tischen Regellosigkeit und ursprünglichen aben, die den Besuch des Berglandes sehr vb“ in. Gänzlich verschieden von diesen Eindrücken war die Bekanntschaft mit der volkreichen Stadt Seattle, mit ihrem ausgezeichneten Naturhafen, der, beute schon ein sehr bedeutender Handelsplatz, den gesamten Verkehr von und nach Alaska vermittelnd, in nicht ferner Zeit, nach Vollendung des Panamakanals, als Ein⸗ und Ausfuhrhafen noch eine viel bedeutendere Rolle zu spielen verspricht. Seattle, vor 30 Jahren nur 25 000 Einwohner zählend, hat jetzt deren 275 000. Auf Fels⸗ boden stehend, muß jeder Neubau durch Sprengungen vorbereitet werden, wofür man nicht sowobl Explosivstoffe als hydraulische Kräfte verwendet. Von Seattle führte die Reise nach Süden, zu jener wunderbaren Stadt, die, vor sieben Jahren durch ein Erdbeben fast zerstört, völlig neu erstanden ist und für 1915 zu einer Weltausstellun einladet — San Francisco. Doch auf dem Wege dahin wurden no das Yosemitetal, die herrlichen Urwälder dieses Geländes und in ihnen die Riesenbäume der Sequoia gigantea bewundert. Mit San Francisco beendete der Redner seinen Vortrag, für dies Mal nur kurz er⸗ wähnend, daß von diesem äußersten Punkt die Reise wieder ostwärts zum Mississippi und nach dem Ausgangspunkt zurückführte. Aber dieser zweite Teil wird hoffentlich auch noch gebracht werden. Es durfte als eine symbolische Hindeutung hierauf erscheinen, daß das letzte der Lichtbilder San Francisco von dem erhabenen Punkte aus, an dem man es zuerst erblicken sollte, von dichtem weißen Herbst⸗ nebel verhüllt zeigte, bodaß auf diesem Bilde im Dämmer nur die weitere Meeresumgebung, vom schlffreichen Hafen und den Türmen und Häusern der Stadt jedoch nicht das Geringste zu erblicken war. Im Laufe seines mit großem Beifall “ Vortrages hatte Geheimrat Partsch wiederholt der überall und unter allen Umständen von den Amerikanern gewährten Gastfreundschaft mit größter Anerkennung und Dank gedacht. Er schloß mit der Versicherung, die er auch im Sinne der anderen Teilnehmer aussprechen zu können glaubte, daß alle die freundlichsten Eindrücke, die herrlichsten Erinnerungen und nicht zuletzt recht ausgiebige Belehrung als Gewinn von dieser Reise heimgebracht hätten.
Der Sitzung folgte noch eine kurze Mitteilung: Dr. Thorbecke, vor kurzem erst aus Afrika zurückgekehrt, hatte um die Erlaubnis gebeten, von einer wichtigen Entdeckung esh.r Interesses, die ihm zuletzt noch gelungen, zu erzählen: Bei einem der Neger⸗ stämme im nördlichen Kamerun hat er eine Feldbau treibende Kolonie von ein paar hundert Köpfen von Pygmäen angetroffen, die, ursprünglich von den „großen Leuten“, den körperlich soviel größeren und stärkeren Negern, zu Sklaven gemacht, später friedlich neben diesen gewohnt haben und, nach Ablegung ihrer anderswo aus⸗ schließlich der Jagd geltenden Gewohnheiten, seßhaft geworden sind. Dr. Thorbecke zeigte in Bildern eine Anzahl dieser höchstens 130 bis 140 cm großen Menschen, der wahrscheinlichen Ureinwohner Afrikas, die man bisher selten oder nie Gelegenheit gehabt hat, zu photographieren, und gab in der Nebeneinanderstellung mit Negern Pener Gegen d Beweis von der großen Verschiedenheit der beiden
assen. .“ 8
8 88
Nach einer Meldung des „W. T. B.“ hat Geheimrat Professor Dr. Hergesell von der deutschen wissenschaftlichen Station in Croß Bat die telegraphische Mitteilung erhalten, daß die von Dr. Wegener, dem Leiter der Station, ins Leben gerufene Hilfs⸗ expedition für die Expedition Schröder⸗Strantz noch nicht zurückgekehrt sei. Auf der Station befinde sich alles wohl. Dr. Wegener hatte die Hilfsexpedition mit Hilfe der an der Kings Bai befindlichen Arbeitsmannschaft eines englischen Unternehmens ins Leben gerufen. Sie war am 25. Februar nach dem Westfjord der Wijde Bai abgegangen, wo sich die Hütte befindet, in der Dr. Rüdiger zurückgelassen wurde.
BVBVBerkehrswesen.
Schiffsliste für billige Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika (10 ₰ für je 20 g).
Die Portoermäßigung erstreckt sich nur auf Briefe, nicht auch auf Postkarten, Drucksachen usw., nur für Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten Amerikas, z. B. Canada.
„Kronprinzessin Cecilie“ ab Bremen 18. März,
„Prins Friedrich Wilhelm“ ab Bremen 22. März,
„Amerika“ ab Hamburg 29. März,
„George Washington“ ab Bremen 5. April,
„Kaiser Wilhelm der Große“ ab Bremen 8. April,
vFre Lincoln“ ab Hamburg 10. April,
„Kaiser Wilhelm II.“ ab Bremen 15. April, 1t
„Kaiserin Auguste Victoria“ ab Hamburg 17. April, Postschluß nach Ankunft der Frühzüge.
Alle diese Schiffe, außer „President Lincoln“, sind Schnelldampfer oder solche, die für eine bestimmte Zeit vor dem Abgange die schnellste Beförderungsgelegenheit bieten.
Es empfiehlt sich, die Briefe mit einem Leitvermerke wie „direkter Weg“ oder „über Bremen oder Hamburg“ zu versehen. 8
Theater und Musik. „
Im Königlichen Opernhause findet morgen, Freitag, eine Wiederholung der „Hugenotten“ statt. Frau Andrejewa⸗Skilondz, Frau Kurt, Frau Dietrich⸗Philipp werden die weiblichen, Herr Jadlowker, Herr Knüpfer, Herr Hoffmann, Herr Bronsgeest die männlichen Hauptrollen singen. Der Kapellmeister Blech dirigiert.
Im Königlichen Schauspielhause wird morgen das Freytagsche Lustspiel „Die Journalisten“, in dem die Damen Arn⸗ städt, Thimig, Butze und Vollmer sowie die Herren Vollmer, Cle⸗ wing, Mannstaedt, Boettcher, Werrack, Patry und Eichholz in den Hauptrollen beschäftigt sind, aufgeführt.
Der Königliche Hof⸗ und Domchor veranstaltet am 22. d. M., Abends 8 Uhr, im Dom einen „Brahms⸗Abend“, an dem als Hauptwerk das „Deutsche Requtem“, für Soli, Chor und Orchester, aufgeführt wird. Mitwirkende sind die Konzertsängerin Wally von Römer, der Königliche Opernsänger Johannes Bischoff und der Königliche Musikdirektor I vgang (Orgel). Die Konzert⸗ sängerin Iduna Choinanus wird die „Vier ernsten Gesänge“ und der Domchor zwei a capella-Gesänge vortragen. Eintrittskarten sind bei Bote u. Bock, A. Wertheim und in der Domküsterei, Portal XI, zu haben.
Der für gestern abend im Beethovensaal angekündigte Lieder⸗ abend von George Fergusson ist wegen plötzlicher Erkrankung des Künstlers auf Freitag, den 11. April, verlegt worden.
Der Mengeweinsche Oratorienverein (Dirigent Fritz Krüger) veranstaltet am Mittwoch, den 19. März, Abends 8 Uhr, in der Kaiser Wilhelm⸗Gedächtniskirche zum Besten des unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin stehenden „Jerusalemvereins“ eine Aufführung der Messe in C⸗Dur von L. van Beethoven, des Actus tragicus von Joh. Seb. Bach und des Psalm 22 von Frit Krüger (zum ersten “ Mitwirkende sind: Maria Knüpfer⸗Egli, Adelheide Pickert, Elisabeth Hassenstein, Paul Bauer, Felix⸗Lederer⸗Prina, Walther Fischer und das Berliner Symphonieorchester. — Die öffentliche Hauptprobe findet am Dienstag, den 18. März statt.
Mannigfaltiges. Berlin, 13. März 1913.
Im Lessing⸗Museum (Brüderstraße 13) spricht am heutigen
Donnerstag, Abends 8 Uhr, Georg Richard Kruse über „Theodor Koerner und die Seinen und ihre Beziehungen zu Berlin“. Koecnersche Lieder singt der Oberlehrer Fritz Krug⸗ Lichterfelde. — Der Feiertage 5 fallen die Vorträge für den F * März aus und beginnen erst wieder Donnerstag,
Im Zirkus Schumann zeichnen sich allabendlich zunächst auf dem Gebiete der Kunstreiteret zwei Damen, die eine in ihren flotten Voltigsn, die andere als Reiterin auf ungesatteltem Pferde aus. Den Glanzpunkt der höheren Reitkunst bilden aber die Darbietungen von Dora Schumann und bezüglich der Abrichtung von Pferden in Freiheit diejenigen des Kommissionsrats Schu⸗ mann, der auch als Meister des Schulreitens immer von neuem wohlverdienten Beifall erntet. Ebenso weiß Herr Bono mit seinen sicher geleiteten Pferdegruppen jeden Freund des equestrischen Sports zu fesseln. Auch die stürmisch dahinjagenden fünf Lloyds, die Reiterbilder aus dem Indianerleben von „Wild⸗West“ darstellen, halten die Zuschauer fortgesetzt in Spannung. Auf anderem Gebiete erregen ferner zehn chinesische Akrobaten berechtigte Bewunde⸗ rung durch ihre turnerische Gewandtheit und körperliche Zähigkeit, die ihnen sogar gestattet, an den Zöpfen hängend ihre Künste vor⸗ zuführen. Die Schlußnummer des ersten Teils bietet aber in turne⸗ rischer Hinsicht fast das Beste. Sie wird durch die sieben Hegel⸗ manns ausgefüllt, „Luftvoltigeure“, wie man sie nicht oft in solcher Vollendung sieht. Die Luft scheint in der Tat ihr Element zu sein; sie schnellen sich durch den Kuppel⸗ raum des Zirkus in schwindelnder Höhe, sich im Fluge von einem schwebenden Trapez zum andern überschlagend oder Pirouetten aus⸗ führend, stets aber mit solcher Sicherheit, daß dem Zuschauer jedes Gefühl der Besorgnis schwindet. Den zweiten Teil des Programms
nimmt das prächtige Manegedrama „Der unsichtbare Mensch' ein.
Kiel, 12. März. (W. T. B.) Heute fand die Probefahrt des Motorschiffes „Hagen“ der deutsch⸗amerikanischen Petroleumgesellschaft statt. Das Schiff wurde von der Germania⸗ werft Krupp erbaut und stellt das erste deutsche Ozeanschiff mit Oelmotoren deutschen Systems dar. Die Tragfähigkeit des Schiffes beträgt 8350 t. An der Probefahrt nahm auch Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich teil. Unter den Anwesenden bemerkte man außerdem den Geheimen Oberbaurat Fritz vom Reichsmarineamt, den Konteradmiral Henkel, ferner Vertreter der großen deutschen und ausländischen Reedereien und Werften. — Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich hielt sich über zwei Stunden im Maschinenraum auf und ließ sich alle Einzelheiten der Anlagen erklären. Die zwei Kontakt⸗ ölmotoren erzielten auf der glänzend gelungenen Probefahrt auf dem Prüfstand ein Mehr von dreißig Prozent; die bedingte Ge⸗ schwindigkeit von 10,5 Seemeilen wurde um zwei Seemeilen überschritten.
Odessa, 12. März. (W. T. B.) Der von Nikolajew ab⸗ gegangene Passagierdampfer „Ismail“ rannte in der Nähe von Otschakow auf einen durch Eis verdeckten Damm auf, erhielt ein Leck und sank. Reisende und Mannschaft wurden durch einen russischen und einen norwegischen Dampfer gerettet.
(Fortsetzung des Amtlichen und Nichtamtlichen in der Ersten, Zweiten und Dritten Beilage.)
Theater.
Köünigliche Schauspiele. Freitag: bei A. Wertheim.
Vorverkauf täglich an der Tageskasse des Deutschen Theaters (10—2 Uhr) und
(Char⸗ 34 — 37. Freitag,
Deutsches Opernhaus. lottenburg, Bismarck⸗Straße Direktion: Georg Hartmann.)
Schönfeld.)
Thaliatheater. (Direktion: Kren und Freitag, Puppchen. Posse mit Gesang und Tanz
Beethoven-Saal. Freitag, Abends 8 Uhr: Klavierabend von Gisella
Abends 8 Uhr: Grosz.
Deutschen Neichsanz
Amtliches.
““
Erste Beilage eiger und Königlich Preußischen Staatsanzeiger.
Berlin, Donnerstag, den 13. März
Deutsches Reich. Branntweinerzeugung und Branntweinverbrauch im Monat Februar 1913. Nach den Angaben der Direktivbehörden.
Schleswig⸗Holstein
nmaun. (Moissi.)
Opernhaus. 68. Abonnementsvorstellung. Die Hugenotten. Sngs⸗ Oper in fünf Akten von Giacomo Meyerbeer. Text nach dem Französischen des Eugoͤne Scribe, übersetzt von Ignaz Castelli. Musikalische Leitung: Herr Kapellmeister Blech. Regie: Herr Regisseur Bachmann. Ballett: Herr allettmeister Graeb. Chöre: Herr Pro⸗ fessor Rüdel. Anfang 7 ½ Uhr. Schauspielhaus. 64. Abonnementsvor⸗ stellung. Die Journalisten. Lustspiel in vier Aufzügen von Gustav Freytag. Reaie. Herr Regisseur Patry. Anfang
4 ⅔ r. DSponnabend: Opernhaus. 69. Abonne⸗ mentsvorstellung. Dienst⸗ und Freiplätze I1 aufgehoben. Tristan und Isolde in drei Akten von Richard agner. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. 65. Abonnementsvor⸗ stellung. Wallensteins Tod. Trauer⸗ spiel in fünf Aufzügen von Friedrich Schiller. Anfang 7 ½ Uhr. teues Operntheater (Kroll). Sonntag, Nachmittags 2 ½ Uhr: Auf Aller⸗ höchsten Befehl: Achte Vor⸗ stellung für die Berliner Arbeiter⸗ schaft: Der eingebildete Kranke. Faschingskomödie in drei Akten von J. B. P. Molidre. In der Uebersetzung
vdon Wolf Grafen Baudissin, mit einem 2
Vorspiel (unter Benutzung Molidrescher Motive) und mit dem Originalschluß (Zeremonie einer burlesken Doktorpromo⸗ tion) für die Bühne bearbeitet von Paul Lindau. Die zur Handlung gehörige Musik nach zeitgenössischen Originalen von J. B. Lully und M. A. Char⸗ pentier und Gounodscher Kompositionen zum „Arzt wider Willen“, eingerichtet und für “ instrumentiert von Ferdinand Hummel. (Die Eintrittskarten werden durch die Zentralstelle für Volks⸗ wohlfahrt nur an Arbeitervereine, Fabriken usw. abgegeben. Ein Verkauf an einzelne Personen findet nicht statt.)
Deutsches Theater. Freitag, Abends 7 ¼ Uhr: Zum 25. Male: Der lebende Leichnam.
DSonnabend bis Montag: Der lebende Leichnam. Kammerspiele.
Freitag, Abends 8 Uhr: Schöne Frauen.
Sonnabend und Montag: Schöne Frauen.
Sonntag: Bürger Schippel. Gastspiel des Deutschen Theaters im Zirkus Schumann:
Sonnabend, den 22. März: Jeder⸗
Berliner Theater. Freitag, Abends 8 Uhr: Filmzauber. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Rudolf Bernauer und Rudolph Schanzer.
Sonnabend, Nachmittags 3 ½ Uhr: Philotas. Hierauf: Der zerbrochene Krug. — Abends: Filmzauber.
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Große Rosinen. — Abends: Filmzauber.
Montag und folgende Tage: Film⸗ zauber.
Theater in der Königgräötzer Straße. Freitag, Abends 7 ½ Uhr: Brand. Drama in fünf Akten von Henrik Ibsen.
Sonnabend und Sonntag: Macbeth.
Montag: Die fünf Frankfurter.
Lefsingtheater. Freitag, Abends 8 Uhr: Rose Bernd. Schauspiel in fünf Akten von Gerhart Hauptmann.
Sonnabend: Die Stützen der Gesell⸗
schaft.
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Glaube und Heimat. — Abends: Die Er⸗ sichung zur Ehe. Hierauf: Tod und eben.
Deutsches Schanspielhaus. (Direk. tion: Adolf Lantz. NW. 7, Friedrich⸗ straße 104 — 104 a.) Freitag, Abends 8 Uhr: Der gut sitzende Frack. Lust⸗ spiel in vier Akten von Gabriel Dregely.
Sonnabend: Der gute Ruf.
Sonntag: Der gut sitzende Frack.
Montag: Erste Warnung. Die Stärkere. Debet und Kredit.
Schillertheater. o. (Wallner⸗ theater.) Freitag, Abends 8 Uhr: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Gesangsposse in 7 Bildern -nd. Salingré. Musik von G. Lehn⸗ ardt.
Sonnabend: Wilhelm Tell.
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Hedda Gabler. — Abends: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden.
Charlottenburg. Freitag, Abends 8 Uhr: Uriel Acosta. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Karl Gutzkow.
Sonnabend, Nachmtttags 3 Uhr: Wallen⸗ steins Lager. Hierauf: Die Piecco⸗ lomini. — Abends: Der Andere.
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: König 8 — Abends: Gyges und sein
g.
Abends 8 Uhr: Der Freischütz.
Sonnabend: Die lustigen Weiber von Windsor.
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zar und Zimmermann. — Abends: Figaros Hochzeit.
Montag: Der Freischütz.
Montis Operettentheater. (Früher: Neues Theater.) Freitag, Abends 8 Uhr: Der Zigeunerprimas. Operette in drei Akten von Emmerich Kälmän.
Sonnabend und folgende Tage: Der ö1
onntag, Nachmittags 3 Uhr: Der sidele Bauer.
Theater des Westens. (Station: Zeoboaischer Garten. Kantstraße 12.) Freitag, Abends 8 Uhr: Die beiden Hesee. Operette in drei Akten von éon Jessel.
Sonnabend und folgende Tage: Die beiden Husaren.
Sonntag, Nachmittags 3 ¼ Uhr: Der Frauenfresser.
Theater am Nollendorfplatz. Freitag, Abends 8 Uhr: Der Extra⸗ zug nach Nizza. Vaudeville in drei Akten von Arthur Lippschitz und Max Schönau.
Sonnabend, Nachmittags ZUhr: Nathan der Weise. — Abends: Der Extra⸗ zug nach Nizza.
Sonntag, Nachmittags 3 ½ Uhr: Die schöne eem — Abends: Der Extra⸗
zza.
“
Lustspielhaus. (Friedrichstraße 236.) Freitag, Abends 8 ½ Uhr: Majolika. Schwank in drei Akten von Leo Walther Stein und Ludwig Heller.
Sonnabend und folgende Tage: Ma⸗ jolika.
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: 2 ✕ 2 v.
Residenztheater. Freitag, Abends 8 Uhr: Die Frau Präsidentin. (Ma- dame la Préesidente.) Schwank in drei Akten von M. Hennequin und P. Veber.
Sonnabend und folgende Tage: Die Frau Präsidentin.
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Prinzen⸗ erziehung.
1— 8
in drei Akten von Curt Kraatz und Jean Kren. Gesangstexte von Alfred Schönfeld. Musik von Jean Gilbert.
Sonnabend und folgende
Puppchen.
Tage:
Trianontheater. (Georgenstr., nahe Bahnhof Friedrichstr.) Freitag, Abends 8 Uhr: enn Frauen reisen. Lust⸗ spiel in vier Akten von Mouezy⸗Eon und Nancey.
Sonnabend und folgende Tage: Wenn
Frauen reisen. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Der
selige Toupinel.
Klindworth · Scharwenka · Freitag, Abends 8 Uhr: Wohltätigkeitts⸗ der Gesangschule Julius
ieban.
Choralion-Saul. Freitag, Abends 8 Uhr: Sonatenabend von Olga und Umberto Supino (Klavier) und (Violine).
Harmoniumsaal. Freitag, Abends 8 Uhr: Liederabend von Romanka Becker.
Konzerte.
Philharmonie. Freitag, Abends 7 ½ Uhr: 2. (letzter) Liederabend von Lilli Lehmann.
Singakademie. Freitag, Abends 8 Uhr: 3. Kammermusikabend des Wittenberg Quartetts. Mitw.: Prof.
F. Gernsheim.
Birkus Schumann. Freitag, Abends 7 ½ Uhr: Großte Galavorstellung. Auftreten sämtlicher Spezialitäten. — Zum Schluß: Der unsichtbare Meusch! Vier Bilder aus Indien.
Birkus Busch. Freitag, Abends 7 ½ Uhr: Große Festavegtercg. — Zum Schluß: Die große Prunk⸗ pantomime: „Sevilla“.
Am 12. Mär ist. — Herr Bankier
Mitglied des Herrenhauses, Inhaber der Bankhäuser Delbrück
Schickler & Co. und infolge eines Gehirnschlages entschlafen.
Gebrüder Schickler, 88 Der Verewigfe hat seit dem Jahre
11911 dem Aufsichtsrat der Continental⸗Telegraphen⸗Compagnie angehört und sich durch sein lebhaftes Interesse für die Angelegenheiten der Gesellschaft wie
1 durch seine liebenswürdige Persönlichkeit
ein treues und ehrenvolles Gedächtnis
Nunter uns gesichert, das wir ihm dankbar auch über das Grab hinaus be⸗
wahren werden. 1 Berlin, den 13. März 1913.
Der Aufsichtsrat der
Continental⸗Telegraphen⸗Compagnie A.⸗G.)
Schwabach.
Geboren: Ein Sohn: Hrn. Haupt⸗ mann Wilcke (Schrimm). — Hrn. Re⸗ gierungsrat Walther von Geldern (Berlin⸗Wilmersdorf). — Eine Tochter: Hrn. Oberregierungsrat Dr. Schauenburg (Breslau). — Hrn. Hans von Studnitz (Jeroltschütz).
Gestorben: Hr. Major z. D. und Be⸗ zirksoffizter Karl Frhr. Raitz von Frentz (Opladen).
9
[114032] F. Verantwortlicher Redakteur: J. V.: Weber in Berlin.
Verlag der Expedition (Heidrich) in Berlin. 3
Druck der Norddeutschen Buchdruckerei un Verlagsanstalt, Berlin, Wilhelmstraße 32.
Zehn Beilagen 1
erzeugt 8
Verwaltungsbezirke
Im Kalendermonat Februar 1913 sind
zur steuerfreien Verwendung abgelassen
vollständig
Am Schlusse des Kalender⸗ monats Februar 1913 sind in den Lagern und Reinigungs⸗ anstalten unter amtlicher Ueberwachung verblieben
Im Rechnungs⸗ monat Februar 1913 sind nach Versteuerung in den freien Verkehr gesetzt
Branntweinsteuer⸗ vergütungsscheine ausgefertigt über ausgeführte oder in Ausfuhrlager (Bfr. O. § 58) aufgenommene Mengen von
Branntwein⸗ fabrikaten (Bfr. O. § 48 unter b bis f)
darunter rohem und
. ranntwein
vergällt
Hektoliter Alkohol
19 684 33 998 69 078
Ostpreußen.. We teeiten Brandenburg.. ommern.. desh 3 . sen.. 10 384 1 960 2 892 1 935 1 417 4 313
HFeffeher estfalen
6 503 5 438 14 163 7 278 6 807 18 833 12 597 3 432 8 235 15 034 3 697 14 893
4 200 1 425 5 775 15 998 31 912
5 803 25 980
114 349
8 021 5 841
Königreich Preußen
Sachsen. 20 026 Württemberg. 7 181 2 589 EE 1ö116“X“ 11“ 6 004 2 118 Hel W““ 116“ 2 989 759
ecklenburg 8 . 8 8 6 375 578 Thüringen. “ 1 059 505 Oldenburg. 3 “ 3 742 108 Braunschweig .. 8 1u6 3 678 1 090 .eö“ 11“ 5 718 642 Lübeck. 8 8 137 355 Bremen. “ 163 203
mburg 8 JT’T 696
lsaß⸗Lothringen .. . 1 333 158
116 910
5 732 7 232 1 814 1 669 2 134
932 913
50 467 67 227 6 452 20 316 3 108 19 927 1 725 5 425 1 619 476 1 027 90⁰9 1 083 — 274 — 3 137 455 “ vC 845 903 288 18 4 420 — 15 804 2 742
488 073 444 384
Branntweinsteuergebiet. 138 012 Dagegen im Februar 1912 . . 135 254
149 739 175 105
1 127 744 825 084
109 905 588 962 103 890 2 487 1 082
In der Zeit vom Oktober 1912 bis Februar 1913. Oktober 1911 bis Februar 1912.
752 442 641 339
2 304 857 1 867 967
602 5726 486 393
824 060 881 445.
8 595
4 605 — 4 887 —
Berichtigung: Bei Prov. Sachsen ist die Alkoholerzeugung für Dezember 1912 um 31 bl A., für Januar 1913 um 537 hl A., die im Januar 1913 steuerfrei abgelassene Alkoholmenge um 373 hl zu gering angegeben worden. Diese Berichtigungen sind vorstehend
berücksichtigt worden.
Königlich Preußische Armee.
Offiziere, Fähnriche usw. Bremen, 5. März. Heimes, Lt. im 8. Lothring. Inf. Regt.
Nr. 159, in das Inf. Regt. Graf Barfuß (4. Westfäl.) Nr. 17
versetzt. Berlin, 11. März. v. Oven, Major und Bats. Kommandeur im Leibgardeinf. Regt. (1. Großherzogl. Hess.) Nr. 115, zur Dienst⸗ leistung beim Kriegsministerium kommandiert v. Olszewski, Major z. D. und Bezirksoffizier beim Landw. Bezirk Deutz, der Abschied mit seiner Pension und der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 2. Bad. Gren. Regts. Kaiser Wilhelm I. Nr. 110 bewilligt. Frhr. v. Fürstenberg, Rittm. und persönlicher Adjutant des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen Königliche Hoheit, unter Enthebung von dieser Stellung und Versetzung in das Königsulan. Regt. (1. Hannov.) Nr. 13, Urlaub bis 30. September 1913 bewilligt. rhr. v. Maltz ahn, Rittm. und Eskadr. Chef im Ulan. Regt. von chmidt (1. Pomm.) Nr. 4, zum persönlichen Adjutanten des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen Königliche Hoheit ernannt; derselbe trägt in dieser Stellung seine bisherige Uniform.
Königlich Bayerische Armee.
München, 8. März. Im Namen Seiner Majestät des Königs. Seine Königliche Hoheit Prinz Ludwig, des Königreichs Bayern Verweser, haben Sich inhaltlich Aller⸗ höchsten Handschreibens vom 6. d. M. bewogen gefunden, den Kron⸗ prinzen Wilhelm des Deutschen Reichs und Kronprinzen von Preußen Kaiserliche und Königliche Hoheit auch à la suite des 6. Inf. Regts. Kaiser Wilhelm, König von Preußen, zu stellen.
Kaiserliche Marine.
3 Offiziere usw. 8 8 Ernennungen, Beförderungen, Versetzungen usw Den 8. März. Befördert: Uurmhach (Otto), Kapitän zur See, Chef des Stabes des Kommandos der Marinestation der Nord⸗ see, zum Konteradmiral, v. Krosigk, Freg. Kapitän, Kommandant S. M. kleinen Kreuzers „Stettin“, Bartels (Rudolf), Freg. Kapitän vom Reichsmarineamt, — zu Kapitäns zur See, v. Lessel, Korv. Kapitän, Art. Direktor der Werft zu Wilhelmshaven, Gygas, Korv. Kapitän, kommandiert zur Dienstleistung bei der Werft zu Danzig, Haun, Korv. Kapitän, Kommandant S. M. kleinen Kreuzers „Leipzig“, — zu Freg. Kapitäns, Grumme, Kapitänlt. von der I. Marineinsp., Scheibe (Albert), Kapitänlt., Navigationsoffizier S. M. Linienschiffes „Preußen“, — zu Korv. Kapitäns, Kölle (Waldemar), Oberlt. zur See, Erster Offizier S. M. Spezialschiffes „Planet“, Görges, Oberlt. zur See vom Stabe S. M. Linien⸗ schiffes „Lothringen“, — zu Kapitänlts.,, Schatzmann, Marine⸗ oberingen. von der I. Werftdiv., zum e“ er, Marineingen. vom Stabe S. M. Linienschiffes „Thüringen“, zum Marineoberingen., Dr. Schencke, Marineassist. Arzt vom Gouverne⸗ ment Kiautschou, zum Marineoberassist. Arzt, Dr. Stüben, Marine⸗ unterarzt von der Marinestation der Ostsee, Dr. Nieckau,
I 8 I ö’
Dr. Willrich, Marineunterärzte von der Marinestation der Nord⸗ see, — zu Marineassist. Aerzten.
Berger, Korv. Kapitän z. D., Navigationsdirektor der Werft zu Danzig, der Charakter als Freg. Kapitän, Fischer (Robert), Kapitänlt. z. D., zugeteilt dem Admiralstabe der Marine, der Cha⸗ rakter als Korv. Kapitän, — verliehen. Panzer, Fähnr. zur See von S. M. Linienschiff „Wittelsbach“, unter Bestätigung des ihm erteilten Reifezeugnisses zum Seeoffizier und unter Festsetzung seines Dienstalters unmittelbar hinter dem Lt. zur See Garnich, zum Lt. zur See befördert. Bertram (Wilhelm), Kapitän zur See, Mit⸗ glied des Reichsmilitärgerichts, unter Belassung in dieser Stellung, zum Mitgliede der Generalordenskommission ernannt.
Auf ihre Gesuche mit der gesetzlichen Pension zur Disp. ge⸗ stellt: Zimmermann, Konteradmiral, zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Nordsee, v. Obernitz, Kapitän zur See, Aus⸗ rüstungsdirektor der Werft zu Danzig, Meinert, Marineingen. von der Ingen. und Deckoffizierschule; gleichzeitig wird dieser der ge⸗ Schule zur Verwendung in einer Stelle für pens. Ingenieure zugeteilt.
Der Abschied mit der gesetzlichen Pension, der Erlaubnis zum Tragen der bisherigen Uniform und der Aussicht auf Anstellung im Zivildienst bewilligt: Wilde, Kapitän zur See z. D. Küstenbezirks⸗ insp. des V. KüstenbezirksS, Möller (Paul), Kapitänlt. z. D., zuletzt von der II. Marineinsp., unter Verleihung des Charakters als Korv. Kapitän, Stegemeyer, Mavrinestabsingen. vom Reichsmarineamt, Schulz (Reinhold), Marineingen. von der II. Werftdiv., Gloystein, Marineoberingen. z. D. von der Ingen. und Deckoffizierschule, diesem mit dem 19. März d. J.
Der Abschied bewilligt: Crome, Lt. zur See von der II. Marineinsp., Dr. Bugs, Martnestabsarzt von der Marinestation der Ostsee; bei diesem hat die Regelung der Pensionsansprüche nach den gesetzlichen Bestimmungen zu erfolgen.
Popescu, Lt. zur See von der IV. Matrosenart. Abtell.,
Steriopol, Lt. zur See von der III. Matrosenart. Abteil. scheiden mit Ende März d. J. aus der Marine aus.
Preußischer Laudtag. Herrenhaus.
25. Sitzung vom 12. März 1913, Nachmittags 1 Uhr. (Bericht von „Wolffs Telegraphischem Bureau“.)
Der Präsident von Wedel eröffnet die Sitzung mit
folgender, vom Hause stehend angehörter Ansprache:
„Meine hochgeehrten Herren! Ganz Preußen hat vor zwei Tagen in erhebender Weise den Tag gefeiert, an dem vor 100 Jahren das preußische Volk auf den Ruf seines Königs sich um ihn scharte und Gut und Blut einsetzte, um Preußens und Deutschlands Befreiung zu erkämpfen. Ich glaube unseren Dank für die Helden, die damals Preußen befreit und damit auch die Grundlage für Deutschlands Ein⸗ heit gelegt haben, heute aussprechen zu dürfen. Möge es Gott ge⸗
“
der Fortbildungsschulen aufzunehmen.
8 88 “
11“
1913.
fallen, Deutschland vor ähnlichen Prüfungen zu bewahren, wie Preußen sie in den Jahren 1806—1815 zu erdulden hatte. Aber ich gebe mich der Zuversicht hin, daß, wenn uns erneut ernste Gefahren beschieden sein sollten, wir hinter unseren Vorfahren nicht zurückstehen und treulich Gut und Blut auf dem Altar des Vaterlandes opfern, uns um den Landesherrn scharen werden und mit ihm zum Siege schreiten werden. Dieser Zuversicht und Hoffnung lassen Sie uns Ausdruck geben, indem wir rufen: Seine Majestät, unser König, der Deutsche Kaiser, er lebe hoch!“ (Das Haus stimmt dreimal in diesen Ruf ein.) “ 1
Aus Anlaß der Verlobung Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Viktoria Luise mit Seiner Hoheit dem Prinzen Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, hat der Präsident, wie er weiter mitteilt, im Namen des Hauses die Glückwünsche Seiner Majestät dem Kaiser und König mündlich ausgesprochen und sie Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin und dem hohen Brautpaare schristlich übermittelt. (Die darauf eingegangenen Antworten werden verlesen.) Der Präsident fährt dann fort:
Seit unserer letzten Tagung hat das Haus wieder drei Mitglieder durch den Tod verloren: am 18. Februar den Königlichen Kammer⸗ herrn von Senden, am 27. Februar den Oberbürgermeister Schustehrus und am 4. März den Wirklichen Geheimen Rat Freiherrn von Man⸗ teuffel. Der letztere war 17 Jahre lang Erster Vizepräsident und 4 Jahre lang Präsident dieses Hauses. Wir alle sind erfüllt von Dankbarkeit für die Verdienste, die er sich um unsere Geschäfte er⸗ worben hat. Wir werden diese nicht vergessen. — Sie haben sich zum Zeichen der Trauer von Ihren Plätzen erhoben, ich stelle dies fest.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die erneute Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Verpflichtung zum Besuche ländlicher Fortbildungsschulen in den Provinzen Brandenburg, Pommern, Sachsen, Schleswig⸗Holstein, Westfalen sowie in der Rheinprovinz und in den Hohen⸗ zollernschen Landen.
Nach der Vorlage (Absatz 1 des einzigen Paragraphen) kann „durch statutarische Bestimmung einer Gemeinde für die nicht mehr schulpflichtigen unter 18 Jahre alten männlichen Personen für drei aufeinanderfolgende Winterhalbjahre die Verpflichtung zum Besuch einer ländlichen Fortbildungsschule begründet werden.“ Dies Bestimmung hat die XII. Kommission unverändert ge⸗ assen. 3 Im zweiten Absatz wird nach dem Kommissionsbeschlusse die Befugnis der Kreisausschüsse statuiert, in gleichem Um⸗ fange durch Beschluß die gleiche Verpflichtung für sämtliche oder einzelne Landgemeinden und Gutsbezirke einzuführen. Diese Befugnis des Kreisausschusses sollte nach der Vorlage nur in der Provinz Schleswig⸗Holstein gelten, in den anderen Landesteilen für Gutsbezirke an die Zustimmung des Gutsbesitzers und an den Antrag des Gutsvorstehers gebunden sein. Ferner darf an Sonntagen in der Regel Unterricht nicht erteilt werden (die Worte „in der Regel“ sind Zusatz der Kommission.)
Bei der Ende Januar erfolgten Plenarberatung war die Vorlage mit dem dazu eingegangenen Antrage des Grafen von Haeseler an die Kommission verwiesen worden. Diese beantragt nunmehr durch ihren Berichterstatter Freiherrn von Bissing, die Vorlage unverändert bis auf den einen Punkt anzunehmen, daß an Sonntagen „in der Regel“ Unterricht nicht erteilt werden darf.
Graf von Haeseler hat seinen Antrag wiederholt, die Worte „für drei aufeinanderfolgende Winterhalbjahre“ zu streichen und dem Absatz folgendes hinzuzufügen:
„Hierbei ist zu berücksichtigen, daß der Unterricht in den Sommerhalbjahren auf eine Stunde beschränkt wird, die für Uebungen im Gelände bestimmt ist.“
Ferner liegt von Herrn von Beseler der Antrag vor, hinter dem Absatz 1 hinzuzufügen:
„In den Sommerhalbjahren wird der Unterricht, abgesehen von den Monaten August und September, in denen er ganz ausfällt, auf einen Nachmittag im Monat beschränkt, der für Uebungen im Gelände bestimmt ist. In den Winterhalbjahren finden gleiche Uebungen unter Berücksichtigung der Ernte⸗ und Witterungsverhältnisse an je einem Nachmittag zweier Monate statt. An diesen Uebungstagen fällt der sonstige Unterricht aus.“
Seitens der Kommission ist noch folgende Resolution be⸗ antragt:
„Die sittliche Hebung und Festigung der männlichen schul⸗ entlassenen Jugend, die durch das vorliegende Gesetz gefördert werden soll, bedingt auch die religiöse Fortbildung in der Konfession der Fortbildungsschüler. Die Königliche Staatsregierung wird daher ersucht, die Ausführung dieser Aufgabe in einer dem reiferen Alter und den Bedürfnissen der Zeit entsprechenden Form zur Geltung zu bringen.“
In der Generaldiskussion bemerkt
Herr Dr. von Kopp: Die Wichtigkeit, welche dieser ganzen Angelegenheit beizumessen ist, ergibt sich schon daraus, daß das hohe Haus die Vorlage zunächst der Unterrichtskommission über⸗ wiesen hatte, dann aber eine besondere Kommission einsetzte, welche sich der Aufgabe unterzog, den Entwurf in eingehender Weise durch⸗ zuberaten. Das Endergebnis entspricht nicht ganz der Arbeit, welche die Kommission auf ihre Aufgabe verwendet hat. Es fragt sich, ob der Religionsunterricht dem Fortbildungs⸗ schulunterricht eingegliedert werden soll, und ob die Fortbildungs⸗ schulen eine fachliche oder allgemeine Fortbildung vermitteln sollen. Wenn die Fortbildungsschulen nur den Zweck haben, technische Fähigkeiten und Fertigkeiten den Zöglingen beizubringen, dann begreift man die Weigerung der Staatsregierung, in ihrem Ministerialerlaß von 1875 den Religionsunterricht in den Lehrplan Diese Fortbildungsschulen, wie sie damals in Frage kamen, haben nur die fachliche Ausbildung zum Ziel. Sie schlossen sich an die früheren, Hofens ee Sonntagsschulen an. Diese empfingen eine weitere Ausgestaltung in den gewerblichen Fortbildungsschulkhn. Hier kann man im Zweifel sein, ob der Religionsunterricht eine Stelle im Lehrplan finden soll. Aber schon in einem späteren Ministerialerlaß hat die Regierung selbst eine andere Art von Fortbildungsschulen empfohlen, sie hat nicht allein die fachliche Fortbildung ins Auge gefaßt, sondern auch der allgemeinen Fortbildung ihre Aufmerksamkeit zugewendet, und zwar mit vollem Recht, denn die Jahre nach der Ent⸗ lassung aus der Schule sind die wichtigsten und entscheidendsten. Wenn solche jungen Leute in die Arbeitsstästen kommen, sind sie Gefahren ausgesetzt, die ihr sittliches und religiöses Leben bedrohen. Noch schlimmer ist es, wenn solche jungen Leute aus der Familie aus⸗ scheiden und sich selbständig durch das Leben schlagen. Darum hat
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