1911 / 149 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 27 Jun 1911 18:00:01 GMT) scan diff

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8 in Leipzig: den Königlich sächsischen Landgerichtsdirektor Dr. Selle daselbst, in Schleswig: den Geheimen Postrat Mörsberger in Bremen, in Straßburg (für die Reichsbeamten in Elsaß⸗Lothringen): den Königlich preußischen Militärintendanturrat Dr. Jacobs und den Abteilungsvorstand der Kaiserlichen General⸗ direktion der Eisenbahnen in Elsaß⸗Lothringen, Ober⸗ regierungsrat Wulff daselbst, 6 en Königlich preußischen Militärintendanturassessor Cronen⸗ begg, Vorstand der Intendantur der 16. Division da⸗ selbst, auf die Dauer der v ämter zu ernennen.

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Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht: ddie Oberpostinspektoren Kraiger in Cassel, Ostwald in Oldenburg (Grhzgt.), Senger in Berlin und Strupat in Metz zu Posträten zu ernennen.

Personalveränderungen.

Königlich Sächsische Armee.

Offiziere, Fähnriche usw. Ernennungen, Beförde⸗ rungen, Versetzungen. Im aktiben Heere. 23. Juni. Overbeck, überzähl. Hauptm. im 12. Inf. Regt. Nr. 177, zum Komp. Chef ernannt und in das 13. Inf. Regt. Nr. 178, Panse, Oberlt. im 2. Hus. Regt. Nr. 19, unter Beförderung zum Rittm.,

voolläufig ohne Patent, und Ernennung zum Eskadr. Chef in das

1. Ulan. Regt. Nr. 17 Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, König von Ungarn, versetzt.

Die Lts.: Weste im 5. Inf. Regt. Kronprinz Nr. 104, v. Zehmen im 8. Inf. Regt. Prinz Johann Georg Nr. 107, kom⸗ mandiert zur Abteil. für Landesaufnahme, Oehmichen im 4. Inf. Regt. Nr. 103, Blohm, v. Hartmann im 2. Gren. Regt. Nr. 101 Kalser Wilhelm, König von Preußen, Weißleder im 3. Jnf. Regt. Nr. 102 Prinz⸗Regent Luitpold von Bayern, Warnebold, Kratzert im 7. Feldart. Regt. Nr. 77, Lessel im 4. Feldart. Regt. Nr. 48,

Mühlmann (Georg) im 1. Feldart. Regt. Nr. 12, Jungnickel

im 3. Feldart. Regt. Nr. 32, Blumstengel beim Kadettenkorps; v. Prosch, Lt. z. D. und Bezirksoffizier beim Landw. Bezirk Auer⸗ bach, zu Oberlts. befördert.

Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. Dauch, Hauptm. und Komp. Chef im 13. Inf. Regt. Nr. 178, mit Pension und der Erlaubnis zum Tragen der Regts. Uniform der Abschied be⸗ willigt. v. Schönberg⸗Rothschönberg, Rittm. und Eskadr. Chef im 1. Ulan. Regt. Nr. 17 Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, König von Ungarn, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit Pension und der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Gardereiter⸗ regts. zur Disp. gestellt. Gilbert, Lt. im 7. Inf. Regt. König Georg Nr. 106, wegen zeitiger Feld⸗ und Garnisondienstunfähigkeit mit Pension zu den Offizieren der Res. dieses Regts. übergeführt. Weißbach, Fähnr. im 3. Inf. Regt. Nr. 102 Prinz⸗Regent Luftpold von Bayern, zur Res. beurlaubt. Frhr. v. Hammerstein, Gen. Major z. D., unter Fortgewährung der gesetzlichen Pension und mit er INie a anes zum ferneren Tragen der Gen. Uniform der Abschied

ewilligt.

Im Sanitätskorps. Dr. Lißner, Stabs⸗ und Bats. Arzt des II. Bats. 8. Inf. Regts. Prinz Johann Georg Nr. 107, in gleicher Eigenschaft zum II. Bat. 4. Inf. Regts. Nr. 103 versetzt.

Hr. Wolf, Oberarzt beim 2. Trainbat. Nr. 19 unter Beförderung um Stabsarzt, zum Bats. Arzt des II. Bats. 8. Inf. Regts. Prinz ohann Georg Nr. 107 ernannt.

Beamte der Militärverwaltung.

Durch Verfügung des SeregentFigeerme. 13. Juni. gars, Unterapotheker der Res. im Landw. Bezirk II Dresden, zum berapotheker des Beurlaubtenstandes befördertrt.

Kaiserliche Marine.

Offiziere usw. Ernennungen, Beförderungen, Ver⸗ setzungen usw. 21. Juni. Befördert: zu Marinestabsingenieuren: die Marineoberingenieure: Paltzo vom Stabe S. M. kleinen Kreuzers „Dresden“, Frölich (Wilhelm) vom Stabe S. M. Linien⸗ schiffes „Posen“; zu Marineoberingenieuren: die Marineingenieure: Sellquist vom Stabe S. M. Linienschiffes „Brandenburg“, Christ⸗ lieb zur Verfügung der Torpedoinsp., Pohl vom Stabe S. M. Kanonen⸗ bootes „Jaguar“; Dr. Pichert, Marineoberstabsarzt vom Stabe des Befehlshabers der Aufklärungsschiffe, zum Marine⸗Gen. Oberarzt; zu Marineoberstabsärzten: die Marinestabsärzte: Dr. Boehm vom Stabe S. M. großen Kreuzers „Hertha“, Dr. v. Ulatowski vom JI. Seebat., Dr. Sohler von der Marinestation der Nordsee; zu Marinestabsärzten: die Marineoberassist. Aerzte: Kolle vom Stabe S. M. Spezialschiffes „Pelikan“, Dr. Bodenstein vom Gouverne⸗ ment Kiautschou, Dr. Weßel vom Marinelazarett Friedrichsort, Kosenbach vom Stabe S. M. Kanonenbootes „Iltis“; zu Marine⸗ assist. Aerzten: die Marineunterärzte: Göttsche von der Marine⸗ e der Nordsee, Dr. Baumann von der Marinestation der

stsee.

(Eer Abschied mit der gesetzlichen Pension, der Aussicht auf An⸗ stellung im Zivildienst und der Erlaubnis sum Tragen der bisherigen Uniform bewilligt: Brehmer, Korv. Kapitän von der Marinestation der Ostsee, Pantke, Marinestabsingen. von der Schiffsprüfungs⸗ kommission, Nicolai, Marinestabsingen. von der II. Werftdiv., beiden unter Verleihung des Charakters als Marineoberstabsingen., Walther, Marineoberingen. von der I. Werftdiv., unter Verleihung des Charakters als Marinestabeingen., Dr. Siebert, Marineober⸗ stabsarzt vom Sanitätsamt der Marinestation der Nordsee.

Der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt: Mende, Marinestabsarzt von der Marinestation der Ostsee

Auf ihre Gesuche scheiden aus: Siemens (Ernst), Oberlt. zur Sece vom Stabe S. M. kleinen Krenzers „Undine“, unter Ueber⸗ führung zu den Offizieren der Seewehr 1. Aufgebots des Seeoffizier⸗ korps, Stucken, Oberlt, zur See vom Stabe S. M. Linienschiffes „Schwaben“, unter Ueberführung zu den Offizieren der Res. des See⸗ offizierkorps.

Königreich Preußen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: den Gerichtsassessor Ferno in Stralsund zum Re⸗

gierungsrat und

den Dozenten an der Technischen Hochschule zu Berlin Dr. Friedrich Seeßelberg zum etatsmäßigen Professor an derselben Technischen Hochschule zu ernennen sowie

infolge der von der Stadtverordnetenversammlung zu Haynau getroffenen Wahl den Stadtrat und Rentier Wilhelm Schmidt daselbst als unbesoldeten Beigeordneten der Stadt Haynau für die gesetzliche Amtsdauer von sechs Jahren zu bestätigen.

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Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem vortragenden Rat im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Geheimen Oberbaurat Haas die nachgesuchte Ent⸗ lassung aus dem Staatsdienst unter Verleihung des Königlichen Kronenordens zweiter Klasse zu erteilen.

Ministerium für Handel und Gewerbe.

Der Regierungsassessor von Puttkamer in Stettin ist zum stellvertretenden Vorsitzenden des Schiedsgerichts für Ar⸗ beiterversicherung Regierungsbezirk Stettin und des Schieds⸗ gerichts für die Arbeiterversicherung im Eisenbahndirektions⸗ bezirk Stettin ernannt worden. 8

Bekanntmachung.

Bei der am 9. d. M. in Gegenwart eines Königlichen Notars stattgehabten Auslosung der vormals Hanno⸗ verschen 4prozentigen Staatsschuldverschreibungen Litera S zur Tilgung für das Rechmungsjahr 1911 sind die

folgenden Nummern gezogen worden:

Nr. 218, 229, 510, 537, 671 über je 1000 Tlr. Gold und

Nr. 776, 816, 1044, 1307, 1359, 1379, 1417, 1429,

72, 1475, 1507, 1633, 1638, 1674, 1820, 1858, 1930, 1963 über je 500 Tlr. Gold.

Diese werden den Besitzern hierdurch auf den 2. Januar 1912 zur baren Rückzahlung gekündigt.

Die ausgelosten Schuldverschreibungen lauten auf Gold. Die Rückzahlung wird in Reichswährung nach den Bestim⸗ mungen der Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 6. Dezember 1873, betreffend die Außerkurssetzung der Landes⸗ goldmünzen ꝛc. (Reichsanzeiger Nr. 292), sowie nach den Aus⸗

führungsbestimmungen des Herrn Finanzministers vom 17. März 1874 (Reichsanzeiger Nr. 68, Posstiom 3) erfolgen.

Die Kapitalbeträge werden schon vom 15. Dezember d. J. ab gegen Quittung und Einlieferung der Schuldverschrei⸗ bungen nebst den zugehörigen Erneuerungsscheinen und den nach dem 2. Januar 1912 fälligen Zinsscheinen (Reihe IX Nr. 3 bis 10) an den Geschäftstagen bei der Regierungs⸗ hauptkasse hierselbst, von 9 bis 12 Uhr Vormittags, ausgezahlt.

Die Einlösung der Schuldverschreibungen kann auch bei sämtlichen übrigen Regierungshauptkassen, bei der Staats⸗ schuldentilgungskasse in Berlin, sowie bei der Kreiskasse in Frankfurt a. M. geschehen. Zu dem Zwecke sind die Schuldverschreibungen nebst den zugehörigen Erneuerungsscheinen schon vom 1. Dezember d. J. ab bei einer dieser Kassen ein⸗ zureichen. Nach erfolgter Feststellung durch die hiesige Re⸗ gierungshauptkasse wird die Auszahlung von den ersteren Kassen bewirkt werden.

Die Einsendung der Schuldverschreibungen nebst den zugehörigen Wb1“ und 1“““ mit oder ohne Wertangabe muß portofrei ge⸗

ehen. heg l die Abforderung des gekündigten Kapitals bis zum Fälligkeitstermine nicht erfolgen, so tritt dasselbe von dem gedachten Zeitpunkte ab zum Nachteile der Gläubiger außer Verzinsung. Hannover, den 9. Juni 1911. 1 Deerr Regierungspräsident. In Vertretung: Meyer.

Abgereist:

Seine Erzeller der Wirkliche Geheime Rat und Präsident des Königlichen Oberverwaltungsgerichts Dr. von Bitter, nach Marienbad in Böhmen;

der Ministerialdirektor im Ministerium der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten, Wirkliche Geheime Oberregierungsrat von Chappuis, mit Urlaub.

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ANichtamtliches. Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 27. Juni.

Die vereinigten Ausschüsse des Bundesrats für Handel und Verkehr und für Justizwesen, der Ausschuß für Handel und Verkehr, die vereinigten Ausschüsse für Zoll⸗ und Steuer⸗ wesen und für Justizwesen sowie die vereinigten Ausschüsse für Zoll⸗ und Steuerwesen und für Handel und Verkehr hielten heute Sitzungen.

Der österreichische Ministerpräsident Freiherr von Bienerth hat dem Kaiser Franz Joseph die Bitte um Enthebung vom Amte unterbreitet. Wie das „K. K. Telegraphen⸗ Korrespondenzbureau“ mitteilt, habe sich Freiherr von Bienerth hierbei von jenen Erwägungen leiten lassen, die bereits bei der Auflösung des Abgeordnetenhauses maßgebend waren. Schon damals stand die Ueberzeugung fest, daß eine Konsolidierung der parlamentarischen Verhältnisse notwendig sei, wenn die großen, über die Abwicklung der laufenden Geschäfte weit hinausgehenden Aufgaben, vor die der Reichsrat gestellt ist, einer zuverlässigen und befriedigenden Lösung zuge⸗ führt werden sollen. Je mehr aber die Mandatsdauer des früheren Hauses sich ihrem Ende näherte, desto geringer wurde naturgemäß die Neigung der Parteien, ihr Verhältnis zueinander einer Aenderung zu unterziehen sowie sich wechsel⸗ seitig für einen längeren Zeitraum und für ein umfangreiches Programm zu binden. Von dem neuen Hause darf aber erwartet werden, daß in ihm der ernste Wille zu weit ausgreifender und fruchtbringender Arbeit nicht nur vorhanden ist, sondern auch in der Bildung einer großen und einheitlich gestimmten und schaffensfreudigen Mehrheit seinen Ausdruck und die Möglichkeit erfolgreicher Betätigung finden kann. Läßt nun diese Annahme es geboten erscheinen, für das Verhältnis der Regierungs⸗ gewalt und der Parteien im gegenwärtigen Zeitpunkt eine neue Orientierung zu versuchen, so kommt insofern noch ein weiterer unmittelbarer Anstoß hinzu, als zwei großen Gruppen der bisherigen Mehrheit angehörige Mitglieder aus dem Kabinett

schieden sind und dieser Umstand eine Aussprache mit

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den betreffenden Gruppen notwendig macht, eine Aussprache, 18

die wohl nicht abgesondert, sondern im Rahmen einer allgemeinen Auseinandersetzung mit den Parteien des Abgeordnetenhauses erfolgen muß. von Bienerth hat sich nicht für berufen erachtet, diese durch die Situation gegebene Aufgabe auf sich zu nehmen, weil er glaubt, daß Ver⸗ handlungen mit den parlamentarischen Gruppen nicht durch von feüher bestehende Beziehungen oder Differenzen beeinflußt ein, sondern in voller beiderseitiger Unbefangenheit, lediglich unter dem Gesichtspunkt der künstigen politischen Notwendig keiten, geführt werden sollen. . 8 ie die „Neue Freie Presse“ meldet, hat der Kaiser die Demission des Freiherrn von Bienerth angenommen. Zum Ministerpräsidenten wird Freiherr von Gauts ch designiert werden, der versuchen wird, mit dem Kabinett in seiner bis⸗ herigen Zusammensetzung eine Mehrheit für das Fecafttge Arbeitsprogramm des Hauses zu bilden. Die Einberu ung des Reichsrats im Juli hängt von dem Gang der Verhand⸗ lungen mit den Parteiführern ab, die Freiherr von Gautsch heute einleiten wird.

Der ungarische Lukacs hat dem Ab⸗ 8

geordnetenhause einen Gesetzentwurf über die Errichtung eines Bodenkreditinstituts unterbreitet, das nach einer

Meldung des „W. T. B.“ unter Mitwirkung des Staats und

verschiedener Pfandbriefanstalten ohne Rücksicht auf Gewinn der

Kolonisierung und Aufteilung von großen Grundstücken dienen

soll. Der Beitrag der Regierung beträgt acht Millionen Kronen.

Ferner überläßt sie dem Institut zur Bildung eines Sicher⸗

.“ Obligationen im Werte von zehn Millionen

Kronen.

Großbritannien und Irland. Der König, die Königin und die fremden

keiten wohnten, „W. T. B.“ zufolge, gestern abend einer

Galavorstellung im Opernhause Coventgarden bei. Der deutsche Kronprinz empfing gestern mittag in der deutschen Boßschaft die Spitzen der deutschen Kolonie. 1 Die konstitutionelle Krisis ist wieder in schärfster Weise zum Ausbruch gekommen durch die gestern abend erfolgte Bekanntgabe von Amendements der Lords zu der Parlaments⸗ bill. Lord Lansdowne hat, wie „W. T. B.“ meldet, ein

Amendement eingebracht, daß keine Maßregel, die die Krone

oder die protestantische Thronfolge berühre, oder die Errichtung von nationalen Parlamenten für Irland, Wales, Schottland oder England zum Ziele habe, oder irgend eine Maßnahmo, die nicht von dem vereinigten Komitee des Ober⸗ und Unterhauses gut⸗ geheißen sei, der Königlichen Sanktion unterbreitet werden dürfe, bevor nicht das Urteil der Wähler eingeholt sei. Ferner hat Lord Cromer dem Hause einen Zusatzantrag unterbreitet, der die Ernennung eines Komitees von sieben Mitgliedern aus beiden Häusern vorsieht, das bestimmen soll, ob ein Gesetz eine derartige Bedeutung habe, daß es dem Urteil der Wähler unterbreitet werden müsse. 8 8 b Frankreich. Der Präsident Fallières hat, „W. T. B.“ zufolge, den

bisherigen Finanzminister Caillaux ersucht, die Kabinetts⸗

bildung zu übernehmen. 8 Türkei. irö

Der Sultan ist gestern nachmittag an Bord des Kriegs⸗ schiffes „Haireddin Barbarossa“, begleitet von der Flotte und zahlreichen Dampfern, die ihm zur Begrüßung entgegengefahren waren, wieder in Konstantinopel eingetroffen. Der Sultan ging unter stürmischen Kundgebungen der Volksmenge und dem Salut der Geschütze am Kai des Palais Dolmabagtsche an Land, wo er vom diplomatischen Korps, den Würdenträgern und den Kirchenchefs begräßt wurde.

Afrika. Wie der „Agence Havas“ aus Fes gemeldet wird, ist der

General Moinier am Donnerstag voriger Woche von dort nach Mekines aufgebrochen.

Parlamentarische Nachrichten.

Das Herrenhaus nahm in seiner heutigen (17.) Sitzung, welcher der Finanzminister Dr. Lentze beiwohnte, zunächst den von Dr. Grafen Yorck von Wartenburg erstatteten mündlichen Bericht der Kommunalkommission über den Entwurf eines Ausführungsgesetzes zum Reichs⸗ zuwachssteuergesetz vom 14. Februar 1911 entgegen. Die Regierungsvorlage ist vom Abgeordnetenhause in mehreren Punkten abgeändert worden; die Kommission beantragt, dem Entwurf in der Fassung des anderen Hauses die Zustimmung zu erteilen.

Fürst zu Salm⸗Horstmar: Die Wirkung dieses Gesetzes in Verbindung mit der Grundwertsteuer scheint mir sehr bedenklich, indem dadurch eine jedenfalls unge setzliche Doppelbesteuerung herbei⸗ geführt wird, da auch die Grundwertsteuer, welche die Gemeinden periodisch neu veranlagen, den Wertzuwachs in Berücksichtinung zieht. Diese Doppelbesteuerung für den mit Steuern ohnehin über⸗ lasteten Grundbesitz wird nachgerade unerträglich; die Bedürfnisse der Kommunen wachsen lawinenartig an und die Mittel zur Befriedi⸗ gung werden aus dem Grundbesitz genommen. Aus der Haut des unglücklichen Grundbesitzes werden immer wieder Riemen geschnitten. Die Grundwertsteuer ist schon im Prinzip falsch: sie erfaßt einen Besitz, der in einem fingierten, noch gar nicht realisierten und nicht realisierbaren Werte angenommen wird. Im Prinzip muß ich diese Steuer sogar für grundgefährlich bezeichnen, denn sie stellt unsere Be⸗ griffe von Besitz auf den Kopf, sie wirkt schlimmer als eine Expropriation. Die Wertzuwachssteuer ist hauptsächlich von den Bodenreformern propagiert worden; sie soll nötig sein, um den großen Kommunen billige Bauplätze für billige Wohnungen zu schaffen. Nach meiner Ansicht ist der Erfolg der entgegengesetzte, denn die Grundstücke kommen in der Regel in die Hände von Spekulanten, hinten denen die kapitalkräftigen Banken stehen, die sich auf andere als gewinnbringend⸗ Geschäfte kaum einlassen dürften. Ich kundige für eine spätere Gelegenheit einen Antrag auf Beseitigung der allmählich zu einer drückenden Last gewordenen Grundwertsteuer an, eventuell muß die Deklaration von 1906 wieder beseitigt werden. Schon heute bitte ich die Regierung, die Kommunen, von gewissen Bestimmungen des Zuwachssteuergesetzes nicht eher Gebrauch zu machen, bis die Grundwertsteuer abgeschafft ist.

Hierauf nahm der Finanzminister Dr. Lentze das Wort, dessen Rede morgen im Wortlaut mitgeteilt werden wird.

(Schluß des Blattes.) Der Schlußbericht über die gestrige Sitzung des Hauses Abgeordneten befindet sich in der Ersten Beilage

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Auf der Tagesordnung der heutigen (96.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten, der der Minister des Innern von Dallwitz beiwohnte, stand zunächst die Interpellation der Abgg. Bitta (Zentr.) und Genossen:

8 Was gedenkt die Königliche Staatsregierung zu tun, um den durch die neuesten Ueberschwemmungen der Oppa ein⸗

getretenen schweren Schäden in Zukunft vorzubeugen und die zur Verhütung neuer Hochwassergefahren erforderlichen dringlichen Maß⸗ nahmen zu treffen?

Auf die Frage des Präsidenten von Kröch er, ob und wann die Königliche Staatsregierung die Interpellation beant⸗ worten wolle, erklärte der

Ministerialdirektor Wesener: Im Auftrage meines Chefs habe ich dem Hause mitzuteilen, daß die Staatsregierung die Interpellation heute nicht beantworten kann, da sie über den Stand der Hochwasser⸗ gefahr noch nicht unterrichtet ist. Der Herr Minister wird aber von

en Provinzialbehörden Bericht einfordern und die Sache prüfen.

Damit war dieser Gegenstand erledigt.

Es folgte die Beratung des schleunigen Antrages der Abgg. Engelsmann, D. Hackenberg und Gen., betr. Ge⸗ währung staatlicher Unterstützung an die durch Hagel⸗ wetter im Weinbaugebiete der Nahe geschädigten Bewohner, auf Grund des mündlichen Berichts der Budget⸗ kommission.

Berichterstatter Abg. von Pappenheim (kons.): Der Minister hat gestern bei der ersten Beratung des vorliegenden Antrages erklärt, daß Mitteilungen über den Umfang des Hagelunwetters noch nicht vorliegen, daß er aber bereit sei, in eine wohlwollende Prüfung der Ver⸗ hältnisse einzutreten und eine staatliche Unterstützung in Aussicht zu stellen. Weiteres Material liegt noch nicht vor. Es ist vorauszusetzen, daß die nächstbeteiligten Provinzen und Kreise sich an der Unterstützung beteiligen werden. Mit Rücksicht hierauf hat die Kommission be⸗ schlossen, die Beschlußfassung über den Antrag auszusetzen in der Er⸗ wartung, daß die Staatsregierung der Erklärung, die der Minister abgegeben hat, Folge geben wird. 8

Abg. Hausmann (nl.) sprach die Hoffnung aus, daß die Re⸗ gierung bei Gewährung der Beihilfen nicht engherzig verfahren werde.

Abg. Winckler (kons.): Wenn wir uns mit der gestern vom Minister abgegebenen Erklärung einverstanden erklären, so möchten wir doch ausdrücklich die Voraussetzung unterstreichen, die der Minister für die Gewährung der staatlichen Mittel aufgestellt hat. Er hat gesagt, die Staatsregierung würde sich in wohlwollender Weise der Geschädigten annehmen, wenn sich herausstellen sollte, daß der Um⸗ fang der Schäden so groß sei, daß die Beschädigten tatsächlich in ihrem Nahrungsstande gefährdet würden. Diese erste Voraussetzung muß vom Abgeordnetenhause ausdrücklich gebilligt werden. Eine weitere Voraussetzung ist die, daß die Unterstützung nur dann ge⸗ währt werden darf, wenn diejenigen, die sich nicht gegen Hagel versichert haben, nachweisen können, daß die Versicherungs⸗ prämie so exorbitant hoch war, daß sie sie nicht hätten bezahlen können. Jedenfalls muß man mit der Gewährung von Staatsmitteln vor⸗ sichtig sein, damit nicht unberechtigte Wünsche von anderer Seite laut werden.

Abg. Kuhn⸗Ahrweiler (Zentr.) bat die Staatsregierung, die Beihilfen möglichst rasch und reichlich zu gewaͤhren.

Inzwischen war ein nationalliberaler Antrag eingegangen, der dem Antrage der Budgetkommission eine bestimmtere und erweiterte Fassung geben will.

Abg. Gyßling (fortschr. Volksp.): Die von dem Abg. Winckler erwähnten Voraussetzungen kann man im allgemeinen als richtig an⸗ erkennen. Man darf dabei aber auch nicht zu weit gehen. Es wird sich in vielen sehr schwer nachweisen lassen, ob eine Existenz⸗ gefährdung vorliegt oder nicht. Dem nationalliberalen Antrag können wir im allgemeinen zustimmen. Nach der wohlwollenden Erklärung des Ministers könnte man sich ja allenfalls mit der Aussetzung der Beschlußfassung zufrieden geben. Ein solcher Beschluß würde aber im Lande und von den Beteiligten vielleicht unrichtig aufgefaßt und nicht verstanden werden. Deshalb haben wir den Antrag gestellt, dem Beschluß der Kommission eine präzisere Fassung zu geben.

Abg. Hoffmann (Soz.): Wir werden für den nationalliberalen Antrag stimmen, wollen aber betonen, daß wir eine staatliche Hagel⸗ versicherung unter möglichst niedrigen Prämien für notwendig halten.

Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Dr. Rewoldt (freikons.) und des Referenten Abg. von Pappenheim wurde dem Antrage der Budgetkommission entsprechend die Beschluß⸗ fassung über den Antrag Engelsmann mit Rücksicht auf die wohlwollende Erklärung des Ministers ausgesetzt.

Das Haus fuhr nunmehr in der Beratung des Entwurfs eines Zweckverbandgesetzes für Groß⸗Berlin fort.

Abg. von Brandenstein (kons.): Das Herrenhaus hat unstreitig mehrere Verbesserungen an dem Gesetz vorgenommen. So ist zu begrüßen, daß die Erwerbung von Flächen zum Bau von Kleinwohnungen nsg⸗sch ecsen ist. Als eine Ver⸗ besserung sehen wir auch die Ausf eidung des Kreises Ost⸗ havelland an. Eine Verschlechterung sehen wir jedoch in der Aenderung des § 9 des Gesetzes. Das Herrenhaus hat die Bestimmung gestrichen, daß eine gemeinsame Verwaltung auch hin⸗ sichtlich derjenigen Teile von Wäldern, Wiesen usw. ermöglicht werden sollte, die den einzelnen Verbandsgliedern bereits gehören. Es wären z. B. Spandau und Köpenick dafür in Betracht gekommen. Im großen und ganzen sind die Mängel aber bei weitem nicht so groß, daß sie uns bestimmen könnten, das Gesetz abzulehnen. Nach⸗ dem seit mehr als einem Menschenalter Parlament und Regierung die Notwendigkeit erkannt haben, daß irgend etwas für die Besserung der kommunalen Verhältnisse des Bezirks Groß⸗Berlin getan werden muß, müssen wir es begrüßen, daß jetzt endlich einmal ein erster Schritt gekan worden ist. Meine Partei ist der Ansicht, daß in der Verbesserung der Wohnungsverhältnisse etwas Energisches geschehen muß. Wir haben darum unsere Resolution gestellt. Wir bestreiten damit keineswegs, daß große Mißstände auch in den Kleinstädten und auf dem platten Lande vorhanden sind. Aber bereits 1901 ist ein Gesetzentwurf über die Besserung der Wohnungsverhältnisse im „Staatsanzeiger“ veröffentlicht worden. Daß er nicht zur Ausführung gekommen ist, hat daran gelegen, daß man mit diesem Entwurf zu viel auf einmal erledigen wollte. Das

ohnungswesen in den Großstädten, in den kleinen Städten und auf dem platten Lande kann man nicht auf einmal regeln, die Verhältnisse sind dazu zu sehr verschieden. Deshalb haben wir vorgeschlagen, daß man zunächst an die Regelung der Wohnungsverhältnisse in den Groß⸗ städten herantreten soll. Abg. Freiherr von Zedlitz und Neukirch (freikons.): Meine Freunde werden der durch das Herrenhaus veränderten Fassung zu⸗ stimmen. Die Aenderung des § 1 halten wir im Gegensatz zum

orredner allerdings nicht für eine Verbesserung, sondern für eine bedauerliche Verschlechterung. Wenn auch der Kreis Osthavelland jetzt ausgeschlossen ist, so wird er über kurz oder lang doch an⸗ gegliederr werden. Mit Rücksicht auf das Herrenhaus bedauern wir ader, für den Zentrumsantrag, der die Förderung des Kleinwohnungs⸗ wesens wieder aufnehmen will, nicht stimmen zu können. 8 Abg. Dr. Liebkne cht (Soz.): Wenn selbst der Minister den Fortfall der Ziffer 4 für eine ernstliche Verschlechterung des Ge⸗ ebes hält, so ist es um so wundervoller, daß er mit solcher nergie auf der Ablehnung des Antrags Bitta auf Wiederherstellung m Ziffer 4 bestanden hat. Die Geschäftslage drängt ja gar nicht, 8 auch die Rücksicht auf das Herrenhaus kann nicht ausschlag⸗ sein. Es sst unerhört und muß besonders gekennzeichnet erden, daß das Herrenhaus an den Vorgängen gerade der letzten

Wochen, wodurch die v der Wohnungsverhältnisse Groß⸗Berlins und die Dringlichkeit einer Wohnungsreform aufs klarste erwiesen wurden, namentlich an den Publikationen von Professor Eberstadt und an den Verhandlungen des Wohnungskongresses achtlos vorübergegangen ist. Bezeichnend für das Zentrum ist, daß es den Antrag Bitta einbringt, den nur 27 Mitglieder, also ¼ der Fraktion, unterschrieben haben, um nach außen sozialpolitisches Interesse zu markieren, während die große Mehrheit unter dem Antrage fehlt. Die Resolutionen bieten keinen ausreichenden Ersatz für den Fortfall der Ziffer 4, sie sind bloß weiße Salbe; auch die Erklärung des Ministers, die Frage nochmals zu prüfen, besagt gar nichts.

Damit schloß die Generaldiskussion. In der Spezial⸗ diskussion wurde der Antrag Bitta zu § 1 abgelehnt und § 1 in der Fassung des Herrenhauses angenommen.

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Statistik und Volkswirtschaft. 1

Zur Arbeiterbewegung.

Die nglische Allgemeine Arbeiter⸗Union hat, „W. T. B.“ meldet, von den Vereinigungen der Schiffbauer am Tyne, Wear und Clyde eine Lohnerhöhung von 10 % gefordert. Die Vereinigung der Fuhrleute und die der Hafen⸗ arbeiter in Liverpool hielten gestern abend Sitzungen ab, in den en beschlossen wurde, für die gegenwärtig mit den Seeleuten in Streit befindlichen Schiffahrtsgesellschaften keinerlei Waren zu befördern. In Hull haben die Obsthändler gestern beschlossen, eine Petition an das Handelsamt zu richten, in der dieses ersucht wird, die Vermittlung im Seemannsausstand zu übernehmen. Da die Schiffahrt in Hull unterbunden ist, können 70,000 Pakete mit Früchten und Kartoffeln nicht gelandet werden. (Vgl. Nr. 148 d. Bl.)

Die Vereinigung der Bergarbeiter von Northumber⸗ land und Durham hat, „W. T. B.“ zufolge, ihren Mitgliedern empfohlen, mit vierzehntägiger Frist zu kündigen, wenn die Gruben⸗ besitzer nicht einwilligen sollten, ein anderes System der Arbeits⸗ schichten einzuführen. 8

Die Zahl der ausständigen Hafenarbeiter in Amster⸗ dam (vgl. Nr. 148 d. Bl.) beläuft sich, wie „W. T. B.“ erfährt, gegenwärtig auf zweitausend. Bei der Mehrzahl der Schiffahrts⸗ gesellschaften ruht die Arbeit.

In Marseille sind, wie der „Rh.⸗Westf. Ztg.“ telegraphiert wird, 3000 Kellner am 24. d. M. in den Ausstand getreten. Die meisten Kaffeehäuser und Restaurants sind geschlossen. Die Kellner verlangen 90 Fr. Monatsgehalt, einen freien Tag in der Woche und das Recht, einen Schnurrbart tragen zu dürfen. Bisher belief sich

ihr Ge

8 Kunst und Wissenschaft.

Ein von Pierpont Morgan vor kurzem erworbener Brief Luthers an Karl V. ist, „W. T. B.“ zufolge, von seinem jetzigen Besitzer an Seine Majestät den Kaiser und König abgetreten und von Allerhöchstdemselben für Wittenberg bestimmt worden. Es handelt sich dabei um jenes denkwürdige Schreiben, das Luther nach seiner Abreise vom Reichstag zu Worms aus Friedberg in Hessen an den noch in Worms weilenden Kaiser Karl schickte. Er rekapituliert in dem Schreiben den Verlauf der Reichstagsverhandlungen, begründet sein Verhalten, wiederholt seine entscheidenden Worte und legt das evangelische Bekenntnis ab. Der Brief ist nicht in die Hände des Kaisers Karl gelangt, da niemand wagte, das Schreiben eines in d Reichsacht befindlichen Mannes zu übergeben. 1“ 8

„Berliner Architekturwelt.“ Zeitschrift für Archi⸗ tektur, Malerei, Plastik und Kunstgewerbe der Gegenwart. Verlag von Ernst Wasmuth A.⸗G. Berlin. Preis des Jahrgangs 20 Die ersten Hefte des vierzehnten Jahrgangs der Zeitschrift lenken die Aufmerksamkeit auf eine Reihe neuer interessanter Berliner Bauten hin. Die Fassade für den Neubau des Verwaltungsgebäudes des Bundes der Landwirte zeigt eine neuzeitliche Umbildung griechischer Tempelfronten, die als einzelne Schöpfung vornehm wirkt. Be dem Ent⸗ wurf zum Bismarck⸗Nationaldenkmal Bingerbrück ist die Lösung des Problems in der Arbeit „Gedanken und Erinnerungen“ nicht vollkommen geglückt; es werden wuchtige Einzelheiten zusammengestellt, ohne daß ein imponierender Eindruck erzielt wird. Die Neubauten des Elek⸗ trizitätswerks Süd⸗West sind noch nicht auf die abgerundete, über⸗ zeugende Form gebracht, die man auch bei Fabrikbauten fordern muß. Das Geschäftehcus Dessauer Straße 39 kann dagegen zu den besseren Bauten der Hauptstadt gezählt werden. Eine Vorortvilla von Paulus u. Lillon Füchnet sich durch die reizvolle Grundrißanordnung aus. Die neue Kirche in Nikolassee von Erich Blunck ist das Meisterwerk einer kleinen vornehmen Kirche in Verbindung mit Pfarrhaus. Nur ganz selten findet man Bauwerke von dieser harmonischen Wirkung, die durch die schönen Verhältnisse des Turmes, den ruhigen Fluß der Bogenhallen, die gute Gruppierung des Ganzen erreicht wird. Auch über den Innenraum kann nur Gutes berichtet werden. Heft 2 bringt verschiedene Preisarbeiten für die Ausgestaltung des Rüdesheimer Platzes, allen gemeinsam ist eine gute Darstellungsweise. Ein kleines Sommerhaus in Wannsee ist gut; Philipp Hausers Fassadenentwürfe betonen in ungesunder Weise zu sehr den Vertikalismus. Heft 3 ent⸗ hält Arbeiten von Bruno Möhring mit ihrem bekannten riesenhaften Maßstab und der seltsam eigenen Ornamentik, die immer noch etwas befremdend wirkt.

Im gleichen Verlage erscheint: „Der Städtebau“. Monats⸗ schrift für die künstlerische Ausgestaltung der Städte nach ihren wirt⸗ schaftlichen, gesundheitlichen und sozialen Grundsätzen; begründet von C. Sitte und Th. Goecke. Preis des Jahrganges 15 ℳ. Je mehr der Städtebau in den Vordergrund der architektonischen Bestrebungen tritt, umso wünschenswerter ist das Erscheinen einer Zeitschrift, die alte und neue städtebauliche Projekte untersucht und zur allgemeinen Kenntnis bringt. Heft 4 des vorliegenden, achten Jahrgangs der Veröffentlichung beschäfligt sich u. a. mit dem Preisausschreiben für die Gartenvorstadt Stockfeld in Straßburg⸗Neuhof. Der Entwurf Volkswohl erreicht mit seinen bequemen und gemütvollen Straßen eine recht sympathische Wirkung der Gesamtanlage. Rechte Beachtung verdient Heft 5 wegen der eingehenden Behandlung des Wettbewerbes für das Schöneberger Südgelände. Möhrings Entwurf, der hier einen ersten Preis erhielt, zeugt von großer Originalität, was Vorzug und Nachteil zugleich sein kann. ie Abstufung der verschiedenen Be⸗ bauungshöhen ist gut erreicht; die vorhandene alte Kirchbofsanlage ist mit in Betracht gezogen und geschickt verwertet worden. Die schönen, architektonisch einwandfreien Straßenbilder von Bachmann u. Recht geben einen Begriff, wie etwa eine einheitliche Bebauung ganzer Straßenzüge durchzuführen wäre, ohne daß die Erscheinung des Ganzen langweilig wird. Aus dem sechsten Hefte sei der Aufsatz über die künstlerische Bedeutung des Baumschmuckes für das Architekturbild

8

erwähnt, der auf eine Anzahl recht guter photographischer Aufnaͤhmen

Bezug nimmt 6 8

Verkehrswesen.

1. Juli ab sind im Postpaketverkehr zwischen Deutschland und Mexiko Mitteilungen auf dem Abschnitt der

dann, wenn sie sich auf die Sendung beziehen.

Begleitadresse sowie Rückscheine zulässig, die Mitteilungen fedoch nur

Bericht

über den Stand der CJs. Kleeschläge, Wiesen

und Weiden in den im Reichsratvertretenen Königreichen und Ländern Mitte Juni 1911.

(Zusammengestellt im K. K. Ackerbauministerium.) Tabellarische Uebersicht.

Klah.. des Standes der Feldfrüchte, elleeschläge, Wiesen und Weiden ¹)

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Länder uund Landesteile 1 8

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Futterrüben

Zuckerrüben Kraut Klee

Gerste Kartoffeln

Hafer Weiden

Wiesen

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Niederösterreich. Oberösterreich .. Salzburg ... Steiermark

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Nordtirol und Vorarlberg.. Südtirol... Küstenland .. .. Dalmatien .... Böhmen. Mähren.. Schlesien . .. Westgalizien. ien. 1“ Bukowina ... Gescntzagsehn. [2,4 2,5 2,6 3 8 2,8 2

o. (Juni 1910) 9 2,2 2,6 2,8 2,3 2,3 2,5 2,9 1,9 2,5 „Anmerkung. 1¹) Klassifikationsnote 1 = sehr gut, 2 = über⸗ mittel, 3 = mittel, 4 = untermittel, 5 = sehr schlecht. Die Noten für die einzelnen Länder beziehungsweise Landesteile sowie für den Gesamtdurchschnitt sind aus den Klassifikationsziffern für die einzelnen Berichtsgebiete, und zwar unter Zugrundelegung der durchschnittlichen Ernteerträge, berechnet. Ein Strich bedeutet, daß die betreffende Frucht gar nicht oder nur in sehr beschränktem Ausmaße gebaut wird, ein Punkt, daß die Berichte nicht in genügender Anzahl einlangten.

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Witterungsverlauf in der Zeit von Mitte Mai bis Mitte Juni.

8 Während in der zweiten Hälfte des Monats Mai die Tempe⸗ raturen bei vorwiegend heiterem Wetter und häufiger Gewitterbildung eine allinähliche Steigerung aufweisen, war der Witterungscharakter des folgenden Monats bei langsam fallender Temperatur sehr ver⸗ änderlich. Die Niederschläge nahmen gegen Mitte des Monats an Intensität allgemein zu.

Allgemeine Bemerkungen.

Weizen hat sich in der zweiten Hälfte des Monats Mai im allgemeinen gut entwickelt, ist jedoch stark von Rost befallen, teilweise durch Staubbrand sowie durch Hagelschäden, Regengüsse und Lagerung beeinträchtigt und auf leichteren Böden schütter geblieben. In der Sudeten⸗ und Karpathenländern wird über Schädigungen durch die Larven der Weizen⸗ beziehungsweise der Hessenfliege geklagt.

Roggen steht ebenfalls teilweise sehr schütter, weißt viel mehr Lagerung und erheblichere Hagelschäden auf als Weizen, ist aber ins⸗ besondere auf besseren Böden lang im Halm, hat zumeist schön aus⸗ gebildete Aehren und größtenteils günstig abgeblüht.

Gerste und Hafer sind anfangs durch Trockenheit, dann durch niedrige Temperaturen im Wachstum behindert worden, was vor⸗ nehmlich in den Sudeten⸗ und Karpathenländern ein Vergilben mancher Saaten zur Folge hatte. Ueberdies leiden diese Sommer⸗ halmfrüchte stellenweise durch Engerlinge, in Niederungen unter stauender Nässe und zunehmender Verunkrautung, zu der sich hie und da bei Gerste Brand und bei Hafer Blattrost gesellen.

Mais verspricht in den Alpen⸗ und Südländern eine ziemlich gute Entwicklung. Die erste Hacke ist überall, das Behäufeln indeß 88 eA durchgeführt und nur in den Südländern größtenteils

eendet.

Kartoffeln zeigen, ungeachtet der in den Sudeten⸗ und Karpathenländern vorgekommenen Frost⸗ beziehungsweise Reifschäden, im allgemeinen noch frisches, gesundes Kraut, und bei frühgebauten, die im Hügel⸗ und Flachlande schon behäufelt sind, beginnt in diesen Gegenden bereits die Blüte. Später gebaute Kartoffeln erhalten die erste Hacke. In niedrigen Lagen, zumal auf bindigen Böden, sind die Bestände lückenhaft und von Unkraut überwuchert, und sporadisch ist auch Blattrollkrankheit aufgetreten.

Die Zuckerrüben wurden in den Niederungen der Sudeten⸗ länder vielfach überflutet und verschlämmt. Auch machen sich nebst Engerlingen und Drahtwürmern an manchen Orten massenhaft auf. getretene schwarze Blattläuse, hin und wieder Wurzelbrand und speziell in Böhmen die Runkelfliege bemerkbar. Zeitig gebaute Rüben sind fast überall vereinzelt, und in ebenen Lagen beginnt die zweite Hacke, wogegen die letztgebauten das erstemal behackt werden. 1

Futterrüben, die noch wenig entwickelt sind und teilweise durch Fröste gelitten haben, werden vereinzelt und Steckrüͤben in Ge⸗ birgsgegenden noch jetzt gesetzt.

Kraut, dessen Auspflanzung im Gebirge noch im Rückstande ist, bg 1 Orten Frostschäden erlitten und mußte teilweise nach⸗ gesetzt werden.

Klee (Rotklee und Luzerne). In den Süd⸗ und Alpenländern konnte von dem ersten, recht ergiebigen Schnitte die noch im Gange befindliche Kleeheuernte zum Teil gut geborgen werden, während in Gebirgsgegenden das Dörren und Einbringen durch häufige Regen verzögert wurde und die Qualität des Futters eine namhbafte Einbuße erlitten haben dürfte. In den Sudeten⸗ und insbesondere in den Karpathenländern läßt die begonnene Ernte hinsichtlich Qualität und Quantität bloß mittelmäßige Resultate erwarten. Junge Kleesaaten sind stellenweise ausgefroren.

Die Wiesenheuernte, die in den Südländern größtenteils eingebracht, sonst aber noch im Zuge ist, befriedigt durch die Quantität, besonders in den obengenannten sowie in den Alpenländern, doch hat die Qualität infolge des unbeständigen, zuweilen sehr schlechten Ernte⸗ wetters bereit erheblich gelitten. Viele Tal⸗ und Niederungswiesen, besonders in den Sudetenländern, sind überschwemmt und verschlämmt. Weiden haben sich unter dem Einflusse der ausgiebigen Nieder⸗ schläge in den Mpen⸗ und Südländern wesentlich gebessert, und alle Alpweiden konnten schon bezogen werden. In den Sudeten⸗ und Karpathenländern wurden die Bestockung der Grasnarde sowie das Wachstum durch die herrschende Kälte beeinträchtigt. (Wiener Zeitung.)

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b 16 Saatenstand in den Niederlanden. er Kaiserliche Generalkonsul in Amsterdam berichtet unterm

22. d. M.: Nach dem amtlichen Bericht über den Stand der Sommer⸗ saaten in den Niederlanden am 13. Junt 1911 war, nachdem der don Landwirten ersehnte Regen Ende April gefallen war und der Monat Mai warmes und fruchtbares Wetter gebracht hatte, der Stand der Felder und Wiesen recht gut. Da aber die Wärme lange Zeit anbielt, trat mit ihr bei den vorherrschenden östlichen und nördlichen Winden große Trockenheit ein, die, desonders an den auf Sandboden stehenden Sommer⸗ [gaten, vielfach Schaden anrichtete. Die Anssichten auf eine Flachsernte sind geschwunden, und auch die Wiesen versprechen kein