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Lokeren abgeschnitten. Die Mannschaften erreichten die holländische Grenze bei Hutlst, wo sie die Waffen niederlegten. Die Panzerzüge und die schweren Marinekanonen wurden sämtlich nach Ostende gebracht.
.“ Frankreich.
Alle Zeitungen veröffentlichen einen gleichlautenden, an⸗ scheinend offiziösen Aufruf an die Bevölkerung, möglichst große Beträge in Staatsschatzscheinen für die National⸗ verteidigung zu zeichnen und nach Möglichkeit Schatzscheine als Zahlungsmittel zu verwenden. Wer dies unterlasse, tue seine Pflicht als Patriot nicht.
— Der Minist errat hat der ‚ Frankfurter Zeitung“ zufolge die Naturalisation des ehemaligen Bürgermeisters von Colmar, Blumenthal, beschlossen.
Rußland.
Die „St. Petersburger Telegraphenagentur“ gibt bekannt, daß der Kaiser Nikolaus das Oberkommando über die Armee mit dem Hauptquartier in Brest⸗Litowsk übernommen hat. Der Kriegsminister Suchomlinow fungiert als Generaladjutant des Zaren. Der Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch hat den Oberbefehl über die Nordarmee übernommen.
— Einer vom „W. T. B.“ verbreiteten Meldung des norwegischen Gesandten in St. Petersburg zufolge, teilte der Konsul in Helsingfors mit, daß die Häfen im Bottnischen Meerbusen mit Ausnahme von Raumo und Mäntelnoto gesperrt seien. Der Senat versuche die Aufhebung der Sperre zu erlangen. Nach Zeitungsmeldungen sind auch Sewastopol, Otschakow und Kertsch wegen Minen ge⸗ sperrt. Falls Schiffe trotzdem den Anlauf dieser Häfen ver⸗ suchen sollten, so sei von dem Oberkommando der russischen Schwarzen Meer⸗Flotte Befehl ergangen, von den Festungen scharf zu schießen, falls nach dem Warnungsschuß nicht an⸗ gehalten werde.
— Das Verhältnis Rußlands zu der Türkei hat nach einer Meldung des „Daily Telegraph“ einen sehr ernsten Charakter angenommen.
— BZlättermeldungen zufolge hat Rußland die Forderung Persiens abgelehnt, die russischen Truppen aus Asser⸗ beidjan zurückzuziehen mit der Angabe, daß die russischen und anderen ausländischen Interessen nur durch eine russische Besetzung gewährleistet werden könnten. Rußland wiederholte ührigens, daß es nicht beabsichtige, sich irgendwelches persische Gebiet anzueignen.
Der König hat das Entlassungsgesuch des Kriegsministers, Generals Grandi angenommen und den Generalmajor Zupelli zum Kriegsminister ernannt.
Belgien. Der Staatsminister, Staatssekretär des Innern Dr. Del⸗ brück und der Unterstaatssekretär Wahnschaffe sind vorgestern in Brüssel eingetroffen.
— Die durch Maueranschlag vom deutschen Militär⸗ gouvernement bekanntgegebene Besetzung Antwerpens rief unter den Bewohnern Brüssels sichtliche Bestürzung hervor, da sie durch systematische Lügennachrichten der belgischen, franzö⸗ sischen und englischen Blätter irregeführt waren und bis zum letzten Augenblick an die Fabel von der Unüberwindlichkeit Antwerpens geglaubt hatten.
Der General von Beseler, der Befehlshaber der Be⸗ lagerungstruppen von Antwerpen, hat, wie „W. T. B.“ meldet, folgende Proklamation erlassen:
Einwohner von Antwerpen! Das deutsche Heer betritt Eure Stadt als Sieger. Keinem Eurer Mitbürger wird ein Leid geschehen und Euer Eigentum wird geschont werden, wenn Ihr Euch jeder Feindseligkeit enthaltet. Jede Widersetzlichkeit dagegen wird nach Kriegsrecht bestraft und kann die Zerstörung Eurer schönen Stadt zur
Folge haben. Norwegen.
2 11“ —
Die Dampfschiffverbindung zwischen Bergen und England wird, wie „W. T. B.“ meldet, unter staatlicher Garantie täglich fortgesetzt. Die englische Reederei Boothline hat eine Verbindung zwischen Skandinavien und Nord⸗ brasilien zwecks Fischtransports geschaffen. Die norwegische Kriegsversicherung gibt offiziell bekannt, auf der Reise nach Englands Ostküste dürfe Flamborough Head und St. Abbs Head nicht angelaufen, sondern müsse der Küste gefolgt
werden. Uebertretung hebe die Erstattungspflicht auf.
Rumänien.
Der Tod des Königs Carol hat in allen Kreisen der Bevölkerung einen erschütternden Eindruck hervorgerufen, der um so größer war, als das Befinden des Königs am Freitag besser war als an den vorhergehenden Tagen. Dem Ent⸗ schlafenen widmet die Presse des In⸗ und Auslandes warme Nachrufe. Die ,Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt:
Die Trauerbotschaft aus Bukarest, die das Ableben König Carols von Rumänien meldet, wird in Deutschland, wo der greise Heerscher Verehrung und Bewunderung genoß, mit herzlicher Anteilnahme ver⸗ nommen. Aufrichtige Sympathten werden der Regierung und dem Volk Rumäniens gezollt bei dem schmerzlichen Verlust eines so erfahrenen Monarchen, der, gleich bewährt im Kriege wie in erfolgreicher Friedens⸗ politik, sein Land aus kleinen schwierigen Anfängen zu Macht und Ansehen geführt hat. Mit welcher überlegenen Staatskunst König Carol den von ihm aufgebauten Staat durch die blutigen Erschütterungen der Balkankriege hindurchsteuerte, ist in aller Erinnerung. Seit dem Ausbruch des großen europäischen Ringens, hielt er wie immer, unverwandt, über die Wechselfälle der Gegenwart hinweg, den Blick auf die dauernden Interessen seines Landes und Volkes gerichtet. Seiner Majestät dem König Ferdinand, dem bei der Uebernahme der Re⸗ gierung unter ernsten Verhältnissen warme Segene wünsche entgegen⸗ gebracht werden, wünschen wir, daß er ebenso zum Heile Rumäntens wirken möge, wie sein ruhmreicher Oheim.
Der Tod des Königs trat der „Agence Roumaine“ zu⸗ folge am Sonnabend früh um 5 Uhr 30 Minuten infolge einer durch chronische Herzmuskelentzündung verursachten plötzlichen Entkräftung ein. Entsprechend der Verfassung ging die Re⸗ gierungsgewalt nach der amtlichen Bekanntgabe der Nachricht vom Tode des Königs an den Ministerrat über, der in einer Sonderausgabe des Amtsblatts das Ableben des Königs be⸗ kannt gab, die Einberufung des Parlaments für gestern nach⸗ mittag beschloß und folgende Proklamation an das rumänische Volk erließ:
Rumänten hat den großen König Carol, den Gründer des König⸗ reichs, verloren. Fast ein halbes Jahrhundert weihte der König alle seine Kräfte dem Wohl des Landes. Der Tod allein setzte seiner un⸗ ermüdlichen Arbeit ein Ende. Ein glänzendes Muster in seiner Hingebung für das Volk, in EE“ tsein, fügte der Köaig in die Ge⸗ schichte ein ruhmvolles Blatt ein. Seine Tapferkeit auf dem Schlacht⸗
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felde ließ den Ruhm der Vorfahren wieder erstehen. Seine Weisbeit 8 iß sehen. Viele belgische und englische Soldaten sind nach Holland entflohen, wo sie interniert werden. Gewaltige
Vorräte aller Art sind erbeutet.
sicherte die Beständigkeit der Organisation und die ununterbrochene Hebung unseres Staates. Das Vaterland wird ewig dankbar sein 8 die Wohltaten seiner Regierung. Das Wirken Köntg Carols knüpfte ein unauflösliches Band zwischen Dynastie und Volk. An diesem Tage der Trauer scharen sich alle Rumänen um den geliebten Thronfolger, der sicher ist, in der Liebe und dem Vertrauen seines Volkes nicht nur Trost in dem von allen Rumänen geteilten Schmerze, sondern auch Kraft zu finden, um die große Schwierigkeit der Mission zu erfüllen, zu der er heute berufen worden ist. Beseelt von denselben Gefühlen, wie sein ruhmreicher Ohetm, wird der neue König das Werk dec Erfüllung der Geschicke der Nation fortsetzen.
Gestern vormittag fand in der Metropolitankirche ein Gedächtnisgottesdienst für den König Carol statt. Nachmitta 8 erfolgte im Saale der Deputiertenkammer die feierliche Eidesleistung des Königs Ferdinand I. auf die Verfassung. Zu der Zeremonie hatten sich eingefunden der Metropolit und der Primas von Rumänien, die Geistlichkeit, die Minister, die Deputierten und Senatoren, die hohen Würdenträger und die Mitglieder des diplo⸗ matischen Korps, sowie ein äußerst zahlreiches Publikum. Wenige Minuten vor Ankunft des Königs betrat die Königin Maria mit dem Prinzen Nikolas und den Prinzessinnen Elisabeth und Maria, sämtlich in tiefer Trauer, den Saal. Der König, der bei seinem Erscheinen von den Versammelten mit Hurrarufen begrüßt wurde, leistete den Eid, worauf die Versammelten wiederum in stürmische Hurrarufe ausbrachen. Nach der Eidesleistung hielt der König, wie „W. T. B.“ meldet, folgende Ansprache:
Berufen durch die Gnade Gottes und den Willen des Volkes, Erbe des großen Gründers zu sein, der mir als hetli es Vermächtn!s die Gefühle der Liebe und Treue eines ganzen Volkes hinterließ, finde ich in meiner Liebe zu der Nation die Kraft, ohne Schwanken den Weg der Erfüllung meiner großen und schwierigen Pflicht zu betreten. Das Beispiel dessen, den wir alle wie einen Vater beweinen, und die Ueberzeugung, daß es bloß durch einen ununterbrochenen Aufschwung möglich ist, die Lebenskraft eines Volkes zu 9 wird für mich der Leitstern meiner Bemühungen für die Entwicklung dieses Staates während meines ganzen Lebens sein. In Erfüllung dieser hohen Pflicht, die ich mit un⸗ verbrüchlicher Treue und Liebe auf mich nehme, werze ich den sußesten Lohn finden, und indem wir so handeln, geben wir ein Unterpfand der Dankbarkeit dem, dessen Andenken das teuerste Band zwischen dem Lande und meinem Hause ist. Während seiner gluͤcklichen Regierung, die einen Stolz unserer Geschichte bildet, hat der erste König Rumäniens jedesmal, wenn große Ereignisse ihm diese Pflicht auferlegten, die mächtigste Stütze in der Einigkett, mit der alle Rumänen sich um den Thron scharten, gefunden. Ich bin überzeugt, daß die Rumänen, von demselben hohen Patriotismus beseect, auch in Zukunft dem Throne und dem Lande die Einheit in Gedanken und Tat zu geben wissen werden, die das einzige Unserpfand einer gesunden nationalen Entwicklung ist Der Allmächtige, der nach so vielen schweren Prüfungen die Arbeit derer segnete, die sich dem Wohle dieser Nation gewidmet haben, wird das, was mit so viel Mühe gebaut ist, nicht vergehen lassen und mit Liebe für dieses Volk die rastlose Arbeit schützen, die ich als guter Rumäane und als nönig meinem teuren Lande zu weihen entschlossen bin. (Begeisterter Beifall, in den sich auch langanhaltende Beifallerufe für die Königin Maria mengten.)
Der Präsident des vereinigten Parlaments Pherekyde widmete hierauf dem König Carol einen warmen Nachruf und versicherte den neuen König der Hingebung der gesetzgebenden Körper. Die stürmischen Huldigungen wiederholten sich, als der König und die Königliche Familie den Saal verließen. Hierauf fand in der Metropolitankirche ein Tedeum statt, nach dem das Königspaar unter lebhaften Kundgebungen einer un⸗ geheuren Menschenmenge ins Schloß zurückkehrte. Im Laufe des Nachmittags wurden die Truppen in allen Garnisonen des Landes vereidigt.
Für den König Carol ist eine einmonatige Trauer ange⸗ ordnet worden. Der Leichnam des Königs wurde vorläufig auf Schloß Pelesch in Sinaia aufgebahrt und wird heute nach Bukarest übergeführt werden, wo er im Königlichen Palais zur all⸗ gemeinen Besichtigung aufgebahrt wird. Die Beisetzungsfeier⸗ lichkeiten werden im historischen rumänischen Kloster Curtea
2 1“
ost de Agres stattfinden. “
Der bulgarische Gesandte in Nisch hat, der „Agence Bulgare“ zufolge, letzthin beim Ministerpräsidenten Paschitsch Schritte unternommen wegen der unhaltbaren Zustände, unter denen die Bulgaren in Mazedonien seufzen. 8
Krriegsnachrichttaä.
Westlicher Kriegsschauplatz. Großes Hauptquartier, 10. Oktober, Abends.
(W. T. B.) Nach nur zwölftägiger Belagerung ist
Antwerpen mit allen Forts in unsere Hände gefallen.
Am 28. September siel der erste Schuß gegen die Forts der äußeren Linie, am 1. Oktober wurden die ersten
Forts erstürmt, am 6. und 7. Oktober der starke, an⸗ gestaute, meist 400 Meter breite Nethe⸗Abschnitt von unserer Infanterie und Artillerie überwunden. Am 7. Oktober wurde entsprechend dem Haager Ab⸗
kommen die Beschießung der Stadt angekündigt. Da der Kommandant erklärte, die Verantwortung für die
Beschießung übernehmen zu wollen, begann Mitter⸗
nacht vom 7. zum 8. Oktober die Beschießung der Stadt. Zu gleicher Zeit setzte der Angriff gegen die innere Fortslinie an. Schon am 9. Oktober früh waren zwei Forts der inneren Linie genommen. und am 9. Oktober nachmittag konnte die Stadt ohne ernsthaften Widerstand besetzt werden. Die ver⸗ mutlich sehr starke Besatzung hatte sich anfänglich tapfer verteidigt. Da sie sich jedoch dem Ansturme unserer Infanterie und der Marmedivision sowie der Wirkung unserer gewaltigen Artillerie schließlich nicht gewachsen fühlte, war sie in voller Auflösung geflohen. Unter der Besatzung befand sich auch eine unlängst eingetroffene englische Marine⸗Brigade. Sie sollte nach englischen Zeitungsberichten das Rückgrat der Verteidigung sein.
er Grad der Auflösung der englischen und belgischen Truppen wird durch die Tatsache bezeichnet, geg. die Uebergabeverhandlungen mit dem Bürgermeister geführt werden mußten, da keine militärische Behörde aufzu⸗ finden war. Die vollzogene Uebergabe wurde am 10. Oktober vom Chef des Stabes des bisherigen Gouvernements von Antwerpen bestätigt, die letzten noch nicht übergebenen Forts wurden von unseren
Truppen besetzt.
Getreide beladenen Leichterschiffe.
Die Zahl der Gefangenen läßt sich noch nicht über⸗
Die letzte belgische Festung, das „uneinnehmbare“
Antwerpen, ist bezwungen. Die Angriffstruppen haben eine außerordentliche Leistung vollbracht, die von Seiner Majestät damit belohnt wurde, daß ihrem Führer, dem General der Infanterie von Beseler, der Orden pour le mérite verliehen wurde.
Großes Hauptquartier, 11. Oktober, Abends. (W. T. B.) Ueber die Siegesbeute von Antwerpen können noch keine Mit⸗ teilungen gemacht werden, da die Unterlagen erklärlicherweise
8
noch fehlen. Auch über die Anzahl der Gefangenen, über den Uebertritt englischer und belgischer Truppen nach Holland lieg kein abschließendes Urteil vor.
Rotterdam, 10. Oktober. (W. T. B.) Der Korrespondent des „Rotterdamschen Courant“, der gestern Antwerpen verließ, meldet aus Roosendaal vom 9. Oktober: Heute früh begannen die Eng⸗ länder in westlicher Richtung abzuziehen. Die Belgier hatten gestern fünf Petroleumtanks angezündet, damit sie nicht den Deutschen in die Hände fielen, und versenkten alle mit Verschiedene Leichterschiffe wurden versenkt, um die Durchfahrt auf der Schelde zu erschweren 1 und die Schleusen wurden in die Luft gesprengt. Die Stadt war bei meiner Abreise ziemlich verlassen, auf den Straßen sah man nur Hafenbeamte und einige Milttärpersonen. Die Belgier zogen in der Richtung nach Boom ab, die Engländer über die Pontonbrücke bei Téle de Flandres und sprengten sodann die Brücke. Das Fort Merxem wurde von den Belgiern in die Luft gesprengt.
Amsterdam, 11. Oktober. (W. T. B.) Die „Nieuws van den
Dag“ melden aus Roosendaal: Als der Rückzug aus Antwerpen am Freitag abend begann, versuchten die Deutschen sofort den Abzug zu verhindern, indem sie bei Dendermonde dem Feinde in die Flanke fielen. Die deutsche Artillerie schoß auf die Entfernung von acht Kilometern mit verblüffender Sicherheit Schrapnells in die sich zurück⸗ ziehenden Bataillone der Nachhut. Diese hatten schließlich nur die Wahl, durch das Schrapnellfeuer der unsichtbaren deutschen Artillerie aufgerieben zu werden, oder auf die holländische Grenze zurückzugehen. Auch die Engländer wählten das letztere.
Amsterdam, 11. Oktober. (W T. B.) Wie der Telegraaf“
meldet, wird die Zahl der Engländer, die die Grenze überschritien haben, auf dreizehntausend geschätzt. Unter den entwaffneten enalischen und belgischen “ s 85 eine Anzahl höherer Offtziere, darunter ein englischer Divisionsgeneral. C 11. Oktober. (W. T. B.) Die „Nieuws van 1 den Dag“ melden, daß die Belgier ihren Verlust an Kriegsgefangenen auf 20 000 schätzen. 11. Oktober. (W. T. B.) Der „Nieuwe Rotter⸗ damsche Courant“ meldet aus Breda, daß die Verwüstung in Ant⸗ werpen, ausgenommen die Gegend bei der Südstation, unbedeutend ist. Die Häuser in der Schönstraße stehen in Flammen. Deutsche Soldaten helfen bei den Löscharbetten. Eine Bombe hat die Lieb⸗ frauenkirche beschädigt, der Königspalast und die Zentralstation sind unbeschädigt. Das deutsche Hauptquartier wurde unter Mitwirkung des Gemeinderats im Stadthause eingerichtet.
Amsterdam, 11. Okiober. (W. T. B.) Dem „Telegraaf“ zu⸗
folge kamen zwei deutsche Offiziere Mittags in Putte an und begaben sich zum Kommandeur der Grenztruppen, dem sie namens des Gouverneurs mitteilten, Antwerpen stehe unter deutschem Befehl. Sie ersuchten den Kommandeur, die belgischen Flüchtlinge zur Rück⸗ kehr zu bewegen, worauf Tausende sofort zurückkehrten.
Großes Hauptquartier, 11. Oktober, Abends. (W. T. B.)
Westlich Lille ist von unserer Kavallerie am 10. Oktober eine französische E völlig, bei Hazebrouck eine andere französi
division unter schweren Verlusten geschlagen worden.
che Kavallerie⸗
Die Kämpfe in der Front führten im Westen bisher
zu keiner Entscheidung.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Großes Hauptquartier, 11. Oktober, Abends. (W. T. B.) Auf dem östlichen Kriegsschauplatze wurden im Norden alle Angriffe der ersten und zehnten russischen Armee gegen die ostpreußischen Armeen von diesen am 9. und 10. zurückgeschlagen. Auch ein Umfassungs⸗ versuch der Russen über Schirwindt wurde abgewiesen. Dabei wurden 1000 Russen zu Gefangenen gemacht. In Südpolen erreichten die Spitzen unserer Armeen die Weichsel. Bei Grojez südlich Warschau fielen 2000 Mann des 2. sibirischen Armeekorps in unsere Hände.
Russische amtliche Nachrichten über einen großen russischen Sieg bei Augustow —Suwalki sind Er⸗
findung. Wie hoch die amtlichen russischen Nachrichten ein⸗ zuschätzen sind, zeigt die Tatsache, daß über die gewaltigen
Niederlagen bei Tannenberg und Insterburg keine amtlichen russischen Mitteilungen veröffentlicht sind.
Wien, 10. Oktober. (W. T. B.) Amtlich wird ver⸗ lautbart: Gestern versuchte der Feind noch einen Sturm auf die Südfront von Przemysl, den die Besatzung wieder unter schweren Verlusten des Angreifers zurück⸗ wies; dann wurden die rückgängigen Bewegungen der Russen vor der Festung allgemein. Die Westfront mußten sie vollständig räumen. Unsere Kavallerie ist dort bereits eingeritten. Der durch die Schnelligkeit der Operationen in Russisch⸗Polen und Galizien verwirrte Gegner versuchte zwar, seinen Angriff auf die Festung durch Hinausschieben von Heeresteilen gegen Westen zu decken, vermochte aber unseren heraneilenden Armeen nirgends Stand zu halten. Die fünf bis sechs russischen Infanteriedivisionen, die sich bei Lancut stellten, sind 88 fluchtartigem Rückzuge gegen den San. Ebenso wurden eine Kosakendivision und eine Infanteriebrigade, die östlich Dymow eine ver⸗ stärkte Stellung inne hatten, nach kurzem Widerstande zurück⸗ geworfen. Unsere Truppen sind dem Gegner überall an den Fersen. Auch Ungarn dürfte von den noch in den Komitaten Maramaros und Besztercze⸗Naszod herumirrenden feindlichen Abteilungen bald gänzlich gesäubert sein.
1 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: von Höfer, Generalmajor. 8
Wien, 11. Oktober. (W. T. B.) Antlich wird ver⸗ lautbart: Unser rasches Vorgehen an den San hat Przemysl von der feindlichen Umklammerung befreit. Unsere Truppen rücken in die Festung ein. Wo sich die Russ en noch stellten, wurden sie angegriffen und geschlagen. Bei ihrer Flucht gegen die Flußübergänge von Sieniawa und Lezajsk elen massenhaft Gefangene in unsere Hände.
8 Der Stellvertreter des Chef des Generalstabs: von Hoefer, Generalmajor.
am, 11. Oktober. 28
meldet das „Handelsblad“: Ein deutsches Schiff brachte drei Offiziere und die Mannschaft des Schiffes „City of West⸗ minster“ hier ein, das vom Kreuzer „Königsberg“ im Indischen Ozean versenkt worden war.
Amsterd
Statistik und Volkswirtschaft.
Die Weinernte des Jahres 1913 in den preußischen Regierungsbezirken Wiesbaden, Koblenz und Trier.
Das Königliche Statiftische Landesamt veröffentlicht S‚Statistischen Korrespondenz“ eine tabellarische Uebersicht über die in Weinorten der Regterungsbezirke
Koblenz und Trier, d. h. in den Gemeinden mit mindestens 50 ha im Ertrage stehenden Reblands im Jahre 1913 ppoon Weiß⸗ und Rotwein, über die für den
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den größeren Wiesbaden,
ewonnenen Mengen
Most und die Trauben
dieser Ernte gezahlten Preife und die Beurteilung der Erträge nach Herbst und Güte. .
Danach waren von den in den drei Regierungsbezirken 1913 vor⸗ handenen 111 größeren Weinorten mit weißen und roten Trauben bestockt. Regierungsbezirk Wiesbaden entfallenden 2471,0 ha (2432 6 Weiß⸗ und 384 bezirk Koblenz kamen 55 Orte mtit 5145, Rotwein) und auf den Regierungsbezirk Trier 36 O⸗ auf denen nur weißes Gewächs gezogen wird. die Kelter in den größeren Weinorten
Bezirks Koblenz 75 047,% hl (72 701 wein) und in denen des Bezirks Trier
Hiernach berechnet sich der durchschnittliche beim Weiß⸗ und 0,c8 hl
83 mit nur weißen und 28 Das Rebland der auf den 20 Orte umfaßte zusammen
Weiß⸗ und 496,0 te mit 3003,8 ha, Von diesen Flächen ergab des Bezirks Wiesbaden n in denen des 0 Weiß⸗ und 2346,%° Rot⸗ 1 (nur Weißwein). ektarertrag für Wies⸗ im Rotwein, für Koblenz hl Rotwein und für Trier auf 25 61 hl. ittserträge sind die gert fraglichen Ergebnisse in den drei ist der Mostgewinn reichlich aus eißwein in Enkirch im an Rotwein in Rorheim
Rotwein); ha (4649,
76 921,4 h
baden auf 3,27 hl auf 15,84 hl Weiß⸗ und 4,78 Weißwein. Diese Durchschn Veröffentlichungen der Nur vereinzelt beispielsweise der an W (†¼ Herbst), (% Herbst).
Der Güte nach wurde und Sarmsheim im Rachtig im Regierun Regterungsbezir „ziemlich gut“, in Graach, „mittel bis gut“ „teilweise gut“
een, seitdem ezirken statt⸗ gefallen, wie Regierungsbezirk Koblenz desselben Regierungsbezirks
nb der Weißwein in vier Orten (E Regierungsbezirk Koblenz, Erden und Ze gsbezirk Trier) als „gut“, und Oberemmel,
Traben⸗Trarbach, Kesten und
2 mal (in Manubach, Regierungsbezirk Trier) Regierungs⸗ Maring⸗Noviand, „2mal (in Lieser und Wehlen, 64 mal als „mittel“, 1 mal als g mittel“, 24 mal als r Rotwein 1mal (in Sarmehei „mittel“, 5 mal als „gering“ beurteilt; 2mal fehlte die n wird im Amtsblatte der Regie⸗ die geringe Ernte auf die ungünstige t und auf den regnerischen, kühlen Auch traten Rebschädlinge, wie Heu⸗ pora und Oidium ungewöhnlich stark auf. beiden anderen Regierungsbezirken Bemerkun hierüber nicht vorliegen, werden auch für Beeinträchtigungen anzunehmen sein. worauf seine ungewöhnl härtesten betroffen zu sein. Weinorte, die im Jahre 1913 w stebenden Reblandes hatten, baden, Koblenz und Trier ins Landesamt nur summaris bezirk Wiesbaden kamen 33,e hl Rotwein von 485 auf den Regierungsbezirk Kablenz 178 Orte 331,2 hl Rotwein von 2342 8 bezw bezirk Trier 138 Orte mit 2 Hternach stellte kleinen Weinorten niedriger als in den großen, und iesbaden auf 26 hl vom des Regierungsbezirks Koble Regierungsbez
Reg.⸗Bez. Trier) als Reg.⸗Bez Trier) als „unter mittel“, 9mal als 1 mal als sehr gering“, de Bez. Koblenz) als ring bis mittel“
11 mal als und 9mal als Zu den Begutachtunge rung zu Wiesbaden erwähnt, daß Witterung während der Blütezei Sommer zurückzuführen ist. Sauerwurm, Peronof Obgleich aus den
iese annähernd d Allerdings scheint Wiesba ich niedrigen Erträge schließen lassen,
eniger als 50 ha im Ertrage wurden in den Regierungsbezirken Wies⸗ gesamt 364 gezählt, für die che Angaben macht. 48 Orte, in
das Statistische Auf den Regierungs⸗ denen 1276,5 hl Weiß. und Rebfläche erkeltert wurden, mit 23 007,0 hl Weiß⸗ und f den Regierungs⸗ eißwein von 1754,7 ha. chnittliche Hektarertrag in den des Rotweins in Wiesbaden, zwar für die des Reglierun und 1,1 hl vom Rotwein, für die und für die des
383,b ha und au 5 256,8 hl W sich der durchs
„mit Ausnahme
1 nz auf 9,8 bezw. 0,9 hl
irke Trier auf 144 hl vom Weißwein. Ueber den Umfang des Verkaufs von sblatt der Regierung in Trier Angab Landkreise Trier 1890,3
Zentner (zu 50 kg) ttgefunden hat,
mterträge an bezirken sind in der f rgebnissen de
Trauben sind nur im en veröffentlicht worden. und im Kreise Wittlich kg) verkauft; oh noch ander⸗ ist nicht ersichtlich.
Weiß⸗ und Rotweinen in den olgenden Uebersicht zur Ver⸗ enübergestellt.
ach wurden im 194,0, zusammen 20. weit Traubenverkauf sta
Die 1913 er Gesa drei Regierungs gleichung den Regierungsbezirken Wiesbad gekelterte Most
r Vorjahre geg Der in den en, Koblenz und Trier 1906 bis 1913
ergab in Hektolitern folgende Mengen:
-“ „6-155
b 6b5
v— 5b5
66 5
drei Bezirke zusammen
Wohlfahrtspflege.
Kriegsfürsorge der Landesversicherungganstalt Berlin.
abgehaltenen Sitzung des Berlin berichtete der Vor er die bisherige , se Versicherte. nimmt sich vor allem der
In der am 10. d. M. Landesversicherungsanstalt standes, Lan
Ausschusses der tzende des Vor⸗ urchführung der Die Landesversiche. milienväter
desrat Dr. Freund, üb rsorge für arbeitslo rungsanstalt Berlin
8 EEö 5 I
sätzlich der Färsorge darch die Stadtgemeinde Berlin unker⸗ liegen. Bis jetzt sind rund 13 000 Anträge bei der Landes⸗ versicherungsanstalt eingeaangen, von denen der weitavs größte Teil, über 9000, bewilligt wurde. Die zur Auszahlung kommende Unter⸗ stützungssumme beträgt wöchentlich 50 000 bis 60 000 ℳ Die höchste Familienunterstützung wurde auf mehr als 80 ℳ monatlich festgesetzt. Für die Auszahlung der Unterstützungen ist ein hesonderes Lokal in der Schicklerstraße gemietet, das täglich von 9 bis 1 Uhr geöffnet ist. Es hat nicht an Versuchen gefehlt, durch unwahre Angaben oder Verschweigung von Tatsachen die Unterstützung zu erlangen. Sind doch Fälle vorgekommen, wo dieselbe Person an v rschiedenen Tagen bei derselben Unterstützungkommission den Antrag stellte. Mit Genugtuung kann festgestellt werden, daß etwa 700 Personen, denen bereits Unterstützung bewilligt war, frei⸗ willig auf diese verzichteten, weil sie inzwischen Arbeit gefunden hatten. Auf der anderen Seite haben zahlreiche Personen, denen Arbeitslosenunterstützung gewährt wurde, die Annahme von Arbeit außerhalb Berlins abgelehnt. Diesen Personen ist natürlich die Be⸗ scheinigung der Arbeitsosigkeit durch den Arbeitsnachweis versagt worden, sodaß die Arbeitslosenunterstützung in Wegfall kommt. Nachdem der erste Andrang zu der Arbettslofenunterstützung vorüber ist, sind die Arbeiten jetzt so gefördert worden, daß über jeden Antrag am Tage des Einganges deeselben entschieden werden kann.
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W. T. B.“ verbreitet den folgenden Aufruf des Kommandanten der Etappen. Kommandantur Gerdauen: „In Gerdauen, Stadt und Land, hat die russische Invasion ungeheuren Schaden verursacht. Große Werte sind für viele Jahre vernichfet worden. Etwa 4000 Menschen sind zurzeit obdachlos. Die Not derselben, die ohne schützendes Dach, ohne Verpflegung und ohne Geldmittel dem Winter entgegen⸗ sehen und unter den Unbilden der Witterung jetzt schwer leiden, ist groß. Für den Aufbau von Baracken sind anscheinend Mittel noch nicht vor⸗ handen. Ich appelliere daher an die in letzter Zeit so oft bewiesene große Opferfreudigkeit in unserem deutschen Vaterlande und bitte, auch derer zu gedenken, die, von Haus und Hof vertrieben, jetzt bei ihrer Rückkehr nur Trümmerhaufen vorgefunden haben. Geld und Bekleidungsstücke, im besonderen warme Sachen für den Winter und Betten werden dankbarst vom Landrat Freiherra von Braun in Gerdauen entgegengenommen. Auch wird daselbst über alle Eingänge quittiert werden. Für jede, auch die kleinste Spende im voraus wärmsten Dank!“
Der Ausschuß der Deutschen Kolonialgesellschaft hatte, wie bereits früher mitgeteilt wurde, zur Linderung der Not unter den in Deutschland weilenden Ansiedlerfamilien beschlossen, eine Hilfstätigkeit einzuleiten. Zu diesem Zwecke hat der genannte Ausschuß gemeinsam mit dem Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft einen kolonialen Hilfsausschuß gebildet. Während die im Dienste des Reiches stehenden Beamten seitens des Reiches unterstützt werden, sollte dieser Hilfsausschuß seine Fürsorge den bedürftigen Privaten zuteil werden lassen. Wie not⸗ wendig die Einsetzung des Hilfsausschusses gewesen ist, geht daraus hervor, daß innerhalb eines Monats etwa 90 Gesuche aus fast allen Kreisen der Bevölkerung unserer Kolonien eingegangen sind. Hilfe wurde meist aus dem Grunde erbeten, weil die regelmäßigen Geld⸗ sendungen aus den Schutzgebieten ausgeblieben sind. In anderen Fällen waren die Männer eben erst in die Kolonien übergestedelt, und die Familtenangehörtgen hatten bereits ihren Hausrat ver⸗ kauft, um mit einem der nächstfälligen Dampfer gleichfalls ibre Uebersiedlung vorzunehmen. Die Unterstützungen werden, sofern es sich nicht um Gewährung von Verpflegung, freier Wohnung oder um Lieferung von Kleidung handelt, in den meisten Fällen als zinslose Darlehen bewilligt, zu deren Rückerstattung die Bittsteller sich schon bei Einreichung der Gesuche erboten haben, und allmonatlich ausgezahlt, solange die Verbindung mit den Kolonien unterbrochen ist. Bittsteller, die über ein großes Vermögen verfügen, müssen die ihnen gewährten Beträge verzinsen. Alle hilfesuchenden Ansiedlerfamflien, auch die vermögenden, zeigen das Bestrehen, sich in der jetzigen Zeit möglichst einzuschränken, und sind für die ihnen gewährte Unter⸗ stützung sehr dankbar. Durch diese Hilfstätigkeit sind zahlreiche An⸗ siedlerfamilten hier feder Sorge enthoben und können mit Vertrauen der Zeit entgegensehen, wo ihnen mit Beendigung des Krieges die Mögtichkeit gegeben wird, Geldsendungen aus dem Schutzgebiet zu erhalten oder die Ausreise bezw. Wiederaus reise in ihre neue Heimat anzutreten.
Zur Jugendpflege
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Für das enge Verbundensein von Stadt und Land ist nach den Erfahrungen des „Soztalen Museume“ in Frankfurt a. M. der Zu⸗ sammenhana zwischen städtischer Jugendfürsorge und ländlicher Jugend⸗ pflege charakteristisch. Der neueste (11), auf das Jahr 1913 sich be⸗ ziehende Jahresbericht spricht sich über diese Frage, wie folgt, aus: „Die Stadt verheißt der Landjugend vermehrte Arbeits⸗ und Lebens⸗ gelegenbeit, viele der Landkinder finden in der Stadt eine Steiaerung tbres Einkommens und ihrer Lebensbaltung, vieleandere finden inder Stadt Not statt Brot, werden auf das Pflaster geworfen, zerschellen im Strudel und Rausch des Stadtlebens und werden schließlich kostspielige Schädlinge der Gesellscha't. Die landgeborenen Jungen und Maͤchen stellen einen erheblichen Teil der straffälligen Jugend der Großstädte, gerade auch in Frankfurt; für ihre Heimat war ihre Abwanderung ein Verlust, für die Stadt brachte idre Zuwanderung Sorge und Kosten. Die städttschen Einrichtungen für Jugendpflege sind ihnen zum guten Teil nicht bekannt; spät, oft zu spät lernen sie dieselben als Objekte ihrer Fürsorge kennen. Auch hier gilt es, nicht bloß vorzubeugen, sondern Maßnahmen zu treffen, welche den neuen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, unter denen sich die Abwanderung der jugendlichen Arbeiter vom Lande in die Städte vollzieht, angepaßt si d Die Berufswahl und Stellenvermittlung auf dem Lande liegt noch im argen; für die schulentlassene Jugend eines Dorfes fehlt die Uebersicht über die in der Nachbarschaft, im Kreis oder in der weiteren Umgebung der Heimat vorhandenen Berufe und deren Aussichten, zum anderen ist die Berufsausbildung auf dem Lande durch die geringere Ausdehnung und Entwicklung des Gewerbes beschränkt. Die auf dem Lande vertretenen Gewerbe der Bäcker, Schuhmacher, Schneider, Schmiede, Schreiner usw. können die gesamte heran⸗ wachsende Jungmannschaft nicht aufnehmen und ausbilden, vor allem fehlen auf dem Lande die im stadtischen Gewerbsleben wichtigsten und füͤr das wirtschaftliche und soziale Vorankommen günstigsten Berufe fast ganz. Die ländliche Jugend ist daher bei ihrem Ueber⸗ gang vom Lande zur Stadt für das städtische Gewerbsleben über⸗ baupt nicht oder nicht genügend vor⸗ und ausgebildet und muß deshalb häufig mit dem Wechsel des Ortes zugleich einen Wechsel des Berufes vornehmen oder in die Schichten der ungelernten Arbeiter eintreten. Die Organisierung der Berufsberatung und Stellenver⸗ mittlung für Jugendliche, wie sie jetzt von den Arbeitsnachweisen oder von gemeinnützigen Vereinen in den Städten geschaffen wird, ist für das Land nicht minder notwendig. An die Berufsberatung bat sich für die abwandernde Jugend eine Beratung sowie eine Fürsorge auf der Wanderung selbst wie am Ort des Wanderungsziels anzuschließen. Für die wandernde Jugend müssen Absende⸗ und Empfangsstationen eschaffen werden, fuͤr ihre Bedürfnisse muß auf den Wanderungs⸗ tationen, den Herbergen usw. gesorgt werden, und am Wanderungs⸗ ziel ist die Wahl der rechten Wohnungsunterkunft nicht minder wichtig als die Zuweisung der rechten Arbeitsstelle. Sorge um billine und zweckmäßige Ernährung ist nicht minder nötig wie die für gute und fröhliche Erholung und Geselligkeit. So tritt gerade in den Zu⸗ sammenhängen zwischen Stadt und Land die Fürsorge und Pflege der wirtschaftlichen Interessen der Jugend gleichberechtigt und gleichwichtig neben die Maßnahmen für die körperliche Kräfti ing und die kkter⸗
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liche Ertüchtigung.“
und Familienmütter an, während ledige Personen grund⸗
Kunst und Wissenschaft.
Die üuriti Fakultät der Universität Greifswald hat dem General von Beseler die Ernennung zu ihrem Ehren⸗ doktor durch folgendes Telegramm mitgeteilt: „Euer Erzellenz beehrt sich die rechts⸗ und staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Greifswald mitzuteilen, daß sie mit größter Freude Veranlassung nimmt, Euer Exzellenz, den ruhmreichen Sohn Greifswalds und nahen Angehörigen der Fakultät, der dem von Deutschlands Feinden schmählich beleidigten Rechte dusch die Eroberung Antwerpens glänzende Genuatuung verschaffen half, zum Ehrendoktor der Rechte zu ernennen. Der Dekan E. Stampe.“
Literatur.
— Von dem Bericht über die Verhandlungen der vom 17. bis 27. September 1912 in Hamburg abgehaltenen Siebenzehnten EI Konferenz der Internationalen Erd⸗ messung ist der II. Teil erschienen. Der von dem ständigen Sekretär Van de Sande Bakhuyen redigierte, mit lithographischen Tafeln und Karten ausgestattete Band entbält Spezialberichte und Berichte über die Tätigkeit des Zentralbureaus in den Jahren 1911, 1912 und 1913. 8
In Lüttich ist das gößte belgische Industrieunternehmen, die Werke von John Cockerill, in den Bereich deutscher Ver⸗ waltung gelangt. Sie liegen unmiftelbar an der Maas, inmitten des belgischen Kohlenbezirks, sie beschäftigen etwa 11 000 Arbeiter Der jährliche Verbrauch an Kohlen beläuft sich, wie die „Zeitsch ift des Vereins deutscher Ingenieure⸗ mitteilt, auf 350 000 t. Davon fördert das Werk 250 000 t aus seinen eigenen, in unmittelbarerer Nähe gelegenen Zechen und bezieht den Re st von benachbarten Zechen, zum weitaus größten Teile jedoch aus Deutsch and. Insgesamt worden jäbrlich 500 000 bis 600 000 t Erz verhüttet. Das Hauptkraftwerk enthält 8 doppelt⸗ wirkende Gasmaschinen mit je einer Gleichstromdynamo von rund 1200 Kilowatt. Der elektrische Betrieb umfaßt mehr als 750 Motoren. Em kleineres Kraftwerk ist mit zwei Gasmotoren von rund 100 PS Gesamtleistung ausgerüsset. Die Stahlwerke erzeugen jährlich rund 250 000 t; sie bestehen aus einer Bessemeranlage, einer Siemens⸗ Martinanloge und einem Girodofen. Die Bessemeranlage enthält fünf 15 t⸗Birnen. In den drei Siemens⸗Martinöfen wird hauptsächlich hochwertiger Nickelstahl für Geschütze und weicher Stahl für Kesselplatten hergestellt. Der Girod⸗ ofen dient zur Herstellung von Sonderstählen, wie Werkzeugstahl. Die Hochofenanlage besteht aus vier älteren 5 für 80 bis 100 t tägliche Erzeugung und 2 Oefen neuerer Bauart. Das Walz⸗ werk stellt hauptsächlich Eisenbahnschienen her, wovon es wöchentlich 3000 t herausbringen kann. Zum Antrieb dient eine in den Cockerillschen Werken selbst gebaute 10 000 PS⸗Dampfmaschine. Die Lokomotiv⸗ werkstätten zählen zu den bedeutendsten in ganz Europa. Sie erzeugen aueschließlich der kleinen Feld⸗ und Grubenlokomotiven jährlich etwa 100 Lokomotiven. Außer der belgischen Staatsbahn sind die Haupt⸗ abnehmer Frankreich, Spanien, Portugal, China und Argentinien. Neben den großen Lokomotiven liefern die Werke vor allem kleine Gruben⸗ und Werklokomotiven mit senkrechten Kesseln. Die Maschinenbauabteilung ist in drei 20 m hohen Hallen von 5800 qam Grundfläche untergebracht. Aus ihr sind eine große Anzahl Dampfmaschinen, Pumpen, Gebläse, Krane, Dampfturbinen, Gasmotoren usw. hervorgegangen. Die Abteilung für Eiseakonstruktionen, Brückenbau, Gerüste usw. bedeckt mit ihren sechs 15 m breiten und 80 m langen Hallen 16 000 qm. Ihre Werkstätten sind mit 33 Laufkranen von 2 bis 45 t Tragkraft ausgerüstet Die Artillerie⸗ werkstätten erzeugen kleinere Belagerungs⸗ und Ver⸗ teidigungsgeschütze, dagegen nicht Geschütze großen Kalibers. Auch werden hier die geschlossenen Schutzschilde ohne Schießritze für Festungsgeschütze hergestellt. Die kleineren Geschütze haben keinen Ruͤcklauf, sondern der Stoß wird durch eine starke Stahlfeder abge⸗ fangen. In den Cockerillschen Werkstätten sind die gesamten belgischen Feldgeschütze nach Kruppschen Plänen hergestellt An die von der Gesellschaft nach einem Gebeimverfahren aus Chromnickelstahl bei niedriger Rotglut (700 — 800 ) gehärteten Panzerplatten und Panzertürme harte man die größten Erwartungen geknüpft. Jedoch sind sie in Lüttich und Namur von den deutschen 42 cm⸗Mörsern glatt durchschlagen worden. Die Herstellung von Geschossen ist ebenfalls bedeutend und beträgt täglich 400 Graonaten, kann aber leicht auf 800 gebracht werden. Die Schrapnellgeschosse haben einen Stahlmantel von 0,5 % Nickelgehalt.
Die in Antwerpen gelegene Cockerillsche Werft beschäftigt etwa 1000 Arbeiter. Sie baut hauprfächlich Flußdampfboote. In letzter Zeit sind aber auch größere Dampfer gebaut worden.
Verkehrswesen.
Es sind neu festgesetzt worden die Umrechnungsver⸗ hältnisse für Postanweisungen: nach Ländern der Frankenwährung (Italien, Schweiz usw.) auf 100 Fr. = 87 ℳ, nach Rumänien auf 100 Lei = 87 ℳ, nach den Niederlanden und den niederländischen Kolonien auf 100 Gulden = 186 ℳ, nach Dänemark, Schweden und Norwegen auf 100 Kronen = 114 ℳ, nach den Vereinigten Staaten von Amerika und nach Cuba auf 100 Dollars = 440 ℳ.
Bis auf weiteres ist die Ausfuhr aller fertigen Leine und Baumwollgewebe, außer Verbandstoffen, in bei der Post eingelieferten Paketen ohne besondere Genehmigung zugelassen worden.
Paris als Hafenstadt. Einer der vielen großen Pläne, die in Frankreich nicht zur Ausführung gekommen find, berr fft die Schaffung eines Seekanals, der von Paris nach Rouen führen und daher die Hauptstadt mit dem Meer durch eine auch fur Seeschiffe fahrbare Wasserstraße verbinden sollte. Es war schon im Jahre 1897, als in der französischen Kammer ein Bericht verteilt wu de, der auf die großen Vorteile einer Kanalverbindung von Paris mit dem Meer hinwies. Die untere Seine hat außer dem Nachteil einer zu geringen Tiefe noch den eines außerordentlich gewundenen Laufs, sodaß eine Abschnetdung der Schlingen eine sehr bedeutende Verkürzung des Wasserweges herbeiführen konnte. Der eigentliche Seehafen von Paris ist Le Havre. Früher konnte das 130 km abwärts gelegene Rouen dies Stelle ausfüllen, da Ebbe und Flut bis dorthin reicht, obgleich au auf dieser Strecke die Seine drei gewaltige Schlingen beschreibt. Ma darf wohl sagen, daß dieser Flußlauf, wenn er unter sonst gleiche Umständen in deutschem Gehiet gelegen wäre, längst eine Regelun durch einen möglichst gradlinigen Kanal erfahren hätie. Daß die nicht gescheben ist, erklärt vor allem den Niedergang von Rouen im Verhältnis zu le Havre. Der geplante Pariser Seeschiffahrtskana war auch nur ziemlich bescheiden bemessen. In der Hauptsache sollt bis Rouen der Seinelauf berichtigt werden mit Ausnahme vo zwei Stellen, wo Biegungen des Flusses durchschnitten werden sollten, nämlich einmal zwischen Oissel und Pont de Arche oberhalb Rouen und zwischen Sartrouville und Bezon gleich unterhalb Paris. Dadurch wäre der Wasserwen bis Rouen xum 33 km verkürzt, aber doch nur halde Arbeit geleiste worden, weil zwei der unangenehmsten Windungen unberührt geblieben wären. Man wäre dann von Paris bis Rouen nur 85 statt 118 km gefahren. Der Plan nahm ferner eine Breite von 35 m die bet Biegungen auf 45 m steigen sollte, und eine Tiese von 6,20 m an, sodaß im Notfall Schiffe dis zu 6 m Tiefgang, wie ste bei jedem Stand der Flut in Rouen einlaufen können, b's Parss hätten gelangen können. Bei Clichy nördlich von Paris sollte der Kanal in einem Becken