1920 / 210 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 17 Sep 1920 18:00:01 GMT) scan diff

1114X“ 88 8 8E11“ 8 8 8 Bodenstedt sagt in den Liedern des Mirza Schaffi: „Verhaßt ist mir Diese Worte widme ich

die Heuchelei der kriegerischen Nazarener.“ se 4 2 allen Pfaffen, die auf dem Standpunkt der verflossenen Gesellschaft stehen. Mögen sie noch so viele Zwangsgesetze machen. Das Prole⸗ tariat wird darüber hinweggehen und wird sie Ihnen bei der nächsten Gelegenheit gründlicher als am 9. November zerrissen vor die Füße werfen. (Lebhafter Beifall b. d. U. Soz.) Abg. D. Rade (Dem.): Unser Volk wird nicht wieder in die Höhe kommen, wenn wir nicht eine Volkskirche bekommen, zu der auch Sie von der Linken Zutrauen haben können. Ausschreitungen, wie sie der Abg. 1“ dokumentarisch vorgelegt hat, hören wir herzlich ungern. Bei dem vorliegenden Gesetz treten wir für die Befreiungs⸗ frist ein. Wir wollen, daß es nicht leichtfertig zugeht bei dem Aus⸗ tritt. Es braucht sich niemand in seinem Gewissen beschwert zu fühlen, wenn man ihm sagt, überlege dir die Sache noch einmal. Wir treten auch für die Steuerfrist ein, wobei wir vor allem dem begegnen wollen, daß reiche Leute austreten, nur um sich der Kirchensteuer zu entziehen. Abg. Linz⸗Barmen (D. Nat.): Die Angriffe des Herrn Hoffmann gegen die Kirche und gegen die Geistlichkeit sind in der Sache so unberechtigt und in der Form so maßlos, daß sie nach dem Urteil jedes objektiv Denkenden gerichtet sind. Es sind immer dieselben Ladenhüter, die Herr Hoffmann aus der sozialdemokratischen Rumpelkammer hervorholt. Was die Sache selbst anbetrifft, so muß ich zunächst der Freude meiner politischen Freunde Ausdruck geben, daß nach der Haltung der Kommission die begründete Hoffnung besteht, daß nunmehr das Notgesetz über die Erleichterung des Austritts vom 13. Dezember 1918, dieser Wechsel⸗ balg der Revolution, nach langer Wirksamkeit endgültig von der Bildfläche veeh nhet s war eine vollkommen überstürzte und überflüssige Maßnahme, die veranlaßt hat, daß der Massenaustritt aus der Kirche im großen organisiert wurde. Bei den Austritten spielte die Steuerfrage eine nicht unbedeutende Rolle. Die große Ernte, die die Sozialdemokratie in Berlin hatte, wird sich in diesem Umfange nicht wiederholten. Der Erfolg der Agitation steht in gar keinem Verhältnis zu dem Aufwande und beweist, wie fest die An⸗ hänglichkeit an die Kirche im Volksbewußtsein wurzelt. Die Aus⸗ tritte im Lande sind absolut und prozentual weit geringer als in Berlin. Die kirchliche Austrittsbewegung hat bereits ihren Höhe⸗ punkt überschritten. Aus allen Stürmen ist die Kirche immer wieder siegreich hervorgegangen, weil die Menschheit auf Gott angewiesen ist und die Religion nicht entbehren kann. Das Volk bedarf eines festen Haltes und einer zuverlässigen Stütze im Anschluß an eine feste kirchliche Organisation. An der Berechtigung und Kraft der Kirche werden alle Zersplitterung⸗ und Zerstörungsbestrebungen scheitern. Besonders unsere Frauen mit ihrem zarten, religiösen Ge⸗ fühl und ihrem tiefen religiösen Empfinden fühlen sich durch die Agitationsmethode auf religiösem Gebiete abgestoßen. Aus zwei Gründen hauptsächlich ist die zialdemokratie so feindlich gegen die Kirche: einmal weiß sie genau, daß⸗ wenn man den Menschen erst die Religion, den Glauben, das Bewußtsein der Verantwortlichkeit gegenüber einem höheren Wesen genommen hat, er eher ein Spielball seiner Leidenschaften wird und so unrettbar der Agitation der So⸗ zialdemokratie verfallen ist. Der zweite Grund ist der, daß durch die bloße Eristenz der Kirche mit ihrem metaphysischen Hinter⸗ grunde und ihren sittlichen Forderungen dem Materialismus ein Damm gesetzt ist. Die Sozialdemokratie wird beherrscht vom Bol⸗ schewismus auf religiösem Gebiete. Die Ueberlegungsfrist wurde im Dezember 1918 mit einem Schlage beseitigt Abg. Stendel (D. V.): Bei dem Austritt aus der Kirche sollte jede Uebereilung ausgeschlossen sein. Die Ausübung irgend eines Druckes, auch wirtschaftlicher Art, billigen auch wir nicht. Den Antrag Koch begrüßen wir, weil wir die Massenaustrittserklärungen verhindern wollen. Die Anträge, den Schluß des Steuerjahres maß⸗ gebend zu erklären für das Erlöschen der Steuerpflicht, unterstützen wir. Unüberlegte Austritte müssen tunlichst verhindert werden. 1e. ann (Soz.): Für die sozialdemokratische Partei ist die Religionsfrage keine Parteifrage. Wir sind nicht religions⸗ feindlich. (Widerspruch rechts und im Zentrum.) Wer aus der Kirche austritt, dem sollte man keine Steuergroschen mehr ab⸗ nohmen. (Sehr richtig! links.) Macht man damit moralische Er⸗ oberungen? Durch unbequeme Formalitäten sollte man die Leute nicht bei der Kirche festhalten. Weg mit der Ueberlegungsfrist! Abg. Richter⸗Lichtenberg (U. Soz.): Wir verlangen die Zu⸗ lässigkeit einer Kollektivaustrittserklärung schon mit Rücksicht auf die Papierersparnis. (Gelächter und Zuruf rechts: Nun hören Sie aber auf!) Abg. Koch⸗Oeynhausen (D. Nat.) wendet sich gegen die Möglich⸗ keit, mehrere Austritte in einer Erklärung zusammenzufassen. Es sollen nur Einzelerklärungen zugelassen werden. Für uns steht mehr auf dem Spiele als einige Steuerngroschen, nämlich daß auf diese Weise unser Volk ganz bestimmt nicht den Weg zur Föhe hinauf⸗ findet. Was können Sie (nach links) denn als Ersatz bieten für die Zerstörung der inneren Erhebung durch die Religion? Die christ⸗ liche Kirche hat seit ihrem Bestehen die große Aufgabe, Gwigkeits⸗ werte in unserm Volke zu schaffen. Ohne sie wird es auch in Zu⸗ kunft nicht gehen. Damit schließt die Aussprache. Die Anträge Koch (D. Nat.), wonach nur Einzelerklärungen zulässig sein sollen, und wonach der Austritt von Familienmitgliedern in der⸗ selben Urkunde erklärt werden darf, werden ange⸗ nommen. 1 wicod gegen die beiden sozialdemokratischen Parteien angenommen. Der Rest des Gesetzes gelangt unverändert zur Annahme. Damit ist die zweite Lesung erledigt. Das Haus vertagt sich.

MNiächste Sitzung: Freitag 1 Uhr: Kleine Anfragen, An⸗ träge aller Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen über Oberschlesien und das Saargebiet, dritte Lesung der Umlegungs⸗ ordnung und des Kirchenaustrittsgesetzes.

Schluß 6 ½ Uhr.

Kunst und Wissenschaft.

Gemäldegalerie der Münchener alten Pinakothek hat mehrere neugeordnete Räume neu eröffnen können. Im Eingangssaal wurden die altdeutschen und altnieder⸗ ländischen Altäre vereinigt. An dem Platz, an dem Deutschland von Grünewalds Isenheimer⸗Altar hat Abschied nehmen müssen, steht jetzt in der Mitte des Saales das Hauptwerk der Malerei des alten deutschen Tirol, der großartige Kirchenväteraltar von der Hand des Michael Pacher aus Bruneck im Pustertal. Der Dürer⸗Saal ist glücklich umgeordnet: Direktor Dornhöffer hat die vier Apostel zu⸗ sammengehängt, bisher trennte sie die altnürnbergische Kreuzigung von Pleydenwurff. Und in dieser Anordnung hat Dürers Werk eine be⸗ sonders starke Wirkung erhalten. An der anderen Wand hängt in der Mitte Grünewalds Disputation der heiligen Erasmus und Mauritius zwischen zwei lebensgroßen Frauenakten Cranachs. Die größte Ver⸗ üänderung haben die hintersten Säle, die der Venezianer, Franzosen und Spanier erfahren. Tizians Meisterwerke hängen jetzt in einem zum AOchteckraum umgestalteten Saale, die Spanier in dem früheren Barocksaal, der mit Scherwänden unterteilt wurde, hier auch die Franzosen, und als Ueberraschung findet der Besucher der Pinakothek in einem zweiten Achtecksaale herrliche Staatsporträts deutscher Fürsten aus dem deutschen Barock und Rokoko, Stücke, die bei der Uebernahme der Schlösser durch den Staat als galeriereif erkannt wurden.

In dem oberste irischen Benediktinerstift Sankt Lamprecht ist einer Meldung der Wiener „Reichspost“ zufolge eine vierseitige Pergamenthandschrift des „Willehalm“, eines unvoll⸗ endeten Heldengedichts von Wolfram von Eschenbach, aufgefunden. Das Manuskript umfaßt ungefähr 300 Verse.

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Gesundheitswesen, krankheiten und Absperrungs⸗ maßregeln.

Kopenhagen, 17. September. (W. T. B.) Auf dem Dampfer „Lima“ ist, wie aus Stockholm gemeldet wird, die Pest festgestellt worden. In Gotenborg hatten neun Deutsche und zwei Schweden vorher das Schiff verlassen. Von den elf Personen scheint aber keiner von der Pest angesteckt worden zu sein.

Verkehrswesen.

Zur Frage der Linienführung des Weser Elbe⸗ Kanals hat die Handelskammer in Berlin am 10. September 1920 eine Erklärung abgegeben, in der sie daran erinnert, daß sie sich in ihrer Vollversammlung vom 9. April d. J. unter Bezugnahme auf ihre Entschließung vom 5. Dezember 1919 sich erneut für die Mittellinie ausgesprochen habe. Neben den wiederholt von ihr bekanntgegebenen Gründen geschah dies unter Betonung der folgenden Er⸗ wägungen: Die Kohlenversorgung des ostdeutschen Wirtschaftsgebiets, die bisher Aufgabe Oberschlesiens war, werde unter Umständen in steigendem Maße auf Westfalen angewiesen sein; sie erfordere die schnellste, billigste und sicherste Schiffahrtsverbindung. Neben den schiffahrtstechnischen Gründen verbiete auch die Internationalisierung der Elbe eine Spiegelkreuzung; es könne vielmehr, um dem Mittel⸗ landkanal den Charakter einer deutschen Wasserstraße zu erhalten, nur eine Kreuzung der Elbe auf einer Kanalbrücke in Betracht kommen. Inzwischen haben sich der Landeswasserstraßenbeirat und fünf von den sechs Bezirks⸗Wasserstraßenbeiräten mit überwiegender Stimmenmehrheit für die Mittellinie erklärt. In dem der Landes⸗ versammlung neben der Mittellinie zur Beschlußfassung vorgelegten Entwurf einer sog. Kompromißlinie, die die Vorteile der Mittel⸗ und Südlinie miteinander zu verbinden sucht, indem sie der letzteren bis Altenweddingen östlich Oschersleben folgt und, Magdeburg west⸗ lich umgehend, gleichfalls auf einer Brücke unterhalb Magdeburgs die Elbe kreuzt, in dieser Linie, die nur um wenige Kilometer kürzer als die alte Südstrecke ist und noch sechs Schleusen aufweist, könne eine entscheidende Besserung nicht erblickt werden. Der erhebliche Umweg bleibe ebenso wie die Notwendigkeit zeitraubender zahlreicher Schleusungen bestehen; beides bewirkt den Mehraufwand eines vollen Arbeitstages für den Durchgangsverkehr. Die Handels⸗ kammer in Berlin legt Wert darauf zu betonen, daß ihre Bedenken gegen die süͤdliche Linienführung nicht auf örtlichen Erwägungen beruhen, sondern ausschließlich der Sorge um die gesamten vpaterländischen Wirtschaftsinteressen entspringen. Gegenüber diesen und andern Erwägungen, namentlich solchen, die den Durchgangs⸗ und Lokalverkehr betreffen, seien die von den An⸗ hängern der Südlinie erhofften, zum großen Teil überschätzten Vor⸗ teile nicht ins Gewicht fallend. Sie seien auch nicht unbedingt an die Südlinie gebunden, sondern werden zum wefentlichen durch den dem Reiche verbleibenden Bau des an die Mittellinie anschließenden Kanals nach Staßfurt und Bernburg und weiter nach Halle und Leipzig gewährleistet. Den wasserwirtschaftlichen Aufgaben des Tal⸗ sperrenbaues im Harzgebiet zur Kraftgewinnung und zum Hochwasser schutz sucht die gegenwärtige Vorlage auch im Zusammenhange mit der Mittellinie gerecht zu werden. .““

Verdingungen.

Ddie Eisenbahndirektion Elberfeld schreibt den Verkauf aus von 4506 t alten Oberbau⸗ und Baustoffen, bestehend aus zu Eisenbahnzwecken nicht mehr verwendbaren 313 t stählernen Schienen (Stücke, gebogene und Leitschienen), 3107,5 t Quer⸗ und Weichenschwellen, 630 t Weichenteilen (Zungenvorrichtungen, Herz⸗ stücke), 435,5 t Eisen⸗, Stahl⸗, Guß⸗ und Blechschrot. (Näheres siehe im Anzeigenteil des „Reichs⸗ und Staatsanzeigers“.)

Montevideo, 17. September. (W. T. B.) Die Postverwal⸗ tung hat zum zweiten Mase ein öffentliches A usschreiben ver⸗ anstaltet für den Bau eines unterirdischen Fern⸗ sprechnetzes in Montevideo. Der Zuschlag wird am 18. Dezember d. J. stattfinden. Die Oeffnung der Angebote, welche der Postverwaltung unterbreitet werden, wird ohne Rücksicht auf die Zahl der Bewerber erfolgen.

Nr. 8 des „Reichsverkehrsblatts“, herausgegeben im Reichsverkehrsministerium, vom 4. September 1920 erschien mit folgendem Inhalt: Verordnung vom 30. Juli 1920, betr. Aendernng der Postscheckordnung vom 22. Mai 1914 und der Postscheckordnungen für Bayern und Württemberg; Bekanntmachung vom 3. August 1920 über die Einreihung von Orten in andere Klassen des Wohnungs⸗ geldzuschußtarifs; Gesetz vom 3. August 1920 über die Enteignung von Grundeigentum und über die Beitragsleistung bei der Kanali⸗ sierung des Neckars von Mannheim bis Plochingen und des Mains von Aschaffenburg bis Bamberg sowie zum Ausbau der Donau von Passau bis Kelheim; Verordnung vom 4. August 1920, betr. die Errichtung ceiner oberen Baubehörde für die Kanalisierung des Neckars von Mannheim bis Plochingen und der ihr unterstellten Bauämter; Gesetz vom 10. August 1920, betr. Aenderung der Verordnung über Lohnpfändung; Gesetz vom 11. August 1920, betr. Aenderung des Gesetzes über Postgebühren vom 29. April 1920; Bekanntmachung vom 16. August 1920, betr. Einreihung bayerischer Orte in das Orts⸗ klassenverzeichnis des Befoldungsgesetzes; Nachrichten.

8 Theater und Musik.

Im Opernhause wird morgen, Sonnabend, „Susannens Geheimnis“ mit Fräulein Schwarz und den Herren Ziegler und Philipp in den Hauptrollen aufgeführt. Musikalischer Leiter ist der Generalmusikdirektor Leo Blech. Ferner werden die Balletts „Silhouetten“ und „Kostümball“ gegeben. Hervorragend beschäftigt sind darin die Damen: Peter, Geisel, Bowitz und die Herren Kröller, Molkw, Eckart, von Leoon und Haffner. Musikalischer Leiter ist der Kapellmeister Otto Urack. Anfang 7 Uhr.

Im Schauspielhause geht morgen „Coriolan“ mit Theodor Becker in der Titelrolle in Szene. Anfang 7 Uhr.

Die nächste Einstudierung im Deutschen Theater bringt Mittwoch, den 22. September, Gerhart Hauptmanns „Einsame Menschen“. Die Besetzung ist folgende: Vockerat: Werner Krauß, Frau Vockerat: Else Lehmann, Johannes Vockerat: Alexander Moiss, Käthe Vockerat: Maria Leiko, Braun: Joseph Ewald, Anna Mahr: Agnes Straub, Pastor Kollin: Max Kronert, Frau Lehmann: Elise Zachow⸗Vallentin, Amme: Sophie Pagay. Spielleiter ist Fritz Wendhausen.

Dr. Ernst Kunwald bringt in dem zugunsten der Bruckner⸗Vereinigung am 24. d. M. in der Phil⸗ harmonie stattfindenden Orchesterkonzer die IV. (Romantische) Symphonie von Bruckner. 8 b

Mannigfaltiges.

Die Kreditierung der Fernsprechanleihe. Die Tatsache, daß die am 1. Oktober fällige Fernsprechanleihe nicht nur in bar, sondern auch mit Hilfe einer Versicherungs⸗ gesellschaft, nämlich der Deutschen Volksversicherung, einbezahlt werden darf, hat den Anlaß zu dem immer wieder auf⸗ tretenden Mißverständnis gegeben, daß der Fernsprechteilnehmer hierbei eine Versicherung eingeht. Das ist nicht der Fall; es handelt sich um einen Kreditauftrag. Der Fernsprechteilnehmer, der die Aufhebung seines Anschlusses vermeiden möchte, den Fernsprechbeitrag aber auch nicht in bar zahlen will pder kann, erteilt den Auftrag, den gesetzlichen Beitrag von 1000 für den Hauptanschluß und von 200 für den Nebenanschluß auf die Dauer von 10 Jahren

für ihn bei der Post Der Teilnehmer verpflichtet sich als Gegenleistung hierfür eine vierteljährliche Vergütung z. Zt. von 8,75 für je 1000 zu zahlen sowie eine einmalige Einschreibe⸗ gebühr von 20 ℳ. Hat der Fernsprechteilnehmer diesen Kreditauf⸗ rag bei der Post gestellt, so kann er das weitere abwarten. Die Post zieht die einmalige Einschreibegebühr ein, ebenso die vierteljährlichen, postnumerando zahlbaren Vergütungen gleichzeitig mit den Fernsprech⸗ gebühren. Wenn der Fernsprechteilnehmer den Anschluß vor Ab⸗ lauf der zehnjährigen Frist aufgibt, so zahlt die Post den Beitrag an die Deutsche Volksversicherung zurück, und der Fernsprechteilnehmer ist für die künftige Zeit von jeder weiteren Verpflichtung befreit. Er kann seinerseits auch zu jedem Quartalsersten den Beitrag bei der Post selbst einzahlen und dadurch das Vertragsverhältnis mit der Deutschen Volksversicherung beenden. Der bequeme Weg und die in heutiger Zeit für die Geschäftswelt günstigen Kreditbedingungen haben, wie wir hören, zu einer starken IJ nanspruchn ahme geführt; auch Großunternehmungen, die jedes Kreditbedürfnis in be⸗ liebiger Höhe anderweit würden decken können, haben sich bei der Regelung der Fernsprechanleihe der Deutschen Volksversicherung bedient. (W. T. B.)

In der Treptower Sternwarte finden in den nächsten Tagen folgende Film⸗ und Lichtbildervorträge statt: Sonntag, Nach⸗ mittags 3 Uhr: „Aus fernen Landen“, 5 Uhr: „An den Ufern des Rheins“, Abends 7 Uhr: „Die Bewohnbarkeit der Welten“ (Lichtbilder⸗ vortrag); Dienstag, Abends7 Uhr: „Kometen und Sternschnuppen’ (Vor⸗ trag mit Lichtbildern des Direktors Dr. Archenhold); Mittwoch, Abends 7 ¼ Uhr: „Sizilien und das Vulkangebiet Süditaliens“ (Lichtbilder⸗ vortrag von Herrn Max Nentwich); Sonnabend, den 25. September, Nachmittags 5 Uhr: „Japan, Land und Leute“. Mit dem großen Fernrohr werden bei klarem Wetter von 2 bis 5 ½ Uhr die Sonne oder die Venus, von 5 ½ bis 11 Uhr der Mond, Doppelsterne und Nebel beobachtet. Führungen durch das astronomische Museum finden täglich in der Zeit von 2 Uhr Nachmittags bis 8 Uhr Abends statt.

Königsberg, 16. September. (W. T. B.) Der Ab⸗ transport der nach Deutschland übergetretenen russischen Truppen ist voraussichtlich in einigen Tagen beendigt. Sodann sollen bis Mitte Oktober die Wälder im Süden und Osten und in der Umgegend der Lager systematisch nach flüchtigen Russen abgesucht werden. Die aufgebotenen Ortswehren werden bis zu diesem Zeitpunkt allmählich vermindert; ein Teil der aufgebotenen Grenzwehr wird voraussichtlich noch vorher entlassen werden können.

Amsterdam, 17. September. (W. T. B.) Dem „Tele⸗ raaf“ zufolge meldet „Times“ aus New York, daß bei einer urchtbaren Explosion, die zur Börsenzeit an der Ecke der Wallstreet und des Broadway, dicht

egenüber dem Bankkontor der Firma Morgan fte 30 Pe rsonen getötet und ungefähr 200 verwundet wurden. Alle Fensterscheiben der Börse und zahlreiche Wolkenkratzer in der Umgegend wurden zertrümmert. Die Ursache der Explosion ist noch nicht bekannt. Vielfache Gerüchte laufen um. Es wird be⸗ hauptet, daß zwei Personen in einem Kraftwagen vor Morgans Kontor erschienen und dort eine Bombe warfen. Tatsächlich wurden auch die Reste eines vernichteten Kraftwagens gefunden. Es wird auch be⸗ hauptet, daß ein Automobil mit einem Wagen, der Dynamit führte, zusammenstieß. Die Verwüstung ist entsetzlich. Auf der Straße lagen die toten und verwundeten Menschen und eine Anzahl von getöteten Pferden in großen Blutlachen umher. Auch viele Gebäude wurden mit Blut bespritzt. Der Sohn von Pierpont Morgan gehört zu den zahlreichen Verwundeten. Viele Börsenangestellte und Makler befanden sich im Augenblick des Unglücks auf der Straße. Ein großes Polizei⸗ und Militäraufgebot hat das Börsenviertel abgesperrt. Die Börse wurde auf Befehl des Gouverneurs geschlossen. Der Schaden beträgt mindestens zwei Millionen Dollar.

Rotterdam, 16. September. (W. T. B.) Laut „Nieuwe Rotterdamsche Courant“ sind in London verspätete Meldungen ein⸗

getroffen, wonach ein großer Stapelplatz von englischen

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Heeresautomobilen im August in Bagdad von feind⸗ lichen Arabern in Brand gesteckt wurde. Der Brand wütete zwei Tage. Der Schaden beträgt nach amtlicher Schätzung

zwei Millionen Pfund Sterling.

(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

Thegter. Opernhaus. (unter den Linden.) Sonnabend: 153. Dauer⸗

bezugsvorstellung. Silhouctten. Susannens Geheimnis. Kostümball. Anfang 7 Uhr. Sonntag: Die Frau ohne Schatten. Anfang 6 Uhr.

Schauspielhaus. (Am Gendarmenmarkt.) Sonnab.: 161. Dauer⸗ bezugsvorstellung. Coriolan. Anfang 7 Uhr.

Sonntag: Nachmittags: 4. Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen: Gespenster. Anfang 2 ½ Uhr. Abends: Die J

nalisten. Anfang 7 Uhr.

Familiennachrichten.

Verlobt: Gräfin Thals Lüders Weimarn mit dem Ritterguts

Wedel mit Hrn. Oberleutnant Otto⸗Adalbert von Knobelsdorff

(Clapton b. Fritzow, Bez. Köslin—Kolberg). Frl. Melle

von Schnitzler mit Hrn. Landgerichtsrat Walther Abegg (Kölrn

g. Rh.— Tüsseldorf). Frl. Esther Margarethe von Brock häusen mit Hrn. Gerhard Müller, cand. med. (Langen b. Damm rrrug, Kr. Ruppin-Kiel).

Georg Henning Graf Bassewitz⸗Behr (Breslau). Freiin von

der Leyen zu Bloemersheim mit Hrn. Henning von der Osten⸗ Blumberg (Hans Meer).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Oberstleutnant Paul von Troschka (Ludwigslust). Hrn. Adolf⸗Cord von Restorff⸗Schwengels Gurzeit Königsberg i. Pr.). Eine Tochter: Hrn. Gutsbesitzer Eugen Peucker (Brieg).

band). 1 Osterode a. Harz.

Verantwortlicher Schriftleiter: J. V.: Weber in Berlin.

Rechnungsrat Mengering in Berlin. Verlag der Geschäftsstelle Mengering) in Berlin. Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, 1 BDeerlin, Wilhelmstraße 32. (einschließlich Börsenbeilage und Warenzeichenbeilage Nr. 75 A und B)

und Erste und Zweite Zentral⸗Handelsregister⸗Beilage.

besitzer und Leutnant d. Res. Hrn. Carl Ludwig von Bolschwing⸗ Schönbruch (Hämäleis b. Tali, Finnland). Frl. Jutta von

Verehelicht: Gräfin von Pfeil und Klein Ellguth mit Hrn

Gestorben: Ob st 1

Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteher der Geschäftsstelle

S

1 Erste Beilage 12 ichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeig

Verlin, Freitag, den 17. September

Richtamfliches.

(Fortsetzung aus dem Hauptblatt.)

Statistik und Volkswirtschaft. Der Viehstand in Preußen am 1I. Juni 1920

im Vergleich mit dem der Vorjahre.

Wie schon bei der Viehzählung am 1. März d. J. waren auch bei der am 1. Juni vorgenommenen die Kreise Hadersleben, Apen⸗ rade, Sonderburg sowie Teile der Kreise Tondern und Husum, die in der 1. Abstimmungszone in Schleswig⸗Holstein liegen, von der Er⸗

hebung ausgeschlossen. Die Viehzählung erstreckte sich auf die nach

der Ratifizierung des Friedensvertrags hei Preußen verbliebenen 235 Kreise einschließlich der Abstimmungsgebiete in Ostpreußen und

Schlesien. Zählung für den ganzen

Ergebnis dieser

Staat ist vom Statistischen Landesamt in der „Stat. Korr.“

dargestellt. Zu Vergleichszwecken sind die Viehbestandsziffern na der Viehzählung vom März d. J. und vom Juni 8 Veiabrs 8 wie die Zahlen der letzten Viehzählung vor dem Kriege, die am 1. Dezember 1913 stattgefunden hat, aufgenommen, soweit sie sich auf das Staatsgebiet heutigen Umfanges beziehen. Die Ergebnisse der Zählung vom 1. Dezember 1913 lassen sich allerdings mit dem gegenwärtigen Bestande nicht vergleichen, da sie aus einer anderen Jahreszeit stammen; sie gehen aber eine Vorstellung von der Ein⸗ buße, die die Viehwirtschaft in Preußen infolge des Krieges er⸗ litten hat. Es wurden in Preußen am 1. Juni d. J. gezählt:

Pferde 2491 146 gegen 2 386 401 am 1. März d. J,, 2 447 978 am 2. Juni 1919 und 2 644 898 am 1. Dezember 1913.

Rindvieh 9 299 402 Stück gegen 8 861 636 am 1. März d. J., 8 738 702 am 2.⸗Juni 1919 und 10 449 796 am 1. Dezember 1913, darunter noch nicht 3 Monate alte Kälber 1 382 604 gegen 943 970 bezw. 1 314 879 und 924 847, 3 Monate bis noch nicht 2 Jahre altes Jungvieh 2 648 970 Stück gegen 2 715 274 bezw.

2 234 und 3 154 640, 2 Jahre alte und ältere Bullen, Stiere und Ochsen 434 828 gegen 406 423 bezw. 425 306 und

695 596, 2 Jahre alte und ältere Kühe 4833 000 gegen 4 795 969

bezw. 4 706 283 und 5 674 713.

Schaffe 4 636 026 gegen 4 024 989 am 1. März d. J., 4 006 498 1 2. Juni 1919 und 3 346 043 am 1. Dezember 1913, darunter noch nicht 1 Jahr alte Schafe und Schafböͤcke einschließlich der Lämmer 1 757 554 gegen 1 261 554 bezw. 1 534 721 am 1. März d. J. bezw. 2. Juni 1919, 1 Jahr alte und ältere Schafe und Schafböcke 2878 472 gegen 2 763 435 bezw. 2 471 777.

Schweine 7 891 112 gegen 6 218 909 am 1. März d. J.,

648 923 am 2. Juni 1919 und 15 594 980 am 1. Dezember 1913,

darunter noch icht ½ Jahr alte 5687 948 gegen 4 471 735 am 1. März d. J., 3 972 083 am 2. Juni 1919, —X bis noch nicht 1 Jahr alte 1 342 275 gegen 1 012 094 bezw. 1 004 456, 1 Jahr alte und ältere Schweine 860 889 gegen 735 080 bezw. 672 384.

Ziegen 3 018 260 gegen 2 265 747 am 1. März d. F., 2 825 291 am 2. Juni 1919 und 1 910 888 am 1. Dezember 1913 darunter noch nicht 1 Jahr alte Ziegen und Ziegenböcke einschließlich der Lämmer 1 086 789 gegen 537 197 am 1. März d. J., 1 025 499 am 2. Juni 1919, 1 Jahr alte und ältere Ziegen und Ziegenböcke 1 931 476 gegen 1 728 550 bezw. 1 799 792.

Federvieh 40 331 656 Stück gegen 29 297 674 am 1. März d. J., 31 944 026 am 2. Juni 1919, darunter Gänse 6 240 300 gegen 1 711 343 bezw. 5 005 968, Enten 2 048 176 gegen 965 566 bezw. 1 664 971, Hühner 31 657 649 gegen 26 399 716 bezw. 25 028 469, Trut⸗ und Perlhühner 385 531 gegen 221 049

bezw. 244 618. Viehhaltende Haushaltungen 3744 807 gegen 3 559 250 am 1. März d. J., 3 741 719 am 2. Juni 1919 und 2 989 674 am 1. Dezember 1913. „Zu seiner vergleichenden Zusammenstellung des Ergebnisses der Zählung vom 1. Juni d. J. mit dem der früheren Erhebungen bemerkt das Statistische Landesamt:

Das Ergebnis der diesmaligen Zählung zeigt, wie der Vieh⸗ bestand sich in den Frühjahrsmonaten d. J. infolge natürlicher Ver⸗ mehrung entwickelt hat. Bei den Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen kann man die natürliche Aufzucht im allgemeinen als abge⸗ schlossen ansehen, so daß die bei der Junizählung ermittelten Zahlen dieser Viehgattungen die Mengen darstellen, die im laufenden Wirt⸗ schaftsjahr der heimischen Betriebsführung und Versorgung zu Gebote stehen, Bei dem Schweine⸗ sowie dem Federviehbestand, der im Laufe des Sommers noch eine weitere Nachzu t gezeitigt haben wird, haben sich die Bestände schon im verflossenen Vierteljahr in erfreulicher Weise vergrößert.

Im einzelnen weist die gegenwärtige Zahl der Pferde (2,5 Millionen) eine Zunahme um über 100 000 Stück (4,4 vH) seit März dieses Jahres auf, was um so erfreulicher ist, als zur Er⸗ füllung des Friedensvertrages eine Anzahl Pferde abgeliefert werden muß. Die Zunahme beruht allerdings in der Hauptsache auf Ge⸗ burten und berührt den Bestand der arbeitsreifen Pferde, die der Ablieferung anheimfallen, nicht. Im abgelaufenen Vierteljahr hat sich die Pferdezucht wesentlich günstiger entwickelt als in der gleichen Zeit des Vorjahres, in der die Zunahme nur rund 80 000 Pferde oder 3 vH betragen hat. Daher verzeichnet auch der gegenwärtige Pferde⸗ bestand eine Vermehrung um 43 000 Stück gegen die Anzahl im Juni 1919. Im Vergleich mit der Zahl vor dem Kriege aber, die am 1. Dezember 1913 2 645 000 betragen hat, weist er eine Einbuße von 154 000 Stück auf.

Der Rindviehbestand hat sich seit März infolge von Kalbungen um rund 440 000 Stück, d. h. um 4,9 vH, vermebrt und weist augenblicklich eine Menge von 9 300 000 Stück auf. Die Zahl des Großrindviehs hat sich in dieser Zeit durch Aufwuchs der jüngeren Altersgruppe vermehrt, und im besonderen Vft die Kuhmenge von 4 796 000 Stück auf 4 833 000, d. h. um 37 000 Stück, gestiegen und bildet somit einen Bestandteil von 52 vH des gesamten Rindvieb⸗ hestandes. Dank dieser günstigen Entwicklung zeigt die gegenwärtige Stückzahl des Rindviehs im Vergleich mit dem Bestand im Juni des Vorjahrs ein Mehr von 560 000 Stück oder 6 vH. Auch die Zahl der Milchkühe weist bei diesem Vergleich eine Zunahme um 215 000 Stück auf. Berücksichtigt man aber die Bestandsverhältnisse vor dem Kriege, so zeigt der gegenwärtige Rindviehbestand gegen die Zahl am 1. Dezember 1913 einen Verlust von 1 151 000 Stück, der größtenteils, nämlich mit 842 000 Stück, den Kuhbestand betrifft.

Bei den Schweinen hat die Junizählung einen Bestand von rund 7 900 000 Stück gezeitigt. Er ist im Vergleich mit der voran⸗ gegangenen Märzzählung um rund 1 700 000 Stück höher und setzt sich aus 5 700 000 Ferkeln und Läufern und 2 203 000 über ½ Jahr alten Schweinen zusammen. Auch im Vergleich mit dem Stande des 2. Juni des Vorjahrs weist die gegenwärtige Schweinezahl eine Zunahme um über 2 Millionen Stück auf. Berücksichtigt man aber die Bestandszahl nach der Zählung am 31. Dezember 1913 (15 595 000), so findet man, daß die gegenwärtige Menge nur erst die Hälfte des Schweinebesitzes Preußens unmittelbar vor dem Kriege ausmacht. Zwar ist im Laufe des Sommers eine weitere Vermehrung der Schweine zu erwarten, doch wird dadurch der Abstand sich nur ver⸗ ringern, aber nicht ausgeglichen werden.

Der Scha sbestand zählt zurzeit rund 4 700 000 Stück und weist seit März d. J. infolge von Lammungen einen Zugang von fast einer halben Million junger

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Tiere und eine Verme hrung der]· Noten 995,00 1020,00. 8* 1 5 8 ess Süsc

zuchtreifen Schafe und Böcke um über 100 000 Stück auf. Dank

der Schonung und guten Pflege, die der Schafzucht schon seit der zweiten Hälfte der Kriegszeit Wolle . Milch zuteil wurde, zeigt die gegenwärtige Menge gegen den Stand im Juni des Vorjahres einen Zuwachs von 630 000 Stück und über⸗ schreitet auch ansehnlich den im Dezember 1913 (3 346 000 Stück) Henn nesenen 88 tand.

Was schließlich die Tiere, die gleich den Pferden der öffentlichen Bewirtschaftun nicht unterliegen, dleee. n v zeigt sich seit März dieses Jahres bei den Ziegen durch Vermehrung der Geburten eine Zunahme um 750 000 Stück oder 33,2 vH. Insbesondere hat sich die Geflügelzucht wesentlich ausgedehnt, indem sie vom März bis zum Frü jsommer d. J. eine Vermehrung um über 11 Millionen Stück bewirkt hat, so daß die augenblickliche Menge von über 40 Millionen Stück diejenige vom Juni des Vorjahres um mehr als 8 Millionen Stück übersteigt; da aber die Entwicklung des Geflügels sich noch in den Sommermonaten fortsetzt, ist eine weitere erhebliche Zunahme des Federviehbestandes, im besonderen der Gänse und Hühner, zu erwarten.

Arbeitsstreitigkeiten.

8 In Leipzig haben, wie „W. T. B.“ meldet, gestern vor der Kreishauptmannschaft geführte Verhandlungen mit den aus⸗ ständigen Straßenbahnern zu einem Vergleich ga⸗ führt, nach dem der Betrieb so bald wie möglich, spätestens am Sonnabend früh, wiederaufgenommen werden soll. Damit ist der Straßenbahnerausstand nach vierzehntägiger Dauer beendet.

In Wien kann „W. T. B.“ zufolge der elftägige Ausstand der Bühnenangehörigen nunmehr als beendet angesehen werden. 3

Nach einer von „W. T. B.“ übermittelten Mitteilung der Londoner Morgenpresse von gestern scheint ein Komp romiß zwischen der englischen Regierung und den Berg⸗ arbeitern möglich. Laut „Evening Standard“ haben die Bergarbeiter auch bereits ihre Forderung auf Herab⸗ setzung des Kohlenpreises aufgegeben. Sie verlangen aber Zusicherungen, daß die Lohnerhöhung nicht zu Lasten der Konsumenten fällt. Ueber die gestrigen Besprechungen zwischen den Vertretern der Bergarbeiter und dem Handelsamts⸗ präsidenten Horne berichtet das Pariser Blatt „Journal“, die Bergarbeiter hätten ihre Forderung nach einer Lohnerhöhung auf⸗ rechterhalten, hätten aber nicht mehr auf einer sofortigen Herabsetzung der Kohlenpreise bestanden, sondern die Einsetzung einer Kommission verlangt, die diese Frage prüfen soll. Horne erwiderte im Namen der Regierung, daß eine sofortige Lohnerhöhung unmöglich sei, falls nicht eine gewisse Produktion gewährleistet werde. b

Handel und Gewerbe.

Weite geschäftliche Kreise wurden laut Meldung des „W. T. B.“ in den letzten Tagen durch Gerüchte beunruhigt, daß Danzig pol⸗ nische Währung erhalten werde. Wie die „Danziger Neuesten Nachrichten“ durch eine Anfrage an maßgebender Stelle festgestellt haben, sind diese Gerüchte unbegründet. Auch in dem Wirtschafts⸗ abkommen zwischen Danzig und Polen ist vertraglich vereinbart, daß die Zahlungen, die Danzig Polen zu leisten hat, in deutscher Währung zu vollziehen sind. Die Gerüchte scheinen lediglich auf spekulative Elemente, die von Valutageschäften leben, zurückzugehen.

Die Westfälischen Eisen⸗ und Drahtwerke, Langendreer, werden laut Meldung des „W. T. B.“ der für den 26. Oktober angesetzten Generalversammlung vorschlagen, außer den Abschreibungen 5 Millionen Mark für Arbeiterwohnungen zurück⸗ zustellen, 600 000 dem Pensionsstock und der Betriebskrankenkasse und 52 000 dem Arbeiterunterstützungsstock zu überweisen. Auf erhöhte Stammaktienkapital sollen 20 vH Dividende verteilt werden.

In der heutigen ordentlichen Generalversammlung der Langscheder Walzwerk und Verzinkereien A.⸗G. in Langschede wurden laut „W. T. B.“ die Regularien antrags⸗ gemäß erledigt und beschlossen, 12 vH (10 vH) für 1919/20 zu verteilen.

Die EFlectrolyt⸗Kupfer⸗Notierung der Vereinigung für deutsche Electrolyt⸗Kupfernotiz in Berlin betrug am 17. d. M. laut Meldung des „W. T. B.“ 2623 ℳ.

Wien, 16. September. (W. T. B.) Die Bilanz der Oester⸗ reichischen Länderbank weist einen Rohgewinn von 77 273 549 Kronen auf. Nach Abzug der Steuern, Spesen und Abschreibungen bleibt ein Reingewinn von 18 204 270 Kronen. Auf neue Rechnung werden 1 719 262 Kronen vorgetragen. Der auf den 30. September einberufenen Generalversammlung werden 6 vH zur Verteilung an die Aktionäre vorgeschlagen werden.

Wien, 16. September. (W. T. B.) Nach Blättermeldungen sind die mit einem englisch⸗französischen Konsortium geführten Ver⸗ handlungen wegen Verkaufs eines großen Postens Aktien der Naphthagesellschaft Galicia zum Abschluß gelangt.

Stockholm, 16. September. (W. T. B.) Die Reichs⸗ bank hat heute den Diskont von 7 auf 7 ½ vH erhöht.

Wagengestellung für Kohle, Koks und Briketts am 15. September 1920

Ruhrrevier Oberschlesisches Revier Anzahl der Wagen

19 997

Nicht gestellt.. Beladen zurück⸗

Sestelllt.. 19 631

Berichte von auswärtigen Wertpapiermärrten.

Hamburg, 16. Scptember. (W. T. B.) Börsenschlußkurse. Deutsch⸗Austr. D. Ges. 196,00 G., 199,00 B., Hapag 188,75 bis 192,00 bez., Hamburg⸗Südamerika 242,95 244,00 bez., Nord⸗ deutscher Lloyd 184,25 186,00 bez., Vereinigte Elbeschiffahrt 282,00 bis 282,50 bez., Schantungbahn 659,00 G., 665,00 B., Brasilianische Bank 475,00 G., 485,00 B., Commerz⸗ und Privat⸗Bank 169,50 G., 170,50 B., Vereinsbank 175,00 G., Alsen Portland⸗Zement 330,00 G., Anglo⸗Continental 320,00 324,50 bez., Asbest Calmon 279,00 bis 284,00 bez., Dynamit Nobel 285,50 289,00 bez., Gerbstoff Renner 437,00 441,00 bez., Nordd. Jutespinnerei 225,00 G., 235,00 B., Harburg⸗Wiener Gummi 330,00 B., Neuguinea 865,00 G., 875,00 B., Otavi⸗Minen⸗Aktien 810,00 G., 835,00 B., do. Genußsch. 716,00 723,00 bez. Tendenz: Fest.

Köln, 16. September. (W. T. B.) Englische Noten 213,00 bis 218,00, Französische Noten 403,00 407,00, Belgische Noten 427,00 bis 432,00, Holländische Noten 1910,00 1935,00, Rumänische Noten 118,00 119,00, Amerikanische Noten 62,00 63,50, Schweiz.

Wien, 16. September. (W. T. B.) Das Interesse der Börse war heute in erster Linie Staatsbahnaktien zugewendet, die unter lebhaften Käufen neuer ausländischer Interessenten sprunghaft in die Höhe gingen. Auch die Genußscheine konnten starke Gewinne verzeichnen. Lebhaft gefragt waren auch Krupp⸗Aktien, während der sonstige Verkehr in der Kulisse unbedeutend war. Im Schranken verrin erte sich das Geschäft. Die Haltung war nicht einheitlich. Der Rentenmarkt war ruhig, im Valutahandel waren Dollarnoten lebhafter begehrt.

Wien, 16. September. (W. T. B.) Notierun hbevisen⸗ ö 18] 8 G 8000,00 G., n Heeheen. Kopenhagen 5 „Stockho G., Christiania 370 Hepenbag⸗ 8 m 5150,00 G., Christiania 3700,00 G., Wier, 16. September. (W. T. B.) Türkische Lose 2198,00, Staats⸗ bahn 4230,00, Südbahn 1390,00, Dereische g0e21 194 d90⸗8. Ungarische Kredit 1759,00, Anglobank 866,00, Unionbank 842,00, Banfmerein 822,00, Länderbank —,—, Oesterreichisch⸗Ungarische Bank 5480,00, Alpine Montan 4200,00, Prager Eisen 7850,00, Rima Muranver 3400,00, Skodawerke 2483,00, Salgokohlen 6380,00, Brüxer Kohlen —,—, Galizia 23000,00, Waffen 3640,00, Lloyd⸗Aktien 25000,00, Poldihütte 2640,00, Daimler 1275,00, Oester⸗ reichische Goldronte —,—, Oesterreschische Kronenrente 94,00, Februar⸗ rente 94,00, Mairente 94,00, Ungarische Goldrente —,Y—, Ungarische 102,00, Veitscher —,—, Siemens⸗Schuckert 1798,00. rag, 16. September. (W. T. B.) Notierungen der Devisen⸗ zentrale: Verlin 121,25 G. Mantngten 120799 e ceine a,ceh- London, 14. September. (W. T. B.) Wechsel auf Pari 53,20, Wechsel auf Belgien 50,05, Behen 1“ Wechsel auf Holland 11,25 ½, Wechsel auf New York 350 ⅛, Wechsel auf Spanien 23,91, Wechsel auf Italien 81,62, Wechsel auf Deutsch⸗ land 217,00. Privatdiskont 6 ½. 2 ½ % Englische Konsols 457¼ 5 % Argentinier von 1886 90, 4 % Brasilianer von 1889 47 4 % Japaner von 1899 56, 5 % Mexikanische Goldanleihe von 1899 —, 3 % Portugiesen 28 ½¼, 5 % Russen von 1906 24 ½, 41 % Russen von 1909 19 ½, Baltimore and Ohio 59, Canadian Paeific 179 , Pennsylvania 60 ½, Southern Pacific 135, Union Pacific 172 United States Steel Corporation 126, Rio Tinto 32 ½ De Beers 18 ¾, Goldfields 1 ⅞, Nandmines 215⁄16. 3 ½ % Kriegs⸗ anleihe 67,00, 5 % Kriegsanleihe 84 ⅞, 4 % Siegesanleihe 74 ⅞. London, 15. September. (W. T. B.) 2 ½ % Englische Konsols 45 5 % Argentinier von 1886 90, 4 % Brasilianer von 1889 47 4 % Javpaner von 1899 56, 5 % Mexikanische Goldanleihe von 1899 59, 3 % Portugiesen 28 ½, 5 % Russen von 1906 —, 4 ½ % Russen von 1909 —, Baltimore and Ohio 59, Canadian’ Pacific 8 „Pennsylvania 60, Southern Pacific 134, Union Pacific —, United States Steel Corporation 125, Rio Tinto 32, De Beers 18 ⅞%, Goldfields 1 ⅛, Randmines 2 ⁄. 3 ½ % Kriegs⸗ 6 . 5 % Kriegsanleihe 8411⁄16, 4 % Siegesanleihe 747⁄. London, 15. September. (W. T. B.) We Haris 53,42 ½ Wechsel auf Belgien 50,17 ½, r; Srchse Iüfe Peris vehs Spe 85 ½⅛, Wechsel auf Itali 50, W D land 210,00. Privatdiskont u“ 35 4a ris, 16. September. (W. T. B.) 5 % Französische Anleihe 85,40, 4 % Französische Anleihe 68,75, 3 % Französische Rente 53,80, 4 % Spanische äußere Anleihe 188,00, 5 % Russen von 1906 40,25, 3 % Russen von 1896 23,00, 4 % Türken unifiz 69,10 Suezkanal 6715,00, Rio Tinto 1690,00. Amsterdam, 16. September. (W. T. B.) Wechse 11,22, Wechsel auf Berlin 5,178 Wechsel ant hehs 7 C.u⸗ Wechsel auf Schweiz 52,20, Wechsel auf Wien 1,45, Wechsel auf Kopenhagen 44,30, Wechsel auf Stockholm 65,75, Wechsel auf Christiania 44,25 Sechsel auf New York 323,50, Wechsel auf Brüffel 22,37 ½, Wechsel auf Madrid 47,10, Wechsel auf Italien 13,95. 5 % Niede ländisch Staatsanleihe von 1915 877 3 % Niederlä Staatsanleibe 2. Saameeanlelhe von 1915 87 ⁄, 3 % Niederländ. Staatsanleihe 52. Königlich Niederländ. Petroleum 843 ½, Holland⸗Amerika⸗Linie 389 ¼ Niederländisch⸗Indische Handelsbank 230 ¼, Atchifon, Topeka u. Santa ö 18⸗ vese. heläh 8 Sether. Pacific 124 ½¼, Southern Rail⸗ wah. ion Pacific 157, 2 138, United State Steel Corp. 11489 —2 Shna. Anaconda 138, United States Kopenhagen, 16. Setemh (W. T. B.) Sichtwechse London 2547, do, auf New Pork 733,00, do. anf Seeh 2 anf do. auf Paris 48,00, do. auf Antwerpen 51,00, do. auf Zürich 118,75, do. auf Amsterdam 226,50, do. auf Stockholm 148,50 do auf Christiania 100,50, do. auf Helsingfors 21,75. 18

Stockholm, 16. September. (W. T. B.) Sichtwechsel auf London 17,18, do. auf Berlin 8,10, do. auf Paris 32,10, do. auf Brüssel 34,75, do. auf schweiz. Plätze 80,00, do. auf Amsterdam 152 50 do. auf Kopenhagen 67,75, do. auf Christianig 68,00, do. auf Washington 495,00, do. auf Helsingfors 15,25. Na nn * 15. September. (W. T. B.) Die Börse begann gen Verkehr in fester Stimmung, die später noch stärker b als sich im Hinblick auf die flüssige Geldmarktlage leb⸗ hafte ö Phe te zeigte. Unter starken Blankoabgaben 1t a. Verlaufe eine Abschwächung ein. Sppezial⸗ werte waren schließlich teilweise erholt auf spekulative Nach⸗ frage. Der Schluß gestaltete sich unregelmäͤßig Umgesetz: wurden 590 000 Stück Aktien. Geldsätze 6—7, 8e 8 Berlin 1,68, Wechsel auf Paris (Sicht) 6,52, Wechsel auf London (60 Tage) 3,42,50, Cable Transfers 3,48,75, Silber, ausländisches 95 Silber, inländisches 99 ½, Atchison Topeka u. Santa 76 83 ⁄, Atchison Lopeka u. Santa pref. 76, Baltimore u. Ohio 43, Canadian Pacific 119 ⅜, Chesapeake u. Ohio 623 Chicago Milwaukye u. St. Paul 37 ¾, Chicago, Rock Jsland u. Pacisic 36 Dender und Rio Grande 5 ½, Erie 16 ⅜, Great Northern pref 78 Illinois Central 89, Interborough Consplidated Corporation 34 %, Kansas City u. Southern 20, Kansas City u. Southern pref 47 Louisville n. Nashville 102, Missouri Kansas u. Texas 68 ⁄, Missouri Pacific 262 National Railways of Meriko Lnd pref. K;, New York ECenkral u. Hudson River 74 , New York Ontario u. Western 20, Norfolk u. Western 94, Northern Pacific 79 ¼, Pennsylvania 42 ¼, Reading 92 ½, St. Louis u. San Francisco 27, Southern 28 Soutbern Pacific 94 %, Texas Pacisie 36 ½a Union Pacifiec 124, Wabafb pref. 28. American Can 34 ½, American Car u. Foundry 132 fer American Hide u. Leather 12 ½, American Hide u. Leather pref. 70, American Smelting u. Refining 62 ⅜, Anaconda Copper Mining 54 ½, Bethlehem Steel Corporation „B“ 74 er., Central Leather 53, International Mercantile Marine —,—, International Mereantile Marine pref. 75, Studebaker Corporation 62, United States Steel Corporation 88 ¾¼, United States Steel Corporation pref. 103 ¾ Aktienumsatz 590 000. 8

Berichte von auswärtigen Warenmärkten.

Liverpool, 15. September. (W. T. B.) Baumwolle. Umsatz 7000 Ballen, Einfuhr 1800 Ballen, davon amerikanische Baumwolle —,— Ballen. September 20,16, Oktober 19,77 November 19,32. Amerikanische 24—74 Punkte höher, brasilianisch 24 Punkte höher und ägyptische 100 150 Punkte niedriger.