1914 / 284 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 03 Dec 1914 18:00:01 GMT) scan diff

sit einer Menge wertvollen Materials. Bei der Fülle von Zusendungen dieser Art ist es der Zentralstelle nicht möglich, im einzelnen jedem Einsender den Empfang zu bestätigen oder zu danken; sie nimmt indessen gerne die Gelegenheit wahr, auf diesem Wege für die ihr durch solche Artikel zuteil werdenden wertvollen Mitteilungen ihren Dank auszusprechen, deren sach⸗ gemäße Berücksichtigung sie sich nach wie vor angelegen sein läßt.

Wie über neutrale Länder bekannt wird, suchen englische

Kreise in Aegypten gegen Deutschland mit der Behauptung zu hetzen, die türkische Armee solle Aegypten für Deutschland erobern. Das „W. T. B. ist ermächtigt, dies als eine unsinnige Ausstreuung zu kennzeichnen.

Der heutigen Nummer des „Reichs⸗ und Staatsanzeigers“ sind die Ausgaben 245, 246, 247 und 248 der Deutschen Ver⸗ lustlisten beigelegt. Sie enthalten die 92. Verlustliste der preußischen Armee, die 89., 90., 91. und 92. Verlust⸗ liste der bayerischen Armee, die 68. Verlustliste der sächsischen Armee und die 70. Verlustliste der württem⸗ bergischen Armee. 1““ 8

Bayern.

Seine Majestät der König hat, wie „W. T. B.“ meldet, in besonderer Anerkennung der hohen Verdienste, die sich der Generalfeldmarschall von Hindenburg sowie der Generalleutnant Ludendorff um die Führung der im Osten kämpfenden Armeen erworben haben, ersterem das Großkreuz, letzterem das Kommandeurkreuz des Militär⸗Max⸗Joseph⸗ Ordens verliehen.

1“ Oesterreich⸗Ungarn.

Die Wiederkehr des 66. Gedenktages der Thron⸗ besteigung des Kaisers Franz Joseph wurde gestern in der ganzen Monarchie festlich begangen und bot Anlaß zu be⸗ geisterten Kundgebungen für den Kaiser und die Armee. Die gesamte Presse hebt in Festartikeln hervor, daß ein unzerreißbar festes Band Herrscher und Völker um⸗ schlingt, und spricht heiße Wünsche für den Sieg der ge⸗ rechten Sache aus. In Prag und Brünn betonen die tschechischen Blätter die Liebe des tschechischen Volkes zu dem Kaiser, dessen Gerechtigkeit es bewirkt habe, daß alle Nationen in dem Reiche der Habsburger ihren festesten Schutz erblicken, und heben hervor, daß die Tschechen ihre Treue zu dem Kaiser durch Wort und Tat bewiesen haben. In Wien und in den Provinzstädten wurde ein Soldatentag abgehalten, an dem sich das Publikum mit zahlreichen Spenden lebhaft beteiligte und dessen Erträgnis für die Kriegsfürsorge bestimmt ist. Die Wogen des Patriotismus gingen besonders hoch, als in den ersten Abendstunden die Einnahme Belgrads durch die österreichisch⸗ungarischen Truppen bekannt wurde.

Die neuesten Veröffentlichungen des Bürgermeisters von Wien, Weiskirchner, über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Haupt⸗ und Residenzstadt verweisen auf den glänzenden Erfolg der Kriegsanleihe. Die Publikationen gehen sodann auf die trotz des vier Monate währenden Kriegszustandes andauernd günstigen wirtschaftlichen und die ebenso günstigen Gesundheitsverhältnisse in Wien ein.

Großbritannien und Irland. 1

Ueber die Verluste der Flotte in den ersten vier Monaten des Krieges teilt die „Times“ mit, daß deutsche Unterseeboote 7 britische Kriegsschiffe und 4 Handelsschiffe vernichtet und daß die Deutschen ferner durch Kanonenschüsse 3 britische Kriegsschiffe und 50 Handelsschiffe zerstört haben.

Das Londoner Prisengericht hat den im Golf von Biskaya beschlagnahmten Dampfer „Schlesien“ vom Nord⸗ deutschen Lloyd laut Meldung des „W. T. B.“ als gute

Prise erklärt. Frankreich.

Der Präsident Poincaré, der Ministerpräsident Viviani und der Generalissimus der Armee Joffre trafen vorgestern vormittag mit dem König von England im englischen Hauptquartier zusammen. Der König und Poincaré fuhren im Automobil nach der englischen Front und verweilten den ganzen Tag inmitten der englischen Truppen. Poincaré und Viviani reisten Nachts ab und trafen gestern in Paris ein.

Die französischen Ausgaben im Kriegsmonat November betrugen dem „Progrès“ zufolge insgesamt 910 067 582 Franken.

Rußland.

Ein Kaise rlicher Ukas ordnet nach einer Meldung des

ZE

1) Es ist ohne besondere Erlaubnis des Finanzministers unter⸗ sagt, an österreichisch⸗ungarische, deutsche und türtische Institute und Staatsangehörige zu zahlen, auszuliefern, zu senden oder zu übertragen bares Geld. Wertpapiere, Silber, Gold, Platina, Edelsteine, ebenso Gegenstände, die aus den genannten Metallen und Steinen ange⸗ fertigt sind.

2) Es ist untersagt die Ausfuhr nach dem Auslande von barem Geld, von Wertpapieren, von Silber, Gold und Platina, dessen Wert 500 Rubel übersteigt, an jede Adresse. 1

3) Es ist unsersagt der Zutritt zu den Geldschrankfächern den Personen, die Vollmacht haben von den obenerwähnten Instituten und Staatsangehörigen. 1

4) Alle Zahlungen an deutsche, österreichisch⸗ungarische und osmanische Staatsangehörige, die sich außerhalb Rußlonds befinden, aber dort Handelsunternehmungen oder Grundstücke besitzen, werden in Rußland durch gesetzlich Bevollmächtigte dieser Unternehmungen geleistet werden, die vor dem Kriege ernannt wurden. .

5) Der Finanzminister wird Verfügungen treffen, um die Aus⸗ gaben und Einnahmen der Aktiengesellschaften wirksam zu kontrollieren, die in Deutschland, Oesterreich⸗Ungarn und der Türkei gegründet sind und das Recht erhalten haben, in Rußland Geschäft zu betreiben, ebenso auch die Ausgaben und Einnahmen der Gesellschaften und Unternehmungen, die vollständig oder teilwei obengenannten Untertanen gehören. 8

Nach einer Verordnung des Generalgouverneurs in Belgien vom 26. November können für Unternehmungen, die sich in den besetzten Gebieten Belgiens befinden und die von einem mit dem Deutschen Reich im Kriegszustand befind⸗ lichen Lande aus geleitet oder beaufsichtigt werden, Aufsichts⸗ personen bestellt werden, die in den 1“ darüber zu wachen haben, daß der Geschäftsbetrieb nicht in deutschfeind⸗ lichem Sinne geführt wird. Die gleichen Maßnahmen können

8 5 88 8 B. 2 3 egenüber Unternehmungen getroffen werden, die ihr Wirkun gs⸗

gebiet ganz oder zum Teil im belgischen Kongostaat haben, sowie gegenüber belgischen Unternehmungen, von deren Anlage⸗ kapital sich mindestens 10 % im Eigentum deutscher Staats⸗ angehöriger befinden.

Durch Verordnung des Generalgouverneurs vom 28. No⸗ vember sind ferner die Bestimmungen der bisher erlassenen Zahlungsverbote gegen England und Frankreich in gleicher Weise auch auf Rußland und Finnland aus⸗

gedehnt worden.

Bei den deutschen Militär⸗ und Zivilbehörden in

Belgien gehen immer noch zahlreiche Gesuche aus Deutschland ein, in denen Reichsangehörige um Anstellung bei der Zivilverwaltung oder um Verwendung als Dolmetscher und Sachverständige bei fortifikatorischen Arbeiten, militärischen Bauten und dergleichen bitten. Wie dem „W. T. B.“ von zuständiger Seite mitgeteilt wird, sind solche Gesuch e voll⸗ kommen aussichtslos und können wegen ihrer großen Zahl nicht mehr einzeln beantwortet werden. 8

Rumänien.

Nach einer Mitteilung des „Viitorul“ soll das Parla⸗ ment in der gegenwärtigen Session folgende Gesetzent⸗

würfe erledigen: Ein Gesetz über ein Moratorium gegenüber

dem Auslande, das außerdem für Wohnungsmieten unter 1000 Lei Geltung haben soll, wenn der Mieter nicht zahlungs⸗ fähig ist, Vorlagen über die Festsetzung von Höchstpreisen für Lebensmittel und die Emission von Banknoten zu 5 Lei, ferner eine Vorlage, durch die die Nationalbank ermächtigt wird, auf das Ausland lautende Goldtratten als Goldschatz zu bewerten. Schließlich soll ein Gesetz für die Unterstützung

der Familien der zum Militärdienst Einberufenen Vorsorge

treffen. 8 Bulgarien. v Der bulgarische Gesandte in Konstantinopel Tos chew ist nach Wien versetzt worden. Die Konstantinopeler Gesandt⸗ schaft wird vorläufig der frühere Gesandte in Cetinje Ku⸗ luschew leiten. Die Sobranje hat die zwischen Oesterreich⸗Ungarn und Bulgarien abgeschlossene Postkonvention angenommen. Nach authentischen Mitteilungen aus Saloniki haben maze donische bewaffnete Rebellen die Wache der großen Eisenbahnbrücke über den Vardar zwischen den Stationen Gradetz und Demirkapu angegriffen, sie getötet und die Brücke mit Dynamit in die Luft gesprengt. Sodann haben sie sich gegen die kleine Brücke über den Fluß Vodissir südlich von

Gradetz gewandt, die sie gleichfalls mit Dynamit in die Luft sprengten. Wie die „Agence Bulgare“ schreibt, werden diese An⸗

schläge, ein Ergebnis der Herrschaft der tyrannischen Unterdrückung, die man im serbischen und griechischen Mazedonien zur An⸗ wendung bringt, planmäßig von serbischen und griechischen

Zeitungen sogenannten bulgarischen Banden in die Schuhe ge⸗

schoben, die angeblich aus Bulgarien gekommen sein sollen. Um diese Behauptung zu entkräften, brauche man nur an die von Berichterstattern großer russischer Blätter selbst im Verlaufe

ihrer Reise angestellten Umfragen in den griechischen und serbischen Grenzgebieten zu erinnern, aus denen hervorgehe, daß tatsächlich eine Bewegung der mazedonischen Bevölkerung

gegen die bulgarische Grenze, aber keineswegs eine solche gegen das Innere Mazedoniens existiere.

Amerika.

Die kanadische Regierung hat nach einer Meldnung der „Morning Post“ 30 000 Pfund Sterling zur Unter⸗

stützung der durch Trockenheit leidenden Ansiedler

in Süd⸗Alberta und Südwest⸗Saskatschewan sowie 200 000 Pfund Sterling für die Verteilung von Saatkorn bereit gestellt. Ein Kommissar für West⸗Kanada schätzt die Ausdehnung der Anbaufläche für Weizen über den vorjährigen Um⸗ fang hinaus auf 40 Proz. 1

Aus Aguas Calientes wird der „Times“ zufolge ge⸗

meldet, daß Pablo Gonzales sich zum vorläufigen

Präsidenten von Mexiko hat ausrufen lassen. Afrika.

Vom „W. T. B.“ verhreiteten Mitteilungen aus amtlicher türkischer Quelle zufolge hat im südlichen Marokko in der Schauja bei Ain Galaka zwischen den Senussi und den französischen Truppen unter dem Befehl des Generals

Largou ein Gefecht stattgefunden. Der Führer der Schaujas,

der Scheich Abdullah, fand hierbei zwar den Tod, doch wurden

die Franzosen in die Flucht geschlagen. Die Senussi

trugen auch in den Gegenden von Kanem und Wadai

glänzende Siege davon.

Wie das „Reutersche Bureau“ aus Pretoria meldet, hat am 29. November bei der Farm Quartfontein nächst Edenville ein Gefecht zwischen Oberst Manie Botha und einer Burenabteilung von 120 Mann unter Piet Henning statt⸗ gefunden, in dem 3 Buren getötet und 73 gefangen genommen wurden; der Rest floh. Der Kommandant Oenicker hatte gestern ein Gefecht mit einer Burenabteilung unter Gideon Van Vuren in der Nachbarschaft von Bothaville. Van Vuren und 12 andere Buren, darunter ein Schwerverwundeter, wurden ge⸗ fangen genommen, die anderen flohen und wurden verfolgt.

In Bothaville ergaben sich zahlreiche Buren.

Dem „Daily Telegraph“ zufolge hat sich der General

Botha an die Front gegen Deutsch⸗Südwestafrika begeben.

Australien.

Während man der Ueberzeugung ist, daß die normale britische Reichskonferenz während des Kriegs unmöglich ist, be⸗ steht der „Times“ zufolge allenthalben der Wunsch, daß der australische Premierminister und der Verteidigungsminister Anfang nächsten Jahres an den geheimen Beratungen des Reichsverteidigungskomitees in London teilnehmen, sowohl um zu zeigen, daß das Reich die See beherrscht, als auch um die vereinigte Aktion in der gemeinsamen Sache zu

stärken.

Gr ßes Hauptquartier, 3. Dezember, Vormittags. (W. T. B.) Auf beiden Kriegsschauplätzen hat sich nichts Zesonderes ereignet. Oberste Heeresleitung.

Oestlicher Kriegsschauplatz. Großes Hauptquartier, 3. Dezember. (W. T. B.) Seine Majestät der Kaiser hatte gestern in Breslau eine Besprechung mit dem Oberstkommandierenden des öster⸗ reichisch⸗ungarischen Heeres, Seiner K. und K. Hoheit dem Erzherzog Friedrich, der von Seiner K. u. K. Hoheit dem Erzherzog⸗Thronfolger Karl Franz Josef und dem Chef des Generalstabes, General der Infanterie ““ Conrad von Hötzen dorf, begleitet war. Später best Kaiser die Verwundeten in den Lazaretten der Stadt. Oberste Heeresleitung.

Wien, 2. Dezember. (W. T. B.) Amtlich wird ge

meldet: Die Ruhe in unserer Front in Westgalizien und Russisch⸗Polen hielt im allgemeinen auch gestern an. In

der vergangenen Nacht wurde ein russischer Angriff nordwestlich

Wolbrom abgewiesen. Die Kämpfe im Raume westlich

Noworadomsk und bei Lodz sind in günstiger Entwicklun begriffen. Vor Przemysl blieben die Russen unter dem

Eindruck des letzten Ausfalls passiv. Mehrere feindliche Flieger

warfen erfolglos Bomben ab. Die Operationen in der Karpathen sind noch zu keinem Abschluß gekommen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Generalmajor.

Südlicher Kriegsschauplaz. Wien, 2. Dezember. (W. T. B.) Amtlich wird ge meldet: Da der Feind im Rückzuge ist, fanden gestern kein größeren Kämpfe statt. Die vorgetriebenen Nachrichtenabtei

lungen stießen auf feindliche Nachhuten und machten mehrere

Hundert Gefangene.

Seine Majestät der Kaiser erhielt vom Komman⸗

danten der fünften Armee nachstehende Huldigungsdepesche: „Hochbeglückt bitte ich, Eurer K. und K. Apostolischen Majestä am Tage der Vollendung des 66. Jahres Eurer Majestät glor

reicher Regierung die ehrfurchtsvollsten Glückwünsche der fünften

Armee sowie die alleruntertänigste Meldung zu Füßen legen zu dürfen, daß die Stadt Belgrad heute von Truppen der fünften Armee in Besitz genommen wurde.

Frank, General der Infanterie.“

Kolonialer Kriegsschauplatz. 8

London, 2. Dezember. (W. T. B.) Hier eingetroffene australische Blätter bringen Einzelheiten über die Be⸗ setzung der Insel Neupommern durch australische Streitkräfte. Am 11. September früh erreichte das austra⸗ lische Geschwader Herbertshöhe und landete 25 Mann, um von der ungefähr vier Meilen landeinwärts gelegenen drahtlosen Station Besitz zu ergreifen. Die Gelandeten stießen auf un⸗ erwarteten Widerstand seitens der Deutschen und bewaffneten Eingeborenen, die in Kokosnußpalmen verborgen waren. Ein australischer Offizier und ein Unteroffizier wurden getötet. Später wurden weitere 150 Mann gelandet, die unter dem Widerstand der Ein⸗ geborenen bis auf 100 Yards an die Station heranlangten, wo sie 6 Deutsche und 40 Eingeborene verschanzt fanden. Hier wurde ein australischer Offizier getötet und einer verwundet. Spät

am Nachmittag ergaben sich die Verteidiger der Station. Während der Schanzgraben nach Waffen durchsucht wurde,

brach ein neues Gefecht aus, das jedoch die Eroberung der Station nicht verhindern konnte. Inzwischen hatte eine Infanteriekolonne widerstandslos den Ort Herbertshöhe besetzt. Ebenso wurde Rabaul ohne Kampf eingenommen. Zwei Tage später wurde die Insel für eine britische Besitzung erklärt. Inzwischen hatten sich größere Streitkräfte von Deutschen und bewaffneten Eingeborenen in dem von der Küste 6—8 Meilen entfernten Gebirgsdistrikt Toma verschanzt. Nach einer Be⸗

schießung durch Schiffsgeschütze erreicht die australischen Truppen unbehindert Toma. 11“

Der Krieg der Türkei gegen den Dreiverband.

Konstantinopel, 2. Dezember. 188 T. B.) Unsere

Truppen, die in der Zone des Tschorokh vorrückten, haben

einen neuen Erfolg davongetragen und heute die Stadt Arda⸗

nutsch, 20 km östlich des Tschorokhflusses besetzt.

ichte der

Parlamentarische Nachrichten.

Dem Reichstage ist zu der Denkschrift über wirt⸗ schaftliche Maßnahmen aus Anlaß des Krieges ein Nachtrag zugegangen, der die neuerdings getroffenen Maßnahmen der bezeichneten Art behandelt und ein Gutachten des Kaiserlichen Gesundheitsamts über die Verwertbarkeit von Kartoffel⸗ erzeugnissen zur Brotbereitung enthält. In diesem Gut⸗ achten äußert sich das Kaiserliche Gesundheitsamt zusammen⸗

fassend, wie folgt:

1) Der Zusatz von Kartoffeln bei der Brotbereitung, teils als Backhilfsmittel, teils zur Ersparnis eines Teils des Getreidemehls, ist

bisher schon gebräuchlich gewesen.

2) An Stelle der Kartoffeln selbst kommen die daraus durch Trocknung hergestellten Erzeugnisse, besonders Kartoffelflocken und Kartoffelwalzmehl, vorausgesetzt, daß sie vom größten Teile der Kartoffelschalen befreit sind, ferner auch die Kartoffelstärke („Kartoffel⸗

mehl“) für die Brotbereitung in Betracht.

3) Auf Grund der chemischen Zusammensetzung der Kartoffeln und der genannten Erzeugnisse sind gegen ihre Beimischung zum Brot⸗ mehl in mäßigen Anteilen vom nahrungsmittelchemischen Standpunkt

aus wesentliche Bedenken nicht zu erheben.

4) Bei geeigneter Leitung des Backverfahrens gelingt es, aus Roganat E“ Zusätzen von Kartoffelerzeugnissen (bis zu etwa 20 %) Brote herzustellen, die in Aussehen, Farbe, Konsistenz, Geruch und Geschmack dem reinen Roggenbrote nicht nachstehen, ins⸗ besondere auch genügend lockere Beschaffenheit und normalen Wasser⸗ gehalt besitzen. Am besten bewährt sich als Zusatz ein gleichteiliges

Gemisch von Flocken und Stärke oder von Walzmehl und Stärke.

5) Da es unter Umständen möglich ist, bei Verwendung gewisser Kartoffelerzeugnisse dem Brote mehr als normale Wassermengen ein⸗ zuverleiben, so wird es Sache der Lebensmittelkontrolle sein, den Ver⸗ kehr von übermäßig wasserreichen Kartoffelbroten, durch die der Käufer

benachteiligt würde, frei zu halten.

6) Der Gesamtnährwert, wie er sich in dem Wärmewert aus⸗ drückt, ist für Kartoffelbrote nur unerheblich geringer als für reines

Roggenbrot.

7) In bezug auf die einzelnen Nährstoffe sind nur im Gehalt an Stickstoffverbindungen (Eiweiß usw.) in Betracht kommende Unterschiede zwischen Kartoffelbroten und reinen Roggenbroten vor⸗ handen. Der Mindergehalt an Eiweiß ist indessen bei geringen Zu⸗

5 8

tzen der Kartoffelerzeugnisse (etwa 5 Proz.) unerheblich und auch bei größeren Zusätzen (bis zu etwa 20 Proz.) nur dann ins Gewicht allend, wenn kleiereiches Roggenmehl verarbeitet wird. Auch in

diesen Fällen ist aber bei gemischter Kost ein Eiweißmangel nicht zu befürchten.

8) Nach alledem ist Kartoffelbrot, soweit die Zusätze an Kartoffel⸗ erzeugnissen etwa 20 % des Gesamtmehls nicht übersteigen, als ein nicht nur notdürftiger, sondern fast vollwertiger Ersatz des reinen Roggenbrots anzusehen. Zur Vermeidung jeglicher Irreführung der Verbraucher ist aber eine Kennzeichnung des Kartoffelbrots geboten.

Nur bei geringen Zusätzen von Kartoffelerzeugnissen (bis zu etwa 5 %)

könnte von der Kennzeichnungspflicht abgesehen werden, weil in diesen Fällen die möglichen Abweichungen von reinem Roggenbrote ganz unerheblich sind.

Statistik und Volkswirtschaft.

Ergebnisse des Heeresergänzungsgeschäfts, Herkunft, Beschäftigung und Tauglichteit der Militärpflichtigen

in Deutschland im Jahre 1913.

Dem Reichstage sind tabellarische Uebersichten über die Ergeb⸗ nisse des Heeresergänzungsgeschäfts und über die Herkunft und Be⸗

schäftigung der Militärpflichtigen für das Jahr 1913 zugegangen.

anach wurden im vergangenen Jahre in den alphabetischen und den Restantenlisten insgesamt 1328 019 (im Vorjahre 1 289 868) im Aushebungsbezirk oder im Ausland geborene Militärpflichtige ge⸗ führt; außer Betracht gelassen sind hierbei die ohne Entschuldigung ausgebliebenen und die in den Restantenlisten als unermittelt geführten Militärpflichtigen gleichgültig, ob das Verfahren nach § 49,7 der Wehr⸗ ordnung gegen sie bereits eingeleitet oder schon beendet ist. Von jenen 1 328 019 Militärpflichtigen, unter denen sich 587 888 (im Vorjahre 557 608) 20 jährige, 380 331 (i. V. 385 163) 21 jährige, 305 619 (i. V. 294 825) 22 jährige und 54 181 (t. V. 52 272) ältere befanden, wurden 926 (i. V. 916) darunter 501 im Alter von mehr als 22 Jahren, 205 22 jährige als unwürdig vom Dienste in dem Heere oder der Marine gemäß § 37 der Wehrordnung aus⸗ geschlossen, 31 223 (i. V. 34 211) als untauglich befunden und daher ausgemustert, 364 (i. V. 310) Taugliche wegen bürger⸗ licher Verhältnisse, 501 G. VB 218) als Ueberzählige und 117 435 (i. V. 137 394) Militärpflichtige aus sonstigen Gründen dem Land⸗ sturm überwiesen, 8811 (i. V. 7241) Taugliche wegen bürgerlicher Verhältnisse, 2961 (i. V. 836) als Ueberzählige und 75139 (i. V. 79 629) Militärpflichtige aus anderen Gründen der Ersatzreserve, 87 (t. V. 70) Taugliche wegen bürgerlicher Verhältnisse, 15 (i. V. 4) als Ueberzählige und 2103 (t. V. 2427) Militärpflichtige aus sonstigen Gründen der Marineersatzreserve überwiesen und aus⸗ schließlich der überzählig Gebliebenen —. 305 675 (i. V. 239 717) Militärpflichtige zum Dienste in dem Heere oder der Marine ausgehoben. Von den Ausgehobenen wurden be⸗ stimmt für das Heer: zum Dienst mit der Waffe 1983 (i. V. 1315) Mann als Trainsoldaten zu einjährigem „Dienst, 262 633 (i. V. 205 959) Mann für Truppen mit zweijähriger Dienstzeit und 20 829 (i. V. 13 336) Mann für Truppen mit dreijähriger Dienstzeit, zum Dienst ohne Waffe 2752 (i. V. 2616) ausgehobene Militärpflichtige, für die Marine: 12 301 (i. V. 12 247) Mann aus der Landbevölkerung und 5177 (i. V. 4244) Mann aus der seemännischen und halbseemännischen Bevölkerung. Freiwillig eingetreten sind in das Heer: 17200 (i. V. 14 308) Einjährig⸗ Freiwillige, 1563 (i. V. 1180) Volksschullehrer und Kandidaten des Volkeschulamts, die nicht als Einjährig⸗Freiwillige dienten, und als sonstige Freiwillige 41 041 (i. V. 37 898) Taugliche bei Truppen mit zweijähriger und 11 155 (i. V. 10 296) bei Truppen mit dreijähriger Dienstzeslt, in die Marine: 1041 (t V. 854) Einjährig⸗Freiwillige und 5120 (i. V. 4659) sonstige Freiwillige.

Die 305 675 (t. V. 239 717) Ausgehobenen und die 77 120 (i. V. 69 195) freiwillig Eingetretenen ergaben zusammen eine Heeres, und Marineergänzung von 382 795 (i. V. 308 912) Mann. Bringt man von der Zahl der freiwillig in das Heer oder die Martine Einge⸗ tretenen diejenigen in Abzug, die beim Dsenstantritt noch nicht das militärpflichtige Alter erreicht hatten 30 648 (ji. V. 28 782) —, so sind im Jahre 1913 von den 1 328 019 (i. V. 1 289 868) Mili⸗ tärpflichtigen, die im Aushebungsbezirk oder im Ausland ge⸗ boren waren und in den Listen geführt wurden, 591 712 (i. V. 543 386) endgültig abgefertigt worden, während über 736 307 (746482) gebliebene noch keinerlei entgültige Entscheidung getroffen wurde.

Einschließlich der vor Beginn des militärpflichtigen Alters frei⸗ willig in das Heer oder die Marine Eingetretenen betrug die Zahl der im Jahr 1913 endgültig Abgefertigten 622 360 (i. V. 572 168). Von diesen waren 139 268 (i. V. 132 147) auf dem Lande geboren und in der Land. oder Forstwirtschaft usw. (Gruppe I und II der Klassifikatton der Berufsarten) tätig, 207 416 (i. V. 188 666) anderweit beschäftigt, jedoch ebenfalls auf dem

Lande geboren, 18 543 (i. V. 19 491) in der Stadt geboren, aber

in der Land⸗ oder Forstwirtschaft usw. tätig, 257 133 (i. V.

M2231 864) in der Stadt geboren und in keinem land⸗ oder forstwirt⸗

schaftlichen usw. Berufe beschäftigt. Als in jeder Beziehung kaug lich befunden wurden von den endgültig Abgefertigten

395 534 oder 63,55 % (im Vorjahre 317 591 oder 55,51 %%). Bei den auf dem Lande geborenen und in der Land⸗ oder Forstwirtschaft usw. tätigen Abgefertigten betrug die Tauglichkeitsziffer

67,06 (t. V. 60,51) %, bei den anderweit beschäftigten, jedoch

ebenfalls auf dem Lande geborenen 65/731 (i. V. 57 84) %, bei den in

der Stadt geborenen, aber in der Land⸗ oder Forstwirtschaft usw.

tätigen 64,87 (i. V. 55,54) %, dagegen bet den in der Stadt geborenen und in keinem land⸗ oder forstwirtschaftlichen usw. Berufe beschäftigten

nur 59 76 (iü. V. 50,75) %. Die auf dem Lande Geborenen stellten demnach wiederum einen höheren Prozentsatz an Tauglichen als die in

der Stadt Geborenen. In beiden Fällen war aber die Tauglichkeits⸗ ziffer der in der Forst⸗ oder Landwirtschaft usw. tätigen Personen günstiger als die der anderweit Beschäftigten, von denen wiederum die auf dem Lande Geborenen eine höhere Verbhältniszahl aufwiesen.

Berechnet man auf Grund der Zahlenangaben der Reichstags⸗

drucksache auch für die verschiedenen Landesteile als Aushebungsbezirke der einzelnen Armeekorps die Zahl der endgültig Abgefertigten und

die der Tauglichen unter ihnen und hieraus der letzteren Verhältnis⸗

zahl, so war das Verbältnis der Zahl der Tauglichen (ohne die künftig Tauglichen) zu der der endgültig Abgefertigten gegenüber dem oben

angegebenen Reichsdurchschnitt (63,85 %) in 16 Aushebungsbezirken

besser, in 10 schlechter. Die höchsten Tauglichkeitsziffern zeigten die Aushebungsgebiete des in Teilen des Regierungsbezirks Trier und Elsaß⸗Lothringens stehenden XXI. Armeekorps, des XVII. (Westpreußen), des XX. (ostpreußischer Regierungs⸗ bezirk Allenstein und angrenzende Teile Westpreußens), des

I. (übriges Osipreußen) und des im Elsaß stehenden XV. Armee⸗

korps mit 72,72 bezw. 68,80, 68,24, 68,06 und 68,05 Tauglichen unter

den endgültig Abgefertigten. Den Reichsdurchschnitt übertrafen ferner ie Verhältniszahlen der Tauglichen in den Bezirken des II. Armeekorps (westfälischer Regierungsbezirk Münster und an⸗ renzende Gebiete der Rheinprovinz mit 67,35 %), des II. (Pommern 66,66 %), des in Lothringen stehendem XVI. (mit 66,88 %), des Baden mit 66,92 %), des 3 bavertschen (Nordbayern ohne Unterfranken mit 66,51 %), des IX. (Schleswig⸗Holstein mit 08 9, des PrlI. (Württemberg mit ebenfalls 66,0s %), des 1 (Regierungsbezirke Cassel und Erfurt mit 64,84 %), 8 VIII. (Rheinprovinz mit 64,88 %), des 2. bayerischen (Unter⸗ Pfalz mit 64,88 %) und des 1V. Armeekorps (Provinz

Thüringen mit 64,252 % Tauglichen unter den endgültig

Abgesertigten). Unter dem Reichsd rchschnitt stehen die Tauglichkeitsziffern in den Aushebungsbezirken des V. (Posen und angrenzende Teile von Schlesien mit 63,20 %), des 1. baye⸗ rischen (Südbayern mit 63,00 %), des X. (Hannover,

8

Oldenburg und Braunschweig mit 61,49 %), des VI mit 60,07 %0), verhältnismäßig hͤlen der Tauglichen ergeben sich für die Aus⸗ hebungsbezirke des XVIII. (Regierungsbezirk Wiesbaden mit 59, 30 %), des XII. Armeekorps (sächsische Kreishauptmannschaften Dresden 59 17 %), der Großherzoglich hessischen Division (ächsische Kreishauptmannschaften Leipzig, 56,24 %) und des III. Armeekorps, dessen Brandenburg) mit nur 55,18 % Tauglichen gültig Abgefertigten wiederum die letzte Stelle ein⸗ gemeinen stellen die an Industrie und größeren ngen reichen Gebiete des Reichs im Verhältnis zur hner und der Wehrpflichtigen weniger Militärdienst⸗ n Landesteile. Gegenüber dem Vorjahre 1912 sziffer überall erhöht, auch in dem Au Armeekorps, der Provinz auf nur 43,76

niedrigsten Za

und Bautzen mit nit 58,71 %), hemnitz und Zwickau mit Aushebungsbezirt (Provinz unter den end

städtischen Siedlu Zahl der Einwo taugliche als die hat sich die Tauglichkeit bezirk des III. für das Vorjahr

des XIX.

Brandenburg, wo sie sich % berechnete.

Wohlfahrtspflege.

fsvereinigung für die aus Belgien en, deren Ehrenausschuß u. a. der Reichs⸗ ten gegen deutsche Zivil⸗ in Reichsamt des Innern schen Abgeordnetenhauses, Wirkliche Präsident des Reichs⸗ Regierungsrat und vortragende Rat Majestät des Kaisers und Königs Oberbürgermeister von Be⸗ Wermuth angehören, chkeiten unterzeich Oeffentlichkeit,

haben die Deuts

Die Berliner Hil vertriebenen Deutsch kommissar zur Erörterun personen in Feindes land, a. D. Just, der P Geheime Rat D tags Dr. Kaempf, im Geheimen Ziwilkabinett Seiner Dryander und der Geheime Rat vorragenden Persönli um Geldspenden „Zum Heile des Vaterlandes Opfer auf sich nehmen müssen. Große Wert Bedeutende, in jahrelanger zurückgelassen werden. Ga bekleidet, unter ungeheuer besonders großer Teil der sätte erwählt. eigene Kraft Erworbene, Oeffentlichkeit zu wenden. vieler hundert Männer und Fraue Möglichkett

g von Gewalttätigkei 3 Ministertaldirektor i räsident des preußi Graf von Schwerin, der der Geheime

rlin, Wirkliche wendet sich in einem von her⸗ neten Aufruf mit der Bitte der folgendes besagt: chen in Belgien schwere sind vernichtet worden. eressen mußten schutzlos Notdürftigsten ergreifen müssen. Ein Berlin als Zufluchts. z waren auf das durch Hilfe suchend an die der Woche aber wachsen die Sorgen n, denen es ohne Aus eines Verdienstes immer schwieriger und thre Kinder den Lebensunterhalt zu gewinnen. zu sein für unsere Landsleute, und deutscher Kultur durch d und Handel in Belgten die Wege geebnet ha dringendsten Bedürfnisse sind erhebliche Mittel erforderlich. ch darum, die Flüchtlinge, solange si gehindert sind, mit Unterhalt zu Elend zu schützen, Haus⸗ und Nahrungsstand w und mittleren Gewerbe die soweit erforderlich, dieser großen Zeit so oft bewiesene Vaterlande und bitten, zu gedenken. Handelsgesellschaft, Bank, die Dtrection der Disconto⸗G die Mitteldeutsche Creditbank, Bankhäuser S. Bletchröder, sohn u. Co. haben sich bereit „Für die deutschen Flüchtling ist beabsichtigt, die Mittel auf G

Arbeit begründete Int r mancher hat, nur mit dem en Mühen die Flucht Flüchtunge hat Groß die als Deutsche stol wird es schwer, sich

sicht auf die

Da gilt en, tätig die als Vorkämpfer deutschen Wesens Deutschlands Industrie

Es bandelt ²an der Rückkehr nach Belgien versorgen, die Zurückkehrenden vor den gestörten oder vernichteten tederherzustellen, insbesondere dem kleineren Fortsetzung oder Wiedereinrichtung der Betriebe, zu ermöglichen. Wir wenden uns daher an die in Opferfreudigkeit in unserem deutschen r gesuchten belgischen Flüchtlinge Handel und Industrie, die Berliner Bank, die Deutsche Gesellschaft, die Dresdner Bank,

eutschen Fleiß

ihnen zu helfen,

der schwer heim Die Bank für die Commerz⸗ und Disconto⸗

die Nationalbank für Deutschland, die Delbrück Schickler u. Co. und Mendels⸗ erklärt, Geldspenden mit dem Vermeek entgegenzunehmen. rund einer Prüfung der Bedürfttgkeit Kommissar der Reichsregierung verteilen ch die kleinste Gabe im voraus wärmsten Hilfsvereinigung für die aus Belgien Abgeordnetenhause. Wochentags von 4 bis 6 Uhr. Die mlungen finden nach wie vor an jedem Donner ehrervereinshaus (Alexanderplatz) statt.

e aus Belgien“

durch einen

Für jede, au Die Geschäf vertriebenen Deutschen“ stunde für die Flüchtlinge ist regelmäßigen Versam Abends 7 Uhr, im L

Dank. tsstelle der „Berliner befindet sich im

Nach einer Meldung von „W. T. B.“ aus Wien Franz Joseph dem neugegründeten öster⸗ den türkischen Halb 50 000 Kronen aus seiner Piivatkasse bewilligt. 8

Kaiser und König

reichischen Komitee für ond eine Spende

Kunst und Wissenschaft.

Zu den beliebtesten Bildhauern der Renai cesco Laurana, der seinen dankt, die sich durch ihren eigent keit und Zurückhaltung, verbunden mit der delik jugendlichen Haut auszeichnen reichere Phantasie und die zu charakterisieren.

wenig Abwechslung Frauenbüsten

ssance gehörte Fran⸗ Ruf namentlich Frauenbüsten ver⸗ ümlichen Ausdruck weiblicher Züchlig⸗ aten Wiedergabe der dagegen mangelten dem Künstler eine higkeit, die Persönlichkeit der Dar⸗ Madonnen⸗

Frauenmasken u 1 1 das Bildnis einzigen Person, der Beatrix von Aragon, zweiten Ge⸗ des Mathias Corvinus, erkennen wollte. verwerfen, wohl aber ist es erwiesen, verschmäht hat, dasselbe Bildnis fast Der Generaldirektor der Königlichen dafür in dem Dezemberheft der „Amtl lichen Kunstsammlungen“ Friedrich⸗Museum besitzt Aragon von der Hand Lauranas, von der e übereinstimmende Wiederbolung nd sich jetzt in einer Prwatsammlung eite neuerdings in Frantreich aufgetaucht karrarischem ch bis auf den Sockel und die Musteru een sind dur . besonders beachtens⸗ lachrelief sind antike Motive in die Sockel geritzt; das mplar zeigt jederseits eine liegen weitem Gewand. Die Islamische Abtei jüngst eine weibliche Fayenceft das Madonnenmotiv dargestell plastik, die mweiß und blau glasiert und mit Technische Eigentümlichkeiten verraten da der Werkstätten von Raghes (Persien) aus dem 13. Jahrhundert. Die Frau hockt mit untergeschlagenen Beinen, das nackte Kindlein Ein buntgemustertes Kled deckt im Kopf, von dem lange Diese Figur als ch durchaus erlaubt, in der islamischen len wohl sicher um Fürsten oder Große für fürstliche erkstätten hatten anfertigen die sich dort eine christliche Ge⸗ Auffassung und Zeichnung pflegen solche islamischen Gesamtstil 1 um die vorübergehende Aufnahme von islamischen Kunst innerlich fremd waren und unseres Stückes Darstellung unwahrscheinlich macht, ist, wie Dr. 5 richten“ ausführt, der Umstand, daß dem die islamischen Handwerker in de zu entnehmen pflegten, gerade dies bekannt war; außerdem kann es si liche Darstellung (zu Geschenkeszwecken

eigentümlichen daß man

iese Ansicht ist zu daß Laurana es durchaus nicht nau mehrfach zu wiederholen. von Bode führt ichen Berichte aus den Das Katser sin Beatrix ine bis auf den längerer Zeit in New York

kuseen Dr.

ein interessantes Beispiel an. etne Büste der Prinzef

Sockel fast

bekannt war u befindet, während eine zw drei Büsten

gestellt und gleichen si des Kleides. die gute Arbeit der

Sockelverzierungen dieser Büst Darstellungen

de weibliche Gestalt in lung hat als Geschenk gur erhalten, in der man versucht ist, s handelt sich um eine grünem Lüster bemalt 8 Stück als Arbeit

Berliner Exe

t zu sehen. E

an der entblößten Brust. übrigen den Körper, eine eigentümliche Mütze den Die Augen sind geschlitzt. zu deuten, wäre an si denn die Behandlung christlicher Gegenstände is Kunst nicht selten. Es handelt sich in solchen Fäl Geschenke, die mohammedanische Bischöfe oder Herren lassen, oder auch um Prunkstücke, meinde bestellt hatte.

es handelte sich hier eben Elementen, die der

Zöyfe herabhängen. „Madonna del Latte

in islamischen A herauszufallen;

Madonnen⸗ Kühnel in den im bpzantinischen Kunstkrelse, rartigen Fällen ihre Vorbilder es Madonnenmotiv so gut wie un⸗ ch hier nicht um eine an einen Christen) handeln,

ganz gelegent⸗

da ein zweites, etwas derberes Exemplar in Münchener Privatbesitz nachgewiesen ist; auch fehlt diesen Stücken jede. Andeutung des Nimbus, der sonst in runder Scheibenform bei christlichen Heiligen⸗ darstellungen nie fortgelassen wird; endlich fällt an diesen Figuren durchaus nicht das Fremde, Exotische auf, das sonst islamischen Kunst⸗ werken eigen ist, die christliche Motive darstellen. Dr. Kühnel hält es daher für wahrscheinlicher, daß die Figur die Göttin Ischtar dar⸗ stellt, deren Gestalt in der Volkskunst Mesopotaniens lange lebendig geblieben, später in die Rakka⸗ und aus dieser in die Ragheskeramik übergegangen sein könnte. 8 8

8

Die italienische Kunstzeitschrift „Fanfulla della Domenica“ ver⸗ breitet die Nachricht, daß die äußeren Flügel des berühmten Altarwerkes der Brüder van Eyck von St. Bavo aus Belgien nach Berlin gebracht worden seien, wo sich bereits das Mittel⸗ stück befindet. Diese Nachricht ist vollständig erfunden. Der Genter Altar ist in Gent von der bischöstichen Behörde selbst ver⸗ borgen worden. Die deutschen Behörden halten sich streng an die Be⸗ stimmungen der Haager Konvention, nach denen Kunstgegenstände in Museen usw. dem Beuterecht nicht unterliegen. .

Literatur.

Das Dezemberheft der Zeitschrift „Nord und Süd“ (Verlag Schottländer Breslau; vierteljährlich 6 ℳ) hat folgenden Inhalt: Professor Dr. Ludwig Stein: Grundforderungen des Welt⸗ krieges. Graf von Mirbach⸗Sorquitten: Die deutsche Landwirtschaft und der Weltkrieg. Wilhelm von Siemens: Die deutsche Industrie und der Weltkrieg. Georg Bernhard: Zweierlei Gold⸗ währung. Hermann Waller, Geschäftsinhaber der Disconto⸗Gesell⸗ schaft: Das deutsche Bankgewerbe und der Keieg. Königlicher Kommerzienrat Louis Mann, Aeltester der Kaufmannschaft von Berlin: Welthandel und Krieg mit besonderer Berück⸗ sichtigung der chemischen Industrie. Kaiserlicher Präsident ag. D. Dr. R. van der Borght: Krieg und Einzelwirtschaft. Georg Haberland: Krieg, Hausbesitz und Kommunalverwaltung. Justizrat Dr. Baumert⸗Spandau: Der Weltkrieg und der städtische Grundbesitz. Geh. Staatsrat a. D. Budde: Krieg und Grund⸗ kredit. Johannes Guthmann: Wir Kämpfer daheim. Ein deutscher Mahnruf. Otto Schulz⸗Mehrin: Deutsche Organisationskunst als Grundlage unsrer militärischen und wirtschaftlichen Erfolge. Jacob Bödewadt: Ein Dichter deutscher Innerlichkeit. Zum 70 Geburts⸗ tag Timm Krögers (29. November 1914). Dr. von Bilguer: Die Erhebung der istamttischen Welt. Albert Zimmermann: Zwei Episoden von 1812 1813. Catharina von Pommer⸗Esche Almendro. Romannovelle (Fortsetzung). Rundschauen.

Das Dezemberheft der „Deutschen Rundschau“ eröffnet Hermann Hesse mit einer Erzählung Knulps Ende“. Der Gottfried Keller⸗Forscher Professor Dr. Emil Ermatinger teilt „Neue Briefe aus Gottfried Kellers Frühzeit“ mit, die in ihrem erfrischenden Humor die übermütigen Zeiten widerspiegeln, da der Dichter noch Maler war. Wilhelm Schäfers Romen „Lebenstag eines Menschenfreundes“ wird fortgesetzt. Aufschlußreich ist der Be⸗ richt des Archäologen Federico Hermanin aus Rom über „Die neuesten Ausgrabungen und Entdeckungen auf dem Palatin“. Ein weiteres Kapitel der Untersuchungen über „Die wirtschaftlichen Vorausseßungen des modernen Krieges“ von Friedrich Lenz bringt den zweiten Aufsatz der Artikelreihe „Krieg und Technik“ zu Ende. Den Schluß des Hefts bilden eine Studie von Mela Escherich über „Lukas Cranach“, eine „Weihnachtliche Rundschau“ und andere Bücherbesprechungen.

b11““ Fischerei. .“

8 3 M1““

Ueber einen neuen gefährlichen Feind, der der ausgedehnten Teichwirtschaft in Böhmen in wenigen Jabren herangewachsen ist, be⸗ richtet der Privatdozent Dr. O. Haempel im letzten Novemberheft der „Umschau“ (Frankfurt a. M., Perausgeber vrs Scch Dr. Bechhold). Es handelt sich um die ursprünglich in Amerika beheimatete Wühlmaus (Fiber zibethicus Guv.), auch Bisamratte oder Ondatra genannt. Von diesem 30 cm langen und mit einem seitlich zusammendrückbaren nackten Schwanz von etwa 28 cm ver⸗ sehenen Tiere wurden vor acht Jahren von einem böhmischen Groß⸗ grundbesitzer vier Pärchen zu Jagdzwecken eingeführt und sie haben sich in dies er kurzen Zeit, dank der günstigen Lebensbedingungen, die sie in Böhmen vorfanden, derart vermehrt, daß mon den Bestand jetzt auf 2 Millionen Stück berechnet. Eigentümlich ist es dabei, daß das Tier seinen ursprünglichen Charakter in mancher Hinsicht verändert hat. In semer Heimat Nordamerika trägt es ein glattes, dichtes Fell von brauner bis rötlicher Farbe, das im Pelzhandel geschätzt wird. In Böhmen hat sich das Fell in wenigen Jahren sehr zum Nachteil verändert; es wurde lichter, grob und glamlos, und die Kürschner wollen von ihm nicht viel wissen. Das Tier wurde in⸗ folgedessen wenig verfolgt und konnte sich so, den Wasserläufen und üppig bewachsenen Teichen folgend, übker den größten Teil Böhmens verbreiten und soll im letzten Jahre auch schon in Mähren und Sachsen beobachtet sein. Die Verbreitung wurde begünstigt durch eine auffallend vermehrte Fruchtbarkeit. Während die Bisamratte in Amerika in der Regel nur einmal im Jahre zur Begattung schreitet und gewöhnlich nur 3—6 Junge wirft, kann in Böhmen eine dretmalige Begattung im Jahre als Minimum angesehen werden und Würfe mit 9 bis 10 Jungen sind hier keine Seltenheit. Wenn man serner bedenkt, daß das Tier schon mit dem sechsten Monat fortpflanzungsfähig wird, ist die Berechnung nicht zu hoch, daß sich die Bisamratte im Laufe eines einzigen Jahres auf das Vterzigfache vermehren kann. Bei einem Bestand von 2 Millionen Tieren bedeutet das zweifellos eine Landplage und eine Gefahr für das Gedeihen derjenigen Pflanzen bezw. Tiere, die den Bisamratten zur Nahrung dienen. Und bezüglich dieser Nahrung hat sich eine weitere Wandlung an den Bisamratten in ibrer neuen Heimat vollzogen. Während sie in Amerita fast aus⸗ schließlich Pflanzenfresser sind, haben sie sich in Böhmen vorzugsweise der Fleischnahrung, in erster Reihe der Fischnahrung, zugewandt. Ab⸗ gesehen von der großen Schäcigung, die dieser Umstand für die aus⸗ gebreitete Teichwirtschaft zunächst in Böhmen bedeutet, ist die Gefahr für Teichdämme infolge des Wühlens und der ausgedehnten Bauten der Nager nicht zu unterschätzen. Die größten Verheerungen hat die Bisamratte nach weislich bisher in den Winterteichen angerichtet, in denen die Karpfen auf engem Raum zusammengedrängt, ihren Winterschlaf halten. Hier verjagt sie die Fische ous ihrem Lager, frißt die einen an und trei die andern unter der Eisdecke herum, bis sie an Erschöpfung un Atemnot zugrunde gehen. In einem einzigen Teiche einer böhmischen Domäne stellte man einen auf diese Weise ver⸗ ursachten Verlust von 250 Schock gut eingehalterter Karpfenbru bei einer Besetzung mit 400 Schock fest. Und nur 4 Paar Bisamratten scheinen diese Verheerung angerichtet zu haben. Auch Stock⸗ und Blaßenten und deren Gelegen stellen Tiere nach, wie sie auch bei der Zerstörung von Fasanengelege beobachtet und abgeschossen worden sind. Bei der großen Vermehrung und Verbreitung, die die Tiere in Böhmen bereils gefunden haben, scheint dem Dr. Paempel ihre Verfol ung allein durch die Grundbesiter nicht mehr Erfolg versprechend; er befürwortet daher staatliche Maͤß⸗ nahmen zu ihrer Massenvertilgung sowie die Aussetzung von Er. legungsprämien, und dies umsomehr, als bei der Wertlosigkeit des

Felles sonst die Jagd auf die Bisamratte kaum mir Eiser betrieben

werden würde. Theater und Musik.

Schillertheater Charlottenburg.

Ludwig Fuldas vieraktiges Lustspiel „Der Seeräuber“, das im Wiener Hofburgtheater seine Uraufführung erlebte, hatte bisher noch nicht den Weg nach Berlin gefunden. Dem Charlottenburger Schillertheater war es vorbehalten, uns gestern die Bekanntschaft ihe

dem anmuzigen Werke zu vermitteln, das im leichten Rbythmus vier.

füßiger Trochäen, dem beltebten Versmaß der Dramatiker, über die Bühne schreitet ä