1915 / 212 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 08 Sep 1915 18:00:01 GMT) scan diff

IZch erwiderte, ich hätte ihm noch vor einigen Tagen gesogt, daß es uns nicht auf den Wortlaut, sondern auf den Inhalt der englischen Zusicherungen ankomme, aber daß wir die Gewißheit englischer Neutralitäat haben müßten in einem uns von dritter Seite aufgezwungenen Kriege. Wenn, wie er sage, in der engli⸗ schen Formel Neutralität impliziert sei, so sei es, serade um die gweideutigkeit, von der er spreche, zu vermeiden orderlich, daß die Neutralitaͤt klar zum Ausdruck komme. Infolge dessen schlůge ich wiederum den Zusatz zu der englischen Formel vor, den ich ihm sschon früher angegeben hätte. (England will therefore, as a mnatter of course, observe an attitude of benevolent neutrality, should war be forced upon Germany. „England wird daher selbstverständlich wohlwollende Neutralität beobachten, sollte Deutschland ein Krieg aufgezwungen werden.“) Dieser Zusatz

emnthalte kein Bündnis, wohl aber, worauf es uns allein ankomme, den klaren Ausdruck des Willens zur Neu⸗ tralität im Falle eines Angriffs von dritter Seite. Es bestehe ein bedeutender Unterschied zwischen dem Ver⸗ spprechen, sich nicht gegenseitig zu schädigen, und dem, sich gegenseitig zu helfen. Wenn er darauf hinweise, daß England weder mit Frankreich, noch mit Rußland, noch mit irgend einem anderen Lande Neutralitätsabkommen abgeschlossen habe, so hielte ich dem gegenüber, daß die englische Politik den Franzosen seit einer Reihe

von Jahren keinen Anlaß gegeben habe, an der englischen Neu⸗

tralitaät zu zwetfeln, dagegen aber den Glauben an eventuelle

englische Unterstützung erweckt habe. Die Gewißheit englischer

Neutralität habe Deutschland aber seit einer Reihe von Jahren nicht gehabt. Es hätten sich im Gegenteil im Laufe der letzten Jahre, so noch im vergangenen Sommer, Situationen ergeben, die

die eventuelle englische militärische Hilfe bei unserm Gegner hätten voraussehen lassen. Daher sei ein Neutralitätsabkommen zwischen

England und Frankreich überflüssig, zwischen uns aber erforderlich.

8 Sir Edward Grey widersprach der bei uns genährten Ansicht, daß England im vergangenen Jahre einen Angriff auf uns geplant habe. Ich erwiderte, daß ich nicht von den Uebertreibungen der öffentlichen Meinungen auf beiden Seiten spräche, sondern von der Tatsache, daß England und Deutschland mehrmals während der

Jahre und besonders im vergangenen Sommer in die Gefahr kriegerischer Verwicklungen miteinander geraten seien. Dies sollte durch ein Neutralitätsabkommen vermieden werden. Die englische Formel genüge nicht zur Vermeidung dieser Gefahr in der Zukunft. Sie genuüge auch nicht, um eventuell eine Aenderung in unserer Flottennovelle vorzunehmen.

Der Minister bemerkte hierzu, irgend ein Hinausgehen über das bestehende ee gestatte der eng⸗ lischen Regierung nicht, in diesem Augenblick ein politisches Abkommen mit uns einzugehen. Ein völliges Aufgeben der Novelle liege aber wohl nicht im Bereiche der

Disk ssion.

Wenn nun aber auch auf beiden Seiten die beabsichtigten

Florte maßnabmen uneingeschränkt in Angriff genommen wurden, o erkläne er doch ousdrücklich, daß er desbalb nicht ein Fallenlassen

der Verhandlungen beabsichtige oder wünsche. Er hoffe vielmehr, daß die angebahnten vertrauene vollen Beziehungen weiter ausgevaut

würden, doß eine Verständigung in kolonialen und territorialen

Fragen weiter betrieben werde, und daß nach Ablauf einer gewissen

Zeit die Verhandlun en über ein politisches Abkomn en, ähnlich

denm englischerseite vorgeschlaenen, wieder aufgenommen werden den. Nachdem über die vorliegenden Flottenfragen wieder Rube ingetreten sei, werde ein politisches Abkommen, das den vorhandenen

guten Willen bei beiden Regierungen beweise, im Verein mit emer Vertändivung über koloniale Fragen ihre günstige Wirkung auf die öff ntliche Meinung in beiden Lärdern nicht verfehlen und, wie er hoffe, dann auch indirekt die Rüstungsfrage beeinflussen.

Ich bemerkte zum Sch usse, daß die Koiserliche Regierung in er englischen Formel für ein Abkommen nicht die Voraussetzungen rblicke, w lche zu dem von Sir Edward Grey gewünschten günstigen E gebnis führen würden. gez. Metternich.“

Aus dem Bericht geht der englische Standpunkt klar hervor. Sier Edward Grey verlangte völligen Verzicht auf die militärischen Sicherheitsmabnahmen, die Deutschland info ge der drohenden Haltung Englands im Sommer 1911 hatte in Aussicht nehmen müssen, und bot als Hegenleistung lediglich die Zusicherung, Deutschland in Zukunft ohne Grund weder allein, noch zusammen mit seinen Freunden über⸗ fallen zu wollen.

Geaf Metternich wurde nunmehr beauftragt, der englischen Re⸗ gierung zu sagen, daß für die Katserliche Regierung die Möglichkett entfalle, eine den englischen Wünschen entgegenkommende Aenderung der Flottennovelle in Erwägung zu ziehen, nachdem die englische Re⸗ gierung sich zu dem Angebote eines befrtedigenden Neutralitäts⸗ abkommens nicht habe entschließen können. Wenn Sir Edward Grey bemerke, daß das von deutscher Seite vorgeschlagene Abkommen weiter⸗ gehen würde als irgendein Vertrag, den die englische Regierung mit einer eurapäischen Macht, außer Portugal, geschlossen habe, so möge das zutreffen. Er übersehe aber, daß auch die deutsche Gegenleistung ohne Vorgang, und zwar ohne Vorgang in der Geschichte dagestanden haben würde. Im übrigen sei die Kaiserliche Regierung bereit, den begonnenen Meinungsaustausch über koloniale und territoriale Fragen fortzusetzen.

So endigten die Verhandlungen über das Neutralitätsabkommen und mit ihnen, wie die englische Kundgebung bemerkt, die Hoffnung auf eine Herabsetzung der beiderseitigen Rüstungsausgaben. Selbst die Aussicht, die die deutsche Regierung England eröffnet hatte, von dem Albdruck der deutschen Seerüstungen erleichtert zu werden, ver⸗ mochte nicht die englische Regierung dazu zu bestimmen, die Hand zu ergreifen, die Deutschland ihr entgegenstreckte. England hat sich freie Hand vorbehalten, es hat die weitgehenden deutschen Anerbietungen vor dem Kriegsausbruch zurückgewiesen, die es ihm ermöglichen sollten,

dem Krieg fernzubleiben, ohne daß seine Interessen dabei beein⸗

trächtigt wurden. Es wünschte an dem Kampf zur Nieder⸗ werfung Deutschlands teilzunehmen, es mußte daran teilnehmen, denn derselbe englische Minister, der am 17. März 1912 dem Grafen Metternich versichert hatte, daß setne Politik darauf gerichtet sei, eine erneute Gruppierung der Mächte in zwei Lager zu vermeiden, führte nur wenige Monate später den bekannten Notenaustausch mit dem französischen Botschafter herbei, der den Zusammenschluß Frankreichs und Englands gegen Deutschland auch formell besiegelte, und er war im Frühjahr vorigen Jahres entschlossen, England und Rußland in gleicher Weise festzulegen. Selten hat wohl ein Staatsmann sein Wort so wenig in die Tat umzusetzen vermocht, wie Sir Edward Grey, der stets Verständigung, Abrüstung, Frieden und Konferenzen im Munde geführt, gleichzeitig aber die herausfordernde milita⸗ ristische Politik der Ententemächte verschuldet und gefördert hat, der Europa die Katastrophe verdankt, die jetzt über es herein⸗ gebrochen ist. Wenn sich einmal die Geheimarchive des „Foreign Office“ öffnen werden, so wird die Welt noch manche interessante Dinge bezüglich der Mission Haldane erfahren. Wer zwischen den Zeilen der Tages⸗ geschichte zu lesen versteht, und z. B. die Berichte der belgischen Ge⸗ sandten mit Aufmerksamteit verfolgt hat, wird unschwer erraten, daß mit der Haldaneschen Mission noch besondere Zusammenhänge ver⸗ knüpft waren. Der Eifer, mit dem das Pariser Preßbureau versichert hat, daß der französische Botschafter Herr Cambon in Lo don durch Sir Edward Grey von jeder Phase der Verhandlungen unterrichtet worden sei, ist in dieser Hi sicht von besonderem Interesse.

Statistik und Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung. 8 Nach einer vom „W. T. B.“ wiedergegebenen Meldung der Times“ bherrscht ernste Unzufriedenbeit unter den Eisen⸗ hahnern verschtedener Teile von Südwales. Die Gewerkschaft

von Swansea hat den Verbandsausschuß aufgefordert, eine sofortige allgemeine Zulage von zehn Schilling in der Woche zu verlangen, und besteht auf rascher Antwort; sonst würde sie entschiedene Maßregeln ergreifen. Die Gewerkschaft von Cardiff fordert den Verbandsausschuß auf, das gegenwärtige Lohn⸗ abkommen zu kündigen und eine sofortige Lohnerhöhung von fünf Schillingen zu verlangen. Die Zugführer und Heizer von Pontvpridd haben beschlossen, wenn nicht die jüngste Lohn⸗ verringerung beseitigt würde, sofort eine Versammlung einzuberufen, die über den neuerlichen Eintritt in den Ausstand beraten soll.

Entwicklung des Beschäftigungsgrades und Arbeitsmarktes in Groß Berlin in der Zeit vom 21. bis 28. August 1915.

Nach der vergleichenden Darstellung des gewerblichen und in⸗ dustriellen Beschaftlgungsgrades in Groß Berlin am 21. und 28. Auguft, die das Statistische Amt der Stadt Berlin veröffentlicht, stieg in der Zeit zwischen diesen beiden Stichtagen die Gesamtzahl der versicherungspflichtigen Mitglieder von 239 Kranken⸗ kassen Groß Berlins von 1 121 489 auf 1 125 623, d. i. um 4134 oder 0,37 %, die Wirkung einer Abnahme beim männlichen Geschlecht um 420 oder 0,08 % und einer Zunahme bei den Frauen um 4554 oder 0,76 %.

Die angegebene Steigerung ist zum größten Teile durch die 28 allgemeinen Ortskrankenkassen berbeigeführt; sie zeigen ein Mehr von 803 Versicherungspflichtigen oder 0,81 % beim männ⸗ lichen und von 3916 oder 0,22 % beim weiblichen Geschlecht, im ganzen ein Mehr von 4719 oder 0,8s8 %.

Bei den 208 gewerblich gegliederten Krankenkassen ist dagegen eine Abnahme um 557 Versicherungspflichtige oder 0,13 % zu verzeichnen, das Ergebnis des Ausgleichs einer Verminderung um 1219 oder 0,4 % bei den versicherungspflichtigen Männern und einer Steige⸗ rung um 662 oder 0,42 % bei den Frauen. Im einzelnen seien von den 9 Gewerbegruppen mit einer Zunahme das Baugewerbe mit + 168 Beschäftigten oder 1,85 %, das Nahrungs⸗ und Genußmittel⸗ gewerbe gleichfalls mit + 168 oder 0,84 %, das Druckereigewerbe mit + 138 oder 0,80 % erwähnt. Die größte Abnahme der Zahl der versicherungspflichtigen Mitglieder ist mit 984 oder 0,48 % bei der Metall⸗ und Maschinenindustrie zu verzeichnen, doch handelt es sich dabei im wesentlichen nur um eine durch Verlegung einiger Be⸗ triebe nach Vororten herbeigeführte anderweite Eingliederung in all⸗ gemeine Ortskrankenkassen der Vororte. Im übrigen sind erheblichere Veränderungen des Beschäftigungsgrades nicht festzustellen.

Die Zahl der bei 38 Fachverbänden der freien Gewerk⸗ schaften ermittelten Arbeitslosen sank in der Woche vom 23. bis zum 30 August von 2588 auf 2543, d. i. um 45 oder 1,214 %. Bei den einzelnen Fachverbänden sind bis auf wenige Ausnahmen nur geringe Veränderungen zu bemerken. Die Holzarbeiter weisen mit 124 die größte Abnahme auf, die in der Hauptsache durch eine zur⸗ zeit größere Nachfrage nach Personal in der Möbelindustrie ver⸗ nrgsa ist. Die größte Zunahme der Arbeitslosenzahl zeigt sich mit 92 beim Verband der Metallarbeiter, sie ist, wie schon in der Vor⸗ woche erwähnt wurde, durch ein zeitweiliges Nachlassen von Kriegs⸗ bedarf einschlägiger Art herbeigeführt.

Nach dem Bericht des Verbandes märkischer Arbeitsnachweise brachte die Weoche vom 21. bis 28 August bei den Großberliner öffentlichen Arbeitsnachweisen keine größeren Veränderungen gegenüber der Vorwoche. Die Vermittlungszahlen in den männlichen und den weiblichen Abteilungen hielten sich auf derselben Höhe, die Zahl der offenen Stellen veränderte sich für Männer nicht und ging für Frauen nur um etwa 200 zurück, doch zeigte hier auch die Zahl der Stellensuchenden einen Rückgang um 350 Gesuche. Die allgemeine Nachfrage nach männlichen Arbeitskräften ist bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen noch ziemlich rege und der Mangel an tüchtigen Arbeite kräften recht empfindlich; besonders fehlte es an Arbeitern für Tiefbau und Kohlenverladung. Mangel machte sich in der Metallindustrie an Rohrlegern und Klempnern fühlbar; außerdem fehlte es für Er darbeiten an Steinsetzern und Rammern. Im ganzen wurden von den berichtenden Großberliner öffentlichen Arbeitsnach⸗ weisen 3675 (in der Vorwoche 3693) männliche und 2339 (2159) weiblich Arbeitskräfte vermittelt. Offene Stellen waren für Männer 4748 (4714) und für Frauen 2865 (3057) vorhanden. Arbeitsuchende wurden in den männlichen Abteilungen 4476 (4652), in den weiblichen Abteilungen 3590 (3938) gezählt. 8

Literatur. 8

Das Septemberheft der von Richard Fleischer herausgegebenen „Deutschen Revue“ hat folgenden Inhalt: Dr. Freiherr v. Jettel: Albanien; Scheich Abdul⸗Asis Tschawisch: Der Islam und Deutschland. Wie soll man sich die Zukunft des Islams denken? W. Reiche (Wiesbaden): Der französische General Champion, ein Anhänger Kaiser Wilhelms I.; Prof. Dr. H. Gutbe (Leipzia): Fran⸗ zösische und englische Pläne im vorderen Ortent: Dr. phil. W. Koester (Münster): E. M. Arndt über die Erbkaiservartel und über die deutsche Einigung. Ungedruckte Briefe Arndts; 8 Dr. Bernhard Fehr: Der englische Machtbegriff; Prof. Dr. B. Hofmann (Graz): Die sakrale Rolle des Wassers; K. Th. Zingeler (Sigmaringen): Fürst Karl Anton von Hohenzollern in seiner Politik. Aus Briefen an ihn und von ihm (Schluß); Karl Mollenhauer: Dorpat⸗Jursew. Erinnerungen aus der Studien⸗ zeit; Dr. Max B. Weinstein: Die Zusammenhanglosigkeit und Ver⸗ bindung in der Welt; Robert Albert (Klein⸗Zschachwitz bei Dresden): Einer der letzten Frühdeutschen; Dr. Heinr. Schierbaum (Burg⸗ steinfurt): Lenaus Geistesumnachtung. Sein Aufenthalt in Winnen⸗ thal. Mit unveröffentlichten Briefen des Hofrats Dr. med. Zeller; Dr. Maximilian Lewels: Buchara. Berichte aus allen Wissen⸗ schaften: Geschichte. Raimund Friedrich Kaindl (Wien): Die Deutschen in Ungarn. Literarische Berichte. Eingesandte Neuig⸗ keiten des Büchermarkts.

1 Kurze Anzeigen neu erschienener Schriften, deren Besprechung vorbehalten bleibt. Einsendungen sind nur an die Redaktion, Wilhelm⸗ straße 32, zu richten. Rücksendung findet in keinem Falle statt.

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Bericht einer Augenzeugin,

Handel und Gewerbe. 8 Die Kriegsanleihe eine Volksanleihe.

Die dritte Kriegsanleihe soll eine Volksanleihe sein. Auch die kleinsten Ersparnisse sollen aufgebracht werden, um die große nationale Aufgabe, die siegreiche Beendigung des Krieges, zu ermöglichen. An diesem Ausgang ist jeder Deutsche, ganz gleich welchen Standes und welcher Vermögenslage, in hohem Maße interessiert; denn die Zukunft jedes Einzelnen hängt von dem Siege des Deutschen Reiches über seine Feinde ab. Die Reichsfinanzverwaltung ist darauf bedacht, auch die kleinsten Zeichner an den Vorteilen der Anleihe teilnehmen zu lassen. Sie hat deshalb in den Bedingungen der dritten Anleihe die Neuerung getroffen, daß auch

kleinere Beträge als 1000 nicht bis zum ersten Ein⸗

wird auch bereitwillig nähere Auskunft darüber erteilt. Wer seinen Beitrag in das Reichsschuldbuch übernehmen läßt, ge⸗

9898,80 Prozent, wovon noch die Stückzinsen abgehen. Dafür hat sich der Schuldbuchzeichner einer Sperre bis zum 15. Ok⸗ tober 1916 zu unterwerfen. Das ist eine Bedingung, die sich

ahlungstermin, dem 18. Oktober, voll beahlt zu werden sondern daß auch den Zeichnern solcher Beträge die ganze Einzahlungsfrist bis zum 22. Januar nächsten Jahres zugute kommt. Wer nur 100 zeichnen kann und sich diese Summe erst erübrigen muß, hat Zeit bis zum 22. Januar 1916, das heißt vom ersten Zeichnungstage an fast fünf Monate. Um die 100 aufzubringen, braucht er nur jeden Monat 20 zurückzulegen. Wer 300 zeichnet, hat erst am zweiten Zahlungstermin, dem 24. November, die erste Rate zu erlegen. Für den, der 500 nehmen will, kämen Teilzahlungen von 100, 100, 100, 200 in Betracht, während der Zeichner von 200 100 am 24. November und 100 am 22. Januar zu entrichten hätte. Natürlich sind aber auch frühere Zahlungen zu⸗ lassig ““ 2. ie kleinen und kleinsten Zeichner werden ihre Ersparnisse wohl in den meisten Fällen 2 der Sparkasse beeelberea Da die Sparkassen Anmeldungen zur Feichmmg übernehmen [ebenso wie die Kreditgenossenschaften), so ist diesen Zeichnern dringend zu empfehlen, sich in diesem Fall der Vermittlung der Sparkasse zu bedienen. Sie können dann darauf rechnen, daß ihnen die Sparkassen bezüglich des Verzichts auf die satzungs⸗ mäßigen Kündigungsfristen das größte Entgegenkommen zeigen werden. Und auf diesen Verzicht werden die Sparer meist an⸗ gewiesen sein, um sich an der Anleihe beteiligen zu können. Wer von seinem Sparkassenguthaben Gebrauch machen, aber eine andere Zeichnungsstelle aufsuchen will, muß sich vorher vergewissern, ob die Sparkasse auch dann auf die Einhaltung der Kündigungsfrist verzichtet.

Der Sparer, der Anleihestücke erhält, muß für deren Ver⸗ waltung, d. h. für sorgfältige Aufbewahrung der Anleihetitel und der Zinsbogen und für die Einkassierung der Zinsen sorgen, sei es, daß er diese Aufgabe selbst übernimmt, oder sie einer dafür geeigneten Stelle (Bank, Sparkasse, Genossenschaft usw.) gegen Entgelt überträgt. Wer aber jeder Sorge um die Ver⸗ waltung und um die Einziehung der Zinsen enthoben sein will, dem bietet die Benutzung des Reichsschuldbuches den besten Ausweg. Da braucht man kein Bankdepot und kein feuer⸗ sicheres Versteck im eigenen Hause. Man hat die bequemste Unterkunft für den gezeichneten Anleihebetrag, eine kostenlose Aufsicht und die selbstütige Erledigung des Zinsendienstes. Ins Reichsschuldbuch kann jeder durch hundert teilbare Betrag, von 100 an aufwärts, eingetragen werden. Die Ein⸗ tragung erfolgt gebührenfrei. Für die Schuldbuchzeichner werden besondere Zeichnungsscheine (auf rotem Papier) aus⸗ gegeben, die zugleich die Angaben enthalten, welche der Zeichner machen muß, damit die Eintragung in das Schuldbuch bewirkt werden kann. Die Anmeldungen zum Reichsschuldbuch werden bei jeder Zeichnungsstelle (Reichsbankanstalt, Bank, öffentlichen Sparkasse, Lebensversicherungsgesellschaft, Kreditgenossenschaft, desgleichen bei der Post) angenommen, und bei jeder dieser Stellen

nießt den Vorzug eines billigeren Preises: für je 100 werden 20 weniger berechnet als bei den Zeichnungen auf Stücke. Der Kurs beträgt also nicht 99, sondern nur

anz von selbst versteht, denn das Reichsschuldbuch soll nur der Sparer benutzen, der nicht die Absicht hat, schon bald wieder über das angelegte Geld zu verfügen. Die Zinsen werden dem Schuldbuchgläubiger entweder durch die Post ins Haus geschickt, und zwar schon zwölf Tage vor dem Fällig⸗ keitstermin, oder auf seinen Antrag der Sparkasse oder Kredit⸗ genossenschaft überwiesen. So kann sich das Sparkassenbuch allmählich von selbst wieder um den Betrag ergänzen, der für die Zeichnung auf die Kriegsanleihe abgehoben wurde. Niemand darf sich hinter die Meinung verstecken, es komme auf seine hundert oder zweihundert Mark nicht an, damit auch die dritte Kriegsanleihe den gleichen gewaltigen Erfolg habe wie ihre Vorgängerin. Gerade die kleinen und kleinsten Be⸗ träge haben das Fundament zusammengesetzt. Bei der ersten Kriegsanleihe sind 147 Millionen Mark durch 473 000 Zeich⸗ nungen auf Einzelsummen von 100 bis 500 aufgebracht worden; bei der zweiten Kriegsanleihe aber hatte sich die Zahl dieser Zeichner um nicht weniger als 560 000 vermehrt, und die Kapitalsumme war um 178 auf 325 Millionen Mark ge⸗ wachsen. Wenn ein solches Riesenvermögen von den kleinsten Sparern aufgebaut werden konnte, so darf man wohl erwarten, daß die dritte Kriegsanleihe, bei der die Voraussetzungen des Erfolges (die militärische und wirtschaftliche Ueberlegenheit) noch größer sind, als sie im März 1915 waren, erst recht eine wahre Volksanleihe sein wird. Beträge von 100 bis 2000 waren bei der zweiten Ausgabe von mehr als zwei Millionen einzelnen Zeichnern angemeldet worden; sie ergaben eine Summe von 1662 Millionen Mark. Das sind Taten, auf die das deutsche Volk stolz sein darf; denn die feindlichen Nationen

schaft aufzubringen. Es sind noch reichliche Ersparnisse vor⸗ handen, die nicht in fünfprozentiger Reichsanleihe angelegt sind. Die Zeichnungen der deutschen Sparkassen und ihrer Einleger haben zur ersten Kriegsanleihe 884, zur zweiten 1977 Millionen beigetragen. Das sind zusammen 2861 Millionen oder etwas über 14 Prozent ihrer Gesamteinlagen. Und die Neueinzahlungen sind so reichlich gewesen, daß die von den Kriegsanleihen auf⸗ gezehrten Gelder bereits fast vollständig wieder ersetzt wurden.

Wer aber kein bares Geld und keine Ersparnisse mehr zur u532 hat, wohl aber Wertpapiere besitzt, der kann mit Hilfe der Darlehnskassen sich die Mittel zur Beteiligung an der Anleihe neschaffan Die Darlehnskassen nehmen z. B. staatliche und Reichsanleihen, also auch die Stücke der Kriegs⸗ anleihen zu 75 Prozent des Nominalwertes als Pfand. Wer für 1000 der zweiten Ausgabe 985 gezahlt hat, bekommt darauf bis zu 750 geliehen und kann nun zwei Stücke von je 500 und 200 der dritten Anleihe dazu kaufen. Die Kosten dieses Darlehens sind ganz unbedeutend. Sie betragen gegenwärtig, als Ausnahmebedingung, 5 ½¼ Prozent fürs Jahr. Auf 700 also 36,75 ℳ. Da Stücke von zu⸗ sammen 700 35 Zinsen jährlich tragen, so sind fürs ganze Jahr nur 1,75 zuzuzahlen. Um diese Summe verringert sich natürlich, je rascher das Darlehen zurück⸗ gezahlt wird. Auf den Monat berechnet, machen die Kosten nur rund 15 aus! Die Darlehnskassen gewähren die Mög⸗ lichkeit, daß man sich, ohne ein Papier verkaufen zu müssen und ohne im Besitz baren Geldes zu sein, die dritte Kriegs⸗ anleihe zulegen kann. Man gewinnt für einen ganz geringen Kostenaufwand die Zeit, sich aus seinen regelmäßigen Ein⸗ nahmen oder aus einem besonderen Ertrag, der vielleicht erst später fällig wird, die Mittel zum Erwerb der neuen Anleihe zu verschaffen. Die Beanspruchung der Darlehnskassen setzt aber allerdings in der Regel voraus, daß man darauf rechnen kann, das Geld für die Tilgung des Darlehens und für die Einlösung der verpfändeten Schuldverschreibungen in absehbarer Zeit aufzubringen. Der Zweck dieser Aushilfe besteht im all⸗ gemeinen nicht darin, daß die Pfänder oder die Kriegsanleihe später verkauft werden. 88 8

Bedeutsame Widersprüche in der englischen Beurteilung des U-Krieges.

Es mag zunächst eigentümlich erscheinen, daß in England gerade die Erörterung über die Lage und Aussichten der englischen Land⸗ wirtschaft zu einer Erörterung der U-Bootgefahr geführt hat. Der Zusammenhang ist aber für den Kenner englischer Verhältnisse ohne weiteres klar. Seit Jahren versuchen gewisse Kreise der englischen Landwirtschaft für eine Wiedereinführung von Ge⸗ treidezöllen Stimmung zu machen. Der Krieg hat in Eng⸗ land eine außerordentliche Weizenpreissteigerung zur Fosge gehabt, die durchaus nicht allein etwa auf ein Steigen der Weltmarkipreise zurück⸗ zuführen ist, sondern vor allem auf die Verteurung und die a He⸗ keiten der Versendung überseeischen Getreides nach England; so kommt es, daß heute der englische Weizenpreis um etwa 90 die Tonne über dem amerikanischen steht, während, was zur Ver⸗ anschaulichung hinzugefügt werden soll, unser Weizenzoll in Friedens⸗ zeiten 55 die Tonne beträgt. Es ist ohne weiteres verständlich, daß unter diesen Umständen die Vertreter der englischen Landwirt⸗ schaft weit besser als früher in der Lage sind, für eine Erhöhung der englischen Weizenpreise Stimmung zu machen, indem sie gleichzeitig auf die Bedeutung einer größeren Selbst⸗ versorgung Englands mit Getreide hinweisen. Damit wird aber zu⸗ gegeben, daß England durch den Krieg bezüglich seiner Nahrungs⸗ mittelversorgung in eine schwierige Lage geraten ist, und dieses Zu⸗ geständnis wiederum paßt nicht recht zu der Behauptung, daß England nach wie vor die Herrschaft über die See ausübe. Daß es selbst für englische Minister nicht immer leicht ist, zwischen diesen Widersprüchen hindurchzulavieren, zeigt die Rede, die Lord Selborne jüngst vor land⸗ wirtschaftlichen Verbänden gehalten hat. Er beteuerte zwar, daß die englische Flotte die Bedrohung durch Unterseeboote zu meistern imstande sei, mußte aber auf der anderen Seite zugeben, daß gerade die Untersee⸗ bootsgefahr eine völlige Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse in England herseccgesne habe. „Ich kann meiner Meinung“, so er⸗ klärte er nach der „Times“ wörtlich, „nur dahin Ausdruck geben, daß die ganze Frage der landwirtschaftlichen und ökonomischen Maß⸗ nahmen unserer eigenen Nahrungsmittelerzeugung angesichts unserer Unterseebooterfahrungen revidiert werden muß.“ Wenn man bedenkt, daß nach einer jahrelangen Agitation der gering⸗ fügige Weizenzoll von 1—2 sh. für das Quarter sich in England nicht durchsetzen konnte, so wird man verstehen, daß der von den englischen Landwirten jetzt bis zum Jahre 1920 geforderte Mindest⸗ preis von 45 sh. für das Quarter, der etwa 10—15 sh. für das Quarter höher ist als der normale Friedenspreis, etwas ganz Außergewöhnliches bedeutet. In dem Leitartikel, überschrieben „Unsere Nahrungsmittelversorgung“, den die „Times“ unmittelbar an die Rede des Lord Selborne anschließt, wird eben⸗ falls der Versuch gemacht, die Bedeutung der Unterseebootaktion Deutschlands gegen England wv und es wird hierbei an jüngst veröffentlichte Ziffern über die Vernichtung englischer Tonnage angeknüpft, um den verhältnismäßig „geringen“ Einfluß unserer U⸗Boote auf den englischen Außenhandel zu beweisen. Hierbei wird nur vergessen, daß der Einfluß unserer Unterseeboote sich nicht nur allein in der Vernichtung von Frachtraum und Waren äußert, sondern

haben nicht vermocht, solche Beweise der finanziellen Bereit⸗

vor allem auch in der Erzeugung einer Unsicherheit um Englands

Küsten, die ständig auf eine Verteuerung der Fracht und eine Erschwerung der Zufuhr hinwirkt. Mit der Angabe, daß nur soundsoviel Prozent des gesamten Schiffsverkehrs von der Torpedierung getroffen worden sei, wird nicht die Befürchtung jedes Einzelnen beseitigt, da vielleicht gerade er oder das ihm gehörige Schiff oder die ihm gehörige Ladung ein Opfer des Krieges werden könne. Wie gefährlich die Nichtanerkennung dieses Umstandes werden kann, muß jetzt die „Times“ selbst zugeben, wenn sie schreibt: „Das Publikum ist im allgemeinen gelehrt worden, die Unterseeboote gering einzuschätzen und dies war nicht immer weise, wie z. B. im Falle der „Lusitania“; wäre die Gefahr ernster genommen worden, so wären weniger Leben verloren gegangen“. Also wiederum ein Widerspruch: denn, wenn wirklich die Statistik der Schiffsverluste so „beruhigend“ wirkte, warum dann noch die Mahnung, in Zukunft die 0. Bootgefahr „ernster“ zu nehmen? Die Bedenken, welche die Unsicherheit zur See dem Einzelnen einflößt, haben sich aber in deutlicher Weise auch auf diejenigen übertragen, welche die verantwortlichen Leiter der gesamten englischen Wirtschaftspolttik sind.é Sie können nicht meh von der vor dem Kriege so laut gepriesenen Sicherheit der englischen Schiffahrt sprechen, ohne sich in eigene Widersprüche zu verwickeln. Denn in dem Zugeständnis einer so starken Gefährdung durch U⸗Boote, daß auch für die Sen gas. eine allgemeine Um⸗ wälzung der volkswirtschaftlicheu Verfassung Englands als not⸗ wendig befunden wird, liegt eine positive Anerkennung des Erfolges unserer Seewaffen. .“ 88

111“

8 8 8

Konkurse im Auslande.

8 Rumänien.

Botosanit: Burah Bercovici, Strada ist in Konkurs erklärt worden.

8

8 * Hinsichtlich der in den Bedingungen der dritten Kriegs⸗ anleihe vorgesebenen Unkündbarkeit bestehen, wie eine Mitteilung des „W. T. B.“ aus Berlin besagt, noch immer in weiten Volkskreisen irrtümliche Vorstellungen. Es wird vielfach an⸗ genommen, daß vor dem 1. Oktober 1924 ein Verkauf der Schuld⸗ verschreibungen nicht angängig sei. Dem gegenüber kann nur immer wieder betont werden, daß die fragliche Bedingung gerade im Interesse des Zeichners gelegen ist, dem dadurch eine unge⸗ störte 5 proz. Verzinsung während eines Zeitraumes von wenigstens 9 Jahren gewährleistet ist. Andererseits wird durch die Unkündbarkeits⸗ klausel niemand verhindert, auch schon vor dem 1. Oktober 1924 durch Verkauf oder Verpfändung über die Stücke zu verfügen.

Laut Meldung des „W. T. B.“ betrug die Bruttoeinnahme der Canadian Pacific⸗Eisenbahn in der vierten Augustwoche 2 656 000 Dollar (124 000 Dollar weniger als im Vorjahre).

St. Petersburg, 5. September. (W. T. B.) Bankausweis. In Millionen Ruhbel. Aktiva: Bestand an Gold 1585,7 (1585,4 Vor⸗ woche), Gold im Ausland 52,2 (70,8), Silber u. Scheidemünzen 31,8 (36,7), Wechsel 403,5 (382,4), kurzfristige Schatzscheine 2439,9 2368,7), Vorschüsse, sichergestellt durch Wertpapiere 550,9 (536,1), Vorschüsse, sichergestellt durch Waren 52,8 (50,4), Vorschüsse an Anstalten des kleinen Kredits 103,1 (100,1), Vorschüsse an Land⸗ wirte 23,4 (23,3), Vorschüsse an Industrielle 9,2 (9,9), Guthaben bei den Ftlialen der Bank 149,4 (242,1); Passiva: Betrag der um⸗ laufenden Noten 4101,4 (4092,3), Bankkapital 55,0 (55,0), Ein⸗ lagen 27,4 (28,6), laufende Rechnung des Staatsschatzes 210,2 (229,6), laufende Rechnung der Privaten 788,8 (777,600h.

““

8 Berlin, 8. September. Produktenmarkt. Der Markt war geschäftslos.

Kursberichte von auswärtigen Fondsmärkten.

London, 6. September. (W. T. B.) Privatdiskont 4 11⁄16 Silber 231 ⁄½163. Bankausgang 1 700 000 Pfd. Sterl.

Paris, 7. September. (W. T. B.) 3 % Französische Rente 68,50, 4 % Span. äußere Anleihe 87,50, 5 % Russen 1906 88,00, 3 % Russen von 1896 —,—, 4 % Türken 59,75, Suezkanal —,—, Rio Tinto 1515.

Amsterdam, 7. September. (W. T. B.) Tendenz: Markt rubhig. Scheck auf Berlin 50,12 ½ 50,62 ½, Scheck auf London 11,49 bis 11,59, Scheck auf Paris 41,55 42,05, Scheck auf Wien —,—, 5 % Niederländische Staatsanleihe 102 ½½, Obl. 3 % Niederl. W. S. 76 ⁄16, Königl. Niederländ. Petroleum 510, Holland⸗Amerika⸗ Linie —,—, Niederländisch⸗Indische Handeisbank 173 ¼, Atchison, Topeka u. Santa 101 15⁄16, Rock Island ½, Southern Pacific 90 ½, Southern Railway 16 ¼, Union Pacisiec 131 v⅞, Amalgamated 74 ½ United States Steel Corp. 73 ½.

Kursberichte von auswärtigen Warenmärkten.

London, 3. September. (Mark Lane.) (W. T. B.) Zufuhren: Weizen 310 Qrs., Gerste 320 Qrs., Hafer 300 Ors., Imports

62 590 Qrs., Mehl 3010 Sack. London, 6. September. (W. T. B.) Kupfer prompt 66. 8 181,185. 6. September. (W. T. B.) Roheisen für Kasse Amsterdam, 7. September. (W. T. B.) Java⸗Kafsee ruhig, loko 50. Santos⸗Kaffee für September 43 ½, für De⸗ zember 43 ½, für März 40 ⅞. b Amsterdam, 7. September. (W. T. B.) Oele notizlos 8

1. Untersuchungssachen. 9 2. erlust⸗ und Fundsachen, Zustellungen u. dergl.

3. Verkäufe, Verpachtungen, Verdingungen ꝛc.

4. Verlosung ꝛc. von Wertpapieren.

5. Kommanditgesellschaften auf Aktien u. Aktiengesellschaften.

2

Anzeiger.

Anzeigenpreis für den Raum einer 5 gespaltenen Einheitszeile 30 ₰.

. Erwerbs⸗ und Wirtschaftsgenossenschaften. . Niederlassung ꝛc. von nlaegenofsegsche . Unfall⸗ und Invaliditäts⸗ ꝛc. Versicherung. Bankausweise.

10. Verschiedene Bekanntmachungen.⸗

1) Untersuchungssachen.

[37312] Steckbrief.

Gegen den unten beschriebenen Land⸗ hierher abzuliefern. sturmmann Rudolf Koch II. der 5. Kom⸗ pagnie Reserveinfanterieregiments 212, 1 m 60 cm, Statur: schl welcher flüchtig ist und sich verborgen dunkel, Mund: gew, Nase:

ersucht, ihn

hält, ist die Untersuchungshaft wegen gew., Sprache: deutsch. Kleldung: F.

Fahnenflucht vor dem Feinde everhängt. graue Infanterieuniform. Es wird ersucht, ihn zu verhaften und an D. St.⸗Qu. Zarren, d. die nächste Militärbehörde zum Weiter⸗ transport hierher abzuliefern. Beschreibung: Alter: 27 Jahre, Größe: m 62 cm, Statur: klein, Haare: rotblond, Mund: gew.,

[37308] Steckbrief.

Kinn:

gew., Nafe: gew, Bart: rötlicher Schnurr⸗ der 5. Komvpagnie Reserveinfanterieregi. Militärbehörde zum Weitertransport hier⸗ und Spitzbart, Sprache: deutsch. Kleidung: ments 212, welcher flüchtig verborgen härt, ist die Untersuchungshaft

feldgraue Infanterieuniform. D. St⸗Qu. Zarren. d. 2. 9. 15. Gericht der 45. Reservedivision. [37307] Steckbrief. Gegen den unten beschriebenen Landsturm⸗

mann Otto Karl Albert Wolf der 5. Kom⸗ 1 m 68 cm, Statur: b pagnie

hängt.

Beschreibung: Alter: 26 Jahre, Größe:

Gericht der 45. Reservedivision.

untersett. Gegen den unten beschriebenen Ersatz, dem Feinde verhängt. di, reservisten Friedrich Wixhelm Eggert ihn zu verhaften und an die nächste

wegen Fahnenflucht vor dem Feinde ver⸗ ,1 m 64 cm, Es wird ersucht, ihn zu verhaften Typ, Mund: gew, Nase: gew, Kinn:

und an die nächste Militärbebörde zum gew., Haare: dklblond., Sprache: deutsch. (37306] Weitertransport hierher abzultefern. Beschreibung: Alter: 31 Jahre, Größe: trägt Brille.

Reserveinfanterieregiments 212, Haare dunkelblond, Bart: starker Schnurr⸗ welcher flüchtig ist und sich verborgen hält, bart, Nase: gew., Kinn: spitz, Mund:

ist die Untersuchungshaft wegen Fahnen⸗ breit, Sprache: deutsch. Besondere Kenn⸗ [37313] flucht vor dem Feinde verhängt. zu verhaften und an die graue Infanterieuniform. nächste Militärbehörde zum Weitertransport

Es wird zeichen: leichte O Beine. Kleidung: feld⸗

1915. Gericht der 45. Reservedivision.

ank, Haare:

gew, Kinn: (37311] Steckbrief. Gegen den unten beschriebenen Gefreiten

hängt.

2. 9 1915. Reserveinfanterieregts. 212, welcher flüchtig

ist und sich verborgen hält, Untersuchungshaft wegen Fahnenflucht vor

ist und sich her abzuliefern. Beschreibung. Alter: 26 Jahre, Größe: Statur: normal, jüdischer

Besondere Kennzeichen: sehr kurzsichtig,

reitschulterig, fanterieuniform. D. St.⸗Qu Zarren. d. 2 9. 1915. Gericht der 45. Reservedivision.

11u¹““

die nächste Militärbehörde zum Otto Kar! Benno Wendt der 5. Komp. escgrabevrt hisrber zeb ellefereg g, E. 1 m 74 cm, Statur: schlank, roman Typ, gerzi denbe e

ew., Nase: Adlernase, Bart: gest. Schnurr⸗

Es wird ersucht, 8 Sprache: deutsch, Kleidung: feld⸗ [3723101 graue Infanterieuniform. 4

D.⸗St.⸗Qu. Zarren, den 2. 9. 1915. 8 Gericht der 45. Reservedivifion. ketier Bernhard Chbel der 5. Kom⸗

Steckbrief. . Gegen den unten beschriebenen Land⸗ sucht, ihn zu verhaften und an die nächste Kleidung: feldgraue In⸗ sturmmann Carl August Willy Marker der Militärbehörde zum Weitertransport hier⸗ 5. Komp Reserveinfanterieregiments 212, her abzuliefern.

welcher flüchtig ist und sich verborgen hält, ist die Untersuchungshaft wegen

Steckbrief. flucht vor dem Feinde verhängt. Es wiro

Gegen den unten beschriebenen Unter⸗ ersucht, ihn zu verhaften und an die nächste 4 offizier Ernst Jakob Heinrich Wilcken Militärbehörde zum Weitertransporthierher D. St.⸗Q Zarren, den 2. September der 5. Komp. ments 212, welcher flüchtig ist und sich vverborgen hält, ist die Untersuchungshaft 1 m 68 cm, Statur: kraftig, Haare: wegen Fahnenflucht vor dem Es wird ersucht, ihn zu verhaften lich, Nase: gewöhnlich, Bart: Anflug von

Reserveinfanterieregi⸗ abzultefern. Beschreibung: Alter: 26 Jahre, Größe:

Feinde ver⸗ blond, Mund: gewöhnlich, Kinn: gewöhn⸗

Schnurrbart, Sprache: deutsch. Kleidung: feldgraue Infanterieuniform. D.⸗St.⸗Qu. Zarren, den 2. 9. 1915. Gericht der 45. Reservedivision. 8

Steckbrief.

Gegen den unten beschriebenen Mus⸗ pagnie Reserve⸗Infanterie⸗Regiments 212, welcher flüchtig ist und sich verborgen hält, ist die Untersuchungshaft wegen Fahnen⸗ flucht vor dem Feinde verhängt. Es wird er⸗

Beschreibung: Alter: 21 Jahre, Größe: ahnen⸗ 1 m 64 cm, Statur: breit, Haare: dunkel,

11“ 3öe 8