8 8 115 85
bie freie Entschließung darüber überlassen ble ob sie 84 mit den übrigen in Belgien vereinigen wollen. Versammlung bekämpft jede agaressive Politik dneses
1““ b
Holland, ist aber der Ansicht, daß die freie Schiffahrt auf den
velden internationalen Fllssen Schelde und
— 1 ““ 88 Gerbien.
Die Nattonalversommlung st gestern durch den Prinzregenten im Namen des Königs Peter müt ron⸗ rede eröffnet worden. “ Non
8
3 Afrika. “]
Eine Reutermeldung besagt, die La ge in Kairo werde nicht als besorgniserregend angesehen, wenn mit Sorgfalt ver⸗ fahren werde. Die Unruhen seien nicht überraschend gekommen, da seit einiger Zeit die Nationalisten übertriebene Forderungen stellten und die Bevölkerung aufzuregen suchten. Wegen ihrer Ovposition gegen das Protektorat seien die Führer der Nationalisten nach Malta d.portiert worden. Es werde wahr⸗ scheinlich einige Zeit dauern, bis diese Maßnahme die ge⸗ wünschte Wirkung ausüben werde. Doch hätten die Militär⸗ behörden alle notwendigen Schritte unternommen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Uaruhen seien von den Natsonalisten mit Unterstützung von Studenten ins Werk gesetzt worden, und der Pöbel von Kairo habe sich angeschlossen.
Etatistit und Volkswirtschaft. Zur Arbeiterbewegung.
Der Bergarbeiterautstand in Oberschlesien kann, wie „W. T. 8† aus Beutben erfährt, als fast erloschen angeseben werden, Auf der Berginspektion IV in Knurow feiern noch 20 v. der Bergarbeiter unter Tage, während die Kokerei und die Belenscha über Tage vollständig zur Arbeit erschienen sind. Im Ausstande be⸗ findet sich noch die „Ludwigglückgrube“. .
Aus dem Ruhrgebiet wird dem „W. T. B.“ gemelbet, d auf den Zechen „Glückauf“, „Tiefbau“ 1n S winkel’“ (Deutsch⸗Luxemburg) sowie auf der Zeche ¹ Konstantin“ bei Bochum die Belegschaften sich noch im Aus⸗ stand befanden. Verhandlungen der Zechen⸗, Metall⸗ und Uebertaggarbeiter von Deuksch⸗Luxembura mit der Leitung der Gewerkschaft haben aber zu einer Einiguna geführt. Die v der erhere vreneghsce Bergwerkagesellschaft erklärten grauf den Ausstand für beendet. Gestern morgen st e Belegschaften angefahren. ..“
Nachdem am Sonnabend zwischen der Direktlon der Hannover⸗ schen Maschinenbau⸗Aktien⸗Gesellschaft (pgl. Nr. 61 d. Bl.) und den Vertretern des Arbeiterausschusses wegen der Lohn⸗ korderungen eine Einigung zustande gekommen ist, ist, wie die „Berliner Börsenzeitung“ erfährt, von der gesamten Belegschaft des Werkes gestern fruͤb die Arbeit wieder aufgenommen worden.
Nach einer von „W. T. B.“ übermittelten Meldung der Parifer lätter haben die ECisenbahner ganz Frankreiche Fehge abgehaltenen ö“ ihre Forrerungen, kerwirklichung bis zum 15. März verlangt worden war, noch⸗
mals erörtert und schte sen der Regierung zu ihrer Durchführung eine neue Frist bis 1. Mat zu stellen. Die Forderungen betreffen: Emführung eines neuen Lohntarifs mit einem Mindestgehalt von 2400 Fr. jährlich, 2) Aenderung des Personalstatuts, 3) Ein ütrung des Achtstundentags, 4) Nationalisierung der Eisenbahnen durch Be⸗ schluß des Parlaments. Gewisse Zensurlücken in den Blaͤttern gestatten den Rückschluß, daß die Eisenbabner mit dem General⸗ ausstand gedroht haben, falls bis 1. Mai ihre Forderungen nicht an⸗
genommen werden. Wohlfahrtspflege.
Deutsches Hilfswerk für die Kriegs⸗ und Zivilgefangenen. 8 Unter dieser Bezeschnung wird gegenwärtig im Auftrage der zu⸗ ständigen Reichszentralstelle ein großelasces Löbeswern eee zu dem das ganze deutsche Volk aufgerufen werden soll. Es handelt ch hierbei um Aufbringung von Mitteln für unsere noch in Feindes⸗ and befindlichen Kriegsgefangenen. Wohl kaum eine Sammlung dürfte sich einer so allgemeinen Anteilnahme erfreuen wie diese. Die Mittel sollen dazu dienen, das unendlich traurige und schwerr Los unserer gefangenen Brüder zu mildern urd ihnen bei ihrer Rückkehr einen würdigen Empfang zu geben und ihnen weiter belfend zur Seite zu siehen Keine Partei dürfte sich der Ansicht verschließen, daß es Ehrenpflicht jedes Einzelnen ist, hier belfend etnzugreifen.
Kunst und Wissen schaft.
Die Vorlesungen an der biesi⸗ en Friedrich Wilhelms⸗Univ ersität werden beute entlich wieder auf⸗ genommen. An der Technischen Hochschule in Berlin wird morgen (Mittwoch) der Unterricht deirieb in vollem Umfang wieder aufgenommen.
Kurze Anzeigen mu erschienener Schriften, deren Besprech vorbehalten bleibt. Einsendungen sind nur an die Schri tleitung. Wil⸗ delmstr. 32, zu richten. Rücksendung findet in keinem Falle statt.
Reklams Universalbibliotbek Nr. 6001, 6002—4, 6005, 6007: Die japanische Ente und andere Novellen. Von Georg Hirschfeld. 0,25 ℳ u. 100 Teuerungszuschlag = 0,50 ℳ. — Krau Marie Grubbe. on Jens peter Jacobsen. 0,75 ℳ u. 100 vH Teverungszuschlag ⸗ 1 50 ℳ. — Dre Heimatscholle. Diama von Paul Zober. 0,25 ℳ u. 100 vH Teuerungszuschlag = 0 50 ℳ. — Immenfee. Von Theodor Storm. 0,25 ℳ u. 100 vH Teuerungszuschlag =— 0,50 ℳ. Leipztg, Philipp Reclam jurn. 1b
„Berg⸗ und Huütten⸗Kalender 1919. Mit einem Uebersichtskärtchen von Deutschland vnd Schreibtisch⸗Kalender. 61. Jahrg. Gebdn. Essen, G. D. Baedeker.
8
Im Verlag von Qurile n. Meyer in Leipzig sind er⸗ schienen: Die große Woge. Roman von Georg Lehfels. 281 S. mit Buchschmuck. Gebdn. 7 ℳ.
Kultur und Erziehung. Von Nrofessor Dr. Ebuard Spranger. 152 S. Gebdn. 3 80 ℳ.
Werden und Wirken. Von Dr. Richard Jahnke. 205 S. Gebdn. 460 ℳ.
Geologie der Heimat. Von Professer Johonnes Walther. 229 S. Gehdn. 8 ℳ. 1
Wissenschaft und Bildung. Bbd. 4, 74 u. 151: Politik von Peefffler Dr. Fritz Stier⸗Somlo. 4. Aufl. Gebdn. 1 50 *.
ie deutsche Revolution 1848 von Fereeslor 87
G. Brandenburg. Gebdn. 1,50 ℳ. — Vom Vlkingerschiff um Handelstauchboot. Von Professor Dr. phil. Vernhard Fchmeidler. Gehdn. 1,50 ℳ. “
Deutsche Fretheit. Ein Meckruf von Rudolf Eudcen 1 ℳ.
—
1 Dichtung von Aszt; „Nirwanas von Hans von Vülow;
8* [ “ 1““ 11B1“
Tierkrankheiten und Absperrungs⸗ maßregeln.
Um da vehfn Gefahr einer Verbreitung der über⸗ 2828388%¾ eschlechtskrankheiten, die durch die be⸗
nigte Demobilmachung eine beträchtl'che Verschärfung erjährt, wirksam porzubeugen, ist es notwendig, daß mäglichst rerche Gelegenheit zur kostenlosen Beraturg und Behandlung der Ge⸗ schlechtskranken geboten wiro. Für alle aus dem Heeres⸗ dienst zur Entlassung Kommenden oder bereits Entlassenen wollen daber die Militärbehörden, möglichst im Anschluß an Lazarette, Sprechstunden zur ambulanten Be⸗ handlung geschlechtskranker Heeresentlassener durch Fachärzte einrichten. Solche Kranken, deren Erkrankung oder ungünstige häusliche Verhältnisse stationäre Lazarettbehandlung wünschenswert erscheinen lassen, können Aufnahme in einem Lazarett erhalten. Die Meanspruchnahme kostenfreier ambulanter oder Lazarettbehandlung stebt allen seit dem 1. November 1918 aus dem Heeresdienft entlassenen geschlechtskranken Mannschaften frei, und zwar vorläufig biz zum 31. März 1919. Ueber diesen Zeitpunkt hinaus kann kostenlose Behandlung nur den in Lazarette aufgenemmenen Kranken gewährt werden. Zum Nachweis der Berechtigung dieser kostenlosen Behandlung durch Organe der Milinärbebörden dienen die Ent⸗ lassungspapiere. Für die einer Kasse angehörigen Geschlechtskranken ge⸗ währt die Kasse freie Bebandlung und, wenn nötig, Krankenhaus⸗ aufnahme. Es wird sedoch noch darauf hingewirkt werden, daß die Krankenkassen auch die Behandlung der geschlechtskranken Frauen und Kinder ihrer Kassenangehörigen mitübernehmen, da ohne eine solche weitergehende Fürserge für die Angebörigen der Kassen⸗ mitglieder die Gefahr beheht, daß von ihrer Geschlechtskrankheit ge⸗ heilte Kassenmitglieder durch ihre Angehörigen wieder infi⸗iert werden. Außer den auf diese Weise versorgten Kranken und solchen, die aus eigenen Mitteln eine notwendige Behandlung bestreiten können, bleibt aber noch eine gewisse Anzahl geschlechtskranker Heeres⸗ entlassener übrig, die nicht in der Lage sind, die durch die Militär⸗ behörden oder durch die Kassen gewährleistete kostenlofe Be⸗ bandlung in Anspruch zu nehmen. Um auch diese die Allgemein⸗ beit gefährdenden Krankbeitequellen nach Möglichkeit unschädlich zu machen, hat sich das Ministerium des Innern entschlossen, mit ihrer und ihrer geschlechtstranken Angehörigen unentgeltlichen Behand⸗ lung, unbeschadet ihrer Beratung durch die Beratungsstellen für Ge⸗ schlecht kranke Fachärzte und praktische Aerzte zu betrauen. Als Aus⸗ weis dient der militFrische Entlassungsschein. Das Honorar für die Behandlung der geschsechtskranken Heeresentlassenen und ihrer An⸗ gebörigen durch Fachärzte oder praktische Aerzte soll nach den Mindestsätzen der ärztlichen Gebührenordnung bemessen werden. Kranke, deren Krankheitszustand oder deren häusliche Verhältnisse die Behandiung in einem Krankenhause als wünschens⸗ wert erscheinen lassen, können einem solchen überwiesen werden, sofern ihre Verbringung in ein Milttärlazarett unmöglich ist. Die Kosten für die Krankenhausbebandlung werden ebenfalls aus öffentlichen Mitteln bestritten. Das Honorar für gemeinsame Kon⸗ sultationen der praktischen Aerzte mit den Fachärzten wird für beide, wie das der Einzelbehandlung, nach den Mindestsätzen der ärztlichen Gebührenordnung für Einzelseistungen berechnet. Den geschlechts⸗ kranken Heeresentlassenen sowie deren Angehörigen wird, sofern sie die Kosten für die ärztliche Behandlung nicht selbst bezahlen können und diese weder von Krankenkassen noch von der Militärbehörde über⸗ nommen werden, auch kostenfreie Untersuchung nach Wassermann und kostenfreie Versorgung mit Medikamenten gewährt. Die Einrichtung der vom Staate zu gewährenden kostenlosen Behandlung ist nur bis zum 31. März gedacht. (W. T. B.)
8
Gejanbheitomesen,
Land⸗ und Forstwirtschaft.
Selbstversorgerration für die aus der Stadt zu⸗ wandernden Landarbeiter.
Die Notwendigkeit, eine große Zahl von Arbeitern auf dem Lande zu beschäftigen, wird täglich dringlicher. Die bisher un⸗ geregelten 113“ sind durch die Landarheitsordnung vdom 24. Januar 1919 (Reichs⸗Gesetzbl. S. 111) einstweilen ge⸗ orndnet. Die Frage der Bewilligung ausreichender Löhne unter⸗ liegt zurzeit der Beratung der neis gtgt Arbeitsgemeinschaften (Erlaß des Reichsamts für die wirtschaftliche Demobilmachung vom 16. Januar 1919). Diese Maßnahmen scheinen indessen nicht auszureichen, um die Zuwanderung von Arbeitern auf das Land in entsprechender Weise zu fördern. Das Reichsamt für die wirt⸗ schaftliche Demobilmachung und die von ihm gehörten Sachver⸗ ständigen glauben deshalb, daß die Wiederbevölkerung des Landes mit Arbeitsträften ganz besonders noch dadurch zu Frrern wäre, daß den auf das Land ziehenden Arbeitern, soweit sie in Selbstversorger⸗ betrieben beschäfttgt werden, die gleiche Ration für ihre Ernährung zugesichert wird, wie sie die Selbstversorger des Landes bezieben. Das Reichsernährungsamt hat daher die in Frage kommenden bewirtschaftenden Reichsstellen, nämlich die Reichsgetreidestelle, die Reichstartoffelstelle, die Reichsstelle für Vieh und Fleisch und die Reichsstelle für Speisefette, angewiesen und ermächtigt, Arbeiter, die in landwirtschaftlichen Selbstversorgerbetrieden Arbeit nehmen und nach den jetzigen gesetzlichen Bestimmungen noch keinen Anspruch auf die Ration der Selbstversorger haben, küͤnftig für die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses als Selbstversorger zu be 3 blatt der preußischen Landwirtschaftskammern.) “
Im Opernhause wird morgen, Mittwoch, „Der giegende Holländer“, mit den Damen von Granfelt, von Scheele⸗Müller und den Herren Kirchhoff, Schwarz, van de Sande und Philipp besetzt, aufgeführt. Musikalischer Leiter ist Dr. Fritz Stiedryv. Anfang 7 Ühr. 88 23. d. M. beginnt eine Richard Strauß⸗Woche unter der persönlichen Leitung des Komponisten, sie umfaßt folgende Abende: „Salome“ am Sonntag, den 23. „Clettra“ am Dienstag, den 25. „Der Rosenkavalier“ am Donnerstag, den 27. und „Ariadne auf Naxos“ am Sonnabend, den 29. d. M.⸗ Für die Partie der. Glektra ist die Kammersängerin Mariec Gutheil⸗Schoder aus Wien gewonnen worden.
Im Schauspielhaus wird morgen „Othello“ in der
ewohnten Besetzung gegeben. Anfang 7 Uhr. Spielleiter ist
r. Reinhard Bruch.
„Deutsche Opernhaus bereitet drei Urauf⸗ führungen vor: „Herbststurm’ von Franz Neumann, dem Kom⸗ ponisten der „Liebelei“, ferner „Die Liebe dreier Könige“ von Monto⸗ mezzi, ein Werk, das in Italien seit Jahren großen Erfolg hat und vom Deutschen Opernhause bereits vor dem Krieg zur Uraufführung in deurscher Sprache angenommen worden war, und endl ch die Oper „Magdalena“ von dem Münchener Komponisten Fritz Koennecke. Die beiden zuerst genannten Werke werden noch in dieser Spielzeit in Szene gehen, während di Oper „Magdalena“ technischer Schwierigkeiten halber erst in der kommenden Spielzeit aufgeführt werden kann. 1
In der neuen Gefangsposse „Zur wilden Hummel“ von Jean Kren und Eduard Ritter, Musik von Gilbert, die morgen im Thaltatheater ihre Uraufführung erlebt, werden Ida Vane und Elli Kreith die Hauptrolle einer Indierin abwechselnd sptelen. Die musikalische Einstudierung besorgt der Kapellmeister Jaksch.
Das 7. Gymphoniekonzert der ehemaligen Königlichen Kapelle stadet am Freitag, d8 7¼6 Uhr, bmn Opernhansz statt. übliche Mittagskonzert nt 3. demn Tage um 17 Uhr. Das Programm t: Achte
mphonie in F⸗Dur von Beethoven; „Orpheus“, -eee
Vorspiel zu
g 1111““
1901 von
„Tristan und Ysolde“ und Vorspiel zu den „Meistersingern von Wagner. Für den erkrankren Generalnusit⸗ r. Strauß hat der Generalmusitdireltor Leo Blech die
Nürnberg“ von R direktor 8 zeitung dieses Konzertes übernommen.
Dom veranstaltet der Organist Walter Fischer en Orgelkonzert, bei dem Marrha Thanner⸗Offer (Sopran) und Lilli Rummelspacher (Alt) mitwirken. Der Eintritt ist gegen Entnahme eines Pro⸗
kommenden Donnerstag, Abends 8 Ubr, ein
gramms frei.
Am Donnerstag, den 20. März, Abends 6—7 Uhr, veranstalten Elisabeth Ohlhoff e und Fritz Heitmann (Orgel) in der edächtniskirche einen Bach⸗
Abend. Das Programm enthält die Dorische Toccata und Fuge, „Qni tollis“ aus der A⸗Dur⸗Messe, Präludium und Fuge in C⸗Moll, geistliche Lieder sowie eine Toccata in F-Dur. ““
Kaiser Wilhelm⸗
Mannigfaltiges.
Die deutsche S8 hat beschlessen, die im Jahre
schland übergeführten astronomischen Instrumente an China zurückzu⸗ geben. Die Verschiffung der Instrumente nach China ist in die
Peking nach Deu
Wege geleitet. (W. T. B.)
Der Sättigungswert der Nahrung. Der Physiologe rofessor Otto Kestner hat im Hamburg⸗Eppendorfer physiologischen Institut interessante Untersuchungen über den Sättigungswert der ahrung angestellt. Bisher beurteilt die Wrissenschaft die Nahrungs⸗ mittel fast ausschließlich nach der stofflichen Zusammensetzung. Aber. ochenschrift“ betont, ißt der Mensch ja nicht, um sich eine gewisse Anzahl von Kalorien oder eine bestimmte Menge Eiweiß zuzuführen, sondern um satt zu werden. Den Sättigungswert einer Nahrung berechnet Kestner nach der Zeit, waͤhrend deren sie die Verdauungsorgane in Anspruch nimmt. Wenn die Ver⸗ dauungsorgane leer sind, geraten sie in eine periodische „Leertätigkeit“, und mit dieser Tätigkeit ist das Hungergefühl verknüpft. Die einzelnen Nabrungsmittel und Gemische von ihnen verlassen den Magen ganz verschieden schnell. Davon aber hängt ihr Sättigungswert ab. Am länasten hält Fleisch vor. Interessant ist die Tatsache, daß die Sättigung bei Fleisch, Bouillon und Milch proportional in die H ht, wenn die Menge der Nabrung steigt. Bei Brot. Kartoffeln und Butter dagegen fehlt diese P oportionalität. Ob man von ihnen viel oder wenig ist, das macht keinen oder einen nur sehr geringen Unterschied. Auf diesen Tatsachen beruht die Wertschätzung des „leisches, für die die Physiologie eigentlich keine Begründung geben konnte; denn der Wert, wenigstens des mageren Fleisches, an Kalorien ist viedrig. Sein Wort ist eben der hohe Sättigun swert. Indem das Fleisch von allen Nahrungsmitteln am länasten vorhält, macht es den Menschen unabbängig von häufiger Nahrungszufuhr und ermöglicht ihm, lange Pausen zwischen den Mahlzeiten einzu⸗ chalten, was ja besonders für die großstädtische Pevölkerung mit hrer weiten Trennung von Wohnung und Arbeitsstätte wichtig ift. Bei rein pflanzlicher Nahrung muß es die Masse bringen. Die körperlich schwer arbeitenden Landbewohner unentwickelter Länder ver⸗ zehren gewaltige Mengen von Brot, Mais oder Reis. Das Fleisch entfaltet seinen vollen Sättigungswert erst, wenn es mit stärke⸗ 50 g Fleisch und leisch und 100 1 g. Kartoffeln 5 ½ Stunden. Ganz außerordentlich ist die Steigerung der Sättgungs⸗ dauer, wenn man etwae Süßes hinterher ißt. Am längsten hält vor: erst Bouillon, dann Fleisch mit Kartoffeln oder Brot, dann etwas Süßes; das war die gewöhnliche Mi tazsmahlzeit in der Friedenszeit. Spargel, Salat vermehren den Saͤttigungswert des Feeisches nicht. Die stärkereichen Hülsenfrüchte werden sich sicherlich nicht anders verhalten wie Kartoffeln. Milch steht im Sättigungswert dem Fleisch am nächsten Harte Eter haben höheren Von Fischen haber Sättigungswert, die magere dagegen einen niedrigen. Der Gebalt der Brotes an Kalorien und Eiweiß ist viel höber als der der Kartoffel. aber der Sättigungswert der Kartoffel ist größer. Der Sät igungs⸗ 9 verbessert, Rösten ver⸗ mindert den Wert. Eines der wirkfamsten Mittel, mit einer gege⸗ benen Nährungsmenge auszukommen, ist ihre Verteilung 8 mehrerrn er, wenn
wie Kestner in der „Deutschen Medizinischen
Höhe ge
hauiger Nahrung gemengt gegessen wird. 50 g Kartoffeln halten 4 Stunden vor, 50 g Kartoffeln 6 Stunden, 100 leiich und
Die stärkearmen Gemüse Spinat, Kobl,
Sättigungewert als weiche, diese wieder 88 rohe. Aal und andere fette Fische einen hohen Fische wie Schellfis
wert des Brotes wird durch Fettaufstri
kieine Mahlzeiten. Der Sättigungswert des Brotes ist größ
man zweimal je 50 g ißt als 100 g auf einmal.
ee. * „1 . — 8 1
(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)
Opernhaus. (Unter den Linden.) Mittwoch: 72. Dauer⸗ bezugsvorstellung. Dienst⸗ und Freiplätze sind aufgehoben. Der Romantische Oper in drei Akten von Richard Wagner. Musikalische Leitung: Dr. Fritz Stiedry. Spiel⸗
fliegende Holländer.
leitung: Hermann Bachmann. Anfang 7 Uhr.
Schauspielhaus. (Am Gendarmenmarkt.) Mittwoch: 78. Dauer⸗ bezugsvorstellung. Dienst⸗ und Freiplätze sind aesgevobe. e.aönn ufzügen von Spielleitung: Dr. Reinhard Bruck. Anfang
Donnerstag: Opernhaus. 73. Dauerbezugsvorstellung. Fidelio. Oper in zwei Akten von Ludwig van Beethoven. Text nach dem
Dienst⸗ und Freiplätze sind aufgeboben. Die Kreuzelschreiber. Bauernkomödie mit Gesang in drei Akten (6 Bilder) von Ludwig Anzengruber.
der Mohr von Venedig. Trauerspiel in fünf Shakespeare. 7 Uhr.
Französischen von Ferdinand Treitschke. Anfang 7 Uhr. Schauspielbaus. 79. Dauerbezugsvorstellung.
Spielleitung: Albert Patry. Anfang 7 Uhr.
mannschaft. Das hatte zwei gleichlautende Meldungen von der Gardekavallerieschützendivision, die ihr kurz nach 10 Uhr
vas Ministerium des Innern wünsche die entzi ht sich K 1 nisterium mit dex Sache nicht das geringste zu tun hat
Familiennachrichten.
Verlobt: Frl. Toni Wolff mit Hrn. Leutnant d. Res. Carl - Frl. Gizela von Sarndrart mit Hrn. Oberleutnant a. D. Friedrich Wilhelm von Krause Gösge hs e.n. — Frl. Erika anl. mit Hrn. Gerichts⸗
ademann (Berlin— Char⸗ lottenburg). — Frl. Elfriede von Heyden mit Hrn. Oberleutnant
Meister (Stettin —Neuwestend). —
assessor. Oberleutnant d. Res. Fritz d. Res. Dr. jur. Hermann Tendick (Berlin —Cöln).
Geboren: Eine Tochter: Hrn. Stegfried von Saucken⸗ Loschen (Loschen — Pr. Eylau). — Hrn. Richard von Bergmann⸗
Korn (Breslau. 4 “ Gestorben: Hr. Forstmeister Otto Lorenz (Peetzig). 88
Verantwortlicher Schriftleiter: Direkior Dr. Tvrol. Charlottenbura. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorstaber der Geschäftsstelle
chnunasrat Mengering in Berlin. 8 der Geschäftsstelle (Mengerina) in Berlin. dack der Nocddeutschen Buchdruckerei und Marlagtanstall, .Feclin. Gilbelmsteahe N. *ecwms Treizehn Beilagen
8 1“
11“
(einschließlich Börsenbeilage und Warenzeichenbetlage
ichtamtlichen. 8 Preußzische Landesversaumulung. 4. Sitzung vom 17. März 1919. (Bericht von Wolffs Telegraphenbüro.) Am Regierungstische: die Reichsminister Hirsch, Rein⸗
hardt, Heine u. a.
Präsident Leinere eröffnet die Sitzung noch 12 ¼ Uhr. Mehrere Mitglieder haben wiederum in der Landesver⸗
sammlung nicht erscheinen können, weil die Polen die Aus⸗ flellung von Ausweisen ihnen verweigert haben.
Es sind zahlreiche weitere Einsprüche und Verwahrungen
gegen das veessehen der Polen in den östlichen Landesteilen, gegen die Aufhebung der bisherigen Gemeindevertretumgen, auch gegen die Errichtung eines selbständigen Staates Hannover
ind gegen die Verleumdungen des oberschlesischen Grenzschutzes
eingegangen.
Die Beratang des Antrags, der unabhängigen
Sozialdemokralen auf Aufhebung des Standrechts und des velagerungszustands wird fortgesetzt.
Dazu liegt der Antrag des Abg. Adolf Hoffmann
sn Soz.) vor, die Regierung zu ersuchen, sofort eine Unter⸗
uchunges kommission einzusetzen, die, bestehend aus einer
gleichen Anzahl Milglieder der Landesversammlung und des Berliner Vollzugsrats, die Aufgabe hat, die Vorgänge zu untersuchen, welche sich auf den Straßen GBroß Berlins in den letzten Wochen abgesgielt haben oder damit im Zu⸗ sammenhange stehen. — sozialdemokraten (Auch umd Genossen) geht datzin, eine Kommission von der alten preußtschen Perfassung die Tatsachen über die Ur⸗ sachen und den Verlqauf der Umuhen in Berlin vom März dieses Jahres festtellen soll. sein, den Justizmmister vnd den Kriegsminister aufzufordern, die gericht chen Atien hner die ans Awlaß der Unruhen ein⸗ gelerteten Strafverfolaungen emzufordern und der Kommission vorzulegen, sobald dies ohne Perzögerung und Störung der gerichtlichen Verfahren möglich ist.
Ein Antrag der Mehrheits⸗
Mitgliedern einzusetzen, die gemäß Art. 82
Die Kommission seoll berechtigt
Ministerpräsident Hirsch: Die „B. Z. am Mittag“ hat am
vorigen Freitag über die Vorgänge in Lichtenberg zu ihrer Recht⸗ sertigung folgendes mitgeteilt: Um 11 Uhr Vormiltags sei vom Ministerium des Innern bei ihr angeklingelt und mitgeteilt worden, das Kommando der Schutzmannschaft habe gemeldet, 1
des Polizeipräsidiums seien ermwordet worden, der übermittelnde Beamte bäle dringend, die Nachrichten in dem Blatte, andernfalls mit einem Extrablatte zu verbreiten. Diese Angaben baben Anlaß zu gehässigen Vorwürfen gegen das Ministerium des Innern ergeben,
ämtliche Beamten
diese Gehässigkeit steigerte sich bis zum Vorwurf der Lüge. Ich
habe sofort Eymittlungen angestellt und teile deren Ergebnis mit, da ee- für die vornehmste Pflicht der Regierung ansebe, nichtt zu
verheimlichen. Kein Beamter des Ministeriums des Innern at über die Vorgänge in Lichtenberg irgendwelche Mitteilungen
an die „B. Z.“ gemacht. Die Nachrichten, die sie ebenso wie das
Minierium erbalten hat, stammen von dem Kommando der Füet. erhalien:
zormittags keieyhonisch mi geteilt hatte, daß die gesamte
Besatzung des Poltzeibräsidiums ermordet worden sei, und angab, die Nachricht von einem zwelfellos zuverlässigen Augenzeugen erhalten zu haben; die zweite Meldung stammte von einem Soldaten
des Detachements Käühꝛtzel, der sich auf die Angaben mehrerer Sol⸗
daten berief, die den Vorgang als Augenzeugen mitangesehen hätten.
Daraufhin hat das Kommando der Schutzmannschaft von den Vor⸗
Lünge Kenntnis gegeben und deren Veröffentlichung anheimgestellt §
b das Kommando der Schutzmannschaft bei dem telephonischen An⸗ ruf, wie mir ein Redakteur der „B. Z.“ mitteilt, hinzugefügt hat, Veröffentlichung, meiner Kenntnis; fest steht, daß das Mi⸗
Sie dürfen aber nicht vergessen, daß die ungeheure Aufregung, die
sich aller bemächtigt hatie, die in unmitretharer Verbindung mit diesem Vorgehen stehen, eine falsche Berichterstattung in der Presse, so bedauerlich sie it, verständlich erscheinen läßt.
(Lebhafter
Widerspruch bei den U. Soz.) Ich ennschuldige damit sogar
die maßlos übertriebenen Darstellungen, die der Abg. Adolf
Hoffmann, wie ich annehme, durchaus in gutem Glauben
wiedergegeben hat. Nach der Aussage der Besatzung des Polizei⸗
präsidiums ist diese, soweit die Spartakisten ihrer habhaft wurden, in rohester Weise mißhandelt und während der Arreuterung unausgesetzt mit Erschießen bedroht worden. In einem Falle ist ein höherer Polizeibeamter nicht weniger als dreimal an die Wand gestellt worden, jedesmal wurde tihm gefagt, jetzt werde er erschossen, dann wurde er freigelassen, und nach einer Stunde tederholte sich das gleiche Manöver (Rufe bei den U. Soz.: men nennen!) — ich werde mich hüten —; wenn das nicht grausam dann weiß ich nicht, was grausam ist. Nach den bisherigen Meldungen ist ein Beamter Raschke vom Polizeipräsidium gefallen. (Abg. Dr. Rosenfeld: Also nicht ermordel!) Legen Sie mir doch
nicht Worte unter, die ich gar nicht gebraucht habe. So viel
varlamentarischen Anstand kann ich auch von Dr. Rosenfeld ver⸗
langen. Ein gapderer Beamter ist nach furchtbaren Mißhandlungen uf der Straße anscheinend im Dexot erschossen worden.
Wo seine Leiche gefünden ist, steht bisher noch nicht fest. Ein
anderer Beamter Schönfelder ist aus seiner Wohnung geschleppt und gröblich mißhandelt worden, auf einen weiteren ist auf der Straße mehrfach geschossen worden, einer ist verschwunden, sein Schicksal ist unbetannt. Alle Beamte haben infolge der fortgesetzten Bedrohungen und Mißhandlungen schwere Nerven⸗ erschütterungen erlebt. (FIronisches bedauerndes Oh, oh! bei den U. Soz. Darauf lebvafte Pfuirufe bei der Mehrhei!.) Die bisher festgestellten Vorkommnisse in Lichtenberg rechtfertigen allein schon in vollem Umfang die verschärften militärischen Be⸗ stimmungen, die nunmehr aufgehoben sind. Von Ihnen hängt es ab, daß der Oberbefehlshaber nicht wieder zu ähnlichen Maßnahmen ge⸗ zwungen wird. (Große Unruhe bei den U. Soz) Darüber läßt die Regierung gar keinen Zweifel; soweit es sich bei den Spartatisten um eine geistige Bewegung handelt, wird sie ihr mit den Waffen des Geistes gegenubersteben, aber der rohen Gewalt wird mit Gewalt entgegengetxeten werden. (Andauernde große Unruhe bei den U. Soz) Volles Licht in die ganze Angelegenheit wird ja boffentlich die verlamentarische Untersuchungskommüstan beingen, wie sie ven ven Derren Auch und Genessen beantragt wird. Auch der Recterung liegt daran, daß die Schutd restlos festgestellt und d ermittelt
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— 2
Kriegsminister Reinhardt: Meine Damen und Herren! Die tiefernsten Ereignisse in unserm Vaterlande bringen es mit sich, daß mir in diesem hohen Hause, wie vor vier Wochen in der Nationalversammlung in Weimar, als erste parlamentarische Amts⸗ pflicht obliegt, militärische Maßregeln vor Ihnen zu berichten, die
zu den undankbarsten Aufgaben des Soldaten gehören. Es ist wohl
kein Wort darüber zu verlieren, daß Solvdaten, die 4 ½ Jahre die höchste Pflicht, die Verteidigung der Heimat gegen außere Feinde, ausgeübt baben, sich nur mit blutendem Herzen vor die Aufgabe gestellt sehen können, nun ihre Pflicht im Bürgerkriege zu erfüllen. (Zuruf bei den U. Scz.: Kinder!) Nur die klare, bittere Erkenntnis, für unser armes Volk so handeln zu müssen, hält diese Männer aufrecht, denen wir zu großem Dank verpflichtet sind. Daß die Abwehr gegen den von Rußland in unsere H imat hineingetragenen Geist des Bolschewismus crnste militärische Kampfmaßnahmen dringend erfordert, darüber kann, nachdem wir von dem Herrn Justiz⸗ minister Einzelheiten über die feindliche Organisation gehört haben, kein Zweifel mehr bleiben. (Sehr richtig! bei den D. Nat., dem Zentr. und den D. Dem.) Es wurde von dem Herrn Antragsteller behauptet, daß nicht nur nach dem Wunsche seiner Partei, sondern auch nach dem Beschlusse der kommunistischen Partei der Generalstreik ganz friedlich verlaufen sollte, und daß die traurigen Kämpfe nur das Werk von Gesindel und außerdem das Ergebnis der Eifersüchteleien der verschiedenen Berliner Trupven und Wehren gewesen seien. Es ist zu begrüßen, daß das gemeingefährliche Gesindel, das mit der Waffe in der Hand plündert, von niemand verteidigt wird. Noch mehr würde ich es begrüßen, wenn auch denen, die in der Bekämpfung solchen Gesindels ihr Leben einsetzen, einstimmiger Dank würde. (Sehr richtig! bei den D. Nat., den Zentr. und den D. Dem.) Was den Treubruch eines Teiles der Wehren und Matrosen anbe⸗ langt, so kann eine kleine mißverständliche Schießerei, wie sie auf dem Alexranderplatz vorgekommen sein mag, einen solchen niemals ent⸗ schuldigen. (Sehr richtig! bei den D. Nat., dem Zentr. und den Dem.)
Solche Mißverständnisse und häufig recht blutigen Mißverständ⸗ uisse waren im Kriege bei Freund und Feind so alltäglich, sie sind namentlich von Straßenkämpfen so unzertrennlich, daß unser ganzes Heer beun Feinde wäre; wenn jedesmal ein Truppenteil daraus ein Recht zum Ueberlaufen geschöpft hätte. (Sehr richtig! bei den D. Nat., d. Zentr. u. d. Dem.)
Ich muß weiter auf Grund des militärischen Bildes der Ereig⸗ nisse auch ganz entschieden bestreiten, daß die Kämpfe sich überhaupt nur
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als von der Regierung provozierte Gelegenheitsschießereien darstellten.
Bei der Beurteilung der Ereignisse lassen Sie, bitte, meine Damen und Herren, die Sprache der Tatsachen auf sich einwirken, und lassen Sie mich die Hauptzüge beraustehren, damit dieses hobe Haus seine Zeit nicht mit allzu unbedeutenden Einzelheiten verliert.
Wie finden sich denn die Waffen zu gewaltigen, in den Händen verbrecherischer Aufrührer besindlichen Lagern zusammen? Wie kommen denn selbst Geschütze, die ausgesprochenen Großkampfzeuge in die Hände sogenannter Unschuldiger (hört, hört! bei den D. Nat., d. Zentr. u. d. Dem.), und wie speisen sich diese Kampfwerf⸗ zeuge planmäßig und reichlich mit Munition? Wie oft hat schon die Volksregierung seit dem 9. November 1918 verordnet und ermahnt, die Waffen abzugeben! Eine einzige Division hatte bis zum 13. März mehrere Tausend Gewehre, 130 Maschinengewehre und 4 Feldgeschütze den Pufrührern abgenommen. Am gestrigen Sonntag sind in Ablersbof 27 Maschinengewehre, 650 Gewehre und Karabiner, 2321 Seitengewehre, 475 600 Patronen eingebracht worden. (Hört,. hört! bei den D.⸗Nat., dem Zentrum und den D. Dem.) — Zurufe von den U. Soz⸗Dem.: Kommandantur Adlershof!) Es waren Waffen und Munition, die in vorschriftsmäßiger Weise nach Adlershof nicht hingehörten. (Zurufe von den U. Soz.⸗Dem.: Sie belügen das Volk. — Glocke des Präsidenten.)
Präsident Leinert (den Redner unterbrechend): Meine Herren, ich bitte, doch in den Zwischenrufen den parlamentarischen
Anstand zu bewahren. (Zurufe von den U. Soz.) Herr Abgeordneter
Adolph Hoffmann, der parlamentarische Anstand ist durch den Herrn Kriegsminister in keiner Weise verletzt worden. (Zuruf von den U. Sot.: Aber die Wahrheit!) Das tönmnen Sie so ohne weiteres nicht entscheiden, ob die Wahrbeit verletzt worden ist. Es kommt Ihr Redner noch zu Worte. Der Kampf muß parlamentarisch aus⸗ etochten werden, nicht aber in einem Tone, der nicht einmal in Ihren Partewersammlungen geduldet wird. (Sehr gut! — Unruhe bei den U. Srz.) Ich bitte um Ruhe, und ich bitte den Herrn Kriegsminister, fortzufahren.
Kriegsminister Reinhardt ffortfahrend): Meine Herren, nach den Feststellungen kann nicht daran gezweifelt werden, daß eine kleine wohlorganisierte Minderheit im Kampfe mit Gewalt die Herrschaft über die große Mehrheit des deutschen Volkes an sich reißen will und daß es die heiligste Pflicht der Regierung ist, mit der ganzen ihr zur Verfügung stehenden Macht die Freiheit des Volkes gegen gewaltsame Unterdrückungen zu schützen. (Bravo!)
Die Verhängung des Belagerungszustandes ist vom militärischen Standpunkt aus eine ganz unerläßliche Maßnahme. Wir sind eben, leider Gottes, im Bürgerkriege, nachdem der äußere Krieg noch nicht einmal abgeschlossen ist, und der Belagerungszustand ist in seiner militärischen Auswirkung nichts anderes als der Kriegszustand.
Zu der Frage des Standrechts hat der Herr Justizminister schon Stellung genommen. Auch der Herr Oberbefehlshaber Noske bat sich in Weimar hierüber geäußert, und ich glaube, seine Aeuße⸗ rungen sind in aller Kenntnis. Ich kann als Soldat da nur hinzu⸗ fügen, daß ein solcher Befehl als Gebot einer äußersten Notlage aufgefaßt werden muß und ihr auch tatsächlich entsprang. Auch hier müssen die Tatsachen als Beweis sprechen. Wir kämpfen seit vier Monaten gegen die bewaffnete Vergewaltigung. Die bis Januar angewandten Mittel haben nicht genügt, die Vergewaltigung nieder⸗ zuhalten und sie von Wiederholunsten abzuschrecken. Die Staats⸗ gewalt bat die Pflicht gehabt, zu den schärfsten Mitteln zu schreiten Ihre Notlage kennzeichnet sich am deutlichsten in den Verlusten und den Greueltaten, denen sie ausgesetzt waren, die der Volksregierung
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ihre Dienste geleistet haben. Zahlen sprechen hier deutlich, auch wenn man alle die zum Teil gewiß recht großen, übrigens beiderseitigen Uebertreibungen abstreicht, die für jeden Kenner die unzertrennliche Folge der Aufregung an Kampfhandlungen bildet, wie der Herr Ministerpräsident das ja ehen betont hat. Hierüber könnte ich aus meinen Kriegserfahrungen ganz erstaunliche Aufschlüsse geben.
Esjist ja vielfach geklagt worden, daß übertriebene Nachrichten amtlich bekannt gegeben seien, man meinte damit, von militärischen Kommando⸗ stellen. Tatsächlich hat das Generalkommando Lüttwitz Auskunft über Lichtenberg abgelehnt, und zwar mit gutem Grunde, weil im Polizei⸗ präsidium in Lichtenberg gar keine Soldaten waren, sondern nur Beamte. Ueber diese Frage hat der Ministerpräsident ja eingehend hier Aus⸗ kunft gegeben. Es fehlten dem Generalkommando daher Nachrichten von dort. Es ist noch nicht genau festgestellt, ob und welche dem Generalkommando nachgeordnete Dienststellen Nachrichten heraus⸗ gegeben haben, die dann einen amtlichen Stempel trugen.
Meine Damen und Herren, wir dürfen nun nicht vergessen, daß in solchen Zeiten die Amtlichkeit der am Kampf beteiligten Kom⸗ mandostellen die reinste Menschlichkeit bedeutet, und zwar die Mensch⸗ lichkeit in der Aufregung und in der Hochspannung. Ich selbst würde einer vierjährigen Kriegserfahrung als Generalstabschef an fast allen Brennpunkten des Weltkrieges ins Gesicht schlagen, wenn ich mich vermessen wollte, die Summe von Behauptungen des Herrn Abg. Hoffmann heute amtlich richtigstellen zu können. Das ist ge⸗ wissenhaft ganz unmöglich. Die gleiche Ueberzeugung kommt ja in dem Antrag der sozialdemokratischen Partei auf eine parlamentarische Untersuchung zum Ausdruck, und in diesem Geiste würde ich es auch für sachlich gehalten haben, wenn gleich rubhige, dings Geduld erfordernde Prüfungen an die Stelle massen⸗ hafter, aber ungenügend aufgeklärter und bei der nach beiden Seiten verbetzend wirkende Behauptungen getreten wären. militärischer Seite sind Unteruchungen sofort eingeleitet, namentlich hinsichtlich der Matrosenerschießaungen in der Französischen Straße, schon am Tage des Vorfalls.
So viel steht fest, daß die Kämpfe im ganzen nicht so einseitig waren, wie uns am Freitag versichert wurde. Das bewcisen di Verluste der Regierungstruxpen. Die von mir schon Division hatte schon am 13. Abends rund 20 Offiziere und 80 Mann⸗- schaften an Toten und Verwundeten verloren. (Hört! hört h Einzelnen dieser im Kampfe für die Ordnung Umgekommenen sind dabei von eigenen Volksgenossen furchtbare Marterungen in un⸗ begreiflicher Roheit bereitet wurden. (Hört! hört!) Ich habe hier Aussagen von Zeugen, deren Namen ich aus den gleichen Gründen wie der Herr Justizminister nicht nennen will, denn die Terroristerung von Zeugen spielt ja heute eine so große Rolle. Lassen Sie mich nur wenige Cinzelheiten daraus herausgreifen, die aus den Anfangs⸗ tagen der Unruhen stammen und darum den Untergrund der Er⸗ bitterung der Truppen lieferten.
Ein mit anderen Kameraden von Spartakisten gefangen gewesener Gefreiter gab an:
Die Spartakisten sagten zu mir: ein Nosleausweis genügt als Totenschein. Der größte Teil der Spartalisten waren befreite Verbrecher, die sich mit ihren Zuchthausstrafen brüsteten.
(Hört, hört!)
Wir wurden in ein Omnibuspedot gesteckt. In der ganzen Zeit von 10 Uhr Vormittags bis 5 Uhr Nachmittags habe ich entsetz⸗ liche Qualen ausgestanden. Es wäre mir tatsächlich lieber gewesen, sofort an die Wand gestellt zu werden, als Stunden des Mordens und Mißhandelns miterleben zu müssen, mit der sicheren Aussicht auf den Tod. Bei meiner Flucht wurde ich Zeuge eines entsetz⸗ lichen Mordens. Es sollten eine Anzahl Soldaten erschossen werden. Die Leute wehrten sich in ihrer Todesangst mit über⸗ menschlichen Kräften. Aber alles Wehren war vergeblich. 5 bis 6 Spartakisten hielten den zu Ermordenden fest, während ein weiterer ihn direkt durch die Stirne schoß.
(Hört! hört!) Ein Vorübergehender sagte aus: —
Am 8. 3. gegen 8 Uhr 30 Minuten Abends kam ein Soldat in Kraftfavreruniform ohne Regimentsabzeichen aus der Pallisaden⸗ straße angeradelt. Ich sah mit an, wie ein etwa 16 jähriger Bursche ihm eiuen Kaüppel in das Fahrrad warf, so daß er zu Boden stürzte. Ehbe er sich erheben konnte, war ein Haufen Männer und Weiber über ihn her und bearbeitete ihn mit Knüppeln und Fuß⸗ tritten, sodaß nach vielleicht 2 Minuten nur noch eine formlose blutende Masse übrig war. —
(Lebhaftes Hört! hört!) Oberst Reinhard, mein Namensvetter, meldet mir: 1
Bei meinem Besuch im Hedwigkrankenhaus bei den 3 dort liegenden Verwundeten meiner Brigade stellte ich durch Erzählung der Leute über den Vorgang ihrer Verwundung fest:
Auf Patrouille in der Gegend Elsasserstraße — Ackerstraße (ge⸗ naue Angaben hierüber können die Leute wegen der schweren Ver⸗ letzungen noch nicht machen) erhielten sie plötzlich von hinten, wahrscheinlich von oben, Feuer und brachen zusammen. Zwei konnten sich vor dem Mob, der dann anf sie eindrang, dadurch retten, daß sie sich von Mädchen in einen Hausflur schleppen ließen; einer, der etwas vorausging, ist mit Messern und Knüppeln derartig bearbeitet worden, daß er jetzt an einem gefährlichen Messerstich in der Lunge, mit einem ausgestochenen Auge, zerschnittenem Ohr und mehreren Messerstichen am Kopfe sehr schwer dorniederliegt.
(Lebhaftes Hört, hört! — Zuruf von den N. Soz.: Erzählen Sie doch mal etwas von den Grausamkeiten der Regierungstruppen Ein Kaufmann sogte am 7. März aus:
Als wir in die Nähe des Gasthauses „Schwarzer Adler“ in der Frantfurter Allee kamen, sagte uns ein Zwilist, in der Gürtler⸗ straße iegen dier oder fünf Regterungssoldaten, die soeben von den Spartakisten erschossen worden seie
(Hört, hört!) v “