1919 / 60 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 14 Mar 1919 18:00:01 GMT) scan diff

Abag. Dr. Wie land (Dem.): die Zusammensetzung des Reichskoblenrais es münsen in ihne alle Reicksteile berücksichtigt werden, vor allem die kohlenarmen für⸗ deutschen Staaten. Engriffe in den technischen Förderungsbetrieb e man vermeiden. Die Bergarbeiter bitte ich nun das ihre zu tun.

„Abg. Dr. Graf von Posadowsky (Dnat.): Dem Gesetz hätte eine eingehende Enqucte vorausgehen müssen. Tausende von selbständ igen Existenzen merden durch dieses Gesetz zu Agenten des Staats herabgedrückt. (Zuruf bei den Soz.: Jetzt des Syndikats!) Das Synditat hat doch nicht den Einfluß wie der Staat. Die Besitzer der Kohle bergwerke aber werden herabgedrückt zu Zwischen⸗ meisern zwischen Verwaltung und Verbrauchern. Das Reglement eröffnet für die Förderung unserer Kohlenaussuhr trübe Aussichten. KFinnnziell hbätte man dastelbe durch Steuern erreichen können. Ich fürchte, daß angesichts der Lohnforderungen der Fistus bei dem Gesetz zu kurz kommen wird. Sie werden es verstehen, wenn wir gegen diese nebelhaften Pläne einer Regierung der unbegrenzten Möglich⸗ keiten die äußerste Vorsicht üben. (Beifall rechts.)

Um 21 ¼ Uhr werden die Verhandlungen wieder auf⸗ genommen.

Abg. Henke (U. So.): Das Gesetz ist eine Enttäuschung für die Massen. Sogar die „Vossische Zertung“ hebt hervor, daß die Arbeiter äte in dem Gesetz fehlen. Reichswehrminister Neske hat heute morgen eine Verteidigungsrede gehalten.

Präsident Fehrenbach: Das war außerhalb der Tages⸗ ordnung Ich rufe Sie zur Sache.

Abg. Henke (U. Soz.): Das Gesetz erhält nur Surrogate von dem was die Arbeiter gefordert haben. Es gibt ihnen Steine statt

Brot Wir lehnen es ab. (Beifall bei den U. Soz. Zischen bei der Mehrheit.) 1 Abg. Osterroth (Soz.): Die Unabhängigen haben durch hre Anträge gezeigt, daß sie den Klassenegoismus der Unter⸗ ehmer durch einen anderen Klossenegoismus ersetzen wollen. Lachen bei den U. Soz.) Die Unabhängigen sind gegen das Gesetz, weil es die Arbeiter beruhbigk. (Abg. Cohn: Frech⸗ eit! Vizepräsident Haußmann ruft den Abg. Cohn zur Ordnung.) Die Bergarheiter wissen aber jetzt, was sie von en Freunden des Herrn Henke zu erwarten haben. Die Herren on der Rechten haben nur alte Ladenhüter vorgebracht. Es ut mir in der Seele weh, daß ich den Grafen Posadowsky in der Gesellschaft sehe. Die demokratische „Frantfurter Zeitung“ orderte seinerzeit die Expropriation des Kohlenbergbaus, das Gesetz eht nicht einmal so weit. Wir betrachten es als eine Etappe auf em Wege zur Verstaatlichung. Die Arbeitsgemeinschaft ist viel zu spät gekommen. Häften Sie zehn Jahre früher Verständn’s für den Wert der Gewerkschaften gezeigt, Herr Voegler, Sie hätten sich viel Spartakismus erspart. (Sehr wahr! links.) Se sind die wahren Väter der Spartatisten. (Lauter Widerspruch rechts. Stürmischer Beifall links. Rufe rechts: Unerhört! Gegenrufe links). Die gelben Werkvereine, die sie (nach rechts) groß gepäppelt haben, stellen jetzt die wildesten Spartakisten. (Lebh. Zustimmung links und Lärm rechts.) Die Bergherren haben ihr vollgerüttelt Maß von Schuld an der allgemeinen Preissteigerung und der Entwertung des Geldes. Die Syn⸗ dikatspolitik hat uns viese hundert Millionen gekostet. Die Bürokratenwirtschaft dort ist schlimmer als im Staatsbetrieb. Die Nationalversammlung verdiente wirklich, von Spartatisten aus⸗ einandergeja t zu werden, wenn sie nicht durch Annahme dieses Ge⸗ senes dem Volfe geben würde, was des Volkes ist. Die Bergarbeiter wollen Taten seben. Dieses Gesetz ist eine Tat. (Lebh. Beifall links Zischen rechts. Verstärkter Beifall links.)

Abg. Wetzlich (Dnat.): Das Gesetz ist für uns unan⸗ nehmkar. Seine Unklarbeiten sird auch in der Kommission nicht beseitigt; wir konnen aus ihm aber doch klipp und klar sehen, wobin eigentlich die Reise geht. Tie Sachverständigen haben der Kommsission einmülig erklärft, daß das Gesetz verrichtend für das ganze Wirtschaftseben sein wird. Wir harten im Frieden einen Kohlenexbert von 30 Millionen Tonnen im Jahr, mit dem wir die eingeführten Rohstoffe bezahlen konnten. Wir müssen den Exvort wieder herzustellen suchen. Dazu brauchen wir den freien Handel, der schneller Entschlüsse fassen kann. Das bürokratische System ist hierzu nicht imstande, es würde die Kohle verteuern. England wird sich bei seinen Kohlenlieferungen nich Deutschsond die Nreise nicht vorschreiben lassen. We den wir mit Auslandekohle überschwemmt, so mössen wir um der Konkurrenzfähiakeit willen unsere Kohlen⸗ preise herabsetzen, also entweder die Arbeitslöhne herabsetzen, oder das Reich müßte der Kehlenwirtschaft Zuschüsse geben. Der f eie Handel hat für den gesamten Bergbau namentnich für die Brikettfabrikation erst die Rentabilität herbeigecführt. Diese muß ohne den, freien Handel zugrunde gehen. Wie die Preisfeststellung durch die Reichsregierung gedacht ist, darüber sagt die Vorlage nichts. Der Sachverständiger rat soll zu etwa fünfzig Prozent aus Arbeit⸗ nehmern bestehen. In engem Kreise können die Arbeiter als be⸗ ratende Mitarbeiter gern gesehen werden, aber in der Generaldirektion ones Werfes können sie Fegigser Dienste kaum leisten. Wenn der Minister Wissell zugibt, daß der Kleinhandel fast restlos ruiniert wird, so meint er also, daß nur einige Reste des Klemhandels übrig bleiben werden. Dann müßten die Gemeinden amtliche Verkaufs⸗ stellen einrichten, und Hunderttausende selbständiger Existenzen des Kleinhandels würden ruiniert. Unsere Aufgabe ist es immer ge⸗ wesen, den selbständigen Mittelstand zu erbalten. Die amtlichen Verkaufsstellen werden die Wünsche der Kundschaft nicht erfüllen, sondern nur den Brennstoff liefern, der ihnen von der Zentralstelle zugewiesen wird. Eine große Verteuerung wird eintreten. An einem

esetz gegen die Auswöchse des Kohlensyndikats würden wir gerne mita beiten. (Beifall rechts.)

Reichswirtschaftsminister Wissell: Wir denken nicht daran, den Kleinhandel für Kohle zu beseitigen. Bei der Zusammense ßung des Kohlenrats werden selbstverständlich die süddeutschen Interessen ganz besonders berücksichtigt. Die Festsetzung der Preise wird nicht durch die Regierung selbst erfolgen, sondern unter Regelung der Preise im Sinne des Gesetzes ist gemeint, daß die Regierung Grundsätze über die Art der Preisregelung durch die Syndikate usw. aufstellt.

Abg. Imbusch (Zentr.): Das Gesetz entspricht in der Kom⸗ missionsfassung unseren Anschauungen. Alle Berenken und Be⸗ fürchtungen, die hier geäußert wurden, sind nicht stichhaltig. Unsere Ansichten über die Arbeiterräte sind andere als die der Unabhängigen. Wir wollen die Gewerkschaften nicht ausschalten, um unorganisierte Schreier dafür einzuschalten. Die Großindustrie hat kemen Grund, sich über Vergewaltigung zu beklagen, sie ist immer rücksichtslos gewesen. Leider tönnen heute viele Bergarbeiter immer noch nicht wieder arbeiten, weil sie daran gehindert werden. Ich bitte die Regierung, rücksichtslos für Ordnung zu sorgen. (Beifall im Zentr.)

Ahg. Koenen (U. Soz.): Unsere Anträge über die Einführung der Arbeiterräte in das Gesetz sind keine Phantasien. Das Räte⸗ svystem ist erst gestern im mitteldentschen Brauntohlenrevier durch Vereinbarung der Regierung mit den Unternehmern aufgerichtet worden. Diese Regelung hat so sehr den Beifall der Gewerkschafts⸗ führer gefunden, daß sie dasselbe System auch im Ruhrrevier und in Oberschlesien einführen wollen. (Hört, hört! b. d. U. Soz.) Erst durch den Generalstreik haben die mitteldeutschen Bergarbeiter die Anerkennung der Betriebsꝛräte für die gesamte Abkbeiterschaft

durchgesetzt Wir wollen auch die Sachverständigen heranziehen, der pon der Regierung vorgeschlagene Sachverständigenbeirat würde aber ine kapialtstische Interessenvertretung sein, die den Zweck des ganzene Gesetzes zu Fall bringen könnte. (Sehr richtig! hei den U. Soz.) So wird das Gesetz eine H lbheit bleiben müssen. (Sehr wahr! bet den U. Soz.) Es i;. nur dazu fuhren, 18 die F

Grundlegerde Bedeutung hat

R ichsarbeitsminister Bauer: Wenn die Unabhängigen zugeben würden, daß dieses Gesetz einen ersten großen Schritt auf dem Wege der Sozialisierung darstellt, so würden sie ein großes Agitations⸗ argument aus der Hand geben. Das wollen sie nicht, darum lehnen sie das Gesetz ab und hetzen in alter Weise weiter. (Sehr wabhr! b. d. Soz.) Der Abg. Kpenen stellt es so dar, als ob die An⸗ erkennung der Betriebsräte nur ein Erfolg des Generatstreifs in Mitteld’utschland sei. Er als der Hauptführer dieses Streiks fühlt sich nicht mehr recht sicher und st nun ängstlich bemüht, Erfolge dieses Streits zu konstruieren, die in Wirklichkeit gar nicht bestehen, denn alles, was verembart worden ist, war schon vorher in den Ver⸗ handlungen von der Regierung zugesagt worden. Der Hauptzweck des Streiks war nicht die Einführung der Betriebsräte, sondern der Kampf gegen die Regierung. (Beifall b. d. Mehrheit.)

Abg. Wallbaum (Dnat.): Namens eimnes Teiles meiner politischen Freunde habe ich zu erklären, daß auch wir einen großen Teil der schweren Bedenken teilen, die von unseren Fraktionsrednern geltend gemacht wurden. Aber wir glauben, daß es insbesondere wegen der zu erlassenden Ausführungsverordnungen bei denen die Nationalversammlung durch einen 28 gliedrigen Ausschuß mitzuwirken berufen ist, noch gelingen kann, einen Teil der befürchteten Härten zu beseitigen. In dieser Erwartung stimmt ein Teil meiner Freunde der Vorlage zu.

Nach persönlichen Bemerkungen der Abgg. Henke und Koenen (U. So⸗.) werd en die §§ 1 und 2 unverändert an⸗ genommen, ebenso § 3 der die Zusammensetzung des Sach⸗ verständicenrates von 50 Mitaliedern bestimmt, so vie die übriaen Teile des Gesetzes. Nur zu § 4a, nach dem der Nationalversammlung über die Aueführung des Gesetes Bericht zu erstatten ist, wird eine redaktionelle Abänderung be⸗ schlossen.

Abg. Düwell (U. Soz.) begründet einen Abänderungs⸗ antrag zu der eingebrachten Resolution und wendet sich gegen die Polilik der Gewerkschaften im Kriege.

Der Antrag der Unabhängigen wird abgelehnt und die

Entschließung des Ausschusses angenommen.

In sofortiger dritter Lesung wird das Gesetz über die Kohlenmwirischaft gegen die Stimmen der Unabhängigen und des größten Teils der Rechten angenommen.

Das Sozialssierungsgesetz wird in dritter Lesung gegen die Stimmen der Rechten angenommen.

Eingegangen ist eine Interpellation des Zentrums über Schutzmaßnahmen für den durch den Krieg in Not geratenen Mitelstand und für das Kleingewerbe.

Damit ist die Tagesordnung erschöpft.

Ministerpräsident Scheidemann: Pressenachrichten zufolge wird von französischer Seite in den besetzten Gebieten eine überaus rnege Propaganda betrieben, die auf eine Losre ßung rheinischer Ge⸗ bielsteile vom Reiche hinzielt. (Hört, hört!) Wir wissen daß diese Werbetätigteit an der Treue der Bevölkerung zum Reich scheitern wird. (Sehr wahr!) Trotzdem sind die Gefahren, die unserem Lande

aus die en Bestrebungen erwachsen, nicht zu verkennen. (Sehr richtig!) Nach dem heutigen Stande der Dinge sind wir der Ansicht, daß jede

staalsrechtliche Umgestaltung vor Friedensschluß geeignet ist, die nationale Eineit unseres Vaterlandes zu bedroben. (Allseitige Zu⸗ stimmung.) Angesichts der gesamten Sachlage habe ich im Namen der Reichsregierung zu erklären: Die Reichsregierung sieht in jedem Ver⸗ such der Losreißung lints⸗ und rochtsrheinischer Lande einen durch keinen Vorwand zu beschönigenden Vorstoß egen das allgemein anerkannte Nationalitätsvrinzip und eine unerhörte Vergewaltigung des einheitlich fühlenden deusschen Nolkes. (Leb. Beifall.) Die Regierung weiß sich darin völlig einig mit der beiligen Ueberzeugung der gesamten links⸗ und rechtsrheinischen Bevölkerung, dienichts gemein haben will mit den eigennützigen Bestrebungen einzelner interessierter Personen (Allseitige Z stimmung.) Die rheins he Bevölkerung ist deutsch und wird deutsch bleiben. (Stürmischer Beifall.) Die Regelung des Verhältniss s der rheinischen Lande zum Reiche ist eine rein innerdeutsche Angelegenheit. (Sehr richtig!) Diese Frage kann nur im Rahmen der Reichseinheit g löst werden. Die Reichsregtferung und die Nationalversammlung widmen ihr die ernsteste Beachtung. Eine endaültige Löfung tang erst nach Friedensichluß und nur auf verfassungsmäßigem Wege er⸗ folgen. (L bhafter, allseitiger Beifall.)

Es ist eine Entschließung der Abgg Loebe, Gröber, von Payer, Dr. Graf von Posadowsky, Dr. Heintze und Haase eingegangen:

Die Nationalversammlung stimmt der Erklärung der Reichs⸗ regierung zu und ersucht die Reichsregierung, diese Erklärung allgemein bekannt zu machen.

Diese Entschließung wird (Lebhafter, allseiniger Beifall.)

Präsident Fehren bach: Wir sind damit am Ende unserer Arbeit angelangt. In der Pause werden die Kommissionen fleisig und hoffentlich auch mit Erfolg für unser geliebtes Vaterland arbeiten. Wenn draußen hier und da Stimmen laut geworden sind, die National⸗ versammlung rede zu viel, so kann einem ja manchmal dieses Gefühl antommen. (Heiterkeit.) Aber wir haben in den letzten Wochen doch der Redelust Zügel angelegt, und wenn das in Zukunft noch mehr geschieht. so wäre das freudig zu begrüßen. (Zustimmung.) Aber schließlich ist es ja unsere Arbeit zu beraten, also zu reden, und unsere Taten sind die Worte und die Beschlüsse, die wir fassen. Ich wünsche den Mitgliedern eine gute Heimkehr und ei gesundes Wieder⸗ sehen. (Beifall.) .

Nächste Sitzung Dienstag, den 25. März, Nachmittaas 3 Uhr. Im Bedarfsfalle wird eine frühere Einberufung erfolgen

Schluß gegen 6 Uhr.

einstimmig angenommen.

Preußische Landesversammlung. 1. Sitzung vom 13 März 1919. (Bericht von Wolffs Telegraphenbüro.) Am Regierungstisch: die Minister Hirsch, Ernst, Fisch⸗

beck, Dr. Hoff, Hänisch u. a.

Der vorläufige Ministerpräsident Hirsch hält folgende Ansprache:

Meine sehr verehrten Damen und Herren! In ernster Zeit haben Sie sich zu schwerer Arbeit im Dienste unseres geliebten Vaterlandes und unseres schwer geprüften Volkes zusammengefunden. Namens der vorläufigen Regierung heiße ich Sie bei Beginn Ihrer Tärigkeit herzlich willkommen. (Beifall.) Schon allein durch Ihr bloßes Dasein und durch Ihre Zusammensetzung ist die verfassung⸗ gebende Landesversammlung ein Sinnbild der ungeheuren polinschen Umwälzung, die sich seit der letzten Lha eines preußischen

Braun, Dr. Südekum, Heine,

Parlaments, wie im Reiche, so auch in Preußen vollzogen haͤt. An die Stelle des Dreiklassenwa hlunrechts, das Jahrzehnte hindurch einigen bevorrechteten Klassen die Herrschaft ausgeliefert hat, ist das demokratischste aller Wahlrechte getreten, die politische Gleichheit, die eine verblendete und die Zeichen der Zeit nicht erkennende Schicht noch vor wenigen Monazen dem Volke vorent⸗ balten zu können wähnte, ist zur Tatfache geworden, und keine Macht der Welt wid je imstande sein, die großen demotratischen Errunger schaften der Revolution zunichte zu machen. (Lachen rechts.) Mit dem Dreiklassenwahlrecht ist zusammengebrochen der Klassenstaat und die Klassenheirschaft zusammengebrochen nicht, um an Stelle der Herrschaft der einen Klasse die einer anderen zu setzen,

weiter steigen. Weil Hesetz kein es ist, werden wir es ablehnen. 1 1“

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sondern um Platz zu machen der Demokratie, der Herrschaft des Volkes

nds Wortes weitestem Sinn, des Volkes, das seine Ketten gespreng pat und ennschlessen ist, selbt sein Geschick in die Pand zu nehmen. (Rufe der U. Soz.: Standrecht! Handgranaten! Lichtenberg!) Das alte Preußen ist für immer dahin. (Lachen bei den U. Sor.) Cin neues Preußen ist im Werden, und wie mancher auch wehmülig der Vergangenheit nachtrauert, das preußische Volk in seiner übergroßen Mehrheit bejaht die neue preußische Republik, das preußische Volk will den Ausbau des Volkestaates, seines Staates. Diesen Wunsch und Auftrag des Volkes zu erfüllen, sind Sie hier versammelt. Die vorläufige Regierung hat Ihnen nach besten Kräften vorgearbeiset und das Seibstbestimmungasrecht aller Staatsangehörigen hingebend und nachdrücklich geschutzt. Ihnen, meine Damen und Herren, die Sie in Ihrer Zusammen⸗ setzung das oberste Organ des Selbftbestimmungsrechts aller Staats⸗ angehörigen repräsentieren, stebt die gewaltige Aufgabe bevor, aus den Trümmern des alten Junkerpreußens das neue Volkspreußen zu erbauen. Mögen Einsicht und Tatkratt Sie leiten, Ihter hohen Mission gexecht zu werden und im Einklang mit dem Willen des Volkes die neue Ordnung aufzurichten. Mögen Sie, getragen vom Vertrauen des Volkes, unbeirrt durch ve brecherischen Terror a f der einen (Zurufe der U. Soz.: Noste!)’, durch reaktionäte Gelüste auf der anderen Setite, den richtigen Weg finden. Die vorlaufige Regierung, welche die Bildung einer ver⸗ fassungsmäßigen, auf dem geordneten Ausdruck des Volkswillens be⸗ ruhenden neuen Regierung in Ihre Hand legen wird, sobald Sie sich dazu in den Stand gesetzt haben werden, unterwirft sich nach vier schweren Monaten der Amtstührung mit ruhigem Gewissen dem Urteil des Volkes. Aus Pflichtgefühl, nicht aus persönlichem Ehr geiz, baben wir bei dem allgemeinen Zusammenbruch die Staats⸗ geschäfte in die Hand genommen. Diesen Zusammenbruch haben nicht zuletzt die alten Machthaber Preußens mitverschuldet, die sich hartnäckig an längst überlebte, unhaltbare Vorrechte geklammert haben. (Beifall links.) Die Worte der Osterbotschaft des Jahres 1917 waren bis zum 9. November 1918 noch immer nicht zur Tat ge⸗ worden. Noch immer bestand das elendeste aller Wahlsypsteme, die schamloseste Herausforderung ter schaffenden und leidenden Massen des Volkes, als die Novemberstürme mit einem Schlage das ganze rückschrittliche Regime, seine Träger und seine Nutznießer, hinweg⸗ feg en. Anderthalb Jahre lang hatte man geseilscht und ge⸗ marktet, wie viel man dem Volke zurückgeben dürfe von dem Rechte, das mit ihm geboren ist. Laͤngst hatten die breiten Massen den Glauben verloren, bei den alten Machthabern Preußens Gerechtigkeit zu finden. Wieder und wieder hatten wir Sozial⸗ dem kraten, und mit uns einsichtige Elemente des Bürgertums sie vor der Katastrophe gewarnt, welche aus der Verhöhnung des Volkswillens mit Naturnorwendigkeit erwachsen mußte. Alle Bitten,

alle Mahnungen, alle Drohungen waren leider in den Wind ge⸗ hnun-

sprochen. Selbst als Preußens vorletzter Ministerpräsident, Graf Hertling, das alte Preußenparlament beschwor, es geke um Thron und Donastie, ließ es sich die notwendigen Fortschritte nicht abringen. Vergeblich waren alle legalen Mittel ve sucht, und nun trat das ein, was der Dichter propho⸗tisch vorausgeragt hat: Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann sinden,

Wenn unerträglich miid die Laͤst greift er

Hinauf getrosten Mutes in den Himmel

Und holt herunter seine ew'gen Rechte,

Die dioben hangen unveräußerlich

Und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst. Jetzt stehen wir auf dem Boden der November⸗Revolution, einer Revolution, auf die wie auf keine andere das Wort des hervor⸗ ragendsten Führers der Sozialdemokratie, August Bebels, zutrifft, daß nicht die Repolutionäre, sondern zu aller und jeder Zeit die Reattionäre die Revolutionen machen. (Sehr richtig! links.) Den traftlosen Händen der alten Machthaber entglitt das Staatssteuer. Der militärische Zusammenbruch hatie ihnen die moralische Kraft zum Widerstand genommen. So nahmen wir die herrenlose Staats⸗ gewalt an uns, um das Chaos, die völlige Auflösung von Staat und Gesellschaft zu verhüten. Mit verzweifelter Kraftanstrengung haben wir gerungen, aus der Tiefe des Zusammenbruchs unser Volk wieder heranzua beiten an den Eingang zu einem neuen Aufstieg. Durch die Klippen und Brandungen des sturmgeveitschten Revolurions⸗ meeres haben wi das Staatsschiff n das sichere Fahrwasser demokratischer (Feietzlichkeit znrückzusteuern versucht. (Lachen b. d. U. Soz.) Ungeheuer schwer war de Aufgabe: das Staatsschiff rrieb mit zerbrochenen Masten, beschädigtem Steuer und ausietzender Maschine im Wirbel der erregten Zeit. Der Feind stand tief im preußischen Lande. Nur auf kurze Fristen und unter immer härteren Bedingungen wurde der Waffen⸗ stillstand gewährt. Tag für Tag drohlte neuer Einbruch der altiterten Heere auch in das rechtsrhemische Gebiet. Im Osten erho en sich neue Gefahren: Polen, Tschechen und russische Bolschewistenhorden bedrohten aufs schwerste sunsere Ostvrovinzen, die Korntammern des Deutschen Reiches Unter dem Druck der siegreichen F indes wurden wir gezwungen, weite preußische Gebiete, darunter kerndeutsches Land der Provinz Posen, den Polen preiszugeben. Vergebens waren alle unsere Bemühungen, das Los unserer schwer geprüften Landsleute in Ost und West zu erleichtern. Erhebliche Teile unseres Eisenbahnmaterials waren an den Feiad at zuliefern. Der Mangel an Wagen und Lokomotiven brachte d Vertorgung der Bevölkerung mit Kohlen und Lebensmitteln zum Stocken. Und im Innern, meine Damen und Herren! Wild Streikbewegungen unterbrachen

und Wiederaufbau des wirrschaftlichen Lebens. Eine gewalttätig.

eine verbrecherische Minderheit (Lärm b. d. U. Sot.) bedrohte die

Sicherheit, des Staates und seiner Organe bald in Berlin, bald im Ruhrrevier, bald in Schlesien, bald in Ostpreußen, bald in Mitteldeutschland, und erzeugte immer aufs neue die Gefahr sofortiger Hungersnot, allgemeinen Massenelends. Verwaltung, Rechtspflege, Schulwesen gerteten in Verwirrung. Wir sind dicht a den Abgrund restlosen wirtschaftlichen Zusammenbruchs gedrängt. Rettungslos stürzen wir in diesen Abgrund, wenn unser Volk sich nicht endlich auf seine Pflicht zur Arbeit besinnt. Und hat denn unser Volk vergessen, daß es bis zum Ausbruch des Krieges das arbeitsamste. das tüchtigste, das leistungsfähigste der Welt gewesen ist? Die Arbeiter⸗, und Soldatenräte, die der Revolution geborenen Organe des Volkes, haben vielfache wertvolle Hilfe geleistet und in Tagen, da auseinanderzubrechen drohte, Ordnung gehalten und den Fortlaut des öffentlichen Lebens gesichert. Aber ihre Zusammenarbert mit den alten Organen des Siaates schuf unzählige Reibungen aller Art, und wir haben unser Bestes getan, diese neuen Gebilde wenigstens einiger⸗ maßen organisch in unser öffentliches Leben einzufügen. (Zurufe der U. Spz.: Auszuschalten.) Sie wissen, meine Damen und Herren, daß die Revolutionsregterung selbst im Anfang in ihrer Tatkraft da⸗ durch gelähmt war, daß sie sich zu gleichen Teilen aus Anhängern beider sozialdemokrarischer Parteien zusammensetzte, die verschiedenen nahen Zielen auf verschiedenen Wegen nachsingen. (Zuruf: Leider!) Unter diesen Umständen, meine Damen und Herren, war die Lage der Revolutionsregierung wahrhaft niemals leicht. Nur Pflichtgefühl hielt uns im Dienste des Volkes an unserem Platze. In beisviellos schwerer Zeit haben wir nach bestem Wissen und S dem Wohle des Landes und des Volkes gedient. Ganz selbstverständlich mußte der ungeheure Zusammenbruch und Umsturz sich mit Schäͤden und Opfern vollziehen. In klarer Erkenntnis dessen, was wir dem Lande und dem Volke schuldig geblieben sind, sagen wir mit festem Selbstbewußtsein: wir waren es, die in dieser unglücklichen, kamptdurchwühlten Zeit den vollständigen Zusammenbruch der staatlichen Ordaung und der wirt⸗ schaftlichen Existenzen verhindern konnten, und wir haben die schwere Läaͤst der Verantwortung getragen, die nicht unser Wille, sondern die Verhältnisse uns aufgebürdet hatten. Mit Genugtuung begrüßen wir den Tag, da diese Verautwortung von uns auf Sie, auf die freigewählte Ver⸗ tretung des ganzen Volkes, übergegangen ist. An Ibnen ist es nun, dem freien Preußen die neue dauernde Staatstorm zu geben. Sie sollen Preußen aus einem der volirisch rückständi sten zum freiheitlichsten und vorgeschrittensten Staat der Welt machen. Sie solken die Abneigung gegen Preuden über⸗ winden. Große Aufgaben stehen Ihnen bevor. Sie haben aufzu⸗ räumen mit der Reaktion in der inneren Verwaltung. Sie haben

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wallangsbezirke eingeteilt werden . gseeignetste Weg zum deutschen Einheitsstaat wäre die Zerschlogung

als einheitlicher Gliedstaat bestehen bieiben. Der deutschen Einheit hegt nicht in der Vermehrung der Einzelstaaten.

Uebergewicht Preußens über Deutschland“ zu Leibe ging⸗

Methoden zu ihrer Lösung festzulegen haben. Große und

das Verkehrswesen und das Steuerwesen neu zu ordnen, die ge⸗ waltigen Probieme der Wohnuegsfürsorge und öffentlichen Gesund⸗ heitspflege zu lösfen, unser ganzes Unterrichts⸗ und Erztehungswesen auf moderne Grundlagen zu stellen. Die Wege zu den höchsten Stellen im staatlichen, im wirtschaftlichen, im kulturellen Leben waren bisher nur einer tleinen Z hl Beroriugter offen. Das muß in neuen Preußen anders werden. Jeder geistigen Kraft jedem Talent wird der Staat den Weg ebnen, um durch Fleiß und Leistungen zur vollen Auswirtung seiner Kräfte zu gelangen.⸗(Beifall.) Unsere Aufgabe, meine Damen und Henen, ist um so größer und schwerer, als auch wir noch mit Ungewißheiten zu rechnen haben. Noch wissen wer nicht, wo Preußens künftige Grenzen laufen. Meine Damen und Herren!“ Wir kennen keinen preußischen Partikularismus. Preußen ist bereit, aufzugehen im Neich. in der Republik der polilisch geemten Nation, im deutschen Einheitsstaat. (Beifall.) Hörten die Gliedstaaten auf, dann tönnte das aanze Reich nach Zweckmäßigkeit in neue Ver⸗ (Beifall.) Aber der deakvar un⸗

Preußens in leistungs⸗ und lebensunfähige Zwergrepubliken. (Beifall.) Diese Aufte lung wäre für unsere Wirtschaft, unseren. Verkehr und unsere Kulturpflege gleich verhängnisvoll. Solange die deutschen Staaten und Deutsch⸗Oesterreich dem wir zu seinem bevorstehenden Eintritt in die grondeutsche Republit unseren herzlichsten Brudergruß zurufen (Beifall), selbständige Gliedstaaten bilden, solange muß auch Preußen Fortschritt der

Ein freies Preußen ist nicht mehr das Schreckgespenst aus vergangenen Tagen, dem man mit dem alten Schlagwort von dem „gefährlichen Gefährlich war für Deutschland nur das alte Preußen des Junkertums und der Reaktion; das neue Preußen des freien Volkes soll ein Segen werden für das gesamte deutsche Vaterland. Noch wissen wir nicht, welche Befugnisse in Zukunft die einzelnen Gliedstaaten behalten werden. Gern und freudig briagen wir jedes Opfer im Interesse der Reichseinheit.

8 (Beifall.) Die verfassunagebende Landesversammlung wild nicht all die

roß’n schwebenden Aufgaben lösen können, wohl aber wird sie die schwere Arbeit harrt ihrer. Preußens beste Eigenschaften. Arbeitsamkeit und Pflichtt eue, braucht auch das neue Deutschland zum Wieberauf⸗ bau. Die Krafte müssen sich neu entfalten, nachdem die alten Fesseln einengender Unfreiheit gefallen sind. Je freier und voll⸗

fländiger der neue Preußenstaat alle wirkenden Kräfte des Preußen⸗

volks umfaßt und darstellt, desto gesicherter wird er gegen Los⸗ reißungs⸗ und Absonderungsgelüste sein. Preußens Aufgaben sind noch nicht erfüllt. Mit Gewalt hat es einst das Neich zurammengeschmiedet. Die Gewalt ist zerbrochen. Mit dem Geist der Freiheit, der Ord⸗ nung und Arbeit soll es noch einmal der deutschen Nation und ihrer künftigen friedlichen Größe dienen. Das alte Preußen ist tot, es lebe das neue Preußen! (Bravo!) In den Dienst des jungen preußi⸗ schen Volksstaats wollen Sie Ihre ganze Kraft stellen. Zu diesem Werk wünscht Ihnen die provisorische Regierung Glück und vollen Erfolg. (Lebh. Beifall u. Händeklatschen. Abg. Adolf Hoffmann: Die Bolschaft hören wir wohl]), Hierauf eröffnet der Abg. Herold (Zentr.) als öltestes Mitglied der Versaminlung, geboren am 20. Juli 1848, die erste Sitzung der verfassunggebenden preußischen Landes⸗ versammlung und richtet an diese folgende Ansprache: Ich begrüße die Mitglieder auf das wänmste, zunächst die alten Kollegen, mit denen mir schon im früberen Ahgeordnetenhause ge⸗ meinsam zu arbeiten vergoönnt war, nicht minder herzlich heiße ich die zahlreichen neuen Kräfte willkommen, welche das Vertrauen der Wähler hierher entsandt hat, und unter diesen ganz besonders die Frauen, die zum ersten Male an der Gestaltung der Gesetzgebung mitzuwirken berufen sind. Wie durch die sich gegenseitig ergänzende Tätigkeit von Mann und Frau das Wohl der Familie am besten gefördert wird, so wird auch die Mita irkung der Frauen unsere Beratungen und Beschlüsse nur erfolgreich beeinflussen. In schwerer, sorgenvoller Zeit tritt die Landesversammlung zusammen. Nach mehr als vier⸗ jährigem, ruhmvoll geführtem Kriege, nachdem die Gesamtbeyölkerung während der langen Kriegsdauer unter niederdrückenden Entbehrungen in schwerer Arbeit ihre besten Kräfte in den Dienst des Vaterlands gestellt harte, mußten wir schließlich doch gegenüber der Uebermacht fast der ganzen Welt unterliegen Und uns einem Waffenstillstand mit so harten Bedingungen unterwerfen, wie sie noch niemals im Laufe der Jahr⸗ bunderte einem großen, bochentwickelten Volke auferlegt worden sind. (Sehr wahr!) Dann traten die Unruhen und Umwälzungen im Innern hinzu. welche von neuem so große Verluste an Gut und Blut im Gefolge hatten. Das alte Preußen mit seiner ruhmreichen Geschichte ist zusammengebrechen. Jetzt wn cn neues Preußen in neuen Formen erste en. Zablieiche Voltsvertreler sind erfreut über die Veräncerunt der Verhältnisse. Andere trennen sich in treuer An⸗ hänglichten ut mt Wehmut vpon ven alten Einrichtungen, aber wohl alle Mitathten der Landesversammlung stellen sich auf den Boden der vollendeien Tatsachen. Alle erkennen die Landesversammlung als die

fast ohne Aufhören den Fortgang

höchste souveräne gesetzgebende Gewalt in Preußen an. Eine große verantwortungevolle Aufgabe von historischer Bedeutung hat die Landes⸗ versommlung zu erfüllen. Eine neue freiheitliche Verfassung soll sie für Preußen gestalten. Alle Metglieder ohne Ausnahme treten mit Hingebung und Eifer unter Einséetzung ihres besten Könnens an ihre großen Aufgaben heran. Mögen Meinungsverschiedenheiten vor⸗ handen sein, alle sind von dem einheitlichen Streben erfüllt, nach besten Kräften dem Vaterlande zu dienen, das Wohl aller Volksschichten zu fördern, nach dem furchtbaren Schlage, der unser Volk getroffen hat, im neuen Staate es wieder einer besseren Zukunft entgegenzuführen. So treten wir denn im Vertrauen auf Gottes Hilfe und unsern llseitigen guten Willen entschlossen an die Erledigung der großen uns obliegenden Aufgaben heran. Möge es der verfassunggebenden preußischen Landesversammlung gelingen, ihr Werk zum Segen der Bevölkerung, des Staats sowie des Deutschen Reichs zum Abschluß u bringen. Das walte Gott! (Beifall rechts und im Zen rum Kuf bei den U. Soz.: Amen!)

Zur vorläufigen Bildung des Büros beruft der Alters⸗ präsident auf Grund der Bestimmungen der Geschäfte ordnung des früheren Abgeordnetenhauses, die von der Versammlung auch hierfür als bindend anerkannt werden, zu Schrififührern Frau Gertrud Hanna und die Abgg Svecht, Meyer⸗Frankfurt und Gräf⸗Anklam Es sind bereits 340 Mitglieder angemeldet,

ie Beschlußfähigkeit des Hauses steht demnach fest. Zur Beratung gelangt nunmehr ein Antrag der Abgg. Herold und Genossen auf Annahme einer vorläufigen Geschäftsordnung. Der Antrag übernimmt die meisten Bestimmungen der für das frühere Abgeordnetenhaus in Geltung gewesenen Geschäftsordnung, schlägt aber einige Ab⸗ änderungen vor. Die Führer der Parteien haben sich ein⸗ stimmig auf den Boden dieses Antrages gestellt, wünschen aber, weitere Abänderungen hinzuzufügen. Fortfallen soll der § 64, Bestimmungen über den Ausschluß von Mitaliedern aus den Sitzungen; herabgesetzt werden soll die bisherige Unterstützungs⸗ ziffer für Anträge usw. von 50 bzw 30 auf durchweg 15 Mitglieber. Endlich soll in Abweichung von dem vorliegenden Antrag, der rei Vizepräsidenten in Aussicht nimmt, die Beschlußfassung über die Zahl der Vizepräsidenten noch ausgesetzt werden.

Mit diesen Abänderungen und Ergänzungen wird der An⸗ raag Herold ohne Erörterung angenommen, Für die endgültige Fassung der Geschäftsordnung wird die Einsetzung einer be⸗ onderen Kommission vorbehalten.

Eingegangen ist von der Regierung der Entwurf eines Gesetzes zur vorläufigen Oednung der Stactisgewalt in Preußen, on dem Abg. Adolf Hoffmann (UI. Soz.) ein Antrag auf

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gemacht und sich fast alle ihre Wa

Aufbebung des Standrechls und des Belagerungszustandes in Erdß Berlin (Heiterkeit rechts. Pfuirufe bei den U. Soz.).

Der Präsident schlägt vor, die nächste Sitzung morgen nachmistag um 3 Uhr abzuhalten mit der Tagesordnung; 1) Beratung eines weiteren Antrages zur Geschaftso dnung, 2) Wahl des Präsidenten, der Vtzepräsidenten und Schrifi⸗ führer, 3) erste, zweite und dritte Lesung des Gesetzentwurfs wegen vorläufiger Ordnung der Staatsgewalt.

Zur Geschäftsordnung bemerkt

Abg. Adolf Hoffmann (I. Soz.): Ich heaultrage, als verten Punkt unsern Antrag auf Aufhebung des Standrechts und des Belagerungszustandes auf die morgige Tagesordnung zu setzen, ich tue das namens meiner Fraktion und trotz des Lachens, welches auf der rechten Seite bei Verlesung des Antrags erscholl. Wenn die Herren die letzten Tage und Nächte in Berlin Ost und Nord erlebt hätten, würde ihnen das Lachen auf den Lipven erstorben sein, wenn sie erlebt hätten, wieviel Unschuldige dort dem Standrecht zum Opfer gefallen sind. (Stürmische Zurufe bei den Soz.: Ihre Schuld!) Sie hören nicht und Sie sehen nicht, Sie wollen nicht hören und nicht sehen, es könnte auch mal umgetehrt kommen, und dann könnten Sie froh sein, wenn das Standrecht nicht eine Minute länger erhalten bliebe. Vor allem ist es ungesetzlich. Wir würden eine Gewissenspflicht versäumen, wenn wir auch nur einen Tag noch mit dem Antrag warten wollten. Schon bis morgen ist es eigentlich zu fpät. Wenn die Preußische Landesversammlung sich ihrer Pflicht bewußt wäre, müßte sie noch heute sofort in die Beratung dieses An⸗ trages eintreten, denn Sie wissen nicht, wieviel bis morgen noch dem Standrecht zum Opfer gefallen sein werden. Ich kann Jonen Fälle nach⸗ weisen, wo Leute kurzerhand er'chossen sind, die vier Jahre im Felde mit⸗

12 zum Andenten mitgebracht haben. Es spielen sich dort Dinge ab, die ein Schandfleck in der Geschichte sind. (Erneute stürmische Zurufe bei der Mehrheit: Ihre Schuld!) Ich nehme an, daß die Inhaber der preußischen Ministersessel davon nichts wissen, denn sonst würde das unschuldig vergossene Blut an ihnen kleben. Sie würden sich in der ersten Sitzung ein Zeugnis ausstellen, das einem Totenschein gleichsähe, wenn Sie nicht unsern Antrag auf die Tagegordnung der morgigen Sitzung setzen. Alle Juristen sind sich darüber einig, daß das Standrecht ungesetzlich ist, schon unter den früheren Zuständen ungesetzlich war. Wenn Sie ein Gefühl von Menschlichkeit haben, nehmen Sie unsern Antrag an. (Beifall bei den U. Soz. Zuruaf: Die Regierunz schweigt!)

Abg. Hergt (Dnat.): Der Abg. Hoffmann hat uns vorgeworfen, daß wir bei seinem Antrag gelacht hätten. Wir wissen sehr wohl, daß es sich hier um eine außerordentlich ernste Sache handelt, und wollen uns darüber hier ausiprechen. Herr Hosfmann hat sehr recht: Es ist viel unschuldiges Blut in Berlin vergossen, es fragt sich nur, von welcher Seite. (Leby Zustimmung bei der Mehrheit.) Die Vorgänge sind in der Tat ein Schandfleck für alle Ewigkeit. Es fragt sich nur, wer daran schuld ist. (Erneute Zustimmmung bei der Mehrheit.) Wir wünschen also auch, daß die Angelegenheit hier auf das gründlichste besprochen wird, beantragen aber aus formalen Gründen, damit die Notverfassung für Preußen zunächst erledigt werden kann, den Antrag Hoffmann übermorgen zu beraten.

Abg. Adolf Hoffmann (IU. Soz.): Dafür, von welcher Seite unschuldiges Blut vergossen worden ist, werden wir Ihnen so viel Beweise erbringen, daß Ihnen Hören und Sehen vergehen wird. Wundern muß ich mich, daß der Justizminister zu der Frage gar keine Stellung nimmt. Die Erledigung der Notverfassung ist nicht so dringend notwendig wie die Erledigung unseres Antrages, der unnötiges Blurvergießen vermeiden soll.

Abg. Leinert (Soz.): Es wird sehr zweckmäzig sein, über diesen Antrag zu verhandeln, unserm Volk draußen, das über die Vorgänge in Berlin nicht hinreichend unterrichtet ist, zu zeigen, wer die Schuld an diesen Dingen trägt. (Sehr wahr! bei den Soz.) Es wird sehr beilsam für unser ganzes Volk wirken, wenn restlos aufgeklärt wird, wer die Schuldigen sind. (Sehr wahr!) Wir werden daher für den Antrag Hoffmann stimmen.

Ministerpräsident Hirsch: Abg. Hoffmann hat seine Verwunde⸗ rung darüber ausgesprochen, daß der Justizminister zu der Frage nicht Stellung nimmt. Wenn es sich um die materielle Beratung des Antrags handeln wird, wird sich die Regierung selbstverständlich dazu äußern Im übrigen haben wir keinen Anlaß, uns in die rein ge⸗ schäftlichen Angelegenheiten des Hauses einzumischen. Von unserer Seite wüͤrde dem nichts entgegenstehen, wenn der Antrag noch in dieser Stunde beraten würde.

Abg. Adolf Hoffmann (U. Soz.). Ich hätte mich allerdings nicht an den Justizminister, sondern an den Minister des Innern wenden müssen um Auskunft darüber, ob es wahr ist, daß das Standrecht nicht mit dem Willen der Regierung erlassen, sondern von der Soldateska erzwungen ist. (Hört, hört! bei den U. Soz.) Mit Rücksicht auf den Abg. Hergt beantrage ich nun, unsern Anttag als den dritten Gegenstand auf die morgige Tagesordnung zu setzen.

Abg. Dr. Friedberg (Dem.) schließt sich dem Vorschlag Leinert an. 8

Abg. Hergt (Dnat.): Wenn auch unsere formellen Bedenken fortbestehen, so werden wir doch den Wünschen der Unabhängigen entsprechend dafür stimmen, daß der Antrag morgen beraten wird. Wir haben nichts zu verbergen, wir wollen dieses Thema nach allen Richtungen gründlich durchgesprochen wissen.

Abg. Dr. Porsch (Zentr.): Auch wir sind damit einversianden, daß dieser, Antrag morgen auf die Tagesordnung kommt. Mögen die Verhandlungen aber auch dazu beitragen, das Vergießen un⸗ schuldigen Blutes zu verhindern. 8

Nachdem auch noch Abg. Dr. von Krause (D. Vp.) sich in gleichem Sinne ausgesprochen hat, stellt der Ailtersprasident die Einmütigkeit des ganzen Hauses fest, die Tagesordnung für morgen dahin abzuändern, daß an dritter Stelle der An⸗

9 8 F ¹ trag des Aba. Adolf Hoffmann und an vierter der Entwurf

einer vorläufizen Verfassung beraten wirrdr]. 8 Schluß 3 ½ Uhr. s u11e“ Nächste Sitzung: Freitag, 3 Uhr. (Wahl des Präsidiums,

Antrag Hoffmann, Verfassungsentwurf.)

Mannigfaltiges.

Wie dem „W. T. B.“ von zuständiger Stelle mitgeteilt wird. kam es während der Nacht vom Mittwoch zum Donne stag im Osten von Berlin hur an vereinzellen Stellen zu Schießereien. Der gestrige Tag verlief in den hesetzten Stadtteilen im allgemeinen ruhig. Ein beftiger Feuer⸗ überfall richtete sich gegen eine Truppenansammlung vor einem Stabsquartier. Durch energisches Vorgehen der Regierungstruppen wurde die Ruhe sofort wiederhergestellt.

In Anbetracht der in den letzten Tagen in Neuköllm ein⸗ getretenen Ruhe hat der Kommandant von Neukölln und Brit, Rittmeister von Neufville, Kommandeur der 1. Garde⸗Landesschützen⸗ abteilung, bekannt gemacht, daß der verschärfte Belagerungs⸗

Mittags 12 Uhr, aufgehoben wird. Die planmäßige Durchsuchung nach Waffen wird weiter forigesetzt. Die Regierungstruppen werden hierbei von der

zu stand üher Neukölln und Britz mtt dem heutigen Tage,

2 9 Bei der Säuberung Lichtenbergs wurden, wie besige Blätter melden, dorch die Reginiemter Oyen, Lüttwitz und 166 gestern gachmittag noch 66 Gefangene in ds Polizeivräsidium eingeliefert, die sich an den spartatistischen Unruhen deteiligt hatten. Zum Teil worden sie aus ihren Wohnungen gebolt, in denen sie no Waffen verborgen hielten. Umet dien Gefangenen befinden si zehn Frauen und Medchen, die, wie festgestellt werden ko ante, den Spartafisten bei ihren Kämpfen Patronen zugerragen und die Gurte der Maschinengewehre gesfüllt hatten. Eine weiter Anzahl Personen wurde durch eine Militäͤrpatrouille in dm Ge häude der „Roten Fahne“ festgenommen. Es sind die Mitgtieder der kommunistischen Partei, die von auswärts, von Bteslau und anderen Städten Oberschlesiens, hergekommen waren, um mit ihren Berliner Gesinnungsgenossen die Verbindung aufzunehmen un nach dem Verbleib einiger verschwundener Führer zu föorschen. Ei wurden ebenfalls nach Moabit gebracht. Die bisberigen kriegsgerichtlichen Vorverneh mungen über die Mordtaten und Grausamkeiten begangen an Angehörigen der Deutschen Schutz⸗ dipision, haben, wie diese Truppe mitteilt, folgendes ergeben 1 Fahrer Laese, Stab Deutscher Schußdirisieon, wurde am 7. März etwa 11 Uhr Vormftlags vor dem Haufe Frankfurter Allee 306 in Lichtenberg, durch Gewehrschüsse und Kolbenschläge, selbst wehrlos, ermordet. Der Arbeiter Karl Fahrentholtz aus Biesdorf war an dieser Mordtat in der Hauptsache betetligt. Zeugen: Fahrer Erich Koyé und Unterofszier Venske, Stab Deutsche Schutzdivision. Von der gefangenen Besatzung des Postamts Lichtenberg wurde der verwundete Leutnant d. Res. Kohlmetz, 2. Komp. Int.⸗Regt 70, beim Aufladen auf das Verwundetenauto durch Kolbenschläge schwer ver⸗ letzt. Zeugen: Musketier Gädicke, Gefr. Muller, Gefr. Wunder, Schütze Hilgert, alle 2770. Von den gefangenen abgeführten Mann⸗ schaften der 2/70 und M.⸗G.⸗A. 1/70 wurden am 9. März, 9 Uhr Vormittags, auf der Frankfurter Allee beim „Schwarzen Adler“ sechs Mannschaften des Infanterieregiments 70 erschossen durch den Schützen Hilgert aufgesfunden. Die Leichen waren mit Stroh zuge⸗ deckt. Die Personalien der Erschossenen stehen noch aus. 4 Ein Transport von Freiwilligen auf dem Weg nach Berlin wurde, wie „W. T. B.“ meldet, auf dem Bahnho Sangerhausen von Zivilisten angegriffen. Der Trans portführer wurde aus dem Zuge gerissen und beraubt. Er sah selbst päler auf dem Bahnhof einen Fteiwilligen mit klaffender Kopf⸗ wunde liegen. Nach Aussagen des Transportührers war der ganze Bahnhof von Braunkohlenarbeitein besetzt. Da der Transportführer seinen Transportschein nur einem Eisenbahn beamten gezeigt hatte, so liegt der Verdacht nabe, daß Bahn. beamte mit den Spartakisten gemeinsame Sache gemacht hatten.

Ueber die Witterung in Norddeutschland im

Monat Januar 1919 berichtet das preußische Meteorologische Institut auf Grund der angest⸗llten Beobachtungen: Bis über die Monatsmitte hinaus herrschte im Januar mildes, zeitweise regnerisches Welter mit nur gelegentlichen leichten Nachtftösten. Erst mit Be⸗

ginn des letzten Drittels trat schwacher Frost ein, der sich sodann

allmählich steigerte, bis zuletzt strenge Kalte berrschte. Im Monais⸗ mittel war der Janugr um ⁄¼¾ bis 3 Grad zu warm. Neben einer größeren Anzahl von Frosttagen (im Osten mehr als 20) wurden überall

auch mehrere Eistage (in Masuren 17) verzeichnet, an denen das Maximum der Tempergtur unter dem Gefrierpunkte blieb. Die absoluten Minima

sanken in Oütpreußen auf unter 15, in den übrigen Gezenden des

östlichen und mittleren Norddeutschland auf unter 10 Grad; im

Westen wurde dieser Grenzwert nicht erreicht. Während der ersten Hälfte sewie um Mitte des Monais wurden vielfach +10 Grad nicht unerheblich überschritten, in Schlesien und im Rheinland um mehr als 3 Grad. Die Niederschläge haben nur ganz vereinzelt, be⸗ sonders in Mittelschlesien, das langjährige Mittel übertroffen, im all⸗ gemeinen war es nicht unerbeblich zu trocken; in der Torgauer Eib⸗ niederung z. B. fiel noch nicht die Hälfte der zu erwartenden Menge⸗

Schneefälle waren besonders im letzten Driltel häufig; sie erzeugten üͤberall eine Schneedecke, die anfanas nur sehr düagn war, zum Schluß

aber etwas größere Dichte erlangte und deren Dauer von Westen nach Osten zunahm. Die Bewölkung war he

die Sonnenscheindauer kleiner als im langjährigen Mittiel.

Die Niederschlagsverleilung war sehr gleichmäßig. Der größere Teil des Gebiets batte Mengen zwischen 10 und 50 mm. Nur in Nordschleswig, im Innern Oldenburgs, in Mecklenburg⸗Strelitz, in der Eifel und Umgebung, in den Bergischen Landen, im Taunus, Sauerland, Rothaargebirge, Westerwald, auf dem Vogelsberg, dem Harz und in Oberschlesien wurden 50 mm, in der Umgebung des Hunsrück und im Thüringer Wald 80, in den Sudeten (auf dem Adlergebirge) 90 mm überschritten. An einigen wenigen Stellen Nordost⸗ und Mitteldeutschlands fielen weniger als 10 mo Nieder⸗ schlag. Am 1. Januar stand Norddeutschland vorübergehend unter dem Eianfluß eines Hochdruckgebtets, so daß leichter Frost vorherrschte. Aber

schon vom 2. ab wich das Maximum weit nach Osten und Süden zurück

waͤhrend immer neue Tiefdruckausläufer von Westen her vordrangen und 8 in der Folgezeit bis zum 17. milde, trübe und regnerische Witterung bedingten. Nur am 12. und 13. war es etwas kühler bei stellenweise leichten Schneesällen. Vom 19. ab gelangte die Witterung unter die Herrschaft eines über Nordosteuropva gelegenen Hochdruckgebiets, das später durch das Auftreten einer Depression im hohen Norden immer

weiter nach Deutschland abgedrängt wurde. Leichter Frost mit Schnee⸗

fällen breitete sich mehr und mehr aus. Als vom 25. bis 28 Januar hoher Luftdruck über Rußland, tiefer auf dem Ozean lagerte. erfolgten bei niedriger Temperatur und östlichen Winden etwas stärkere Schnee⸗ fälle. Vom 29. ab lag sodann einem von Finnland über ganz Nord⸗ europa sich erstreckenden Hochdruckkeil ein Tief jenseits der Alven gegenüber. Lebhafte nordöstliche Winde führten trockenes, teilweise heiteres Wetter bei strenger Kälte herbei.

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In der Treptower Sternwarte fiaden in den nächsten Tagen folgende Vorträge statt: Morgen, Sonnabend, Nachmittags 5 Uhr: „Im Lande der Schwarzen“ (deutscher Sudanfilm), Abends 7 Uhr: „Naturwissenschaftliche Zaubereien“ (Experimentalvortrag von Dr. Hans Schimank); Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: „Christoph Kolumbus“ (Filme), 5 Uhr: „Bilder aus dem Harz, Thüringen und dem Riesengebirge“ (Filme). Abends 7 Uhr: „Im Lande der Schwarzen“ (deutscher Sudanfilm); Dienstag, Abends 7 Uhr: „Unsere Erde als Planet“ (Lichtbildervortrag des Direktors Dr. Archenhold). Mit dem großen Fernrohr sind jetzt der Mond, der Jupiter und der Saturn allabendlich günstig zu beobachten.

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Düsseldorf, 13. März. (W. T. B.) Der Belagerungs⸗ zustand ist heute wieder aufgehoben worden.

Kopenhagen, 13. März. (W. T. B.) Der von de estnischen Regierung eingesetzte Ausschuß, zur Unter suchung der Greueltaten der Bölschewiken fand eineinhalb Kilometer von Narwa entfernt drei Massen⸗ Kräber, in denen sich im ganzen 35 Leichen befanden, die schrecklich zugerichtet waren. Später wurde auch eine An zahl Leichen im Flusse gefunden. Die örtliche Bevölterung erzählt, die Bolschewiken hätten aus Stadt und Umgegend 100 Personen mitgeschleppt und genötet. Der Ausschuß stellte weiter fest, daß di Boöolschewiken bei ihrem Rückzuge 28 Geiseln mitgenomme hatten, darunter 10 Frauen. 8 8 Schweizerischen Depeschenagentur richtete

Bevölkerung unterstützt. So durchsuchte die Gardekavallerie⸗Schützen⸗ Division die von ihr neu besetzten Stadtteile. Die gestrige Haussuchung förderte wieder eine große Anzahl von Waffen zutage. Beispielsweise wurden in einer Wastwirtichaft in Neukölln 25 Karabiner und viel Munition gefunden. In Lichterfelbe

wurde Jultan, Boschardt, der Herausgeber der kommunaistischen Zeitschrift „Lichtstiahlen“, festgenommen. 1

Rote Kreuz⸗Komitee an den Präsidemten und die Mitglieder der Pariser Konferenz einen dringlichen Aufruf, in dem neuerdings auf die Norlage von Psteuroha hingewiese wud. Bon Deutschlond, Desterreich Ungamn, Boͤhmen, Serbien Rumänien, Bulgaärten, von allen Seilen gelangten Bikten um Brot an das Komitee des Roten Kreuzes mit dem wenn diese

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