Im Königlichen Opernhause wird morgen, Sonntag, „Die Zauberflöte“ in der bekannten Besetzung der Hauptrollen wiederholt. — Montag geht, neueinstudiert, „Iphigenia in Aulis“, Oper in drei Akten von Chr. W. von Gluck, bearbeitet von Richard Wagner, in Szene. Die Besetaag lautet: Iphigenia: Frau Kurt; Klytämnestra: Frau Ober; Artemis: Frau Andrejewa⸗Skilondz; Agamemnon: Herr Bischoff; Achilles: Herr Kirchhoff; Kalchas: Herr von Schwind; Arkas: Herr Bachmann. Im Ballett des II. ufauges sind Fräulein Peter, Fräulein Lucia, die Solotänzerinnen und das Corps de ballet beschäftigt. Die musikalische Leitung hat der Kapellmeister von Strauß, die Regie sührt Herr Droescher. — Mit „Rienzi“ beginnt am Donnerstag nächster Woche der diesjährige R. Wagnerzyklus im Sonder⸗ abonnement.
Im Königlichen Schauspielhause wird morgen Ed. Paillerons Lustspiel „Die Welt, in der man sich langweilt“, mit den Damen Butze, Abich, Arnstädt, Heisler, Steinsieck, von Mayburg, von Arnauld sowie den Herren Vollmer, Boettcher, Vallentin und Schroth in den Hauptrollen, wiederholt. — Am Montag wird als 9. Vorstellung im Lustspielzyklus zu ermäßigten Preisen Ad. LArronges Lustspiel „Doktor Klaus“ aufgeführt. ie Damen Schramm, 88 Abich, Heisler sowie die Herren Vollmer, Eichholz, Boettcher, och und Werrack wirken mit.
Im Neuen Königlichen Operntheater geht morgen, als 1. Literarischer Abend, zu volkstümlichen Preisen „Ein Winternacht⸗ fest“, nordisches Trauerspiel aus dem 11. Jahrhundert in fünf Akten, aus dem Englischen des Charles Rann Kennedy ins Deutsche über⸗ tragen von Frank E. Washburn Freund, in folgender Be⸗ setzung in Szene: Thorkel, ein alter ikinger: Herr Mannstädt;
albrand, sein Sohn: Herr Koch; Björn, Thorkels Pflegesohn: Herr Gode; Olaf, Björns Sohn: 8* Hoffmann; Uffeig, ein Priester: Herr Eggeling; Odd, Thorkels Leibeigner: Herr Geisen⸗ dörfer; Herdisa, Walbrands Frau: Frau poppes Schwanbilde, ihre Tochter: Fräulein Ressel. In Szene gesetzt wurde das Stück von Herrn Dr. P. Lindau.
Das Lessingtheater bringt auch in nächster Woche bis ein⸗ schließlich nächstfolgenden Montag allabendlich Wiederholungen von „Glaube und Heimat“. Als Nachmittagsvorstellung ist für morgen „Hedda Gabler“, für nächstfolgenden Sonntag „Die versunkene Glocke“ angesetzt. 8 8
m Neuen Schauspielhause wird in nächster Woche täglich die Burleske „Eine Million“ von Georges Berr und Marcel Guille⸗ maud gegeben.
Im Schillertheater 0. (Wallnertheater) wird morgen und nächsten Sonntag, Nachmittags, „Die Ehre“, morgen abend sowie am Dienstag, Donnerstag und Freitag „Der große Name“ gegeben. Montag 8 „Liebelei“ in Verbindung mit „Literatur“, Mittwoch „Der Traum ein Leben“, Sonnabend „Nathan der Weise“, nächsten Sonntagabend „Husarenfieber“ in Szene.
Das Schillertheater Charlottenburg bringt morgen und nächsten Sonntag, Nachmittags, „Zapfenstreich“, morgen abend sowie am Dienstag, Donnerstag, Freitag „König Heinrich“, Montag wird „Im Klubsessel“, Mittwoch „Liebelei“ und „Literatur“, Sonnabend und nächsten Sonntagabend „Der große Name“ aufgeführt.
Die italienische Stagione der Komischen Oper beginnt Mitt⸗ woch, den 17. d. M., mit Verdis „Maskenball“, der in gleicher Be⸗ setzung am Montag, den 22. d. M., wiederholt wird. Freitag, den 19 d. M., geht als zweiter Abend Verdis „Rigoletto“ zum ersten Male und Sonnabend, den 20., Puccinis „Tosca“ in Szene. Sonntag, den 14., Dienstag und Sonntag, den 21. d. M., sind Wiederholungen der Neuheit „Der Teufelsweg“ von Waghalter angesetzt. Montag, den 15., geht die Oper „Hoffmanns Erzählungen“, Donnerstag, den 18., „Orpheus in der Unterwelt“ in Szene. Als Nachmittags⸗ vorstellung ist für morgen „Orpheus in der Unterwelt“ und für nächsten Sonntag „Die Fledermaus“ angesetzt.
Herr Karl Coßmann, Direktor des Magdeburger Stadttheaters, hat das Neue Theater für die Monate Juli und August behufs Aufführung einiger neuer Operetten gepachtet.
Im Friedrich Wilhelmstädtischen Schauspielhause wird morgen, neueinstudiert, das Schauspiel „Der Hüttenbesitzer“ von Georges Ohnet gegeben. Vom Montag ab geht wiederum täglich das Militärschauspiel „Kasernenluft“ in Szene.
Am gestrigen, dritten Abend der Festvorstellungen im Königlichen Theater zu Wiesbaden erschien Seine Majestät der Kaiser mit dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen sowie mit dem Reichskanzler in der Hofloge. Gegeben
wurde Aubers Oper „Die Stumme von Portiei“, neu einstudiert. Fräulein Kling spielte die Titelrolle, Fräulein
empel sang die Elvira, Herr Jadlowker den Masaniello,
err Schwegler den Pietro. Fräulein Hempel hatte mit der großen Arie im ersten Akt, die Herren Jadlowker und Schwegler mit dem Duett „Das teure Vaterland zu retten“ und Herr Jadlowker mit der Schlummerarie sehr starken Erfolg. Die Bucht von Neapel und der höfische Prunk des 16. Jahrhunderts und das immer gleiche bunte Volksleben Süditaliens traten auf das glücklichste in die Erscheinung. Professor Schlar dirigierte.
“ Mannigfaltiges. Berlin, 13. Mai 1911.
In der gestrigen Sitzung des Organisationsausschusses für den Deutschen Rundflug 1911 wurde festgestellt, daß nunmehr für diesen Flug 400 000 ℳ an Preisen insgesamt zur Verfügung stehen. Unter diesen Preisen befinden sich neben dem „B.⸗Z.⸗Preis der Lüfte“ von 100 000 ℳ vier Preise des Geiyß scben Kriegsministeriums, von denen zwei außer einer Geldsumme auch den Ankauf der siegenden Apparate durch die Armeeverwaltung umfassen. Nach der endgültigen Streckenfestsetzung durch den Organisations⸗ ausschuß wird der Rundflug über eine Strecke von insgesamt 1878 km führen. Die Durchschnittslänge der Tagesstrecken beträgt hiernach 145 km. Berlin wird Ausgangspunkt und Ziel des Fluges sein, der über Magdeburg, Schwerin, Hamburg, Kiel, Lüneburg, Hannover, Münster, Cöln, Dortmund, Cassel, Nordhausen und Felbeftagt führen wird. Zwischenlandungen werden in Lübeck, Bielefeld, Soest und Dessau erfolgen. An den Streckenorten, denen Ruhetage zugesichert sind, sind fast durchweg örtliche Flugveranstaltungen in Aussicht genommen, an denen die Teilnahme den Teilnehmern des Rundfluges freisteht. Auf diese örtlichen Veranstaltungen entfallen bis jetzt 86 000 ℳ der gestifteten Preise. Von besonderer Bedeutung dürfte das mit der „Kieler Woche“ zusammenfallende natio⸗ nale Wettfliegen in Kiel werden, das erst als selb⸗ ständige Unternehmung geplant, dann aber zu gunsten des roßncgigen Unternehmens von dem veranstaltenden Verein ür Motorluftschiffahrt in der Nordmark in den Deutschen Rund⸗ flug eingereiht worden ist. Ebenso findet der mit einem Preis des Kriegsministeriums ausgestattete Ueber⸗Harz⸗Flug von Nordhausen nach Halberstadt im Rahmen des Deutschen Rundfluges statt. Das Protektorat über die Etappen Schwerin —Ham⸗ burg, Hamburg — Kiel und über das nationale Wettfliegen in Kiel hat Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen übernommen; die Hamburger Veranstaltung steht unter dem Protektorat des regierenden Bürgermeisters von Hamburg, Dr. Predöhl, während Seine Königliche Hoheit der Groß⸗ herzog von Mecklenburg⸗Schwerin für die Etappe Mecklenburg⸗Schwerin das Protektorat übernahm und für die Schweriner Flugveranstaltung einen Ehrenpreis gestiftet hat. Mit der oben genannten Preissumme von 400 000 ℳ, die die für den verstümmelten europäischen Rundflug zusammengebrachte Summe er⸗ heblich übersteigt, ist der Preisfonds noch nicht erschöpft, da noch eine Reihe weiterer Stiftungen von Geld⸗ und Ehrenpreisen in Aussicht gestellt worden ist. Der Meldeschluß für die Flieger ist auf den 15. Mai festgesetzt; Nachmeldungen mit erhöhtem bis zum 25. Mai zulässig.
Heidelberg, 12. Mai. (W. T. B.) Heute vormittag 9 ¾ Uhr wurde die 37. Vollversammlung des Deutschen Handels⸗ tages als die 50 jährige Jubiläumstagung (vgl. Nr. 112 d. Bl.) im großen Saale der Stadthalle vor etwa 700 Teilnehmern vom Präsidenten Kaempf⸗Berlin mit einer kurzen Begrüßungs⸗
der Leipziger Handelskammer Richard Schmidt das Vortrag über die Schaffung eines internationalen Weheht 8— weiteren Verlauf der Arbeitssitzung sprachen der Landtagsab — Kommerzienrat Blell⸗Frankfurt a. O. über Doppelbes d- durch die Stempelgesetze der einzelnen Bundesstaaten” der Erste Vizepräsident der Berliner Handelskammer, (g konsul Franz von Mendelssohn über die wirtschaffga⸗ Bedeutung des deutschen 81 an ausländischen Wertp tlice Nach Annahme der von den Referenten beantragten Resolutsadiem. folgte die Wahl von Ausschußmitgliedern. Der Generalsen ir Pr. 5 oet b er sodann die eingegangenen Glichene reiben und „telegramme, worauf der Präside Fisch. Sitzung schloͤh. Präfident Kꝛemgf e
London 12. Mai. (W. T. B.) Der König und die Köͤnz⸗ wohnten heute der Frbflannnrert des Nesöhi im Kristallpalast bei, wo eine Ausstellung veranstaltet 8 6 ist, welche die Leistungen des Reichs auf industriellem, kommemüßoe und landwirtschaftlichem Gebiet veranschaulichen soll. Einen besorden bemerkenswerten Teil des Festes bildet eine Reihe von Festzü 88 in historischen Trachten, die ein zusammenhängendes lebecger Bild geben sollen von der Geschichte Großbritanniens und 8 dem Wachstum seiner Kolonien. Die Veranstaltung ist in erste der großen Festlichkeiten, die in Verbindung 8 nungsfeierlichkeiten stattfinden sollen. Der König und die König fuhren, von einer Abteilung der Leibgarden eskortiert, vom Bucki 1 palast nach dem Kristallpalast. Von Mitgliedern der Königliche
Familie nahmen teil der Prinz von Wales, die Prinzessin Man
die Prinzeß Roval und der Herzog von Fife, der Herzo 8- Herzogin von Argyll, die Prinzessin Christian de “ Victoria von Schleewig⸗Holstein, die Herzogin von Albany sowie „⸗ Prinz und die Prinzessin Alexander von Leg⸗ Kabinetts und des diplomatischen Korps waren ebenfalls erschienen
London, 13. Mai. (W. T. B.) Die Führer der beida politischen Parteien und die Chefs des Kriegs⸗ und des Marin departements wohnten gestern nachmittag auf dem Flugplatz Hendon einer Reihe von Flugvorführungen bei, die von parlamentarischen Luftverteidigungskomitee orgonig worden waren. Anwesend waren auch der Schatzkanzler Lloyd G der Staatssekretär des Innern Churchill und andere Mi⸗ Balfour stieg mit Graham White auf einem Farman⸗Zwes bis zu einer Höhe von hundert Fuß auf und umflog drein Flugplatz. Nach dem Fluge mit Balfour stieg Graham Whi dem Ersten Lord der Admiralität Me Kenna zu einem U landflug auf.
Dover, 12. Mai. (W. T. B.) Wie Lloyds meldet, ist Dampfer „Westmore land“, von Homburg nach Liverpool i stimmt, heute früh auf der Höhe von Southgoodwin im 1 mit dem spanischen Dampfer „Bayo“ zusammengestos Die „Bayo“ ist gesunken. Der Kapitän und vier Matresg werden vermißt. Die übrigen 17 Mann der Besatzung befine sich an Bord der „Westmoreland“, die schwer beschädigte Dover eingetroffen ist. 2
„St. Petersburg, 12. Mai. (W. T. B.) Auf dem Kalasa⸗ nikowkai ist heute durch ein Feuer, das von den dort lagenn Gütern besonders große Getreidevorräte vernichtete, ein Schahn von etwa 250 000 Rubel angerichtet worden.
New York, 12. Mai. (W. T. 8) Charles ereignete sich heute ein Zu Dampfer Merida“
Auf der Höhe von Cape nsammenstoß zwischen ia der Ward⸗Linie und dem Dampin
mit den Krs 2—
gin nghan. 20
Viele Mitglieder e2
eröffnet. der Präsident Hoch auf Seine Majestät den Kaiser, die Bundesfürsten und die e. Städte aus. An Seine Majestät den Kaiser wurde ein digungstelegramm abgesandt. Teil der Tagesordnung wurde
Jahresbericht debattelos und einstimmig genehmigt. Hierauf hielt der der Braunschweiger des Deutschen Verbandes für das Kaufmännische Unterrichtswesen, Regierungsrat Dr. kaufmännisches Unterrichtswesen in Nach kurzer Diskussion und nach Annahme einer zu⸗
Fortb ildung. No stimmenden Erklärung seitens der Versammlung nahm der Präsident
1“ . 8 Königliche Schauspiele. Sonntag: Opern⸗ haus. 126. Abonnementsvorstellung. Dienst⸗ und Frei⸗ plätze sind aufgehoben. Die Zauberflöte. Oper in vier Akten von Wolfgang Amadeus Mozart. Tert von Emanuel Schikaneder. Neueinrichtung für die Königliche Oper. Musikalische Leitung: Herr Generalmusikdirektor Dr. Muck. Regie: derr Regisseur Bachmann. Anfang 7 ½ Uhr.
Schauspielhaus. 129. Abonnementsvorstellung. Dienst⸗ und Freiplätze sind aufgehoben. Die Welt, in der man sich langweilt. Lustspiel in drei Aufzügen von Edouard Pailleron, übersetzt von Emerich von Bukovics. Regie: Herr Regisseur Keßler. Anfang 7 ½ Uhr. .
Neues Operntheater. 219. Blillettreservesatz. Dienst⸗ und Freiplätze sind aufgehoben. Literarischer Abend (volkstümliche Preise): Zum ersten Male: Ein Winternachtfest. Nordisches Trauerspiel aus dem 11. Jahrhundert in fünf. Akten. Aus dem Englischen des Charles Rann Kennedy ins Deutsche
Taifun.
Szene gesetzt von Herrn Dr. Paul Lindau. Anfang 7 ½ Uhr.
Montag: Opernhaus. 127. Abonnementsvorstellung. Dienst⸗ und Freiplätze sind aufgehoben. Neu ein⸗ studiert: Iphigenia in Aulis. Oper in drei Akten von Chr. W. von Gluck. Musikalische Leitung: Herr Kapellmeister von Strauß. Regie: Herr Ober⸗ regisseur Droescher. Graeb. Anfang 7 ½ Uhr.
Schauspielhaus. 130. Vorstellung. Das Abonne⸗ ment, die ständigen Reservate sowie die Dienst⸗ und
sind aufgehoben. 9. Vorstellung im Lust⸗ pielzyklus zu volkstümlichen Preisen.
Klaus. Lustspiel in 5 Aufzügen von I Regie: Herr Regisseur Keßler.
Heimat.
Adolf Monta
Anfang
Uhr. der Opernschule Dienstag: Figaros Hochzeit. — vatoriums. — Abends: Eine Million.
DOpernhaus. Mittwoch: Königskinder. — Donnerstag: Richard Wagner⸗Zyklus (I.): Rienzi. Anfang 7 Uhr. — reitag: Die Zauberflöte. — Sonnabend: Iphi⸗ genia in Aulis. — Sonntag: Die Fledermaus. Schauspielhaus. Dienstag: Lustspielzyklus (X.): Goldfische. — Mittwoch: 1. Shakespeare⸗Zyklus (I.): öniag Richard II. — Donnerstag: Lustspiel⸗ zyklus (XI.): Wie die Alten sungen. — Freitag: Lusispielzyklus (XII.): Auf Strafurlaub. — Sonnabend: 1. Shakespeare⸗Zyklus (II.): König Heiurich IV. (Teil I). — Sonntag: Lustspiel⸗ yklus (XIII.): Flachsmann als Erzieher. Neues Operntheater. Sonntag, den 21. Mai: Mignon.
Rigoletto.
Deutsches Theuter. Sonntag, Abends 6 Uhr: Faust, 2. Teil. Montag: Ein Sommerna Dienstag: Faust. 2. Teil. Mittwoch: Faust, 2. Teil. Donnerstag: Faust, 1. Teil. Freitag: Faust, 2. Teil. Sonnabend: Othello.
Kammerspiele.
Sonntag, Abends 8 Uhr: Sumurün. Montag: Frühlings Erwachen. Dienstag: Sumurün.
Mittwoch: Die Königin. Donnerstag: Der verwun
Freitag: Die Königin. Sonnabend: Sumurun.
chtstraum.
Berliner Theater. Sonntag, Nachmittags 3Uhr:
Schauspiel in vier Akten von Melchior Lengyel. — Abends Bummelstudenten. übertragen von Frank E. Washburn Freund. In F, nit hesag a Lan in fünf Bildern nach
Montag und folgende Tage: Bummelstudenten.
Lessingtheater. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Hedda Gabler. — Abends 8 Uhr: Glaube und 1 11⸗ Die Tragödie eines Volkes. Drei Akte
e ister von Karl Schönherr. Ballett: Herr Ballettmeister Montag und Dienstag: Glaube und Heimat.
Neues Schauspielhaus. Sonntag, Abends Doktor 8 Uhr: Eine Million.
bis Freitag: Eine Million. Sonnabend, Nachmittags 3 Uhr: 4. Aufführung Sternschen Konser⸗
Komische Oper. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. — Der Teufelsweg.
Montag: Hoffmanns Erzählungen.
Dienstag: Der Teufelsweg. 8
Mittwoch: Ital. Stagione I (Pasq. Amato): Ein Maskeuball.
Donnerstag: Orpheus in der Unterwelt.
Freitag: Ital. Stagione II: Zum ersten Male: (Gastspiel Baklanoff.)
I. Stagione
Sonnabend: Ita III (Pasq. Amato):
2 Nach Konstituierung des Bureaus brachte Kaempf ein mit Begeisterung aufgenommenes
Nach Eintritt in den geschäftlichen zunächst der gedruckt vorliegende Handelskammer und Vorsitzende
Stegemann einen Vortrag Deutschland und seine
Schillertheater. o0. (Wallnertheater.) Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Die Ehre. Schau⸗ spiel in vier Akten von Hermann Sudermann. — Abends 8 Uhr: Der große Name. Lustspiel in drei Akten von Victor Léon und Leo Feld.
Montag: Liebelei. Hierauf: Literatur.
Dienstag: Der große Name.
Charlottenburg. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zapfenstreich. Drama in 4 Aufzügen von Franz Adam Beyerlein. — Abends 8 Uhr: König Heinrich (in einem Vorspiel „Kind Heinrich“ un vier Akten) von Ernst von Wildenbruch. —
Montag: Im Klubsessel.
Dienstag: König Heinrich.
“
Theater des Westens. (Station: Zoologischer Garten. Kantstr. 12.) Sonntag, Nachmittags 3 ¼ Uhr: Der fidele Bauer. Operekte ven Leo Fall. — Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Operette in drei Akten von Victor Léon. Musik von Leo
Montag: Die geschiedene Frau. 8 Dienstag bis Freitag: Ein Walzertraum. Sonnabend: Die lustige Witwe. a.
Musik von Conradi. Fall.
Lustspielhaus. (Friedrichstr. 236.) Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Meyers. Schwank in drei Akten von Friedmann⸗Frederich. — Abends 8 Uhr: Der Feldherrnhügel. Schnurre in drei Akten von Roda Roda und Rößler. Hrbeantag und folgende Tage: Der Feldherrn⸗
2
Thaliatheater. (Direktion: Kren und Schönfeld.) Sonntag, Abends 8 Uhr: Polnische Wirtschaft. Schwank mit Gesang und Tanz in drei Akten von Kraatz und Okonkowsky, bearbeitet von J. Kren. Abends 8 Uhr: Fescegstexte von Alfred Schönfeld, Musik von
Gilbert. b“ sjaehna und folgende Tage: Polnische Wirt⸗
88 aft.
Trianontheater. (Georgenstraße, nahe Bahnhof Friedrichstr.) Sonntag, Abends 8 Uhr: Gastspiel des „Neuen Schauspielhauses“: Das Prinzchen. Liebesschwank in 3 Akten von Robert Misch.
Montag und folgende Tage: Das Prinzchen.
—
„Admiral Farragut“ der amerikanischen Postdampfergesellscht Die „Farragut“ nahm die 200 Reisenden der „M die bald darauf sank. ul⸗ Die Reisenden der „Merida“ haben ihr sämtliches Gepäck einges — Der Dampfer „Hamilton“ hat die Reisenden anke genommen und bringt sie nach Norfolk in Virginta..
. „Merida“ an Ba Die „Farragut“ blieb dank den Schotts in
(Fortsetzung des Amtlichen und Nichtamtlichen in der Ersee
und Zweiten Beilage.)
Modernes Theater. (Königgrätzer Str. 57,58) Sonntag, Abends 8 ¼ Uhr: Gastspiel des „Nemn Schauspielhauses’: Wienerinnen. Lustspiel i drei Akten von Hermann Bahr.
Montag und folgende Tage: Wienerinnen.
Birkus Busch. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr und Abends 8 Uhr: 2 große Galavorstellungen. Jeder Besucher hat Nachmittags ein angehönge Kind unter 10 Jahren auf allen Sitzplätzen fim⸗ weitere Kinder unter 10 Jahren halbe Preit⸗ Galerie volle Preise. — Nachmittags und Abends (ungekürzt): Die Originalausstattungspamt, mime „Ein Jagdfest am Hofe Ludwigs XII. Vorher: das große Programm.
Familiennachrichten.
Verlobt: Freiin Margarete von Berlepsch un Hrn. Oberleutnant Paul von Hanenfeldt (Schih Berlepsch — Cassel). — Frl. Gerta Louise iij von Scheurnschloß mit Hrn. Major Willian m Einem (Charlottenburg — Wien). 1
Verehelicht: Hr. Landrat Wilhelm Albrat nü Frl. Anna Schmidt von Schmidtseck (Wrrluke bei Rastenburg). 8
Geboren: Ein Sohn: Hrn. Regierungriseser Dr. Paul Krause (Kreuznach). — Eine Tochtet: Hrn. Professor Dr. Otfrid Foerster ( Breslauf
Gestorben: Hr. Oberregierungsrat Otto 8 84 Ludwig Hermann von Schroeter (Sülzhavn e Harz). — Hr. Kommerzienrat Benjamin Hhn (Halberstadt;,. — Hr. Professor Dr. med. vien
Eisenberg (Berlin). — Hr. Wilhelm von Ga 2 uud Oberstradam (Wildpark). — Fr. Kammerhert von Witowski (Bielschowitz).
Verantwortlicher Redakteur: Direktor Dr. Tyrol in Charlottenburg⸗ Verlag der Expedition (Heidrich) in Berlin⸗
Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags⸗
Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.
. Neun Beilagen (einschließlich Börsen⸗Beilage).
113.
zum Deutschen Reichsanze
Berlin, Sonnabend,
e Deutsches Reich. Branntweinerzeugung und Branntweinverbrauch im Monat April 1911.
Nach den Angaben der Direktivbehörden.
AA*“ iger und Königlich Preußischen Staatsanzeiger. 1
den 13. Mai
—ö— —
— “
zerwaltungsbezirke erzeugt
“ 1 — 8 im
ganzen
Im Kalendermonat April 1911 sind
zur steuerfreien Ve rwendung abgelassen
darunter vollständig vergällt
Branntweinsteuer⸗ vergütungsscheine ausgefertigt über ausgeführte oder in Ausfuhrlager (Bfr. O. § 58) aufgenommene Mengen von
rohem und gereinigtem Branntwein
fabrikaten (Bfr. O. §48 unter b bis h)
Am Schlusse des Kalender⸗
monats April 1911 sind in den Le gern und Reinigungs⸗
Branntwein⸗ anstalten unter
amtlicher
Ueberwachung
verblieben
Im Rechnungs⸗ monat April 1911 sind nach Versteuerung
in den
freien Verkehr
gesetzt
ktoliter Alkohol
15 744 32 414 58 123 52 969 68 370 57 600 14 264
2 703
7 228 14 600
1 278
Ostpreußen Westpreußen Brandenburg Pommern.
Posen öa” Schlesien .. Sachsen. . .. Schleswig⸗Holstein Hannover .B Westfalen . — Hessen⸗Nassau.. Rheinland.. 98
☛— —
SSeboSS eP⸗ S 52S S S—S G65 28⸗ —
te
2. 9 2 99 „ 0 92 A 2 0
2 586 13 057 4 675 8 058 19 462 9 269 2 808 2 035 497 676 217
4 032
203 395 143 569 10 683 14 830 14 307 6 042 25 117
7 068 5 156 11 910 7 653 9 479 18 241 11 529 2 719 7 339 9 990 3 537 12 261
Königrei 334 953 Bavern. . 18 112 Sachsen.. 14 720 Württemberg . 1 3 729 Baden.. 4 537 Hessen.. 1 771 Mecklenburg 4 762 Thüringen. 8 553 Oldenburg.. 3 798 Braunschweig. 2 13³2 Anhalt.. . . 2 465 Lübek. — 138 Bremen... 2 96 Hamburg .. 1 867 Elsaß⸗Lothringen. 1“] 404
67 372
4 363 3 452 147
1 261 51
44 206
51 198 72 270 5 774 24 613 4 105 22 960 5 294 401
1 088
—
106 882
SSPPSbobto en SbSS2S528 XESANRnEEgISIE=
b”SSSU 2
8— 900 — ——
901 3 843 2 403
106 642 186 553
Branntweinsteuergebiet. 390 037 Dagegen im April 1910 . 412 648
*) Hierin sind nicht enthalten die in Ausfuhrlager (Bfr. O. § 58) aufgenommenen Alkoholmengen.
Berlin, den 12
8
Kaiserliches Statistisches Amt.
& FW. Pr.
138 201 139 028
525 1 408 185 *) 426 *) 1 049 1 451 058
153 492
Zacher.
“ Deutscher Reichstag. 1 173. Sitzung vom 12. Mai 1911, Mittags 12 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphischem Bureau.)
Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des Entwurfs einer Reichsversicherungsordnung. „Ueber den Anfang der Sitzung ist in der gestrigen Nummer d. Bl. berichtet worden.
Abg. Dr. Heinze (nl.) in seinen Ausführungen fortfahrend: Die Vorschläge des Professors Franke und diejenigen der Fort⸗ schrittlichen Volkspartei wollen die Mißstände durch straffe Handhabung der Dienstordnung beseitigen. Uns gehen diese Vor⸗ schläge nicht weit genug; wir stehen auf dem Boden der Kom⸗ missionsvorschläge, wonach die Anstellung (§ 361 a) der besoldeten Kassenbeamten und Angestellten, für die die Dienstordnung gilt, durch übereinstimmende Beschlüsse beider Gruppen im Vorstande zu erfolgen hat; einigen sich die Gruppen nicht, so hat eine neue Beschlußfassung stattzufinden; wird auch dann keine Einigung erzielt, so kann die Anstellung beschlossen werden, wenn mehr als zwei Drittel der Anwesenden dafür stimmen; die Bestätigung darf durch das Versicherungsamt nur versagt werden auf Grund von Tat⸗ sachen, die darauf schließen lassen, daß dem Vorgeschlagenen die er⸗ forderliche Zuverlässigkeit, insbesondere für eine unparteiische Wahr⸗ nehmung seiner Dienstgeschäfte, oder Fähigkeit fehlt. Die Arbeiter aben es also auch hiernach vollständig in der Hand, die Kassenbeamten zu wählen. (Lebhafter Widerspruch links.) Diese Vorschläge haben auch bei den Vorständen der nichtsozialdemokratischen Kassen volles Verständnis gefunden. Die Folge, daß jetzt schlechtere Beamte in den Kassen angestellt werden, können und werden unsere Vorschläge nicht haben, denn sie gehen ja von der Fähigkeit für diesen Posten aus. Das Selbstverwaltungsrecht der Kassen wird dadurch zwar etwas beschränkt, aber von Zertrümmerung, Vernichtung des Selbst⸗ wrwaltungsrechtes kann doch absolut nicht die Rede sein. de Sozialdemokraten fassen es so auf, daß, wenn beide Gruppen, andeitnehmer und Arbeitgeber, sich nicht einigen können, die eine een ihnen, nämlich die der Arbeitnehmer, entscheiden soll. Das ist der nicht unsere Auffassung. Wir wollen beide Organe zusammen urke lassen, nicht das eine zugunsten des andern aus⸗ vüeßen oder eins dem andern unterordnen. Bei Nichteinigung muß ene übergeordnete Instanz entscheiden. Daß die Aufsichtsbehörde habe ibrer Befugnis angemessenen Gebrauch mgchen ” dazu fähiatevir Vertrauen. Glauben Sie denn wirklich, daß die Leif ungs. Arugbet der Krankenkassen hinsichtlich der Fürsorge ütr 8 ie assn en infolge unserer Beschlüsse leiden wird, daß die v. ng. darin schlechter funktionieren werden wie bisbher. Zurufe vaben Sozialdemokraten: Gewiß; Widerspruch bei den anderen niae ken.) Dies aber ist der Hauptpunkt, und von ihm soll 88* Rch die Aufmerksamkeit ablenken. Wir glauben, daß durch unsere egelung weite Kreise der Arbeitgeberschaft sich wieder mehr zu den h Fankenkassen heranziehen lassen werden. Das wird den Kassen und ünferee igentlichen Aufgaben vorteilhaft sein. Wir glauben, 8. E. Organisasischlüsse, die Parteipolitik, die in unsere taatlichen 88 Krankesationen nicht hineingehört, ferngehalten wird, daß dadurch 1. Fürsor 1 und ihre Organe mehr befreit werden für die soziale das Vee, daß die Leistungen in ihrer Gesamtheit erhöht werden, daß immer eg der weitesten Volkskreise zu den Krankenkassen sich mer mehr festigt, und darauf kommt es im Grunde an.
89- 1 8 keine Ursache mehr, ihre Beschwerde über die Schweigsamkeit der anderen Parteien aufrecht zu erhalten. Ich glaube, sie hätten eher gewünscht, daß wir gestern und heute weiter geschwiegen hätten. Denn die Mißstände in den sozialdemokratischen Kassenverwaltungen sind recht einleuchtend dargelegt worden. Von der Halbierung hefürchteten die Arbeitnehmer, daß zu ihren Ungunsten der weitere Ausbau der Krankenkassen leiden würde. ⸗Die Beibehaltung der Drittelung ist für sie außerordentlich wertvoll, denn sie können selbständig über ihre Leistungen und Mehrleistungen beschließen, wenn auch den Arbeitgebern das Recht der Kritik zusteht. Die Arbeiterschaft kann nach den Kommissionsbeschlüssen über alle materiellen Angelegenheiten beschließen. In diesem Punkt ist die Selbstverwaltung der Arbeiter durchaus gewahrt geblieben. Wo es sich aber um die Besetzung der Beamtenstellen handelt, liegt es durchaus im Interesse einer geordneten Selbstverwaltung, daß nicht Parteiherrschaft und Parteirücksichten den Ausschlag geben, sondern daß eine Verständigung herbeigeführt wird und die tüchtigsten Männer an diese Plätze kommen. Diese Regelung garantiert auch, daß die Auffassung der Minderheit zur Geltung kommt. Wenn die Sozialdemokraten der Meinung sind, daß Mißstände nicht bestehen, daß in den Kassenvorständen volle Harmonie in der allergrößten Zahl der Fälle vorherrscht, so haben doch die Kassenbeamten nichts zu be⸗ fürchten. Wenn nichts weiter vorläge als nur die Möglichkeit, daß Verträge nach den vielfach erwähnten Mustern weiter abgeschlossen werden, so wäre dies schon Grund genug, bei der Reform der Ver⸗ sicherungsgesetzgebung Maßregeln zu treffen, um es für die Zukunft auszuschlietzen. Was ist das schon für ein Zustand, daß man von sozialdemokratischer Seite sagt, die Aufsichtsbehörde hätte ja ein⸗ greifen können. Meine politischen Freunde sind entschlossen, die Regelung nach den Kommissionsbeschlüssen vornehmen zu helfen. Wir hoffen, daß damit die Krankenkassen auch fernerhin zum Segen für die Arbeiterschaft wirken werden. “
Abg. Schmidt⸗Berlin (Soz.): Es ist eigenartig, daß die Regierungsvorlage wenigstens noch den Grundsatz festhielt, daß die Aenderung in den Rechten der Arbeiter mit der Halbierung der Beiträge verbunden werden müsse; erst der Kommission war es vor⸗ behalten, diese Entrechtung durch die Drittelung voll zu machen. Nun ist gesagt worden, es seien Mißstände in den Ortskrankenkassen vorgekommen, und diese seien der Grund dieser Aenderung. Unsere Erklärung hat man unbeachtet gelassen. Alle diese Reden sollen nur die wahren Absichten, die hinter diesen Maßnahmen stehen, verstecken. Hinter diesen Maßnahmen steht ein politisches Interesse. Die Kreuzzeitung hat die Karten aufgedeckt, indem sie die Kassenbeamten den Staatsbeamten gleich⸗ stellen und demgemäß behandeln wollte. Diese Absicht ist auch in der Kommission und vom Grafen Westarp eingestanden worden. Das politische Interesse erfordert es, daß Sozial⸗ demokraten vom Standpunkte der bürgerlichen Parteien minderen Rechtes sind. Man will die Krankenkassenangestellten be⸗ handeln wie den früheren Bürgermeister Schücking. Wir haben die Freisinnigen gefragt, wie sie ihre Stellung zu diesem Falle mit der Behandlung der Kassenbeamten vereinigen können; sie haben aber darauf nicht geantwortet. Graf Westarp hat seine Sehnsucht ausgesprochen, nach einem Friedrich dem Großen, der mit dem Krückstock dreinschlagen müsse. Früher wurde offen geprügelt, heute hinterlistig. Das Prügelsystem in Preußen ist, wie der Fall Moabit beweist, noch in Anwendung. Friedrich der Große war wenigstens ein intelligenter Fürst, ein aufgeklärter Despot.
Abg. Behrens (wirtsch. Vgg.): Die Sozialdemokraten haben
Sie sprechen von Reinlichkeit und vergessen Man treibt eine politische zugunsten Landrats, Die Rein⸗
Herr Graf Westarp. sprechen ganz die Schmiergelder des Kalisyndikats. 1 ei Heuchelei schlimmster Art, eine eifrige Interessenpolitik der herrschenden Parteien mit Hilfe des preußischen der der Schleppenträger der konservativen Partei ist. 2 lichkeit der Konservativen? Millionen sind von ihnen er⸗ gattert worden, um den Arbeitern täglich 25 ₰ Kranken⸗ versicherung zu zahlen. Wir werden den Landarbeitern zeigen, wie Sie (nach rechts) sie behandelt haben. Dies Beispiel richtet die ganze Krankenkassenversicherung. Eine Selbstverwaltung ohne Eingriff der Staatsorgane gibt es nicht, sagte der Staats⸗
sekretär. Ich kenne eine solche Selbstverwaltung, es sind die Be⸗ rufungsgenossenschaften.
Und ist nicht diese Organisation genau von der Beschaffenheit wie die Krankenkassen? Die Regierung und die bürgerlichen Parteien haben sich als die Sachwalter politischer Inter⸗ essen erwiesen. Ueber die politische Bevormundung der Angestellten in den Berufungsgenossenschaften reden die Herren nicht. Man hat es den Angestellten verboten, dem Verbande der Angestellten der Berufungsgesellschaften beizutreten, der mit der Sozial⸗ demokratie gar nichts zu tun hat. Man hat ihnen mit Ent⸗ lassung gedroht, wenn sie nicht aus diesem Verbande aus. treten. Sind Uebelstände nicht auch in den Verwaltungen und dem Vorstande der Berufungsgenossenschaften vorhanden⸗ In den Berufsgenossenschaften gibt es Vorstände, die mehr als 30 000 ℳ Gebalt bekommen; welche Entrüstung würden Graf Westarp und der Abg. Heinze ausströmen, wenn das in Krankenkassen der Fall wäre! Und auch die Ehrenvorsitzenden beziehen Tausende von Mark für ihre Sinekuren; in Wirklichkeit sind das alles auch nichts weiter als Agitatoren der konservativen Partei. Aus den Geldern der Berufsgenossenschaften werden zwei Organe unterhalten, die ledig⸗ lich der Aufgabe zu dienen haben, die Arbeiter auf das schänd⸗ lichste anzufeinden und anzugreifen. Wo ist denn ein einziger Arbeiter im Vorstande oder im Ehrenvorstande der Berufsgenossen⸗ schaften? Nur wer mit den politischen Interessen der Unternehmer geht, kann in diese Stellungen hineingelangen. Vergeblich habe ich eine Antwort des Tadels seitens der Regierungsvertreter auf unsere Ausführungen über die Mißstände in den Innungakranken⸗ kassen erwartet; ich frage jetzt: Ist die Regierung mit diesen Zuständen einverstanden, oder will sie sie beseitigen? In den Innungskranken⸗ kassen werden kranke Arbeiter gemaßregelt, in die Betriebskranken⸗ kassen überhaupt nicht aufgenommen; darüber regt sich das soziale Empfinden der Regierungsvertreter aber nicht auf. Ist es nicht eine Rohheit sondergleichen, wenn Arbeitern, sobald sie über 40 Jahre alt werden, die Betriebsstätte untersagt wird? Ist das nicht eine wahre Schandwirtschaft? Mit dem neuen Regime werden die Kosten der Krankenkassen immer weiter steigen, und die Kassenleistungen werden weiter beschränkt und herabgesetzt werden; man will eben den Ausbau der Krankenversicherung aufhalten und unmöglich machen. Nur die Selbstverwaltung durch die Arbeiter gestattet die Fort⸗ fͤhrung des inneren Ausbaues der Krankenversicherung, die Ein⸗ führung der Familienversicherung, der Wochenhilfe usw. Das alles sind Entscheidungen der Selbstverwaltung. In dem Augenblick, wo die Kassen über die Minimalleistungen hinausgehen, müssen sie zu höheren Beiträgen als 4 ½ % des Grundlohnes kommen, und da wird jetzt die Zustimmung der Unternehmer und der Aufsichtsbehörde vorgeschrieben. Das ist ein krasser Eingriff in das Selbst⸗ verwaltungsrecht der Kassen, das haben selbst Unternehmer und Unternehmervereinigungen ausgesprochen. Der Abg. Becker⸗Arnsberg ist jetzt mit den Kommissionsbeschlüssen zufrieden; ihm ist in der zweiten Lesung der Kommission plötzlich die Ueberzeugung gekommen, daß die Selbstverwaltung der Krankenkassen, die das Zentrum in der ersten Lesung noch ganz energisch sogar für die Landkranken⸗ kassen verlangte, nicht aufrecht erhalten werden kann! Auf dem Cölner christlichen Gewerkschaftskongreß sprach der Abg. Becker noch davon, daß die Regierung mit der Halbierung der Beiträge den Arbeitern ein Recht nehmen wollte, und er fuhr fort: V orläu fig geben wir keine Rechte heraus! Vorläufig! Ein Wink der Re⸗ gierung und der Agrarier hat genügt, das Zentrum zum Um⸗ fall, zum schnödesten Umfall zu bringen. Deo sieht man, wie weit der agrarische Einfluß im Zentrum schon gediehen ist, so weit, daß das Zentrum schon jeder Rücksichtnahme auf seine Arbeiterwähler sich entschlagen zu können glaubt. Auch den christ⸗ lichen Gewerkschaften ist mit aller Deutlichkeit von Sachverständigen, die sie selbst berufen hatten, gesagt worden, daß die Unternehmer an den Krankenkassen ein ganz anderes Interesse als ein finanzielles hätten. Was ist nun seit zwei Jahren geschehen, um eine Meinungsänderung in den christlichen Gewerkschaften herbeizuführen? Nichts! Ein⸗ bürgerlicher Sozialpolitiker, Professor Dr. Leopold v. Giese, hat das Vorgehen gegen die Sozialdemokraten als kurzsichtig bezeichnet. Wie unvorteilhaft bebt sich das Verhalten unserer Regierung gegen das der englischen Regierung ab, die die ganze Verwaltung der Krankenversicherung in die Häͤnde der Arbeiter legen will, waͤhrend die Arbeitgeber ungefähr 9 Millionen Pfund, die Arbeiter 11 Mil⸗ lionen Pfund leisten müssen. Alle diese Gelder werden den Ar⸗ beitern in England anvertraut. Wie nimmt sich da die Stellung der Liberalen aus, die sonst mit Begeisterung den Liberalen in England zujubeln, aber hier sich mit in das Schlepptau des schwarzblauen Blocks nehmen lassen, denn anders konnte ich die Rede des Abg. Manz nicht verstehen. Man hat gesagt, das Material gegen die Krankenkassen sei außerordentlich schwer beizubringen, weil immer eine Behauptung durch eine andere paralysiert werde. Für die Regierung wäre es doch nicht schwierig gewesen, das Beweismaterial beizubringen, aber nicht durch eine Umfrage bei den Verwaltungsbeamten, sondern so, daß man dem Reichstag die schriftliche Entscheidung der Aufsichtsbehörde auf die Beschwerde unterbreitete. Was nützt uns das persönliche Urteil der Verwaltungsbeamten, die natürlich unzufrieden sind, daß Sozialdemokraten in der Kassenverwaltung sind. Der Ministerialdirektor Caspar hätte loyal verfahren, wenn er auch die Antworten der Aufsichtsbehörde mitgeteilt hätte, die keine Bedenken gegen die sozialdemokratische Kassenverwaltung haben. Solcher Antworten gibt es gewiß. Der Ministerialdirektor Caspar hat uns einen Fall aus Ernstthal angeführt. Der Fall hat ganz anders gelegen. Der Krankenkassenbeamte ist vor das Gericht als Zeu ge geladen, und das weiß auch der Bürgermeister, der den Bericht erstattet hat. Das hat der Ministerialdirektor Caspar weggelassen! Und auf solches Materialstützt sich die Regierung! Eigentlich müßten Berge von Material vorhanden sein, und die Regierung würde nicht zaudern, etwas davon vorzutragen, wenn es sich gegen uns verwenden ließe. Die Regierung wird angelogen oder das Körnchen Wahrheit mit Lügen vermischt. Der Ministerialdtrektor hat in der Kommission gesagt, in einer Kasse wäͤr⸗ ein Plakat aufgehängt worden mit der Ueberschrift: ese. 88 der Landeskirche. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wenn, hon! Wir werden das durchaus nicht billigen; solche Sheen gehören in Kassenlokale nicht hinein. Wenn. in einigen Fa 8 Entlassung politischer Gegner durch die Kasse vorgeke 8v di,te 0 haben wir dies durch eine Verschärfung der D. tienstordnung ‚in d 6. Entwurfe unmöglich machen wollen; unser Antrag hätte e nt. gestellten den noͤtigen Schutz gegen den angeblichen sozialdemokratischen Terrorismus gewährt! Die anderen Parteien haben aber unseren 88 trag nicht angenommen und die Frist auf 10 Jahre verlängert, is wohin sie die Kassen von Sozialdemokraten hoffen reinigen zu können. Sie, die Sie die Maßregelungen der Postbeamten usw. gut heißen,
Heute aber liegt der Polizeiknüppel in den Händen von Strebern,
haben kein Recht, uns solche Vorwürfe zu machen. Man hat weiter