1912 / 279 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 23 Nov 1912 18:00:01 GMT) scan diff

gericht, Dr. Hermann Kiefer bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Breslau und Dr. Emil Pfau bei dem Amts⸗

ericht in Schippenbeil. Der Senatspräsident Völckers bei dem Oberlandesgericht in Hamm, die Amtsgerichtsräte, Geheimer Justizrat Köchling in Münster und Witte in Kanth sowie der Rechtsanwalt und Notar, Justizrat Trube in Bad Oldesloe sind gestorben.

Ministerium der öffentlichen Arbeiten.

Versetzt sind die Wasserbauinspektoren Hartmann von Beeskow nach Graudenz (im Bereich der Weichselstrombauver⸗ waltung) und Dauter von Graudenz nach Beeskow (im Be⸗ reich der Verwaltung der Märkischen Wasserstraßen).

Ministerium der geistlichen und Unterrichts⸗ angelegenheiten.

n Schulamtsgutspächter Richard Graef in Blanken⸗

burg, Kreis Angermünde, ist der Charakter als Königlicher

Oberamtmann beigelegt worden. 8

Königliche Akademie der Künste in Berlin. Bekanntmachung. An Stelle des zum Zweiten Ständigen Sekretär der Akademie ernannten Professors Dr. Karl Krebs ist vom Herrn Minister der geistlichen, und Unterrichtsangelegenheiten der Professor Dr. Max Seiffert, Berlin, für die Zeit vom 1. Dezember 1912 bis Ende September 1914 als Musik⸗ gelehrter zum Mitgliede des Senats der Akademie, Sektion für Musik, ernannt worden. Berlin, den 21. November 1912.

Der Präsident. Ludwig Manzel.

Bekanntmachung.

Gemäß § 46 des Kommunalabgabegesetzes vom 14. Juli 1893 (G.⸗S. S. 152) wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das auf das Aktienkapital der Aktiengesellschaft der Cöln⸗Bonner Kreisbahnen aus dem Betriebe des Unter⸗ nehmens im Rechnungsjahre 1911 zur Verteilung gelangte, im Jahre 1912 kommunalabgabepflichtige Reineinkommen auf 348 750 festgestellt worden ist.

CGöln, den 21. November 1912. jnigliche Eisenbahnkommissar Riesen.

ͤ

Preußen. Berlin, 23. November 1912.

Ihre Majestät die Kaiserin und Königin empfingen heute im hiesigen Königlichen Schlosse die Gemahlinnen des Königlich dänischen Gesandten Gräfin Moltke, und des Königlich schwedischen Gesandten, Gräfin Taubbbe.

85

Die vereinigten Ausschüsse des Bundesrats für Justiz⸗ wesen und für Handel und Verkehr, die vereinigten Ausschüsse für Zoll⸗ und Steuerwesen und für Justizwesen sowie der Ausschuß für Zoll⸗ und Steuerwesen hielten heute Sitzungen.

Hannover, 22. November. Seine Majestät der Kaiser und König ist mit Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit dem Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich und den übrigen Jagdgästen gestern abend in Springe eingetroffen und in Automobilen nach dem Jagd⸗

8

schloß im Saupark gefahren.

8 Waldeck.

Die diesjährige verfassungsmäßige Tagung des Land⸗ tags der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont wurde am 28. Oktober durch den Landesdirektor Präsidenten von Glasenapp eröffnet und am 14. November geschlossen. Dem Landtage waren unter anderen Vorlagen der Regierung folgende Gesetzentwürfe zugegangen:

1) ein Gesetzentwurf, betr. die Vermeidung von Doppelbesteuerungen

bei Heranziehung zu direkten Kommunalsteuern i Ensh. e 88c tis hen Reichs; f 1 ) der Entwurf eines Ausführungsgesetzes zur Maß⸗ ichts⸗ I 18 9 Mai 1908; Lögesecess ““ ) ein Gesetzentwurf, betr. die Einführung des preußischen Ge⸗ setzes, betr. die Losgesellschaften, die Veräußerung von öö mit Prämien und den Handel mit Lotterielosen vom 19. Juli 1911; 4) der Entwurf eines Ausführungegesetzes zum Viehseuchengesetz; 5) der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abänderung. des Allgemeinen Beiggesetzes vom 1. Januar 1869 bezw. 5. Januar 1911; 6) ein Gesetzentwurf, betreffend die Gebuhren der Hebammen; 1 7) 5 S den Anschluß der in Waldeck⸗ Pyrmont wohnhaften Aerzte an die Aerztekammer i Provinz Hessen⸗Nassau. 1“““ Sämtliche Gesetzentwürfe wurden vom Landtage ange⸗ nommen, derjenige über die Gebühren der Hebammen mit einer kleinen Abänderung. Ferner wurde ein Antrag der Fürstlichen Domänenkammer auf Zustimmung zur Verpfändung von Domanialgrundstücken für die Aufnahme einer Anleihe bis zur Höhe von 2 000 000 genehmigt.

Oesterreich⸗Ungarn.

Die Delegationen hielten gestern ihre Schluß⸗ sitzungen ab. Der österreichischen Delegation übermittelte 88 gemeinsame Finanzminister von Bilinski den Dank und die Anerkennung des Kaisers. Der Präösident erklärte, wie „W. T. B.“ meldet, in seiner Schlußansprache, die Wolken, die den politischen Horizont verdunkelten, seien noch nicht gelichtet. Es

Lande bald die reine Atmosphäre des allgemeinen Friedens be⸗ schert werde. 8 auf den Kaiser Franz Joseph.

Spanien.

Der König genehmigte gestern die Einbringung eines Gesetzentwurfs, wonach der Familie des ermordeten Minister⸗

gewährt werden soll. 86

Niederlande.

Beratung des Budgets für Indien fort.

Nach dem Bericht des „W. T. B.“ machte der Abg. de Savornin Lohman im Laufe der Debatte den Liberalen zum Vorwurf, daß sie durch ihren Widerstand gegen die christliche Politik der Regierung einen Religionskrieg in Indien hervorriefen und daß sie für die all⸗ gemeinen Wahlen im Jahre 1913 chinesisches Geld annähmen. Der liberale Demokrat Ketelaar kritisierte die versteckte und unaufrichtige Art, mit der die Missionare vorgingen, um sich der indischen Re⸗ gierungsschulen zu bemächtigen. Der Kolonialminister erklärte, die Lage in Atjeh sei gegenwärtig äußerst günstig. Die chinesischen Unruhen in Soerabaja gelegentlich der Verkündung der chinesischen Republik seien von revolutionären Elementen aus Macao hervor⸗ gerufen worden, nicht durch die Haltung der Behörden, die volle Achtung verdienten für die energische Art, mit der sie den Aufstand

unterdrückten. Schweiz.

Der Bundesrat hat, veranlaßt durch die Kritik in der Presse und im Parlament, laut Meldung des „W. T. B.“ beschlossen, das politische Departement in ein Departement der auswärtigen Angelegenheiten umzuwandeln, dessen Chef nicht mehr jedes Jahr, wie bisher, wechseln wird. Ferner ist eine neue Einteilung der Departements beschlossen worden. Ein Antrag auf Vermehrung der Bundesräte von sieben auf neun wurde abgelehnt, ebenso einstweilen die Anregung, den

wird die ganze Angelegenheit im Frühjahr behandeln.

8* 8

Türkei.

Die verbündeten Balkanstaaten aben nach Meldungen des „W. T. B.“ abermals eine Hee- 198 zu Verhandlungen mit den türkischen Delegierten über einen Waffenstillstand nach Tschataldscha entsandt. Von det bulgarischen Regierung sind der Präsident der Sobranje Danew, der Gehilfe des Generalissimus Sawow und der Chef des Generalstabs Fitschew, denen der Sekretär des politischen Kabinetts des Königs Tschapraschikow und der Rat im Ministerium des Aeußern Stanciow unter dem Titel von Sekre⸗ tären attachiert sind, mit den Verhandlungen betraut worden. Die griechische Regierung hat ihren Gesandten in Sofia Panas und den Militärattaché Frantzis, der sich gegenwärtig im bulgarischen Hauptquartier befindet, zu Delegierten bestimmt. Serbien und Montenegro werden sich durch Bulgarien ver⸗ treten lassen.

Wie das „Wiener K. K. Telegraphen⸗Korrespondenz⸗ Bureau“ mitteilt, setzen die Bedingungen der Balkan⸗ staaten für den Waffenstillstand die Uebergabe von Janina an die Griechen, von Skutari an die Montenegriner, von Monastir an die Serben (inzwischen gefallen) und von Adrianopel an die Bulgaren fest, ferner die Einstellung aller Truppen⸗ und Munitionssendungen nach der Tschataldscha⸗Linie und die Ver⸗ pflichtung, in Tschataldscha keine neuen Befestigungen zu er⸗ richten. Außerdem sollen die aus Anatolien kommenden Truppen an jenen Punkten, wo sie sich im Augenblick des Abschluse⸗ des Waffenstillstands befinden, verbleiben. Die Kriegsschiffe an der Küste bei Derkos und Büjuk Tschekmedsche sollen nach Konstantinopel fahren.

Die „Agence Bulgare“ tritt den Meldungen entgegen, nach denen die bulgarischen Truppen in dem oder jenem Kampfe enorme Verluste erlitten hätten, die Cholera Ver⸗ heerungen in den Reihen der bulgarischen Armee anrichte und bulgarische Soldaten gegen türkische Verwundete Grausam⸗ keiten verübt hätten. Diese und ähnliche Erzählungen seien von gewissen ausländischen Berichterstattern erfunden worden, die infolge strenger Bestimmungen des Reglements über den Infor⸗ mationsdienst oder wegen Verletzung militärischer Den ifon. von Mustafa 8 zurückgesendet wurden und enttäuscht waren, weil sie keinen Informationsdienst im großen Stile machen konnten. Die „Agence Bulgare“ legt Verwahrung da⸗ gegen ein, daß gewisse Korrespondenten, obwohl sie in Sofia tätig sind, ihre Depeschen aus dem Hauptquartier datieren, um ihnen den Anschein einer zuständigen Quelle zu geben. Die aus Konstantinopel stammenden Meldungen, nach denen zwei bulgarische Torpedoboote durch den Kreuzer „Hamidie“ in den Grund gebohrt worden seien, entbehren nach einer weiteren Mitteilung der genannten Agentur jeder Begründung. Von vier Torpedobooten haben zwei leichte Havarien erlitten, die jedoch ohne jede Bedeutung sind.

Das Blatt „Mir“ meldet, daß die türkischen Truppen in Adrianopel am 20. d. M. einen Ausfall unternahmen, um das von den Bulgaren besetzte Fort Kartaltepe wieder zu er⸗ obern. Sie seien jedoch genötigt worden, sich unter Zurück⸗ lassung von 350 Toten in die Festung zurückzuziehen. Nach einer weiteren Depesche des genannten Blattes versuchte die Garnison von Adrianopel gestern früh einen allgemeinen Aus⸗ fall, wurde jedoch nach einem Kampfe, der den ganzen Tag andauerte, in die Festung zurückgeworfen. Die Türken erlitten bedeutende Verluste. Dieser allgemeine Ausfall, der erste seiner Art, wird als Versuch der Besatzung aufgefaßt, sich wieder Proviant zu verschaffen, da die Lebensmittelvorräte erschöpft sein 1 8

ie „W. T. B.“ meldet, haben die Bulgaren gestern Malgara und Dedeagatsch besetzt. gef Ein Telegramm des türkischen Flottenkommandanten vom 21. 8 2 besagt:

m 19. d. um 9 Uhr Abends fand in der Umgebun i⸗ kratia ein Kampf zwischen bulgarischen Jägern 88* Rrthan Kgli fanterie statt. Um 10 ¾ Ühr wurde der Feind, der Laufgeäben auf⸗ zuwerfen versuchte, zurückgeschlagen. Der Rest der Nacht verlief ziemlich ruhig. Am 20. um 1 Uhr Nachmittags feuerte der Panzer⸗ kreuzer „Haireddin Barbarossa“ gegen Arnautköf einige Granaten auf die feindliche Infanterie ab, die sich gegen Papas Burgas zurückzog. Jedes Geschoß traf. Der Kreuzer „Hamidije“ wurde nach Konstantinopel S sollen big sein Der Kampf zwischen dem Kreuzer „Hamidije“ und den bulgarischen Torpedoboote fand 25 Meilen von Kerahenn südostlich . 111“ Der Generalissimus Nasim Pascha meldet über die Kämpfe auf der Tschataldschalinie unter dem 22. d. M. Nachmittags:

bestehe aber in zunehmendem Maße die Hoffnung, daß dem

Der Präsident schloß hierauf mit einem Hoch

präsidenten Canalejas eine Pension von 30 000 Pesetas

Die Zweite Kammer setzte in der gestrigen Sitzung die

Bundesrat durch das Volk wählen zu lassen. Das Parlament

einen Augenblick lang die Verschanzungen bei Mektzebi ie. Die türkischen Batterien nes Frfrhe, Mefresene hf vom rechten Flügel abgeschickt worden waren, erbeuteten eine Menge von Waffen und Ausrüstungsgegenständen, die vom Feind zurück⸗ gelassen worden waren. Die Bulgaren beschossen Büjuk Tschekmedsche⸗ und feuerten etwa 80 Granaten ab. Die Flotte erwiderte das Feuer und brachte die feindlichen Batterien zum Schweigen. Gestern nacht rückten vom Zentrum abgesandte kleine Erkundungsabteilungen bis Izzedinköj vor. Es gelang ihnen, den Feind zurückzuwerfen, ihm starke Verluste zuzufügen und auch seine Artillerie, die auf den Höhen im Süden dieser Stadt aufgestellt war, zur Feuereinstellung zu bringen. Die Verluste der türkischen Abteilungen sind unbedeutend.

Eine zweite Depesche des türkischen Generalissimus vo demselben Tage Abends meldet: 8 1 . Auch heute fand ein schwacher Geschützkampf auf einigen P. der Kampflinie statt. Ein E“ 88 vollzog sich im Zentrum. Erkundungen, die sich auf vier bis fünf Kilometer erstreckten, ließen erkennen, daß das Terrain mit mehreren

tausend Leichen bulgarischer Soldaten bedeckt ist.

In den Kämpfen bei Monastir haben nach Meldungen des „W. T. B.“ aus Belgrad die Befehlshaber der Türten selbst das Beispiel zur Flucht gegeben, als sie sahen, daß ihre Truppen ermatteten. Drei Tage vor der entscheidenden Schlacht flüchteten sich mehrere Paschas. Es wurde behauptet, Fethi Pascha habe Selbstmord begangen, doch ist sicher, baß er sich verkleidet geflüchtet hat. Nur Dschavid Pascha wandte sich an der Spitze türkischer Abteilungen gegen das Peristerigebirge, fand es indessen unpassierbar. Die serbische Kavallerie stieß gestern mittag auf der Straße von Monastir nach Florina auf eine türkische Abteilung von sieben bis zehn Bataillonen mit zehn Kanonen und Kavallerie. Die Türken flüchteten in wilder Panik, ließen ihre Artillerie im Stich und warfen ihre Waffen weg. Die serbische Kavallerie rückte dann in Florina ein, wo sie mit großer Begeisterung empfangen wurde.

Die Morawadivision, verstärkt durch Landwehr unter dem Befehl von Nenditsch, hat gestern morgen Resna besetzt, wo sie einige Zeit bleiben wird. Die fliegenden Kolonnen unter dem Befehl von Milanowitsch sind nach der Säuberung der Gegend von Kruschevo und Debra in Debra angekommen.

Ein amtliches, auf einer Depesche des Kommandeurs der türkischen Westarmee beruhendes Telegramm des Generalissimus Nasim Paschas besagt:

Nach dreitägigen Kämpfen in dem Gürtel von Monastir zeigte es sich, daß der Platz keine Verteidigungsstellung bot, und daß die Be⸗ lassung der Armee in Monastir nicht ohne Schwierigkeiten wäre. Darauf zog sich ein Teil der Armee nach Resna, ein anderer nach Florina zurück. Nach einem 24 stündigen Kampf mit 6000 Serben, die in das Gebiet der Mirditen übergetreten waren, wurden die Serben zer⸗ streut und bis zum Dorfe Pischan (Kaza Liuma) verfolgt. Es wurden zahlreiche Serben getötet und 1000 Gewehre erbeutet.

1“ Kronprinz von Griechenland hat gestern aus Florina an den Ministerpräsidenten Venizelos folgendes Tele⸗ gramm gerichtet:

Meine Kavallerie, die den Feind nach dem Kampfe von vor⸗ gestern verfolgte, hat in einem Engpaß bei Pisoderi zwanzig Geschütze und eine große Menge Kriegsmaterial erbeutet. Heftiger andauernder Regen wechselt mit Schneefällen ab. Die Verfolgung des Feindes wird fortgesetzt.

Die Beschießung von Skutari wird, wie „W. T. B.“ meldet, von der montenegrinischen Artillerie, wenn auch weniger heftig als sonst, fortgesetzt. Man erwartet das baldige Ein⸗ treffen des Befehls zur Einstellung der Feindseligkeiten. Eine Abteilung der nach Alessio entsandten serbischen Division ist, obiger Quelle zufolge, gestern morgen in San Giovanni di Medua eingerückt.

Vorgestern ist Mytilene von den Griechen besetzt worden. Nach einer vom „W. T. B.“ verbreiteten Mitteilung des griechischen Marineministeriums erschien vorgestern nach⸗ mittag ein griechisches Geschwader vor Mytilene, dessen Kom⸗ mandant, Admiral Countouriotis, die Stadt zur sofortigen Uebergabe aufforderte. Die fremden Konsuln rieten, um un⸗ nötiges Blutvergießen zu vermeiden, zur Räumung der Stadt durch die 700 Mann starke türkische Garnison. Der Admiral ließ 1500 Mann an Land gehen, von denen 400 die Stadt besetzten und 1100 die Verfolgung des Feindes aufnahmen. Die Landung fand unter dem Schutz des griechischen Geschwaders statt, das hierauf nach Lemnos weiterfuhr.

Die früheren jungtürkischen Minister Hadschi Adil, Nedschm Eddin und Haladschian, der vass ö“ von Jsmid Kiazim, der Chefsekretär des Senats Muschpak sowie der Vorsitzende des jungtürkischen Klubs in Smyrna sind verhaftet worden. Dem früheren Minister Talaat ist es gelungen, zu entkommen.

8

Die

chinesische Regierung gibt eines Rechnungshofes bekannt, Einnahmen der Zentralregierung und der Provinzverwaltungen prüfen soll. Wie „W. T. B.“ meldet, hat der Rechnungshof, der in fünf Abteilungen zerfällt, seine Tätigkeit bereits be⸗

die Errichtun der die Ausgaben

gonnen. Chinesisches Personal ist zum Teil schon ernannt worden. Die Dienste eines ausländischen Sachverständigen wird man sich später sichernr.

Statistik und Volkswirtschaft.

Hohes Lebensalter in der Schweiz.

Nach der „Zeitschrift für schweizerische Statistik“ (Jahrgang 1912. S. 350) hatten während des Jahrfünfts von 1800 bis 1910 nicht weniger als 1436 in der Schweiz gestorbene Personen, darunter 839. weiblichen Geschlechts, ein Lebensalter von mindestens 90 Jahren beim Tode erreicht; 9 von ihnen hatten das 100. Lebensjahr über⸗ schꝛitten Seit 1881 ist von Jahrfünft zu Jahrfunft die Zahl der in so hohem Lebensalter gestorbenen Personen stetig von 885 bis 1436 gestiegen. Da während des Jahrfünfts 19 6/10 in der Schweiz insgesamt 292 089 Personen gestorben sind, hatte etwa 1 von je 200 (4,92 % ) das 90. Lebensjahr überschritten.

Zur Arbeiterbewegung. Ueber die Firma Firnkrantz u. Co. in Glauchau wurde, wie „W. T B.“ berichtet, wegen Meinungsverschiedenh iten über die Ueberstundenlohnzahlung durch den Deutschen Textilarbeiter⸗ verband die Sperre verhängt. Daraufhin hat der Verband der sächsisch⸗thüringischen Färbereien beschlossen, am Dienstag sämtliche Betriebe zu schließen, wenn nicht bis Montag die Sperre aufgehoben und die Ausständtgen die Arbeit wieder aufgenommen haben.

8

Ein geringfügiges Geschützfeuer fand gestern auf dem rechten Flügel statt. Eine feindliche Batterie, die bei Izzedinköj stand, Rücge

11“ 8 11“ 11

(Weitere

Wohlfahrtspflege. 8—

Arbeitsvermittlung für aus Lungenheilanstalten Entlassene.

Die Sterblichkeit an Tuberkulose hat während der zwei letzten Jahrzehnte in Deutschland von Jahr zu Jahr abgenommen. Es sterben gegenwärtig in Deutschland nur halb so viel Menschen an Tuberkulose wie vor 20 Jahren, und durch das allgemein durch⸗ geführte und von den Landesversicherungsanstalten streng innegehaltene Bestreben, den Tuberkulösen nach Möglichkeit im Beginn der Er⸗ krankung in Heilstätten unterzubringen, wird als Ziel der Heil⸗ behandlung erreicht, daß die Kranken in den meisten Fällen gesund und arbeitsfähig aus den Heilstätten entlassen werden. Die Heilstätten⸗ behandlung kostet indessen viel Geld, und alle Kosten sind vergeblich gewesen, wenn der Genesene nach seiner Entlassung nicht in gesunde aͤußere Verhältnisse zurückkehren kann. Daß die Wohnungs⸗ und Ernährungsverhältnisse gebesset und gut erhalten werden, ist eine Aufgabe der ürsorgestellen für Lungenkranke. Die Arbeit dieser Stellen ist aber vergebens, wenn es nicht gelingt, Arbeitgeber zu veranlassen, die aus den Heilstätten Ent⸗ lassenen wieder in Arbeit zu nehmen. Die Erhaltung der Arbeit ist daher eine Hauptaufgabe der Tuberkulose⸗ bekämpfung. Diese schwerwiegende Frage kann indessen nur da⸗ durch gelöst werden, daß sich einsichtsvolle Arbeitgeber dazu verstehen, die Entlassenen einzustellen oder, falls dies erforderlich ist, leichtere Stellen für halbe Arbeitskräfte bereitzustellen. Daß bierfür nicht voller Lohn gezahlt werden kann, ist selbstverständlich. Der Verband märkischer Arbeitsnachweise ist auch auf diesem Gebiete bereits mit Erfolg tätig gewesen. 125 Erwerbsbeschränkte konnten durch die Bemühungen der ihm angeschlossenen öffentlichen Arbeits⸗ nachweise in feste Stellungen gebracht werden⸗ Doch wäre es wünschenswert, wenn sich die Betriebe in Gewerbe und Landwirtschaft in größerem Umfange zur Einstellung solcher Arbeitekräfte entschlössen. Der Verband märkischer Arbeitsnachweise zu Berlin, Am Köllnischen Park 8, ist jederzeit bereit, kostenlos Arbeitskräfte nachzuweisen.

Die Zeitschrift der Zentralstelle für Volkswohl⸗ fahrt „Concordia“ (Berlin, Karl Heymanns Verlag, Preis halb⸗ jährlich 6 ℳ) enthält in den Halbmonate heften 19 bis 22 des Jahr⸗ gangs 1912 u. a. folgende Beiträge: Wohlfahrtspflege: Die Wohlfahrtseinrichtungen der Höchster Farbwerke; Kleinwohnungsbau (von Landesversicherungsrat Hansen); Arbeiterurlaube in Oesterreich; Die Zusammenfassung der verschiedenen sozialen Fürsorgeeinrichtungen in größeren Städten unter Mitberücksichtigung der Bureau⸗ einrichtungen (von Bürgermeister H. Weißenborn); Breslauer Haushaltungsrechnungen (von Dr. Gerhard Albrecht); Die Mül⸗ hauser Gesellschaft zur Bekämpfung des Bettels und ihre beiden Zweigvereine; Private und öffentliche Wohlfahrtspflege (von Adele Beerensson); Der III. deutsche Kongreß für Säuglingsfürsorge in Darmstadt, September 1912 (Bericht von Oberarzt Dr. Rott); Der dritte deutsche Jugendgerichtstag (von Dr. Wilhelm Bloch); Woh⸗ nungspflege in Süddeutschland im Jahre 1911 (von Landeswohnungs⸗ inspektor Gretschel); Verzeichnis der Seehospize der Nord⸗ und Ostsee (von Dr. Hääͤberlin); Ueber die praktische Durchführung des Kinderschutz esetzes (von Gewerberat Dr. Bender); Säuglings⸗ und Kindersterblichkeit in Neuseeland; Berichte und Korrespondenzen über Arbeitszeit, Arbeitslosenversicherung, Bekämpfung des Alkoholismus, Gesundheitspflege, Tuberkulosebekämpfung, Badewesen, Wohnungs⸗ fürsorge, Jugend⸗, Kinder⸗ und Säuglingsfürsorge, ländliche Wohl⸗ fahrtspflege, Volksbildung und soziale Gesetzgeb ng. Gewerbe⸗ hygiene und Unfallverhütung: Abwässerbeseitigung in Tuch⸗ fabriken (von Gewerbeinspektor Schultze); Vorschriften für Zelluloid⸗ verarbeitung; Die Unfallverhütung beim Arbeiten mit Phosgen (von Gewerberat Dr. Bender); Die Herstellung kohlensaurer Getränke; Berichte und Korrespondenzen über Gewerbehygiene, Unfallverhütung, Industrieabwässer und Gifte.

Kunst und Wissenschaft.

Es konnte an dieser Stelle bereits kurz berichtet werden, daß die Begründung eines Kaiser Wilhelm⸗Instituts für Kohlen⸗ forschung mit dem Sitz in Mülheim a. d. Ruhr gesichert sei. Wie jetzt der Generalsekretär der Kaiser Wilhelm⸗Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften Dr. E. Trendelenburg in der „Köln. Ztg.“ mitteilt, ist der Plan auf eine Anregung des Wirklichen Ge⸗ heimen Rats, Professors Dr. Emil Fischer zurückzuführen, der in über⸗ zeugender Weise auf das Bedürfnis nach einer gründlichen wissen⸗ schaftlichen Erforschung der Kohle und ihrer Derivate hinwies. Die Anregung fand in den Kreisen der rheinischen Industrie lebhaften An⸗ klang, und im Juli d. J. wurde in einer Versammlung im Kurhaus Raffelberg in Mülheim die Begründung der Anstalt beschlossen. Inzwischen sind auch die Verhandlungen über die Organisation zu Ende geführt und die finanziellen Grundlagen beschafft worden, sodaß die Hoffnung besteht, mit den wissenschaftlichen Arbeiten noch im Laufe des Jahres 1913 beginnen zu können. Die Stadt Mül⸗ heim wird das Grundstück, das Gebäude und seine Einrichtung unentgeltlich zur Verfügung stellen und dadurch eine Aufwendung von 7. bis 800 000 auf sich nehmen. Die laufenden Kosten des Unter⸗ nehmens, das vorläufig auf 10 Jahre beschränkt wurde, werden durch Beiträge gedeckt werden, die von Industriellen, Vereinen und Ver⸗ bänden, unter ihnen der rheinischen Gesellschaft für wissenschaftliche Erforschung in Bonn, in Höhe von etwa 100 000 jährlich werden aufgebracht werden; ferner hat die Kaiser Wilbelm⸗Gesellschaft aus ihren allgemeinen Mitteln für fünf Jahre je 20 000 bewilliat; endlich stehen noch 40 000 an einma igen Zu⸗ wendungen zur Verfügung. Die Verwaltung des Instituts, das wie alle Gründungen der Kaiser Wilhelm⸗Gesellschaft unter dem Pro⸗ tektorat Seiner Majestät des Kaisers und Königs stehen wird, soll in den Händen einer Vereinigung liegen, die der Kaiser Wilhelm⸗Gesell⸗ schaft als Mitglied beitritt. Das Organ dieser Vereinigung ist ein Aussch ß, der an der Verwaltung des Instituts teilnimmt. Die all⸗ gemeinen Geschäfte wird ein Kuratorium von 14 Mitgliedern besorgen, die vom Ausschuß, dem Senat der Kaiser Wilhelm⸗Gefellschaft und der Stadt Mülheim benannt werden und dem auch der jew ilige Re⸗ gierungepräsident in Düsseldorf als Vorsitzender und ein Vertreter des Ministere der geistlichen und Unterrichtsangelegenheit’n angehören. Neben diese Organe tritt als beatendes Organ ein wissenschaftlicher Beirat Zum Direktor der Anstalt ist, wie schon gemeldet wurde, inzwischen der bisherige Professor an der Technischen Hochschule in Berlin, Dr. Franz Fischer, gewählt worden.

1“

Literatur. 8

Die Getreidebörse. Eine Geschichte aus Chicago von Frank Norris (Deutsche Verlagsanstalt; geb 5 ℳ). Das Buch ist der zweite Teil eines von seinem inzwischen verstorbenen Ve fasser als Trilogie geplanten „Epos des Weizens“. Der vor einigen Jahren in deutscher Uebersetzung in demselben Verlag erschienene erste Band schilderte die Erzeugung des Weizens af den ausgedehnten kalefor⸗ nischen Farmen und einen Verzweiflungekampf der Farmer gegen die ausbeuterischen Eisenbahngesellschaften, die jene durch Tarifmanörer um den Lohn iher Arbeit und um ihren Besitz bringen. Im vorliegenden zweiten Band wie d ein Bild von den Preirtreibereien an der Chicagoer Produktenbörse entworfen und geschildert, wie die Geldgier ein wichtiges Nahrungsmittel zum Fegenstand der Spiel⸗ wut macht. Literarisch stehen die beiden Bücher zien lich auf der gleichen mittleren Höhe besserer Unterhaltungsliteratur. Die Schilde⸗ rungen der äußeren Begebnisse sind spannend und anscha lich die Charakteristik auch der Hauptpersonen bleibt aber an der Oberfläche Wenn der zweite Band weniger fesselt als der vorausgegangene, liegt das weniger an der Art der Darstellung a's an dem be⸗ handelten Stoff. Im ersten Teil brachte dieser für den Leser etwas Unbekanntes, durch seine Eigenart Ansprechendes: das Leben der kalifornischen Farmer in ihren fruchtbaren Einöden und den eigen⸗ artigen, in dieser Form nur in Amerika möglichen mörderischen Kampf

vertrusteter Verkehrsgesellschaften gegen jene Farmer. Was im zweiten Teil von Börsenjobbereien geschildert wird, könnte in allen wesent⸗ lichen Zügen in jeder europäischen Handelszentrale sich abspielen. Nur einige Nebensächlichkeiten haben amerikanisches Sondergepräge oder charakterisieren seinen Verfasser zum wenigsten als Nichtdeutschen: So, daß zu seinem Ideal weiblicher Schönheit „knabenhafte Gerten⸗ schlantheit“ gehört, oder daß er ganz ernsthaft Beethoven und Franz Liszt auf eine Stufe stellt. Da das Buch, wie gesagt, als Ganzes literarisch nur zur besseren Unterhaltungsliteratur gezählt werden kann, an der hier zu Lande kein Mangel ist, lag eigentlich kein zureichender Grund vor, es ins Deutsche zu übertragen und es dem ohnehin schon überlasteten deutschen Büchermarkt zuzuführen.

Nathanael Jünger: .„..die Größte unter ihnen“ Ein Frauenleben. Hinstorffsche Verlagsbuchhandlung. Preis geh. 4 ℳ, geb. 5 ℳ. Das günstige Vorurteil, das man einem neuen Roman von Nathanael Jünger entgegenzubringen geneigt ist, werden diesem Buch gegenüber alle diejenigen nicht bestätigt finden, die von einem Roman mit Recht mehr verlangen, als daß fromme löbliche Gesinnungen aus ihm sprechen. Der Roman spielt in einem

FPhe en⸗ das zu einer großen Landesstrafanstalt gehört. Im

Littelpunkt der Handlung steht Martha, die älteste der vier Pfarrers⸗ töchter, die mit 15 Jahren, nach dem Tode der Mutter deren Stelle ver⸗ tritt. Eignes Glück opfert sie dem Wohl des Vaters und der Geschwister und führt mit einem Herzen voll Liebe und Hingebung ein Leven der Tugend und Entsagung. Sie ist „die Greßte unter ihnen.“ Durch ihr „vriesterhaftes Verstehen“ bekehrt sie einen alten, verstockten Zuchthäusler, der aus edlen Beweggründen ausbrechen wollte, und der, bei Licht besehen, eigentlich fast unschuldig ins Zucht, hbaus kam. Im übrigen ist sehr viel von Kaffeetrinken, Dienstmädchen⸗ Mittagsschlaf und ähnlichen nützlichen Dingen die Rede. Nicht wie in „Pastor Ritgerodts Reich“, das kürzlich eine Neuauflage erlebte, paart sich in, diesem Buch christliche Milde mit Kraft und Humor,

fondern sie zerfließt in Rührseligkeit und Trivialitäten

Technik.

Die Schiffsbautechnische Gesellschaft eröffnete vorgestern vormittag unter dem Vorsitz Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Oldenburg ihre 14. Jahresversammlung in der Aula der Technischen Hochschule in Charlottenburg durch einen Vortrag, welcher, nach dem bis auf den letzten Platz ö Saal zu schließen, eine große Anziehungskraft geübt hatte. die Ent⸗ stehung des Dieselmotors“ lautete das Thema des Vortrages und der Vortragende war der sich eines großen Namens in der Technik erfreuende Erfinder selbst, Zivilingenieur Dr. Rudolf Diesel⸗ Mannheim. Niemand war in der Tat geeigneter, ein getreues historisches Bild von der Entstehung seiner Maschine zu geben, als der Erfinder selbst, und was er einleitend über die Art sagte, wie er erfunden und wie zumeist Erfindungen von dauerndem Wert ent⸗ stehen, das ist der Einprägung sehr wert: Eine Erfindung besteht aus zwei Teilen, sagte er: der Idee und ihrer Ausführung. Wie entsteht die Idee? Manchmal blitzartig, zumeist aber wird sie sich durch mühevolles Suchen aus zahllosen Irrtümern langsam herausschälen, sich allmählich mit immer größerer Deutlichkeit dem Bewußtsein aufdrängen, bis sie endlich klar vom Geiste geschaut wird. Die Idee selbst enisteht dabei weder durch Theorie, noch durch Deduktion, sondern intuitiv. Theorie, Deduktion, Wissenschaft sind bloß vorher Hilfsmittel zum Suchen, nachher zum Prüfen, aber nicht Schöpfer des Gedankens. Aber selbst, wenn die wissenschaftliche Nachprüfung die Richtigkeit des Gedankens untrüglich erwiesen hat, ist die Erfindung noch nicht gemacht. Erst wenn die Natur selbst die durch den Versuch an sie gestellte Frage mit „Ja“ beantwortet hat, ist die Er⸗ findung vollendet, auch dann aber immer nur ein Kom⸗ promiß zwischen dem Ideal der Gedankenwelt und dem Erreichbaren der realen Welt. Und so bekannte sich der Erfinder dazu, daß ihm die Idee nicht blitzartig gekommen, daß er aber schon 1878 als Student während einer Vorlesung von Pro⸗ fessor Linde am Münchener Polytechnikum auf den Rand seines Kollegienheftes einen Plan niedergeschrieben, die Wärme unserer Brennstoffe für motorische Zwecke besser als bisher zu verwerten. Denn daß wir, wie in jener Vorlesung dargelegt wurde, durch unsere Dampf⸗ maschinen nur 6 10 % der verfügbaren Wärme des Brennstoffs in Arbeit umwandeln, dies ungünstige Verhältnis erschien Diesel so ungeheuerlich, daß jener Plan fortan sein Dasein be⸗ herrschte, sich an ihm also aufs neue bewährte, was James Watt auf die Frage, wie er so Großes zu leisten vermocht, mit den schlichten Worten erklärte: „indem ich immer daran dachte“. Bis 1893, 15 Jahre nach jener Notiz im Kollegienheft, war Diesels Plan zu dem Grund⸗ gedanken herangereift, die erstrebte höhere Ausnutzung der Wärme in ihrer Umwandlung in Arbeit durch folgende einfache Kombination zu erreichen: Erhitzung reiner Luft im Arbeitszylinder der Maschine durch ihre mechanische Kompression vermittels des Kolbens weit über die Entzündungstemperatur des zu benutzenden Brennstoffes und zugleich allmähliches Einführen von fein verteiltem, vorher vergastem Brennstoff in diese hoch erhitzte und verdichtete Luft unter gleich⸗ zeitiger Expansion, also Arbeitsleistung derselben auf den ausschiebenden Kolben. Bekanntlich ist hiermit das Arbeitsprinzip des Dieselmotors in seiner allmählich immer mehr vervollkommneten Gestalt aus⸗ gesprochen, und erreicht ist damit tatsächlich etwa eine Vervierfachung jener Leistung der Wärme in der Dampfmaschine, wie sie noch 1878 bestand und seitdem durch Verbesserung der Dampfmaschine nur eine geringe Erhöhung erfahren hat. Diesel aber verwendet als den Brenn⸗ stoff, den er vergast, in die durch Verdichtung hoch erhitzte Luft einführt und der sich durch diese Hitze entzündet, Erdöl, meist in Gestalt des sogenannten Gasöls. Wie von 1893 ab unter Förde⸗ rung der für seine Gedanken gewonnenen Firmen „Maschinen⸗ fabrik Augsburg“ und „Friedrich Krupp⸗ Diesel voranschritt, wie er 1897 den ersten betriebssicheren Motor von 20 Pferden schuf, wie 1898 sein Motor in Augsburg fabrikmäßig her⸗ gestellt wurde, wie nebenher stets Laboratoriumsarbeiten gingen, meist Ausprobierungen der verschiedensten Brennstoffe, das erläuterte in ein⸗ stündigem Vortrage der Redner ebenso lichwoll wie fesselnd. Es gab auch Stillstände, ja selbst Rückschritte in der Entwicklung, aber im großen und ganzen war die Kurve dieser Entwicklung ansteigend und sie ist es noch heute, wo die Anpassung des Dieselmotors an die Erfordernisse der Seeschiffahrt in⸗- vorderster Linie Anschluß hieran sprach als zweiter Redner Dr. phil. Aufhäuser⸗ Hamburg über „Die Treibmittel des Dieselmotors mit besonderer Berücksichtigung der Seeschiffahrtt. Mit Recht erklärte er es als im hohen Grade wünschenswert, daß ohne and re schwerwiegende Nachteile das überall auf der Erde zu habende Rohpetroleum als Brennstoff für den Dieselmotor benutzt werden möchte. Der Redner schloß se ne hochinteressanten Darlegungen mit einem Ausblick, wie dies zu bewerkstelligen sein möchte: Der Weg einer chemischen Vorbehandlung Destiläation ausgeschlossen des Brenn⸗ stoffs scheint ihm gangbar, aber doch umständlich, wogegen besonders im Hinbluck auf Teeröle zu versuchen wäre, den Verbrennunsprozeß selbst zu verbessern, bezw bei Anwendung von Rohöl träge verlaufende ch mische Vorgänge durch die Gegenwart von dritten, an und für sich passiven Körpern Katalysatoren zu beschleunigen und zu vervollkommnen. An beide Vorträge schloß sich ein Meinungsaustausch, in dessen Verlauf auch versucht wurde, gewisse angebliche Prioritäten der Erfindung in guter Meinung für den weniger erfolgreichen Erfinder zur Geltung zu bringen. Diese Erörterungen endeten, nachdem Diesel noch einige Erklärungen abgegeben, in einem Beifallssturm für diesen, der ihm gezeigt haben wird, wie hoch man sein Verdienst in den technischen Kreisen bewertet. .

Damit war zwar das Hauptinteresse an dieser ersten Sitzung erschöpft, gleichwohl fanden die nachfolgenden Vorträge auch viele aufmerksame er. Es sprach der Dr. Ing. Gümbel⸗Charlottenburg über das Problem des Oberflaͤchenwiderstandes (Flüssigkeitewiderstand in Rohren, Kanälen und Flüssen, Widerstand von Schiffen im Wasser und in der Luft), und nach der Frübstuͤckspause der Professor E. Heyn⸗Lichterfelde über „Eigenspannungen, insbesondere Reckspannungen

1“”

steht. Im

teilen“. Am zweiten Sitzungstage

Unsinkbarkeit moderner S gleich des furchtbaren Unglücks v der „Titanic“!

und Leben der Seefahrenden, Schiffahrt und der Größe der heimrat Flamm sich als T war deshalb von er den Titel so mit Recht vermuten, daß

die Unsinkbarkeit nach richtigen keine trügerische daß dieser Beweisführung mit wurde. 120 Jahre zurückrei

die anderen

entrollte diese Schilderung nicht. Kreise des Landes, vor a

Förderung erfahren.

nur 300 eine genügende Schotte Handelsministerium im Jahre 1 der Folge und jüngst erst

unheilvoll

zu führen brauchten.

ander gingen, und dringend 2 ingenieure zur langten. Kreise Fachleute Schottvorschriften durch sogenannte Schottka Frachtschiffe Anzahl und Do diese Vorschriften der interessierten Kreise

wasserdichte Schotten erlassen. veraltet und passen für die nehmen in ihrer schaften der Schiffe

daran, wie bei

zu Fall“ zu entscheiden sei, daß deren Mannschaft doch auch B

zu geben sei, daß und in werdens für Aufrechterhaltun Der Redner verlangte also

oder Segelschiff, den rechnerisch

moderner Wissenschaft stehend widersinnig erscheine, sonenzahl und an das Lloyd“ zunächst, daß, wa seiten dieses Instituts, bei dem der Aktiengesellschaft „Weser“, und zuverlässiger Wirkung daß der Redner sich ein

Unsinkbarkeit der Schiffe der Gefahr erreichbar ist und muß. Es schlossen sich noch

Längsverbänden stählern

Neugestaltung der Hafe

vermessung“. Nach Erledig Fahr

hiermit eine esversammlun von außerordentlicher Fruchtbar

Im Architektenverein bewerb Groß Düsseldorf

Wer erinnerte si

Hoffnung, sondern durchführbar.

der Vergangenheit, besonders in Englan 1 seefahrenden Nationen Gegenstand eingehendster Untersuchung gewesen ist.

llem die sorgfältiger Rechnung beruhende Unterteilung der Seeschiffe durch wasserdichte Schotten verlangt, wieder am Widerstande der Reeder gescheitert, wiederholt auch hatten sie Board of Trade und vom Britischen Lloyd nich Nach einer wohlbeglaubigten Angabe besaßen von über 4000 Schiffen der britischen Handels

erwiesen hat. Um den Schottenanordnung nahe zu legen, wurde die daß mit Schotten versehene Schiffe nur den halben Damit war zwar das Einbauen v aber bald ergab sich, daß über

im Schiffsbau allgemeiner geworden, , die Ansichten weit ausein⸗

die Zweckmäßigkeit von deren Anordnung

Die Folge hiervon war,

Stellung der

niemals Gesetz geworden. 8 rüttelte der „Elbe“⸗Untergang 1896 die Gewissen wach. Auf An⸗

regung des Reichstags wurden Vorschriften allgemeiner Art über

Allgemeinheit auf die ungenügend Rücksicht, eintretendem bilität des Schiffes zu behaupten ist, für Passagierdampfer, lassen die Frachtdampfer unberück Der Vortragende ging nunmehr auf die Kernfrage ein, Sicherheit die Unsinkbarkeit der Schiffe Hand zahlreicher Untersuchungen

Schotten zu lassen, und insonderheit für

zas Niveau des modern gebildeten Ingenieurs. lebhaften Meinungsaustausch erklärte der Direktor des „Germanischen was der Vortragende empfehle,

bekanntlich zusammenlaufen, in Uebung sei, und ebenso Vertreter des „Norddeutschen Lloyd“, der Hamburg⸗Amerika⸗Linie ihrer Gesell

fohlene Einrichtung in voller wurde anerkannt, Verdienst mit dieser Anregung erworben lichen Zustimmung zu den aufgestellten Ausdruck gegeben, daß die große Mehrzahl von Fällen werden

schaften die von Geheimrat Flamm emp stände.

habe, und es wurde der grundsätz Forderungen und vor allem der Ueberzeugung

trag des Oberlehrers Diplomingenieur H. Harms

der Professor Dr. Otto Blum aus Hannover über den

und die dadurch bedingten Krankheitserscheinungen in Konstruktions⸗

hielt der Geheime Regjerungsrat,

eeschiffe“.

Professor O. Flamm⸗Charlottenburg einen Vortrag über „Die Wer gedächte da nicht

om 14. April d. J., des Unterganges

Schiffe gewachsen ist. hema seines Vortrages

höchstem Gegenwartsinteresse, und gewählt

geschehen, führen

hatte, wie er den Beweis

ch nicht, daß in der tiefen Erregung und Erschütterung über den Verlust so vieler Menschenleben allseitig die Meinung laut wurde, daß es kau der Menschheit, kaum eine wichtigere Forderung an die Scht technik gebe, als die Beseitigung der furchtbaren Gefahren für die ersichtlich mit der Ausdehnung der Was Ge⸗

gewählt,

m eine dringlichere Angelegenheit ffsbau⸗

Leib

daß ließ

werde,

Grundsätzen gebauter Seeschiffe sei

Es ist verständlich,

größter Spannung entgegengesehen

sich mit ihr beschäfti s Ein schönes

Der Vortragende begann mit einer Schilderung der kaum enden Entwicklung der Unsinkbarkeitsfrage in d, wo die Frage lange, bevor 841 b

Wiederholt hatten die technischen

Admiralilät, eine

auf

8 1 vom t die gewünschte

holt aber waren diese Bemühungen

marine im Jahre 1883 nanordnung. Da kam das englische

888 auf einen Gedanken, der sich in

beim Untergang der „Titanic“ Reedern eine

als

u wünschen war, daß die Schiffsbau

in geeigneter rven, für Passagierschiffe Schotten

sind wegen des

Art, und

verständige Bestimmung getroffen, Hilfbootsraum on Schotten

Einigung über ein Erfolg verheißendes System ge⸗ daß auf das Drängen der technischen Englands im Jahre 1890 eine Kommission erster englischer herausgab, die

Sie bestehen noch heute; aber sie sind

heutigen Schiffe nicht mehr. besonderen

denken zu Leck an’ erster Stelle

Sie

Eigen wenig die Sta⸗ und gelten überhaupt nur sichtigt. wie mit herbeizuführen sei. An der gab er die Antwort, daß „von Fall

kein Schiff, also auch die Frachtschiff

eachtung verdiene,

welcher Art im Fall des

ohne die geeigneten jedes Schiff Rechenschaft

Leck

8 8—

der Stabilität Sorge getragen sei.

ür jedes größere Schiff, ob Dampfer

en Nachweis der Unsinkbarkeit und die

e Behörde,

Per⸗

bereits von

Prüfung dieses Nachweises durch eine unabhängige, auf der Höhe Bemessung des Boots⸗ raumes nicht wie bisher nach dem Tonnengehalt des Schiffes, was sondern nach der an Bord befindlichen schließlich Anpassung aller derartigen Vorschriften In dem

die Fäden der deutschen Seeschiffahrt

daß bei den Schiffen

Aber allseitig

r die

mit allen Mitteln erstrebt

und

an ein Vortrag des Diplomingenieurs

nabgaben und der

Professor Lienau⸗Danzig über „Materialspannungen in den er Frachtdampfer“ und ein Vor⸗ Kiel über „Die Schiffs⸗

ung einiger Wahlangelegenheiten fand

g der Schiffsbautechnischen Gesellschaft

keit ihren Abschluß.

Bauwesen.

wird am Montag, Abends 7 ½

*einen Vortrag halten.

Im Verein für deutsches Kunstgewerbe spricht am 27. d. M., Abends 8 ½ Uhr, Dr. W. Pukall, Direktor der Kera⸗ mischen Fachschule in Bunzlau, über Feinsteinzeug und Schmelzware. Der Vortrag, der im großen Festsaale des Künstlerhauses, straße 3, stattfindet, wird von einer Ausstellr aus dem Vortragsgebiete begleitet sein. 6

es, Bellevue⸗ ing keramischer Arbeiten

Uhr,

„Wett⸗

heitsamts“ vom 20.

amt, XVI. Bd., 1. Heft. Gang der Volkskrankheiten.

verendeter Tiere. Influenza von Tieren. (

Ungarn, Norwegen. Schlachtvieh⸗ und

in größeren Städten des Aus häusern deutscher Großstädte.

Landbezirken. Witterung.

Nr. 47 der „Veröffentlichu . Novem Medizinal statistische Mitteilungen aus de (Ankündigung.

Desgl. gegen Cholera. Gesetzgebung usw.

Rindertuberkulose. Rauschbrand. (Els Malta) Uebertragbare Kra . im Deutschen Reiche, 1911. Desgl. im Auslande. Desgl. in 3. Vierteljahr. Desgl. in Großbritannien. Desgl. in in den Vereinigten Staaten von Amerika. gegen Tierseuchen. (Preuß. Reg.⸗Bez. Bromberg, Bayern, Reuß Elsaß⸗Lothringen.) Vermischtes. 1906 bis 1910. Geschenkliste. Wochentabell fälle in deutschen Orten mit 40 000 und mehr Einwohnern.

der Pferde. (Bavern.)

ngen des Kaiserlichen Gesund⸗ ber 1912 hat folgenden Inhalt: m Kaiserlichen Gesundheits⸗ ) Gesundheitsstand und Zeitweilige Maßregeln gegen Pest. (Preußen.) Zerlegung Rotz. aß⸗Lothringen.) Einfuhr nkheiten. Tierseuchen

Fleischbeschau, Viehseuchenbekämpfung

landes. Erkrankungen in Desgl. in deutsch Stadt⸗

Zeitweilige Maßregeln

2

1 ,

(Schweiz.) Hohes Lebensalter, belle über die Sterbe⸗ Desgl. Kranken⸗ und

erklärte der

festlegten. Widerstandes In Deutschland

11.“.““]