1913 / 138 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 13 Jun 1913 18:00:01 GMT) scan diff

.

Branntweinerzeugung und Branntweinve brauch im Monat Mai Nach den Angaben der Direktivbehörden.

Im Kalendermonat Mai 1913 sind

ganzen

zur steuerfreien Verwendung abgelassen

darunter vollständig vergällt

Am Schlusse 8 des Kalender⸗ Im monats Rechnung monat

Mai 1913

ind in den Mai 1913 agern und sind nach

Reinigungs⸗ Versteuerung

den

anstalten unter ee freien Verkehr Ueberwachung gesetzt

verblieben

Branntweinsteuer⸗ vergütungsscheine ausgefertigt über ausgeführte oder in Ausfuhrlager (Bfr. O. § 58) aufgenommene Mengen von

Branntwein⸗ fabrikaten (Bfr. O. § 48 unter b bis f)

rohem und ranntwein

Hektoliter Alkohol

Ostpreußen W e Brandenburg. ommern

siern ... Sachsen .. . . Schleswig⸗Holstein 1“ Zestfalen.

7 624 16 406 39 601 41 410 37 976 42 405 13 186 3 103 7 890 14 515 1 232 10 163

3 197 9 541 13 148 23 598 34 863 22 301 8 015 2 505 2 399 2 256 1 714 5 344

7 569 6 435 15 748 8 719 7 569 19 268 10 502 3 207 7 574 15 350 3 380 14 504

38 018 92 913 182 916 203 761 197 714 194 190 131 467 12 923 14 649 14 718 6 715 36 374

2 876

9 277

10 476 23 211 34 623 21 226 6 496

1 506

1 602

1 610

242

1 157

Sachsen.. Württemberg. 111“

Mecklenburg Thüringen. Oldenburg. Braunschweig. 111““ Lübeck . Bremen.

amburg . ..

Isaß⸗Lothringen.

235 511

16 637 9 389 5 646 5 178 1 411 4 347

384

763

833 1 868

126 49

1 426 470

128 881

9 504 6 025 2 067 3 400 1 089 516 545 126 148 50 385 170

1 578 127

119 825

4 735 7 440 2 600 1 339 2 057 1 776 1 414

1 126 358

71 204 83 390 648 12 004

1 330 25 642 42 4 220 343 27 216 210 6 611 116 589 698

103 678

23 314 1 065

114 302

6 777 3 844

1175

Branntweinsteuergebiet Dagegen im Mai 1912 .

284 038 335 447

154 611 146 93

1 383 092 1 080 809

128 787 118 314

In der Zeit vom Oktober 1912 bis Mai 1913 *). Oktober 1911 bis Mai 1912 . .

3 452 178 3 018 825

*) Einschließlich folgender Berichtigungen:

1) = 27 hl, April 1913:

819

406 hl (April 1913).

3) Der versteuerten Alkoholmenge sind zugesetzt worden 360 hl (Dezember 1912: 136 hl, April 1913

Berlin, den 13. Juni 1913.

Der erzeugten Alkoholmenge sind zugesetzt worden

121 hl).

1 206 262 1 057 698

973 528 814 759

10 510

264 hl (November 1912: 112 hl, Februar 1913: 58 hl, März 1913: 2) Der steuerfrei abgelassenen Alkoholmenge sind zugesetzt worden a. „im ganzen“ 394 hl, b. „darunter vollständig vergällt“

224 hl).

8

von seinem

entbinden und zu genehmigen,

wieder verwendet und als 8

binnen versetzt wird.

1“

solcher an die

Keszigeetg, Hrenh⸗ 1

8 8 KSt Ereres Lestgse. en6r Heree. n 1

Seine Mafestät der König haben Allergnädigst geruht: den früheren Regierungspräsidenten, jetzigen Präsidenten

der Ansiedelungskommission für Westpreußen und Posen, Wirk⸗

ichen Geheimen Oberregierungsrat Dr. Gramsch gegenwärtigen Amte mit Ende Juni daß er als Regierungspräsident Regierung in G

in Posen d. J. zu

um⸗

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht:

den bisherigen Professor an der K.

Posen Dr. Richard Hamann zum

der philosophischen Fakultät der Universität

ernennen und

dem Eisenbahnobersekretär Ba lke in Witte

als Rechnungsrat zu verleihen.

öniglichen Akademie zu

ordentlichen Professor in

zu Marburg zu

den Charakter

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: die Landrichter Menard bei dem Landger

Dr. Hallamik in Schweidnitz, Dr. Eck in Cottbus, Heide⸗ mann und Hennecke in Stendal, Dilger und Dr. Lent in

Koblenz, Vormbaum, Dr. Hirsch Dr. Passauer bei dem Landgericht

icht I in Berlin,

„Dr. Königsberger und

III in Berlin, Dr. Ossig

in Stettin, Grütz macher in Kiel, Schroedter „Dr. Wirth in Dortmund,

lein, Koppel und Dr. Funck in Cöln

Dr. Hansen und von Rekowsky in Dr. Ricker in Wiesbaden, Wencke

bach, Dr. Meyer in Hechingen,

in Glatz, Mehr⸗

Flensburg, Schmidt und nbach in München⸗Glad⸗ Dr. phil. Heim in Prenzlau,

Loß in Hildesheim, Dr. Marx in Saarbruͤcken, Heinze und

Freiherr von Hodenberg in Elberfeld, Hutmacher und Sch Martini in Posen, Dr. Droyf

Fran

ild in en in N

kfurt a. M., Essing in

Duisburg, Dr. aumburg a. S.,

Meschede in Hagen i. W., Schnitzer in Ratibor und Hoff⸗ mann in Aachen zu Landgerichtsräten, 1“ die Amtsrichter Götz, Ottersbach und Otto Hirsch in

Elberfeld, Traumann in Malgarten, Stühlen in Euskirchen, Müller in Neuruppin, Cremer in D in Mehlsack, Schwarz in Lüben, Kittler in

a. Rügen, Dr. Ulrich Dennert

Fischer in Bergen Ernst in Beeskow,

zisburg⸗Ruhrort,

Altona, Rumpel in Tennstedt, Nauer in Wongrowitz, Weßling bei dem Amtsgericht Berlin⸗Schöneberg, Reinsch bei dem Amtsgericht Berlin⸗Pankow, Seiffert und Krawinkel bei dem Amtsgericht Berlin⸗Mitte, Luther bei dem Amtsgericht

Berlin⸗Lichterfelde, Buetow in Pr.

Welter in Hattingen, Dr.

Roßbach

Schneider und Reisner in Striegau, Holland, Dr. von Klaeden in Schwedt, in Witzenhausen,

Bicheroux in Eitorf, Prien in Neuhaldensleben, Schneider

in Siegen, Friedrich Müller in Recklinghausen, in Düren,

in Kempen a. Rh., Dr. in Harburg, Taube in Verden, Hertrumpf Szukalski in Riesenburg,

Welter Staßfurt, in Löwenberg, Schmidt

Seeling in Zeitz, Werschkull

Fettweiß

Beyer Kramer in in Jork,

in Kyritz, Radke und Legal in Hohensalza, Hilmer in

Bassum, Zimmermann

in Oberkaufungen,

Wintzek in

Liebau, Fattew, Dr. Conradt und Beneke in Char⸗ lottenburg, Lange in Cöpenick, Dr. Werner in Neukölln, Remy in Hermeskeil, Braunfisch in Opladen, Koch in Stol⸗ berg b. Aachen, Neumann in Syke, Beutling in Wittlich, Roesler in Neustadt O. Schl., Goebel in Myslowitz, Römer und Winter in Apenrade, Reinhard in Unna, Große in Schönebeck, Dr. Wiese in Neumark W.⸗Pr., Scholz in Leobschütz, Dr. Bismarck in Hechingen, Dr. Leh⸗ mann in Höchst, Hartwig und Jahns in Frankfurt a. M., Dr. Hermann Müller in Mülheim a. Rh., Matuschek in Neusalz, Darnstaedt in Burg b. Magdeburg, Ostendorf in Halle i. W., Muermann in Barmen, Friedrich Müller in Wusterhausen a. D., Ruhl in Gudensberg, Rentner in Tangermünde, Hülsenbeck in Ronsdorf, Uebe in Dirschau, Blell in Königsberg i. Pr., Loof in Felsberg, Ebell in Potsdam, Wiedemann in Wendisch Buchholz, Weineck in Sorau und Seeringen in Bischofsburg zu Amtsgerichts⸗ räten und

die Staatsanwälte Dr. Feisenberger und Paul Schmidt in Magdeburg, Dr. Schindler und Leisering bei dem Land⸗ gericht I, Dr. Honemann, Loch und Dr. Jordan bei dem Landgericht I in Berlin, Macketanz in Hildesheim, Dr. Marcks in Cottbus, Kleinjung in Saarbrücken, Liebe in Konitz, Kneller in Dortmund, Dr. Döring in Hannover, Frackenpohl bei dem Kammergericht, Dr. Kroning bei der Amtsanwaltschaft in Düsseldorf, Matthias in Frankfurt a. O., Dr. Elvers in Neuruppin und Dr. Krämer in Essen zu Staatsanwaltschaftsräten zu ernennen sowie 1

dem Direktor des Strafgefängnisses in Plötzensee Kurt Schulze den Rang der Räte vierter Klasse zu verleihen.

Justizministerium.

Der Rechtsanwalt Dr. Max Wolff in Lissa ist zum Notar für den Bezirk des Oberlandesgerichts zu Posen mit Anweisung seines Amtssitzes in Lissa und

der Rechtsanwalt Pellengahr in Werden, Ruhr, zum Notar für den Bezirk des Oberlandesgerichts zu Hamm mit Anweisung seines Amtssitzes in Werden, Ruhr, ernannt worden.

Ministerium der geistlichen und Unterrichts⸗ angelegenheiten.

.“ v“ Auf Grund des Preisausschreibens, welches zur Gewinnung von Entwürfen für eine künstlerische Ausmalung des Plenar⸗ sitzungssaales im neuen Kammergerichtsgebäude zu Berlin unterm 8. November 1912 erlassen wurde, sind 47 Arbeiten ein⸗ geliefert worden. Die als Preisgericht eingesetzte Landeskunst⸗ kommission hat die Entwürfe in der Sitzung vom 6. und 7. Juni d. J. geprüft und die für die besten Entwürfe ausgesetzten vier Preise, wie folgt, zuerkannt: 8 1) den Preis von 4000 für den Entwurf mit dem Kennwort „Recht (II)“, 2) den Preis von 3000 1 für den Entwurf mit dem Kennwort „Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!“

8⅔

pflichtigen Verkehr,

3) den Preis von 2000 8

für den Entwurf mit dem Kennwort „Margi“ A u. B, 4) den von 1000 für den Entwurf mit dem Kennwort „Kein Weg! Ins u-⸗ betretene, Nicht zu Betretende; ein Weg ans Unerbetene nicht zu Erbittende.“

Bei Oeffnung der unter den gleichen Kennworten ver. schlossen abgegebenen Adressen der Einsender ergaben sich als Urheber der vorgenannten Arbeiten:

zu 1: Professor Albert Maennchen, Maler in jn⸗ Wilmersdorf, Bersir zu 2: Meinhard Jacoby in Berlin⸗Grunewald, zu 3: Oskar Popp, Maler in Berlin⸗Friedenau, zu 4: Richard Fuhry in Berlin⸗Friedenau. Das Preisgericht hat ferner folgenden Arbeiten eine ehrenvolle Erwähnung zuteil werden lassen: a. dem Entwurf mit dem Kennwort „Kain“, b. „Elsachen“, 8 „Appellation“ . 8 1 „Sonne“ und 8 e. „„)“ 8 „Wahrheit“

Sämtliche für den Wettbewerb eingesandten Entwürfe werden von Freitag 13. bis Sonnabend 21. Juni d. J. einschl in den Ausstellungsräumen der Königlichen Akademie der Künste hier, Pariser Platz 4, öffentlich ausgestellt. den Urhebern der nicht mit einem Preise bedachten Arbeiten frei, ihre Namen an den eingelieferten Entwürfen anzubringen oder das Bureau der Akademie der Künste dazu zu ermächtigen.

Mit Ausnahme der vier preisgekrönten Entwürfe, welche auf Grund der Bedingungen des Preisausschreibens für den Staat in Anspruch genommen werden, werden die eingelieferten Arbeiten nach Schluß der Ausstellung ihren Urhebern von der Königlichen Akademie der Künste kostenfrei wieder zugestell werden.

Berlin W. 8, den 10. Juni 1913.

Der Minister der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten. von Trott zu Solz.

22 4/ 22 22 22

22 22 22 7 ,

Dem Privatdozenten an der Königlichen Technischen Hoch⸗ schule in Hannover Dr. Hermann Decker ist das Prädikat Professor verliehen worden. v“ 8

Königliche Akademie der Wissenschaften.

Die Königliche Akademie der Wissenschaften hat den Dr. Karl Freiherrn Auer von Welsbach auf Schloß Welsbach in Kärnten und Herrn Ernest Solvay in Brissel zu korrespondierenden Mitgliedern ihrer physikalisch⸗mathe⸗

matischen Klasse gewählt. 8

Königliche Akademie der Künste in Berlin. Bekanntmachung. In dem für das Jahr 1913 eröffneten Wettbewerbe um daß

Stipendium der Dr. Paul Schultze⸗Stiftung im Betrage von 3000 zu einer einjährigen Studienreise nach Italien haben wir

*

den Preis auf Grund des abgegebenen Urteils der Preisrichter dem

Bildhauer Hans Wahl in Berlin⸗Schmargendorf verliehen. Berlin, den 11. Juni 1913. Der Senat, Sektion für die bildenden Künste. Ludwig Manzel.

Ministerium des Innern. Der Kreisassistenzarzt Dr. Ritter in Berlin ist zum Kreisarzt ernannt und mit der Verwalt ig des Kreisarztbezirks Northeim⸗Uslar beauftragt worden.

Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

Dem Domänenpächter Julius Theurer in Simmern, Regierungsbezirk Koblenz, ist der Charakter als Königlicher Oberamtmann verliehen worden.

Die Oberförsterstelle Königswiese im Regierungs⸗ bezirk Danzig ist zum 1. August 1913 zu besetzen müssen bis zum 1. Juli d. J. eingehen.

Die von heute ab zur Ausgabe gelangende Nummer 2

der Preußischen Gesetzsammlung enthält unter Nr. 11 294 das Gesetz, betreffend Abänderung von Zu⸗ sammenlegungs⸗ und Gemeinheitsteilungsgesetzen, vom 28. Mai 1913. Berlin W. 9, den 12. Juni 1913. Königliches Gesetzsammlungsamt Krüer.

Nichtamtliches.

Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 13. Juni 1913. 1

In der am 12. d. M. unter dem Vorsitz des Staats⸗ ministers, Staatssekretärs des Innern Dr. Delbrück abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushaltsetat für 1913, die Zustimmung erteilt. Zur Annahme gelangten ferner der Entwurf von Bestimmungen über Strombeiräte, der Entwurf von Vorschriften, be⸗ treffend die Zulassung von nichtmetrischen Meßgeräten im eich⸗ der Entwurf zur Aenderung der Ausfüh⸗ rungsbestimmungen zu dem Gesetz, betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten, 1 Abschluß eines Abkommens über die zeitweilige zollfreie Zulassung der von Handlungsreisenden mitgeführten Waren⸗ muster im Verkehr mit Belgien, und die Vorlage, be⸗ treffend Aenderung der Vorschriften über die Besetzung der Seefischereifahrzeuge mit Schiffsführern und Maschinisten. Zu Beschlüssen des Reichstags über verschiedene Petitionen wurde Stellung genommen. Der „Kaufmannschaft Windhuk“ in

S

hauses entwarf. der staatlichen Unabhängigkeit Ungarns wirken aller Faktoren der Monarchie

sei ch vom

lichen Kämpfen ein Ende

Es stehtg

wie man es sich früher nicht habe träumen lassen.

ist der Ansicht, daß man

des Volkes und seine Unkenntnis militärischer Dinge mißbrauche, indem man von einem plötzlichen deutschen Einfall von 400 000 oder gar 800 000 Mann

nicht auf das Bündnis mit Rußland rechnen, hieße den

die Vorlage, betreffend den;

Windhuk wurde die Rechtsfähigkeit verliehen. über Anträge auf Befreiung von der Versicherungspflicht nach dem Angestelltenversicherungsgesetze sowie über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.

.

Oesterreich⸗Ungarn. ungarischen Abgeordnetenhause äsident Graf Tisza gestern seine Programmrede, der er zugleich das Arbeitsprogramm des Abgeordneten⸗

Nach dem Bericht des „W. T. B. erklärte sich Graf Tisza für einen unerschütterlichen Anhänger des Dualismus, der ohne Verletzung ein harmonisches Zusammen⸗ ermögliche und die Groß⸗

Die Großmachtstellung Standpunkte des Lebensinteresses der un⸗ Nation unerläßlich. Die jüngsten Umwälzungen

auf dem Balkan bildeten ein ernstes Memento, daß den staatsrecht⸗ b - 2 gesetzt werde. Ueber das Verhältnis zu Oesterreich erklärte der Ministerpräsident, daß Ungarn nichts anderes wünsche als ehrliche Anerkennung seiner Rechte auf der ganzen Linie, wofür es das Gleiche gegenüber Oesterreich verspreche. Was Kroatien betreffe, werde er alles aufbieten, damit die normale Wirksamkeit des verfassungsmäßigen Lebens hergestellt werde. Bezüglich der Nationali⸗ täten hoffe er, daß auch jener Teil der nichtungarischen Bevölkerung, der jetzt nationalistischen Tendenzen huldige, alles vermeiden werde, was mit der Einheit des ungarischen Staates im Widerspruch stehe. Die Regierung andererseits werde beflissen sein, die Wünsche und Inter⸗ essen und die Gefühlswelt der Nationalitäten zu respektieren. Be⸗ treffend das Mtlitärbudget erklärte der Ministerpräsident, daß das vor Jahren entworfene Programm für die Ausgestaltung der Armee jetzt nicht mehr unverändert aufrechterhalten werden könne, seit⸗ dem an den Grenzen die Kräfteverhältnisse sich so verändert hätten, eitdem sämtliche Großmächte in einem so riesigen Maßstabe rüsteten, So müßte auch Ungarn bis zu jener Grenze gehen, die die finainzielle Leistungsfähigkeit ziehe, da finanzielle Bereitschaft ein inte⸗ grierender Teil der militärischen Bereitschaft sei. Graf Tisza er⸗ örterte sodann im einzelnen die inneren Reformen und kändiate eine Verwaltungsreform, eine Reform des Streikrechts und eine Revision des Preßgesetzes und des Bürgerlichen Gesetzbuchs an. Zum Schluß ident einen warmen Appell an das haus⸗ daß

machtstellung der Monarchie sichere.

richtete der Ministerpräs 1 es die Regierung in ihrem Bestreben, positive Arbeit zu leisten, nach Kräften unterstützen möge.

Großbritannien und Irland. In der gestrigen Sitzung des Unte rhauses teilte der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Grey in Beantwortung einer Frage, betreffend die Balkanlage, die vom Kaiser von Rußland an die Könige von Bulgarien und Serbien gerichtete Warnung und Aufforderung mit und erklärte laut Meldung des „W. T. B.“:

Es sei zu hoffen, daß der gegebene Rat angenommen werde. Es sei unmöglich, die Gefühle der Enttäuschung und Mißbilligung charf genug auszudrücken, mit welchen der Ausbruch eines Krieges zwischen den verbündeten Ländern von der öffentlichen Meinung be⸗ trachtet werden würde. Er würde alle Sympathien in Europa ihnen entfremden, die bisher einen Faktor darstellten, der zur Sicherung der Neutralität beigetragen habe. Die Balkanstaaten müßten sich selbst dessen bewußt sein, daß, wenn sie miteinander um die Früchte ihres Sieges kämpften, sie Gefahr laufen würden, das zu verlieren, was sie bisher im Kriege mit der Türket gewonnen hätten.

Der Liberale Byles stellte die Anfrage, ob beim Ersten Lord der Admiralität Churchill amtliche Nachrichten darüber eingelaufen seien, daß die Beschleunigung des Baues von drei Dreadnoughts in Deutschland ungünstig aufgenommen worden sei, und ob irgendwelche Anzeichen einer deutschen Agi⸗ tation für ein neues Schiffsbauprogramm vorhanden seien. Churchill antwortete, daß er keine Informationen darüber erhalten habe.

Wie das „Reutersche Bureau“ erfährt, haben Bul⸗ garien und Serbien das russische Schiedsgericht an⸗ genommen. Die Mächte haben sowohl der Türkei als den Verbündeten mitgeteilt, daß eine teilweise Demobilisierung empfehlenswert wäre, um die friedliche Lösung der schwebenden Streitfragen zu erleichtern. 8

114“ In der gestrigen Sitzung der Deputiertenkammer wurde die Beratung des Gesetzentwurfs über die dr eijährige Dienstzeit fortgesetzt.

Wie „W. T. B.“ berichtet, bekämpfte der General Pedoya die dreijährige Dienstzeit und führte aus, er halte den Bestand von 67 000 Mann in der französischen gegenüber 73 000 Mann in der deutschen Kavallerie für ausreichend, denn sie könnten alle an der

stgrenze verwendet werden, während die deutsche Kavallerie sich auf die Ost⸗ und Westgrenze verteilen müsse. Die Be⸗ setzung Nancys durch deutsche Truppen nach Ausbruch eines Krieges brauche nicht notwendig bedenkliche Folgen zu haben. Der Redner glaubt nicht an die Möglichkeit elnes plötzlichen Angriffs an dieser Stelle oder an einer anderen. Im übrigen würde der Kampf von langer Dauer sein, und die Reservisten an der Grenze könnten in zwei Stunden feldmarschmäßig ausgerüstet sein. Pedoya das Land aufrege und die Leichtgläubigkeit

g spreche. Man könne höchstens annehmen, daß tarke Erkundungsabteilungen die französische Grenze überschreiten würden. (André Lefovre unterbrach den Redner mit dem Zuruf: Vorhut!) Pedova erklärte weiter: zu behaupten, man könne zunächst Zusammen⸗ bruch dieses Bundes feststellen. Der Abg. André Lefopvre er⸗ widerte, er habe niemals an der Treue und Aufrichtigkeit der Ver⸗ ündeten Frankreichs gezweifelt. Er könne nicht zugeben, daß man mwegen der Unzulänglichkeit des russischen Eisenbahnnetzes von einem Bankerott des Bandnisses spreche. Die Annahme einer Verzögerung er russischen Mobilmachung sei überdies vielleicht eine pessimistische Hypothese. Hypothesen müßten jedoch stets pessimistisch sein, wenn es die nationale Sicherheit und Verteidigung gelte. (Zuruf von der äußersten Linken: Weder optimistisch noch pes imistisch!) Lefsvre erwiderte, daß er diejenigen beklage, die sich so sicher fühlten hinsichtlich der Verant⸗ worrlichkeit, die sie haben sollten. Der General Pedoya blieb dabei, daß der französische Generalstab nicht seine Pflicht getan haben würde, wenn er nicht gefordert hätte, daß Rußland gleichzeitig angreifen müßte. Er bewahre, fuhr der General fort, in seinem Herzen die Erinnerung an das verhöhnte Frankreich von 1870. Er sei es nicht, der verlange, daß man Frankreich nicht alles für seine Verteidigung Nötige geben solle. Aber man müsse nur das Not⸗ wendige fordern. Er hoffe, daß der Kriegsminister nicht un⸗ wandelbar sein werde, denn das Gesetz der dreijährigen Dienstzeit würde der wirtschaftliche Ruin Frankreichs sein. Henry Paté führte hierauf als Berichterstatter aus: niemand denke daran, zu den ungerechten, durch das Gesetz vom Jahre 1905 auf⸗ 1 Privilegien zurückzufehren, jedoch müsse Frankreich, obwo siegreich Widerstand leisten können. Es herrsche vollftändige Uebereinstimmung in der Anschauung,

8 1u.“

11“

Demnächst wurde

I es zu den friedfertigsten Staaten zähle, jedem Einfall beinahe und das

Parlament habe die Notwendigkeit der Anstrengungen anerkannt, nur über deren Art träten Meinungsverschiedenheiten zu Trotz des Bündnisses und der Ententen würde Frankreich während der ersten Periode von Feindseligkeiten auf seine eigenen Hilfsquellen zählen Daher bestehe die Notwendigkeit, die Deckung namentlich im Nordosten zu verstärken. Er glaube, daß es gefährlich sein würde, nicht anzunehmen, daß der Gegner im Anfan des Krieges bedeutende Anstrengungen machen werde, wenn es au unmsglich sei, sie genau zu bestimmen. Paté versuchte sodann die dreijã rige Dienstzeit zu rechtfertigen. Die Gegenvorschläge lieferten nicht genügende Streitkräfte. Nur die von der Re⸗ ierung gemäß den Beschlüssen des Obersten Kriegsrats ge⸗ orderten Streitkräfte könnten allen Möglichkeiten begegnen, selbft wenn Deutschland seine Friedenspräsenzstärke dadurch permehrte, daß es ebenfalls die dreijährige Dienstpflicht einfüuhrte. Das Gesetz von 1913 werde es ermöglichen, die notwendige militärische Organisation neu zu gestalten. „Wir wollen lieber die verlangten Opfer tragen“, erklärte Paté, „als der Vernichtung anheimfallen, die von der Verwirklichung des alldeutschen Traumes ausgeht. Die Anhänger des Friedens um jeden Preis täuschen sich. Eine neue Katastrophe würde den Sturz des Regimes nach

ziehen, das das nationale Interesse nicht gewahrt hat, das allen anderen vorgeht.“ Der Abg. Joly stimmte den Rednern zu, die gegen den eringen Nutzen, den man aus dem Gesetz von 1905 gezogen habe, Einspruch erhoben hätten, und kritisierte namentlich die Unterlegenheit der Luftflotte. Der Kriegsminister Etienne erklärte, daß zwölf Luftkreuzer in Auftrag gegeben worden seien. Joly fuhr dann fort und sagte, Frankreich sei in Europa nicht isoliert, aber es sei unerläßlich, daß es so handle, als ob es isoliert wäre. Rußland müsse mit Frankreich die Anstrengung teilen, die durch die Vermehrung der deutschen Streitkräfte gefordert werde. Frankreich müsse von Rußland verlangen, daß es die im Jahre 1910 von der Grenze zurückgezogenen Armeekorps wieder dorthin bringe. Rußland könne nicht nur eine Verteidigungsstellung ein⸗ nehmen. Wenn die Deutschen einen Teil ihrer Heeresverstärkungen gegen Rußland richteten, so sei der Grund mindestens der, daß sie einen plötzlichen Angriff befürchteten. Der Redner wünschte die Ver⸗ des Traums Victor Hugos von den Vereinigten Staaten uropas.

Die Kammer beschloß darauf, in der nächsten Woche weitere Sitzungen zur Beratung des Gesetzes über die drei⸗ jährige Dienstzeit abzuhalten. Dann wurde die Sitzung auf⸗ gehoben.

Rußland.

Der Finanzminister und der Minister für Verkehrswege haben, wie „W. T. B.“ meldet, im Ministerrate den Vorschlag eingebracht, einem Privatunternehmer die Konzession zur Gründung einer Aktiengesellschaft zu erteilen, die in Mittel⸗ asien eine Bahn bauen will, deren Kosten auf 27 Millionen geschätzt werden. Die Bahn wird von Kagan bei Buchara ausgehen, nach Karki am Amudarja, hierauf längs dieses Kelif nach Termez. Eine Abzweigung soll von Scherisebs und Kitab führen. 1

Spanien. ö Der König Alphons hat laut Me ung des „W. T. B.“ den Grafen Romanones von neuem mit der Kabinetts⸗ bildung betraut. 8

lusses über

Karschi nach

Eurkei.

Der Prinz Said Halim ist nach einer Meldung des „W. T. B.“ endgültig zum Großwesir ernannt worden. Seine feierliche Investitur hat gestern abend auf der Pforte stattgefunden.

Gestern fand die Beisetung Mahmud Schefket Paschas auf dem Freiheitshügel vor den Toren Peras, wo ein Denkmal zur Erinnerung an die Eroberung Konstantinopels durch Mahmud Schefket errichtet ist, mit den größten militäri⸗ schen Ehren statt. An der Beisetzung nahmen sämtliche Botschafter teil.

Der Mörder Mahmud Schefkets, Topal Tewfik, ist, wie „W. T. B.“ mitteilt, seinerzeit wegen Ermordung eines Zollbeamten verurteilt und nach mehrjähriger Kerkerhaft be⸗ gnadigt worden. Der Attentäter soll auf der Flucht nach der Mordtat auf die ihn verfolgenden Wachleute geschossen und sich dann in einem in der Nähe befindlichen Hotel versteckt haben, wo man ihn entdeckte. Tewfik stellte jede Täterschaft in Abrede, wurde aber von einer türkischen Frau als einer derjenigen erkannt, die auf den Großwesir Schüsse ab⸗ gegeben haben. Auf dem Transport nach dem Gefängnisse des Kriegsgerichts wäre er von der erbitterten Menge beinahe gelyncht worden; Gendarmen und Wachleute mußten ihn schützen. Seine Genossen die in einem bereitstehenden Auta⸗ mobil entflohen sind, sind bisher nicht ermittelt worden. Die .““ von Mitgliedern der Partei der liberalen Entente auern an.

Rumänien.

Der Ministerrat hat nach einer Meldung des „W. T. B.“ die vorläufige Eröffnung eines neuen Kredits in Höhe von 8 Millionen für Gewehrbestellungen genehmigt. Bei dieser Gelegenheit hat die Regierung auch die Grundlage eines Entwurfs für den Bau neuer Arsenale geprüft, die zur Waffen⸗ fabrikation geeignet sind.

Serbien.

In dem vorgestern abgehaltenen Ministerrate wurde der Beschluß, von Bulgarien die sofortige Beantwortung der serbischen Note bezüglich der Revision des serbisch⸗bulgarischen Bündnisvertrages zu fordern, laut Meldung des „W. T. B.“ fallen gelassen, dagegen wurde beschlossen, die bulgarische Regierung einzuladen, sogleich eine partielle Demobilisierung um drei Viertel des gegenwärtigen Kriegszustandes anzuordnen und den Zeitpunkt für die gelegentlich der Begegnung in Zari⸗ brod vereinbarte Zusammenkunft der vier Ministerpräsidenten bekanntzugeben.

In der gestrigen Sitzung der Skupschtina erwiderte der Minister des Innern Stojan Protitsch auf die vorgestrige Erklärung der Jungradikalen obiger Quelle zufolge, daß er sich über Angriffe gegen seine persönliche Ehrenhaftigkein um so ruhiger hinwegsetze, als er fest überzeugt sei, daß die Mehrheit des serbischen Volkes ihn als ehrenhaften Menschen betrachte. Der Vizepräsident Vukzevits ch gab sodann bekannt, daß der Ministerpräsident Paschitsch die Anfrage der Jung⸗ radikalen über die serbisch⸗bulgarische Frage heute beantworten werde. Die Skupschtina setzte hierauf die Beratung der Gesetzesvorlage, betreffend den Bau eines Donauhafens bei Prahova, fort.

Bulgarien.

Der serbische Gesandte Spalaikowitsch ist gestern ne Sofia zurückgekehrt.

Der der demokratischen

T. B.“ meldet, das Anerbiete

wendet sich nach Südosten gegen Karschi und dann

beiden gegenwärtig am Ruder befindlichen Parteien einzutreten, abgelehnt, gleichwohl aber der Regierung seine volle Unter⸗

stützung zugesagt. Afrika.

„Nach Meldungen des „W. T. B.“ aus Tetuan sind die militärischen Operationen vorgestern früh wieder auf⸗ genommen worden. Der Oberst Garcia Moreno besetzte die Brücke bei 1 die zehn Kilometer westlich der Stadt über den Fluß Khm s führt. Die Beduinendörfer Menkal und Amsal wurden mit Geschützen beschossen. nfanterieabteilungen entwickelten sich auf den spanischen Befe tigungen bei Dersa. Der Kampf um den Besitz der Brücke war sehr heftig und verlust⸗ reich. Gestern wurde die Kolonne des Generals Primo de Ribera, als sie sich verproviantieren wollte, in ihrer neubesetzten Stellung bei Laurient in der Nähe der Brücke von Busfeja in einen heftigen Kampf verwickelt, dessen Ergebnis noch un⸗ bekannt ist.

Das bei Alhucemas gestrandete Kanonenboot „General Concha“ ist obiger Quelle zufolge von einer großen Anzahl von Rifleuten angegriffen worden. Der Kapitän des Schiffes und sieben Matrosen wurden getötet, zwei Offiziere und 20 Mann verwundet. Das Kanonenboot „Lauria“ hat 63 Mann, darunter 13 Verwundete, der Besatzung der „Concha“ auf⸗ genommen. Die Marokkaner hab eun Gefangene gemacht; drei Matrosen werden vermißt.

S

Parlamentarische Nachrichten.

Die Berichte über die gestrigen Sitzungen des Reichs⸗ tags und des preußischen Herrenhauses befinden sich in der Ersten und Zweiten Beilage.

In der heutigen (161.) Sitzung des Reichstags, welcher der Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück und der Kriegsminister, General der Infanterie von Heeringen beiwohnten, wurde zunächst die nachgesuchte Genehmigung zur Einleitung einer Privatklage gegen den Abg. Dr. Haegy (els.⸗lothr. Zentrum) entsprechend dem Antrage der Geschäfts⸗ Referent Abg. Dr. Mülle r⸗Meiningen, versagt.

„In erster Lesung wurde darauf der Gesetzentwurf zur Einführung des Gesetzes über den Unterstü tzungswohnsitz im Königreich Bayern ohne Debatte erledigt und in zweiter Lesung gleichfalls ohne Diskussion unverändert angenommen.

Sodann setzte das Haus die zweite Lesung der Wehr⸗ vorlage bei Art. I mit den dazu gestellten Anträgen und Resolutionen fort.

Abg. Nacken (Zentr.): In den letzten Tagen haben Herren aus den verschiedenen bürgerlichen Parteien Anlaß genommen, von dieser Stelle aus Stellung zur Deckungsvorlage zu nehmen. Ich folge den Herren auf diesem Wege nicht. Es erübrigt sich aus dem Grunde, weil in dieser hochbedeutsamen Frage der Vorsitzende unserer Fraktion, Dr. Spahn, vor einigen Tagen unsere Stellungnahme kundgegeben hat. Er präzisierte sie dahin: Keine Ausgaben ohne Deckung. Wir begrüßen auch die Erklärung der bürgerlichen Parteien, die darauf Bezug genommen erklärt haben, an der Deckungsfrage eifrig mitzua politischen Freunde sind der Ansicht, daß bei gutem Willen der bürgerlichen Parteien dies wohl möglich ist. Wo ein Wille ist, muß auch ein Weg vorhanden sein. Das geht mit ganz besonderem Nachdruck aus den Ausführungen des Reichskanzlers hervor. Der Reichskanzler sprach sich dahin aus, daß die Verabschiedung der Wehrvorlage absolut geboten set, nicht minder aber auch die gleichzeitige Erledigung der gesamten Deckungs⸗ frage. Der Reichskanzler hält bei Annahme der Militärvorlage ohne gleichzeitige Schaffung der Einnahmen die Militärvorlage für undurchführbar und sieht diese Bewilligung nur als eine „papierne“ an. Er hält somit die Verabschiedung der Militär⸗ vorlage und der Deckung für eine einheitliche Forderung, für die er nötigenfalls auch kämpfen will. In diesem Sinne arbeiten und kämpfen wir mit der Regierung. In der Kommission sind eine Reihe von Resolutionen angenommen worden. Hierbet haben sich alle bürgerlichen Parteien beteiligt. Von den 24 Resolutionen sind einige von uns allein und andere in Gemeinschaft mit den Nationalliberalen gestellt worden. Die Abgg. Noske und Ledebour haben diese hier als vollkommen wertlos hingestellt, eine Meinung, die ihre Freunde auch in der Kommission vertreten haben. Ich will deshalb hervorheben, daß es uns damit bitterer Ernst ist. Wir haben das feste V der Regierung, daß sie diesen ernsten Willen respektiert.

(Schluß des Blattes.)

Statistik und Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Zu dem Ausstand der Seidenfärber im Wuppertal wird der „Köln. Zig.“ aus Barmen berichtet: Die Färbereibesitzer wieder⸗ holen in einer Bekanntmachung ihre schon vor drei Wochen bei dem damaligen Ausstand eines Teils der Arbeiter der Seidenfärbereien ab⸗ gegebene Erklärung, daß nach Beendigung des Crefelder Streiks, spätestens am 1. August, eine allgemeine Lohnerhöhung eintreten soll, und zwar eine Erhöhung um 1 unter der Bedingung, daß die Arbeit in allen Betrieben am 17. d. M. im vollen Umfang wieder aufgenommen wird und keine neue Arbeitsniederlegung erfolgt. Weitere Verhandlungen lehnen die 8 ab.

Nach einer 81 der „Rhein.⸗Westf. Ztg.“ haben die Ziegeleiarbeiter des Ober⸗ und Niederrheins im bergischen Gebiet am 12. Juni plötzlich die Arbeit eingestellt. Sie verlangen 11 stündige Arbeitzzeit und 10 prozentige Lohnerhöhung. Ver⸗ zwischen dem Ziegeleisyndikat und den Streikenden sind im Gange.

In der Kalker Trieurfabrik von Mayer u. Co. sind, wie die „Köln. Ztg.“ berichtet, etwa 200 Arbeiter am 12. Juni in den Aus⸗ stand getreten. Sie waren vor drei Tagen um eine Lohnerhöhung von etwa 8 bis 10 % eingekommen, und als die Firma ihnen erklärte, daß sie nicht imstande sei, einer solchen Erhöhung zuzustimmen, haben sie die Arbeit niedergelegt.

Die Arbeiten am Brückenbau in Cöln sind einer Meldung der „Rhein.⸗Westf. Ztg.“ zufolge am 12. Juni wieder in vollem Umfange aufgenommen worden. Die ausführende Firma hat die Forderungen der Arbeiter bewilligt. (S. Nr. 137 des „R.⸗ u. St.⸗A. *).

Die indirekten und die direkten Gemeindesteuern in den preußischen Städten im Rechnungsjahre 191 1/12. Nach der Erhebung über die Steuern und die Schulden der

preußischen Kommunalverbände, die das Statistische Landesamt jetzt

alljährlich durchführt und deren Hauptergebnisse im „Statistischen

Jahrbuch für den preußischen Staat“ veröffentlicht werden, betrug

das berichtigte Soll der direkten und der indirekten Gemeindesteuern

der preußischen Städte zusammen im Rechnungsjahre 1911/12

rund 642,559 Millionen Mark und auf den Kopf ihrer Bevölkerung

33,,0 gegen 610,2 Millionen bezw. 32,20 im Vorjahre, sodaß

sich der absolute Steuerbetrag um 5 22 v. H. und der Kopfbetrag

um 3,„ℳ v. H. vergrößert hat. Auf die direkten Gemeindesteuern vom Gesamtsteuersoll 581,80 Millionen Mark oder 90,84 %,