volnischen, der russischen und der istaelitischen Gelstlichkeit, die den Polen ihr menschliches Benehmnen bezeugen sollte, dies verweigerte. Daraufpin setzten die Polen mehrere dieser Geistlichen, u. a. den Oboerabbiner, fost und schickten sie als Geiseln nach Warschau. 6
Die schwedischen Mitglieder der finnischen Regierung, Minister des Schrader und Minister Söderholm haben, wie die lingske Tidende“ meldet, ihr Abschiedsgesuch eingereicht infolge der Zurückweisung der schwedischen Nationaiforderungen durch den finnischen Landtaa. Der Mini Ehrenrooth wird ebenfalls zurücktreten
vämlich Finanzminister Ramsay,
— Schweden. Eine amiliche Mitteilun
geleitete sozialpolitische Arbeit Es wurde verabredet, handlungen unmittelbar aufzunehmen jeden der drei Länder
den Seekrieg erlittenen Verluste.
Nutzen der drei Länder gedient hat.
— Die Leitung der schwedischen Sozialdemokratie hat unter Vorsitz Brantings einen Einspruch gegen die Versailler Friedensbedingungen beschlossen. bringt zwar, obiger Quelle zufolge, in dem Einspruch seine bekannte einseitige Stellungnahme zur Frage der Schuld am Kriege zum Ausdruck, andererseits aber heißt es klar und
deutlich:
Wir haben die Pflicht, unsere Stimme zu erheben für die Grundsätze eines dauernden Völkerfriedens, um welche die sozialistische Internationale sich geschart hat und die seinerzeit auch in Aus⸗ sprüchen der leitenden Staatsmänner der Entente und dann in der Form von Wilsons 14 Punkten ausdrücklich als Grundlage für das Desto mehr müssen wir beklagen, daß in dem Versailler Entwurf diese Grundsätze so überhaupt ihbrem Recht kommen. Der Geist des alten Imperalismus, der Geist des Gewaltfriedens hat seine unverkennbaren Spuren in dem Friedensdokument, welches die blutenden Völker als Einleitung zu einer neuen Zeit gewünscht hätten, hinterlassen. von dem Weg des strengen Rechtes abweicht, trä Keim zu neuen Konflikten. Die Hoffnung der Men
Friedenswerk anerkannt worden sind.
wenig und in verschiedenen Punkten
ster des Auswärtigen
über das Ergebnis der am 28. Mai beendeten nordischen Ministerkonferenz Stockholm besagt dem Wolffschen Telegraphenbüro zufolge, daß die Neutratitätspoluzik der drei Länder während des Krieges tärke Bande zwischen ihnen geklnüpft habe. In der Frage des Völferbundes einigte man sich darouf, durch die seinerzeit in den drei⸗Händern eingesetzten Komitees die gemeinsame Vorbereitung der mit der Frage zusammenhängenden besonderen Fragen fort⸗ zusetzen und, wenn die Frage über den Anschluß an den Bund entschieden werden soll, miteinander darüber zu beraten. Durch die in den drei Ländern eingesetzten Traktafkomitees werden die Möglichkeiten, auch nach dem Kriege auf wirtschaftsichem Gebiete zusammenzuwirken, untersucht werden. Die schon ein⸗ wird fortgesetzt durch besondere Delegierte wegen gleichartiger Maßnahmen zur Turchführung der Forderungen auf Entschädigung der Man vaner, doß die Finenzsachverständigen der drei Länder in Paris forswährend in Verbindung mit einander stehen sollen, um die bedeutenden Interessen wahrzunehmen, die die Staats⸗ bürger der drei Länder anläßlich der während des Kriegs be⸗ willigten Kredite an das Ausland haben. festaestellt, daß die drei Länder darüber einig sind, auch nach Schlovß des Keieges die vertrauliche und freundschaftliche Zu⸗ sammenarbeit foshüsedfn. die auf verschiedenen Gebieten zum
Schließlich wurde
t in sich den chheit auf eine
schnelle Abrüstung und freie Verständigung der allmählich versöhnten Völker in einem kräftigen Völterbund verbleicht, wenn Friedens⸗ bedingungen unverändert werden, gegen welche das Rechtsbewußtsein der internationalen Arbeiterklasse sich erhebt. Die Grenzen der öesset steit werden überschritten, wenn der Schadenersatz so unbestimmt oder so über alle Grenzen drückend festgelegt wird, daß in Wirklichkeit das ganze deutsche Volt zum Sklavendienst für die Sieger verurteilt wird. Das Selbst⸗ bestimmungsrecht der Völker wird gekränkt, wenn rein deutsche Landesteile gegen den Willen der Bevölkerung und ohne Ab⸗ stimmungsrecht den neugebildeten Grenzstaaten überwiesen werden.
Der Einspruch schließt mit dem ernsten Aufruf an die Entente, die Lehren der Geschichte zu beachten und dem Frieden den Stempel der Hochherzigkeit und Gerechtigkeit aufzudrücken, die seine Dauer gewährleisten.
Auch der schwedische Ausschuß des Weltbundes für internationale kirchliche Verständigung hat unter dem Vorsitz des Erzbischos Söderblom einen sehr scharsen Ein⸗
spruch gegen den Gewaltfrieden erlassen, in welchem es heißt:
Nie wohl ist es in der Geschichte der Welt vorgekommen, dc ein Volk, daß vor den meisten anderen ausgezeichnet war dur
Arbeitslust, Ordnung und Fürsorge für die Schwachen, in so namen⸗ loses Leid versetzt wurde wie das, mit welchem jetzt die Blockade das deutsche Volk heimsucht. Dazu kommt, daß ein Gewaltfriede über unseren armen Wellteil einen neuen Fluch, neue Rachegedanken und erhöhtes Elend heraufzubeschwören droht. Möge noch rechtzeilig der neue Fluch abgewendet werden, der in einem unerhörten Frieden liegt. Was 84 t die Menschheit bedarf, ist der Wiederaufbau des Zerstörten, Sühne und Versöhnung! 8
Schweiz.
Angesichts der für die Schweiz durch die Aufrechterhaltung der Blockade unerträglich werdenden Verhältnisse hat der Bundesrat der „Schweizerischen Depeschenageniur“ zufolge beschlossen, den alliierten Regierungen folgende Note über⸗ reichen zu lassen:
Die schweizerische Regierung erlaubt sich, ihr Erstaunen darüber auszudrücken, daß sich die Regierungen der Alliierten auf finanzielle Gründe berufen, um die gewünschten Abänderungen des S. S. S.⸗Systems hinauszuschieben. Nach Ansicht der schweize⸗ rischen Regierung kann die Frage, ob bestimmte Waren für das Wirtschaftrleben Deutschlands unentbehrlich sind oder nicht, in dem einer Würdigung der alliterten Regierungen unter⸗ breiteten Begehren keine Rolle spielen. Die Grundsätze, unter denen während der Kriegszeit die Ausfuhr nach den Zentralmächten geregelt und ausnahmsweise erlaubt war, bestimmen folgendes: „Folgende Ausnahmen können im Hinblick auf den schweizerischen Charakter der betreffenden Industrie gestattet werden, aber nur dann, wenn es sich nicht um Waren handelt, die dazu dienen könnten, kriegerische Unter⸗ nehmen zu erleichtern. Aenderungen, die der Gang der kriegerischen Ereignisse mit sich bringt, bleiben vorbehalten.“
Diese Auslegung ist des öftern von den alliierten Regierungen selber bestimmt worden. Sie berufen sich bei den auferlegten Be⸗ schränkungen auf den militaͤrischen Nutzen. Als daher die schweizerische Regierung glaubte erkennen zu können, daß die Regierungen der Alliierten die Verhältnisse nicht mehr in gleicher Weise beurteilten, wie zu der Zeit, wo der Schweiz die erwähnten Beschränkungen auf⸗ erlegt wurden, insbes ndere als sie feststellen konnte, daß den Kauf⸗ leuten in den alliierten Ländern Abweichungen von dem Verbote des Handelns mit dem Feinde zugestanden wurden, ersuchte sie die Regierungen der Alliierten um eine Ab⸗ änderung der Bedingungen. In der letzten Zeit hat nun der Handel mit dem Feinde einen Umfang angenommen, der in der Schweiz schwere Besorgnis wachruft, und die öffentliche Meinung ist sehr erregt. Die schweizerische öffentliche Meinung glaubt in dem Handel mit dem Feinde Beweise zu erblicken, daß die alliierten Re⸗
haben. Sie verlangt beim Bundesrat, daß er kurzerhand die Auf. hebung der S. S. S. verfügen solle. Der Bundesrat vertraut auf den Geist der Gerechtigkeit und Billigkeit der alliierten Regierungen und zweifelt nicht daran, daß sie erkennen, daß diese Verein arungen jetzt keine Berechtigung mehr haben. . Der Bundesrat ist der Meinung, daß der Augenblick gekommen ist, die Frage der S. S. S. in ihrer Gesamtheit . behandeln. Er laubt sich daher nicht mehr mit dem früheren Begehren nach Be⸗ shrarcdane zufrieden geben zu können und ist genötigt weiterzugehen. Da sich die Verhältnisse unzweifelhaft von Grund auf geändert haben, schlägt er heute den alliierten Regierungen eine restlose Revision der S. S. S. von, indem er der Meinung ist, daß einzig diese Lösung der gegenwärtigen Lage entspricht. Der Bundesrat hofft, daß sich die alliierten Regierungen seiner Auffassung werden anschließen können. Sollten diese entgegen seiner Erwartung dem soeben formulierten Begehren nicht entsprechen können, so muß sich der Bundesrat freie Hand vorbehalten Er fürchtet, dem berechtigten Begehren der öffentlichen Meinung nicht mehr länger widerstehen zu können und ist entschlossen, seine volle Handlungsfreiheit wieder in Anspruch zu nehmen. 8 ““
Türkei.
kräfte vorgestern in Aivali gegenüber Myilene gelandet.
Geringer Widerstand der Türken wurde überwunden.
8
Asien.
Der Heeresbericht aus Indien besagt nach einer Meldung des Wolffschen Telegrophenbüros vom 30. Mai:
Im südlichen Frontabschnitt haben die Afghanen ihre Offensive weitergeführt; kleine vorgeschobene Posten haben wir zurückgenommen. Im oberen Tale von Techi und Gomal haben die Afghanen das aufgegebene Gelände besetzt, beschießen jetzt Thab und gehen
ist die Lage überall befriedigend.
Die Galerie Eduard Schulte eröffnet ihre Juni⸗Aus⸗ stellung mit Bildern von Conrad Dielitz⸗Berlin, Eduard Fischer , K. Haase⸗Jastrow, Georg Koch⸗Berlin, Carl Küstner⸗München und Willi Schomann kf. 1.“
Die Eröffnung der neugegründeten Universität in Cöln erfolgt, „W. T. B.“ zufolge, am 12. Juni.
Zum Kurator der Universität Bonn ist Geheimrat Professon
BPerkehrswesen.
Zufolge neuer Anordnung der französischen Besatzungs⸗ behörde sind nach Elsaß⸗Lothringen Telegramme nicht
“ I . 8
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(Fortsetzung des Nichtamtlichen in ber Ersten und Zweiten Beilage.)
EW11“ . 8.
gierungen selber die eigentlichen Grundlagen der S. S. S. verlassen
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4
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4
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Bꝛ Theater am Uollendorsplatz. König Krause. Sonntag, Nachmittags 3 ½ Uhr: Zu er⸗ igten Preisen: Der
1 8 Freitag-in vier Bildern von A. M. Willner. Montag, Mittwoch und Freitag: Musitk von Edmond Audran.
a. Nr e. 8 Montag, Dienstag, Mittwoch, Donners⸗ Dienstag: Zum ersten Male: Der tag und Semnabend. 89 Pnvge. D b Freitag: Drei alte achtelu. Donnerstag und Sonnabend: Der Feettag nn Donnerstaa und Sonnabend, Gestorben: Hr. Major a. D. Wilhelm 2 MNachmittags 3 ¼ Uhr: Die Ahunfrau.
3 Freitag, Nachmittags 3 Uhr: Dritte (Char⸗ Opernaufführung des Sternschen Konservatoriums. —
13. 1 t Zum ersten Male: Die spanische Fliege. Sonnabend: Liselott von Schwätzerin von Saragossa. — Vor⸗
Freitag: artha oder Der Markt Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zu er⸗ FSh reisen: Polnische irt⸗ Sonnabend: Die Schwätzerin vdon schaft. — Abends 7 ¼ Uhr: Zur wilden Saragossa. — Vorher: Cavallerin Hummel. Gesangsposse in drei Akten 1von Jean Kren und Eduard Ritter.
Friedrich 8 Wilhelmstädtisches eleneeste. 8 Jean Kren. Musik von
Jean Gil Montag und folgende Tage: Zur ummel.
Abends „ Birhus Uusch. Sonntag: 2 große
Abends 7 ½ Uhr. In beiden Vorstellungen:
9 D ag: +₰ 2 8 5 † 2 ü 0 Montag und folgende Lage Charley's ereegag 28 Donnerstag: Das Dorf Tänze. 1) Indisches Ballett. Früh 8₰ 1 . Dienstag, Mittwoch, Freltag u. S Fern Abends 7 ½ Uhr: 8 abend: Das Dreimäderlhaus.
ling. 3) Rokoko⸗Menuett. 4) Ungarische Rhapsodie. 5) Sylphidentanz. 6) Ein Fest nach dem Stiergefecht. Ausgeführt vom gesamten Ballektkorps des Zirkus
Einstudiert von Ballettmeister
zeiden⸗ Busch. ☛ 88½ sucht. Vorstellung für den Verband der Freien L“ E1“ Fseg ⸗ Schanspielhaus. (Am Gendärmen⸗ Mittwoch bis Sonnabend: Eifersucht. Volksbühnen: Die Heirat. — Abends Schwarzwaldmädel. Operette in drei 5 Ringer Wetistreit. (Nachmittags Akten vog Auguft Neidhart. Musik hat jeder Eepachsene 9 ageasece 9 effel. auf allen Sitzplätzen frei; jedes weitere Montag und folgende Tage: Schwarz. j ise. waldmäbel. 9 Kind zahlt halbe Preise.)
Theater des Westens. (Station: Zoologischer Garten. Kantstraße 12.) 1een Sonntag, Abends 7½ Uhr: Die Geiha. ——
und folgende, Tage: Die
Montag und folgende Tage: Tänze. Außerdem das großartige Zirkus⸗ Programm.
Familiennachrichten.
Verlobt: Frl. Dora Becker mit Hrn. Oberförster a. D. Karl Bernhard von Oertzen (Doberan in Meckienburg). —
rl. Magdalene von Keiser mit Hrn. Major Volkrat von Boehn (Berlin — Sge . 1
Verehelicht: Hr. Leutnant d. Res. Leopold Graf von Saldern⸗Ahlimb⸗ Ringenwalde mit Gisela Freiin von der Goltz (Potsdam).
Juxbaron.
von Quast (Radensleben). — Hr. Geh⸗ Kommerzienrat Paul Kudowa).
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Verantwortlicher Schriftleiter:
Lustspielhaus. (Friedrichstraße 236.) Direktor Dr. Tyrol in Charioltenbun Preisen: Martha. — Abends 6 ½ Uhr: Sonntag, Abends 7½ Uhr: Die spanische h
Fliege. Schwank in drei Akten von Franz Arnold und Ernst Bach.
Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteher der Geschäftsstelle,
erlin
in v g- — und Druck der Norddeutschen — 2
Thaliatheater. (Dresdenerstr. 72/738.) Verlagsanstalt, Berkin, Wilhelmstraßt 3
Fünf Beilagen (einschließlich Börsenbeilage) und Erste und Zweite Zentral⸗Handelsregister⸗Bellage. *
Einer „Reutermeldung“ zufolge sind griechische Streit⸗
Miramshah vor. Verstärkungen sind eilig abgeschickt worden. Sonf 8
ethner (z. Zt.
Rechnungsrat Mengering in Berlin.
—
b Die deutschen Friedensvorschläge.
Der zweite Teil der deutschen Denkschrift, die die Gegen⸗
vorschläge zu dem von den alliterten und assoziierten Mächten
überreichten Friedensvertragsentwurf enthält, und die er⸗ läuternde Mantelnote sind vorgestern in ersailles von der deutschen Friedensdelegation überreicht worden. Die Mantel⸗ note lautet: 1 Versailles, den 29. Mai 1919. Herr Präsident! Ich habe die Ehre, Ihnen in der Anlage die Bemerkun gen der deutschen elegation zu dem Entwurf des Friedensver trages zu überreichen. Wir waren nach Versailles in der Erwartung gekommen, einen auf der vereinbarten Grundlage aufgebauten Fiedensvorschlag zu erhalten. Wir hatten den festen
1
Willen, alles zu tun, was in unseren Kräften stand, um den schweren
von uns übernommenen. Verpflichtungen nachzukommen. Wir hofften auf den Frieden des Rochts, den man uns verheißen. Wir waren entsetzt, als wir in jenem Dokument lafen, welche Forderungen die siegreiche Gewalt des Gegners an uns stellt. Je tiefer wir in den Geist dieses Vertrages eindrangen, umso mehr überzeugten wir uns von seiner Undurchführbarkeit. Die Zumutungen dieses Vertrages gehen über die Kraft des deutschen Volkes. 1
Wir sollen zur Wiederherstellung des polnischen Reiches auf
unbestritten deutsches Gebiet verzichten, fast auf die ganze überwiegend deutsche Provinz Westpreußen, auf deutsche Teile Pommerns, auf das kerndeutsche Danzig, sollen die alte Hansestadt in einen Freistaat polnischer Souveränität umwandeln lassen. Wir sollen darein willigen, daß Ostpreußen vom Staatskörper amputiert, zum Absterben ver⸗ mrteilt und seines nördlichsten Teiles mit dem rein deutschen Memel beraubt wird. Wir sollen zu Gunsten Polens und Tschecho⸗Slowakiens auf Oberschlesien vexzichten, oblgeich es seit mehr als 750 Jahren in enger politischer Vechindung mit Deutschland steht, von deutschem Lchen erfüllt ist und eie Grundlage für die Industrie im ganzen tlichen Deutschland buldet. Ueberwiegend deutsche Kreise sollen an zelgienz abgetreten werden, ohne genügende Garantien für die Unab⸗ hängigkeit einer erst nachträglichen Abstimmung. Das rein deutsche Saargebiet soll von hiserem Reiche gelöst und seine spätere An⸗ gliederung an Frankreich vorbereitet werden, obgleich wir Frankreich keine Menschen, sondern nur Kohlen schulden. 188
„Fünfzehn Jaßre lang soll rbeinisches Gebiet besetzt sein, und die Alliierten es nach fünfzehn Jahren in der Hand haben, die Rückgabe des Landes sn verweigern; in der Zwischengeit können sie alles tun, um die wirtscha tlichen und mofalischen Verbindungen mit dem Mutterlande zu dets und schließlich den Willen der einheimischen Bevölkerung zu falschen.
Ein so zerstückeltes und geschwächtes Deutschland soll sich, obglei auf Erstattung der Kriegskosten ausdrücklich verzichtet wurde, eveac lich bereit erklären, alle Kriegskosten der Gegner zu tragen, Summen, die das gesamte deutsche Staats⸗ und Privatvermögen um ein Mehrfaches übersteigen würden; einstweilen fordern die Gegner über die vereinbarte Grundlage hinaus Ersatz der Schäden der Zivilbevölkerung, wobei Deutschland auch für seine Bundesgenossen haften soll. Die zu zahlende Summe soll von den Gegnern einseitig Lüstge etzt werden und späterer Abänderung und Erhöhüng unterliegen. Die Grenze soll die Leistungs⸗ fähigkeit des deutschen Volkes bilden, abgestuft nicht nach seiner Lebens⸗ zaltung, sondern lediglich nach seiner Febigkern die Forderungen der Feinde durch seine Arbeit zu erfüllen. Das deutsche Volk wäre also zu dauernder Sklavenarbeit verurteilt. .
Trotz solcher ungeheuerlichen Forderungen wird uns gleichzeitig der Wiederaufbau unseres Wirtschaftlebens unmöglich gemacht. Wir sollen unsere Handelsflotte ausliefern. Wir sollen auf alle Auslandswerte ver⸗ zichten. Wir sollen das Eigentum an allen deutschen Auslandsunter⸗ mehmungen selbst in den verbündeten Ländern auf die Gegner übertragen. Auch nach Friedensschluß sollen die feindlichen Staaten das Recht haben, alles deutsche Vermögen zur Einziehung zu bringen. Kein deutscher Kaufmann wird in ihren Ländern vor solchen Kriegsmaßnahmen geschützt sein. Auf unsere Kolonien wir vollständig verzichten. Nicht einmal dort sollen deutsche Missionare das Recht haben, ihren Beruf auszuüben. Wir sollen also auf jede politische, wirtschaftliche und ideelle Betätigung verzickten.
Sogar im Innern sollen wir unser Selbsthestimmungsrecht auf⸗ geben. Die internationale Kommission für Wiedergutmachung erhält diktatorische Gewalt über unser gesamtes Volksleben in Wirtschaft und Kultur, ihre Befugnisse gehen weit über die hinaus, die der Kaiser, der deutsche Bundesrat und der Reichstag zusammen jemals im Reichs⸗ gebiet besessen haben. Diese Kommission verfügt unbeschränkt über die Wirtschaft des Staates, der Kommunen und der einennen. Auch das sesamte Bildungs⸗ und Gesundheitswesen ist von ihr abhängig. Sie ann das ganze deutsche Volk in geistiger Knechtschaft halten. Sie kann, um die Fronzahlungen zu erhöhen, die soziale Fürsorge für die deutschen Arbeiter unterbinden. Auch auf anderen Gebieten wird Deutschlands Souveränität nufgehoben. Seine Hauptströme werden internationaler Verwaltung unterstellt, es muß 2. seinen Gebieten die von den Gegnern gewünschten Kanäle und Eisenbahnen bauen, es muß den Verträgen unbekannten Inhalts zustimmen, die von seinen Gegnern mit den neuen Staaten des Ostens geschlossen werden sollen, selbst für seine eigenen Grenzen. Das deutsche Volk ist aus dem Bunde der Völker ausgeschlossen, dem alle gemeinschaftliche Arbeit der Welt anvertraut ist.
„So soll ein ganzes Volk seine eigene Aechtung, ja sein Todes⸗ urteil unterschreiben. 1 1
Deutschland weiß, daß es Opfer bringen muß, um zum Frieden zu kommen. Deutschland weiß, daß es solche Opfer vertragsmäßig zu⸗ Ffschert zat d9. will darin an die äußerste Grenze dessen gehen, was ihm möglich ist.
1) “ bietet an, mit der eigenen Entwaffnung allen anderen Völkern voranzugehen, um zu zeigen, daß es helfen will, das neue Zeitalter des Rechtsfriedens herbeizuführen. Es gibt die allge⸗ meine Wehrpflicht auf und verringert, von Uebergangebestimmun en abgesehen, sein Heer auf 100 000 Mann. Es verzichte ohar auf die Schlachtschiffe, die ihm seine Feinde noch lassen wollen. Aber es setzt voraus, daß es sofort als gleichberechtigter Staat in den Völkerhund aufgenommen wird. Es setzt voraus, daß ein echter Völkerbund ent⸗ steht, der alle Nationen einschließt, die guten Willens sind, auch die Feinde von heute. Der Bund muß von einem Verantwortungsgefühl gegenüber der Menschheit getragen werden und über eine Zwangs⸗ gewalt verfügen, die stark und zuverlässig genug ist, um die Grenzen seiner Mitglieder zu schi en. 2) In territorialen Fragen hält sich Deutschland rückhaltlos auf dem Boden des Wilsonprogramms. Es verzichtet auf seine Staats⸗ zoheit in Elfaß⸗Lothringen, wünscht aber dort eine freie Volksabstim⸗ mung. Es tritt den größten Teil der Päcrieh Posen, die unbestreitbar polnisch besiedelten Gebiete nebst der Hauptstadt Posen an Polen ab. Es ist bereit, den Polen durch Hbiür umnüng von Freihäfen in Danzig, Köni sberg und Memel, durch eine Weichsel⸗Schiffahrtsakte und durch besondere Eisenbahnverträge freien und sicheren Zugang zum Meere unter internationaler Garankie zu gewähren. Deutschland ist bereit, die wirtschaftziche Versorgung Frankreichs mit Kohlen, besonders aus dem Saargebiet, bis zur Wiederherstellung der framösischen Bergwerke un sichern. Die vorwiegend dänischen Gebiete Schleswigs werden auf
rund einer Vollssbsthmmung Dãan erlassen. Deutschland
verlangt, daß das Selbstbestimmungsrecht auch zu unsten der Deut
in Besterre8h und Böhmen geachtet ncst, 3 st bereit seine schen lichen Kolonien der Feweinschgfisverwaltung des Völkerbundes zu unterstellen, wenn es als dessen Mandatar anerkannt wird.
.3) Deutschland ist bereit, die ihm nach dem verei te Friedenspro ramm obliegenden Zahlungen bis 86 “ 100 Milliarden Mark Gold zu leisten, und zwar 20 Milliarden Mark Gold bis zum 1. Mai 1926, alsdann die restlichen 80 Milliarden Mark Gold in unverzinslichen Jahresraten. Diese Raten sollen grundsätzlich einen bestimmten Proggitsa der deutschen Reichs⸗ und Staatsein⸗ nahmen ausmachen. ie Rate wird dem früheren Friedensbudget nahekommen. In den ersten 10 Jahren soll die Rate je eine Mil⸗ liarde Gold nicht übersteigen. Der deutsche Steuerzahler soll nicht weniger belastet sein, als der des höchstbelasteten in der Wiedergut⸗ machagge eamnifftn veretechnen Staates.
„Deutschland setzt hierbei voraus, daß es keine weiteren i⸗ torialen Opfer als üt. vorerwähnten zu hat und wieber virh schaftliche Bewegungsfreiheit nach innen und außen erhält.
4) Deutschland ist bereit, seine gesamte wirtschaftli he Kraft Dienst der Wiederherstellung zu widmen. Es wrrscht 8895 r 18 berstellung der zerstörten Gebiete in Belgien und Nordfrankreich werk⸗⸗ tätig mitzuarbeiten. Für den Produktionsausfall der zerstörten Gruben Nordfrankreichs sollen während der ersten fünf Jahre bis zu
nen Tonnen Kohle jährlich, während der nächsten fünf Jahre 8 Millionen Tonnen Kohle jährlich geliefert werden. land wird weitere Kohlenlieferungen für Frankreich, Belgien und Ferembnh Benögl cen.
Ferner ist Deutschland zu bedeutenden Lieferungen von Benzol Steinkohlenteer, schwefelsaurem Ammoniak sowie Fa ) nängten fenlt k sowie Farbstoffen und
schließlich bietet Deutschland an, seinen gesamten andels⸗ schiffsraum in einen Weltpool einzubringen, einen een der Fendels. den Gegnern zur Verrechnung auf den Schadenersatz zur Verfügung zu stellen und ihnen für eine Reihe von Jahren auf deutschen Werften Tonnage in einer ihre Forderungen übersteigenden Höhe zu bauen.
6) Zum Ersatz der in Belgien und Nordfrankreich vernichteten Flußschiffe bietet Deutschland Flußfahrzeuge aus eigenem Bestande an. 2122) Deutschland glaubt, zur schleunigen Erfüllung seiner Ent⸗ schädigungspflicht in der Ueberlassung von industriellen Beteiligungen, insbesondere an Kohlengruben zur Sicherung der Kohlenbezüge, einen geeigneten Weg zu sehen.
8) Deutschland will, in Uebereinstimmung mit dem Willen der organisierten Arbeiter der ganzen Welt, die Arbeiter in allen Ländern frei aund gleichberechtigt sehen. Es will ihnen im Friedensvertrage das Recht sichern, über die Sozialpolitik und Sozialversicherung selbst⸗ entscheidend mitzubestimmen.
.9) Die deutsche Delegation stellt erneut ihre Forderung na
Lner neutralen Untersuchung über die Verantwortlichkeit 12 1n
Krieg und die Schuld während des Krieges. Eine unparteiische Kom⸗
mission sollte das Recht haben, die Archive aller kriegführenden Länder
Föhseden und alle hauptbeteiligten Personen verantwortlich zu ver⸗ hmen. 1
Nur die Zuversicht, daß die Schuldfrage unbefangen geprü t wird kann den verfeindeten Völkern die fiaga geben, “ ist, um den Völkerbund zu bauen.
Das sind nur die wichtigsten Vorschläge, die wir zu machen haben. Wegen weiterer großer Opfer sowie wegen der Einzelheiten vnpveist die Delegation auf die beiliegende Denkschrift und ihre Anlage.
Die für die Ausarbeitung dieser Denkschrift uns gesetzte Frist war so kurz, daß es umnöglich war, alle 7 vagen zu duna geset eine e bare und aufklärende Verhandlung könnte nur in mündlichen Unter⸗ zedungen stattfinden. Dieser Friede soll das größte Vertragswerk der Geschichte werden. Es gibt kein Beispiel, daß so umfassende Verhand⸗ lungen nur durch schriftlichen Notenaustausch geführt worden sind. Die Empfindung der Völker, die so ungeheure Opfer gebracht haben, verlangt, daß die Bestimmung über ihr Geschick in offenem, rückhalt⸗ los T erfolgt, nach dem Grundsatz: „offene Füedes verträge, die offen zustande gekommen sind; und demnach sollen keine internationalen Vereinbarungen irgendwelcher Art mehr geheim ge⸗ troffen werden, sondern die Diplomatie immer offen und vor aller 1u“ soll d 1
„Deutschland soll den ihm vorgelegten Vertrag mit seiner Unter⸗ schrift versehen und ihn erfüllen. Auch in Not s ihm das Recht zu heilig, als daß es sich dazu hergeben könnte, Bedingungen anzunehmen, für deren Erfüllung es nicht einstchen kann. Wohl haben immer wieder in der Geschichte der letzten Jahrzehnte die Friedens⸗ verträge der Großmächte das Recht des Säärkeren verkündet. Aber jeder von diesen Uaiedensschlüssen gehört zu den Urhebern oden Ver⸗ längerern des Weltkrieges. Wo in diesem Kriege der Sieger zum Besiiegten gesprochen, in Brest⸗Litowsk und Bukarest, waren seine Machtworte nur eine Aussaat künftigen Unfriedens. Die hohen Ziele, die zuerst unsere Gegner für ihre Kriegführung aufgestellt haben, das neue Zeitalter gesicherten Rechtsfriedens, erfordern einen Vertrag von anderer Gesinnung. Nur ein Zusammenarbeiten aller Völker, ein Zusammenarbeiten der Hände und der Geister kann einen Dauerfrieden schaffen. Wir täuschen uns nicht darüber, wie stark der Haß und die Erditterung sind, die dieser Krieg erzeugte; und doch sind die Kräfte, die für eine Einigung der Mensckheit am Werke sind, jetzt stärker als je zuvor. Es ist die geschichtliche Aufgabe der edenskonferenz von Versailles, diese Einigung herbeizuführen.
Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner aus⸗ gezeichneten Hochachtung. 1. I Brockdorff⸗Rontzau,
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In dem zweiten Teil der deutschen Denk chrift, der die Gegen⸗ vorschläge zu den Friedensbedingungen der alliierten und assoziierten Mächte enthält, wird zunächst der Völkerbund besprochen. In⸗ dem die deutsche Delegation die Grundgedanken ihres eigenen Völker⸗ bundentwurfes aufrechterhält, erklärt sie sich bereit, 84% der Grund⸗ lage des Ententeentwurfes zu verhandeln. Dobei wird jedoch als Voraussetzung aufgestellt, daß Deutschland sofort hei Unterzeichnung
insbesondere an der vollkommenen Gleichberechtigung und Geenseitig⸗ keit aller Nationen auf wirtschafllichem Gebiete .ee.; Unter dieser Bedingung stimt die deutsche Delegation den im Ententz entwurf vorgeschlagenen Bestimmungen über Landheer, Seemacht un Luft⸗ streitkräfts zu. Wenn die Regierung der deutschen Republik also bereit ist, vor den anderen Müchten abzurüsten, so muß sie ander erseits eine Uebergangszeit hierfür verlangen, während deren sie die namckntlieh zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung nötigen Truppen behält. Die Dauer der Uebergangszeit, sowie die Truppenstärke soll besomders vereinbart und gegebenenfalls vom 2 Zölkerbund festgesetzt werden. Deutschland ist serner bereit, seine Festungen im Westen zu schleifen, eine militärisch unbesetzte Zone doeh einzurichten, und nicht nur die von der Entente gefordersen. Uebergangs⸗Ueberwasserschiffe, sondern namentlich Linienschiffe zur Verfügung zu stellen. Dabei muß der Sa 1 daß die Abrüstung der Kontrolle des Völkerbundes untersteht. auch für Deutschland gelten. Zur Festsetzung der Einzelheiten dieser Vorschläge
Ferhant die deutsche Delegation die Aufnahme mündlicher Verhand⸗ ungen. 9.
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des Friedensvertrages sgeichberechtigt in den Völkerbund eintritt und
In dem folgenden Abschnitt, der die territorialen Fragen behandelt, wird zunächst in Uebereinstimmung mit den bekannten 14 Punkten des Präsidenten Wilson der Grundsatz aufg stellt, daß kei Gebiet von Deutschland abgetrennt werden darf, dessen natlonale Zugehörigkeit durch jahrhundertelange konfliktlose Vereinigung mit dem deutschen Staatswesen unbestreitbar bewiesen ist, oder, soweit dies nicht zutrifft, dessen Bevölkerung sich nicht mit der Abtrennung einverstanden erklärt hat. Diese Erklärung muß durch eine Volks⸗ gbstimmung nach Gemeinden abgegeben werden, an der alle über 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Angehörigen des Deutschen Reiches teilnehmen, die in den Gemeinden ihren Wohnsitz haben und bereits ein Jahr vor Friedensschluß hatten. Die Wahl muß streng geheim sein. Alle Truppen müssen aus den streitigen Gebieten ent⸗ fernt. und die Verwaltung des Gebietes bis zur Abstimmung einer Behörde, bestehend aus Angehörigen neutraler Staaten, unterstellt werden. Ferner dürfen keinerlei materielle Vorteile oder Strafen zur Beeinflussung der Abstimmung angekündigt werden. Außerdem ver⸗ langt der deutsche Gegenvorschlag, daß der Friedensvertrag in Ueber⸗ einstimmung mit dem Gedanken des Völkerbundes den natio nalen Minderheiten Schutz gewährt.
Im einzelnen erhebt der deutsche Vorschlag Einspruch dage en, daß Neukr al⸗Moresnet und 1—— 5 aen 2 br Volksabstimmung, Sund Eupen sowie almedy durch eine nicht geregelte Volksabstimmung an Belgien angegliedert werden sollen. Dem Wunsche des Ententeentwurfes, aus dem großen Waldreichtum des Kreises Eupen Ersatz für den durch den Krieg zerstörten Helgischen Waldbestand zu schaffen, soll durch Abmachungen über Holzlieferungen entsprochen werden. Jedenfalls aber sollen um Holzes oder Zinkerzes willen Menschen nicht von einer Souveränität zur anderen verschoben werden. Mit Luxemb urg muß Deutschland sich nach dem Grund⸗ satz der Gegenseitigkeit über die wirtschaftspolitischen Beziehungen verständigen. Gegenüber dem Ententevorschlag über das Saar⸗ gebiet wird die bereits in den deutschen Noten vom 13. und 16. Mar angebotene Lösung wiederholt, wonach der französische Kohlenbedarf vor allem durch Lieferungsverträge und Beteiligungen sichergestellt werden soll. Dabei wird betont, daß der Wiederaufbaau der französischen Bergwerke des nördlichen Kohlengebietes allerhöchstens nach zehn Jahren beendigt sein wird, während die von der Entente vorgeschlagene Eigentumsübertragung dieser Bergwerke das hundertfache der franzö⸗ sischen Forderungen erreichen würde. Auch die Geschichte des Saar⸗ gebietes sowie die Gesinnung seiner Bevölkerung machen die Durch⸗ führung eines Vorschlages unmöglich, die schwere Leiden über die
ölkerung verhängen würde.
Auch der Vorschlag der Entenie, Elsaß⸗Lothringen ohne Abstimmung an Frankreich abzutreten, würde lediglich eine neue Quelle des Volkhasses schaffen. Statt dessen müssen bei der Abstimmung die drei Fragen vorgelegt werden, ob die Elsaß⸗Lothringer mit Frankreich oder als Freistaat mit dem Deutschen Reiche vereinigt werden wollen oder von Unabhängigkeit, insbesondere Freiheit des wirtschaftlichen Anschlusses an einen der Nachbarn vorziehen. Für den Fall eines Anschlusses müssen die Rechte sämtlicher Bewohner Elsaß⸗Lothringens sichergestellt werden. Die Einbeziehung des rechtsrheinischen Hafens von Kehl in die französische Organisation ist nicht zu rechtfertigen. Elsaß⸗Lothringen muß einen entsprechenden Anteil an den Schulden übernehmen, die auch in seinem Interesse gemacht worden sind, und schließlich muß auf Grundlage der Gegenseitigkeit durch ein Sonder⸗ abkommen eine Regelung aller Fragen, die sich auf die deutsche Arbeiter⸗ und Angestelltenversicherung beziehen, in Elsaß⸗Lothringen erfolgen.
Deutsch⸗Oesterreich muß nach dem Selbstbestimmungs⸗ recht der Völker die Möglichkeit haben, sich aus freiem Entschluß und ohne Zwang dem Deutschen Reiche anschließen zu dürfen.
Die Abtretung des größten Teils von Oberschlesien wird abgelehnt, da dieses Gebiet jahrhundertelang konfliktlos zu Deutsch⸗ land Hebört hat und auch bei den letzten im Jahre 1919 abgehaltenen Wahlen zur deutschen Nationalversammlung eine deutsche Mehrheit aufgewiesen hat. Ueberdies ist wichtig, daß Polen Oberschlesien nicht nötig hat, während Deutschland es nicht entbehren kann, und daß im übrigen die Interessen der oberschlestschen Bevölkerung durch ein Verbleiben bei Deutschland am sichersten gewährleistet werden. Es liegt im Interesse der Alliierten, Oberschlesien bei Deutschland zu belassen, denn die Verpflichtungen aus dem Weltkrieg kann Deutschland höchstens mit, niemals aber ohne Oberschlesien erfüllen.
Weite Teile der Provinz Posen sind überwiegend deutsch bevölkert, soweit aber die - Posen unbestreitbar polnisch ist, willigt Deutschland in die Abtretung dieser Gebiete. Die im Friedensentwurf gezogene Grenzlinie entspricht nicht den Gesichts⸗ punkten der Nationaattät, sondern der strategischen Vorbereitung von An viffen auf ge9. Gebiete. Solche Rücksichten können keine Roßle pielen wenn die künftigen deutsch⸗polnischen Beziehungen unter die Regeln des Völkerbundes fallen sollen. 8 1
ö“ ßen ist altes deutsches Land mit seiner ziffern⸗ mäßigen Mehrheit deutscher Bevölkerung, welche wirtschaftlich, sozial und kulturell der polnischen und kassubischen Bevölkerung weit über⸗ legen ist. Soweit, abgesehen von dem Verbindungsweg mit Sb Frenßen. welcher unbedingt Deutschland erhalten bleiben muß, west⸗ preußische Gebietsteile unzweifelhaft polnisch besiedelt sind, ist Deutschland bereit, sie an Polen abzutreten. Die deutsche Regie⸗ rung muß die beabsichtigte nationale Ver sewaltigung Danzigs mit seiner verschwindenden polnischsprechenden Minderheit ablehnen und fordern, daß 1“] und Umgebung bei Deutschland belassen werden. Die Regierung ist bereit, die Häfen Memel, Königsberg und Danzig zu Freihäfen kufgugestalten und dort Polen weitgehende Rechte ein⸗ zurqumen und die Errichtung und Fr büng. der erforderlichen Hafenanlagen zu sichern. Deutschland lehnt die Hertee eh ost⸗ preußischer Gebietsteile von Deutschland ab. Die Bevölkerung dieser Gebiete hat niemals Verlangen nach Lostrennung geäußert. Das gleiche gilt in Westpreußen für die Kreise Stuhm, Marien⸗ burg, Marienwerder und Rosenberg. Deutschland 2 die Los⸗ trennung der Kreise Memel, Heyde rug, Tilsit und Ragnit, deren überwiegend dentfche Einwohnerschaft niemals Lostrennungswünsche bekundet hat, ab. Die deutsche Regierung verlangt, daß in den an Polen abgetretenen Gebieten die bisherigen Angehörigen des Deutschen Reiches wirksam geschützt werden, um sie vor Unterdrückung durch die Polen zu bewahren.
Bezüglich Schleswigs schlägt die deutsche Regierun vor, daß die Begrenzung des Abstimmungsgebietes dortselbst nach Süde mit der Linie zusammenfällt welche die Umschlagslinie der sprach⸗ lichen Mehrheit bedeutet, so daß Gemeinden abstimmen werden, welche in territorialem 8“ mehr als 50 Prozent Däne enthalten. Die Abstimmung erfolgt gemeindeweise an demselben Tage. Die deutschen Behörden bleiben während der Abstimmun bestehen, werden aber einer aus gleichviel Deutschen, Dänen und mit einem schwedischen Obmann bestehenden Kommission unter veordnet. Die Entfestigung Helgolands wird zugestanden, dagegen meüssen notwendige zum Schutze der Küste und der Fise hereihäfen aufrechterhalten bleiben. 9
Die Bestimmungen des Friedensentwurfes über die deutsch en KolowNien stehen in unvereinbarem Widerspruch mit dem fünften Wilsonpuemkt, Deutschland hat seine Kolonien rechtmäßig erworben und sie in zäher Arbeit mit vielen Opfern entwickelt. Der Besitz der Kolonien ist für Deutschland in Zukunft notwendiner als früher, weil schon im Hi. Llick auf die Valutaverhältnisse Deutschland Rohstoffe