1911 / 27 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 31 Jan 1911 18:00:01 GMT) scan diff

Finanzministerium.

Versetzt sind: der Katasterinspektor, Steuerrat Maruhn von Marienwerder nach Hannover, die Katasterkontrolleure, Steuerinspektor Berr von Paderborn nach Minden (Kataster⸗ amt 1), Fischer von Hechingen nach Rinteln und König von Jgohannisburg nach Ortelsburg (Katasteramt 2).

Bestellt sind: die Katasterlandmesser Nehm, Strupp und Temme zu Katasterkontrolleuren in Kappeln bezw. Johannis⸗ burg (Katasteramt 1) und Hechingen.

Kichkamtliches. Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 31. Januar.

Seine Majestät der Kaiser und König hörten heute

im hiesigen Königlichen Schlosse die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, Generals der Infanterie Freiherrn von Lyncker, des Chefs des Marinekabinetts, Admirals von Müller und des Chefs des Admiralstabes der Marine Admirals von Fischel. ö“

rmittag

Mit Rücksicht auf die in Ostasien eingetretenen gesundheit⸗ lichen Verhältnisse hat, wie „W. T. B.“ meldet, der Reichs⸗ kanzler Dr. von Bethmann Hollweg sich für verpflichtet gehalten, bei Seiner Majestät dem Kaiser zu beantragen, daß die Reise Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen für dieses Jahr in Kalkutta ihren Abschluß findet. Seine Kaiserliche Hoheit der Kron⸗ prinz wird demgemäß von Kalkutta aus die Heimreise antreten. Den Höfen in Bangkok, Peking und Tokio, die alle herzliche Einladungen gesandt hatten, ist das Bedauern über diese durch unvorhergesehene Ereignisse herbeigeführte Aende⸗ rung der Reisedispositionen ausgesprochen worden, ebenso den

Niederlanden und den Vereinigten Staaten von Amerika, deren 9

Kolonien ebenfalls auf dem Reiseplan standen.

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Die vereinigten Ausschüsse des Bundesrats für Feeren und Verkehr, für das Seewesen und für Justizwesen hielten heute eine Sitzung.

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Gestern ist von dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts von Kiderlen⸗Waechter und dem britischen Botschafter Sir William Goschen, „W. T. B.“ zufolge, ein Vertrag unter⸗ zeichnet worden, durch den die Auslieferung flüchtiger Verbrecher zwischen den deutschen Schutzgebieten und einer Anzahl britischer Protektorate, zumal in Afrika, geregelt worden ist. 8 8

Während des Vierteljahrs vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1910 haben 12 744 Schiffe (gegen 10 014 Schiffe in demselben Vierteljahr 1909) mit einem Nettoraumgehalt von 2 199 336 Registertons (1909: 1 935 907 Registertons) den Kaiser Wilhelm⸗Kanal benutzt und, nach Abzug des auf die Kanalabgabe in Anrechnung zu bringenden Elblotsgeldes, an Srü 1 059 989 (1909: 956 408 ℳ) entrichtet. Davon entfielen auf den Monat Dezember 3841 Schiffe (1909: 2705 Schiffe) von 683 381 Registertons (1909: 521 256 Registertons) und 328 673 (1909: 261 515 ℳ) Gebühren.

Im ganzen Jahre 1910 stellte sich der Verkehr auf 43 328 Schiffe (1909: 35 326 Schiffe) mit 7 231 458 Register⸗ tons (1909: 6 267 805 Registertons). Die Gebühren betrugen 3 417 059 (1909: 3 016 144 ℳ).

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Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Gnei⸗ senau“ vorgestern von Colombo (Ceylon) nach Diamond⸗ Harbour (Gangesmündung) in See gegangen.

S. M. Tpdt. „S. 90“ ist vorgestern in Hankau (Yangtse) und S. M. S. „Luchs“ gestern in Schanghai eingetroffen.

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Seine Majestät der König Friedrich August hat, „W. T. B.“ zufolge, gestern morgen seine Reise nach Aegypten angetreten. Außer den Söhnen und Töchtern Seiner Majestät des Königs hatten sich auf dem Bahnhofe zur Verabschiedung Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Johann Georg sowie die Prinzessin Mathilde, ferner sämtliche Staats⸗ minister, der Polizeipräsident, der Präsident der Generaldirektion der Staatseisenbahnen, der Oberbürgermeister u. A. eingefunden.

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8 Oesterreich⸗Ungarn.

Der Minister des Aeußern Graf von Aehrenthal gab in der gestrigen Sitzung des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten der Delegation des Reichsrates laut Bericht des „W. T. B.“ folgendes Exposé:

Die Delegationen haben 1 vor wenigen Wochen mit den Fragen der auswärtigen Politik eingehend beschäftigt. Die Situatien hat sich in der kurzen Zwischenzeit nicht verändert. Es gibt auch heute glücklicherweise keine Frage, die für den Frieden Europas gefährlich wäre Alle großen Mächte sind zumeist mit inneren Problemen beschäftigt und bestrebt, die Beziehungen untereinander ver⸗ trauensvoller zu gestalten. In meiner Rede vom 9. November 1910 in der österreichischen Delegation habe ich mit be⸗ sonderer Genugtuung die Uebereinstimmung betont, die hier, in der überwiegenden Mehrheit der hohen Delegation, hinsichtlich der Richtlinien der äußeren Politik in der Gegenwart und in der Zukunft besteht. Ich sagte damals, wir wollen die Interessen der Monarchie wahren durch das treue Festhalten an unseren Bündnissen und die Pflege guter Beziehungen zu allen Mächten. Nach beiden Richtungen kann ich Ihnen heute das vor wenigen Wochen Erwähnte bestätigen. Im besonderen möchte ich auf den warmen Ton verweisen, den die leitenden Staatsmänner der mit uns verbündeten Mächte, der Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg und der Marchese di San Giuliano, bei Erwähnung der Beziehungen zu uns ange⸗ schlagen haben. In prägnanten und glücklichen Ausdrücken hat der italienische Minister des Aeußern die Erhaltung des Friedens und des territorialen status quo im allgemeinen wie die der Integrität des

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türkischen Reiches und der Balkanstaaten im besonderen als das Ziel der Dreibundmächte bezeichnet. Die Rede des deutschen Reichskanzlers vom 11. Dezember 1910 hat berechtigtes Aufsehen hervorgerufen. Dr. von Bethmann Hollweg war nämlich in der Lage, die Beziehungen Deutschlands zu England und Ruß⸗ land in einer Weise zu erläutern, die jeden Freund der Konsolidierung der Verhältnisse in Europa mit Genugtuung erfüllen muß. Er sprach von der Geneigtheit Deutschlands, sich mit England durch eine offene und vertrauensvolle Aussprache über die gegenseitigen Interessen zu verständigen; dies sei das sicherste Mittel zur Beseitigung des Mißtrauens wegen des gegenseitigen Kräfte⸗ verhältnisses zu Wasser und zu Lande. Ueber die Beziehungen zu Rußland und insbesondere über die Potsdamer Entrevue war der deutsche Reichskanzler in der Lage zu konstatieren, daß der dort gepflogene Meinungsaustausch zu einer Annäherun beider Reiche geführt, ohne daß jedoch in der all⸗ gemeinen Orientierung ihrer Politik eine Aenderung eingetreten wäre. Diese Annäherung vollzog sich auf dem Gebiete allgemeiner Grundsätze, so unter anderem durch die neuerliche Bekräftigung des Grundsatzes der Erhaltung des status quo im nahen Orient, ferner durch eine Verständigung über die beiderseitigen Interessen in Persien. Dem zwischen uns bestehenden vertrauensvollen Verhältnisse ent⸗ sprechend wurde ich vom Reichskanzler über diese Pourparlers ein⸗ gehend informiert; ich konnte diese Mitteilung nur mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen und in meiner Erwiderung darauf ver⸗ weisen, daß die in Potsdam und Berlin bekräftigten Grundsätze über die im nahen Oriente zu beobachtende streng konservative Politik mit unserem bekannten Programme vollständig übereinstimmen. Unsere Interessen in Persien sind keine bedeutenden. Ich glaube indes, daß die deutsch⸗russische Verständigung über persische Verkehrsfragen bei⸗ tragen dürfte, das Prinzip der offenen Tür in diesem Lande, das ja die beiden benachbarten Mächte, Rußland und England, vor drei Jahren feierlich verkündeten, dauernd zur Geltung zu bringen.

Ich habe früber unser Programm im nahen Orient erwähnt. In meiner Rede in der österreichischen Delegation vom 9. November 1910 habe ich dasselbe dahin präzisiert: daß es in unserem Interesse gelegen, die Selbständigkeit und friedliche Entwicklung der Türkei zu fördern, sowie auch die Unabhängigkeit und friedliche Entwicklung der übrigen Balkanstaaten mit vollem, warmem Verständnisse zu begleiten und ihnen auch einen Rückhalt zu geben. Wie dem hohen Aus⸗ schusse erinnerlich sein dürfte, waren dieselben Gesichtspunkte bei dem Gedankenaustausche maßgebend, der zwischen mir und dem russischen Minister des Aeußern im Frühjahr 1910 zu einem Abschlusse gelangte. Diese Uebereinstimmung unserer Anschauungen berechtigt mich zu der Erwartung, daß unsere Beziehungen zu Ruß⸗ land, die heute gut sind, auch weiterhin eine befriedigende Gestaltun annehmen werden. In unserem Verhältnisse mit und England, das ebenfalls ein gutes ist, hat sich keine Aenderung ergeben. In einer vor kurzem gehaltenen Parlamentsrtede hat der französische Minister des Aeußern dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß zwischen Oesterreich⸗ Ungarn und Frankreich, wenn sie auch durch ihre Allianzen ver⸗ schiedenen Mächtegruppen angehörten, kein . der Interessen bestebe; ich kann dieser Auffassung meinerseits nur beipflichten. Von der Türkei und unserem lebhaften Wunsche nach einer Befestigung der inneren Zustände des Reichs habe ich bereits gesprochen. Wir halten an der Hoffnung fest, daß es der türkischen Regierung gelingen wird, die hier und dort auftauchenden Schwierigkeiten, die mit jedem Regimewechsel unvermeidlich verbunden sind, zu beheben.

In der letzten Tagung der hohen Delegation habe ich die Wichtigkeit hervorgehoben, die die Ausgestaltung der wirtschaftlichen Beziehungen zu den Bäaͤlkanstaaten, auch in politischer Hinsicht, für die Monarchie hat. bin nun in der Lage, auf die erfreuliche Tatsache hinzuweisen, daß mittlerweile der neue Handelsvertrag mit dem Königreich Seran in Kraft getreten ist und eine Handelskonvention mitz00 4n Königreich Montenegro zu⸗ stande gekommen ist, die⸗ denZchst der verfassungsmäßigen Behand⸗ lung zugeführt werden wird.

Einleitend habe ich bemerkt, daß derzeit keine Frage von solcher Bedeutung vorliegt, daß sie den Frieden Europas gefährden könnte. Ich halte es aber für meine Pflicht, ebenso wie ich es in meinem Exposé vom Oktober 1910 getan habe, auch heute zu betonen, daß in unserer so rasch lebenden Zeit, wo auch der Gang der Ereignisse sich zuweilen überstürzt und im Hinblicke auf die leider so leichte Erregbarkeit der öffentlichen Meinung in allen Staaten, der politische Barometer un⸗ vermittelt auf schlechtes Wetter zeigen kann. Soll also die auswärtige Politik für die Interessen der Monarchie und für den Frieden erfolg⸗ reich eintreten können, muß sie über eine schlagfertige Armee und Flotte verfügen. Ich schließe meine kurzen Ausführungen mit dem Beifügen, daß ich selbstverständlich bereit bin, auf etwaige Fragen der Herren Delegierten im Laufe der Debatte zu antworten.

Nach dem Exposé des Grafen Aehrenthal begann der Ausschuß die Generaldebatte über das Budget des Mi⸗ nisteriums des Aeußern.

Der Abg. Kramarsch erklärte, obiger Quelle zufolge, während seit dem Mürzsteger Abkommen über die brennendsten Fragen der europäischen Politik in Wien entschieden worden sei, liege jetzt der Mittelpunkt dieser Politik unbedingt wieder in Berlin. Durch die Potsdamer Abmachungen habe Rußland Nordpersien für Deutschland geöffnet, das nunmehr vollständigen Einfluß auf die dorthin geltenden Tarife habe. Der Redner bedauerte diese Konzessionen Rußlands an Deutschland. Rußland habe eine aggressive . von seiten Oesterreichs auch ohne Potsdam nicht sonderlich zu ürchten brauchen, daß aber Oesterreich nicht eine wirtschaftspolitische Dependance Deutschlands werde, wie es schon seine politische sei, sei erade auch für Rußland 235 ebenso wie für die Balkan⸗ staaten, gegen die Oesterreich⸗Ungarn keine aggressiven Absichten habe. eutschlands Politik 8* mit Riesenschritten auf das grandiose Ziel der europäischen Vormacht hin, es sei höchste Zeit, an die Zukunft zu denken und dahin zu wirken, daß Oesterreich⸗Ungarn wieder einige Bewegungsfreiheit erlange, damit es nicht willenlos und dankbar Schildwache stehen müsse fuͤr jede Bewegung und jede Ge⸗ fahr der deutschen Politik.

Der Abg. Exner fragte den Minister, ob der Präsident Taft vor der beabsichtigten Einsetzung eines Fünfer⸗Komitees zum Studium der Frr mit den Kabinetten der Groß⸗ mächte sich ins Einvernehmen gesetzt hahe, und welche Stellung der Minister gegenüber einer derartigen Anregung einnehme.

Der Minister des Aeußern Graf von Aehrenthal antwortete zunächst dem Abg. Kramarsch, er stelle mit Vergnügen fest, daß er mit ihm in manchen Beziehungen übereinstimme. rearsch habe schon, als er im November eine Annäherung zwischen Berlin und St. Petersburg in Aussicht stellte, eine richtige Prognose gestellt. Er stimme vollkommen dem bei, was Kramarsch über die deutsche Politik gesagt habe, nämlich, daß diese Politik in letzter Zeit äußerst erfolgreich fei und umsichtig geführt werde. „Als wir“, fuhr der Minister fort, „vor zwei Jahren während der Annexionskampagne im Feuer standen, befanden wir uns natürlich im Zentrum der europäischen Polstik, und damals gab es viele Stimmen, speziell in Deutschland, die über die Führung der auswärtigen Politik 1es vn Monarchie an⸗ erkennende Urteile fällten. Wenn jetzt, nach Vollendung der Annexonsangelegenheit und nachdem sich unsere Beziehungen zu allen Mächten wieder günstig gestaltet haben, Deutschland es ist, das aus der von uns inaugurierten Politik seinerseits Vorteile zieht, sich zu Rußland in ein besseres Verhältnis stellt und mit ihm Be⸗ sprechungen über wichtige wirtschaftliche Fragen in Persien einleitet, so kann ich mich und können wir uns darüber nur freuen. Ich konstatiere mit Befriedigung, S5. sich auch der Abg. Kramarsch in ähnlichem Sinne ausgesprochen hat. Es ist für mich auch sehr wichtig, und ich bin Kramarsch speziell sehr dankbar für die wiederholte Betonung dessen, daß er nicht glaubt, daß die österreichisch⸗ungarische Pelct auf dem Balkan aggressive Ziele verfolge. Ich hoffe, daß diese Er⸗ klärung gerade auf seinem Munde zur Beseitigung gewisser Miß⸗ verständnisse beitragen wird. Was der Abg. Kramarsch darüber sagte,

ist nur die Bestätigung dessen, was ich und meine Amtsvorazye wiederholt erklärt haben. Ich würde es sehr begruenr inah der 58 Kramarsch seinen Einfluß in diesem Sinne peii auf die slavische Presse der Monarchie ausüben würde, damit sie 8 ihre Schre bweise wesentlich zur Befestigung der Meinung, ne. lich in Rußland und in den Balkanstaaten, beisteuere, daß n. Politik im wahren Sinne des Wortes eine konservative Politik und keine expansiven Tendenzen verfolgt. Dr. Kramarsch hat a über die trostlose Einsamkeit unserer auswärtigen Politik gesproch⸗ und den Wunsch nach L1“ vollständigen Unab ängigte geäußert. Trotz meines lebhaften Wunsches kann ich mich in diese Punkte mit ihm nicht einverstanden erklären. Von einer IJsoliertzte in unserer auswärtigen Politik, wie sie der Abg. Kramarsch schilden sehe ich nichts. Allerdings ist in Europa keine Fssact in ihne auswärtigen Politik vollkommen unabbängig. Die Verhältnisse d europäischen Staaten sind durch ein System von Allianzen und dun die daraus sich ergehenden Verpflichtungen derart in einander verwachse daß man von einer absolut unabhängigen Politik einer einzelnen Mas nicht sprechen kann. Wir sind selbstverständlich in der gleich Lage wie die anderen Staaten. Gemeinsam mit Deutschland habe wir konservative Interessen zu schützen. Ebenso mit Italien. a—h möchte also die Erklärungen des Abg. Kramarsch dahin richtig steln daß wir, gestützt auf eine nähere Kraft, unsere eigenen Intereses sel Fünb wahren. Was die Bagdadbahn betrifft, die gewiß seh wichtig ist, so habe ich keinen Grund, vom Standpunkte unsen auswärtigen Politik jetzt für oder wider zu dieser Angelega heit Stellung zu nehmen. Ich möchte nur die Behauptung e Abg. Kramarsch bezweifeln, daß die B. ndbahn unseren wirtschaf lichen Interessen so schädlich sein soll, iha der Abg. Kramarsch des geschildert hat. Bemerken will ich nur, daß unsere Induftrien während sie gegenwärtig für Artikel nach Persien wegen des Tin ports über den Kaukasus noch mit dem russischen Durchganghze belastet sind, nach dem deutsch⸗russischen Einverständnis eine Verbindung zwisch der Bagdadbahn und den persischen Bahnen zustande komn In der Angelegenheit der Elbschiffahrt stimme ich mit dem P. Kramarsch, der die Erwartung ausgesprochen hat, daß wir in dieß Frage auf unserem Standpunkte verharren werden, überein. Uehe bekanntlich schon Erklärungen der österreichischen Regierung; dieser Beziehung vor, denen ich hier nur hinzufügen kann, daß ich Besprechungen mit dem österreichischen Ministerpräsidenten unsen Standpunkt ausführlich dargelegt habe und mit ihm darin einig we daß wir an unseren Anschauungen in dieser Frage festhalts müssen Auf die Frage des Abg. Exner, betreffend die Aktiond Präͤsidenten Taft hinsichtlich der Abrustungsfrage, erklärte der Minist er stehe mit den übrigen Kabinetten im Meinungsaustausch über ihn Hesan zu dem Vorschlage Tafts, den er zwar mit große

nteresse entgegengenommen habe, ohne sich allerdin verhehlen zu können, daß in einem Zeitalter, wo) der Ih stand des bewaffneten Friedens allgemein als sichent

Gewähr gegen den Ausbruch von Feindseligkeiten angesehen vic einer solchen Anregeng kaum ein unmittelbarer Erfolg beschieden sef dürfte. Ein solcher Erfolg erscheine ihm, dem Minister, nur mäöglich wenn alle in Betracht kommenden Mächte dieser mit Rücksitt an die stets steigenden und auf den Völkern schwer lastenden Rüstung ausgaben gewiß allgemeinste Sympathie verdienenden Aktion sich a schlössen.

Der bosnische Ausschuß der österreichische

Delegation begann gestern die Beratung des bosnische Kredits.

Der Obmann leitete, wie „W. T. B.“ meldet, die Debatte einer Ansprache ein, in der er hervorhob, die Oesterreicher brächt den neuen Provinzen die wärmften Sympathien entgegen m. seien bereit, deren berechtigte Wünsche zu fördern, anderersch rechneten sie darauf, daß sich die Bevölkerung Bosniens m. der Herzegowina mit den Oesterreichern in Treue für Kue⸗ und Reich vereinigten und die Oesterreicher fernerhin nicht mehr db

remde in ihrem Lande unsähen. Der Minister Freiherr von Buria

prach seine Genugtuung über das Bosnien und der Herzegowinz R kundete Interesse aus und betonte, die wichtigen des bosnischen Lmd tags und der Verwaltung harrenden Aufgaben bedürften der ue lischen id wirtsc aftlichen Hilfe der Monarchie.

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Die Regierung hat in der Deputiertenkammer den b wurf eines Gesetzes eingebracht, durch welches verhindert werde soll, daß in der Champagne aus anderen Gegenden stammene Wein zur Herstellung von Champagner benutzt wird.

In der Marinekommission erklärte gefte „W. T. B.“ zufolge, der Marineminister Boué de Lapeyrer es sei unmöglich, gegenwärtig auf den Staatswerften zwein Panzerschiffe zu erbauen; denn die Docks zu Brest und Lorie seien durch die Panzerschiffe „Jean Bart“ und „Courbet⸗ setzt. Die Kommission nahm darauf den Feesehsnf an, den Minister ermächtigt, im Jahre 1911 der Privatindu zwei Panzerkreuzer des „Jean Bart“⸗Typs in Auftrag zu gebe

Nußland.

Die Reichsduma hat gestern ihre Arbeiten wieder! genommen und, „W. T. B.“ zufolge, ohne Debatte er Antrag angenommen, in der Abendsitzung vom 1. Februar! Frage an die Regierung zu richten, welche Maßnahmen griffen worden seien, um der Pest in Sibirien und im gm Reich entgegenzuwirken.

Italien.

In der gestrigen Sitzung der Deputierten kamn gab der Unterstaatssekretär im Ministerium des Aeußern di Scalea auf eine Anfrage, betreffend die in einem T. der auswärtigen Presse verbreiteten falschen Gerüchte über gesundheitlichen Verhältnisse in Italien, laut Melhe des „W. T. B.“ folgende Erklärung ab: 8

Es sei richtig, daß diese Nachrichten von einigen auswärg Blättern verbreitet worden seien, um die zahlreichen Besucher, von der Schönheit des Himmels und dem Ruhme der Kunst und Geschichte Italiens angezogen würden, von dem Lande abzular Die Regierung habe nicht verfehlt, diese Gerüchte als falsch u eichnen und alle nur möglichen Maßnahmen dagegen ergriffen. 6 S keine Mühe, um zu verhüten, daß eine solch illoyale Kampeß i auch in diesem Jahre breitmache, in dem alle zivilisterten Notie sich zur Teilnahme an der Fünfzigjahrfeier des Königreicht Jue rüsteten.

Niederlande.

Las einer Meldung des „W. T. B.“ hat der Mi des Aeußern v. Marees van Swinderen in der gestre Sitzung der Ersten Kammer erklärt, daß die englt Regierung den Vorschlag Deutschlands, die Ench, ansprüche deutscher Untertanen aus dem Bure kriege einem Schiedsgericht zu unterbreiten, abgelehnt 89 Der Minister erklärte weiter, er halte neue Schritte zugung der ehemaligen Angestellten der Südafrikanischen isende nach den mit der englischen Regierung getroffenen barungen nicht für nötig. JC11“

Türkei.

Zirkularnote der Pforte beauftragt die türbise

die Aufmerksamkeit der Schutzmächte 22

Eine Botschafter, Lage auf Kreta, insbesondere auf die Verletzung der der Mohammedaner zu lenken.

ainstimmig eine Resolution,

nur mit dem persischen Zoll belastet werden, wal

Die Sobranje hat gestern, wie „W. T. B.“ meldet, betreffend die augenblickliche Un⸗ möglichkeit eines definitinen Handelsvertrages mit der Türkei, angenommen. Der Ministerpräsident und der Finanz⸗ minister erkärten, die gegenwärtige Lage dürfe nicht als Zoll⸗ krieg angesehen werden und die Regierung würde erst dann zur Anwendung der Maximalzollsätze schreiten, wenn alle Be⸗ mühungen endgültig gescheitert seien und wenn die Türkei den Differentialtarif auf bulgarische Herkünfte anwenden würde. Amerika.

Das amerikanische Repräsentantenhaus hat das Gesetz, das die Einrichtung eines ständigen Tarif⸗ ausschusses vorsieht, einer Meldung des „W. T. B.“ zufolge, gestern mit 186 gegen 93 Stimmen angenommen.

Asien.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ haben die Araber bei einem Angriff auf die Türken bei Ebha in der Nähe von Hodeida 600 Mann verloren, während die türkischen Truppen, die sich tapfer schlugen, 150 Tote und Verwundete hatten.

Afrika.

Wie das „Reutersche Bureau“ meldet, ist die deutsche Kronprinzessin von ihrem Aufenthalt in Kairo so befriedigt, daß sie sich entschlossen hat, noch eine Woche dort zu verweilen und dafür den Besuch Siziliens aufzugeben. Die Kronprinzessin wird am 8. Februar von Alexandrien nach Neapel fahren, wo die Ankunft am 11. Februar erfolgen wird.

Parlamentarische Nachrichten. 1

Der Bericht über die gestrige Sitzung des Reichstags und der Schlußbericht über die gestrige Sitzung des Hauses der Abgeordneten befinden sich in der Ersten und Zweiten Beilage.

Die heutige (118.) Sitzung des Reichstags, welcher der Staatssekretär des Reichsschatzamts Wermuth beiwohnte, eröffnete der Präsident Graf von Schwerin⸗Löwitz mit folgenden Worten: .

Meine Herren! Ich erhalte soeben die traurige Nachricht 2 Haus erhebt sich), daß eines unserer ältesten Mitglieder, der Abg. Singer, beute mittag verstorben ist. Er war Mitglied seit der VI. Legislaturperiode, seit 1884, also seit 27 Jahren. Sie haben sich zum Gedächtnis des Verstorbenen von Ihren Plätzen erhoben; ich stelle das fest.

Zur dritten Beratung stand der Entwurf eines Zuwachs⸗ steuergesetzes auf Grund der Beschlüsse zweiter Lesung. Es liegt eine Reihe von Kompromißanträgen vor, die von dem Abg. Grafen Westarp (dkons.) eingebracht und von Mitgliedern aller Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten und Polen unterstützt sind. Außerdem ist ein Antrag der Deutschkonservativen 8 von Normann u. Gen.) eingebracht, in § 22 auch die Befreiung des Landesfürsten und der Landesfürstin von der Zahlung der Wertzuwachssteuer aus⸗ zusprechen. Eine Reihe weiterer Amendements ist mit Unter⸗

stützung von Zentrumsmitgliedern von dem Abg. Trimborn (Zentr.) gestellt. 1 .

In der Generaldiskussion erklärte der .

Abg. Dr. Jäger (Zentr.), daß die Mebhrzahl seiner Freunde sich auf den Boden der Beschlüsse zweiter Lesung stelle und die Kommissionsanträge akzeptiere. Selten sei wohl eine Vorlage so sorg⸗ fältig vorbereitet worden wie diese.

Abg. Dr. Arendt (Rp.): Wir sind wohl alle darin eiaig, 5 der Kelch des Leidens dieser Verhandlungen am Reichstage sobald wie möglich vorübergehen möge. Ich kann aber der Mei⸗ uung nicht beitreten, daß selten eine Vorlage so gut vorbereitet gewesen ist wie diese. Wir standen in verschiedenen Stadien der Beratung unter dem Druck, nur recht schnell fertig zu werden. Heute liegen wieder eine Reihe von Anträgen vor, und ich bin über⸗ zeugt, daß, wenn wir eine vierte Lesung vornähmen, diese Zahl

ch noch vermehren würde. Welches finanzielle Ergebnis wird denn diese Steuer überhaupt haben? Diese Frage ist doch die Haupt⸗ sache. Im Lande macht man sich über den Ertrag eine irrige Vor⸗ stellung. Zahlreiche Beamte glaubten, daß eine Gehaltserhöhung aus ihr hervorgehen würde. Diese Erwartung und auch die der Veteranen ist eine irrige. Die Veteranen sind nur der Vorspann, um das Gesetz durchzubringen. Der Ertrag dieser Steuer steht außer jedem Verhältnis zu dem Apparat, der für sie aufgewandt wird. Das Ergebnis ist, daß das Reich für 3 Jahre einige Millionen mehr bezieht. Die Mehreinnahme, die für 1910 zu erwarten gewesen wäre, ist leider durch die Beschlüsse zweiter Lesung illusorisch geworden; der Beschluß nach dem nationalliberalen Antrag, daß das Gesetz erst 1911 in Kraft tritt, kostet dem Reiche 10 Millionen. 8

(Schluß des Blattes) 8

Das Haus der Abgeordneten setzte in der heutigen (16.) Sitzung, welcher der Minister für Landwirtschaft, Domänen

und Forsten Dr. Freiherr von Schorlemer beiwohnte, die weite Beratung des Staatshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1911 bei dem Etat der Domänen⸗ verwaltung fort. Zu diesem liegen folgende Anträge vor:

3 1) von den Abgg. Bartscher (Zentr.) und Genossen: „die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, von Zeit zu Zeit, mindestens alle 5 Jahre, über die der Domänenverwaltung unter⸗ stellten Werte der Domänen und deren wirtschaftliche Ergeb⸗ nisse eingehende Darstellungen getrennt nach Regierungsbezirken

vorzulegen, welche die Nachprüfung durch das Abgeordnetenhaus

möglich machen“; 8 2) von den Abgg. Borgmann (Soz.) und Genossen: „die Ksönigliche Staatsregierung zu ersuchen, dem Landtage bis zur dritten Lesung des Etats eine Aufstellung über die Entwicklung der Viehhaltung in den Königlichen Domänen in den letzten 10 Jahren . zu lassen“. 8 8 88

8* den Einnahmen bemerkt bg. Dr. Dahlem (Zentr.): In den Rheinweinbaugegenden wird es schmerzlich empfunden, daß das Reblausgesetz zwar sehr streng durchgeführt wird, die Entschädigung aber um so schmäler ausfällt. Ueber die drückende Lage der Winzer brauche ich kein Wort zu perlieren. Es wäre vielleicht zu erwägen, ob nicht eine Revision des Reblaus⸗ gesetzes in der Richtung einer Erhöhung der Entschädigungen empfehlens⸗ wert wäre. Abg. Engelsmann (nl.): Im Gegensatz zu dem Vorredner muß 8 darauf bestehen, daß das Gesetz in Kraft bleibt, das dem ganzen einbau zum Segen gereicht hat. Etwas anderes ist es mit den Entschädigungen. Hiege sind im letzten Jahre etwas spärlicher ge⸗ wesen als im vorletzten. Ich kann den hierauf bezüglichen Aus⸗ ürungen des Vorredners beitreten. Hier wäre eine Remedur am atze. Abg. Dr. Dahlem: Eine Aufhebung des Gesetzes habe ich nicht verlangt, sondern nur eine Revision der ntschädigungsbestimmungen; von einer Aenderung des Reblausgesetzes als solchen habe ich nicht

gesprochen. Allerdings wäre eine sachliche Aenderung insofern wünschens⸗ wert, als jetzt auch in Fällen, wo nur eine einzige Reblaus gefunden wird, der ganze Weinberg vernichtet werden muß.

Der Ertrag von Domänenvorwerken ist auf 17 628 388 ℳ, 325 044 mehr als im Vorjahre, angesetzt.

Hierzu liegt eine Darstellung über die der Domänen⸗ verwaltung unterstellten Werte der geschlossenen Domänen⸗ vorwerke und deren wirtschaftliche Ergebnisse vor.

Zur Beratung stehen außerdem die Uebersichten über die Ergebnisse der anderweiten Verpachtung der im Jahre 1910 pachtfrei gewordenen und der im Jahre 1911. S werdenden Domänenvorwerke, die Nachweisung der urch Kauf und Tausch vorgekommenen Flächenzugänge sowie der durch Verkauf, Tausch und infolge von Ablösungen eingetretenen Flächenabgänge bei der Domänenverwaltung für das Etatsjahr 1909 und eine Denkschrift, betreffend die in der Nachweisung mitenthaltenen Veräußerungen und aus dem außerordentlichen Domänenkauffonds bewirkten Erwerbungen, bei denen der Wert 100 000 im Einzelfalle übersteigt.

Abg. Graf von der Groeben berichtet über die Verhandlungen der Kommission. 8

Abg. von Arnim⸗Züsedom (kons.): Die Erträgnisse aus den Domänen sind im allgemeinen nicht so, wie es zu wünschen wäre im Inter⸗ esse des Schutzes der nationalen Arbeit. Ich kann es nur freudig be⸗ grüßen, daß der Verkauf von Norderney nicht beabsichtigt ist. Bei der Verpachtung der Domänen könnte sehr gut mehr erzielt werden, ebenso wie Privatverpachtungen einen viel höheren Prozentsatz bringen. Denn man muß doch auch in Rechnung ziehen, daß der Pächter das anze Wirtschaftsmaterial mitverpachtet erhält. In allen anderen Ftats werden Neubauten im einzelnen aufgeführt; hier bei dem Domänenetat finden sich keine derartigen Angaben.

Ministerialdirektor Dr. Thiel: Die neuere Verkaufs⸗ und An⸗ kaufspolitik hat 1899 begonnen. Seitdem sind 63 Vorwerke mit einem Flächeninhalt von 21 072 ha und Parzellierungsgrundstücke von 12537 ha verkauft worden, die für die Staatskasse jährlich einen Ertrag von 1 251 800 geliefert hatten. Der Veräußerungserlös betrug 72 400 000 ℳ, womit namentlich in den östlichen Provinzen neue Domänen mit insgesamt 48 186 ha für einen Aufwand von 47 620 532 gekauft wurden. Die jährlichen Einnahmen aus diesen Ankäufen belaufen sich jetzt auf 1 229 824 ℳ. Es ist also noch ein kleines Defizit vorhanden. Außerdem sind aber von den 72 Millionen 17 881 200 an den Staatsschatz abgeliefert worden, für 4 445 538 wurden Wiesen, Weinberge und Domänen gekauft, für 1 429 383 Grundstücke, die an die Gestütverwaltung übergegangen sind. Die Differenz zwischen diesen Zahlen setzt sich aus Restkaufgeldern zusammen, die noch nicht eingegangen sind. Die laufenden Staats⸗ einnahmen haben also aus diesen Verkaufs⸗ und Ankaufsgeschästen keine Einbuße erlitten. Bezüglich der Uebersicht über die Bauten muß ich erklären, daß es sich bei den Bauten der Domänenverwaltung um etwas ganz anderes handelt als bei anderen Verwaltungen. In einer Verwaltung von weit über 1000 Domänen mit einer großen Zahl von Ställen, Scheunen und anderen kleinen Bauwerken ergeben sich oft ganz unvorhergesehene Dinge. Irgend ein Sturm wirft z. B. eine alte Scheune um, und die Domänenpächter haben unter Umständen ein klagbares Recht darauf, daß die Gebäude wieder erneuert werden. Deshalb ist die Verwaltung garnicht in der Lage, so scharf darüber disponieren zu können, was sie im nächsten Jahre braucht. Für alle Bauten, für die man vorher Pläne und Kostenvoranschläge macht, wird dem Wunsche des Hauses entsprochen werden.

Abg. Schmedding (Zentr.): Die uns vorgelegte Denkschrift über die der Domänenverwaltung unterstellten Werte und deren wirt⸗ schaftliche Ergebnisse entspricht ja einem Beschluß des Hauses und insbesondere den Anregungen des Abg. von Pappenheim. So sehr wir anerkennen, wie außerordentlich mühevoll und schwierig die Wertschätzungen sind, so müssen wir doch das in der Denkschrift ge⸗ botene Material als ungenügend bezeichnen. Namentlich bietet sie keinen Anhalt für die Beurteilung der Frage der Angemessenheit der Kaufpreise, und so erscheint uns deshalb die Annahme des Antrags Bartscher als unumgänglich.

Ministerialdirektor Dr. Thiel: Bei den verschiedenartigen Ver⸗ hältnissen der einzelnen Domänen wird es schwierig sein, dem Antrage zu entsprechen. Eine solche Darstellung über die wirtschaftlichen Ergebnisse der Domänen würde auch mit erheblichen Kosten ver⸗ bunden sein.

Abg. Heine (nl.) erkennt an, daß die in der Denkschrift auf Grund einer Ermittlung nach dem Stande im Jahre 1901 angegebenen Durchschnittswerte der Domänen annähernd richtig sind, obwohl sich für die Verkäufe seit 1901 eine kleine Ungenauigkeit ergeben kann. Der Redner bringt dann einen Fall aus seiner hannoverschen Heimat zur Sprache, in dem eine Gemeinde eine vergebliche Eingabe wegen Ankaufs einer Domäne gemacht habe. Die Aufklärungen, die über die Weiterentwicklung der Domäne Dahlem gegeben seien, hätten seine Freunde befriedigt. Er frage ferner an, welcher Modus für die E“ der Domänenvorwerke nach den Erfahrungen des Ministers der beste sei; die Meinungen darüber seien in landwirt⸗ schaftlichen Kreisen geteilt. Daß die Landwirtschaft jetzt bessere Er⸗ träge habe, sei der Mitwirkung der Nationalliberalen bei der Zoll⸗ schutzgesetzgebung zu danken. 8

(Schluß des

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8 111“ * Dem Hause der Abgeordneten sind zugegangen: Entwurf eines Gesetzes, betreffend Anleihe zur Er⸗ weiterung der Anlagen der Staatsbergverwaltung, nebst Begründung, der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Erweiterung des Stadtkreises Erfurt, mit Be⸗ gründung, und der Baubericht der Eisenbahnverwal⸗ tung für den Zeitraum vom 1. Oktober 1909 bis 1. Oktober 1910 nebst dem Rechenschaftsbericht über die Verwendung des extraordinären Dispositions⸗ fonds dieser Verwaltung für das Etatsjahr 1909.

Statistik und Volkswirtschaft.

Tabakernte, „preise, steuer und ⸗verbrauch in Deutsch⸗ land im Erntejahre 1909/10.

Das letzte „Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs“ enthält u. a. eine Statistik der Tabakernte und der im deutschen Zollgebiete für das Erntejahr 1909 (1. Juli 1909 bis 30. Juni 1910) und einen vorläufigen Nachweis über den Tabakanbau im Jahre 1910.

Mit Tabak angebaut und abgeerntet wurden im Erntejahre 1909 16 185 ha gegen 14 525 ha im Ps⸗ 1908 (1907: 15 405 ha, 1906: 14 684 ha, 1905: 14 111 ha). Die Steigerung des Tabakbaues um 1660 ha entfällt fast zur Hälfte auf Baden (+ 703 ha); dann folgen Bayern (+ 379 ha), El v (+ 147 ha), die Provinz Brandenburg (+ 130 ha), Württemberg (+ 89 ha) usw. Sie ist e auf das vorzügliche Ergebnis der 1908 er Ernte zurück⸗ zuführen.

„Die Ernte des Jahres 1909 blieb indessen weit hinter dem vor⸗ jährigen Ertrage zurück, eine Folge der andauernd ungünstigen Witterung. Sommer und Herbst waren kühl und Stark auf⸗ tretende Dachfäule und Hagelschläge beeinträchtigten stellenweise (in Baden, Bayern, Württemberg) den Ernteertrag. Die meist als mittelmäßig bezeichnete Beschaffenheit der Tabakblätter befriedigte in einigen Bezirken sehr. So soll in Baden der 1909 er Tabak hin⸗ sichtlich der Beschaffenheit zu den besten Jahrgängen zählen. Geerntet wurden insgesamt 28 178 t (17 4 auf 1 ha) dachreifer

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Tabakblätter gegen 34 409 t (23,7 dz auf 1 ha) im Erntejahre 1908 (1907: 28 839 t, 1906: 32075 t, 1905: 31 860 t). Die für den Tabak erzielten Preise waren durchweg sehr gut, sie übertrafen noch die vorjährigen trotz der von Ausnahmen abge⸗ sehen geringeren Beschaffenheit der diesjährigen Ernte. Im Ge⸗ samtdurchschnitt wurden für 1 de dachreifer Tabakblätter 66,7 (ohne Steuer) gezahlt (1908: 62,9 ℳ, 1907: 57,7 ℳ, 1906: 58,3 ℳ, 1905: 50,4 ℳ). Die Preissteigerung wird in erster Linie auf die stärkere Zollbelastung des ausländischen Tabaks zurückgeführt, obwohl auch die Tabaksteuer mit Wirkung vom 15. August 1909 ab durch das Tabaksteuergesetz vom 15. Juli 1909 von 45 auf 57 für 1 dz gewichtsteuerpflichtigen Tabak erhöht worden ist. Für Grumpen und für Tabak, der zur Herstellung zigarettensteuerpflichtiger Erzeug⸗ 1“ wird, wurde der bisherige Steuersatz (45 ℳ) bei⸗ ehalten. 8 An Tabaksteuer (abzüglich der Erlasse) wurden vereinnahmt 12,17 Millionen Mark (1908: 11,10 Millionen Mark), an Tabakgewicht⸗ zoll 60,15 Millionen Mark (1908: 78,74 Millionen Mark), an Wert⸗ zollzuschlag 29,00 Millionen Mark. Die Abgabe von Tabakersatz stoffen betrug 88 692 (1908: 77,531 ℳ). Nach Abzug der für ausgeführten Tabak gezahlten Zoll⸗ und Steuervergütungen 587 505 verbleiben als Reinertrag der Tabakabgaben 100,82 Millionen Mark (1908: 89,52 Millionen Mark), d. i. 1,56 auf den Kopf der Bevölkerrng (1908: 1,41 ℳ). t Der Verbrauch an fabrikationsreifem Rohtabak berechnet sich unter Berücksichtigung der Ein⸗ und Ausfuhr auf 1,35 kg pro Kopf. Nach dem vorläufigen Nachweis über den Tabakanbau im Jahre 19o insgesamt 15 421 ha (1909: 16 185 ha) mit Tabak bepflanzt.

(Weitere „Statistische Nachrichten“ s. i. d. Zweiten

Kunst und Wissenschaft.

„Wie bereits kurz gemeldet wurde, ist der ordentliche Professor an der Universität Bonn, Geheime Rexgierungsrat Dr. Wilhelm Wilmanns das Opfer eines tödlichen Unfalls geworden. dem Verstorbenen hat die zeitgenössische Germanistik ihrer namhaftesten Vertreter verloren, der sich um die Erforschung der mittelhochdeutschen Poesie, um die deutsche Grammatik und die Geschichte der deutschen Sprache hervorragende Verdienste erworben hat. Im Jahre 1842 in Jüterbog geboren, wurde Wilmanns nach in Berlin vollendeten Studien zunächst Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, von wo er 1874 als ordentlicher Professor der deutschen Sprache und Literatur nach Greifswald berufen wurde. Seine Arbeiten über Walther von der Vogelweide und das Gudrunlied hatten ihm den Weg zum akademischen Lehrstuhl eröffnet. Nach dreijähriger Lehrtätigkeit in Greifswald folgte Wilmanns einem 5 nach Bonn, als Nachfolger Karl Simrocks, wo er hinfort wirkte. Neben Walther und dem Gudrunlied bot ihm hier das Nibelungen⸗ lied und die Nibelungensage ein Feld für eingehende und erfolgreiche Forschungen. Von seinen Werken auf dem Gebiete der Grammatik seien die „Deutsche Schulgrammatik“, die bisher 12 Auflagen erlebte und seine dreibändige „Deutsche Grammatik“ genannt, die die ge⸗ schichtliche Entwicklung der deutschen Sprache vom Gotischen bis zu Neuhochdeutschen darstellt.

In Charlottenburg ist gestern der Professor Emil Hundrieser, Direktor des Rauch⸗Museums und Ibeneleches Mitglied der König⸗ lichen Akademie der Künste, nach längerem Leiden im 65. Lebensjahre gestorben. Hundrieser war in Königsberg i Pr. geboren, seit 1873 schuf er selbständig in Berlin. Unter seinen Bildwerken seien die Statuen König Friedrich Wilhelms III. in der Ruhmeshalle in Berlin, Kaiser Wilhelms I. in der Technischen Hochschule in Char⸗ lottenburg, die Marmorfigur der Königin Luise in der Nationalgalerie, ein Denkmal Kaiser Friedrichs in Merseburg, ein Bismarck⸗Denkmal in Mannheim und die Berolina auf dem Alevxanderplatz in Berlin hervorgehoben. Seine größten und bekanntesten Werke sind die Denk⸗ eea. Wilhelms I. auf dem Kyffhäuser und am Deutschen E

bei Koblenz.

Radiumfunde in Südaustralien. 8

Dr. Douglas Mawson, Privatdozent für Mineralogie an Universität in Adelaide, hat auf einer Erforschungsreise das Innere Südaustraliens eine Entdeckung gemacht, die all. meines Aufsehen erregt. Er berichtet: „Ganz im Mittelpunkte der vorkambrischen Zone erhebt sich zackig und fast pfadlos „Mount Paynter“, einer der höchsten Berge in Südaustralien. Wie ein Wachtposten steht er an dem einen Ende eines sich in westnordwest⸗ licher Richtung erstreckenden, erzdurchsetzten Gebirgskammes. Der größte Teil dieses ausgedehnten Ganges ist von manganhaltigem Eisenstein bedeckt, der ihn so hervortreten läßt, daß man seine Windungen auf vpolle drei Meilen mit den Augen S kann. Seine Seiten haben zahlreiche Klüfte, die Amethyst und Rauchtopas zeigen. An dem östlichen Ende sind Spuren von Kupfer zu sehen, während man bei weiterem Vordringen nach Westen auf Blei stößt. Geht man in dieser Richtung noch weiter, so trifft man auf de einen Seite auf eine 60 Fuß breite Barytader, die mit dem Haupt⸗ gange parallel verläuft. Flußspat, tief violett oder hellgrün oder zuweilen auch rosa gefärbt, findet sich hier in großen Mengen, ein⸗ gelagert in eine zutage liegende eisenhaltige Schicht. Hämat Magneteisenstein und Manganoryd sind die Hauptbestandteile diese letzteren Schicht, deren zellenförmige Löcher darauf hindeuten, daß ein in dem unter Wasserhöhe liegenden Teile des Ganges enthaltenes Mineral ausgelaugt worden ist. In der zutage liegenden Schicht des erwähnten großen Ganges fanden wir auf 1 ½ Meilen Uran, und zwa in beträchtlichen Mengen. Dieser Teil des Ganges ist von einigen Fuß bis zu vielen Yards breit und erhebt sich bis zu 1000 Fuß über die Sohle des anstoßenden Tales. Dafür, daß er auch in die Tiefe geht, zeugen seine rissige Natur, die sich an beiden Seiten zeigenden Gürtel zermahlenen Gesteins und der Schlich, der sich in auffallender Weise in einige Teile des Ganges hineinzieht. Weitere Beweis⸗ mittel dafür sind die Länge und Regelmäßigkeit des Ganges und die senkrechten Wände der zeitweilig recht tiefen Abgründe. In Anbetracht der Preise, die heute für Uran und Radium be⸗ zahlt werden, scheint die Entdeckung von großer Bedeutung zu sein. Es sind daher Vorkehrungen getroffen worden, sie weiter zu ver⸗ folgen und die Herstellung von Radium aufzunehmen.’ In einer späteren Aeußerung weist Dr. Mawson darauf hin, daß d wirtschaftliche Wert der Entdeckung nicht erwiesen sei, so nicht eine vollständige Analyse der Erze vorgenommen worden sei. Die gesamte Radioaktivität einiger größerer mitgebrachter Muster ließe, so fuhrt er weiter aus, vorausgesetzt, daß sie allein auf Uranium zurückzuführen sei, auf die Gegenwart v. 1 v. H. diese Minerals schließen. Neuere Untersuchungen hätten indessen gezei daß auch Monazit, eine Thoriumverbindung, darin enthalten d Sollte sich das bestätigen, dann würde der Urangehalt natürli

geringer sein, als man zuerst erwartet habe. (Bericht des vesne.

sachverständigen beim Kaiserlichen Generalkonsulat in S

“]

Ernteergebnisse in Canada. 8 Nach einem Bericht des Kaiserlichen Konsuls in Montreal vom

12. d. M. war das Ergebnis der canadischen Ernte im Jahre 191 folgendes: 8e

-5.I116““ 323 Million 48,5 da

P111I1q1“*“ 40, 8

Frühlingsweizen . . . . . 133 1

11ö6“ 10

Fe86“* 1,5 .

Mais (außer für Futterzwecke) 18,7

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