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aufzurichten, sofort deutsche Geistliche, Nerzte und und Delegierte des Roten Kreuzes in die Ge⸗ Pugmenleger aller alliierten JFänder zu! Meine eunen! Ich
inun das Kapitel unserer Kriegsgefengenen ne verla sen. ahne noch cinmal der einmötigen Forderung des genzen deutschen Polkes Ausdruck zu geben. Die deutsche Nationalverfammlung hat eine Resolution gefaßt, die gleichen Inhalts ist. Ich bitte, den Ernst und die mensolichen Beweggründe dieser Bewegumng in ihrer ganzen nachhaltigen Bedeutung zu erfassen. Das deutsche Volk fordert in erster Linie und erwartet von den gegenwärtigen Verhandlungen mit Bestimmtheit, daß der Zwangszurüchhaltung unserer Gefangenen ein Ende gemacht wird. Ich kann mich weder mit der Antwort begnügen, daß Erwägungen über diese Frage bei den Alliterten stattfinden, noch mit der Zusage des Marschalls Foch, daß er uns in dieser Frage bei den alliierten Regierungen seine Unterstützung leiht. Ich muß die Zusage bekommen, daß mit dem Abtransport der deutschen Krlegsgefangenen alsbald begonnen wird. Kein menschlich empsindendes Wesen wird mir die Verantwortung zumuten, in dieser Frage eine andere Forderung zu stellen, als ich hiermit vor dem Ge⸗ wissen der gesamten Menschheit erhebe.“
Vlsnsenen chwestern
Der Reichsminister Erzberger septe sich sodann energisch ein für eh
die Aufhebung der Verkehrssperre zwischen dem linksrheinischen und dem rechtsheinischen Gebiet und für die Freilassung von Personen, die widerrechtlich wegen An⸗ kaufs von maschinellem im Besitz der deutschen Heeresverwaltung gewesenen Geräte verhaftet worden sind. Dann erhod sich seine An sprache zu einer scharfen Anklage gegen die Unterdrückun g alles deutschen Wesens in Elsaß⸗Lothringen und gegen die Ermutigung der polnischen Eroberungs⸗ gelüste durch die Ententc. Er rief aus: „Das deutsche Volk kann und wird sich nicht das Recht nehmen lassen, sich gegen die frechen Uebergriffe der Polen auf sein eigenes Gebiet mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu schützen. Deutschland hat die vierzehn Punkte Wilsons angenommen, aber auch die Alliierten. Punkt elf von ihnen aber besagt nicht, daß Deutschland die Verpflichtung übernommen hätte, tatenlos beiseite zu stehen, wenn die Polen Teile des deutschen Gebietes an sich zu reißen versuchen. Punkt elf gibt auch den Alliierten nicht das Recht, dem deutschen Volke die Abwehr solcher Uebergriffe zu verbieten. Das Recht des deutschen Polkes auf den ungeschmälerten Besitz seiner Einheit im Rahmen der Wilsonschen Puntte und die Abwehr aller Angriffe auf diese Einigkeit bleibt ewig und unantasltbar.“
An das Gewissen Amerikas appellierte Erzberger, indem er zum Schiffahrt, und Lebensmittelabkommen überleitend, Amerika an die amerikanischen Lebensmittelnöte der Jahre 1862/65 erinnerte. „Damals war es Deutschland, welches ven Vereinigten Staaten in ihrer Not unter die Arme griff, ihnen nicht allein Geld, sondern auch Kleidung, Schuhe, Maschinen lieferte und die wirtschaft⸗ liche Erholung ermöglichte. Heute nach fünfzig Jahren ist es umgekehrt. Deut’chland braucht von Amerika Weizen Fett, Fleisch, Petroleum, Baum⸗ wolle, Kupfer. Und seine Valuta steht tief. Wenn Amerika heute ebenso Deutschland beistände wie Deutschland vor fünfzig Jahren den Vereinigten Staaten, könnte Amerita Lebensmittel und Roh⸗ stoffe gegen deutsche Anleihe geben und dadurch Deutschland helfen, sich herauszuarbeiten, und noch ein gutes Geschäft dabei machen!“ Meine Herren, das deutsche Volk kann nicht von den Zusagen leben, die man ihm gidr. Die hinschleppenden Verhandlungen, in denen mehr oder weniger große Zahlen genannt werden, machen nicht satt. Auch hier forderu wir endlich Taten. Das deutsche Volk ist müde, immer nur von seinem Etgenen herzugeben; es will jept Gegenwerte sehen. In weitesten Kreisen des deutschen Volkes ragt man sich mit Recht: Was wollen die Alliierten von uns? Wir bringen Opfer über Opfer und gehen in der Hergabe unseres Besitzes bis an die Grenze der Verarmung. Wir wollen die Lebens⸗ mtttel, die wir brauchen, nicht geschenkt haben, wir wollen sie kaufen. Trotzdem wird die Belieterung immer wieder hinausgezogen. Wir leiden Hunger. Will uns die Entente vernichten, so soll sie nicht verlangen, das wir uns das eigene Grab schaufeln. Die Aerzte haben die Zahlen der Opfer mitgeteilt, die durch die Hungerblockade gefallen sind. Diese Zahten waren während des Krieges der Besfenz lichkeit geheim gehalten; sie gehen in die Hunderttausende! Weit üöber eine halbe Million Männer, Frauen und Kinder sind an Entkräftung oder an den Folgen geringer Widerstandsfaͤhigkeit gestorben. Der hat 1871 das siegreiche Deutschland dem geschlagenen Frankreich gegenüber sich viel freundlicher gezeigt! Hert Marschall! rief Erzverger aus, als vor sast 48 Jahren der deutsch⸗französische Waffenstillstand geschlossen war, legte Jules Favre — es war am 29. Januar 1871 — die von ihm bisher sorgiam verschwiegene Er⸗ nährungslage von Paris Bismarck offen dar: ⸗Paris hatte nur mehr für einige Tage Brot. Bismarck war sichtlich bewegt. Er gewährte sofort elle erdenkbaren Erleichterungen für den Abtransport und bot Favre aus den deutschen Beständen alle irgendwie verfügbaren Lebensmittel an. Favre erkannte dies dantbar an und äußerte: Wenn uns die Preußen kein Mehl gegeben hätten, wären wir Hungers gestorben. Damals hatten wir die Uebermacht, jetzt ruht sie bei Ihnen. Ge⸗ brauchen Sie Ihre Macht gut. Gebrauchen Sie sie so, daß Sie nach einem Abstande von einigen Geschlechtern noch vor dem Welt⸗ gewissen bestehen können; denn jede Macht gibt ewige Verantwortung. Bedenken Sie, daß der Hunger die Brutstätte verheerender Keime ist. Bedenken Sie, daß, wenn diese Keime sich enlwickeln und aus⸗ brechen, auch für Ihre Völker die größten Gefahren entsteben. Verzweiflung ist die Mutter des Bolschewismus; er ist eine leib⸗ liche und geistige Hungerkrankheit. Das beste Heilmittel ist Brot und Recht. Sie haben dagselbe Interesse wie wir, die Welt ͤber die Hungerkrantheit möglichst ungefährdet hinwegzubringen. Ver⸗ anlassen Sie daher, daß das deutsche Volk endlich an der Welt⸗ versorgung, die Sie in der Hand haben, wirklich teilnimmt. Geben Sie uns ferner unser unveräußerliches und auch von Ihnen verbürgtes Recht auf einen Frieden der Versöhnung. Wer heute Völkerhaß sät,
erntet Bolschew ismus. Wieder ist der Ruf des deutschen Volkes nach Abschluß des Vier Jahre und länger hat die
Friedens ohne Echo geblieben. Welt unter einer ungeheuren Belastung der seelischen und Materiellen Tragkraft der Völker gelebt. Sie wollen Ruhe und Arbeit. Wenn sich bei uns der Drang nach dem Frieden stärker und inten⸗ sirer äußert, so liegt das in der ungeheuren Ausschöpfung der Kräfte unseres Volkes begründet. Wollen Sie die vollige Auszehrung des deutschen Volkes, das eben jetzt mit seiner neuen Daseinsform in die Reihe der Demokratien eingetreten ist? Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Verlassen Sie Ihre Politik der rücksichtslosen Ausnutzung der Macht! Seien Sie sich bewußt, daß wie im Einzelleben auch im Leben der Völker die Gewaltpolitik sich bitter rächt.“ .
Land⸗ und Forstwirtschaft.
Die diesjährige „Große landwirtschaftliche Woche“ in Berlin wird im Umfange der Arbeiten und Verhandlungen, die vom 17. bis 21. Februar stattfinden, den Tagungen der Friedens⸗ zeit kaum nachstehen. Der Besuch dürfte freilich von den Schwierig⸗ keiten der Verkebrsverhältnisse beeinflußt werden. Es ist unbedingt notwendig, daß sich die Landwirte, die der Tagung beizuwohnen gedenken, frühzeitig um die nötigen Ausweise bemühen, um den für die Friedens⸗ wirischaft wichtigen Verhandlungen in recht großer Zahl beiwohnen zu können. Die Deutsche SSnhmeisechtes heeserreehe⸗ t ist mit 41 Sitzungen, darunter 9 großen öffentlichen Versammlungen, beteiligt, die sämtlich den gegenwärtig besonders brennenden Tages⸗ sragen nachgehen. Düngerfragen werden nicht nur in der Versamm⸗ lung, der Düngergbteilung. (19. Februar), sondern auch in einem Vurtrage in der Hauptversommlung (21. Februar), der die deutsche Landwirtschaft unter der Wirkung des Dünger⸗ und Piehmangels
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behandelt, erärtert werden. Ein zweiter Portrag in der Haupcber.
sammlung wird sich mit dem Hanfbau befassen. Auch die Saatzucht⸗
abteilung (19. Februar) tritt u. a. der v0 ng der Fasapflanzen näher, vöhrend die ACerbauabtellung Fe. Fehrnar) außer Füs. schlüsfen, die c. aus da Zeit vor dem Kriege für die Feldbestellunz ergeben, eine Aussprache über den Ackerbau ohne Pflng entfalten wird. Der Wiederaufbau der deutschen Rinderzucht wird die Tierzuchtabteilung (20. Februar) beschäftigen. In der Geraäͤte⸗ abtellung (20. Februar) wird die Typisierung landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen, eine Frage, die Landwirtschaft und Industrie gleichmäßig angeht, von drei hervorragenden Fachleuten behandelt werden. Die Obst⸗ und Weinbauabteilung (18. Februar) wird sich mit Richtlinien für neue Obstpflanzungen befassen und die Betriebsabtetlung (21. Februar) außer Arbeiter⸗ und Lohnfragen die Bedeutung der landwirtschaftlichen Betriebsgröße für die Volks⸗ ernährung erörtern. Die Tagezordnungen sind in den „Mit⸗ teilungen der Deutschen Landwirtschaftegesellschaft“ enthalten und werden auf Verlangen auch zugesfandt.
VBerkehrswesen.
Ein Postverkehr mit den noch in Sibirien ver⸗ sbliebenen deutschen Gefangenen war bisher nicht möglich. Das dänische Rote Kreuz in Kopenhagen ist jedoch voraussichtlich in der Lage, Postkarten — keine anderen Sen⸗ dungen — an diese Gefangenen durch Vermittlung des dänischen Konsuls in Wladiwostol zu befördern. Die Post⸗ karten sind tunlichst in offenem Umschlag, ohne Begleitschreiben an das dänische Rote in Kopenhagen unmittelbar einzu⸗ enden. Die an das dänische Rote Kreuz gerichteten offenen
efumschläge mit den eingelegten Postkarten sind als Kriegs⸗ gefangenensendungen portofrei.
Theater und Musik. 3
Im Ovpernbausfe wird morgen, Sonntag, Nachmittags 2 Uhr, als 4. Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen „Die Fleder⸗ maus“ mit den Damen von Granfelt, Sax und den Herren Philipp, Bronsgerst, Sommer, Boettcher, Krasa und Stock in den Hauptrollen aufgeführt. Musikalischer Leiter ist Dr. Carl Besl. Abends 7 Üübr wird „Tiefland“, mit den Damen Hafggren⸗Waag, Escher, Jörn, Birkenström, von Scheele⸗ Müller und den Herren Kraus, Armster, Bachmann, Habich und Henke besetzt, SeSeen. Musskalischer Leiter ist Otto Urack. — Für Montag ist „Otello“ mit den Damen Dux, Birkenström und den Herren Kirchner, Schwarz. Philipp, Henke, Bachmann und Habich angesetzt. Musikalischer Leiter ist Dr. Fritz Stiedry. Anfang 7 Uhr
Im Schauspielhause wird morgen, Nachmittags 2 Uhr, als 3. Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen „Kater Lampe“ in der gewohnten Besetzung gegeben. Spielleiter ist Albert Patrv. — Abends 7 Uhr wud „Othello“ in der gewohnten Besetzung unter der Spielleitung von Dr. Reinhard Bruck aufgeführt. — Am Montag geht „Nathan der Weise“ in der gewohnten Besetzung in Szene. Spielleiter ist Dr. Reinhard Bruck. Anfang 7 Uhr.
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Konzerte.
Einen troßen Tag hatte die Singakademie mit einem „Brahmse⸗Abend“, den sie unter der Leitung ihres Dirigenten, des Professors Dr. Georg Schumann, und unter Mitwirkung des Pbilharmonischen Orchesters in ihrem Saale veranstaltete. Des Meisters „Gesang der Parzen“, seine „Nänie“ und „Ein deutsches Requiem“ standen auf der Vortragsfolge. Man hatte Ge⸗ legenheit, diese so grundverschirdenen Chorwerke aus des Komponisten Schaffen vergleichend zu betrachten. Das formvollendetste Werk in bezug auf Aufbau und Harmonik und auch das Volkstümlichste ist unzweifelhaft das zuletzt genannte. Es wurde in echt Brahmsschem Geiste erfaßt und durchgeführt. Leider standen die Solisten Adelheide Pickert 81e. und Wilhelm Guttmann (Bariton) nicht auf “ nstlerischer Höhe wie der Chor. Schade um den Besamteindruck. Strahlend war 1das Orchester, und Abolf Schüt war ein sicherer Begleiter auf der Orgel. — Ludwig Rüth mrsizierte im Beethovensaal mit dem Philharmonischen Orchester. Er hatte nur Werke aus⸗ ländischer Meister aufs Programm gesetzt. Der Weg führte von César Francks poesievoller somphonsscher Dichtung „Les Eolides“ über W. Stenhammars 2. Konzert in S.Most für Pianoforte mit Orchester zu Norens buntschillerndem „Kaleidoskop“. Ludwig Ruͤth t ein ernststrebender Dirigent und führte die Philbarmoniker mit sicherer Hand durch alle Fährnisse der beiden letztgenannten, teilweise recht verwickelten Ton⸗ schöpfungen. Als Solistin für den Klavierteil in Stenhammars Werk war Ellen Anderfson gewonnen, und das war durchaus eine glückliche Wahl. Mit fast männlicher Kraft wußte sich die Pianistin gegen die Orchestermassen durchzufetzen und brachte die Einzelheiten des Klaviersatzes mit rößter Sauberkeit zur Geltung. — Auch der dritte Abend mit Liedern zeitgenössischer Ton⸗ setzer von Friedrich Schmidt⸗Marlissa im Meistersaal zeigte den mutigen Streiter für deutsche Kunst auf der Höhe seines Könnens. Was es heißen will, 25 neue, moderne, schwierige Gesänge stimmlich und im Vortrag gründlich aus⸗ zuschöpfen, kann nur der Fachmann richtig eurteilen; wenn man ferner bedenkt, daß Schmidt⸗Marlissa eine derartige Leistung in diesem Winter viermal vollbringt, so muß man sich vor diesem erstaunlichen Können verneigen und diesen Sänger seinen Berufsgenossen als Vorbild hinstellen. Allerdings gehört hierfür eine geistige Kraft, deren sich wohl nur eine kleine Zab von Sängern rühmen kann, und diese sind teils zu bequem, teils nicht wagemutig genug, um sich dem Neuen, noch Unerprobten hinzugeben. Um⸗ somehr Anerkennung verdient deshalb Schmidt⸗Marlissas tat⸗ kräftiges Eintreten für die Entwickelung des deutschen Liedes. Fünf Komponisten füllten die Vortragsfolge aus. Hugo Leichtentritt eröffnete den Reigen; er ist eine harmo⸗ nisch interessante Persönlichkeit, dis auch mit viel Glück dem volks⸗ tümlichen Gebiet sich zuwendet, wie „Gestern beim Mondenschein“ und „Es jagt ein Jäger“ bewiesen. Durch wirksame Gegensätze ragt „Nachtreise hervor, und „Die wider Willen Beküßte“ licß durch die schalkbafte Trillerbegleitung aufhorchen. Robert Kahn gab sich in neuen Liedern größtenteils als eine beschauliche Natur, die dem Hörer keine Rätsel aufgibt. Daszernste, gehaltvolle „Urlicht“ und die dramakische Novemberfeier“ waren wohl zwerfellos die Höhepunkte dieser Gruppe. Georg Vollerthun Het offensichtlich an Hugo Wolf gebildet, er veschreitet darüber hinaus aber eigene Wege und gestaltet mit großer Kühnheit. Neben der großzügigen Ballade „Wer weiß, wo“ ist des tief C „Was dertst du5“ zu gedenken. „Ein Musikus wollt fröhlich sein“ gibt sich fuͤr das große Publikum zu grotesk, interessiert den Musiter aber durch geistvolle Arbeit. Nachdem Richard Wintzer, dessen Liederschöpfungen sich steigender Auf⸗ merksamkeit erfreuen, in „Auf ewig“ und „Kommen und Gehen“ als tiefschürfender Ausdeuter schwermütigen Verzichtes zu erkennen ge⸗ geben hatte, stellte er im „Liebeslied im Vorfrühling“ ein reizendes Tongemälde von sprühender Lebenslust hin. Wilhelm Ludwig Gruner wagt sich an große Vornürfe, denen er aber zurzeit noch nicht gewachsen ist, wie „Lied des Gefangenen“ und „Letzter
Tanz“ bewiesen. Da enthält „Venedig“ feine Züge und gibt Sn
sich als ecin reizvolles mmungsbild, das geeignet ist, die Aufmerk⸗
samkeit auf den nech unbekannten Tensetzer zu lenken. Die Kem⸗
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venisten begleiteten Leichteutritt trat nungen Sauerborn mit bestem 6 —. Imn 2. Ahbonnamentskongert von Hein⸗ Grünfeld winkten „. 24. Artbur Schnabel und Joseph Mann mit. Zu einer meisterhaften Aufführung gelangten das A⸗dur⸗Klavierquintett von Dvorak, und Herr Mann sang besonders „Ungeduld“ von Schubert geradezu vollendet schön. — Von Kiavierabenden ist an erster Stelle ein von Waldemar Lütschg im Blüthnersaal veranstalteter zu nennen. Die großen künstle⸗ rischen Vorzüge dieses Pianisten braucht man nicht aufs neue zu rühmen. Er spielte, wie steis, mit großer Genauigkeit und Wärme. Mit einem Impromptu von Hans von Bülow huldigte er auch den Manen dieses vor 25 Jahren verstorbenen großen Musikers und Reformators unseres Konzertlebens. — Bruno Eisner hatte zu seinem Klavierabend im Beethovensaal ein besonders buntes Programm zusammengestellt: Beethoven, Couperin, Rameau, Scar⸗ latti, Schumann, Liszt u. a. Von den guten technischen Fähigkeiten dieses Pianisten ist man ja bereits lange überzeugt. Jene Größe und Tiefe für Beethoven sehlt ihm aber. ECine besondere Geschmacklosigkeit war es, nach der Schumannschen G⸗Moll⸗ Sonate die Lisztsche Ricordanza zu splelen. — Gertrud Schenker stellte sich im Konzertsaal der Hochschule für Musik als eine noch sehr junge Pianistin vor, die gute Anlagen und große Musizierfreudigkeit mitbringt. Größere Sauberkeit im Passazenspiel und Pedalgebrauch sind allerdings noc ernstlich anzustreben, auch sind die Willkürlichkeiten im Tempo energisch einzudämmen. Diefe in ihrer großen Jugend begründeten Fehler werden bei ernstem Studium bald zu beseitigen sein, und man wird dann der Entwicklung des jungen hoffnungsfreudigen Talents gern weitere Aufmerksamkeit schenken. Anna Reichner⸗Feiten und Bernhard Bötel unterstützten das Konzert durch wohlgelungene Liedvorträge. — Einen weichen hübschen Anschlag hat auch die junge Pianistin Hertha Cohn, die sich im Meistersac⸗ mit Kompositionen von Chopin, Beethoven, Brahms und anderen Anführte. Auch ist ihr Vartrag eschmackvoll und ihre Technik gut entwickelt. Ihre Konzertgenossin Fänr; Nivell fang mit boher, beller Sopranstimme Lieder von Brahms und Strauß, jedoch phne persönliche Färbung, ja mitunter sogar ein wenig langweilig im Vortrag. — Eine dritte junge Pianistin, Kalrrin Dayas⸗Söndlin, trat unter Mitwirkung der Geigerin Suzanne Joachim⸗Chaigneau in der Singakademie mit gutem Erfolge auf. Ihre Technik ist klar und fließend, aber die Gestaltungskraft geht mit ihr nicht gleichen Schritt. Da fehs⸗ oft die Wärme und Innerlichkeit. Das Programm zeigte außer den ⸗Variationen (Op. 35) von Brahms, die mit großer Sorgfalt, technisch einwandfrei gespielt wurden, „Grotcsken“ von Erwin Schulhoff (Manuskript⸗Erstaufführung), moderne Tongebilde mit guter persönlicher Note. Der mitwirkenden Geigerin ist schon öfter an dieser Stelle gedacht. Ihr Spiel fesselt durch seine blühende Kantilene und seine Ausmalung des rein Musikalischen. — Es bleibt unerfreulich, das zwei Künstler mit den guten deutschen Namen Joseph Schwarz (Klavier) Eund Alexander Schuster (Cello) es für angebracht hielten, in ibrem Kon ert im Bechsteinsaal ein in⸗ haltlich so minderwertiges Werk wie die Cello⸗Sonate von C. De⸗ bussy aufzuführen. Fuͤr derartige ausländische Nichtigkeiten hätten wir doch wirklich bis nach Friedensschluß noch Zeit gehabt, und es ist die Pflicht der ernsten Kritik, gegen derartige Würdelosigkeiten Einspruch zu erheben. Die zum Anfang Phet. G⸗Moll⸗Sonate von Rachmaninow enthält einen hübschen Scherzosatz, und die zum Schluß vorgetragene G⸗Moll⸗Sonate Beethovens verwischte zum Glück den peinlichen Eindruck der Debussyschen Komposition. Die Vorträge waren gut vorbereitet; der Cellist muß jedoch in Zukunft darauf achten, die Pizzicati klangvoller zu gestalten. — Von Liederabenden sei zunächst der von Fohanne s Müller im Blüthnersaal exwähnt. Der Künstler, der von der Schauspiel⸗ zur Gesangsbühne überging, ist als der erste und eindrucksvolle Darsteller der Rolle des Franz Schubert im „Dreimäderlhaus“ hier noch in guter Erinnerung. Für das Konzertpodium ist er jeboch noch nicht reif; hier beißt es, Nebertriebenheiten des Vortrags und der Ton⸗ Fehuns. die auf der Bühne wirken, abzulegen und sich der Schlicht⸗ eit zu befleißigen. Auch gesangstechnisch wird der sympathische Künstler noch au sich zu arbeiten haben — Adelbeide Pickert (Beethoven⸗ saal), seine ehemalige vom Friedrich Wilhelmstädtischen Theagter, ist im Konzertsaal schon heimischer. Sie ist im v. eines wohlkultivierten hohen Seoprans und singt mit Ver⸗ ständnis und Geschmack. Ihre Besonderheit sind die hohen Kopftöne, die ihr mit guter Reinheit und lieblicher Zartheit gelingen. Der Aussprache ist noch größere Deutlichkeit zu wünschen. Von neuen Liedern Otto Uracks sind „Du banger Duft“ durch feine motivische Arbeit und interessante Harmonik, ferner „Seine Heimat’ und „Mädchenlied“ durch anmutige volkstümliche Melodik und von Joseph Haas das sinnige „Ich moͤchte still' und das niedliche ‚„Regenwetterlied“ hervorzuheben. — Anne⸗Marie Cranz erfreute an ihrem Liederabend im Bech⸗ steinsaal aufs neue ihre Zuhörer. Ihr Vortrag zeugt in allen Liedern von einem tiefen, inneren Erleben, und wenn die Stimme dieser echten Künstlerin auch nicht ghoß ist, wird man doch niemals müde, ihr zuzuhören. — Else Wilhelmi, die mit Professor Behm am Flügel in demselben Soal Lieder von Robert Franz, Schubert, Ritter, Behm und Brahms sang, verfügt über eine seine Stimmkultur in allen Registern. Einige kleine ehler in der Atemgebung werden bald ausge⸗ glichen sein, da die temperamentvolle Künstlerin alle Eigen⸗ schaften einer Liedersängerin in hohem Maße besitzt. Ihre reife Darstellungskunst ließ öster aufhorchen, und man darf auf weitere Konzerte gespannt sein. — Der Baritonist Fritz Kauffmann, der ebenfals im Bechsteinsaal sang, ist ein Sänger mit sehr schöner Stimme, deren Ausbildung aber noch sehr zu wünschen übrig läßt. Desgleichen ist Lotte Boetzel⸗Jacobsohn (Klind⸗ worth⸗Scharwenkasaal) eine Anfängerin, die noch viel lernen muß. — Tossy Spiwakowsky, der jüngste unter den Geigern, ließ sich im Beethovensaal in einem eigenen Konzert hören. Er spielte u. a. mit seinem Bruder Jascha Spiwakowsky am Klavier eine Sonate D⸗Dur von Nardini, zwei ungarische Tänze von Brahms⸗ Joachim und die Phantasie über Motipe aus Gounods „Faust“ von Wieniawski, außerdem die Chaconne für Violine allcin von Bach⸗ Es ist erstaunlich, über welche technische Fertigkeit dieser 11 jährige begabte Junge verfügt, mit welcher Ruhe er der größten Schwierig⸗ keiten Herr zu werden weiß. Dabei fehlt es ihm auch nicht an einem gesunden Musikempfinden, das ihn fast immer das Rechte treffen läßt. Bei weiterem ernsten Studium darf man noch viel Schönctz von ihm erwarten. Der Bruder war ihm ein kluger und feinsinniger Begleiter. — Bruno Decarli vom Deutschen Theater sprach im Meistersaal Dichtungen von Hebbel und Heine. Man kennt den Künstler von der Bühne her als guten Sprecher. ebbels Gedankenwelt liegt seiner Wesensart näher als die eines, aber auch hier gab er viel Schönes und Gutes und erwarb ich damit verdientermaßen den warmen Beifall seiner zahlreich er⸗ chienenen Zuhörer. — Der Schauspieler JFoseph Peterhans vom Theater in der Königgrätzerstraße trug im Bechsteinsaal mit dramatischem Schwung eigene Dichtungen vor, die meistens auf einen recht schwermütigen Ton gestimmt waren, von tiefer seelischer Empfindung zeugten und ergreifend wirkten, wie z. B. die Lieder aus dem Zytlus „Mutter“. Im Gegensatz zu diesem ernsten Teil der Vortragsfolge erweckte der mitwirkende Lautensänger 55 Randow in reichem Maße die Heiterkeit seiner Hörer, wenn au die Art seiner Vorträge nicht recht in einen Koͤnzertsaal paßte.
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rsönlich am Flügel, für den Verhinderten 8 8&
age unserer Wirtschaft mehr als je bedürfen.
einem der
„Erträgnissen der Wirtschaftstätigkeit erreichen zu können.
nur theoretischer Erkenntnisse,
Handel in die Höhe bringe.
Bodenertra e vor. lwie der
gwortet er:
übetriebe von
8
Zweite Beilage
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zum Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger⸗
Berlin, Sonnabend den 15. Februar
. 1“ 5 1919. 8
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Literatur.
Produktionspolitik zum Wiederaufbau der gdeutschen Wirtschaft. Von Richard Calwer. Zeit⸗ ragenverlag Berlin⸗Zehlendorf⸗West. Preis 2 ℳ. — Schon vor der politischen Umwälzung in Deutschland begegneten auch in bürgerlichen Freisen Sozialisierungsbestrebungen nicht mehr allgemeiner Ab⸗ ehnung. Dazu haben namentlich Reden und Schriften von Dr. Walther Rathenau viel beigetragen. Seine Lehre, die n der vielgelesenen Schrift „Die neue Wirtschaft“ ihre Keristallisation fand, gipfelte in den Sätzen, daß Wirtschaft nicht anger Privatsache bleiben, sondern Sache der Gemeinschaft werden nüsse, und daß der ungeregelte Kampf aller gegen alle einer planvollen Ordnung Platz zu machen habe. Nicht nur die Erzeugung, ondern auch der Verbrauch soll nach seinen Wünschen Sache der Gemeinschaft und des Staates werden. Gewisse Schäden eines ngezügelten Wirtschaftskampfes und eines planlosen Wettbewerbs hat er dabei so eindrucksvoll aufgedeckt, daß bei der Durchschlagskraft einer Kritik auch die von ihm vorgeschlagene Ordnung zahlreiche Anhänger fand. Mit den Anschauungen Rathenaus setzt sich der zerfasser der hier angezeigten Schrift auseinander weniger in ab⸗ ehnender Polemik als in einer aufbauenden Darstellung von der Kunst der Gütergewinnung und ihren Wesensgrundlagen. Im Gegensatz zu er nach seiner Ansicht utopischen Hoffnung einer planvollen Regelung bes Wirtschaftskampfes zeigt er dem Leser diesen Kampf als das vahre Element des Wirtschaftslebens und den Wagemut der Unter⸗ ehmungen und ihrer Leiter als die unentbehrliche Triebfeder zur geberwindung der Risiken dieses Kampfes. Er verfolgt diese Trieb⸗ raft in einer Untersuchung des Wesens der Unternehmungen, die zurch Anlegung willkürlicher Fesseln lahmgelegt würden und ohne volle Bewegungsfreiheit nicht in der Lage seien, die Produktions⸗ teigerung herbeizuführen, deren wir in der jetzigen kritischen Er erörtert die Voraussetzungen einer solchen Steigerung, die nicht aus Wirtschaft aufgenötigten Plan hervorgehen könne, sondern erst das allmähliche Ergebnis der das Wirtschaftsleben durch⸗ vogenden Kämpfe sei. Er legt die Bedeutung der kaufmännischen
Seite der Unternehmung dar und läßt die frese Beweglichkeit der
Preise als das wirksamste Mittel, die Kunst der Gütergewinnung zur höchsten Entfaltung zu bringen, erkennen. Er prüft die Rolle der paatlichen Unternehmung auf innerwirtschaftlichem Gebiete, unter⸗ treicht die bekannten Mängel der staatlichen Kriegs⸗ und Uebergangs⸗ irtschaft und weist die Fehler einer Sozialpolitik auf, die der irr⸗ tümlichen Meinung ist, ihre Zwecke aus dem Prozesse statt ün 84. Er sucht chließlich die Unmöglichkeit einer staatlichen Handelspolitik gegenüber ben Gesetzen des zwischenstaatlichen Wirtschaftskampfes darzutun und setzt sich mit denen auseinander, die das gefährliche Experiment der Vergefellschaftung in einem Augenblick unternehmen wollen, wo der nternationale Kapitalismus Deutschlands Wirtschaftskraft den chwersten Schlag versetzt hat. In der Beweisführung, daß das Wesen der Gütergewinnnng auf anderer Grundlage ruht, als die Befürworter einer weitgehenden Sozialisierung annehmen, liegt der Wesenskern und in der nachdrücklichen Warnung davor, gerade in dem
zetzigen verhängnisvollen Augenblick das staatliche Eigentum zu ver⸗
inehren, um es den Feinden zur Beute hinzuwerfen, die Wichtigkeit on Calwers Ausführungen. Aus ihrem Studium wird der Leser
Peine umfassende Bereicherung seiner wirtschaftlichen Einsichten davon⸗
ragen. Agrarreform —
ein Mittel zur Linderung
beutscher Not. Von Professor Dr. Backhaus, Geheimem
Regierungsrat in Berlin. Verlagsbuchhandlung Paul Parey hier⸗ selbst. Preis 2 ℳ +† 20 % Teuerungszuschlag. — Auf Grund nicht sondern einer 30 jährigen landwirt⸗ schaftlichen Erfahrung in Deutschland und Amerika macht Backhaus
in dieser anregenden Schrift Vorschläge für eine weitgehende Agrar⸗
reform, deren Durchführung in Verbindung mit fleißiger und durch⸗ dachter Ausnutzung der heimischen Erde auch wieder Industrie und 1 Mißstände liegen nach seiner Ansicht in der Besitzverteilung des Bodens, in der Landnutzung und im 1 Unter Verwerfung phantastischer Experimenie, erstaatlichung des gesamten Grund und Bodens, der Aufteilung aller Großgüter und des Produktionszwanges, befür⸗ - schnell durchzuführende Umwandlung von 1 000 000 ha Großgrundbesitz in mittlere und kleinere Betriebe (etwa 40 000 Klein⸗ betriebe je 10 ha, 7000 Mittelbetriebe von je 50 ha und 1000 Restgüter von je 250 ha, die Belassung von Großgütern als Restgüter sei zur Verwertung der vorhandenen Gebäude und des
Inventars sowie auch zur Anregung und Förderung der Mittel⸗ und
Kleinbetriebe unbedingt notwendig), ferner die Besiedlung von
2000 000 ha Moor und Heide, neben der Schaffung von 100 000 seuen 400 000 Arbeiterfamilien in die bestehenden betriebe, die Uebernahme von 1 500 000 ha schlecht bewirtschafteter
landwirtschaftlichen. Betrieben die Ueberführung von
Groß⸗ und Mittel⸗
Privatforsten in Staatsbewirtschaftung, die Gewährung von Wohn⸗ und Gartenstellen an die städtische und Industriebevölkerung, die
(Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft außer durch andere Mittel
durch die als Musterbetriebe zu entwickelnden Großgüter sowie durch Zusammenlegung der Grundstücke und Versorgung des gesamten Land⸗ baues mit Maschinen und Geräten nebst Hilfsstoffen, wodurch für In⸗ zustrie und Handel ein innerer Markt im Jahreswert von 6,4 Mil⸗ liarden Mark entstehen könne. Auf Grund seiner eigenen prak⸗ tischen Erfahrung hält es Backhaus für möglich, innerhalb von „10 Jahren die landwirtschaftliche Produktion des Deutschen Reichs um 50 % im Jahreswerte von 10 Milliarden Mark zu steigern, damit eine felbst auf 100 Millionen Menschen steigende Bevölkerung
zu ernähren, der Hälfte davon im Haupt⸗ und Nebenberuf eine Be⸗
Ffligung in der Landwirtschaft, der anderen Hälfte eine gesicherte b eschäftigung in Industrie, Handel, Verwaltung, Kunst und Wissen⸗ sgaft zu bieten. Eine derartige gesunde Entwicklung werde den de ten Wall gegen den Niedergang des Deutschtums bilden, das deutsche Volk auch für Kolonisationsaufgaben befähigen und es so doch noch zu der ihm gebührenden Weltgeltung führen.
Unter der Ueberschrift „Groß Berlin, Grundzüge zu
leinem Gesetz, betreffend Bildung einer Gesamt⸗
Emeind e“ veröffentlicht der Oberbürgermeister von Berlin⸗ Schöneherg Dominicus in Heft 3 (1919) der „Kommunalen Praris *, Wochenschrift für Kommunalpolitik und Gemeinde⸗ sozialismus (Schriftleitung: Dr. Albert Südekum, Verlag: Buch⸗ andlung Vorwärts, Paul Singer, G. m. b. H., Berlin, Linden⸗ straße 3), den vom „Bürgerausschuß Groß Berlin“ ausgearbeiteten and dem Ministerium des Innern unterbreiteten Entwurf eines Ge⸗ etzes über Neuordnung der Großberliner Gemeindeverfassung nebst dergrüindung. In Anbetracht dessen, daß es sich um die Verfassung 5* Reichshauptstadt handelt und daß die Eingemeindungsfrage jetzt Biele deutsche Städte beschäftigt, darf diese Veröffentlichung auf das Interesse weiter Kreise rechnen. — Ludolf Weidemann, Briefe eines Glücklichen. Geb. 7 ℳ. Gustav Schlaeßmanns Verlagsbuchhandlung.) Der lückliche, der diese Briefe schrieb, war ein bewußt Sterbender. Als
eschaut er die Vergangenheit und läßt sie in seinen Briefen wieder belchen werden. Hüle Schöne, was die Natur ihm bietet, die Treue seiner Freunde und seiner Haushälterin, die mannigfaltigen Erinnerungen — alles genießt er dankbar und wertet es hoch. — Sieghafter Humor lächelt in diesen Blättern, und die starke, glaubensfrohe Seele eines geistig hochstehenden Mannes spricht zu
uns aus diesen Seiten.
Handel und Gewexbe.
Nach der Wochenübersicht der Reichsbank vom 7. Fe⸗ bruar 1919 betrugen (+r und — im Vergleich zur Vorwoche):
Aktiva. 1919 1918 1917
ℳ ℳ ℳ Metallbestand*) . . 2272 152 000 2 520 737 000 2 542 271 000 darunter Gold.
[s— 1 527 000) (- 285 000) (+ 831 000)
2 252 147 000 2 407 345 000 2 525 490 000
(s— 1 565 000) (+ 244 000) (+ 1 072 000) Reichs⸗ u. Darlehns⸗ kassenscheine.
Noten and. Banken
5 781 470 000 1 248 585 000 282 881 000 (+ 28 805 000) (s— 14 717 000) (4‿ 3 939 000) 4 191 000 4 715 000 4 706 000 (+ 1 246 000) (+ 2 549 000) ( 1 511 000) Wechsel, Schecks u. diskontierte Reichs⸗ schatzanweisungen.
26 030 456 000 12 609 315 000 8 188 720 000 (s— 1068178000) 1- 496 210 000) (£ 8 681 000) 7 696 000 8 513 000 12 015 000 (s— 1 230 000) —- 208 000) 1 2 058 000) 147 584 000 90 455 000 109 308 000 ([— 566 000) (— 8 436 000) (£ 4 762 000) 2 833 888 000 1 860 660 000 997 671 900 (+ 2 056 000) (— 56 301 000) (+ 17 413 000)
180 000 000 180 000 000 180 000 000 (unverändert) (unverändert) (unverändert) 94 828 000 90 137 000 85 471 000 (unverändert) (unverändert) (unverändert) 23 665 671 000 11 121 678 000 7 892 292 000 (+ 18 031 000) (— 17 256 000) ( 33 803 000)
11 389 795 000 6 303 441 000 3 505 047 000 — 1132942000) (s— 372 886 000) (+ 52 618 000) 1 747 143 000 647 724 000 474 762 000 (+ 75 517 000) (s— 183 466 000)] (s— 47 226 000)
*) Bestand an kursfähigem deutschen Gelde und an Gold in Barren oder ausländischen Münzen, das Kilogramm fein zu 2784 ℳ
berechnet.
Lombardforderungen Effekten. sonstige Aktiven
Passiva. Grundkapital.
Reservefonds.. umlaufende Noten .
sonstige tägl. fällige Vecbindlichkeiten 8
sonstige Passiva..
— In der gestrigen Sitzung der Feinblechwalzwerke wurden, laut Meldung des „W. T. B.“ aus Essen, mit Rücksicht auf die durch die weitere Erhöhung der Löhne und Rohstoffpreise fort⸗ schreitende Steigerung der Selbsttosten die Preifse für Handels⸗ feinblech mit sofortiger Wirkung um 150 ℳ für die Tonne im Grundpreise erhöht. Auch die Preise für Qualitätsfeinblech erfuhren in Anbetracht der gesteigerten Selbstkosten eine sofort eintretende Erhöhung.
— Der Geschäftsbericht der Berliner Jute⸗Spinnerei und Weberei in Berlin⸗Stralau über das Jahr 1918 weist darauf hin, daß das Werk in Stralau seit Ende Oktober 1917 stillgelegt ist, so daß das ganze Geschäftsjahr 1918 der Abwickelung laufender Geschäfte und dem Verkauf des noch bestehenden Lagers ge⸗ widmet war. Die Aktionäre erhalten 10 vH, wozu das Werk in Bautzen 96 000 ℳ zusteuert. Die Vorbereitung zur Verlegung des Stralauer Betriebes nach Bautzen haben den Vorstand der Gesell⸗ schaft auch in diesem Jahre beschäftigt. Das im vorigen Jahre in Bautzen erworbene Terrain ist durch Zukauf vergrößert und mit dem Bau ist begonnen worden.]
— Ungeachtet durch Lohnsteigerungen usw. verringerter Betriebs⸗ überschüsse schlägt laut „W. T. B.“ der Aufsichtsrat der Berg⸗ werks⸗A.⸗G. Consolidation, Gelsenkirchen, infolge der Verkaufsgewinne aus den Fürst⸗Leopold⸗Kuxen wie im Vorjahre, nämlich 22 pH als Anteil für die Aktionäre vor.
— Die Vereinigten Köln⸗Rottweiler Pulver⸗ fabriken haben laut „W. T. B.“ ihre Kriegsgeschäfte im wesent⸗ lichen abgewickelt. Die Pulverherstellung wird für absehbare Zeit auf ein äußerst geringes Maß beschräntt sein. Um die im Kriege außerordentlich erweiterten Anlagen nutzbar zu machen, ist die Gesell⸗ schaft genötigt, zu neuen Produktionszweigen überzugehen. Der Vorstand ist bemüht, ein brauchbares Umstellungsprogramm auf⸗ zustellen. Er ist hierbei jedoch durch die sehr enge Satzungs⸗ bestimmung über den Gegenstand des Unternehmens behindert. Es soll deshalb einer auf den 7. März einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung vorgeschlagen werden, die Satzung dahin zu ändern, daß Gegenstand des Unternehmens neben den bisherigen Be⸗ triebszweigen auch die „Ausnutzung der Fabrikanlagen durch Auf⸗ nahme neuer geeigneter Produktionszweige“ sein soll. In Ver⸗ bindung hiermit soll eine entsprechende Aenderung der Firma vor⸗ genommen werden.
— Der Aufsichtsrat der Eisenhüttenwerk Thale Aktien⸗Gesellschaft beschloß laut „W. T. B.“ einen Gewinnanteil von 26 vH und eine besondere Vergütung von 100 ℳ in zu 5 vH verzinslicher Kriegsanleihe auf je 600 ℳ Aktienkapital vor⸗ zuschlagen. Zu diesem Zwecke wird der erzielte Gewinn durch Ent⸗ nahme von einer Million Mark aus der besonderen Reserve aufge⸗ füllt, wovon 500 000 ℳ als besondere Zuwendung an die Arbeiter vorgesehen sind. Ueber den angenblicklichen Geschäftsgang wird be⸗ richtet, daß Aufträge in reichlichem Umfange vorliegen, daß aber infolge der enormen eeeö bei der Brennstoffversorgung die Werkanlagen nur in einem kleinen Teil betrieben werden können. Infolge dieser unrationellen Fabrikation haben die Heiltzgangefr s eine solche Verteuerung erfahren, daß für die ersten Monate des neuen Jahres mit einem ungünstigen Ergebnis gerechnet werden müsse.
— Die Generalversammlung der Freiberger Papierfabrik zu Weißenborn genehmigte den Rechnungsabschluß für 1918 sowie den sofort zahlbaren Gewinnanteil von 14 vH.
London, 13. Februar. (W. T. B.) Bankausweis der Bank von England. Gesamtrücklage 30 236 000 (gegen die Vorwoche Zun. 329 000) Pfd. Sterl., Notenumlauf 69 833 000 (Abn. 34 000) Pn. Sterl., Barvorrat 81 610 000 (Zun. 166 000) Pfd. Sterl.,
echselbestand 83 298 000 (Abn. 172 000) Pfd. Sterl., Gusaben der Privaten 120 046 000 (Zun. 4 565 000) Pfd. Sterl., Guthaben des Staates 28 158 000 (Abn. 2 563 000) Pfd. Sterl., Rotenreferve
29 188 000 (Zun. 264 000) . Sterl., Regierungssicherheiten 52 680 000 (Zun. 1 841 000) 8 Sterl. — Verbaltnis der bes.
er fühlte, daß sein Leben zur Neige ginge, Fee er Verlin und zog
sich auf sein Schlößchen in Holstein zurück. Mit abgekläͤrter Ruhe
e lagen zu den Verpflichtungen 20,40 gegen 20,45 vH in der Vor⸗
I8
woche. Elearinghouseumsatz 464 Millionen, gegen
die entsprechende Woche des Vorjahres mehr 80 Millionen. “ 8
8
Berichte von auswärtigen Wertpapiermärkten.
Wien, 14. Februar. (W. T. B.) Der Verkehr der Börse war durch Zurückhaltung gekennzeichnet, die Stimmung war jedoch vor⸗ wiegend fest, da die Aeußerungen des Staatssekretärs Steinwender gegenüber den Vertretern der Presse über die eventuellen währungs⸗ politischen Maßnahmen und die Kriegsanleihen beruhigend wirkten. Das Fee segere blieb wieder türkischen Werten zugewendet. Außerdem waren Bankpapiere und Südbahnprioritäten besser gefragt. Die Haltung des Schꝛankens war nicht einheitlich. Renten erholten sich merklich. “ 8 89 13. Februar. (W⸗ T. B.) (Börsenschlußkurse.) Türkische Lose 429,00, Orienthahn 1455,00, Staatsbahn 984,50, Südbahn 117,00, Oesterreichischer Kredit 646,00, Ungarischer Kredit 955,00, Anglobank 437,00, Unionbank 549,00, Bankperein 461,00, Länder⸗ bank 451,00, Tabakaktien 1234,00, Alpine Montan 888,50, Prager Eisen 2875,00, Ruma Muranyer 920,25, Skodawerke 780,00, Salgo Kohlen 981,00, Brüxer Kohlen 1645,00, Galizia 1438,00, Waffen 1065,00, Lloyd⸗Aktien 2440,00, Poldihütte 1170,00, Daimler —,—, Oesterreichische Goldrente 131,50, Oesterreichische Kronenrente 87,15, Februarrente 87,75, Mairente 87,15, Ungarische Goldrente 151,50,
Ungaaische arona cgeb na. (W. T. P.) Autliche Notiemmgen der
Wien, 14. Februar. Devisenzentrale. e 197,85 G., 198,15 B., Amsterdam Kopenhagen
673,50 G., 674,50 B., Zürich 340,00 G., 341,00 B. nb 432,00 G., 433,00 B., Stockholm 477,00 G., 478,00 B., Christiania 455,00 G., 456,00 B., Marknoten 197,50 G., 198,00 B.
Wien, 14. Februar. (W. T. B.) (Börsfenschlußkurse.) Türkische Lose 441,00, Orientbahn 1463,00, Staatsbahn 983,00, Südbahn 119,25, Oesterreichische Kredit 656,00, Ungarische Kredit 959,00, Anglobank 445,00, Unionbank 575,00, Bankverein 471,00, Länderbank 462,00, Tabakattien 1253,00, Alpine Montan 851,50,
rager Eisen 2828,00, Rima Muranper 933,90, Skodawerke 733,00, Ler so Kohlen 995,00, Brüxer Kohlen 1645,00, Galizia 1405,00, Wassen 1042,00, Aovdaktien 2470,00, Poldihütte 1168,00, Daimler 681,00, Oesterreichische Goldrente 130,50, Oesterreichische Kronenrente 88 50, Februarrente 89,75, 88,50, Ungarische Goldrente 150,00, Ungarische Kronenrente
Lbaghn, — Februar. (W. T. B.) Privatdiskont 31 22, Silber 47 ⅛. — Wechsel auf Amsterdam 3 Monate 11,50 ½, Wechsel auf Paris 3 Monate 26/42, Wechfel auf Paris kurz 25,98.
Paris, 13. Februar. (W. T. B.) 5 % Franz. Anleibe 8 91,17, 3 % Franz. Rente 65,00, 4 % Span. äußere Anleihe 97,70,
5 % Russen von 1906 58,50, 3 % Russen von 1896 35,00. 4 % Türken unif 71,95, Suez⸗Kanal 5350, Rio Tinto 1642.
Amsterdam, 14. Februar. (W. T. B.) Tendenz: Etwas fester. Wechsel auf Verlin 27,17 ½, Wechsel auf Wien 13,20, Wechsel auf Schweiz 49,85, Wechsel auf Kopenhagen 63,25, Wechsel auf Srockholm 68,25, Wechsel auf New York 242,90, Wechsel auf London 11,57, Wechsel auf Paris 44,52 ½. — 5 % Nieder⸗ ländische asealeg v. . 98. 3 % Niederl. W. S. 63 ½, Königl. Niederländ. Petroleum 579 ⅛8, Miederländisch Indische Handelsbank 220 ¾, Atchison, Topeka u. Santa F56. —,—, Rock Island —,—, Southern Pacific 93 ½ Southern Raihwov 463, Unson Paeffte — —, Anaconda 130 Unted States Steel Corp. 85 8, Französisch⸗Englische Anleihe —, Hamburg⸗Amerita⸗ Linie —. 1
openhagen, 14. Februar. (W. T. B.) Sichtwechsel auf 1395, do. auf Amsterdam 158,50, do. auf schweizer. Plätze 78,85, do. auf London 18,26, do. auf Paris 70,50, do. auf Antwerpen 68,75.
Stockholm, 14. Februar. (W. T. B.) Sichtwechsel auf Berlin 40,25, do. auf Amsterdam 147,00, do. auf schweizer. Plätze 73,00, do. auf London 16,95, do. auf Paris 65,35, do. auf Brüssel
New York, 13. Februar. (W. T. B.) (Schluß.) Die Börse setze in fester Haltung ein, da die Haussiers umfangreiche Käufe vor⸗ nahmen. Die Unternehmungslust erstreckre sich namentlich auf Oel⸗ werte, die ihre Kurse bedeutend verbessern konnten. Im weiteren Verlaufe nahm die Aufwärtsbewegung ihren Fortgang. Schiff⸗ fahrtsaktien, die Werte von Ausrüstungsgesellschaflen sowie Spezial⸗ werte wurden in größeren Posten aus dem Markte genommen. Der Schluß war fest. Umgesetzt wurden 640 000 Aktien. Tendenz für Geld: Sehr fest. — Geld auf 24 Stunden Durchschnittssatz 5 ½, Geld auf 24 Stunden 8* Darlehen 5 ¼, Wechsel auf London (60 Tage) 4,73,50, Cable Transfers 4,76,45, Wechsel auf Paris auf Sicht! 5,45,62, Silber in Batren 101 ⅛, 3 % Northern Pacific Bonds —, 4 % Ver. Staaten Bonds 1925 „Atchison, Topeka & Santa Fé 90 ⅞, Baltimore & Ohio 46, Canadian Pacific 158 ½, Chesapeake & Ohio 54 ¾¼, Chicago, Milpaukee & St. Paul 35 ¼, Denver & Rio Grande 4, Illinots Centrck 97 ¾, Louisville & Nashville 114. New York Central 72, Norfolk & Western 104 ½, Pennsylvania 44 ½., Reading 6 1 Southern Pacife e 98 ⅞, Union Pacific 127 ¼, Anacondo Copper Mining 57 ⅛, Unite⸗ States Steel Corporation 90 ⅛, do. pref. 114 ½.
—.— 7
4
Berichte von auswärtigen Warenmärkten. London, 13. Februar. (W. T. B.) Kupfer per Kasse 79 ⅛. 81110n 18., 8 31. Januar. (W. T. B.) Baumwolle.
Amtliche Notierungen. Boweds ordinarv 13,49, do. good
ord. 14 02, do. fully good ord. 14,91, do. low. middl. 15,54, do.
ully low. middl. 16,07, do. middling 16,59, do. fully middling 16 96,
1 good middling 17,31, do. fully good middling 17,91, do. middling
fair 18,33, Pernam fair 20,99, do. good fair 21,99, Ceara fair
20,99, do. good fair 21,99, Egyptian brown fair 20,50, do. good
fair 22,95, do. fully good fair 24,57, do. good 26,47, M. G. Broach
good 16,92, do. fine 17,42, Omra Nr. 1 good 16,57, do. fully good
17,07, do. fine 1 Scinde & Bengal good 14,80, do. fine 15,67,
Tinnivelly good 17,67. oa⸗ 13. Februar. T. B.) Baumwolle. Umsatz
1000 Ballen, Einfuhr 14 400 Ballen, davon 4400 Ballen ameri⸗
kanische Baumwolle. — Für Februar 16,94, für März 15,64. —
Brasilianische 3, Texas 6 Punkte höher, Aegyptische 21 Punkte niedriger. Bradford, 13. Februar. (W. T. B.) Wollmarkt. Am
Wollmarkt erwartete ben9 Londoner Verkäufe, die auf einer reellen
Wertbasis erfolgen dürften. baf w YPor k, 13. Februar. (W. T. B.) (Schluß.) Baumwolle
loko middling 25,65, do. für Februar 22,00, do. für März 22,16,
do. für April 21,54. New Orleans loko middling 25,50, Petroleum
refined (in Cases) 20,25, do. Stand. white in New York 17,25,
do. in tanks 9,25, do. Credit Balances at Oil City 4,00, Schmal
prime Western 25,90, do. Rohe & Brothers 28,50, ucker
Zentrifugal 7,28, Weizen Winter 237 ½, Mehl Spring⸗Wheat
clears 9,00 — 9,50, Getreidefracht nach Liverpool nom., ffe
Rio Nr. 7 loko 15 ½, do. für Mat 14,20, do. für Inli —,—.
Hoslland⸗Amerika⸗Linie 397,