ͤͤͤͤͤͤͤͤͤͤẽͤͤZͤͤSͤaͤZͤaͤZͤZͤZͤsZZͤsͤsͤsͤͤZͤͤsIIbvvövXX*
kann der Finanzminister doch nicht die Begründung für neue Steuern herleiten, ondern er sollte sich vielmehr fragen, ob es überhaupt ratsam ist, mit einem solchen System weiterzuwirtschaften. Man sollte wenig⸗ stens Maßvahmen treffen, daß diese Schwankungen auf ein Mindest⸗ maß zurückgeführt werden. Bei einem Etat mit solchen Schwankungen ist eine Quotisierung der Einkommensteuer ganz besonders notwendig. Wir verlangen diese etwa nicht in dem Sinne, als ob der Finanz⸗ minister ein wilder Mann, ein wüster Spekulant sei, sondern wir fragen:
Grundsatz sein, daß niemals eine Steuer nachgelassen werden kann, soll das in Preußen abfolut unmöglich sein? Sollen denn ein⸗ für allemal die Einnahmen des Staates unbedingt verpulvert werden, auch wenn sie nicht nötig sind? Das wäre eine unnötige Belastung der Gegenwart zu Gunsten Wir müssen es auch in Preußen möglich machen, daß, wenn Mittel genug zur Verfügung stehen, eine Steuererleichterung eintritt. Ich bedauere, wenn diese Frage als eine politische ang⸗sehen wird; sie ist und bleibt für uns eine reine Zweckmäßigkeitsfrage für Wenn wir die Frage lediglich als finanzielle behandeln, dann wird es auch leicht sein, mit der
soll es denn in Preußen ein staatsmännischer
der Zukunft.
die Finanzgebarung des Staates.
Regierung zu einer Verständigung darüber zu kommen.
Abg. Freiherr von Zedlitz (freikons.): Die Wahlrechtsfrage werden wir gelegentlich der Beratung der freisinnigen Anträge genügend be⸗ handeln können. ig begrüßen ist es, daß diesmal im Etat der
ichtl.
Eisenbahnetat hin
gestellt worden ist, daß er mehr mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Wenn auch der Abg. von Pappenheim den Vorschlag der Regierung be⸗ fürwortet hat, nachträglich für 1908 30 Millionen Steuerzusch äge zu bewilligen, so muß ich es doch nach wie vor für unnatürlich halten, zur Deckung eines Defizits noch nachträglich Steuern zu erheben Es ist ja die Frage, ob das Etatsdefizit, wie es sich aus der Etats⸗ aufstellung ergibt, auch bei der Etatsfeststellung in gleicher Weise vorhanden sein wird. — Bei einer Prüfung der Etatsaufstellung bei den Ueberschußverwaltungen komme ich zu dem Ergebnis, daß zu ernstlichen Einwendungen kaum ein Anlaß vorliegt. Die Eisenbahn⸗ verwaltung mag vielleicht höhere Einnahmen abwerfen; aber man wird mit der Befürchtung nicht zurückhalten können, daß die Ein⸗ kommensteuer nicht den Ertrag von 1908 oder wenigstens keinen höheren Ertrag liefern wird. Es wird daher unsere Aufgabe sein, nach⸗ zuseben, inwieweit an den Ausgaben wirksamer zu sparen ist. Es ist die Parole ausgegeben: wir sollen zu altpreußischer Sparsamkeit
urückkehren; es ist aber ein Unterschied zu machen zwischen den usgaben. An allen Unkosten für Kulturaufgaben, die in den ver⸗ schiedensten Etats zu finden sind, werden wir wenig kürzen können; das wäre eine falsche Sparsamkeit. Dagegen müssen wir auch jetzt wieder die Erfahrung machen, daß in allen Ressorts die Beamten⸗ vermehrung, wenn auch nicht in dem früheren Maße, ihren Gang
weitergeht. Ueberall sehen wir wieder neue Stellen. Wir werden hier
mit rauher Hand eingreifen müssen. Solange die Möglichkeit fortbesteht, immer neue Beamte in allen Ressorts anzustellen, werden wir mit unserer Forderung einer Vereinfachung der Verwaltung niemals durch⸗ dringen können. Es ist ganz sicher, daß, wo immer man hinrührt, ein passiver Widerstand in dieser Richtung sich geltend macht. Es ist eine alte, bekannte Geschichte, daß jeder seinen Zopf für den wichtigsten im ganzen Staatsleben erachtet und, wenn er ihm abgeschnitten werden soll, glaubt, der Staat bricht zusammen. Wir müssen mit den seit hundert Jahren angesammelten Zöpfen endlich einmal auf⸗ räumen, wir müssen dazu übergehen, der Regel nach alle neuen Stellen
zu streichen und nur diejenigen zu bewilligen, bei denen das dringende
Bedürfnis vollkommen klar und überzeugend nachgewiesen ist.
Es wird vielfach ein Luxus getrieben in der Verwendung von höheren Beamten für Dienstleistungen, die in Privatbetrieben unteren Beamten zufallen. Früher war es ein Axiom, daß das Extraordinarium der
bewegliche Faktor in unserem Etat sei und in schlechten Jahren
geringer dotiert werden könne. Das hat sich geändert, das Extra⸗ ordinarium ist jetzt reich dotiert, und eine Herabsetzung desselben würde der Industrie und dem Staate schaden. Die angefangenen Bauten müssen ohne Rücksicht auf die Finanzlage fortgesetzt werden. Aber mit neuen ersten Raten können wir zurückhaltend sein; dadurch schädigen wir auch in keiner Weise die Industrie. Bei der
Bauausführung ist das richtige Augenmaß füͤr die berechtigten
Ansprüche der Regierung verloren gegangen; gerade hierbei müssen
wir die Ansprüche wieder auf das Maß des Berechtigten zurück⸗
führen. Namentlich kann an Babnhofsbauten gespart werden, und die Bahnhöfe, die bis jetzt ausgereicht haben, werden auch im Jahre 1909 noch ausreichen können. Wir müssen im Extraordinarium alle Forderungen, deren dringendes Bedürfnis nicht nachgewiesen st, mit rauber Hand zurückweisen. Ein dauerndes Bedürfnis für so viele neue Steuern, die die Regierung fordert, ist nicht nach⸗ gewiesen, und wir müssen uns darin in den notwendigen Grenzen halten. Aber wir müssen doch für die Dauer, nicht bloß für jetzt u einer Ordnung unseres Finanzwesens kommen. Die Beamten⸗ esoldungsvorlage müssen wir möalichst bald erledigen; aber dann soll auch für die Dauer Schluß gemacht werden. Wir sind immer dafür gewesen, daß in der Beamtenbesoldung nicht schrittweise vor⸗ gegangen wird, sondern daß mit einem Male ganze Arbeit gemacht werde. Aber ich habe zu erklären, daß wir die Art bedauern, wie manche Beamte für die Gehaltserhöhung eingetreten sind, wie sie immer nur danach sehen, was eine andere Kategorie bezieht. Ein Plebiszit, ob den Beamten jetzt 100 Mill. Mark mehr gegeben werden sollen, würde zu Ungunsten der Beamten ausfallen. Die Beamten müssen der alten Beamtentreue bewußt bleiben. Die Stadtverordneten von Berlin haben beschlossen, nach der Gehalts⸗ erhöhung alle weiteren Eingaben von Beamten auf 15 Jahre hinaus ad acta zu schreiben. Daran könnten wir uns auch hier ein Beispiel
nehmen. Daran, daß die wertschaftliche Wellenbewegung eine so verheerende Wirkung für unsere Finanzen gehabt hat, sind wir selbst mit schuld. Wir haben unseren Ausgabeetat auf die günstigsten Zeiten ugeschnitten, wir haben uns einen solchen Ausgabeetat zugelegt, wie
wir ihn dauernd nicht halten können. Wir müssen die dauernden Ausgaben einrichten nach dem Durchschnitt der guten und schlechten Jahre. Ob man einen Ausgleichsfonds schafft oder nicht, das kommt
alles auf eins beraus; die Hauptsache ist, den Etat nach einem nor⸗
malen Durchschnitt aufzustellen. Danach ist es berechtigt, der Eisen⸗ bahnvpe waltung einen dauernden etatsmäßigen Dispositionsfonds von 15 Millionen Mark für Bettiebsmittel zur Verfügung zu stellen. Der jetzige Zustand der Reservierung von gestundeten Matrikular⸗ beiträgen ist unhaltbar. Eine Reichsfinanzreso’m ist für das Reich wie für Preußen eine Lebensfrage. Wir müssen fordern, daß die gesetzgebenden Faktoren des Reichs nach dieser Richtung ihre Schuldig⸗ keit tun; aber auch wir selbst haben alle Veranlassung dazu. Es ist fraglich, ob die Verwerfung der Nachlaßsteuer ohne einen Ersatz der richtige Weg ist. ,- die vielfach unbequemen und außer⸗ ordentlich unerwünschten indirekten Steuern muß ein Ausgleich durch die Heranziehung der Vermögen gefunden werden Wir haben noch einen anderen Grund für das Interesse an der Reichs finanzreform. Der größte Staat, der zum Eckstein bei der Gründung des Reiches geworden ist, hat die Ebrenpflicht, seinerseits den Reichs⸗ gedanken zu fördern und zu pflegen. Wenn im Reiche jeder zu Opfern bereit ist, so müssen wir dieselbe Aufforderung auch an uns selbst richten, die kleinen Unterschiede zurückstellen
nd die gemeinsamen staatserhaltenden Gesichtspunkte in den Vorder⸗ grund stellen, um so mehr, als wir es mit einem Gegner zu tun haben,
s den Staatsgedanken stürzen will. Es schadet nichts, daß wir eine Reihe von Sozialdemokraten auch in diesem Hause haben; et ist sogar
nützlich, wir werden durch ihre Aawesenat daran erinnert, daß wir in unseren Taten und Worten auch die schärfste Prüfung zu bestehen haben. Unsere Verhandlungen, die früher totgeschwiegen wurden, werden jetzt
dem Volke bekannt, Hadaß auch die breiferen Schichten sehen, daß wir hier mit Pflichtg⸗ ühl und Patriotismus arbeiten. Ein großer Vorzug ist die Einmütigkeit unseres Staatsministeriums. Im Verfassungsstaat kann die Regierung nur stark sein, wenn
fe eine einheitliche Politik verfolgt und sich einheitlich dafür
erantwortlich fühlt. Ich freue mich, daß jene Spannung vom
November v. J. eine befriedigende Lösung gefunden hat. Die Stärke
des preußischen Staates besteht in dem gegenseitigen Vertrauen von
ich der Einnahmen und Ausgaben so auf⸗
Herrscher und Volk, und die Wolke jener Zeit w vorübergehend; zum Teil, wenigstens einzelne Blätter, so wenig patriotisches Gefühl, so wenig Erziehung gehabt hat, um Worte des Kaisers in falscher Beleuchtung in die Oeffentlichkeit zu bringen. Wir haben ein
unverändert in reinem Lichte dastehen. Wir sind gute Mona’rchisten und königstreu, wir meinen, daß ein durch die Treue und Liebe seines Volkes getragenes preußisches Königtun der wichtigste Anker, die kräftigste Stütze für Kaiser und Reich ist. G
Minister der öffentlichen Arbeiten Breitenbach:
Frage vorüberzugehen, die zwar schon der Herr Finanzminister bei der Einbringung des Etats grundsätzlich von dem Gesichtepunkte der all⸗ gemeinen Finanzverwaltung behandelt hat, die aber heute nachdrücklich und mit Wärme von anerkannten Kennern unseres Finanzwesens, den Herren Dr. Friedberg und Freiherrn von Zedlitz erneut behandelt worden ist, die Frage der Festsetzung von Zuschüssen, welche die Staatseisenbahnverwaltung für die Bedürfnisse anderer Ressorts, für allgemeine Staatszwecke, zu leisten hat. In einer Zeit, in der die Erträge der Staatseisenbahnen erheblich zurückgehen, die Betriebs⸗ überschüsse sinken, war es für mich, den Ressortminister, ganz selbst⸗
verständlich, diese Frage, deren große Bedeutung ich nicht verkennen
kann, im allgemeinen und vom Standpunkte meines Ressorts zu prüfen. Hierbei konnte ich mich frellich nicht der Erwägung ver⸗ schließen, daß, wernn das hohe Haus mit der Regierung im vorigen Jahre bei der Beratung des Etats des Jahres 1908 die Festsetzung pauschalierter Zuschüsse für die kommenden Jahre beschlossen hätte,
von Zuschüssen, die auf dem Durchschnitte abgelaufener Finanzjahre
beruhien, wir dann aller Voraussicht nach im Verein mit diesem (hohen Hause bereits für das Jahr 1909 eine Aenderung dieser grundlegenden Beschlüsse hätten vornehmen müssen. Mein
Herr Vorredner hat ja freilich ausgeführt, daß es sich
immer nur um Ducchschnittsfestsetungen handeln könne
unter Berücksichtigung einer längeren Periode abgeschlossener Jahre; aber solange nicht in Aussicht genommen ist, diese Zuschuß⸗ renten nur in solcher Höhe festzusetzen, daß die Staatseisenbahnen sie auch in schlechten Zeiten erbringen können, solange wird stets bei wechselnder Konjunktur, wenn wir von einer hohen Konjunktur zu einer niedrigen hinabsteigen, die Schätzung sich als unrichtig erweisen, wir werden stets in die Lage kommen, im nächsten Jahre erneute Fest⸗ setzungen vorzunehmen. Es wird sich umgekehrt nach längeren Zeiten tiefgehender Konjunktur das Bild ergeben, daß wir zu Ueberschüssen gelangen, die weit über dasjenige hinausgehen, was seinerzeit gewollt war. Es werden also die großen Schwankungen, deren Schäden gar nicht zu verkennen sind, auch dann, wenn man zu einer Pauschalierung dieser Zuschußrente übergeht, nicht vermieden werden können.
Ich kann mich ferner der Sorge nicht verschließen, daß gerade in Zeiten heruntergehender Konjunktur und sinkender Ueberschüsse die Deckung der außerordentlichen Bedürfnisse der Staatseisenbahnen nicht an derjenigen Stelle erfolgen wird, die hierfür an erster Stelle in Anspruch genommen werden muß, aus den eigenen Einnahmen. Wenn ich auch als Ressortminister mich unbedingt auf den Stand⸗ punkt stellen muß, daß die Bedürfnisse der Staatseisenbahnen in guten und schlechten Zeiten befriedigt werden müssen, sei es aus dem Erxtraordinarium des Etats, also aus den eigenen Einnahmen, sei es aus Anleihen, so bin ich auf der andern Seite doch durchaus über⸗ teugt, daß die Deckung dieser Bedürfnisse der Staatseisenbahnen, so⸗ lange es angeht, in den eigenen Einnahmen gesucht werden muß.
Ich hege ferner die Befürchtung, daß, wenn wir zu einer Pauscha⸗
lierung der Zuschüsse kommen, dann gerade in schlechten Jahren die - Gefahr besteht, daß wir, um die Mittel aus den eigenen Einnahmen zu beschaffen, zu einer unzulässigen Kürzung des ordentlichen Ausgabeetats schreiten könnten, oder aber daß, wenn wir diese ver⸗ meiden wollen, aus der Sorge heraus, die Staatsschulden ungemessen zu steigern, eine Retardierung der Erweiterungsbedürfnisse der Staats⸗ eisenbahnen eintritt. So sehr ich daher die Bedeutung dieser An⸗ träge, die ich mit lebhaftem Interesse, seitdem ich das Ministerium führe, verfolgt habe, würdige, glaube ich doch, daß auf keinem anderen Wege eine wirksame Abhilfe zu schaffen ist, als daß man einerseits bemüht ist, in guten Zeiten den Ausgleichsfonds ausreichend und nach⸗
haltig zu dotieren, und anderseits bestrebt sein muß, unsere Etats der Wirklichkeit tunlichst anzupassen.
Ich meine, die Lehren gerade der beiden letzten Jahre, des ab⸗ gerechneten Jahres 1907 und des laufenden Jahres 1908, haben ungs erneut vor Augen geführt, wie absolut notwendig es ist, den Etat und gerade den Eisenbahnetat in Einnahme und Ausgabe richtig ab⸗ zuschätzen. Daß zur Minderung der außerordentlichen Schwankungen unseres Etats die Wirtschaftsführung der Ressorts erheblich beitragen kann, darüber wird kaum ein Zweifel bestehen, und daß die Staatseisen⸗ bahnver waltung hierzu wesentlich mitberufen ist, davon bin ich voll überzeugt. Ich darf daher mitteilen, daß die Staatseisenbahnen mit dem Erkennbarwerden des Rückganges unserer wirtschaftlichen Kon⸗ 1 junktur in eine ihre gesamte Verwaltung durchdringende Revision ihres Ausgabebedarfs eingetreten ist. Dlese Revision ist zurzeit noch im vollen Gange. Es handelt sich darum, den richtigen Mittelweg ein⸗ zuhalten, auf der einen Selte keine Anordnungen zu treffen, die gegen den eigentlichen Verkehrszweck, gegen die Aufgaben, die die Staatseisenbah verwaltung im Lande zu erfüllen hat, gerichtet sind, Nauf der anderen Seite keine Maßnahme zu versäum en, die die Bewältigung des Verkehrs auch für die Zukunft sicher⸗ stellt, festzuhalten an demjenigen, was zur Erhaltung und Förderung der Sicherheit unseres Betriebes unerläßlich ist, und endlich Rücksicht zu üben gegenüber unserem ge⸗ samten Personal, insbesondere demjenigen, welches nicht in Beamtenstellungen tätig ist.
Es würde zu weit führen, wenn ich dem hohen Hause die Maß⸗ nahmen im einzelnen auseinandersetzen wollte, die seitens der Staats⸗ eisenbahnverwaltung zur Erreichung dieser Ziele getroffen sind. An⸗ gesichts des außerordentlich hohen Personalstandes der Staatseisen⸗ bahnen — wir haben für 1909 ein Personal von rund 496 000 Köpfen mit einem Personalaufwand von 801 Millionen Mark = 58 %
aller Betriebsausgaben — war es da geboten, der Minderung des Personalstandes, angepaßt an die gegenwärtige Verkehrslage, besondere
Aufmerksamkeit zu schenken. Da die Staatseisenbahnverwaltung an dem Grundsatze festhält, das ständige Personal, d. h. das⸗ jenige, das nicht für bestimmte Gelegenheiten und Zwecke aus⸗
ich kann aber nicht das Bedauern unterdrücken, daß unsere Presse
dringendes Interesse daran, daß Worte und Taten unseres Herrschers
Meine Herren! Es will mir nicht angängig erscheinen, an einer
fördern, so sehr bin ich von der Auffassung durchdrungen, daß diee
szu halten, so konnte ein Erfolg aur erreicht werden, indem m werdende Stellen — infolge Todes, Invalidität, Krankheit, frei Ausscheidens aus dem Dienste, Einberufungen zur Fahne wieder besetzte. Trotzdem die Staatseisenbahnverwaltung an
an ftei⸗ — vicht
d Uebung festgehalten hat, das von der Fahne zurückkehrende Pafne
sofern es vor der Einberufung ständig im Dienst gewesen ist und gut geführt hat, auf Wunsch wieder einzustellen, ist es doch 6 Laufe dieses Etatsjahres gelungen, langsam und allmählich 8 Personalstand nicht unwesentlich herabzumindern. Ein Vergleich en jogen zwischen dem 1. Dezember 1908 und dem 1. Dezember da- ergibt, daß wir am 1. Dezember 1908 nicht weniger als 10 000 Köpf weniger beschäftigten. (Hört!) Gleichermaßen war dem sächliche Aufwande Aufmerksamkeit zu schenken, um so mehr als ja der Glis mäßige und ruhige Verkehr, den wir im Gegensatz zu den Jahren 19.5 1906 und 1907 nunmehr haben, ohne weiteres zu Ersparnissen führe muß. Es ist auf dem Gebiete des Materialverbrauchs, der Auslsftn der Güterzüge, der richtigen Verwendung der Maschinen und darleide vorgegangen, und es sind zweifellos Erfolge erzielt worden Selbstverständlich hätte sich auch der Personenzugsfahrplan, der in 9 Jahren der Hochkonjunktur eine außerordentliche Ausgestaltun erfahren, der Verkehrslage anzupassen. Aber diese Auffassung ist wi
nicht Gemeingut geworden, sonst könnte es nicht geschehen, daß in Zeiten des Stillstandes und Rückganges des Verkehrs dauernd Anträͤge auf Ergänzung und Vermehrung des Fahrplans an mich herantreter daß noch jüngst eine westliche Handelskammer Wünsche äußert, deren Erfüllung etwa 2 Millionen Mark an Kosten pro Jahr verursachen würde. So sehr ich überzeugt bin, daß der Eisenbahnminister in erster Linie die Pflicht hat, dem Verkehr die Wege zu ebnen und ihn
zu
große Betriebsverwaltung des Staates, ohne ihrer eigentlichen Verkehrsaufgabe und Zwecke uneingedenk zu werden, in Zeiten, wie wir sie jetzt durchleben, die Pflicht hat, vorsichtig zu ver⸗ walten und Verbesserungen und Erleichterungen im Verkehr, soweit nicht ein dringendes Bedürfnis vorliegt, auf bessere Zeiten zu ver⸗ schieben. Ich werde daher genötigt sein, gegenüber Anträgen auf Ausgestaltung unseres Personenzugsfahrplans mich zunächst recht zurückhaltend zu zeigen.
Ueber das Ergebnis des Jahres 1907, das voraussichtliche Er⸗ gebnis des Jahres 1908 und die Gestaltung des Etats für das Jahr 1909 hat der Herr Finanzminister so ausgiebige Mitteilungen gemacht, daß mir nicht mehr viel hinzuzufügen bleibt. Ich möchte aber auch meinerseits ausdrücklich feststellen, daß der Eisenbahnetat für 1909 mit großer Vorsicht in Einnahme und Ausgabe aufgestellt ist, wag ja auch die Herren Vorredner anerkannt haben. Es sind voll berük⸗ sichtigt worden die Ergebnisse und Lehren der Vergangenheit. Ins⸗ besondere im Personaletat haben wir uns den Kopfzahlen der Vort⸗ jahre angepaßt, bei sehr mäßiger Vermehrung, einer Vermehrung, die nur der Erweiterung des Staatseisenbahnnetzes im kommenden Jahte entsprechen wird und unter besonderer Berücksichtigung einiger unteren Beamtenkategorien. Eine ruhige und objektive Nachprüfung des Etats wird ergeben, daß die Verwaltung nicht daran gedacht hat, in ungünstigen Zeiten an unrichtiger Stelle zu sparen, daß sie vielmehr bestrebt gewesen ist, wiederum unter Berücksichtigung der Lehren der Vergangenheit die Ausgestaltung des Unternehmens fortzusetzen und zu vervollkommnen.
Wenn der Herr Abg. Freiherr von Zedlitz in Ueberen⸗ stimmung mit dem Abg. von Pappenheim der Meinung Aus⸗ druck gab, daß an den alten Raten des Extraordinartums nichtz zu kürzen wäre, daß aber die neuen Raten weit über das Bedürfalz hinauszugehen scheinen, so muß ich dem an dieser Stelle entschieden widersprechen. Meine Herren, wir haben wahrhaftig ernste Lehren in
den Jahren der Hochflut des Verkehrs erhalten. Es ist heute klar u
erkennen, daß der große Apparat der Staatseisenbahnen an vielen Stellen sich als unzulänglich erwiesen hat, überrascht von der Wucht des Verkehrs. Als ich die Ehre hatte, dieses Ressort zu übernehmen, habe ich solches gewußt; ich habe für den ganzen Bereich der Staakt⸗ eisenbahnen damals eine umfassende Feststellung vornehmen lassen darüber, was uns not tat, und wir wissen heute auf Grund des Ver⸗ kehrs, den wir zu führen gehabt haben, daß diese Feststellung absolut richtig ist, wir wissen ganz genau, an welchen Stellen uns der Schuh drückt, und wir wissen, in welchem Tempo wir die Mängel auszugleichen haben, die uns noch anhaften. In voller Würdigung dessen ist die Mittel im Extraordinarium angefordert worden. Ih muß vom Standpunkte meines Ressorts bekennen, daß in noch mehr gewünscht hätte, daß ich mich aber der allgemeinen Finan⸗⸗ lage habe fügen müssen und fügen können, um so mehr, als uns aut den Vorjahren noch erhebliche Mittel zur Verfügung stehen. Des steht aber fest, meine Herren, daß die Gesamtbeträge, die uns in Extraordinarium gewährt werden, mehr als verbaut werden werden. Solches beweisen auch die großen Bauverwendungsziffern, die ich jüng bei der Arbeitsloseninterpellation hier bekannt gegeben habe.
Meine Herren, daß in Zeiten sinkender Einnahmen und steigender Ausgaben die Betriebsüberschüsse und die Betriebsziffern, der Betriebt⸗ koeffizient der Staatseisenbahnen sich verschlechtert, das ist eine Folg⸗ erscheinung, die dieses größte in sich geschlossene werbende Unternehmer der Welt mit allen werbenden Unternehmungen teilt, insbesonden auch mit deutschen und außerdeutschen Eisenbahnen. Wenn ich Ihren die Verkehrsziffern der amerikanischen Eisenbahnen aus dem Vorjahtt mitteilen und diese mit den unsrigen vergleichen wollte — Sie würden staunen und erkennen, daß wir in Deutschland in weit ruhigeren und stabileren Verhältnissen leben.
Es ist zu befürchten, daß auch für das laufende Etatsjahr unset Betriebsüberschuß und die Betriebsziffer angesichts der außer⸗ ordentlichen Belastung des Etats durch die Besoldungsaufbesserung sich weiter verschlechtert. Aber, meine Herren, es gehört ein geringel Maß von optimistischer Auffassung dazu, um auszusprechen, daß mi
Herren, die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands hat in den letzten Jahrzehnten den vollen Beweis dafür geliefert, daß unsere Va⸗ hältnisse im großen und ganzen sehr gesunde sind. Wenn Sie berüt⸗ sichtigen, meine Herren, daß die gewaltigen Investitionen, die der Staatseisenbahnen in den vergangenen Jahren zugeführt sind und n den kommenden Jahren zugeführt werden werden, den zweifelloser Erfolg haben werden, daß wir erheblich wirtschaftlicher verwalten —
drücklich angenommen ist, auch in Zeiten des Niedergangs im Dienste
rüstung einen Teil unserer wirtschaftlichen Mißerfolge verschulde
-“
auch dieser Etat aufgestellt und sin
hoffentlich alsbald bessere Ergebnisse liefern werden. Denn, meine
denn darüber kann kein Zweifel sein, daß unsere ungenügende Aul⸗
hat —, dann werden Sie auch mit mir bezüglich der Staatßeisen⸗
bahnverwaltung ruhig in die Zukunft sehen können. An dem Willen, die Verhältnisse der Staatseisenbahn zu bessern, fehlt es nicht, und an den Krasten, diesen Willen durchzusetzen, ebensowenig. (Bravo!)
Hierauf wird gegen 5 Uhr die Weiterberatung auf Dienstag 11 Uhr vertagt.
Parlamentarische Nachrichten. 8
Der dem Reichstage zugegangenen Denkschrift über die Entwicklung des Schutzgebietes Kamerun seien fol⸗ gende Mitteilungen entnommen:
Nachdem die im Jahre 1905 zum Zweck einer vollständigen Auf⸗ nahme der deutsch⸗französischen Grenze von Campo bis zum Tschadsee (2500 km) entsandten gemeinschaftlichen Grenzexpedetionen im Frühjahr 1907 nach Europa zurückgekehrt waren, konnte die Be⸗ arbettung des umfangreichen Mate tals im Berichtsjahre derart ge⸗ fördert werden, daß om 2. März 1908 in Berlin eine ge⸗ mischte Kommission zur definitiven Regelung der Grenze zu⸗ sammenzutreten in der Lage war. Bei den Verhandlungen konnte es sich weder um eine großzügige Neugestaltung der Grenzen noch um die Erlangung eines größeren Gebietszuwachses handeln, in Froge kam rur eine Ersetzung der im Vertrage von 1894 festgelegten, meist geradlinigen, künstlichen Grenzen durch natürliche, sich möglichst den vorbandenen Wasserstraßen anschließende. Ferner galt es noch, die gemäß § 3 des Anbanges zum Vertrage von 1894 von Deutschland zu fordernden Kompensationen für das Gebiet um und südlich von Kunde sowie die von Frankreich zu fordernde Kompensation für das deutsche Miltagebiet festzustellen. Die astronomischen Ortsbestimmungen der Grenzexpeditionen hatten nämlich ergeben, daß Kunde mehr wie 10“ westlich des 15“° v Gr., sowie daß der Schnittpunkt des 10 n. Br, mit dem Schari um mehr als 10 Bogenminuten östlich des s. Zt. angenommenen Längengrades lag. Es war also der Fall des § 3 des Anbanges eingetreten. Die Kompensation deutscherseits erfolgte in der Weise, daß das Miltagebiet, das seiner abgelegenen Lage wegen von j'her der Verwaltung viel Schwierigkeiten gemacht hatte, an Frankreich abgetreten wurde. Frankreich dagegen entschädigte Deutschland durch Ueberlassung eines 2500 qkm großen Urwaldgebiets am Ssanga zwischen Bomassa und dem Njue, einem rechten Neber fluß des Ssanga, wobei Deutschand gleichzeitig auf den größten Teil der von den französischen Konzesstonsgesellschaften im Laufe des Jahrts ihres natürlichen Reichtums an Elfenbein und Kautschuk entäußerten Ge⸗ biete um Kunde zu Gunsten Frankreichs verzichtete.
Hiernach verläuft die neue deu sch⸗französische Grenze von der deutsch⸗spanisch⸗französischen Ecke ab, den Ntem und dann den Nkom aufwärts bis zu eirem dem Ajene (Alna) nächstgelegenen Punkt, so⸗ dann den Ajene abwärts, bis zur alten Grenzlinie. Sie fällt mit dieser ungesähr bis Dongo zusammen und zieht dann — in Erweite⸗ rung des deutschen Besitzes — Dscha ahwärts bis zu dessen Mündung in den Ssanga. Dem Ssanga folgt sie 150 km aufwärts bis zum Njuefluß, diesem aufwärts bis 60 km westlich von Nola, dann führt sie zum Kadei 30 km östlich von Delele, endlich 50 km westlich an Gaza vorbei, nach Kunde, das mit 8 km Radius französisch verblieben ist. Von hier läuft die neue Grenze nordwärts weiter bis zum Zusammen⸗ flusse des Wina mit dem Mambere; das deutsche Gebiet rückt hier 65 km nach Osten vor. Dann ziebt die Grenze nordwestwärts nach Lame, nahe westlich von Lame vorbei nach Bipare. Die bisherige Ecke nördlich von Bipare bei Lere wird zu Gunsten des deutschen Be⸗ sitzes abgeschnitten. Nördlich des Tuburisumpfes rückt die Grenze gegen seither etwas weiter nach Süden vor. Oestlich vom Logone ist 55 km weit die alte Linie beibehalten; dann geht die neue Grenze geradeswegs zur Mündung des Ba⸗Ili in den Schari, sodaß das süd⸗ östlich davon belegene Miltagebiet an Frankreich fällt. Von der Mündung des Ba⸗Ili in den Schari bildet der letztere die Grenze bis
um Tschadsee.
. Nachdem im Vorjahre an der deutsch⸗englischen Grenze die s. Zt von der Tschadstegrenzexpedition festgestellten Grenzen an Ort und Stelle vermarkt worden waren, trat im Oktober 1907 in Nassarana bei Yola eine gemeinsame Grenzexpedition zusammen, um nunmehr auch die Grenze von Yola bis zu den Croßschnellen festzu⸗ legen. Da seitens der Engländer eine Unterbrechung der Arbelten
der Expedition für die Regenzeit vorgesehen war, sahen sich auch die deutschen Mitalieder der Expedition veranlaßt, mit Beginn derselben, im Monat April 1908, ihre Arbeiten einzustellen. Die Weederauf⸗ vahme erfolgt mit Eintritt der Trockenzeit. Die Vermessung der Grenze kann, soweit es sich um den Bezirk der Residentur Garua handelt, als teilweise beendet angesehen werden.
Während im Vorjahre besonders im Süden des Schutzgebiets 28 Anlaß zu größeren kriegerischen Expeditionen bot, zeigten
ch diese Gebiete im Berichtsjahre verhältnismäßig ruhig. In den Bezirken Jaunde und Ebolova, wo sonst stets größere oder kleinere Unruhen zu unterdrücken und unbotmäßige oder räuberische Stämme zu bestrafen waren, brauchte diesmal keine kriegerische Expedition in Aktion zu treten. Außer in der besseren Einsicht der Ein⸗ geborenen, die die Ueberlegenheit der europäischen Kriegsführung und Waffen nun bereits in allzu vielen Fällen kennen gelernt haben, ist vor allen Dingen der Grund für die friedlichere Haltung der Eingeborenen in dem Umstande m suchen, daß ihnen durch das Einfuhrverbot die Erlangung von neuem Kriegs⸗ material, Steinschloßgewehren und Pulver unmöglich gemacht ist. Von allen Dienststellen, namentlich auch seitens der Angehörigen der Schutztruppe, ist der Erfolg dieser Maßnahme anerkannt worden, trotzdem bei Einführung des Verbots von verschiedenen Seiten gegen die Wirksamkeit dieses Verbots erhebliche Zweifel eltend gemacht wurden. Die Erfahrung hat aber gelehrt, aß Stämme, deren Unbotmäßigkeit und Freiheit früher jedes Maß überstieg, jetzt, wo ihnen die Schufwaffen feblen, efügig geworden sind und willig den Anordnungen der Bebörden Falce leisten. Eine Aufhebung des Einfuahrverbots von Kriegs⸗ material würde daher den Interessen einer friedlichen Erschließung des Schutbgebiets direkt widersprechen und kann, da auch der Handel sich schließlich mit dem Verbote abgefunden hat, für die nächste ukunft kaum mehr in Frage kommen. Zu erhoffen ist, daß die im Monat April 1908 in Brüssel zur Beratung der Behandlung des Kriegsmaterials in den afrikanischen Kolonien zusommengetretene JG zu einem völligen Verbot für alle afrikanischen Kolonien gelangt.
Unruhen brachen im Berichtsjahr im Süden des Schutzgebiets nur im Bezirke der Dumestation aus Dort machte das Ver⸗ halten der nördlichen Makas ein Eingreifen der 9. Kompagnie er⸗ forderlich. Der Ausbruch von Unruhen unter den Bafias in der Gegend von Biongele im Januar 1907 machte zu Anfang der Be⸗ richtsjahrs die Entsendung von zwei Expeditionen erforderlich. Es wird längere Zeit und unter Umständen auch kriegerischen Ein⸗ schreitens bedürfen, wenn jene Gebiete für die wirtschaft⸗ liche Betätigung der Europäer erschlossen werden sollen. Im Norden des Schutzgebiets mußte im April und Mai 1907 gegen die süd⸗ lich von Bamenda sitzenden Bamumbu, Bamessong Tschati, Batschirgu, Bantt und Folepet eingeschritten werden Die Erhebung dieser Völker⸗ schaften ist gewissermaßen als eine Fortsetzung der im Vorjabre be⸗ richteten Unruhen des Bamendabezirks zu betrachten Die Erkundung des nordwestlichen Teiles des Bezirls Bamenda durch den Stationschef in den Monaten Juni und Juli 1907 stieß mehrfach auf bewaffneten Widerfland. Eine größere kriegerische Unternehmung wurde längs der deutsch⸗englischen Grenze durchgeführt. Die Expedition hatte den
weck, den Weg für die deutsch englische Grenzkommission freizumachen. Die in dem im Bezirk Banjo gelegenen Berglande von Gaschaka an⸗ ässigen Alkasim, die als sehr kriegerisch galten, sowie die zum Bezirk
amenda gehörigen Muntschibergvölker, die bisher jeden Verkehr mit Europäern abgelehnt hatten, waren eine stete Gefahr für die Grenz⸗ kommission und mußten zunächst unterworfen werden, sollte nicht der ganze Erfolg der Arbeiten der Grenzkommission in Frage gestellt
8 * werden. Ebenso waren die seinerzeit am Anpangaufstande beteiligten Baschostämme, deren Bestrafung für die Teilnahme am Aufstande noch immer nicht erfolgt war, noch keineswegs als friedlich anzusehen. Ende Mai baten sämtliche bisher feindliche Stämme um Frieden, der ihnen nach Annahme der Friedensbedingungen und Bestrafung der schuldigen Häuptlinge gewährt wurde, Auch die Bezirke der Residenturen Garua und Kusseri wurden im Berichts jahre von Unruhen nicht verschont. Vor allem ist hier ein plötzliches Aufflammen des Mohammedanismus zu erwähnen, das indessen sofort im Keime er⸗ stickt wurde und so einen größeren Umfang nicht nehmen konnte.
Abgesehen von diesen Verwicklungen kann das Verhältnis zu den Eingeborenen als ein gutes angesehen werden. Alle Dienst⸗ stellen sind nach wie vor von dem Bestreben erfüllt, sich immer mehr das Vertrauen der Bevölkerung zu erwerben, und wenn die Fortschlitte auch nicht von einem Jahre zum andern ins Auge treten, so kann ein allmählicher Erfolg doch nicht geleugnet werden. Die Anforderungen, die sowohl von der Regierung wie von Pflanzungen und Kaufleuten an die einzelnen Stämme wegen der Gestellung von Trägern und Arbeitern gestellt werden mußten, waren im Berichtsjahre noch ver⸗ mehrt durch den Arbeiterbedarf beim Baue der Manengubabahn, bei welchem durchschnittlich 2000 Arbeiter beschäͤftigt wurden. Doch konnte im allgemeinen diesen Anforderungen, und zwar ohne große Schwierig⸗ keiten genügt werden. Um nicht einzelne Bezirke mit Arbeiter⸗ anwerbungen unverhältnismäßig zu helasten, wurde in den unter Verwaltung genommenen Bezirken eine Bevölkerungsstatistik ocufgenommen. Dieselbe ergab für sämtliche Verwaltungs⸗ bezuuike mit Ausnahme der Residenturen eine Bevölkerung von rund 1 300 000 Seelen. Die Zahl der für Plan⸗ tagen, Eisenbahnen usw. abkömmlichen erwachsenen männ⸗ lichen Einwohner wurde unter Abzug der für das Wirtschaftsleben der einzelnen Bezirke selbst erforderlichen Arbeitskräfte auf rund 21 000 Mann ermittelt. Es muß daraus gefolgert werden, daß bei rschtiger Verteilung der Arbeiteranwerbungen auf die einzelnen Be⸗ zirke das Schutzgebiet ohne Schwlerigkeit in der Lage ist, die für be⸗ stehende und noch kommende wirtschaftliche Unternehmungen erforder⸗ lichen Arbeilskräfte selbst zu stellen, zumal in den friedlichen Bezirken des Binnenlandes der Bevölkerungszuwachs sortbauernd ganz be⸗ deutend ist.
Die Gesamtzahl der weißen Bevölkerung betrug am 1. Januar 1908: 1128 gegen 1010 am 1. Januar 1907. Hiervon waren männliche Personen 987 (887), weibliche 141 (123). Unter 15 Jahren waren 22 männliche und 29 weibliche gegen 20 bezw. 26 im Vorjahre. Die Zunahme beträgt daher im ganzen 100 männliche und 18 weibliche Personen gegen 93 bezw. 21 im Vorjahre. Deutsche Reichsangehörige waren am 1. Januar 1908 vorhanden 971 (860), von den übrigen waren 48 (58) Engländer, 3 (2) Kolonialengländer, 24 (16) Schweizer, 39 (43) Amerikaner, 13 (6) Oesterreicher, 5 (0) Italiener, 5 (3) Russen, 3 (3) Niederländer, 3 (2) Spanier, 1 (0) Luxemburger, 3 (8) Portugiesen, 2 (3) Franzosen, 3 (0) Türken, 3 (4) Schweden, 1 (2) Norweger, 1 (0) Belgier. Die Zahl der Pflanzer ist von 86 auf 105 gestiegen, desgleichen die der Kaufleute von 347 auf 381 und die der Handwerker von 36 auf 47. Geburten sind 19 gegen 22. im Vorjahre zu verzeichnen. Die Zahl der Todesfälle ist von 32 auf 34
estiegen.
8 üm Unterlagen für die bevorstehende Besteurung der Einge⸗ borenen zu gewinnen und um ferner feststellen zu können, wieviel Ar⸗ beiter die einzelnen Stämme zum Plantagen⸗, Wege⸗ und Bahnbau zu stellen imstande sind, haben umfangreiche Zählungen und Schätzungen der eingeborenen Bevölkerung in den einzelnen Bezirken stattgefunden. iernach wurden gezählt im Bezirk Duala: 52 420 Einwohner. Hier ist im Berichtsjahre eine erhebliche Verminderung, annähernd um etwa 5000 Köpfe zu ver⸗ zeichnen. Ihren Grund hat dieselbe hauptsächlich darin, daß eine große Anzahl bisheriger Dualasklaven in ihre Heimat zurück ewandert ist. Gezählt wurden ferner im Bezirk Victoria 7234 Einwohner, in Buea 9979, Ossidinge 23 540, Kribi 34 042, im Jaundebezirk wurden gezählt 16 982 Männer, durch Schätzung ermittelt 40 000, insgesamt also 56 982 Männer, ebenso im Campobezirk 8083 gezählt und 2000 geschätzt. Durch Schätzung wurde ferner die Zahl der Einwohner ermittelt in den Bezirken Rio⸗del⸗Rey (30 500), Johann⸗ Albrechtshöhe (60 000), Joko (9120 Männer), Banjo.Stadt (10 000 Einwohner), Ebolova (180 000), Lomie (60 000), Jabassi (180 000), Dume (30 000 Männer), Dschang (9000 Männer). Die Gesamt⸗ bevölkerung in den unter Verwaltung stehenden Bezirken mit Aus⸗ nahme der beiden Residenturen ist, wie schon erwähnt, auf rund 1 300 000 Seelen zu schätzen. 1
Der Schulbesuch bltieb in den Regierungsschulen annähernd auf
derseiben Höhe wie im Vorjahre. Der Wunsch der Eingeborenen, ihre Kinder in die Schule aufgenommen zu sehen, ist im allgemeinen groß und tritt besonders auch bei den Stämmen des Hinterlandes hervor. Das Verhältnis der im Schutzgebiete tätigen Missionen zur Re⸗ ierung war auch im Berichtsjahr ein gutes. Die Missionen sind stets bestrebt gewesen, ihren Einfluß auf die Eingeborenen geltend zu machen, um in ihnen ein Verständnis für die Absichten und Ziele der Eingeborenenpolitik der Regierung zu erwecken nand sie für diese zu ewinnen. In den allgemeinen Produktions⸗ und Absatzverhält⸗ nissen ist eine Aenderung gegen die Vorjahre nicht eingetreten, sie kann im allgemeinen auch nicht früher erwartet werden, als der Ein⸗ fluß der Eisenbahnen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Schutz⸗ gebiete sich geltend gemacht hat. Erst dann werden an Stelle der jetzt die Haupthandelsartikel bildenden Urprodukte: Kautschuk, Elfen⸗ bein, Oel, Kerne und Kola, die durch Anbau gewonnenen Kultur⸗ produkte, wie Erdnüsse, Mais, Reis, Baumwolle, anfangen, an Be⸗ deutung für das wirtschaftliche Leben der Kolonie zu gewinnen. Vexüglich der Produktion der Eingeborenen wird in der Denkschrift ausgeführt, daß sich der Farmbhau der Eingeborenen nach wie vor in der Hauptsache nur auf den Anbau der für den eigenen Bedarf erforderlichen Landesprodukte: Mais, Kassada, Makabo, Jams (Süßkartoffeln) beschränkt. Die Bemühungen der Behörden, durch Belehrung, Ausgabe von Samen und Pflänzlingen und durch direkte Anordnung eine Ausdehnung der landwirtschaftlichen Produktion zu fördern, haben im allgemeinen nur an wenigen Slellen wirklich durckgreifenden Erfolg gehabt. Mehrfach hat man beobachten können, daß Versuche, die in den Vorjahren viel Erfolg versprachen, mit der Zest wieder eingeschlafen oder wenigstens nicht weiter ausgedehnt sind. Schuld an diesen teilweisen Mißerfolgen trägt der Charakter des Negers, der sich nur schwer zu Neuerungen versteht, dann aber auch die stetig sich mehrende Gelegenheit, durch Träger⸗ und Arbeiterverdienste, vielfach auch im Handel sich leichten und guten Verdienst zu verschaffen. Manche Versuche sind endlich daran gescheitert, daß eine Möglichkeit, die angebauten Produkte zu verwerten, nicht gegeben war und somit ein Interesse am Weiteranbau nicht vorlag. Es ist deshalb Vorkehrung getroffen, daß in Zukunft die auf Betreiben der Regierung angebauten Produkte, wie namentlich Mais und Reis, erforderlichenfalls zu einem angemessenen Preise von den Verwaltungsbehörden angekauft werden. Auch hier wird erst die Erschließung des Landes durch die Eisenhahnen eine grundlegende Besserung herbeiführen. Denn bevor nicht die hier in Frage kommen⸗ den geringwertigen Produkte der tropischen Landwirtschaft als Massen⸗ produkte gezogen werden und mit billigen Transportmitteln zur Küste geschafft werden können, wird sich der Handel mit ihnen nicht oder nur wenig befassen. b
Für den Handel war das Berichtsjahr, wie die zunehmenden Zahlen der Handelsstatistik zeigen, im allgemeinen ein günstiges. Nur der gegen Ende des Jahren 1907 eintretende Preissturz für Kautschuk brachte dem Handel des Südbezirks großen Schaden. Die Preise sanken von 8 ℳ auf unter 4 ℳ sür das Kilogramm Kautschuk und lassen auch jetzt noch keine Ste gerung erwarten. Die Folge war, daß von den Firmen des Südbezirks der Handel erheblich eingeschränkt wurde, viele Faktoreien mußten geschlossen und die Angestellten und Händler entlassen werden. Eine weitere Folge des Niedergangs
des Handels war eine von den Interessenten getroffene Vereinbarung, die mit der Zeit zu einer ungesunden Höhe gestiegenen Einkaufspreise
chlossen
Gouvernement
in Plantation fast alle Firmen der
die Handelskammer
Batangaküste
hat grundsätzlich die
und die Trägerlöhne gemeinschaftlich berabzusetzen. Im Südbezir hatte bereits 8 einigen Jahren eine Handelskammer bestanden; diese war jedoch nur wenig in die Erscheinung getreten und hatte ch schließlich stillschweigend aufgelöst. 1
ich die Interessenten erneut zusammen und gründeten für den Südbezirk, 81, 3
Am 20. Oktober 1907
beigetreten sind.
Handelskammer Duala und die des Südbezirks bei allen wichtigen, den Handel und die sonstige wirtschaftliche Entwicklung des Schutzgebiets betreffenden Fragen gutachtlich gehört und hat ihnen auch je einen Sitz im Gouvernementsrat eingeräumt. Mit einer Steigerung von 9 936 548 ℳ
d. i. von über 42,5 % gegen das Vorjahr, hat der Kameruner Hande
seit dem Bestehen des Schutzgebiets innerhalb eines Zeitraums von einem Jahre den größten Aufschwung genommen. 1 entfallen auf die Einfuhr 3 991 033 ℳ, auf die Ausfuhr 5 945 515 ℳ
“ E11“
Statistik und Volkswirtschaft.
Deutsche Seefischereistatistik für Dezember 1908.
Den Gewichtsmengen sind die Stückmengen zuzurechnen, sodaß 2 angegebenen Werte sich auf beide beziehen.
1
Seetiere
und davon gewonnene Erzeugnisse
kg
Nordseegebiet Mengen Wert
erner Stück ℳ
Ostseegebiet Mengen
ferner kg Stück
Schellfisch, ID mittel.
eißlinge. Isländer.. ohne nähere Bezeich⸗ “ Kabliau, “ mittel, klein (Dorsch).. Isländer.. ä““ Seehecht ... Scholle (Gold⸗ butt, Butt), roß, mittel klein u“ lebend.. ohne nähere Bezeich⸗ “ Knurrhahn, grauer (auch Seeschwalbe) Petermann sntes nurrhahn) Petermann, v“ Köhler und Pollak(Blau⸗ E““ Leng Fefh “ x... Rotzunge, groß, mittel EII Stör Se Seezunge, I mittel, klein Steinbutt (Turbot), roß, mittel 1 ohne nähere Bezeich⸗ 6 Glattbutt (Kleist), groß, mittel... E Lachs Zander. Hecht (Fluß⸗ hecht)... Karpfen... Stint BEE1ö1ö1 Rotbarsch (Begilt) .. Kaulbarsch .. Karausche... E“
8b Kliesche, laten)... Schlei.. Hering .... Sprotte (Breitling). Stichling ... Aal Quappe (Rutte).. Seeteufel .. Makrele ... lunder.. ornhecht.. eerforelle (Lachsforelle) Neunauge ... Plötz (Rot⸗ auge).. Schnäpel... Weißfisch Giester).. Wels ... apfen Schied) .. schiedene (Gemengfische)
Blei (Brassen)
101 675 264 963 319 546 1 218 342
90 010 140 376
2 300 324 170 526 140 466 594
170 758 35 239
49 673 257 048 35
15 242 42 128
3 350 6 734
341 309 113 914 55 338 2 314
87 881 9 073
525 17 317
41 232 22 029
21 848 36 559
—
70 921
I. Fische.
60 407 91 410 78 661] 197 089 11 814 46 097
552
85 181 100 285 20 275 12 845
24 018 65 106 11
3 655 8 401
618 1 008
66 843 21 616 9 578 73³
55 330 1 936 1 046
20 002
83 073
32 659
44 175 35 896
91 670
47
7141 5 573
8 955 31
118 240 9 839
88 250 6 150 7 325
17 670
2 151 182 — 4 762 3 595 860
372 851
109 600
15 144
5 303 2 120
259 —
3 732 95 585 50 —
182 b
25 575 — 720 120
1599b 1999 — 2909 — 1 099 —
135 130 1 685
zusammen
5 120 981
1034062 3 757 954
Von dieser Summe