1916 / 112 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 12 May 1916 18:00:01 GMT) scan diff

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und ob eine strafrechtliche Verurteilun ser 1 b möglich annehmen lasse. Diese Voraussezung der Kommission als zutreffend an und ging deshalb weiter zur Ent⸗ scheidung darüber über, ob die Verhältnisse es rechtfertigen auch dieser ernsten Beschuldigung gegenüber von der Berechtigun des Artikels 31 Absatz 2 der Reichsverfassung Gebrauch zu e das heißt Einstellung des Verfahrens und Aufhebung der Haft zu verlangen Die Anschauungen mxangen auseinander. Man war sich einig bat

Von St.2 b 8 ird folgende Mitteil Varlamentsbericht.) Von St. Petersburger Blättern wird folgende Mitteilung Deutscher Heichstag⸗

des Pressebureaus, betreffend den Transport der serbi⸗ 6. Sitzung vom 11. Mai 1916, Nachmittags 3 Uhr.

schen Truppen 838. 1X1“ 8— - it bisber d 9 1 n 1 EEeeeTTö11’” Am Tische des Bundesrats: Staatssekretär Dr. Lisco. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um

naten bestanden hat, seit die Kaiserliche Regierung am 4. Februar 1915 ihre jetzt glücklicherweise aufgegebene Unterseebootpolitik ankündigte. ie Regierung der Vereinigten Staaten hat sich in ihren geduldigen Bemühungen um einen freund⸗ schaftlichen Ausgleich der aus jener Politik erwachsenen kritischen ragen, welche die guten Beziehangen zwischen den beiden Ländern o ernst bedrohten, beständig durch Beweggrönde der Freund⸗ schast leiten und zuruchhalten lassen. Die Regierung der

Rebellen befinden, wurde inmitten von mit Minen besäten Gewässern durchgeführt und ohne Zwischenfall zu Lande und zu Wasser bewerkstelligt.

Kriege in sich bergen kann; das deutsche Volk wäre kein Kulturvolk nwenn es nicht die Sehnsucht hätte, dem Meere von Blut, das sich über Fin Welt ausbreitet, zu entrinnen. Aber wir sind entschlossen, solange Frieden, den wir haben wollen, nicht erzielen können, unser g erland weiter zu verteidigen, um es zu erhalten und zu sichern. Das ist die Stimmung des deutschen Volkes, und diese Stimmung kann durch ein Blatt Papier nicht erschüttert werden. Wenn dem so ist, ist

Truppen durch Grtiechenland ihre Zustimmung nicht erteilt. Die griechische Regierung begründet ihre Weigerung mit der Befürchtung vor der Einschleppung von Seuchen und damit, daß der Transport

Der Krieg zur See. London, 11. Mai. „Lloyds“ melden aus

und Deutschland bestehenden Beztehungen beseltigen wird. Die Re⸗

Landesgrenzen bedingt, so insbesondere für das in Stadt und Land den

„n .

aber auch das Band,

werden Regie ung und Kammer gemeinsam und zielbewußt zum Besten des Landes, dem wit alle dienen, zum Segen unserer engeren Heimat

Kammer statt, bei dem der Statthalter eine Ansprache hielt,

8 nähernd vollwertigen Ausgleich zu schaffen für körperliche und seelische erduldet worden sind. So müssen wir um so mehr darauf bedacht

sein wirken,

auf unverteidigte Ortschaften, oder durch die militärisch völlig zweck⸗ lose Beschießung weit hinter der Front gelegener Städte und Dörfer

undergleichlichen druck und sagte:

erlegen pflegt?“ unserem Kaiser bald beschieden sein möge, mit dem Schwerte einen ruhmvollen Frieden zu dikrieren, bitte ich Ausdruck zu geben durch den

Stamm, dem es seit 45 Jahren angehöre und an dessen Wachstum

funden.

* Aufeuf mitunterzeichnet hälten, erschossen werden würden. Er gab

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Vereinigten Staaten wird sich darauf verlassen, daß die jetzt g⸗ änderte Polzzik der Ka serlichen Regierong hinfort eine gewissen⸗ hafte Ausführung finden wird, die die hauptsächtiche Gefahr für e ne Unterbrechung der giten, zwischen den Vereintgten Staaten

gierung der Vereinigten Staaten bäst für notwendia, zu erklären, daß sie es für ausgemacht ansieht, daß die Kaiserliche Regierung nicht beabsichtigt zu perstehen zu geben, daß die Aufrechterhaltung der neu⸗ ange kündigten Politzk in irgend einer Weise von dem Verlauf oder Ergebnis diplomatischer Verhandlungen zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und irgend einer anderen kriegführenden Regierung abhänge, obwohl einige Stellen in der Note der Kaiserlichen Regierunga vom 4. d. M einer soschen Auslegung fähig sein könnten. Um jedoch die Möglichkeit etnes Mißverständnisses zu permeiden, teitt die Reglerung der Vereinigten Staaten der Kaiserlichen Regierung mit, daß sie keinen Augenblick den Gedanken in Betracht ziehen, geschweige denn erörtern kann, daß die Achtung der Rechte amerikanischer Bürger auf der hohen See von seiten der deutschen Marinebehörden in irgend⸗ einer Weise oder in geringstem Grad von dem Verhalten irgendeiner anderen Regierung, das die Rechte der Neutralen und Nicht⸗ kämpfenden berührt, abhängig gemacht werden sollte. Die Verant⸗ in diesen Dingen ist getrennt, nicht gemeinsam; absolut, n relativ. .

Ich ergreife die Gelegenheit, um Euer Exzellenz die Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung zu erneuern.

gez. James W. Gerard.

Bener 1.ah Herrn von Jagow, Staatssekretär des Auswärtigen Amts.

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Der heufigen Nummer des „Reichs⸗ und Staatsanzeigers“ liegen die Ausgaben 973 und 974 der Deutschen Verlust⸗ listen bei. Sie enthalten die 11. Liste des Vermißten⸗ nachweises, die 528. Verlustliste der preußischen Armee, die 266. Verlustliste der hayerischen Armee und die 382. Verlust⸗ liste der württembergischen Armee. .“

Elsaß⸗Lothringen. Beim Kaiserlichen Statthalter Dr. von Dallwitz fand gestern abend ein Empfang der Mitglieder der Ersten

in der er laut Bericht des „W. T. B.“ u. a. ausführte:

„Es ist nach der Lage der Sache ausgeschlossen, einen nur an⸗ Qualen, wie sie von unseren verschleppten Landsleuten vielfach überall da auf tunlichst ausgiebige Schadloshaltung hinzu⸗ wo es sich um materielle Schäden handelt, wie sie leider nur zu häufig in unserem Lande zu verzeichnen sind, beispielsweise durch die fortgesetzten Fliegerangriffe, auch

Dank und Anerkennung gebühren denjenigen Bemwohnern des Landes, fuhr der Statthalter sort, die nun schon seit mehr denn eineinhalb Jahren die besonderen Lasten und Leistungen auf sich genommen und mwillig getragen haben, die die Kriegführung innerbalb der eigenen

einquatierten und durchmarschierenden Truppen, Kranken und Ver⸗ wundeten vielfach erwiesene Entgegenkommen“ Der Statthalter gab sodann der unermeßlichen Dankesschuld gegenüber unserem Heere und seinen genialen Fäahrern Aus⸗ „Gerade in unserer Westmark sollte und wird es doppelt dankbar empfunden werden, daß unserem La d zum weitaus größ ren Teile die Schreckn’sse blutiger Kämpfe innerhalb der eigenen Grenzen erspart geblieben siad. Was bedeutfen demgegenüber Opfer und Lasten, wie sie der K ieg nun einmal jedem Grenzlande aufzu⸗ Der Statthalter schloß: „Dem Wunsche, daß

Ruf: Seine Majestät der Kaiser hoch!’“ (Die Versammlung stimmte begetstert ein.) Der Präsident der Ersten Kammer Dr. Hoeffel sagte in

seiner Erwiderung: Elsaß⸗Lothringen fühle sich immer als Ast von dem großen

und Gedeihen es teilgenommen habe. Gewiß sei sein Name jung in der Geschichte, 45 Jahre seien eme kurze Spon e Zeit. Aber er glaube an kie Zakunft seines engeren Vaterlandes. Ais Glied des deutschen Orgautsmus set es immer stärker geworden und habe durch has gemeinsame Erleben des Krieges ein beredsames Zeugnis ge⸗ „Fester geschmiedet ist das Band, das Elsaß⸗Lothringen mit dem Stammlkande verbindet“, fuhr der Redner fort, „fester das uns mit dem größeren deutschen Von den Aurgaben der Zukunft unserer Heimat Die Zeit wird kommen, in der die Vorerst

Vaterlande einigt. merken wir heute noch nichts. Probleme, die sie in rhrem Schoße trägt, erörtert werden. wollen wir weiter mitbelfen an der endgültigen Entscheidung. Jeder

n seinem Platz, an den er gestellt sein mag. Dazu ist nötig: Feste Rube und feste Entschlossendeit. Einmütig wollen wir, Mitglierer

er Ersten Kammer des Land 8, in diesem Sinne Führer unseres Volkes sein! Unter der klarblick nden Leitung des Statthalters

weiteratbeiten.“

Großbritannien und Irland.

Einer amtlichen Meldung zufolge sind die kriegsgericht⸗ ichen Verhandlungen gegen die Aufständischen n Dublin abgeschlossen. Es wird jetzt gegen die in den Pro⸗ vinzen verhafteten Personen verhandelt werden. Im Unterhause lenkte der Nationalist Dillon die Auf⸗ merksamkeit auf die Hinrichtungen in Irland. Wte das „Reutersche Bureau“ berichtet, verlangte Dillon von der Regierung, daß die Hinrichtungen eingestellt werden und daß die Gerichts sitzungen in Zukunft öffentlich sein sollen, damit den be⸗ unruhigenden Berichten über das Auftreten der Militärbehörden ein Ende gemacht werde. Der Premierminister Asquith wies auf die schrecklichen, ehne Herausforderung begangenen und nicht zu entschuldigenden Missetaten hin, die durch die Aufständischen an Militär⸗

erionen und Bürgern begangen worden seten. Nicht weniger als 1315 Personen seien verwundet worden, wovon 304 gestorben sesen. Ferner erklärte Aequith, daß noch zwei Führer, die den revolutionären

gleschzeitig zu erfennen, daß darüber hinaus keine Hinzschtungen statt. sinden würden, und daß die Regierung die große Masse der Auf⸗ tändischen milde bebandeln würde. Er wies ferner auf den ungewöhn⸗ tand, der jetzt in Irland bestehe, bin und teilte unter lautem mit, taß er sofort nach Irlond abeureisen beabsichtige, um

der Truppen auf der schmalspurigen Eisenbahn Patras- Larissa allzu⸗ viel Zeit beanspruchen würde. grund der griechischen Regierung die KFurcht vor Deutschland ist. Die Verbündeten haben beschlossen, Griechenland zur Erfüllung ihrer Forderungen zu zwingen. Haltung der Verbündeten in dieser Frage entspricht dem Wunsche, die Pläne Griechenlands endgültig klarzulegen. Verbündeten haben Weisovng erhalten, im Einverständnis mit dem

Es ist jedoch klar, daß der Haupt⸗

Die energische Die Gesandten der Stabe der Truppen der Verbündeten in Griechenland vorzugehen.

Spanien.

Etwa 900 Deutsche aus Kamerun sind nach einer Meldung des „Daily Telegraph“ am 5. Mai in Madrid an⸗ gekommen. 5000 Eingeborene und eine Anzahl Europäer bleiben in Spanisch⸗Guinea. Hierzu bemerkt das „W. T. B.“, daß an zuständiger Stelle noch nichts über die Internierung der in Spanisch⸗Guinea ver⸗ bliebenen farbigen Angehörigen der Schutztruppe und die wahr⸗ scheinliche Zurücklassung von Offizieren oder Unteroffizieren zur Beaufsichtigung der Farbigen bekannt ist. Doch ist Vorsorge getroffen, daß möglichst umgehend Aufklärung über die Frage erfolgt sowie auch daß die Namen sämtlicher auf spanisches Gebiet übergetretenen Deutschen baldigst mitgeteilt werden. Bisher sind, wie bereits vor einigen Tagen mitgeteilt wurde, nur die Namen der übergetretenen Gouvernementsbeamten bekannt. Schweden. Die Leitung der sozialdemokratischen Partei hat eine Erklärung gegen die Sonderbestrebungen an⸗ genommen, die in der letzten Zeit innerhalb der Partei hervor⸗ getreten sind, indem ein Teil gegen die Führung der Partei Stellung genommen und sich der Zimmerwalder Politik angeschlossen hat. Wie „W. T. B.“ meldet, stellt die Partei⸗ leitung fest, daß eine neue Partei innerhalb der Grenzen der alten mit eigenen Organen, eigenem Vorstand und eigener Presse entstanden ist, die der alten Partei feindselig gegenüber steht, und mahnt zu kräftigem Widerstand gegen diese Sonderbestrebungen. Aus Anlaß dieser Erklärung gaben drei⸗ Mitglieder der Leitung, Parteisekretär Ström, Vennerstroem und Monsson, die alle Mitglieder des Reichstags sind, ihre Plätze innerhalb der Direktion auf. Zum Parteisekretär wurde Gustav Möller erwählt. Die Parteileitung hat auch eine Er⸗ klärung gegen die Bestrebungen der Zimmerwaldkonferenz er⸗ lassen. Sie erklärt darin, daß die anwesenden Schweden kein Mandat von der sozialdemokratischen Partei Schwedens gehabt haben. Norwegen.

Nach einer Meldung des „Norwegischen Telegraphen⸗ Bureaus“ sind sechs Mann von der Besatzung des Luft⸗ schiffes „L 20“ freigelassen worden. Wegen Fehlens besonderer völkerrechtlicher Bestimmungen für Luftschiffe haben die norwegischen Behörden es als ihre Pflicht betrachtet, den Regeln für die Schiffbrüchigen von Kriegoschiffen kriegführender Staaten zu folgen. In Uebereinstimmung mit dem Stand⸗ punkt, den sie bei früheren Gelegenheiten während des Krieges z. B. gegenüber den Engländern von den Dampfern „Weimar“ und „India“ eingenommen hatten, haben sie daher diejenigen Mannschaften, die gerettet und in privaten Fahrzeugen an Land geführt worden sind, freigegeben.

Amerika.

Nach der telegraphischen Uebermittlung der Note an Deutschland hat der Staatssekretär Lansing eine Er⸗ klärung erlassen, die, wie „W. T. B.“ meldet, folgendermaßen lautet:

Der größere Teil der deu’schen Antwort ist Angelegenhesten gewidmet, die die amerikanische Regierung mit der deutschen Regierung nicht erörtern kann. Die einzigen Rechtsfragen, die mit der deutschen Regierung erörte t werden können, sind diejen gen, die sich aus jhrer Handlunssweise oder aus unserer eigenen e geben, und in keinem Falle jene Fragen, w lche den Gegenstand diplomartischer Verhandlungen zwischen den Veremigten Staaten und irgend einem anderen Lande bilden. Der Kernpunkt der Pntwort ist, daß Deutschland unseren Vorstellungen bhinsichtlich der Rechte der Kauffahrteischiffe und Nichtkämpfer auf hober See nachgegeben und sich verrflichtet hat, die anerkannten Bestimmungen des Völkerrechts, durch welche der Seekrieg in bezug auf den Gebrauch der Unterseeboote gegen Kauffahrtei⸗ schffe geregelt wird, zu becbachten. Solange Deutschland diese veränderte Politik befolgt, haben wir keinen Grund zu Streitigkeiten mit Deutschland über diesen Gegenstand, ob⸗ gleich die Verluste im Zusammenhang mit der Verletzung ameri⸗ kanischer Rechte durch deutsche Unterseebootskommandanten unter Anwendung der früheren Politit noch geregelt werden mussen. Hingegen können unsere Differenzen mit Großbritannien nicht den Gegenstand von Erörterungen mit Teutschland bilden. Es soll festgestellt werden, daß wir in unseren Verhandlungen mit der bririschen Regierung so handeln, wie wir unzweifelhaft angesichts der klaren Vertraßspflichten mit dieser Regierung zu handeln verrfl’chtet sind. Wer haben Ver⸗ trageverpflichtungen bezüglich der Art und Weise, in welcher die zwischen beiden Regierungen bestehenven Streitigkeiten zu behandeln sind.

Asien.

Nach einer Meldung der „St. Petersburger Telegraphen⸗ agentur“ aus Teheran hat der türkische Untertan Djemal Bey einen Anschlag auf den österreichisch⸗ Beng asgeschon⸗ Gesandten Grafen Logothetti verübt. Der Gesandte

wurde nicht verletzt. Afrika.

Vorgestern sind nach einer Meldung des „Reuterschen Bureaus“ aus Kapstadt 26 Buren, die am Aufstand beteiligt waren, in Freiheit gesetzt worden, darunter der General Müller, Piet Grobler, van Broekhuizen und van Rensburg. 22 Aufständische befinden sich noch im Gefängnis, darunter der General Kemp und Wessel Wessels.

C1114““

Nr. 37 des „Zentralblatts der Bauverwaltung“, heraus⸗ gegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 6. Mai 1916 hat folgenden Inhalt: Amtliches: Dienstnachrichten. Nichtamtliches: Neue städtische Badeanstalten. I. Das Stadtbad in SePsburt Bruno Schmitz †. Tavid Gilly in Posen. Vermischtes: eier des 80. Geburtstages des Wur ichen Geheimen Rats, Ministerial⸗ und Oberbaudirekrors Dr.⸗Ing. Schröder. Staotsausschuß zur Ab⸗

poet mit den Miluär⸗ und Ziwilbehörden zu beraten und die Ver⸗ biltmisse in Irland für die Zukunft so zu regeln, daß alle Zrlands damit zufrieden sein würden.

Parteien 1 Wasserweg von Rorterdam nach See. Gustav Uhlmann f.

wendung von oußerg⸗wöhnlich hoben Sturmflutwasserständen in dem

3 ⁄¼½ Uhr.

Die Geschäftsordnungskommission hat über die beiden schleunigen Anträge Albrecht (Soz.) und Bernstein (Soz. Arb.⸗Gem.) auf Aussetzung des gegen den Abg. Dr. Liebknecht eingeleiteten Verfahrens für die Dauer der Sitzungsperiode und Aufhebung der über ihn verhängten Haft beraten und stellt beim Plenum den Antrag, beide Anträge abzulehnen.

Berichterstatter Abg. von Payer ffortschr. Volksp.): Die Ge⸗ schäftsordnungskommission hat bei Prüfung der beiden schleunigen Anträge zunächst an der Hand der ihr zur Verfügung gestellten Unter⸗ suchungsakten des Königl. Kommandanturgerichts Berlin gegen den Landsturmmann Karl Liebknecht wegen Kriegsverrats und anderer Vergehen den Tatbestand festgestellt. Am Abend des 1. Mai nach 8 Uhr fanden auf dem Potsdamer Platze Ansammlungen statt, zu denen sich etwa 200 Personen, meist jugendliche Personen, auch Frauen, eingefunden hatten. Nach der Schilderung der als Zeugen vernommenen Polizeibeamten und Unteroffiziere wurden, wie es in solchen Fällen üblich ist, die Ansammlungen an den Bürgersteigen von den Schutzleuten zurückgedrängt, und es wurde auch etwas gelärmt und geiohlt. Während die Polizeibeamten bemüht waren, den Vor⸗ platz des Fürstenhofes zu säubern, rief ein Mann aus dem Menschen⸗ knäuel mit lauter Stimme: Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung! Zwei Schutzleute faßten ihn an und führten ihn zur nächsten Polizeistation. Der Mann sträubte sich gegen die Abführung, indem er sich rückwärts bog, die Arme nach hinten schlug und die Füße gegen den Boden stemmte. Auf der Polizeistation wurde festgestellt, daß der Verhaftete der Abg. Dr. Liebknecht war. Am folgenden Tage wurde dann auf Veranlassung der Kriminalpolizei das Verfahren gegen ihn eingeleitet, nachdem durch eine Haussuchung ermittelt worden war, daß sich bei ihm über hundert Handzettel mit Einladungen zu einer Versammlung auf dem Potsdamer Platze und über 1300 Flug blätter mit dem Titel „Auf zur Maifeier“ vorgefunden hatten. Be⸗ seiner ersten Vernehmung vor dem Kriminalkommissar hatte Abg. Liebknecht sofort erklärt, daß die betreffenden Handzettel und Flug blätter ihm gehörten. Er hat auch zugegeben, daß sie zur Verbreitung bestimmt gewesen sind. Am Abend des 1. Mai habe er sich zum Potsdamer Platz begeben, um sich an einer Demonstration zu be⸗ teiligen. Er habe sich dort mit verschiedenen Gesinnungsgenossen ge troffen, deren Namen anzugeben er verweigere; er habe damit sein Ueberzeugung bekunden wollen, daß es Pflicht der Regierung sei, den Krieg zu beendigen, und daß es Aufgabe des Volkes sei, einen ent sprechenden Druck auf die Regierung auszuüben. Er hält sein Auf treten nicht für strafbar, vielmehr für eine Pflicht gegenüber den großen Massen des Volkes, wie auch der Bevölkerung der kriegführen den Staaten, in denen seine politischen Gesinnungsgenossen in gleichem Sinne wirken. Am 3. Mai wurden vom Gerichtsherrn zwei Haft⸗ befehle erlassen, die ich zur Kenntnis des Hauses bringe. (Der Bericht⸗ erstatter verliest diese Haftbefehle, die sich stützen auf die Delikte des Ungehorsams gegen getroffene militärische Anordnungen und weil der Verhaftete verdächtig ist, vorsätzlich während eines egen das Deutsche Reich ausgebrochenen Krieges, feindlichen Nächten Vorschub geleistet zu haben.) In dem eingeleiteten Er⸗ mittelungsverfahren fügte Abg. Liebknecht seinen früheren Erklärungen noch hinzu, er wolle nicht bestreiten, daß sein körperliches Verhalten, nachdem er von dem Schutzmann gefaßt worden sei, einen Verstoß gegen § 113 des Strafgesetzbuches (Widerstand) ergeben habe. Den Tatbestand des § 10 (Ungehorsam) hält er nicht für vorliegend Er habe persönlich die Handzettel und Flugblätter während der letzten Tage und auch am 1. Mai verteilt, jedoch nicht mehr am Abend dieses Tages auf dem Potsdamer Platz. Es ergibt sich hieraus also, daß nach der eigenen Angabe des Abg. Liebknecht er in den letzten Tagen des April und auch am 1. Mai, aber nicht mehr am Abend, Flus⸗ blätter und Handzettel zum 1. Mai verteilt hat. Wenn sich nun diese Vorgänge so abgespielt haben, so kann der Reichstag die Ver haftung des Abg. Liebknecht nicht beanstanden, da er bei Ausübung der Tat ergriffen worden ist. Darüber, daß auch gegenüber einem militärgerichtlichen Verfahren der Reichstag befugt ist, die Aufhebung des Strafverfahrens und der Haft zu verlangen, herrscht in der Kom⸗ mission Einmütigkeit. Für die Beurteilung des Falles kommen namentlich die §§ 89 des Strafgesetzzuches und verschiedene Para⸗ graphen des Militärstrafgesetzbuches in Frage. Es ist natürlich weder Aufgabe der Kommission noch Aufgabe des Reichstags, die rechtliche Würdigung des Ermittlungsverfahrens einer Nachprüfung zu unter⸗ ziehen oder überhaupt ein richterliches Urteil’ über die juristischen Folgerungen aus dem Tatbestand abzugeben, wenn es auch dem eirn⸗ zelnen Mitgliede selbstverständlich nicht verwehrt werden kann, sich über die Folgerungen und über den unbestrittenen Tatbestand per⸗ sönlich ein Urteil zu bilden und auszusprechen. Die Kommission hat deshalb auch keine Stellung zu diesen juristischen Fragen genommer, und sie konnte darauf um so leichter verzichten, als man im allgemeinm der Ansicht zuneigte, daß, verglichen mit der Tragweite des Ver⸗ breitens der Flugzettel, die anderen Delikte ganz in den Hintergrund zu treten haben. Die Handzettel sind ohne weitere Bedeutung. Se enthalten die Aufforderung, wer gegen den Krieg ist, der ersckeim am 1. Mai, Abends 8 Uhr, auf dem Potsdamer Platz. Eine Ver⸗ lesung des Aufrufes hier in diesem Hause würde ihm nach außen bin die denkbar größte Verbreitung geben. Die Kommission hat eire solche Verlesung um so weniger für angängig erachtet, als eme solche Verlesung in der Fommeissioh selbst verkraulich stattgefunde hat und so eine große Anzahl von Mitgliedern dieses Hauses dimke oder indirekt persönlich Kenntnis von dem Wortlaut genommen bat. Der Aufruf, soweit sein Inhalt ohne Schädigung des br zum Vortrag gebracht werden kann, nimmt die Maifeier zum Anlaß. um in der schärfsten Form für den Krieg und die in seiner Folge ar⸗ tretenden Schädigungen nicht unsere auswärtigen Feinde, sondern eie Reihe von einheimischen Ständen und Erwerbszweigen und b. Herrschsucht der Regierung verantwortlich zu machen. Er forder dann die Arbeiter und Frauen auf, den Fluch des Krieges und ls Verbrechen des Menschenmordens nicht weiter zu tragen. Das Doer müsse ein Ende machen. Ueberall in Deutschland und in feindlicen Ländern müssen die Arbeiter die Fahne des Klassenkampfes ergretter Die Arbeiter und die Frauen werden dann weiter aufgefordert, der Maifeiertag zum Protest gegen die imperialistische Metzelei zu er⸗ stalten. Es wird dann aufgefordert zum Kampf gegen unsere Fcinde, nicht etwa gegen unsere Kriegsgegner, sondern gegen die deutscher Junker, die Kapitalisten und deren geschäftsführenden Ausschuß dr deutsche Regierung. Diese Aufforderung ist, das muß ich persceue⸗ hinzusetzen, in einem ungewöhnlich leidenschaftlichen und Tone gehalten. In einer Zuschrift an die Königl. Kommandma⸗e vom 4. Mai führte dann Liebknecht in längeren Ausführungen2

daß seine Rufe „Nieder erun seien, daß er die gesamte Politik der Regierung als verder lich e die große Masse der Bevölkerung brandmarken wollte und sce Klassenkampf: für die Pflicht reine jegen⸗Vertreters“ proletan Interessen ansehe. Dies sei die heilige Pflicht eines jeden Soniahe

8 huhs 2

der Reichstag in einem solchen Falle in erster Linie zu prüfen ob der Antrag ernstlich gemeint und mit

*) Ohne Gewähr, mit Ausnahme der Reden der Minister 2

Staatssekretäre.

au seinen Konklusionen gekommen ist, obwohl ich dazu nicht komme.

unterdrücken.

Reiches but

. b „„ 10 de 8 8 usg En. mit der Regierung!“ dahin hina üs r

Die Kommission ging im allgemeinen von den Erwägungen vuns, n Nachdruck begründet fre

das Verhalten des -g. Liebknecht hier im Hause selbst selbstverständ⸗ lich ohne jede Einwirkung auf die Entschließung des Hauses sein werde. Den in den beiden schleunigen Antragen zum Ausdruck ge⸗ kommenen Auffassungen gegenüber sprach sich die Mehrheit bie ohnedies schon zum Teil auf Grund des von ihren Vertretern Ser zwei Tagen aus den Akten ersehenen Materials bereit gewesen ohne Kommissionsberatung die beiden schleunigen Anträge . sehnen, dagegen aus, daß der Reichstag in diesem Falle von seiner Befugnis Gebrauch machen solle. Man war sich klar darüber, daß man in einem solchen Falle auch zu untersuchen habe ob wirklich das Haus und damit die Allgemeinheit ein so großes Interesse 8 der Mitarbeit des betreffenden Mitgliedes habe, daß man darum die große Verantwortlichkeit auf sich nehme, der Gerechtigkeit in den [Arm zu fallen. Die Verfehlungen des Abg. Liebknecht seien so groß⸗ daß davon keine Rede sein könne. Man müsse auch be⸗ denken, wie solche Dinge auf das Ausland wirken. Sie bedeuten eine ernste Gefahr für das Vaterland. Die Verfehlungen des Abg. Liebknecht seien so schwer, daß dagegen die bisher geübte milde pragis nicht aufrechterhalten werden dürfe. Diese bedeute noch lange eine Verpflichtung des Reichstags, stets so zu handeln. Dies nge auch deshalb nicht an, weil wir uns jetzt mitten in einem Kriege befinden. In anderen späteren Fällen könne der Reichstag ja wieder zu seiner alten Praxis zurückzukehren. Außerdem läge doch auch eine große Verantwortlichkeit vor, wenn man dem Abg. Liebknecht der es ür seine Pflicht erklärt, seine Anschauung noch weiterhin rücksichts⸗ os zu vertreten, dadurch, daß man ihn seinen Richtern entziehe künstlich Gelegenheit verschaffen würde, seine Verfehlungen auch zu seinem eigenen Schaden bei nächster bester Gelegenheit zu wieder⸗ holen. Dazu sei die Sache doch viel zu ernst. Von diesen Er⸗ ägungen im allgemeinen ausgehend, kam die Kommission mit 10 gegen 4 Stimmen zu dem Antrag, die beiden schleunigen Anträge abzulehnen. Ich habe namens der Kommissionsmehrheit und der Kommission diesen Antrag der Kommission zur Annahme zu g. Dr. Landsberg (Soz.): Die Annahme 8 An⸗ trages würde einem Brauch des Reichstages 8 ann einen Fall in der parlamentarischen Geschichte Deutschlands, daß

es dann klug, den 8 zu erwecken, als ob der Deutsche Reichs⸗ tag einer aufgeregten Agitation irgendwelche politische SS bei⸗ Wie Wie kann si

jemand einbilden, durch eine Demonstration auf dem Potsdamer lich durch ein Flugblatt in die Geschicke der Welt eingreifen zu wollen! Wenn wir der krankhaften Nervosität, von der dieses ganze Vorgehen, von der jede Zeile des Flugblattes Zeugnis ablegt, unsere klare nüchterne Ruhe entgegenstellen, so dienen wir dem Reiche am aller⸗ besten. Wenn wir sagen, wir kennen unser Volk, wir sind seiner sicher, wir können eine in ihrer Ausführung unreife Unternehmung eines einzelnen ertragen und vertragen, sie macht auf uns so wenig Eindruck, daß wir nicht daran denken, deshalb einen fast 50 Jahre geübten Brauch aufzugeben, dann würde das eine ausdrucksvolle Kund⸗ gebung sein, die nirgendwo mißdeutet werden könnte. Darum bitte ich, unserem Antrage stattzugeben.

Auf Antrag des Abg. Haase (Soz. Arb.⸗Gem.) wird namentliche Abstimmung beschlossen.

(Fortsetzung in der Ersten Beilage.)

Mi⸗ Wie

mißt? grotesk ist diese ganze Unternehmung.

Parlamentarische Nachrichten.

Dem Reichstag ist zu der ihm früher vom Stellvertreter des Reichskanzlers vorgelegten der Anordnungen, die der Bundesrat auf Grund von § 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirt⸗ schaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 er⸗ lassen hat, ein vierzehnter Nachtrag zur Kenntnisnahme zugegangen. Beigefügt ist ein Anhang, der Ausführungs⸗ bestimmungen des Reichskanzlers zu wirtschaftlichen c; 18 BGI“ enthält. Hauptteil 1 hang der Drucksache (Nr. 283 sen die

31. März bis 5. Mai 1916. 1

der Reichstag einem Antrag auf Einstellung eines Strafverfe sicht stattgegeben hätte. Er hat selbstverständlich abselehint rinem Abgeordneten einen Freibrief für Begehung strafbarer Hand⸗ ungen zu geben. Die Immunität nach Art. 31 der Reichsverfassung st niemals als ein Recht des einzelnen Abgeordneten, sondern stets eis ein Recht des Reichstages behandelt worden. Allerdinas be⸗ eutet die Einstellung eines Strafverfahrens auf Grund des Art. 31 ine Hemmung der Rechtspflege während der Sitzungsperiode; aber eenn die Reichsverfassung diese Hemmung nicht zulassen wollte, wäre er Art. 31. nicht hineingesetzt worden. Für die unbedingte Aufrecht⸗ chaltung des Immunitätsrechts spreche die Meinung, daß das In⸗ eresse an der Vollständigkeit des Reichstags und daran, daß der Charakter der Gesetzgebung den wirklichen Mehrheitsverhältnissen es Reichstags entspricht, höher steht, als das Interesse der Rechts⸗ hflege, daß ein Abgeordneter sofort abgeurteilt werden kann, ferner jer Gesichtspunkt, daß die Freiheit der parlamentarischen Verhand⸗ ungen nur durch den unbedingten Schutz der Person der Parlaments⸗ itglieder sich aufrecht erhalten läßt, und endlich die Ueberzeugung gaß bei der Anwendung des Art. 31 kein bestimmtes Prinzip zum lusdruck kommen muß, damit selbst der Schein ausgeschlossen bleibt die Anwendung aus Parteirücksichten erfolgt. Verschiedentlich ist ersucht worden, die unerschütterliche Praxis des Reichstags zu ändern. ön der Siedehitze des Attentatsjahres hat der Abg. Beseler, als es ich um die Einstellung eines Strafverfahrens gegen den Abg. Most ndelte, den Antrag unter Hinweis auf die unsympathische Art der blitischen Betätigung des Abg. Most bekämpft. Ihm erwiderte der lbg. Windhorst: „Die Gefühle, welche der Abg. Beseler zum Aus⸗ ruck gebracht hat, teile ich, ich begreife auch, wie der Abg. Beseler

Ich kann nicht verhehlen, daß, wenn die Nachrichten über das Auf⸗ eten des Abg. Most während des verflossenen Winters richtig sind, ee mich äußerst schmerzlich berühren und ich darum leicht versucht ein könnte, in Befangenheit zu urteilen; aber gerade weil die Dinge Hliegen, lege ich mir die besondere Pflicht auf, kühl nach allen ichtungen zu urteilen, und hiernach muß ich mit dem Abg. Lasker ¹ der Anschauung gelangen, daß dieser Fall ein Abgehen von dem hrauch des Hauses nicht motiviert. Gerade im Moment der Er⸗ gung muß im Reichstag die allerstrengste und kühlste Erwägung attfinden.“ Das ist ein, vornehmer Entschluß eines Mannes von: anerem Adel. Es handelte sich bei den bishexigen Beschlüssen des keichstags auf Einstellung von⸗ Strafverfahren keineswegs immer gleichgültige Sachen. 1869 wurde vom Reichstag die Einstellung nes Verfahrens egen sein Mitglied Mende beschlossen, der bei inem Aufruhr in München⸗Gladbach, bei welchem ein überwachender geamter durch Messerstiche verletzt wurde, als Rädelsführer des Auf⸗ hrs verhaftet wurde. Auf Raͤdelsführerschaft steht Zuchthaus bis t zehn Jahren. Trotzdem war damals der Führer der National⸗ beralen v. Bennigsen für die vorläufige Einstellung des Verfahrens; sagte, wir müssen uns hüten, auch nur in den Schein zu geraten, s ob wir die Mehrheit gebrauchen wollen, um die Minderheit zu Der Reichstag hat alle solche Fälle ohne Ansehen der artei und der Person, lediglich in Wahrung seiner Rechte behandelt. ch teile auch in diesem Falle das Flugblatt nicht mit, und untersuche cht, inwiefern sich der Abg. Liebknecht strafbar gemacht hat, ich ehe hier nicht als Jurist, sondern als Parlamentarier, und die kerson des Abg. Liebknecht ist mir vollständig gleichgültig; ich habe leder Beruf noch Neigung, ihn zu verteidigen, ich verteidige ausschließ⸗ ch ein Recht des Reichstags. Der Reichstag hat nicht zu Gericht sitzen, dazu sind die Richter berufen. Der Reichstag hat lediglich ch politischen, nicht nach juristischen Gesichtspunkten zu beschließen. t zur in dem Ausnahmefall, wenn offenbar eine tendenziöse Schein⸗ lage vorläge, um einem Parlamentarier seine Tätigkeit unmöglich machen, würde der Reichstag zum Schutze seines Mitgliedes und nes Rechts in eine Rechtswürdigung der Tat eines Mitgliedes ein⸗ eten müssen. Das liegt hier nicht vor. Für meine Freunde kommt lediglich darauf an: was frommt dem Reiche und was frommt Reichstag! Der Reichstag darf ein Recht, das er beinahe fünfzig ahre hindurch eifersüchtig gewahrt hat, nicht preisgeben. Die Kom⸗ ssion hat die Erregung der Zeit und die Schwere der Tat berück⸗ htigt. Aber gerade in Zeiten der Erregung ist das Immunitäts⸗ einzip notwendig. Ziehen wir die Schwere der Tat in Betracht, wird in späteren Fällen immer darauf Bezug genommen und ge⸗ gt werden, die Tat läge noch viel schlimmer als die damalige, wo reinen Einbruch in das Immunitätsrecht machten. Sie haben es jebknecht mit einem Manne zu tun, der durch den Appell an die kassen die Regierung zum Frieden zu zwingen sucht, eine Regierung, bereits wiederholt ihre Friedensbereitschaft öffentlich ausgesprochen . Wie würden Sie einen Fall beurteilen, in dem umgekehrt die egierung hätte veranlaßt werden sollen zu Methoden, die den Krieg längern, verschärfen und Deutschlands Lage verschlechtern würden? achen Sie Ihre Stellungnahme von der Schwere der Tat ab⸗ d ingig, so setzen Sie an die Stelle des festen Grundsatzes das sub⸗ ttibe ⸗Ermessen und die größere oder geringere dialektische Gewandt⸗ it. Wir gehen davon aus, daß die Annahme unseres Antrages ch den Interessen des Reiches entspricht. Die Stellungnahme der mmission hat den schweren Nachteil, daß sie mißdeutet werden kann d mißdeutet werden wird. Unsere Stellungnahme ist keiner üetstellung fähig. Wie wir zu diesem Kriege stehen, wissen Sie. ist für uns ein Kampf um die Heimat. Wir machen kein Hehl aus, daß wir einen Frieden herbeisehnen, der nicht die Keime neuer

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Nichts Neues.

der Front auch gestern an; besonders lebhaft war sie im Dolomitenabschnitt zwischen Peutelstein und Buchenstein.

den zwei Zivilpersonen getötet, 33 verwundet.

Hauptquartiers . Ein feindliches Flugzeug wurde von unseren Geschützen ge⸗

gräben ab.

seinen Stellungen geworfene und nach macht alle Anstrengungen, sich in halten. Die Zahl der in diesem Kampf erbeuteten Maschinen⸗ gewehre erhöht sich auf fünf.

zu nähern, wurde aber durch unser Artilleriefeuer verjagt. In

den Gewässern von Smyrna eröffnete ein feindlicher Monitor

das Feuer vor der Insel Keusten.

5 worteten und trafen den Monitor, dem der Schornstein und ein

Mast zertrümmert wurde.

vatat fuhr stark schwankend in der Richtung nach Mytilene rück.

meldet amtlich: Truppen am 4. Mai an der Küste der Cyrenaika, gegen

esis den von darfunß 8 Bardia besetzt, beides Zentren für die Verpflegung feind⸗ ö i 8 den Schmuggel nach 8 ““ An Bord eines der die Transporte geleitenden Schiffe befand sich Said Hillal, der 21. einigen der bedeutendsten Häuptlinge der Marmarica, die sich der Expedition aus freien Stücken angeschlossen hatten. Besetzung der Ortschaften, die sich

Kriegsnachrichten

Großes Hauptquartier, 12. Mai (W. T. B.). Westlicher Kriegsschauplatz.

Südöstlich des Hohenzollernwerks bei Hulluch stürmten pfälzische Bataillone mehrere Linien der englischen Stellung. Bisher wurden 127 unverwundete Gefangene ein⸗ gebracht Wund mehrere Maschinengewehre erbeutet. Der Gegner erlitt außerdem erhebliche blutige Verluste, besonders bei einem erfolglosen Gegenangriff.

ö“ 1.1 ein von den Franzosen unter zung von Flammenwerfern unternommener Angriff gegen die Fille Morte.

IWIum Maasgebiet herrschte beiderseits lebhafte Ar⸗ tillerietätigkeit. Von einem schwachen französischen An⸗ griffsversuch im Thiaumont⸗Walde abgesehen, kam es zu keiner nennenswerten Infanteriehandlung. C1116“ 8

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Ein deutsches Flugzeuggeschwader belegte den Bahnhof Horodzieja an der Linie Kraschin —Minsk ausgiebig mit Bomben.

Balkan⸗Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Oberste Heeresleitung

Wien, 11. Mai. (W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Russischer und si

idöstlicher Kriegsschauplatz.

Italienischer Kriegsschauplatz. Die erhöhte Artillerietätigkeit hielt an den meisten Stellen

8 * 8

Ein italienischer Flieger warf vormittag zwei Bomben au Markt und den Domplatz von Görz ab. Hierdurch

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes 8 von Hoefer, Feldmarschalleutnant.

.“ h Der Krieg der Türkei gegen den Vierverband.

Konstantinopel, 12. Mai. (W. T. B.) Bericht des An der Irakfront keine Veränderung.

roffen und stürzte brennend hinter den feindlichen Schützen⸗

Kaukasusfront: Der bei den Kämpfen am 8. Mai aus ach Osten verjagte Feind seinen neuen Stellungen zu

Ein feindliches Wachtschiff versuchte sich Tekke Burun

Unsere Batterien ant⸗

Der Monitor stellte das Feuer

Rom, 11. Mai. (W. T. B.) Die „Agenzia Stefani“

Nach angemessener Vorbereitung haben unsere

hin, auf dem Seewege Marsa,

ie ägyptische Grenze dem Landwege am 5. Mai den Hafen

Bruder des Scheiks der Senussi, mit Die

. (W. T. B.) Grimsby: Der Fischdampfer „Horns“, der am 22. April von hier auslief, ist wahrscheinlich von deutschen Kriegsschiffen 1878. worden, nachdem die Mannschaft gefangen genommen worden ist.

Der Ausschuß zur Versendung von Liebesgaben an kriegsgefangene beutsche Akademiker und zur Er⸗ richtung von Lagerbüchereien für Kriegsgefangene in Feindesland hielt am 10. d. M. in der alten Aula der Universität Berlin eine Sitzung ab, der die Ehrenvorsitzende des Ausschuffes, Ihre Kaiserliche und Köaigliche Hoheit die Kronprinzessin, der Mmister der geistlichen und Unterrichtsangelegenbeiten L). Dr. von Trott zu Solz, der Unterstaatssekretär Dr. Michaelis, Vertreter des Kultus⸗ und des Kriegsministerkums und der dänische Gesandte beiwohnten. Der Retktor der Universität, Wirk⸗ licher Geheimer Rat, Professor Dr. von Wilamowitz⸗ Möllendorff, der Ihre Kaiserliche und Königliche Hohelt empfangen hatte, begrüßte Höchstdieselbe in einer einleitenden Ansprache und schilderte, wie für di⸗ geistige Unterstützung unserer Kriegegefangenen in Feindesland, zunächst der Akademefer, dann aber auch der anderen, der Ausschuß arbeite. Am schwierigsten sei die Arbeit in Rußland; hier könne Dänemartk nicht genug gedankt werden, das staatlich und privatim uns sehr viel helfe. Für unsere Leute in England werde durch Hollands Vermittlung jetzt ähnliches geschehen können. Die akademischen deutschen Ge⸗ fangenen in Frankreich würden seitens der Universität Leipzig durch Ve mitilung der Schweiz versorgt. Die entsprechenden Bestrehungen in Oesterreich⸗Ungarn gingen mit den unsrigen nach Möglichkeit Hand in Hand. Der Geschäftsführer des Aus⸗ chusses Dr. Niedermeyer berichtete des näheren über die bisherige ätigkeit des Ausschusses und erstattete den Kassenbericht. Von einer Reise aus Hplland, Schweden und Dänemark zurückgekehrt, rühmte er die hilfsbereite, vermittelnde Tätigkeit dieser neutralen Staaten, ine besondere auch der Unipersitäten. So sende die Kopen⸗ hagener Universität neutrale Sekretäre nach Rußland, durch die schon umfangreiche Wunschlisten der Gefangenen eingegancen seien. Romane würden nicht verlangt, sondern fast nur fachwissenschaftliche Literatur. Gebundene oder gebrauchte Bücher dürften nicht nach Rußland geschickt werden. Sebr ersprießlich habe sich das Zusammenwirken mit dem Kriegsministerium, dem Roten Kreuz und der „Deutschen Kriegs⸗ (Vorsitzender: Prinz Max von Baden) erwiesen.

iele Tausende von Büchern seien bereits abgesandt, auch unsere Gefangenen in Japan und Neuseeland und die Internierten in Spanien und Norwegen würden bedacht. 53 000 seien für Bücher ausgegeben worden, bedeutende Summen konnten den neutralen Sekretären für ibre segensreiche Tätigkeit zur Verfügung gestellt werden. Das Kriegsministertum habe 100 000 ℳ, das Zentralkomitee des Roten Kreuzes 25 000 beigesteuert. Weitere bedeutende Mittel seien unbedingt egforderlich. Ein Vertreter des Kriegsministeriums wies darauf hin, daß, während die russischen Gefangenen bei uns ihre Bibliotheken mit Katalogen hätten laut den Bestimmungen des Kriegsminiweriums, denen jeder deutsche Lagerkommandant nachkomme, in Rußland alle etwaigen allgemeinen Bestimmungen unter den Tisch fielen, jeder Kommuanvdont nach seinem Belieben handele, piele üuberhaupt Lesen und Schreiben verböten. Der dänische Gesandte fuhrte aus, daß er mit der größten Freude Kenntnis von den Bestrebungen des Ausschusses ge⸗ nommen habe, die so vielen Erfolg versprächen, daß er seiner Regterung weiter darüber berichten und alles tun werde, was er könne, um diese Arbeit zu fördern. Es wurde beschlossen, zum Zwecke weiterer Geldsammlungen Organisattonen in den preußischen Provinzen und den anderen deutschen Staaten zu schaffen.

Kunst und Wissenschaft.

Am 27. April hielt die philosophisch⸗historische Klasse der Königlichen Akademie der Wissenschaften unter dem Vorsitz ihres Sekretars Herrn Diels eine Sitzung, in der Herr Schuchhardt über den starken Wall und die breite, zu⸗ weilen erhöhte Berme bei frühgeschichtlichen Burgen in Norddeutschland sprach. Die letzten Grahungen auf der Römerschanze bei Potsdam (1911) haben vor dem Waille an mehreren Stellen vorzebaute Bastionen ergeben: zur Flankterung des Haupttors und zum Schutze der Seeecken. Diese Vorkehrungen entsprechen der Verbreiterung und Erhöbung der Berme, die zusammen mit einer großen Verstärkung des Walles in Norddeutschland von der karo⸗ lingischen Zeit an sich geltend machte und ersichtlich gegen die damals auftretenden Belagerungsmaschinen der Franken und Normannen ge⸗ richtet war. An dem starken Wall, der eine Basis von 20 30 m erreichte, lassen sich danach in Nordostdeutschland nunmehr sehr viele Rundburgen als spätflawische ohne weiteres erkennen. Herr Ed. Mevyer überreichte sein Werk: Weltgeschschte und Weltkrieg, ge⸗ sammelte Aufsätze (Stuttgart und Berlin 1916).

Ign der an demselben Tage unter dem Vorsitz ihres Sekretals Herrn Planck abgehaltenen Sitzung der physikalisch⸗mathe⸗ matischen Klasse sprach Herr Waldeyer über Intra⸗ parietalnähte. Es wurde eine größere Anzahl neuer Fälle ven geteilten Scheitelbeinen beim Menschen und bei Affen beschrieben. Das verhältnismäßig häufige Vorkommen von Dreiteilung des Parietale bei Affen wurde festgestellt, ebenso das nicht seltene Vor⸗ kommen einer Vertikalnaht bei Affen. Auch die Entwicklung des Scheitelbeines und die über die Bedeutung der intraparietalen Nähte aufgestellten Theorien wurden besprochen.

Am 4 Mai hielt die Akademte eine Gesamtsitzung unter de Vo sitz ihres S kretars Herrn Diels. Herr Frobenius las übe dite Kompositionsreihe einer Gruppe. Jere Gruppe, der eine Untergruppe einer gegebenen Gruppe homomorph ist, wird ein derselben genannt. Eine einfache Teilgruppe einer Gruppe ist immer auch eine Teilgruppe eines ihrer einfachen Kompositions⸗ faktoren. Das korrespondierende Mitglied der phosikalisch⸗math matischen Klasse Gustad Schwalbe in S raßburg ist am 23 Apr verstorben. Das bisherige korrespondierende Mitglied der physikalisch mathematischen Klasse Emile Pteard in Paris ist auf seinen Wunf aus der Liste der Mitglieder gestrichen worden.

Gestern nachmittag wurde in dem Auestellungs ebäude Moabtt die diesjährige Große Berliner Kunstgagselkun mit einer schlichten Feier eröffnet, der u. a. der Minister der geist⸗ lichen und Unterrichtsangelegenheiten D. Dr. von Trott zu Solz, der Oberkommandierende in den Marken, Generaloberst von Kessel, de österreichisch⸗ungarische Botschafter, Mitglieder der bulgarischen Ge sandischaft und zahlreiche Vertreier der Künstlerschaft beiwohnten. Nach einleitendem Gesang des Berliner Lehrervereins hielt der Vor⸗ sitzende, der Ausstellungskommission Max Schlichting eine hea Eröffnungsrede, in der er darauf hinwies, daß eine Kunstaugstellung im Kriege keinen inneren Widerspruch bedeute, denn die Daheim⸗ gebliebenen bedürften gerade in dieser ernsten Zeit der seelischen Erbolung, die die Kunst biete Die Werke jener deutschen Künstler, die den Tod für ihr Vaterland gestorben, seien gemeinsam ausgestellt, An dieser Auestellung hätten sich aber auch die uns verbündeten Staaten

auf dem Gebiet der

beteiligt; eine besondere Abteilung sei Kriegsbildern österreichisch