Der Präsident des Königlichen Oberlandeskulturgerichts, Wirkliche Geheime Oberregierungsrat Dr. Metz ist Provinz Pommern abgereist. “ 8
Laut Meldung des „W. T. B.“ sind S. M. S. „Panther“ 26. September in Lobito, S. M. S. „Bremen“ am September in Ponta Delgada (Azoren), S. M. S. „Eber“ demselben Tage in Matadi und S. M. S. „Möwe“ 28. September in Daressalam eingetroffen. 1
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In der Ersten Beilage zur heutigen Nummer des „Reichs⸗ uind Staatsanzeigers“ wird die im Kaiserlichen Statistischen Amt zusammengestellte Uebersicht über die Bestände an Zucker in den Zuckerfabriken und amtlichen Nieder⸗ agen des deutschen Zollgebiets am 31. August 1913 veröffentlicht.
8 Bayern.
In der gestrigen ersten Sitzung der zweiten Session der 6. Legislaturperiode des Landtags legte der Finanzminister
on “ bevor er das Budget für 1914 und 1915 inbrachte, das in Einnahme und Ausgabe für jedes Jahr im rdentlichen Budget mit 745 333 899 ℳ, im außerordentlichen nit 39, 734 861 ℳ, zusammen 785 068 760 ℳ, balanciert, Rechnungsnachweisungen vor.
Die Rechnungsnachweisungen für 1910 und 1911 des rdentlichen Budgets schlossen laut Bericht desW. T. B.“für beide Jahre ait einem verfügbaren Ueberschuß von 33 232 989 ℳ bei der Eisen⸗ ahnverwaltung und von 1 354 258 ℳ im allgemeinen Staatshaushalt
ab. Der Ueberschuß bei der Eisenbahnverwaltung ermöglichte die Auf⸗ füllung des Ausgleichsfonds mit 20 Millionen zur Deckung des auf die Eisenbahnverwaltung entfallenden Fehlbetrages aus den Jahren 1908 und 1909 und die Verwendung von 6 ½ Millionen zur Schuldentilgung. Der Ueberschuß im allgemeinen Staatshaushaltsetat wurde ebenfalls zur Deckung des Fehlbetrages aus den Jahren 1908 und 1909 ver⸗ wendet. Die Rechnungsnachweisungen über das außerordentliche Budget stellen aus den Ueberschüssen früherer Finanzperioden für 1914 und 1915 nur 132 422 ℳ zur Verfügung.
Ueber das Rechnungsergebnis für 1912 und 1913 teilte der Finanzminister mit, daß die Eisenbahnverwaltung im Jahre 1912 einen Ueberschuß von 13 436 053 ℳ ergeben habe, daß aber 1913 ein Rückgang der Einnahmen eingetreten sei. Das Ergebnis für die Gesamtperiode lasse sich noch nicht absehen. In der Post⸗ und Tele⸗ graphenverwaltung müsse mit einem Ausfall von 1 bis 1 ½ Millionen für beide Jahre zusammen gerechnet werden, dagegen sei be⸗ der Staatsforstverwaltung eine Mehreinnahme von 7 bis 8. Millionen, bei den Berg⸗, Hütten⸗ und Salzwerken von einer Million für die Finanzperiode zu erwarten, während beim Etat der Zölle und indirekten Steuern für die Finanzperiode ein Ausfall von 2 ½ bis 3 Millionen, beim Etat der direkten Steuern ein solcher von ungefähr 1 ½ Millionen zu befürchten sei. Im ganzen dürfte in der Finanzperiode 1912 und 1913 nur ein kleiner Ueberschuß des allgemeinen Staatshaushalts zu erwarten sein. b
Bei der Einbringung des Budgets für 1914 und
1915 wies der Finanzminister auf die Einwirkung der letzten Reichsfinanzreform hin, die für Bayern einen jährlichen Aus⸗ fall von ungefähr zwei Millionen bedeute. Bei der Auf⸗ stellung des Budgets, das mebhrfach eine andere Gruppierung auf⸗ weise, um eine größere Uebersichtlichkeit und Anpassungsmöglichkeit an die kaufmännische Buchführung zu beingen, sei grundsätzlich für die Anleihen der allgemeinen Staatsschuld nicht nur der Zinsbetrag, sondern auch die Amortisationsquote in die Etats der betetligten Verwaltungen eingestellt worden, um einem zu weit 19 An⸗ wachsen der Staatsschuld vorzubeugen. Materiell sei die Auf⸗ stellung des Budgets mit außergewöhnlichen Schwierigkeiten ver⸗ knüpft gewesen. Ein Ausgleich habe nur durch Zuschläge zur Reichs⸗ erbschaftssteuer vom 1. Januar 1914 ab und Erhebung der vom Reich freigegebenen 50 % Zuwachssteuer geschaffen werden können. Eine weitere Steigerung der Einnahmen solle die Umgestaltung der Ge⸗ bührengesetzgebung bringen; die betreffenden Gesetzentwürfe würden dem Landtag voraussichtlich noch vor Weihnachten zugehen. Die sich daraus ergebenden jährlichen Mehreinnahmen würden auf drei Mil⸗ lionen geschätzt. Die Einnahmen der Stagtseisenbahnen seien mit 333 347 400 ℳ (gegen die beiden Vorjahre ein Mehr von 24 ½ Millionen), die Ausgaben mit 322 624 500 ℳ ver⸗ anschlagt. Der Ueberschuß von ungefähr 10 ¾ Millionen solle mit drei Millionen an den allgemeinen Staatshaushalt, der Rest zum Ausgleichs⸗ und Tilgungsfonds abgeführt werden. Der Etat für Post und Telegraphen schließe bei 88 Millionen mit 15 Millionen Ueberschuß ab, von denen nach Abrechnung des Ausgleichungsbetrags ein Rest von einer Million für allgemeine Staatszwecke bleibe. Sämtliche zehn Staatsverwaltungsetats wiesen eine Steigerung der Ausgaben von rund 12 863 000 ℳ auf. Im Etat des Königlichen Hauses und Hofes, der mit einer Mehrausgabe von 1 068 956 ℳ abschließe, sei die Zivilliste auf 5 400 000 ℳ vom 1. Januar ab festgesetzt. Beim Etat der Staatsschuld wies der Minister darauf hin, daß für alle Anleihen bis 1912 neben dem Zinsbetrag eine andert⸗ halbprozentige Tilgung durchgesetzt sei, sodaß 1944 und 1945 diese Schulden vollständig getilgt sein würden. Zum Schluß gab der Minister eine allgemeine Uebersicht über die Steigerung der Staats⸗ “ seit 1870 und knüpfte daran die eindringliche Warnung vor weiteren Belastungen des Budgets, die bei der Schwierigkeit, neue belangreiche Einnahmequellen zu erschließen, und bei der Erschöpfung aller Reserven in der Hauptsache nur durch direkte Steuern ausgeglichen werden könnten.
— Die Verhandlungen über die Schaffung einer Orga⸗ nisation bayerischer Interessen an der Rheinschiff⸗ fahrt und für die Ausgestaltung des Mainverkehrs sind, obiger Quelle zufolge, abgeschlossen. Der Rhein⸗ schiffahrtsgruppe gehören an: 1) Rhenania, Speditions⸗ gesellschaft m. b. H. vorm. Leon Weiß⸗Mannheim; 2) Rhenania⸗Rheinschiffahrtsgesellschaft m. b. H. Rotterdam⸗ Homburg am Rhein; 3) Société Belge de Navigation Fluviale, Antwerpen; 4) Allgemeine Speditionsgesell⸗ schaft⸗Aktiengesellschaft, Duisburg; 5) Société Générale de Remorquage, Antwerpen. Der Konzern, der bisher größten⸗ teils auf dem Rhein tätig war, wird durch die vorgesehenen Maßnahmen in die Lage versetzt, sein Arbeitsfeld ohne weiteres auf den kanalisierten Main auszudehnen. Die General versammlung der Rhenania, Speditionsgesellschaft m. b. H. vorm. Leon Weiß in Mannheim, die die übrigen Gesellschaften teils direkt, teils indirekt kontrolliert, wird in den nächsten Tagen einberufen, um die offizielle Zustimmung zu den bereits abgeschlossenen Verträgen zu erteilen.
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“ 1 11ö16“
Der türkisch⸗bulgarische Friedensvertrag ist, wie „W. T. B.“ meldet, gestern unterzeichnet worden. Die Schlußsitzung der Friedenskonferenz trug einen intimen Cha⸗ rakter. Der Großwesir, der der Sitzung beiwohnte, hielt eine Ansprache, in der er die Delegierten beglückwünschte, daß es ihnen in so kurzer Zeit gelungen sei, das grandiose Werk des Friedens im Geiste des Ausgleichs, der Eintracht und Ver⸗
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1 öhnlichkeit zum Abschluß
dem einzigen
zu bringen. Der Großwesir dankte sodann den bulgarischen Delegierten und schloß mit der Er⸗ klärung, er sei überzeugt, daß der Friedensschluß für beide Nationen eine neue Aera des Glücks und Gedeihens eröffne. Der bulgarische Delegierte Sawow dankte in ungefähr den gleichen Worten und drückte die gleichen Wünsche aus. 3
Der amtliche Text des Friedensvertrages lautet in Artikel 7:
Die aus den von der Türkei an die bulgarische Regierung ab⸗ getretenen Gebieten stammenden und dort wohnhaften Personen werden bulgarische Untertanen. Diese zu bulgarischen Untertanen gewordenen Personen werden während eines Zeitraums von vier Jahren die Freiheit haben, an Ort und Stelle zugunsten der ottomanischen Na⸗ tionalität zu optieren durch einfache Erklärung bei den lokalen bul⸗ garischen Behörden und eine Eintragung bei den ottomanischen Kon⸗ sulaten. Die Muselmanen in den abgetretenen Gebieten, die bulgarische Untertanen geworden sind, werden während vier Jahre nicht zum Militärdienst herangezogen und haben keinerlei Militärsteuer zu bezahlen. Diejenigen Muselmanen, die von ihrem Optionsrecht Gebrauch gemacht haben, werden die abgetretenen Gebiete verlassen, und zwar bis zum Ablaufstage der oben vorgesehenen vierjährigen Frist, wobet sie das Recht haben, ihr Hab und Gut zollfrei auszuführen. Sie können jedoch ihre Immobilien jeder Art in Stadt und Land behalten und sie durch dritte verwalten lassen. —
Der Artikel 8 besagt:
Die muselmanischen Untertanen Bulgariens werden in allen Gebieten Bulgariens die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte genießen wie gebürtige Bulgaren. Sie werden Gewissensfreiheit und Freiheit in der äußeren Ausübung ihres Kultes haben. Die muselmanischen Gewohnheiten werden geachtet werden. Der Name des Sultans als des Kalifen wird weiterhin in den öffent⸗ lichen Gebeten der Muselmanen genannt werden. Die muselmanischen
Religionsgemeinschaften, die gegenwärtig bestehen oder die in Zukunft
errichtet werden, ihre hierarchische Organisation und ihre Vermögen, werden anerkannt und respektiert werden. In Artikel 16 heißt es:
Die bulgarische Regierung ist auf die Rechte und Verpflichtungen der ottomanischen Regierung gegenüber der Gesellschaft der orien⸗ talischen Eisenbahnen beschränkt für den in den abgetretenen Gebieten ihr konzedierten Teil der Bahnlinie. Die bulgarische Regierung ver⸗ pflichtet sich, ohne Verzug das rollende Material und andere Objekte, die der genannten Eisenbahngesellschaft gehören und von der bul⸗ garischen Regierung beschlagnahmt worden sind, zurückzugeben.
Unter den dem Friedensvertrage angehängten Protokollen ist besonders dasjenige interessant, welches das westliche TDhrazien betrifft. Es heißt darin:
Mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten, welchen die bulgarischen Behörden bei ihrer Einsetzung in Westthrazien angesichts der Er⸗ regung der Bevölkerung begegnen könnten, und um eine rasche Be⸗ ruhigung dieses Gebiets zu erreichen, erklärt die Kaiserlich ottomanische Regiekung sich auf Verlangen der Königlich bulgarischen Regierung bereit, den betreffenden Bevölkerungskreisen die Notwendigkeiten be⸗ greiflich zu machen, die sich aus dem neuen Stande der Dinge er⸗ geben, und ihnen zu raten, sie möchten sich Bulgarien ergeben.
Ein Anhang zum Friedensvertrage sieht die Unterbreitung etwaiger Meinungsverschiedenheiten und Haager Schiedsgericschestr.⸗ 8
Bexe⸗ 32 16“ w Serbien.
Wie das serbische Pressebureau meldet, haben die Albanesen nach amtlichen Nachrichten Ljuma besetzt. Bei Ljuma und Kula am Ljumafluß ist ein Kampf im Gange; Verstärkungen sind in Bewegung gesetzt, um die Albanesen zurückzuwerfen und sie an einem etwaigen weiteren Vormarsch auf Prizrend zu verhindern. Der „Neuen Freien Presse“ zufolge ist Diakowa nach heftigem Kampf von den Albanesen eingenommen Morden, desgleichen Ochrida, wo viele Geschütze und Nomeuggrittel 8 die Hände dere Albanesen fielen. S ist . üngelt und sein Fall wird stündlich erwartet.
ie dortige secesche Garnison ist 4000 Mann stark. Die
telegraphische Verbindung zwischen Ochrida und Valona ist
wiederhergestellt. Montenegro.
Abgesehen von einigen Scharmützeln, hat sich an der alba⸗ nesisch⸗montenegrinischen Grenze kein Zusammenstoß ereignet. Die Montenegriner verhalten sich in ihren Stellungen zurückhaltend, doch haben sie Anstalten getroffen, um für alle Möglichkeiten vorbereitet zu sein.
Albanien.
Eine Anzahl von albanesischen Notabeln aus ver⸗ schiedenen Gegenden des Landes, darunter aus Ekrem bei Flora, Hairedin, Dibra und Achmed Dakli haben nach einer Meldung des „Wiener K. K. Telegraphen⸗Korrespondenzbureaus“ folgenden Aufruf an die zivilisierten Nationen gerichtet:
Das albanesische Volk, das seit Jahrhunderten beständig sein Blut für seine Freiheit vergossen und die Bahnen für die Erfolge der Balkanstaaten eröffnet hat, hat noch immer nicht Gerechtigkeit finden können. Hier in Südalbanien schmachten Hunderte unserer Brüder in den griechischen Gefängnissen. Sogar die nationale Haar⸗ tracht bildet den Gegenstand der Verfolgung seitens der Orts⸗ behörden. Die Derwische werden geschlagen und getötet. In Coritza und Delvino, die bereits Albanien zugesprochen sind, herrscht vollständige Anarchie. In Nordalbanien setzen die Serben ihr Zerstörungswerk fort. Die Niedermetzelung ganzer Familien ist an der Tagesordnung. Jüngst wurden albanesische Hirten gehängt und ihre Leichen durch Bajonettstiche zerstückelt. Nicht einmal die Unschuld wird geachtet. Die Serben verbrennen alle Kinder, deren sie sich bemächtigen, bei lebendigem Leibe. Die un⸗ menschlichen Taten, die von jenen, die unser Volk ausrotten wollen, begangen werden, haben die Albanesen zur Verzweiflung gebracht. Da sie nichts mehr zu verlieren haben und am Ende ihrer Geduld angelangt sind, haben unsere unglücklichen Brüder zu Mittel, das ihnen blieb, Zuflucht genommen: Ihr Leben teuer zu verkaufen und die Ehre ihrer Familien zu retten. Die Leiden, denen sie ausgesetzt sind, haben sie gezwungen, den er⸗ lösenden Tod auf dem Schlachtfelde zu suchen. Im Namen der Menschlichkeit rufen wir die zivilisierten Nationen an, bei den Groß⸗ mächten sich ins Mittel legen zu wollen, auf daß sie nicht zulassen, daß diese Bevölkerung, die seit Jahrhunderten der Verfolgung ihre nationale Existenz bewahren konnte, auf diese Wels die Serben und Griechen vernichtet werden. 1
Amerika. Die Tarifbill ist gestern, wie „W. T. B.“ meldet, von dem vollzählig versammelten Konferenzkomitee in der ihr von
dem Komitee gegebenen Fassung angenommen worden. Die
Tarifsätze sind jetzt durchschnittlich niedriger als diejenigen, die das Repräsentantenhaus und der Senat ursprünglich festgesetzt hatten. Die Tarifbill wird, wenn sie in ihrer jetzigen Gestalt ratifiziert wird, einen Einnahmeüberschuß von 16 Millionen Dollar im ersten Jahre und von 18 Millionen in den folgenden Jahren ergeben. Diesen Schätzungen ist die durchschnittliche Einfuhrmenge während der letzten Jahre zugrunde gelegt. Die Blll tritt in Kraft, sobald sie vom Präsidenten unterzeichnet ist. Aus⸗
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genommen sind die Bestimmungen für Rohwolle, für die die
” —
freie Einfuhr für Wollfabrikate, die vom 1. Januar ab den neuen Bestim-⸗
Streitfälle an das
nach Ablauf des Dezember in Kraft tritt, und
mungen unterliegen. Die ermäßigten Zölle für Zucker treten nach dem 1. März, die freie Einfuhr von Zucker nach dem 1. Mai 1916 in Kraft.
— Nach einer Meldung des „W. T. B.“ aus Piedras Negras (Mexiko) sind 400 Bundessoldaten und Auf⸗
ständische in einem heftigen Gefecht, das vorgestern bei Beide Teile waren durch
Barre Terran stattfand, gefallen. 1 Mangel an Munition und Wasser gezwungen, das Schlachtfeld
zu verlassen. Die Konstitutionalisten gingen auf Habinas zurück,
wo sie die Eisenbahnbrücke zerstörten, um einen weiteren An⸗ griff der Bundestruppen zu verhindern.
— In der argentinischen Deputiertenkammer brachte
der Finanzminister gestern den Haushaltsplan für 1914
ein, dessen Ausgaben, obiger Quelle vicgs insgesamt 342 7
Millionen Pesos Papier betragen. ür Ruhegehälter sind 14 ½¼ Millionen und für öffentliche Arbeiten 94 ½ Millionen vorgesehen.
Der brasilianische Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten Hermes da Fonseca hat, obiger Quelle zufolge, endgültig die Herabsetzung der Kautschukausfuhrzölle beschlossen. der Herabsetzung von Einfuhrzöllen. Der Minister für Acker⸗ bau schlug eine zusammenfassende Organisation für die Kaut⸗ schukproduktion am Amazonenstrom vor; die anderen Minister versprachen ihre Unterstützung.
Afrika. 2s
Nach einer amtlichen Meldung aus Larrasch hat der
General Sylvestre die strategisch wichtige Stellung von Karkia besetzt. Der Feind istete hartnäckigen Widerstand, mußte aber schließlich vor den überlegenen spanischen Streit⸗ kräften unter Zurücklassung der Gefallenen die Flucht ergreifen. Seine Verluste sollen beträchtlich sein. Die Spanier machten 25 Gefangene. Auf spanischer Seite fiel ein Unteroffizier, fünf Soldaten wurden verwundet.
Wie ferner vom „W. T. B.“ gemeldet wird, haben die Kaids von Tarudant am 16. September in der Gegend von Tasemurt die Anhänger El Hibas angegriffen und ihnen große Verluste beigebracht. Gerüchtweise verlautet, daß El Hiba gestorben sei.
Die „Agenzia Stefani“ meldet aus Benghasi, daß die italienischen Truppen der vierten Division am 26. und 27. d. Mts. von der Cyrenaika aus siegreich gegen die Rebellenlager bei Talcaza und Sidirafa vorgerückt sind. Die bereits seit einigen Tagen vorgesehene Operation wurde unter dem Befehl des Generals Vinai durch die vierte Division ausgeführt, die durch die Abteilung Latini verstärkt war. Der Vormarsch der Italiener ging am 26 mittels einer kon⸗ zentrischen Bewegung der verschiedenen Kolonnen trotz er⸗ bittertsten Widerstandes des Feindes vor sich. Am Abend flohen die Rebellen bei Talcaza auf Sidirafa zu. Am folgenden Tage nahmen die italienischen Truppen die Ver⸗ folgung über Sidirafa auf, das sie besetzten und behaupteten. Sie fanden nur schwachen Widerstand. Es fielen auf italienischer Seite ein weißer Soldat und drei erythreische Sol daten. 24 Mann wurden verwundet. Die Verluste der Rebellen sind sehr groß. Sie hatten allein am 26. mehr als 200 Tote, darunter einige hervorragende Führer.
Parlamentarische Nachrichten.
Das Mitglied des Herrenhauses vog der Schulen⸗ burg, Landrat a. D., Fideikommißbesitzer in Beetzendorf (Kreis Salzwedel) und Propstei Salzwedel, ist am 28. d. M. ge⸗ storben.
Statistik und Volkswirtschaft. Zur Arbeiterbewegung.
In ihrer gestrigen Versammlung haben der „Köln. Ztg.“ zufolge die ausständigen Bauarbeiter vom Neubau der Firma Tietz in Cöln in ihrer Mehrheit beschlossen, heute früh die Arbeit wieder aufzunehmen. (Vgl. Nr. 224 d. Bl.)
Nachdem am Sonnabendabend schon dreißig organisierte Arbeiter der Speditionsfirma Gebr. van Eupen in Essen die Arbeit niedergelegt hatten, sind, wie die „Rh.⸗Westf. Ztg.“ mitteilt, gestern noch weitere in den Ausstand getreten, und zwar sämtliche Stück⸗ gutfahrer und Faktoren, ebenso auch ein Teil der anderen Fuhrleute. Die Eisenbahndirektion Essen macht bekannt, daß sie für die Dauer des Ausstands die Anfuhr der eingetroffenen Stückgüter selbst übernimmt.
In Baku sind, wie „W. T. B.“ erfährt, die Ku tscher und Schaffner der Pferdebahn ausständig; sie sind durch Schutz⸗ leute ersetzt worden. — 8. b
v .i. d. Ersten Beilage)].
(Weitere „Statistische Nachrichten“
Literatur.
— In einem schmucken, von dem Verlag der Gebrüder Paetel in Berlin würdig ausgestatteten Bande (geh. 10 ℳ) schildert Arthur Achleitner Jagdparadiese in Wort und Bild. Sein Name allein gibt schon die Bürgschaft, daß diese Schilde⸗ rungen sachlich und ansprechend ausgefallen sind, denn Achleitner ist sowohl ein tüchtiger Jäger wie ein begeisterter Kenner der deutschen Bergwelt, auch verfügt er über eine gewandte Feder. So wird denn, der Jäger wie der Bergfreund diese Schilde⸗ rungen gern lesen und sich an ihnen, wie namentlich auch an den zahlreichen ausgezeichneten Bildern nach Naturaufnahmen erfreuen, die dem Bande reichlich — es sind ihrer über 200 — bei⸗ gegeben sind. Die beschriebenen Jagdreviere, ausgezeichnet durch einen gehegten Wildstand, liegen vornehmlich in Oberbayern, im Salz⸗ kammergut, in Steiermark und in Oberösterreich. Achleitner
führt den Leser durch die unvergleichlichen Leibgehege bei Berchtes⸗
gaden, im Algäu und im Spessart, in denen der verstorhene Prinz⸗,
Regent Luitpold von Bayern dem Weidwerk oblag, in die Herzoglich bayerischen burgische
das Großherzoglich luxem⸗ — ZJagdrevier „Verein“ im gamsreichen Karwendel, die schönen coburgischen Jagdgefilde bei Hinterriß, die Jagd⸗ reviere des Kaisers von Oesterreich im Salzkammergut, die Hoch⸗ gebirgsreviere des Königs von Sachsen, des Herzogs von Cumberland und des Prinzen August von Cohurg. Außer diesen Hochgebirgs⸗ revieren wird der Sigmaringer Wildpark Josefslust und als nicht fürstliche Jagdreviere dasjenige Ludwig Gesghe in Tirol und die Reviere am Gundlsee und in der Ebengrube be⸗ schrieben. Der jagd⸗ kundige Leser wird schon aus dieser Aufzählung erkennen, daß er in dem Buche eine Fülle weidmännisch reizvoller Schilde⸗ rungen, wie der Bergfreund in ihnen manche Erinnerungen genußreicher Gebirgsfahrten erwarten darf. So kann das Buch auf viele Freunde in weiten Leserkreisen rechnen. Störend empfindet
v1“ “ “
Reviere bei Tegernsee,
IReinheit seiner Sprache achten.
Die Regierung beschäftigt sich eifrig mit der Frage
lüber die Bestimmungen der Reichs⸗F
veiter Güte gebe es für den Heimatschutz
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man den Mißbrauch, den Achleitner in großem Umfang mit böllig überflüssigen, durch deutsche leicht ersetzbaren Fremd hsceh ge⸗ trieben hat. Ein deutscher Schriftsteller sollte unbedingt mehr auf ’ „. Auch dürfte mancher Leser wenig
chmack an der Art finden, in der hie und da Jagdscherze und ge⸗ lggentliche Aussprüche der hohen Jagdherren mitgeteilt sind. Manches Vort, das zu seiner Zeit und an seinem Ort herzerquickend oder er⸗ heiternd wirkte, büßt seine Wirkung ein, wenn es als etwas Besonderes
fstgehalten und an Unbeteiligte weitergegeben wird.
— Der 24. Band der „Klassiker der Kunst in Gesamt⸗ zusgaben“, die von der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart herausgegeben werden, enthält in 274 Abbildungen die Gemälde des Gerhard Dou. Was an den früher erschienenen Bänden dieser wertvollen Klassikersammlung rühmend hervorgehoben werden konnte, gilt auch von dem vorliegenden: er enthält Nachbildungen von sämtlichen Werken des Meisters in einer Wiedergabe, die technisch mustergültig st, und der den Bildern vorausgeschickte Text bietet eine zugleich volks⸗ imliche und wissenschaftlich einwandfreie Schilderung und Würdi⸗ zung des Lebens und Schafeens Dous. Ja, der Verlag konnte für diesen Band wohl keinen geeigneteren Herausgeber wählen, als den Direktor der Königlichen Gemäldegalerie im Haag, Professor Dr. Martin, der zu den besten Kennern der niederländischen Malerei und im besonderen derjenigen des genialen Schülers Rembrandts, jihlt. Der Leser findet denn auch in der knapp gehaltenen Etin⸗ litiung nicht nur alles Wichtige aus dem Leben Dous, sondern auch eine Darstellung der Entwicklung seiner Kunst und von deren Beeinflussung durch die seines großen Lehrers. Sehr Fankenswert ist es, daß bei Bildern des jungen Dou, bei denen der Einfluß Rembrandts ganz besonders stark zutage tritt, Vorbild und Rachahmung in kleinen Abbildungen nebeneinander gestellt wurden. Dou gehört auch heute noch zu den mit Recht besonders hochgeschätzten Lieblingen der Kunstfreunde und seine Gemälde zu den höchstbewerteten perlen der europäischen Galerien, zudem ist er als Schüler Rem⸗ brandts, als Begründer der holländischen Feinmalerei und als Lehrer eines Metsu und Mieris für den Kunsthistoriker von großer Be⸗ deutung. Der vorliegende Band, der in Leinen gebunden nur 9 ℳ kostet, kann deshalb auf eine besonders freundliche Aufnahme in peiten Kreisen rechnen.
— Steuer⸗Archiv, Zeitschrift für das gesamte Gebiet der direkten Steuern, zugleich Organ des Verbandes der mittleren Staatssteuer⸗ beamten Preußens. Schriftleiter: C. Pohl, Frankfurt a. M. Verlag der Haude u. Spenerschen Buchhandlung, Max Paschke, Berlin. Bezugspreis 1 80 ℳ für das Vierteljahr. — Die Hefte 5 bis 18 vom zahrgang 1913 dieser Halbmonatsschrift enthalten neben der fort⸗ kaufenden Berichterstattung über die Rechtsprechung in Steuersachen und einschlägige neue Literatur sowie dem Abbruch wichtiger Gesetzentwürfe nebst Begründung wiederum eine Reihe von Er⸗ trterungen und Anregungen über Streit⸗ und Zweifelsfragen des Steuer⸗ vchts, die nicht nur für die mit der Erhebung von Steuern befaßten Behörden und Beamten, sondern auch für weitere Kreise von Interesse sind. Regierungsrat Dr. Fritz Kestner gibt einen guten Ueberblick inanz⸗ und ⸗Steuergesetze des Albert Lotz behandelt eingehend den inmaligen Wehrbeitrag nach dem Entwurf und der endgültigen Fassung des Gesetzes, Oberregierungsrat Dr. Jacobi die materiellen Bestimmungen des Wehrbeitragsgesetzes im Ver⸗ glech mit denen des preußischen Ergänzungssteuergesetzes. Besoldeter Schöffe Rohde (Zehlendorf) macht steuertechnische Be⸗ merkungen zum Besitzsteuergesetz. Ein weiterer Aufsatz ist der dem preußischen Abgeordnetenhause vorgelegten, aber unerledigt gebliebenen Steuernovelle und den Kommissionsbeschlüssen zu dieser gewidmet; die Verhandlungen des Plenums des Abgeordnetenhauses über den hesetzentwurf sind nach dem stenographischen Bericht wiedergegeben. In einer Reihe von Beiträgen berichtet Reglerungsassessor Nausch (Osnabrück) über die im 15. Band der Entscheidungen des reußischen Oberverwaltungsgerichts in Steaatssteuersachen ent⸗ altenen Rechtsgrundsätze. Aus dem übrigen Inhalt der hefte 5 bis 18 seiten die folgenden Aufsätze hervorgehoben: Ein⸗ ommen aus gewinnbringender Beschäftigung; Durchschnittsberechnung andwirtschaftlichen Einkommens; Praktische Winke für die ffermäßige Berechnung des gewerblichen Einkommens; Steuerpflicht; Stundung in Einkommen⸗ und Ergänzungssteuersachen; Grundlinien ür die Veranlagung der Gesellschaften mit beschränkter Haftung; Die Besteuerung der Gesellschaften mit beschränkter Haftung; Ab⸗ schribungen auf Firmenerwerbungskonto; Die Generalbilanz; Die aufmännische Buchführung unter Berücksichtigung steuertechnischer Gesichtspunkte; Zur Auskunftspflicht der Sparkassen und Banken; lkachsteuer: Erhöhung der Besteuerungsgrenze; Schenkungsabgabe von
ssionen Privatangestellter; Aufgabe und Einrichtung des Grundbuchs.
Jabres 1913. Professor Dr.
Bauwesen.
In Dresden fand in den letzten Tagen der vergangenen Woche ezweite gemeinsame Tagung für Denkmalpfleage und imatschutz statt, die am Donnerstag durch den Vorsitzenden, Beigeordneten Rehorst⸗Cöln eröffnet wurde. Unter den An⸗ resenden befand sich Seine Königliche Hoheit der Prinz Johann Georg von Sachsen und zahlreiche Vertreter der staatlichen und disscen Behörden. Den ersten Vortrag hielt der Geheime Hofrat, fesor Dr. von Oechelhäuser⸗Karlsruhe über die Auswüchse es Reklamewesens. Den Heimatschutz interessiere die Reklame ausschließlich in der Form der Außenreklame, deren zweck sei, sich dem Puhlikum ungesucht aufzudrängen, in der also ein Zwang der Oeffentlichkeit gegenüber vorhanden sei. wären arge Mißstände hervorgetreten, zu deren Be⸗ tigung man Gesetze und Polizeiverordnungen neuerdings überall an⸗
mewendet habe. Ohne näher auf die Berechtigung dieser Maßregeln
und deren Erfolge einzugehen, wandte der Redner sich gegen die so⸗ genannte Streckenreklame. Vom Standpunkte des Heimat⸗ chützes aus sei jede Landschaft gleich schutzbedürftig, Heimatbilder . nicht; sei es doch auch mmindestens fraglich, ob durch die aufdringlichen Reklameschilder die oft io intimen landschaftlichen Stimmungswerte weiter Felder⸗ und Wiesen⸗ lächen nicht mehr geschädigt würden als die Naturschönheiten „hervor⸗ kagender Landschaftsbilder“, die an sich aller Verschandelung durch Renschenhand spotten. Jede Schädigung eines Landschaftsbildes be⸗ deute die Verminverung eines Heimatwertes, und in richtiger Erkenntnis dieser Tatsache sei denn auch in den betreffenden sächsischen und bayerischen Gesetzen die unglückselige und verwaltungstechnisch ganz unbrauchbare Unterscheidung der Landschaftswerte vermieden worden. Die von den Reklameinteressenten angestrebte künstlerische Gestaltung ber Außenreklame, die auf anderen Gebieten schon recht erfreuliche lgebnisse aufzuweisen habe, könne bei der Streckenreklame kaum in Letracht kommen, da diese auf starke Effekte hinarbeiten Ae und vnst ihren Zweck verfehle. Erfreulicherweise hätten sich bisher nur ne verhältnismäßig sehr kleine Anzahl Firmen dieser neuesten Aus⸗ geburt der Reklame bedient, und es scheine überhaupt, als ob schon in Stillstand auf der ganzen Linie eingetreten sei. Hoffentlich führe aber die voꝛn Bunde Heimatschutz und den Heimatschutzvereinen von Unfang an betriebene Opposition gegen die Streckenreklame bald zu eren gänzlicher Unterdrückung oder wenigstens zu einer Beschränkung
uf die Bahnhofsgelände innerhalb der Städte und Ortschaften.
z. Ueber Kunsthandel und Denkmalpflege sprach sodann der Geheime Hofrat, Hegseso⸗ Dr. Cornelius Gurlitt. Der Kunst⸗ andel ist ein vielfach notwendiger Mittler zwischen Kunstproduktion nd Konsum, vor allem bei Waren, deren Produzenten nicht mehr kben, also im Antiquariäat. Händler, Sammler und Museen arbeiten aran, die Kunstgegenstände von ihrem ursprünglichen Standort zu tfernen und an neue Besitzer zu bringen, gleichviel, ob diese im vnland oder Ausland sich befinden. Dagegen erließen einzelne Staaten nit zweifelhaftem Erfolge Ausfuhrverbote. Man könne sich fragen, bdiese einem kunstreichen Volk gegenüber nützlich seien. Er, der edner, habe z. B. mit Genugtuung deutsche Kunst in London gesehen id in italienischen Sammlungen sie recht sehr vermißt; gerade weil
tauf deutsche Kunst stol
ind weil Deutschland an solcher auch reich
genug sei. Sie kämpfe im Ausland für unser Ansehen. Der Redner ging dann auf das Museumswesen ein. Die alten Kulturnationen seien Amerika gegenüber im Nachteil, da dieses die Kunstschätze Europas aufzukaufen trachte, der Alten Welt aber als Ersatz keine Kunsthandelsware darbiete. Auch unter sich beraubten sich die Kulturnationen. Selbst die einzelnen Länder und Provinzen desselben Staates suchten einander Kunstwerke abspenstig zu machen, um die Museen ihrer engeren Heimat mit ihnen zu schmücken. Auch die Gegenstände, die Fürsorge der Denkmalpflege sind, seien in steigendem Maße von den Museumsdirektoren umworben; es komme zum Streit zwischen den Interessen der Landschaft und denen der Kunst⸗ geschichte. Die wachsende Zahl der Museen, das bloße Interesse für kulturelle, nicht nur künstlerische Werke, der Wunsch, ein Bild eines engeren Landesgebiets im Ortsmuseum darzustellen, habe die Aufgaben gegen früher verschoben; die Inventarisierung der Kunstdenkmäler habe auf den heimischen Bestand hingewiesen, die Maßnahmen der Behörden zum Schutz des Alten hätten das Verschleppen von Kunstwerken verhindert. Dadurch hätten die Museen einen schweren Stand, ihr Interesse dürfe aber nicht ausschlaggebend sein, ihre Vollständigkeit sei Nebensache und der Kunstgeschichtler könne ja auf Reisen seine Kenntnisse vervoll⸗ ständigen. — Weiter habe sich auch die Anschauung darüber gewandelt, was mit solchen Kunstgegenständen zu geschehen habe, die an Ort und Stelle schadhaft und überflüssig geworden und die an Ort und Stelle efährdet erschienen. Früher sei man sich darin einig gewesen, daß sie ins kuseum gehörten und wiederhergestellt werden muͤßten; heute versuche man es, sie an Ort und Stelle, nur gegen weiteren Verfall geschützt, zu belassen und ihren Uebergang in den Kunsthandel zu verbindern. Grundsätzlich lasse sich die Frage nicht entscheiden. Zu erstreben sei in erster Linie die Erhaltung des alten Zustandes; sei diese nicht möglich, die Wiederherstellung insoweit, als durch rein technische Mittel das Beschädigte ergänzt werde, sodaß sein künstlerischer Charakter gewahrt bleibe. Weiter käme dann erst die volle Restaurierung in 7 in der die Zufügungen als modern bezeichnet werden müßten. Erst wenn alles das nicht möglich sei, solle man der Frage näher⸗ treten, ob der gefährdete Gegenstand nicht besser in einem Museum unterzubringen sei. Bei der Frage, welches Museum in den Besitz der einzelnen Stücke gelangen solle das Ortsmuseum, das Landes⸗ museum oder ein internationales Museum — müsse der Staat regelnd eingreifen. Ein Mann mit vorurteilslosem Blick und mit der großen Autorität des Staates ausgerüstet, müsse der wechselseitigen Aus⸗ plünderung ein Ende machen und dafür forgen, daß die kleinen Orts⸗ museen nicht Sammlungen von Minderwertigkeiten werden, daß das Land nicht von den großen Museen ausgeplündert wird, daß aber die Kunstschätze des Landes auf das Volk auch seine erzieherischen Ein⸗ flüsse tatsächlich ausüben können.
Ueber Industriebauten und Heimatschutz sprach sodann der Professor Dr. Bestelmeyer⸗Dresden. Die Forderung, auch an Ingenieurbauten ästhetische Ansprüche zu stellen, sei jungen Datums. Der Heimatschutz fordere, daß der Industriebau sich harmonisch in die Umgebung einfüge. Man habe ihm vorgeworfen, daß er darin zu weit gehe und die Entwicklung einer modernen Industriebaukunst hemme. Die Beobachtung des Geschaffenen zeige aber das segensvolle Wirken des Heimatschutzes auch auf dem Gebiete des Industriebaues unzwei⸗ deutig. Um den neuen Bedürfnissen zu genügen, sei man zu einer reinen Zweckmäßigkeitsform gelangt und diese Form sei das einigende Element, über das hinweg Kunst und Industrie sich versöhnt die Hand reichen könnten. Mit den Fabrikbauten eines Peter Behrens, Muthesius, Riemerscheid, Pölzig könne man das Problem als gelöst betrachten. Nur zwischen gut erhaltenen charakteristischen Dorf⸗ gebäuden wirkten diese industriellen Zweckmäßigkeitsbauten noch nüchtern, besonders dann, wenn die Verschiedenheit des Maßstabes die Harmonie der Erscheinungsformen störe. Bei Lösung dieser Seite des Problems werde die Wahl des Materials eine ausschlaggebende Rolle spielen können. Wenn es gelänge, möglichst mit den Matertalien der bodenständigen Bauweise die Industriebauten unbeschadet ihrer Zweckmäßigkeit durchzubilden, sei für den harmonischen Zusammen⸗ klang mit der Umgebung sehr viel gewonnen. Das liege auch im Vorteil der Industrie selbst, da die bodenständigen Materialien meist in der Nähe zu beziehen und daher billiger seien, auch dem Ortsklima angepaßt zu sein pflegten. Die Forderung des Heimatschutzes in dieser Frage lasse sich folgendermaßen ausdrücken: .Der Heimatschutz verlangt vom Industriebau, daß er in erster Linie schon in seiner Gesamtdisposition den Fabrikations⸗ söderben von vornherein klar zum Ausdruck bringt und daß dabei, oweit dies mit diesem Prinzip vereinbar, auf das maßstäbliche Ver⸗ hältnis zur Umgebung und auf die Bodenständigkeit der Bau⸗ weise gebührend Rücksicht genommen werde.“ Für den Fabrik⸗ herrn sei ein schöner Bau seines Werkes die beste Reklame und vom sozialen Standpunkt bedeute die ästhetische Lösung des Fabrikbaues im Sinne des Heimatsgedankens einen großen Fort⸗ schritt. Auch der einfache Arbeiter werde bei dem jedem Menschen innewohnenden Schönheitsdrang eine belebende Wirkung davon ver⸗ spüren, wenn ihn das Gebäude, in dem er seine gleichformige Arbeit verrichten müsse, nicht schon durch sein Aeußeres abstoße, und wenn eine künstlerische Hand dafür gesorgt habe, auch dem inneren Organismus eines solchen Fabrikbaues Schönheitswerte aufzuprägen. So set es vor allem dank der Mitarbeit des Heimatschutzes erreicht worden, daß Industriebauten nicht notwendig mehr weder an sich noch im Zusammenhang mit der Umgebung unschön wirkten, ja man könne sagen, daß gute Industriebauten, einer Gegend ästhetische Werte verleihen könnten. Kämen dazu vernünftig angelegte maschinelle Anlagen, die in ihrem Maschinenstil an sich oft von eigenartigem Reiz sind, so könne eine Gegend ein künstlerisch höchst eigenartiges Gepräge erhalten. Allerdings gäbe es Gegenden, die auch bei Ausführung der besten Industriebauten für den Genuß der erholungsbedürftigen Menschheit verloren wären. Viele historische Städtebilder würden durch jeden modernen Industriebau schlecht⸗ hin wie durch einen grellen Mißton zerstört. Hier stehe der Heimatschutz vor einem schweren Problem. Die beste Lösung sah der Redner darin, die Industrie von vornherein nicht auf den Gedanken kommen zu lassen, sich an solchen Punkten anzustedeln. Man solle, wie das in England schon geschehe, größere Anforderung an die Industrie bezüglich der Abwehr der Schädigungen durch ihren Rauch, ihre Abfallprodukte und Abwässer stellen. Die Technik werde bei gutem Willen diese Schädigungen verringern können. Die Industrie werde aber diese Forderungen besser erfüllen können, wenn sich mehrere Werke zusammenschlössen. Wenn Gemeinden oder Genossenschaften die Sache in die Hand nähmen, indem sie besonders geeignete Gelände für Fabrikanlagen durch Wasserstraßen, Eisenbahnanschlüsse, Kläranlagen und dergl. vorbereiteten, wäre noch mehr erreicht. Man könne — unter Voraussetzung der Ausschaltung einer wüsten Bodenspekulation — die Industrie dorthin lenken, wo sie günstige Bedingungen fände und sie zugleich von Gegenden ablenken, wo sie unerwünscht wäre. Mit dem Grundsatz des Heimatschutzes, allezeit positive Mitarbeit zu leisten, wäre das wohl vereinbar und im Falle der Möglichkeit der Durch⸗ führung dieses Gedankens wären uns liebgewordene Gegenden unserer eöe besser vor Industrie geschützt als durch Gesetzes⸗ vorschriften.
„Den nächsten Vortrag hielt der Stadtbaurat, Professor Erlwein über Dresdener städtebauliche Fragen. Er hob die Tätigkeit der städtischen Behörden der sächsischen Hauptstadt in den letzten Jahren hervor, die darauf gerichtet war, das Stadibild im Innern vor dem Untergang zu bewahren. Er wies das an drei ccharak⸗ teristischen Beispielen nach, die zeigten, wie erfolgreich bei der Stadt⸗ erweiterung Dresdens der Schutz des Städtebildes von Standpunkt der Denkmalpflege durchgeführt worden ist: an der Erhaltung der malerischen Umgebung der Kreuzkirche, an der Erweiterung der Wils⸗ druffer Straße und an der Gestaltung des Königsufers in Dresden⸗ Ferifadt zwischen dem Finanzmtnisterium und dem Japanischen alats.
Als letzter Redner sprach in der ersten Sitzung der Geheime Hofrat, Professor von Hechelhäuser über Heimatschutz in den deutschen Kolonien. Das Reichskolonialamt habe den Anregungen der Kolonialgesellschaft, bei? uten in den Kolonien dem
Charakter des Landes möglichst Rechnung zu tragen sowohl hinsichtli der Formen wie der Baustoffe, grundsätzlich zugestimmt. Leider uc es an bodenständigen Vorbildern, auch seien die örtlichen Verbältnisse in den Kolonien recht verschieden. Unstreitig werde in den Kolonien auf dem Gebiete des Bauwesens viel gefündigt durch un veränderte Uebertragung deutscher Bauformen. Es gelte hie schnell einzuschreiten. Der Ausschuß der gemeinsamen Tagung der bereits auf Antrag des Vortragenden darüber beraten hatte, schlug vor, mit dem Verband deutscher Archltekten⸗ und Ingenieur⸗ vereine, mit dem Bund deutscher Architekten und mit dem Deutscher Werkbund in Verbindung zu treten und diese Verbände zu gemein⸗ samer Behandlung der wichtigen Frage aufzufordern. Vielleicht könne auch durch ein Preisausschreiben wichtiges Material aus den Kolonien anderer Kulturländer beschafft werden. Der Be⸗ richterstatter beantragte, den Ausschuß in diesem Sinne zu er⸗ mächtigen. Endlich teilte von Oechelhäuser noch mit, daß der Deutsche Werkbund auf Antrag des Beigeordneten Rehorst beschlossen habe, auf der nächstjährigen Werkbundausstellung in Cöln ein deutsches Kolonialhaus mit durchaus deutschen Ausstattungsgegenständen vor⸗ zuführen. Hierzu berichtete der Beigeordnete Rehorst selbst, daß das Reichskolonialamt diesen Plan durchaus billige und daß auch bereits ein Ausschuß dafür gebildet sei, dem Verwaltungsbeamte aus allen deutschen Kolonien angehören. Es solle ein Haus für die deutsche tropische Niederung errichtet werden und damit weniastens für eine deutsche Kolonie ein vorbildlicher Bau da sein an Stelle der abscheulichen Bauten aus Wellblech, Dachpappe und Gipsdielen, die jetzt in deutschen Kolonien von Privatleuten errichtet würden, während leider auch die Staatsbauten manches, die Bahnbauten geradezu alles zu wünschen übrig ließen. Der Staatssekretär Solf habe auch in Aussicht gestellt, Beispiele von Bauten aus allen Kolonien in Abbildungen zur Ver⸗ fügung zu stellen. Der Antrag von Oechelhäuser wurde darauf ein⸗ stimmig angenommen.
Verkehrswesen.
Die Entwicklung des Fernsprechverkehrs von Ort bu Ort in England. Die Zahl der Ferngespräche ist nach einer Veröffentlichung des General Post Office in England von 13 467 975 im Rechnungsjahre 1903/04 auf 35 815 959 im Rechnungsjahre 1912/13 gestiegen. Die internationalen Ferngespräche sind hierbei nicht mitgezählt. In demselben Zeitraume sind die Fernleitungen von 1363 auf 3180 vermehrt worden, und die Länge der Doppelleitungen ist von 79 000 km auf rund 190 000 km. gewachsen. Im Durch⸗ schnitt entfielen täglich auf eine Leitung 1903/04 34,1 Gespräche 1905 06 36,9 Gespräche, 1908/09 33,0 Gespräche, 1911,12 396 e⸗ spräche und 1912,13 38,8 Gespräche. Die Einnahmen aus den inneren englischen Ferngesprächen beliefen sich im Rechnungsjahre 1912/13 auf 18 246 840 ℳℳ gegen 6 510 500 ℳ im Rechnungsjahre 1903/04. Die durchschnittliche Gebühr für ein Gespräch ist in diesem Zeitraume von 8 hanf 11” des sFefttegg.. 8 g5 Stunde des stärksten Ver⸗
Is wird etwa der fünfte Teil des gesamten Tagesverkehrs (8 Uh Vormittags bis 8 Uhr Nachmittags) abgewickelt. 8 hgs de Rehr (Archiv für Post und Telegraphie.)
Verdingungen. (Die näheren Angaben über Verdingungen, die beim „Reichs⸗ und Staatsanzeiger“ ausliegen, können in den Wochentagen in dessen Expedition während der Dienststunden von 9 — 3 Uhr eingesehen werden.)
Oesterreich⸗Ungarn. Bis spätestens. 6 November 1913, 11 Uhr. Landesregierung von Bosniten und der Herzegovina: Verkauf von etwa 10 000 Festmeter
Buchen⸗ (Nutz⸗ und Brenn⸗) Holz am Stocke im Shepuljski”
; B11I“ 1 Dolz S e Schepuljski Potok⸗ Gebiet des Bezirks Zenica. Vadium 3000 Kr. Näberes beim forst⸗ wirtschaftlichen Departement der Landesregierung in Sarajewo.
Italien. 10. Oktober 1913, Vormittags 10 Uhr. Bür ermeisteramt in Feroleto Antico: Bau einer Wasserleitung p Kanalifations⸗ v visfen 88 82 243,38 Lire. Vorläufige Sicherheit 3200 Lire endgültige ho der Zuschlagssumme. Näheres in italienis rache beim „Reichsanzeiger⸗ dü 1 ntantegesche te . 13. Oktober 1913, Vormittags 11 Uhr. Generaldirektion des Königlichen Arsenals in Spezia und gleichzeitig diejenige in Neapel: Lieferung von Leinewandlappen im Werte von 98 000 Lixe. Sicherheit 9800 Lire. Näheres in italienischer Sprache beim „Reichs⸗ anzeiger“. G 20. Oktober 1913, Vormittags 10 — 11 Uhr. Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Rom und gleichzeitig die Königliche Präfektur in Reggio Calabrio: Bau der Landstraße zwischen Casa Martino und Vtgnola. Voranschlag 216 100 Lire. Zulassungsanträge und Fencech bis I1“ Vorläufige Sicherheit 10 000 vtre, endgültige 1o der Zuschlagssumme. Näheres in it Sprache beim „Reichsanzeiger“. u““ u.“
Niederlande. 6. Oktober 1913, 11 Uhr. Stadtverwaltung in id Rathause daselbst: Anfertigung und “ von galvanisierten eisernen Mülleimern mit Schiebedeckeln gemäß Besteck Nr. 17. Das Besteck liegt werktäglich von Morgens 9 bis Nach⸗ mittags 4 Uhr auf dem Geschäftszimmer der städtischen Arbeiten in Leiden zur Einsicht aus und ist dort für 0,50 Fl. erhältlich. Auch ist dort ein Probemülleimer zu besichtigen. Gleichfalls wird dort täglich zwischen 10 und 12 Uhr nähere Auskunft erteilt.
Norwegen.
17. Oktober 1913, 12 Uhr. Norwegisches Leu Kristiania: Lieferung von runden Ehcblgiches,, BeanPtkene Stahl (Flußstahl), nämlich: etwa 6 Stück, 150 mm. Durchmesser 6,5 m lang, etwa 105 Stück, 150 mm Durchmesser, 5,2 m lang, etwa 10 Stück, 150 mm. Durchmesser, 2,6 m lang, etwa 50 Stück⸗ 105 mm Durchmesser, 6,3 m lang, etwa 50 Stück, 105 mm Durch⸗ messer, 5,8 m lang, etwa 30 Stück, 105 mm Durchmesser, 5,2 m lang, etwa 5 Stück, 105 mm. Durchmesser, 1,6 m lang. Versiegelte Angebote zu richten an das Bureau des Leuchtfeuerwesens, Werge⸗ landsveien 1, in Kristiania. Bedingungen daselbst sowie beim Reichs⸗ Peheigr hns 8 Fen der „Nachrichten für Handel, Industrie und
1 r a 2 8 C M 9 aft“ (Reichsamt des Innern). Vertreter in Norwegen
Ehebruchskomoödie darstellte.
Theater und Musik.
Trianontheater.
„Seine Geliebte“ (Mari-garçon), ein Luftspie schti Schwank) in drei Akten von Armont, gefiel am Fafthb echiger Erstaufführung im vrsgnnthegter weil es nic⸗- die übliche französische Zwar hat die Schwiegermutter im erste Att in Erfahrung gehracht, daß —or Seusernaste decente. Zusammenkünfte mit einer ame hat, und wittert sofort Verrat. es stellt sich bald heraus, daß die vermeintliche Geliebte
es Schwiegersohns dessen eigene Frau ist, mit der er, um durch die güne nicht gestört. 3˙* werden, verschwiegene Winkel aufsucht. Es G kleinen, etwas unbegründeten Streit zwischen den jungen Fhe euten, der den Zweck hat, den etwas dünnen Faden Handkung etwas länger auszuspinnen und ein paar ha⸗ lige, Mißverständnisse herbeizuführen, im ganzen aber ver⸗ läunf 24 M ‚wie es der Zuschauer sich von Anfang gedacht at. Das tückchen fand eine sehr beifällige Aufnahme. Zu dem Erfolge trug die gute Darstellung nicht wenig bei. Träger der Haupt⸗ rollen waren die Herren Junkermann, Spira, Laurence, die Damen Schönfeld und Limburg. Aber auch alle anderen Mitwirkenden füllten
die ihnen angewiesenen Plätze gut aus.
Tannennutzholz I. und II. Klasse sowie von etwa 2000 Festmeter