historischem Boden in Merseburg nähertreten Tausendjährige Erinnerung deutscher Vergangenheit knüpft sich an diese denkwürdige Stätte. Erst jüngst sind hier wieder Beaureste zutage getreten, die uns von dem Wirken des ritter⸗ lichen ersten deutschen Kaisers Heinrich I. Kunde gaben und Erinnerungen an die wechselvollen Schicksale der einstigen Kaiserlichen Pfalz, des Lieblingsaufenthalts der deutschen Kaiser und der späteren Residenz der Herzöge von Sachsen⸗Merseburg, weckten.
Nicht immer sind es freundliche Bilder, die aus der Ge⸗ schichte der einzelnen Teile der jetzigen Provinz Sachsen vor unsere Augen treten. Schwere Stürme und Kriegsnöte sind im Laufe der Jahrhunderte über diese Lande hingezogen, von den Zeiten an, wo das Christentum hier Boden faßte, bis zu
den verheerenden Plünderungen und Brandschatzungen des 30 jährigen Krieges und den Jahren der schwer auf den deutschen Landen lastenden Fremdherrschaft. Vorüber sind, Gott sei es gedankt, die Zeiten deutscher Zerrissenheit und fremder Einmischung. In gemeinsamer Ab⸗ vehr äußerer Feinde fanden sich die deutschen Stämme unter Preußens Führung auf blutiger Wahlstatt zusammen ind schufen ein festgefügtes, zu Lande und zu Wasser wehr⸗ aftes Deutsches Reich. Auch die Söhne Ihrer Provinz haben abei mit ihrem Herzblut ihre Treue besiegelt und mannhaft dazu mitgewirkt, das Fundament für einen gesunden Auf⸗ und Ausbau des deutschen Vaterlandes zu schaffen. Daß in der Folge auch die Provinz und der Wohlstand ihrer Bevölkerung eine ungeahnte Entwicklung erfahren hat, erfüllt Mein landes⸗ väterliches Herz mit besonderer Freude. Mit Kopf und Hand ist leißig gearbeitet worden, dem Boden seine reichen Schätze an Kohlen, Salzen und Erzen zu entreißen und die gesegnete Fruchtbarkeit ihrer Felder und Auen dem Ganzen nutzbar zu machen. Die vorbildliche Arbeit ihrer Landwirte und hr unermüdliches Streben nach Vervollkommnung des Be⸗ triebes und der rationellen Verwertung der Bodenerzeugnisse haben an der jetzigen Höhe der deutschen Landwirtschaft und ihrer Industrien einen erheblichen Anteil. Möge es der Pro⸗ vinz Sachsen beschieden sein, auch ferner sich auf allen Ge⸗ bieten des wirtschaftlichen und geistigen Lebens erfolgreich zu betätigen und in der Treue zu König und Vaterland hinter keinem anderen Teile der Monarchie zurückzustehen. Mit diesem Wunsche entbiete Ich der Provinz Meinen wärmsten landesväterlichen Gruß. Wilhelm R.
Nachdem Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit diese Botschaft verlesen hatte, brachte er ein Hoch auf die Provinz Sachsen aus. Hierauf hielt der Oberpräsident der Provinz Sachsen von Hegel folgenden Trinkspruch:
„Durchlauchtigster Kronprinz, gnädigster Kronprinz und Herr! Für die erhebenden Worte, welche wir soeben als Kaiserliche Bot⸗ schaft aus dem Munde Eurer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit vernommen haben, ehrfurchtvollsten Dank an den Stufen des Thrones niederzulegen, ist den Vertretern der Provinz Herzensbedürfnis. Daß wir mit schmerzlicher Enttäuschung und mit unsagbarem Bedauern die Ab⸗ wesenheit Seiner Majestät des Kaisers und Königs und Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin empfinden, diesen Gefühlen brauche ich kaum Ausdruck zu geben. Die innigsten Wünsche für die baldigste Wieder⸗ genesung beider Majestäten steigen aus aller Herzen empor. Eure Kaiserliche und Königliche Hoheit den Kronprinzen und Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit die Frau Kronprinzessin als Vertreter Ihrer Majestäten in unserer Mitte begrüßen zu dürfen, ist uns eine hohe Freude und Ehre. Wie bereits die Kaiserliche Botschaft angedeutet, besteht die Provinz Sachsen nicht als ein altes historisches Gebilde; sie besteht in ihrem gegenwärtigen Umfange erst seit hundert Jahren. Jeder Teil hat seine besondere Geschichte, und nur ein kleiner Teil darf sich rühmen, dem ältesten Bestandteil der preußisch brandenburgischen Monarchie zuzugehören. Gleichwohl hat jeder Teil große Erinnerungen und eine glänzende Vergangenheit; aber dies alles wird, wenigstens auf welt⸗ lichem Gebiet, überstrahlt durch das, was die Provinz in den letzten hundert Jahren unter der segensreichen Regierung des Hohenzollern⸗ hauses erlebt hat: die Einigung des Vaterlandes unter dem Helden⸗ kaiser Wilhelm dem Großen und die glänzende Entwicklung, der sich unser Vaterland hat erfreuen dürfen, vornehmlich unter der Regierung unseres gegenwärtigen Kaisers und Königs Majestät. An dem allen hat die Provinz vollen Anteil genommen und daraus reichen Gewinn geschöpft. Dies alles verdankt sie dem Friedenswerke, dem unser vielgeliebter Kaiser in Uner⸗ müdlichkeit und mit großem Erfolge obliegt. Aber wie könnten Preußen, wie könnten Deutsche froh sein des Friedens, wenn sie nicht zugleich wüßten, daß ebensosehr die Ehre des Vaterlandes in der starken Hand unseres vielgeliebten Kaisers hochgehalten wird. Stolz blicken wir auf das Erdenrund, und niemand wird ungestraft wagen, uns re Ehre anzutasten, und wenn dennoch uns manche Sorge für die Zukunft beschleichen will, so sei auch heute das Gelöbnis er⸗ neuert, daß wir uns um den Thron scharen und unentwegt daran arbeiten wollen, unsere Volksseele von Schlacken zu be⸗ freien, die ihr noch anhaften, daß sie sich in alter preußischer Treue und voller Reinheit entfalten möge. Hier in nächster Nähe liegt jenes historische Schlachtfeld, wo Preußens Ruhm so hell leuchtete und heute ist der Gedenktag, wo der Sänger von „Leyer und Schwert“, sein Heldenleben ausgehaucht hat mit den Worten: Vater, ich rufe Dich! Möge immer, wie damals, das preußische Volk feststehen zu seinem König und Deutschland zu seinem Kaiser. In dieser Hoffnung und mit jenem Gelübde bitte ich Eure Kaiserliche und Königliche Hoheit um die Erlaubnis, die Gläser zu erheben und einzustimmen 9- den, Ruf: Seine Majestät der Kaiser und König Hurra! Hurra! urra!“
Nach der Tafel hielten die Königlichen Herrschaften Cerecle ab. Während der ganzen Zeit brachte die zahlreich vor dem Ständehaus versammelte Menge Hochrufe aus und sang vaterländische Lieder.
Der Präsident der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse, Wirkliche Geheime Oberfinanzrat Dr. Heiligenstadt ist nach Berlin zurückgekehrt. 18
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M Im Monat Juli 1912 haben 5751 Schiffe (gegen 5271 Schiffe im Juli 1911) mit einem Nettoraumgehalt von 891 941 Registertons (1911: 812 809 Registertons) den Kaiser Wilhelm⸗Kanal benutzt und, nach Abzug des auf die Kanalabgabe in Anrechnung zu bringenden Elblotsgeldes, an Gebühren 382 034 ℳ (1911: 355 317 ℳ) entrichtet.
8
önnen.
gresses, gefolgt von einer zehlreichen Menschenmenge, zum
Großbritannien und Irland. Die Lage in den Ackerbaubezirken wird infolge des unaufhörlichen Regens immer ernster, da die Ernten in allen Teilen des Landes unter Wasser stehen. Die Landwirte einiger nördlicher Bezirke haben alle Hoffnung aufgegeben, die Heu⸗ ernte zu retten. Die Eisenbahnverbindungen in Nord⸗Wales sind teilweise durch Ueberschwemmungen unterbrochen. In Manchester regnete es unaufhörlich 25 Stunden, in Ceshire
40 Stunden. Frankreich.
Mulay Hafid ist gestern abend von Vichy kommend in Versailles eingetroffen.
Türkei.
Das Kriegsministerium hat eine Depesche aus Benghasi vom 16. veröffentlicht, wonach die Türken und Araber seit 15 Tagen das italienische Lager von Derna beschossen, ohne unter dem feindlichen Feuer zu leiden. Am 8. d. M. soll die Beschießung den Italienern beträchtlichen Schaden zugefügt haben. Drei türkische Artilleristen seien verwundet worden.
Laut amtlichen Berichten aus Saloniki haben sich in der Gegend von Elbasan abermals gegen 4000 Arnauten an⸗ gesammelt, die die Plünderung der Waffenniederlagen von Schaiak beabsichtigen. Die Behörden erbaten Verstärkungen aus Skutari, um einen Angriff abweisen zu können. — In Avplona stürmte die zumeist bewaffnete Bevölkerung das Ge⸗ fängnis und befreite sämtliche Gefangenen. Der Wali von Monastir ist nach Konstantinopel gerufen worden.
Serbien. —
Vorgestern abend veranstalteten in Belgrad Universi⸗ tätsstudenten eine große Kundgebung in allen Haupt⸗ straßen, an der auch zahlreiche Bürger teilnahmen. In den hierbei gehaltenen Reden wurde zum Schutz der Stammes⸗ genossen in der Türkei die sofortige Bildung einer starken Re⸗ gierung gefordert. Vor dem Offizierskasino, wo sich viele Offiziere eingefunden hatten, wurde eine Kundgebung für die Armee veranstaltet. v“
Bulgarien.
Wie „W. T. B.“ aus Sofia meldet, kamen vorgestern in der Nachmittagssitzung des Kongresses die Vertreter der Provinz zu Wort. Die Reden waren im heftigsten Ton gehalten. Der Kongreß nahm sodann eine Resolution an, welche die Regierung auffordert, angesichts der auf die Vernichtung des bulgarischen Elements ab⸗ zielenden Behandlung der Bulgaren in der Türkei eine allgemeine Mobilisierung anzuordnen und gleichzeitig von den Mächten zu verlangen, daß sie Mazedonien und dem Wilajet Adrianopel die Autonomie verschaffen mit einem christlichen Generalgouverneur an der Spitze, der vom Volke zu wählen und von den Mächten zu bestätigen wäre. Im Falle der Nichterfüllung dieser Wünsche wird die Regierung aufgefordert, die Befreiung auszusprechen, wenn sie nicht un⸗ berechenbare Folgen im Lande selbst heraufbeschwören wolle. Während der Verlesung der Resolution erschien, lebhaft be⸗ grüßt, eine Abordnung der mazedonischen Vereine, in deren Begleitung sich die Kongrefteilnehmer nach Schluß des Kon⸗
Denkmal des Jarbefreiers begaben, mo ein Kranz nieder⸗ gelegt wurde. Auf dem Wege dahin urde die italienische Gesandtschaft lébhaft begrüßt. v Montenegro. 18 8 „W. T. B.“ aus amtlicher montenegrinischer Q
erfährt, unternahmen in Anbetracht der gespannten Lage zwischen Montenegro und der Türkei, die sich im Gefolge der Zwischenfälle an der Grenze und der Grenzüberschreitungen seitens der türkischen Streifwachen ergeben hat, die Vertreter der Großmächte im Namen ihrer Regierungen bei dem König und der montenegrinischen Regierung freund⸗ schaftliche Schritte, wobei sie zum Frieden mahnten. Der König und die Regierung antworteten, daß sie trotz der entstandenen Schwierigkeiten den Wünschen der Großmächte in weitgehendster Weise Rechnung tragen würden. Montenegro habe keinerlei aggressive Absichten, sondern wolle nur seine Grenze gegen Angriffe und Ueberschreitungen der Türken verteidigen. Es könne jedoch nicht dulden, daß weiterhin Wachthäuser und Verschanzungen von den Türken auf montenegrinischem Boden errichtet würden, denn dies wider⸗ spreche der Integrität des Landes. Der König und die Re⸗ gierung drückten schließlich die Hoffnung aus, daß die Groß⸗ mächte in ihrem Bestreben, die Ruhe aufrecht zu erhalten, ein Mittel finden würden, um die türkisch⸗montenegrinischen Grenz⸗ fragen zu lösen und die Ursachen der Spannung aus der Welt zuschaffen.
Aęlmerika.
Wie „W. T. B.“ aus Washington meldet, hat der Senat einstimmig eine Resolution Penrose angenommen, durch welche die Wahlfondskommission beauftragt wird, die Unter⸗ suchung über die Geldgeschäfte zwischen Roosevelt und dem Oeltrust sowie über die von Penrose erhobene Beschuldigung, daß von Perkins für die bevorstehende Präsidentschafts⸗ wahl 3 Millionen Dollars aufgebracht worden seien, fort⸗ zusetzen. Mit der Annahme dieser Resolution war das letzte Hindernis für die Vertagung des Kongresses beseitigt, die sodann erfolgte.
Afrika.
Wie vom 23. d. M. aus Mogador gemeldet wird, finden in der arabischen Bevölkerung geheime Versammlungen statt, in denen für den Prätendenten El Hiba Stimmung gemacht wird.
In Marrakesch sind verschiedene Läden geplündert worden. Das Judenviertel steht unter militärischem Schutz.
Statistik und Volkswirtschaft.
Die Entwicklung des Eisenbahnnetzes der Erde bis zum Schluß des Jahres 1910.
Setzt man den Beginn des Eisenbahnzeitalters auf das Jahr 1830, in dem die erste größere, dem allgemeinen Personen⸗ und Güterverkehr dienende Eisenbahn von Liverpool nach Manchester eröffnet worden ist, so kann man die Entwicklung des neuen Verkehrs⸗
“ 8 8 allen Ländern der Erde 1912 des „Archivs für
Ausdehnung des Eisenbahnnetzes in vor. Im 3. Heft vom Jahrgang Eisenbahnwesen“ ist in mehreren tabellarischen Uebersichten die Entwicklung des Eisenbahnnetzes vom Beginn des Eisen⸗ bahnzeitalters bis zum Schlusse des Jahres 1910 zusammengestellt weitere Uebersichten veranschaulichen dann insbesondere die Entwicklunz während der sünf Jahre 1906 bis 1910. Auf einzelne bemerkenz⸗ werte Punkte sei im folgenden hingewiesen.
Im letzten Jahrzehnt 1900 — 1910 hat sich das Gesamtnetz der Eisenbahnen erheblich stärker vermehrt als in dem Jalrzent 1890 bit 1900, nämlich um 239 900 km gegenüber 172 800 km. Die bisher höchste Zahl (244 900 km) war die des Jahrzehnts 1880 — 1890 hinter der das letzte Jahrzehnt allerdings noch und 5000 km zurückbleibt. Die meisten Eisenbahnen wurden zwar wiederum in Amerika, hauptsächlich in den Vereinigten Staaten gebaut; aber die gewaltigen Zahlen der neuen amerikanischen Bahnen in dem Jahrzehnt 1880 — 1890 sind noch nicht wieder erreicht und werden schwerlich wieder erreicht werden. Im Jahrzehnt 1880 — 1890 wurden in Amerika 156 700 km, in den Vereinigten Staaten allein 117 700 km neue Bahnen gebaut, im Jahrzehnt 1900 — 1910 betrugen die Zahlen nur 124 200 und 77 100 km. In den Vereinigten Staaten wird neuerdings mehr Wert gelegt auf die Erweiterung und Verbesserung, hier und da Umgestaltung der vorhandenen Bahnen als auf den Bau ganz neuer Linien, wenngleich insbesondere im Westen noch viele Lücken auszufüllen sind. Aehnlich liegt die Sache in Canada. Diese Einschränkung des Baues neuer Bahnen wird nicht vollständig ausgeglichen durch den lebhaften Aufschwung in der Entwicklung der südamerikanischen Bahnen, hauptsächlich in Argentinten und in Bpasilien. Dagegen treten in den letzten Jahrzehnten sehr deutlich die Fortschritte zutage, die in Asien und Afrika in der Ausgestaltung der Eisenbahnnetze gemacht sind. In Asien sind in dem Jahrzehnt 1870 — 1880 8100 km, im Jahrzehnt 1900 — 1910 41 600 km Eisen⸗ bahnen gebaut worden. Hier in es der Aufschwung des Eisenbahn⸗ baues in Japan und China, während im Jahrzehnt 1890 — 1900 die asiatischen Gebiete Rußlands in den Vordergrund getreten varen. In Afrika fällt der Fortschritt noch mehr in die Augen: im Jahrzehnt 1880—1890 wurden 4800 km, im Jahrzehnt 1900 — 1910 beinahe die vierfache Anzahl mit 16 800 km neu gebaut. An dem Ausbau sind hauptsächlich die englischen, die belgischen und die deutschen Kolonien beteiligt. Ueberall herrscht das Bestreben, von den Küsten in das Innere des Erdteils einzudringen; daneben schreitet der Bau der großen Ueber⸗ landbahn, die von Aegypten an das Kap der guten Hoffnung führen soll, vorwärts, und neue Querbahnen aller Art werden geplant. In Europa und in Australien sieht man in den letzten Jahrzehnten ein ziemlich gleichmäßiges Tempo im Eisenbahnbau.
Zeigen die Zusammenstellungen im „Archiv für Eisenbahnwesen“, daß das Netz der Eisenbahnen, das die bewohnte Erde überzieht, sich immer mehr verdichtet, so geben sie doch noch kein vollständiges Bild von der wirklichen Ausdehnung dieses Verkehrsmittels. Die mit⸗ geteilten Zahlen beziehen sich nämlich in den wichtigsten Ländern nur auf die Eisenbahnen, die wir in Deutschland als Haupt⸗ und als Nebenbahnen bezeichnen. Die Eisenbahnen, die vornehmlich dem ört⸗ lichen Verkehr dienen, d. h. die Kleinhahnen und die Straßen⸗ und Vorortbahnen, sind nicht einbezogen, soweit die Eisenbahnstatistiken der einzelnen Länder eine Unterscheidung der verschiedenen Bahnarten ermöglichten. Für Belgien z. B. haben die chemins de fer vicinaux sämtlich mitgezählt werden müssen, obgleich sie nur zum Teil Neben⸗ bahnen, zum anderen Teil aber Kleinbahnen sind, während für die Vereinigten Staaten von Amerika die vielen elektrischen sog. Städte⸗ oder Ueberlandbahnen (interurban oder overland rail- ways], für Deutschland die für die Beurteilung des deutschen Eisen⸗ bahnnetzes wichtigen nebenbahnähnlichen Kleinbahnen unberücksichtigt ge⸗ blieben sind. Das mit diesem Vorbehalt zusammengestellte Netz dir Eisenbahnen der Erde hatte am Ende des Jabres 1909 zum ersten Male⸗ eine Million Kilometer überschritten. Am Schluß des Jahres 1910 betrug der Umfang 1 030 014 km. Die Länge kommt ungefähr dem 25fachen Umfang der Erde am Aequator gleich und nähert sich dem dreifachen Betrag der mittleren Entfernung des Mondes von der Erde.
Die meisten Eisenbahnen befinden sich in Amerika, und zwar 526 382 km, darunter in der nordamerikanischen Union (einschließ⸗ lich von Alaska, das 676 km Eisenbahnen aufweist) 388 173 km, d. s. rund 54 000 km mehr als in Europa, dessen Eisenbahnnetz am Schluß des Jahres 1910 einen Umfang von 333 848 km hatte. Asien besaß Ende 1910 101 916 km, Afrika 36 854 km, Australien 31 014 km Eisenbahnen. Die Reihenfolge der einzelnen, am besten mit Eisenbahnen ausgestatteten Staaten hat sich im Jahre 1910 nicht geändert. Auf die Vereinigten Staaten von Amerika mit ihren 388 173 km folgen das Deutsche Reich mit 61 148 km, Rußland (europäisches) mit 59 559 km, Britisch⸗Ostindien mit 51 647 km, Frankreich mit 49 385 km, Oesterreich⸗Ungarn mit 44 371 km, Kanada mit 39 792 km, Großbritannien und Irland mit 37 579 km, Argentinien mit 28 636 km, Mexiko mit 24 559 km, Brasilien mit 21 370 km, Italien mit 16 960 km, Spanien mit 14 994 km, Schweden mit 13 982 km. Die übrigen Staaten besitzen weniger als 10 000 km Eisenbahnen.
Betrachtet man das Verhältnis der Eisenbahnlänge zum Flächeninhalt des Landes, so bleibt das Königreich Belgien an der Spitze; dort kommen auf 100 qkm Flächeninhalt 28,8 km Eisenbahnen, wobei jedoch die in der belgischen Statistik nicht weiter unterschiedenen chemins de fer vicinaux, die zum großen Teil nur Klein⸗ bahnen sind, sämtlich mitgezählt sind (s. oben). Es folgen dann das König⸗ reich Sachsen mit 21,0 km nocmalspuriger Haupt⸗ und Nebenbahnen, Luxemburg mit 19,7 km, Baden mit 14,8 km, Elsaß⸗Lothringen mit 14,6 km, Großbritannien und Irland mit 12,0 km, die Schweiz mit 11,4 km, das Deutsche Reich mit 11,3 km, Württemberg mit 10,9 km, Preußen und Bayern mit 10,7 km, die Niederlande mit 9,7 km, Frankreich und Dänemark mit 9,2 km. In den übrigen Ländern stellt sich dieses Verhältnis wesentlich ungünstiger, in Oester⸗ reich⸗Ungarn mit Bosnien und der Herzegowina auf 6,6 km, in den Vereinigten Staaten von Amerika (einschließlich Alaskas mit seinem weiten Flächeninhalt und verhältnismäßig kleinem Eisenbahnnetz) auf nur 4,2 km.
Die meisten Eisenbahnen im Verhältnis zur Bevölke⸗ rungsziffer hat die britische Kolonie Westaustral en, wo auf 10 000 Einwohner 82,6 km kommen. Auch bei den übrigen australischen Kolonien Großbritanniens stellt sich dieses Verhältnis sehr günstig, weil eben ihre Bevölkerung noch eine sehr dünne ist. In Kanada kommen 61,2 km, in den Vereinigten Staaten von Amerika 43,6 km Eisenbahnen auf 10 000 Einwohner. Unter den europäischen Staaten nimmt in dieser Beziehung Schweden mit 25,6 km den ersten Platz ein. In Deutschland und Preußen kommen 9,3 km, in Oesterreich⸗ Ungarn 8,7 km, in Großbritannien und Irland 8,3 km, in Belgien (einschließlich der als chemins de fer vicinaux bezeichneten Klein⸗ bahnen) 11,4 km, in Frankreich 12,6 km auf 10 000 Einwohner. Rechnet man in Deutschland zu den Eisenbahnen für das Jahr 1910 die im Betrieb befindlichen nebenbahnähnlichen Kleinbahnen hinzu, so ergibt sich folgendes Eisenbahnnetz:
in Preußen 37 471 + 9076 = 46 547 km, „ Deutschland 61 148 + 9542 = 70 690 „.
Danach entfiel Ende 1910 folgende Bahnlänge auf je
100 qkm: 10 000 Einwohner: in Preußen . 13,3 (statt 10,7) km, 11,7 (statt 9,3) km, PE “
Eisenbahnlänge als in Großbritannien, auf 10 000 Einwohner aber in Preußen eine auch diejenige Belgiens übertreffende und in ganz Deutschland eine dieser ungefähr gleichkommende Bahnlänge.
In einer der eingangs erwähnten Uebersichten des „Archivs für Eisenbahnwesen“ sind auch die Anlagekosten der Eisenbahnen einiger Länder angegeben, und zwar die der europäischen Bahnen ge⸗ trennt von denen der Bahnen anderer Erdteile, weil die Anlagekosten
mittels jetzt durch acht Jahrzehnte begleiten; denn für das Jahr 1910 liegen die letzten, nahezu vollständigen Angaben über die
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in Europa wegen der durchschnittlich besseren Ausrüstung der Bahnen und wegen des teueren Grund und Bodens meistens höher sind als
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somit auf 100 qkm in Preußen und Deutschland eine noch größere
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erechnung be⸗
in den zörigen rdtedlenn g B 1 im Durchschnitt für ilometer: nogen sie a. in Europa rund. . 317 000 ℳ,
b. in den übrigen Erdteilen rund 174 090O0 .U „ „ Werden diese Durchschnittskosten der Berechnung des Anlage⸗ kapitals sämtlicher vorhandenen Eisenbahnen zugrunde gelegt, so beläuft sich dieses 5 — a. für die Bahnen in Europa auf 8 333 848 317 000 = 105 829 816 000 ℳ, p. für die Bahnen in den übrigen Erdteilen auf 8 696 166 174 000 = 121 132 884 000 ℳ, sodaß das Anlagekapital aller Eisenbahnen der Erde am Schluß des Fahres 1910 auf . 226 962 700 000 “ .“ nder rund 227 Milliarden Mark geschätzt werden kann.
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8 Zur Arbeiterbewegung.
Mehr als 1000 Arbeiter aller Gattungen der Berliner städtischen Gasanstalten hielten, der „Voss. Ztg.“ zufolge, am Sonntag eine Versammlung ab, um zu den von der Ortsverwaltung und den Vertrauensleuten aufgestellten For⸗ derungen zum nächstjährigen Ekat der Stadt Berlin Stellung zu nehmen. Die Forderungen, so wurde ausgeführt, die für alle Arbeitergattungen Lohnzulagen vorsehen, sollen in einem Tarifvertrage festgelegt werden. Als erste Forderung soll die Einführung von Wechenlöhnen mit Festsetzung von Anfangslohnen bei jäbrlichen Steigerungen bis zum Höchstlohn nach 5 Jahren gelten. Die An⸗ erkennung der Organisation als solche sei eine der Hauptforderungen. Es soll ein Schlichtungsamt gebildet werden und als letzte Instanz das Gewerbegericht gelten. 3 1 1 8 Die Groß⸗Berliner Möbelbeförderungsarbeiter, Kutscher und Packer, organisiert im „Deutschen Transportarbeiter⸗ verband“, haben nach demselben Blatte in einer Versammlung beschlossen, den Arbeitgebern erhöhte Lohnforderungen zu stellen. Sie wünschen Bezahlung der Ueberstunden mit 75 ₰, Abschaffung der Trinkgelder und dafür feste Lohnfätze. “
Weitere „Statistische Nachrichten“ s. i. d. Ersten Beilage.)
Nr. 39 des „Zentralblatts für das Deutsche Reich“, berausgegeben im Reichsamt des Innern, vom 23. August 1912, hat fol⸗ genden Inhalt: 1) Konsulatwesen: Ernennungen „Exequaturerteilungen; Entlassung; Todesfall. — 2) Finanzwesen: Nachweisung von Ein⸗ nahmen der Reichs⸗Post⸗ und Telegraphen⸗ sowie der Reichseisenbahn⸗ verwaltung für die Zeit vom 1. April 1912 bis zum Schlusse des Monats Juli 1912. — 3) Marine und Schiffahrt: Erscheinen des 1. Heftes des XX. Bandes der „Entscheidungen des Oberseeamts und der Seeämter des Deutschen Reichs“. — 4) Zoll⸗ und Steuerwesen: Veränderungen in dem Stande und den Befugnissen der Zoll⸗ und Steuerstellen. — 5) Polizeiwesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiete.
Nr. 69 des „Zentralblatts der Bauverwaltung“, heraus⸗ gegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 24. August hat folgenden Inhalt: Amtliches: Dienstnachrichten. — Nichtamtliches: Der Neubau des Königlichen evangelischen Gymnasiums in Glogau. — Ein vereinfachtes Verfahren zur raschen Berechnung von Pfosten⸗ fachwerken. — Vermischtes: Prüfung, Ernennung und Anstellung der Regierungsbaumeister in Preußen. — Eisenbahnbaubedürfnis in Ruß⸗ land. — Bücherschau. — Patente.
Kunst und Wissenschaft.
Am 26. d. M. find von der Vorexpedition des Leutnants Schröder⸗Stranz die letzten möglichen Nachrichten aus dem Nördlichen Eismeer hier eingetroffen. Sie lauten „W. T. B. zufolge: „Ich traf soeben in der Magdalenen⸗Bai den Dampfer der Hamburg⸗Amerika⸗Linie „Viktoria⸗Luise. Wir ver⸗ uͤchten im Osten Spitzbergens vergebens nach Norden vorzudringen, und wurden bei plötzlich vorspringendem Süd⸗ weststurm beinahe von dem Packeis eingeschlossen. Zwei Tage lang hatten wir mit ungünstigsten Eisverhältnissen und Stürmen zu kämpfen und versuchen jetzt, von Westen her unser Ziel zu erreichen. Es herrscht starker Nebel und Regen, aber günstiger südlicher Wind. Durch den Sturm, Eis und sehr hohen Seegang wurde unser kleines Schiff gezwungen, einen halben Tag beizudrehen. Unser Schiff bewährt sich im Eis recht gut. Bis⸗ her haben wir recht wichtige Erfahrungen gesammelt und sind alle mit großer Lust und Liebe bei unserem Werk, die nicht durch die großen Einschränkungen beeinträchtigt werden, auch nicht dadurch, daß wir infolge der kleinen Besatzung selbst alle tüchtig mitarbeiten müssen. An Bord ist alles wohl. Drei Hunde mußten leider er⸗ schofen werden. Die übrigen liegen mit uns zusammen im Wohn⸗ raum. In die Heimat senden wir die letzten Grüße und hoffen, mit erfreulichen Ergebnissen zurückzukehren.“
n den Weserbergen bei der Porta ist unlängst eine Stein⸗ 16 “ ber deren Bedeutung sich der Assistent des westfälischen Landesmuseums Dr. Meier äußert. Die Figur ist in Felsen eingehauen. Es handelt sich um ein eigenartiges und hoch⸗ interessantes Gebilde, wie es in einer derartigen Umgebung bisher noch nicht bekannt war. Das Bildnis stellt eine männliche Figur in enganliegendem Rock und breitem Gürtel dar. Die langen, bis zur Kinnhöhe herabfallenden Haare, die in Lockenringel enden, weisen auf die zweite Hälfte des dreizehnten Jahr⸗ hunderts hin, was auch ein Vergleich mit anderen Denkmälern, z. B. dem des Grafen Gottfried von Cappenberg in Kloster Cappenberg, ergibt. Für diese Zeit spricht ferner die verhältniemäßig sehr freie Armhaltung, wie auch die abgespreizten Ellenbogen, Die Haltung der Hände scheint so gedacht zu sein, daß sich der Mann auf Schild stützt. Anscheinend ist das Ganze eine unvollendete Ar eit, denn die unteren Gliedmaßen fehlen. Vielleicht besteht ein Zusammen⸗ hang mit dem aus dem zwölften Jahrhundert stammenden Grabstein Wittekinds in Enger bei Herford. Dafür scheint die Nähe der uralten und bekannten Wittekindskapelle zu sprechen.
In München ist der Kunstmaler Richard Groß, 8u. Schriftführer der Münchener Künstlergenossenschaft, gestorben.
Literatur.
8 d Auflage Arthur Bonus, Isländerbuch l, Sammlung I1, 3 1 vom Kunstwart, München 1912 bei 1,S. 8 8— Callwey. Für Island, sein Leben, seine Kultur und alles, ng dnh zusammenhängt, ist das Interesse neuerdings merkbar im 2 11g Daher ist die Herausgabe isländischer Sagen, Eh 4 Spiegel der älteren Kultur dieser Insel sind, an sich 82 Verdienst. Fraglich kann es aber sein, ob die Herausgabe gerade 65 brhdet die Arthur Bonus hier dem Leser bietet, sonderlich NI war. Island hat eine ganze Reihe sehr schöner und für 1 8 ni des Wirtschafts⸗ und Kulturlebens altnordischer Völker be eu Sagen; zu ihnen können die vorliegenden aber nicht werden; sie sind vielmehr entschieden solche zweiten Gleichwohl wäre ihre Kenntnis für manche 8 ech noch von Interesse, wenn eben der Herausgeber ruhig zu⸗
nicht, sondern schreibt eine Ein⸗ be2 als ob die Sagen, die Darstellung des Lebens unserer germanischen Altvordern enthielten. Dem ist zu wirersprechen; erstens waren die alten Isländer nicht unsere direkten Vorfahren, dann aber ist zu bestreiten, daß diese derartig wüste Gesellen waren, deren Hauptbeschäftigung im Grunde das Schädelspalten war —, wir haben andere Quellen, in denen anderes zu lesen steht, darunter auch den Tacitus, der denn doch wohl nicht ganz so niedrig einzuschätzen ist, wie Bonus das tut, wenn jener auch sicherlich manches Mal absichtlich zu rosig gesehen hat. Gewiß entschuldigt Bonus der Umstand, daß gerade die besten isländischen Sagen schon früher von anderer Seite in guten Ueber⸗ setzungen herausgegeben sind, sodaß ihm gewissermaßen nur noch die Nachlese übrig blieb; aber, wie gesagt, das hätte er ruhig zugeben sollen, statt durch seine einleitenden Worte eine Auffassung bei seinen Lesern zu erwecken, die nicht als zutreffend angesehen werden kann. Was im übrigen die Uebersetzung betrifft, so ist sie meist lobenswert, abgesehen von einigen störenden Wunderlichkeiten, die besser vermieden worden wären; so sind z. B. manche Namen so übersetzt, daß es klingt, als ob die Sagen etwa in Tirol spielten — so gibt er unter anderem einen Stammbaum der „Lachsachentaler“; durch so etwas geht das wünschenswerte Lokalkolorit leicht verloren.
Technik. 88. “
Von Belgien wurde bei Versuchen mit unkentelegraphie auch deren Verwendung für die Landesaufnahme erprobt. Die Versuche haben, wie die „Umschau“ mitteilt, ein günstiges Ergebnis gehabt; es gelang z. B., den Meridian mit einer Genauigkeit von 2 m festzustellen. Mit Hilfe dieses Verfahrens ist die karto⸗ graphische Aufnahme der Congokolonie in einem Zeitraum von zwei Jahren möglich, während sonst Jahrzehnte dazu nötig sein würden. Die Kommission zur Bestimmung der neuen Grenze zwischen Deutsch Kamerun und dem französischen Congo soll beabsichtigen, das funken⸗ telegraphische Verfahren zur Feststelluug der Grenze anzuwenden.
ELand⸗ und Forstwirtschaft.
Zur Ausführung des Fleischbeschaugesetzes für das Deutsche Reich. Der Bundesrat hat nach den Bekanntmachungen vom 21. Juni 1912 und vom 18. Juni 1912 (Reichsgesetzbl. S. 403, Zentralbl. f. d. D. R. S. 546, 547) a. die Bekanntmachung vom 10. Juli 1902, betreffend das Gesetz über die Schlachtvieh⸗ und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900 (Reichsgesetzbl. 1902, S. 242), b. die Ausführungs⸗ bestimmungen A und D zu dem Gesetz über die Schlachtvieh⸗ und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900 (Zentralbl. f. d. D. R, Beilage zu Nr 52 für 1908) und c. die Fleischbeschauzollordnung vom 29. Ja⸗ nuar/5. Februar 1903 (Zentralbl. f. d. D. R. S. 32) in einigen Punkten geändert. ““] Bei dn ländischen Schlachtungen sind die Vorschriften über die Behandlung des Flelsches einfinniger Rinder gemildert worden. Bis⸗ her mußte das durch Pökelung brauchbar gemachte finnige Fleisch all⸗ gemein für bedingt tauglich erklärt und gegebenenfalls auf die Frei⸗ bank verwiesen werden. Diese Beschränkung fällt für das gepökelte Fleisch einfinniger Rinder weg. Fortan darf solches Fleisch ebenso wie das in Kühlräumen 21 Tage hindurch aufbewahrte Fleisch ein⸗ finniger Rinder dem freien Verkehr übergeben werden. Die Por⸗ schriftsmäßige Durchführung der Pökelung (§ 39 Nr. 4 der Aus⸗ führungsbestimmungen A zum Fleischbeschaugesetze) wird von den Polizeibehörden in geeigneter Weise zu überwachen sein. Zweck⸗ mäßig wird dies in der Weise geschehen können, daß die Pökel⸗ fässer während der Pökelzeit unter polizeilichen Mitverschluß genommen werden. 1 8 Die Aenderungen der Vorschriften über die Untersuchung des aus⸗ ländischen Fleisches beziehen sich auf a. die Einfuhr von Pferde⸗ därmen und b. das Verfahren hei Beanstandung von Tierkörpern wegen Nesselfiebers (Backsteinblattern). Die Einfuhr von Pferde⸗ därmen und Därmen anderer Einhufer war bisher verboten. Künftig dürfen zubereitete Därme von Einhufern unter den Bedingungen des Fleischbeschaugesetzes zur Einfuhr zugelassen werden. Nach § 18 Abs. Ausführungsbestimmungen D zum Fleisch⸗
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erzeugnisse bringt. leitung, nach der es er hier bringt, eine typische
f 2
EE1“ ngs 1“” beschaugesetze waren bisher bei Feststellung von Nesselfieber (Backstein⸗ blattern) alle Tierkörper einer Sendung zurückzuweisen, von denen anzunehmen war, daß auf sie eine Uebertragung des Krankheitsstoffes stattgefunden hatte. Künftig hat sich die Zurückweisung (nach unschäd⸗ licher Beseitigung der veränderten Teile) auf die Tierkörper zu be⸗ schränken, an denen Nesselfieber (Backsteinblattern) oder der Verdacht dieser Krankheit festgestellt wird. “
Die Aenderungen sind mit ihrer Verkündigung in Kraft getreten.
Ungarischer Saatenstandsbericht.
Der Saatenstandsbericht des Königlich ungarischen Ackerbau⸗ ministeriums vom 19. August führt aus, daß zwischen dem 9. und 15. August ausreichende Niederschläge zu verzeichnen waren, welche die Hackfrüchte in der Entwicklung förderten. Die Feldarbeiten, namentlich der Drusch, wurden jedoch dadurch behindert, und nur im Alföld konnten die Arbeiten beendet werden. In den Gebirgsgegenden und jenseits des Königssteiges wird Hafer jetzt geschnitten. Es ist zu hoffen, daß die Druscharbeiten nächste Woche überall beendet sein werden, sodaß dann endgültig an die Zusammenstellung der Ernteresultate geschritten werden könnte. Dank der ausgiebigen Regenfälle gedieh die Mais⸗ pflanze üppig; das um die Mitte des Monats eingetretene kühle Wetter läßt aber befürchten, daß die Aussichten auf eine gutmittlere Ernte allenfalls nicht eintreffen dürften, da die Kolben nicht voll⸗ kommen ausreifen können. Mit Mais wurden insgesamt 4,35 Millionen Katastraljoch bebaut, wovon circa 1,02 % für Verheerungen durch Elementarschäden in Abrechnung zu bringen sind, sodaß bei der nun verbleibenden Anbaufläche von 4,3 Millionen Katastraljoch ein durchschnittlicher Ertrag von 11,86 Meterzentner zu erwarten ist. Gartengewächse, Bohnen und Hülsenfrüchte gewannen von den ausgiebigen Niederschlägen und werden einen guten Mittel⸗ ertrag liefern. Kraut ist gut gediehen. Hopfen hat sich gut ent⸗ wickelt und zeigt üppige Blätter; der Frühanbau ist befriedigend, der Spätanbau läßt dagegen viel zu wünschen übrig. Der Ertrag dürfte dem vorjährigen gleichkommen. Hirse und Buchweizen stehen schön, Hanf und Flachs mit wenigen Ausnahmen überall dicht und hoch. Die Ernteaussichten hierfür sind befriedigend. Tabak wird bereits geklaubt und ist dessen Ertrag sowohl quantitativ als auch qualitativ gutmittel. Die Zuckerrübe wurde durch die Regen⸗ fälle in der Entwicklung gefördert. Die Blätter sind üppig und dunkelgrün. Stellenweise überwuchert infolge des Regens das Unkraut, sodaß ein viertmaliges Behacken notwendig wurde. Die Zuckerrübe verspricht der Menge nach einen guten Ertrag. Künst⸗ liches Futter, Weiden und Wiesen stehen befriedigend. Der Wein⸗ stock hatte unter dem Auftreten von Peronospora, Meltau und Traubenmotten zu leiden. Die Ernteaussichten befriedigen infolge⸗ dessen uur stellenweise. Von Obst versprechen Birnen und Aepfel, stellenweise auch Pflaumen günstige Ergebnisse, während sonstige Obstarten überhaupt nicht vorhanden sind. (Wiener Zeitung.)
Nach Mitteilung des Internationalen Landwirtschafts⸗ Instituts in Rom wird das voraussichtliche Ergebnis der Getreideernte Rußlands (73 Gouvernements), wie folgt,
ätzt: geschätz Schätzung 1912 Ernte 1911 Ernte 1910
San 52 G 21 110 900 20 410 000 13 866 200 99 Roggen. 25 013 000 22 038 700
Weizen. 66 8 19 357 100 8 Gerste.. 9 975 700 10 095 400
Saatenstand
23. August 1912 Nr.
in Italien während des ersten Drittels des Monats August 1912.
Die Trauben beginnen überall zu reifen, und wenn auch Nieder⸗ schläge stellenweise ihre regelmäßige Entwicklung aufgehalten haben, so wird doch allgemein eine gute Ernte erwartet. Die Weiden zeigen eine üppige Vegetation; der Schnitt der Futterpflanzen liefert reichen Ertrag. Die Bohnen⸗ und Kartoffelernte ist vor⸗ züglich, dagegen herrscht, mit Ausnahme der Pfirsiche und Birnen, Mangel an Obst. Die Tomatenernte, deren Ergebnis befriedigt, dauert an. Strichweise erwartet man eine gute Olivenernte. Der Reis steht gut, reift jedoch nur langsam. 4 Mangel an Niederschlägen beginnt sich im Süden und auf den Inseln fühlbar zu machen. (Bericht des Kaiserlichen Generalkonsulats
in Genua vom 22. August 1912.)
Landwirtschaftliche Marktzeitung“ vom
34 berichtet über den Stand der Kulturen in der Schweiz zu Anfang August: Die lange Regenzeit hatte die Entwicklung der Kulturen hint⸗ angehalten und vielfach geschädigt. Am meisten litt das Ge⸗ treide, noch wesentlich mehr als im Rückgange der Bonitätsnoten zum Ausdruck kommt. Der Gras wuchs der Natur⸗ und Kunstwiesen, wie auch der Alpweiden kann als gut bis sehr gut bezeichnet werden. Die ungünstige Witterung hatte eine starke Verzögerung der Emdernte und da, wo diese bereits begonnen hatte, eine bedeutende Ver⸗ schlechterung der Güte im Gefolge. Die Streuewiesen versprechen einen reichen Ertrag, wesentlich mehr als im trockenen Vorjahre. — Recht befriedigend ist der Stand der Apfel⸗ und Birnbäume. Zahlreiche Gebiete gewärtigen eine reiche Ernte, sodaß im schweizerischen Mittel für Aepfel annähernd eine Mittelernte in Aussicht steht. Etwas kleiner dürfte nach den eingegangenen Berichten die Birnenernte ausfallen. D
Die „Schweizerische
Günstig stehen die Obsternteaussichten in Oesterreich. Die Apfel⸗ und Birnenernte dürfte über Mittel ausfallen. Die Ernte des Sommerkernobstes war bisher eine reichliche, dagegen blieb der Ertrag der Aprikosen tief unter dem Durchschnitt früherer Jahre. Sehr gut sind die Zwetschgen gediehen. In Frankreich wird die kommende Obsternte je nach Landesgegend etwas verschieden beurteilt. Der Stand der Kernobstbäume wird bezeichnet: als mittel im Nord⸗ westen, als gut bis ziemlich gut im Norden, Nordosten, Westen und Süden und als mittel bis ziemlich gut im Osten und in den Mittel⸗ staaten des Landes. 6 1“ Für die Weinernte werden die Aussichten etwas ungünstiger als im Vormonat beurteilt. Die schlechte Witterung verzögerte die Entwicklung der Trauben. Der falsche Meltau trat in manchen Gegenden stark zerstörend auf. Ebenso haben strichweise Hagelschläge die Gesamtaussichten getrübt. In Frankreich befriedigt der Stand der Reben. Das Regenwetter hat im allgemeinen weniger geschadet als zu befürchten war. In den vergangenen Tagen haben sich die Aussichten in den italienischen Weinbergen hinsichtlich Qualität und Quantität gebessert, sodaß Italien eine befriedigende Weinernte erwartet. Die Spanier bezeichnen ihre Weinberge als gesund und eine befriedi⸗ gende Ernte steht in Aussicht. Ebenso hofft Portugal auf eine gute Ernte. Die deutschen Weinberge berechtigen trotz dem stellen⸗ weisen Auftreten von Pilzinfektionen und Sauerwurm zu größeren Erwartungen. 1 18 8 Von den Hackfrüchten wurden die Kartoffeln am meisten von der Regenzeit in Mitleidenschaft gezogen. Im allgemeinen dürfte eine Mittelernte, in einzelnen Gegenden noch höhere Erträge in Aussicht stehen. Immerhin sind die Klagen über frühes Absterben der Stauden, über das Auftreten der Kartoffelfäulnis, Kräusel⸗ und Blattrollkrankheit nicht selten. 1— . 88 Nachstehende lebersicht unterrichtet über die Punktierungsergebnisse der einzelnen Kulturarten in den letzten zwei Monaten und über den Vergleich mit dem Vorjahre. Die Futtergewächse erhalten nach unserem Punktiersystem (1 = sehr schlecht, 2 = schlecht, 3 = mittel, 4 = gut, 5 = sehr gut) die Bonitätsnote: am am 1. Juni 4. Paki 1912 1912 4,17 4,47 4,31 4,43 13 4,25
am 1. August 1911 2,60 2,93.
am
1. August 1912 4,40 4,50 4,29
auf den Naturwiesen „ „ Knunstwiesen 8 Alpweiden Die vers die b E“ der letzten 10 Jahre beträgt: Beurteilt nach dem Stand vom: 1. Juli 1. Aug. 1. ug. 1. Juli 1. Aug. 1. Aug. 1912 1912 1911 1. 1912 192 1911 G11“ ö1“ Bepfel.. . 98 96 59 Winterweizen 102 104 BIõ8 85 59 Sommer⸗ Kirschen. 54 — — weizen 100 99 Zwetschgen. 62 6 79 Korn 102 102 I186 62 76 Winterroggen 103 bu- 91 94 Sommer⸗ Kartoffeln 98 94 86 roggen 101 Runkeln. 100 102 82 Mischfrucht. 103 Gelbrüben. 98 99 76 Wintergerste 102 Feldgemüse 100 100 79 Sommergerste 101 IEqq-—-99. Z1686 Steitte 107 116 99 b99
Verkehrswesen.
Schiffsliste für billige Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika (10 ₰ für je 20 g).
Die Portoermäßigung erstreckt sich nur auf Briefe, nicht auch auf Postkarten, Drucksachen usw., und gilt nur für Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten Amerikas, z. B. Canada.
„Kronprinzessin Cecilie“ ab Hamburg 29. August, „Kronprinz Wilhelm“ ab Bremen 3. September, „Amerika“ ab Hamburg 5. September, 8 „Prinz Friedrich Wilhelm“ ab Bremen 7. September, „Kaiser Wilhelm II.“ ab Bremen 10. September, „Kaiserin Auguste Victoria“ ab Hamburg 12. September, „Berlin“ ab Bremen 14. September, „Kaiser Wilhelm der Große“ ab Bremen 17. September, „George Washington“ ab Bremen 21. September, „Kronprinzessin Cecilie“ ab Bremen 24. September „Victoria Luise“ ab Hamburg 26. September, „Kronprinz Wilhelm“ ab Bremen 1. Oktober.
Postschluß nach Ankunft der Frühzüge.
Alle diese Schiffe, außer „Kronprinzessin Cecilie“ (ab Hamburg am 29. August) und „Victoria Luise“, sind Schnelldampfer oder solche, die für eine “ Zeit vor dem Abgange die schnellste Beförde⸗
legenheit bieten. 3 rung ge vapssehlt sich, die Briefe mit einem Leitvermerk wie „direkter Weg' oder „über Bremen oder Hamburg“ zu versehen.
Theater und Musik.
Im Königlichen Opernhause wird morgen, Mittwoch, „Der Rosenkavalier“ zum 60. Male wiederholt. In den Hauptrollen sind die Damen Kurt, Boehm van Endert, Easton, Rothauser, von Scheele⸗Müller, die Herren Mang, Bachmann, Sommer, Krasa, Philipp, Habich, Schöffel beschäftigt. Herr Baron singt wiederum als Gast die Rolle des Valzacchi. Der Kapellmeister von Strauß dirigiert. .““
Im Königlichen Schauspielhause wird morgen, Mittwoch, Goethes „Götz von Berlichingen“ mit Herrn Kraußneck in der Titel⸗ rolle gegeben. In den anderen Hauptrollen sind die Damen Poppe, Butze, von Mayburg, Thimig und von Arnauld sowie die Herren
8 8 954 200 . 8 —. . 14 988 100 15 182 500
12 459 800 8 572 500 2 090 300 1 971 300.
gegeben hätte, was sein Verdienst durchaus nicht 8 aben würde, daß er hier nicht hervorragende Literatur⸗
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Mühlhofer, Arndt, Pobl, Zimmerer, Mannstädt, Geisendörfer, Werrack und Eichholz beschäftigt. Die Vorstellung beginnt um 7 Uhr.
Kulturen versprechen eine Ernte, die in Prozenten der
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