Verkehrseinnahmen der deutschen Haupt⸗ vollspurigen Nebenbahnen im April 1914 nach im Reichseisenbahnamt aufgestellten Uebersicht:
und
gegen das Vorjahr mehr, weniger
im ganzen Aℳ
auf 1 km
ℳ ℳ J
auf 1 km %
1 474 2 954
89 812 207 184 682 457
onenverkehr
üterverkehr. — 4 693 086 — 108—
+ 16 777 561 + 265 + 21,92
3,53.
Bei der Beurteilung der Einnahmeergebnisse ist die Lage des Osterfestes (1914 im April, 1913 im März) zu 8 8
8
Laut Meldung des „W. T. B.“ sind am 15. Mai S. M. S. „Goeben“ mit dem Chef der Mittelmeerdivision in Konstanti⸗
nopel und S. M. S. „Königsberg“ in Mersina, am 16. S. M. S. „Tiger“ in Tsingtau eingetroffen.
Oesterreich⸗Ungarn.
Mai
Ueber das Befinden des Kaisers am gestrigen Tage
wird mitgeteilt: 1 Der Katarrh in den größeren Bronchien der rechten Seit ohne Aenderung, der Husten etwas lockerer. Das Allgemeinbefi
ist vollkommen befriedigend. Nach dem heute früh ausgegebenen Krankheitsbericht die Nachtruhe des Kaisers ungestört. ist ganz zufriedenstellend. — Der albanische Ministerpräsident Turkhan Pa ist gestern in Budapest eingetroffen, um mit dem Aeußern Grafen Berchtold zu konferieren.
Frankreich. Der König und die Königin von Dänemark
’ nden
war
Das Allgemeinbefinden
scha
Minister des
sind
vorgestern in Paris eingetroffen und auf dem Bahnhof des Bois de Boulogne unter militärischen Ehren vom Präsidenten der Republik und Frau Poincaré, von den Präsidenten des Senats und der Kammer, von den Ministern und anderen
Persönlichkeiten empfangen worden.
Im Laufe des Nach⸗
mittags machten der König und die Königin dem Präsidenten der Republik einen Besuch und begaben sich darauf mit ihm
und Frau Poincaré ins Rathaus, wo ein Danach kehrten
Empfang stattfand. der König und die Königin in das Ministerium
des Außern zurück, wo sie Wohnung genommen hatten und der König gegen Abend die Mitglieder des diplomatischen
Korps empfing.
Später gaben der Präsident der Republik
und Frau Poincaré im Elysée zu Ehren der dänischen Majestäten ein Festmahl, zu dem die Gefolge, die Mitglieder der Regierung, die Präsidenten und die Bureaus des Senats
und der Kammer sowie das diplomatische Korps gel
waren. einen Trinkspruch aus, in dem er nach einem Jahrhunderte alten herzlichen Gesinnungen
“ Uan — ddes „W. T. B.“ sagte:
rankreicresvessenefTAkmeg dänischeV ung, nd Sympäalhre. Frankreich kenne die von gegobenen edlen Beispiele an Tatkraft und Ar
do.) ün
aden
Bei dem Mahl brachte der Präsident Poincaré inweis auf die rankreichs für ““ E
si den NLion
Interesse ihre großartige wirtschaftliche Entwicklung und besonders
ie Kraft und Eigenart ihrer Literatur verfolgt. Diese zeige,
wie
frreundlich Dänemark alles aufnehme, was aus Frankreich komme. Die Regierung der Republik werde alles, was von ihr abhänge, tun,
um in
ukunft die die beiden Länder verknüpfenden industriellen und
moralischen Bande zu befestigen und ihre traditionellen Beziehungen
zu kräftigen.
Er erhebe sein Glas zu Ehren Seiner Mafjestät des
Königs und Ihrer Majestät der Königin und trinke auf das Wohl
Dänemarks.
Der König Christian antwortete mit lebhaften Worten
des Dankes für den glänzenden Empfang und die Sympat die Frankrei habe, und sagte:
hien,
anläßlich des Todes seines Vaters ihm bekundet
Er habe ganz besondere Ursache, Frankreich zu lieben, denn hier
sei das ihn an die Königin knüpfende Band geschlossen worden. hoffe, daß sein Besuch als Beweis für seinen
Er
Wunsch angesehen
werde, die Beziehungen zwischen Dänemark und Frankreich, dessen leidenschaftliche Liebe zum Fortschritt die Bewunderung der ganzen
Welt errege, immer fester zu knüpfen.
In diesem Sinne trinke er
auf die Gesundheit des Präsidenten der Republik und auf das Glück
und die Wohlfahrt Frankreichs.
Gestern mittag fand in der Privatwohnung des dänischen Gesandten ein von dem dänischen Königspaar zu Ehren des
Präsidenten Poincars und seiner Gemahlin veranstaltetes mahl statt, dem u. a. der Ministerpräsident Doumergue beiw
8 ʒRußland. In der vorgestrigen Sitzung der Reichs uma,
Etat des Ministeriums des Innern gewidmet brachten die Oktobristen, wie „W. T. B.“ meldet, einen
Fest⸗
nt
88* ““ 8 58 die dem
war, Vor⸗
schlag ein, mehrere Kapitel des Etats um die Gesamtsumme von 768 000 Rubel zu kürzen, um gegen die Nichterfüllung der
ausgesprochenen chterfül⸗
von der Duma 1913 Politik des Ministeriums
gegen die allgemeine Innern Einspruch zu erheben.
sowie des
Die Mehrzahl der Abänderungs⸗
wurde mit der geringen Mehrheit von 148 gegen
e 144 Stimmen angenommen.
Für die Kürzung der Kredite
stimmten die Opposition, der Polenklub sowie die erdrückende Mehrheit der Oktobristen, dagegen stimmten die Rechte, die
Nationalisten und ein kleiner Teil der Oktobristen.
Bei der
Abstimmung über die Kürzung der Kredite um 402 000 Rubel für die Agrarorganisation der Bauern der polnischen Gouverne⸗ ments erklärten die Polen, sie könnten nicht dafür stimmen, da die Summe zur Befriedigung der Bedürfnisse der polnischen Bauern notwendig sei. Den Polen schloß sich die Rechte an, der Abänderungsantrag mit 159 gegen 153 Stimmen abgelehnt wurde. Ebenso wurde ein Amendement, betreffend eine Kürzung der Vorschußsummen für Agrarzwecke um 50 000 Rubel, ab⸗
elehnt. 95 “ eine von den Oktobristen vorgeschlagene Ue
gangsformel angenommen, die u. a. besagt:
Schließlich wurde mit einer Mehrheit von 186 gegen
ber⸗
Da das Ministertum des Innern systematisch die Wünsche der Institutionen unbeachtet läßt, hält die Duma es für
nutzlos, irgend welche neuen Wünsche auszusprechen.
Sie findet, daß
die Politik des Ministeriums des Innern die Unzufriedenheit der breiten Massen der Bevölkerung hervorruft, zur Verstärkung regierungs⸗
eindlicher Strömungen beiträgt und die Durchführung des in Faanac. Mantfesten offenbarten Kaiserlichen Willens hindert.
wã Macht ands und bedroht das Reich mit unüber⸗ “ 88 Duma die Aufmerksamkeit der Re⸗
sehbarem Schaden. gierung auf die Gefah
1 5 V der rtigen Pol
Aller⸗ Dies
-
Albanien.
Vorgestern ist ein aus dem Panzerkreuzer „Vettor Pisani“
der achte Kongreß für Handel und Industrie ist am Frritag in St. Petersburg in Gegenwart des Ministers für Handel und Industrie eröffnet worden. Der Kongreß wird sich, obiger Quelle zufolge, mit der Begrenzung der Re hte der Aktiengesellschaften beim Erwerb von Immobilien und mit den zu leistenden Sicherheiten, mit den Vorarbeiten zur Er⸗ neuerung des Handelsvertrags mit Deutschland sowie mit der Zolleinheit zwischen Finnland und dem übrigen russischen Reiche beschäftigen. Das zum Präsidenten des Sen. gewählte Mitglied des Reichsrats Apdakoff hielt eine Rede über die Schwierigkeiten, die der Industrie durch die letzten Maßnahmen der Regierung Frwachsen seien. Der Handels⸗ und Industrieminister Timascheff versuchte in seiner Antwort auf die Worte des Präsidenten den ungünstigen Eindruck zu zerstreuen, den diese Maßnahmen hervorgerufen haben, und führte aus: “
Dem Ministerium für Handel und Industrie läge jede Absicht zu Plackereien fern, besonders im gegenwärtigen Augenblick nach den von der Allerhöchsten Stelle ergangenen klaren Anweisungen. Gewiß riefen Verstöße gegen die gesetzlichen Vorschriften ö“ zur Unter⸗ drückung der Unregelmäßigkeiten hervor. Aber dabei halte man sich von jeglichem System der Plackerei fern. Der Minister be⸗ stätigte, daß der Bericht über die Beschränkung der Tätig⸗ keit der Aktiengesellschaften, der dem Kongreß zur Er⸗ wägung vorgelegt werden solle, auf durchaus irrtümlichen Grundlagen beruhe. Es sei unbestreitbar, daß die Umwandlung von Aktien auf den Inhaber in Aktien auf den Namen die Entwicklung der Industrie übermäßig behindern würde. Auch habe die Regierung niemals einen ähnlichen Plan gehabt. Der Minister stellte die Störung des Gleich⸗ gewichts zwischen Angebot und Nachfrage fest, was eine un⸗ geheure Steigerung der Preise für die notwendigsten Er⸗ zeugnisse zur Folge gehabt habe. Er forderte den Kongreß auf, dieser Frage seine besondere Aufmerksamkeit zu widmen, weil dieser Umstand ungünstig auf die Bllanz des russischen Außen⸗ handels zurückwirke. Die Ursache dafür sei der Umstand, daß der Bedarf weit größer sei als die Produktion. Besonders langsam er⸗ scheine die Entwicklung der metallurgischen Industrie. Der Minister sagte, er sei ein unbedingter Anhänger der Schutzzollpolitik. Letztere sei jedoch kein Allheilmittel. Daher fordere er den Kongreß dringend auf, praktische Maßnahmen auszuarbeiten, die geeignet seien, unter den gegenwärtigen Verhältnissen wirksame Hilfe zu bringen.
Der Kongreß beschloß, gegen die geplanten einschränkenden Bestimmungen für den Landerwerb durch Aktiengesellschaften beim Ministerpräsidenten und beim Handelsminister Einspruch zu erheben und sich im Falle der Erfolglosigkeit dieser Proteste an den Kaiser zu wenden.
Italien.
Wie die „Tribuna“ aus authentischer Quelle erfährt, hat infolge eines freundschaftlichen Gedankenaustausches zwischen der englischen und italienischen Regierung über die inter⸗ nationale Lage der Oase Kufra die englische Regierung der italienischen Regierung durch Vermittlung des Botschafters vollkommen befriedigende Erklärungen gemacht. Der Inhalt dieser Erklärungen ist, daß die englische Regierung die Oase Kufra auch weiterhin als einen Teil des Gebiets der Cyrenaika betrachtet, die auf Grund des Vertrages von Lausanne italie⸗ nischer Besitz geworden ist.
Spanien.
Der König empfing gestern anläßlich seines Geburtstages eine Abordnung der beiden Kammern und richtete an sie
Line Fafeh iche, in der er, wie „W. T.“ fsad erklärte, er e
werde a tun, l. eine Uüchl he Zukunft der spanischen Nation vorzubereiten. Dem Empfakg der Abgeordneten wohnte u. a. das diplomatische Korps bei.
— Der Unterstaatssekretär des Innern de Prado y Palacio hat, da sich zwischen ihm und dem Minister des Innern Sanchez Guerra politische Meinungsverschiedenheiten ergeben haben, sein Amt niedergelegt.
— Der Ausstand der Offiziere der Handels⸗ marine nimmt obiger Quelle zufolge größeren Umfang an. Heute schließen sich mehrere Fischereidampfer dem Streik an. Die von der Regierung unternommenen Schritte zur Beilegun des Streiks sind ergebnislos verlaufen. “
Norwegen.
Das hundertjährige Jubiläum der Selbständig⸗ keitserklärung Norwegens wurde gestern im ganzen Lande festlich begangen. Wie „W. T. B.“ meldet, fand in Eidsvold, wo die erste norwegische Verfassung gegeben wurde, ein Festakt statt, an dem der König, die Regierung und die Mitglieder des Storthing teilnahmen. Dabei hielt der König eine Rede auf das norwegische Vaterland. Im alten Reichsgebäude wurde eine Sitzung abgehalten, bei der die Mitglieder des Storthing in gleicher Weise verteilt wurden, wie vor 100 Jahren bei der
ersten Storthingsitzung. “ Türkei.
Der Kommandant der deutschen Mittelmeerdivision, Konter⸗ admiral Souchon wurde vorgestern nachmittag, wie „W. T. B.“ meldet, mit dem ersten Dragoman der deutschen Botschaft Weber vom Sultan in Audienz empfangen und übermittelte ihm die Grüße des Deutschen Kaisers. Der Sultan dankte in freundlichster Weise. Gestern abend fand zu Ehren des Konter⸗ admirals Souchon und der deutschen Stabsoffiziere ein Galadiner im Kaiserlichen Palast Dolmabagtsche statt, an dem der Sultan, der Großwesir, die Minister, die Hef und Staatswürdenträger, die Generalität, der deutsche Botschafter Freiherr von Wangen⸗ heim mit den Herren der Botschaft und die Mitglieder der deutschen Militärmission teilnahmen.
— Eine Abordnung des Oekumenischen Patriarchats über⸗ reichte gestern nachmittag dem Kultusminister und dem Minister des Innern eine Denkschrift, in der, obiger Quelle zufolge, dargelegt wird, daß gegen den Willen der Regierung und die gegebenen Versprechungen die in Thrazien zur Eindämmung der Auswanderungsbewegung der Griechen ergriffenen Maßnahmen keinen Erfolg hätten. Das Patriarchat ersucht um Entsendung einer aus höheren Beamten zusammengesetzten und von Vertrauensmännern des Patriarchats zu begleitenden Kommission, die die thrazischen Bezirke inspizieren und die not⸗ wendigen Maßregeln in Anwendung bringen soll. Die Ueber⸗ reichung einer Denkschrift an den Sultan, in der dessen Ein⸗ flußnahme auf die Regierung erbeten wird, wurde verschoben.
Montenegro.
Die Skupschtina ist vorgestern durch ei⸗
8 laß des Königs bis zum 16. August vertagt worden.
und italienisches Ge⸗
zehn Torpedobooten bestehendes der unt
dem Befehl des Herzogs e in
nachgewiesenen
Durazzo eingetroffen. Gestern wurde der Herzog und das Offizierkorps der italienischen Flottille vom Fürsten Wilhelm in Audienz empfangen. — Wie „W. T. B.“ meldet, ist die Aushebung der Mili im Kreise Tirana anfangs Schwierigkeiten begegnet, über die vielfach falsche Gerüchte verbreitet waren. Die Bevölkerung ist nunmehr vollkommen beruhigt. Einige Freiwilligenbatai one sind bereits über Berat nach Koritza abgegangen.
Amerika. 8
Die mexikanischen Delegierten für die Konferenz in Niagarafalls sind vorgestern in Washington angekommen.
Die Heea von Tampico durch die Kon⸗ stitutionalisten und der Rückzug der Regierungstruppen wird dmehch bestätigt. Die Ordnung ist in Tampico aufrecht erhalten.
Das „New York Journal“ meldet, daß nach Berichten aus Kreisen der Konstitutionalisten der holländische Kreuzer „Kortenaer“ 60 Marinesoldaten zum Schutze der nieder⸗ ländischen Oelinteressen in Mexiko gelandet habe. Die Kon⸗ stitutionalisten hätten die Zurückziehung der Truppen verlangt
Der General Funston berichtet, daß die Mexikaner die 28 Meilen von Veracruz entfernte Brücke der interozeanischen Eisenbahn über den Antiguafluß in die Luft gesprengt
haben.
— Die Ernennung des Obersten Oskar Benavides zum provisorischen Präsidenten der Republik Peru ist nach einer
Meldung des „W. T. B.“ von den anderen Präsidentschafts⸗ kandidaten nicht angenommen worden. Sie weigern sich, den
neuen Präsidenten anzuerkennen, und haben beim diplomatischen Benavides wird von der Armee
Korps Einspruch erhoben. unterstützt. Asien.
Telegramme aus Lanchowfu in der Provinz Kansu be⸗ sagen, daß der Weiße Wolf am 4. d. M. Tsintschau ge⸗
plündert habe, wobei viele Personen getötet und verwundet worden seien.
unter großen Verlusten bei Tsinghui geschlagen worden. — Der japanische Ministerpräsident Okuma ging vor⸗
gestern in einer Erklärung an die Gouverneure der Provinzen
7
besonders auf die Bezie und sagte laut Meldung des „W. T. B.
Für Japan sei es unmöglich, in irgend einer Weise im Verkehr mit
China allein vorzugehen. Japan dürfe nur im völligen Einvernehmen
und Zusammenarbeiten mit den anderen Mächten handeln. Der nachdrücklich den Nutzen des englisch⸗ japanischen Bündnisses, der bedeutender wäre, als man bisher geglaubt
Ministerpräsident betonte
hätte. Dies Bündnis bedeute auch einen Nutzen für China, das
zweifellos infolge der jüngsten Revolutionen Erschütterungen erlitten
hätte, wenn das Bündnis nicht gewesen wäre.
Afrika. Wie laut Meldung des „W. T. B.“ aus Bab el Ama 89 km nordöstlich von Taza) berichtet wird, ist daselbst die olonne des Generals Gouraud mit der Kolonne des Generals Baumgarten vorgestern mittag eingetroffen und so die militärische Verbindung zwischen West⸗ und Ostmarokko
hergestellt.
Parlamz entarische Nachrichten. “ Die Schlußberic, über die vorgestrigen Sitzungen des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten befinden sich in der Ersten und Zweiten Beilage.
Der heutigen (261.) Sitzung des Reichstags wohnten der Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück, der Kriegsminister, Generalleutnant von Falkenhayn, der Staatssekretär des Reichspostamts Kraetke, der Staats⸗ sekretär des ReichsjustizZamts Dr. Lisco, der Staatssekretär des Reichskolonialamts Dr. Solf und der Staatssekretär des Reichsschatzamts Kühn bei.
Eine Rihe von Petitionen, die die Petitionskommission für ungeeignet zur Erörterung im Plenum erachtet hat, wurde für erledigt erklärt. 8
Die Beratung der Anleihedenkschrift für die Schutzgebiete ist mit Zustimmung der verbündeten Regie⸗ rungen eine einmalige. Der Reichstag erklärte, daß durch die Vorlegung den gesetzlichen Bestimmungen Genüge geschehen ist.
Es folgten 7 Rechnungssachen in zweiter Beratung.
Die in der Reichshaushaltsrechnung für 1911 Etatsüberschreitungen im Betrage von 24 920 500 ℳ und außeretatsmäßigen Ausgaben im Betrage von 8 078 506 ℳ wurden nach einigen Bemerkungen des Abg. Thöne (Soz.) vorläufig genehmigt.
Auch die Reichshaushaltsrechnung für 1912, die Schutzgebietsrechnung für 1910 und 1911, die Schutz⸗ gebietsrechnung für 1908, die Rechnung über den Haus⸗ halt der Schutzgebiete ausschließlich Kiautschou für 1909 und die Rechnung der Kasse der Oberrechnungs⸗ kammer für 1911 wurden nach den Anträgen der Rechnungs⸗ kommission durch vorläufige Dechargierung erledigt.
Das Haus wandte sich hierauf zur zweiten Lesung der Novelle zum Militärstrafgesetzbuch. Die 27. Kom⸗ mission hat über ihre Beratungen durch den Abg. Stupp (3.) schriftlichen Bericht erstatten lassen. Die Kommissionsbeschlüsse sind in einigen Punkten über die Milderungsvorschläge der Vorlage noch hinausge⸗ gangen. So soll nach den Kommissionsbeschlüssen dem § 6 folgende Bestimmung hinzugefügt werden: „Die zu einer Kontrollversammlung einberufenen Personen des Beurlaubten⸗ standes unterstehen dem Militärstrafgesetzͤbuch nur für die Dauer der Kontrollversammlungen.“
Dem § 66 sollte nach der Vorlage angefügt werden: „In minder schweren Fällen kann, wenn die Tat nicht im Felde begangen ist, die Strafe bis auf 14 Tage mittleren oder strengen Arrest ermäßigt werden“; die Kommission hat die Worte „oder strengen“ gestrichen.
Dem Absatz 1 des § 70 soll nach der Vorlage angefügt werden „In minderschweren Fällen kann, wenn kein Rückfall vor⸗ liegt, die Gefängnisstrafe bis auf 3 Monate ermäßigt werden“. Die Kommission schlägt hierzu die Einschaltung vor: „im Rück⸗ falle auf 6 Monate“. ““
Von den Abgg. Albrecht und Gen. (Soz.) ist die Be⸗ seitigung des strengen Arrestes aus dem ganzen Militärstraf⸗ gesetzbuch beantragt, vom Abg. Dr. van Calker die Wieder⸗ herstellung der Vorlage und die Streichung des Zusatzes wegen der Kontrollversammlungen. 8
Amtlichen Nachrichten zufolge habe der Weiße Wolf darauf noch Tsinan geplündert und sei dann am 13. d. M.
hungen Japans zu China ein 4—. 8
der Abg.
an dem ersten Absatz des
gaben mehrere eine
brftlich ausge
sefängnisstrafe um die Dauer von einem Monat bis zu 5 Jahren
höht?. (Schluß des Blattes.)
— Das
Unterrichtsangelegenheiten D. Finanzminister Dr. Lentze und der Minister des Innern Loebel!l beiwohnten, die dritte Beratung des Entwurfs Staatshaushalts für das In der Generaldiskussion bemerkte Abg. Dr. Pachnicke (fortschr. Volksp.): ssterium des Innern rechtfertigt eine
Ereignisse, und
was uns selbst angeht, sind es längst gewöhnt,
Wir
nichts sicherer so zerfahren wie diesmal waren die Verhältnisse selten. Wir uns dem Ende der das, was aufgearbeitet werden soll, er getroffen, ag Dispositionen zu treffen. Es
m, die allei
ehlt die führende Hand *s Gesetzentwürfe hinausgegeben werden, das Gesetzentwurf über den Bau von Arbeiterwohnungen. Paragraphen enthält er, Dieser kleine Gesetzentwurf wird uns erst am Sonnabend
egt; ob
jmußten, ob die vaterscheift von vier Ministern schwer zu be⸗
war, muß
n eigenartiges Licht auf den Geschäftsgang der Ressorts werfen. Fraktionssitzungen, die langen und in
een wie die
ggen ein Arbeitsmaß, dem nur die
m ist. Wir
ine gewisse Schonung geübt wird. ung das richtige Verhältnis
- wäre vir nach
Dazu gehören die
aze Legislat
gt die Regierung velig abgelehnt. e
weisend in
titik des Hauses, die wir ablehnen müssen. Das gesamte Ergebnis irbeitrags ist noch nicht bekanntgegeben; edeutsche Volkswirtschaft war stark genug,
ägt auch
bahler nichts geschenkt wird; ch, und niemand wünscht ihre Wiederholung. Und
par es do unn sie weitere ser geht. die ver 2, müssen
chiffer sagte einmal: e Schwierigkeiten,
müssen. piritus⸗
asser ab. sen über achen deutschen endlich Einhalt
gegen die Rüstungen ist. lande aufgegriffen und womöglich noch vergrößert. einen Zustand der Spannung. Der Tö hat allerdings eine Verbindung mit hverein abge
schen Chauvinisten sind nicht das deutsche Volk, und die echt
en Leute nicht oft
er Zug für den Völkerfrieden, nträge sind abgeschlossen,
Id die pfes ist nalen O
Lebens⸗
ach der 10 die halten.
deer Streitigkeiten vorhanden sein.
nnicht
inwirken,
wert werden, wenn das
3 erstützen
ohne Not von neuem aufzurollen. chen Bestrebungen von Rußland. die ruhige Erwägung die Oberhand.
2
timme
ung wünschen. durch den russischen Zoll erschwert oder
werden Getre üen,
nach rechts zu ziehen. diesem Zweck waren freilich eigenartig, als anzuziehen.
enden dazu egensätze
ationalliberalen von der fortschrittlichen Volkspartei ab⸗ diese ein Stichwahlabkommen mit der Sohzialdemokratie
at.
ageln brannte, tbhafte Rufe im
aa noch
aservativen Partei etwa liberal geworden, weil Sie mit okwahlen gemacht haben?
e etwa,
9 Und
e sozialdemokratischen Stümmen bemüht. Ein Konservativer
ozi err he Sti Enn er
wa llen S imokrati
dra ie.
heute liegen, nötigen
und Petroleummonopol. ularbeiträge
darüber,
namentlich die Vollendung des Mittellandkanals. bei früherer Gelegenheit
ist
mmen bekommt, so wird ihm das auch nichts ren genau
eiten. gen und anderen Fragen nie von Rücksichten auf
sozialpolitisch trennen uns große Gegensätze von der
72 folgende Fassung geben: ahnenflucht verabredet und gemein⸗
führt, so wird die an sich verwirkte Zuchthaus⸗ oder
“ 8 1 aus der Abgeordneten begann in der itzung, welche der Minister der geistlichen Dr. von Trott zu Solz,
Rechnungsjahr 1914.
Der Wechsel im Generaldebatte. Aber auch zweiten Lesung des Hauptteils des zu einer Aeußerung. Zunächst der Stand der Dinge im eigenen daß im parlamentarischen ist als die Unsicherheit. Aber so unklar
die zwischen der
Tagung, und noch ist keine Vereinbarung und keine Vereinbarung noch tagen sollen. Niemand 1 fehlt die Uebersicht über das n eine zweckmäßige Zeiteinteilung ermöglichen würde. hier wie am Königsplatz. Wie
öben Sie an 8 Vier eine Begründung nicht eine Seite
wir lange wir
dies daran liegt, daß vier Minister unter⸗
ich dahingestellt lassen. Wenn dem so wäre, würde — altsreichen Kommissions⸗ bis zu acht Stunden währenden Plenarsitzungen stärkste Arbeitskraft ge⸗ daß mehr Rücksicht genommen Aber auch sonst will die zum Parlament nicht finden. Das doch, daß die Regierung es uns erleichtert, Schluß der Session uns im Lande umsehen
ahrkarten für das ganze Land und Ein Entgegenkommen nach dieser Rich⸗ Ihre Antwort war nicht war verletzend in der Form; sie war
müssen verlangen,
urperiode. der Sache,
so viel steht heute schon die Lasten zu tragen. noch das zweite und dritte Drittel, von dem dem aber eine schwere Belastungs⸗ sich wiederholen, dem Wirtschaftskörper droht Blutenziehung, wenn die Rüstungsagitation
Geld spielt bei den Herren ja keine schiedensten Industrien, Brauindustrie, Tabak⸗ heran, das kümmert die Herren nicht. Der wir nähern uns der Zeit der Monopole. die ihnen entgegenstehen, wird er wohl Bis jetzt ist noch kein Monopol gelungen, Zuletzt kommen die heran; das Reich gräbt den Einzelstgaten Redende Admirale und schreibende Generale unsere auswärtige Politik. (Lachen rechts.) lesen Sie doch die Verhandlungen Verbandes. (Unruhe.) Es sollte erklärt werden, Ruhe gehalten werden, daß mit den Rüstungen getan werden solle. Hertling wird angegriffen, Jedes Drohwort von hier wird . Das Dieses Treiben ist nicht ehnt und nimmt einen neutralen Standpunkt ein.
sind nicht das preußische Volk; das kann dem genug zugerufen werden. Durch die Staaten geht eine Menge schiedsgericht⸗ den beiden Haager Konferenzen die Einsetzung eines Prisen⸗ So stehen wir vor einer Wir stehen im Zeichen der Welt⸗ und Ehrenfragen der Nation werden aller⸗ Macht entschieden; deshalb tragen wir unsere auch wir für den Fall der Not für er⸗ Trotzdem müssen Organe zur friedlichen Aus⸗ Die Friedensbemühungen stören, sondern fördern. Möge die Regierung daß die Haager Konferenzen zu einer ständigen Die handelspolitische Verständigung würde ollniveau noch erhöht würde. der Regierung, die Zoll⸗ Dazu kommen die Hoffentlich behält Es gibt auch in n, die zum Frieden mahnen und eine ehrliche Wenn die deutsche Getreideausfuhr nach anz unmöglich sollte, so muß für den ransport des ides nach dem Westen gesorgt werden durch
dritte folgen, beschlossen.
rganisation.
die Bestrebungen
die National⸗ der Freikonser⸗ mehr geeignet, feststellen: das Kartell Stäͤnde tot, und das parlamentarische
gar nicht fertig geworden; es scheint, unüberbrückbar sind. Vor allem verlangte man,
versucht, Die Mittel
Ich muß
Bei Stichwahlfragen entscheidet die jeweilige Aendert sich die Lage, so ändert sich Auch das Zentrum hat, als ihm das Feuer ein Abkommen mit der Sozialdemokratie ge⸗ Zentrum: Nein, nein!) Deshalb ist das nicht sozkaldemokratisch geworden. Oder sind Sie (Rufe rechts: Nein!) Oder seien konservativ geworden? (Rufe rechts: Herren von Ihrer Seite haben sich oft genug
wir die
leiden, aber seine Stimme nimmt er gern. Wachhorst de Wente in der Stichwahl sozial⸗
bleibt genau so nationalliberal wie vorher. so, wie Sie, unsere Selbständig⸗ Wir haben uns in der Beurteilung von
e leiten lassen. Wir sind nicht vom Kommunismus wir etwa zur Enteignung schreiten wollten. Staats⸗
gen (fortsch. Volksp.)
Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Weise berücksichtigt, und in diesem Sinne wünschen wir eine vesstgrerace 2* Soztal⸗ politik; aber die Sozialdemokratie betreibt reine Klassen⸗ olitik und Klassenverhetzung. Wir köͤnnen auch nicht ein ilizheer für ausreichend zur Weltpolitik erklären. Die schwächste Seite der „Sozialdemokratie war von jeher die auswärtige Politik. Hätten wir im Reichstag immer so gestimmt, wie die Sozialdemokratie, dann läge jetzt Deutschland am Boden. Das sind also Gegensätze, die uns trennen; wir heben sie hervor, und wir nehmen den Kampf auf gegen die Sozialdemokratie, aber in diesem Kampf müssen wir ja ganz auf Ihre Hilfe verzichten. Die Konservativen begünstigen ja die Sozialdemokratie. Je konser⸗ vativer die Politik, desto stärker die Sozialdemokratie; je liberaler die Politik, um so schwächer die Sozialdemokratie. Das sehen Sie doch z. B. in England. So ungern Sie es zugeben wollen, Abg. von Pappenheim und von Heddebrand: die Radikalisierung der Massen ist Ihr erk. Nun zum Wahlrecht! (Lebhafte Rufe rechts: Aha!) Der neue Minister des Innern ist uns Liberalen nähergetreten als Vermittler bei der Verständigung unter dem Fürsten Bülow. Wir stehen ihm jetzt ohne Vorein⸗ enommenheit gegenüber. Wir willigen auch gern in eine Hinaus⸗ chiebung der Debatten über das Verwaltungsgesetz. Zum Wahlrecht aber melden wir schon heute unsere Wünsche an. Die Sache ist zu dringend. Es gibt im innerpolitischen Leben keine wichtigere Frage als die, wie si der Bürger am Staate beteiligt. Peg von Heydebrand hat in Altona kürzlich in einer Rede gesagt: „Wenn mit der Aenderung des Wahlrechts vorge⸗ gangen werden muß, so sehen wir nicht ein, warum wir die ersten sein sollen. „Die Sache ist für uns in keiner Weise dringend.“ Für diese Offenheit kann ich ihm nur dankbar sein. Er Haßt daß die Dinge häufig danach beurteilt werden, was am zweck⸗ mäßigsten ist; das sei Realpolitik. Bei einem Parteimann mag dieser Standpunkt gelten, bei einem Staatsmann ist er unzulässig. Ein Staats⸗ mann muß die Dinge von einer höheren Warte betrachten. (Lachen rechts.) So stark sind Sie von der Parteisucht angekränkelt. Seit 1849 hat der preußische Staat um 24 Millionen Einwohner zugenommen. Die Struktur der Gesellschaft hat sich völlig verändert. Die Land⸗ wirtschaft beschäftigt nur ein Viertel der Bevölkerung, umsomehr wuchs Industrie und Handel; aber diese Verschiebung läßt das jetzige Wahlrecht außer acht. Es bevorzugt die Landwirtschaft vor der In⸗ dustrie und innerhalb der Landwirtschaft den Großgrundbesitz vor dem kleinen Besitz. Außerdem erschwert es die Hehe⸗ beteiligung; sie macht den freien Ausdruck der Ueberzeugung in vielen Fällen fast unmöglich. Cz widerspricht seinem eigenen Grundgedanken, wonach das Stimmrecht nach der Steuer⸗ leistung abgestuft ist; nicht das Steuersoll entscheidet in der Praxis, sondern die Lage der Wohnungen. Das Mißverhältnis zwischen der politischen Macht und der steuerlichen Leistung muß immer schroffer werden. Sie wollen auch keine Reformen des Kommunalwahlrechts. Unser Wahlrecht ist gerichtet, wir warten nur auf den Voll⸗ strecker. Der Zeitpunkt ist nun gekommen, seitdem Herr von Dallwitz nach Straßburg abberufen ist; die Bahn ist frei. Der Minister hat heute die Gelegenheit, sich darüber zu erklären, ob er sie benutzen will. Er möge nicht nur sagen, was er nicht will daß er das Reichstagswahlrecht nicht auf Preußen übertragen will, glauben wir ihm auch ohne erneute Versicherung —, er möge vielmehr sagen, was er Positives in Aussicht stellen kann, daß das direkte Wahlrecht und das geheime Wahlrecht eingeführt werden solle und daß dem plutokratischen Einfluß eine Grenze gezogen werde. Für diese Reform ist bei der gegen⸗ wärtigen Zusammensetzung unseres Hauses eine sichere Mehrheit; denn ich erwarte vom Zentrum, daß es, wenn die Fragen so gestellt werden, vollzählig zur Stelle ist (Zurufe links: Na, nal) und damit seiner Zeitungen desavouiert, die den Anschein erweckt haben, als ob sich in bezug auf diese Frage grundsätzlich eine Aenderung beim Zentrum vollzogen hat. Es kommt nur darauf an, daß die Regierung sich entschließt, die Fcftung zu übernehmen. Der Wahlzweck bleibt, den Willen der ation so rein wie möglich zum Ausdruck zu bringen, die Kräfte der Nation nutzbar zu machen und das Verantwortlichkeitsgefühl, in immer breiteren Schichten zu beleben. Diesem Wahlzwecke muß sich das Wahlrecht anpassen. Von der Frage, ob und wie die Reform in Angriff genommen wird, hängt das Verhältnis der Linken zur Regierung, der Parteien zueinander ab. Dadurch würde das Ver⸗ hältnis zwischen dem Reich und seinem größten Einzelstaat günstig beeinflußt. Ich schließe mit der Frage: Gibt es einen Staatsmann, der diese Arbeit leisten kann und leisten will?
(Schluß des Blattes. 8 8
Kunst und Wissenschaft.
Altertumschutz in Afrika. Die britische Regierung hat einen besonderen Beamten für die Erhaltung der altertümlichen Denk⸗ mäler im Südafrikanischen Schutzgebiet von Rhodesia ernannt. Mit Fug und Recht wird dieser Aufseher sein Hauptquartier in Zimbabwe aufschlagen, dem Platz, der durch seine Ruinen eine in Afrika einzige Berühmtheit erlangt hat. Erst seit 1871, durch den deutschen Afrikareisenden Mauch entdeckt, haben sie eine lange Reihe von Forschungen und Werken veranlaßt, die zum Teil ogar die Meinung verfechten, daß dort das alte Ophir zu suchen sei. Daß diese immer noch rätselhaften Reste aus zweifellos jehr alter Zeit unter allernächster Aufsicht gehalten werden sollen, ist sehr zu loben. Da der Regierungs⸗ sitz Viktoria nur einige Kilometer von den Ruinen entfernt liegt, wird sich der Beamte dort auch nicht gerade als Einsiedler zu fühlen brauchen. Immerhin schließt sein Auftrag die Verpflichtung in sich, jedes Jahr 4 Monate auf Reisen zuzubringen, die teils der Besichtigung anderer bekannter Ruinen und alter Denkmäler, zum anderen Teil der Entdeckung bisher unbekannter Ueberbleibsel aus alter Zeit dienen sollen. Nicht nur eigentliche Ruinen, sondern auch geschichtliche und vorgeschichtliche Reste aller Art sollen die flegschaft dieses Beamten bilden. Insbesondere ist dabei auch auf die berühmten Felsmalereien der Buschmänner Rücksicht genommen worden.
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Einige Ziffern von der Sonne. Der Umfang der Sonne in der Ebene ihres Aequators beträgt etwa 5 ½ Millionen Kilometer. Ein v. der 100 km in der Stunde zurücklegte, wie es im Durchgangsverkehr auf weitere Strecken bisher noch nicht erreicht worden ist, würde, wenn er Tag und Nacht und ohne Unterbrechung auf der Fahrt bliebe, fast 5 Jahre zur Umkreisung der Sonne brauchen, während er auf der Erde schon in 17 Tagen einmal um den Aequator fahren könnte. Das Gewicht der Sonne ist auf 19 000 Quadrillionen Tonnen berechnet worden. Ein Mensch, der auf der Erde 155 Pfund wiegt, würde auf der Sonne zwei Tonnen wiegen und unter seinem eigenen Gewicht oder eigentlich unter der An⸗ ziehungskraft des Sonnenkörpers zusammenbrechen. Die Sonne dreht in rund 25 Tagen einmal um ihre Achse. Ein Sonnenfleck braucht aber durchschnittlich 27 Tage, um scheinbar an dieselbe Stelle zu gelangen. Diese Täuschung ist durch die Bewegung der Erde um die Sonne bedingt und wird dadurch hervorgerufen, daß die Sonnen⸗ oberfläche keine säscmn Merkmale für ihre Einteilung darbietet. Die großartigsten Offenbarungen der Sonnentätigkeit verbinden sich mit dem Eintritt einer vollstäͤndigen ö Dann werden die gewaltigen Ausbrüche der Sonnenmasse am Rand der scheinbaren Scheibe sichtbar, ebenso der zartleuchtende Hof, der als Korona bekannt ist. Die gewöhnlichste Form einer solchen Protuberanz, wie die Gasausbrüche genannt werden, hat jüngst ein Astronom mit einer Hecke verglichen, die von einzelnen Bäumen überragt ist. Nach den vorgenommenen Messungen würde aber die Hecke in einer Höhe von etwa 8000 Kilometern, die darüber aufstrebenden Bäume gar in einer solchen von 65 000 Kilometern zu denken sein, wenn man mit solchen Zahlen überhaupt eine Vorstellung verbinden könnte.
Wir wünschen eine mittlere Linie zu finden, die
Ueber die Temperatur der Sonne weichen die Schätzungen weit von⸗ einander ab. Würde sie etwa 10 000 Grad betragen, so würde
das eine Hitz bedeuten, zu deren Erzeugung in jeder Sekunde 11 000 Billionen Tonnen Kohle verbraucht werden müßten, wahr⸗ scheinlich weit mehr, als die Erde im ganzen einschließt. Diese Kohlenmenge würde einen Würfel von fast 200 Kilometern Seiten⸗ länge bilden. Die Erde empfängt nur einen 2000 millionsten Teil der Sonnenwärme.
„Ein Zwerg aus einer Riesenfamilie. Dinosaurier oder Schreckechsen darf die Ehre in Anspruch nehmen, unter ihren sämtlich längst ausgestorbenen Mitgliedern die größten Geschöpfe zu zählen, die jemals den Boden der Erde getreten haben. Es ist daher besonders bemerkenswert, daß jetzt eine neue Art dieser Sippe gefunden worden ist, die neben ihren Vettern als ein Zwerg erscheint. Das Knochengerüst, das im Nationalmuseum der Ver⸗ einigten Staaten aufgestellt wurde, ist dadurch ausgezeichnet, daß der Schädel drei Hörner trägt. Das würde ihn jedoch nicht von allen bisher bekannten Gattungen unterscheiden, deren eine bereits nach dieser Eigenschaft Triceratops genannt worden ist. Während dies Tier jedoch eine so ungeheure Größe erreichte, daß allein der Schädel eine Länge von 2 bis 2 ½ m besaß, ist die neue Art, die den Namen Ceratopsia erhalten hat, im ganzen Körper noch nicht 2 m lang, und ihr Kopf mißt nur 55 cm. Selbst mit den mittel⸗ großen Vertretern der Dinosaurier verglichen, hat die neue Art weniger als ein Viertel der Größe. Den Namen einer Schreckechse verdient freilich auch sie schon wegen der Absonderlichkeit des Schmuckes am Kopf. Dieser trug zwei Hörner über den Augen und eins auf der Nasenspitze. Das Nasenhorn war außer⸗ dem noch in der Länge gespalten. Die Kiefer haben Aehnlichkeit mit denen einer Schildkröte, da sie vorn über⸗ haupt keine Zähne besitzen, sondern in einem scharf aufgebogenen Schnabel enden. Nach der Beschaffenheit der übrigen Zähne hat sich das Tier ohne Zweifel von Pflanzen genährt. Der Hals ist wie bei andren Mitgliedern der Familte von einem Hautkragen eingerahmt, der mit Horn bedeckt wahrscheinlich zum Schu des Nackens be⸗ stimmt war. Der neue Fund wird bei den Fachleuten um so meh Aufsehen erregen, als die Reste vorzüglich erhalten sind. Die Bein und der Schwanz saßen noch in ihren Gelenken am Rumpf fest, ei recht seltener Fall. Ueberhaupt fehlt fast kein einziger Knochen des Skeletts. Der erste Dinosaurier wurde vor etwa 40 Jahren entdeckt aber noch nie ist ein so vollständiger Fund gemacht worden. E asi aus dem Bezirk der Schwarzfußindianer im nordwestlichen
ontana. 8
Die Familie der
Literatur.
— Zu den 13 Bändchen „Deutsche Lyriker“, die in Hesses Volksbücherei (Verlag von Hesse und Becker in Leipzig) bisher er schienen waren, sind drei neue hinzugekommen. Im 14. würdigt der
rofessor Dr. H. Binder den Lyriker Thep dor Stor m, im 16. der
bliothekar Erich Petzet den Lyriker Paul Heyse. Beide Büchlein sind empfehlenswert. Sie bieten neben einer Analyse und Ent⸗ wicktungsgeschichte der genannten Dichter zahlreiche Proben gut ge⸗ wählter Gedichte. Im 15. Bändchen hat Karl enckel selbst eine Auswahl aus seinen Gedichten zusammengestellt und ihr ein knappes Lebensbild vorausgeschickt. Jedes der Bändchen kostet geb. 80 ₰.
— Von Hanz Holbeins „Großem Totentanz“, jener
Fefhügigen Tragödie menschlicher Vergänglichkeit, hat der Zolbein⸗ 1
89 in München eine sehr ansprechende Liebhaberausgabe in Ganz⸗ 8 leder für 5 ℳ veranstaltet, auf die Kunstfreunde nachdrücklich hin⸗ gewiesen sei. Da bisher neben einer teueren Luxusausgabe nur eine billige Baldesöfgäe des Werkes vorhanden war, dürfte diese schöne Neuausgabe, die sich durch eine treffliche Wiedergabe der Holz⸗ sait- in würdiger Aufmachung auszeichnet, viele Freunde finden. Als Unterlage dienten ihr die kostbaren Probedrucke der Holzschnitte, die sich im Königlichen Kupferstichkabinett in Berlin befinden.
Derselbe Verlag hat eine neue, vornehme Textausgabe von R. Wagners „Meistersingern von Nürnberg“ veranstaltet. Den wohlhabenden Kunst⸗ und Musikfreunden ist das Werk schon von früher bekannt, denn es erschien mit Zustimmung der Familie Wagner bereits vor einer Reihe von Jahren als kostbarer Lieb⸗ haberband zum Preise von 75 ℳ. Jetzt ist das Prachtwerk in derselben typographischen Form nur in einfacherem Einband für 12 ℳ auf den Büchermarkt gebracht. In dem mäßigen Folioband ist der Text in kräftigem Morris⸗Gotisch esetzt; die Seiten sind mit Randleisten, Vignetten und Initialen stilbs Pleir Dieser Schmuck, wie die zahlreichen ein⸗ und mehrfarbigen
ilder sind von Georg Barlösius aus dem Geist der Zeit heraus mit kunstgeübter Hand geschaffen worden und gereichen dem Buch zu einer wertvollen, stimmungsreichen Zier. Die schöne Ausgabe wird den Verehrern des Uecfen Tondichters wie Bücherfreunden uͤberhaupt sicher hochwillkommen sein.
Im Königlichen Opernhause findet morgen, Dienstag, eine Aufführung von „Elektra“, mit Frau Plaschinger in der Titel⸗ rolle, statt. Die Klytämnestra singt Frau Arndt⸗Ober, die Chrysot hemis Frau Hefghen Wang. den Orest: Herr Hoffmann, den Aegisth: Herr Funck. Dirigent ist der Generalmusikdtrektor Blech. (Anfang 8 Uhr.)
Im Königlichen Schauspielhause geht morgen „Peer Gynt“ mit Herrn Mühlhofer in der Titelrolle in Szene. Ferner wirken die Damen Conrad, Thimig, Schönfeld, von Mayburg und 88 sowie die Herren Kraußneck, von Ledebur, Eggeling, zimmerer und Stange mit. Die Regie führt Dr. c die musikalische Leiiing hat der Kapellmeister d2,2 8 — Das Schauspielhaus bringt zum Schluß der Spiellzeit noch die Neueinstudierung eines älteren beliebten Lustspiels, und zwar des Veilchenfressers“ von Gustav von Moser. Das Stück geht in der Tracht der siebziger Jahre (seiner Entstehungszeit) in Szene. Die Hauptrollen werden von den Damen Arnstädt, Heisler, Abich, Hoff und von den Herren Clewing, Vallentin, von Ledebur, Werrack und Mannstaedt dargestellt. Die Regie führt Dr. Bruck. Die Erstaufführung findet am nächsten Sonnabend statt. 8
Mannigfaltiges.
Kiel, 16. Mai. (W. T. B.) Bei der heutigen zweite Verbandswettfahrt des Kaiserlichen Jachtklubs auf der Kieler Föhrde siegte in der A 1⸗Klasse die neue Jacht „Meteor“ Seiner Majestät des Kaisers und Königs vor „Hamburg“ und „Germansa“. In der Klasse der alten Jachten erhielt „Komet⸗ den l. und „Aar“ den 2. Preis, in der 19 m⸗Klasse „Wendula“ den 1. Preis, in der 15 m⸗Klasse „Isabell Alexandra“ den 1. Preis, in der 10 m⸗Klasse „Pesa“, in der 8 m⸗Klasse „Ultra* (ging allein über die Bahn) und in der 5 m⸗Klasse „Maja“.
Halberstadt, 16. Mai. (W. T. B.) Auf dem hiesigen Flug⸗ platze sind heute nachmittag fünf Uhr zwei auswärtige ilitär⸗ flieger, der Leutnant Wie g andt vom Infanterieregiment Nr. 122 und der Oberleutnant Fellinger vom Pionierbatakllon von Rauch Nr. 3, die eine Landung vornehmen wollten, infolge Flügelbruches aus 500 m Höhe abgestürzt. Beide waren sofort tot.
Cöln, 16. Mai. (W. T. B.) Heute, Mittags 12 Uhr, wurde die von dem Deutschen Werkbund im Verein mit der Stadt Söln veranstaltete „Deutsche Werkbundausstellung, Cöln 191 4* in Gegenwart der Spitzen der staatlichen, städtischen und Militär⸗ behörden und einer großen Anzahl anderer Gäste feierlich eröffnet. In seiner Eröffnungsansprache dankte der Oberbürgermeister Wall raf den Staatsbehörden und allen Beteiligten für ihr Entgegenkommen. Im Verlaufe der Feier nahm ein Vertreter des Ministers für Handel und Gewerbe das Wort und sprach den Veranstaltern
Hoch auf Seine Majestät den
die Anerkennung der Staatsregierung aus. Mit einem dreifachen aiser und König erklärte er die Aus⸗