1919 / 39 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 15 Feb 1919 18:00:01 GMT) scan diff

4

Schließgefellschaft sind, wie

„W. 1. P.“ mitteilt

in den

Aus stand eingetreten. Sie sind mit neuen Forderungen an die Gesell⸗

Haft herangetreten, nachdem zwischen dem

Saft erst vor 14 Tagen ein

rbeiterrat und der Gesell⸗ arifvertrag abgeschlossen worden war,

n dem alle Forderungen der Angestellten, inzbesondere die nach der Einrichtung einer Pensions⸗ und Invalidenkasse, nach Sommerurlaub

n nach grundsätzi cher Durchfübrung höhten Löhnen bewilligt worden sind. mit Rüchsicht auf die

In Berlin droht, hiesigen

Unsicherbeit

des

chtstundentages bei er⸗

Die ““ --6 jent 1 1t ein Monatsgehbalt 250 ℳ, wäͤbrend die Direklion nur 150 bewilligen will. Blättern zutolge, ein Ausstand der

von

Bäckergesellen, die, obwohl ihnen erst vor kurzem eine Lohn⸗

erhöhung von 50 vH 110 fordern. Ferner ist ein ankleber der Firma Nauck u. schlagswesen betreibt, zu verzeichnen. dein „Berl. Lok.⸗Anz.“ u. a.

In Hamburg find, wi

bewilligt wurde, jetzt einen Wochenlohn von Ausstand der Zettel⸗ Hartmann, die das hiesige An⸗ a. Die Ausständigen fordern nach einen Wochenlohn „W. T. B.“ meldet, die Ange⸗

von 105 ℳ.

stellten der Warenhänser gestern wegen Lohnforderungen in

den Ausstand eingetreten. Nach einer von „W. T. B.“ aus London erklärte sich die

wiebergegebenen Reutermeldung Regierung den Bergarbeiter⸗

verbänden Großbritanniens gegenüber, außer zur Be⸗ willigung der gestern bereits erwähnten weiteren Kriegsgratifikation

von einem Schilling den Tag, bereit, eine Kommission die die S nach dem Sechsstundentag, no erstaatlichung der Bergwerke erwägen solle.

erhöhung und

einzusetzen, Der

Bergarbeiterperband bertet heute über die Zugeständnisse und ver⸗ warf das Anerbieten der Regierung.

8 Kunst und Wissenschaft.

Die

physikalisch⸗ mathematische

Klasse der

Preußischen Akademie der Wissenschaften hielt am 6. d. M. eine Sitzung, in der Herr Strupe über die Masse

der

Ringe von Saturn fprach. Zur Bestimmung der Ringmasse

des Planeten Saturn ist eine genauc Kenntnis der Säkularbewegungen

der inneren Monde, der Abplattung de der Monde erforderlich. Die Beobachtun letzten Oppositionen des Planeten am aro

s Planeten

und der Massen

gsreihen, die während der hen Refraktor der Babels⸗

derger Sternwarte ausgeführt worden sind, haben die Mittel an die Hand gegeben, die Aufgabe in strengerer Weise als früher zu lösen, und laffen den Schluß ziehen, daß die Rin masse, bezogen auf die Planeltenmasse als Einheit, außerordentlich .

der Größenordnung 1: 10—.

Die auf anderen Wegen

lein ist, hochstens von erlangten

Ergehnisse über die Natur der Ringe werden hierdurch bestätigt.

In der an

demfelben Tage abgebaltenen Sitzung der philo⸗

sopbisch⸗historischen Klasse las Herr W. Schulze über ʒTag und Nacht in den indogermanischen Sprachen“.

Fn der Art,

pie die einzelnen Sprachen den Tag und die Nacht be⸗

zeichnen, spiegelt sich die Gliederung des indogermanischen Sprach⸗ stammes kenntlich ab. Die Fulle der Benennungen für die Nacht,

die einen charakteristischen Zug der indischen Wortgeschichte darstellt zeigt deutlich euphemistische Tendenzen. H

2

err von Harnack reichte

ein Nachwort ein zur Abhandlung des Herrn Holl: „Zur Aus⸗

1e gn- des 2. Artikels des

„sto

so

genannten apo⸗

ischen Glaubensbekenntnisses“. Die Anlage des 2. Artikels

des Symbols, die Herr Holl aufgedeckt hat, ist der Schlüssel zum ilchtigen Verständnis der Anlage des ganzen Symbols: Jeder Artikel enthält eine Doppelgleich ng, und die einzelnen Glieder jeder Reihe stehen mit denen der beiden anderen Reihen in strenger Wechsel⸗ besziebung. Durch diese Erkenntn’s werden mehrere bisher schwebende

Auslegungsfragen gelöst.

Herr von Harnack legte das 3. Heft

des 12. Bandes der 3. Relhe der „Terte und Untersuchungen zur Ge⸗ schichte der altchristlichen Lteratur“ „Leipzig 1Ss. vor: Adolf v. Har⸗

nack, Der kirchengeschichtliche Ertrag ver erege

ischen Arbeiten des

Drigines (1. Teil: Hexateuch und Richterbuch)h. Die Terminoclogie der Wiedergeburt und verwandter Erlebnisse in der ältesten Kuche.

82 rrr 458

Theater.

Epernhaus. (unter den Linden.) Conntag: Nachmittags: 210. Karten⸗ reservesatz. Der Daucrbezug, die ständig vorbehalienen sowie die Dienst⸗ und Frei⸗ plätze sind aufgehoben. 4. Volksvor⸗ stellung iu ermäßigten Preisen: Die

ledermaus. Anfang 2 Uhr. Abends:

5. Dauerbezugsvorstellung. Dienst⸗ und Freip ätze sind aufgehoben. Tiefland. Musikdrama in einem Vorspiel und zwei Aufzügen nach A. Guimera von Rudolph Lotbar. Masik von Eugen d'Albert Musikalische Leitung: Otto Urack. Spiel⸗ leitung: Karl Holpv. Anfang 7 Uhr.

Schanspieihans. (Am Gendarmen.

markt.) Sonntag: Nachmittags: 194. Kartenreservesatz. Der Dauerbezug, die ständig vorbehaltenen sowie die Dienst⸗ und Freiplätze sind aufgehoben 3. Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen: Kater Lampe. Anfang 2 ÜUhr. Abends: 47. Dauerbeiugsvorstellung Dienst⸗ und Freiplätze sind aufgehoben. Zum 200. Male: Othello, der Mohr von Venedig. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Shakespeare. Spielleitung: Dr. Rein⸗ hard Bruck. Anfang 7 Uhr. Montag: Opernhaus. 46. Dauerbezugs. vorstellung. Dienst⸗ und Freiplätze sind auf⸗ gehoben. Otello. Oper in vier Akte von (Htuseppe Verdi. Text von Arrigo Boito. Für die deutsche Bähne übertragen von Max Kalbeck. Mufikalische Leitung: Dr. Friß Stiedryv. Spielleitung: Her⸗ mann Bachmann. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. 48. Dauerbezugsvor⸗ stellung. Dienst⸗ und Freiplätze sind auf⸗ gehoben. Nathan der Weise. Dra⸗ malisches Gedicht in fünf Aufzügen von Lessing. Spielleitung: Dr. Reinhard Bruck. Anfang 7 Uhr.

Opernhaus. Dienstag: Carmen. Mittwoch: Hänsel und Gretel. Die Puppenfee. Donnerstag: Der Zarbier von Seyilla. Freitag: Neu einstudiert: Josef in Egypten. Sonnabend: Der Freischütz. Sonn⸗ tag: Nachmittags: Die Meistersinger von Nürnberg. I. und II. Akt. Abends: Die Meistersinger von Nürn⸗ berg. III. Akt.

Schauspielbaus. Diengtag: Flachs⸗ mann als E Mittwroch: Zum ersten Male: Die Kratzelschreibee. Ponnerstag: Beer Gynt. Freitag: Die Kreuzelschreiber. Sonnabend: SFege. —. Sonntag: Nachmittags: 4. Volke vorstelung zu ermäßiaten Preisen: Die Jurdasglocke. Abends: Die

Eröreereeaeber 89 .

der

die

von

Kreuzelschreider.

in drei Akten (na

Schanzer.

Mit S

Wedekin Montag mphe.

Dentsches Theater. (Direktion: Mar Reinbardt.) Sonntag Nachmittags 2 ½ Uhr: Zu ermäͤßigten Preisen: Frühlings Gr⸗ wachen. Ahbends 7 Uhr: Othello.

Montag, Dienstag. Sonnabend: Und das Licht scheinet in der Finsternis.

Mittwoch: Der lebende Leichnam.

Freitag: Dantons Tod.

Kammerspiele. Sonntag, Nachmittags 2 ½¼ Uhr:

mäßigten Preisen: Der Sohn.

7 Uhr: Fasching. Montag

Pandora.

Montag bis Donnerstag und Sonn⸗ abend: Dir Büchse der Pandora. Freitag: Keine Vorstellung.

Berliner Theater. Sonntag, Nach⸗ 7 ½ Uhr: mittags 3 Uhr: Zu ermäßigten Preisen: Die tolle Komtet. Sterne, die wieder leuchten. Operette einer Idee des Michael Klapp) von Rudolf Bernauer und Rudolph Musik von Waiter Kollo. Montag und folgende Tage: Sterne,

wieder leuchten.

Theuter in der Königgrützer Straße. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zu ermäßigten Preisen: Der Katzensteg. Abends 7 ½ Uhr: Totentanz. Drama Uebersetzt von

August Strindberg.

Emil Schering.

Montag: Rosmersholm. Dienstag und Donnerstaa: Mustk. twoch und Freitag Totentanz.

nabend: Der Vater.

Komsdienhaus. Sonntag, mittags 3 Uhr:

d.

Der Bolksbundzumn Schutzederbeutschen Kriegz und Zivpilgefangenen hat gestern, wie „W. T. B.“ meldet, nochfolgende drei Telegramme an die Deutsche Waffen⸗ stillstandskommission in Trier gesandt:

1) Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs⸗ und Zivil⸗ Fbenen nimmt Bezug auf seine der Waffenstillstandskommission in Berlin am 8. Februar überreichte Entschließung, wiederbolt sie und fordert nochmals namens der zehn Millionen deutscher Männer und Frauen, die er in sich vereinigt und die in den letzten Tagen in vielen tausenden über alle Gaue Deutschlands verbreiteten Ver⸗ sammlungen sich in flammendem Protest dieser Kundgebung an⸗ geschlossen haben, daß unsere Unterhändler bei Beginn der neuen Waffenstillstandsverbandlungen eine unzweideutige und bindende Erklärung des Gegners darüber verlangen, 1) od er bereit ist, unsere Gefangenen sofort herauszugeben; 2) falls er darauf beharrt, daß erst die Friedensverhandlungen darüber entscheiden sollen, ob er bereit ist, diese sofort zu beginnen; 3) ob er bereit ist, die Herausgabe der Gefangenen sofort bei Beginn der Friedensverhandlungen zu bewirken.

2) Der zehn Millionen deutsche Männer und Frauen aller Teile Deutschlands umfassende Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs⸗ und Zivilgefangenen bitter die Deutsche Waffenstillstandskommission, bei der interalliierten Waffenstillstandskommission entschiedensten Protest dagegen zu erheben, 1) daß in den letzten Monaten die Post⸗ mit den Kriegsgefangenen in Frankreich und England in gnz ungewöhnlichem Maße verzögert und zum Teil ganz unter⸗ hohen 89 2) daß infolge Fehlens von Waggons, die die französische Regierung zu stellen hat, auf dem Bahnbof in Basel seit längerer Zeit 50 0 Postfäcke mit Liebesgaben und Paketen für deutsche Kriegs⸗ gefangene liegen und dem Verderben ausgesetzt sind.

3) Der zehn Milltonen deutsche Männer und Frauen aller Teile Deutschlands umfassende Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs⸗ und Zivilgefangenen bittet die Deutsche Waffenstillstands⸗ kommifsion bei der interalliierten Waffenstillstandskommission ent⸗ schiedensten Protest dagegen zu erhbeben, daß nach zuverlässigen Be⸗ richten Kriegsgefangene in der früheren Armeezone dazu verwendet werden, Bündgänger auszugraben, wobei bereits zahlreiche getötet und verwundet worden sind.

Aus Heeresbeständen freiwerdende Büroein⸗ richtungsgegenstände (Schreibtische, Schreibmaschinen, Kassen⸗ schränke und dergleichen) werden zurzeit in derartig geringem Maße zur Verfügung gestellt, daß bei den großen Anforderungen behörd⸗ licher Stellen Verkäufe vorläusfig nicht stattfinden können. Im all⸗ gemeinen Interesse des Pubeikums wird hierauf vom Reichs⸗ verwertungsamt bingewiesen, um ihm unter den obwaltenden Verhältnissen unnütze Wege und Schreibarbeit zu ersparen.

(W. T. B.)

Königsberg i. Pr., 14. Februar. (W. T. B.) In Inster⸗ burg erhob gestern abend eine aut Veranlassung des Volksbundes ein⸗ berufene außerordentlich stark besuchte Versammlung scharfen einhelligen Einspruch gegen die Zurückhaltungunserer Kriegs⸗ und Zivilgefangenen. Der Pfarrer Radtke und der Lpcealdirektor Joekel geißelten das Umecht unserer Feinde und forderten dazu auf alles daran zu setzen, um die Leidenszeit unserer Gefang nen abzukürzen. Eine entsprechende Entschließung fand einmütige Annahme. b

Königsberg i. Pr., 15. Februar. (W. T. B.) Der kom⸗ mandierende General Jatk wollte sich gestern in Begleitung zweier Offiziere zur Besichtigung eines zum Grenz'chutz ausruͤckenden Freiwilligenbataillons begeben. Ein Brand des Kraftwagens zwang die drei Offiziere zu Fuß sum Generalkommando zurückzukehren. Obgleich sie gemäß einer Verfügung des Kriegsministeriums ver⸗

pflichtet

Donnerstag

Mittwoch und Sonnabend: 3. Uhr: Zu ermäßigten Preisen: Der

Narrenspliel des Lebens. Dienstag: Gespenstersonate. Donnerstag: Ein Geschlecht. Freitag: Rosmersholm.

Kleines Schauspielhaus. (Charlottenburg, Fasanenstraße Nr. 1.) Sonntag, Abends 7 ½ Uhr: Die Blichse

Abend

Zu ermäßigten Preisen: Die Ehre. Abends 7 ½ Uhr: Erdgeist. Tragödie in dier Aufzügen von Frank

und Donnerstag: Dir tanzaade

Dienstag und Sonnabend: Die füunf Frankfuvter M

Nittwoch und Freitag: Erdgeist.

waren, zu nstlichen Fahrt Waffen anzulegen,

4*

wurden fie vor dem Gehäude des Generalko 1 vorn swei er der A.⸗ und M.⸗Webhe angehalten und aufgefor den Waffenschein Lr zeigen. Trotz der Erklärung, daß die süziere Ddienßlich um Waffentragen verpflichtet seien, gaben ihnen die Matrosen den

efehl, ihnen sofort zum Schloß lu folgen. Auf die Aufforderung des kommandierenden Generals, sich im General⸗ kommando von ihrer Berechtigung zum Waffentragen zu überzeugen, verboten die Matrosen das Betreten des Gebäudes und drohten, von der Waffe Gebrauch zu machen. Auch die Erklärung, daß die Ma⸗ trofen vor dem kommandierenden General der Grenzschutztruppen ständen, blieb wirkungslos. Erst mit Hilfe des Chefs des Stabes und des von ihm herbeigerufenen Soldatenrates des Generalkom⸗ mandos gelang es, die beiden Matrosen zu veranlassen, von der Vet⸗ haftung abzusehen.

Magdeburg, 14. Februar. (W. T. B.) Amtlich wird ge⸗ meldet: Heute vormittag 12 Uhr 27 Minuten ist auf dem Bahnbof Eggerosdorf ein ausfahrender Güterzug mit einem von Eickendorf kommenden Güterzug zusammen⸗

efahren. Personen sind nicht verletzt worden, dagegen ist der Sachschaden bedeutend. Der Personenverkehr wird bis Freiwerden der Gleise durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die Schuldfrage stedt noch nicht fest.

Elberfeld, 14. Februar. (W. T. B.) Eine zahlreich besuchte Versammlung der neugegründeten Ortsgruppe des Volksbundes zum Schutze der deutschen Kriegs⸗ und Zivil⸗ gefangenen schloß sich einmütig dem Einspruch gegen die Zurückhaltung der Gefangenen an und forderte ofortige Freitassung nech vor Beginn der Friedensverhandlungen.

ne gleiche Versammlung fand in der Nachbarstadt Barmen statt.

Duisburg, 14. Februar. (W. T. B.) In der vergangenen Nacht rückten hier auf Anordnung des belgischen Abschnittkommandeurs infolge der Vorkommnisse am Mittwoch belgische Truppen mit Maschinengewehren ein, um weitere Unruhen zu verhüten. Es ist eine Kompagnie eingerückt, der zwei weitere folgen sollen. Die Truppen kamen gerade vor dem Rathause an, als dort drei Hamborner Spartakistenführer vorgefahren waren. um von dem Oherbülgermeister die Herausgabe von 50 be⸗ schlagnahmten Gewehren zu erzwingen. Die Belgier hielten das Auto an. Die Spartakisten versuchten zu enttommen und eine Handgranate gegen die Belgier zu werfen, was jedoch vereitelt wu de. Die drei Spartakusleute wurden so schwer verletzt, daß sie in das Krankenhaus gebracht werden mußten. Die Belgier besetzten zum Schutze der Verwaltung das Rathaus.

Sterkrade, 14. Februar. (W. T. B.) Seit Donnerstag⸗ vormitlag steht Sterkrade unter spartrakistischer Herr⸗ schaft. Das Rathaus, die Reichsbank, die Post, die Sparkasse und der Bahnhof sind besetzt. Die ankommenden Züge werden auf regierungstreue Trupven hin durchsucht. Die Polizei⸗ mannschaften wurden entwaffnet und versehen nur noch den inneren Dienst. Die Spartakisten verlangen unter anderem die Uebernahme des Sicherheitsdienstes sowie die Ab⸗ schaffung des Arbeiterrats und seine Ersetzung durch Spar⸗ takisten. Die Beamtenschaft Sterkrades beschloß die Entfernung der Wachposten von den Straßen und öffentlichen Gebäuden. Der

Oberbürgermeister Dr. Most ist gestern nachmittag von Wermar zurück⸗ gekehrt. Zu Gewalttätigkeiten ist es noch nicht gekommen. Heute morgen sind die Spartakisten wieder eingezogen und stellten vor dem Rathause Maschinengewehre auf. Berittene Spartakisten durchziehen die Straßen.

(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten

Veutsches Aünstlertheater. (Nürn⸗ bergerstr. 70/71, gegenüber dem Zoologischen

arten.) Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zu ermäßigten Preisen: Mein Nachbar Ameise. Abends 7 Uhr: Nacht⸗ beleuchtung. Vier Grotesken von Kurt Götz. 1) Der fliegende Geheimrat. 2) Lohengrin. 3) Tobby. 4) Minna Magdalena.

Montag und folgende Nacht⸗ beleuchtung.

und

Tahe. Komische

u er⸗

bends Lesstngtheater. Sonntag, Nachmitt Akten von Raub der Sabinerinnen. Abends 7 Uhr: Der Schöpfer. Ein Schauspiecl in pier Aufzügen von Hans Müller.

86 Montag: Neu einstudiert: Der Blau⸗

waidmädel.

ienstag, Donnerstag und Sonnabend: Der Blaufuchs. Mitttwoch: Der König. Freitag: Peer Gynt.

——

Volksbühne. (Theater am Bllow⸗ Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: orstellung für de Verband der Freien Volksbühnen: Wilhelm Tell. Abends Die armseligen Besen⸗

mäßigten

binder. Montag, Luther. Dienstag, Mittwoch und Sonnabend: Die armseligen Beseubinder.

Schillertheater. Charlottenburg. Sonntag, Nachmittagz 3 Uhr: Zu er⸗ mäßigten Preisen: Die Braut von Messina. Abends 7 ½ Uhr: Der Reisebegleiter. Schwank in drei Akten (nach und Güldenstern“ von Michael Klapp frei bearbeitet) von Gustav Kadelburg⸗ 1

Montag und Mittwoch: Der Reise⸗ begleiter. dienstag, Anatol. Sonnabend: Zum ersten Male: Die große Pause.

7 Uhr: Donnerstag und Freitag:

und Hermann Willi Wolff.

Lehaäͤr).

baron.

Lerche singt.

Donnerstag und Freitag:

Schwank

Deutsches Opernhaus. (Char⸗ lottenburg, Bismarc Straße 34 —37. Direktion: Georg .) Sonntag Nachmittags 2 ½ ÜUhr: Zu ermäßigten Preisen: Martha. Abends 7 Uhr: Figaros Hochzeit. Komische Oper in vlier Akzen von Wolfgang Amadens Mezart.

Montag: Zar und Zimmevmann.

. Die lustigen Weiber

sor

Nach⸗ Montag

inde. Wirtschaft.

von Wi

Mittwoch: Der Zigeunerbaron. Donnerstag: Zum ersten Male: Caval- leria rusticana. Hierauf: Das höllisch Gold. 1 Freitag: Der Freischütz Sonnabend: b canäg. Vorher: Das höllisch Gold.

dammer Brücke.) Sonntag, Nachmittags 161 Schwarzwaldmädel Abends 7 ½ Uhr: Schwarzwaldmädel. August Neidhart. von Leon Jessel.

Montag und folgende Tage: Schwarz⸗

8 Theater des Westens. (Station: Zoologischer Garten. onntag, Nachmittags 3 ¼ Uhr: Preisen: prinzessin. Abends 7 ½ Uhr: lustige Witwe. von Viktor Lbon und Leo Stein. von Franz Lehäͤr. Montag und lustige Witwe.

Theater am Nollendorsplatz. Sonntag, Nachmittags 3 ½ Ubr: Zu er⸗ mäßigten Preisen: Drei alte Schachteln. Abends 7 Uhr: Posse in drei Akten von Pordes⸗Milo

IHnde. usik von Walter Kollo. Montag: Eva (Operette von Franz

Dienstag und Donnerstag: Der Jux⸗

Mittwoch: Drei alte Schachteln. Freitag: Zum ersten Male: Wo die

Sonnabend: Wo die Lerche fingt.

Lunstspielhaus. (Friedrichstraße 236.) Sonntag, Nachmittags 3 ½ Uhr: Zu er⸗ mäͤßigten Preisen: E Abends 7 ¾ Uhr: Die spanische Fliege.

9 in drei Akten von Franz Arnold und Ernst Bach „Mon und folgende Tage: spanische Fliege.

Thaltatheater. (Dresdenerstr. 72/73.) 2. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: mäßigten Preisen: Unter der blühenden 9 Abends 7 ¼ Uhr: Volnische 1 DPosse mit Gesang Tanz in drei Akten von Kurt Kraatz und . Gtorg Okonkowsky. G

Alfred Schönfeld. Musik von Jean Gilbert.

Montag und folgende Tage: Polnischa Wirtschaft. sel⸗ 8

Cavallerin rusti-

Zirkus Busch. Sonntag: 2 große Vorstellungen mit dem ausgezgeich⸗ neten Februar⸗Programm. Nach⸗ mittags Uhr außerdem: Un⸗ gekürzt: Oberon. Abends 7 ½ Uhr sümn Schluß: Oberon. Große phan⸗ stische Wasservantomime in fünf Akten nach Wielands Oberon. (Nachmittags bat jeder Erwachsene ein angehöriges Kind auf allen Saäpläßßn frei; jedes weitere Kind zahlt halbe Preise.) 4 Montag und folgende Tage: Oberon. Außerdem das großartige Zirkus⸗ Programm.

A¶TTESESETETESESEEE Familiennachrichten.

Verlobt: Frl. Eiisabeth von Kalckstein mit Hrn. Universitälsprofessor Dr. Günther Jacoby (Schultitten). Dorothee Gräfin von Bismarck mit Hrn. Reinhold Reschsgrafen von Reh⸗ binder (Varzin— Uddrich. Estl). Frl. Margarelhe Bartels mit Hrn. Ewald Hantge⸗Ei hof (z Zt. Eickhof bei Groß Gottberg Altm. z. Zt. Bottmarsdorf, Kr. Wanzleben).

Verehelicht: Hr. Major g. D. Friedrich

von Rohr⸗Levetzow mit Martha verw.

Fesen von Münchhaufen, geb. von

Bornstedt (Berlin).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Fritz

hir Grafen Bismarck⸗Bohlen (Carls⸗

burg).

Gestorben: Hr. Amtsgerichtsrat Dr.

Karl Levenau (Charlottenburg). Fr.

Martha von Gersdorff, geb. von Niebel⸗

schütz (Dresden⸗N.).

CDper. (An der Weiden⸗

ermäßigten Preisen: Operette in drei Musik

““

Kantstraße 12.) Zu er⸗ Dollar⸗ Die Overette in drei Akten Musik

Die

Die

folgende Tage:

Der Jugxgbaron.

Gesangstexte von

Rabenvater. Verontwortlicher Schriftleiter:

Direktor Dr. Tyrol in Charlottenburg . 88 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Die Der Vorsteher der Geschäftsstelle, Rechnungsrat Mengering in Berlin. Verlag der Geschäftsstelle Mengering) Berlin. Druck der Nordzeutschen Buchdruckersi und Verlagsenstcit, Barlin, Wilhelmstraße 32, Sechs Beilagen (einschließlich Börsenbellage).

1“

Zu er⸗

und

esangstexte von

1

zurückgewiesen und

N*o) 39.

In der Woche vom 2.

8

1) öffentliche Sammlungen, 29) Vertriebe von Gegenständen.

Name und Wohnort ddes Unternehmers

——-——-——-—

Zu fördernder Wohlfahrtszweck die

rlin, Sonnabend, den 15.

Innern.

ebruar bis 8. Februar 1919 auf Grund der Bundesratsverordnung 917 über Wohlfahrtspflege während des Krleges genehmigte 1 85

Zeit und Betirk, in denen das Unternehmen ausgeführt wird

Mittel abgeführt werden sollen

1) Gelbdsammlung.

Porstand der Werbestellen für Deckung der durch die Werbetötigkeit Der Vorstand für den Heimat⸗ und Grenzschutz ent⸗

B und Grenzschutz des Nationalverbandes Deutscher Offiziere, z. Hd. des Majors a. D. von Borries, Berlin

stehenden Ausgaben

2) Vertrieb

Zentralkomitee der ü Vereine vom Roten Kreuz,

Berlin 8

Februar 1919.

88

von Deutschen nfürsorge des Roten Kreuzes Rotes Kreuz V Vom 15. März 1919 bis 15. Sep⸗

Bis 30. April 1919, Preußen. Geldsammlung mittels Wer ebriefe.

111““

V

Druckschriften.

8 8 tember 1919, Preußen und Aus⸗ land. Vertrieb von Druck⸗ schriften „Kriegsgefangenenkunst“.

Der Minister des Iunern. J. N.: von Jarotzky.

Deutsche Nationalversammlung zu Weimar. 7. Sitzung vom Freitag, dem 14. Februar 1919, Nachmittags 2 Uhr. (Bericht von „Wolffs Telegraphenbüro“.)

An den Tischen der die Reichsminister Scheidemann, Noske, Landsberg, Wissel, Graf von Brockdorff⸗Rantzan, Dr. David, Gothein, Schmidt und andere. b

Vizepräsident Haußmann eroͤffnet die Sitzung um 2 Uhr 25 Minuten.

Auf der Tages ordnung steht zunächst die Wahl bes Präsidenten der Nationalversammlung.

Es werden 334 Stimmzettel abgegeben, von denen 32 un⸗ beschrieben, also ungültig sind. Auf den Abg. Fehrenbach entehe entfallen 295 Stimmen, auf den Abg. Haußmann Dem.) zwei Stimmen, auf Dr. David (Soz.), Merges (U Soz.), Dr. Spahn (Zentrum), Dr. Stresemann (Dtsch. V. P.) und rau Zietz (U. Soz.) (Große Heiterkeit) je eine Stimme. Abg. ehrenbach ist somit zum Präsidenten der Nationalver⸗ ammlung gewählt und erklärt auf die Frage des Vize⸗ präsidenten Haußmann, daß er die Wahl annimmt.

Präsident Fehrenbach übernimmt das Präsidium und bemerkt: Sehr verehrte Damen und Herren! Ich übernehme das Amt des Präsidenten dieser verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung mit aufrichtigem Dank für das mir durch die Wahl bewiesene Ver⸗ trauen. Ich werde bestrebt sein, wie im alten Reichstag, mit persön⸗ lichem Wohlwollen gegen jedes einzelne Mitglied der Versammlung ohne Unterschied der Parteirichtung und mit strenger sachlicher Un⸗ parteilichkeit meines Amtes zu walten, aber auch die Ordnung und die Würde des Hauses zu wahren. (Lebh. Beifall.) Ich habe eine

öflicht des Dankes zu erfüllen, von der ich glaube, daß sie dem Empfinden der ganzen Versammlung entspricht, die Pflicht der An⸗ erkennung und des Dankes gegen unseren zurückgetretenen Präsidenten Herrn Dr. David für die umsichtige ausgezeichnete Leitung der Ge⸗ chäfte während der abgelaufenen Woche. (Beifall.)

Bei der Wahl eines Vizepräsidenten an Stelle des bisherigen Vizepräsidenten Fehrenbach wird gegen den Vor⸗ schlag aus dem Hause, die Wahl durch Zuruf zu vollziehen, Widerspruch erhoben. Gewählt wird der Abg. Schulz⸗Ost⸗

reußen (Soz.), der von 283 abgegebenen gültigen Stimmen

79 erhält. Vier Stimmen sind zersplittert, 34, darunter 33 unbeschriebene Zettel, ungültig. Abg. Schulz Ostpreußen nimmt die Wahl an.

Darauf setzt die Nationalversammlung die Besprechung über die Erklärung der neuen Reichsregierung fort.

Reichsminister des Auswärtigen Graf von Brockdorff⸗ Rantzau: Meine Damen und Herren! Die neue Regierung hat nrich als Minister des Auswärtigen in meinem Amte bestätigt. Das gibt mir Recht und Pflicht. Ihnen Rechenschaft abzulegen über die Grundlinfen, nach denen ich die auswärtige Politik des Reiches im Rahmen der allgemeinen Regierungspolitik zu führen gedenke. Die Erbschaft, die das zusammengebrochene alte System der meuen Regierung bhinterlassen hat, ist eine Konkursmasse, und doch weiß ich, daß ich vor der Geschichte regreßpflichtig gemacht werde, auch wenn ich diese Masse nicht nach freier Entschließung, sondern nach dem Willen der Gläubiger liquidieren muß. Ich kann die Amf⸗ gaben der deutschen Außenpolitik in zwei Gruppen zusammenfassen: die Beseitigung des Kriegszustandes und die Herstellung normaler Beziehungen zu der Völkergemeinschaft. Die Beseitigung des Kriegs⸗ zustandes ist ein dringendes Bedürfnis der ganzen Welt. An Deutsch⸗ land hat es nicht gelegen, daß er noch besteht. Als sich die frühere deutsche Regierung mit der Entente und den Vereinigten Swaten auf die Wilsonschen Friedensgrundsätze einigte und auf dieser Basis die Waffenstillstandsbedingungen annahm, konnte niemand glanben, daß der Friede noch so lange auf sich wärten lassen würde. Leider hak Deutschlands freiwillige Entwaffnung die Feinde nicht müder gestimmt, sondern ihnen nur die Möglichkeit gegeben, durch wiederholtes Drohen mit Erneuerung der Feindseligkeyten weitere Zugeständnisse von uns zu erlangen. Neuerdungs haben sie den Versuch gemacht, auf diesem Wege Fragen zu regeln, die unzweifelhaft zu den Gegenständen bT. sses gehören und die sie unter dem Druck der Waffen einscäti zu unserem Nachtelle zu lösen gedachten, während sie ua den vereinbarten Friedensgrundsätzen auf dem Boden der Gerecht ig⸗ keit und Gegenseitigkeit zu Psen waren. Ich babe diesen Verzuch werde auch zukünftig solche Versuche zusöck⸗

Gewalt antun, man kann uns aber nicht zwingen, Gewalt als Recht anzuerkennen. Wir haben einen baldigen 1 erwartet, weil die Waäffenstillstands⸗ bedingungen nur Sinn hatten, wenn sie auf kurze Dauer angelegt waren. Wir sind im Begriff, die ganze bisherige Streitmacht aufzulösen und unser altes Friedensheer, das wir jetzt im Osten zut brauchen könnten, durch eine neue republikanische Truppe zu er⸗ 1 en. Trotzdem werden die Bedingungen des Waffenstillstandes von Monat zu Monat verschärft. Wenn die Gegner glauben, uns strafen zu müssen, so dienen sie der Rache statt der Gerechtigkeit und töten den Geist, in dem nach ihren eigenen Erklärungen der Friede geschlossen werden sollte. Deutschland hat die Folgen seiner Niederlage auf sich genommen und ist entschlossen, die Bedingungen zu halten, die es mit dem Gegner vereinbart hat: diese Bedingungen bedeuten eine völlige Abkehr von den politischen Zielen des srs beren Deutschlands und eine Anerkennung der Wahrheit, die einer der Großen von Weimar in die Worte gekleidet hat: die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Aber unsere Feinde lehnen wir als Richter wegen Befangenheit ab. Nicht dem Spruch des Siegers, nur dem Urteil des Un⸗ parteiischen können wir uns innerlich beugen. Deshalb werde ich mich von den Punkten ds Wilsonschen Friedensprogramms, wie es von beiden Seiten anerkannt ist, nicht abdraͤngen lassen. Dazu gehört in erster Linie die bindende Unterwerfung unserer Differenzen mit anderen Staaten unter eine internationale Schiedsgerichtsbarkeit und der Verzicht auf eine Rüstung, die es erlauben würde, einen Nachbar mit Machtmittein zu überfallen. Zu beiden Beschränkungen unserer Souveränität sind wir bereit, wenn unsere bisherigen Gegner und unsere künftigen Nachbarn sich den gleichen Beschränkungen unterwerfen. (Sehr richtig!) Wir er⸗ kennen an, daß die Stellung, die Deutschland bei den Haager Friedens⸗ konferenzen in diesen beiden grundlegenden Fragen eingenommen hat, eine historische Schuld in sich schloß (Leider!), für die unser ganzes Volk jetzt büßen muß. Dieses Bekenntnis schließt aber keineswegs das Geständnis ein, daß das deutsche Volk im Sinne feindlicher Behaup⸗ tungen allein den Weltkrieg verschuldet und daß es ihn mit einer Barbarei selcece habe, die ihm ausschließlich eigen sei. Wir haben uns über jahrelange Kriegspläne unserer Gegner und über schwere Grausam⸗ teiten ihrer Kriegsführung zu beklagen und sind bereit, über die Schuld am Kriege und Schuld im Kriege unparteiische Männer urteilen zu lassen, die das Vertrauen aller Kriegführenden genießen. Deshalb halten wir an den Wilsonschen Grundsätzen fest, daß dem Sieger keine Kriegskosten zu zahlen und kteine Gebiete der Besiegten abzutreten sind. (Beifall.) Verpflichtet und bereit sind wir, die Schäden wieder gutzumachen, die in den von uns besetzten Gebieten der Zivilbevölkerung durch unseren Angriff entstanden sind. Wenn wir aber in diesen Gebieten das Zerstörte wieder autbauen, so wollen wir dies durch unsere freie Ardeit tun. (Sehr richtig.) Wir verwahren uns dagegen, daß man unsere Kriegs⸗ gefangenen sölche Arbeit als Sklaven verrichten läßt und etwa den Kriegszustand deshalb verlängert, um einen völkerrechtlichen Vorwand für diese Fronarbeit zu haben. (Lebhafte Zustimmung.) Unsere Gegner verdanken den Sieg zu überwiegend großem Teil nicht militärischer, sondern wirtschaftlicher Kriegführung. (Sehr richtig!) Daraus folgt, daß der Friede nicht nur ein vpolitischer, sondern wesentlich auch wirtschaftlicher Friede sein muß. Mit Recht hat Präsident Wilson den Grundsatz wirtschaft⸗ licher Freiheit und Gleichberechtigung als eine Hauptbedingung für einen gerechten und dauerhaften Frieden bezeichnet. Wir dürfen daber annehmen, daß die Beschlüsse der Pariser Wirtschaftskonferenz von 1916 fallen Fekaste werden. ist klar, daß auch eine nur zeitweise Differenzierung Deutschlands auf dem Gebiete des Handels und Ver⸗ kehrs für uns unannehmbar wäre. (Beifall.) Man darf ein Volk wie das deutsche nicht als Volk zweiter Klasse behandeln (Sehr richtig!) man darf ihm nicht vor Eintritt in den Völkerbund eine

weisen. Man kann uns

Quarantänezeit auferlegen, so wie man ein Schiff wegen Pestgefahr

vor dem Hafen zurückhält. (Lebh. Zustimmung.) Wenn wir uns auf erechte Friedensbedingungen einlassen und für ihre Erfüllung die Sicher⸗ heit stellen, die ein verständiger Vertragsgegner fordern kann, so liegt kein Grund vor, uns Meistbegünstigung zu versagen. Allerdings müssen auch wir auf dem Gebiet der Handelspolitik umlernen. Wir haben uns nicht immer von der Wabrheit leiten lassen, daß auch in den Beziehungen der Vöͤlker der Satz gilt: Wenn du nehmen willst, so gib! (Sehr gut!) Das hängt gewiß z. T. mit der einseitig bürokratischen Besetzung unseres auswärtigen Dienstes zusammen. (Sehr richtig!) Mit bürokratischen Mitteln lassen sich die wirtschaftlichen Beziehungen der Voͤlker, die durch den Krieg tief zerrüttet sind, nicht wieder herstellen (Sehr richtig!), deshalb ist es mein Plan, erfahrene Praktiker mehr als bisher in den auswärtigen Dienst einzustellen. Den Anfang babe ich bereits gemacht. Ich ver⸗ traue darauf, daß unser wirtschaftlicher Auslandsdienst b Handelsfreiheit, die uns ein Rechtsfriede bringen muß, in einer Weise ausnutzen wird, die gleich weit von unsolider Schleuderwirtschaft wie von engherziger Krämerpolitik entfernt ist. Auf diesem Wege werden wir am eraes die Abneigung anderer Völker gegen Deutschlands geschäft⸗ liche Methoden aus dem Wege räumen, die wesentlich dazu bei⸗ etragen haben, die Atmosphäre des Krieges vorzubereiten. Die Frei⸗ heit des Handels aber setzt Freiheit der Meere voraus. (Sehr

richtig!) Deshalb ist für Deutschland der Punkt des Wilsonschen Pro⸗ ramms, der von der Freiheit der Meere spricht, einer der wichtigsten. abei kommt es uns weniger auf die Regeln des Seekriegsrechts an wir wollen jetzt nicht von neuen Kriegen reden —, als vielmehr auf friedliche Benutzung der Straßen der See und ihrer Küsten und Häfen. Ueber diesen Hauptpuntt des künftigen Friedensrechts herrscht aber noch keine Klarheit. Die Entente hat sich im vorigen Herbst ihre Zustimmung dazu vorbehalten und die Bedingungen, wie sie Deutschland im Zusammenhang mit dem Versprechen der Lieferung von Lebensmitteln und mit Verlängerung des Waffenstillstands gestellt worden sind, lassen be⸗ fürchten, daß sie Deutschland seiner gesamten Handelsflotte berauben vill. Wohlte man aber Deutschland zwingen, ohne Handeleflotte in den Völkerbund einzutreten, so bedeutete das eine gewaltsame Umkehrung seiner Wirtschaftsentwicklung. (Lebhafte Zustimmung.) Ein solche Umgestaltung kann sich nicht ohne trampfhafte Zuckungen vollziehen die eine stele Bedrobung des allgemeinen Friedens bedeuten würden. Ebensowenig kann Deutschland ohne Kolonien in den Völkerbund eintreten wie ohne Handelsflotte. ( Er⸗ neute lebhafte Zustimmung.) Nach Wilsons Programmn sollen Kolonialfragen eine freie, weitherzige, un edingt unpartelische Schlichtung finden. Im Sinne dieses Programms er⸗ warten wir Rückgewähr unseres Kolonialbesitzes, der uns ;. T. unter Bruch internationaler Verträge, z. T. unter fadenscheinigen Vor⸗ wänden genommen worden ist. (Sehr richtig!) Wir sind bereit, über Abtretung dieser oder jener Kolonie zu verhandeln, aber als rechtmäßige Eigentümer. Die künftige Kolonialpolitik soll menschenwürdige Behandlung der Eingeborenen unter allen Umständen gewährleisten. In dieser Richtung sind nun wir müssen es bekennen auch von uns Fehler begangen. Die Tätigkeit der Missionen, an der Deutschland einen großen, jetzt leider durch den Krieg schwer beeinträchtigten Anteil hatte, muß schon im Interesse der Eingeborenen gesichert werden. Im Zusammenhang hiermit stimmen wir dem Gedanten einer internationalen Kontrolle über Tropenkolonien unter der Voraussetzung zu, daß sich alle Kolonial⸗ mächte ihr unterwerfen und daß Deutschland an der Verwertung und den Erzeugnissen der Kolonien einen angemessenen Anteil crhält (Sehr freilich wird die Beteiligung an kolonialer Tätigkeit für uns nur Bedeutung haben, wenn den tüchtigen Firmen, die als einzige Träger der praktischen Kolonialpolitit Deutschlands zu be⸗ trachten sind, Ersatz für die Schäden geleistet wird, die ihnen durch die Feinde zugefügt worden sind. Auf der anderen Seite müssen wir gefaßt sein, von dem eigentlichen Reichsgebiet wertvolle Teile zu ver⸗ lieren. Das gilt vor allem von Ellaß⸗Lothringen, dessen Wiedergewinn die Frucht unserer Siege und das Symbol deutscher Einheit war. Sie wissen, daß Präsident Wilson die Forderung aufgestellt hat Das n⸗ recht, das Deutschland 1871 durch Annexion Eisaß⸗Lothringens be⸗ gangen bärte, sollte wieder gutgemacht werden. Vom Standpunkt der neuen internationalen Moral, nach der Bevölkerungen im Spiel der Mächte nicht wie Schachsiguren verschoben werden dürfen, war es unrecht, über Elsässer und Lothringer ohne ihren Willen, ja ohne Beachtung der Sprachgrenzen, zu verfügen. (Lebhafte Zu⸗ stimmung.) Ich will hier nicht auf früheres Unrecht hinweisen, das dem deutschen Volke zugefügt wurde. Ich akzeptiere Wilsons Standpunkt, weil es auf das Recht der gegenwärtigen Be⸗ vöskerung Elsaß Lothringens ankommt. Diesem Recht wird Gewalt angelan, wenn jetzt die französische Okkupationsmacht das Land wie ein endgültig erobertes behandelt und alle Eiemente vertreibt oder gefangensetzt, in denen sie ein Hindernis gegen ihre imperialistischen Pläne sieht, und wenn sie den natürlichen Anspruch eines Volkes auf seine Sprache durch gewaltsame Verwelschung an tastet. (Lebh. allseitige Zustimmung.) Noch hat die Friedenskonferens nicht ihr Siegel unter Elsaß⸗Lothringens Schicksal gedrückt, noch ist Elsaß⸗ Lothringen von Rechts wegen Reichsland. Daraus leiten wir die Befugnis her, für das Recht der Elsaß⸗Lothringer einzutreten, daß ihre Stimme bei der Entscheidung über ihr Schicksal gehört wird. (Beifall.) Mögen sie oanzöfische Departements werden wollen oder deutscher Freistaat, mögen sie Autonomie vorziehen oder volle Selb⸗ ständigkeit, Deutschlond wird nicht ehber glauben, daß das neue Europa auf Gerechtigkeit gegründet ist, ehe nicht die feier⸗ liche Zustimmung des ganzen elsaß⸗lothringischen Volkes den Friedensartikel bekräftigt, der die Zukunft des Landes feststellt. Der französische Plan, das preußische Saa gebiet oder die baverische Pfalz an Elsaß⸗Lothringen anzugliedern, bedeutet eine imperialistische Vergewaltigung, die genau so scharf verurteilt werden muß, wie frühere Absichten deutscher Chauvinisten auf das Becken von Longwy und Briep. (Sehr richtig!) Den Franzosen kommt es dabei auf die Kohlenschätze des Saarbeckens wie damals den deutschen Imperialisten auf die Kohlenschätze des Briey⸗Beckens an. Soctten solche Gründe bei den Friedensverhandlungen durchschlagen, so lasse man jede Hoffnung auf Veredelung der internationalen Beziehungen sahren. (Sehr richtig!) reilich hat Frankreich an jeder Schwächung Deutschlands politisches Interesse, sojange beide große Nationen sich gegenseitig als Erbfeinde betrachten urd deshalb bis an die Zähne bewaffnet sich einander gegenüberstehen. Die Friedenskonferenz wird die Aufgabe haben, Garantien zu schaffen, die einen solchen Zustand als sinnlos erscheinen lassen. Nur versuche man nicht, die Garantien darin zu finden, daß man Teile des Reichsgebiets losreißt, die zu seinen lebenswichtigsten Gliedern gehören. (Sehr richtig!). Sie wissen, welche Gedanken von Frankreich und Belgien her mit verdächtigem Eifer in rheinischen und westfälischen Landen verbreitet werden: Errichtung einer selbständigen Republik, die bald unter französische Führung geraten würde, nach⸗ dem die französischen und belgischen Gienzen in deutsches Land vorgeschoben worden wären. Mit großem Geschick machen sich diese Plane zentrifugale Kräfte zunutze, die durch übermäßige Zentrali⸗ jerung des ganzen Wirtschaftslebens in den Kriegsorganisationen er Reichshauptstadt und neuerdings durch gewisse Berliner Begleit⸗ erscheinungen der Umwälzung in unserem Westen ausgelöst waren (Sehr richtig!), so werden treue Deutsche und redli he Anhänger des Reichsgedankens Opfer einer gefährlichen Verführung, vor der ich im Interesse deutscher Füssecgpoliet aufs Nachdrück⸗ lichste warnen muß. (Beifall.) Dieselbe Warnung darf ich auch an gewisse Kreise im Süden unsercs Vaterlandes richten, bei denen der Ruf „Los von Berlin“ ein bis zu einem gewissen Grade zwar verständliches, aber darum nicht weniger beklagenkwerles Echo findet. (Sehr richtig!) Mag die Wiederberstellung der Main⸗ Uinie für den Augenblick vielleicht Vorteile versprechen, die schon während des Krieges eine unterirdische Propaganda unserer Feinde der Bevölkerung glaubhaft zu machen versuchte, auf die Dauer wird eine solche Tiennung mit Sicherheit zum Untergang staatlicher und wirtschaftlicher Selbständigkeit der getrennten Glieder führen. (Sehr wahr!) Das deutsche. Volk ist über alle 1eSen Grenzen, auch über die Grenzen des alten Reiches hinaus, eine lebendige Einbeit. Ein einiges Reich ist feine natürliche Lebensform. (Sehr richtig!) Wir gedenken weder aus Schweizern noch aus Niederländern Deutsche zu machen; von skandinavischen Völkern annektieren wir nur die Sagen ihrer Vorzeit und die Dichter ihrer Gegenwart (Sehr gut!), aber mit unseren österreichischen Brüdern hauen wir bis zum Zusammen⸗ bruche des Römischen Reichs deutscher Nation die gleiche Geschichte. Wir saßen mit ihnen in der Paulskirche zusammen, und die kriegerische Auseinandersetzung, die statt der großdeutschen die kleindeutsche Idee verwirklichte, ist für die Besten unter uns immer ein Bruderkrieg gewesen. Wenn wir uns jetzt