Bekanntmachung.
Nach Vorschrift des Gesetzes vom 10. April 1872 (Gesetzsamml. S. 357) sind lertt. gemacht:
1) das am 13. Oktober 1910 Allerhöchst vollzogene Statut für die Drainagegenossenschaft Hollige in Hollige im Kreise Fallinagbostel durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Lüneburg, Beilage zu Nr. 45, ausgegeben am 11. November 1910;
2) das am 13. Oktober 1910 Allerhöchst vollzogene Statut 5 die Drainagegenossenschaft Offelten in Offelten im Kreise Lübbecke
urch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Minden Nr. 45 S. 279, ausgegeben am 12. November 1910;
3) das am 13. Oktober 1910 Allerhöchst vollzogene Statut für die Entwässerungsgenossenschaft Charlottenburg in Charlotten⸗ burg im Kreise Wirsitz durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Bromberg Nr. 46 S. 421, ausgegeben am 17. November 1910;
9 der am 17. Oktober 1910 Allerhöchst i Nachtrag zu dem Statut für den Neuhaus⸗Bülkauer Deich⸗ un Schleusenverband zu Neuhaus a. d. Oste im Kreise Neuhaus a. d. Oste vom 11. März 1907 durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Stade Nr. 46 S. 321, ausgegeben am 18. November 1910;
5) das am 17. Oktober 1910 Allerhöchst vollzogene Statut für die Drainagegenossenschaft Bukau in Bukau im Kraise Ratibor durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Oppeln Nr. 45 S. 413, ausgegeben am 11. November 1910;
6) das am 17. Oktober 1910 Allerhöchst vollzogene Statut für die Entwässerungsgenossenschaft zu Handewitt in Handewitt im Kreise
lensburg Land durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu chleswig Nr. 45 S. 467, ausgegeben am 5. November 1910;
8¹ der Allerhöchste Erlaß vom 24. Oktober 1910, betreffend die Verleihung des Enteignungsrechts an die Gemeinde Wehen im Untertaunuskreise für die Anlage eines öffentlichen Weges von Wehen nach Orlen, durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Wiesbaden Nr. 45 S. 363, ausgegeben am 10. November 1910;
8) der Allerhöchste Erlaß vom 24. Oktober 1910, betreffend die Genehmigung der von der 24. Generalversammlung der Mitglieder der Schleswig⸗Holsteinischen Landschaft am 13. Januar 1910 be⸗ fehlosteen Aenderungen der Satzung dieser Landschaft, durch das
mtsblatt der Königlichen Regierung zu Schleswig Nr. 47 S. 489,
egeben am 19. November 1910. 8 1
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In der Dritten Beilage zur heutigen Nummer des „Reichs⸗ und Staatsanzeigers“ wird eine Genehmigun gsurkunde, betreffend eine Anleihe des Kreises Hadersleben, veröffentlicht.
Deutsches Reich.
Preußen. Berlin, 19. Dezember.
Seine Majestät der Kaiser und König hörten heute vormittag im Neuen Palais bei Potsdam den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts, Wirklichen Geheim von Valentinit. 1“ e““
Der Oberrechnungskammerdirektor, Wirkliche Geheime Oberregierungsrat Hommelsheim istvom Urlaubnach Potsdam zurückgekehrt.
Der Königlich bayerische Gesandte Graf von Le⸗ rchenfeld hat Berlin verlassen. Während seiner Abwesenheit führt der Legationssekretär Dr. von Schoen die Geschäfte ber Ge⸗ aubtschat.
Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Luchs“ vorgestern in Hongkong eingetroffen.
S. M. Flußkbt. „Tsingtau“ ist vorgestern von Canton in See gegangen und in Hongkong eingetroffen.
““ 3 v11A1AXAX“X“ Görlitz, 18. Dezember. Der Kommunallandtag der Preußischen Markgrafschaft Oberlausitz ist gestern nach Erledigung seiner Arbeiten von dem Landesbestallten, Land⸗ schaftsdirektor von Lucke mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und Markgrafen, in das die Anwesenden begeistert einstimmten, geschlossen worden. 11“ 1
Oesterreich⸗Ungarn.
Der ungarische Finanzminister Lukacs unterbreitete heute, wie das „W. T. B.“ meldet, dem Abgeordnetenhaus eine Gesetzvorlage, durch die die Gültigkeit des Privilegiums der Oesterreichisch⸗Ungarischen Bank, des Münz⸗ vertrages und des Währungsgesetzes bis zum 15. Fe⸗ bruar 1911 verlängert werden soll.
8 Großbritannien und Irland. Niach Meldungen des „W. T. B.“ sind bisher 268 Liberale, 271 Unionisten, 43 Vertreter der Arbeiterpartei, 73 Anhänger Redmonds und 9 Anhänger O’'Briens gewählt worden. Die Liberalen haben 23, die Unionisten 28 und die Arbeiterpartei 4 Sitze gewonnen. 114“
Der Präsident Falliéres hat vorgestern nachmittag den neuen russischen Botschafter Jswolski zur Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens in Audienz empfangen. Iswolski hielt eine Ansprache an den Präsidenten, in der ihn der Gefühle aufrichtiger und unveränderlicher Freundschaft versicherte, die der Kaiser von Rußland für Frankreich und ihn hege, und „W. T. B.“ zufolge, sagte:
Als er den Ruf erhalten habe, den Kaiser bei der Regierung des befreundeten und verhündeten Frankreich zu vertreten, habe der Kaiser ihn beauftragt, der Aufrechterhaltung und der ständigen Festigung der so engen Bande, die Rußland und Frankreich einten und nicht bloß zu einer gegenseitigen Bürgschaft für die beiden verbündeten Länder, sondern auch als kostbares Unterpfand für die Bewahrung des all⸗ gemeinen Friedens dienten, alle seine Sorgfalt zu widmen.
In seiner Antwort beglückwünschte sich der Präsident Falliêres zu der Wahl des neuen Botschafters und sagte:
Sie lege das deutlichste “ für den hohen Wert ab, den der Kaiser von Rußland der Festigung des Bündnisses beimesse. Der
räsident versicherte den Botschafter, daß er in Frankreich tätige Bei⸗ ilfe zur Stärkung der Bande zwischen den beiden befreundeten und verbündeten Ländern zum Schutze ihrer gegenseitigen Interessen und zur Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens finden werde.
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der Minister des Aeu
In dem vorgestern abgehaltenen Ministerrat teilte 88 Pichon, „W. T. B.“ zufolge, die Grundzüge der Erklärungen mit, die er bei der Dis⸗ kussion über das Budget des Aeußern in der Kammer über die auswärtige Politik abgeben wird. Der Minister der öffent⸗ lichent Arbeiten Puech gab die außerordentlichen Maßnahmen bekannt, die zur Fortschaffung der Waren aus den Häfen Havre und Rouen und aus dem nördlichen Bergwerksgebiet ge⸗ troffen seien. Der Ministerrat beschloß, eine Kommission zu ernennen, die mit der Ausarbeitung eines Programms für die Entwicklung der Häfen, der Kanäle und der Flußschiffahrt beauftragt werden soll. Die Regierung wird die Kammer er⸗ suchen, den Gesetzentwurf über den Flottenbau alsbald nach der Budgetberatung auf die Tagesordnung zu setzen.
Schweiz.
Der Chef des Eisenbahndepartements, Bundesrat Dr. Forrer, hat vorgestern in Bern eine Rede über den Gott⸗ hc. 1b9 gehalten, in der er, „W. T. B.“ zufolge, aus⸗ ührte:
Die Dividende der Gotthardbahn hetrage für 1909 8,94 % und für 1910 mindestens 8,90 %. Die Schweiz werde sich unter dem neuen Vertrage nicht schlechter stehen als unter dem alten, der neue Vertrag sei unter zwei Uebeln das G 8
Niederlande.
In der Deputsiertenkammer stand vorgestern die Be⸗ ratung des Heeresbuodgets auf der Tagesordnung. Der Kriegsminister Cool erklärte laut Bericht des „W. T. B.“ die Tagesordnung des orthodoxen Protestanten Duymaer van Twist, nach der die Aufbesserung der Offiziersgehälter bis nach der Vermehrung ihrer Pension verschoben werden soll, für unannehmbar. Nach bewegter Debatte wurde der Antrag mit 36 gegen 31 Stimmen trotzdem angenommen. Der Minister bat darauf unter großer Bewegung der Kammer um Ver⸗ tagung.
Einer weiteren Meldung des „W. T. B.“ zufolge hat sich der Kriegsminister infolge des gegen ihn gerichteten Beschlusses der Kammer entschlossen, von seinem Posten zurückzutreten
Amerika. Der Präsident Daft hat gestern in Washington in der Gesellschaft für schiedsgerichtliche Entscheidung internationaler Streitigkeiten eine Rede gehalten, in der er die Beunruhigung zu beschwichtigen suchte, die durch die vom Generalstabschef dem Komitee für Militärangelegenheiten im Repräsentanten⸗ hause unterbreitete reetschrift hervorgerufen worden ist.
„Wir haben“, führte Taft, „W. T. B.“ zufolge, aus, „aus⸗ gezeichnete Küstenverteidigunswerke geeignet sind, eine Invasion auf dem Seewege zu verhindern. Das Volk der Vereinigten Staaten würde niemals darein willigen, ein stehendes Heer zu unterhalten, das genügend wäre, es in einer Schlacht mit den stehenden Heeren der Großmächte aufzunehmen.“
Der Präsident trat schließlich für gesetzliche Bestimmungen ein zur Verbesserung der militärischen Rüstung und zur Be⸗ schaffung von Geschützen und Munition für die Streitmacht, die im Notfalle aufgeboten werden könnte.
Nach einer vom „W. T. B.“ verbreiteten Meldung aus Galveston hätten die mexikanischen Revolutionäre unter schweren Verlusten die Regierungstruppen bei Minaca geschlagen; von letzteren seien 800 Mann gefallen. Der Botschafter der Pereinigten Staaten in Mexiko meldet, daß sich die Stadt Guerrero (Provinz Chihnahua) noch im Besitz der Revolutionäre befinde.
Die allgemeinen Wahlen zur Deputiertenkammer und die Ergänzungswahlen zum Senat sind in Uruguagy ohne Zwischenfall verlaufen. In der ganzen Republik herrscht Ruhe.
Der Reichspostdampfer „Lützow“ des Norddeutschen Lloyd mit der Deutschen Kronprinzessin an Bord ist, „W. T. B.“ zufolge, auf der Heimreise vorgestern vormittag nach herrlicher, ruhiger Fahrt in Aden eingetroffen. Die Abfahrt von Aden erfolgte um 21 ½ Uhr Nachmittags.
Der Deutsche Kronprinz ist gestern in Haiderabad (Dekkan) ngee und auf dem Bahuhofe, der mit Flaggen in den Farben Deutschlands, Englands und des Niaͤmsehen Reiches geschmückt war, „W. T. B.“ zufolge, von dem Nizam, dem englischen Ministerresidenten, dem gesamten Ministerium, zahl⸗ reichen eingeborenen sowie englischen Offizieren und Würdenträgern empfangen worden. Der Kronprinz wurde von dem englischen Ministerresidenten begrüßt, der ihn mit dem Nizam bekannt machte und sämtliche Anwesenden vorstellte. Hierauf schritten der Kron⸗ prinz und der Nizam die Front der Ehrenkompagnie ab, die von einer englischen und einer Nizamtruppe gestellt war, und fuhren 12 nach dem Falakumapalast. Abends war die Stadt illuminiert. Gestern vormittag nahm der Kronprinz an einer Jagd F. Antilopen mit Jagdleoparden teil und besuchte Nachmittags das alte mohammedanische Königsschloß von Golkonda.
— Durch ein gestern veröffentlichtes Kaiserliches Edikt ist die Denkschrift des chinesischen Reichsausschusses, in der der Thron gebeten wird, den Großen Staatsrat ab⸗ suschaffen oder ihn zu einer dem Volke verantwort⸗ ichen Körperschaft umzugestalten, abschlägig beschieden worden. Nach einer Depesche des „W. T. B.“ wird in dem Edikt ausgeführt, daß die Mitglieder des Großen Staatsrats vortreffliche und treue Ratgeber seien, und daß die Einsetzung eines Kabinetts sowie die Ernennung von Beamten Vorrechte des Thrones seien, mit denen der Reichs⸗ ausschuß sich nicht befassen sollte. Das Edikt wird heute im Reichsausschuß besprochen werden. —
und eine sehr gute Flotte, die
Statistik und Volkswirtschaft.
Das Großherzogtum Oldenburg hatte nach vorläufiger Feststellung des Ergebnisses der letzten Volkszählung am 1. Dezember 1910 eine Bepölkerung von 482 403 Seelen. Am 1. Dezember 1905 waren 438 956 Personen gezählt wordben.
b Zur Arbeiterbewegung.
Der „Köln. Ztg.“ wird aus Lüdenscheid berichtet: Vor etwa einer Woche wurde gemeldet, daß die Werkzeugschlosser beab⸗ sichtigen, in eine Lohnbewegung einzutreten. Inzwischen hat der Arbeitgeberverein eine Versammlung abgehalten, in der beschlossen wurde, Verhandlungen mit dem Gewerkschaftssekretär des Deutschen Metallarbeiterverbandes abzulehnen und es jedem Arbeitgeber zu über⸗ 82 in seinem Betriebe mit den Arbeitnehmern zu verhandeln. Die erste Folge dieser Absage war, daß in einer Anzahl von Fabriken die Werkzeugschlosser gekündigt haben.
82
In Hausham haben, wie die „Rh.⸗Westf. Ztg.“ erfährt, di ausstaͤndigen Bergleute in einer Versammlung die angebotenen Einigungsbedingungen einstimmig abgelehnt. (Vgl. Nr. 293 d. Men
Wie dem „W. T. B.“ aus Barcelona gemeldet wird ist es zwischen Ausständigen und Arbeitern, die mit dem Löschen de Ladung von Kohlenschiffen beschäftigt waren, zu Zusammenstöͤßen gekommen. Die Polizei mußte wiederholt von der Waffe Gebrauch machen. Ein Polizeibeamter wurde durch Revolverschüsse schwer ver letzt. Sechs Personen wurden verhaftet. — In Saragossa sin sämtliche Bäckergesellen in den Ausstand getreten.
11] Winnipeg legt, wie der „Frkf. Ztg.“ telegraphiert wird ein allgemeiner Ausstand der Straßenbahner den Verkehr lahm,
Kunst und Wissenschaft.
Seine Königliche Hobheit der Prinz⸗Regent Luit von Bayern hat, „W. T. B.“ zufolge, als Allerhöchster Prohan der deutschen antarktischen Expedition dieser den Betrag von 25 000 ℳ überwiesen.
9
Die zweite deutsche Turfan⸗Expedition bildete den Gegenstand eines Vortrages, den Dr. Alberk von Le Coq vom Museum für Völkerkunde in Berlin kürzlich im Verein für deutsches Kunstgewerbe in Berlin bei Gelegenheit der Fest⸗ sitzung am 33. Stiftungstage dieses Vereins gehalten hat. Das Ziel der Expedition, die Dr. von Le Cog leitete, waren aus dem sechsten bi neunten Jahrhundert unserer Zeitrechnung stammende Ansiedlungen, die sich in Ost⸗Turkistan erhalten haben. „Sn diesem Lande, das heute eine chinesische Provinz bilde:, haben einst neben den festen Städten der Oasenstaaten Reitervölker gesessen, die, von den Turko⸗Mongolen per⸗ drängt, bis on die Grenze der alten griechischen Welt, bis nach Baktrien im Norden Indiens, vorgedrungen sind. Es waren Reiter⸗ völker, die eine indogermanische Sprache besaßen. Sie nahmen, alz sie Baktrien unterwarfen, die eigentümliche Kunst in sich auf, die sich dort aus der griechischen Kunst entwickelt hatte. Diese griechische Kunst, die durch die Heerzüge Alexanders des Großen ins Land gekommen war, entwickelte sich dort zur Gandhärakunst. Sie trugen die Fürsten der Indoskythen, denn das waren jene Reiter⸗ völker, mit dem Buddhismus zusammen nach dem Osten Turkistant, nach jenen Oasen mit ihren befestigten Städten, an deren Ruinen heute noch die Landschaft Turfan so reich ist. Erst im achten Jahr⸗ hundert haben die Uighuren, ein türkisches Volk, sich in Ost⸗ turkistan festgesetzt. Auch auf g. wirkte die Gandharakunst ein. Aber neben dem Buddhismus bestanden anscheinend gleichberechtigt noch die Religion des Mani und das Christentum. Die Buddhisten brachten die Gandhaͤrakunst von dort aus nach China, Korea und Japan. Die vielgerühmte religiöse Kunst der Ostasiaten ist also in Wirklichkeit nicht bodenständig. Die große Ruinenstadt Irigutschari bot der Expedition za lreiche Arbeitsgebiete, so eine ewaltige Stufenpyramide, daneben ein christliches Kloster, in der Mitte der Stadt eine Anlage, die drei große Säle mit zahlreichen Anbauten aufwies und im nördlichen Saale das Wandgemälde eines manichäischen Hohenpriesters. Man darf annehmen, daß es das einzige vorhandene Bild des Mani, des Religionsstifters selbst, dar⸗ stellt. Nach dem sehr harten Winter arbeitete die Expedition in den Vorbergen des Fanshan⸗ wo sie mehrere Büchersammlungen und Köpfe kleiner Standbilder fand. Dann aber entdeckte sie beim Kloster Bäsäklik bei Murtug einen Tempel, dessen Erbauung in das neunte Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurückreicht. Die Waͤnde waren mit ganz trefflich erhaltenen Malereien eschmückt, die die Stifter zeigten, nebst Bildern von Buddha, b von zahlreichen mythologischen Perfönlichkeiten, darunter auch solche mit blauen Augen und roten Haaren, also zweisellos Angehörige der Indoskythen. Anderwärts hat die Expedition noch größere Schätze an Nieder⸗ schriften gefunden. Die Expedition hat zum ersten Male nach⸗ gewiesen, daß schon im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung in Asien ein indogermanisches Volk mit hochentwickelter Schriftsprache lebte, sie hat ferner kostbare Zeugen der im Westen ganz ver⸗ schwuͤndenen Literatur und Kunst der Manichäer uns überbracht, sie hat uns weiter zahlreiche christliche Gemeinden in Asien nachgewiesen; sie hat uns Schrift, Sprache und Kunst der Uighuren kennen gelehrt und vor allen Dingen die Tatsache erhärtet, daß die vielgerühmte
religiöse Kunst des asiatischen Ostens aus der klas ischen Kunst hervor⸗
gegangen ist.
SLiteratur.
Christian Herzog zu Schleswig⸗Holstein. Von Hans Schulz. Mit einem Bildnis des Herzogs. 402 S. Stuttgart und Leipzig. Deutsche Verlags⸗ anstalt 1910. Geheftet 6 ℳ, gebunden 6,75 ℳ. — Der Biographie des Herzogs Christian August von Schleswig⸗Holstein (1798—1869), des 1 der Kaiserin, läßt die Deutsche Verlagsanstalt die Biograp
(1765 — 1814). Dieser kannt, daß er als Erbprinz im Verein mit seinem Freund, dem Grafen Ernst Schimmelmann, Schiller durch Zuwendung einer Unterstützung aus drückendster Not befreite. Der Schenkungsbrief vom 27. November 1791, jetzt dem Schillermuseum in Marhach gehörend, beginnt mit den Worten: „Zwei Freunde, durch Weltbürgersinn miteinander verbunden, erlassen dieses Schreihen an Sie, edler Mann. Beide sind Ihnen unbekannt, aber beide verehren und lieben Sie. .Sie finden in Ihren Werken die Denkart, den Sinn, den Enthusiasmus, der das Band ihrer Freundschaft knüpfte, und gewöhnten sich bei ihrer Lesung an die Idee, den Verfasser derselben als Mitglied ihres freundschaftlichen Bundes anzusehen.“ Nach dieser hochsinnigen Anrede wird das Aner⸗ bieten in dieser feinfühligen Weise eingeführt: „Das lebhafte Inter⸗ esse, welches Sie uns einflößen, edler und verehrter Mann, verkeidige uns bei Ihnen gegen den Anschein von unbescheidener Zudringlichkeit! Es entferne jede Verkennung der Absicht dieses Schreibens! Wir fassen es ab mit einer ehrerbietigen Schüchternheit, welche uns die Delikatesse Ihrer Empfindungen einflößt. Wir würden diese sogar fürchten, wenn wir nicht wüßten, daß auch ihr, der Tugend edler und gebildeter Seelen, ein gewisses Maß vorgeschrieben ist, welches sie ohne Mißbilligung der Vernunft nicht überschreiten darf.“ Dann heißt es zur Sache: „Ihre durch allzuhäufige Anstrengung und Arbeit zerrüttete Gesundheit bedarf, so sagt man uns, für einige Zeit einer Poßen Ruhe, wenn sie wiederhergestellt und die Ihrem Leben drohende Gefahr abgewendet werden soll. Allein Ihre Verhältnisse, Ihre Glücksumstände verhindern Sie, sich dieser Ruhe zu überlassen. Wollten Sie uns wohl die Freude Göfäne Ihnen den Genuß der⸗ selben zu erleichtern? Wir bieten Ihnen zu dem Ende auf drei Jahre ein jährliches Geschenk von tausend Talern an.“ Daran schließt sich die Bitte: „Nehmen Sie dies Anerbieten an, edler Mann! Der Anblick unserer Titel bewege Sie nicht, es abzu⸗ lehnen. .Sie haben hier nur Menschen, Ihre Brüder, vor sich, nicht eitle Große, die durch einen solchen Gebrauch ihrer Reich⸗ tümer nur einer etwas edlere Art von Hochmut frönen.“ Es wird Schiller nicht verhehlt, daß man ihn in Kopenhagen aufs beste auf⸗ nehmen und nach seiner Genesung durch eine Anstellung im Staats⸗ dienst gern dauernd für Dänemark gewinnen werde. „Doch“, so schließt der Brief, „wir sind nicht so kleineigennützig, diese Ver⸗ änderung Ihres Aufenthalts zu einer Bedingung zu machen. Wir überlassen dies Ihrer eigenen freien Wahl. Der Menschheit wünschen wir einen ihrer Lehrer zu erhalten, und diesem Wunsch muß jede andere Betrachtung nachstehen.’“ Diesen Brief hat dem Prinzen niemand aufgesetzt, er ist, wie sein Biograph bemerkt, ein Abdruck seines Wesens, und als Graf Schimmelmann seinen Namen unter das Schreiben setzte, scheute er sich, auch nur ein Wort zu ändern oder hinzuzufügen. An diesem einen Brief, der so lebendig den ganzen Menschen und seine Zeit vor Auget stellt, mag man ermessen, welch ein reicher Beitrag zur deutschen Geistesgeschichte in der vorliegenden Biographie enthalten ist. Der Erbprinz Friedrich Christian wurde bereits als Knabe von 13 Jahren zum künftigen Gemahl der Prin⸗ zessin Luise Augusta, der Tochter König Christians V nd
Friedri Ein Lebenslauf.
werde; an
ie ihres dürgroßtaterg folgen, des Herzogs Friedrich Christian ürst ist in der Literaturgeschichte dadurch be⸗
Karoline Mathilde von Großbritannien, und
der unglücklichen cgitt een Erben, der dänischen Krone bestimmt. damit ½ Jahren (1786) wurde der Prinz seiner noch nicht Mit igen Braut angetraut. Der Prinz hatte in Leipzig 115 süte Vond wurde bald nach seiner Vermählung Patron der Universität beechagen Der junge Däne Jens Baggesen, der auf Kosten des ee Deutschland und die Schweiz bereiste, um sich mit den Prinz den Geistern in Deutschland bekannt zu machen, hatte in Deng säbrendin den Perold Kants, und Schiller besucht. Nach seiner Räck ne wurhe er der Vorleser des Prinzen und führte diesen in die Bkehe wrsche Gedankenwelt ein. Als Friedrich Christian den ersten Akt Sch Don Carlos“ von Baggesen hatte vortragen hören, war er wie 8 scht, und wie erschüttert mußte er sein, alz er selbst gelegentlich 8 vaan. zweiten Badereise nach Deutschland von Reinhold in Jena — bmeller uchte damals in Karlsbad Erholung — zu hören bekam, Schiler su durch das Uebermaß von Arbeit geschwächt, und diese bermäßige Arbeit sei notwendig, damit er das Leben seiner Familie bnc eiten könne; ohne sie würde er Hungers sterben im eigensten bestr Nach dieser niederschmetternden Eröffnung ruhte
8 24 orts. 8 9 „ Singe des nicht eher, als bis er die eingangs erwähnte Unterstützung
b de brachte. Schillen 1791 wurde Friedrich Christian durch den Tod seines
Herzog. Den dänischen Thron aber bestieg im Jahre 1808 Tobe Christians VII. dessen Sohn 8 geezrih VI., der Schwager des Herzogs. Da Friedrich als Kind sehr schwächlich ge⸗ besen war, hatte man kaum erwartet, daß er zur Regierung kommen 8. seiner Stelle wäre dann seine Schwester Luise Auguste erb⸗ Da aber für Holstein die weibliche Erbfolge aus⸗ einer Fehs 8* Puennung Fheeeta⸗ von Pnemark vorbeugen wollte, hatte eben Graf Bern orff die oben er⸗ r. Fwlschen Luise Auguste und Friedrich Christian zustande ebracht. Nun hatte sich aber die Gesundheit Friedrichs, dessen erste örziehung noch Struensee nach den Anschauungen Rousseaus geleitet hatte, so gekräftigt, daß er seinem Vater nachfolgen konnte und ein Alter von 71 Jahren erreichte (1768 —1839). Friedrich hatte als Kronprinz nach der Auflösung des Reichs (1806) die Einverleibung Holsteins in Dänemark trotz des Einspruchs Friedrich Christians durch⸗ esetzt, und die daraus entstehenden Spannungen blieben eine stete Verdrießlichkeit zwischen den beiden Schwagern. Auch sonst wurde das Leben des Herzogs durch allerlei Enttäuschungen getrübt. Im Jahre 1810 starb plötzlich sein jüngerer Bruder Christian August, seit 1809 Kronprinz von Schweden; als solcher hatte er sich Karl August genannt. Als man nun Friedrich Christian die schwedische Thronfolge anbot, war er trotz schwerwiegender Bedenken entschlossen, zuzugreifen, aber sein Königlicher Schwager hielt ihn zurück, und ließlich fiel die Wahl auf Bernadotte, der später Norwegen von änemark trennte. Der Herzog nahm jetzt, tiefen Groll im Herzen, seinen Abschied aus dem dänischen Staatsdienst, dem er 26 Jahre seine Kräfte gewidmet hatte. Er hatte sich vornehmlich um die Hebung der Universität und des höheren Schulwesens bemüht, freilich ohne stch seinen Wünschend entsprechend auswirken zu können. Im Ruhestand beschäftigte er sich mit dem Erbrecht seines Hauses, um die Ansprüche seiner Söhne sicher zu stellen: so erschien seine Denk⸗ rift von 1813, die von weittragender Bedeutung werden sollte. Im sbectae 1814, als er noch unter den Nachwehen eines überaus kalten Winters litt, erlag er einem hartnäckigen Fieber. Er war damals erst 48 Jahre alt und hatte bereits schneeweißes Haar. „Ein zarter Körper, geistige Arbeit und seelische Leiden — dieser Dreiklang kenn⸗ eichnet sein Leben.“ So nahe er dem dänischen Königshause ge⸗ aanden hatte, war er doch zeitlebens ein deutscher Fürst geblieben und hat seine deutsche Gesinnung auf seine Nachkommen vererbt. — Gneisenau. Eine Auswahl aus seinen Briefen und Denkschriften. Seee und eingeleitet von Wilhelm Capelle. Mit 16 Bildertafeln. Aus der Sammlung „Deutsche Charakterköpfe“, Denkmäler deutscher Persönlichkeiten aus ihren Schriften. Band 8. 1911. Leipzig und Berlin. Druck und Verlag von B. G. Teubner. Preis geb. 2,40 ℳ. — Den äußeren Anlaß zu der vorliegenden Würdigung Gneisenaus aus seinen Aufzeichnungen gab sein 150. Geburtstag am 27. Oktober dieses Jahres. Gneisenau ar nicht bloß der heldenmuͤtige Verteidiger von Kolberg zund der Napoleon ebenbürtige Gegner, der nach der ver⸗ lorenen Schlacht bei Ligny, in der Blücher unter sein erschossenes Pferd gestürzt war, mit genialer Kühnheit den Befehl zum Marsch nach Norden, nach Wavre, gab, sodaß der Sieg bei Belle⸗Alliance zustande kam; der herrliche Mann, der im Hinblick auf den Tod Scharnhorsts an dessen Lieblingsschüler Clausewitz schrieb: „Sie waren sein Johannes, ich nur sein Petrus, doch bin ich ihm nie untreu ge⸗ orden wie jener seinem Meister“, hatte auch eine wunderbare Ausdrucks⸗ ähigkeit und wußte in herzbewegenden Worten zu reden. Es war daher ein glücklicher Gedanke, aus der Fülle seiner klassisch an⸗ mutenden Aufzeichnungen eine Auswahl in einem handlichen Band usammenzustellen, und man muß mit dem Verfasser wünschen, haß er in einer zweiten uflage, für die ihm auch ingge noch nicht veröffentlichte Gneisenaubriefe in Aussicht estellt sind, manches werde nachtragen können. Die vorliegende Sammlung beruht gleich der zusammenhängenden Darstellung des kebensganges im wesentlichen auf der Biographie Gneisenaus von Delbrück (Berlin, 3. Aufl. 1908), dazu kommen Veröffentlichungen Friedrich Thimmes in⸗Hannover über einige wieder aufgefundene Denk⸗ schriften Gneisenaus aus dem Jahre 1808. Von den zahlreichen bei⸗ egebenen, ausschließlich zeitgenoͤssischen Abbildungen wird hier eine rrößere Anzahl überhaupt zum ersten Male veröffentlicht dank dem Entgegenkommen des Majoratsherrn August Grafen Neidhardt von öneisenau auf Schloß Sommerschenburg, des Urenkels des Feld⸗ warschalls, und der Großnichte Scharnhorsts, Frau Major Kahle in Bordenau. Diese Familienbilder werden den Reiz des Buches für anchen Leser erhöhen. Vor allem aber sei noch einmal auf den Inhalt des Buches aufmerksam gemacht: selten wirkt eine Lektüre so hebend wie diese Herzensergüsse eines preußischen Generals und Meisters der Rede. — Das im Verlage von B. G. Teuhner herausgegebene Werk Schaffen und Schauen“ liegt in zweiter Auflage vor. Es ist azu bestimmt, jungen, gebildeten Leuten etwa vor dem Verlassen der Schule einen Wegweiser ins Leben hinein zu bieten. Es will sie noch nmal zusammenfassend über das Volk und die staatliche Gemeinschaft uterrichten, dessen tätige Bürger sie werden sollen, und ihnen nderseits die geistigen Güter ihrer Nation naheführen, in ren Aneignung und Vermehrung sie den Sinn und Wert des Lebens zchen und finden sollen. Die beiden Teile dieser eigenartigen Schrift e.5 ℳ) bilden jeder für sich ein abgeschlossenes Ganze und ergänzen ich zugl ich aufs glücklichste. Der erste: Von deutscher Ark und ibeit, bietet in dem ersten Abschnitt „Im Deutschen Reich“ eine appe geographische, ethnographische und geschichtliche Uebersicht, um ann in den folgenden Abschnitten die äußere Volksgemein⸗ chhaft zu schildern, die Einrichtungen des Staats, die Pflichten nd Rechte des Staatsbürgers zu behandeln und endlich einer sehr instruktiven Besprechung der Hauptberufsarten gute Rat⸗ bhläge und Winke für die Berufswahl zu geben. Den 2. Band Des M enschen Sein und Werden’ leitet ein Kapitel „Leib und Seele⸗ n, in dem die Ergebnisse und Hypothesen der modernen Ehlrschne geradezu vorbildlicher Weise knapp und doch klar, objektiv ab⸗ 8 gend und doch mit innerlicher Anteilnahme dargelegt werden. Hann folgen spezielle Kapitel über Wissenschaft, Philosophie, unst und Religion. Ein Abschnitt über Lebensführung chließt den Band. An dem Werke haben eine ganze Reihe von ambaften Fachmännern mitgearbeitet. Sie haben ihr Wissen aber vollständig dem gemeinsamen Zweck dienstbar gemacht, daß die Bücher nen durchaus einheitlichen Charakter tragen; die persönliche Eigenart f Verfasser der einzelnen Abschnitte, die z. B. im Stil zutage 88 stört nicht im mindesten den Eindruck der Einheitlichkest, und trägt 7,g. Belebung der Darstellung bei. — Es ist erfreulich, daß von 8 gediegenen Werk eine zweite Auflage nötig wurde. Möge diese ürmt h Kreise dringen. Auf die heranwachsende Jugend anken eute auf fast allen Gebieten eineleberfülle von neuen Ge⸗ b und Umwertungen ein, die um so mehr verwirrend wirken müssen,
erechtigt gewesen. besöhlosen war, und man
als sie nur zu oft von gänzlich Unberufenen unausgereift und halb⸗ verstanden übermittelt e. Das vorliegende Werk kann hier im . he heecaens 9 5 wirken; man möchte es in der Hand recht vieler junger Leute wissen. . 3 8 — Im Verla 29 von Hinstorff in Wismar hat die Gräfin Esther von Voß ein Büchlein „Zwölf Monate in einem Blumengarten“ herausgegeben, aus dem Blumenfreunde manche Anregung und viele praktische Winke für Blumenzucht und ⸗pflege schöpfen können. Die Schrift 18 nicht für Berufsgärtner, vielme jr für unerfahrene Gartenbesitzer bestimmt, die sic gern e mit ihren Anlagen beschäftigen. Die Verfasserin ührt ihre ese durch alle Monate des Jahres und gibt in anschaulicher und fesselnder Darstellung Anleitungen, wie in ihnen die Blumen „zu pflegen und zu versorgen sind. Aus der Unzahl der sich für Garten⸗ anlagen in unserem Klima eignenden Blumen hat sie natürlich nur eine Auswahl getroffen, die ihrem Geschmack am meisten zusagte und in deren Pflege sie Erfahrungen gesammelt hat. Diese Auswahl ist aber sehr reichhaltig, sodaß jeder Gartenbesitzer das ihm zusagende in ihr finden dürfte. Besonders berücksichtigt sind in dankenswerter Weise die Farben und Formen der Blumen, wodurch auch das ästhetische Gefühl des Ratsuchenden geleitet und geschärft wird. Das mit 12 Abbildungstafeln geschmückte und entsprechend ausgestattete Buch
kostet 5 ℳ
Welternte 1910. “
Das Internationale landwirtschaftliche Institut in Rom meldet, wie „W. T. B.“ berichtet, gegenüber seiner letzten Schätzung im November folgende Aenderungen in Millionen Tonnen: für Weizen Rußland 21,14 (21,74), Schweden 0,20 (0,18), Dänemark 0,12 (0,11); für Roggen Rußland 22,06 (22,07), Schweden 0,62 (0,58); für Hafer Rußland 15,20 (15,42), Groß⸗ britannien 3,15 (3,09), Schweden 1,29, Dänemark 0,67 (0,66). Die Welternte beträgt demnach an Weizen 85,74 Millionen Tonnen (84,80) oder 99,3 % (99,97) der Ernte des Vorjahres, an Roggen 38,25 (35,90) oder 96,1 % (97,0), an Gerste 28,06 (26,72) oder 94,2 % (95,1) und an Hafer 57,20 (53,45) oder 93,6 % (94,1).
Das Internationale lagehtstscefitiche, Institut in Rom gibt unter dem Titel „Bulletin für wirtschaftliche und soziale Einrichtungen“ eine Zeitschrift heraus, welche die Landwirte und die ihnen nahestehenden 1 bezüglich der wichtigsten Tatsachen und Erscheinungen auf den Gebieten des länd⸗ lichen Genossenschafts⸗, Vereins⸗, Kredit⸗ und Versicherungswesens in allen Kulturstaaten der Erde auf dem Laufenden halten will. Das Bulletin schickt bei der Behandlung der bezeichneten Materien für jedes Land zunächst eine kurze monographische Darstellung des Standes und der Entwicklung des Genossenschafts⸗ bezw. Vereins⸗, Versicherungs⸗ oder Kreditwesens voran. Tagesfragen und Ereignissen von größerer Bedeutung werden besondere Aufsätze, solchen von geringerer Be⸗ deutung kürzere Mitteilungen in systematischer ünfelge ewidmet. Das erste Heft ist 440 Seiten, das zweite 350 Seiten stark. Unter den Aufsätzen verdienen eine besondere a.n. 98, cnigen über „die Besteuerung der Genossenschaften in Ita ien“, über „Staat und genossenschaftlichen Kredit in Irland, über „die Zusammenlegung der Grundstücke in Schweden“, ferner ein anderer über den „Gesetzentwurf, betreffend die Milchindustrie in Irland“. Das umfangreiche, Fragen von höchster Wichtigkeit behandelnde Nachrichtenmaterial sowie die interessanten Vergleiche über die in den verschiedenen Ländern ge⸗ wonnenen Erfahrungen sind sowohl für die Wissenschaft, als auch für die landwirtschaftliche Praxis von großem Werte.
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8 8 Saatenstand in Italien während des letzten Drittels des Monats November 1910.
In einem großen Teile Oberitaliens und an der Küste des Tyrrhenischen Meeres mußten die Feldarbeiten der Mi derschläge halber oft unterbrochen werden, während sie in Umbrien, den Marken, den Abbruzzen und in Apulien ihren regelmäßigen Lauf nahmen; auf Stzilien erlitten sie infolge mangelnder Feuchtigkeit eine Verzögerung. Die Aussaat der Körnerfrüchte und Gemüse ist fast überall zu Ende geführt und das Getreide keimt gut. In vielen Gegenden ersehnt man für die Getreidefelder Schneefall zur Verhütung der Entwicklung von Unkraut und schädlicher Insekten. Die Wiesen und Weiden zeigen mit Ausnahme der Inseln reichliche Vegetation. Die Oliven⸗ und Agrumenernte dauerte an. (Bericht des Kaiserlichen General⸗ konsulats in Genua vom 12. Dezember 1910.)
Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs⸗ maßregeln.
Das Kaiserliche Gesundheitsamt meldet den Ausbruch der Maul⸗ und Klauenseuche aus Schawoine, Kreis Trebnitz, Regierungsbezirk Breslau, Schafstädt, Kreis Merseburg, Regierungs⸗ bezirk Merseburg, Stockheim, Kreis Salzwedel, Regierungsbezirk Magdeburg, Wussow, Kreis Randow, Regierungsbezirk Stettin, Siddernhausen, Landkreis Celle, Regierungsbezirk Lüneburg, Gelsen⸗ kirchen (Schlachthof), Stadtkreis Gelsenkirchen, W“ Arnsberg, dem Stadtgebiet Bremen und aus Dannstadt, Bezirksamt Lüdwigebafen, Regierüngsbelir. Pfalz, am 186 1910.
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Schweiz.
Der schweizerische Bundesrat hat unterm 10. d. M. folgenden Beschluß erlassen: 1
Der schweizerische Bundesrat, auf Grund amtlicher Berichte, in Ausführung von Art. 49 der Verordnung über 2— nahmen zum Schutze gegen die Cholera und die Pest, soweit sie die Verkehrsanstalten, den etener. den Gepäck⸗ und den Waren⸗ verkehr betreffen, vom 30. Dezember 1899/4. F vruar 1908, auf den Antrag seines Departements des Innern, bes ließt:
Art. 1. Die italienischen oggia, Bari und Neapel werden als cholerafrei erklärt und nfolgedessen die durch Bundesratsbeschluß vom 3. September 1910 gegenüber den Herkünften aus diesen Bezirken angeordneten Maßregeln aufgehoben.
Art. 2. Hieser Beschluß tritt sofort in Kraft.
(Vergl. „R.⸗Anz.“ vom 27. August d. J. Nr. 201 und vom 24. Oktober d. J., Nr. 250.)
Der schweizerische Bundesrat hat unterm 10. d. M. folgenden Beschluß erlassen:
Der schweizerische Bundesrat, auf Grund amtlicher Be⸗ richte, in Ausführung von Artikel 49 der Verordnung über Maß⸗ nahmen zum Schutze fegen die Cholera und die Pest, so⸗ weit sie die Verkehrsanstalten, den Personen⸗, den Gepäck⸗ und den Warenverkehr betreffen, vom 30. Dezember ebruar 1908, auf den Antrag seines Departements des Innern, beschließt:
Art. 1. Han Provinz Rom, mit Ausnahme der Stadt Rom, und die Stadt Palermo werden als choleraverseucht erklärt. Es kommen daher gegenüber diesen Gebieten die Bestimmungen ob⸗ genannter Verordnung zur Anwendung, in dem Igng. wie sie durch den Bundesratsbesch 8 vom 3. September 1910 in Vollziehung gesetzt worden sind.
Art. 2. Dieser Beschluß tritt am 8. Dezember 1910 in Kraft.
Niederlande.
Die Köͤniglich niederländische Regierung hat ihre frühere Ver⸗ fügung, wodurch für choleraverseucht erklärt waren alle am Schwarzen Meere oder dem Asowschen Meere gelegenen russischen Hafenplätze einschließlich derjenigen, die an den Flüssen liegen, welche
in eines dieser Meere münden, diese Erklärung noch vicht widerrufen ist, durch Bekanntmachung vom 14. d. M., veröffentlicht im „Niederländischen Staatscourant“ vom 15. d. M., aufgehoben.
Türkei.
Der internationale Gesundheitsrat in Konstantinopel hat für die Hesk goft⸗ von Salonik eine ärztliche Untersuchung bei hrer Ankunft im ersten türkischen Hafen, wo sich ein Sanitätsarzt befindet, angeordnet. .“
Schweden.
Nach einer Bekanntmachung des Königlich schwedischen Kommerz⸗ kollegiums vom 10. d. M. kommen mit dem 12. d. M. außer Tätigkeit: der Beobachtungs⸗ und Quarantäneplatz auf der Insel Feilen in den Stockholmer Schären sowie die Beobachtungsplätze bei Juniskären in den Schären von Sundsvall, Orelösund in den Schären von Nyköping und der Hafen Slite auf Gotland.
Es bleiben noch bestehen: Känsö bei Gotenburg bis auf weiteres als Beobachtungs⸗ und Quarantäneplatz, Kalmar bis auf weiteres als Beobachtungsplatz und Hälsingborg bis Ende 1910 als Beobachtungsplatz. .
„In Wien ist am Sonnabend unter dem Vorsitze des Professors Eiselsberg eine Oesterreichische Gesellschaft zur Bekämpfung der Krebskrankheit gebildet worden. Unter ihren Ehrenmit⸗ gliedern befinden sich, „W. T. B.“ zufolge, der Professor Orth⸗ Sn Wcbe br Fserng. nbes erg en⸗ Professor E böüsch Fankfurt.
ie Gesellscha ießt sich der rnationalen Gesellschaft für Krebsforschung an — 8 f. 8
Konstantinopel, 18. Dezember. (W. T. B.) Gestern sind 36 Personen an Cholera erkrankt und 11 gestorben, heute 43 daran erkrankt und 29 gestorben.
(Weitere Nachrichten über Gesundheitswesen ꝛc. s. i. d. Ersten Beilage.) 1““ Die näheren Angaben über “ en, die beim „Reichs⸗ und
taatsanzeiger“ vnege können in den Wochentagen in besen
Expedition während der Dienststunden von 9 bis 3 Uhr eingesehen werden.)
Der Zuschlag auf den von dem Verwaltungsressort der Kaiserlichen SeSg zu Wilhelmshaven am 15. November 1910 verdungenen Kapok ist, wie folgt, erteilt worden:
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Gegenstand
Firma
Georg Aden, Bant⸗
7200 kg Kapok für die Kaiserlich. Wilhelmshaven.
Werften Kiel und Wilhelms⸗ haven 8
Kriegsministerium in Konstantinopel: Vergebung der Liefe⸗ rung, im ganzen oder in Teilen, des nötigen Holzmaterials, der Stricke und der Eisenteile für die Brückenbauabteilungen der Pionierbataillone. Der endgültige Zuschlag erfolgt innerhalb fünf Tagen nach dem 3. Januar 1911. Nähere Bedingungen im genannten Ministerium, bei der Inspektion der befestigten Plätze.
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Theater und Musik.
Volksoper.
In der Volksoper wurde am Sonnabend zum ersten Male Meyerbeers qgroße Oper „Robert der Teufel“ aufgeführt. Ueber das Werk selbst, das trotz eines unleugbaren Reichtums an musikalischer Erfindung, als Ganzes betrachtet, zu den übelsten Er⸗ Peonifsen der Zeit vor Wagner gehört, sind die Akten längst geschlossen. Die Volksoper aber, die sich die Aufgabe gestellt hat, weiteren Kreisen die Bekanntschaft der älteren Opern zu vermitteln, durfte auch an dieser nicht achtlos vorübergehen, obgleich sie Anforderungen stellt, die weit über die Mittel dieser Bühne hinausgehen. Wenn dennoch eine achtbare Aufführung zustande kam, so ist das ein besonderes Verdienst der 1222 Kapellmeister Schüller und Oberregisseur Glesinger. Auch hatten die Hauptrollen gute Vertreter gefunden. Den Robert sang 56 Bockmann mit seinem glanzvollen Tenor, den dämonischen
ertram gab Herr Joslewi mit Verständnis für seine esanglich und darstellerisch nicht leichte Aufgabe. Die beiden dLee.. . hatten in den Damen Senberk (Alice) und Frease⸗Green (Isabella) ganz vortreffliche Vertreterinnen ge⸗ funden. Erstere zeichnete sich besonders durch Kraft und Schönheit der Stimme, letztere durch gewandte “ und die Fähigkeit, im Gesange fein zu nuancieren, aus: ein Vorzug der besonders der berühmten „Gnaden⸗Arie“ zugute kam. Eine leichte Indisposition in der Höhe veranlaßte sie, zuweilen den Ton auf Kosten der Schönheit zu forcieren. Unter den anderen Mitwirkenden tat sich noch Herr Maikl als Raim⸗ baud rühmlich hervor. Das Publikum spendete all igten leb⸗ haften Beifall 8
Im Königlich Ernst von Wildenbruchs Schauspiel „Die Rabensteinerin“, mit Frau Willig in der Titelrolle, in Szene. Außer ihr wirken in den rollen die Damen von Arnauld, S8 und Ressel sowie die Herren Zimmerer, Kraußneck, Staegemann, Patry und Pohl mit.
en Schau heht morgen, Dienstag, a
Mannigfaltiges. Berlin, 19. Dezember 1910.
Ueber die Witterung in Norddeutschand im November 1910 berichtet das Königlich preußische Meteorologische Institut auf Grund der angestellten Beobachtungen: Der November war un⸗ freundlich, vorwiegend trübe und im Gegensatz zum Oktober außer⸗ ordentlich reich an Niederschlägen. Die Temperatur nahm mehr und mehr ab; nur um die Mitte und am Schluß des Monats kam es außer im Nordosten vorübergehend zu einer stärkeren Erwärmung. Nachtfröste waren im ganzen Gebiete sehr zahlreich, und besonders in der zweiten Monatshälfte lag die Temperatur in den Nächten vielfach bereits weit unter dem Gefrierpunkt. Auch Eistage wurden fast allgemein, in Masuren bis zu 9 beobachtet. Das Monatsmittel fiel daher in ganz Norddeutschland zu niedrig aus mit Ausnahme von Oberschlesien, wo ein geringer Tem⸗ peraturüberschuß festgestellt wurde. Annähernd normale Tem⸗ peraturverhältnisse hatten Mittelschlesien und das füdliche Ostpreußen. Im nordwestlichen Binnenlande war es dagegen um 1— 1 ½ , in den übrigen Landesteilen um ½—10 zu kalt. In den höheren Gebirgs⸗ lagen stieg die Abweichung infolge -g. 9 Fehlens von Inversionen bis auf — 2 ½ o an. Bezeichnend für die trübe Witterung des No⸗ vembers war neben der großen Zahl von trüben und Nebel⸗ tagen die viel zu geringe Sonnenscheindauer. Nur an der Nordseeküste und im Rheingau wurde der normale Wert erreicht oder um ein geringes überschritten. Im übrigen Gebiet Zahl der Sonnenscheinstunden zu gering, und im Binnenland wurde mehrfach nicht einmal die Hälfte des vieljährigen Durchschnitts beobachtet. Die Niederschläge waren sucgert zahlreich und besonders
in der ersten Monatshälfte sehr g. Sie gingen wiederholt, namentlich im Osten, in Form von Schnee nieder, und mit wenigen
war die