bis 50 Kilometern etwa 30 Meilen vorgerückt
Ministerien geben wolle.
schwedischen Indu Sie haben einen Wert von 100
— — —
Nolacb in Frage kommen, die Bezahlungen Deutschlands auf einer proportionalen Grundlage beruhen sollen, und daß für je fünf Pfund, die England empfängt, Frankreich elf erhalten 11ö11.“ “
Frankreich. 1“
Gestern nachmilttag haben im Handels ministerium in Paris die deutsch⸗französischen Wirtschaftsbesprechungen begonnen. Nach einleitenden Worten des Handelsministers Isaac und des deutschen Geschäftsträgers Ministers Dr Mayer wurde laut Bericht des „Wolfischen Telegrahenbüros“ kurz die allgemeine Wirtschaftslage besprochen. Ein Meinungscustausch über den Gegenstand der Beratungen und die Geschäftslage ergab völlige Uebereinstimmung. Sodann traten die beider⸗ seitigen Sachverständigen zu Einzelbesprechuagen zusammen.
— Vom 14. bis zum 20. Mai hat in Paris eine Zu⸗ sammenkunft technischer Delegierter der deutschen, französischen und belgischen Eisenbahnverwoltungen im Ministerium des Aeußern unter dem Vorsitz des Chefs der handelepolitischen Abteilung im französischen Ministerium des Aeußern, Gesandten Seydoux, sottgefunden. An der Spitze der deutschen Delegation stand Botschaftsrat Graf Wedel, an der Spitze der belgischen Baron Capelle; von deutscher Seite nahmen fünf Vertreter der preußischen und süddeutschen Eisen⸗ bahnverwaltungen an den Beratungen über die Wiederaufnahme des Reiseverkehrs zwischen den drei Ländern und des Durch⸗ gangsverkehrs durch Deutschland teil. Erzielt wurde obiger Quelle zufolge erstere eine Vorvereinbarung zu dem Vertrage über den Paris — Prag — Warschau- Wien⸗Expreß, zweitens eine Vereinbarung mit der französischen Ostbahn wegen direkter Wagenverbindung mit Frankfurt, Prag,⸗ Warschau, München und eventuell Wien, drittens eine Vereinbarung mit der französischen und belgischen Nordbahn und der Internationalen Schlafwagengesellschaft wegen direkter mehrklassiger Wagen⸗ verbindung zwischen Paris, Ostende und Berlin (eventuell Warschau). Zur Behandlung weiterer Einzelpunkte zu zwei und drei soll demnächst eine Zusammenkunft in Kehl staltfinden.
— In Paris tagen ferner Delegierte wirtschoftlicher Ver⸗ bände aus Amerika, England, Frankreich, Italien und Belgien, um einen Kongreß des Welthandels vor ubereiten, der vom 20. bis 26. Juni in Paris stattfinden solh Zu dem Kongreß des Welthandels sollen auch später die Neutralen sowie die Mittelmächte zugelassen werden.
Die erste Versammlung des Organisations⸗ komitees der internationalen Handelskammern fand vorgestern statt. Clementel be rüßte die anwesenden Dele⸗ gierien und verwies auf die Notwendigkeit, gute Handels⸗ beziehungen herzustellen. Der Präsident der ameritanischen Delegation, Fatey, bestätigte den Wunsch der Industriellen, Kaufkeute und Bankiers seines Landes, mit den alliterten Nationen zusammenzuarbeiten.
— In der gestrigen Kammersitzung verteidigte der sozialistische Abgeordnete Cachin das Vorgehen des fran⸗ zösischen Gewerkschaftsbundes.
Die Streikenden hätten, so führte Cachin aus, eine ruhige und würdige Haltung eingenommen trotz des herausfordernden Benehmens der Eisenbahngesellschaften und der Regierung. 40 00 Arbeiter seien
ungesetzlich entlassen worden. Den sozialistischen Mungzipalverwal⸗
tungen habe man das Polizeirecht genommen. Der Minister des Innern Steeg verwahrte sich dagegen, daß das Verhalten der Regierung erausfordernd gewesen sei. Sie habe lediglich den öffentlichen Dienst ergestellt. Die Regierung habe die Streiks nicht vernichten wollen,
e habe nicht die öffentliche Gewalt in den Dienst der Arbeitgeber
nteresses der Nation. Letzten Endes aber habe sie sich gegen den zZürgerkrieg gewendet. Der Streik sei zusammengebrochen durch den gesunden Sinn der französischen Arbeiter.
Rußland. „Reuter“ vernimmt, daß die Bolschewisten im Verlauf
ihrer Operationen gegen die Polen auf einer von 40 eien und Lepel
be die Arbeitnehmer gestellt, sondern in den Dienst des höheren
und Polock (2) genommen hätten.
8 Schweiz. Dem „Journal de Genève“ wird aus Rom gemeldet, daß
der Völkerbundrat Gustav Ador als Präsidenten der
Internationalen Finanzkonferenz in Brüssel be⸗
zeichnet hat, die nach der Konferenz in Spaa stattfindet.
8 Dänemark. Auf die Anregung von konservativer Seite, eine Unter⸗
suchung der nordschleswigschen Politik des Mini⸗
eriums Zahle einzuleiten, erklärte der Ministerpräsident eergard, wie „Wolffs Telegraphenbüro“ meidet, gestern im
Reichstag u. a.:
Das Ministerium Zahle sei von den Bestrebungen der Mittel⸗
schleswiger auf Internationalisierung der zweiten Zone in seinen In⸗ struktionen an den Gesandten in Paris geradezu abgerückt. Die
egenwärtige Regierung aber habe in der Instruttion vom 6. Mai bhrs volle Syͤmpathie für eine Internationalisierung ausgesprochen
und betont, daß sie eine solche Lösung mit Dank annehmen würde. Schließlich teilte Neergard mit, daß die steni runc⸗ sobald die Ver⸗
hältnisse es gestatteten, eine aktenmäßige Darstellung der nord⸗ schleswigschen Politit des Ministeriums Zahle und der nachfolgenden
Schweven.
In einem Stockholmer Telegramm wird halbamtlich mit⸗ eteilt, daß die Verhandlungen zwischen dem russischen Volks⸗ ommissar Krassin und schwedischen Industrieunternehmungen
zu einem praktischen g-g geführt haben. Durch das Ab⸗ kommen, das am 15. M
1 ai in Kopenhagen eeschahen wurde, sind bedeutende ; von Erzeugnissen der
rie nach Rußland gesichert worden. sillionen Kronen. Das
Abkommen über die Lieferung von Lokomotiven erstreckt sich
auf einen Zeiraun von über sechs Jahren. Rußland wird als Sicherheit ““
Millionen Kronen hinterlegen.
Amerika.
Ein vom Präsidenten Wilson dem Senat zugestellter Bericht befaßt sich, Blättermeldungen zufolge, ausführlich mit dem Zustand der Oelversorgung der Welt. In der Ein⸗
leitung wird heneeeg,agen daß die englische Politik, wie be⸗
richtet wird, die Beseitigung jeder fremden Beteiligung an der Petroleumbelieferung des britischen Reiches und die Aufsicht über die Oelschätze der fremden Länder er⸗ strebe. Diese Politik sei auch in den besetzten Gebieten der
Täörkei befolat worden, doch habe die englische Regiermnf
der amerikanischen auf deren Vorstellung versprochen, da künftig solche unterschiedliche Behandlung, die den amerikanischen Interessen nachteilig sei, nicht mehr stattfinden werde. Wie die
E1“
. 8 „Chicago Tribune“ mitteilt, son ver amerikanische Botschafter in Paris, Wallace, von seiner Regierung den Auftrag er⸗ halten haben, für Amerika einen Anteil an den Erträgnissen der Petroleumquellen von Mosul zu verlangen.
— Die verbündeten Führer des Repräsentanten⸗ hauses haben beschlossen, die vom Senat angenommene Ent⸗ schließung, die dem Kriegszustand zwischen den Ver⸗ einigten Staaten, Deutschland und Oesterreich ein Ende setzt, ebenfalls anzunehmen. Das Haus soll sich heute endgültig über die Enischließung aussprechen.
KRKunst und Wissenschaft.
Sommerausstellung der freien Sezession. 8 DSDdie freie Sezession beteiligt sich in diesem Jahr ebenso wie die Sezessien nicht an der großen Ausstellung am Lehrter Bahnhof. Man hoffte, daß diese Beschränkung zu einer Hebung der Qualität beitragen würde, sieht sich aber darin getäuscht. Schon der äußere Eindruck der Autstellung ist unerfreulich. Die Bilder sind schlecht gehängt, der Eindruck der Wände ist unruhig. Die ruhigen Elemente der älteren Mitglieder hat man in einen kleinen Raum zusammengefaßt, wo Liebermann und Slevogt mit einigen Werken vertreten sind. Der übrige Teil der Ausstellung ist den neuesten Kunstbestrebungen ein⸗ eräumt. Bleibenden Eindruck n nur die Arbeiten der beiden ervorragenden Verstorbenen Franz Marc und Paula Moder⸗ sohn. Diese sind mit einer Reihe hervorragender Werke vertreten. Schlicht und einfach wirken die Arbeiten der leider zu früh ver⸗ storbenen Künstlerin, besonders das große Bild mit Mutter vnd Kind erzielt eine roße monumentale Wrlung. Von den anderen Ge⸗ maͤlden ist noch besonders das eindrucksvolle Doppelporträt Schmidt⸗ Rottluffs zu erwähnen und die geschmackvollen Arbeiten von Otto Mueller. Die meisten sonstigen ausgestellten Gemälde schließen sich in Stil und Technik an führende Künstler an, ohne neue eigene Wege zu zeigen.
Unter den Plastiken berühren die Werke von Kolbe sehr sympathisch. Die Kraft von Fritz Klimsch ist jedoch nicht stark genug, mit einer größeren Sonderausstellung das Interesse des Beschauers zu fesseln. Die große Figur von Pechstein „Der Mond“ wirkt nur als Kopie der Fieherplastit im Betrachten, ohne diese in ihrer Originalität und selbstverständlich sicheren Nrt su “
—.—
Die Bildnisausstellung der Akademie der Künste am Pariser Platz ist nur noch bis zum 2. Pfingstfeiertag, Nachmittags 5 Uhr, geöbffnet.
Verkehrswesen.
Nach Beendigung der Verkehrsstockungen in den niederländischen
Häfen können von jetzt an über die Niederlande zu leitende Postpakete nach überseeischen Ländern bei den Postanstalten aufgeliefert werden.
Literatur. 8
Im Industrieverlag Späth und Linde (Berlin C. 2) ist unter der Bezeichnung „Das neue Postbuch“ eine von H Roöbder besorgte Fufaommensteung der am 6. Mai d. J. in Kraft getret nen Post⸗ und Telegrammgebühren erschieneu. Das Buͤchlein kostet 3,30 ℳ.
Von dem Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm (GVerlag von S. Hirzel in Leipzig) ist die 7. Lieferung 11I. Abteilung des Elften Bandes erschienen. Sie enthält die Sg “ bis unlasterhaft und ist von Dr. K. CEuling earbeitet.
Theater und Musik. Opernhaus.
Im Opernhause wurde gestern einmal wieder dem von Heinrich Kröller mit neuem Geist erfüllten Ballettkorps G legenheit geboten, in zwei neuen Tanzbildern seine Kunst zu zeigen. Sie rahmten Leo Blechs einaktige tomische Oper „ V ersiegelt“ ein. Den Anfang machte „Licht“, [vmbolische Gruppentänze zu Musik von Gluck. Vor dunklen Vorhängen spielen sic die tänzerisch⸗pantomimisch dargestellten Szenen ob, die den Sieg des Lächit über die versinnbild⸗ lichen. Man sieht zunächst im Dämmerschein Gruppen schattenhafter Wesen sich mit der Geberde der Sehnsucht beweg en und in Nacht versinken, bis das Licht, in der leuchten en Gestalt eines Knaben, rvon farbenfrohen Begleiterinnen um eben, segen⸗ spendend aus der Höhe berabsteigt und den erzweifelnden
rlösung bringt. Verschiedenen Werken Glucks entnommene und den Vor⸗ gängen geschickt angepaßte Musik, die der Kapellmeister Urack mit musikalichem Feinempfinden dirigierte, diente dem von Kröller unter Mitarbeit des Malers Pirchan geschmackvoll angeordnelen Gruppen⸗ tänzen als 1h vtbmische Unter age. Charlotte Kuhnt, Wihy Kröger, Ilse Castner und wanzig Taͤnzerinnen waren die Ausführenden. Das den Abend akschließende zweite Ballett „Kostümball!“ ist eine locker zusammengefügte Reihe von Charaktertänzen zur Musik des von Anton Rubinstein für Klavier komponierten, von Erd⸗ mannsdörfer instrumentierten bekannten Zvklus „Bal costumé*. „Toreador und Andalusierin“, „Shäͤferspiel“ „Polnischer Tanz“, „Pascha und Almée“, „Pilger und Abendstern“,„Walzer“, „Harlekin und Perette“ bilden außer einer Einleitungsszene und einem das gesamte Ballett⸗ personal vereinigenden Finale die einzelnen Tanzszenen. Besonders eindrucksvoll waren die Tänze, in denen Kröller selbst auftrat: Der „Polrische Tanz“ und „Harlekin un⸗ Pierette“. In ihm haben wir einen Tänzer gewonnen, der den berühmten Solotänzern des russischen Balletts kaum nachsteht. Neben ihm zeichneten sich Leni Bowitz und Evy Peter besonders aus. Beide Ballette fanden lebhafte e Aner⸗ kennung. Solche wurde auch dem zwischen ihnen stehenden Einakter Leo Blechs, der sein Werk selbst dirigierte, in vollstem Maße zu teil. Die Damen Artêt de Padilla und von S eeele⸗-Müller, die Herren Bronsgeest, Hente und Stock führten, wie schon früher, die Haupt⸗ rollen gesanglich und darstellerisch vollendet durch. Diesen reihle sich Anny n.82 an, welche als Gast die 88 der Bürgermeisterstochter anmutig im Spiel, aber stimmlich nicht ganz zureichend sang.
Butterfly“, mit den Damen Batteux⸗Catopol, Birkenström und den erren Michael Nasta als Gast, orneltus Bronsggest, Lücke, hilip, Stock, Krasa und Bachmann besept, gegeben. Musitalischer
Leiter ist Dr. Fritz Stiedry. Anfang 7 Uhr.
Im Schauspielhause wird morgen Marxia Stuart“ in bekannter SG unter der Spielleitung von Dr. Reinhard Bruck aufgeführt. Anfang 6 ½ Uhr. 8
Im Komödienhause weist die morgen, Sonnabend, statt⸗ findende Erstaufführung des Lustspiels „Die Reise in die Mädchen⸗ zeit“ von Mexander Engel und Hans Saßmann folgende Besetzung auf: Julian Herwald: Johannes Riemann, Beate: Erika Flüsnen, Baron Wiesel: Julius Brandt, Clotilde: Jenny Narba, Bobby Werdau: Ernst Pröckl, Liane: Else Eckersberg, Dr. Rohsdorf: Ernst Dernburg. Spielleiter ist Ernst Welisch
Im Deutschen Opernhause wird der Kammersänger Richard Tauber von der Staatsoper in Dresden am Dienstag, den 25. Mai, den Alfred in „La Traviata“ und am 27. d. M. den Don José in „Carmen“ singen. — Zum Besten der Charlotten⸗
Im Opernhause wird F.e Sonnabend, „Madame
Museum finden täglich in der Zeit von Abends statt.
burger Ferienkolonien veranstaltet die Direktion am Mittwoch, den 26. d. M., Nachmittags 3 Uhr, eine Sondervorstellung der Märchenoper „Hänsel und Gretel“, mit den Domen Uhr, Dorp, Gottlieb, Marck und Herrn Bilk in den Hauptrollen.
(Der Konzertbericht befindet sich in der Ersten Beilage.) Mannigfaltiges.
In der gestrigen Sitzung der Berliner Stadtver⸗
ordneten wurde zunächst der Vorschlag des Hausbaltsausschusses auf Nachbewilligung von 1 523 000 ℳ für Geschäftsbedürfnisse und “ genehmigt. Es folgte ein Antrag der Stadtv. Dr. Weyl und Genossen: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Herab⸗ setzung der Preise der Lebensmittel sowie der not⸗ wendigen Bedarfsartikel herbeizuführen“. Nach vielfach erregter Aus⸗ sprache, an der sich auch der Oberbürgermeister Wermuth beteiligte, wurde auf Vorschlag des Oberbürgermeisters eine gemischte Depu⸗ tation des Magistrats und der Stadtverordneten eingesetzt, die sich mit der Frage beschäftigen und geeignete Vorschläge zu Abhilfe machen soll. 8 “
Die Reichszentralstelle für Kriegs⸗ und Zivil⸗ gefangene teilt mit: Der Dampfer „Scotland Maru“ mit den ersten deutschen Heimkehrern aus Ostsibirien trifft am 22. Mai in Brunsbüttelkoog ein. Der zweite Dampfer mit heimkehren den Kriegs⸗ und Zivilgefangenen aus Sowjetrußland wird am 21. Mai in Stettin erwartet. (W. T. B.)
Im Wissenschaftlichen Theater der „Mranian wird Erna Kottmann ihren Vortrag „Frühling am Neckar“ am Sonntag sowie am Montag und Freitag, und ihren Vortrag „Im Sa warzwald“ am Mittwoch n. W. wiederholen. Am Donnerstag und Sonnabend hält der Professor Goerke seinen Vortrag „Der Mensch und die Natur, Kulturbilder aus Deutschands Vergangenheit und Gegenwart“, und sür Dienstag ist der Vortrag „In den Bergen Tirols“ angesetzt. Außerdem finden Nachmittags 4 ½ Uhr am Sonn⸗ tag und Montag Wiederholungen des Vortrags „Der Vierwald⸗ stättersee und der Gotthard“ und am Dienstag, Mittwoch und
Donnerstag Wiederholungen des Vortrags „Thüringen“ zu kleinen Preisen statt.
In der Treptower Sternwarte finden in den nächsten Tagen folgende Film⸗ und Lichtbildervorträge statt: Pfingst⸗ sonntag, Nachmittags 3 Uhr: „Ferientage an der Ostsee, in der Saͤchsischen Schweiz und im Spreewald“, 5 Uhr: „Durch den Schwarzwald ins Donautal“, Abends 7 Uhr: „Eine Reise zum Südpol“ und „Ein Blick ins Weltall“; Pfingstmontag, Nachmittags 3 Uhr: „Eoropäische und exotische Jagden“, 5 Uhr: „Sitten und Gebräuche fremder Völker“, Abends 7 Uhr: „Durch den Schwarz⸗ wald ins Donautal“; Dienstag, Abends 7,. Uhr: „Stern⸗
haufen, veränderliche und neue Sterne“ (Lichtbildervortrag des
Direktors Dr. Archenhold); Donnerstag, den 27. Mai, Abends 7 ½ Uhr: „Am Golf von Neapel“ (Lichtbildervortrag von Dr. Speth⸗
mann); Sonnabend, den 29. d. M., Nachmittogs 5 Uhr: „Bewohn⸗
barkeit der Welten“ (Lichtbildervortrag). — Mit dem großen Fern⸗ rohr werden Abends der Jupiter, der Mond und der Mars beob⸗ achtet. Kleine Fernrohre stehen zur Beobachtung beliebiger Himmels⸗ körper kostenlos zur Verfuͤgung. Führungen durch das astronomische
Cassel, 20. Mai. (W. T. B.) Ein Bund deutscher osthalter wunrde am 16. Mat hier unter starker Beteiligung aus allen Gauen des Reiches im Beisein eines Vertreters
V des Reichspostministeriums begründet. Bieher waren
in verschiedenen Landesteilen nur kleinere Verbände vorhanden, die in losem Zusammenhang standen. Die Gründung des Bundes erfüllt lebhafte Bedurfnisse der Posthalter und Würcce des Ministeriums. Bundesvorsitzender ist Direktor Ernst Baum.⸗Essen. Zum Synditus wurde der Verbandsvorsteher Dr. Erich Enke⸗Hamburg grwählt. Bundessitz ist Essen. Die Tätigkeit wird unverzüglich aufgenommen.
Ham burg, 20. Mai. (W. T. B.) Bei einer Straßen⸗
kundgebung Arbeitsloser und Ausgesperrter kam es in der Kaiser⸗Wilhelm⸗Straße zu einem Zusammenstoß mit Polizei und Sicherheitswehr, bei dem 3 Personen
getötet und 10 verwundet wurden.
(Fortsetzung Fes Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)
Theater. Opernhaus. (Unter den Linden.) Sonnabend: 107.
bezugsvorstellung. Madame Butterfly. Anfang 7 Uhr.
1 Sonntag: Die Meistersinger von Nürnberg. A 5 Uhr. 8 Montag: Die Frau ohne Schatten. Anfang 5 Uhr.
Schauspielhaus. (Am Gendarmenmarkt.) Sonnab.: 107. Dauer⸗ bezugsvorstellung. Maria Stuart. Anfang 6 ½ Uhr.
Sonntag: Nachmittags: 43. Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen: Maria Stuart. Anfang 2 Uhr. — Abends: Friedrich der Große. I. Teil: Der Kronprinz. Anfang 7 Uhr.
Montag: Nachmittags: 44. Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen: Nathan der Weise. Anfang 2 ½ Uhr. — Abends
Marquis von Keith. Anfang 7 Uhr.
Familiennachrichten.
Verlobt: Frl. Annemarie von Tielsch mit Hrn. Regierungsrat Rittmeister d. Res. Friedrich Ernst Frhra. von Seherr⸗Thoß
(Schloß Reußendorf, Kr. Waldenburg, Schles. — Berlir.)
Gestorben: Hr. Oberst ga. D. Guido Priesemuth (Breslau). — Hr. Postdirektor a. D. Albert Krischen (Berlin⸗Lichterfelde).
Verantwortlicher Schriftleiter: Direktor Dr. Tvyrol. Charlottenbura⸗
Bessatssereflich ch den Anzeigfnteil: Der Vorstehgr der Geschäftsstelle echnungsrat Mengering in Berlin.
Verlag der Geschäftsstelle (Menagerina) in Berlin.
Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlaasanstalt Berlin. Wilbelmstraße 32.
1.““ Sieben Beilagen (einschließlich Börsenbeilage und Warenzeichenbeilage Nr. 41 A und B)
ind Erste, Zweite um Dritte Zentral⸗Handelsregister⸗Beilage, “ “ 1“ LI “ 1““
2 Uhr Nachmittags bis 8 Uhr
chen leichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger.
2 —y—
Richtamtliches. 8 (Fortsetzung aus dem Hauptblath.) 8
Deutsche Nationalversammlung. 176. Sitzung vom 19. Mai 1920, Nachmittags 3 Uhr.
(Bericht des Nachrichtenbüros des Vereins deutscher Zeitungsverleger.)*)
Auf, der Tagesordnung stehen zunächst H. Inter⸗ pellationen. Eine Interpellation aller Frakrionen, mit Ausnahme der Unabhängigen Sozialdemokraten, betrifft die Verwendung farbiger Truppen in den be⸗ setzten Gebieten. Die Begründung gibt Abg. Frau Röhl⸗Köln.
Abg. Frau Röhl⸗Köln (Soz.): Zu einem dauernden Frie gehört das Hintansetzen kleinlicher Maßnahmen, die ein Volk eG beleidigen. (Sehr richtig!) Die Belgier und Franzosen nehmen absolut keine Rücksicht auf die Gefühle der Deutschen im Rheinlande, wenn sie dort schwarze und farbige Truppen verwenden. Das ist eine Schmach und zugleich eine Gefahr. Deutsche Mütter werden dauernd in Angst um ihre Kinder gehalten. Immer mehr Fälle werden be⸗ kannt, in denen farbige Truppen deutsche Frauen und Kinder schänden. Nur der kleinste Teil der Scheußlichkeiten wird gemeldet. Scham⸗ gefühl und Furcht vor Rache schließen den unglücklichen Opfern meist den Mund. Auch das Maedererkennen der farbigen Uebeltäter ” sehr schwer. Frankreich und Belgien sind schuldig an den Verbrechen dieser Schwarzen Diese Zustände siad unerträglich. In der ganzen Welt mehren sich Stimmen der Entrüstung, die diese Schmach verurteilen. Was gedenkt die Regierung dagegen zu tun?d Wir ersuchen die Re⸗ gierung, alles Erforderliche aufzubieten, und appellieren an alle Kultur⸗ länder, die noch Verständnis für deutsches Leben haben, uns zu unter⸗ stützen. (Lebhafter Beifall.)
Reichsminister des Auswärtigen Dr. Köster: Meine Damen und Herren! Die Reichsregierung ist den Interpellanten dankbar, daß sie ihr Gelegenheit geben, ihre Meinung kund zu tun in einer Frage, die seit vielen Monaten lastend auf dem deutschen Volke liegt und die seit einigen Wochen, wie Sie wissen, auch die Gemüter der Neutralen, ja unserer ehemaligen Gegner selber zu erregen be⸗ gonnen hat.
Was die Verwendung schwarzer und farbiger Truppen im besetzten Gebiete anlangt, so werden Sie in den letzten Tagesnachrichten gelesen haben, als ob in dieser Besetzung Aenderungen eingetreten seien. Ich halte mich für verpflichtet, hier mitzuteilen, daß nach dem, was wir gestern abend erfahren haben, von einer solchen Dislozierung schwarzer und farbiger Truppen nicht die Rede sein kann. (Hört, hört!) Es liegen augenblicklich in Mainz und in Worms noch zwei schwarze Regimenter von Senegalesen (erneute Rufe: hört, hört!) in Ludwigshafen und in Germersheim je ein Bataillon gemischter gelber und schwarzer Truppen, sogenannte Madagassen, und in dem übrigen von den Franzosen besetzten Gebiet liegen noch 16 Regimenter brauner Truppen, Algerier, Tunesen und Marokkaner. (Hört, hört!)
Meine Damen und Herren! Was nun unser Urteil über die Besetzung und Verwentung dieser Truppen und was diese Truppen selber an⸗ betrifft, so möchte ich mich durchaus dem anschließen, was die Frau Interpellantin hier betont hat, daß es sich auch für die deutsche Re⸗ gierung bei ihrem Kampf gegen die Verwendung dieser Truppen nicht um einen Kampf gegen diese Schwarzen an sich handelt. In einen solchen Kampf einzutreten, in eine öde und billige Rassenhetze einzutreten, daran hindert mich schon die Erinnerung an das, was unsere Auslands⸗ und Kolonialdeutschen jahrzehntelang draußen in eifrigem Zusammenarbeiten mit diesen Schwarzen wirtschaftlich in jenen Territorien aufgebaut haben, die uns durch den Friedensvertrag entrissen worden sind. Daran hindert mich auch schon die Erinnerung an das, was Hunderte und Tausende dieser schwarzen Truppen mit unseren deutschen Soldaten bei der Verteidigung dieser Kolonien getan haben.
Meine Damen und Herren! Ich möchte mich auch keiner Ueber⸗ treibung in bezug auf das, was die schwarzen Truppen dort im besetzten Gebiet angerichter haben, hier schuldig machen. Aber gerade wenn ich mich auf diesen Standpunkt stelle, muß ich hier vor aller Oeffentlichkeit erklären, daß die Verpflanzung von ungefähr 50 000 schwarzen, farbigen, fremdrassigen Truppen und Menschen nach Europa in das Herz des weißen Europas ein Vergehen an Gesamteuropa ist. (Sehr richtig!) War schon im Kriege die Verwendung dieser Truppen durch Frankreich, die lange vorbereitet und im einzelnen ausgebildet war, gefährlich und nicht nur von Deutschen, sondern von vielen Außerdeutschen schon während des Krieges als ein gefährliches Experiment beurteilt worden, so ist die Verwendung schwarzer Truppen gegenüber einer friedlichen Bevölkerung jetzt nach Friedensschluß nichts anderes als ein Verbrechen. (Lebhafte Zustimmung.) Es ist ein seelisches Verbreechen, wenn man ein Volk, das nun ein Jahr lang ökonomisch und national ausge⸗ plündert und gedrückt worden ist, es ist nichts als ein seelischer Fuß⸗ tritt, wenn man dieses ausgehungerte und leidende Volk nun auch noch im Frieden unter die militärische Herrschaft von 50 000 Schwarzen setzt. (Allseitige lebhafte Zustimmung.)
Meine Damen und Herren! Aber abgesehen von diesem all⸗ gemeinen, muß ich sagen, daß die dauernde Verwendung von 50 000 Mann einer fremden Rasse vom volkshygienischen Standpunkte aus eine große Gefahr nicht nur für Deutschland, sondern für Europa darstellt. (Sehr richtig!) Die fortgesetzten Gewalttätigkeiten, die Er⸗ mordung harmloser Bürger, die Vergewaltigung von Frauen, Mädchen und Knaben, das riesenhafte Anwachsen der Prostitution, die Ein⸗ richtung zahlreicher Bordelle auch in den kleinsten Städten sowie die rapide Verbreitung von Geschlechtskrankheiten der schwersten Art (lebhafte Rufe: Hört! hört!) stellen eine Politik Frankreichs gegen Deutschland dar, die man nur als eine vücksichtslose und mit allen Mitteln geführte Fortsetzung einer Kriegführung mitten im Frieden bezeichnen kann (allseitige Zustimmung), einer Kriegführung, die, wenn nicht zum Ziele, so doch zur Folge hat, daß der deutsche Volkskörper an seinem westlichen Rande dauernder Versiechung entgegengeht. Leb⸗ hafte Zustimmung.)
Meine Damen und Herren! Die deutsche Regierung konstatierd, daß nicht nur in Deutschland, sondern auch im neutralen Auslande
*) Mit Ausnahme der Reden der Herren Minister, die im Wort⸗
laut wiedergegeben werden⸗
Erste Beilage
Berlin, Freitag, den 21. Mai
Männer und Frauen sich diesem „schwarzen Wahnsinn“, wie eine schwedische Zeitung sagt, zuzuwenden beginnen. Leider haben diese aus Amerika, England, Schweden und Norwegen kommenden Proteste auf die Franzosen ebensowenig Eindruck gemacht wie die immer wiederholten Einsprüche, die die deutsche Regierung seit der Besetzung durch den Reichskommissar im Rheinland und vorher durch die Waffenstillstandskommission bei der französischen Regierung eingelegt hat. Dabei können die Franzosen sachliche Gründe für die Belassung dieser farbigen Truppen im besetzten Gebiet nicht im geringsten ins Feld führen, denn Frankreich hat heute noch ein durch keinerlei Abrüstung geschwächtes, intaktes weißes Heer. (Hört! hört!) Wenn Frankreich mit den idealen Grundsätzen der Abrüstung, von denen doch Frankreich behauptet, daß sie seinen politischen Ideengängen und seiner politischen Kultur entsprungen sind, Ernst machen will, dann kann ich nicht nur im Namen Deutschlands, sondern auch im Namen anderer Völker sprechen, wenn ich den Franzosen empfehle, die Ab⸗ rüstung bei diesen schwarzen, Luropafremden Truppen zu beginnen. (Sehr richtig!)
Meine Damen und Herren! Ich habe mit verschiedenen Fran⸗ zosen über das Problem dieser schwarzen Truppen gesprochen, und mir wurde verschiedentlich vorgehalten, daß gerade bei den schwarzen Truppen die Disziplin besser wäre als bei den weißen, und daß das vielleicht ein Grund sei, gerade die schwarzen Truppen bei uns zu belassen. Ich glaube, meine Damen und Herren, ich kann wiederum im Namen des ganzen deutschen Volkes sprechen, wenn ich den Fran⸗ zosen sage: Soll schon weiter besetzt werden, sollen wir schon weiter unter der Besetzung leiden, dann wollen wir diese mindere Disziplin, von der ihr bei euren weißen Truppen sprecht, gern in Kauf nehmen, wenn ihr uns nur so bald wie möglich von dieser schwarzen Plage befreit. (Sehr richtig!)
Meine Damen und Herren! In diesen Tagen sitzen, wie Sie wissen, in Paris deutsche und französische Industrielle und Kaufleute zusammen, um über die künftigen wirtschaftlichen, kommerziellen Ver⸗ bindungen zwischen Deutschland und Frankreich zu beraten. Sie wissen wie ich, daß die französische Regierung auf dieses künftige wirt⸗ schaftliche Zusammenarbeiten der beiden Länder ebensogroßen Wert legt, wie die deutsche, und wenn es nach unserem Willen geht, so sollen aus diesen Beratungen Resultate heworgehen, die diese wirt⸗ schaftliche Zusammenarbeit garantieren. Ich möchte aber der fran⸗ zösischen Regierung hier zu bedenken geben, daß man nicht von ökono⸗ mischem Zusammenarbeiten, daß man nicht von der ökonomischen Solidarität Europas reden und an ihr arbeiten kann, wenn man gleichzeitig die politische Solidarität Europas zerreißt, (sehr richtig!), wenn man gleichzeitig die politischen Gefühle seines Partners in dieser Weise mit Füßen tritt, wie es jetzt geschehen ist. (Erneute Zu⸗ stimmung.)
Meine Damen und Herren! Ich habe Ihnen gesagt, daß die deutsche Regierung vom ersten Tage der Verwendung schwarzer Truppen an sich bemüht hat, durch alle Kanäle und Apparate, die ihr zur Verfügung standen, die Entfemung der schwarzen Truppen, die Milderung dieses schewarzen Regimentes zu erreichen. Diese Proteste haben bisher keinen Erfolg gehabt. Von mir aus muß ich sagen, daß weitere formale Proteste an Frankreich meiner Meinung nach wenig Sinn haben. Wir müssen weiter die Oeffentlichkert Europas und der ganzen Welt über die Schande dort im Westen auf⸗ klären, und wir wollen uns, wir müssen uns, und wir haben es vor, uns an den Völkerbund zu wenden, ob er nicht Mittel und Wege findet, seinen Einfluß auf Frankreich auszuüben. Der Völkerbund, meine Damen und Herren, steht, wie Sie wissen, bis heute noch auf dem Papier. Aber gerade in diesen Tagen ist der Völkerbund zum ersten Male lobendig geworden. Der Völkerbund hat als seine erste Aufgabe gewählt und in Angriff genommen, den Transport der deutschen und russischen Kriegsgefangenen zu regeln. Gerade in diesen Tagen haben hier Beratungen stattgefunden unter dem Vorsitz des Delegterten des Völkerbundes, des Norwegers Frithjof Nansen, und der Austausch der deutschen und vussischen Kriegsgefangenen geht jetzt unter der Aegide des Völkerbundes rüstig vor sich. Der Völker⸗ bund wird also lebendig, die deutsche Regierung hofft, daß der Völkerbund sich auch dieser Frage der Verwendung der schwarzen Truppen annehmen, und daß es ihm gelingen wird, mit dem moralischen Druck der ganzen Welt die französische Regierung davon zu überzeugen, daß die schwarzen Truppen zurückgezogen werden müssen.
Meine Damen und Herren! Die Bilder, die uns die Frau Ab⸗ geordnete Röhl entworfen hat, sind ein dunkles Kapitel aus der Ge⸗ schichte der Besetzung. Aber sie sind doch nur ein Kapitel, und ich möchte nicht schließen, ohne darauf hinzuweisen, daß, ganz abgesehen von der Verwendung schwarzer Truppen und die Bedrückung durch diese schwarzen Truppen, unsere Brüder im Westen in jeder Be⸗ ziehung unter einem Druck und untet einem Joch stehen, von dem wir uns hier kaum einen Begriff machen. (Sehr richtig) Wäre unser deutsches Volk durch seine ökonomischen Leiden nicht auch seelisch so zerrüttet worden, so würden die Leute dort in dem besetzten Gebiet dieses Regiment nicht vuhig ertragen (sehr vichtig!), und wären wir nicht seelisch so müöde und zermürbt, dann würde das, was dort im Westen Tag und Nacht passiert, ein gana anderes Echo erwechen, als es leider jetzt möglich ist. (Sehr richtig!)
Ich meine aber, daß wir in diesen Tagen, wo die National⸗ verscmmlung zu Ende geht, noch einmel diesen dort im besetzten Ge⸗ biet lebenden deutschen Männern und Frauen sagen müssen, daß, wenn es uns auch nicht möglich ist, unserm Mitgefühl mit ihnen in der Weise Ausdruck zu geben, wie es vielleicht notwendig wäre, wir trotz⸗ dem immer mit ihnen leiden, mit ihnen hoffen und mit ihnen arbeiten wollen, daß die Zustände, wie sie sich dort im Westen entwickelt haben, aufhören, und daß wir möglichst bald einer Gesamtbefreiung des be⸗ setzten Gebiets entgegengehen. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Frau Zietz (Unabh. Soz.): Wir verurteilen die sittlichen Roheiten nicht nur bei den Farbigen, sondern auch hei den eißen; se haben ihre Ursach in dem Mlilitarismus, der alle brutalen In⸗ tinkte weckt. Wir fordern nicht nur die Beseitigung der Farbigen, sondern der gesamten Truppen überhaupt. enn Deutschland die
Bevingungen des Friedensvertrags über die Stärke seines Militärs erfüllen würde, würde es ein geneigteres Ohr bei der Entente für die
G
4
1920.
Verminderung der Besatzungstruppen finden. Die Interpellant aben kein Wort gegen die unsittlichen Roheiten, die Ihnee . rauen durch deutsche Soldaten begangen sind. Auch in Rußland, elgien usw. haben deutsche Soldaten solche Greueltaten begangen.
(Stürmische Unterbrechungen, andauernde große Entrüstung; Rufe: fui Teufell Sie schmäht das Volk! Ab⸗ Bruckhoff: Unerhörte emeinheit! Präsident Fehrenbach rügt diesen letzteren Zuruf.)
Mit diesem Zuruf heißen Sie nur die Freveltaten der deutschen.
Soldaten gut. (Erneuter Lärm, stürmische Schlußrufe, wioderholte
Rufe: Unerhört! Vaterlandsschänderin! st das der Protest gegen
die Schandtaten der Schwarzen! Raus! Raus! — Die Rechte das
Zentrum und die Demokraten verlassen den Saal). Das alles ist
nur ungeheurer Rassenhaß, wie er sich auch in der Judenhetze zeigt.
(Präsident Fehrenba Diese Ausführungen gehören nicht im
entferntesten zum Gegenstand der Tagesordnung. s dieser Gegen⸗
stand mit den Juden zu tun hat, weiß ich nicht. Es ist nur ein
Rassenkampf gegen die Schwarzen. (Lebhafter Widerspruch bei den
Soz. Zuruf: Schamlos! Auch der größte Teil der Mehrheits⸗
Hö verläßt den Saal. Wir wollen es uns merken, daß ein
Sozialdemokrat die Chrüepahhen Bestien nennt. Daß die Schwarzen
in der Zivilisation zurückgeblieben sind, ist die Schuld aller kapita⸗
listischen “ ie deutsche Kolonialpolitik ist eine einzige
Geschichte der deutschen Greuel. (Präsident Fehrenbach: Diese
Aeußerung entspricht nicht der Ordnung des Hauses, ich rüge sie.)
Den Rassenhaß machen wir nicht mit. (Beifall b. d. Unabh. Soz.) Abg. Fra Mende (D. Pp.): Die übrigen Parteien wollten
nicht mehr sprechen aber die Ausführungen der Frau Zietz können
unmöglich unwidersprochen hinausgehen, um nicht die Meinung auf⸗ kommen zu lassen, als ob Frau Zietz den 1 Teil der deutschen
Bevölkerung vertrete. Wir verurteilen nicht die Schwarzen als die
einzigen Schuldigen, die Schuld liegt bei denen, die die Schwarzen
hierhergeschickt haben. (Sehr richtig!) Das ist ein Mißbrauch der
Schwarzen, den wir nicht dulden wollen. Wie man ein Wort der
Vertei diese Zustände haben kann, ist mir unklar. (Abg.
Dr. Kabl: Sehr richtig!) Ich verstehe auch nicht, wie man die Zu⸗
stände in Deutschland damit vergleichen kann. H brauchen wir
nicht das Parlament, sondern haben unsere Gerichte. Auch der läßt uns das Recht, im Innern für Ordnung zu orgen; aber segen die schwarze Besatzung können wir leider nicht vor⸗ gehen. Wir bedauern aus tiefstem Herzen, daß sich eine deutsche Frau gefunden hat, diese Zustände zu verteidigen. (Lebhafte Zustimmung.)
Hier wäre eine Gelegenheit, wo alle Deutschen ohne Ausnahme,
Mann und Frau. einig sein müßten. Wir müssen alles tun, um diese
schwarze Schande von uns abzuwälzen. Wir wollen nicht den Rassen⸗,
haß, die Gegner haben ihn erzeugt. Ich möchte den sehen, der es, fertig bringt, noch Liebe für einen Schwarzen zu haben, der ein viert⸗ zehnjähriges Mädchen vergewaltigt hat. (Ruf rechts: Frau Zie bringt es fertig!) Hier könnte das Zentrum seinen ganzen Einf lu einsetzen, um sich an den Fül zu wenden, der als Oberhaupt der katholischen Kirche diese Kulturschande bei den Völkern, die zu
rößten Teil katholisch sind, müßte überwinden können. Frau Röhz
t im Namen der Frauen der Deutschen Nationalversammlung ges⸗ hrochen und hat einstimmig die Fraktionen hinter sich. Ich habe ihren Worten nichts hinzuzufügen. (Lebhafter Beifall.) .
Abg. Frau Zietz: Es ist eine vollständige Verdrehung (stürmz⸗ ches Gelächter), wenn Frau Mende sagt, ich hätte das un füeng.
ch habe nachgewiesen, 82% solche viehischen Roheiten auch bei den eißen begangen sind. (A. 9. Dr. Becker⸗Hessen (D. Vp.): Eine
Frau Zietz ist nur im deutschen Parlament möglichl)
Damit schließt die Besprechung.
Abg. Beuckhoff (Dem.): Ich habe gerufen: Unerhögte Se⸗ meinheikl, habe damit aber nicht Gemeinheiten deutscher Soldaten decken wollen. ch bin genug im Auslande gewesen und weiß, daß solche Gemeinheiten von deutschen Soldaten nicht begangen sind. Jeder anständige Mensch in der Nationalversammlung hat das Ge⸗ fühl, daß Frau Zietz die Gemeinheiten der Senegalneger decken will. (Sehr gut!)
Es folgt die Interpellation der Deutschnationalen, be⸗ treffend die Maßnahmen der Internationélen Schleswig⸗Kommission.
Abg. Laverrenz (D. Nat.): Mit banger Sorge verfolgt das deutsche Volk die Entwicklung der Dinge in der Nordmark. r der weiten Akstimmungszone hat sich eine große deutsche Mehrheit gxgeben.
m so verwunderlicher ist es, daß in Kopenhagen Strömungen an der Arbeit sind, die sich bemühen, Schlaswig dauernd zu internationglisieren. Alles spitzt sich zur Katastropbe zu. Die Stundenlöhne schnellen empor und erreichen vielfach einen Satz von mehr als 10. ℳ, ein Ausfluß der Kronenwährung. Die Internationale Kommission hat nach dem Wortlaut des Friedensvertrages kein Recht, die dänische Währung in das besetzte Gebiet erster Zone einzuführen. Die Währung muß bis zur Uebertragung der Hoheitsrechte Inbedin deutsch bleiben. Die dänische Verwaltung kann einstweilen nur als Organ der Internationalen Kommission angesehen werden Die deut⸗ schen Beamten in ienen Gegenden leiden besonders schwer unter jenen Verhältnissen. Das Verhalten Dänemarks stellt eine Unfraundlichkeit dar, die einen schlechten Auftakt zur künftigen Verständigung ist. Ab⸗ hilfe tut not.
Reichsminister des Auswärtigen Dr. Köster: Meine Damen und Herren! Die in der Interpellation angeführten Tassachen sind, soweit sie die erste Zone Schleswigs betreffen, richtig. Gerade von heute an tritt in der ersten nordschleswigschen Zone die Kronen⸗ währung in Kraft, und es hat für uns keine Möglichkeit gegeben, trotz der energischen Versuche, die die deutsche Regierung in dieser Beziehung gemacht hat, einen Aufschub dieser Maßnahmen durchzu⸗ setzen. Es sind sofort, als wir davon hörten, daß diese Maßnahme in Flensburg und Kopenhagen erwogen wurde von der unheilvollen wirtschaftlichen Tragweite eines solchen Entschlusses überzeugt gewesen. Diese allein schon wäre Grund genug gewesen, uns mit allen Mitteln gegen die Einführung der Kronenwährung in Nordschleswig zu stemmen. Es handelt sich hier aber um einen Schritt, der weder mit dem Geiste noch mit dem Wortlaute des Friedensvertrages vereinbar ist. (Sehr richtig! rechts.) Wie der Herr Interpellant schon ausge⸗ führt hat, ist die Souveränität in der ersten Zone trotz der nach dem Friedensvertrage erfolgten dänischen Besetzung noch bei Deutschland verblieben.
Die Finanzhoheit ist ein Ausfluß der Souveränität: sie durfte also nicht geändert werden, solange das Land zu Deutschland gehörte. Offenbar hat man sich auch bis zuletzt in Flensburg wie in Kopen⸗ hagen gescheut, zu der Währungsänderung zu schreiten: denn unter den Vorschlägen, die seitens der Internationalen Kommission unserem Vertreter in Flensburg übermittelt wurden, befirdet sich ein uns mitgeteilter Entwurf, eine Abmachung zwischen der Internationalen Kommission und der dänischen Regierung, wo es heißt: Zölle und Währung bleiben vor der Hand unverändert. (Lört! hört! rechts.) Es scheint, daß man seit jener Zeit die bis dahin eingehaltene grade Linie dieser den früheren Abmachungen und dem F riedensvertrage ent⸗