nicht vergebens an das deutsche Voik gerichtet. (Sehr ehte) Die Regierung lut alles. um das vos der Kriegsgefangenen b Undern, und wir sind insbesondere Dank schuldig der Zentralstelle für Kriegs. und Zivilgefangene, die unter Leitung des Abg. Stücklen arbeitet. (Beifall). Die deutschen Bischöfe haben sich in einer Ein⸗ gade an den Heiligen Stuhl fuͤr die deutschen Kriegsgefangenen ringesept, und ich richte ven dieser Stelle aus einen offenen Appell an das Rote Kreuz in Genf, das waͤhrend des Krieges nicht immer 5 neutral gewesen ist, wie wir es erwarten konnten. (Schr richtig!)
Möge es sectzt seine Hobe sittliche Mission dahin auffassen, daß wir unsere Gerangenen zurückerhalten. (Beifall.) Vor aller Welt stelle ich fest, daß Deutschland einen Krieg nicht mehr führen will und nicht mehr fübren tann. Wenn gleichwohl einseitig unsere Kriegsgefanenen zürüͤckbehalten werden, so ist das eine Barbarei, wie sie die Mensch⸗ beitsgeschichte nicht kennt. (Lebhafte allseitige Zustimmung) b 8 lög. Haafe (ꝗ Soz.) bestreitet in periönlicher Bemerkung, durcch Stellung von Beweisanträgen das Untersuchungsverfahren wegen der ötung der vier Gefangenen im Tegeler Forst verschleppt zu daben. Die Anträge hätten den Zweck gehabt, das Verfabren zu fördern, und die gegenteitigen Behauptungen des Kriegaministers scien eine schamlose Verdrebung des wahren Sachverhalts. (Große Unrube.)
. Kriegemnister, Oberst Neinhardt: Ich babe dem Abg. Haase nicht den Vorwurf der Verschleppung gemacht, sondern nur den Be⸗ richt des Kommandanturgerichts verlefen, wonach sich die Einleitung des Unterfuchungsderfahrens hinausgeschoben bat, weil der Abg. “ als Verteidiger ꝛcch die Vernehmung von Zeugen beantragt
Abg. Rießer (D. Vp.) bestreitet, von einem G ensatz zwischen Demokratie und Liberalismus gesprochen zu haben. Als er seine Ausfübrungen über diesen Punkt näber zu erlautern sucht, wird er vom Präsidemen Fehrenbach auf die Ueberschreitung des Rahmens der persoͤnlichen Bemerkungen bingewiesen.
Präsident Fehrenbach erteilt nachträglich dem Abg. Haase wegen des Ausdrucks „Schamlose Verdrehung“ einen Ord⸗ nungsruf. .
Abg. Noegler (D. Vp.) will in persöͤnlicher Bemerkung auf die beutige Rede des Reichsministers Erzbetger bezüglich der Ver⸗ nebmung von Sachverständigen zurückkommen, wird aber darauf ver⸗ wiesen, daß dieser Gegenstand bercits crledigt ist.
Nächste Sitzung Donnerstag, 2 Uhr. (Fortsetzung der
Amossprache.) Schluß gegen 7 Uhr.
Statistik und Volkswirtschaft.
1““ Zur Arbeiterbewegung. “ . Der Ausstand der Geschaftbangestelllen und Transportarbeiter in den Berliner Spezial⸗ geschäften ist, wie hiesige Blätter melden, gestern beendet Worden, nachdem die gestern bereits erwähnte Verhandlung vor dem Schlichtungsausschuß, welche die ganze Nacht bindurch dauerte, zu einer Einigung geführt hat. Die I. ngestellten mit einem Einkommen bis 300 ℳ e halten 50 ℳ, von 301 bis 400 ℳ 40 ℳ monatliche Zulage mit Rückwirkung vom 1. Januar 1919. Die Lehrlinge und Jugendlichen bis zu 17 Jah en erhalten im ersten Lehrjahre 60 ℳ, imn zweiten Lehrjahre 75 ℳ und im dritten Lehr⸗ labie 100 ℳ, ebenfalls rückwirkend vom 1. Januar 1919. — Die Geschäfte wurden zum großen Teil gestern nachmittag wieder geöffnet.
Die Ausstandslage, im rheinisch⸗westfälischen Industriegebiet hat sich, wie „W. T. B.“ berichtet, gestein wenig verandert. Die Zahl der Ausständigen, die am Dienstag rund 50 000 betrug, stellte sich gestern auf etwa 56 000. Die Zahl der vom Apsstand betroftenen Schachtanlagen beirug etwa 80 gegen 60 am Dienstag. Insgesamt sind im Ruhrkobhlenbezirt 250 Schachtanlagen vorhanden. Die Gesomtbelegschaft betrug Ende Jannar 430 000 Mann. Auf den vom Ausstand betroffenen Zechen waren gestern im Autstand 70. vH der Belegschaften, von der ganzen Belegschaft des Rubrreviers etwa 25 vH. EEE1öö6“ 1
8. Die Arbeiter der Kokswerke in Zaborze und Laindenburgn traten, wie „W. T. B.“ meldet, ou 18. d. M. mit einer Reihe von Fohnforderungen an die Verwaltung der Ober⸗ schlesischen Kokzwerke heran und verlangten eine Entscheidung inner⸗ balb weniger Stunden. Da diese in der kurzen Frift nicht erfolgen konnte, traten, wie der „Oberschlesische Wanderet“ meldet, sämtliche Arbeiter in den Ausstand. Die Verhandlungen über die gestellten Forderungen sollen noch schweben. Cine Einigung steht zu erwarten. Dem. Volksboten“ zufolge haden die Schiffsmannschaften im Stettiner Hafen mit großer Mehrheit den Ausstand beschlossen, weil idre Forderungen uüder die Ncuregelung der Loͤhne und Arbeitzhedingungen bisber nicht erfüllt worden sind. Die Reeder atten erklärt, daß sie sich dem Arbeitgeberverband für Binneuschiff⸗ ahrt angeschiossen und diesen mit der Verlretung ihrer Interessen beauftragt hätten und insolgedessen nicht in der Lage wären, mit den Arbeitnehmerverbänden zu verbandeln.
Zum Ausstand der Hoch⸗ und Straßenbahner in Pamburg bherichtet „W. T. B.“: Der Senator Dr. Diestel teilte in der geteigen Sitzanig der Bürgerschaft mit, daß die Hochbahn⸗ gesellschaft sich mit dem Lobnausschuß der Auöbständigen dahin ver⸗ ständigt kabe, daß der Beirich der Bahnen am Freitag wieder auf⸗ zenommen werden soll. (is bleibt zunächst bei der durch den Schieds⸗ pruch des A, und S. Rates festgesebten Lohnerhöhung. Die Streik⸗ tage sollen nicht bezahlt, dafür aber an die Angestellten eine ein⸗ malige Teurungszulage gewährt werden. Außerdem ist ein Entgegen⸗ konmen der Gesellschaft hinsicht!ich der Beitraäge der Kriegsteilnehmer zu den Pensionskasen in Aussicht gestellt worden. Das Ueberein⸗ tommen bedarf der Genehmigung des Aufsichterats. 8
Wegen der Besetzung der Stadt Gotha durch Re⸗ gierungstruppen ist, wie „W. T. B.“ erfährt, gestern mittag der allgemeine Ausstand ausgebrochen. Alle Betriebe stehen still. Die Zeitungen sind schon am Dienslag nicht erschienen.
Die französische Zeitung „Oeurre“ vom 16. d. M. berichtet, wie „W. T. B.“ mitteilt, von einer Versammlung von mehreren Tausenden von Eisenbahnern in Paris. Die Eisenbahner fordern ein Anfaugsgehalt von 2400 Francs ohne Aupwands⸗ entschädigung, den 8⸗Stundentag, die englische Woche und die Na⸗ tionalisierung der Eisenbahnen.
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Tbheater und Musik.
Im Schauspielhause wurde gestern Anzengruders köstliche Bauernkomördie „Die Kreuzelschreiber“ zum ersten Male auf⸗ grführt. Es ist der bündigste Beweis für die packende Wirkung der Anzengruberschen Kunst, daß auch dieses Stöck mit seinem gesunden, vrwüchsigen Humor und seiner lebenswahren Charckteristik, obwohl es einen ctwas heitlen Stoff behandelt, an unserer vor⸗ nehmsten Bühbne so stork zu fesseln und zu unter⸗ halten vermechte. Unter den Parstellern der von dem Obervvielleiter Albert Patryv mit Geschmack und mit bestem Verständnis für die Stim⸗ mungsrerze des Werts in Szene gesetzten Aufführung ist Eunl Pohl als Steinklopferhanns an erster Stastezu nennen Er siellte einen wirtlich chensvollen, frohen alten Burschen auf die Bühne, voll Humor und Schalkheit und doch mit einem so nachdenklich überlegenen 9g daß die zum Teil in ihtem Ausdruck nicht ganz wahrscheinlichen Betrachtungen, die der Dichter diesem Naturkind in den Mund legt,
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glaubhaft klangen. Dus Bauernpaar vom. „Gelben Hof“ wurde durch Toni Zimmerer und Agnes Straub gut verkorpert. Insbesondere zeigte Frau Straub, daß sie sich auf bumoristische Cbaratter⸗ zeichnung versteht. Dagegen enttäuschte Otto Sommerstorff, sonst ein berusener Darsteller Anzengruberscher Geftalten, in der Rolle des alten Brenninger. Von der ergreifenden Tragit dieses gebrechlichen Alten war wenig zu verspüren. In den kleineren Rollen sind Margarete Neff sowie die Herren Cichbolz, Eggeling, Winter, Keppler und Werrack mit Anerkennung zu nennen. Stuͤck und Darstellung fanden lebhaften Beifall. Die Hauptmit⸗ wirkenden und mit ihnen verdientermaßen Herr Patry wurden wie derholt nach den Aktschlüssen vor den Vorhang gerufen.
Im Opernhause wird morgen, neueinstudiert, „oseph in Egypten“ mit den Damen Dux, Sax und den Herren Mann, Armster, Hoffmann, Habich, Henke, Krasa und Sommer in den Hauptrollen aufgeführt. Musikalischer Leiter ist der Kapellmeister Urack. Anfang 7 Uhr.
Im Schauspielhause findet morgen die erste Wieder⸗ holung der „Kreuzelfchreiber“ mit den Damen Straub, Neff und den Herren Pohl, Zimmerer, Sommerstorff und Mannstädt in den Hauptrollen statt. Spielleiter ist Albert Patrpv. Anfang 7 Uhr.
Im Deutschen Theater geht am Freitag nach längerer Pause Georg Büchners Drama „Dantons Tod“ in Szene. k
Else Lehmann wirkt in der Neueinstudierung von Ibsens Schauspiel „Die Wildente“ im Tbeater in der König⸗ grätzer Straße am kommenden Sonnabend zum ersten Male als Mitglied dieser Bühne in der Rolle der Gina mit. Für die Rolle der Hedwig ist Ida Orloff verpflichtet worden. Rudolf Hofbauer wurde nach seinen erfolgreichen Gast⸗ spielen als Mathies („Polnischer Jude“) und Sebastiano (Tief⸗ land“) von dem Direktor Hartmann für das Deutsche Opern⸗
haus verpflichtet. Mannigfaltiges.
Elberfeld, 19. Februar. (W. T. B.) Als ein Teil der von der Stadtverwaltung berbeigerusenen Regterungstruppen (150 Mann) um 1 ¼ Uhr Nachts ausgeladen werde sollte, wurde er den Spartakisten, die inzwischen das Eisenbahndirektions⸗ ide besetzt hatten, mit Gewehrfeuer empfangen Die gierungstruppen machten darauf ebenfalls von ihren Waffen Gebrauch und nahmen mit stürmender Hand den Hauptbahnhof und das Direktionsgebäude wieder. Die Spartakisten sollen hierbei 17 Tote und 38 Verwundete verloren haben, während auf seiten der Regierungstrüppen ein Mann sein Leben einbüßte. Der Kampf zog sich bis in die späten Morgenstunden hinein und dehnte sich auch zum Teil auf das Stadtindere aus. Im städtischen Krantenhause wurden als Opfer des nächtlichen Zusammenstoßes bisher 3 Tote und 11 Verwundete eingeliefert Die Spartattsten halten noch das Rat⸗ haus besetzt. — Heute morgen um 11 Uhr fand zwischen den Sparta⸗ kisten und den Regierungsvertretern eine Besprechung statt, in der u. a. sofortige Einstellung des Schießens, sofortige Bildung einer freiwilligen Sicherheitswehr, Säuberung der Stadt von solchen Elementen, die unberechtigter Weise im Besitz von Waffen sind, und Rücksendung der von auswärts herbeigeeilten Sicherheitswehren vereinbart wurde. Nach Erledigung dieser Ver⸗ einbarungen, die bis zum 20 Februar. Vormittags 9 Uhr, erfolgen soll, rückt die Regierungstruppe ab. Bis zu diesem Zeitpunkt halten die Regierungstruppen allein den Hauptbahnhof und das Eisenbahn⸗ direktionsgebäude besetzt. Münster, 19. Februar. (W. T. B.) Das General⸗ kommando gibt bekannt In Elberfeld hatten am 13. Fe⸗ ruar Angriffe der Spartakisten auf die Eisenbahn⸗ direktion und den Bahnbof zum Erfolg geführt. Der Abschnitts⸗ kommandeur II bat eine Kompagnie mu Maschinengewehren vom Fusilierregiment 39 zu Hilte geschickt, die auch den Bahnhof und die Eisenbahndirektion wieder nabm und z. Zt. noch besetzt hält. Der Marschall Foch hat genehmigt, daß Regierungstruppen im Ab⸗ schnitt II zur Unterdrückung der ausgebrochenen Unruhen verwandt werden. In Flugblättern. die das Generaltommando des VII. Armee korvs im Industriegebiet anschlagen ließ, beist es: „Gewalttaten und Angriffe der Spartakisten in fast allen Städten des Judustriegebtets. Regierungsteue Arbeiterräte werden gesprengi, die Mitglieder zum Teil festgesetzt, Spartakusleute eingesetzt. Regierungstreue Vollzugsbeamte sind gewaltsam entwasffnet, Banken gesturmt und Sparkassen bedroht worden. In Düsseldorf ist jede persönliche Freiheit unterbunden. In Dorsten wurden beim Kampfe gegen Regierungstruppen Exrplosivgeschosse angewe det, in der für die Unterbringung der Truppen vorgesehenen Schule wurden Minen mit Zeitzundung gelegt, in Essen und mehreren anderen Städten wurden von Sparlatuswehren die Waffenlager der Re⸗ gierung gestürmt. Da die srädti chen Sicherheittwehren zum Teil versagten und mit den Spvartakisten gemeinsame Sache machten mußte die Reichsregierung ihre Truppen einschreiten lassen. Die Behauptung, die Regierungstruppen würden zu gegenrevolutionären Bewegungen ausgenützt, ist frei er⸗ sunden. Die Freiwilligenformattonen stehen, wie das General⸗ tommando, ganz auf dem Boden der Regierung. Arbeiter, Bürger, laßt Euch nicht von der Svartakusminderheit niederdrücken. Den Generalstreit wollen nur einzelne Spartarkisten, die sich die Macht anmaßen. Habt Vertrauen zur Regierung. Erscheinen der Truppen erfolgt nur zum Schutze der vergewaltigten Arbeilswihigen. Sobald Ruhe bergestellt, werden sie zurückgezogen! Aus Recklinghausen wird gemeldet: Bottrop wird durch Spartakisten mit Artillerie beschossen. Hilfe wird von Münster aus entsandt.
„Hanau, 19. Februar. (W. T. B.) Heute mittag setzten die Unruhen und Plünderungen von neuem ein. Im Schloß des Landgrafen von Hessen, Philippsruhe bei Hanau, plIünderten junge Leute und Frauen die Innenräume und nahrnen Wäscheftsicke und Uhnliches mit sich. Die Plünderer wurden schließlich durchherqurückende Ulanen verjagt, die den Leuten die Beute zum Teil wieder abnahmen. Am Nachmittag kam 32. auf dem Parareplatz zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Truppen vund Kundgebenden, wobei auch Maschinengetrehre in Tätigkeit tralen. Acht Personen wurden ge⸗ töret und mehrere vermundet. Auch die Truppen hatten zwei Tote
München, 19. Februar. (W. T. B.) Vor dem Landtags⸗ gebände, wo zurzeit der Rätekongreß tagt, erschien heute nachmittag eine ungefüöhr 60 Mann starke Matrosenabteilung in der Absicht, das Landtagsgebaude zu besetzen. Später sich dazu noch Pioniere. Von verschiedenen Seiten wurde wersucht, die Matrosen und Piomere zum Abzug zu bewegen. Einige Matrosen drangen jedoch in den Cingang des Landtags⸗ gebäudes ein und warfen Handagranaten, was veon der im Gebäude befindlichen Wache mit Gewehrfeuer beant⸗ wortet wurde; dabei wurden zwei Personen verletzt. Im Rätetongreß, der trotz der Zwischenfälte weitertagte, wurde mit⸗ geteilt, daß der Bahnhof, das Lelegraphenamt, das Polrzeipräsidium sowie die Stadtkommandantur von aus Wilhelmsbaren gekommenen Marrosen besetzt worden seien. Der Stadttommandant, der Polizeipräsident sowie der Sekretär des Ministerpräsidenten seien verhaftet. Das Gebände wurde bald wi der von republikanischen Truppen und von einer Ab⸗ teilung des Leenaßbererbenet befreit und die Verhafteten wieder in Freiheit gesetzt. Der Sekretär des Minisiter⸗ präsidenten machte im Kongreß die Mitteilung, daß der Prinz JFoachim von Preußen, der sich im Hotel „Bayerischer Hof!
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in München unter dem Namen eines Grafen Merz aufbiert, pe
hastet worden sei, weil er im Verdacht stehe, mit den Umtrieben im Zusammenhang zu steben. Ein noch heute abgehaltener Minik „ rat beschäftigie sich mit der Angelegenheit. Der Führer der Matrofen Lorter, wurde gleichfalls verhaftet. Die an dem Letss beteiligten Matrosen erklärten, daß sie irte geleitet worden sesen. h Waffen haben sie dann freiwillig abgeliefert. — verfassunggebende Landtag am Freitag im Lond⸗ tagsgebäude zusammentritt, hat der Rätekongreß beichlossen seine weiteren Beratungen vom Landtagsgebäude nach dem Deutschen Theater zu verlegen. — Die Regierung der Volksstaats Bayern erklärt, daß niemand befugt ist, den Schutz des Landtags zu übernehmen und seine Arbeiten zu sichern, als sie selbst und die von ihr beauftragten Organe. Die Regierung hat die noj⸗ wendigen Maßnahmen geireffeg, um den Landtag zu schuüpen. Die Regierung wird auch die Schuldigen des beutigen Unternehmenz verfolgen und warnt dringend vor jeglich versuch, von welcher Seite er auch kommen mag.
Braunschweig, 19. Februar. (W. T. B.) Während der heutigen Beratungen ber Landesversjammlung über die Arbeitslosenfrage versammelte sich vor dem Landtagz⸗ gebäude eine nach Tausenden zählende Menge von arbeitslosen Männern und Frauen. Diese hatten eine Abordnung zu den Abgeordneten entsandt, um mit ihnen zu verhandeln. Als von einem Abgeordneten die Aeußerung fiel, daß es heute wie früber auch Arbeitsscheue gebe, wurden diese Worse den Untenstehen en überbracht, die darauf in größerer Jahlsn das Gebäude und den Sitzungssaal eindrange
Hier enispann sich zunächft eine wüste Schimpferei. Die Abge⸗ Lrdneten wurden umringt, ebenso der Präsident. Die Eindringlinge bemächtigten sich des Abgeordneten Muller⸗Schöll Direktors einer hi sigen Firma, schlugen auf ihn ein und stauchten ihn mit dem Kopfe auf den Tisch. Schließlich wurde auch der Tisch des Präfidenten umgeworfen, die Tische und Stuͤhle im Saale zusammengeworfen und die Türfüllungein⸗ gestoßen. Der A., u. S.⸗Rat versuchte die Leute zu berubigen, aber ergebnislos. Volkswehr und Matrosenwache wurden aufgeboten, um das Gebäude wieder zu säubern. Der ganze Vorgang währte etwa eine Stunde. Die Kundgebenden gaben sich schließlich damit zufrieden, daß demnächst in einer Ver⸗ sammlung bekannt gegeben werden soll, was der Landtag zur Linderung der Not der Arbeitslosen beschlossen habe. — Die Abgeordneten der bürgerlichen Parteien hoben, wie die „Braunschweigische Landeszeitung“ berichtet, im Anschluß an die beutigen Vorgänge in der Landesversammlung eine interfraktionelle Besprechung gehabt und beschlosfen, ihrerseits die Landtagstagung zu unterbrechen, da es den Anschein habe, daß iese Tumultszenen auf spartakistische Umtriebe, zurückzuführen seien. Sie wollen den Schutz der Reichsregierung für die weitere Tagung verlangen und die Tagung in Braunschweig nicht eher wieder aufnehmen, bis ihnen dieser Schutz gewäͤhrleistet ist, oder aber die Tagung außerbalb des
ster⸗
2 der
em Putsch.
Landes unter dem Schutze der Reichsreg erung abhalten.
Triest, 19. Februar. (W. T B.) Die Zahl der Opfer bei dem Etsenbahnunglück ist größer als anfangs vermutet wurde. Von 450 Soldaten, die sich in den Waggons befanden, it kaum die Hälfte gerettet worden.
Triest, 20. Februar. (W. T. B.) Nach dem „Laibacher Korrespondenzbüro“ ist durch Brand feast die Hälfte der Mon⸗
falconer Schiffswerften vernichtet worden.
Stockholm, 19. Februar. (W. T. B.) Laut „Social⸗ demokraten“ haben sich der von der schwedisscchen Sektion des Internationalen Franenkomttees veranstaiteten Kundgebung zur U ete t t hat von Wilsons Friedensprogramm im ganzen 50000 schwedische
rauen angeschlossen. Dem amerikanischen Gesandten in Stock⸗ olm wurde eine Adresse überreicht mit der Bitte, sie an den Prz⸗ sidenten der Vereinigten Staaten weiterzugeben.
— —
(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.]
Freitag: 50. Dause⸗
Operntzuns. (Unter den Linden.) bezugsvorstellung. Dlenst⸗ und Freiplätze sind aufgehoben. Neu ein⸗
studiert: Josef in Egypten. Oper in drei Akten von E. N. Méöhul. Rezitative und Neubearbeitung von Max Zenger⸗ Musikalische Leitung: Otto Urack. Spielleitung: Hermann Bac⸗ mann. Anfang 7 Uhr.
Schanspielhans. (Am Gendarmenmarkt.) Freitag: 52. Dauc⸗ bezuesvorstelung. Die Kreuzelschreiber. Bauernkomödie mst Gesang in drei Akten (6 Bilber) von Ludwig Anzengruber. Spfiel⸗ leitung: Albert Patrp. Anfang 7 Uhr.
Sonnabend: Opernhaun. 51. Dauerbezugsvorftellung. Dieust⸗ und Freivplatze sind aufgehoben. Der Freischütz. Romantische Oper in drei Abteilungen (zum Teil nach dem Volksmärchen „Der Freischätz“) von F. Kind. Musik von Karl Maria von Wehte⸗ Anfang 7 Uhr.
Schauspielhaus. 53. Ferohe sind aufgehoben. Trauerspiel in funf Dr. Reinhard Bruck.
Dauerbezugsvorftellung. Dienst⸗ und n. Othello, der Mohr von Beneditz. Aufzügen von Shakespeare. Spielleitunz: Anfemg 7 Uhr.
Familiennachrichten. Geboren:, Ein Sohn: Hrn. Manfred von Walther und Croneck (Gr. Brersen). — Hrn. Werner von Velthein Stolbe (Stolpe)h. — Eine Tochter: Hrn. von Gerlach⸗Parsow
(Parsow). . 1
Gestorben: Hr. Gcneralleutnant z. D. Mar von Krefii (Berlin⸗Wilmersdorf). — Hr. Stabsarzt, Professer Dr. Franz Goldammer (Steglitz). — Hr. Generalmajor z. D. Eric von Witzleben (Berlin). — Hr. Oekonomierat Hans Rimpeu (Emersleben, Kr. Halberstadt). — Fannv verro. Geäsin zu Rantzau⸗Breitenburg, geb. Gröfin Holslein (Neuhof bei Ibeboꝛ — Sophie Freifr. von der Horst, geb. Hugo (Darmstadt.
Verantworklicher Schriftleiter: Dicektor De. Tvrol, Chatlottenbaig
Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteber der Geschästsstele
Rechnunasrat Re naerina in Berlin. ne
Verlau der Geschäftsstelle Mengerina) in Berlik.
Druck der Norddeutschen Buchdruckeret und Verlagsanftalt. Sechs Beilagen
8 (eiri kließlich Metserbseilage)
sormeie die Inhaltsangabe Nr. 7 zu Nr. 3 —
des Vffentlichen Kazeigers. wv
“ vinRetenrics e
3
ste Beilage
zum Den schen Reichsanzeiger und Preußischen Sta
Berlin, Donnerstag, den 20. Februar
Michtamtliches. Hessen.
Der Volkskammer hat an Stelle des ihr vom Minister⸗ äsidenten ighh ha⸗ vorläufigen Entwurfs zur Verfassung eine Notverfas ung vorgelegen, durch welche die Staatsform, das Staatsgebiet, die Staatsgewalt, die Gesetzgebung und die Regierung geregelt werden. Wie „Wolffs Telegraphenbüro“ mitteilt, ist das Referendum fortgeblieben. Als Ersatz dafür ird der Regierung das Recht zugestanden, die Kammer auf⸗ zuläsen, falls die Regierung nicht mehr ihr Vertrauen besitt. Die Staatsleitung liegt in den Händen des Gesamt⸗ ministeriums, dessen Vorsitzender der Ministerpräsident ist. jeser wird von der Volkskammer mit absoluter Stimmen⸗ mehrheit gewählt und beruft die Mitglieder des Gesamt⸗ ministeriums, das aber der Bestätigung durch die Volks⸗ fammer bedarf. Die Verantwortlichkeit des Gesamtministe⸗ riums gegenüber der Volkskammer wird durch besondere Gesetze geregelt. Die Befugmisse, die gesetzlich dem Groß⸗ herzog zustanden, werden vom Gesamtministerium aus geübt. Die Notverfassung tritt mit dem Zeitpunkt der Verkündigung der endgültigen Verfassung, spätestens aber mit dem 1. Januar 1920, außer Kraft. Braunnschweig.
Die seit einiger Zeit schwrbenden Einigungsverhand⸗ lungen zwischen den beiden sozialdemokratischen Fraktionen haben zu einer Einigung geführt. Wie „Wolffs Telearaphenbüro“ meldet, wurde in der vorgestrigen Sitzung des Landes⸗A.⸗ und S⸗Rats dem geschlossenen Kompromiß zu⸗ estimmt. Die gesamte gegenwärtige Regierung hat deshalb bire Aemter in die Hände des Landes⸗A.⸗ und S.⸗Rats zurückgelegt. Die neue Regierung wird entsprechend einer neuen provisorischen Verfassung, die der Landes⸗A.⸗ und S.⸗Rat ebenfalls gebilligt hat, von der Landesversammlung gewählt werden und wird aus 4 Unabhängigen und 4 Mehrheitssozialisten bestehen. Eine Anregung, auch Vertreter der bürgerlichen Parteien in die Regierung aufzunehmen, wurde abgelehnt. Der neue Verfassungsentwurf besagt u. a.: Alle Macht ruht beim braunschweigischen Volk. Sie wird ausgeübt von der Landesversammlung, dem Landesarbeiterrat, dem Rat der Volksbecuftragten imd den örtlichen A.⸗ und S.⸗Räten. Neben der Landesversammlung besteht ein Landes⸗Arbeiterrat, dem es obliegt, die Sozialisierung vorzubereiten. Ihm steht Einspruchsrecht gegen die Beschlüfse und Gesetze der Landes⸗ versammlung zu. Der Landes⸗Arbeiterrat ist auf Grund eines besonderen Gesetzes bis 1. April 1919 zu wählen. Die Ge⸗ schäfte des Landes führt ein Rat der Volksbeaustragten. Er wird von der Landesversammlung gewählt und muß ihr Ver⸗ trauen haben.
Lippe.
Gestern abend ist im Residenzschloß in Detmold die frühere Fürstin Bertha zur Lippe im 45. Lebensjahr infolge eines Lungen⸗ und Halsleidens gestorben.
Hamburg.
Die Hamburger Kaufmannschaft hat kürzlich in der Börsenversammlung bezüglich des deutschen Kolonial⸗ besitzes laut Meldung des „Wolffschen Telegraphenbüros“ einstimmig folgende Entschließung befaßt:
Die in der Börse versammelte Kaufmannschaft Hamburgs erhebt einmütigen Einspruch gegen die Anmaßung der Feinde, üher das Schicksarr⸗ des deutschen Kolonialbesitzes zu emscheiden. Nach Punkt 5 tes von Deutschland und der Emente angenommenen Friedens⸗ drogramms des Präsidenten Wilson sind die Rcchtstitel der Mächte auf ihre kolonialen Ansprüche zu prüfen; die deutschen Rechts⸗ titel aber sind klar und völkerrechtlich unankechtbar. Die Feinde wollen den Raub ausführen und die Beute verteilen, ehe das Deutsche Reich su Wort kommt. Eine Internationaglisierung aber würde ebenso wie eine Aufteilung der deutschen Kolonien eine Vergewaltigung des deutschen Volkes bedeuten. Die Hamburgische Kaufmann⸗ schaft erwartet, daß die Regierung ale Mittel anwendet, um zu verhindern, daß dem deutschen Volke mit seinen Kolonien eine weitere Stütze seines Anteils an der Weltwirtschaft und eine zukunftssichere Quelle seiner Rohstoffversorgung genommen wird. Die Hamburgische Kaufmannschaft fordert ven der Regierung, daß je, che es zu spät ist, energischen Cinspruch gegen das geplante Ver⸗ fahren der Feinde erhebt und auf restloser Erfüllung des Friedens⸗ programms besteht.
Großbritannien und Irlanb.
Im Unterhause fragte Sir Edward Nicholl, ob die Regierung davon Kenntnis habe, daß über 20 000 Fremde jeindlicher und sonstiger Staatsangehörigkeit in Noiterdam auf die Wiederherstellung des Friedens warteten, um nach England zurückzukenhren, und welche Schritte getan würben, um sie und ihre bolschewistische Werbetätigkeit fernzuhalten. Der Staatssekretär des Innern erwiderie nach dem „Reuter⸗ chen Büro“: menn diese Bebauptung auf Tatsachen beruhe, lönne er Nicholl versichern, daß seine jetzigen Vollmachten, die er auch im Frieden weiterzubehalten hoffe, genüagten und dazu angewendet werden würden, mit der Sache fertig zu werdeag.
Frankreich. „Gtstern ist auf den I— ein Revolverattentat verübt worden. Die „Agence b veröffentlicht folgende Einzelheiten übder den Anschlag: Der Anschlaz wurde in dem Augenblick verübt, als der zWagen des Ministerpräsidenten den von der Franklinktraße und dem Boulevard Delessert gebildeten Winkel passierte. Ein Mann Uüciie anf das Auiomobil zu vnd gab fünf Revolverschüsse auf 8g Ministerpräsidenten ab, von denen einer Clemenceau traf. Uie, Menge warf sich auf den Angreifer, und eo gelong Poiizisten, ihn festzunehmen. Später gab der Mann noch mehtere Schüsse ab und verwundete einen Soldaten und den wahstwoegenfügrer. Der Angreifer gab an, er heiße Cotlin und 2 zne in Compiégne. Er sei Anarchist und habe schon seit mehreren Monaten daran gedacht, den Ministerpräsidenten zu 8 5 da er ihn für den größten Feind der Menschheit halte. Semenceau ist von der Kugel in den Oberteil des rechten Schulterblatts getroffen worden. Die Munde ist ziemlich kief;
äsidenten Clemenceau
—
innere Organe wurden nicht verletzt. des Patienten ist gut.
Der Ausschuß der Vertreter der Großmächte hörte vorgestern nachmittag den Bericht über die jugo⸗ slawischen Ansprüche an, der von Wesnitsch für Serbien, von Zolger für die Slovenen und von Trumbitsch für die Kroaten erstattet wurde. Die Delegierten brachten obiger Quelle zufolge Fa er den politischen Gründen für die Einheit der dre Prterschaften die Gebiets⸗ ansprüche entsprechend der Denkschrift vor, die sie dem Büro der Konferenz vorgelegt haben. Das jugoslawische Königreich würde dergestalt ein weites Gebiet mit 23—25 Millionen Einwohnern umfassen. Obgleich sie einen von Italien abgelehnten Schiedsspruch des Präsidenten Wilson zur Schlichtung des mit den Italienern hinsichtlich der Adria bestehenden Konflikts verlangt hatten, setzten die Jugoslawen trotdem ihren Standpunkt auseinander und feitherten die gesamte adriatische Küste von der talienischen Grenze in Friaul bis Albanien ein⸗ begriffen, infolgedessen auch die Häfen von Triest und Fiume, auf die die Italiener energisch Anspruch er⸗ heben, da die italienische Berölkerung dort durchweg in der Mehrheit sei. Die jugoslawischen Delegierten wiesen 1hgb hin, daß es sich dabei nur um versprengte Enclaven hehih e, daß aber das gesamte von Bauern bewohnte Hinter⸗ and kroatisch sei. Nach dem Weggang der jugoslawischen Vertreter beschloß der Ausschuß der Vernꝛeter der Großmächte die Prüfung ihrer Ansprüche der schon mit den rumänischen Angelegenheiten betrauten Kommission zu überweisen. Dieses Verfahren wurde nach einer Besprechung angenommen, an der sich die italienischen, französischen und englischen Bevollmächtigten beteiligt hatten. Sonnino begann damit, daß er sich gegen eine Ueberweisung der Prüfung der serbischen Ansprüche an eine Kommission wandte, da über diese Gebiete Verträge vor⸗ lägen. Er sagte zum Schluß, daß es sich für Italien, Frank⸗ reich und Großbritannien um das Londoner Abkommen vom 18. Februar 1918 bandel?. Der italienische Minister des Aeußern war der Ansicht, daß allein die Unterzeichner dieses Schriftstücks die Tragweite des gemeinsam abgeschlossenen Ab⸗ kommens abändern könnten. Clemenceau stimmte der Auffassung Balfours zu und schlug eine vermittelnde Lösung vor, die ancenommen wurde. Die Gesamtheit der jugo⸗ slawischen Ansprüche wird, soweit sie Bulgarien und Oesterreich⸗ Ungarn betrifft, vor eine Sonderkommission gebracht werden. Vie Wöö der Adriafrage wirde für Mittwoch zurück⸗ gestellt.
Drei Unterkommissonen für die Feststellung der Ver⸗ vhtaa hegachen für den Krieg und seiner Urheber sind Dienstagnachmittag zum ersten Male zwecks Einteilung der Arbeit zusammengetreten. Eine andere Unterkommission ist für Sonderstudien eingerichtet worden, die bereits begonnen haben. Die mit dem Smdium für die Kontrolle der zu internationalisierenden Häfen, Wasserwege und Eisenbahnen beauftrogte Unterkommission ist ebenfalls Dienstagnachmittag zusammengetreten und hat von den Satzungen der britischen und französischen Delegation über die Internationalisierung von Flüssen Kenntnis genommen.
— Nach einer „Havasmeldung“ machte der Finanzminister Klotz vorgestern in der Haushaltskom mission längere Ausführungen, indem er auf die ungeheuer gestiegene Be⸗ lastung der französischen Finanzen hinwies. Die Zwil⸗ und Militärausgaben im Laufe des letzten Finanzjahres seien auf 50 Milliarden gestiegen. Außerdem habe Frankreich ver⸗ bündeten und befreundeten Nationen heträchtliche finanzielle Beihilfe gewährt. Er sei im Begriffe, den Entwurf zu einer Steuer auf das Kapital fertigzustellen, der demnächst den Kammern vorgelegt werde und von dem Struerzahler ein be⸗ deutendes Opfer forbern werde. Er wies sodann darauf hin, daß die frarzösischen Unterbändler die Ansprüche des Landes Deutschland gegenüber ohne Schwäche vertreten und ihnen das Recht der Priorität verschaffen würden.
Das Allgemeinbefinden
Einem amtlichen, von der „Times“ verbreiteten bolsche⸗ wistischen Bericht zusolge wurden im Monat Januar 11 Erz⸗
hischöfe der orthodoxen Kirche, darunter der Erzdischof
Wladimir von Kiew, erschossen.
— Die im Kankasus operierenden Streitkräfte des Generals Denikin haben nach einer Kihlier (2) besetzt und das Kaspische Meer erreicht. In zwöl Tagen ist Denikin 350 Werst vorgerückt, hat 31000 Gefangene gemacht und 95 Geschütze, 8 Panzerzüge und eine ungeheure Menge sonstiges Kriegsmaterial erbeutttett.
Dänemark.
Zu Ehren des finnischen Reichsverwesers Mannerheim fand vorgestern abend im Schlosse Amaltenborg Galatafel statt. Der König dankte in einem Trinkspruch dem General zunächst für Söeac und fuhr dann, wie „Wolffs Tele⸗
raphenbüro“ meldet, fort:
18 Herblicke hierin mit Befriedigung den Ausdruck des Wunsches des finnischen Volkes, zum gegenseitigen Wohle die guten freund⸗ schaftlichen Beziehungen zwischen beiden Nationen weiter zu ent⸗ wickeln. Diese Gefüble des finnischen Volkes finden hier im Lande vollen Widerhall, und wir hegen die lebhafte Hoffnung, daß auch Finn⸗ land an demin Zusammenwirken der nordischen Staaten teilnehmen wird. Indem ich der sicheren Erwartung Ausdruck gebe, daß Finn⸗ land, nachdem es in der Reihe der selbständigen Staaten Platz ge⸗ funden hat, einer glücklichen Zukunft entgegengeben wird, trinte ich auf das Wohl des finnischen Reichsverwesers und Finnlands.
Der General Mannerheim dankte in seiner Antwort für den Beistand Dänemarks in den langen schweren Jahren, die Finnland durchgemacht, und für die Hilfe, die von Däne⸗ mark ealstet Fite. s der Hunger an die Tür pochte. Mannerheim fuhr fort: 1 9 werheim age s⸗ ist bereit, wie, bisher seine Kraft für die Bewahrung seiner Freiheit und Entwicklung seiner nationalen Kultur einzusetzen. Es strebt danach, in nahe Beziehungen zu denjenigen Nationen zu treten, mit denen es gemeinsame kulturelle, politische und wirtschaftliche Interessen hat.
4
Amerika.
Der Präsident Wilson hat dem Kriegsminister dem „Reuterschen Büro“ zufolge mitgeteilt, daß der Oberste Kriegs⸗ rat Schritte unternimmt, um die militärische Lage der Alliierten in Nordrußland zu verbessern.
— Der frühere Premierminister von Canada Sir Wilfrid Laurier ist gestorben.
1 Handel und Gewerbe. 1
— Die Goldausbeuteder in der Transvaal Chamber of Mines vereinigten Minen betrug laut Meldung des „W. T. B.“ im Januar 1919 676 059 Unzen Gold im Werte von 2 871 718 Pfund Sterling, der Außenbezirke 13 854 Unzen Gold im Werte von 58 851 Pfund Sterling. Ende des Monats waren in Goldminen 160 599, in Kohlenbergwerken 11 848 und in Diamant⸗ minen 3539 Arbeiter beschäftigt.
Wien, 18. Februar. 85 T. B.) Ausweis der Oesterreichisch⸗ Ungarischen Bank vom 7. Februar 1919. Alle Summen in Tausenden von Kronen. (In Klammer Veränderung seit dem Stande vom 31. Januar 1919.) Anlagen. Metallschatz: Goldmünzen der Kroneime fun Gold in Barren, in ausländischen und Handels⸗ münzen, das Kilo fein zu 3278 Kronen 262 016, Gold⸗ wechsel auf auswärtige Plätze und ausländische Noten 19 977, Silber⸗ kurant⸗ und Teilmünzen 56 956, zusammen 338 949 (Abn. 1 622), Kassenscheine der Kriegsdarlehenskasse 446 559 (Zun. 888), Eskont⸗ Wechsel, Warrants und Effekten 2 810 015 (Zun. 912), Darlehen gegen Handpsand 9 257 938 (Zun. 76 057), Schuld der f. K. öster⸗ reichischen Staatsverwaltung 60 000, Darlehensschuld der K. K. Staatsverwaltung auf Grund besonderer Vereinbarung 22 034 000, Darlehersschuld der K. ungarischen Staatsverwaltung auf Grund be⸗ sonderer Vereinbarung 9 828 000, Effekten 57 831 (Zun. 373), Hypo⸗ thekardarlehen 276 633 (Abn. 103), Kassenscheinforderung aus der K. K. Staatsverwaltung 4 586 560 (Abn. 43 365). Kassenschein⸗ forderung an der K. ungarischen Staatsverwaltung 2 615 013 (Abn. 24 819), andere Aktiva 949 048 (Abn. 28 670), zusammen 53 270 546. — Verpflichtungen. Aktienkapital 210 000, Reservefonds 42 000, Banknotenumlauf 37 106 985 (Zun. 599 607), Giroguthaben und sonstige sofort fällige Verbindlichkeiten 7 134 004 (Abn. 564 037), Pfandbriefe im Umlaufe 269 279 (Zun. 100), Kassenscheinumlauf 7 211 573 (Abn. 68 185), sonstige Passiva 1 298 705 (Zun. 12 165, zusammen 53 270 546. — Steuerfreie Banknotenreserve 2 009 858 (Abn. 615 645). u1““
Wien, 19. Februar. (W. T. B.) Amtliche Notierungen der Devisenzentrale. Berlin 199,85 G., 200,15 B., Amsterdam 680,00 G., 681,00 B., Zürich 243,25 G., 344,25 B., Kopenhagen 436,00 G., 437,00 B., Stockholm 481,50 G., 482,50 B., Christiania 459,50 G., 460,50 B., Marknoten 199,50 G., 200,00 B.
London, 18. Februar. (W. T. B.) Privatdiskont 31 ⁄¶2, Silber 47 ½. — Wechsel auf Amsterdam 3 Monate 11,53 ½, Wechsel auf Paris 3 Monate 26,42, Wechsel auf Paris kurz 25,98 ¼.
Paris, 18. Februar. (W. T. B.) 5 % Franz. Anleihe 90,55, 3 % Franz. Rente 64,40, 4 % Span. äußere Anleihe —,—, 5 % Russen von 1906 58,50, 3 % Russen von 1896 —,—. 4 % Türken unif. 72,00, Suez⸗Kanal 5300, Rio Tinto 1645.
Amsterdam, 18. Febraar. (W. T. B.) Tendenz: Be⸗ hauptet, teilweise fest; Oelwerte flauer. — Wechsel auf Berlin 25,85, Wechsel auf Wien 12,00, Wechsel auf Schweiz 49,81, Wechsel auf Kopenhagen 63,10, Wechsel auf Stockholm 68,10, Wechsel auf New York 242,00, Wechsel auf London 11,54, Wechsel auf Paris 44,45, — 5 % Niederl. Staatsanleihe von 1918 97, Obl. 3 % Niederländische W. S. 64 ½, Königl. Niederländische
Hetroleum 590, Holland⸗Amerika⸗Linie 411, Niederländ.⸗Indische andelsbank 218, Atchison, Topeka u. Santa F6 92 ½, Reck
Island —, Southern Pacific 94, Southern Railwav 27 ½, Union
Fert 133 ⅛, Anaconda 132 ½⅛, United States Steel Corp. 87 ½¾,
ranzösisch⸗Englische Anleihe —, Hamburg⸗Amerika⸗Linie —.
Kopenbagen, 19. Februar. (W. T. B.) Sichtwechsel auf Hamburg 42,50, do. auf Amsterdam 158,50, do. auf schweiz. Plätze 78,75, do. auf London 18,26, do. auf Paris 70,50, do. auf Antwerpen
Stockholm, 19. Februar. (W. T. B.) Sichtwechsel auf Berlin 38,75, do. auf Amsterdam 147,00, do. auf schweizer. Plätze 73,25, do. auf London 16,95, do. auf Paris 65,35, do. auf Brüssel 63,50.
New York. 18. Februar. (W. T. B.) (Schluß.) Nach nicht einheitlicher Eröffnnng machte sich an der Fondsbörse allent⸗ halben eine feste Stimmung geltend, bei der desonders einzelne Bahnwerte, wie z. B. Canada Pacifics, Southern Pacifics und Readings in den Vordergrund traten. Im Verlaufe wurde die Haltung schwächer, wozu in der Hauptsache dringenderes Angebot in
teels beitrug. Die Börse schloß in unregelmäßiger Verfassung.
Aktieumsatz 630 000 Stück. Geld: Fest. — Geld auf 24 Stunden
Durchschnittssatz 4 ½, Geld auf 24 Stunden letztes Darlehen 5,
Wechsel auf London (60 Tage) 4,73,50, Cable Transfers 4,76,45,
Wechsel auf Paris auf Sicht 5.45,75, Silber in Barren 101 ½,
3 % Northern Pacisic Bonds 59 ⅛, 4 % Ver. Staaten Bonds 1925
104 ¾, Atchison, Topeka & Santa F6 91 ½⅛, Baltimore & Ohio 47,
Cangdian Pacific 160, Chesapeale & Ohio 56 ½, Chicago, Milwank
& St. Paul 36, Denver & Rio Grande 4 ½, Illinois Central 97,
Louisville & Nasbville 114 ½, New York Central 73 ⅛, Norfolk &
Western 105 ¼, Pennsylvanta 448, Reading 80, Southern Pacific
101 ¾, Union Pacific 130, Anaconda Copper Mining 58, United
States Steel Corporation 91§, do. pref. 114.
EE“ Berichte von auswärtigen Warenmärkten. London, 18. Februar. (W. T. B.) Kupfer per Kasse 74 ½. Liverpool, 8. Februar. (W. T. B.) Baumwoll⸗Wochen⸗
bericht. Wochenumsatz 6700, do. von amerikanischer Baumwolle
4200. Gesamte Ausfuhr —,—, do. Einfuhr 91 233, do. do.
von amerikanischer Baumwolle 67 672. Gesamter Vorrat 496 330,
do. do. von amerikanischer Baumwolle 304 920, do. do. von
ägyptischer Baumwolle 40 250.
Liverpool, 18. Februar. (W. T. B.) Baumwolle. Umsatz 1000 Ballen. Einfuhr 22 800 Ballen, davon 22 800 Ballen ameri⸗ kanische Baumwolle. — Für Februar 17,90, für März 16,53. — Texas 20, Brafilianische 35 und Indische 25 Punikte höher.
New York, 18. Februgr. (W. T. B.) (Schluß.) Baumwolle loko middling 26,20, do. für Februar 22,55, do. sür März 22,70, do. für April 22,05, New Orleans loko middling 27,25, Petroleum refined (in Cases) 20,25, do. Stand. white in New Pork 17,25, do. in tanks 9,25, do. Credit Balances et Oil Ciw 4,00, Schmalz prime Western 25,90, do. Rohe u. Brothers 28,50, Zucker Zentri⸗ fugal 7,28, Weizen Winter 237 ½3, Mehl h heat clears 9,00— 9,50, Getreidefracht nach Liverpool nom., Kaffee Rio Nr. 7 loko 154 —15 ½, do. für Mai 14,25, do. für. Juli 13,8585.