An Entschädigungsbeträgen (ohne die Kosten der Fürsorge für Verletzte innerhalb der gesetzlichen Wartezeit) haben die Verletzten . deren Angehörige im Jahre 1911 von den Berufsgenossenschaften d 820 151,11 ℳ (gegen 147 991 435,01 ℳ im Vorjahre), von den Ausführungsbehörden 13 619 454,73 ℳ (gegen 13 387 252,84 ℳ im Vorjahre), von den Versicherungsanstalten der Baugewerks⸗Berufs⸗ genossenschaften, der Tiefbau, und der See⸗Berufsgenossenschaft 9 ℳ (gegen 1 948 132 38 ℳ im Vorjahre), zusammen 1 370 623,14 ℳ (gegen 163 326 820,23 ℳ im Vorjahre) erhalten. Havon wurden 30 497,00 ℳ den Verletzten und ihren Angehörigen 89 die Zeit nach dem Ablaufe der gesetzlichen Wartezeit von den
erufsgenossenschaften usw. freiwillig gewährt. der Bestimmung, nach welcher Verletzte mit einer Erwerbs⸗ Anfähtgkeit von 15 vom Hundert und weniger auf ihren Antrag durch Kapitalzahlungen abgefunden werden können, haben die Genossenschaften usw. in 7192 Fällen Gebrauch gemacht. Der hierfür aufgewendete Betrag stellt sich auf 2 407 286,16 ℳ. 1765 Ver⸗ letzte (gegen 1703 im Vorjahre) haben im Rechnungsjahre wegen Hilflosigkeit eine höhere Rente als 66 ⅜ vom Hundert döresxsarcasrhettsberdientes (die gesetzliche Vollrente) bezogen. 1 Gesamtsumme G chädi äge (Renten ufw.) beltef fich er Entschädigungsbeträge (Ren ““ im Jahre 1911 auf 165 370 623,14 ℳ „ 1910 163 326 820 23 1909 161 332 900,01 1908 157 062 870,38 1907 150 325 291,90 1906 142 436 864 35 1905 135 437 932,63 1904 126 641 740,46 1903 117 246 500,04 1902 107 443 326 27 1901 98 555 868,57 1900 86 649 946,18 1899 78 680 632,52 1898 71 108 729,04 1897 63 973 547,77 1896 57 154 397,53 1895 90 125 82,22 1894 44 281 735,71 1893 38 163 770 35 1892 32 340 177,99 1891 26 426 377,00 1890 20 191955 889 14 464 303,15 1888 9 681 447,07 1887 5 932 930,08 „ 1111““ 1 915 366,24 „. Rechnet man zu dem Betrage von 165 370 623,14 ℳ die als Kosten der Fürsorge innerhalb der gesetzlichen Wartezeit gezahlten 1240 226,36 ℳ hinzu, so entfallen auf jeden Tag im Jahre 1911 rund 456 500 ℳ, die den Verletzten oder ibren Hinterbliebenen und Angehörigen zugute gekommen sind.
Die Anzahl der neuen Unfälle, für die im Jahre 1911 zum ersten Male Entschädigungen gezahlt wurden, belief sich auf 132 114. Hiervon hatten 9443 den Tod und 988 eine mut⸗ maßlich dauernde völlige Erwerbsunfähigkeit der Verletzten zur Folge. An 19 617 Hinterbliebene Getöteter wurde im Rechnungs⸗ jahr zum ersten Male eine Rente gezahlt. Darunter befinden sich 6373 Witwen (Witwer), 12 953 Kinder (Enkel) und 291 Verwandte der aufsteigenden Linie. Die Anzahl sämtlicher zur Anmeldung gelangten Unfälle beträgt 716 584. Für die
Beurteilung der Unfallhäufigkeit sind nur die Zahlen der ent⸗ schädigten Unfälle brauchbar. Die Zahl der Fälle, für die im Jahre 1911 zum ersten Male eine Entschädiaung gezahlt worden ist, stellt sich, wie schon hervorgehoben, auf 132 114 gegen 132 064 im Vorjahr.
Die Summe der der Beitragsberechnung zugrunde ge⸗ legten Löhne, die sich, was besonders bemerkt wird, mit den wirklich verdienten Löhnen nicht deckt, stellt sich bei den gewerb⸗ lichen Berufsgenossenschaften auf 9 904 075 651 ℳ bei durchschnitt⸗ lich 9 846 599 versicherten Personen oder 8 653 302 Vollarbeitern. Für die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften sind, wie auch früher, wegen des abweichenden Berechnungsverfahrens Lohn⸗ beträge, die für die Beitragsberechnung zugrunde gelegt werden, in die Nachweisung des Reichsversicherungsamtes nicht aufgenommen worden.
— Einen Vergleich der Unfallgefahr in den einzelnen Ge⸗ werbegruppen ermöglicht eine in der amtlichen Nachweisung den Tabellen vorangestellte Uebersicht über die verletzten Personen und die Unfallfolgen, welche die Unfälle umfaßt, für die im Rechnungs⸗ jahre zum ersten Male eine Entschädigung gezahlt worden ist. Danach kommen auf 1000 Vollarbeiter
Unfälle
1911 1910
bei der Gewerbe⸗, Bau⸗ und Seeunfallversicherung, jedoch ohne die Versicherungsanstalten der Bau⸗ gewerks⸗Berufsaenossenschaften, der Tiefbau⸗ und See⸗Berufsgenossenschaft... und in der Gruppe bezw. Berufsgenossenschaft: Knappschafts⸗Berufsgenossenschaft .... Steinbruchs⸗Berufsgenossenschaft . . uöu“ der Feinmechanik und Elektro⸗ Eisen⸗ und Stabhl⸗Berufsgenossenschaften 9,58 Metallindustrie⸗Berufsgenossenschaftert. 7,65 Berufsgenossenschaft der Musikinstrumenten⸗ enöööö558588858388 Glas⸗Berufsgenossenschat 414,04 Töpferei⸗Berufsgenossenschft 2228 2,76 Ziegelei⸗Berufsgenossenschaft ... 88 7,63 8,48 Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie. 7,66 7,7 Berufsgenossenschaft der Gas⸗ und Wasserwerke 6,03 6,21 Textil⸗Berufsgenossenschafteeenre. 2,61 2,75 Papiermacher⸗Berufsgenossenschaft... “ 9,18 8,97 Papierverarbeitungs⸗Berufsgenossenschaft... 4,07 3,56 Lederindustrie⸗Berufsgenossenschafft.. 5,3 6,01 Holz⸗Berufsgenossenschftrtnrn . 10,86 11,03 Müllerei⸗Berufsgenossenschffttt ... . .. 14,11 13,80 Nahrungsmittelindustrie⸗Berufsgenossenschaft. 4,20 4,62 Zucker⸗Berufsgenossenschfttf14²,.,y . .9,88 8,51 Berufsgenossenschaft der Molkerei⸗, Brennerei⸗ N223634 7,11 Brauerei⸗ und Mälzerei⸗Berufsgenossenschaft.. 9,17 10,7. Tabak⸗Berufsgenossenschft. . . 0,52 0,60 Bekleidungsindustrie⸗Berufsgenossenschaeft 2,04 1,9. Berufsgenossenschaft der Schornsteinfegermeister L1111141244“ 4,19 Baugewerks⸗Berufsgenossenschaften.. 9,44 Deutsche Buchdrucker⸗Berufsgenossenschaft. 2,79 Privatbahn⸗Berufsgenossenschaft . . . ... 6,64 Straßen⸗ und Kleinbahn⸗Berufsgenossenschaft 6,34 Lagerei⸗Berufsgenossenschaft . . 8,55 Fuhrwerks⸗Berufsgenossenschaft . . . . .. 19,32 Binnenschiffahrts⸗Berufsgenossenschaften 3 12,44 See⸗Berufsgenossenschaft . . . . . .. 5,36 Tiefbau⸗Berufsgenossenschaft.... 12,30 Fleischerei⸗Berufsgenossenschaft .. . . 6,93 bei den Ausführungsbehörden: Marine⸗ und Heexesverwaltuug] . 4,09 Oeffentliche Baubetriebe (staatliche, Provinzial⸗ und Kommunalbauverwaltungen) . .. 8 35
8,15
7,99
14,55 13,54
4,82
8,19
14,67 13,60
5,20 9,80 6,86
5,18 3,60
Staatseisenbahnen, Post und Telegraphen.. 8 Staatsbetriebe für Schiffahrt, Baggerei, ͤͤa111X1X“X“
Vorjahre).
Als Gesamtausgabe werden von den gewerblichen Berufs⸗ genossenschaften (nach Abzug der von den Versicherungsanstalten der Baugewerks⸗Berufsgenossenschaften und der Tiefbau⸗Berufs⸗ genossenschaft erstatteten Pauschbeträge) 165 640 855,18 ℳ (gegen 162 154 056,00 ℳ im Vorjahre) und von den landwirt⸗ schaftlichen Berufsgenagssenschaften 41 931 877 92 ℳ (gegen 42 319 595,67 ℳ im Vorjahre), zusammen 207 572 733,10 ℳ nach⸗ gewiesen. Hiervon entfallen auf Entschädigungen, einschließlich der Kosten der Fürsorge für Verletzte innerhalb der gesetzlichen Wartezeit, 151 048 518,33 ℳ.
Auf die schwebende Schuld aus dem Jahre 1909 wurden von den Berufsgenossenschaften für Tilgung, an Zinsen und Kapital⸗ abfindung 6 026 692,45 ℳ gezahlt, während für die Unfallunter⸗ suchung und Feststellung der Entschädigungen, für den Rechtsgang (Schtedsgerichte usw.) und für die Unfallverhütung von den Berufs⸗ genossenschaften zusammen 10 865 233,72 ℳ ausgegeben worden sind. In die Reservefonds sind für das Jahr 1911 21 962 747,51 ℳ eingelegt worden. Als Verwaltungskosten, einschließlich der sonstigen Ausgaben, werden für die Berufsgenossenschaften insgesamt 17 669 541,09 ℳ nachgewiesen.
Die laufenden Verwaltungskosten betragen bei den ge⸗ werblichen Berufsgenossenschaften 11 983 285,0 ℳ (gegen 11 639 675,68 ℳ im Vorjahre), bei den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften 4 060 424,62 ℳ (gegen 4 026 371,82 ℳ im Davon entfallen auf
— 9 je 1000 ℳ der — 1 gemeldeten ¹ Versicherten verdienten Löhne 1 Betrieb Unfall ℳ ℳ ℳ „6
bei den gewerblichen Berufsgenossenschaften: 1911 12. 1 16,11 V 1910 11” 16,05
rtschaftlichen Berufsgenossenschaften:
1911 0,24 88 V 0,75 V 29,75 1910 0,23 , V 0,74 30,58. Die Höhe der laufenden Verwaltungskosten ist bei den einzelnen Berufsgenossenschaften verschieden; sie hängt ab von der Zahl der versicherungspflichtigen Personen, von der Zabhl, Art und Lage der Betriebe, von der größeren oder geringeren Unfallgefahr usw. Zu Vergleichen über diese Aufwendungen bei den einzelnen Berufs⸗ genossenschaften können daher die Angaben in den Rechnungsergebnissen
nicht ohne weiteres dienen.
Die Gesamtausgaben der 556 Ausführungsbehörden haben sich auf 14 124 421,22 ℳ, die der 14 Versicherungsanstalten der Baugewerks⸗Berufsgenossenschaften, der Tiefbau⸗ Berufsgenossenschaft und der See⸗Berufsgenossenschaft auf 2 834 216,41 ℳ belaufen.
Die Bestände der bis zum Schlusse des Rechnungsjahres an⸗ Reservefonds der Berufsgenossenschaften etrugen zusammen 328 213 382,52 ℳ, zu denen — nach Abzug der zuviel eingelegten 3407,28 ℳ — noch 13 217 292,48 ℳ rückständige Einlagen kommen. Die Versicherungsanstalten haben als Re⸗ servefonds 1 523 996,04 ℳ zurückgelegt.
An sonstigem Vermögen, einschließlich der noch aus⸗ stehenden Beträge, werden für die Berufsgenossenschaften 201 609 718,70 ℳ, für die Versicherungsanstalten 19 009 278,43 ℳ nachgewiesen.
— “ 8 1“
Die Geschäfts⸗ und Rechnungsergebnisse der Invaliden⸗ versicherungsanstalten und zugelassenen Kassenein⸗ richtungen im Deutschen Reiche für das Jahr 1911.
Das Januarheft der „Amtlichen Nachrichten des Reichsversicherungs⸗ amts“ für 1913 enthält die Geschäfts⸗ und Rechnungsergebnisse der 31 Invalidenversicherungsanstalten und 10 zugelassenen Kassenein⸗ richtungen für das Geschäftsjahr 1911, das letzte unter der Herrschaft des Invalidenversicherungsgesetzes. Diese 41 Versicherungsträger hatten am Schlusse des Jahres 1911 insgesamt 327 Vorstandsmitglieder, 53 Hilfsarbeiter der Vorstände, 628 Ausschußmitglieder, 445 Kontroll⸗ beamte, 2 Rentenstellen — die Rentenstelle in Marburg ist am 1. April 1911 eingegangen —, 124 Schiedsgerichte, 2204 besondere Markenverkaufsstellen und 7223 mit der Einziehung der Beiträge beauftragte Stellen.
Im Bereiche der 31 Versicherungsanstalten wurden rund 734 Millionen Wochenmarken mit einem Erlöse von 192 560 609,99 ℳ verwendet. Hierin sind jedoch 519 634,44 ℳ aus dem Verkaufe von rund 1 650 000 Beitragsmarken neuen Wertes (§ 1392 der Reichs⸗ “ und 9 ℳ für Zusatzmarken (§ 1472 der Reichs⸗ versicherungsordnung) enthalten. Bei den Kasseneinrichtungen betrug die Beitragseinnahme 17 245 013,49 ℳ. Die gesamte Beitragsein⸗ nahme stellt sich hiernach auf 209 805 623,48 ℳ. Von Arbeitgebern, die während des Berichtsjahrs polnische Arbeiter russischer oder öster⸗ reichischer Staatsangehörigkeit beschäftigten, wurden 748 708,96 ℳ für nahezu 8,2 Millionen Wochenbeiträge entrichtet (§ 4 Abs. 2 des Invalidenversicherungsgesetzes).
Bei der Abrechnung für das Jahr 1911 wurden 141 532 Renten als im Jahre 1911 zugegangen behandelt, und zwar 118 158 In⸗ validenrenten, 11 789 Krankenrenten und 11 585 Altersrenten im durchschnittlichen Jahresbetrage von 180,09 ℳ, 177,48 ℳ und 165,30 ℳ.
Beitragserstattungen (§§ 42, 43 und 44 des Invalidenversiche⸗ rungsgesetzes) wurden im Jahre 1911 in 193 642 Fällen, nämlich 154 901 Heiratsfällen, 446 Unfällen und 38 295 Todesfällen, fest⸗ gesetzt. Der durchschnittliche Betrag einer Erstattung stellte sich auf 40,94 ℳ beziehungsweise 104,13 und 105,76 ℳ.
An reichsgesetzlichen Entschädigungen — Renten und Beitrags⸗ erstattungen — wurden im ganzen 179 220 174,62 ℳ gezahlt; davon entfielen auf das Reich 53 283 120,70 ℳ, auf die 41 Versicherungs⸗ träger 125 937 053,92 ℳ, nämlich 115 690 801,49 ℳ auf Renten und 10 246 252,43 ℳ auf Beitragserstattungen.
Für das Heilverfahren (§§ 18 ff. des Invalidenversicherungs⸗ gesetzes) wurden einschließlich der Ausgaben für Unterstützungen an Angehörige der in Heilbehandlung genommenen Personen (§ 18 Abs. 4 und § 47 Abs. 2 a. a. O.) in Höhe von 2 178 461,19 ℳ insgesamt 22 079 317,60 ℳ aufgewendet. In dieser Summe sind die von Kranken⸗ kassen, von Trägern der Unfallversicherung und von anderer Seite ge⸗ zahlten Kostenzuschüsse im Gesamtbetrage von 6 290 650,59 ℳ nicht enthalten. Auf Grund des § 45 des Invalidenversicherungsgesetzes wurden 1 655 977,07 ℳ verausgabt.
Die Kosten der Invalidenhauspflege beliefen sich auf 1 426 867,35 ℳ. Dieser Betrag ermäßtate sich durch Einbehaltung von Renten der Pfleglinge um 429 682,51 ℳ; durch Zuschüsse von anderer Seite wurden 86 355,87 ℳ ersetzt. Den Versicherungsträgern erwuchs da⸗ her aus der Anwendung des § 25 des Invalidenversicherungsgesetzes eine Reinausgabe von 910 828,97 ℳ.
Die Gesamtausgabe an Verwaltungskosten stellte sich auf 21 854 418,64 ℳ, das sind 104 ℳ von 1000 ℳ der Einnahme aus Beiträgen und 126 ℳ von 1000 ℳ der gesamten Ausgaben. Von 1000 ℳ der überhaupt als Verwaltungskosten aufzufassenden Aus⸗ gaben entfielen auf die allgemeine Verwaltung 603 ℳ, auf die Kosten für die Einziehung der Beiträge 132 ℳ, auf die Kosten der Kontrolle 98 ℳ und auf die übrigen Kosten 167 ℳ.
Die Einnahmen sämtlicher Versicherungsträger im Berichtsjahre betrugen 270 154 727,42 ℳ, ihre Ausgaben 172 951 393,21 ℳ, der Vermögenszuwachs mithin 97 203 334,21 ℳ.
Das Vermögen der Versicherungsanstalten und der für die reichsgesetzliche Versicherung bestimmte Teil des Vermögens der Kassen⸗ einrichtungen war am Schlusse des Jahres 1911 auf 1 759 362 074,73 ℳ angewachsen. Dazu kommt noch der Buchwert der Inventarien mit 6 646 247,44 ℳ=.,, “
Gerhard Stallings Verlag.
Von 1000 ℳ Vermögen waren, wie im Vorjahre, 17 ℳ im Kassenbestande vorhanden; 345 ℳ waren in Wertpapieren, 587 ℳ in Darlehen und 51 ℳ in Grundstücken angelegt. Die durchschnitt⸗ liche rechnungsmäßige Verzinsung des am Schlusse des Geschäftsjahres 1911 in Wertpapieren und Darlehen vorhanden gewesenen Vermögenz betrug 3,59 v. H. des Ankaufspreises.
Zur Arbeiterbewegung. ““
In einer Versammlung, die gestern vormittag in Berlin tagte, wurden, wie die „Voss. Ztg.“ meldet, die Forderungen der Schiffer und Angestellten der Dampfschiffsreedereien aufgestellt und über die bisherigen Verhandlungen, die noch zu keinem Ergebnis geführt haben, berichtet. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitgebern und Arheitnehmern sind so erheblich, daß es wahr⸗ scheinlich zu einem Ausstand kommen wird. Die Dampfschiffsreeder sind gewillt, eine Nachtruhe von 5 Stunden zu bewilligen. Eine Sonn⸗ tagsruhe, von Sonnabend, Abends 5 Uhr, bis Montag, Morgens 6 Uhr, die von den Arbeitnehmern gefordert wird, wollen die Arvbeit⸗
eber nicht zugestehen, denn eine solche vollständige Sonntagsruhe fei nach ihrer Erklärung im Schleppschiffahrtverkehr vollständig unmöglich. Aus dem in der gestrigen Versammlung erstattete Bericht ging hervor, daß die Arbeitnehmer einige ihrer ur⸗ sprünglichen Forderungen, z. B. eine vollständige Sonntags⸗ ruhe, fallen lassen wollen, auf keinen Fall aber auf die Be⸗ dingung der Reeder: Nachtruhe an Kahn und Mann gebunden, d. h. ihre freie Nachtzeit an Bord zu verbringen, einzugehen. Sollte es über diese wichtige Frage zu keiner Einigung kommen, so wird für den 15. Februar die Arbeit gekündigt und unter Umständen die ganze Schleppschiffahrt eingestellt werden. In diesem Ausstand wären die Maschinisten, Heizer und Boots⸗ leute beteiligt. Der Lohntarif für die Maschinisten beträgt jetzt auf den märkischen Wasserstraßen monatlich 160 ℳ, auf der Oder 140 bis 150 ℳ und auf der Elbe 165 bis 170 ℳ. Es ist nicht aus⸗ geschlossen, daß sich der Ausstand auch auf die Personenschiffahrt, die im nächsten Monat zum Teil wieder eröffnet wird, ausdehnt.
— Werner Sonbart, „Studien zu te
des modernen Kapitalismus.“ 1. Band: Luxus und Kapitalis⸗ mus; 2. Band: Krieg und Kapitalismus. Verlag von Duncker und Humblot, München und Leipzig 1913. (Preis jedes Bandes geh. 6 ℳ, geb. 7,50 ℳ.) — Im ersten Bande, der nach dem Vor⸗ wort eigentlich den Titel „Liebe, Luxus und Kapitalismus“ führen müßte, will Professor Sombart zeigen, daß durch die Um⸗ wälzungen in der europäischen Gesellschaft seit dem Mittelalter sich das Verhältnis der Geschlechter zueinander gewandelt, hier⸗ durch die gesamte Lebensführung der herrschenden Klassen sich geändert und diese Aenderung einen wesentlichen Einfluß auf die Entwicklung des modernen Wirtschaftssystems ausgeübt habe. In fesselnder Weise schildert er die Entstehung der neuen Gesellschaft und die Wandlung in den Anschauungen über Liebe und Liebesbeziehungen. Er weist darauf hin, daß die Liebe es gewesen sei, und zwar hauptsächlich die nicht durch die Ehe legitimierte, die den Luxus geschaffen habe, daß dieser sich zuerst an den Fürstenhöfen entfaltet, von dort sich allmählich über alle Kreise, die ihr Ideal in dem höfischen Leben erblickten oder mit dem Hofe irgendwie in Beziehung standen, verbreitet, den Adel wie den reichen Emporkömmling ergriffen habe und durch die Kurtisanen und die Mätressenwirtschaft ins Maßlose gesteigert worden sei. Um den engen Zusammenhang zwischen der Luxusentfaltung in der frühkapita⸗ listischen Epoche und der Votherrschaft der Frau deutlich zu zeigen, verfolgt der Verfasser die Entwicklungstendenzen des Luxus in diese Zeit und legt hiernach seine Bedeutung für die Entwicklung des Kapitalismus im Handel, in der Industrie und Landwirtschaft dar⸗ — Im zweiten Bande sucht Professor Sombart die Beztehungen zwischen der Entwicklung des Militarismus und Kapitalismus aufzu⸗ decken und nachzuweisen, daß die modernen Heere als Vermögens⸗ Gesinnungs⸗ und vor allem als Marktbildner das kapitalistische Wirtschaftssystem bis zum 18. Jahrhundert in hervorragendem Maße beeinflußt haben. Er führt aus, daß durch die Aufbringung der Geldmittel, deren dauernde Bereithaltung die stehenden Staatsheere erforderten, großer Reichtum geschaffen sei, so oft sie der Vermittlung von Privatpersonen durch Steuer⸗ verpachtung oder Anleihenbegebung anvertraut wurde. Zins⸗ und Agiogewinne der für Kriegszwecke ausgegebenen Obligationen bildeten die Grundlage des ersten Effektenverkehrs, sodaß der Krieg geradezu als Schöpfer der Börse gelten könne. Auch die Subsidien scheinen Sombart ein Faktor in dem Kapitalbildungsprozeß zu sein, weil sie den Wechselkurs des zahlenden Landes stark beeinflußten, hierdurch aber indirekt eine starke Warenausfuhr bewirkten, deren innige Verbindung mit industriellem Kapitalismus einleuchte. Einen weiteren Zusammenhang zwischen den modernen Heeren und kapitalistischer Wirtschaft sieht der Verfasser in ihrer Organisation, denn die Arbeitsteilung der Großbetriebe habe in der Heeresverfassung ein Analogon. Die Trennung von leitenden und ausführenden Personen, die Einordnung des einzelnen Mannes
in ein überragendes Ganzes, die überindividuelle Einheit des Massen⸗
körpers, der von einem gemeinsamen Geiste beseelt ist, seien die Eigenheiten des modernen Heeres und dieselben Merkmale treten in der Arbeitsorganisation der Großbetriebe wieder hervor, wie es keinem Zweifel unterliege, daß der im Heere gepflegte Drill auch der Arbeits⸗ disziplin zustatten gekommen ist. Die stärkste Triebkraft aber für die kapitalistische Entwicklung des Handels und der Induftrie war nach Sombart der Massenbedarf, den die Ausrüstung und Ver⸗ pflegung der Heere ergab. Die großen Militärlieferungen bewirkter eine Vereinheitlichung der Gebrauchsgüter, die nur durch kapitalistisch Rationalisierung und Mechanisierung des bisherigen Betriebs geschehen konnte. Allein schon die gesteigerte Nachfrage nach den Rohmatertalien für den Heeresbedarf führte zu kapitalistischen Bildungen, mehr . noch die veränderte Eb“ vor allem auf dem Gebiet⸗ der Eisenindustrie. Beiden Büchern, die über die Fachkreise hinans interessierte Leser finden dürften, ist eine Uebersicht über die ein⸗
schlägige Literatur beigegeben, die es ermöglicht, die behandelten
Probleme weiter zu verfolgen.
“ 8 vn 1“ neu erschienener Schriften, deren Besprechung vorbehalten bleibt.
Einsendungen sind nur an die Redaktion, Wilhebmf straße 32, zu richten. Rücksendung findet in keinem Falle statt.
Die Bewaffnung der preußischen Fußtruppen 88 Gewehren (Büchsen) von 1809 bis zur Gegenwart. 26 Generalmajor z. D. von Menges. Mit 20 Abbildungen. 1,80 ℳ, gebdn. 2,60 ℳ. Oldenburg i. Gr., Gerhard Stallings Verlag. die
Nachtrag zur Deutschen Rangliste 1913 enthaltend 8 Dienstalterslisten der Generale und Stabsoffiz egr sowie die Kaiserlich Deutsche Marine. Oldenburg i. Gt⸗ Stammliste des Jahrgangs 1887/88 der Kriege. schule Metz. Kart. 3 ℳ. — Der Offizterburscher deutschen Armee und Marine. Von Axel von Alten,
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Staaten und Landesteile
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Maultiere und Maulesel
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1912 1907 1912 1907
1912 1907
1912 1907 1912 1907
1912 1907 1912 1907
1912 1907
1912 1997
1912 1907
1912 1907
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1912
1907 1912
1907
497 536
471 148
270 753 254 812
46 278
52 568 314 728 303 337 241 958 226 941 297 954 283 376 340 434 330 355 222 430 219, 721 207 983 188 354 274 392 253 329 172 187 163 473 87 369
87 970 211 159 205 571
5 196 5 349
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11 8 29
20 22 52
1 214 156 + 1 182 861 712 797— 715 627 11 931 — 12 689 879 240 — 888 944 831 199+ 797 971 909 696— 965 535 604 470— 644 565 793 802,— 834 648 088 066 + 048 517 284 837 282 636 720 199 730 246 584 784 620 739 1 172 471 238 484 48 458
49 022
344 438 472 858 396 142 496 646 3 251 2 482 523 111 680349 806 360 038 301 281 340 — 31,5 410 742 203 273, — 26,8 277 870 568 201 — 18,9 700 631 160 054 — 26,1 216 528 442 241 — 29,6 628 284 129 430 — 24,5 171 ˙379
1 —- 15,1
41,4
1 231 977 1 154 363
932 234 907 227
1 2 1 2 1 1 1 2
20 597 1 394 023 1 604 697 1 401 080 1 128 955 2 801 805 2 348 790 1 305 932 1 255 672 702 481 1 033 692 1 124 723
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27243
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2,8 278,4
—
2,0
8 2)8
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3 738
9,6
2,1
— 10,3
7,0
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+
+ 639
+ +
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20 090
12 3
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5 065 —
4 899 3 151
3 081
10 034 —-
115 352
0*⸗
d —ͤ=100,
— 10
8
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528—
— —,
— 28,7
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1 809 5 601
67 980
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502 443
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132 116 + 0,1
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29 650
49 980 — 11,4
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38 589
41¹ 594 24 892 30 425 14 699 16 941
17 502
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1 759
3 728 — 16,8
4 480
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7 027
70 978-⸗◻ 11,5
265— 63 670
. 0 G6 + 26,6
8,2
10 318 845— 10 581 100
3 099 895+ 2 965 884 3 236 239 + 3 053 799 2 556 475 +ℳ 2 472 943 1 671 468 + 1 604 771 1 416 859 1 289 947 736 796 727 054 232 597 211 682 1 566 034 1 263 141 592 302 590 032 334 515 330 433 265 398 257 130 391 903 372 550 522 900 504 379 172 334 162 326 141 986 139 036 140 455 131 622 72 674 66 403 148 434 138 728 80 179 74 477 258 944 235 665 71 956 61 335 176 651 148 023 187 052 165 239 2 882 916 2 690 455
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35 276 + 63
12
29 669 35 909 8 501 9 510 12 611 11 702 8 730 7 950 14 542 12 808 6 762 7 697
1912 1907
1904
1900
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10 349
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20 630 544 19 331 568 18 939 692
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3 383 971 — 4,2
3 533 970
3 329 881
3 266 997 .
82 474 317 77 103 048
64 453 171
2 619 891 2 594 690