1911 / 145 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 22 Jun 1911 18:00:01 GMT) scan diff

Im Gegenteil spricht ihre große Verbreitung von vornherein eher für erfolgte Entlehnung und somit für sehr frühe Kulturzusammenhänge, und es darf als ein bündiger Beweis dafür gelten, daß die letztere Erklärung das Richtige trifft und damit Kulturzusammenhänge be⸗ weisbar sind, die seither mehr geahnt wurden, wenn die Vergleichung der Instrumente auch akustische Uebereinstimmungen ergibt. Zur Erbringung dieses Beweises führte der Vortragende in natura⸗ Panpfeifen von den Salomons⸗Inseln im Stillen Ozean einerseits und aus Brasilien andererseits vor, ferner Jylophone von den Bavenda ..*— einerseits und aus Birma (Hinterindien) andererseits.*) Die äußerliche Uebereinstimmung der ersten beiden Typen, der Pan⸗ pfeife, war orne weiteres überzeugend, wogegen die beiden anderen die Xylophone H zwar ersichtlich dem gleichen Grundgedanken entsprachen, aber doch in einigen Punkten der aussahen. Das birmanische Fylophon wird stets auf einem trogartigen Kasten (Resonanzkasten) horizontal aufgehängt. Das Fehlen desselben bei dem vorgeführten Exemplar hatte den Vortragenden veranlaßt, um es bequem zur Hand zu haben, es vertikal an der Wand aufzuhängen. Das erheblich größere afrikanische Xylophon befand sich dagegen in der ihm beim Gebrauch zukommenden horizontalen Aufstellung und zeigte einen recht sinnreichen Resonanzboden, bestehend aus getrockneten, ausgehöhlten, langen Flaschenkürbissen, die 1 zur Länge der Holzstücke je unter einem Holzstabe, diesem parallel, angebracht sind. (Die horizontale Anbringung dieser Kürbisse ist Indessen nach Mitteilung des Vor⸗ tragenden eine nur bei dem vorgeführten Instrument vorhandene Aus⸗ nahme; meistens pflegen die Kürbisse des afrikanischen Xylophons senk⸗ recht unter den Tasten, also vertikal aufgehängt zu sein.) An zahl⸗ reichen Lichtbildern wies der Redner nach, daß an verschiedenen Stellen der Erde Panpfeifen mit erheblich mehr als 8 Rohren, guch doppelreihige vorkommen. Die . der Pfeifen ist außerordent⸗ lich verschieden, zwischen 4 bis 31 auch auf einseitigen Instrumenten, während sie bei doppelreihigen bis zu 50 steigt. Für die Vergangen⸗ heit sprachen in diesen Bildern Instrumente, die aus peruanischen Gräbern herrühren, für die Gegenwart Photographien von die Pan⸗ feife blasenden Eingeborenen, je eines aus 12 Musikanten bestehenden rchesters von Salomonsinsulanern (Buka), deren jeder eifrig mit dem Blasen einer Panpfeife beschäftigt erscheint. Doch die äußerliche Uebereinstimmung dieser Instrumente verschiedenster Herkunft würde noch wenig für Kulturzusammenhänge beweisen ohne die nachweisbare Uebereinstimmung der absoluten Tonhöhe. Diese ist, wie Dr. von Hornbostel durch das Blasen der von ihm vorgezeigten Panpfeifen, ebenso wie durch vergleichendes Anschlagen der Stäbe der beiden Xylophone bewies, in Wahrheit gegeben und in hohem Grade über⸗ raschend. Die Töne der vorgeführten Instrumente stimmen Ton für Ton miteinander überein. Der tiefste Ton der Salomons⸗ Pfeife ist identisch mit dem tiefsten Ton der brasilianischen, der zweite hier mit dem zweiten dort usw. Ebenso entspricht der höchste Ton des birmanischen dem höchsten Ton des afrikanischen Jylophons, der zweite dem zweiten usw. Die Uebereinstimmung der Intervalle ist hierdurch selbstverständlich mit gegeben. Aber dieselbe Tonleiter 63. B. unsere Dur⸗Tonleiter) kann ja mit der gleichen Intervallen⸗ folge einmal auf C einmal auf F. Das ist indessen bei den Instrumenten mit nichten der Fall; es ist vielmehr im Sinne des vom Vortragenden geführten Beweises von Kultur⸗ zusammenhängen das Hauptgewicht darauf zu legen, daß auf den verglichenen Instrumenten nicht nur die Tonleitern (die Intervalle) dieselben sind, sondern daß diese Tonleitern auch von demselben Anfangston aus beginnen, also jeder einzelne Ton des einen Instruments dem analogen Ton des andern Instruments „der absoluten Tonhöhe“ nach gleich ist. Mit der Klangfarbe (Ton⸗ schönheit), auch mit dem musikalischen Gehör oder gar mit dem Gefühl für Konsonanz hat das absolut nichts zu tun. Sämtliche Intervalle, sowohl auf den vorgeführten Panpfeifen, als auf den vor⸗ geführten Xylophonen, sind in unserem Musiksystem undenkbar und würden zu den Dissonanzen gerechnet werden müssen. Das Konsonanz⸗ gefühl hätte die Menschen da und dort zu denselben Intervallen führen können; auch das ist tatsächlich nicht der Fall gewesen. Man ist vielmehr in verschiedenen Kulturkreisen zu ganz verschiedenen Inter⸗ vallen gelangt, und mit den Instrumenten sind nicht nur die Ton⸗ eiter, sondern auch die „Normalstimmungen“, die absoluten Ton⸗ öhen, von Volk zu Volk gewandert, und auf den Beweis dieser Wanderung, auf den Beweis von E““ aus den vorliegenden akustischen Tatsachen kommt es hier an.

Der Vortragende gab zum Schluß zusammenfassend noch folgende genaueren Einblick in ein schwieriges und vielen fernliegendes Gebiet Lmhe c Erläuterungen: Es ist zu unterscheiden zwischen dem Tonverhältnis (oder Intervallen) und der absoluten Tonhöhe. Sie verhalten sich zueinander so, wie Maßsystem und Maßeinheit. Ein und dasselbe Maßsystem, etwa das Dezimalsystem, das durch die Zahl der Finger, oder das Duodezimalsystem, das durch die Mondphasen nahe gelegt ist, mag da und dort gefunden werden, die Maßeinheit aber, Zentimeter oder Zoll, ist gänzlich willkürlich und im höchsten Grade veränderungsfähig, ohne daß durch die Ver⸗ änderung der Zweck des Maßstabes berührt wird. Ebenso unterliegt das Tonsystem häufig psychologischen oder mechanischen Bedingungen, und fürs Musizieren kommt es einzig und allein auf die Intervalle an. Die absolute Tonhöhe dagegen ist, wie man a priori vermuten kann, und wie alle Erfahrungen bisher bestätigt haben, für den Musiker unerheblich. Man kann eine Melodie transponieren, ohne auch nur einen Unterschied zu bemerken. Das Kriterium der absoluten Ton⸗ höhe erfüllt also aufs beste alle Anforderungen, die man an ein Kriterium der Kulturzustände stellen kann. Es ist vollkommen unab⸗ hängig von der Natur des Objekts, seiner Handhabung und seinem v es ist außermusikalisch, wie die Einheit außermathematisch ist.

Die absolute Tonhöhe ist ferner in so weiten Grenzen veränderungs⸗ fähig, daß zufällige Uebereinstimmungen einen sehr hohen Grad von Unwahrscheinlichkeit hätten. Endlich läßt sich die Genauigkeit der Uebereinstimmung zahlenmäßig angeben und daher die Anwendung des

Der am 29. Oktober 1906 verstorbene Wilhelm Strauch hat dem Architektenverein zu Berlin eine Stiftung von 100 000 vermacht, deren Zinsen zu Preisen für Aufgaben aus den verschiedenen Gebieten des Bauwesens Verwendung finden sollen. Dem ersten im vorigen Jahre ausgeschriebenen Wettbewerb war als Aufgabe eine wissenschaftliche Behandlung der Entwicklun des Wohnungswesens in Berlin und anderen städtebauli bemerkenswerten benachbarten Orten zugrunde gelegt. Von den drei eingegangenen Arbeiten hat der Henrtenh . .. der Arbeit mit dem Kennwort „Der Vaterstadt“ den Strauchpreis in Höhe von 3000 und der Arbeit mit der Bezeichnung „Wo ein Wollen ist, da gibt es auch ein Gelingen“ einen Preis von 1500 zuerkannt. Verfasser der mit dem Strauchpreise ausgezeichneten Arbeit ist der Stadtbauinspektor Philipp Nitze in Wilmersdorf⸗Berlin und Ver⸗ fasser der anderen preisgekrönten Arbeit der Regierungsbaumeister Albert Weiß in Charlottenburg.

Land⸗ und Forstwirtschaft.

Saatenstand in Belgien in der ersten Hälfte des Monats Juni 1911. In den vhs Wochen war das Wetter in Belgien für alle

Getreidearten außerordentlich günstig. Die Saaten haben sich infolge⸗

dessen gut entwickelt und versprechen nach ihrem gegenwärtigen Stand allgemein einen günstigen Ertrag. (Bericht des Kaiserlichen General⸗ konsuls in Antwerpen vom 17. Juni 1911.)

Saatenstand im Staate Missouri am 1. Juni 1911.

Obschon der Monat Mai der trockenste und heißeste seit vielen Jahren war, so war gegen sein Ende der Saatenstand mit alleiniger Ausnahme der Feldfrüchte, die stärkere Niederschläge benötigten, doch im großen und ganzen nicht entmutigend. In den letzten Maitagen fiel in manchen Teilen des Staats auch etwas Regen, der, wenn auch nicht bedeutend, doch die Saaten etwas erfrischte.

Mais. Ueberall da, wo der Boden gut vorbereitet und seit der Aussaat mehrmals gelockert wurde, steht der Mais sehr gut. Die Aecker sind durchschnittlich frei von Unkraut und bei kräftigen Niederschlägen steht eine sehr gute Maitsernte in Aussicht. Die Ernteaussichten betragen 91,6 % gegen 80,5 im Vorjahre und 77,2 im Durchschnitt. Nur in einigen Teilen des Staats mußte wegen zu großfer Trockenheit des Erdbodens mit dem Pflanzen aufgehört werden. An manchen Stellen, wo die Aussaat infolge zu großen Mangels an genügender Feuchtigkeit nicht aufging, haben Maulwürfe, Mäuse und Krähen Schaden an⸗ gerichtet. Die Anbaufläche betrug 98,6 % im Vergleich mit der voriglährigen Fläche von 7 795 786 Acres. Nur 13 % brauchten zum zweiten Male besät zu werden, während dies im Vorjahre bei 28,3 % der Fall war. Weizen. Die Qualitätszahl, d. i. die Prozente des Normalstands, wird auf 85 angegeben. Dies bedeutet zwar einen Verlust von 5,6 Punkten gegen April, aber einen Gewinn von 16 Punkten gegen den letztjährigen Mai und einen solchen von 4,7 heeke über den zehnjährigen Maidurchschnitt. In den südlichen Teilen des Staats wird in ungefähr ein bis zwei Wochen mit der Ernte begonnen werden können. Jedoch werden wohl noch gegen vier Wochen vergehen, ehe auch in den anderen Teilen des Staats mit der Weizenernte begonnen werden kann. Hafer. Den größten Schaden hat die heiße Witterung dem Hafer zugefügt. Der Stand des Se. wird nur auf 62 % gegen 91,2 % im Vorjahre angegeben. Innerhalb von dreißig Tagen ist also ein Verlust von 26,9 Hunkten u verzeichnen gewesen. Vielfach wird der Hafer zu kurz zum Schneiden bein Klee. Timotheum und Klee litten gleichfalls unter der Dürre.

iele frische Wiesen sind gänzlich verdorrt und alte Wiesen zeigen zahlreiche tote Stellen. Klee wird auf 67, Timotheum auf 59 und Alfalfa auf 82 % eingeschätzt. Baumwolle kann auf 79 % ab⸗ geschätzt werden mit einer um 6 % ausgedehnteren Anbaufläche als im Vorjahre. Mit Flachs wurden 20 % mehr Acker als im vergangenen Jahre bepflanzt. Seinen Stand gibt man mit 70 % an. Der Stand des Tabaks wird auf 73 % angegeben, doch beträgt die Bebauungsfläche nur 83 % derjenigen des Vorjahres. Obst. Die Aussichten für die Fruchternte sind im Monat Mai um 12 Punkte gefallen und betragen zurzeit 70 %. Viele Fruchtgärten, die im Frühjahr eine reiche Ernte versprachen, haben stark unter der Hitze gelitten und werden wahrscheinlich nur eine mittelmäßige Ernte zeitigen. Die Erdbeerenernte war am Schlusse des Monats halb beendet. (Bericht des Kaiserlichen Konsulats in St. Louis, Mo., vom 7. Juni 1911).

Ernteschätzung in Neu⸗Seeland.

Nach einem Bericht des Kaiserlichen Konsulats in Dunedin (Neu⸗Seeland) vom 10. v. M. wird der Ernteertrag Neu⸗Seelands für das Jahr 1910/1911, wie folgt, geschätzt: 1

an Weizen auf 6 863 325 Bushels, an Hel auf 6 349 925 3 an Gerste auf 837 000

An Weizen sollen vorautsichtlich etwa 74 000 Busbels und an Hafer etwa 793 000 Bushels zur Ausfuhr verfügbar werden. 8

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs⸗

maßregeln. Griechenland. 8 Die Herkünfte aus Konstantinopel sind laut Königlichem Dekret vom 10. d. M. einer viertägigen Quarantäne unter⸗ worfen, bei welcher die Ueberfahrt in Anrechnung gebracht wird.

Verkehrswesen.

Theater und Mufik.

Professor Robert Radecke, der ehemalige Direktor Königlichen Akademischen Instituts für Kirchenmusit ist gestern, 85 hiesige Blätter melden, in Wernigerode aus dem Leben geschieden Er war am 31. Oktober 1830 zu Dittmannsdorf bei Waldendurg in Schlesien geboren, besuchte das Leipziger Konservatorium und war eine Zeit lang Chordirektor am Stadttheater daselbst. Er ging dann nach Berlin, wo er 1863 als Musikdirektor an der Königlichen Oper Anstellung fand und im Jahre 1871 zum Königlichen Kapellmeister ernannt wurde. Als solcher hat er Jahrzehnte lang erfolgreich gewirkt. Im Jahre 1891 zur Disposition gestellt wurde er 1892 Direktor des Akademischen Instituts für Kirchenmusit dem er bis 1907 vorstand. Seit fast drei Jahrzehnten gehörte er dem Senat der Königlichen Akademie der Künste als Mitglied an und leitete als solcher die Abteilung für Musik. Im Jahre 1909 wurde er zum Ehrensenator ernannt. Außer seiner Tätigkeit als Pianist, Organist und Dirigent ist er auch mit mehreren Kompositionen hervorgetreten, unter denen das gut volkstümliche Lied „Aus der Jugendzeit“ allgemein bekannt geworden ist.

8 Mannigfaltiges. Berlin, 22. Juni 1911.

Die türkische Studienkommission folgte gestern der Ein⸗ ladung der Berliner Handelskammer zu einem Festmahl. An der Tafel saßen hiesigen Blättern zufolge zur Rechten neben dem Präsidenten der Handelskammer, Geheimem Kommerzienrat Herz der ottomanische Vertreter bei der Staatsschatzverwaltung Hussein Djavid⸗ Bei und der Feldmarschall Freiherr von der Goltz, zur Linken hatten der Minister für Handel und Gewerbe Sydow und der Generaldirektor der türkischen Post⸗ und Telegraphenverwaltung Fuad⸗Bei Platz ge⸗ nommen. Unter den Ehrengästen befanden stch ferner der Skaats⸗ sekretär a. D. Dernburg, der Polizeipräsident von Jagow, der Bürger⸗ meister Dr. Reicke, der Stadtrat Kaempf als Präsident des Aeltesten⸗ kollegiums, der Wirkliche Geheime Rat Professor von Schmoller, der Vizepräsident des Reichsbankdirektoriums Dr. von Glasenapp, die Oberbürgermeister von Charlottenburg und Schöneberg Schustehrus und Dominicus. Trinksprüche hielten der Geheime Kommerzienrat Hers der Generalkonsul von Mendelssohn, Djavid⸗Bei, der Geheime 11.“ Ravené und der Generalfeldmarschall Freiherr von

er Goltz.

„Der „Hilfstag für Mutter und Kind“ findet auch von seiten der Berliner Theater bereitwillige Unterstützung, und zwar werden im Neuen Schauspielhaus, im Neuen peretten⸗ theater, Trianontheater, Thaliatheater, Lustspielhause und Friedrich Wilhelmstädtischen Schauspielhause nam⸗ hafte Künstlerinnen und Künstler, unterstützt von Damen der Gesell⸗ schaft, in den Pausen Blumen verkaufen.

„Im neuen Hörsaal der Treptower Sternwarte spricht der Direktor Dr. F. S. Archenhold am Sonntag, den 25. Juni, Abends 7 Uhr, über „Das Geheimnis des Weltenbaues“ und Montag, Abends 9 Uhr, über „Die Vielheit der Welten“. Beide Vorträge sind ge⸗ meinverständlich und mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet. Mit dem großen Fernrohr wird schon von 2 Uhr Nachmittags an die „Venus“, die immer noch an Helligkeit zunimmt, und sofort nach Sonnenuntergang der „Jupiter“ abwechselnd mit dem Mond gezeigt.

Kiel, 21. Juni. (W. T. B.) Bei der heutigen ersten Wett⸗ fahrt der Sonderklasse auf der Kieler Föhrde wurde „Tilly XIV.“ erste, „Tilly X.“ zweite, „Wittelsbach VII.“ dritte, „Wannsee“ vierte, „Irrwisch“ fünfte. „Ahoi“ hatte nicht gestartet. „Lunula“ und „Seehund III.“ gaben das Rennen wegen Haparie auf.

Bei den heutigen Wettflügen stürzte der Leutnant Jahnow nach kurzem Fluge, vom Wind niedergedrückt, in einen Garten und erlitt einen Oberarmbruch. Kurz nach 8 Uhr starteten Wincziers und Hirth zu einem Staffettenflug nach Eutin. Wincziers traf bereits um 8 ½ Uhr in Eutin ein; wenige Minuten später wurde auch Hirth als zweiter Flieger gesichtet. Auf dem Flugplatz waren Nachmittags Ihre Seö Hoheiten die Prinzessin Heinrich von Preußen und die Prinzen Adalbert und Waldemar längere Zeit anwesend.

Dresden, 21. Juni. (W. T. B.) In dem Gebäude der Sächsischen Spiritus⸗Gesellschaft entstand heute nachmittag auf bisher unaufgeklärte Weise eine schwere Spiritusexplosion. Die sofort auf die Meldung „Großfeuer“ herbeigeeilte Feuerwehr fand an der Unfallstelle den 31 Jahre alten Abfüller Schalm unter den Trümmern auf. Er gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich, starb aber bald darauf. Der Kontorist Wolf hatte erhebliche davongetragen, sodaß man an seinem Aufkommen zweifelt. Schwere Brandwunden erlitten ferner der Direktor Schmidt, ein Steueraufseher und ein Feuerwehrmann, die sämtlich nach dem Krankenhause übergeführt wurden. Mehrere Personen wurden außerdem leicht verletzt. Es sind mindestens 40 000 1 Spiritus ausgelaufen, die in Brand gerieten und durch Ver⸗ dünnung mit Wasser gelöscht werden mußten.

Béthune, 22. Juni. (W. T. B.) In Marles stürzten zehn Arbeiter, die mit der Schachtzimmerung beschäftigt

waren, infolge Reißens der Kette in die Tiefe. Ein Arbeiter

ist tot, neun wurden verwundet.

St. Petersburg, 21. Juni. (W. T. B.) Das lenkbare

Luftschiff „Parseval“ hat gestern und heute unter der Leitung

Qualität

mittel gut Verkaufte

Gezahlter Preis für 1 Doppelzentner Menge

niedrigster

höchster niedrigster höchster niedrigster böchster Doppelzentner

süschen Staatsaneiger.

1911.

Am vortgen Außerdem wurden M am Markttage (Spalte 1) Dur V nach überschlaglichen schnitts⸗

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des deutschen Hauptmanns Dinglinger mit zwölf Passagieren 1b 1 18 1 6 zwei Fahrten unternommen. 8 . 1.“ 8 17,00 17,0 8 8 Neubrandenburg 1 6“ 17,50 17,50 17,50 17,50 1

Kriteriums und die Bewertung sei Bewei in jed 1 1

Kriteriums u B g seiner Beweiskraft in jedem einzelnen Aeltere Postnachnahmeformulare.

8 u““ 8 8 Altenburg 8 8 5 8 18,00 18,50

Falle der subjektiven Willkür entziehen. 8 lar⸗ Die Frist für den Aufbrauch der von der Privatindustrie herge⸗

9. Ein 89 Ffrlten —— Mohbon von stess v actebenea 8* Machnahmepaketagresen 8238 8 8 8 . - den Mandingo (Nordwestafrika) enthält das Hamburger Museum. mit Ende Juni d. J. ab. om 1. Juli ab dürfen desha er⸗ 1. 1 1. 8 Bemerku . Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzent dber g 1 1 . (Fort des Nichtamtlichen in der Ersten und ngen e ver ge wir volle Doppelzentner und der Verkaufswert auf volle Mark abgerundet mitgeteilt. Der Duvrchschnittspreis wird aus d b e echne Cor setzung ch ) s 1 Ein liegender Strich (—) in den Spalten für Preise hat die Bideutung daß der betreffende Preis nicht vorgekommen ist, ein Punkt C.) in See. sechr Töö Phülen berechnet.

artige Formulare mit angeklebter Zahlkarte oder mit einem daran 1— befeftigken losen Postanweisungsformular nicht mehr benutzt werden. Zweiten Beilage.) Berlin, den 22. Juni 1911.

Kaiserliches Statistisches Amt ühn van der Borght.

Theater.

MNeues GOperntheater. Freitag: Der Ring des Nibelungen. Bühnenfestspiel von Richard Wagner. Erster Tag: Die Walküre in drei Akten von Richard Wagner. (Gastspiel Margarete Matzenauer.) Anfang 7 Uhr. 1

Sonnabend: Tannhäuser. Anfang 7 ½ Uhr.

Sonntag: Lohengrin. Anfang 7 ½ Uhr.

Montag: Die Meistersinger von Nürnberg. Anfang 7 Uhr.

Lessingtheater. Freitag, Abends 8,20 Uhr: Ensemblegastspiel von Mitgliedern des „Hamburger Thaliatheaters”: Sommerspuk. Ein fröhliches Spiel in vier Akten von Kurt Küchler. Sonnabend und folgende Tage: ommerspuk.

Neues Schauspielhaus. Freitag, Abends 8 Uhr: Ensemblegastspiel des „Neuen Operetten⸗ theaters”: Die keusche Susaune. Operette in 3 Akten von Georg Okonkowsky. Musik von Jean

Gilbert. ““

Sonnabend und folgende Tage: Die keusche Susanne. 59 3

*

Komische Oper. Freitag, Abends 8 Uhr: Volkstümliche Vorstellung: Hoffmanns Er⸗

zählungen. Sonnabend: Die Fledermaus. (Gastspiel Oscar

Braun.) Sonntag: Die Fledermaus. (Gastspiel Oscar Braun.) Montag: Volkstümliche Vorstellung: Figaros Hochzeit.

Schillertheater. 0. (Wallnertheater.) Freitag, Abends 8 Uhr: Panne. Lustspiel in drei Akten von Richard Skowronnek.

Sonnabend und folgende Tage: Panne.

Charlottenburg. Freitag, Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Lustspiel in drei Akten von Gustav Kadelburg und Rudolf Presber.

Sonnabend und folgende Tage: Der dunkle

Punkt. .

Lustspielhaus. (Friedrichstr. 236.) Freitag, Abends 8,20 Uhr: Gastspiel Pepi Glöckner: Unsere Pepi. Schwank in drei Akten von Alexander

Engel. onnabend und folgende Tage: Unsere Pepi.

Thaliatheater. (Direktion: Kren und Schönfeld.)

reitag, Abends 8 Uhr: Polnische Wirtschaft. Schwank mit Gesang und Tanz in drei Akten von Kraatz und Okonkowsky, bearbeitet von J. Kren. Gesangstexte von Alfred Schönfeld, Musik von J. Gilbert.

Sonnabend und folgende Tage: Polnische Wirt⸗

schaft.

Trianontheater. (Georgenstraße, nahe Bahnhof Friedrichstr.) Freitag, Abends 8 ½ Uhr: Gastspiel des „Neuen Schauspielhauses“: Das Prinzchen. Liebesschwank in 3 Akten von Robert Misch.

Sonnabend und folgende Tage: Das Prinzchen.

Familiennachrichten.

Verlobt: Maria Gräfin Schweinitz mit Hrn. Kammerherrn und Hofmarschall Erich von Schwartz⸗

koppen (Liegnitz —Camenz i. Schl.). Frl. Ida von Echönzeds mit Hrn. Oberleutnant Walter

von Bogen (Berlin).

Verehelicht: Hr. Oberleutnant Günther von Hugo

mit Frl. Konstanze von Bergmann (Stöckel Kauffung).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Grafen Bülow⸗

Kühren (Kühren).

Gestorben: Senatspräsident bei dem Königl⸗

Kammergericht, Hr. Geheimer Oberjustizrat Dr. jur. Friedrich Schepers (Berlin). Hrn. Forstmeister von Oertzens Tochter Clara (Neustrelitz).

Verantwortlicher Redakteur: Direktor Dr. Tyrol in Charlottenburg.

Verlag der Expedition (Heidrich) in Berlin.

Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags⸗

Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. Zehn Beilagen

einschließlich Börsenbeilage und Warenzeichen⸗ 15 Nr. 49 A und 49 B).

Meine Herren!

8

Preußischer Landtag. Herrenhaus.

15. Sitzung vom 21. Juni 1911, Vormittags 11 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphischem Bureau.)

Ueber den Beginn der Sitzung, in der über den Entwurf

eines Zweckverbandsgesetzes beraten wurde, ist in der gestrigen Nummer d. Bl. berichtet worden.

Minister des Innern von Dallwitz:

Der Herr Vorredner hat seine Bedenken gegen den vorliegenden Gesetzentwurf in erster Reihe darauf gestützt, daß ein Bedürfnis für den Erlaß eines derartigen Gesetzes nicht vorhanden sei; in zweiter Reihe ist er dann auf die Befürchtungen zu sprechen gekommen, welche auch in der Kommission seitens der T größeren Städte mehrfach geltend gemacht worden sind, und welche dahin gehen, daß die Interessen der großen Städte in den Verbänden möglicherweise nicht genügend wahrgenommen werden könnten, daß Ein⸗ richtungen und Anlagen, welche den größeren Städten jetzt eigentüm⸗

ertreter der

lich gehören, in das gemeinschaftliche Eigentum des Verbands ohne genügende Entschädigung und gegen den Willen der größeren Städte übergehen könnten, und daß die den einzelnen Gliedern, insbesondere den größeren Städten, jetzt zustehende Befugnis, über ihre eigenen Einrichtungen selbständig zu verfügen, auf einen mit den Verwal⸗ tungsorganen der Einzelstädte nicht identischen Verwaltungs⸗ ausschuß übergehen würde. Es ist daraus in der Kommission im allgemeinen eine städtefeindliche Tendenz dieses Ent⸗ wurfs hergeleitet worden. Meine Herren, ich kann die Versicherung geben, daß eine städtefeindliche Tendenz dem Entwurf nicht innewohnt und daß die Regierung ihr vollständig fern steht. Dagegen spricht schon die historische Entwicklung, der die Vorlage ihre Ent⸗ stehung verdankt. Wenn Sie sich vergegenwärtigen, daß seit dem Jahre 1891 im größeren Teile der Monarchie schon ein Gesetz be⸗ steht, welches die wesentlichen Vorschriften der jetzigen Vorlage ent⸗ hält, so werden Sie mir zugeben, daß eine grundlegende umstürzende Neuerung mit der Vorlage an sich nicht verbunden sein kann. Tat⸗ sächlich sind nun aber seit dem Erlaß dieser Bestimmungen der Land⸗ gemeindeordnung vom 3. Juni 1891, mithin seit 20 Jahren, in den

westlichen Provinzen die Stimmen nicht verstummt, welche die Ein⸗ führung der Bestimmungen der Landgemeindeordnung, soweit dadurch die EEildung von Zweckverbänden in den westlichen Provinzen er⸗ möglicht wird, auch auf den Westen im Interesse des Westens ver⸗ langt haben. Diese Stimmen sind aus dem Rheinland, Westfalen, Hannover, Hohenzollern im Laufe der 20 Jahre wiederholt zu uns gedrungen. Sie sind im Abgeordnetenhause laut ge⸗ worden. Es ist dabei besonders der Mangel hervorgehoben worden daß es nicht möͤglich sei, kleinere Gemeinden zu gemeinsamen Armenverbänden zusammenzulegen und damit eine zweckmäßigere und sachgemäßere Armenverwaltung herbeizuführen. Aus diesem Grunde hat sogar der Reichstag in einer Resolution von 1908 den Herrn Reichskanzler ersucht, tunlichst darauf hinzuwirken, daß in den Einzel⸗ staaten auf die Bildung von Zweckverbänden aus einer Mehrzahl von Gemeinden behufs verbesserter Armenpflege hingewirkt werden möge. Sodann hat der Provinziallandtag der Rheinprovinz, vollkommen aus freier Initiative, 1909 eine Resolution gefaßt, in der er darum bittet, die Bestimmungen der Landgemeindeordnung über Zwechverbände auf die Rheinprovinz auszudehnen unter gleichzeitiger Erweiterung der Be⸗ 8 Fgeg 88

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