1912 / 150 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 25 Jun 1912 18:00:01 GMT) scan diff

nd ständigen Stellvertreter des Berghauptmanns im

1 berregierungs⸗

1 8828 dieser Behörde mit dem Range der äte u die Bergrevierbeamten, Bergräte Liesenhoff zu Diez, Schnepper zu Recklinghausen und Josef Hoechst zu Dort⸗ mund sowie die Bergwerksdirektionsmitglieder, Bergrat Kieser⸗ ing zu Saarbrücken, Bergwerksdirektor Keil zu Zabrze und Bergwerksdirektor Pieler zu Recklinghausen zu Oberbergräten

u ernennen sowie dem Medizinalrat, Professor Dr. Borchard in Posen en Charakter als Geheimer Medizinalrat zu verleihen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem Ersten Bürgermeister Schoppen in Gnesen den Titel Oberbürgermeister beizulegen.

Ministerium für Handel und Gewerbe.

Uebertragen ist dem Oberbergrat Liesenhoff die Stelle eines Mitgliebs bei dem Oberbergamte in Bonn, den Ober⸗ bergräten Hoechst, Kieserling und Pieler je eine Mitgliedstelle bei dem Oberbergamte in Dortmund und dem Oberbergrat Keil die Stelle eines Mitglieds bei dem

Oberbergamte in Halle (Saale).

Ministerium der geistlichen und Unterrichts⸗ angelegenheiten.

um Rektor der Technischen Hochschule in Breslau für die Fum vom 1. Juli 1912 bis Ende Juni 1914 ist 8

etatsmäßige Professor Dr. Schenck wiederernannt worden.

Der ordentliche Professor, Geheimer Regierungsrat Dr. Loeschcke zu Bonn ist in Eigenschaft in die philo⸗ sophische Fakultät der Friedrich Wilhelms⸗Universität zu Berlin versetzt worden.

Dem Volontärassistenten an der Zweiten Medizinischen Klinik des Charitékrankenhauses zu Berlin Dr. med. Artur Pappenheim ist das Prädikat Professor beigelegt worden.

Evangelischer Oberkirchenrat.

um Pfarrer der deutschen evangelischen Gemein e in Sao Bento im Staate Santa Catharina (Brasilien) ist der Hilfsprediger Ortmann aus Lage (Lippe) berufen worden.

Die von heute ab zur Ausgabe gelangende Nummer 22

der Preußischen Gesetzsammlung enthält unter Nr. 11 214 die Bekanntmachung des Textes des Knapp⸗

schaftsgesetzes vom 17. Juni 1912. Berrlin W. 9, den 25. Juni 1912. KEKFönigliches Gesetzsammlungsamt. Krüer.

8

Angekommen: Justizminister Dr. Bese

Nichkamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 25. Juni.

Der Ausschuß des Bundesrats für Handel und Verkehr, die vereinigten Ausschüsse für Eisenbahnen, Post und Tele⸗ graphen und für das Landheer und die Füennn sowie die vereinigten Ausschüsse für Handel und Verkehr und für Justiz⸗ wesen hielten heute Sitzungen. . b

Der Königlich bayerische Gesandte Graf von Lerchen⸗ feld⸗Köfering hat Berlin verlassen. Während seiner Ab⸗ wesenheit führt der Legationsrat von Schoen die Geschäfte der Gesandtschaft.

Der Botschaftsrat, Wirkliche Staatsrat und Kammerherr Bronevsky ist in Berlin eingetroffen und hat die Leitung der Kaiserlich russischen Botschaftübernommenä.

8

Der Königlich bulgarische Gesandte Guéchow hat Berlin verlassen. Während seiner Abwesenheit führt der Erste Legations⸗ sekretär Nestoroff die Geschäfte der Gesandtschaft. 8

Der Präsident der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse, Wirklicher Geheimer Oberfinanzrat Dr. Heiligenstadt ist 8 Urlaub zurückgekehrt.

Laut Meldung des „W. T. B.“ sind am 22. d. M. S. M. S. „Stettin“ in Vigo und S. M. S. „Panther“ in Lome, am 23. d. M. S. M. S. „Tiger“ in Kobe und S. M. S. „Luchs“ in Canton eingetroffen. 8

Deutsche Kolonien. Der Flgeigetses des Reichskolonialamts Dr. Solf hat, wie dem „W. T. B.“ aus Lüderitzbucht (Deutsch Süd⸗ westafrika) berichtet wird, in den letzten Tagen die Einrichtungen von Colmanskop, der Kolonialen Bergbaugesellschaft, der Deutschen Diamantengesellschaft und des Pomonagebiets be⸗ sichtigt. Gestern wohnte der Staatssekretär einer Sitzung der Minenkammer bei.

sich außerordentlich entwickelt und in 1 bis

In der gestrigen Sitzung des österreichischen Ab geordnetenhauses erklärte der Landesverteidigungsminister von Georgi in Beantmortung einer Interpellation des Ab⸗ geordneten Breiter über die angebliche Unbrauchbarkeit des ersten Dreadnoughts „Viribus Unitis“ laut Meldung des „W. T. B.“:

Die Nachricht des „Neuen Wiener Journals“ in dieser Angelegen⸗ heit entspreche nicht den Tatsachen und stelle sich als eine tendenziöse Üebertreibung der Tatsache dar, daß bei den Turmanlagen eine in erlaubten Grenzen liegende Gewichtsüberschreitung festgestellt worden sei. Sie habe aber gar keine nachteiligen Folgen weder für den Tief⸗ gang des Schiffes noch für dessen Geschwindigkeit oder Manövrier⸗ fähigkeit ergeben. Die Marineverwaltung habe nicht den geringsten Grund, irgend etwas Besonderes wegen der Turmanlagen oder der Geschützausführung zu veranlassen.

Der ungarische Staatskassenausweis des ersten Quartals weist obiger Quelle zufol e Gesamteinnahmen in Höhe von 442 945 989 Kronen und Gesamtausgaben in Höhe von 444 942 622 Kronen b8 Die Einnahmen sind um 54 717 634 Kronen und die Ausgaben um 5 217 879 Kronen größer als im ersten Quartal des Jahres 1911; mithin ist die Bilanz des ersten Cuartals um 49 499 755 Kronen günstiger als im Jahre 1911. Bedeutendere Mehreinnahmen sind zu verzeichnen bei den direkten Steuern 3,52, bei der Verzehrungs⸗ steuer 14,24, bei der Stempelsteuer 1,14, bei den unmittelbaren Gebühren 2,41, beim Tabaksmonopol 4,93, bei den Staats⸗ eisenwerken 5,5, bei Post und Telegraphen 2,99, bei den Staats⸗ bahnen 13,1 und bei den Staatsforsten 3,3 Millionen Kronen.

Großbritannien und Irland.

Der deutsche Botschafter Freiherr Marschall von Bieberstein ist gestern vom König Georg zur Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens in Audienz empfangen worden. Se. der formellen Audienz wurde Freiherr Marschall von Bieberstein, wie „W. T. B.“ meldet, noch in Privataudienz empfangen. 1

Im e wurde gestern an den Staatssekretär des Aeußern Sir Edward Grey die Anfrage gerichtet, ob er von dem englischen Gesandten in Peking Nachrichten erhalten habe, daß China den indischen Opiumhandel in ungesetz⸗ licher Weise unterdrücke und ob die englische Regierung es zu⸗ lassen wolle, daß China sich über die Bestimmungen des englisch⸗chinesischen Opiumvertrages, die zugunsten der britischen Händler lauten, hinwegsetze, während es gleichzeitig die ihm durch diesen Vertrag auferlegten Bedingungen nicht beobachte. In Vertretung Greys erwiderte der Parlamentssekretär Acland laut Meldung des „W. T. B.“:

Die englische Regierung sei sich des Ernstes der Lage bewußt und der englische Gesandte in Peking mache der chinesischen Regierung ernste Vorstellungen. Die Unfähigkeit der chinesischen Regierung, die Befolgung der von ihr anerkannten Vertragsverpflichtungen in dieser wie auch in anderen Angelegenheiten in den Provinzen zu erzwingen, müsse, so lange wie sie fortdaure, die Anerkennung der neuen chine⸗ sischen Regierung hinausschieben.

In der folgenden Verhandlung über die Resolutionen zum Budget kündigte der Kanzler der Schatzkammer Lloyd George an, daß er aus dem Ueberschuß von 6 ½ Millionen Pfund Sterling eine Million herausnehmen werde, um den Er⸗ gänzungsflottenetat zu decken, den Churchill dem Hause

demnächst vorlegen werde.

Lloyd George erinnerte das Haus daran stellung des Budgets zwei Möglichkeiten in Rechnung gezogen und deshalb den Ueberschuß von 6 ½ Millionen Pfund Sterling in die Reserve gestellt habe. Die erste Möglichkeit sei die Wirkung des Kohlenstreiklz auf die Einnahmen gewesen. Er freue sich, sagen zu können, daß es die Regsamkeit des Handels wäre, wenn er sich sicher fühle, daß es nicht nötig sein würde, auch nur einen einzigen Pfennig an dieser großen Reserve zu kürzen, um durch den Streik entstandene Schädigungen zu beseitigen. Die zweite Möglichkeit, die er bei der Aufstellung des Budgets erwähnt habe, sei das mögliche Anwachsen der Forderungen der Admiralität dem Schatzamt gegenüber gewesen. Bei der Ein⸗ bringung der Flottenvorlage habe Churchill ganz klar gesant, daß sich diese Vorlage gründe auf die Annahme, daß das deutsche Flottengesetz ungeändert bleibe. Damals war dem Reichstage eine orlage zu⸗ egangen, die gegenüber dem alten deutschen Flottengesetz eine er⸗ hebli e Vermehrung enthielt. Seitdem sei die Vorlage Gesetz geworden, und es sei nicht mehr eine Mbglichkeit, sondern eine Tatsache, der man sich gegenüber befinde. Dies neue Gesetz sehe eine über sechs Jahre verteilte Vermehrung für das deutsche Flotten⸗ programm vor, die sich im ganzen auf zehn Millionen Pfund Sterling beziffere. Churchill werde demnächst den Nachtragsflottenetat vor⸗ legen. Er wolle seiner Erklärung nicht vorgreifen und sich auf den Etat nur so weit beziehen, als zur Darlegung seines Finanzexposs notwendig sei. In diesem Jahre werde die Summe, die Churchill nachträglich fordern werde, eine Million Pfund Sterling nicht überschreiten. Aber in den folgenden Jahren würden hohe Summen erforderlich sein als Folge des Programms, dessen Ausarbeitung Churchill für notwendig halten werde. Lloyd George erklärte schließlich, daß 500 000 Pfund Sterling des Ueberschusses dem Kolonialamt vorgestreckt werden würden zur wirtschaftlichen Entwicklung von Britisch⸗Ostafrika und Uganda und die übrigen fünf Millionen für die 1““ verwandt werden würden. Zur Begründung der Aufwendung für Britisch⸗Ostafrika und Uganda führte der Redner aus, daß die dieser Ge⸗ biete, namentlich was Weiszen und aumwolle betreffe,

2 Jahren mehr als verdoppelt habe. In diesem Jahre werde eine Ausfuhr von 105 000 Zentnern Baumwolle aus Uganda erwartet. Die Eisen⸗ bahnen, die Dampfboote und die Straßen ständen gänzlich Füßer Verhältnis zu diesen neuen Produktionsquellen. Der Eisenbahn⸗ verkehr habe sich gewaltig vergrößert und das rollende Material müsse notwendig vermehrt werden. In den Lagerhäusern und auf den Lagerrampen gingen Landesprodukte zugrunde. Infolge des Mangels an Straßen könnten die Eingeborenen ihre Erzeugnisse nicht an die See bringen und würden dadurch entmutigt. Aus diesem Grunde beantrage er, dem Kolonialamt eine halbe Million Pfund

Sterling für die weitere Entwicklung dieser Länder vorzustrecken. Er

erwarte davon eine Verzinsung von 3 ½ %.

Italien. 8

Die Deputierten kammer hat gestern laut Meldung des „W. T. B.“ mit 161 gegen 43 Stimmen die am 13. Oktober 1909 zu Bern unterzeichneten internationalen Akte, betreffend den Rückkauf der Gotthardbahn seitens der Schweis, genehmigt und sich darauf auf unbestimmte Zeit vertagt.

Vor der Vertagung sprach Lacava dem Präsidenten der Kammer und dem Ministerpräsidenten den Dank der Kammer aus. Gicolitti habe zahlreiche wichtige Vorlagen, darunter die Wahlreform, zur An⸗ nahme gebracht. Er danke ihm auch dafür, daß er in der gegenwärtigen Zeit das Ansehen und das Renommee Italiens so hochgehalten habe. Schließlich dankte der Redner noch den Kämpfern in Lybien und im Aesgäischen Meere und gab dem Wunsche Ausdruck, daß ihre Tapferkeit von Sieg

ekrönt werde. Der Ministerpräsident Giolitti erwiderte, mit t R Festigkeit feststellen können, mit der die

daß er bei der Auf⸗

Kammer in diesen bewegten Zeiten eins der erhabensten Probleme 8 habe lösen können, die ein freies Volk interessieren Die Kammer habe sich als eine würdige Vertretung des ruhigen und zielbewußten

(Die Mit⸗ erhoben

pries

Volkes ggezeigt. des Ministeriums Präsident Marcora seiner

Heroismus des italienischen glieder der Kammer und von den Plätzen.) Der

Poße Werk Giolittis und’ der

zu leiten, die während der ganzen gegenwärtigen Legislaturperiode dem Parlament zur Ehre gereicht hätten. Er wies darauf hin, welche Ein⸗

mütigkeit des Willens sich beim König, der zum Heil Italiens einem Meuchelmorde entgangen sei (donnernder Beifall, Rufe: Es lebe der König!), der Königin und der Königin⸗Mutter, wie bei sämtlichen Dem Heere und der Marine und deren

ührern zolle die Kammer Bewunderung, ebenso aber auch dem ganzen

olke, das sich, erhaben über jede Selbstsucht, zu den größten Opfern bereit gefunden habe in dem Bewußtsein, daß nur der moralische Kredit des Vaterlandes sein Geschick sichern könne. (Allgemeiner, an⸗ dauernder Beifall, Rufe: Es lebe der König, es lebe Italien!l)

Gestern ist in Madrid ein stark besuchter Kongreß der Eisenbahnbediensteten eröffnet worden. Wie „W. T. B.“ meldet, wurde beschlossen, in den Generalstreik zu treten, falls eine der Gesellschaften einen Angestellten wegen seiner Be⸗ teiligung an dem Kongreß entlassen sollte.

Serbien.

meldet, ist der Kassationsrichter zum Justizminister ernannt worden.

Türkei.

Die Deputiertenkammer hat gestern, wie „W. T. B.“ meldet, nach kurzer Debatte die Abänderungen des Artikels 35 der Verfassung mit 212 gegen 15 Stimmen, fast einstimmig auch die Abänderung des Artikels 43 und die Aufhebung des Artikels 73 der Verfassung angenommen.

Mehrere Führer der Südalbanier haben mit den Führern der Aufruhrbewegung im Norden des Wilajets

ossowo eine Unterredung zum Zwecke einer allgemeinen Erhebung gehabt. Der Plan ist obiger Quelle zufolge an der Haltung der Ghegen gescheitert, die auch die Einführung der nötigen Reformen verlangen, aber dem Sultan die Treue bewahren wollen.

Der Minister des Innern erklärte nach einem Interview des „Tanin“, er habe bei einer Inspektionsreise durch Mazedonien und Alhanien die Ueberzeugung gewonnen, daß dort die Verwaltung ohne ständige Beaufsichtigung nicht ordnungsgemäß aufrecht erhalten werden könne. Er habe daher beschlossen, einen Inspektionsrat einzusetzen. in dessen Spitze wünsche er einen englischen Fachmann zu stellen, der mit den Landessitten vertraut sei und dem noch einige aus⸗ ländische Fachleute beigesellt werden sollen. Jedes Wilajet werde dann einen eigenen Inspektor besitzen. Der Minister fügte hinzu, er werde diesen Entschluß demnächst der Kammer bei

ütren wi gezeigt habe.

Wie „W. T. B.“ Markus Gjureschitsch

der Beratung des Budgets für das Ministerium des Innern

mitteilen. Die Ernennung der Wilajetinspektoren werde stufen⸗ weise erfolgen, zuerst für Rumelien, dann für Ostanatoli und Syrien. 1 8 Asien. 8 Einer Meldung des 8 der Dalai Lama von Kalimpong nach Lhassa zurückgereist. . Mit Rücksicht auf die Erschöpfung des chinesischen Staatsschatzes wird, wie „W. T. B.“ meldet, der Versuch emacht, die Gehälter aller chinesischen Beamten auf ein ein⸗ heitliches Monatsgehalt von sechzig Dollar herabzusetzen. Die Beamten in Schanghai, von denen einige ein Gehalt von tausend Dollar oder mehr beziehen, beschweren sich über diese Maßnahme. Afrika.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ aus Fg hat der General Gouraud am 22. d. M. den Wadi⸗Inaun über⸗ schritten, um die dort befindlichen Ansammlungen der Hazanas zu zerstreuen. Nach heftigem Widerstand wurden diese aus⸗ einandergetrieben. Die Franzosen hatten zwei Tote und 13 Verwundete, darunter zwei Offiziere.

8 8 Parlamentarische Nachrichten. 8

Nach dem endgültigen amtlichen Wahlergebnis wurden, wie „W. T. B.“ meldet, bei der Reichstagsersatzwahl in Hagenow⸗Grevesmühlen für Sivkovich (fortschr. Volksp.)

7034, für Pauli (kons.) 6794 und für Kober (Soz.) 4291 Stimmen abgegeben. Danach ist Stichwahl zwischen Sivkovich und Pauli erforderlich.

Statistik und Volkswirtschaft.

Die Bewegung der ausländischen Arbei im Monat Mai 1912.

(Bericht der Deutschen Arbeiterzentrale.)

Wenn der letzte Bericht andeutete, daß voraussichtlich mit dem

Monat April die Zuwanderung der ausländischen Arbeiter für die diesjährige Frühjahrskampagne ihr Ende erreicht haben werde, so wurde diese Vermutung durch die Erfahrung des Berichtsmonats vollauf bestätigt. Der Zuzug bewegte sich im Mai in recht mäßigen Grenzen; zum größten Teile waren die wenigen Nachzügler Ver⸗ wandte und Bekannte von ausländischen Arbeitern, die bereits in Deutschland ein Arbeitsverhältnis eingegangen waren und nun ihre Angehörigen und Freunde nachzogen. Es waren im allgemeinen nur ganz kleine Arbeitertrupps, die noch über die Grenze kamen und in feste Arbeitsstellen zogen, und mit dem Pfingstfeste hörte auch diese geringe Zuwanderung fast ganz auf.

Auf dem landwirtschaftlichen Arbeitsmarkte war es der Jahreszeit entsprechend still. Das Angebot der Arbeitskräfte hörte fast ganz auf, wohl aber zeigte sich stellenweise eine gewisse Nachfrage, die ganz zu befriedigen sich als schwierig erwies 1

Das rege Leben auf dem industriellen Arbeitsmarkte hielt im Berichtsmonate an. Der noch immer sich als sehr stark zeigende Bedarf der oberschlesischen Kohlenwerke an Grubenarbeitern war tt aller Bemühungen nicht zu decken, da auch der galizische Arbeitsmark nach dieser Richtung hin völlig versagte. Ein Angebot von Gruben⸗ arbeitern fehlte ganz. Im Westen wurde im Baugewerbe ein den Bedarf weit üͤbersteigendes Angebot beobachtet, während die Montan⸗ industrie und die Steinindustrie unter Arbeitermangel zu leiden hatten. Grubenarbeiter waren auch hier nicht zu haben.

Die Ueberseeauswanderung zeigte sich immer noch als 8g während die Abwanderung nach Böhmen, Frankreich und den skan 1 weniger ins Gewicht fiel, da hier der Bedarf ge ein dürfte

sich das würdigen Mitarbeiter.

s sei ihm eine hohe Genugtuung gewesen, die Arbeifen in der Kammer

Rückwanderung in ihre Heimat, sodaß der

Reuterschen Bureaus“ zufolge i

Bei den Wanderarbeitern aus Ruß land ließ der Zuzug an der styreußischen Grenzstrecke so stark nach, daß der Bedarf Baeg ghade Arbeitgeber nicht völlig gedeckt werden konnte. Dies wird erst möglich sein, wenn sich das Innere Rußlands dem deutschen Arbeitsmarkte mehr rschließen sollte. Auch an der westpreußischen Grehze war die zuwanderung sehr knapp. „Abgesehen davon, daß die Amerika⸗ zugwanderung und der Weichselflößereiverkehr 59 störend auf den beutschen Arbeitsmarkt einwirkten, erlitt dieser aber auch 8. eine jarke v2 daß die russischen Grundbesitzer selbst über Arbeiter⸗ mangel zu klagen hatten und alles aufboten, um die Arbeiter im igenen Lande zu halten. Ein größeres Angebot ist aus diesen Gegenden für die Zukunft kaum zu erwarten. An der posenschen und der schlesischen Grenzstrecke war es ziemlich still. Das Selbst⸗ ungebot hörte ganz auf, wie auch die Nachfrage nur gering war. Zur inte dürfte jedoch der Bedarf der Landrwortschaft erheblich steigen.

Der Zuzug der galitischen Arbeiter war wie im Vormonat ur schwach und das Selbstangebot kaum nennenswert. Wenn auch gegen Ende des Monats sich das Angebot männlicher Arbeiter etwas bob, so ist bei der Schwierigkeit der Anwerbung auf einen stärkeren zuzug galizischer Arbeiter kaum noch zu rechnen. Angesichts der anfangs günstigen Ernteaussichten in Ungarn war bei den unga⸗ rischen Arbeitern Angebot und Nachftage gleich null. Wie ver⸗

latet, hat jedoch die Saat durch Hagelwetter und Ueberschwemmungen

gegen Ende des Monats stark gelitten, sodaß vielleicht noch Arbeits⸗ träfte frei werden. Bei den italienischen Arbeitern zeigte sich eine ziemlich starke zug den Zuzug fast iberwvog. Der Bedarf im Baugewerbe und bei den Senn unng 18 völlig gedeckt, sodaß ein starkes Ueberangebot entstand, das sich aber nicht entschließen konnte, in der Montan⸗ und Schwerindustrie, die über Arbeitermangel klagten, Beschäftigung anzunehmen. Auch die Steinindustrie hatte noch Arbeiter einzustellen, doch war es bei der Vielseitigkeit des Betriebes in dieser Industrie schwierig, die geeigneten Febeter in fühen. 8 sch uch bei den holländischen Arbeitern zeigte sich eine stark Reigung zur Rückwanderung, da die in Holland Fat. sowie größere Erdarbeiten daselbst gute Lohnaussichten boten. Aus disem Grunde ist auch für die nächsten Wochen eine nennenswerte ö zu Eehwarten. Urbelt stark er Zuzug der dänischen Arbeiter war stark genug, um de sachfrage das Gleichgewicht zu halten. Zur Ernte 1a man auf en dem auch das entsprechende Angebot gegenüber⸗ ehen würde.

Die Tätigkeit der Kaufmannsgerichte in Preuße im Jahre 1911. b

Auf Grund des Reichsgesetzes vom 6. Juli 1904 bestanden am Ende des Jahres 1911 in Preußen 177 Kaufmannsgerichte, von denen lg bereits bestehenden Gewerbegerichten angegliedert waren. Für einzelne Gemeinden waren insgesamt 155 Kaufmannsgerichte zu⸗ ständig (darunter für Gemeinden mit mehr als 20 000 Einwohnern, ie ein Kaufmannsgericht zu unterhalten gesetzlich verpflichtet sind, 149), für die Bezirke mehrerer Gemeinden 9 und für die Bezirke veiterer Kommunalverbände oder Teile von solchen 13.

Von der Gesamtzahl der Kaufmannsgerichte entfielen Ende 1911 novinzweise 5 auf Ostpreußen, 4 auf Westpreußen, 1 auf den Stadt⸗ heis Berlin, 28 (von denen 2 jedoch noch nicht in Tätigkeit getreten nd) auf Brandenburg, 7 auf Pommern, 5 auf Posen, 20 auf Schlesien, 16 auf Sachsen, 7 auf Schleswig⸗Holstein, 15 auf Han⸗ wber, 30 (darunter 1 noch nicht in Tätigkeit getretenes) auf West⸗ flen, 6 auf Hessen⸗Nassau und 33 auf die Rheinprovinz, während in den Hohenzollernschen Landen Kaufmannsgerichte fehlen.

Im Berichtsjahre waren bei den preußischen Kaufmannsgerichten iegesamt 17 593 Klagen anhängig (davon 6042 oder mehr als ein Ditel allein in Berlin), und zwar auf Klage der Kaufleute 1051, 5 flage 88 vder 2 542. In einem Gerichts⸗ z webten demnach während des Berichtsjahres ohne Berlin 66 Klagen. ““ Von den Streitigkeiten betrafen 1948 oder 11,1 v. H. den Antritt, jie Fortsetzung oder die Auflösung des Dienst⸗ oder Lehrverhältnisses sowvie die Aushändigung oder den Inhalt des Zeugnisses 5 zffer 1 des K.⸗G.⸗G.), 12 380 oder 70,4 v. H. die Leistungen aus dem Dienst⸗ oder Lehrverhältnisse 5 Ziffer 2 a. a. O.), 389 oder 22 v. H. die Rückgabe von Sicherheiten, Zeugnissen, Legitimations⸗ vapieren oder anderen Gegenständen, die aus Anlaß des Dienst⸗ nder Lehr verhältnisses übergeben worden sind 5 Ziffer 3), 2685 oder 1533 v. H. Ansprüche auf Schadenersatz oder Zahlung einer Vertrags⸗ innfe wegen Nichterfüllung oder nicht gehöriger Erfüllung bestimmter Verpflichtungen sowie wegen gesetzwidriger oder unrichtiger Eintra⸗ aungen in Zeugnisse, Krankenkassenbücher oder Quittungskarten der Fvalidenversicherung 5 Ziffer 4), 10 oder 0,1 v. H. die Berech⸗ nung und Anrechnung der von den Gehilfen oder Lehrlingen zu listenden Krankenversicherungsbeiträge und Eintrittsgelder (§5 Ziffer 5) und endlich 181 oder 1,0 v. H. Ansprüche aus einer Vereinbarung, dnch die 88 Beelfe der Fehelig st die Zeit 8 Beendigung des ienst, oder Lehrverhältnisses in seiner gewerblichen Täti . scränkt wird 5 Ziffer 6). 8 Der Wert des Streitgegenstandes betrug in 1367 Fällen oder 18 v. H. 20 und weniger, in 2242 oder 12,7 v. H. mehr als 8 bis 50 ℳ, in 3338 oder 19,0 v. H. mehr als 50 bis 100 ℳ, höloe oder 888 5 H0 Whss c 189 8 in 3259 oder 55 v. H. mehr als ,während in 1190 Fällen oder 6,8 v. H. der ha 8 festgesteg ngef 8 8

wurden von der Gesamtzahl der Klagen im Berichtsjahr Khehigt durch Vergleich 6569 oder 37,3 v. S durch Verichitlabr cs des § 306 der Zivilprozeßordnung 186 oder 1,1 v. H., durch nerkenntnis 177 oder 1,0 v. H, durch Zurücknahme der Klage 3134 dder 17,8 v. H., durch Versäumnisurteil 1519 oder 8,6 v. H., durch Se. Endurteile 3217 oder 18,3 v. H. und auf sonstige Weise 1686 8 er 9,6 v. H.; 1105 oder 6,3 v. H. aller Streitigkeiten blieben im d drt aqlesigt, 8

ei 3 er 3217 Streitigkeiten, die nach gegenseitiger münd⸗ licher Res der Parteien durch Endurteil Ce wurden, 6 bis zur sgkünteung des letzteren das Verfahren weniger 11 Woche, bei 772 oder fast einem Viertel aller Fälle 1 bis de 1 deslich) 2 Wochen, bei 1090, d. i. bei mehr als einem Drittel, 1 en bis (ausschließlich) 1 Monat, bei 845, d. i. über einem Rtel 1 Monat bis (ausschließlich) 3 Monate und bei 149 Fällen f onate und länger. Bei 362 durch Endurteil entschiedenen Streit⸗

n. wurde Berufung an das Landgericht eingelegt. 8 52 Einigungsamt 17 d. Ges.) wurden im Berichtsjahre 8 Kaufmannsgerichte je einmal angerufen; in dem einen Falle, sich beide Teile an das Kaufmannsgericht gewandt hatten,

8 Vereinbarung zustande. Von zusammen 13 Kaufmanns⸗

een wurden auf Ersuchen von Staats⸗ oder Gemeindebehörden ne hälntächten über Fragen, die das kaufmännische Dienst⸗ oder Lehr⸗ 11 8. betreffen (§, 18 Abs. 1 d. Ges.), abgegeben und von 8 chten 14 Anträge im Sinne des § 18 Abs. 2 gestellt. (Stat.

Zur Arbeiter egung.

Die angedrohte allgemei 1 gemeine Aussperrung in der Metall⸗ mzustrie Groß Berlins ist durch 883 Beschluß einer von 29 een tausend Metallarbeitern besuchten Versammlung, in der am lezeane die Vereinbarungen der Kommissionen der Arbeitgeber und 8”b ehmer angenommen wurden, vermieden worden. Wie die Nrbe Ztg.“ mitteilt, kommen die Vereinbarungen den von den veit 8l gestellten Forderungen in den wesentlichsten Punkten 88 Güfen. So soll die wöchentliche Arbeitszeit von 56 Srähden verkürzt werden, während die Löhne so erhöht vchenb 1 die Verkürzung der Arbeitszeit keinen Rückgang des Aeralner enstes zur Folge hat. Da der Gesamtverband deutscher ehnt duftriellen grundsätzlich die Festsetzung tariflicher Mindestlöhne wurde weiter in protokollarischen Erklärungen festgelegt, daß

vom 1. Oktober d. J. ab, an dem auch die Verkürzung zeit in Kraft tritt, für ungelernte Arbeiter der Anfangslohn 45 ₰, für gelernte 48 für die Stunde betragen soll. Nach dreimonatiger Beschäftigung muß für gelernte und ungelernte Arbeiter der Stunden⸗ lohn um 2 erhöht werden. Auch die vereinbarte Neuregelung der Akkordarbeit entspricht im wesentlichen den Forderungen der Arbeiter.

Auf dem Eisenhüttenwerk Thale streiken seit Montag feüh, wie die „Frankf. Ztg.“ berichtet, ungefähr 500 Arbeiter, weil die von ihnen geforderte 10 prozentige Lohnerhöhung abgelehnt worden ist. Der Betrieb läßt sich vorläufig noch aufrechterhalten.

b n Velbert (Kreis Mettmann, Regierungsbezirk Düsseldorf) aben die christlichen, die Hirsch.Dunckerschen und die sogenannten freien Gewerkschaften sich zu einer Lohnbewegung geeinigt. Die

ormer und Schlosser der Eisengießerei von Emil Hohagen aben nach Mitteilungen der Rhein.⸗Westf. Ztg.“ und der „Köln. Ztg.“ dieser Firma am 15. Juni ihre Forderungen unterbreitet und gleich⸗ zeitig ihre Kündigung zum 29. d. M. eingereicht. Darauf hat nun die abrikantenvereinigung beschlossen, in sämtlichen Eisengießereien den Hand⸗ und Maschinenformern das Arbeitsverhältnis für den Fall zu ündigen, daß die Former und Schlosser der Firma Hohagen bis zum 27. Juni ihre Kündigung nicht zurückziehen. Wenn die Bewegung bis zum 7. Juli nicht beendet ist, soll die Hälfte der gesamten Arbeiterschaft in den der Fabrikantenvereinigung angehörigen Betrieben am 13. Juli ausgesperrt werden.

Einer Meldung der „Rhein.⸗westf. Ztg.“ aus Crefeld zufolge sind dort die Arbeiter und Arbeiterinnen der Sammet⸗ appreturen in eine Lohnbewegung eingetreten. In einem Schreiben des Arbeitgeberverbandes war folgender Vorschlag gemacht worden: „Wenn die Arbeiter ein Lohnsystem haben wollen, bei dem der Arbeiter nach seinen Leistungen bezahlt wird, ist die Vereinigung bereit, gegen den Schluß des Jahres Vor⸗ schläge zu machen, nach denen der fleißige und tüchtige Arbeiter be⸗ deutend mehr verdienen kann.“ Bisher sind die Verhandlungen ergebnislos verlaufen. Im Laufe der Woche dürfte die Entscheidung über die Frage eines Ausstands fallen.

Aus London wird dem „W. T. B.“ berichtet: In einer Ver⸗ sammlung der Eisenbahnbediensteten der Linie Strat⸗ ford London, die gestern in London stattfand, wurde eine Resolution gefaßt, in der sich die Eisenbahnbediensteten verpflichten, die Arbeit am Mittwoch um Mitternacht niederzulegen, falls der Verband der Schiffsreeder und die Hafenbehörde von London sich weigern, die berufenen Vertreter der Transportarbeiter zu empfangen.

Zum Ausstand französischer Seeleute und Hafen⸗ arbeiter wird dem genannten Bureau aus Marseille vom gestrigen Tage gemeldet, daß die Hafenarbeiter daselbst beschlossen haben, die Ausführung ihres Entschlusses, Handelsschiffe, die mit vom Staat gestellten Marinemannschaften besetzt sind, weder aus⸗ zuladen noch zu beladen, um 24 Stunden hinauszuschieben. Sie wollen dadurch ihrer Organisation die Möglichkeit geben, gemeinsam mit der Vereinigung der eingeschriebenen Seeleute den allgemeinen Streik vorzubereiten, wenn die Verhandlungen über eine schiedsgerichtliche Regelung ergebnislos sein würden. Gestern nach⸗ mittag ist von Marseille der Torpedobootszerstörer „Voltigeur“ mit der Post nach Tunis und der Frachtdampfer „Carthage“, mit von der Marineverwaltung gestellten Seeleuten besetzt, mit der Post nach Gen 1

n Madrid versammelten sich gestern, wie die „Frankf. Ztg.“ berichtet, Vertreter aller spanischen Eis 11“ knt 88 8 unter Androhung des Generalstreiks eine Anzahl Forderungen aufzu⸗ stellen, u. a. 25 % Lohnerhöhung, einen Mindestlohn von 3 Peseten und die Schaffung von den Eisenbahnbediensteten mitverwalteter Pensionskassen zu verlangen. Die Gesellschaften erklären so weit⸗ gehende Forderungen, die allein für die Nordbahn 12 Millionen jähr⸗ lich auemachen vürden, füt aner anda⸗

uch in Portugal galt ein Ausstand der Eisenbahnbedienstete als bevorstehend. Wie „W. T. B.“ aus sh sabon vfe haben die Arbeiter der Ceweststt 6 mit den ausständigen Straßenbahnarbeitern gemeinsame Sache machen wollen, aber die im Fachbetriebe und Fahrdienst beschäftigten Beamten, die sich mit den zur Arbeit zurück⸗ gekehrten Beamten der Straßenbahn solidarisch erklärten, haben einen Streik abgelehnt. Der Ausstand der Eisenbahnbediensteten ist infolge⸗ dessen nicht verkündet worden. In Almada, der Industrievorstadt von Lissabon, ist, einer Meldung der „Voss. Ztg.“ zufolge, der all⸗

89 erklärt 2eg 8e Arbeiter haben die rbeit niedergelegt. Der am 20. Juni verkündete allgemeine Ausstand Weber in Covilhao ist beendet. 1

Kunst und Wissenschaft.

Der 22. Vertretertag des Verbandes deutscher Kunst⸗ gewerbevereine wurde am 24. Juni in München im Kunst⸗ gewerbehause durch den Vorsitzenden, Geheimen Regierungsrat Dr.⸗Ing. Muthesius mit der Begrüßung der erschienenen Regierungs⸗ vertreter und der Delegierten eröffnet. Der Vertreter der Feniglich bayerischen Staatsregierung, Ministerialdirektor wünschte den Verhandlungen reichen Erfolg. Von 45 dem Verbande angeschlossenen Vereinen mit 72 Stimmen waren 39 mit 61 Stimmen vertreten. Die Beitragseinheit mit 32 wurde beibehalten. Ein Antrag Plauen auf einen niedrigeren Satz für kleinere Vereine wurde dem Ausschusse überwiesen. Die Gebührenordnung wurde den im Vorjahre geäußerten Wünschen entsprechend, nach den vom Ausschusse vorgelegten, von Professor Dr. Lehnert vertretenen Vorschlägen geändert, besonders in der Richtung der möglichsten Ausschaltung der Materialkosten. Die Flug⸗ serist eh ane sion schlug vor, zu versuchen, aus den Vereinen heraus 3000 Abonnenten für jährlich 4 bis 5 gut ausgestattete Hefte im Jahre zum Preise von 30 zu gewinnen. Infolge einer Felte von Bedenken, die geltend gemacht wurden, wurde der Kommission aufgetragen, weitere Vorschläge auszuarbeiten. Die Frage des Wettbewerbswesens wurde für das nächste Jahr zurückgestellt. Beim Bericht über Submissionswesen wurde vom Referenten Baurat, Professor Dr. Haupt⸗Hannover auf die Verhandlungen im hesesh Abgeordnetenhause zu diesem Gegenstande und auf den Entwurf eines Gesetzes, das Submissionswesen betreffend, den der Hansabund herstellte, hingewiesen. Mit den Grundzügen der Entwürfe erklärte sich der Vertretertag im wesentlichen einverstanden, verlangte jedoch Beseitigung einer Reihe von Uebel⸗ ständen im Submissionswesen, die im Interesse des Handwerks gelegen sei. Die hauptsächlichsten Wünsche beziehen sich auf die Be⸗

andlung von kunstgewerblichen Arbeiten, die Ausschreibung und Ab⸗

nahme, die Einführung von Ueberwachungsämtern, die Regelung des Submissionswesens durch Reichs⸗ oder mindestens Landesgesetz. Eine entsprechende Entschließung wurde einstimmig angenommen.

Zum Punkte: rbanc der Friedhofkunst teilte der Professor Dr. Lehnert die Bestrebungen mit, die aus einer Reihe von deutschen Städten zu verzeichnen sind. Man einte sich dahin, die Vereine aufzu⸗ fordern, die wichtige Aufgabe der Förderung der Friedhofkunst nicht zu vernachlässigen, Meisterausstellungen zu veranstalten, das Publikum aufzuklären, auf Kirchen, und städtische Behörden einzuwirken und u geschichtlich begründete örtliche Gewohnheiten Rücksicht zu nehmen. Auch der Schaffung künstlerischer Beratungsstellen wurde bßektimmt „Hofrat Peter Bruckmann⸗Heilbronn berichtete „über Ehrengeschenke“ deren künstlerischer Wert häufig sehr gering ist. An der Hand zum keile sehr drastischer Beispiele verlangte der Bericht⸗ erstatter, daß durch Flugblätter, die Tagespresse und die Sportpresse darauf hingearbeitet werde, für Geschenke und Preise nur gute Qualitätsarbeit herstellen zu lassen. Die Herren Bruckmann⸗Heil⸗ bronn und Professor Groß⸗Dresden werden die Leitsätze hierzu auf⸗ stellen. Der Vertretertag stimmte zu.

Zum Austausch von Erfahrungen über die Weltaus⸗ stellung Brüssel 1910 teilte Dr. Wolff⸗Halle mit, daß seine Anfragen bei den Ausstellern gezeigt haben, wie gering der

liche Erfolg für sie war, was Geheimrat Dr. Muthesius teilweise rückführte, daß wir Vorurteil leiden

von Meinel.

eschmacklose Arbeit 3 fern. Das könne nur dadurch be⸗ eitigt werden, daß wir das denkbar Beste und Geschmack⸗ vollste bieten. Bei dieser Gelegenheit wurde auch davor

warnt, sich ohne Sicherheiten an amerikanischen

zu beteiligen, da

ist. 1““

entwicklung deu er genart in aukunst und Bau⸗ gewerbe sprach der Stadtbauinspektor Labes⸗Görlitz. Er 82 langte Förderung des deutschen nationalen Stilgefühls, das schon von der Schule gepflegt werden müsse. Der Kosmopolitismus sei in diesen Hingen at unsee, chf, b8; germanische Rasse habe auch germanische Kunst. ersammlungsort für d tretertag im Jahre 1913 wurde Breslau gewähll 1 18

Im 4. Heft des Anzeigers des „Germanischen National⸗ museums“ in Nürnberg wird über Neuerwerbungen berichtet, von denen folgende hervorgehoben seien. In die kunst⸗ und kultur⸗ geschichtliche Sammlung gelangte eine leider nur in Bruchstücken er⸗ haltene Steinskulptur in Gestalt einer gekrönten Heiligen, die als treffliche Durchschnittsleistung einer im Museum bisher nur in Gipsabgüssen vertretenen Werkstatt angehört. Sie stammt von einem Hause in Villingen (Baden), ist um 1300 entstanden und ge⸗ hört nach Form und Technik in die Richtung der Freiburger Hütte. Die vorgeschichtliche Sammlung erhielt eine seltene, wundervoll patinierte, in ihrer „Schlichtheit ungemein ansprechende Bronze⸗ helmhaube der frühen Hallstattzeit, die bei Erdarbeiten zwischen Kronach und Stockach gefunden wurde. Wichtig ist ferner die Er⸗ werbung einiger kostbarer wissenschaftlicher Instrumente, Arbeiten des Prager Instrumentenmachers Erasmus Habermel, die auf einer Auktion in Amsterdam erstanden wurden. Sie gehören einer Reihe von 28 Instrumenten an, die Habermel 1585/86 für einen italienischen Arzt anfertigte; sie sind genau gearbeitet und zeichnen sich durch geschmackvolle Ausstattung aus. Das interessanteste Instrument ist eine Sonnenuhr, die aus einem prismatischen Stab mit Visier, Kerbe und Korn besteht. An diesem Stab ist seitlich eine um eine Achse drehbare Scheibe angebracht, die auf einer Hälfte schwerer ist als auf der anderen, sodaß sie sich selbst so einstellt, daß der 90.“° der Randteilung senkrecht unter die Achse zu stehen kommt. Auf der Scheibe ist eine Sonnenuhr für die Polhöhe von 480 und eine Skala der Tierkreiszeichen angebracht. Die gleiche Teilung befindet sich auf der die Achse haltenden Lasche. Ein Schieber kann auf den Tag der Beobachtung eingestellt werden. Ein zweites Instrument, eine Platte, auf der ein Schieber läuft, dient zur Vergleichung verschiedener Stunden der Sonnenuhr. Ein weiteres Instrument ist zu astrologisch⸗medizinischen Zwecken bestimmt, die Art seiner Anwendung aber konnte nicht er⸗ mittelt werden. Auch die von dem Direltorium des Germanischen Nationalmuseums für das Jahr 1911 herausgegebenen „Mit⸗ teilungen“ liegen jetzt in einem 195 Seiten starken, mit vielen wertvollen Abbildungen ausgestatteten Heft vor. Es enthält folgende Abhandlungen: Helme der frühen Hallstattzeit von Konservator Dr. Georg Hock⸗Würzburg. Zwei Grabmäler aus der Frühzeit des 14. Jahrhunderts in S. Elisabeth in Marburg von Dr. Gustav von Bezold. Studien zur Geschichte der deutschen Renaissance⸗Fayence von Dr. Walter Stengel. Beiträge zur Ge⸗ schichte der Außenmalerei in Nürnberg (Schluß) von Dr. Fritz T. Schulz. Die Landschaft auf Dürers Eisenradierung „Die große Kanone“ vom Jahre 1518. Johann Adam Klein als Zeichner und ö 8eHe Hoöhn die enden Münzfunde

ände des heutigen Bayern diesseits J. V Kull⸗München. 8

Spitzbergens Natur und Geschichte von Gunna en mit einer Einführung von Prof. He Hergesell. (Berlin, erlag Nordland G. m. b. H. gebd. 3 ℳ). Der rührige Verlag „Nordland“, der sich um die Förderung deutsch⸗skandinavischer Be⸗ ziehungen schon manches Verdienst erworben hat, verdient auch wegen der Herausgabe des kleinen Buches von Holmsen wieder den Dank aller Nordlandfreunde. Ueber Spitzbergen, das allmählich anfängt, ein Touristenland zu werden, ist seit einigen Jahren mancherlei ge⸗ schrieben worden, doch kaum etwas, das so knapp und doch im wesentlichen erschöpfend dem Unkundigen anregende Belehrung über den arktischen Archipel bietet. Selbst Nansen behandelt in seinem bedeutenden und groß angelegten Werke „Nebelheim“ gerade Spitzbergen vielleicht etwas stiefmütterlicher, als es wohl verdient. Das Buch von Holmsen kommt gerade recht, auch zeitlich insofern, als die Sq itzbergenfahrten der Touristendampfer demnächst beginnen, und das Buch manchem ihrer Passagiere eine nützliche Einführung in eine Welt sein wird, von der 1 nur recht wenige eine einigermaßen zutreffende Vorstellung haben. ie ersten Kapitel be⸗ fassen sich mit der Geschichte Spitzbergens; sie sind flott und über⸗ sichtlich geschrieben, Nebensächliches ist mit Recht fortgelassen. Be⸗ sonders lesenswert ist das Kapitel, das die Blütezeit Spitzbergens behandelt, und viellei zt noch mehr das folgende, in dem das Leben der russischen Fänger wird; das liest sich stellenweise fast wie ein Roman. Sehr interessant sind die sonst in den bekannten Schilderungen Spitzbergens u. nicht mitgeteilten unheim⸗ lichen Sagen über den Skorbut, die früher gefürchtetste Geißel des Spitzbergenfahrers, und den fabelhaften pitzbergenhund. Die anschließenden Kapitel beschäftigen sich dann mit dem Walfang in neuerer Zeit, den geographischen Entdeckungen der Fänger, die meist nicht beabsichtigt, gleichwohl mehrfach recht bedeutsam gewesen sind, mit weiteren Schilderungen aus dem Fängerleben, mit der natür⸗ lichen Beschaffenheit Spitzbergens, seiner Tier⸗ und Pflanzenwelt, seiner Ge und schließlich seinen Kohlenlagern. Alle diese Kapite verdienen Lob; besonders gelungen erscheint das über die Pflanzen⸗ welt, während das über die Geologie wohl an dem Fehler krankt, beim Leser gar zu wenig vorauszusetzen und ihm die Grundbegriffe der Geologie überhaupt erst beibringen zu wollen, was in dem engen Rahmen begreiflicherweise nicht gut möglich ist. Sehr beachtenswert ist das Kapitel über die Kohlenlager und die angeknüpf Reihe von Bemerkungen über Spitzbergens wirtschaftliche Zukunft. Holmsen beurteilt ie ziemlich skeptisch und unseres Erachtens mit vollem Recht. Er ieht die Schwierigkeiten vor allem in den überaus ungünstigen Hafenverhältnissen. Das ist zweifellos richtig, dafür nur ein Beispiel aus der Praxis: Als der Verfasser dieser Besregum i Juli 1910 den Eisfjord, an dem die meisten Kohlenlager liegen, verließ, war weit und breit keine Eisscholle zu sehen; eine Woche später konnte sich an derselben Stelle die „Mainz“ mit dem Prinzen Heimrch und Grafen Zeppelin an Bord nur mühsam aus der Umarmung des Eises befreien. Solche Verhältnisse lassen eine eordnete Schiffahrt, und wäre es nur für wenige Sommer⸗ monate, nicht durchführen, und das dürfte der Wirtschaftlichkeit von Unternehmungen auf spi zbergischem Boden dauernd im Wege stehen. Der Verfasser weist auch ganz richtig auf die hohen Löhne hin, die gezahlt werden müssen. Ferner scheint es nach seinen Angaben, als ob die spitzbergische Kohle gar nicht einmal sonderlich hochwertig ist, was sich bei ihrem vergleichsweise jungen geologischen Ater auch gut denken läßt. „Ein Wink für eine Neuauflage sei noch an den Verleger gerichtet: es empfiehlt sich, die Uebersetzung göncner 8.8 ve entch 3 prüfen; 8- 2 sie e tadellos 3 n plötzli ner ganz undeutschen Wendung. 1 Unebenheiten sind mit leichter Mühe zu beseitigen. 8

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs⸗ maßregeln.

Malta. In Malta sind durch eine Regierungsverfügung vom 18. d. M. Neapel und Palermo als frei von der Blatternseuche er⸗ klärt worden. (Vgl. „R.⸗Anz.“ vom 25. März v. J., Nr. 73.)

Aegypten. Der internationale Gesundheitsrat in Alexandrien hat beschlossen, gegen Herkünfte aus Ayas und Alexandrette das Cholera⸗ eglement anzuwende v““

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