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feit seiner Gründung anerkannt. Für die Organisation des Reichsarchivs ließ sich jedoch im Herbst 1919 ein endgültiger Plan noch nicht aufstellen. Inzwischen hat sich, wenn auch die Ablieferung der Akten an das Reichsarchiv erst zum ganz geringen Teil erfolgt ist, ein gewisser Ueberblick gewinnen lassen.
Wie aus einer dem Staatshaushaltsplan für 1920 bei⸗ liegenden Denkschrift hervorgeht, hat das Reichsarchiv folgende drei hauptsächlichsten Aufgaben: 1. Die Sammlung, Verwahrung und Verwaltung des gesamten Ur⸗ kunden⸗ und Aktenmaterials des Reichs seit seiner Gründung, soweit es nicht mehr für die laufende Verwaltung un⸗ mittelbar gebraucht wird. 2. Die unparteiische und wissenschaftliche ehsschan und Schilderung der hinter uns liegenden Zeit der Geschichte des Reichs, die mit dem Weltkrieg ihren Höhepunkt und ihren Abschluß gefunden hat. 3. Die Auskunftserteilung auf Grund des dem Archiv anvertrauten Aktenmaterials.
Bisher sind im Reichsarchiv überwiegend erst die Akten und Materialien zur Auflösung gelangter militärischer Dienststellen unter⸗ gebene worden, insbesondere die Akten des Großen Generalstabs,
ie Kriegstagebücher und der größte Teil der Operationsakten der Obersten b Hinzukommen sollen aber auch — abgesehen von den Akten der Vorkriegszeit — die gesamten Akten der wirt⸗ schaftlichen Kriegsstellen und Kriegsgesellschaften, ferner die Akten der Zivilverwaltungen in den früher besetzten Gebieten. Der Akten⸗ wird sich auf etwa zwei bis drei Jahre verteilen. Bei Fest⸗ etzung der Aufgaben für das Reichsarchiv ist man davon ausgegangen, daß das deutsche Volk ein Recht darauf hat, über die den einzelnen besonders wichtigen Kriegsabschnitten zugrunde liegenden Tatbestände restlos aufgeklärt zu werden.
Das große Rätsel, das für die Mehrzahl der Volksgenossen noch heute der Krieg mit seinen anfänglichen überwältigenden Erfolgen und der späteren furchtbaren Niederlage ist, muß gelöst werden. Für die eigentlichen archivalischen Aufgaben ist folgende Dreiteilung vor⸗ eseben: A) die Ftbteihancg, n die Archivalien der Vorkriegszeit,
die Abteilung für die Archivalien des Weltkrieges. C) die Ab⸗ e für die Nachkriegszeit. Erst so wird das tote Aktenmaterial zum lebenden Spiegelbild des Geschehens im Weltkriege. Erst so gibt es die Möglichkeit, sachliche Darstellungen der verschiedenen Ab⸗ schnitte zu geben, unbeeinflußt von der persönlichen Stellungnahme der jeweil itender Stelle stehenden Persönlichkeiten. 1
1 1 Verkehrswesen.
Flugpostdienst. Der Flugpostdienst zwischen Holland und England — Strecke Amsterdam—London — wird mit Ablauf des Oktober Im Anschluß hieran wird gleichzeitig der Flug⸗ postverkehr Amsterdam —Bremen-— Hamburg-—Kopenhagen und Berlin — Warnemünde — Malmö-— Kopenhagen für die Wintermonate ein⸗ — Die Wiedereröffnung dieser beiden Strecken ist auf den
.März 1921 festgesetzt. Voraussichtlich werden bis dahin die Bord⸗ geräte, namentlich die Navigationsinstrumente, der Flugzeuge so ver⸗ vollkommnet sein, daß eine nochmalige Unterbrechung der Flüge auch in der ungünstigeren Jahreszeit nicht mehr notwendig werden wird. Die Flugpostverbindung Berlin —Bremen bleibt noch bestehen.
Theater und Musik.
8 Komödienhaus. 38 Der drezaktige Schwank „Die Sache mit Lola“ von Rudolf Bernauer und Rudolf Schanzer, die im Komödienhaus seit Sonnabend aufgeführt wird, ist um Max Pallenbergs willen geschrieben, der darin die älteren Werken dieser Gattung entlehnte, wohlbekannte Gestalt des die Hauptstadt besuchenden Provinzlers darstellt, den seine Abenteuerlust in tausend Verlegenbeiten bringt. Es ist überflüssig, auf den Inhalt des Schwankes näher einzugehen, weil er dem beliebten, zum witzigen mprovisieren besonders befähigten Künstler nur Gelegenheit .ee 8 sol,, seiner Laune und Erfindungsgabe die Zügel schießen zu lassen. In wie geradezu genialer Weise er seine Einfälle vorbringt, weiß 1 aus Erfahrung. Es genüge die Feststellung, daß er am Erstaufführungsabend der „Sache mit Lola“ auf das beste aufgelegt war und durch die suggestive Kraft seiner Komik die Heiterkeit der Zuschauer immer wieder anfachte. Die beste Unterstützung fand er in den Damen Sturm, Ander und Dora, in den Herren Picha, Haskel, Stieda und Kiper.
Das zweite Symphoniekonzert der Kapelle der Staatsoper unter der Leitung des Herrn Wilhelm Furt⸗ wängler findet morgen, Mittwoch, 27. Oktober, Abends 7 ½ Uhr, im Opernhause statt. Das hierzu übliche Mittagskonzert beginnt an demselben Tage um 12 Uhr. Programm: Symphonie in D⸗Dur (ohne Menuett) von Mozart. Symphonie Nr. 7 von Bruckner.
Im Schauspielhause gehen morgen Die Journalisten“ mit Dagny Servaes als Adelheid Runeck und Anton Edthofer als Bolz in Szene. Anfang 7 Uhr.
Ein Shakespearisches Jugendwerk in Gerhart Hauptmanns Bearbeitung. Das Deutsche Theater be⸗ absichtigt, das altenglische Drama „Arden von Feversham“ aufzuführen, das von Tieck und anderen für ein Frühwerk Shake⸗ speares gehalten und von Goethe als „Stück von reimtreuem Ernst“ gerühmt wurde. Gerhart Hauptmann hat die Bühneneinrichtung des Werkes übernommen und wird das Stück selbst in Szene setzen.
1 Konzerte.
. Eine reiche Auswahl musikalischer Genüsse bot der Chor der ing⸗Akademie, diesmal ohne Orchester, in a cappella⸗Chören
ernem kunstverständigen Publikum mit Werken Christ. Bachs, Joh.
Seb. Bachs und Heinrich Schütz' dar. Ganz besonders waren es wieder
Gustav Havemann in seinem
die Joh. Seb. Bachschen Kantaten, die durch ihre reiche Ornamentik,
ihren Ideenreichtum, ihre meisterhafte Kontrapunktik und Herzinnig⸗ keit entzückten. „Jesu, meine Freude“, das allerdings in den klippen⸗ reichen Terzettsätzen eine reichere Durcharbeitung hätte vertragen können, und das jubelnde Motettenwerk für Doppelchor mit dem nachfolgenden „Wachet auf ruft uns die Stimme“ erklangen erhebend schön. Heinrich Schütz war mit seiner biblischen Szene „Der 12jährige Jesus“, in dem Frau Hardt zur Nieden, van Eweyk und ein Domchorknabe, rwin Lose, entsprechend beteiligt waren, würdig ver⸗ treten. Leiter des ganzen war Schumann, der seine Meisterhand als Chordirigent au ’ 1
von neuem Leben lag über den Ausführungen des Blüthner⸗ Orchesters, das an einem „Beethoven⸗Abend“ We Meisters, dessen 150. Geburtstag sich bald jährt, unter der zielbewußten Führung von Theodor Müngersdorf, dem früheren Kapell⸗
5 Georg
g neue erwies. — Ein Leuchten wie
Werke dieses
meister der Casseler Hofoper, spielte. Da wurde die Ouvertüre
„Levnore Nr. 3“ in einer A . 1 und die Aufführung der Symphonie VII in A⸗Dur war von einer Erhabenheit, wie sie nur selten zu hören ist. Eingestreut waren das
den Händen des Meistergeigers Alfred Witten das „Larghetto“ in Opus 61) eine vollendete Ausdeutung erfuhren. Das Konzert war stark besucht und der rauschende Beifall wohlverdient. —, Holger Prehn stellte sich in voriger Woche in der Sing⸗ akädemie als Dirigent mit dem Philharmonischen Or⸗ chester vor. Seine Auffassung der Ouvertüre zum „Fliegenden Holländer“ von Wagner und Beethovens I. Symphonie zeigte ihn als einen gesund eiae Musiker und erfahrenen Stabführer. In einer symphonischen Dichtung „Hammershus“ zeigte er sich auch als ein füchtiger Komponist. Das durch die Ruine Hammershus auf Bornholm angeregte Werk atmet Stimmung und weist gute Gegen⸗ sätze auf. Daß der Anfang zum Schluß wiederholt wird, ist in formaler Hinsicht zwar zu verstehen, nicht aber in bezug auf die Ueberschriften hbes ersten und letzten Satzes, denn man kann die Morgenstimmung doch unmöglich mit derselben Musik schildern wie die Abendstimmung. Die mitwirkende Sängerin Erna Olsen verleugnete ihre Her⸗ kunft von der Oper nicht. Ihre Stimme ist in der Höhe schon etwas
geklärtheit dargeboten, die aufhorchen ließ,
D⸗Dur Konzert und die beiden Romanzen in G⸗ und e. die unter mehr in die Erscheinung tritt. Auch Emmy erg (besonders
ßer dem D-dur-Konzert von Brahms hatte Professor b im Beethopensaal ge⸗ Konzert mit dem Philharmonischen Orchester die seltener gespielten Violinkonzerte in A-moll von Dvorak und in C-dur von Karl Bleyle auf seine Vortragsfolge gesetzt. War das Kon⸗ zert schon hierdurch interessanter als andere dieser Art mit den Dutzendprogrammen, so nahm der ernste Künstler noch besonders durch die vornehme Auffassung, den geistvollen Vortrag und die zuverlässige, jeder Schwierigkeit spottende Technik für sich ein. Solche Konzerte bilden ein Labsal in der Ueberfülle minderwernger Veranstaltungen des Musikwinters. — Auch der Geiger Lidus Klein, der im Klindworth⸗Scharwenka⸗Saal konzertierte, ist mit ürs u nennen. Sein abgeklarter trag und sein ethmisch vaftvolles Spiel geben seinen — den Stempel des Besonderen. Kammermusik vermittelte im Bechsteinsaal das Trio Käte Kajes (Klavwier). Albert Jaeh ehnh) 2 Becker (Cello). In Trios von Mozart und Beethopen hörte man ein wohlanständiges Zusammen⸗ spiel, bei dem die Pianistin die beiden Streicher bei weitem über⸗ r Umgekehrt lag der Fall bei einem Kammermusikabend von Lotte Grahl (Klavier), Nikolas Lambinon (Violine) und dem Staatl. Kammermusiker
interessante Programm, das zwei
“ Treff (Cello). Das 1 Fiolinsuiten von Heinrich G. Noren und Goldmark und die Pathetische Sonate von Karl Kämpf für Cello und Klavier aufwies, ham leider nicht zu voller Wirkung. weil die als talentvoll bekannte Pianistin infolge zu großer Zurück⸗ haltung es in den Werken von Noren und Kämpf zu keiner temperamenwollen Entwicklung des Spiels kommen ließ, so daß auch die beiden Streicher hierdurch in ihrem Streben nach Groß⸗ lüg⸗ keit bald erlahmten. Goldmarks Suite geriet besser und lä er daß Fräulein Grahl in ihrem nächsten Konzert sich wieder zu bedeutenderem Gestalten HFeeeg wird. — In einem Konzert mit Kompositionen von Ernst Schauß im Klindworth⸗ Scharwenka⸗Saal sang Hertha Dehmlow Lieder dieses Tonsetzers mit Klavier⸗ und Harmoniumbegleitung. Obgleich stimmlich nicht mehr auf der Höbe, vermittelte sie mit gediegener Sangeskunst die aus romantischem Empfinden geborenen Gesänge, unter denen besonders „Fromm“ und „Hochzeitsmorgen“ mit Aus⸗ ichnung zu nennen sind. Eine von Felix Robert Mendels⸗ ohn (Cello) und Walther Karl Meißner (Klavier) ge⸗ pielte G-moll⸗Suite 8 als ein annehmbares Erstlingswerk 89 be⸗ m
verblüht. —
ay. 0rs
vachten. — Eine Meisterleistung war das Klavierspiel von Emil Backhaus in der Philharmonie. Seine bedeutenden künstle⸗ rischen Eigenschaften sind ja hier hinlänglich bekannt, aber man muß immer wieder darauf hinweisen, wie unter seinen Händen Werke, wie z. B. die „Appassionata“ von Beethoven, lebendig werden. Der unvergänglichen Schönheit dieses vielgespielten und oft entstellten Meisterwerks wurde man in der großzügigen hüffassung und in der Darstellung des Künstlers wieder einmal ganz froh. — Auch ax Jaffé zeigte sich im Beherrscher des Klaviers. Sein virtuoses Spiel atmet Wucht und oßzügigkeit, zurzeit kommen die zarten Farben darin aber noch etwas zu fün — Einen künstlerischen Genuß ährte das Geigenspiel von Andreas Weißgerber im Beethoven⸗ Saal,] der seine jetzt voll ausgereifte Künstlerschaft bekundete. Mit b Virtuosentum und doch sicherem Stilempfinden spielte er u. a. erke von Tartini und Bach. — Ein anderer Geiger Herman Silzer (Klindworth⸗Scharwenka⸗Saal) macht den Eindruck eines gut beanlagten sikers. Sein Ton ist klein aber einschmeichelnd und weich. muß er sich in der Technik wie in der Auffassung noch vervollkommnen. — Im Dom veranstaltete der Domorganist Professor Walter FAhes einen „Mar Reger⸗Abend. Zwei Orgelsonaten und die Choralphantasie „Wie schön leucht; uns der Morgenstern“ bildeten das umfangreiche und ungemein schwierige Programm. Ppoofessor Fischer ist ein berufener Reger⸗Interpret; was er diesmal als meisterlicher Beherrscher seines Instruments leistete, muß als eine künstlerische Großtat bezeichnet werden, die ihm den Platz unter den allerersten Organisten Deutschlands anweist. Die Beethovpenfeiern Fnah. des bevorstehenden 150. Geburtstages des werfen ihre Schatten voraus. Am Donnerstag v. W veranstaltete im kleinen Saal des Lehrervereins der Dirigent Dr. er M. Gatz einen Beethoven gewidmeten Abend, an er über das Thema „Beethoven und die Musik“ sprach. In beredten Worten schilderte der Vortvagende Beethovens Erdenwallen, seine Persönlichkeit, seine Eigenart als großer Künstler, indem er des Meisters eigene Aussprüche anführte und seine Werke mitsprechen ließ. Er wandte sich einleitend gegen die wohl kaum noch her⸗ kömmlich zu nennende Auffassung, die in Beethoven nichts weiter als den Klassiker, den „Professor“, den Mann von gestern sieht, und ließ vor unserem geistigen Auge das Bild des Titanen in seinem Kampfe mit diesem Erdendasein entstehen. Er zeigte den Wendepunkt in Beethovens Leben, als ihn das Schicke zwang, einer kiefen Herzensneigung zu entsagen, ein Ereignis, dem die „Mondscheinsonate“, die sodann die Pianistin Fela Roonfelt mit tiefer Empfindung und meisterhafter Technik am Klavier vor⸗ trug, ihre Entstehung verdankte; er schilderte die furchtbarste Tragödie in Beethovens Leben, seine Taubheit, die nach des Meisters eigenen Ge⸗ tändnissen ihn fast zum Selbstmord etrieben hätte, wenn ihn nicht die Kunst selbst ermahnt ätte, auszuharren und seine hohe Mission zu erfüllen. Zum Schluß trug Julius Edgar Schmock mit schöner, vollthnender Sbimme den Leederkreis „An die ferne Geliebte“ vor und sprach dann einige eindrucksvolle Beethoven⸗Gedichte aus den „Ewigen Pfingsten“ von Ernst Lissauer. Die gut besuchte und sehr beifällig aufgenommene Vevanstaltung bildete die Einleitung einer Folge von Beethoven⸗ Abenden mit dem Blüthnerorchester, an denen sämtliche Symphonien des Meisters unter der Leitung von Dr. 888 aufgeführt werden sollen. — Sonst ist noch über eine Reihe von Gesangsabenden zu be⸗ richten, von denen der von EEETE1 im Beethoven⸗ saal veranstaltete durch die Mitwirkung von vefesen Hans Pfitzner besonderes Interesse erweckte. Der Sängerin Stimme ist zwar nur sehr klein, aber gut geschult, ihr Vortrag bekundete auch innerliche Beseelung, so daß sie sowohl den Schumannschen wie den Pfitzner⸗ chen Gesängen zu einem guten Erfolge verhalf. — Jolän Helffe⸗ rich⸗Kalusay sang im Bechstein⸗Saal Lieder von Brahms, Leo Lewy, Fritz Jürgens und Dvorak und führte ein sehr schönes Organ ins Treffen, das aber noch weiterer Schulung bedarf, um volle künstlerische Wirkungen zu erzielen. — Anerkennenswertes leistet der strebsame Baritonist Leopold Heghe. der sich im Harmoniumsaal nach längerer Pan⸗ als Ueöersänzer wieder e ck
vorstellte. Die an und für sich nicht sehr umfangreiche mme hat an Rundung des Tones gewonnen. Auch der Ausdruck des Ge⸗ sungenen ist zu loben. — Wenig wirkungsvoll war daoegen der Ge⸗ sang von Hedda Nelius im Meistersaal. Wenn auch ihr Organ an und für sich nicht reizlos ist, so wird der Eindruck durch eine gewisse Maniriertheit im Vortrag und Ungleichheit in der Stimmbildung gestört. — Der Gesan von Margarete Wachs⸗ muth im Beethoven⸗Saal erweckte mehr Interesse, einmal durch die von ihr gewählten Lieder von Jürgens Rasch und Trunk und dann durch ihre gesangliche Kultur, die von mal zu mal . 8 ny Heim (Bechstein⸗ saal) fiel durch ihre kunstgemäß gepflegte, schöne Altstimme und ihren empfindungsreichen, natürlichen Vortrag auf. Sie Png. Lieder von Mahler und Schumann, und als Schluß böhmische
olkslieder, deren Eigenart die Zuhörer stark fesselte. 1
Mannigfaltiges.
Der für das Mitglied des Reichstags, HerrnReichs⸗ vostminister Giesberts, am 17. Juni 1920 ausg Ausweis Nr. 136, gültig zur Fahrt auf allen deutschen Eisenbahnen, ist dem Inhaber abhanden gekommen. Vor einer Benutzung des Ausweises wird gewarnt.
Morgen, Mittwoch, Nachmittags, findet eine vollständige Mondfinsterni s statt, die um 2,29 Uhr beginnt und um 3,54 Uhr hinsichtlich der Vollständigkeit endet. Die größte Verfinsterung um 3,11 Uhr erreicht 1 ⅛ Monddurchmesser. Wenn der Mond bei uns
lüthnerfaal als ein glänzender
f
aufgeht, befindet er sich noch keilweise im Kernschattenkegel
er verläßt diesen erst um 4,58 Uhr, also etwa eine Viertelstunde na seinem Aufgange. Das Hauptgebiet dieser Finsternis betrifft den Stillen Ozean und das westliche Nordamerika bis nach Australien und Asien.
Der Verein der Wolgadeutschen E. V. (Berlin Motzstraße 22) hat, wie er durch „W. *“ mitteilt, in den letzten Tagen ein reichhaltiges und zuverlässiges Material über die schlimme Lage der deutschen Siedlungen ( Millionen Seelen) im Wolgagebiet (Sowjetrußland) erhalten. Zu dem wirtschaftlichen Niederbruch und den Seuchen aller Art, be⸗ sonders dem Flecktyphus, kommt der Hunger. In diesem Gebiet, das sonst viele Millionen Zentner feinsten Weizenmehls ausführte, ist in diesem Jahre eine so völlige Miß⸗ ernte, 2 vielfach nicht einmal die Saat geerntet wurde. Trotzdem verlangt die Moskauer Zentralverwaltung, daß die Bauern ihre letzten Vorräte für das auch bereits hungernde Zentralrußland hergeben. Was nicht gutwillig abgegeben wird, wird mit Gewalt genommen (requiriert). Die Bevölkerung geht zerlumpt, ohne Brenn⸗ material, ohne Licht, ohne Lebensmittelvorräte dem langen, kalten Winter entgegen. Schon jetzt richten die einzelnen Siedlungen ge⸗ meinsame Speiseküchen für die gesamte Bevölkerung ein. Aber auch dadurch wird das Verhängnis nur auf zwei bis drei Monate hinaus⸗ geschoben. Dann beginnt das große Sterben, wenn es dem Inter⸗ nationalen Roten Kreuz nicht gelingt, auf irgendeinem Wege Hilfe
zu schaffen.
Beuthen, 25. Oktober (W. T. B.). Die Verbrechen in Oberschlesien mehren sich wieder. In Dzietz kowitz bei Birkenthal überfielen 25 Personen, mit Karabinern, Revolvern und Handgranaten bewaffnet, in der Nacht zum Montag das Haus des Gutsverwalters Fiebig und plünderten es voll⸗ ständig aus. Sämtliche Kleider, Wäsche, Schuhe, Betten, Nahrungs⸗ mittel und Schmucksachen wurden fortgeführt. Die Familie ist von jeder Habe entblößt. Die Beute scheint über die Grenze geschafft worden zu sein.
Paris, 25. Oktober. (W. T. B.) Heute nachmittag wurde der Justizminister des Kabinetts Clemenceau, Nail, im Zentrum der Stadt von einem Automobil überfahren und auf der Stelle getötet.
Marseille, 25. Oktober. (W. T. B.) Ein Dampfer konnte den Hafen nicht verlassen, weil er nach einem Hafen in der Krim Kriegsmaterial für General Wrangel geladen hatte. Die Besatzung verlangte, daß der Schießbedarf ausgeladen werde.
Kronstadt, 25. Oktober. (W. T. B.) Nach einer französi⸗ schen Meldung soll die Besatzung des Kreuzers „Tro⸗ g 88 dyt“ gemeutert und die Kommissare und die Offiziere getötet haben.
Libau, 25. Oktober. (W. T. B.) Die Heimsendung der lettischen Flüchtlinge aus Rußland wird eifrig fortgesetzt. Durchschnittlich 1000 Gefangene werden täglich nach der Heimat befördert.
Aeronautisches Observatorium. Lindenberg, Kr. Beeskow. 8 25. Oktober 1920. — Drachenaufstieg von 5 ¾ 2 bis 8 ¾ a. 2 — — -— Relative Wind
Feuchtig⸗ Gej 88 Richtung Schwinh, 0
Temperatur C0
Seehöhe Luftdruck
m unten
122 290 960 1420 2980 3360 3730 3960 580 Klar.
mm
760,6 744 686 648 531 507 483 470 433
Sicht 25
2,4 Ozs OzN ONO
—
Io0. O0 d0 002
km.
Theater.
Opernhaus. (Unter den Linden.) Mittwoch: Mittags 12 Uhr: Symphoniemittagskonzert. (Programm wie am Abend.) — Abends 7 ½ Uhr: II. Symphoniekonzert der Kapelle der Staats⸗Oper. 8
Donnerstag: Mignon. Anfang 7 Uhr.
Schauspielhaus. (Am Gendarmenmarkt.) Mittwoch: 192. Dauer⸗ bezugsvorstellung. Die Iournalisten. Anfang 7 Uhr.
Donnerstag: Sondervorstellung. Friedrich der Große. I. Teil: Der Kronprinz. Anfang 7 U di tell findet kein Kartenverkauf statt) e“
Familiennachrichten.
Verlobt: Frl. Gabriele von Kalckstein mit Hrn. Rittmeister a. Albrecht von Stockhausen (Schultitten —z. Zt. Graventhien bei Pr. Eylau). — Freiin Anneliese von Bibra mit Hrn. Ritter⸗ Fetesesches. Leutnant a. D. Hans Georg Wahnschaffe (Mallnom
i. Pomm.).
Verehelicht: Hr. Constantin⸗Werner von Zepelin⸗Appelhage
mit Frl. Rose⸗Marie von Lochow (Petkus, Merer “
Gestorben: Hr. Oberst z. D. Hugo Buttmann (Berlin⸗Halensee). — Hr. Amtsgerichts⸗ und Geheimer Justizrat, Major d. L. a. D. Ernst Defoy (Tübingen). — Hr. Marincoberbaurat a. D. Direkto Otto Winter (Wilhelmshaven). — Hr. Hauptschriftleiter Dr. G. ratsch (Berlin). — Hr. Universitätsprofessor, Gebeimer 8 e. 2 Pets. ( Ghtehngen. — gr Universitätsprofessor,
eimer Hofrat Dr. Bai reiburg i. Br.). — Frau Justizrat Anna Wolff, geb. von Simson (Berlin). · “
Verantwortlicher Schriftleiter: Direktor Dr. Tyrol, Charlottenbur
Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteher der Geschäftsstelle. J. V.: Recknungsrat Meyer in Verlim.
Verlag der Geschäftsstelle (J. V.: Mever) in Berlin.
Dr ck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlaasanst Berlin, Wilhelmstraße 3Z.
Sechs Beilagen
(einschließlich Börsenbeilaae und Warenzeickenbeilage Mr. 86 A und B)
und Erste, Zweite und Dritte Zentral⸗Handelsregister⸗Beilage.
Nr. 243.
(1uꝗGeikage zum Deutschen Reichsanzeiger und Preußisch
Berlin, Dienstag, den 26. Ntober
&ᷣ̊&ᷣ̈ᷣñs
Amtliches.
(Fortsetzung aus dem Hauptblatt.)
Deutsche
s Reich.
2. Nachtrag und Berichtigungen
zum
Verzeichnis der Originalzüchter und Vermehrungsstellen von Wintersaatgetreide in Nr. 185 und 207 des Deutschen Reichsanzeigers vom 19. August und 14. September 1920.
Name und
—
Name und Stand
72
Wohnort oder Vermehrungsstellen Eisenbahnstation Fruchtart
Größe der
mit
nalsaatgut bestandenen Flãche
Origi⸗
ha
Nr. 7. Provinz Sachsen
Himmel, Richard
Strube, Fr., Saat⸗ zuchtwirtschaft
Hörningsche Saatzucht⸗ wirtschaft
4 Nr. 15.
4] Zeiner, Oekonomierat / Neu
Veröffentli vom 10. Juli 1920
Berlin, den 2
Quedlinburg
Vermehrungsstelle
für R. Himmel, “ en:
Provinz Sa
Rittergut Gr. Lübars Schlanstedt
Ballenstedt a. H. (Schloßdomäne A)
Württemberg.
haus
Baden: Gutsverwaltung Ernsthof
Vermehrungsstelle für Oek.⸗Rat Zeiner, Neuhaus.
Gr. Eilenstedt
Ballenstedt
Lübars
8
Reichholzhei
(Tauber)
Direktorium der Reichsgetreidestell
Tie
mann.
m
1
8 8 8 “ 2. Nachtrag und Berichtigungen
zum Verzeichnis der ane
8*
Wintersaatgetreide.
Roggen Roggen
W. Gerste
Dinkel
8
t auf Grund des § 6 der Verordnung über den Saatgutverkehr mit Getreide (Reichsgesetzblatt Seite 1444). 2. Oktober 1920.
rkannten Absaaten in Nr. 193 und 207 des Deutschen Reichsanzeigers vom 28. August und 14. September 1920.
Name und Stand
Wohn⸗ bezw. “ Fruchtart Absaat
Anbauort
An⸗ erkannte Fläche ha
Anerkannt
durch
Nr. 1. Provinz Ostpreußen.
39
Schmidt, Gutsbesitzer
8
Nr. 2. Provinz Westp
Anmerkung: D. L. G. bedeutet Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft, Berlin SW. 11, Destaues Straße 14. 1 45,50 D. L. G.
19]% v. nsahssche
28
Teßler, A., Klosterguts⸗ pächter Wölle, Gutsbesitzer
Wrede, Amtsra
Friedrichsfelde, Guts⸗ verwaltung
Hertz, Frau Ritterguts⸗ besitzer Luise
Landwirtschaftl. Schule
Vollmar, Domänen⸗
pächter
C. Regierungsbezirk Königsberg
Sophienberg (statt Sophien⸗ thal)
Gotzkow
1.4.“
8 Domslaff
88 “
11““ 8
A. Regierungsbezirk Potsdam
Pinnow Biesenbrow
Schöneiche Friedrichsfelde
Kleptow b. Prenzlau
Neuruppin B. Regierungs Merzdorf
Rttgt. Wandern
Jagielski, Franz, Fabrik⸗
. Nr. 4. Provinz Pommern.
L. K. bedeutet Landwirtschaftskammer für die Provinz D. L. G. bedeutet Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft,
Ann rkung 3
v. Cartlow⸗Heyden, Graf, Fideikommisbesitzer Derselbe
Lohse, Gutsbesitzer
8 Nle. Hutelehth Ritter⸗ gutsbesitzer
v. Zitzewitz, Ritterguts⸗
besitzer Lehmann Dr, G Ritter⸗
utsbesitzer Boönm, Beesverwaltung
v. Kayersche Guts⸗ verwaltung Rabbas, Gutsbesitzer
b. Zielenzig
Müssenthin
b. Jarmen Heydenhof
b. Krukow Casekow
ba Verzeen.
agen b. Zei Sllligsdorf
Wend. Carstnitz
Bonin b. Manow Casimirsburg
Angermünde
Schönermark, Kreis Anger⸗ münde
Friedrichshagen
Magerviehhof Friedrichsfelde Kleptow
Neuruppin
bezirk Frankfu Landsberg a. W.
Zielenzig
Jarmen Demmin
Casekow Ruhnow, Reckow
B. Regierungsbezirk
Pottango
Köslin 3
Bast, Casimirs⸗ burg
Garzigar,
b 2 Johannisthal 1 b. Garzigar
Johannisthal
Weizen
Roggen
Roggen Roggen W. Gerste Roggen
rt a. O.
Roggen Roggen
Pommern, Stettin, Werderstraße.
reußen.
Nr. 3. Provinz Brandenburg.
Anmerkung: L. K. bedeutet Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg, Berlin NW. 40, Kron⸗
prinzen⸗Ufer 4—6.
2 t. 1 Ct.1)
LE11““
Berlin SW. 11, Dessauer Straße 14. A. Regierungsbezirk Stettin.
Roggen
Roggen Roggen Roggen
Weizen
Roggen
47,50 zu streichen 20,—
17,50
7,50 7,50
15,— 25,—
L. K.
zu feicen zu streichen zu streichen zu streichen 2. K. L. K. zu streichen
zu streichen zu streichen
Anmerkung:
17] Fink, Rittergutspächter 68 Kuschel, Oberamtmann
N⸗
Derselbe
Vogler,
“
mächtigter Derselbe
8 11.“ 11I1““ 8 Anmerkung: L.K. bedeutet La
71 G Anmerkung:
24
besitzer
Hobohm,
Dresing,
Schalk, Lan
zu streichen
L. G. bedeutet Deutsche Landwirtschaftsgese
Bürkner, Ed., Gutsbes.
von Kramstasche Guts⸗ verwaltung 8 von Rohr, Rittergutsbes. Stümpel, Domänenp. Toepsch, Damänenp. Trog, Rittergutsbesitzer
von Foerstersche Guts⸗ verwaltung Kirchner, Ernst, Ritter⸗ gutspächter Kittergut
Vogler, Rittergutsbes.
Gebhardt, Rittergutsbes. Liebstein,
von Guradze, Bevoll⸗
Wiese, Gräfl. Dom. einrich, Otto, Landwirt Biere einrichs, Aug., Gutsbes. Hundisburg
Wendenburg, Rittergutsbesitzer Hörning, E., Domänenp.
räfl. zu Rantzausche Verwaltung
Rulffes, Rudolf, Do⸗ mänenpächter
Remme, O. Oek⸗Rat Rottmann, Ludolf, Hof⸗
Meyer, Friedr., Do⸗ mänenpächter 8
Grünhagen, Gutsverwltg.
Ehlermann, Karl, Do⸗ mänenpächter
Rathjens, Joh., Hofbes.
Wohn⸗ bezw.
Ftank Anbauort
Eisenbahnstation Fruchtart Absaat
Aner⸗
kannte
Flãche ha
Anerkannt durch
C. Regierungsbezirk Stralsund.
Vierow b. Loitz Fesgen Kessin b. Züssow Züssow Roggen
Nr. 6. Provinz Schlesten.
bedeutet Landwirtschaftskammer für die
A. Regierungsbezirk Breslan. Wiltschau, Rothfürben Weizen
ereis Breslau . Frehans Neumarkt, Buch⸗ Weizen wald⸗Ellgut, Obermois und Cauth Wäldchen Wäldchen
Trebnitz i. Schles. Steinau a. O.
111“
Dürr⸗Hartau
Manze, Kreis Nimptsch
Kellerhof.
Thauer, Kreis Steinau
Kl. Räudchen, Krs. Guhrau
B. Regierungsbezirk Liegnitz. Neudorf Mittlau Roggen
Neukirch, Kreis Neukirch Weizen
Schönau Willenberg, Weizen
Schönwaldau, 18 Schönau Schles. Weizen
(W), Mühl⸗
walde (A) Schönwaldau,
Krs. Schönau
Weizen Roggen
Weizen Roggen
Weizen
Weizen (statt Roggen)
Weizen 1 (statt Roggen) Roggen
Willenberg, Schles.
Kreis Görlitz C. Regierungsbezirk Oppeln. Tost⸗Peiskret⸗ Tost, O. Schles. W. Gerste scham, Kreis Glewitz Gut Sarnau
Wiese, Gräfl. Krs. Neustadt
Nr. 7. Provinz Sachsen.
W. Gerste
Tos b Weizen
t Neustadt
81
B. Regierungsbezirk Magdeburg.
Eggersdorf Roggen Hundisburg Weizen
C. Regierungsbezirk Merseburg. Seeburg Oberröblingen Weizen
Wendelstein Roßleben a. U. Weizen Weizen
Erich,
Nr. 8. Prov
V Pronstorf (nicht Fronstorf)
zu streichen zu streichen
Provinz Schlesien, Breslau X, Matthiasplatz 6. llschaft, Berlin SW. 11, Dessauer Straße 14.
3,1 15 — 2.K.
(stattl)
2 — 15,50 zu streichen
zu streichen
10,75 strei zu streichen
13,—
zu streichen zu streichen
zu streichen
zu streichen zu streichen
zu streichen zu streichen
streichen
streichen
ndwirtschaftskammer für die Provinz Sachsen, Halle a. S., Kaiserstraße 7.
zu b zu streichen 16,25
1 16,50 (statt2) 2
(statt3)
7
Nr. 9. Provinz Hannover.
A. Regierungsbezirk Aurich.
Addinggaster⸗ Norden Weizen Grashaus
b. Norden
S B. Regierungsbezirk Hannover. Bredenbeck Holtensen u. Weizen
Weezen Rotte Schwaförden Roggen
Domäne Gieboldehausen Weizen
Elbingen D. Regierungsbezirk Lüneburg. Grünhagen Bienenbüttel Roggen Scharnebeck Scharnebeck Roggen F. Regierungsbezirk Stade. Dom. Luhne Rotenburg i. H. Roggen
Roggen Dollern Dollern Roggen
Oberamtmann
Roggen
Landwirtschaftskammer für die Provinz Hannover, Hannover, Leopoldstr. 11/13.
1 (sta tt2)
2 5,50 (statt)
(statt 3,—)
1 (statt?)
zu streiche zu streichen
streiche streiche L. K.
2K. *
8 Nr. 10. Provinz Westfalen. 8
B. Regierungsbezirk Minden.
Anmerkung: L. K. bedeutet Landwirtschaftskammer für die Provinz Westfalen,
Weizen
2 Hugo, Landw.
Gut erertup b. Schötmar
Sundern
8 Gustab, Dipl.⸗ Roggen
Weizen
Münster, Schorlemerstr. 6.
1 5,— zzu streichen 1 zu streichen v 8 zu streiche zu s treichen (s. Freist. Lippe)