1913 / 59 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 08 Mar 1913 18:00:01 GMT) scan diff

Theater und Musik.

Theater am Nollendorfplatz.

„Extrazug nach Nizza“ rennt sich die neue Gabe, mit der das Theater am 1 gestern seine Besucher unterhielt. Arthur Lippschitz und Max Schoenau, die Erfinder der Vor⸗ gänge und Verfasser des Textes, haben ihre gemeinsame Arbeit „Vaudeville“ genannt, aber die Musik von Karl Weis, dem Komponisten der Oper „Der polnische Jude“, gibt dem Ganzen doch mehr den Charakter einer Operette, und zwar einer Operette mit guten musikalischen Einfällen. Die Hand⸗ lung ist kaum der Rede wert. Die Hauptperson ist der Filmfabrikant Pompirol, der für sein neues Kinodrama „Der Extrazug nach Nizza“ Liane de St. Colombo, die sogenannte „Duse des Kinos“ verpflichtet hat. Diese abenteuerlustige Dame läuft ihm davon und wird nach vielen Mühen und nach allen möglichen Irrungen und Wirrungen in Nizza wieder eingefangen. Allerlei kinematographische

Vorführungen ergänzen die Vorgänge auf der Bühne in belustigender Weise, wie überhaupt in diesem bunten Stück das Bei⸗ werk die Hauptsache ist. Die Musik von Karl Weis, dessen „Riviera⸗ walzer“ gewiß bald Popularität erlangen wird, ist wohlklingend; ein witziges Leierkastenduett, ernstere Weisen sowie andere Sing⸗ und Tanzmelodien verteilen sich auf die kurzweiligen drei Akte. Wie stets im Theater am Nollendorfplatz, war die Aufführung szenisch und darstellerisch ohne Tadel. ax Pallenbergs zwar weidlich über⸗ treibender, aber doch sehr komisch wirkender Pompirol, Fritzi Massarys zassige Kinoschauspielerin, Karl Pfann und Susanne Bach⸗ rich als Liebespaar, die Herren Formes⸗ Commer u. a. in den wichtigeren Nebenrollen gaben alle ihr Bestes. Die Musik kam unter der temperamentvollen Leitung des Kapellmeisters Schwarz voll zur Geltung. Der Erfolg dürfte zahlreiche Wiederholungen des „Extra⸗ zugs nach Nizza“ gewährleisten.

Im Königlichen Opernhause wird am Montag auf Allerhöchsten Befehl. das historische Schauspiel „1812“ von Otto von der Pfordten aufgeführt. Zu dieser Vorstellung, welche zur Erinnerung an die vor 100 Jahren erfolgte Begründung der Land⸗ wehr sowie zur Erinnerung an des Hehfe gs Friedrich Wilhelm III. Ieh 8 mein Volk“ stattfindet, werden keine Eintrittskarten verkauft.

Das Königliche Schauspielhaus bleibt morgen geschlossen. Am Montag wird „Figaros Hochzeit“, in den“ Hauptrollen durch

die Damen Denera, Alfermann, Engell, von Scheele⸗Müller, Quaglio sowie die Herren Hoffmann, Knüpfer, Henke, Bachmann, Krasa und Philipp besetzt, gegeben. Dirigent ist der Kapellmeister von .

In dem morgen, Sonntag, im Königlichen Opernhause stattfindenden Symphoniekonzert der Königlichen Kapelle wird Herr Hugo Kaun seine Symphonie selbst dirigieren.

8 2 11“

Mannigfaltiges. Berlin, 8. März 1913. Aus Anlaß des Untergangs des Torpedoboots „S 178“

hat, wie „W. T. B.“ meldet, auch der Präsident der Französischen Republik Poincaré ein Beileidstelegramm an eine Majestät den Kaiser und König gerichtet, das Allerhöchst⸗ derselbe mit einem Danktelegramm beantwortete. Sämtliche in Berlin akkreditierten Reiche haben ferner im Laufe dieser Tage, teils durch ihren Vertreter, teils durch ihren Marineattaché, dem Staatssekretär des Reichsmarineamts ihre Teil⸗

nahme an dem Unglück, das die deutsche Marine betroffen hat, aus⸗ sprechen lassen. Unter anderen erschien der Marineattaché der eng⸗ lischen Botschaft und überreichte ein in warmen Worten gehaltenes Telegramm der englischen Admiralität. Auch eine große Anzahl von Marinevereinen aus allen Teilen des Reichs sowie die Vertreter der rheinischen Städte, die „S 178“ in diesem Frühjahr besucht

hat, übersandten Beileidskundgebungen.

Die Königliche Bergakademie in Berlin veranstaltete ge⸗ meinsam mit der Königlichen Geologischen Landesanstalt am 7. d. M., Vormittags 11 Uhr, eine Gedenkfeier an die vor hundert Jahren erfolgte Erhebung der Nation. Der Festakt fand in der in frischem Grün prongenden Aula statt, in der auch die im Besitze des Museums für Bergbau⸗ und Hüttenwesen befindlichen Kunstguß⸗ und sonstigen Bildnisse hervorragender Per⸗ sönlichkeiten aus der Zeit der Befreiungskriege ausgestellt waren. Neben dem Professorenkollegium und der Studenten⸗ schaft der Bergakademie und dem Beamtenkörper der Geologischen Landesanstalt wohnten zahlreiche Vertreter des Berg⸗ und Hüttenwesens der Feier bei. Das Musikkorps des IV. Garde⸗ regiments spielte zunächst Körners „Gebet vor der Schlacht“ von F. H. 8 und „Lützows wilde Jagd“ von Carl Maria von Weber.

tach Absingen des Liedes „Der Gott, der Eisen wachsen ließ“ ergriff Landesgeologe und Dozent der Bergakademie, Wort zu einer Ansprache. Der Redner Ursachen der Erniedrigung Preußens der führenden Geister des Volkes das Erwachen des Eeetisang gisg ekommen sei, dessen Berechtigung er eingehend nachwies. ittlich erechtigt sei auch der Krieg zur Wahrung nationaler Güter, und mit Genugtuung sei die durch den Zwang der Stunde veranlaßte völlige Wiederherstellung der allgemeinen Wehrpflicht, des Ver⸗ mächtnisses der großen Zeit, zu begrüßen. Nach einem Rückblick auf den reichen Anteil, den die Berufsgenossen, die Männer der Wissen⸗ schaft wie der Praxis, an dem Befreiungswerk gehabt haben, klang die Rede aus in dem Gelübde, das, was die Väter in heißem Kampfe errungen haben, zu bewahren und ihren Geist lebendig zu erhalten. Mit der gemeinsamen Absingung der Lieder „Deutschland, Deutschland über Alles“ und „Ich bin ein Preuße, kennt Ihr meine Farben“ schloß die eindrucksvolle Feier.

Gestern vormittag um 11 Uhr fand, hiesigen Blättern zufolge, in der Matthäikirche die Trauerfeier für den am 4. d. M. verstorbenen Landesdirektor der Provinz Brandenburg a. D. und früheren Präsidenten des Herrenhauses Freiherrn von Man⸗ teuffel statt. Im Auftrage Seiner Majestät des Kaifers und Königs legte der Chef des Zivilkabinetts, Wirkliche Geheime Rat von Valentini, im Auftrage Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin der Oberhofmeister Freiherr von Mirbach einen Kranz am Sarge nieder. Auch Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin sowie Seine Hoheit der Herzog Ernst Günther zu Schleswig⸗Holstein hatten Kranz⸗ spenden gesandt. In der zahlreichen Trauerversammlung be⸗ fanden sich u. a. die Staatsminister Dr. Beseler und Freiherr von Schorlemer. Der Ministerpräsident hatte den Geheimen Ober⸗ regierungsrat Dr. von Steinmeister mit seiner Vertretung beauf⸗ tragt. Die Gedächtnisrede hielt der Pastor Liz. Cremer. Die Beisetzung erfolgt heute nachmittag in der Familiengruft in

der Königliche rofessor Dr. Kühn das ührte aus, wie eine der tiefsten der bewußt weltbürgerliche Sinn gewesen und die Rettung durch

Krossen (Niederlausitz), wohin der Sarg nach der Trauerfeier über⸗ geführt wurde.

2.

Ueber Naturschutz und die üehch geschaffene Natur⸗ reservation (Nationalpark) im Engadin hält am Montag, den 10. März, Abends Uhr, im Sehbat des Museums für Völker⸗ kunde, Dr. Gustav Hegi, Professor der Botanik an der Universität München, einen Vortrag mit Lichtbildern. Naturfreunde sind ein⸗ geladen. Wegen Eintritiskarten wende man sich an den Vorsitzenden des Schweizer Clubs, Berlin, Berchtesgadener Straße 24.

Königsberg, 7. März. 8 T. B.) Dem Ostpreußischen Verein für Luftschiffahrt sind vom Kuratortum der National⸗ flugspende 30 000 zur Aussetzung von Preisen für den Ost⸗ preußischen Rundflug bewilligt worden.

London, 7. März. (W. T. B.) Die Anhängerin des Frauenstimmrechts, die war, das Teehaus im Bo⸗ tanischen Garten in Brand ge teckt zu haben, wurde heute zu 18 Monaten Gefängnis und den Kosten des Verfahrens verurteilt.

W. T. B.) An Bord eines Leichters,

Dampfer „Alumchine“ im unteren ereignete sich gestern eine Explosion. Beide Schiffe wurden vollständig zerstört. Man schätzt die Zahl der Getöteten auf 40 bis 50, die der Verletzten auf 60, unter ihnen 15 Schwerverletzte, den angerichteten Schaden auf 500 000 Dollars. Die Explosion verursachte einen Knall, der in einem Umkreise von hundert Meilen vernehmbar war. Der Oberbau des ameri⸗ kanischen Kohlenschiffs „Jason“ wurde 700 Fuß weit weg⸗ geschleudert. Dabei wurden drei Mann von der Besatzung getötet und 29 verletzt. Zu dem Unglück werden noch folgende Einzelheiten gemeldet:;

Das Dynamit befand sich auf liegenden Leichter, und zwar weit von der Unglücksstätte liegende 1. Regierungskohlendampfer „Jason“ wurden durch die Explosion furchtbar mitgenommen. Eine Warnung hatte die Mannschaft des „Jason“ durch das Erscheinen von Flammen im Schiffs⸗ rumpf erhalten. Vierzehn Mann konnten rechtzeitig in ein Dampfboot springen, das an der Seite des Kohlenschiffs lag und dann sofort losdampfte. Die Explosion erfolgte, als das Dampfboot 200 Fuß entfernt war. Mächtige Stücke von dem Dampfer „Alumchine“ wurden drei bis vier Meilen weit durch die Luft geschleudert. Unter den umhergeschleuderten Trüm⸗ mern befanden sich auch viele noch nicht explodierte Kisten mit Dynamit. Eine davon fiel auf dem Verdeck des Schleppers „Atlantic“ nieder, explodierte dort und tötete drei Personen. Ein Schulhaus in Sparrowpoint, mehrere Meilen von Baltimore, wurde zerstört, wobei mehrere Kinder verletzt wurden. 8 8

Yokohama, 7. März. (W. T. B.) Eine gewaltige Feuers⸗ brunst hat heute im Geschäftsviertel der Stadt die Börse, mehrere Seidenwebereien und Warenhäuser sowie etwa 2 50 andere Gebäude eingeäschert. Der Schaden wird auf eine

halbe Million Yen geschätzt.

Baltimore, 8. März. der neben dem britischen Hafen Dynamit einlud,

in einer Menge von 340 t. Der nicht

(Fortsetzung des Zweiten und Dritten Beilage.)

Theater.

Kbönigliche Schauspiele. Sonntag: Opernhaus. Mittags 12 Uhr: Sym⸗ ““ hrogramm wie am bend.) Abends 7 ½ Uhr: VIII. Sym⸗ phoniekonzert der Königlichen Kapelle zum Besten ihres Witwen⸗ und Waisen⸗ fonds. Dirigent: Herr Generalmusik⸗ direktor Dr. Richard Strauß. Schauspielhaus. Geschlossen. (Der Ein⸗ trittskartenvorverkauf findet zur üblichen Zeit statt.)

Montag: Opernhaus. 103. Karten⸗ reservesatz. Das Abonnement, die ständigen Reservate sowie die Dien und Frei⸗ bläx⸗ sind aufgehoben. Auf Aller⸗

öchsten Befehl: 1812. Schauspiel in fünf Aufzügen von Otto von der Pfordten. In Szene gesetzt von Herrn Regisseur Keßler. Anfang 8 Uhr.

Schauspielhaus. 62. Abonnementsvor⸗ stellung. Figaros Hochzeit. Komische in vier Akten von Wolfgang Amadeus Mozart. Text nach Beau⸗ marchais, von Lorenzo Daponte. Deutsche Uebersetzung revidiert von H. Levi. Musi⸗ kalische Leitung: Herr Kapellmeister von

Strauß. Regie: Herr Regisseur Bachmann. Anfang 7 ½ Uhr.

Neues Operntheater (Kroll). Montag: Verein für Volksunterhaltung. Der Barbier von Sevilla. Komische Oper in drei Aufzügen von Rossini. Dichtung nach Beaumarchais von Cesar Sterbini, übersetzt von Ignaz Kollmann. Anfang 8 Uhr.

pernhaus. Dienstag: Elektra. (Frau Anna Bahr⸗Mildenburg als Gast.) An⸗ fang 8 Uhr. Mittwoch: Manon. Donnerstag: Aida. Freitag: Die Hugenotten. Sonnabend: Tristan und Isolde. Anfang 7 Uhr. Sonn⸗ tag: Der fliegende Holländer.

Schauspielhaus. Dienstag: Ariadne

Mittwoch: Wallen⸗

Die Piecolomini.

Ariadne auf Naxos.

Freitag: Die Journalisten. Sonn⸗

abend: Wallensteins Tod. Sonn⸗ tag: Ariadne auf Naxos.

Neues Operntheater Rrolh). Sonntag, Nachmittags 2 ½ Uhr: Auf Aller⸗ höchsten Befehl: Achte Vor⸗ stellung für die Berliner Arbeiter⸗

schaft: Der eingebildete Kranke. 85 in drei Akten von F. B. P. Molidre. In der Uebersetzung von Wolf Grafen Baudissin, mit einem Vorspiel (unter Benutzung Molidrescher Motive) und mit dem Prig e n (Zeremonie einer burlesken Doktorpromo⸗ Kon) für die Bühne bearbeitet von Paul Lindau. Die zur Handlung gehbrige Musik nach zeitgenössischen Originalen von J. B. Lully und .A. Char⸗ pentier und Gounodscher Kompositionen zum „Arzt wider Willen“, eingerichtet und für Streichorchester instrumentiert von Ferdinand Hummel. (Die Eintrittskarten werden durch die Zentralstelle für Volks⸗

Dienstag, Donnerstag,

Sonntag, Abends Frauen. Montag Schippel. Dienstag, Freitag Schöne Frauen.

Mittwoch, Oedipus. (Moissi.) Vorverkauf täglich. Sonnabend, den

mann. (Moissi.) Vorverkaufsbeginn:

mittags 3 Uhr:

8 Uhr: Filmzauber.

Montag, Dienstag, Freitag: Filmzauber. Mittwoch,

zauber. Sonnabend,

Straße. von Shakespeare.

Mittwo Macebeth.

Lessingtheater.

spiel in fünf mann. Abends 8 ziehung zur Ehe. Akten von

Montag: Dienstag:

wohlfahrt nur an Arbeitervereine, Fabriken (Direk⸗ usw. abgegeben. Ein Verkauf an einzelne Deutsches Schauspielhaus. (Dire Personen findet nicht statt.)

Deutsches Theater. Sonntag,Abends 7 ½ Uhr: Der lebende Leichnam. Montag: Faust, 2. Teil. Freitag Sonnabend: Der lebende Leichnam. Mittwoch: Der blaue Vogel. b Kammerspiele. 8 Uhr: 8

und Donnerstag:

und Sonnabend:

Mittwoch: Mein Freund Teddy.

Gastspiel des Deutschen Theaters im Zirkus Schumann:

den 12. März:

22. März:

Sonntag, 9. März, an der Tageskasse des Deutschen Theaters (10—2 Uhr), von Montag, den 10. März, ab auch bei A. Wertheim.

Berliner Theater. Sonntag, Nach⸗ Große Originalposse mit Gesang und Tanz in drei Akten (5 Bildern) von Rudolf Ber⸗ nauer und Rudolph Schanzer. Abends Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Rudolf

Bernauer und Rudolph Schanzer. Donnerstag und

Nachmittags 3 ½ Pension Schöller. Abends: Film⸗

Nachmittags 3 ½ Philotas. Hierauf: Der zerbrochene Krug. Abends: Filmzauber.

Theater in der Königgrützer Sonntag, Abends 7 ½ Uhr: Macbeth. Trauerspiel in fünf Aufzügen

Montag und Freitag: Brand. Dienstag: Die fünf Frankfurter. „Donnerstag und Sonnabend:

Sonntag,

mittags 3 Uhr: Die Weber. Akten von Gerhart Haupt⸗ Uhr: Die Er⸗ Komödie in drei tto Erich Hartleben. Hierauf: Tod und Leben. Dorfkomödie in einem Akt von Ludwig Ganghofer.

Der Biberpelz. Die Erziehung zur Ehe. Hierauf: Tod und Leben

tion: Adolf Lantz. NW. 7, Friedrich⸗ straße 104 104 a.) Sonntag, Abends 8 Uhr: Der gut sitzende Frack. Lust⸗ spiel in vier Akten von Gabriel Dregely. Montag: Erste Warnung. Die Stärkere. Debet und Kredit. Dienstag: Der gute Ruf.

Der gut

Mittwoch bis Freitag: Sonnabend: Der gute Ruf.

8 Uhr: Der Vaudeville Lippschitz und

und Montag

onnabend,

sitzende Frack. der Weise.

Schöne

Bürger

Komödienhaus. Sonntag, Nach⸗ mittags 3 Uhr: Das Stiftungsfest. Abends 8 Uhr: Der Schönheitssalon. Schwank in drei Akten von Wilhelm Jacoby und Artur Lippschitz. b8 er

alter Herr. von

Montag und folgende Tage:

Schönheitssalon.

Schillertheater. o. (Wallner⸗ theater.) Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Das Konzert. Luffspiel in drei Akten von Hermann Bahr. Abends 8 Uhr: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Gesangsposse in 7 Bildern 1e. Salingré. Musik von G. Lehn⸗ hardt. Montag: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden.

Dienstag: Der Andere.

Charlottenburg. Sonntag, Mittags 12 Uhr: Kammermusik. Nach⸗ Schönfeld.) mittags 3 Uhr: König Lear. Trauer⸗ Puppchen. spiel in fünf Akten von William Shake⸗ speare. Abends 8 Uhr: Gyges und sein Ring. Eine Tragödie in 5 Akten von Friedrich Hebbel. 8

Montag: Gyges und sein Ring. Dienstag: Die Kinder der Exzellenz.

Deutsches Opernhaus. (Char⸗ lottenburg, Bismarck⸗Straße 34 —37. Direktion: Georg Hartmann.) Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Der Waffen⸗ schmied. Abends 8 Uhr: Der Frei⸗

Montag: Tiefland.

König jolika.

Jeder⸗ 8 Uhr:

den Montag

Rosinen.

Uhr:

Uhr: und Nancey.

Theater am Nollendorfplatz. Sonntag, Nachmittags 3 ½ Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Burleske Oper in zwei Aufzügen von Offenbach. Abends

in drei Akten von Arthur

und folgende Extrazug nach Nizza

Lustspielhaus. (Friedrichstraße 236.) Sonntag, Nachmittags 3

ranz Arnold und Viktor Arnold. Abends 8 ¼ Uhr: Majolika. Schwank in drei Akten von Leo Walther Stein und Ludwig Heller. Montag und

Residenztheater. Sonntag, Abends Die Frau Präsidentin. dame la Présidente.) Schwank in drei Akten von M. Hennequin und P. und folgende Tage: Frau Präsidentin. .

Thaliatheater. (Direktion: Kren und Sonntag, Abends 8 Uhr: Posse mit Gesang und Tanz in drei Akten von Curt Kraatz und Jean Kren. Gesangstexte von Alfred Schönfeld. Musik von Jean Gilbert. Montag und folgende Tage: Puppchen.

Trianontheater. (Georgenstr., nahe Bahnhof Friedrichstr.) Sonntag, Nach⸗ mittags 3 Uhr: Der selige Toupinel. Abends 8 Uhr: Wenn Frauen reisen. Lustspiel in vier Akten von Mouezy⸗Con

Montag und folgende Tage: Wenn Frauen reisen.

Saal Bechstein. Montag, Aben

8 Uhr: Klavierabend (Schumann⸗ Chopin⸗Abend) von Wladimir Shaievitch. B

Beethoven-Saal. Sonntag, Abenz

8 Uhr: Donahue.

Zirkus Schumann. Sonntag, Nach mittags 3 ½ Uhr und Abends 7 ½ Uh 2 große Vorstellungen. Nachmittags hat jeder Erwachsene ein eigenes Kind unter 10 Jahren frei auf allen Sitz⸗ plätzen. In beiden Vorstellunge das große Spezialitätenprogramm. Nachmittags und Abends: Zum Schluß: Der unsichtbare Meusch.

Birkus Busch. Sonntag, Nach⸗ mittags 3 ½ Uhr und Abends 7 ½ Uhr: 2 große Galavorstellungen. Nach⸗ mittags hat jeder Erwachsene ein Kind unter 10 Jahren auf allen Sitzplätzen frei. In beiden Vorstellungen; das alänzende Programm. Nachmittag Zum letzten Male: „Unter Gorillas“. Abends: Die große Prunkpantomime „Sevilla“.

Extrazug nach Nizza.

Max Schönau.

Tage: Der

Nachmittags Z3Uhr: Nathan

Mein Akten

Uhr: in drei

Lustspiel

folgende Tage: M

(Ma-

Veber. Die

Familiennachrichten.

Hamburg). 1 Verehelicht: Hr. Leutnant Friedric von Leutsch mit Frl. Ingeborg von Müller (Schweidnitz).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Haupt⸗ mann Kurt von Bosse (Stettin). Hrn. Wilhelm von Zülow⸗Knorrendotf (Knorrendorf). Eine Tochter⸗ Hrn. Landrat von Gea Zen (Perleberg⸗ Hrn. Gustav von Beerfelde (Schleß

Sommerfeld). 8 Gestorben: Fr. Oberst Alma von Lieber⸗ man, geb. Freiin von Rotberg (Liegnit

Montis Operettentheater. (Früher: Neues Theater.) Sonntag, Nach⸗ mittags 3 Uhr: Der fidele Bauer. Operette von Leo Fall. Abends SUhr: Der Zigeunerprimas. Operette in drei Akten von Emmerich Kälmän. Montag und folgende Tage: Der Zigeunerprimas.

Theater des Westens. (Station: Feolohischer Garten. Kantstraße 12.)

onntag, Nachmittags 3 ¼ Uhr: Der Frauenfresser. Operette in drei Akten von Leo Stein und Karl Lindau. Musik von Edmund Eysler. Abends 8 Uhr; Die beiden Husaren. Operette in drei Akten von Léon Jessel.

Montag und folgende Tage: Die beiden Husaren.

12 Uhr:

Nach⸗

Schau⸗ harm.

Nikisch.

aus Paris.

Philharmonie. Sonntag, Mittags Oeffentl. Hauptprobe zum 10. Philharm. Konzert.

Arthur Nikisch. Montag, Abends 7 ½ Uhr: 10. Phil⸗

Konzert.

Singakademie. Sonntag, Mittags 12 Uhr: Matinee des Capet⸗Quartetts

Montag, Abends 8 Uhr: 2. Lieder⸗

abend von Georg Funk. Am Klavier: Clemens WWT“ (einschließlich Börsen⸗Beilage).

Verw. Fr. Emilie von Dobschlt⸗ geb. Schilaski (Liegnitz). Fr. No⸗ gierungsrat Nina Magnus, geb. Welßs (Berlin). shal edwig von der Lancken (Ballenstedt a. Harz).

Konzerte.

Dirigent: Verantwortlicher Redakteur: Direktor Dr. Tyrol in Charlottenburg

Verlag der Expedition (Heidrich) ir Berlin.

Druck der Norddeutschen Buchdruckerei unl Verlagsanstalt, Berlin, Wilhelmstraße?

Zehn Beilagen

Dirigent: Arthur

8

einem neben dem Dampfer „Alumchine’“

Schlepper „Atlantic“ und der

Amtlichen und Nichtamtlichen in der Ersten,

Klavierabend von Lestez

a. S., Erythropel, Kommandeur der 39. Feldart. Brig., Maschke,

(1. Schles.) Nr. 10, unter Ernennung zum Kommandanten von Glogau,

Verlobt: Frl. Erna Mörler mit Hr. Leutnant Herbert von Sydow (Berlin-2

Berlin, Sonnabend, den 8. März

Anmtliches.

eutsches Reich. Uebersicht

der Prägungen von Reichsmünzen in den deutschen Münzstätten bis Ende Februar 1913.

—yyyy

Goldmünzen

Silbermünzen

Nickelmünzen Kupfermünzen

1) Im Monat Februar 1913 sind Doppel⸗

geprägt worden in Kronen

kronen

Hiervon auf Privat⸗ rechnung*)

Drei⸗ Zwei⸗ Ein⸗ markstücke markstücke markstücke

Fünfzig⸗

Fünf⸗ pfennigstücke

markstücke

Fünfund⸗ pf

Zehn⸗ Zwei⸗ Ein⸗

wanzig⸗ 895 „Fünf⸗ emnigstüce pfennigstücke vfe ünfac, pfennigstücke pfennigstücke

München.. Muldner Hütte. Stuttgart.... Karlsruhe.. Hamburg.

12 052 800

500 380 415 670

12 052 800

500 380 415 670

1 233 006 800 010 318 606 205 396

240 000 151 350

76 650

h. 90 000 550 500 fes

160 573,— 1907 285 85 30 20 000 10 000 —]9 3 300 40 000 M15 000

7498,10° Q12 635

8 ö 66 158 0— 15 48650+ ,19 12854

12 052 800 4 329 100 260

Summe 1 916 050

2) Vorher waren geprägt**)

12 968 850

770 941 110 3802375380]254 246 285 [136 575 078 309 287 792 311 946 949

2 342 112 1 233 406 90 000

89 987 720

7 500 449

4 559 97 42 563/51

14 806 939,34

228 071/10 211 079

67 764 896 60⁰ 33 974 532 75. 8 623 313

3) Gesamtausprägung .

4) Hiervon sind wieder eingezogen 91 476 70063 239 640

13153060771857 160 8153772,25T2T2S5TSS 00 315 522 198 27056 929

89 987 720 23 511,

205 085 9 834 300 094 652 746

7 500 449,—

810 12 829 502 85 24 710 29 479, 11

87 992 967 70185 61175 3 560 312 6097 860 348,90

8 661 072

266

4 249 676 360][708 617 520 4 958 293 880 ℳ.

*“

*) Einschließlich von Kronen, zu deren Prägung die Reig **) Vergl. den „Reichsanzeiger“ vom 8. Frägung e Rebhheb N.

Berlin, den 7. März 1913.

254 041 200[138 907 3561310 221 104[311 384 203

58 967200 ,500 185

64 432 655 10133 825 262 85 8620 301 17 11820 025 77

1 104 518 072,— ℳ. 3

Hauptbuchhalterei des Reichsschatzamts. Schuckert.

105 758 100,95 ℳ. 23 456 384,88 ℳ.

Personalveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Offiziere, Fähnriche usw.

Berlin, 28. Februar. v. Klitzing, Fähnr. im Drag. Reat von Bredow (I. Schles.) Nr. 4, zum Lt. mit Pa 1 892. Fe. ke csglt bes:dns s.) , zum Lt. mit Patent vom 22. Fe⸗

Bremen, 5. März. Frhr. Rinck v. Baldenstein, Gen. Lt. und Kommandant von Karlsruhe, in Genehmigung stge ggfehjegt.

gesuches mit der gesetzlichen Pension zur Disp. gestellt. v. Hopff⸗ garten⸗Heidler, Gen. Major und Kommandeur der 31. Inf. Brig., zum Kommandanten von Karlsruhe ernannt. Wellmann, Oberst und Kommandeur des Füs. Regts. General⸗Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen (Hannov.) Nr. 73, mit der Führung der 11. Inf. Brig. beauftragt. Frhr. v. Gregory, Oberst beim Stabe des 1. Oberrhein. Inf. Regts. Nr. 97, zum Kommandeur des Füs. Regts. General⸗Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen (Hannov.) Pronn ee .rnatnece chähehe . häser und Kommandant von 1 gung seine iedsgesuche Pension bur Dhsr getelt gesuches mit der gesetzlichen u Gen. Majoren befördert: die Obersten: Reichenau, Kom⸗ mandeur des 5. Westfäl. Inf. Regts. Nr. 53, unter zu den Offizieren von der Armee mit Anweisung seines Wohnsitzes in Halle

8bbE 111“ e ““

eauftragt mit der Führung der 62. Inf. Brig., v. Kehler, beauf⸗ tragt mit der Führung der 65. Inf. Brig., diese Kebr I“ nennung zu Kommandeuren der betreff. Brigaden, Weinschenck, Kommandeur der 38. Kav. Brig., Heidborn, Kommandeur der 31. e Brig.,

er Charakter als Gen. Major verliehen: v. Blancken Oberst und Kommandeur des Gren. Regts. König Friedrich Bicgene,

v. Dehn⸗Rotfelser, Oberst und Inspekteu itäri Süezntabeh 8 s Inspekteur der militärischen v. Buchka, Oberst und Kommandeur des Westfäl. Jäge Nr. 7, zum Kommandeur des 5. Westfäl. Inf. v. Rango, Major und Bats. Kommandeur im 4. Garderegiment zu Fuß, zum Kommandeur des Westfäl. Jägerbats. Nr. 7, Kock Major beim Stabe des 4. Garderegts. zu Fuß, zum Bats. Kom⸗ mandeur, ernannt. Brosius, Oberst und Kommandeur des 2. Nassau. Inf. Regts. Nr. 88, mit der Führung der 67. Inf, Brig. beauftragt. v. Bassewitz, Oberst beim Stabe des Inf. Regts. Prinz Louis Ferdinand von Preußen (2. Magdeburg.) Nr. 27, zum Kommandeur des 2. Nassau. Inf. Regts. Nr 88 ernannt. v. Geyso, Oberstlt. und Kommandeur der Kriegsschule in Potsdam, unter Versetzung zum Gren. Regt. König Friedrich Wilhelm II. (1. Schles.) Nr. 10, mit der Führung dieses Regts. beauftragt. v. Kremski, Major und Bats. Kommandeur im 2. Nassau. Inf. Regt. Nr. 88, zum Kom⸗ mandeur der Kriegsschule in Potsdam ernannt. Weidner, Oberstlt. und Abteil. Chef im Großen Generalstabe, unter Belassung in dieser Fehag6 zum Mitglied der Studienkommission für die Kregsschulen „Miit der gesetzlichen Pension zur Disp. gestellt und zur Dienst⸗ leistung mit der Maßgabe kommandiert, daß das Ie Versetzung gleich ist: die Majore und Bats. Kommandeure: Handt im 3. Oberelsäss. Inf. Regt Nr. 172, zum Kommando des Landw. Bezirks Kalau, v. Knudson im 5. Westpreuß. Inf. Regt. Nr. 148, zum Kommando des Landw. Bezirks I Essen, v. Podewils im 8. Thüring. Inf. Regts. Nr. 153, zum Kommando des Landw. Bezirks Koblenz. Diese Stabsoffiziere haben die Uniform der be⸗ mn stigen. raf v. Montgelas, ajor beim Stabe des Leibgardehus. Regts., der Abschied mit der gesetzlichen Pension und der Egordehus zum Tragen der Regts. Uniform bewilligt. Frhr. v. Carnap, Major und Kommandeur der Leibeskadr. des Leibgardehus. Regts., von dieser Stellung enthoben und zum Stabe des Regts. übergetreten. v. Bachmayr, Oberlt. im Leibgardehus. Regt., unter Beförderung zum Rittm., vorläufig ohne Patent, zum Kommandeur der Leibeskadr. dieses Regts., Hoen, Hauptm. beim Stabe des Inf. Regts. von Voigts⸗R etz 6. Pnon- Nr. 79, zum Komp. Chef, ernannt. Lindemann, Oberlt. im 4. Magdeb. Infanterieregiment Nr. 67, unter Beförderung zum Hauptm., vorläufig ohne Patent, zum Stabe des Infanterieregiments von Voigts⸗Rhetz (3. Hannov.) Nr. 79 versetzt. Weber, Hauptm. z. D., zuletzt Komp. Chef im Infanterieregiment Markgraf Karl (7. Brandenburg.) Nr. 60, zum Bezirksoffizier beim Landw. Bezirk II Dortmund ernannt. v. Kracht, Oberleutnant im 1. Garderegt. z. F., von dem Kommando zur De fletftung bei Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Sachsen enthoben. Frhr. v. Gregory, Lt. im Inf. Regt. Groß⸗ berzog von Sachsen (5. Thüring.) Nr. 94, auf ein Jahr zur Dienst⸗ sesäng als Ordonnanzoffizier bei des Großherzogs von Sachsen Königlicher Hehöhte v. Brockhusen, Oberlt. im Gren. Regt. zu Pferde Freiherr von Derfflinger (Neumärk.) Nr. 3, vom 1. April 1913 ab auf ein Jahr zur Gesandtschaft in Stock⸗

7. Thüring. Inf. Regt. Nr. 96, mit Patent vom 22. Juni 1902 zur Art. Depot⸗Insp. versetzt. Prinz von Thurn und Taxis, Lt. im Ulan. Regt. von Katzler (Schles.) Nr. 2, der Abschied mit der gesetzlichen Pension aus dem akliven Heere bewilligt; zugleich ist derselbe bei den Res. Offizieren des Regts. angestellt. Weinberg, Lt. im 8 Lothring. Inf. Regt. Nr. 159, der Abschied mit der gesetz⸗ lichen Pension aus dem aktiven Heere bewilligt; zugleich ist derselbe bei den Res. Offizieren des Regts angestellt. v. Zastrow, Lt. im Gren. Regt. König Friedrich der Große (3. Ostpreuß.) Nr. 4, der Abschied bewilligt. Schulz, Lt. im Inf. von Borcke (4. Pomm.) Nr. 21, der Abschied aus dem aktiven Heere bewilligt; . ist derselbe bei den Res. Offizieren des Regts. angestellt. erlin, 6. März. Frhr. v. Hoiningen gen. Huene, Gen. der Inf. und kommandierender Gen. des XIV. 8.ga. hn⸗ à la suite des 1. Bad. Lebgren. Regts. Nr. 109 gestellt. Stahr, Hauptmann und Battr. 8 im Feldart. Regt. Nr. 72 Hochmeister, in Geneh⸗ migung seines Abschiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension und der Erlaubnis zum Tragen der Regts. Uniform zur Disp. gestellt. Webe r, Hauptmann im 1. Nassau. Feldart. Regt. Nr. 27 Oranien, als Battr. Chef in das Feldart. Regt. Nr. 72 Hochmeister versetzt.

8 Im Sanitätskorps.

remen, 5. März. Dr. Geschke, Assist. Arzt beim Füs Regt. Graf Roon (Ost 1 . ; . (Ostpreuß.) Nr. 33, zum 1. Masur. Inf. Regt.

Die vorgestrige Rede des Staatssekretärs des Reichs⸗ kolonialamts Dr. Solf, die wegen verspäteten Eingangs 68 Stenogramms in der gestrigen Nummer d. Bl. nicht mehr veröffentlicht werden konnte, lautete:

Meine Herren! Bei der Geschäftslage des Hauses werden Sie wohl nicht wünschen, daß ich auf alle einzelnen an mich gerichteten Fragen antworte. (Zuruf von den Sozialdemokraten: Doch, doch!) Gestatten Sie mir, daß ich die hauptsächlichsten Punkte herausgreife.

Ich habe im vorigen Jahre, als ich zum ersten Male die Ehre hatte, den Etat des Kolonialamts und der Kolonien vor Ihnen zu vertreten, an die Spitze meiner Etatsrede die Bitte gesetzt, man möge die Kolonialpolitik, die Kolonialverwaltung, außerhalb der heimischen Politik lassen. Meine Herren, ich möchte Sie auch diesmal darum bitten. Ich habe mich während der Verhand⸗ lungen in der Budgetkommission und auch jetzt im Plenum des Ein⸗ drucks nicht ganz erwehren können, als ob gewisse Gesichtspunkte von Ihnen in anderer Beleuchtung vorgetragen worden wären, wenn Sie sie eben nicht durch die heimische Parteibrille angesehen hätten. Lassen Sie dies mein ceterum censeo sein, solange ich die Ehre habe, hier vor Ihnen zu stehen.

Der Herr Abg.Henke hat mir allerdings gestern das Prognostikon gestellt, daß das nicht mehr lange der Fall sein werde. Und er hat dann auch nach Kräften versucht, mir den kolonialen Beruf zu ver⸗ gällen und mein Amt zu verleiden. Ich lasse mir aber meine Begeisterung und meinen Optimismus für die koloniale Sache, der ich mit allen meinen Fasern anhänge, nicht so leicht rauben (bravo!) auch nicht durch die Rede des Herrn Abg. Henke. Die Argumente, die er vorbrachte, könnten besten Endes zu dem Rat führen, daß man z. B. den Vereinigten Staaten anempfehle, ihr Gebiet den Indianern zurückzugeben!

Der Herr Abgeordnete ist in seiner Negierung der Kolonial⸗ politik fast noch weiter gegangen als im vorigen Jahre; und doch war in seiner Rede ein Kapitel, das mich sympathisch berührte, das war das Kapitel über die Eingeborenen und über die farbigen Arbeiter und über das Verhältnis der Partei der Sozial⸗ demokraten diesen Fragen gegenüber. Es hat mich angenehm berührt, wohltönende Klänge von Humanität auf dieser Seite zu hören; aber, meine Herren, auch hier hat nach meiner festen Ueber⸗ zeugung der Herr Abgeordnete weit über das Ziel geschossen. Ich darf nach der „Oldenbergschen Korrespondenz“ einen Satz zitieren, zu dem sich der Herr Abgeordnete verstiegen hat. Bei aller meiner Freundschaft für die Eingeborenen, die man während meiner Gouver⸗

argen können, wenn ich sage: der Herr Abgeordnete habe u dieser Aeußerung verstiegen. Es steht hier: ““ Es besteht zwischen ihnen und uns zwischen den Farbigen und uns eine gewisse Interessensolidarität; deutsche u b Arbeiter sind Brüder. scge nnde säht e 8

Ja, meine Herren, mit dieser Auffassung der Eingebornenpoli mit dieser Deduktion, daß alle Menschen gleich sind k Schwarzen genau dasselbe sind wie wir Deutsche, wir Europäer kann man mit dem besten Willen in unseren Kolonien nichts machen. (Sehr richtig! rechts und links. Abg. Henke: Das habe ich nicht gesagt!) Das haben Sie gesagt; ich habe es zitiert nach der 1 „Oldenbergschen Korrespondenz“; das Stenogramm wird es aus⸗ weisen.

Meine Herren, ist stehe auf dem Standpunkt, daß wir mit der allergrößten Humanität die Eingeborenen behandeln müssen, und ich 1 möchte in dieser Beziehung, weil fast die Verhandlungen der Budget⸗ kommission und auch des Plenums erfüllt waren von der Frage der Eingeborenen, hier meinen Standpunkt einmal festlegen; ich möchte das wegen der Wichtigkeit der Sache in ausgiebiger Weise tun und um Ihre Aufmerksamkeit dafür bitten.

Die Eingeborenen, meine Herren, sind unsere Schutzgeno und die deutsche Regierung hat um dessentwillen die die berechtigten Interessen der Eingeborenen zu den ihrigen zu machen. Denn wir wollen die Eingeborenen nicht ausrotten, wir wollen sie erhalten. Das ist die Anstandspflicht, die wir mit der Hissung der deutschen Flagge in unseren afrikanischen Kolonien und in der Südsee übernommen haben. Die Ausübung dieser Pflicht entspricht auch der Klugheit, denn sie allein verschafft auch die Möglichkeit vernünftiger Wirtschaftspolitik und damit die Grundlage unserer deutsch⸗nationalen Betätigung. (Bravo!) 8 1

Meine Herren, ich will nicht den Satz vom Herrenvolk und von der dienenden Rasse wiederholen. Ich meine aber, daß der Weiße das ist heute schon gesagt worden wenigstens der Regie⸗ rung, den Eingeborenen gegenüber dasteht wie der Vormund zum Mündel, wie der Erwachsene zum Minderjährigen. Räumt man z. B. dem Eingeborenen ohne weiteres die freie Verfügung über seine Län⸗ dereien ein, so wird er seine Ländereien in kurzer Zeit veräußern das dafür erhaltene Geld vergeuden und verarmen. Gibt dann die Regierung noch den Genuß von Alkohol frei, so gesellt sich zur Armut die Verlumpung; die Eingeborenen verkommen und sterben aus. Meine Herren, so kann man schließlich auch kolonisieren, und so wollen auch viele, daß kolonisiert werde. Denn zu welch anderem Ziele führen die Wünsche und die Hoffnungen der großen Schar von Kolonisten, die die Eingeborenen lediglich als Hemmschuh für die Entwicklung ihrer eigenen Interessen betrachten; zu welchem Ziele führen alle jene Bestrebungen, zu deren Begründung auf die Sätze vom Kampf ums Dasein und vom survival of the fittest verwiesen wird! Ebensowenig wie mit dem auf Hebung des Handels und der Industrie und der Landwirtschaft gerichteten Be⸗ strebungen die Aufgnben unserer heimischen Staatsverwaltung erschöpft sind, ebenso wenig bedeutet Kolonisieren lediglich die wirtschaftliche Ausbeutung der Kolonie. Bei dem selbstverständlichen Wunsche des herrschenden Volkes, aus seinen Kolonien Vorteile für sich zu ziehen, dürfen wir nicht vergessen, daß die Kolonien die Heimat sind von Menschen, denen wir unseren Schutz versprochen haben (sehr wahr! bei der Wirtschaftlichen Vereinigung), für die wir sorgen müssen. Aus dieser Pflicht heraus erwachsen andere, ebenso roße Aufgaben für den Kolonisator. Die Völker, mit denen die Kolonisationsarbeit uns in Berührung bringt, stehen auf niedriger Kultur, auf viel niedrigerem Standpunkte als wir zivilisierten Weißen; teilweise stehen sie tief unter uns. Nicht nur die legale Verpflichtung, die uns als den Schutzherren obliegt nein, meine Herren, unsere Stellung als Kulturstaat zwingt uns, mit den selbst⸗ verständlichen Argumenten der zivilisierten Weltanschauung diesen Völkern zu helfen und zu versuchen, ihnen bessere Lebensbedingungen zu verschaffen, als sie selbst in ihrer Beschränktheit und Unfähigkeit bisher sich haben verschaffen können. (Sehr richtig! und Bravo!)

holm, kommandiert. Lingke, Hauptm. und Komp. Chef im

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neurzeit in Samoa auch anerkannt hat, wird man es mir nicht ver⸗

Kolonisieren ist Missionieren, und zwar Missionieren in dem hohen

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