz Hoffmann“ meldet, hat Seine Majestät der Kaiser und König dem Königlichen Geheimen Rat, Universitäts⸗ professor Dr. von Riezler in München für die von ihm verfaßte „Geschichte Bayerns“ den Verdun⸗Preis verliehen.
Die Belgische Akademie der Medizin in Brüssel ernannte,
W. T. B.“ zufolge, den Geheimen Medizinalrat, Professor Dr.
Senator in Berlin zu ihrem Ehrenmitglieedr.
Ueber umfangreiche Fossilienfunde in Nordägypten bringt
der „Scientific American“ Nachrichten. Schon im Sommer 1907 hatte er mitgeteilt, daß eine von dem American Museum of Natural History in New York ausgesandte und von Professor Henry Fairfield Osborn geleitete Expedition mit Lehr reichen und wertvollen Ergebnissen zuruͤckgekehrt sei. Anläßlich ihrer Ordnung und Aufstellung wird nun Ausführlicheres über die Funde bekannt. Den Mitteilungen des „Scientific American“ entnimmt die Zeitschrift für Länder⸗ und Völkerkunde „Globus“ die nachstehenden Angaben:
Das Arbeitsfeld der Gelehrten war das Fayum, eine natürliche Senkung von etwa 80 km Durchmesser in der Libyschen Wüste, 90 km südwestlich von Kairo; vom Niltal wird sie durch einen schmalen Streifen Wüstenland T.Sg. Dieses Becken war einst zum größten Teil vom See Moeris ausgefüllt; dieser lag etwa 100 m höher als die heutige, seichte, von brackigem Wasser gebildete läche des Birket⸗el⸗Kerun. Die Senkung selbst besteht aus einer
eihe von Terrassen oder versteinerungführenden Schichten, die stellenweise 300 bis 350 m hoch ansteigen. Das Ganze hat fast die Gestalt eines riesigen Amphitheaters. Die an Knochen reichste Lage bestand aus losem, rotem Sande, in dem die Funde eingebettet waren, und hatte eine Mächtigkeit von 12 bis 13 m, dafür aber eine meilenweite horizontale Erstreckung. — Daß nun gerade hier eine so erstaunliche und außerordentlich große Anzahl von Vertretern der altafrikanischen Tierwelt ihr Grab ge⸗ funden hat, schreibt Osborn folgenden Umständen zu. Lange bevor der Nil entstanden, floß in Urzeiten ein gewaltiger Strom nord⸗ wärts und ergoß sich in das Mittelländische Meer, das da⸗ mals etwa 250 km weiter nach Süden reichte als heute. Mit sich führte er Leichen in Menge, zusammen mit Sand und Kies. An der Mündung, im jetzigen Fayum, hemmte nun eine Barre seinen Lauf und verhinderte, daß die herabgetriebenen Körper ins Meer hinausgeschwemmt wurden. So häufte sich hier eine Sammlung von Tieren jeder Art auf, großen und kleinen, Fleischfressern und Pflanzenfressern. Sie finden sich in allen Stadien der Erhaltung; teilweise sind die Knochen hart und fest, oft aber auch weich und bröckelig. Immer sind sie nur unvollstaͤndig versteinert; in der Regel müssen sie gründlich mit Schellack getränkt werden, ehe sie sich entfernen und transportieren lassen. Mit den festen, zu Stein ewordenen Fossilien aus dem westamerikanischen Sandstein lassen sie sch nicht vergleichen. Selten finden sich zwei Skeletteile eines und desselben Tieres dicht zusammen; die Schädel sind durchweg arg zer⸗ trümmert. Osborn erklärt dies durch die zermalmende Wirkung des Geschiebes und dadurch, daß Krokodile und Schildkröten an der Zer⸗ stückelung der im Wasser treibenden Leichen gearbeitet haben.
Einer der wichtigsten Funde ist der Schädel des riesigen Arsinoitheriums, ,188 erste Ueberreste vor einigen Jahren von Beamten des ägyptischen Geological Survey entdeckt wurden und zu den größten Ueberraschungen der paläontologischen 869 ung gehörten. Seinen Namen erhielt das Tier nach der schönheitberühmten Königin Arsinoe (316 v. Chr.), die nach ihrem Tode als Schutzgöttin des Fayums verehrt wurde. Aus dem Schädel und den übrigen Knochen, die Osborn und seine Mitarbeiter gefunden haben, läßt sich in Vereinigung mit dem Material der englischen Gelehrten die Erscheinung des seltsamen Tieres ziemlich genau bestimmen. Das Auffallendste an ihm waren zwei hochragende, oberhalb der Nase neben⸗ einander aufsitzende, scharfspitzige Hörner von etwa zwei Fuß Länge, die geradezu phantastisch aussehen. Beim ersten Blick auf eine von vorn aufgenommene Photographie des Schädels glaubt man einen Eselskopf vor sich zu haben. Dem blindwütigen Angriff eines so bewaffneten Tieres, das der amerikanische Bericht mit Grund als den König der Tierwelt im Fayum zur Zeit des Eoꝛäns anspricht, konnte keines unter seinen eitgenossen wider⸗ stehen. In der Gestalt hält das Arsinoitherium die Mitte zwischen Rhinozeros und Elefant. Es war etwa 2 m hoch und fast 3 m lang; die Knochen des Skelettes waren massig, der Körperbau schwer. Der Hals war kurz, konnte leicht nach oben und unten bewegt werden und war deshalb wohl imstande, einen Feind in die Luft emporzuschleudern. Die Füße waren kurz; die fünf Zehen breiteten sich auseinander wie die des heutigen Elefanten. Das Gebiß
bestand aus tiefgerillten, scharfkantigen Mahlzähnen, die zum Zer malmen festerer Pflanzennahrung eingerichtet waren. Die schmale Vorderpartie des Maules wies das Tier zudem darauf an, nicht zu grasen, sondern Buschwerk und niedrige Bäume abzuweiden.
Was den landschaftlichen Charakter und die Naturverhältnisse des Fayums und der Libyschen Wüste angeht, in denen das Arsinoitherium und die mit ihm zusammengehörende Gruppe primi⸗ tiver Tiere lebten, so ist Osborn auf Grund der fossilen Reste der An⸗ 8 daß diese Gebiete damals ein Savannenland mit verstreutem, lichtem Baumbestand und mit derselben Temperatur wie heute waren. Die Tiere waren nämlich solche, die fast ausschließlich nur in einem reich bewässerten Delta oder Aestuarium nahe der See, auf nicht dicht bewaldetem, hier und da von sandigen oder sumpfigen Strecken eingenommenem, von großen Strömen mit schneller Strömung durchzogenem Boden die ihnen zu⸗ sagenden Daseinsbedingungen finden konnten. 27 Arten dieser Land⸗ säugetiere sind bis jetzt festgestellt worden, alle verhältnismäßig kurz⸗ fa und mit langsamer Fortbewegung. Eine Untersuchung des Baues der Gliedmaßen, besonders der Füße, läßt erkennen, daß sie zum Gehen auf sandigem und nachgiebigem Grunde wohl befähigt waren. Zu den Fenellaußen gehörten nur zwei Arten; eine war ausgesprochen
eischfressend.
Von Bedeutung ist auch die Auffindung von Schädel, Unter⸗ kiefer, Bein⸗ und Fußknochen und einigen Rückenwirbeln des Urelefanten,
des Paläomastodon.
Technik.
A. F. Der Berliner Verein für Luftschiffahrt begann sein neues Vereins jahr, das 27., mit seiner Hauptversammlung: in der Zahl der Versammlungen der 283. Es waren 51 neue Mit⸗
lieder angemeldet, die Aufnahme fanden. Aus dem vom Schrift⸗ führer erstatteten Jahresbericht ist die Tätigkeit des flugtechnischen Ausschusses hervorhebenswert, der unter Vorsitz von Professor Süring 10 Sitzungen abhielt und sich, besonders nach Bekanntwerden der Carl Lanz⸗ schen 50 000 Mark⸗Stistung für die deutsche Erfindung eines Flugschiffes „schwerer denn Luft“ bis Ende 1910, viel mit der Prüfung eingereichter Projekte zu beschäftigen hatte. Den meisten Erfindern konnte die Un⸗ ausführbarkeit ihrer Kombinationen nachgewiesen werden, nur dem Ingenieur Dorn wurden 5000 ℳ zum Bau eines Motorfliegers be⸗ willigt. Dem Fonds zur Förderung dieses in Deutschland bisher etwas vernachlässigten Zweiges der Flugtechnik waren im Laufe des Jahres namhafte Summen zugeflossen, nachdem im Jahre vorher eine Zuwendung des Vereins von 1000 ℳ dazu den Grund gelegt hatte, nämlich 3000 ℳ vom Kriegsministerium, 1000 ℳ von Geheim⸗ rat Pintsch, 1000 ℳ von Wertheim. Im Laufe des Sommers wurde auch ein Voisinscher Aeroplan angekauft und seither in Lindenberg theoretisch untersucht. Seine praktische Erprobung auf einem geeigneten Platz in der Nähe von Berlin steht bevor. Fleißiger Ge⸗ brauch ist von Adepten der Luftschiffahrt auch von den theoretischen, von Hauptmann Hildebrandt eingerichteten Unter⸗ richtskursen gemacht worden. Als Lehrer waren daran nächst dem soeben Genannten beteiligt Professor Süring für Meteorologie, Geheimrat Miethe für Ballonphotographie, Ober⸗ leutnant Ruge für Flugtechnik. Am 1. September gelangte auch der 1907 von der optischen Anstalt Goerz veranstaltete und fundierte ballonphotographische Wettbewerb zum Austrag. Der Preis wurde Dr. Broeckelmann zugesprochen. Dagegen fand die von Oberstleutnant Moedebeck in Vorschlag gebrachte kartographische Bearbeitung der Provinz Brandenburg, mit besonderer Berücksichtigung der Erfordernisse der Luft⸗ schiffahrt, bisher nicht die wünschenswerte Unterstützung. Der am 7. September in Berlin begründeten Provinzialgruppe des Deutschen Luftflotten⸗Vereins ist der Verein als korporatives Mitglied bei⸗ getreten. Als eine wichtige Errungenschaft darf die gewonnene Mög⸗ lichkeit gelten, die Luftschiffer gegen Schaden an Leib und Leben zu versichern; sie ist den Bemühungen des Herrn Max Krause u danken. Der Verein hielt in 1908 11 Sitzungen ab. Die Mitaliederahl beträgt zurzeit 1240. Als neues Mitglied wurde auch Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen sewonnen. Zum korrespondierenden Mitgliede wurde u. a. der Bieger im amerikanischen Gordon⸗Bennett⸗Rennen, Herr Oscar Erbslöh⸗Elberfeld erwählt. Schmerzlich beklagt der Verein den Verlust zweier Mitglieder durch den Tod: des allezeit als ein Gönner des Vereins durch die Tat erwiesenen Barons Ma Hewald und des Dr. Ernst Ladenburg. Im Vorstand hat si
während des abgelaufenen Jahres die Aenderung vollzogen, daß die Geschäftsführung am 1. Juli vom Kapitän zur See Geidies an Oberleutnant Ruge überging, der indessen schon Anfang August infolge Uebernahme der Verwaltung des Ballonmaterials sein Amt an den Privatier Fiedler abtrat, der es im Ehrenamt bis 85 . des Jahres geführt hat. An Stelle des von Berlin versetzten Oberstleutnants Oschmann übernahm im September Oberstleutnant Schmiedecke das Amt des Zweiten Vorsitzenden.
Ueber die Ballonfahrten des letzten Jahres berichtete der Vorsitzende des Fahrtenausschusses Dr. Broeckelmann, daß, ungerechnet die 77 Fahrten in den Tagen des 10., 11. und 12. Oktober, 115 Freifahrten ausgeführt worden sind (gegen 101 in 1907), davon 88 von Berlin aus, 18 von Bitterfeld und 9 von ebensoviel verschiedenen Plätzen aus. Daran nahmen 361 Personen teil, unter ihnen 23 Damen (gegen 316 und 15 in 1907). ie zurückgelegte Entfernung betrug 22 007 km, die Fahrt also durchschnittlich 191 km. Die längste Fahrt erstreckte sich über 1325 km von Berlin bis Njesch in Südrußland am 3. und 4. September, die kürzeste über 2 ½ km von Schmargendorf bis Schöneberg am 23. Mai. Mehrfache Wettfahrten fanden auch außerhalb der Oktobertage statt, die an Zahl bedeutendste am 3. Mai. Ballon „Helmholtz“ mußte nach 89 Fahrten ausrangiert werden, Ballon „Bezold“ nach 85, nachdem er beim Abstieg an der Tafelfichte schwer beschädigt worden war. — Den Geschäftsbericht erstattete Herr Fiedler. Das Vermögen des Vereins hat eine Vermehrung von 12 106 ℳ auf 27 947 ℳ erfahren, nicht gerechnet 10 000 ℳ, die Herr Carl Lanz bereits auf Abschlag seiner Stiftung überwiesen hat. (Die mit der Prüfung der Geschäftslage betraut gefsene Kom⸗ mission erklärte die von Herrn Fiedler getroffene Organisation und Einrichtung als mustergültig und ließ ihm einen besonderen Dank votieren.) Der Umfang der Geschäfte ist gewaltig angewachsen, er wird durch die Ziffer von mehr als 20 000 Ein⸗ und Ausgängen gekennzeichnet. Wertvolle Mithilfe bei Erledigung der ausgedehnten Geschäfte gewährte Fräulein Fleischmann. ü
Die Frhetegge hase Neuwahl des Vorstands für das Jahr 1909 mußte bei dem Widerspruch eines Mitgliedes gegen Akklamationswahl durch Stimmzettel erfolgen. Sie ergab bei 94 abgegebenen Stimm⸗ zetteln nahezu einstimmig die Wahl des bisherigen Vorstands mit Ausnahme des Herrn Gradenwitz, der eine Wiederwahl abgelehnt hatte, und an dessen Stelle der Fabrikbesitzer Max Krause wurde. Unter den vom Vorstand gemachten geschäͤftlichen Mitteilungen waren zwei von allgemeinem Interesse: Zu einer Ballonfahrt mit einem Vereinsballon soll künftig nur berechtigt sein, wer wenigstens zwei Jahre Mitglied ist, um dem Mi 8 vorzubeugen, daß jemand Mitglied wird, nur um zu einer Ballon⸗ fahrt zu gelangen, und nach Erreichung seines Zweckes wieder austritt. Die ihrerzeit von Baron Hewald mit einem Kostenaufwand von 16 600 ℳ erbaute Schmargendorfer Ballonhalle wird dem Verein von den Erben für 5000 ℳ angeboten. Die Versammlung stimmte dem Ankauf zu.
Einem freundlichen Gebrauch entsprechend, die Hauptversammlung des Vereins nach angehörten Berichten und geschlagener Wahlschlacht durch einen Vortrag aus einem andern Gebiet als dem der Luft⸗ schiffahrt zu feiern, nahm Rechtsanwalt Eschenbach das Wort zu dem Vortrage: „Meine Reise in Algerien, Kabylien und Tunis“. Die Reise ist im April vorigen Jahres aus⸗ geführt worden, als es nicht nur in Deutschland, sondern au nach Passieren des Gotthardtunnels in Italien noch recht winterli kalt war. Ja, auf dem Schiff des Norddeutschen Lloyd zwischen Genua und Algier konnte man sich gern der behaglichen Wärme er⸗
freuen, die eine ausgezeichnete de zvorrichtung in kürzester Frist ver⸗ breitete, als die fröstelnden Passagiere den Wunsch danach äußerten. Und Winter war auch noch bei der Ankunft in Algier, denn man sah fernen Berge des hohen Atitlas bis tief hinunter noch mit Schnee und Eis hbedeckt. Ja, auch bei der Fortsetzung der Reise hatte der Vortragende mit 2 deutschen Begleitern noch Bekanntschaft mit dem Winter zu machen; denn die Diligence, die zu einer Fahrt nach Kabylien benutzt wurde, fand im Gebirge ihren Weg durch Schnee versperrt, sodaß den Reisenden nichts übrig blieb, als das Gebirge zu Maultier unter Leitung eines sicheren Führers zu durchreiten, was sowohl anstrengend als auch nicht ungefährlich war. Jenseits erreichte man die obere 800 m über Meeresspiegel gelegene der zwei Terrassen, mit denen sich der Atlas gegen die Sahara abdacht, ein fruchtbares, stark bevölkertes, aber sumpfiges Land, denn die Natur hat dem Atlas sowohl nach Norden als nach Süden Quertäler und Flüsse versagt, die seinen Wasserreichtum zur Ebene führen. Der Vortragende gab interessante Schilderungen von Kabylien und seinen Bewohnern, deren überraschend große Unkultur zu beweisen scheint, daß die Franzosen, trotz 80 jährigem Besitz des Landes, bei der unter der Asche fortglimmenden Revolution bei diesem Volk nur erst geringe Kulturfortschritte erreicht haben. Zur zweiten Terrasse und der in ihren Anfängen infolge von Salzseen und zahlreichen Felskämmen ihren Charakter als Wüste noch verleugnenden Sahara hinabsteigend, erreichte der Vortragende na mehrfacher Bekanntschaft mit den der Wüste eigenen Elementar⸗ ereignissen, u. a mit dem Samum, endlich die Oase Biskra, die als ein ö im Schmuck ihrer herrlichen Vegetation anmutete. Auf der
eise nach Tunis aufs neue die Wüste durchquerend, besuchte der Reisende die beiden mitten in der Wüste gelegenen römischen Ruinenstädte Tingat und Lambesi. Etwa zu Beginn unserer Zeitrechnung erbaut und im 5. Jahrhundert zerstört, dann vergessen und 1844 erst wieder aufgefunden, rufen diese Städte no heute Bewunderung hervor durch die Großartigkeit ihrer Anlage und die selbst in den Ruinen ihrer Paläste noch sichtbare E Rechtsanwalt Eschenbach findet diese Trümmerstätten
ompejt weit überlegen, und die von ihnen gezeigten Ltchtbilder scheinen das Urteil zu bestätigen. Welcher Wandel der Zeit, welcher Unterschied zwischen der von den Römern diesem Landstrich gebrachten Kultur und der Unkultur heutigen Tages. Diese Ein⸗ drücke blieben dem Reisenden treu auch bei weiterer Fort⸗ setzung seiner Reise nach Tunis, dann zu den Ausgrabungsarbeiten in Carthago, nach Bizerta und dem malerisch gelegenen Constantine. Die Rückfahrt wurde auf wenig vomfpstadkean see e schem Dampfer über Marseille ausgeführt. Der Vortrag war von Anfang bis zu Ende durch Lichtbilder erläutert und gewürzt durch geistvolle Bemerkungen und Betrachtungen. Die Gabe, seine Zuhörer mitreisen zu lassen und ihr Interesse gefesselt zu halten, besitzt der Vortragende in erfreu⸗ lichem Grade.
Land⸗ und Forstwirtschaft.
er Präsident des Deutschen Landwirtschaftsrats Graf von Schwerin⸗Löwitz hat die 37. Flenasn dieser Körperschaft auf den 16.—19. Februar nach Berlin einberufen. Auf der Tagesordnung stehen neben den Steuervorlagen folgende 9218— stände von allgemeinem Interesse: 1) Bildung von Friedensvereinen zur Schlichtung von Rechtsstreitigkeiten, 2) Förderung wirtsaftiger Fne auf dem Lande, 3) Tätigkeit der landwirt Feftlichen örperschaften in Deutschland auf dem Gebiete des landwirtschaftlichen Bauwesens, 4) Taxvorschriften der deutschen Hagelversicherungsgesell⸗ schaften, 5) Ergebnisse der vom Reichsamt des Innern unterstützten Fütterungsversuche mit Trockenkartoffeln, 6) Mißstände im Dünge⸗ mittelhandel (Kalisalze, Salpeter, Superphosphate). Als koloniales Thema hat der Landwirtschaftsrat diesmal „die Wasserversorgung in unseren Kolonien“ gewählt und als Referenten hierüber die Herren Landrat von Uslar und Professor Dr. Karl Dove gewonnen.
Geßstern fand in Berlin unter dem Vorsitz des Geheimen Justiz⸗ rats Uhles der zweite brandenburgische Fischertag und im Anschluß daran die Hauptversammlung des Fischereivereins der Provinz Brandenburg statt. In welchem Grade das Interesse der märkischen Berufsfischer für die Fischereifragen gewachsen ist, zeigte der starke Besuch der gestrigen Versammlungen. Im Auf⸗ trage der Regierung wohnten den Verhandlungen der Präsident des Oberlandeskulturgerichts Dr. Metz und der Regierungsassessor von Bredow bei. Die Tagesordnungen waren sehr reichhaltig. Nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden referierte der Geschäftsführer des Vereins Dr. Friedrichs über Fischereipachtverträge, insbesondere auch über die S der Ausgabe von Angelkarten, der Eis⸗ nutzung sowie des Einsetzens von Fischen zu treffenden Vertrags⸗ bestimmungen. Es sei notwendig, nicht das Einsetzen bestimmter Arten, sondern nur die Höhe des aufzuwendenden Betrages im Kon⸗ trakte festzusetzen. Die Diskussion gestaltete sich außerordentlich rege, und es wurden die Pachtverträge der Regierung wie die der Pri⸗ vaten einer Kritik unterzogen. Der Vorsitzende teilte mit, daß der Brandenburgische Fischereiverein mit dem Fischereiverein der Provinz Posen Pachtvertragsformulare aufgesetzt hat und Exemplare von diesen beiden Vereinen bezogen werden können. Bezüglich der Fischerei im Ueberschwemmungsgebiete lagen Beschwerden von den Rathenower ischern vor; die strittigen Fragen sollen im Prozeßwege erledigt werden.
itteilungen über die Vermittlung von Besatzfischen und über die Be⸗ setzung offener Gewässer beschlossen die Tagesordnung des Fischer⸗ tages. — In der Hauptversammlung des Fischereivereins hielt unächst Professor Dr. Schiemenz einen Vortrag über das Königliche nstitut für ööB in Friedrichshagen bei Berlin, dessen Aufgabe es ist, die Binnenfischerei und Fischzucht durch wissenschaft⸗ liche Untersuchungen zu heben. In erster Linie soll ein rationeller Wirtschaftsplan für die Seen, Flüsse und Bäche aufgestellt werden. Sodann soll ein für die Fischerei möglichst günstiger modus vivendi gegenüber den in unsern Gewässern im Interesse der Industrie, Schiffahrt und Landeskultur herbeigeführten Veränderungen angestrebt werden. Weiter soll das Institut auch Unterrichtszwecken dienen, indem darin Kurse und praktische Uebungen für Fischerei⸗ interessenten und Beamte, die mit der Fischerei zu tun haben, sowie für Studierende der Landwirtschaftlichen Hochschule abgehalten werden. Endlich soll Gelehrten Gelegenheit gegeben werden, süßwasserbiologische Studien zu betreiben. Nach Eintritt in die geschäftliche Tagesordnung erstattete der Vorsitzende, Geheime Justizrat Uhles den Geschäftsbericht, nach dem sich die Mitglieder⸗ zahl auf rund 1300 stellt. Die Besetzung offener Gewässer mit Fischen und Krebsen hat im Herbste in ausgedehnter Weise statt⸗ gefunden. Es wurden über 1700 Pfd. Setzaale mit einem Kosten⸗ aufwand von mehr als 800 ℳ, ferner 1 Million Karpfenbrut, über 3000 Stück Zandersetzlinge, 3100 Stück Krebse ausgesetzt. Für das Frühjahr sind große Bezüge von Aalen in Aussicht genommen. An Prämien für Erlegung von Fischraubzeug wurden über 200 ℳ ge⸗ zahlt, für Entdeckung von Fischfrevlern 30 ℳ. Den Kleinteich⸗ wirtschaften hat der Vorstand ganz besondere Aufmerksamkeit’ ge⸗ widmet, und es sind bereits 6 solche Anlagen im Betriebe; 1909 werden weitere 4 Anlagen in Betrieb genommen werden, 4 sind im Bau begriffen, und 3 Projekte liegen zur Prüfung vor. Der Vor⸗ stand hat die Gruͤndung eines neuen Fischereivereins in Lübbenau mit lebhafter Freude begrüßt und dem Verein zur Hebung der Fisch⸗ und Krebszucht in Lübben zu seinem zehn⸗ jährigen Jubiläum (16. Januar d. J.) ein Diplomglückwunsch⸗ schreiben gewidmet. as den Etat für 1909/10 betrifft, so schließt dieser mit 250 300 ℳ in Ausgahe und aehgh ab. Für Kleinteich⸗ wirtschaft ist ein Posten von 8300 ℳ eingestellt. Zum Schluß ver⸗ kündete der Vorsitzende eine Reihe von Auszeichnungen. Es erhielten die silberne Medaille Professor Dr. Eckstein⸗Eberswalde, die Graß⸗ fischermeister Mahnkopf in Spandau und Hübner in Frankfurt a. O.; ferner wurden mehrere bronzene Medaillen und Ehrenurkunden ver⸗
liehen.