1911 / 18 p. 9 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 21 Jan 1911 18:00:01 GMT) scan diff

unterschieden hat; zu den anständigen Menschen gehören nur die Ritter⸗ gutsbesitzer, wenn sie konservativ sind; alle anderen Menschen gehören zum minderwertigen Publikum. So prächtige Paläste wie im Wahl⸗ kreise Grimmen werden auch in anderen Kreisen gebaut; das scheint eine Epidemie zu sein. Der Landrat soll als ein kleiner König in seinem Kreise dastehen, und jeder soll die Stellung des Landrats gleich an seinem erkennen. Wie die Landräte, arbeiten 8” die Amtsvorsteher. Vor allem geht man gegen die Sozialdemokratie vor; mit allen Mitteln sucht man das Vereinsgesetz illusorisch zu machen. Im Kreise Liegnitz ist die Genehmigung zu einer Versammlung vom Amtsvorsteher nicht erteilt worden, weil der Gendarm Hochzeit hatte. Also wegen der Brautnacht des Gendarmen wird vielen Staatsbürgern ihr freies Versammlungsrecht genommen. Die Kreisblätter sind Organe der konservativen Partei, über die der Landrat seinen schützenden Arm hält, damit keine anderen Anschauungen als die der konservativen Partei darin zum Ausdruck kommen. In der preußischen Verfassung heißt es: alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich. Herr von Hennigs sowohl als auch Herr Rewoldt und der Minister haben hier aber erklärt, daß es Pflicht der Landräte sei, gegen die Sozialdemokratie vorzugehen. Ist das eine Gleichheit vor dem Gesetz? Durch die Landräte werden die Kalender des Reichsverbandes oder des Hilleschen Verlages vertrieben. (Zuruf des Abg. von Pappen⸗ heim.) Ach, Herr von Pappenheim, Sie werden nie verstehen wollen, daß von den Landräten Ungerechtigkeiten begangen werden. Das können Sie gar nicht. Dazu sitzen Sie ja doch auch hier in diesem Hcuse! Das Verhalten der Landräte bei den Wahlen, wie es sich in Labiau⸗Wehlau gezeigt hat, ist geradezu ein Skandal. Sind denn die Landräte solche kleinen Kinder, daß sie nicht lesen können, was in dem Gesetze über die Auslegung und Abschrift⸗ nahme der Wahllisten steht? Daß dem jetzigen Abg. Wagner die Verwaltung des Kreiskrankenhauses entzogen worden ist, das wird Ihnen jeder sagen, ist eine Gemeinheit, ist ein Racheakt. 8 sitzen im Hause 268 aktive Landräte. Diese sind entbehrlich; aber er Krankenhausverwalter soll nicht entbehrlich sein. Aber die Kreisausschüsse sind ja nur ein Werkzeug in der Hand der Landräte. Der Landrat sucht sich seine Kreisausschußmitglieder aus. (Zuruf rechts: Das ist nicht wahr!) Daß Sie das bestreiten würden, habe ich schon gewußt. Ich habe gleich die Akten dazu mitgebracht. (Der Redner verliest verschiedene Aussagen aus einem Prozeß, in dem der Landrat von der Schulenburg als Zeuge vernommen worden ist.) Da hat der Landrat also zugegeben, daß er einen Kreis⸗ angehörigen „für absolut ungeeignet“ zum Kreisausschußmitglied hält. Ist das nicht ein Beweis dafür, daß sich der Landrat seine Kreis⸗ ausschußmitglieder aussucht? (Lebhaftes Nein! rechts.) Ist das nicht ein Beweis dafür, daß der Landrat jemanden für un⸗ fähig erklärt, Kreisausschußmitglied zu werden? (Lebhaftes Ja! rechts.) Ist das nicht einunddasselbe? In Lauenstein wurde einem Gastwirt Wehlau die Löschung einer Dienst⸗ barkeit auf seinem Grundstück nicht genehmigt, obwohl die Verpflichtung nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch nicht mehr zulässig ist. Erst das Landgericht ordnete von Amts wegen die Löschung an. Als wir dann bei diesem Gastwirt Wehlau einen Saal bestellten, wurde er uns zugesagt, darauf aber bekam ich die Nachricht, daß er den Saal wieder zurückziehe. Inzwischen war nämlich der Bürgermeister bei Wehlau gewesen, hatte nur den Finger hoch gehoben und nur die zwei Worte gesagt: Wehlau! Wehlau! (Schallendes Lachen rechts. Abg. Hoffmann (Soz.): Schämen Sie sich! Großer Lärm links.)

Präsident von Kröcher: Meine Herren, beruhigen Sie sich. (Abg. Hoffmann: Am Lachen erkennt man den —) Herr Abg. Hoffmann, ich kann Sie in diesem Falle nicht ernst nehmen. (Abg. Hoffmann: Das ist mir ganz gleichgültig; ich nehme die Gesell⸗ schaft da drüben auch nicht ernst.) Herr Abg. Hoffmann, ich rufe Sie zur Ordnung.

Abg. Leinert (fortfahrend): Die Behandlung der Welfen und Polen ist geradezu ein Schandfleck der preußischen Verwaltung.

Präsident von Kröcher Wenn Sie der preußischen Verwaltung einen Schandfleck zumuten, rufe ich Sie zur Ordnung.

Abg. Leinert (fortfahrend): Der ganze Kummer der Welfen ist 2 daß 85 Hannover nicht mehr das Instrument des Himmels vor⸗

anden ist.

Präsident von Kröcher: Herr Abg. Leinert, ich rufe Sie zum zweiten Male zur Ordnung unter Hinweis auf die Folgen nach § 48 der Geschäftsordnung.

Abg. Leinert (fortfahrend): Wenn die Regierung nicht dafür sorgt, daß die Landräte neutral bleiben und sich nicht parteipolitisch betätigen, dann macht sie sich mitschuldig an all den Taten der Land⸗ räte. Mit Bezug auf die Erwähnung des Pulverfasses muß ich sagen, die Tätigkeit der Landräte ist das Petroleum, das wir benutzen werden, um aus dem preußischen Verwaltungs⸗ und Willkürstaat einen Rechtsstaat zu machen. Die ganze Tätigkeit der konservativen Partei wird nur den Erfolg haben, unsere Partei zu stärken.

Präsident von Kröcher: Meine Herren, wollen wir noch weiter tagen? (Lebhafte Rufe rechts: Ja!) Das Wort hat der Abg. Kreth.

Abg. Kretb (kons.): Nun wissen wirwenigstens, daß das Baumaterial für den Zukunftsstaat Petroleum sein wird. Gegen die Angriffe des Herrn Leinert den Minister in Schutz zu nehmen, halte ich nicht für nötig. Hätte er die einzelnen Beschwerdefälle vorher dem Minister mitgeteilt, so hätte er von diesem eine Antwort bekommen können. Das sind ja immer wieder die alten Klagen, die die bürgerlichen Parteien einfach als richtig hinnehmen sollen. Herr Friedberg meinte, im Osten stellien sich die Landräte in den Dienst der Parteipolitik, während sie im Westen Parteilosigkeit und Objektivität bewiesen. Diese Partei⸗ losigkeit ist vielleicht die Parteilosigkeit gewisser Lokalblätter, die in Wirklichkeit nationalliberal sind. Wir haben in den letzten Jahren viele Landräte von Westen nach Osten, bekommen, die aus Industrie⸗ und Handelskreisen stammen und sich daber immer ablehnend gegen die konservative Partei verhalten haben. Sie haben sich eben aus der Prefe ein falsches Bild von den Konservativen des Ostens gemacht,

aben dann aber durch eigene Anschauung nicht den eigennützigen Agrarier gesehen, sondern den fleißigen, sparsamen Mann, der sich durch die teuren Zeiten mit Mühe hindurchschlagen muß, und sie haben gesehen, daß die Abstufungen zwischen den verschiedenen Ständen des Groß⸗ und Kleinbesitzes und das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeiter und zwischen Stadt und Land durchaus harmonisch ist, und daß die Bevölkerung mit inniger Liebe an König und Vaterland hängt und den Beamten des Königs Vertrauen entgegenbringt. Daß sie danach ihre Ansicht korrigiert haben, kann nicht wundernehmen. Ich erinnere auch an die Entwicklung der sozialistischen Minister Millerand und Briand, und bei uns war Herr von Miquel gewiß nicht konservativer Agrarier, wurde nachher aber als Minister als erzreaktio⸗ närer Agrarier bingestellt, und selbst Herr Möller wurde als Mi⸗ nister von der Linken angegriffen. Die Gründe dafür liegen darin, daß jeder in den Dingen, von denen er etwas versteht, mehr konser⸗ vativ ist. In Berlin ist der Freisinn in kommunalen Dingen ziem⸗ lich konservativ, und wenn in den Kreisverwaltungen Leute aus den ländlichen Kreisen sitzen, so sitzen in den städtischen Ver⸗ waltungen hauptsächlich liberale Leute. In Berlin wird niemals ein konservativer Mann angestellt. (Rufe links: Stadtkämmerer!) Die beiden letzten Stadtkämmerer hat man aus der inneren Ver⸗ waltung genommen, sonst sucht man sich die Leute ausschließlich aus der liberalen Partei aus. Die Kündigung des Kreisarztes Thomalla

ar vom Kreisausschuß schon zu einer Zeit beschlossen worden, als Graf Stolberg noch am Leben war, und von einer Wahl noch nicht die Rede sein konnte. Thomalla drohte, die Krankenpflege im Kreise

anz lahm zu legen, und man konnte doch nicht seine Entlassung um

eswillen rückgängig machen, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, daß er wegen seiner Tätigkeit bei der Wahl entlassen sei. Er ist nur aus kommunalen, aber nicht aus politischen Gründen entlassen worden. In dem Wahlprotest von konservativer Seite ist angeführt, daß ein Staatsanwalt den nationalliberalen Wahlaufruf unterzeichnet hat, und daß der Amtsrichter Heinke in Johannisburg verschiedene Wahllokale beaufsichtigt und erklärt hat, er werde sich diejenigen merken, die für den konservativen Kandidaten stimmen. Die Postbeamten sind fast ausnahmslos im Dienst der liberalen Partei tätig gewesen;

es ist merkwürdig, daß die Einladungen von konservativer Seite zu spät gekommen sind, und daß die vom Bund der Landwirte aufgegebenen Briefe mit Wahlzetteln erst nach der Wahl bestellt worden sind. Die Bahnbeamten haben am Bahnhofsgebäude an der Stelle, wo die Bekanntmachungen stehen, Zettel mit der Aufschrift „Wählt Kochan!“ angeklebt. Die Bahnbeamten sind auch von dem Vorgesetzten an⸗ gewiesen worden, nationalliberal zu wählen. Ein Forstbeamter hat zu den Waldarbeitern gesagt: Wenn ihr konservativ wählt, könnt ihr eure Kühe im Monde weiden. Der Bürgermeister von Johannis⸗ burg hat zu einem Gastwirt gesagt: Mit dem Landrat haben Sie gar nichts zu tun, ich bin Ihr Amtsvorsteher, ich kann Sie bestrafen und kann Ihnen die Vergnügungen verkürzen. Es ist auffällig, daß bei dieser Wahl die allergrößten Agitatoren egen die konservative Partei aus dem Beamtenstande gekommen sind; he haben es uns augenscheinlich übel genommen, daß wir durch das Zu⸗ standebringen der Finanzreform erst die Gehaltsreform ermöglicht haben. Wir wissen alle aus diesen Verhandlungen, was wir von Becker und was wir vom Landrat von Maltzahn zu halten haben. Die Einbringer der Interpellation werden nicht das Empfinden haben, daß sie besonders gut abgeschnitten haben. Selbstverständlich kennen die Landräte die Gesetze. Aber man muß doch auch berücksichtigen, welche Aenderungen das Wahlreglement erfahren hat, und besonders zur Zeit der Blockpolitik. Das ist auf jeden Fall ein mildernder Umstand für das Verhalten der Landräte in Labiau⸗Wehlau. Man hat dem Landrat von Hippel einen Vorwurf daraus kon⸗ struiert, daß er einmal zufällig mit dem konservativen Kandidaten zusammen gefahren ist, und hat daraus gemacht, er sei mit diesem Kandidaten im Wahlkreise herumgefahren. Wie war es denn aber, als der liberale Landrat Baumbach für Ihren (zur Linken) Lasker eintrat? Da haben Sie kein Wort der Mißbilligung ge⸗ zeigt. Der erste Wahlaufruf der Konservativen soll besonders ge⸗ hässig gewesen sein? Es stand darin, daß beide Parteien, die Sozialdemokraten und die Freisinnigen, Gegner der Regierung und der jetzigen Staatsverfassung sind, weil sie erklärt hätten, das Königtum von Gottes Gnaden gehöre in die Rumpelkammer, und an die Stelle des Königs die Parlamentsherrschaft setzen wollen. Stimmt das nicht? Streben Sie nicht nach der parlamentarischen Herrschaft? Nach den Novemberdebatten haben Sie es doch klar aus⸗ gesprochen. Wenn Sie eine parlamentarische Regierung einführen und den Reichskanzler von den Mehrheit im Reichstage abhängig machen wollen, so geben Sie damit außerpreußischen Abgeordneten einen Ein⸗ fluß auch auf den preußischen Ministerpräsidenten, und das ist eine Schmälerung der Rechte des preußischen Königs und damit des Deutschen Kaisers. Ich möchte auch bei dieser Gelegenheit gleich feststellen, daß auch die Nationalliberalen sich für ein parlamentarisches Regime ausgesprochen haben. Sie wenden sich gegen das Wahlrecht. Als Sie aber die Mehrheit hier hatten das war eine köstliche Zeit! —, da war Ihnen das Wahlrecht gut. Sie finden alles schicklich, was von Ihrer Seite passiert, alles unschicklich, was von der anderen Seite passiert. Es ist doch wirklich nicht wunderbar, wenn dem Abg. Wagner die Verwaltung des Krankenhauses entzogen worden ist, wo er doch die ganze Zeit abwesend ist. Aber es geht ja das Gerücht, daß Wagner nicht wieder in den Reichstag kommen wird, sondern daß er nur der Steigbügelhalter für einen Größeren gewesen ist. Im Kreise Rastenburg ist nicht der „Volks⸗ freund“ durch den Landrat verbreitet worden, sondern es hat sich viel⸗ mehr eine Vereinigung aus allen Parteien gebildet, und der Landrat hat nur als Geschäftsführer dieser Vereinigung für die Ver⸗ breitung des „Volksfreundes“ gearbeitet. Bei der Siegesfeier nach dem Kampf von Labiau⸗Wehlau wurde ein Lied gesungen, das man als Motto dem ganzen Wahlkampfe voransetzen könnte. In dem Lied war von den Automobilen die Rede, die man ja trotz der hohen Kosten sich habe leisten können: „des Hansabunds rotes Gold ja berappte“. Man hat auf freisinniger Seite versucht, den Wahlkampf unter konservativer Flagge zu führen. Der Wahlkampf soll 200 000 gekostet haben. Hier habe ich ein Bild von dem Bürgermeister Wagner, umrandet von deutschen Reichsadlern. Auf einem anderen Flugblatt findet sich ebenfalls oben der Reichsadler und darunter die Saͤtze: Wir sind entschlossene Gegner der Sozialdemokratie; wir kämpfen für Recht und Verfassung, in Treue stets für König und Herrscherhaus. Wenn die Fortschrittliche Volkspartei mit ihrem eigenen Programm in den Wahlkampf gezogen wäre, wäre sie nicht als Sieger hervorgegangen. Aber Lügen haben kurze Beine.

Abg. Hoffmann (Sol.) zur Geschäftsordnung: Als ich vorhin bei der Rede des Abg. Leinert auf eine Provokation von der rechten Seite einen Zuruf machte, sagte der Präsident, der so liebenswürdig war, mich nicht zur Ordnung zu rufen: Herr Hoffmann, ich nehme Ihnen in diesem Falle nicht ernst. (Rufe rechts: Ihnen?) Ich bitte nun zur Geschäftsordnung, daß der Präsident mich jetzt ernst nimmt, wenn ich sage, ich halte diese Aeußerung für eine Un⸗ verschämtheit.

Präsident von Kröcher: Diese freundliche Redewendung mir gegenüͤber, dem Präsidenten Unyverschämtheit vorzuwerfen, der aus reiner Gutmütigkeit gefehlt hat, ist allerdings sehr hart. Es tut mir leid, daß wir jetzt schon so weit am Ende der Sitzung stehen, daß ich kein Machtmittel mehr habe; sonst würde ich Sie von dieser Sitzung ausschließen; aber den einen Redner, der noch reden soll, können Sie auch noch anhören. 8

Abg. Dr. Lohmann inl.): Angesichts der Situation, die soeben geschaffen ist, halte ich es für das Beste, wenn ich auf das Wort verzichte.

Auf Antrag des Abg. Freiherrn von Zedlitz und Neu⸗

8. 1

kirch (freikons.) wird die Debatte geschlossen. 8 Persönlich bemerkt 8

Abg. von Hennigs⸗Techlin (kons.), daß es aus dem Stenogramm hervorgehe, daß er durch den Vorredner erst zu seiner Aeußerung über den dunklen Punkt gekommen sei. Er habe auch nicht auf ihn zurück⸗ kommen wollen, sei aber durch einen Ruf von links zu einer genauen Darstellung gezwungen worden. Es sei ferner nicht wahr, daß er Herrn Becker die Ehre abgeschnitten habe. Er habe nach dem un⸗ korrigierten Stenogramm auf die Bemerkung hin, daß Herr Becker ein Ehrenmann sei, nur nach r⸗ seiner Handlungsweise er⸗ klärt, daß er sagen müsse, daß diese Handlungen jedenfalls nicht ehren⸗ wert gewesen seien.

Abg. Dr. Bell wendet sich gegen die Aeußerung des Abg. Gyß⸗ ling, daß er seine Geisteskräfte nicht richtig angewandt habe. Das Urteil darüber wolle er ruhig dem Hause überlassen. Die Aeußerung Dr. Wiemers über die Sachlage des Falles Schröder vor dem Reichsgericht habe er nach dem amtlichen Stenogramm zitiert.

Abg. Schwabach (nl.) erklärt gegenüber der Aeußerung des Abg. Kreth, daß er sich der weiteren Untersuchung über Unregelmäßig⸗ keiten bei seiner Reichstagswahl durch Niederlegung seines Mandats entzogen habe: daß von der Wahlprüfungskommission etwa 100 Zeugen vernommen worden seien, die noch nichts Wesentliches ausgesagt

hätten, daß aber noch weitere 200 Zeugen vernommen werden sollten.

Er habe keine Lust gehabt, noch en als angefochtener Abge⸗ ordneter herumzulaufen, und deshalb sein Mandat niedergelegt.

Abg. Lippmann (fortschr. Volksp.) verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß er den Richtern, die das Disziplinarurteil gegen Becker gefullt haben, bewußte Parteilichkeit vorgeworfen habe. Er habe nur die Form, in der das Urteil abgefaßt war, als nicht richter⸗ lich bezeichnet. Seine gestrige Bemerkung über den Minister des Innern müsse er zurücknehmen, er habe sich davon überzeugt, daß der Minister die Verlesung seines Berichtes nicht tendenziös genannt habe.

Abg. Gyßling (fortschr. Volksp.) bemerkt, er freue sich über die Erklärung des Abg. Hennigs, daß dieser nur durch einen Zuruf zu seinen Ausführungen über den dunklen Punkt provoziert worden sei. Davon, daß für den Wahlkreis Labiau⸗Wehlau bei den nächsten Wabhlen ein Größerer bestimmt sei, könne nicht die Rede sein.

Die Abgg. Lippmann und Gyßling (fortschr. Volksp.) be⸗ halten sich vor, auf die Angriffe bei späterer Gelegenheit zu er⸗ widern. 8 .“ 8 v“

Schluß gegen 6 ½ Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend, 11 Uhr. (Interpellation und Anträge wegen des Winzer⸗ notstandes.)

7

Technik.

Eine Wage zur Bestimmung von ½1 % Milligramm. Mit den bisherigen chemischen Wagen kann man Gewichte bis zu 10 Milligramm genau messen. Sie genügen vollkommen für die üb⸗ lichen Wägungen. Seit jedoch durch unsere Kenntnisse über das Radium ganz neue Probleme für die Chemie aufgetaucht sind, treten auch an die Genauigkeit unserer Instrumente neue Forderungen heran. Wir wissen, daß Radium, Uran, Thor mit der Zeit zerfallen, und es 3 nicht ausgeschlossen, daß das gleiche auch für andere Elemente gil Mit unseren bisherigen Wagen ist es vollkommen ausgeschlossen, diesen Zerfall an dem Gewichtsverlust festzustellen, denn 10 Gramm Radiumbromid, das über 3000 kostet, verliert im Laufe eines Tages nur 0,0000173 Milligramm. Aus diesem Grunde bemühten sich die Engländer Steele und Grant, ein Instrument zu konstruieren, mit dem sie den Zerfall der Elemente wägend verfolgen können; ihre Bemühungen wurden durch Erfolg gekrönt. Es gelang ihnen, eine Wage herzustellen, die noch einen Gewichtsverlust von 1/⁄10 Milligramm genau anzeigt, und deren Genauigkeit sich sogar bis zu der Messung von 1½0 % Milligramm steigern läßt. Eine interessante Beschreibung dieses bewunderungswürdigen Werkes der ö mit dem bereits Ramsay den Zerfall radioaktiver

lemente an dem Gewichtsverlust verfolgte, bringt mit Abbildung die neueste Nummer der „Umschau“, Frankfurt a Main (Wochen⸗ schrift für die Fortschritte in Wissenschaft und Technik). Weitere Artikel dieser Nummer sind: Bauberatung. Von Prof. Emil Högg. Neues vom Panamakanal. Von Georg von Skal. Prücen.

strafe. Von Prof. Felix Asnaurow. Die Eisenbakterien. Von

82 Dr. A. Nestler. Die Erdbebenkatastrophe in Turkestan. on Dr. Dietzel. Was ist Materie? Kriminalität jugendlicher AAA“ 3“

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs⸗ maßregeln.

Das Kaiserliche Gesundheitsamt meldet den Ausbruch der Maul⸗ und Klauenseuche aus Mühlhausen, Stadtkreis Mühlhausen, Reg.⸗Bez. Erfurt, bei Händlervieh, Sevinghausen und Röhlinghausen, Landkreis Gelsenkirchen, Reg⸗Bez. Arnsberg, Alten⸗ dorf, Kreis Hattingen, Reg.⸗Bez. Arnsberg, Aldekerk, Kreis Geldern, Reg.⸗Bez. Düsseldorf, Ehrenfeld⸗Cöln, Stadtkreis Cöln, Reg.⸗ Bez. Cöln, und aus Niedernwöhren, Kreis Stadthagen, Schaumburg⸗Lippe, am 19. Januar 1911.

London, 20. Januar. (W. T. B.) Die Konferenz zur bö] der Schlafkrankheit hat ihre Beratungen heute eendet. 8

e¹“]

Am 23. d. M. finden im Gebäude der Berliner Handelskammer eine Sitzung des ve. Ausschusses und eine außerordentliche Haupt⸗ versammlung des Zentralvereins für deutsche Binnen⸗ schiffahrt statt. In der ersteren Sitzung soll zu den von den Abgeordneten Prinz zu Löwenstein⸗Wertheim und Hammer im Fe⸗ bruar v. J. im preußischen Abgeordnetenhaufe eingebrachten Anträgen bezüglich der Gestaltung des Vorschleuserechts auf den preußi⸗ schen Wasserstraßen Stellung genommen werden. Glleich⸗ zeitig soll in der Frage der Vereinheitlichung der Strom⸗ und Schiffahrtspolizeiverordnung für die Wasser⸗ straßen in der Provinz Brandenburg Beschluß gefaßt werden. In der sich anschließenden außerordentlichen Haupt⸗ versammlung des Zentralvereins soll zu dem gegenwärtig im Reichs⸗ tage behandelten Gesetzentwurf, betreffend den Ausbau der deutschen Wasserstraßen und die Erhebung von Schiff⸗ fahrtsabgaben, Stellung genommen und im einzelnen sollen die, jenigen Abänderungsanträge beraten werden, die für den Fall, da der Gesetzentwurf Gesetz werden sollte, im Interesse von Hande Industrie und Verkehr für erforderlich gehalten werden. Die Be⸗ richterstattung über diesen Punkt der Tagesordnung liegt in der Händen von Handelskammersyndikus Moesmann⸗Mainz. Zu der Versammlung sind, wie bekannt wird, auch die sämtlichen Mitglieder des Reichstags eingeladen, um diesen Gelegenheit zu geben, sich über die Stimmung in den Kreisen der Interessenten eingehend zu unterrichten.

Laut Telegramm aus Cöln ist die heute nachmittag 6 Uhr in Berlin fällige Post aus Frankreich zurückgeblieben. Grund: Zug⸗ verspätung in

Handel und Gewerbe. 8

(Aus den im Reichsamt des Innern zusammengestellten „Nachrichten für Handel und Industrie“.)

Von der im Reichsamt des Innern herausgegebenen 2 2 2„% . F. „Systematischen Zusammenstellung der Zolltarife des In⸗ und Auslandes“, wovon bereits der Band B 1 (Metall⸗ industrie) in neuer znense vorliec, ist nunmehr der die Industrie der Steine und Erden umfassende Band B2 in neuer Bearbeitung im Verlage der Königlichen Hofruchhandlung von E. S. Mittler u. Sohn 1. SW. 68, Kochstraße 68/71, erschienen. Der Bezugspreis i ,50 ℳ. 8

Verzeichnis der Kaiserlich deutschen Konsulate.

Von dem im Auswärtigen Amt zusammengestellten „Verzeichnis der Kaiserlich deutschen Konsulate“ nebst Anbang, enthaltend ein Verzeichnis derjenigen Aerzte im Ausland, die gemäß § 42 Nr. 2 der Wehrordnung zur Ausstellung glaubhafter ärztlicher Zeugnisse allgemein ermächtigt sind, ist jetzt der Jahrgang 1911 herausgegeben worden. Das Verzeichnis erscheint bei E. S. Mittler u. Sohn, Berlin SW. 68, Kochstraße 68/71, und kann zum Preise von 1,40 im Buchhandel bezogen werden.

Türkei. 1 Rabattabzüge auf Fakturen über Einfuhrwaren. Ba den als Unterlage für die Verzollung vorgelegten Fakturen finden sich häufig Rabatte vermerkt, die weniger eine Sondervergütung au den Kunden als vielmehr den Unterschied zwischen dem Verkaufspreis und dem Preise der Preisliste darstellen. Als Handelswert und somit als Grundlage für die Verzollung würde unter diesen Um⸗ ständen nur der um diesen Rabatt verminderte Fakturenbetrag in Frage kommen können. Trotzdem ist von einem kürkischen Zollamt der unverkürzte Fakturenbetrag der Zollbemessung zugrunde gelegt worden, und zwar auf Grund einer von der Zentralverwaltung in Konstantinopel erlassenen Anweisung, wonach nur dem Barfkonto, nicht aber Abzügen unter der Bezeichnung „Gratifikation, Kommission, Eüene Rabatt usw.“ bei der Verzollung Rechnung getragen werden olle. Die Zentralverwaltung hat, obwohl sie auf die abweichende Bedeutung des Wortes „Rabatt“ hingewiesen wurde, den Standpunkt des Zollamts gebilligt und eine Aenderung dieser Bestimmung mit der Begründung abgelehnt, daß sich unter den genannten anderen Abzügen häufig unlautere Manipulationen verbergen. Die Fabrikanten werden daher gut tun, diesen von der türkischen Zollverwaltung eingenommenen Standpunkt bei der Abfassung ihrer Fakturen zu berücksichtigen. (Nach einem Bericht des Kaiserlichen Konsulats in Smyrna.)

Beteiligung der Hauptländer an der Einfuhr nach Mexiko.

G ndelssachverständige beim Kaiserlichen Konsulat in Mexiko

t —8 üele zusammengestellt, aus der die Beteiligung der haupt⸗

zchlichsten Bezugsländer des mexikanischen Einfuhrhandels, Deutsch⸗ ncc Englands, Frankreichs und der Vereinigten Staaten von Fmwerika an der Einfuhr Mexikos in den letzten Jahren zu er⸗ sehen stt. In der Tabelle ist der Wert der Einfuhr aus den vor⸗ enannten Ländern und der Gesamteinfuhr für die 713 teilweise sark spezialisierten Warengattungen des mexikanischen Zolltarifs, 22 im „Deutschen ndels⸗Archiv“ 1905 Teil I Seite 1089 veröffent⸗ üicht ist“ für die Jahre 1904/05 bis 1907,08 nachgewiesen. Die

Zahlen für das Jahr 1908/09 sind zurzeit noch nicht erhältlich.

Da aus der Aufstellung die Art und Höhe des mexikanischen Waren⸗ bedarfs sowie die Beteiligung der wichtigsten Bezugsquellen an seiner Deckung zu entnehmen ist, dürfte sie dazu beitragen, die Prüfung der ausländischen Konkurrenz auf dem mexikanischen Markte zu erleichtern.

Die Tabelle liegt während der nächsten drei Wochen im Bureau der „Nachrichten für Handel und Füdmecher Berlin W. 8, Wilhelmstraße 74, im Zimmer 154, für Interessenten zur Einsichtnahme aus und kann nach Ab⸗ lauf dieser Frist deutschen Interessenten auf Antrag für kurze Zeit übersandt werden. Die Anträge sind an das genannte Bureau zu richter.

Wagengestellung für Kohlen, Koks und Briketts (in Einheiten zu 10 t) in den großen Kohlenbezirken für die Zeit vom 1. bis 15. Januar 1911.

A. Steinkohlenbezirke.

Arbeits⸗ Jahr tage

nicht recht- Im Durchschnitt zeitig für den Arbeitstag

Bemerkungen*) gestellt v. H. gestellt 8

ezS,G““ 287 830 Ude. 1910 11. 276 018

Gegen das Vorjahr (+†) + 11 812

achener Bezirk . . . . . . . . . 1911 11 8 978 8 u 1910 11 8 138

Gegen das Vorjahr (4+) . 840 1911 11 32 665

1910% 11 31 188

Gegen das Vorjahr () + 1 477 Lothringen (Saarbezirk) 1911 12 11 947 enbaßh de 1910 12 10 082

Gegen das Vorjahr (4+) . + 1 865

Pberschlesten . . . . . . . . . . 1911 11 94 952

1910 11 89 008 Gegen das Vorjahr (4+) .. + 5 944 öb111. 12 16 790 g n 1910 12 16 868 abfi kohlenbezirk 911 1788 ichsi Steinkohlenbezik.. .1 11 7 884 emerna 1910 11 16 143

Gegen das Vorjahr (+) + 1 741

Gesamtsumme in den 7 Bezirken . 1911 ] 471 046 1910 447 445

Gegen das Vorjahr (†) öab11218 . 41 425

1910 36 038 Gegen das Vorjahr (†) + 5 387

uö11.““ .1911 16 209 8 1910 12 14 937 Gegen das Vorjahr (4+) + 1272

112“— 2 6 165

1910 2 5 682 Sexgen das Vorjahr (†). .

Sa sischer Braunkohlenbezirk . 1911 12 894 1910 11 561

Gegen das Vorjahr (+)

Rheinischer Braunkohlenbezirk 1911 19 026 1910 14 638

Gegen das Vorjahr (4+†) . . + 4388 Gesamtsumme in den 5 Bezirken. . 1911 95 719

1910 82 856 Gegen das Vorjahr (4+†) .

ein Sonntag war.

Gegen das Vorjahr (+†) . aasx,.

+ 23 601 = 5,3 % B. Braunkohlenbezirke.

+ 1 333 =

+ 12 863 = 15,5 %.

26 166 1 Festtag 25 093 2 Festtage + 1073 = 43 % 816 1 Festtag 2725050 2 Festtage + 76 = 10,3 29 2 970 1 Festlas 2835 2 Festtage + 135 = 4,7 % 996 840 + 156 = 18,5 % 8 632 s 8 092 2 Festtage 540 = 6,7 % 1 399 81 1 406 1 Festtag

1 Festtag = 14,9 %

+ 399 = 30,0 %.

8 219 7104 + T115 = 15,5 %

g. Die gleiche Zahl der Arbeitstage erklärt sich daraus, daß Neujahr 1910 auf Sonnabend fiel, während der 15. Januar 1911

Wagengestellung für Kohle, Koks und Briketts 1ö111“] 1¹“

Ruhrrevier Oberschlesisches Revier

Anzahl der Wagen Gestellt 25 941 8702 8 Nicht gestellt.

Der Aufsichtsrat der Baverischen Notenbank hat laut Meldung des „W. T. B.“ aus München beschlossen, der General⸗ v für 1910 die Verteilung einer Dividende von 10 % vor⸗ zuschlagen.

In der am 19. Januar 1911 abgehaltenen Sitzung des Auf⸗ sichtsrats der Sächsischen Bodenkreditanstalt in Dresden wurde beschlossen, der am 16. Februar 1911 stattfindenden General⸗ versammlung die Verteilung einer Dividende von wiederum 70 % vor⸗ zuschlagen. Der Reingewinn für das Jahr 1910 beziffert sich auf 1 017 709,96 (im Vorjahre 1 008 989,69 ℳ).

London, 20. Januar. (W. T. B.) Der amtliche Receiver der Charing Croß Bank macht bekannt, daß die Passiva der Bank 8 512 Pfd. Sterl. netto, die Aktiva 1 131 557 Pfd. Sterl. be⸗ ragen.

New YPork, 20. Januar. (W. T. B.) In der vergangenen Woche wurden 11 000 Dollars Gold und 941 000 Dollars Silber ausgeführt; eingeführt wurden in der vergangenen Woche 533 500 Dollars Gold und 116 000 Dollars Silber.

New York, 20. Januar. (W. T. B.) Der Wert der in der vergangenen Woche eingeführten Waren betrug 16 190 000 Dollars gegen 14 920 000 Dollars in der Vorwoche; davon für Stoffe 9112 000 Dollars gegen 3 372 000 Dollars in der Vorwoche.

Berlin, 20. Januar. Marktpreise nach Ermittlungen des Königlichen Polizeipräsidiums. (Höchste und niedrigste Preise.) Der Doppelzentner für: Weizen, gute Sorte†) 20,00 ℳ, 19,94 ℳ. Weizen, Mittelsorte†) 19,88 ℳ, 19,82 ℳ. Weizen, geringe Sortet) 19,76 ℳ, 19,70 ℳ. Roggen, gute Sortef) 14,90 ℳ, 14,88 ℳ. Roggen, Mittelsorte†) 14,86 ℳ, 14 84 ℳ. Roggen, geringe Sortet) 14,82 ℳ, 14,80 ℳ. Futtergerste, gute Sorte*) 16,40 ℳ, 15,60 ℳ. Futtergerste, Mittelsorte*) 15,50 ℳ, 14,70 ℳ. Futtergerste, geringe Sorte*) 14,60 ℳ, 13,80 ℳ. Hafer, gute Sorte *) 18,20 ℳ, 17,30 ℳ. Hafer, Mittelsorte*) 17,20 ℳ, 16,40 ℳ. Hafer, geringe Sorte*) 16,30 ℳ, 15,50 ℳ. Mais (migxed) gute Sorte 14,10 ℳ, 13,80 ℳ. Mais (mixed) geringe Sorte —,— ℳ, —,— ℳ. Mais (runder) gute Sorte 13,90 ℳ, 13,60 ℳ. Richtstroh 5,00 ℳ, 4,82 ℳ. Heu 6,90 ℳ, 4,70 ℳ. (Markt⸗ hallenpreise.) Erbsen, gelbe zum Kochen 50,00 ℳ, 30,00 ℳ. Speisebohnen, meiße 50,00 ℳ, 30,00 ℳ. Linsen 60,00 ℳ, 20,00 ℳ. Kartoffeln (Kleinhandel) 8,00 ℳ, 5,00 ℳ. Rindfleisch von der Keule 1 kg 2,40 ℳ, 1,60 ℳ; do. Bauchfleisch 1 kg 1,80 ℳ, 1,20 ℳ. Schweinefleisch 1 kg 2,00 ℳ, 1,30 ℳ. Kalbfleisch 1 kg 2,40 ℳ, 1,40 ℳ. Hammelfleisch 1 kg 2,20 ℳ, 1,30 ℳ. Butter 1 kg 2,80 ℳ, 2,20 ℳ. Eier (Markthallenpreise) 60 Stück 6,ü40 ℳ, 3,80 ℳ. Karpfen 1 kg

Aale 1 kg 3,00 ℳ, 1, Hechte 1 kg 2,80 ℳ, 1 Schleie 1 kg 3,60 ℳ, Krebse 60 Stück 24

. Zander 1 kg .— Barsche 1 kg Bleie 1 kg

Amtlicher Marktbericht vom Magerviehhof in Friedrichsfelde. Rindermarkt am Freitag, den 20. Januar 1911. 1—

Auftrieb: 205 Stück Rindvieh, 56 Stück Kälber. Milicchkühe. 3 E“ Frechsen

146

Jungvieh. 8 1 wegen geringen Auftriebes

Verlauf des Marktes: Reges Geschäft; wurde der Bedarf nicht gedeckt. Es wurden gezahlt für: Milchkühe und hochtragende Kühe: a. 4—8 Jahre alt: Prtznbhlhe. . . . .... I. Qualität, gute schwere. II. Qualität, gute mittelschwere. III. Qualität, leichte... b. ältere Kühe: I. Qualität, gute schwere.. II. Qualität, mittelschwere c. tragende Färslen.

480 580 400 470 300 390 230 290

320 120 220 310 260 - 460

Kursberichte von auswärtigen Fondsmärkten.

Hamburg, 20. Januar. (W. T. B.) (Schluß.) Gold in Barren das Kilogramm 2790 Br. 2784 Gd., Silber in Barren das Kilogramm 73 00 Br., 72,50 Gd.

Wien, 21. Januar, Vormittags 10 Uhr 50 Min. (W. T. B.) Einh. 4 % Renke M./N. pr. ult. 93,10, Einh. 4 % Rente Januar Juli pr. ult. 93 10, Oesterr. 4 % Rente in Kr.⸗W. pr. ult. 93 00, Ungar. 4 % Goldrente 111,75, Ungar. 4 % Rente in Kr.⸗W. 92,00, Türkische Lose per medio 262,00, Orientbahnaktien pr. ult. —,—, Oesterr. Staatsbahnaktien (Franz.) pr. ult. 747,25, Südbahn⸗ gesellschaft (Lomb.) Akt. pr. ult. 116,50, Wiener Bankvereinaktien 564,00, Oesterr. Kreditanstalt Akt. pr. ult. 677,00, Ungar. allg. Kreditbankaktien 869,00, Oesterr. Länderbankaktien 536,00, Unionbank⸗ aktien 639,00, Deutsche Reichsbanknoten pr. ult. 117,38, Brürxer Kohlenbergb.⸗Gesellsch.⸗Akt. —,—, Oesterr. Alpine Montangesell⸗ schaftsaktien 764,50, 858 Eisenindustrieges.⸗Akt. 2596.

London, 20. Januar. (W. T. B.) (Schluß.) 2 ½ % Eng⸗ lische Konsols 79 ¾, Silber prompt 24 ⅛, per 2 Monate 24 1⁄⁄6, Privatdiskont 311⁄6. Bankeingang 51 000 Pfd Sterl.

Paris, 20. Januar. (W. T. B.) (Schluß.) 3 % Franz. Rente 97,42.

Madrid, 20. Januar. (W. T. B.) Wechsel auf Paris 107 75.

Lissabon, 20. Januar. (W. T. B.) Goldagio 8. 88

New York, 20. Januar. (W. T. B.) (Schluß) Das Geschäft an der heutigen Börse war ziemlich ruhig und wurde in der Hauptsache von der berufsmäßigen Spekulation bestritten. Die Tendenz war zunächst unregelmäßig, die Kurse waren im allgemeinen wenig verändert, nur Canadas verloren gegen gestern 2 Dollars. Bei vereinzelten Bemühungen, den Kursstand einiger führender Werte in die Höhe zu treiben, machten sich anderseits auch Abgaben und Reali⸗ sierungen geltend, doch war im großen und ganzen ein fester Unterton nicht zu verkennen. Stimulierend wirkten verschiedene Dividenden⸗ gerüchte, die namentlich den Aktien der Chicago, Milwaukee u. St. Paul⸗Bahn und den Preferred Shares der Southern Railway zugute kamen. In Steels fanden dagegen Abgaben statt. Auch Amal⸗ amated Copperaktien schwächten sich ab infolge der Herabsetzung des Prrses für elektrolytisches Kupfer. Späterhin gestaltete sich der erkehr träge, doch setzte gegen den Schluß wieder ein lebhafteres Geschäft ein, als das Angebot nachließ und die Baissiers zu Rück⸗ käufen schritten. Da schließlich nicht unbeträchtliche Käufe zu Anlage⸗ zwecken vorgenommen wurden, schloß der Markt in fester Haltung. Aktienumsatz 382 000 Stück. Tendenz für Geld: Stetig. Geld auf 24 Stunden Durchschn.⸗Zinsrate 2 ½, do. Zinsrate für letztes Darlehn des Tages 2 ½, Wechsel auf London 4,8250, Cable Transfers 4,8615.

Kursberichte von auswärtigen Warenmärkten.

Düsseldorfer Börse vom 20. Januar. (Amtlicher Kurs⸗ bericht.) A. Kohlen, Koks: 1) Gas⸗ und Flammkohlen: Gaskohle für Leuchtgasbereitung für Sommermonate 12,00 13,00, für Wintermonate 13,00 14,00, Generatorkohle 12,25 13,25, Gasflammförderkohle 11,00 12,00; 2) Fettkohlen; Förderkohle 10,50 bis 11,00, bestmelierte Kohle 12,35 12,85, Kokskohle 11,25 12,00;

Kohlen: Förderkohle 9,50 10,50, bestmelierte

Gießereikoks 17,00 19,00, Hochofenkoks 14,50 16,50, Brechkoks I

9 magere 1 ohle 12,25 14,00, Anthrazitnußkohle II 21,00 24,50; 4 Koks: und II 19,50 22,00; 5) Briketts 10,00 13,25. B. Erze:

1) Rohspat 109,00, 2) Gerösteter Spateisenstein 155,00, 3) nassauischer Roteisenstein, 50 % Eisen 125 130. C. Roh⸗

eisen: 1) Svpiegeleisen Ia 10 12 % Mangan ab Siegen 63 65,

9 weißstrahliges Qualitäts⸗Puddelroheisen: rheinisch⸗westfälische Larken 59 60, Siegerländer 58— 60, 3) Stahleisen: ab Sieger⸗

fänder 59 60, ab rheinisch⸗westfälisches 62 63, 4) deutsches Bessemer⸗ eisen 70,00 5) Thomaseisen ab Luxemburg 53 —55, 6) Puddel⸗

eisen, Luxemburger Qualität, ab Luxemburg 48— 50, 7) Luxem⸗ burger Gießereieisen Nr. III ab Luxemburg 52,00, 8) deutsches Gießereieisen Nr. I 66,00, 9) do. Nr. III 64,00, 10) do. Hämatit 70,00, 11) englisches Gießereiroheisen Nr. III ab Ruhrort 69—71,

12 englisches Hämatit 84 86.— D. Stabeisen: Gewöhnl. Stabeisen, aus Flußeisen 112 115, do. aus Schweißeisen 130,00 133,00.

E. Bandeisen: Bandeisen aus Flußeisen 140,00 145,00. F. Bleche: 1) Grobbleche aus Flußeisen 122 124, 2) Kesselbleche aus Flußeisen 132 134, 3) Feinbleche 140,00 145,00.

G. Draht: Flußeisenwalzdraht 130. Marktbericht: Der lebhafte

Absatz in Kohlen und Koks hält an. Auf dem Eisenmarkt herrscht

weiter Zurückhaltung. Stabeisenmarkt noch ungeklärt. Nächste Börse für Wertpapiere am Dienstag, den 24. Januar I

Magdeburg, 21. Januar. (W. T. B.) Zuckerbericht Kornzucker 88 Grad o. S. 8,62 ½ 8,72 ½. Nachprodukte 75 Grad o. S

6,90 7,00. Stimmung: Ruhig. Brotraffin. I o. F. 18,75 19,00.

Kristallzucker Im. S. —,—. Gem. Raffinade m. S. 18,50 18,75. Gem. Melis I mit Sack 18,00 18,25. Stimmung: Ruhig. Rohzucker Transit 1. Produkt frei an Bord Hamburg: Januar 9,05 Gd., 9,10 Br., —,— bez., Februar 9,10 Gd., 9,15 Br., —,B bez., März 9,15 Gd., 9,20 Br., —,— bez., Mat 9,27 ½ Gd., 9,30 Br., —,— bez., August 9,45 Gd., 9,47 ½ Br., —,— bez.

Stimmung: Ruhig.:

g.: Cöln, 20. Januar. (W. T. B.) Rüböl loko 63,00 Mai 61,00.

Bremen, 20. Januar. (W. T. B.) (Börsenschlußbericht.)

Privatnotierungen. Schmalz. Ruhig. Loko, Tubs und Firkin 54, Doppeleimer 54 ½. Kaffee. Fest. Offizielle Notierungen der Baumwollbörse. Baumwolle. Behauptet. Upland loko middling 76 ½.

Hamburg, 20. Januar. (W. T. B.) Petroleum amertk. spez. Gewicht 0,800 ° loko fest, 6,50.

Hamburg, 21. Januar. (W. T. B.) (Vormittagsbericht.) Kaffee. Unregelmäßig. Good average Santos März 57 ¾˖ Gd.,

Mai 57 ½¼ Gd., September 56 ¼ Gd., Dezember 56 t Gd. Zuckermarkt. (Anfangsbericht.) Rübenrohzucker J. Produkt Basis

88 % Rendement neue Usance, frei an Bord Hamburg Januar

Dezember 9,52 ½. Ruhig.

Budapest, 20. Januar. (W. T. B.) Raps für August 13,80. b

London, 20. Januar. (W. T. B.) Rübenrohzucker 88 % Januar 8 sh. 11¾ d. Wert, stetig. Javazucker 96 % prompt 9 sh. 10 ½ d. nominell, ruhig.

London, 20. Januar. (W. T. B.) (Schluß.) Standard⸗ Kupfer matt, 55 5⁄16, 3 Monat 56 18.

Liverpool, 20. Januar. (W. T. B.) Baumwolle Umsatz: 8000 Ballen, davon für Spekulation und Export Ballen Tendenz: Ruhig. Amerikanische middling Lieferungen: Träge Januar 7,84, Januar⸗Februar 7,84, Februar⸗März 7,84, März⸗April 7,85, April⸗Mai 7,85, Mai⸗Juni 7,86, Juni⸗ Juli 7,84, Juli⸗August 7,82, August September 7,62, September⸗ DOktober 7,25. Offizielle Notierungen. American good ordin. 7,59, do. low middling 7,85, do. middling 8,05, do. good middling 8,17, do. fully good middling 8,27, do. middling fair 8,51,

ernam fair 8,79, do. good fair 9,14, Ceara fair 8,79, do. good air 9,14, Egyptian brown fair 915⁄6, do. do. good fair 10 ¾ do. brown fully good fair 11, do. brown good 11 7⁄1 6, Peru roug good fair 10,90, do. rough good 11,15, do. rough fine 11,50, do. moder. rough fair 9,25, do. moder. roug good fair 10,25 do. moder. rough good 10,50, do. smooth fair 8,75, do. smooth good fair 8,90, M. G. Broach good 7 ½⅜, do. fine 718½16, Bhownuggar ood 75⁄6, do. fully good 7 ⁄1⁸, do. fine 7 ⁄6, Domra Nr. 1 good 7 88 Nr. 1 fullv good 7 ½, do. Nr. 1 fine 7 ⅛, M. G. Seinde fully

ood 6 ⁄6, do. fine 611 ⁄16, Bengal fully good 67⁄16, do. fine 611⁄1, Madras Tinnevelly good 7¹1⁄136. 8

Manchester, 20. Januar. (W. T. B.) 20 r Water courante Qualität 10 ½, 30r Water courante Qualität 11 ½, 30r Water bessere Qualität 12 ½, 40r Mule courante Qualität 12 Q, 40 r Mule Wiltinson 13, 42r Pincops Reyner 11 ¼, 32r Warpcops Lees 11 ½,

9,07 ½, März 9,15, Mai 9,27 ½, August 9,47 ½, Oktober 945, b

36r Warpcops Wellington 12 ¾¼, 60r Cops für Nähzwirn 22,

80r Cops für Nähzwirn 25, 100r Cops für Nähzwirn 34.

120r Cops für Nähzwirn 38, 40r Double courante Qualität 14,

60r Double courante Qualität 15 ¾, Printers 31r 125 Yards 17/17 23/3. Tendenz: Stetig. 8 Glasgow, 20. (W. T. B.) (Schluß.) Roheisen flau, Middlesbrough warrants 496. 8 Glasgow, 20. Januar. (W. T. B.) Die Vorräte von Middlesbrough⸗Roheisen in den Stores belaufen sich auf 527 130 t gegen 521 470 t in der Vorwoche. Amsterdam, 20. Januar. (W. T. B.) Java⸗Kaffee good ordinary 46. Bancazinn 113. Antwerpen, 20. Januar. (W. T. B.) Petroleum. Raffiniertes Type weiß loko 19 bez. Br., do. Januar 19 Br., do. Februar 19 ¼ Br., do. März⸗April 19 ½ Br. Ruhig.

Schmalz Januar Sg

New York, 20. Januar. (W. T. B.) (Schluß.) Baumwolle loko middling 14,90, do. für ril 14,88, do. für Juni 14,99, do. in New Orleans loko middl. 1423½16, Petroleum Refined (in Cases)

8,90, do. Standard white in New York 7,40, do. do. in Philadelphia .“ 8 8 8

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