nördlich der Lippe, die ursprünglich am 25. Februar stattfinden follten „sind, wie aus Essen gemeldet wird, auf den 27, Februar verschoben worden, weil die Entwaffnung aus tochnischen Gründen bisber noch nicht genügend weit durch⸗ geführt werden konnte. Außerdem konnte der eingeladene Regie⸗ rungsvertreter noch nicht eintreffen. Bei der Besprechung soll eine einheitliche Neubildung der Sicherbeitswehren im ganzen Industrie⸗ gebiet erfolgen. Geplant ist der Anschluß der Sickerheitswehren an die amtlichen Polizeibehörden, darüber binaus Schaffung einer Volks⸗ wehr für das Industriegebiet. Zu den Besprechungen sind außer den drei sozialistischen Parteien auch die beteiligten Arbeiter⸗ und Soldatenraͤte sowie die Gewerkschaften und die Stadtverwaltungen der großen Industriestädte durch das Generalkommando eingeladen. — Der durch den Ausstand der Bergarbeiter ange⸗ richtete Schaden ist vorläufig gar nicht abzusehen. Ungezählte Millionen sind den Arbeitern durch den Lohnausfall und den Zechen durch die sinnlosen Zerstörungen an den Werkanlagen und die Stil⸗ legung der Betriebe verloren gegangen. Schwerwiegende Folgen hat der Ausstand insbesondere auch für die Gemeinden, die in ihrer Gas⸗ und Elektrizitätsversorgung von den Zechen abbängig sind. Am letzten Sonntag ist auf den .. „Matthias Stinnes“ I/II und III/IV in Karnap und „Ver. Welheim“ in Bottrop von Teilen der Belegschaft über Tage der gesamte Tagesbetrieb stillgelegt worden. Damit ist die Stromlieferung an die Rheinisch⸗ westfälischen Elektrizitätswerkte und die Leuchtgas⸗ versorgung der Gemeinden Gladbeck, Horst und Dorsten sowie von etwa 25 Städten und Gemeinden des Bergischen Landes schon für die allernächste Zeit ernst⸗ lich bedrobt. Während stellenweise schon die größte Gasnot herrscht, waren die genannten Zechen auf den Kokereien gezwungen, über 200 000 Kubikmeter Gas in die Luft entweichen zu lassen, weil die Betriebsmaschinen stillstanden. In einigen Tagen werden die Koks⸗ öfen vollständig erkaltet sein. Eine Wiederaufnahme des Betriebes der Kokereien wird dann vor Ablauf von sechs Wochen kaum er⸗ folgen können, da die Oefen nach einer wahrscheinlich erforderlich werdenden Ausbesserung erst wieder angeheizt werden müssen. Was das für die Gasversorgung des ganzen Industriegebiets bedeutet, braucht nicht näber dargelegt zu werden. Eine große Anzahl Arbeits⸗ williger ist wegen Bedrohung durch die Spartakisten nicht in der Lage, die unbedingt erforderlichen Notstandsarbeiten auszuführen. Mie gemeldet wird, sind die bisher rubigen Arbeiter von radikal gesonnenen Steigern zu ihrem unverantwortlichen Vorgehen auf⸗
gehetzt worden. Der Betrieb auf den Zechen liegt auch heute noch vollkommen still.
In Däfseldorf hat sich in der Nacht zum Dienstag eine große Umwälzung vollzogen. Der aus Unabhängigen und Spar⸗ fakisten bestehende Arbeiterrat hatte gestern mit überwältigender Mehrheit beschlossen, die Wiederaufnahme des allgemeinen Ausstands abzulehnen. Daraufhin ist dieser Arbeiterrat von radikalen Elementen der Spartafisten und Arbeitslosen gestürzt worden. Die Unabhängigen, welche Muglieder des bisberigen Vollzugsrats waren, sind in so⸗ genannte Sicherhbeitshaft genommen worden. Der neue Voll⸗ zugsrat soll den allgemeinen Ausstand mit aller Stärke durchführen. Die Empörung der 11X“ welche weiter zu unfreiwilligem Feiern gezwungen werden soll, ist ungebeuer.
„Aus Halle an der Saale berschtet „W. T. B.“, daß der allgemeine Ausstand der mitteldeutschen Bergleute, der Be⸗ legschaften der großen chemischen Fabrifen und Stickstoffwerke, der ctisenbahner und der Metallarbeiter gestern eingetreten ist und stündlich an Ausdehnung gewinnt. Dagegen sollen alle Nabrungs⸗ miftelbetriehe (Wasserwerke Bäckereien, Schlachthöfe), wie durch An⸗ schlag angekündigt wird, bis Sonnabend weiterarbeiten. Zweck des Ausstands im Braunkobhlenrevier ist der Sturz der Reichsregierung und die Beseitigung der Nationalversammlung. Es ist tief betrübend, daß eine Anzahl irregeleiteter Leute ein wichtiges Mittel des wirtschaft⸗ lichen Kampfs für polttische Verbrechen mißbraucht. Der Ausstand im Braunkoblenrevier bei Halle wird kein anderes Ergebnis haben as das, gerade die ärmsten Bepölkerungskreise dieser Gegend den schwersten Folgen einer Koblennot auszusetzen und in einigen Tagen auch der Hungersnot auszuliefern. Das gleiche gilt auch für den Ausstand der Etsenbahnarbeiter in Hale und anderen Orten, die in völliger Verkennung der Lage sich zu einem Sympatbteausstand haben verführen lassen. Der Eisenbahn⸗ betrieb bei Halle jst bereits gestört. In unverantwortlicher Weise vergrößern diese Ausständigen die Verkehrs⸗ und Wirtschaftenot in Deutschland. Diesem Treiben muß mit rücksichtslosester Strenge entgegengetreten werden. Auch bei diesem Ausstand wird eine große Anzahl Arbeiter gegen ihren Willen zur Arbeitseinstelung gezwungen. Von der Regierung sind unver⸗ züglich Maßregeln in die Wege geleitet worden, die be⸗ zwecken, unter allen Umständen solchem Terrorismus zu begegnen. Es wird gezeigt werden, daß wahnwitzige oder verbrecherische Elemente nicht ungestraft das Land zum Zusammenbruch treiben dürfen.
Auf den dem Eschweiler Bergwerksverein gehörigen Gruben „Goulev,“ „Laurweg.“ „Voccart“ und „Eschweiler Reserde“ sind, wie „W. T. B.“ aus Aachen erfährt, die Arbeiter in den Ausstand getzeten. Sie haben 19 Forderungen aufgestellt von denen die einschneidenste sofortige Einführung des Achtstunden⸗ rages ist. Dieser Forderung sreht eine vor einigen Wochen zwischen den Vertretern der beiden Gewerkschaften und dem Vorstand des Eschweiler Berawerksvereins getroffene Abmachung gegenüber, daß der Achtstundentag erst am 1. April eingeführt werden soll. Die Forderung der Bergarbeiter nach dreimaliger Lohnzahlung im Monat ist von dem Vorstand des Eschweiler Bergwerksvereins bereits in den Verhandlungen am Sonnabend zugestanden worden.
Nach einer von „W. T. B.“ übermittelten Meldung des ungarischen Blattes „Nepszava“ hat sich der Ausstand von Suͤdungarn. auf Kroatien und Slavonien aus⸗ gedehnt. Die dortigen Sozialisten und Bauernparteien haben ebenfalls den allgemeinen Ausstand verkündet. 1
68 Verkehrswesen.
18 1
Zur Postbeförderung zwischen Deutschland d d li
. und der enaglischen Besatzungszone der
deutschen Rheingebiete sind nach neueren Bestimmungen jetzt folgende Gegenstände zugelassen:
a. verschlossene gewöhnliche und eingeschriebene Briefe, gewöhnliche und eingeschriebene Postkarten. Postaufträge und Wert⸗ beiefe: ferner Postanweisungen, Zahlkarten und Zahlungsanweisungen (die Beförderung von Mustern obhne Wert ist verboten):; b. gewöhnliche Pakete mit Apothekerwaren, Runkelrüben⸗ und Gemüsesamen (der Inhalt ist auf der Paketkarte und in der Paket⸗ aufschrift anzugeben);
c. Pakete mit Wertangabe bis zum Höchstgewicht von 10 kg;
diese Pakete dürfen nur enthalten: Bargeld oder Papiergeld (Schecks, Wechsel, Pfandbriefe, Wertpapiere), ““ Gegenstände aus Edelmetallen und Cdelsteinen; Ürkunden, amtliche Schriftstücke und Formulare. Der genaue Inhalt eines jeden Pakets muß auf dessen Außen⸗
em unbesetzten
feite sowie auf der Paketkarte angegeben sein;
4. mit der besonders einzuholenden Genehmigung des britischen Militärgouverneurs Zeitungen und sonstige außerhalb des britischen Besatzungsgebiets erscheinende Veröffentlichungen.
Diese Genehmigung ist allgemein erteilt für den Postbezug ewisser politischer Zeitungen und amtlicher Verordnungsblätter owie gller Fachzeitschriften und Zeitschriften nichtpolitischen Pnhall
aus dem unbesetzten Deutsch für Orte in der hriti e⸗ satzungszone; ferner dürfen die von der Unwersitätsbibliothek in Bonn ausgehenden und die für sie bestimmten Leihverkehrsendungen — auch Wert⸗ und Einschreibpakete — von allen Postanstalten an⸗ genommen und befördert werden. Auf der Außenseite dieser Pakete und auf der dazu gebörigen Paketkarte ist folgender Vermerk vom
Absender anzubringen: — 1 der Bonner Universitätsbibliothek, mit Ge⸗
nehmigung der britischen Militärbehörde.“
Die zugelassenen Sendungen unterliegen den nachstehenden all⸗ gemeinen Bedingungen:
I. Alle Briefe, Postkarten und sonstigen Postsendungen sind der Zensur seitens der britischen Militärbehörde unterworfen, die für deren sichere und rasche Beförderung keine Gewähr leisten kann. Eil⸗ bestellung ist zulässig.
I11. Zugelassene Sprachen: Deutsch (Mundarten aus⸗ geschlossen), Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch.
8 885 Schrift möglichst mit lateinischen Buchstaben und recht ejerlich.
IV. Inhalt der Briefe so kurz wie möglich (lange Privatbriefe sind der Gefahr der Verzögerung ausgesept), jegliche zezugnahme auf militärische Angelegenheiten, zweideutige Ausdrücke, unverständliche Zeichen oder Abkürzungen, Gebeim⸗ oder Chiffre⸗ schriften, Kurzschrift und der Gebrauch von geheimen Tinten sind verboten. nfe V. Schriftliche Mitteilungen in Paketen sind unzu⸗
ig.
VI. Name und Adresse des Absenders müssen deutlich auf der Vorder⸗ oder Rückseite jedes Briefes, oben links auf jeder Postkarte und in der Aufschrift jedes Pakets angegeben sein. 8
Jede shssse eet. die gegen die obigen Bestimmungen verstößt, wird beschlagnahmt, unter Umständen auch vernichtet. Die britische Militärbehörde behält sich außerdem das Recht vor, auch sonstige Postsendungen nach eigenem Gutdünken anzuhalten. 3
““ u“
Für den Privatielegrammverkehr aus dem unbe⸗ setzten Deutschland nach dem von britischen Truppen be⸗ setzten deutschen Rheingebiet (britische Besatzungs⸗ zone) sind die Verkehrsämter: Benrath, Dormagen, Hermül. 58 Hilden, Höhscheid, Mehlem, Monschau, Obercassel
Siegkreis), Sankt Vith, Schleiden (Eifel), Wald (Rheinland), Wermelskirchen und Zülpich veu geöffnet worden.
Geschlossen worden sind für diesen Verkehr die Verkehrs⸗ ämter: Cöln⸗Bayenthal, Cöln⸗Nippes und Frechen.
Hugerassen sind jetzt Telegramme im Verkehr mit deutschen Kriegsgefangenen und in wichtigen Dienst⸗, Geschäfts⸗ oder Privatangelegenheiten. Ferngespräche zu dringenden Dienst⸗, Berufs⸗ und Geschäfts zwecken.
Theater und Musik.
Opernhaus.
Etienne Nicolas Méhuls dreiaktige Oper „Josepb in Aegypten“, die seit einer Reihe von Jahren nicht mehr im Spielplan des Opernhauses erschienen war, ging gestern dort in neuer Einstudierung in Szene. Das Werk, in Wealtn seit dem Jahre 1811 bekannt, erlangte hier erst in den Tagen Niemanns, eines der Fengenpen Vertreter der Titelrolle, seine größte Beliebtheit. Eine weitere Reihe erfolgreicher Aufführungen erlebte es vor einem Jahrzehnt mit Ernst Kraus als Joseph. Wei dieser Gelegenheit war der ehedem gesprochene Dialog durch Rezitative ersetzt worden, die von dem Professor Max Zenger berrühren und sich außerordentlich geschickt dem Oratorienstile des Werks anpassen. Diese be⸗ währte Neuerung hatie man auch für die gestrige Auf⸗ führung beibehalten, die sich auch sonst in musikalischer gejanglicher, darstellerischer und dekorativer Hinsicht nicht wesentlich von der des Jabres 1909 unterschltes. In der vorwiegend lyrischen Partie des Joseph legte das neune Mitglied des Overnhauses Joseph Mann eine neue bemerkenswerte Probe seines großen ge⸗ sanglichen Könnens ab. Seine in allen Lagen gieichmäßig gut ebildete Tenorstimme entfaltete vollen Klang⸗ reiz. Iüm ebenbürtig war Frau Dux’ Benjamin, dessen schlichtes, fast an eine Volksweise gemahnendes Lied im zweiten Akt sie meisterlich sang. Herrn Armsters Jatob war eine echt patriarchalische Erscheinung und, bis auf die Reste einer kaum über⸗ standenen Heiserkeit, auch in gesanglicher Hinsicht würde⸗ und hobeitsvoll. Unter der Söhnen Jakobs ragte, wie vor zehn Jahren, der von Gewissensqualen gepeinigte Simeon Baptist Hoffmanns bedeutsam hervor. Treflliches leisteten ferner die Herren Sommer, Henke und Habich, Außerordentliches auch Chor und Orchester unter Otto Uracks musitalischer Leitung. Lebhafter Beifall Fief die Mitwirtenden nach den Aktschlüssen immer wieder vor die Rampe.
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Im Opernhause wird morgen „Otello“ mit den Damen von Granselt, Birkenströom und den Herren Kirchner, Schwarz, van de Sande. Sommer, Habich und Henke in den Hauptvpartien aufgefuhrt. Musilalischer Leiter ist Dr. Fritz Stiedry. Anfang 7 Uhr. — An Stelle der für Freitag, den 28. d. M., ursprunglich angesetzten Vorstellung wird Flotows Oper „Martha“ mu den Damen Dux und Birkenström und den Herren Hutt, Stock und Bachmann in den Hauptrollen aufgeführt. Musikalischer Leiter ist der Kapellmeister von Strauß. Die im Vorverkauf bereits verkauften Eintrittskarten für die 56. Dauerbezu vorstehung („Maienkönigin“ und „Gärtnerin aus Liebe“) haben Gültigkeit für die neuangesetzte Vorstellung („Marthba“*). Sie werden auch, jedoch nur bis zum Beginn der Vor⸗ srtellung an der Opernhauskasse zum Kassenpreise, zuzüglich des amt⸗ lichen Aufgeldes, zurückgenommen. Eine spatere Zurücknahme ist
ausgeschlossen. 1 Im Schauspielhause werden morgen „Die Kreuzel⸗ schreiber“ in der gewohnten Besetzung gegeben. Epielleiter ist Albert
Patry. Anfang 7 Uhr.
Monnigfaltiges.
Der Vorstand des Vereins deutscher Zeitungs⸗ verleger hat sich, „W. T. B.“ zufolge, in seiner gestrigen gemein⸗ samen Sitzung mit den Vertretern der Kreisvereine mit der wirt⸗ schaftlichen Lage der deutschen Zettungen beschäftigt. Diese Lage ist kritischer als je zuvor. Die Herßellungskosten sind infolge der er⸗ böohten Loöhne, des Zwanges zum Behalten der während des Krieges eingestellten Arbeitskräfte und zur Wiebereinstellung der aus dem Felde Zurückgekehrten, der vertür ten Arbeitszeit ufw. in einem bisher noch nicht dagewesenen Maße gestiegen. Um auch nur einen teil⸗ weisen Ausgleich für die ungeheuge Mehrbelastung zu finden, sind die deutschen Zeitungsverleger geosg ugen, eine ECrhöhung der
Bezugs⸗ und Anzeigen peresie eintreten zu lassen.
—
Nach einer Mitteilung der schwedischen Gesandtschaft in Kon⸗ stantinopel, die den Schutz der Heutschen in der Türtet übernommen bat, sind 750 deutsche Zibilpersonen am 13. Februar an
Bord des Dampfert „Corcovado“ von Konstantinopel nach Triest abgereist. (W. T. B)
Beuthen (O. S.), 25. Februar. (W. T. B.) Polen versuchten, eine von der Freien Vereinigung einderufene
Versammlung der Deutschen zu sprengen. Dahei
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ntfland ein Tumult, bei dem — 2 Stuhlbein auf die Deutschen einhieb, durch einen Schuß am Halse verletzt wurde. Einem verstärkten Polizeiaufgebot gelang es schließlich mit Hilfe von Sicherbeitsmannschaften, die Ruhe wieder herzustellen. Patrouillen durchziehen die Straßen; au Landgerichtsgebäude stehon Maschinengewehre.
Plauen i. V., 25. Februar. (W. T. B.) Der Arbeits⸗ losenrat, der gestern nach Abse zung des A.⸗ und S.⸗Rals die öffentliche Gewalt an sich gerissen hat, hat eine Betanna⸗ machung an alle Bewohner erlassen, wonach die von ihm gestellten revolutionären Truppen streng angewiesen sind, Leben und Eigentum aller Bewohner zu schützen. Die revo⸗ lutionären Truppen habden alle öffentlichen Gebäude, die Bahnhöfe, Polizeiwachen usw. im Besitz. Aus dem Landgerichtsgebäude haben die Spariakisten in der pergan enen Nacht 67 Straf⸗ und Unter⸗ suchungsgefangene befreit. Heute vormittag 10 Uhr wurden die Kasernen von Sicherheitstruppen zurückerobert. Es kam dabei zu Kämpfen, bei denen in Mann gerötet und mehrere schwer verwundert wurden. Nach den neusten Meldungen soll der A.⸗ und S.⸗Rat wieder eingesetzt sein. Die Lage ist augen⸗ blicklich noch ziemlich ungeklärt, die Zeitungen können auch heute nicht erscheinen.
Mannheim, 25. Februar. (W. T. B.) Der Kommerzien⸗ rat Karl Reuther von der Firma Bopp u. Reuther wurde heute auf dem Wege von der Fabrik nach seiner Wohnung von einem Unbekannten erschossen.
Freiburgi. B., 25. Februar. (W. T. B.) Der Arbeiter⸗ und Soldatenrat, die sozialdemokratische Partei, die Unabhängigen, das Gewerkschaftskartell und der Ausschuß der Erwerbslosen und Notstandsarbeiter hatten für heute nachmittag zum allgemeinen Aus⸗ stand aufgefordert als Protestkundgebung gegen die politischen Vorgänge in München und die gegen⸗ revolutionären Bestrebungen“. Die Kundgebenden zogen mit roten Fahnen durch die Stadt; zu Zusammenstößen ist es nacet gekommen. Ein großer Deil der Geschäfte und Betriebe blieb geschlossen. Die Zeitungen erschienen Nachmittags nicht. I.“
Nachrichten“ melden aus Cuxbaven: Ein zur Ablieferung bestimmtes von dem Dampfer „Roland“ geschlepptes U⸗ Boot ist auf Doggerbank gesunken. Die Mannschaft winde ge⸗ rettet. „Roland“ kehrte nach Cuxhaven zurück⸗
Bern, 25. Februar. (W. T. B.) Lvoner Blättern zufolge nimmt die Grippeepidemie in Frankreich neuerdings erheblich zu. In Paris werden durchschnittlich 240 Grippe⸗ kranke täglich in die Krankenhäuser eingeliefert.
Aerrnantisches Observatorium. Lindenberg, Kreis Beeskow.
25. Februar 1919. — Ballonaufstieg von 6 Vorm.
— 11““ —
Serchöhe Luftdruck
24 —1
Relative Wind Feuchtig⸗ Geschwind. keit “ Sekund.⸗
Temperatur C°
m mm unten ⁄% Meter
122 1742,5 16 190 9 500 708 “ 85 &9L. 1
1000 666 70 6SS8 3 1500 624 80. SSO “ Bedeckt, dichter Bodennebel. — Bodeninverston von 1,6 auf 3,3
in 180 m Höhe. .
(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Veilage.)
Opernhans. (Unter den Linden.) Donnerstag: 55. Dauer⸗ bezugsvorstellung. Dienst⸗ und “ sind aufgehoben. Otello. Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi. Text von Arrigo Baito. Für die deutsche Bühne übertragen von Max Kalbeck. Mäsikalischa Leitung: Dr. Fritz Stiedry. Spielleitung: Hermann Bachmaun. Anfang 7 Uhr. ö
Schauspielhans. (Am Gendarmenmarkt.) Donnerst. 58. Dauer⸗ bezugsvorftellung. Dienst⸗ und Freiplätze sind aufgehoben, Die Kreuzelschreiber. Bauernkomödie mit Gesang in drei Atten (6 Bilder) von Ludwig Anzengruber. Spielleitung: Arbert Patry. Anfang 7 Uhr.
Freitag: Opernhaus. 56. Dauerbezugsvorstellung. Dienst⸗ und Freiplaͤtze sind aufgehoben. Martha. Romantisch⸗komlsche Over in vier Akten von Friedrich von Flotow. Tart terlmeise nach dem Plane des Saint Georges) von Wilhelm Friedrich. Anfang 7 Uhr. n
„Schauspielbaus. 59. Dauerbezuasvorstellung. Dienst. und Freiplätze sind aufgehoben. Peer Gynt von Henrik Jblen⸗ (In zehn Bildern.) In freier Uebertragung für die deutsche Bühne von Dietrich Eckart. Musit von Edward Grieg. Anfang
1. .
Familiennachrichten.
Geboren: Ein Sohn: Hrn. Horst von Blücher (ir. Werchow)“
— Eine Tochter: Hrn. Leutnant Ernst Hermann von Schoening (Succow a. d. Plöne, Pommern). — Hrn. Karl von Kronenfeldt (Hannover). —
Gestorben: Fr. Helene von Dobbeler, geb. von Engelbr Hannover). — Freifrau Alice von Manteuffel gen. Jo “ von Foelkersahmb (Röm. — Hr. Rittergutsbes Landesältester Friedrich von Wichelhaus (Schurgast).
Verantwortlicher Schriftleiter: Direktor Dr. Tyrol, Charlottenburg. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteher der Geschäftsstelle, Rechnungsrat engerina in Berlin. 8 Verlag der Geschäftsstelle (Meugerina) in Bersin. Druck der Nordbeutschen Buchdeuckarg! und Voerlagsanstalt, “ Berlin, Wilbelmstraße 82.
Sieben Beilagen
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keinschlieslich Börsenbeilageh) R.. 8.1 4
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olnischer Arbeiter, der mit einem
Hamburg, 25. Februar. (W. T. B.) Die „Hamburger
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haben.
sschnell und energisch zu handeln.
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Richtamtliches.
Deutsche Nationalversammlung zu Weimgr. 15. Sitzung vom Dienstag, dem 25. Februar 1919 Vormittags 10 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphenbüro.)
Am Regierungstisch: die Reichsminister Scheidemann, Noske, Wissell, Dr. Preuß, Landsberg, Schmidtu. a. Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 10 ¼ Uhr. Unter den Einläufen befindet sich ein Telegramm aus eldorf in dem energischer Einspruch gegen die Pöbel⸗ herrschaft und Anarchie in Düsseldorf erhoben wird.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation der Deutschnationalen Partei, betreffend Uebergriffe einzelstaatlicher Verwaltungen in bezug auf den Religionsunte rricht.
„Miinisterpräsident Scheidemann erklärt, daß die Regierung die Interpellation zu beantworten bereit ist und sich über den Tag der Verhandlungen mit dem Päsidenten ins Einvernehmen setzen will.
Damit ist dieser Gegenstand für heute erledigt.
Es foigt die ersie Beratung des von den Abgg. Löbe, Gröber, von Bayer und Dr. Rießer eingebrachten Ge⸗
etzentwurss über die Bildung einer vorläufigen eichswehr.
Abg. Schoepflin (Soz.): Der Antrag ist aus der bitteren Not der Zeit hervorgegangen. Er ist ein Norbehelf, der dem gegen⸗ wärtigen Chaos ein Ende bereiten soll, indem er die vorhandenen zersplitterten militärischen Kräfte organisch zusammenfassen will. Durch Aufruf der Wehrpflichtigen eine militärische Macht
d zu schaffen, ist zurzeit nicht ausführbar, wir sind leider auf
1 ü das Anwerbesystem, auf Kreiwillige angewiesen. Es ist eine fast grausame einst
“
2
Ironie des Schicksals, daß der Sta der die stärkste Militärmacht der Welt war, der zuerst die allgemeine Wehrpfl'’cht eingeführt bat, jetzt genötigt ist, Freiwillige durch Zei⸗ tungsinserate zu werben. Bei dem moralischen Niederbruch. der leider große Teile des deutschen Volks erfaßt hat, würde der Aufruf der Wehrrflichtigen wohl pöllig unnütz und zwecklos sein. Die Stärk der vorläufigen Reichswehr, wie sie der Amrag bezweckt ist begrenzt. Die endgültige Reichswehr wird in ihrer Stärke von den Friedens⸗ verbandlungen und anderen Faktoren abbängen. Ebenso begrenzt ist die Zeitdauer dieses Notbehelfs, das Gesetz soll Ende März 1920 wieder außer Kraft treten. Eine einheitlich organisierte Truppe wird die vor⸗ läufige Reichswehr nicht seein, sie soll geschaffen werden durch An⸗ werbung rvon Freiwilligen und Angliederung dor vorhandenen Frei⸗ willigenverbände und Freiwilligenformationen. Was aber einheitlich werden soll und muß ist, daß diese Reichswehr die Reichsverfassung espektiert, daß sie bereit ist, in Ko flikten sich der Reichsregi'rung unterzuordnen und den Reichsgesetzen Geltung zu verschaffen. 2 wendig ist auch, daß die Freiwilligen sich einer Kommandogewalt unterziehen, wofür die seinerzeit erlassene Verordnung des Kriegs⸗ ministeriums eine gute Grundlage bildet. Auch eine Disziplin, und zwar eine starke Disziplin muß die Reichswehr haben, onst wäre es schade um jeden Pfennig, den wir dafür ausgeben;
s wäre das lediglich eine Pergeudung des Volksvermögens. (Leb⸗ hafte Zustimmung.)’ Schon heute sehen unzählige Soldaten ein, daß ie gegenwärtigen Zustände in den Kasernen unmöglich so fortdauern dürfen. (Lebhafte Zustimmung.) Die Verhbältnisse sind ganz un⸗ geheuerlich, es tut einem weh, wenn man sieht, wie die Kasernen — verzeihen Sie den Ausdruck — manchmal zu Schweineställen gemacht werden. Ich verstehe es wenn die Offiziere versuchen, den gegenwärtigen Zustand, soweit er sie versönlich betrifft zu ändern, wenn sie versuchen, dem Offizierstand wieder Geltung zu verschaffen; aber die Herren
Not⸗
sollien doch seit der Revolution gelernt haben, daß sie auf manches
verzichten müssen, was ihnen als Offizieren bisher angenehm war, aber jetzt nicht mehr sein kann. Die volle Kommandogewalt wird nicht mehr sein (sehr wahr! bei den Soz.); die Herren müssen an die neue Zeit Kon⸗ essionen machen. Es ist nicht gerade imponierend, wenn der Offizierbund so großen Wert auf Uniformfragen, auf Achselstücke usw. legt. In einer Zeit, wo das dentsche Volk aus zausend Wunden blutet und um seine Existenz kämpft, sollten deulsche Offiziere höhere Interessen (Beifall.) Auch die alte Grußpflicht ist unmöglich und nicht einmal mehr wünschenswert; auch mit dem freiwilligen Gruß kann der Vorgesetzte respektiert werden. (Beifall.) Zu Begiann jeder Sitzung verliest der Präsident Hilferufe aus allen Teilen des Reichs. Es geht nicht an, den Zustand weiterbestehen zu lassen, daß Polnische, tschechische und irgendwelche anderen Banden die Grenzen des Reichs bedrohen oder raß irgendwelche Fanatiker oder ein paar Verbrecher sich Banden sammeln, Städte terrori⸗ Werke stillegen und eine Schreckensherrschaft auf. ichten. Ein Volk, das sich das gefallen ließe, hätte jeden Anspruch auf eine Zukunst verwirkt; ein Zustand, daß eine Bande sechshundert Grubenarbeiter dadurch in Lebensgefah daß sie die Förderseile durchschneidet, darf keinen Augenblick länger bestehen bleiben. (Beifall) Deshalb hoffe ich, daß sich auch aus der sozialdemokratischen Arbeiterschaft Leute * genug fiaden, die freiwillig eintreten, denn Nuhbe und Ordnung find die Lebensbedingungen für des deutsche Volk. (Ahat rechts.) Haben Sie von uns Sozialdemokraten etwas anderes erwartet? Allerdings birat eine Reichswehr von angeworbenen Truypen auch Bedenken und Gefahretk in sich, besonders die Tendenz, cine Söldner⸗ rupre zu werden,
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aber da wir die neue Einrichtung nur für kurze Zeit schaffen wollen, wiegt diese Gefahr nicht allzuschwer, nament⸗ ich wenn unser Wirtschaftsleben bald wieder in Gang kommt. Das möchte ich allen denen zu bedenken geben, die durch sinnlosfe Streiks und durch Sahotierung des Wirtschaftslebens die Gefahren iner solchen Truppe vermehren hHelfen. (Sehr richtig! bei den Soz.) r empfehlen Ihnen einige Abänderungsanträge, wonach die Mit⸗ glieder des jetzigen Freiwilligenheeres, insbesondere die Unteroffiziere Offiziere, den ersten Anspruch auf Uebernahme in das spätere auernde Heer erhalten sollen. Bewährte Unteroffiziere sollen zu Offizieren befördert werden, und den Angehörigen des Freiwilligen⸗ beeres sollen dieselben Versorgungsgebührnisse zustehen, die den Heeresangehörigen im allgemeinen zugestanden haben. Es gilt jetzt, (Beifall.)
Abg. Gröber (Zentr.): Keine staatliche Autorität kann auf
jie Dauer bestehen, wenn sie nicht die materielle Macht zur Ver⸗ gung het, um ihre Beschlusse durchzusetzen. Die Schaffung einer orläufigen Reichs wehr ist eine so wichtige Aufgabe, daß wir jede Stunde als verloren ansehen, um die sie verzögert wird. (Sehr richtig! b. d. Mehrheit.) Wenn diese Macht das leisten soll, was man erwartet, ist erste Poraussetzung, daß Gehorsam und Disziplin valten. (Lebhafte Zustimmung) Die Vertauensausschüsse bei den Soldaten dürfen keinen politischen Charakser bekommen. Schaffen wir schnell das Gesetz, damit wir bekommen, was wir wünschen: Schutz für Ordnung und Schutz für unser Vaterland. (Beifall.
Abg. Siehr (Dem.): Alle Vorarbeiten für den Wiederaufbau Deutschlands würden vergeblich sein, wenn die Regierung nicht die Machtmittel bekäme, um die neue Verfassung zu schützen. Unser altes Heer, dem wir alle heißen Dank schulden, stellt heute kein brauchbares Instrument für diese Zwecke mehr dar. Auf welcher Grundlage wir später ein Heer mit allgemeiner Wehrpflicht errichten können, haͤngt von den Friedensbedingungen ab; es wird bedeutend hinter der alten Friedensstärke zurückbleiben. Hier handelt es sich um ein vorläufiges, aus der Not der Zeit geborenes Gesetz. Wir bedauern, daß es der unabhängigen Sozialdemokratie nur durch den Hinzutritt der Deutsch⸗nationalen Volkspartei möglich gewesen ist, gestern die Beratung dieses Gesetzes zu verhindern. (Sehr richtig! bei der Mehrheit.) In der jetzigen Zeit ist es schwer, die Veraatwortung dafür zu übernehmen, daß dieses Gesetz auch nur um eine Stunde verzögert wird. Die neue Reichswehr kann nur tlein sein, wird aber ihren Zweck erfüllen, wenn sie auf starker Manneszucht auf⸗ gebaut ist. Svartakisten uod Unabhängige bestreiten die Not⸗ wendigkeit eines Heimat⸗ und Grenzschutzes. Frau Zietz rief vor einigen Tagen: Fort mit dem Heimatschutz! Ich, schlage inr vor, diese Rede einmal in einer der Grenzstädte der Provinz Ostpreußen zu halten, die bei dem ersten Russeneinfall nicdergebrannt sind (sehr richtig!), der Erfolg würde wunderbar sein. Aber was wir damals erlebt haben, wäre ein Kinderspiel gegen das, was unseren Ostprovinzen heute drohen würde, wenn sie wieder schutzlos überfallen würden. Wir fordern von der Regierung die Bewachung der ostpreußischen Grenzlande vor diesem Fürchter⸗ lichsten. Wir fordern auch, in Schlesien, Posen und Westpreußen ein Vordringen der Polen über die Demarkationslinie zu verhindern Energisch muß im Innern des Landes für Sicherheit und Ordnung gesorgt werden. (Beifall bei der Mehrheit.)
Abg. Baerecke (D.nat. Vp.): Die Vorlage ist ein Zeichen unserer Ohnmacht; sie soll dem wachsenden Chaos Einhalt gebieten. Wir vermissen aber noch immer die Antwort von der Regierung auf die Frage, was geschehen soll, wenn uns eines Tages unannehmbare Waffenstillstandsbedingungen zugemutet werden. (Sehr richtig! rechts.) Wir sind durch die Vorgänge der letzten Wochen nicht über⸗ rascht worden; sind sie doch nichts anderes als weitere Folgen der Revolution. (Sehr richtig! rechts, Unruhe links.) Spartakus erbebt jeden Tag frecher sein Haupt, und Deutschland wird allmählich ein Trümmerhaufen. Hätte die Revolutionsregierung rechtzeitig scharf eingegriffen und ibre Pflicht getan, die Dinge bätten nicht so weit kommen können. Wenn jetzt endlich etwas geschieht, so ist es reichlich spät. (Sehr richtig! rechts.) Die Vorlage zeigt, daß die Sozialdemokratie umgelernt hat; es geht eben nicht ohne Militarismus. (Lachen links.) Eigentlich tönnten wir Schaden⸗ frende empfinden. Die Revolution hat die Disziplin untergraben, und man sehnt sich zurück nach dem alten System. Das zeigt diese Vorloge. (Lachen links.) Auch Noske sieht ein, daß man ohne Disziplin, ja ohne brutale Gewatt nicht durchkommt. Auf dem Platze des Kriegsministers mag sitzen, wer will, sogar Frau Zietz müßte die Erfahrung machen, daß es ohne Disziplin nicht geht. (Sehr richtig! rechts) Immer mehr alte Freunde sehen wir wieder. Hier in Weimar haben wir sogar ein freudi es Wiederseben mit den alten Berliner Schutzleuten gefeiert. (Heiterkeit) So kommt eins nach dem anderen. (Sehr richtig! rechts, Lachen links.) Die Anwerbung von Truppen durch Zeitungsanzeigen erscheint auch uns wenig würdig. Den Freiwilligentruppen selbst danken wir für ihre ausgezeichnete Hilfe. (Beifall.) Vorbildlich ist das Verhalten der Alma mater Königsberg, wo mit dem Rektor an der Spitze sich die ganze Studentenschaft für den Grenzschutz zur Verfügung stellte (Beifall.) Das war der Geist von 1813. (Beifall.) Schließlich melden sich auch Unwürdige, vor allem aber melden sich zu wenig Wir können hier in der sogenannten Souveränitat die schönsten Beschlüsse fassen; was nützt es, wenn sie nicht ausgeführt werden? (Sehr richtig! rechts.) Schärfsten Einspruch erheben wir gegen die Versuche in Braunschweig, die An⸗ werbung für den Grenzschutz unter schwerge Strafe zu stellen. Des Offizierkorvs werden wir steis in Liebe und Dankbarkeit gedenken. (Beifall) Es war ein Skandal, deß sich Offi⸗ ziere von Deserteuren, die niemals vor dem Feinde gestanden hatten, entehren lassen mußten. (Sehr richtig! rechts) Man spricht wieder viel von Gegenrevolution, nur weil der Mörder Eisners ein Graf war. Von rechts droht Ihnen keine Gefahr. (Nufe links: Na, na!) Man sollte die Offiziere wieder in ihre Ehrenrechte einsetzen; zu militärischen Führern dürfen nur Sach⸗ verständige ernannt werden: freie Bahn dem Tüchtigen! (Beifall rechts, Lachen links.) Die Ueberwachung durch Soldatenräte muß aufhören. Gewiß haben manche Soldatenväte tadellos ge⸗ arbeitet, aber es waren Ausnahmen. (Sehr richlig! rechts.) Die große Mehrheit hat sich in Dinge gemischt, die sie gar nichts angingen. Was für die Offiziere gilt, gilt auch für die Unteroffiziere. (Sehr richtig!) Wir werden für das Gesetz stimmen. (Hört! hört! links.) Wir waren auch neulich bereit, von den 25 Milliarden 18 Milliarden zu bewilligen und haben nur gegen die restlichen sieben Milliarden gestimmt, weil wir von der Revolutions⸗ regierung erst einmal eine Abrechnung haben wollten. (Sehr richtig! rechts, Widerspruch links; Abg. Nuschke: Sie haben in dritter Lesung auch die Kriegsgewinne abgelehnt! Sehr richtig! links) Der Zusammenbruch des alten Heeres ist uns tief schmerzlich. Das alte Heer war für unser Volk eine Schule, die es gerade heute bitter nötig hätte, aber die Sozialdemokraten mit Uaterstützung des „Berliner Tageblatts“ haben im Auslande eine ganz falsche Auffassung über unser Heer verbreitet. (Sehr richtig! rechts.) Es war das beste Heer der Welt, wir werden ihm nie vergessen, was es in diesem Kriege geleistet har. (Beifall rechts.)
Abg Henke (U. Soz.): Natürlich möchte der Vorredner den Grundgedanken des alten Militarismus lieber heute als morgen wieder lebendig machen. In diesem Entwurf wird mancherlei von dem alten militärischen Geist wieder lebendig, und wir tieten ihm deshalb auf das schärfste entgegen. Der Entwurf ist so wichtig, daß er nicht „kurz, schnell und energisch“ erledigt werden dart, sondern mindestens in einer Kommifsion vorberaten werden muß. Ueben die Stärke der Reichswehr vird nichts gesagt, und das muß den Argwohn unserer Feinde verstärken, daß es sich um die Wiederaufrichtung des Militarismus handle. Würde uns über die außenpolitische Lage im Osten Klarheit gegeben, so würde sich herauestellen, daß die Gefahr der Bolschewisten (lebhafte Zurufe: Polen!) ein Schwindel ist. (Lachen bei der Mehrheit.) Ich konstatiere das Einverständnis des Grafen Posadowsky mit den Herren von der Sozialdemokratie. Die russische Sowjetregierung hat durch Funkspruch erklären lassen, daß in Deutschland die falsche Vorstellung verbreitet sei, als ob es von einer russischen Invasion bedroht werde, sie spricht ihr Befremden aus, daß die deutsche Regierung dieser Vorstellung nicht entgegentritt. Alle diese Gerüchte sind aus der Luft gegriffen. (Lachen und erregte Zurufe bei der Mehrheit.) Wir werden wieder mit dieser Sowjetregierung wirtschaftlich verhandeln müssen, wir wollen doch mit allen Völkern in Ei tracht leben. Nachdem wir jetzt eine Regierung haben schwarz wie das Zentrum, rot wie die Sozialdemokraten und golden wie die Demokraten, sollte mit der überlebten diplomatischen Geheimnistuerei Schluß gemacht werden. (Heiterkeit.) Dem Vorredner liegt weit mehr an der Unter⸗ bringung der arbeitslosen Offiziere als an der der erwerbslosen Arbeiter. (Große heuhe und Widerspruch b. d. Mehrheit.) Wenn wir den Frieden
Der Glaube an die Gegenrevolution ist ein Jirglaube.
mit den Völkern im Osten ebrlich wollen, können wir ihn haben (Ge⸗ lächter und Widerspruch), aber unsere Politik muß das Vertrauen der Völker wieder erringen. Das sozialdemokratische „Hamburger Echo“ hat in einer schwachen Stunde ausgeplaudert, daß es sich hier um eine Wieder⸗ belebung des Militarismus handelt. (Sehr richtig! bei den U. Soz.) Die vorwärtsdrängenden revolutionären Kräfte sollen niedergedrückt werden. (Widerspruch, Gelächter.) Gewalt gegen Gewalt, das ist heute Ihre Maxime. Damit ertöten Sie aber eine große Volkt- bewegung nicht. Ich bin überzeugt, daß ich mit meinen Ausführungen nicht die Mehrheit dieses Hauses hinter mir habe (Sehr richtig! Heiterkeit); es ist ja bezeichnend, daß nicht nur der Regierungsblock diese Vorlage unterschrieben hat, sondern auch Herr Rießer. Ich wundere mich nur daß nicht auch die Deutschnationalen unterschrieben haben. (Zuruf bei den Soz.: Sind ja Eure Bundesgenossen!) Diese Vorlage ist nicht eine Erfüllung des Erfurter Programms, sondern S 8 Wir lehnen sie ab
ein Stück Wiederbelebung des Militarismus. (Beifall bei den U. Soz.) 3 Reichswehrminister Noske: Ueber Wehrfragen der Zukunft heute zu reden, ist unangebracht. Der Antrag der Parteien trägt lediglich der dringendsten Notlage des Reichs Rechnung; wer darin schon Schreckgespenster des Mälitarismus siebt, der hat wohl eine lebhafte Phantasie, aber kein Verständnis für die wirkliche Sachlage. (Sehr richtig!) Es wäre geradezu Tollheit, wenn die Regierung zu⸗ sehen sollte, daß durch ein gemeingefährliches, verbrecherisches Treiben einer geringen Minderheit unsere Wirtschaft weiterhin zugrunde gerichtet wird. Für eine Regierung, die zur “ aus Sozial demokraten besteht, ist es gewiß außerordentlich unerwünscht, daß eine ihrer ersten Maßregeln darauf gerichtet sein muß, neue starks militärische Machtmittel aufzustellen und gegen die eigenen Volksgenossen Gewalt anzuwenden. Wenn es geschiebt, so nur deshalr, weil es im Interesse der großen Mehtheit der Bevölkerung und im Interesse des Bestandes des Reichs notwendig ist. Ich komme mit meiner sozialdemokratischen Vergangenheit nicht im mindesten in Widerspruch, wenn sch mich dafür einsetze, daß das Reich so rasch wie möglich in gewissem Maße eine militärische Wehrhaftigkeit erhält. Wir haben in unseren Reden im Reichstag niemals der Wehrlosigkeit des Reichs das Wort geredet, wir haben niemals die Disziplin im Heere zu untergraben gesucht, sondern nur gewisse Ein⸗ richtungen des allten Heeres bekämpft. (Sehr richtig! bei den Soz.) Ich gebe zu, daß das, was jetzt hier von den Parteien beantrag wird, eine Du chführung des Erfurter Programmsatzes: „Erziehung des Volts zur Wehrhaftigkeit“ nicht im entferntesten bedeutet daß es vielmehr nur der dringendsten Notlage des Augenblicks Rechnung tragen will. Aber sobald wir über die schwerste Zeit politischer un wirlschaftlicher Erschöpfung hinaus sein werden und sobald wir, in hoffentlich nicht allzuferner Zeit, einen Frieden haben werden, den wir tragen köoönnen, dann wird an die großen Erziehungsideale herangegangen werden, die die Sozialdemokratie auf milrtärischem Gebiete hat. In einzelnen Bundes aaten oesteht leider Neigung, gegenüber dem früheren Zustand eine starke Lockerung eintreien zu lassen. (Hört! bört!) Mit diesem Gesetz wird hoffentlich der Anfang zu straffer Einheit auf militärischem Gebiet gemacht. Den Freiwilligen⸗ verbän en sind wir zu hohem Dank vervflichtet (Beifall.) Die Vorwürfe des Vorredners gegen die eiserne Marinebrigade weise ich zurück. Sie ist nicht mit Hilfe von Werbeplakaten zusammen⸗ gebracht worden. Ich gebe ja zu, daß die Werbeinseraie in den Zestungen eine unerfreuliche Erschemung sind, aber das wird jetzt aufhören. Das Durcheinander auf militärischem Gebiet, das heute herrscht, muß verschwinden. Ich hoffe, in nicht allzu ferner Zeit Reégel und Ordnung in unser Heerwesen zu bringen Das alte Wehrgesetz besteht zurzest noch durchaus zu Recht. Zum Schutz der eigenen Scholle sind in den letzten Wochen im Osten ein paar tausend Mann aufgerufen worden, auch die Reichs⸗ wehr soll selbstverständlich in erster Linie dem Grenzschu dienen. Es wäre eine verbrecherische Leichtfertigkeit, wenn di Regierung nicht darauf Bedacht nehmen würde, die von Bolsche⸗ wisten bedrohte ostpreußische Grenze zu schützen. (Beifall.) Die Stärke der Reichswehr wird nicht ein Drittel der alten Heeres⸗ stärke betragen. Das ist ein so geringes Maß von militärischer Macht, daß das Ausland keinen Arlaß zum Mißtrauen zu haben braucht. Die Abänderungsanträge der Parnteien enthalten lediglich Selbstverständliches. Ihr Inhalt entspricht auch der Auffassung des Kriegsministers. Die Verhältnisse der Offiziere zu regeln, wird schwe sein. Es giht viele Formationen in denen zurzeit nicht ein einziger Offizir Dienst tut. Selbstverständlich darf der Führer militärischer Formationen nicht der Spielball der Mannschaften sein. Des er⸗ forderliche Mitbestimmungbrecht, das sich mit der Schlagfertigkert der Truppe vereinbaren läßk, muß der Maanschaft zugestenden werden. Ich glaube, daß Herr Penke und seine Freunde keine Neigung haben, eine Truppe die aus Freiwilligen besteht, mit weitgehenden politischen Rechten auszustatten. Soldatenräte in einer derartigen Freiwilligen⸗ truppe nach dem Schlagwort: „Alle Macht den Solbdatenräten“ würde bedeuten, die politische Macht in Deutschland einer Truppe ausliefern, die sich dann leicht zu einer Prätorianerzarde aufwerfe könnte. Es muß darauf geachtet werden, daß in diesen Freiwilligen⸗ verbänden straffe Manneszucht und tadellose Disziplin geübt wirvd (Beifall.) Die Regierung wird bemüht sein, so rasch wie möglich ein Instrument zu schaffen, das uns das erforderliche Maß von Sicherheit an den Grenzen und Ordnung im Lande garantiert. Ich hoffe, daß das bloße Vorhandensein der Reichswehr schon derartig wirken wird, daß sie zu ernsten Kämpfen nicht Verwendung finden wird. 8 Abg. Aßmann (D. Vp.): Viel wird bei der Freiwilligen⸗ werbung nicht herauskommen. Die bisherigen Erfahrungen sind fü die Zukunft nicht gerade ermutigend. Flüchtli ge aus dem Balten⸗ lande berichten uber die Bolschewistengefahr Haarsträubendes. Die Bolschewisten sind wie die Heuschrecken, wenn sie einen Landstrich kahl gegessen haben, treibt es sie vorwärte, weil sie keine Etappe besitzen. Herr Henke hofft freilich auf Hilfe für seine Partei aus dem Osten. Wenn wir Ostpreußen nicht stützen, verlieren wir unser wichtigstes Ernährungsgebiet. Die Rang⸗ und Grad⸗ abzeichen sind keine Schneiderfrage. Hier handelt es sich um tiefe Gemütswerte. (Sehr richtig! rechts) Es war eine Schande, daß halbwüchsige Burschen den unbesiegt aus dem Felde heimkehrenden Offizieren die Achselstücke und Kokarden abrissen. (Sehr richtig!) Bei uns im Osten gehts ums Leben Die Polen haben eine Aushebung deutscher Bürger für das polnische Heer angeordnet. (Hört, hört!) Sie kehren sich einfach nicht an den Waffenstillstand. Wir brauchen einen Hei⸗ matschutz. Verzweiselte Hilferufe dringen täglich an unser 7. Früher herrschie bei uns Sicherheit und Ordnung, hbeute Mord⸗ und Totschlag. Mit Truppen von der alten Disziplin hätten wir die Ostmarken retten konnen. Hoffentlich hat jetzt schon allein der Ent⸗ schüuß, eine Reichswehr zu schaffen, die Wirkung, die wir alle er⸗ hoffen. (Beifall). Damit schließt die allgemeine Aussprache. Ja der Einzelberatiim begründet Abg. von Langheinrich (Dem.) den Antrag der Mehr⸗ heitsparteien, wonach besonders bewährten Unteroffizieren die Offisiers. laufbahn eröffnet werden soll. Er ührt aus: Die schroffe Sch idu
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wischen Offizier und Mann muß beseitigt werden. Diese tiefe Klust at zum Zusammenbruch der alten Armee mitbeigetragen. Für