archiv in Posen als Archivar angestellt worden.
und der Regierungshauptkassenbuchhalter Luther in Schleswig
Müller von Marggrabowa nach Tilsit.
Ephoralamt der Diözese Regenwalde übertragen worden.
inspektor des Katasters, Wirkliche Geheime Rat Dr. Gauß.
Staatsministerium. Der Archivassistent Dr. Erich Graber ist bei dem Staats⸗
Finanzministerium.
Der Steuersekretär Bodendorf in Marggrabowa ist zum Rentmeister bei der Königlichen Kreiskasse in Marggrabowa
zum Rentmeister bei der Königlichen Kreiskasse in Schleswig ernannt worden.
Versetzt sind die Rentmeister bei Königlichen Kreiskassen: Jampert von Rosenberg, Wpr., nach Osterode, Ostpr., und
Versetzt sind ferner: die Katasterkontrolleure, Steuerinspektor Jeromin von Königsberg i. Pr. nach Neukölln, Steuer⸗ inspektor Müller von Hofgeismar nach Königsberg i. Pr. (Kat.⸗Amt 2), Steuerinspektor Rogge von Ratingen nach Trier (Kat.⸗Amt 1), Steuerinspektor Segbers von Saar⸗ burg nach Crefeld und Schroeder von Tostedt als Regie⸗ rungslandmesser nach Königsberg i. Pr.
Bestellt sind: die Katasterlandmesser Cybulla, Grond, Halbach, Hölzerkopf, Prölß, Rassau, Schade, Stoebbe und Wendt zu Katasterkontrolleuren in Fredeburg bezw. Fanten, Saarburg, Gelnhausen, Soldau, Hofgeismar, Ratingen, Soldin und Tostedt sowie Hille zum Regierungs⸗ landmesser in Oppeln.
Bekanntmachung. Die Ziehung der 1. Klasse der 6. Preußisch⸗Süd⸗ deutschen (232. Königlich Preußischen) Klassenlotterie wird nach planmäßiger Bestimmung am 9. Juli d. J., früh 8 ½ Uhr, ihren Anfang nehmen. Das Einschütten der 214000 Stammlosnummerröllchen der 6. (232.) Lotterie und der 5000. Gewinnröllchen der 1. Klasse dieser Lotterie wird schon am 8. Juli d. J., Nachmittags 1 ½ Uhr, durch die Königlichen Ziehungskommissare öffentlich im Ziehungssaal des Lotterie⸗ gebäudes vorgenommen werden. Berlin, den 29. Juni 1915. Königlich Preußische Generallotteriedirektion Ulrich. Gramms.
Evangelischer Oberkirchenrat.
Dem Superintendenten Kliche in Züllichau ist das Ephoral⸗ amt der Diözese Züllichau und dem Superintendenten Schramm in Regenwalde das
8
Die von heute ab zur Ausgabe gelangende Nummer 30 der Preußischen Gesetzsammlung enthält unter Nr. 11 435 einen Erlaß des Staatsministeriums, betreffend Anwendung des vereinfachten Enteignungsverfahrens bei dem Unternehmen des von der Freien und Hansestadt Hamburg in der Gemarkung Kranz auszuführenden Estedurchstichs usw., vom 15. Juni 1915, und unter 1 Nr. 11 436 einen Erlaß des Staatsministeriums, betreffend Anwendung des vereinfachten Enteignungsverfahrens bei dem nternehmen der für den Hafen⸗ und Schiffahrtsbetrieb bei Hannover erforderlichen Leineregulierung, vom 15. Juni 1915.
Berlin W. 9, den 29. Juni 1915.
Bekanntmachung
orschrift des Gesetzes vom 10. April 1872 S. 357) sind bekannt gemacht: 1) das auf Grund Allerhöchster Ermächtigung vom 16. August 1914 (Gesetzsamml. S. 153) am 12. November 1914 vom Staats⸗ ministerium vollzogene Statut für die Wassergenossenschaft zur Ent⸗ wässerung des Laugaller Tales in Gerskullen im Kreise Ragntt durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung in Gumbinnen Nr. 22 S. 171, ausgegeben am 5. Juni 1915;3 2) der auf Grund Allerhöchster Ermächtigung vom 16. August 1914 (Gesetzsamml. S. 153) ergangene Erlaß des Staatsministeriums vom 31. Mai 1915, betreffend die Verleihung des Enteignungsrechts an die Firma Röchlingsche Eisen⸗ und Stablwerke, G. m. b. H. in Völklingen a. Saar, zur Errichtung einer Geschoßdreherei nebst Lagerräumen, Trankport⸗ und Nebenanlagen zum Zwecke der Geschoß⸗ fabrikation, durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung in Trier Nr. 24 S. 177, ausgegeben am 12. Juni 1915; 3.,) der auf Grund Allerhöchster Ermächtigung vom 16. August 914 (Gesetzsamml. S. 153) ergangene Erlaß des Staatsministeriums vom 7. Juni 1915, betreffend die Verleihung des Enteignungsrechts an den Kreis Neustadt a. Rbge. für die Herstellung einer Ver⸗ bindungsleitung für die Zuleitung von Starkstrom von dem Unter⸗ werk in Meypenfeld nach dem Unterwerk in Schulenburg, durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung in Hannover Nr. 25 S. 147, aus⸗ gegeben am 19. Juni 1915.
setzsamml.
Nichtamtliches.
Heutsches Reich Preußen. Berlin, 30. Juni 1915. Am 26. d. M. verschied in Berlin der ehemalige General⸗
Im Jahre 1829 in Bielefeld geboren, wurde er 1858 zur Mitwirkung bei der Ausführung und Leitung der Grundsteuer⸗ regelungsarbeiten in das Finanzministerium berufen und im März 1872 zum Generalinspektor des Katasters ernannt. Im Oktober 1875 wurde ihm der Rang der Räte II. Klasse und im Dezember 1892 der Nang der Räte I. Klasse unter gleichzeitiger Ernennung zum Wirklichen Geheimen Oberfinanzrat verliehen. In seiner verantwortungsvollen Stellung widmete er sich dank seiner reichen Erfahrungen und Gaben mit vorbildlicher und rastloser Hingabe dem Dienste des Staates. Die Einrich⸗ tung des preußischen Grund⸗ und Gebäudesteuerkatasters, die
schaftlicher Grundlage gehören zu seinen Verdiensten. Als er im Oktober 1905 aus dem Staatsdienste ausschied, fanden seine hervorragenden Leistungen die wohlverdiente Allerhöchste Anerkennung durch die Verleihung des Charakters als Wirk⸗ licher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz. Das An⸗ denken des Heimgegangenen wird im Finanzministerium allzeit in Ehren gehalten werden. e“
Der Beginn des Austausches der schwerver⸗ wundeten Deutschen und Franzosen ist, wie durch „W. T. B.“ mitgeteilt wird, für den 10. Juli, von Konstanz oder Lyon ausgehend, in Aussicht genommen. Die Züge der zurückkehrenden Deutschen werden vom 11. Juli ab täglich 8 Uhr Vormittags in Konstanz eintreffen und etwa 24 Stunden später Karlsruhe erreichen. Die Unterbringung der Schwerverwundeten erfolgt in den Reservelazaretten in Karlsruhe und, wenn diese nicht ausreichen, in Mannheim. Sämtliche zurückkehrenden deutschen Heeresangehörigen werden Anweisung erhalten, bereits von Konstanz aus ihren Angehörigen Nachricht von ihrem Eintreffen in Deutschland zu geben und dabei mitzuteilen, in welches Reservelazarett sie kommen. Vor dem Eintreffen dieser Be⸗ nachrichtigung haben Anfragen an irgendwelche militärischen Stellen keinen Zweck.
“
Der englische Munitionsminister Lloyd George hat am Schluß seiner vom Unterhaus mit Beifall aufgenommenen Rede am 24. Juni laut Meldung des „W. T. B.“ Aus führungen gemacht, die als unerhörte Heuchelei und Ver⸗ drehung der Tatsachen die schärfste Zurückweisung ver⸗ dienen. Er sagte:
„Deutschland hatte sich zweifellos auf den Krieg vorbereitet, es hatte Kriegsmaterial angehäuft. Bis es fertig war, stand es mit jedermann auf bestem Fuß. Wrr alle erinnern uns der großen Balkan⸗ krisis. Nichts konnte freundlicher sein als die Haltung Deutschlands nichts konnte nachgiebiger, bescheidener und anspruchsloser sein. Es hieß immer „nach Ihnen“. Deutschland dränate sich gar nicht vor. Es hatte ein freundliches Lächeln für Frankreich. Es bebandelte Rußland als Freund und Bruder. Es glättete alle Empfindlichkeiten Oesterreichs. Es spazterte Arm in Arm mit England durch die Kanzleien Europas, wir dachten wirklich, daß endlich die Aera des Friedens und des Einvernehmens aufgegangen sei. Gerade in diesem Moment aber verfertigte und kaufte Deulschland heimlich ungeheure Vorräte von Kriegsmaterial, um seine Nachbarn im Schlaf zu über⸗ fallen und zu ermorden. Wenn ein solches Ränkespiel unter den Nationen Erfolg hat, wird die ganze Basis, auf der sich internationale Einvernehmen aufbauen, in den Staub sinten. Es liegt im Interesse des Weltfriedens, daß dies nicht geschieht.“
Das obengenannte Telegraphenbureau bemerkt hierzu:
Lloyd George kann das politische Urteil der Versammlung, zu der er sprach, nicht hoch eingeschätzt haben. Weiß man in England nicht, daß durch die englische Ententepolitik das Wiedererwachen des französischen Chauvinismus und die Zügellosigkeit des russischen Pan⸗ slavismus gefördert und daher Deutschland zu dauernder Steigerung seiner militärischen Rüstung gezwungen wurde? Weiß man nicht, daß die deutsche Heeresverwaltung an die gesetzliche Eratsbewilligung ge⸗ bunden ist und daß die vom Deutschen Reichstag über die Verwendung der bewilligten Gelder ausgeübte Kontrolle sehr viel eingehender und strenger ist als diejenige, welche das englische Parlament ausübt⸗ Ist es nicht selbstverständliche Pflicht, daß die Heeresverwaltung innerbalb der gesetzlichen Grenzen gewissenhaft für Schlag⸗ fertigkeit sorgte? War nicht auch ebenso Eagland bestrebt, seine Flotte jederzeit schlagfertig zu haben? Wie kann Lloyd George es wagen, den Deutschland aufgezwungenen Kiieg als wohlüberlegten Ueberfall zu bezeichnen, wo ihm bekannt sein muß, in welchem Um⸗ fange wir versuchten, England vom Kriege fernzuhalten. Wenn Deutschland wirklich große Mengen an Kriegsmatertal und Munition vor dem Kriege aufgestapelt hätte, würde es dann am Anfang des Krieges an Munitionsmangel gelitten haben, wie es der Fall war und wie es wohl auch Lloyd George bekannt sein dürfte? Allerdings hat Deutschland diesen Mangel schnell und gründlich in aller Stille beseltigt, ohne einen Munitionsminister, ohne hetzerische und von Lügen strotzende Reden.
„W. T. B.“ meldet, eine Bekanntmachung, betreffend Her⸗ stellungsverbot für Baumwollstoffe. Es dürfen infolgedessen vom 1. August 1915 ab nachstehend aufgeführte ausschließlich oder vorwiegend aus Baumwolle zu fertigende Web⸗ und Wirkwaren nicht mehr hergestellt werden: Stoff für Leib⸗ und Bettwäsche, Stoffe für Haus⸗ und Tischwäsche, Kleider und Futterstoffe, Stoffe für Inneneinrichtung, Stoffe für technische Artikel, Bänder, Litzen, Riemen, Gurte, Besatz⸗ artikel und Posamenten, Wirkwaren jeder Art.
Der heutigen Nummer des „Reichs⸗ und Staatsanzeigers“ liegt die Ausgabe 564 der Deutschen Verlustlisten bei. Sie enthält die 262. Verlustliste der preußischen Armee, die 198. Verlustliste der bayerischen Armee und die 164. Verlust⸗ liste der sächsischen Armee.
Großbritannien und Irland. 1
Auf eine Anfrage im Unterhause, in der ausgeführt wurde, daß Baumwollabfälle, die zur Herstellung von starken Explosivstoffen verwendet werden können, aus Manchester nach Holland verfrachtet werden, erklärte der Finanzsekretär Montagu laut Bericht des „W. T. B.“:
Die Baumwollabfälle, die nach Holland ausgeführt würden, seien nicht derart, wie sie gewöhnlich zur Fabrikation von Explosio⸗ stoffen gebraucht werden. Sie dienten zur Herstellung gewisser baumwollener und halbwollener Waren, die in Holland Absatz finden und vielfach nach den englischen Kolonien ausgeführt würden. Die Abfälle könnten nur durch den nieverländischen Ueberseetrust unter genauen Bürgschaften bezogen werden, daß weder das Rohprodukt noch die daraus hergestellten Artikel den Feind erreichen.
Nach einigen weiteren Anfragen trat das Haus in die zweite Beratung der Munitionsbill ein.
Der Unionist Mac Neill sagte, er zweifle daran, daß die Be⸗ stimmungen der Bill ausreichten, und kritisierte die große Verzöge⸗ rung einer solchen Gesfetzgebung. Lloyd George habe neulich gesagt, man brauche acht bis neun Monate, um Werke zur Herstellung von Gewehren zu gründen, er habe ferner mitgeteilt, während die Zentral⸗ mächte vermutlich die Grenzen ibrer Produktion erreicht hätten, hätte England eben erst die Schwelle seiner Méöalichkeiten überschritten, und dies nach zehn Kriegsmonaten. Die Munitionsbill sei zuge⸗ standenermaßen nur ein Experiment. Der Redner frat für den Staatszwang ein. Der Abg. Houston (Unionift) sagte, French und die Armee hätten seit Monaten dringend mehr Munition gefordert. Lloyd George scheine allein unter den Ministern den Mut zu haben, der
Das Oberkommando in den Marken veröffentlicht, wie
verheimlicht habe. Das Kriegosministerium“, fuhr er fort, „hat wahrscheinlich geglaubt, daß wir uns durch den Krieg fortwurstell könnten wie im Burenkriege. Aber die heutige Lage ist eine ganz andere. Niemals in der ganzen Geschichte unseres Landes ist die Lage eine so verzweifelte gewesen. Die frübere Regierung hat alles getan, um das Land durch eine falsche Sicherheit zu chloroformieren. Jetzt haben wir die Koalition, weil das Kriegemi istertum, in den eigenen Bureaukratismus verstrickt, unter der Munitionsfrage zusammengebrochen ist. Die neue Regierung muß die ganze volle Wahrheit sagen. Die Lage bedeutet nach elf Kriegsmonaten ein remes „Patt“. Die Deutschen sehen nicht so aus, als wären sie im Osten geschlagen worden. Wenn es ihnen gelingt, die Russen zurückzutrriben, so könnten sie Truppen an die Westfront senden, auf Calais losgehen, von dort aus Dover und Folkestone mit schwerem Geschuütz beschießen und unter der Deckung dieser Beschießung einen Luftangriff oder einen Einfall in England versuchen. Man spricht von dem Schutze durch unsere Flotte, aber Gallipoli lehrt, was die Flotte tun kann und was nicht.“ (Der Sprecher forderte den Redner auf, zur Munitionsbill zu sprechen.) Houston fuhr fort und warnte Lloyd George vor engen Beziehungen des Kriegeministeriums und der Admiralität mit den Waffenfirmen. Er kritisierte es, daß das Kriegsministerium erst jetzt mit gußeisernen Brifanzgeschossen Versuche anstelle, während die Deutschen schon Millionen davon ge⸗ brauchten. Der Abg. Hobhouse (Liberal) erklärte, wenn wieder Angriffe auf die letzte Regterung gemacht würden, so würde eine sehr offene Aussprache die Folge sein. Er bestritt, daß die Lage verzweifelt 8 sei. Der Abg. Hodge (Arbeiterpartei) trat für die Bill ein, meiate aber, Einzelheiten müßten verbessert werden. Streiks seien während des Krieges undenkbar. Die Arbeitsstreitigkeiten der letzten Monate seien durch die Steigerung der Lebensmittelpreise entstanden. Lloyd George werde übergenug freiwillige Arbeiter bekommen. Die Schwierigkeit lege vielmehr im Mangel an Maschinen für die Her⸗ stellung von Munition. Die Arbeiterpartei bekämpfe im Prinzip die Bill nicht. Der Staatssekretär des Innern Simon Debatte zeige, daß die dringende Notwendigkeit besonderer Maßregeln zur Herstellung von Munition nicht bestritten werde. Die Bill erstrebe keinen Staatsswang. Die Gewerkschaften würden nach dem Kriege alle früheren Rechte zurückerhalten Der Premierminister Asquith betonte, daß die Bill in dieser Woche erledigt werden müsse. Der Abg. Snowden (Arbeiterpartei) bestritt, daß Hodge die Ueber⸗ zeugung der Gewerkschaften ausgesprochen habe. In der Konferenz von Gewerkschaftsvertretern mit Lloyd George, in der die Berg⸗ und Textilarbeiter nicht einmal vertreten gewesen selen, habe ein Drittel der Vertreter gegen die Munitionsbill gestimmt. Streiks seien in dieser Zeit undenkbar, aber die Regierung habe die Berechtigung der Bill nicht dargetan. Der Redner wies nach, daß die Regierung das Arsenal von Woolwich nicht voll ausgenutzt habe, und protestierte dagegen, daß der Munitionsminister die Vollmacht erhalte, in den unter die Biü⸗ fallenden Anstalten nach Belieben Verordnungen zu erlassen. Der Abg. O Gradv (Arbeiterpartei) wandte sich gegen Snowden, der zwischen die Arbeiter und ihre erwählten Führer Zwietracht säe. Der Minister Henderson gab eine Uebersicht über die Streik⸗ bewegung seit Kriegsbeginn und betonte, daß im Prinzip das obli⸗ gatorische Schiedsgericht von den Vertretern der Gewerkschaften für Maschinen⸗ und Schiffsbau bereits im März angenommen worden setk. Snowdens Stellungnahme sei durch seine Auffassung vom Kriege beeinflußt. Der Abg. Pringle (Liberal) sagte, die Mißverständnisse über den Ernst und die Dauer des Krieges seien teilweise die Schuld der Preßberichte des Hauptquartiers. Der bekannte „Augenzeuge“ im Hauptquartier habe vor einigen Monaten be⸗ richtet, daß die Deutschen ihre Munitionsvorräte erschöpft hätten und Geschosse alten Typs verwendeten. Der Redner wandte sich gegen die Absicht der Regierung, die Bill durchzupeitschen.
Eile habe. Es sei nicht der Versuch gemacht worden, nachzuweisen, daß die Bill die Erzeugung von Munilion vermehren würde. Der Redner kritisierte die Bill scharf und bekämpfte die unbegrentte Voll⸗ macht und Diktatur mit ihten sehr schlimmen Folaen. Viele, die geholfen hätten, jene Dicktatur zu begründen, hätien jetzt ihr gefallenes Idol angegriffen. Er wunsche nicht, daß auch Lloyd George ein ge⸗ fallenes Jool werde. Der Redner sprach weiter bis nachts 10 Uhr 55 Minuten.
Nach kurzen Bemerkungen des Ministers Lloyd George wurde die Bill in zweiter Lesung angenommen und die
Der Präsident der Lokalverwaltung Long brachte im Unterhause einen Gesetzentwurf ein, durch den alle Männer und Frauen von 15 bis 65 Jahren zur Eintragung in ein nationales Register verpflichtet werden. Long wies nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, Englands industrielle und finanzielle Stellung zu wahren. Das Gesetz
Marximum der nationalen Produktion bei einem Minimum
verwenden.
Wie das „Reutersche Bureau“ mitteilt, ist Sir Edward Grey nach London zurückgekehrt und wird in kurzem seine Arbeit im Auswärtigen Amt wieder aufnehmen.
—Die Verlustliste vom 290. Juni nennt 31 Offiziere und 1863 Mann. 8 “ .“ Frankreich.
Das französisch⸗chinesische Abkommen vom 4. Ja⸗ nuar 1909, durch welches Frankreich sich verpflichtete, darüber zu wachen, daß in den französischen Gebieten des äußersten Orientes chinesische Agitatoren nicht zusammenkommen oder Zuflucht finden können, ist dem „Temps“ zufolge durch ein neues Abkommen dahin erweitert mworden, daß China sich ver⸗ pflichtet, seinerseits antifranzösische Agitationen in China zu unterdrücken. 8
— Eine offiziöse Note, die in Paris ausgegeben wurde, besagt nach dem „Progrêès“: Militärpflichtige An gehörige der verbündeten Staaten werden aufgefordert, ihrer Militärpflicht zu genügen. Anderenfalls werden sie eventuell ersucht werden, das befestigte Lager Paris zu ver⸗ lassen, wo ihre Anwesenheit mehrfach peinlich empfunden wurde. Es soll ihnen dann freistehen, sich in einer Provinz außerhalb der Armeezone niederzulassen oder Frankreich zu ver⸗ lassen. “
8 RNußland.
Eine Kaiserliche Verordnung ermächtigt den Finanz⸗ minister, wie „W. T. B.“ meldet, auf dem Londoner Markte kurzfristige Staatsschatzscheine für fünfzig Millionen Pfund Sterling auszugeben. “
Italien.
Die „Tribuna“ meldet, daß infolge eines Ministerial⸗ erlasses der deutsche Dampfer „Italia“, der seit Kriegs⸗ beginn im Hafen Torre Anmunziata ankerte, sequestriert worden ist. Der Kapitän hat Befehl erhalten, das Schiff zu verlassen. Dieses wird nach Neapel gebracht, da die Sequestrierung von zwei Neapeler Firmen zwecks Deckung ihrer Guthaben
Förderung des staatlichen Vermessungswesens, insbesondere auch die Einführung der Ausbildung der Landmesser auf wissen⸗
Nation die Wahrheit zu sagen. Der Mangel an Geschützen und Munition sei unerhört und schimpflich. Die bisherige geringe An
beantragt worden ist.
Es sei nicht das erste Mal, daß Lloyd George mit einer Bill solche
Sitzung geschlossen.
bezweckt, die Mittel zur Organisation zu schaffen, um das
von Kosten zu erreichen. Es werde danach getrachtet werden, alle Arbeitskräfte so intensiv wie möglich für den Staat zu
Die Minderheitsparteien der Linken treten dem⸗ nächst zusammen, um die Frage der Aufhebung der konstitutio⸗ nellen Sicherheiten zu erörtern. Die Parteien der Linken sind nach dem „Temps“ zu diesem Schritt genötigt, weil die Re⸗ gierung das Versammlungsverbot für Radikale und republi⸗ fanische Sozialisten aufrecht erhält in der Befürchtung, daß in den Versammlungen die Frage Neutralität gegen die Kriegsparteien besprochen werde. 8
Niederlande.
Dem Staatsrat ist dem „Handelsblad“ zufolge ein Gesetz⸗ entwurf übermittelt worden, in dem ein außerordentlicher
à
Kredit von 90 Millionen Gulden angefordert wird.
Auf Einladung des Kriegsministers versammelte sich
vorgestern im Kriegsministerium eine große Zahl von Fabri⸗ fanten aus allen Landesteilen, um über die Munitions⸗ erzeugung durch die niederländische Industrie in Kiegszeiten zu beraten. Der Kriegsminister setzte den Zweck her Zusammenkunft auseinander. Die anwesenden Industriellen segten die größte Bereitwilligkeit zur Mitarbeit an den Tag. Es soll ein Munitionsbureau errichtet werden, das außer⸗ halb des organischen Verbandes des Kriegsministeriums stehen sol. Die Zusammensetzung wird in einigen Tagen bekannt⸗ gegeben werden. Schweden.
Die Königin Viktoria ist vorgestern abend mit der Dampffähre von Saßnitz in Malmö eingetroffen und auf der Ankunftsstation, die mit Flaggen und Laubgewinden geschmückt war, festlich empfangen worden. Nach der Begrüßung durch den Kronprinzen, den Bürgermeister und die städtischen Be⸗ horden setzte die Königin mitadem Thronfolger die Reise fort ind traf gestern im Laufe des Vormittags in Vagnhärad ein, do der König mit Gefolge seine Gemahlin auf der mit Blumen nd Flaggen reich geschmückten Station begrüßte. Eine Ab⸗ rdnung von Frauen mit Geistlichen an der Spitze bewill⸗ kommnete die Königin, die sodann mit dem König im Automobil nach Schloß Tullgarn fuhr.
Aus Anlaß der von schwedischer Seite geführten Klagen über Hindernisse und Schwierigkeiten, die durch die englischen Maßnahmen dem schwedischen Handelsverkehr bereitet worden sind, hat die englische Regierung nach einer Meldung des „W. T. B.“ eine Abordnung mit der Aufgabe nach Stock⸗ holm entsandt, über die Mittel und Wege zu verhandeln, um diese Schwierigkeiten künftig zu beseitigen. Die englische Ab⸗ ordnung ist gestern von dem Minister des Aeußern empfangen
8 v Türkei. “
Der vorgestern abend ausgegebene Bericht über das Befinden des Sultans lautet:
„Lemperatur 37,2 Grad, Puls 96. Der Tag ist gut verlaufen. Das Allgemeinbefinden ist ausgezeichnet. 8 Der Deutsche⸗Kaiser hat dem Sultan eine Depesche gesandt, in der er laut Meldung des „W. T. B.“ seine Freude über den Erfolg der Operation ausdrückt, den Sultan be⸗ gückwünscht und sagt, Gott möge lange das kostbare Leben des Sultans zum Heile der verbündeten tapferen Türkei er⸗ halten. In seiner Dankdepesche teilte der Sultan mit, daß bereits eine bedeutende Besserung verspüre und sich wohl befinde. Zugleich beglückwünschte er den Kaiser zur Wieder⸗ einnahme Lembergs durch die wertvolle gemeinsame Tätigkeit der beiden tapferen Kaiserlichen Armeen. 1AA4“ʒ Nach dem Bericht über das Befinden des Königs war gestern morgen die Temperatur 36,6, der Puls 92, die Atmung 18. Die allgemeine Besserung schreitet fort. Im Laufe dieser Woche wird der König nach dem Schlosse Tatoi
übersiedeln. Wegen der dauernden Besserung im Befinden des
Königs werden keine Krankheitsberichte mehr nach dem Aus⸗
(land geschickt. — Der französische Kreuzer „Kléber“ erschien der
„Morning Post“ zufolge letzten Sonntag vor Castellorizo
und begann ohne Warnung eine Beschießung, durch die griechische Kirche zerstört wurde. Die Lokalbehörde erhob
sergisch Einspruch. Der Kommandant des Kreuzers war rrascht, zu hören, daß die Insel unter griechischer Okkupation
sand. Er bot darauf Entschuldigungen an. “
Amerika.
Das amerikanische Staatsdepartement hat den
Tert der Note, die am 24. Juni an die deutsche Regierung geschickt worden ist, veröffentlicht. Wie das „Reutersche Bureau“ meldet, ersucht die Note Deutschland um Zurücknahme der igerung, in direkte dinlomatische Verhandlungen über die amerikanischen Ansprüche wegen der Versenkung des Danpfers „William Frye“ einzutreten. Sie erklärt, da Deusschland die Verantwortung für die Versenkung anerkenne sei die Verhandlung vor einem Prisengericht nicht nötig; die
Vereinigten Staaten fühlten sich an dieses nicht gebunden und
weigerten sich, den Standpunkt anzuerkennen, daß Deutschland das Recht habe, die Verfrachtung von Konterbande auf ameri⸗ fanischen Schiffen dadurch zu verhindern, daß es die Konter⸗ vande und das Schiff, daß sie führt, zerstöre.
8 Die Vereinigten Staaten sind der „Agence Havas“ zufolge entschlossen, eine neue revolutionäre Be⸗ wegung in Mexiko zu verhindern. In der Frage der manziellen Unterstützungen, die verschiedenen merikanischen Ver⸗
enigungen in Amerika gewährt worden sind, ist eine Unter⸗
üchung eingeleitet worden. Wie die „Times“ melden, hat sich eine Abordnung g
amerikanischer Importeure bei dem Staatssekretär
Uüber beschwert, daß deuts che Güter im Werte von zehn Pfund Sterling in Rotterdam liegen, deren Aus⸗ uhr nach Amerika England verbietet, obwohl sie nicht
annware sind. Afrika.
algerischen Finanzdelegationen haben dem zufolge den Antrag auf Einführung von Aus⸗ tenern angenommen, die für die Ausbalanzierung des 8 enti notwendig sind. Die Ausfuhrsteuer beträgt für Wein se Jer mes für das Hektoliter, für Eisenerze 40 Centimes für Feonne, für andere Erze 2 Franken für die Tonne, für Franken 50 Centimes für den Kopf, für Pferde
en für den Kopf. Auf Weine wird ferner eine Franken 20 Centimes für das Hekloliter ein⸗
Kriegsnachrichten. Westlicher Kriegsschauplatz.
Großes Hauptquartier, 30. Juni. (W. T. B.) Bei Arras fanden größere feindliche Unternehmungen auch gestern nicht statt. Hingegen machten wir in der Ver treibung des Gegners aus den Grabenstücken, die er im Laufe seiner wochenlangen Anstrengungen uns zu ent⸗ reißen vermochte, weitere Fortschritte. Ein feindlich er Vorstoß im Labyrinth (nördlich Ecurie) wurde abgewiesen. Durch fast ununterbrochene Angriffe auf den Maashöhen westlich von Les Eparges versucht der Gegner seit dem 26. Abends vergeblich, die von uns eroberten Stellungen wieder zu gewinnen. Auch gestern unternahm er vier heftige Vorstöße, die sämtlich unter großen Verlustenscheiterten. Oberste Heeresleitung.
Aus dem Großen Hauptquartier wird durch „W. T. B.“ über die Kämpfe bei les Eparges berichtet:
Nachdem es uns Ende April und in den erßen Tagen des Mai gelungen war, auch unsere Stellungen auf den Maasböhen zwischen dem Dorfe les Eparges und der von dem alten Sommersitz der Bischöfe von Verdun, Hattonchatel, nach Verdun hinführenden grande Tranchee de Caltonne um ein erbebliches Stück nach vorwärts zu verlegen, war damit zu rechnen, daß die Franzosen die Wiedergewinnung des ihnen an dieser wichtigen Stelle ent⸗ rissenen Geländes nach Kräften versuchen würden. Zunächst jedoch blieb es dort ziemlich ruhig. Als dann aber das II. franz. A. K., das sich einige Wochen vorher bei seinen vergeblichen An⸗ griffen gegen unsere braven Truppen zwischen der Orne und Combres insbesondere bei Maizeray und Marcheville blutige Köpfe geholt hatte, wieder gefechtsfähig war, wurde dieses A. K. zur Weg⸗ nahme unserer neuen Stellungen an der grande Tranchee bereit⸗ gestellt. Seit Mitte Juni kündigte verstärktes französisches Feuer aller Kaliber eine dort beabsichtigte Unternehmung an. Wir hatten uns nicht getäuscht. Als der Feind die Wtrkunf seiner Artillerte⸗ vorbereitung für ausreichend hielt, setzte er seine ausgeruhten wischen Truppen am Sonntag, den 20. Juni, Nachmittags, zum Angriff gegen unsere Stellungen beiderseits der Tranchee an.
„Die Franzosen beobachteten hierbei das von ihnen in der Regel beliebte Verfabren, gegen einzelne Punkte starke Kräfte nacheinander oft aus verschiedenen Richtungen anlaufen zu lassen. Es gelang ibnen schließlich in einen Teil unseres vordersten Grabens, in einige Verbindungsgräben nach rückwärts und sogar in einen kleinen Teil der zweiten Stellungen einzudringen. Noch in der Nacht zum Montag unternahm das von dem Vorstoße betroffene tapfere Regiment einen Gegenstoß, an dem sich alles bis zum letzten Mann beteiligte. Es gelang uns auch, den Franzosen den von ihnen genommenen Teil unserer zweiten Stellung und die Verbindungsgräben wieder zu entreißen und hierbei eine Anzahl von Gefangenen zu machen. Aber auch der Feind ließ nicht nach. Um die Mittagszeit des 21. Juni erneute er mit frischen Kräften seine Angriffe auf der ganzen Lmie. Westlich der Tranchee wurde er stets und auch an den folgenden Tagen unter sehr schweren Verlusten abgewiesen. Oestlich ber Tranchee dagegen, wo die Eindrucksstelle sich immer noch in seinem Besitz befand, glückte es ihm, durch sie hindurchstoßend, wiederum Gelände innerhalb unserer Lmien zu gewinnen. Er mußte hier also wieder hinausgeworfen werden. Für diese Unter⸗ nehmung wurde das Morgengrauen des 22. Juni festgetzt. Der Feind wurde anscheinend überrascht. Er räumte bei unserem Ansturm die Gräben unter Zurucklassung einer beträchtlichen Anzahl von Gefangenen. Nunmehr nahmen die Franzosen unsere gesamten Stellungen unter tagelanges, schweres Feuer. Sie hatten zu diesem Zweck thre dort schon vorhandene zahlreiche schwere Artillerie durch weitere Batterien schwersten Kalibers von anderen Fronten her verstärkt. Auch verwendeten sie in großen Mensen Geschosse, die bei ihrer Detonation erstickende Gase enzwickeln. Die Wirkung solcher Geschosse ist eine doppelte. Sie wirken nicht nur durch ihre Sprengstücke, sondern sie machen durch die Gase auch im weiteren Umkieise sich aufbaltende Personen wenigstens für einige Zeit kampfunfähig. Um sich selbst dieser Wirkung dort zu entziehen, wo derartige Geschosse nahe der eigenen Infanterie einschlagen, trugen in den geschilderten Kämpfen alle Franzosen Rauchmasken. Gefangene geben ferner übereinstimmend an ihnen sei befohlen worden, als wirksamstes Mittel gegen die er. stickenden Gase ihre in menschlichen Urin getränkten Taschentücher vor Mund und Nase zu halten. Mit solchem Feind batten wir während der nächsten Tage und Nächte unausgesetzterbitterte Nahkämpfe zu besteben.
Die neuen Nahkampfmittel mit ihren fruch baren moralischen Nebenwirkungen spielten auch hier wieder eine große Rolle. Hierher gehören insbesondere die Minenwerfer und Handgranaten verschiedener Konstruktion, diese auch, wie die Artilleriegeschosse, bei den Franzosen mit erstickender Gasentwicklung. Indessen zeigte sich schon am 22. Juni die unbestreitbare Ueberlegenbeit unserer Infanterie über die französische. So oft wir zum Angriff schritten, konnten wir auch weit stärkere feindliche Kräfte werfen und besonders im Einzeikampf aus ihren noch so stark erbauten Stellungen vertreiben. Nur gegen das übermächtige Artilleriefeuer hatten unsere tapferen Truppen einen überaus schweren Stand. Sobald sie ein Grabenstück wiedergenommen hatten, richtete die feindliche Artillerie dagegen ein mörderisches Feuer, in dem ein Aushalten zu den physischen Unmöglichkeiten gehört.
In diesen hin und her wogenden erbitterten Kämpfen konnten wir der französischen Infanterie unsere Anerkennung nicht versagen.
Immer wieder ließ sie sich zum Angriff vortretben, ungeachtet unseres gut wirkenden Artillerie⸗ und Infanteriefeuers und ungeachtet des Feuers ihrer eigenen Artillerie, das rücksichtslos auch dorthin gelegt warde, wo die französischen Schützen ihren Sturm auszuführen hatten. Rücksichtslos waren die immer wieder frisch von rückwärts aufgefüllten Angriffstruppen, auch gegen sich selbst. Immer wieder stürmten sie über die Leichen ihrer soeben und während der letzten Kampftage gefallenen und in blutgetränktem Waldgestrüpp liegend gebliebenen Kameraden hinweg, immer wieder nützten sie Haufen
dieser Leichen aus als Deckung gegen unser Feuer, ja venwendeten die Körper der tapfer Gefallenen sogar als regelrechte Deckungsmittel, wo sie gezwungen waren, sich beschleunigt einzunisten und einzugraben. Viel hundert Leichen bedecken den schmalen Raum zwischen unseren und den feindlichen Gräben. Als wir am späten Abend des 24. Juni alle zur vorderen Linie führenden Verbindungsgräben in unseren end⸗ gültigen Besitz gebracht hatten, waren diese bis oben hin mit fran⸗ zösischen Leichen angefüllt.
DTagelang hatten die Franzosen hier neben und auf den Leibern ihrer gefallenen Kameraden ausgehalten. Es mag dahingestellt bleiben, ob mehr die Sel bstüberwindung oder mehr die Gefühllosigkeit dabet mitgesprochen hahen. Für uns war jedenfalls diese Totenkammer keine Kampfstellung. Wir schütteten die Gräben zu und bereiteten den dort gefallenen Tapferen ein Massengrab.
Nicht unerwähnt in diesem Zusammenhang soll auch sein, daß nach übereinstimmenden Ar ssagen aller Gefangenen die französische Insanterie in den Tagen vom 20. bis 25. Juni keine warme Kost er⸗ halten hat. Mag diese wie andere Gefangenenaussagen nicht voll zu⸗ treffend und darauf kerechnet sein, Mitleid zu erwecken, so ist immer⸗ hin zu beachten, daß erfahrungsgemäß an Gefangenenaussagen immer etwas Wahres ist. Der jämmerliche Zustand der Gefangenen be⸗ stätigte dies.
„Vyor dem in einer Ausdehnung von knapp 300 m noch im feind⸗ lichen Besitz befindlichen vorderen Grabenteil kam unser Angriff am 25. Junk zum Stehen.
Am 26. Junt gingen wir östlich von der Stätte der soeßen ge⸗ schilderten hartnäckigen Käͤmpfe zum Angriff in Nichtung les Eparges vor. Nicht dieses in der Tiese gelegene Dorf war das Ziel der Unternehmung, sondern der dorthin abfallende bewaldete Bergrücken,
batten. Diese sollten genommen werden. Nach sorgfältiger Vorbe⸗ reitung setzten um die Mittagszeit unsere Angriffsbewegungen ein. Der Teind schien derartiges an dieser Stelle nicht erwarter zu haben. Ohne allzu große Verluste und in verhättnismäßig kurzer Zeit gelang es uns, die ersten feindlichen Stellungen im Sturm zu nehmen und in ununterbrochenem weiteren Vorgeben auch die dabhimter liegende feindliche Hauptstellung zu erobern. Was unserem Feuer und unseren Bajonetten nicht zum Opfer fiel, flüchtete die steilen Hänge nach les Eparges hinunter, um sich dort wieder zu sammeln. Unsere aufmerksame Artillerte versäumte diese günstige Gelegenheit nicht, das genannte Dorf unter Feuer zu nehmen und die von Norden her dorthin führenden Wege, auf denen der Feind Verstärkungen heranführte, durch wohlgezieltes Feuer zu sperren. Nach kurzer Zeit ging les Eparges mit dem dort angehäuften Kriegsmaterial in Flammen auf.
Für uns galt es nun, die neu gewonnene vorteilhafte Stellung auf der Bergnase südwestlich les Eparges zu halten; denn wir mußten mit hartnäcktgen Versuchen des Feindes rechnen, das Verlorene wieder zu erlangen. Noch am Abend des 26. Juni begaanen die Franzosen Gegenangriffe. Sie währten die ganze Nacht zum 27. hindurch ohne jeden Erfolg. Auch hier wie zu beiden Seiten der Tranchee haben die Franzosen außerordentlich schwere Verluste erlitten. Wie auch die Lage sich hier weiter gestalten mag, das II. französische Armeekorps und die dort eingesetzten übrigen feindlichen Kräfte haben weder den beabsichtigten Durcheruch an der Tranchee zu erzwingen, noch die be⸗ herrschende Höhe füdwestlich les Eparges gegen den utberraschenden, unvergleichlich mutigen Ansturm unserer kan pferprobten und kampf⸗ freudigen Truppen zu behaupten vermocht. 8
1 Oestlicher Kriegsschauplatz. Großes Hauptquartier, 30. Juni. (W. T. B) Keine Ereignisse. Oberste Heeresleitung.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Wien, 29. Juni. (W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: In Ostgalizien sind die verbündeten Armeen in der Ver⸗ folgung bis an die Gnila⸗Lipa und den Bug bei Kamionka⸗ Sprumilowa vorgedrungen. Die in dieser Linie stehenden russischen Kräfte werden angegriffen. Bursztyn wurde gestern genommen. Starke feindliche Kräfte, die bei Sielec (nordwestlich Kamionka⸗Sprumilowa) hielten, wurden heute nacht nach heftigem Kampfe unter großen Verlusten auf Krystynopol zurückgeworfen. Nördlich Rawa⸗Ruska und nördlich Ciesza now drangen die verbündeten Truppen auf russisches Gebiet vor. Tomaszow ist in unserem Besitz. Heute nacht räumte der Feind seine Stellungen am nördlichen Tanew und nördlichen San⸗Ufer und begann den Rückzug in nordöstlicher Richtung. Er wird überall verfolgt
In Polen und am Dmjestr ist die Lage unverändert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Hoefer, Feldmarschalleutnant.
1 Großes Hauptquartier, 9o. Junkl. Unser Angriff an der Gnila⸗Lipa macht Fortschritte Oestlich und nordöstlich von Lemberg ist die Lage unver⸗ ändert. Zwischen dem Bug und der Weichsel erreichten deutsche und österreichisch⸗ungarische Druppen die Gegend von Belz, Kom arow, Zamocz und den Nordrand der Wald⸗ niederung des Tanew⸗Abschnitts. Auch auf dem linker Weichselufer in der Gegend von Zawichost und O zarowl der Feind den Rückzug angetreten. Ein feindliches F wurde hinter unserer Linie zum Landen gezwungen. Insassen wurden gefangen genommen. Oberste Heeresleitung.
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Südlicher Kriegsschauplatz.
Wien, 29. Juni. (W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Am italienischen Kriegsschauplatz hat sich auch gestern nichts von Bedeutung ereignet. Der Feind verschoß wieder viel Artilleriemunition gegen den Görzer Brückenkopf. Das italienische Sanitätspersonal befördert unter Mißbrauch der Genfer Konvention Maschinengewehre auf seinen Tragbahren.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabez.
von Hoefer, Feldmarschalleutnant
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Der Krieg zur See.
88 London, 29. Iint. (W. . B.) „Lloyds“ melden aus Milfordhaven: Die Bark „Dumfrie Shore“ ist am Montag morgen 25 Meilen südwestlich von Smalls torpediert worden. Die Besatzung wurde mittags in Milfordhaven gelandet.
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Amebam, 29. Juni. (W. T. B.) Aus Boston wird vom 9. Juni gemeldet: Der britische Leyland⸗ Dampfer „Colonial“ hat nach Aussage des Kapitäns 40 Stunden lang die Flagge der Vereinigten Staaten zum Schutze gegen Unterseeboote geführt. Das Schiff begegnete am 30. Mai einem englischen Patrouillenboot, das ihm befahl, entweder eine neutrale Flagge oder gar keine zu führen. Der Kapitän hißte sofort die Sterne und Streifen und zeigte sie, solange er durch die Kriegszone fuhr.
Der Krieg in den Kolonien.
London, 29. Juni. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Das Pressebureau berichtet, daß unlängst eine Unternehmung gegen Bukoba, am westlichen Ufer des Viktoria⸗Sees, die Operationsbasis der Deutschen, stattgefunden hat. Die Expedition war am 20. Juni aus Kisumu aufgebrochen. Die britischen Truppen hatten längs des Flusses Kagera operiert. Die Gefechte waren von Erfolg gekrönt. Die Truppen ver⸗ nichteten das Fort, die Einrichtung für drahtlose Telegraphie und verschiedene Schiffe und erbeuteten eine Feldkanone, eine große Anzahl von Gewehren und wichtige Dokumente. Außer⸗ dem machten sie durch ihr Artilleriefeuer zwei Maschinen⸗ gewehre unbrauchbar. (Man weiß nachgerade, was von solchen englischen Siegesnachrichten zu halten ist.) —
Prätoria, 29. Juni. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Kolonnen Bothas haben Otjivarongo Okanyanda und Waterberg besetzt, die ungefähr 100 Meilen von Grootfontein liegen; der Vormarsch wird fortgesetzt. 1
Der Krieg der Türkei gegen den Dreiverband. Konstantinopel, 28. Juni. (W. T. B.) Das Haupt⸗
auf dem die Franzosen seit längerer Zeit starke Befestigungen angeleht
quarlier teilt mit: An der Dardanellenfront gab es in