1920 / 245 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 28 Oct 1920 18:00:01 GMT) scan diff

die zußersten östlichen Grenzbezirle hatten etwa 1 Erad Temntveratmif überschuß aufzuweisen. Entsprechend dem geschilderten Temperaturverlau kam die höchste Luftwärme fast überall in der zweiten Monatshälfte zur Beobachtung, ganz im Westen allerdings strichweise schon zwischen dem 12. und 14.;/ jedoch stieg das Thermometer nur ganz vereinzelt noch etwas über 2502 C. Fröste traten im September nicht auf. Noch mehr als die Temveratur aber gestalteten starke Bewölkung und häufige Niederschläge den September unfreundlich. Die Sonnenscheindauer war namentlich in der westlichen Hälfte des Landes recht gering; Cassel beispielsweise registrierte im ganzen Monat nur 61 Stunden Sonnenschein; es hatte keinen einzigen heiteren, dagegen nicht weniger

die Begriffe von Raum und Zeit die jüngsten sein, zu denen ‚er Mensch gelangte; nach ihnen verlisrt der 2 arkotisierte die Begriffe —. —— von EE“ Fee und 8 . 8 8 ogik. Zuletzt schwindet das Ichbewußtsein. Von den Bewegungen Serltar, Sziehr⸗ an: die Architekten Prof. Paul Bonatz⸗ des Unterbewußtseins bören zuletzt die Atmung und die Herztätigkeit Gebheimrat Prof Frhe⸗ Prof. Friedrich Klingholz⸗Berlin, auf. Seine Unsterblichkeitstheorie baut Schleich auf der Unzerstörbar⸗ bee rcerwad Fo vsch riedrich Pützer⸗Darmstadt, an den durch seine keit des Lebens der Nukleinkerne der Zellen auf, deren jeder zugleich Prof Habert K sen in Milet bekannten Architekturhistoriker 11. einen Stempel der Persönlichkeit trage. An Feuerbachs Münzer Bs 81. in München, an die Maler Prof. Adolf berüchtigten Satz: „Der Mensch ist, was er ißt“, wird man erinnert, an den früͤher 1 orf und Prof. Adolf Hölzel in Stuttgart, wenn Schleich die Ansicht dcger, unser ganzes Wesen werde durch die en Vorsitzenden des Deutschen Werkbundes, Geheimrat Nukleinzellen früherer Geschlechter, die wir mit der pflanzlichen und

Die Feier des 5 0⸗„jährigen Bestehens d

1 B er Techni

Hochschule in Aache n hat einen harmonischen Sns 8

5J und wurde zu einer erhebenden Kundgebung für das eutschtum. Die Hochschule verlieh die Würde eines Ehren⸗

Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger

Verlin, Donnerstag, den 28. Atober

Wer,

wir mit Hilfe unserer Empfindungen schaffen. nach Kants

mäßigkeit“ kund. würdiae biosogische Tatsache, daß jeder Tierkörvper in seine Merk⸗ malsträger ebenso genau eingepaßt ist, wie seine Organe unterein⸗ ander, obgleich die Tiere und die Merkmalsträger einen durchaus ver⸗ schiedenen Ursprung haben. Hier liege ein Weltgesetz vor, das für die Lebewesen von der gleichen Bedeutung sei, wie das Gesetz von

Peter Bruckmann in H Hagener Museums Dr. Karl Osthaus.

1u“

In Breslau ist gestern die Ostdeutsche Sozial⸗

hygienische Akademie eröffnet worden, d . 9 2 2₰ w ck 8 . khcken 8n Farütthten vBeifn, derene derzeis⸗ „der usbildung der staatlichen und izinal⸗

89n rser. eien mll eirhen id kommunalen Medizinal

8 Literatur.

Die gewaltigen Erfolge der neuzeitlichen Naturforschung hab naturgemäß auch zu Versuchen verleitet, das Veferforschung Ergebnisse zu erklären. Sie führten meist zu einem offenen 8 er verschleierten Bekenntnis zum Materialismus und sie mußten bei er angewandten Methode zu diesem Ziele führen. Während die Philosophie sich längst vom Materialismus abgewendet hat, griff unter den Naturforschern die Erkenntnis seiner Unzulänglichkeit nur langsam und unter Widerständen Platz. Die großen Erfolge im Aufdecken der Zusammenhänge der materiellen Welt erschwerten die Erkenntnis

aller äußeren Erfahrung gesteckten Grenzen, wobei wohl anch die

noch von Rudolf Virchow beklagte mangelnde philosophische Schulung

dieser Forscherkreise mitwirkte, in denen bei aller überragenden Fach⸗ kenntnis, Männer von der allseitigen Durchbildung eines Helm⸗ oltz zu den Ausnahmen gehören. In jüngerer Zeit scheint sich hierin ein durchgreifender Wandel zu vollziehen: namentlich die Phyvsiologen und Biologen bekennen sich in wachsender Zahl zu der Anschauung, daß Geistiges und Körperliches unserer Erkenntnis zwar untrennbar verbunden erscheinen, aber besonderen Gesetzen unterworfen sind, daß daber jeder Versuch, auch die Erscheinungen des Geisteslebens durch die aus äußeren Erfahrungen abgeleiteten mechanischen Naturgesetze erkennen und erklären zu wollen, von vornberein zum Scheitern verurteilt ist. Auch in der volkstümlich⸗wissenschaftlichen Literatur, in der die materialistische Lehre meist noch in oberflächlich vergröberter Form verbreitet zu werden pflegt, macht sich der oben gekennzeichnete Umschwung bemerkbar. Es sei beute auf eine Schrift hingewiesen, die der Wiener Biologe J. von Uexküll unter der Bezeichnung Biologische Briefe an eine Dame’ (Verlag der Ge⸗ brüder Paetel in Berlin, geh. 10 ℳ, geb. 14 ℳ) veröffentlicht bat. Wer, durch, den anspruchslosen Titel angezogen, in dem Buch feuilletonistische Plaudereien sucht, die ihn über eine müßige Stunde

binwegtäuschen sollen, möge ihm fern bleiben. Dem ernsthaften Leser aber wird die gehaltreiche Schrift, die im besten Sinne zugleich wissenschaftlich und gemeinverständlich ist, reichen Gewinn bringen und bis zur letzten Zeile fesseln.

1 Zeil In den Briefen werden alle Haupt⸗ fragen der Biologie behandelt, wobei der Verfasser von den

mpfindungen ausgeht, um dann die Gebilde kennen zu lehren, die 1 1 Er legt zunächst Vorbild die Bedingungen klar,

jie von den Erfahrungswissenschaften meist außer acht gelassene

1 grundsätzliche Bedeutung des Subjekts. Die Beschreibung der körper⸗ sichen Vorgange bei Ton⸗, Licht⸗, Geschmacks⸗ und Tastempfindungen st durch anschauliche schematische Abbildungen unterstützt; überall

werden die drei Stufen: Reiz, Erregung und Empfindung hervor⸗

ggehboben und die besonderen Gesetze, die jede dieser Stufen bebherrschen,

erörtent, wohei sich ergibt, daß die unkörperlichen Empfindungen lediglich der Gemütsorganisation ihr Dasein verdanken und auf körver⸗

liche Gebhilde, die sich nur körperlich in Raum und Zeit nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung betätigen, nicht zurückgeführt werden können. In weiteren Briefen sind Entstehung, Art, Familie und Staat vom Standpunkt des Biologen betrachtet. In allen Erscheinungen gibt

ch dem Verfasser eine die gante lebendige Melt beherrschende „Plan⸗ Zu dieser Ueberzeugung führt ihn u. a. die merk⸗

der Erhaltung der Energie für die leblose Welst. Für die Plan⸗ mäßiofeit der Variation, der Anpassung und des Kampfes ums Da⸗ sein führt von Uerküll reiche Unterlagen aus der biologischen For⸗

Heilbronn und an den Begründer des

. unter denen Er⸗ fahrungen überhaupt gewonnen werden, betont also nachdrücklich

tierischen Nahrung aufnehmen, wesentlich beeinflußt. Ueber diese Art Unsterblichkeit hinaus, an der den meisten Menschen, wie Schleich zugibt, wenig gelegen sein dürfte, bekennt er sich zu einer Unsterblich⸗ keit der undefinierbaren, metaphysischen Seele, in der er mit Kant ein Postulat der Vernunft erblickt.

Land⸗ und Forstwirtschaft. 88

Der Bestand an künstlichen Düngemitteln

in Preußen.

Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat der Landesversammlung unter Bezugnahme auf einen in der Sitzung vom 29. September angenommenen Antrag der Abgg. Dr. Reineke und Genossen das Ergebnis der Feststellungen über die Bestände an künst⸗ lichen Düngemitteln, die am 1. September d. J. auf den Erzeuger⸗ werken lagerten, übermittelt. Danach standen zu dem genannten Zeitpunkt zur Verfügung: .

I. Stickstoffdüngemittel: 1. schwefelsaures Ammoniak 47 500 t Ware (20 % N), das ist mehr als eine volle Monats⸗ produktion, 2. Natronsalpeter (Chilesalp.) 15 500 t Ware (16 %), das ist mehr als die doppelte Monatsproduktion, 3. Kaliammon⸗ salpeter 25 000 t Ware (16 % N und 25 % Kali), das ist mehr als die doppelte Monatsproduktion, 4. Ammonsulfatsalpeter 19 500 t Ware (27 % N), das ist mehr als die doppelte Monatsproduktion, 5. Kalkstickstoff 10 000 t Ware (20 % N), das ist die Hälfte einer Monats⸗ produktion, 6. sonstige Stickstoffdüngemittel (Gipsammonsalpeter, salz⸗ saures Ammoniak usw.) 10000 t Ware, im ganzen 127 500 t Stickstoff⸗ düngemittel. Bis Ende Juni erfolgte eine normale Abnahme, von da ab stockte der Absatz außer bei schwefelsaurem Ammoniak fast vollkommen. Juli und August sind als Erntemonate immer schlechte Absatzmonate. In den früheren Jahren nahm der Absatz im September für die kommende Herbstbestellung regelmäßig stark zu. In diesem Jahre ist dies nicht der Fall gewesen. Die Zunahme der Lagerbestände seit Juni 1920 lassen die folgenden Bestandsangaben erkennen: P. phens rd. 30 000 t Ware, das ist normaler Bestand, 1. Juli :d. 50 t Ware, 1. August 1d. 70 000 t Ware, 1. September rd. 130 000 t Ware.

II. Kali: Am 1. September 1920 befanden sich auf Lager an Kalisalzen, berechnet auf Chlorkali mit 50 53 ¹% Reinkali, 90 00 t, am 1. August 83 260 t, am 1. Juli 57 622 t. Kali steht in erheb⸗ lichen Mengen zur Verfügung. An Kalirohsalzen könnte das Drei⸗ fache geliefert werden, und zwar täglich 3000 4000 Waggons, wenn entsprechende Aufträge vorhanden wären und wenn die genannte Wagenzahl zur Verfügung stände. Infolge der ungewöhnlich frühen Bestellung im Frühjahr dieses Jahres befinden sich beim Landwirt und auch beim Händler noch erhebliche Mengen zu spät eingetroffener Kalisalze. Die Abnahme ist zurzeit

III. Phosphorsäure: Am 1. September betrug der Be⸗ stand an 1. Thomasphosphatmehl 3600 t, 2. Superphosphat 43 800 t, 3. Ammoniak⸗Superphosphat 30 500 t, darin Superphosphat 15 000 t, 4. Rhenaniaphosphat 5700 t, 5. Knochenmehl 700 t, die Gesamt⸗ menge 68 800 t. Der Absatz an Thomasmehl hat dank der besseren Wagengestellung in den letzten Monaten etwas zugenommen. Absatz⸗ schwierigkeiten bestehen nicht, die Nachfrage nach diesem billigsten Phosphorsäuredüngemittel kann im Gegenteil zurzeit nicht befriedigt werden. Die Produktion ist ziemlich gleichmäßig geblieben. An Superpbosphat hat die Produktion während der letzten Monate etwas zugenommen, der Absatz aber abgenommen. Auch für Rhenania⸗ phosphat ist der Absatz neuerdings schlechter geworden.

Theater und Musik.

Im Opernhause singt morgen, Freitag, Maria Ivogün in Johann Strauß' „Fledermaus“ die Adele. In den übrigen Haupt⸗ rollen sind die Damen von Catopol⸗Batteux, Mancke und die Herren

hilipp Schützendorff, Sommer, Boettcher, Krasa und Vespermann 8. Musikalischer Leiter ist Max von Schillings. Anfang

Im Schauspielhause wird morgen „Der Kronprinz“ mit Lothar Müthel in der Titelrolle und Eduard von Winterstein als König wiederholt. Anfang 7 Uhr.

Im Thaliatheater wird in Abänderung des Spielplans vom Sonnabend ab allabendlich wie auch Sonntagnachmittags das Singspiel „Die närrische Liebe“ wieder aufgeführt. In den Haupt⸗

als 19 trübe Tage, und ähnlich ungünstig lagen die Verhältnisse an vielen anderen Orten. Nach Osten hin gab es etwas mehr heitere Tage, die sich dort vorzugsweise in der letzten Woche einstellten. Bei der großen Häufigkeit des Regens wuchsen die gemessenen Mengen vielfach über die Normalwerte für September hinaus. Am nassesten war diesmal nach der Gesamtmenge des Monats der Nordosten und der Süd⸗ westen, während die mittleren Landesteile 8 Niederschläge empfingen. Wenn nun besonders bemerkenswerte Beträge weder nach der einen noch nach der anderen Seite hin erreicht wurden, so blieb doch, und zwar auch in den trockneren Gebieten, der Eindruck zu feuchten Wetters vorherrschend, da die Zahl der 85 mit Regen groß war, außerdem noch Tage mit nässendem Nebel hinzukamen und in den Zwischenzeiten der Boden nur wenig trocknen konnte. Vorwiegend trockenes Wetter entwickelte sich in der west⸗ lichen Hälfte des Beobachtungsgebiets nur zwischem dem 9. und 14., in der östlichen Hälfte vom 24. bis 30. September. Zu Beginn des September finden wir ein von Polen dahin gewandertes, nun mehr in Auflösung begriffenes Luftdrucktief mitten in Deutschland liegen, wo es im Anschluß an die Schlechtwetterperiode von Ende August in weitem Umkreis noch zwei Tage lang regnerisches Wetter verursachte. Unmittelbar darauf machte ein kräftiger und umfang⸗ reicher ozeanischer Luftdruckwirbel seinen Einfluß durch Fort⸗ setzung der Regenfälle geltend, die namentlich im Küstengebiet ergiebig ausfielen. Bei seinem Fortschreiten über das süd⸗ liche Skandinavien nach dem Baltikum rief er außerdem vom 5. bis. 7. in Norddeutschland starke Winde hervor, die ihrer⸗ seits die schon vorher tiefen Temperaturen noch weiter erniedrigten. Mit dem 8. September folgte hinter der abgezogenen Depression hoher Luftdruck nach, machte im allgemeinen dem Regenwetter ein Ende und verursachte in der Folgezeit sogar ziemlich sonnige Tage. Nur im Nord⸗ often brachte eine Druckstörung am 11. und 12. wieder Gewitterregen, wogegen im Westen vom 12. bis 14. schon Erwärmung eintrat. Allgemein und in stärkerem Maße setzte diese mit dem 16. ein, als sich der hohe Druck nun nach Osten verlagert und Gefälle nach Westen ausgebildet hatte, so daß eine warme Südströmung zu uns gelangen konnte. Bei dieser Anordnung blieb es bis zum 18. September, vom 19. an gestaltete ich die Druckverteilung häufiger um: zuerst wirkte vorübergehend ein in

ordeuropa befindliches Tief bei uns ein, dann wurde das mittlere Europa zum Sitz flacher Depressionen. Das Wetter war dabei bis zum 23. ziemlich trübe; häufig siel Regen, z. T. unter Begleitung von Gewittern. Im Laufe des 24. bildete sich über dem südlichen Skandinavien ein kräftiges Hochdruckgebiet aus, das sich alsbald nach Nordwestrußland verlagerte und dort bis zum Schluß des Monats Bestand hatte. Seinem Vorhandensein verdankte die nordöstliche Hälste unseres Gebietes während dieser letzten Septemberwoche größtenteils trockenes und heiteres Wetter, während der Südwesten auch weiterhin bei fortdauernd starker Bevölkung noch öftere Nieder⸗ schläge erhielt.

Skagen, 27. Oktober. (W. T. B.) Ein Fischkutter brachte heute in dem von den Deutschen gereinigten Felde von Herthas Flaak mit dem Fischnetz eine Mine an die Oberfläche des Wassers. Die Mine berührte das Achterteil des Schiffes, doch gelang es, die Fischgeräte freizumachen, und die Mine sank, ohne zuerplodieren. Es ist dies das erstemal, daß, seitdem die Deutschen die Minensuche beendet haben, bei Herthas Flaak eine Mine festgestellt wurde.

Aeronautisches Observatoriu Lindenberg, Kr. Beeskow.

27. Oktober 1920. Drachenaufstieg von 7 a 00 bis ..

Wind

Geschwind. Selund.⸗

Relative Feuchtig⸗

oben unten 8 Richtung

Seehöhe Luftdruck Temperatur Co

m mm

122 759,5

370 736

520 722 1250 661 2710 550

NWzW N NNW NNO

Welt.

ichtamftiches.

(Fortsetung aus dem Hauptblatt.

1 Deutscher Reichstag. 22. Sitzung vom 27. Oktober, Nachmittags 1 Uhr.

(GWericht des Nachrichtenbüros des Vereins deutscher Zeitungsverleger“).)

Am Regierungstisch: der Reichskanzler Fehrenbach, die ter Dr. Simons, Dr. Heinze, Gies⸗ „Dr. Die Besprechungen der Interpellation, betreffend das isherige Ergebnis des Gesetzes über die Entwaffnung evölkerung, wird, chdem Reichskommissar zur Beantwortung innerhalb der geschäfts⸗ ist bereit erklärt hat, mit der allgemeinen

eichshaushalt verbunden. Die Interpellation wegen der Zerstörung der

Diefelmotoren will der Reichsminister Dr. Simons

am Freitag beantworten, die Aussprache wird ebenfalls mit der Etatsberatung verbunden.

Präsident Löbe teilt noch mit, daß das Wahl⸗ prüfungsgericht am 2. und 3. November im Reichstag die ersten Sitzungen abhalten wird. Die Leitung der Frank⸗

er internationalen Messe dankt den Reichstagsmitgliedern für hren Besuch.

Das Haus tritt sodann in die erste Lesung des Ent⸗ wurfs des Reichshaushaltsplans für das Rechnungsjahr 1920 ein.

Reichskanzler Fehrenbach: Meine Damen und Herren! Wir sind in einen Tagungsabschnitt eingetreten, der schwere Anforderungen an Ihre Kräfte stellen wird. Lassen Sie mich die Hoffnung aus⸗ sprechen, daß Ihre mühevolle Arbeit dem Reiche zum Segen dienen werde. Als wir im Sommer auseinandergingen, hatten wir die Aus⸗ sprache über Spaa hinter uns. Unheimlich lastete auf uns allen der Druck des neuen Diktats, das wir über uns hatten ergehen lassen müssen. Jeder trug mit sich die bohrende Frage heim, wie das deutsche Volk die furchtbaren Anforderungen bestehen würde, die wir nach dem Verlangen der Europa regierenden Mächte ihm stellen mußten. Harte Arbeit war einem ohnehin schon bis zur Grenze belasteten Teil unserer Bevölkerung zugemutet. Es war ein Moment, wo mit unbarmherziger Klarheit unserem Volke vor die Augen trat, unter welches drückende Joch es gebeugt war. Damals wurden die Verfügungen getroffen, die endgültig festlegten, daß wir aus der Reihe der waffenmächtigen Nationen gestrichen waren. Was man uns ließ, genügte nach allge⸗ meinem Urteil nicht einmal, um die Ruhe im Innern unseres bis ins Tiefste aufgeregten Volkes zu sichern. (Hört! hört!) Was uns blieb, war nichts anderes, als eine kümmerliche Polizeimacht.

Das Schicksal lastet schwer auf unserem Volke. Wenn es sich bis⸗

weilen gegen die ihm auferlegten Leiden in Verzweiflung aufbäumt, so sollte man uns draußen den kalten Hohn ersparen. (Sehr richtig! bei den Mehrheitsparteien.) Auch in seiner jetzigen Lage hat unser tapferes und schwergeprüftes Volk nach allem, was es in jahrelangen Kämpfen geleistet und geduldet hat, Anspruch auf die Achtung dieser (Lebhafte Zustimmung bei den Mehrheitsparteien.)

Es liegt uns ob, uns unsere Lage ganz klar zu vergegenwärtigen. Es ist völlig zwecklos, sich in irgendwelchen Wahnvorstellungen zu ergehen, welche notwendige Entschlüsse und Maßnahmen nur er⸗ schweren. Unsere Lage ist die: Wir sind militärisch gebrochen, politisch stillgelegt und ringen wirtschaftlich um den kärglichen Lebensatem. Ein Volk in dieser Lage darf keinen Abenteuern ausgesetzt werden.

eßler, Dr. Wirth und Dr. Brauns.

den zu erleben, daß es die Schlachten fremder Gewalthaber auf seinem eigenen Boden hätte schlagen müssen. Vielleicht ist auch heute noch diese Gefahr nicht ganz überwunden. Jedenfalls haben wir Anstrengungen gesehen, um die deutschen Arbeiter vor den russischen Kriegswagen zu spannen. Der gute Geist unseres Volkes wird sich das ist meine feste Zuversicht stark genug erweisen, um diesen Versuchungen auf die Dauer zu widerstehen.

Oft hat es geschienen, als ob der Teil unserer Bevölkerung, dessen Wohl und Wehe mit den Vorgängen im Osten besonders eng verknüpft ist, nicht genügend die Gefahren beachtete, die immer drohend an unserem westlichen, Himmel stehen. (Zustimmung bei den Deutschen Demokraten und im Zentrum.) Vielleicht haben sich das auch diejenigen nicht ganz klar gemacht, die sehnsüchtig danach ver⸗ langten, daß wir den Gewaltakten der Polen in Oberschlesien mit Gewalt begegnen sollten. In der Kette, die uns drückt, greift eins in das andere, und wenn im Osten an ihr gerüttelt wird, fühlen die Glieder im Westen um so schneidender ihren schmerzhaften Druck. Das ist ja das Entscheidende in unserer ganzen Lage und nötigt unserer äußeren Politik in vielen Beziehungen die Zwangs⸗ läufigkeit auf, gegen die man wohl große Worte machen kann, die zu

beseitigen aber bisher noch niemand Mittel und Wege gewiesen hat.

(Sehr richtig! bei den Deutschen De kraten und im Zentrum.) Innerhalb dieser Grenzen, die deutlich zu bezeichnen meine Pflicht ist, glauben wir nichts versäumt zu haben, was unsere auswärtige Lage verlangt. Ueber die Einzelheiten zu berichten, darf ich dem Herrn Reichsminister des Auswärtigen überlassen. Weniges nur noch über den Stand der Dinge, die durch das Versailler Friedens⸗ instrument reguliert werden, und zunächst über diejenigen Punkte, die in Spaa festgelegt worden sind. Die Abrüstung! Die Maßnahmen zu der vorgeschriebenen Verkleinerung unseres Heeres gehen ihren geordneten Gang. So schwierig dieses Problem auch ist, und so schwer gerade diese Anforderungen für ein Volk mit unseren historischen Erlebnissen zu tragen sind wir werden uns genau an das halten, was uns auferlegt ist. Die bewährte Disziplin unserer Truppe wird auch dieser letzten Probe standhalten.

Einen deutschen Militarismus gibt es nicht mehr. (Lachen bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.) Wenn draußen in der Welt noch immer gelegentlich versucht wird, den blutlosen Schemen des deutschen Militarimus zu beschwören, um eigene militaristische Pläne zu decken (Sehr gut! bei den Deutschen Demokraten und im Zentrum), so möchte ich glauben, es wird heute niemand mehr getäuscht damit, es sei denn, daß er ein Interesse hat, sich täuschen zu lassen. (Heitere Zustimmung.) Militärisch sind wir gegenwärtig nur Zuschauer der machtpolitischen Kämpfe, die sich in der Welt abspielen (sehr richtig!), und die innerhalb der europäischen Arena vornehmlich den Anspruch Frankreichs auf die Hegemonie auf dem Kontinent zur Erscheinung bringen. Sie haben die Ziffern gelesen, die neulich über die französische Heeresstärke mitgeteilt worden sind. Es ist eine gewaltige Militär⸗ macht, verstärkt um die Kräfte, die ihr aus der Militärkonvention mit Belgien und aus dem engen Verhältnis zu Polen zuwachsen. Daß alle diese militärischen Veranstaltungn notwendig wären, um das zer⸗ schmetterte Deutschland niederzuhalten, zu diesem frommen Glauben wird sich die Welt nicht allzu lange mehr verstehen. (Sehr gut! rechts.) Von deutscher Seite liegt heute jedenfalls kein Hindernis mehr vor, dem großen Gedanken der Abrüstung überall zum Siege zu verhelfen. (Bravo!l bei den Deutschen Demokraten.) Wir warten darauf, daß die großen Militärmächte von heute dem Beispiel folgen, das wir nach ihrem Willen gegeben haben. Nach den Bedingungen des Friedenvertrages soll die deutsche Abrüstung nur die Einleitung Wir haben ein Recht

Mit einem Worte komme ich noch einmal auf Spa zurück. Wie Sie wissen, sind uns dort nicht nur Auflagen gemacht, sondern auch Zusagen gegeben worden. Eine wesentliche Zusage war die, daß auf einer neuen Konferenz über die Frage der Reparationen, die in Spa nicht mehr erledigt werden konnten, verhandelt werden würde. Noch heute warten wir auf die Erfüllung dieser Zusage. Inzwischen sind Verhandlungen eingeleitet worden, deren Gang und Ergebnis uns darüber aufklären wird, ob diese wichtige Frage, die entscheidend für das künftige Wirtschaftsleben ganz Europas ist, im Sinne der Verständigung über die deutschen Leistungen einer Lösung näher ge⸗ bracht werden soll. Ich glaube, daß es gegenwärtig nicht nützlich ist, auf diese Verhandlungen näher einzugehen; jedenfalls bringen wir zu ihnen den guten Willen mit, der dann allerdings vergeblich ein⸗ gesetzt wäre, wenn auf der anderen Seite auch nur entfernt Pläne ge⸗ hegt werden, wie sie sich in geradezu phantastischen Zahlen gewissen Zeitungsartikel ausdrücken.

Meine Damen und Herren! Die völlige Unsicherheit, in der sich Deutschland noch heute, sechzehn Monate nach Unterzeichnung des Friedens, befindet, spricht sich auch darin aus, daß wir noch nicht wissen, welche Grenzen das Deutsche Reich der Versailler Bestim⸗ mungen haben wird. Das Schicksal Oberschlesiens harrt noch der Entscheidung. Der polni Vergrößerungsdrang, der nach allen Seiten aggressiv vorgeht, sucht sich mit den brutalsten Mitteln in diesen alten deutschen Besitz einzufressen. (Sehr richtig!) Vielfach wird die Sorge laut, und leider entbehrt sie nicht der Gründe, daß Kräfte am Werke sind, die den Versuch machen, die unbeeinflußte Entscheidung durch die Stimmen der Oberschlesier auszuschalten und das Land durch Akte der Gewalt in polnischen Besitz zu bringen. (Hört! hört!) Die Treuhänder der Rechte Oberschlesiens, die alliierten Mächte, sind über alle diese Dinge gemiß nicht weniger genau unter⸗ richtet als wir selbst. An sie ergeht die Forderung, Gewalt abzu⸗ wehren und dem Versailler Instrument auch da Geltung zu ver⸗ schaffen, wo es in einem letzten Anklang an die Bedingungen, unter denen wir die Waffen niedergelegt haben und um die man uns gegen Treu und Glauben gebracht hat (lebhafte Zustimmung rechts), ein Recht des Besiegten zu wahren geeignet ist. Unsere Landsleute in Oberschlesien aber werden fest sein das hoffen wir zuversichtlich in der Treue zum Reiche. (Allseitiger lebhafter Beifall.) Den be⸗ sonderen Verhältnissen Oberschlesiens werden wir Rechnung tragen. Dem Reichstag wird demnächst ein Gesetzentwurf zugehen, der der oberschlesischen Bevölkerung das Recht einräumt, in unbeeinflußter Abstimmung über ihre bundesstaatliche Selbständigkeit zu entscheiden. Was die Oberschlesier von den freigebig ausgeteilten polnischen Ver⸗ sprechungen zu halten haben, wissen sie selbst. Als Bestandteil Polens würde Oberschlesien die Aufgabe zufallen, die Wirtschaft und die Finanzen eines Staates zu sanieren, dem die eigentlichen Grundlagen des wirtschaftlichen und finanziellen Aufbaus fehlen. (Lebhafte Zu⸗ stimmung.)

Meine Damen und Herren! Wir stehen mitten in einer Er⸗ nährungskrise, und es wird vieler Mühe bedürfen, um unsere Bevölk rung über die Schwierigkeiten des Winters hinwegzubringen. Die Angriffe, als träfe das gegenwärtige Kabinett an diesen Zuständen eine Schuld, greifen völlig fehl. In der Preispolitik hat dies Kabinett lediglich die Erbschaft seines Vorgängers übernommen. Das ist eine bekannte Tatsache. Ich stelle sie aber ausdrücklich fest, damit sie nicht verdunkelt wird.

Sodann der Abbau der Zwangswirtschaft. Meine Damen und Herren! Wir wollen uns doch nichts vorreden. Dieser Abbau ist. soweit er beschlossen wurde, doch nur der Ausdruck für die Tatsachen gewesen, daß die Zwangswirtschaft längst zusammengebrochen war

einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung sein. (lebhafte Zustimmung rechts, im Zentrum und bei den Deutschen Demokraten) und keine Regierung die Mittel besitzt, sie gegenwärtig wieder aufzurichten. (Sehr richtig!) Die sehr interessanten Aus⸗ einandersetzungen zwischen den Herren Schmidt und Wissell, die auf dem Casseler Parteitag stattgefunden haben, entheben mich weiterer Darlegungen. Im übrigen werden uns die Ernährungsfragen ja noch eingehend beschäftigen. Aber lassen Sie mich auch in dieser Stunde an alle, die es angeht, den Appell richten, dazu das ihrige zu tun, daß unser Volk auch diesen Winter erträglich übersteht. Wer den Hunger des Volkes ausmünzt, schafft sich ein Teufelsgeld. Der Fluch der Hungernden klebt daran. (Bravo! und Sehr gut!)

Dabei darf nicht vergessen werden, daß die Ernährungsschwierig⸗ keiten Teil und Folge der großen, katastrophalen Finanz⸗ und Wirt⸗ schaftskrise sind, die wir auf Schritt und Tritk, im Haushalt jeder Familie vor uns sehen, die in der Arbeitslosigkeit sich in noch immer wachsendem Maße geltend macht, die in den Etatszahlen Ihnen in fürchterlicher Deutlichkeit vor Augen tritt, die als Folge des Welt⸗ krieges und des Versailler Friedens ganz Europa mit Ruin bedroht. Auch hier/ muß ich die näheren Erörterungen den Fachministern über⸗ lassen. Diese wenigen Ageutungen aber gehören zu dem Gesamtbilde. das ich mir vorgenommen habe, Ihnen ohne jede Verschönerung zu zeigen.

Welche Folgerungen sind zu ziehen? Meine Damen und Herren! Es gibt keine Regierung, kein Parlament, das heute dem deutschen Volke ein Dasein des Auskommens, der Behaglichkeit, der Fülle schaffen könnte. Nur Scharlatane dürfen die Behauptung wagen, daß sie die Mittel dazu besäßen, daß alles besser würde, wenn man nur die Welt nach ihren Rezepten kurierte (Beifall und Zustim⸗ mung), nur Scharlatane oder bewußte Lügner und Verbrecher. (Er⸗ neute Zustimmung.) In ihrem vergeblichen Suchen nach Besserung ihrer Lage, in ihrer begreiflichen Verzweiflung an der Gegenwart, viele in gutgläubigem Idealismus, noch mehr aber in dem blinden Drang nach irgendeiner Aenderung, hat ein Teil unserer Bevölkerung den Lehren der russischen Terroristen das Ohr geöffnet. Was es mit den Segnungen der Sowjetwirtschaft auf sich hat, haben deutsche Arbeiter an Ort und Stelle erprobt. In tiefer Enttäuschung sind sie heimgekehrt. Jetzt haben unsere Arbeiter Gelegenheit gehabt, die russische Lehre aus dem eigenen Munde ihrer Propheten zu vernehmen. Ich glaube trotz der Hallenser Majorität für den Anschluß an die dritte Internationale, daß nur ein kleiner Bruchteil des deutschen Volkes Neigung haben wird, die russische Methode am deutschen Körper zu versuchen. (Lebhafte Zustimmung.) Unsere Aufgabe aben

(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Jeder kleinste Fehler kann 1 1 die schwersten Konsequenzen haben. Daraus ergibt sich die Mahnung darauf, daß im Geiste dieser Bestimmung gehandelt wird. .

zu steter und wachsamer Besonnenheit. Der Friede von Versailles Weiter die Entwaffnung! Auch hier geht es in normaler Weise bringt es mit sich, daß zahllose Kommissionen in deutschem Lande voran. Unsere Zuversicht ist gestiegen, daß es uns gelingen wird, tätig sind. Ihnen sind Aufgaben gestellt, deren Durchführung viel die uns gestellten Anforderungen zu erfüllen. Die Einzelheiten mit⸗ Peinliches für uns hat. Im Ertragen dieser Dinge können wir zuteilen, überlasse ich dem Entwaffnungskommissar. Mit Befriedi⸗ Würde zeigen. Wir sind uns schuldig, und niemandem gegen⸗ gung möchte ich aber doch feststellen, daß gerade der Fortgang der

rollen sind die Damen Nitter, Krupp, Reinecken, die Herren Blaß, 3000 530 Meyn, Stolzenberg beschäftigt. 3350 506

3700 485 Mannigfaltiges.

Das Hauptversorgungsamt der Provinz Branden⸗ 3 1 burg ist mit dem 22. Oktober nach Berlin⸗Schöneberg 1, General⸗ 8 3 3 Pape⸗Straße (unmittelbar am Ringbahnbof Papestraße) verlegt worden. (Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Alle Zuschriften sind an diese Adresse zu richten, ausgenommen 8 und Zweiten Beilage.) Angelegenheiten, welche die gesetzliche Versorgung der Witwen und Waäisen betreffen; diese sind zu senden nach: , 8 Berlin NW. 6, Schiffbauerdamm 5. Zum Geschäfts⸗ bereich des Hauptversorgungsamts gehören nachstehende Versorgungs⸗ ämter: Guben, Crossen, Küstrin, Woldenberg, Landsberg a. W., Frankfurt a. O., Kalau, Cottbus, Potsdam, Jüterbog, Perleberg, Brandenburg a. H., Prenzlau, Neuruppin, Spandau, Schwerin a. W.

Das Eisenbahnbetriebsamt4 Berlin teilt mit: Gestern um 4 Uhr 47 Minuten Vormittags ist der Personenzug 375 auf Bahnhof Für stenwalde auf den in langsamer Rangier⸗ bewegung befindlichen Leerzug 3020 infolge vorzeitiger Signal⸗ freigabe aufgefabhren. Vier leere Wagen sind entgleist und stark beschädigt. Ein Reisender wurde durch ein herabfallendes Gepäckstück leicht verletzt. Beide durchgehenden Hauptgleise und das Ueber⸗ holungsgleis 3 sind gesperrt. Die Züge werden über das Ueber⸗

schung an. Eraebnisse, die ihn zur Ablehnung des Darwinismus führen. Die Erkenntnis dieser Planmäßigkeit aibt dem Menschen seine Umwelt wieder und errettet ihn von der trostlosen Annahme, daß die Welt nichts sei, als ein Spiel seelenloser Atome. Im letzten Brief kehrt der Verfasser, nachdem er die mit Hilfe der Empfindungen gesckaffenen Gebilde untersucht hat, zu dem Ausganaspunkt seiner Ansfübrungen, zu den Empfindungen, zurück. Er versucht es, auch fůr die schwer faßbare Organisation dieser Organe, für das Gemüt, ein Schema zu entwerfen. Im planvollen Ineinandergreifen der ver⸗ schiedenen Gemütsaffektionen erkennt er einen durchgreifenden gesetz⸗ lichen Zwang, von dem allein das Gewissen ausgeschlossen zu sein scheine, da es selbst dauernd Imperative dem Urteilsorgane zugeben lasse, ohne solche zu empfangen. Indem die Biologie die Plan⸗ mäßigkeit, die Teifnahmeé des Gewissens an der geistigen Gesetzgebung und die Unnerstörbarkeit der technischen Naturgesetze anerkennt, berührt sie die höchsten Fragen der Philosophie: Gott, Freiheit und Insterblichkeit, auf die ihre letzten Ergebnisse hinweisen. An dieser Grenze macht der Verfasser balt, die Führung durch psvchologische, metavhvsische und mystische Probleme den Sachkundigen in diesen Gebieten überlassend.

Anders zu bewerten ist ein neuerschienenes Buch des Berliner Chirurgen, Professors Dr. Carl Ludwig Schleich „Bewußt⸗ sein und Unsterblichkeit“ (Deutsche Verlaasanstalt, 12 ℳ. Man vermißt in dieser anregenden Schrift vielfach eine klare Gliederung der Gedanken und ihre tiefere wissenschaftliche Begründung; 1 Mängel, die zum Teil wohl darauf zurückzuführen find, daß in holungsgleis geleitet. Der Personenzug 375 erlitt 226 Minuten, die dem Buche sechs in der Lessing⸗Hochschule vor einem Hörerkreis von folgenden Züge bis 9 Uhr Vormittags geringere Verspätungen. Die verschiedener Bildung gehaltene Vorträge wortgetreu wiedergeneben BHauptgleise waren um 12 Uhr Mittags wieder fahrbar. sind. Man gewinnt aber auch den Eindruck, daß an dem Entstehen —— der entwickelten Gedanken und Hypothesen die Pbantasze des Verfassers in hobem Grade beteiliat gewesen, und wenn diese köstliche Seelenkraft

auch bei den wichtigsten wissenschaftlichen Entdeckungen Pate ge⸗ standen hat, so ersckeint es doch ratsam, wissenschaftliche Hypothesen in der breiten Oeffentlichkeit nur mit Vorsicht zu behandeln. Auch Schleich bekennt sich als Gegner des Materialismus. Nach seiner Beariffsbestimmung sind „Geist“ und „Ich“ zwar etwas Physisches, Funktionen der Ganglienzellen; die „Seele“ aber etwas Meta⸗ phvsisches, kein Produkt des Körpers, sondern etwas den Leib Schaffendes und ihn Durchrieselndes. Eine Bestätigung des Saätzes Platons, daß „nichts in der Welt geschaffen werden kann, bevor der Gedanke devon vorhanden gewesen ist“, glaubt er in der Tatsache gefunden zu haben, daß im Zustand der Hvsterie, in der er eine Perversion der Phantasie erblickt, allein durch den Einfluß der Gedanken körperliche Gebilde entstehen können. Die Schrift enthält auch sonst viele Angaben über interessante Forschunasergebnisse des Verfassers, für deren wissenschaftliche Erhärtung aber naturgemãß das in ihr Mitgeteilte nicht ausreicht. So hat Schleich z. B. der Beobachtungen darüber angestellt, in welcher Folge bei der Narkose noch sommerli die Ganalienschichten des Gehirns betäubt werden und die einzelnen vorwiegend unter dem Normalwert. Erst um die Monatsmitte Bewußtseinabegriffe schwinden. Er nimmt an, daß man aus dieser sie über diesen und blieben bis zum Schluß des Monats zumeist ver⸗ Folge das Alter der einzelnen Gehirnschichten und das der mit ihnen hältnismäßig hoch. Dadurch kam das gesamte Monatsmittel der Tempe⸗ verbundenen geistigen Funktionen feststellen könne, da die jüngsten ratur dem vieljährigen Durchschnitt überall noch ziemlich nahe: nur Schichten zuerst von der Betäubung ergriffen würden. Danach würden l wenige Zehntel lag es im größeren Teile des Landes unter diesem; allein

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über diese Würde außer acht zu lassen. ihr richtig! bei den Mehr⸗ Entwaffnungsaktion als ein Zeichen einer gewissen inneren Beruhi⸗ heitsparteien und den Sozialdemokrat Verstöße gegen diese gung unseres Volkes zu unseren Gunsten gebucht werden kann. .elementaren Forderungen unserer Lage, Verstöße insbesondere gegen Sodann das Kohlenabkommen! Diese härteste Probe, die unserem die international gewährleisteten Rechte von Vertretern fremder Wirtschaftsleben auferlegt worden ist! Wir sind bisher nicht hinter Staaten müssen wir bitter büßen. (Lebhafte Zustimmung.) Leider sind dem zurückgeblieben, was von uns verlangt wird. Unermüdlich ist sie nicht vermieden worden. Auf ihre Folgen weise ich warnend hin. im Kohlenbergbau gearbeitet worden. Die deutschen Wirtschafts⸗ (Sehr gut!) interessen haben überall zurückstehen müssen. Und was sehen wir jetzt? Ein schwerer Fehler, der uns in den letzten Abgrund gestürzt Frankreich ist überreichlich mit deutschen Kohlen versorgt. (Lebhafte hätte, wäre es gewesen, wenn wir uns hätten verleiten lassen, in den Rufe: Hört! Hört!) Dafür wird bei uns ein Hochofen nach dem russisch⸗polnischen Krieg einzugreifen. (Sehr richtig! bei den Mehr⸗ anderen ausgeblasen (hört! hört! rechts), leidet die Industrie und heitsparteien.) Es gab nuͤr eine Parole für uns, die Parole der der Verkehr schwere Not, wächst die Zahl der Arbeitslosen ins Un⸗ strikten Neutralität. An Versuchen hat es nicht gefehlt, Deutschland endliche. Wohin wir auch blicken, überall die schwerste Bedrängnis, von diesem schmalen Pfade, den es zu seinem eigenen Heile gehen überall schwere unlösbare Aufgaben, die, hervorgerufen durch den mußte, herunterzustoßen. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Kohlenmangel, aus jeder Richtung auf unser Wirtschaftsleben ein⸗ Heute werden auch diejenigen Schichten der Bevölkerung, die mit

stürmen. fieberhaftem Anteil den Vormaesch der Sowjettruppen verfolgten, es Am krassesten und handgreiflichsten zeigt sich die Unmöglichkeit der deutschen Regierung danken, daß sie unbeirrt durch Phantas⸗

des Versailler Diktats immer wieder im Okkupationsgebiet. (Leb⸗ magorien ihren geraden Weg verfolgt hat. (Lebhafte Zustimmung bei hafte Zustimmung.) In Strömen rinnt aus dieser Wunde das deutsche den Mehrheitsparteien.) Man wird auch erkannt haben, daß es nicht

Lebensblut. Sie kennen die geradezu trostlosen Zahlen, die ziffern⸗ wohlgetan ist, durch ungeregelte Eingriffe lokaler Stellen, die in den mäßig den Aufwand darstellen, den wir für die fremde Okkupation großen Gang der Dinge keinen Einblick haben, der Reichsregierung

zu leisten haben. Geht es so weiter, so frißt der französische Mili⸗ die Hand zu zwingen und eine überlegte Staatspolitik zunichte zu tarismus mit den Resten des deutschen Wohlstandes auch die letzten machen, (sehr wahr! bei den Mehrheitsparteien) nicht wohlgetan von Hoffnungen Frankreichs auf Reparationen auf. (Lebhafte Zustim⸗ denen, die guten Glaubens waren, verbrecherisch von solchen, die als mung.) Welche entsetzlichen Prüfungen für große Teile unserer Be⸗ Werkzeuge in fremden Diensten und in fremden Interessen tätig völkerung sich aus den Zuständen der Okkupation ergeben, dafür⸗ waren. (Lebhafte Zustimmung bei den Mehrheitsparteien.) Die haben wir eine Ueberfülle von Belegen. Ich will nicht das schmerz⸗ Reichsregierung wird es als ihre Pflicht erachten, solchen Versuchen

liche Bild aufrollen, das die Verwendung schwarzer Truppen mit it all tschiedenheit entgegenzutreten. (Bravo bei den Mehrheits⸗ allen ihren Folgen darbietet. (Pfuirufe rechts.) Zerstörte Menschen⸗ 8 6“ schickale erheben erschütternde Anklagen. Wann wird die Welt sie erad Verlag der Geschäftsstelle (J. V.: Mever) in Berlin. , mei und Herren, wir haben durch alle An⸗ hören? Unseren Nachbarn im Westen aber möge gesagk sein, mit ersten Hülste des Monats; in der 88 am thesten 8 und Vhehn.. 8 Faätenae Stg Pattis —— können, und dem deutschen diesen Mikteln werden sie die Neigung der deutschen Bevölkerung im e Wärme entwickeln kann, hielten sie sich und ruc ber peorceZenein Wilhelmckrabe I3. b Volke ist es erspart geblieben, zu allem anderen Jammer auch noch ebesetzten Gebiet nicht erzwingen. (Sehr richtig! rechts.) Sie säen

tiegen 3 b Fünf Beilagen 18 Gefühle des Hasses, die sich ap so tiefer einprägen werden, je

177 6 11““ ne 8 weniger eine Notwendigkeit für so barbarische, den Kulturmenschen

leins ließlich Börsenbeilaoe) 2„ üa42 -nd. der Reden der derven Minister, die im g; schändende Methoden der Okkupation vorliegt. ebhafte Zustimmung)

und Dritte Zentral⸗Handelsregister⸗Beilage 8

1“ 1 Opernhaus. (Unter den Linden.) Frei ag: 189. Dauer⸗ bezugsvorstellung. Die Fledermaus. Anfang 6 ½ Uhr.

Sonnabend: Silhouetten. Versiegelt. Kostümball. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. (Am Gendarmenmarkt.) Freitag: 193. Dauer⸗ bezugsvorstellung. Friedrich der Große. I. Teil: Der Kronprinz. Anfang 7 Uhr.

Sonnabend: Der Marquis von Keith. Aufang 7 Uhr.

Familiennachrichten.

Vetlobt: Frl. Margarete von Schuckmann mit Hrn. Regie⸗ rungsrat Adolf von dem Hagen (Paderborn- Laasphe i. W.). Frl. Annemarie Weigt mit Hrn. Dr. Karl Stahlschmidt, leitender Arzt des Krüppelheims Oberlinhaus (Arnswalde Nowawes).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Oberregierungsrat Rudolf von Spankeren (z. Zt. Dornburg, Saale).

Gestorben: Hr. Geheimer Regierungsrat a. D. Adolf Meyer (Breslau). Hr. Oberlandesgerichtspräsident a. D., Wirklicher

Geheimer Rat Dr. Oskar Hamm (Bonn).

„Die Arbeiterdichter unserer Tage“ lautet die Be⸗ nennung eines Vöortragsabends, der morgen (7 Uhr) im Klind⸗ worth⸗Scharwenka⸗Saal stattfindet. Nach einführenden Worten von Fritz Droop wird Hans Brockmann vom Deutschen Theater Werke der Arbeiterdichter Bröger, Barthel, Petzold, Lersch, Schönlank und Engelke vorlesen.

Ueber die Witterung in Norddeutschland im Monat September 1920 berichtet das Preußische Meteoro⸗ logische Institut auf Grund der angestellten Beobachtungen: Hatte im vorigen Jahr der September häufiger Gewohnheit gemäß präch⸗ tiges warmes Herbstwetter gebracht, so wurde die Hoffnung auf einen ähnlich schönen Verlauf, die man in diesem Jahr nach dem schlechten August für den September gehegt hatte, sehr enttäuscht. Das Wetter des diesjährigen September war vielmehr überwiegend unfreundlich und naß. Auch die Lufttemperaturen ent⸗ sprachen nicht den Erwartungen; denn während

Verantwortlicher Schriftleiter: Direktor Dr. Tyrol, Charlottenburg.

Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteher der Geschäftsst J. V.: Rechnungsrat Meyer i Berlin.

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