1920 / 272 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 30 Nov 1920 18:00:01 GMT) scan diff

————Rgögnn

EN6

S. 603) jeder Handel mit

vegen Schleichhandels untersagt worden.

Vereinbarung zwischen ihr und den alliierten Regierungen bernfen,

2 Ser. v mit dem ersten Protokoll über die Hinterlegung von Ratifikations⸗ unrkunden zum Friedensvertrage am 10. Januar 1920 unterzeichnet

Bekanntmachung.

Auf Grund der Bekanntmachung zur 2622 er Personen vom Handel vom 23. September 1915 (RGBl. S. 603) habe ich der Hotelbetriebs Aktien Gesellschaft in Berlin, Dorotheenstraße 47, durch Verfügung vom heutigen Tage den Handel mit Gegenständen des täglichen Be⸗ darfs wegen Unzuverlässigkeit in bezug auf diesen Handelsbetrieb untersagt.

Berlin O0. 27, den 25. November 1920.

Der Polizeipräsident. Abteilung W. J. V.: Heyl.

9 Bekanntmachung. Dem Kaufmann August Beexmann, hier, Wagner⸗ straße 54,55, ist durch Verfügung vom 27. September d. J. auf Grund des § 1 der Bundesratsverordnung zur Fernhaltung unzu⸗ verlässiget Personen vom Handel vom 23. CSSeptember 1915 (RGBl. K Lebensmitteln und Bedarfs

sonstigen Gegenständen des täglichen

November 1920.

Königsberg, den 27. Wucherstelle. J. A.: Nitsch.

Polizeipräsidium.

* 8

ichtamtliches.

Deutsches Reich.

er bnen Vors Reichsministers der Finanzun Dr. Wirth abgehaltenen Voll⸗ e des Reichs rats wurde dem Entmwurf eines Gesetzes, betreffend eine weitere vorläufige Regelung des Reichshaus⸗ halts für das Rechnungsjahr 1920 sowie den Entwürfen 2) eines Gesetzes über den Ersatz der durch die Abtretung deutscher Reichsgebiete entstandenen Schäden (Verdrängungs⸗ schädengesetz), b) eines Gesetzes über den atz von Kriegs⸗ schäden in den ehemaligen deutschen Schatger eten (Kolonial⸗ schädengesetz), e) eines Gesetzes über den Ersatz von Kriegs⸗ schäden im Ausland (Auslandsschädengesetz) die Zustimmung erteilt.

Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrats für Steuer⸗ und Zollwesen, für Volkswirtschaft, für Verzehrswesen und für Rechtspflege sowie die vereinigten Ausschüsse für Steuer⸗ und 1 für Verkehrswesen und für Rechtspflege hielten heute Sitzungen. 8

In der am 27. Nov

Der Vorsitzende der Her s, e eseectstnen in Paris ist laut Meldung des Wolffschen Telegraphenbüros angewiesen worden, nachstehende Note der Botschafter⸗ konferenz in Paris zu übergeben:

Mit Note vom 16. November hat die Interalliierte Luftfahrt⸗ Kontrollkommission einen Beschluß der Botschafterkonferenz vom 8. November mitgeteilt, wonach die deutsche Regierung für die in den Monaten Juni und Juli 1919 erfolgte Zerstörung von sieben deutschen Marineluftschiffen verantwortlich gemacht wird. Der Beschluß bestimmt, daß die Interalliterte Luft⸗ fahrtkontrollkommission als Ersatz für zwei der zerstörten Luftschiffe die beiden zivilen Luftschiffe „Bodensee“ und „Nordstern“ zu konsis⸗ bimemn hat; der Wert 8 Ueee Luftschiffe soll in Geld oder.

irch Neubauten ersetzt werden. 1

8 C.e denfche N vermag nicht anzuerkennen, daß ihr aus der Zerstörung der Luftschiffe irgendwelche Ersatzpflichten erwachsen konnten. Ihre Auffassung in dieser Hinsicht ist in der anliegenden Denkschrift klargelegt, die dem Vorsitzenden der Interalliierten Luft⸗ fahrt mttollkommissicn k- 8 2,—ö durch die Luftfahrt⸗ Friedenskommission übermittelt worden ist. 1 I1 aber kann sich die deutsche Regierung auf eine

wonach eine Geltendmachung von Ersatzansprüchen auf Grund der in Rede stehenden Vorfälle von vornherein als ausgeschloss en be⸗ trachtet werden muß. In dem Protokoll, das der deutschen Re⸗ gierung mit Note vom 1. November übersandt und dann gleichzeitig

b wird eine Reihe von vermeintlichen Verstößen Deutschlands 8n die verschiedenen Waffenstillstandsabkommen, unter diesen Ver⸗ stöͤßen auch die Ausfuhr von Luftschiffahrtsmaterial, aufgeführt und ann bemerkt: 8 8 1 B Endlich vermögen die alliierten und assoziterten Mächte nicht, die übrigen Verfehlungen gegen das Waffenstillstandsabkommen und so schwere Verletzungen wie die Zerstörung der deutschen Flotte iin Scapa Flow, die Zerstörung des Unterseeboots „U. C. 48“ auf der Höhe von Ferrol und die Zerstörung verschiedener Unterseeboote in der Nordsee, die zwecks Ablieferung auf dem Wege nach England waren, ungestraft zu lassen. Deutschland verpflichtet sich infolgedessen: Hieran knüpft Flich die lhst käng einer Reihe von Leistungen, die Deutschland auferlegt werden. b

Aus dem vorstehenden Wortlaut ergibt sich, daß es sich bei den Vereinbarungen des Protokolls vom 10. Januar um eine Art von Generalabrechnung handelte, durch die alle Ansprüche, die auf Grund der verschiedenen Waffenstillstandsabkommen etwa noch zu erheben waren, erledigt werden sollten. Die Richtigkeit dieser Auslegung wird durch die obenerwähnte Begleitnote vom 1. November bestätigt. Dort heißt es: 1

„Die alliierten und assoziierten Mächte haben beschlossen, den Vertrag nicht in Kraft treten zu lassen, bevor die Ausführnng der

von Deutschland durch das Waffenstillstandsabkommen und die Zusatz⸗

verträge übernommenen und nicht erfüllten Verpflichtungen geregelt und bestimmt ist. Die deutsche Regierung wird daher gebeten, dem zur Unterzeichnung des Protokolls über die Niederlegung der Rati⸗ fikationen ermächtigten deutschen Vertreter unbeschränkte Vollmacht zur Unterzeichnung des Protokolls zu erteilen, das in Abschrift bei⸗ liegt und welches ohne weiteren Aufschub diese Regelung vorsieht. Hiernach erscheint es nicht angängig, überhaupt noch auf Vor⸗ gänge zurückzugreifen, die sich vor der Unterzeichnung des Protokolls vom 10. Januar 1920 abgespielt haben. Eine Aus⸗ nahme wäre allenfalls bei solchen Vorgängen zu rechtfertigen, die den alliierten Regierungen erst später bekannt geworden sind. Die Nachricht von der Zerstörung der sieben Luftshiffe ist aber seinerzeit von der Presse verbreitet worden und ist unzweifelhaft vor dem 10. Januar 1920 zur Kenntnis der Alliierten gelangt. Wenn sie deswegen Ansprüche erheben wollten, so hätten sie dies in dem Protokoll zum Ausdruck bringen oder aber bei dessen Unter⸗ zeichnung einen Vorbehalt machen müssen. Da sie beides unterlassen haben, muß die Angelegenheit als endgültig er⸗ ledigt betrachtet werden. Es erübrigt sich alfo, auf den Inhalt des Beschlusses der Botschafterkonferenz vom 2. Oktober näher einzugehen. Die deutsche Regierung kann es jedoch nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß sie, selbst wenn eine Ersatzpflicht für die Zerstörung der sieben Luftschiffe bestünde, der Botschafter⸗ konferenz nicht die Befugnis zuerkennen könnte, die Frage des zu keistenden Ersatzes durch eine einseitige Entscheidung zu regeln. g ist daran zu erinnern, daß die Kontrollkommissionen nach dem Friedensvertrag nur berufen sind, die Ausführung gewisser Be⸗ stimmungen zu überwachen, daß sie aber nicht das Recht be⸗ sitzen, selbst Beschlagnahmen oder Konfis⸗ kationen in Deutschland vorzunehmen. Es darf ange⸗ nommen werden, daß es auf einem Redaktionsversehen beruht, wenn

gierung, 2. sofortige Entlassung 1 d strenge Bestra Festungskommandanten.

trifft und welche Ahndung dafür angemessen ist. Schon jetzt

ie den egierung beehrt sich an die alliierten Mächte die Bitts ir dsc⸗ Fessen vorstehenden behandelte Angelegenheit einer erneuten Prüfung zu unterziehen. Sie gibt sich der Erwartung hin, daß diese Prüfung sie dazu führen wird, ihren Beschluß vom 2. Ok⸗ bober aufzuheben. Sollten die Alliierten den deutschen Standpunkt auch jetzt nicht als vFr j anerkennen, so schlägt sie vor, die An⸗ gelegenheit der Entscheidung eines Schied gerichs zu unterbreiten.

Abschrift dieser Note ist dem Vorsitzenden der Inter⸗ alliierten Luftfahrtkontrollkommission mitgeteilt worden.

Wegen des Zwischenfalles in Cuxhaven, wo be⸗ kanntlich Ententeoffiziere belästigt worden sind, hat der Reichs⸗ wehrminister dem Vorsitzenden der Interalliierten Marinekontrollkommission schriftlich sein Bedauern aus⸗ gesprochen und Bestrafung der Schuldigen zugesagt. Die Kontrollkommission hat in einem Schreiben an das Auswärtige Amt vom 25. November erklärt, sich damit nicht begnügen zu können, und hat laut Meldung des „Wolffschen Tele raphenbürogs“ folgende Forderungen gestellt: 1. Ent’ uldigung der dan . g Diese estrafung soll dem Kom⸗ mandanten in Gegenwart der voer beteiligten Ententeoffiziere verkündet werden, 3. eingehende Untersuchung des Iechen⸗ falles zwecks Verhaftung und Bestrafung der Hauptschuldigen, 4. Zahlung von 20 500 Mark Ersatz für die beschädigten

Uniformen.

Zwischen der Auffassung der deutschen Stellen und der Kontrollkommission hinsichtlich der tatsächlichen Vorgänge besteht insofern ein wesentlicher Unterschied, als die Kontrollkommission Anlaß zu der Annazme zu haben glaubt, daß der Festungs⸗ kommandant es absichtlich unterlassen habe, die gebotenen Maß⸗ nahmen zur Verhütung des Zwischenfalls zu treffen. Nach den bisher vorliegenden. deutschen Meldungen ist dieser Verdacht nicht begründet. Das Auswärtige Amt hat der Kontroll⸗ kommission bei Bektätigung des Empfanges des Schreibens mitgeteilt, daß die Untersuchung mit aller Beschleunigung ge⸗ fühe wird, und * Mitteilung bis zu deren Ab⸗ chluß vorbehalten bleiben muß.

Das Verlangen der Kommission kann selbstverständlich nicht so aufgefaßt werden, als ob der Festungskommandant ohne vorhergehende Untersuchung entlassen werden sollte. Es wird auf Grund des Ergebnisses der Untersuchung entschieden werden, ob und in welchem Maße ihn eine Schuld

muß aber gesagt werden, daß es mit den deutschen An⸗ schauungen unvereinbar wäre, dem Kommandanten die über ihn verhängte Str afe in Gegenwart der beteiligten fremden Offiziere zu verküriden. Daß Mannschaften Verstöße begangen haben und dafür bestraft werden müssen, steht schon jetzt fest.

Wie auf den. Gebiete des Wohnungswesens so hat nun⸗ mehr auch auf den Gebiete des Requisitionswesens und der Besatzungsschäden die interalliierte Rheinland⸗ kommission eine Regelung im Wege der Verordnung (59) getroffen. Wie „ALolffs Telegraphenbüro“ mitteilt, soll das Recht der Requisitianen, und zwar von Natural⸗ wie von Dienst⸗ leistungen, entsprechend dem Artikel 6 des Rheinlandabkommens und den Bestimmmagen des Haager Abkommens voß 1907 von jeder der alll ierten und assozijerten Armeen für ihre Bedürfnisse sowie fii diejenigen der Rheinlandkommission aus⸗ geübt werden. Die Requisitionen werden nach den Vorschriften des Reglements der einzelnen Besatzungsarmeen vorgenommen. Die Requisitionsbafehle werden regelmäßig an die Reichs⸗ vermögensverwalturig gerichtet, in eiligen Fällen oder wenn es sonst erforderlich erscheint, an die Ortsbehörden oder unmittelbar an die Privatpersemen. Die Bezahlung der Requisitionsleistungen erfolgt durch die deutschen Behörden Die Verordnung tritt

am 1. Dezember d. J. in Kraft.

Laut Mitteilung von zuständiger Seite gehen die Anträge auf Uebertragung von Schuldbuchforderungen auf das Konto der Redchskasse für Reichsnotopfer in so großem Umfange bei der Reichsschuldenverwaltung ein, daß ihre Bearbeitung und die Ausreichung der Annahmebescheini⸗ gungen voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Ein Nachteil entsteht den Steuerpflichtigen dadurch nicht, weil die im § 43 Reichsmotopfergesetzes für die Annahme von Schuldbuchforderungen an Zahlungs Statt festgesetzte Frist des 31. Dezember 1920 gewahrt ist, falls bis zu diesem Termine der Uebertragungsantrag bei der Reichsschuldenverwaltung ein⸗ gereicht ist. 1

Diese große Zahl von Uebertragungsanträgen und die dadurch bedingte erhebliche Inanspruchnahme der verfügbaren Arbeitskräfte der Reichsschuldenverwaltung wird möglicherweise auch die Zinsenzahlungsgeschäfte insofern beeinflussen, als mit der Zahlung der am 2. Januar 1921. fälligen Reichsschuld⸗ buchzinsen zwar wie immer noch vor diesem Termin, aber doch erst einige Tage später als üblich begonnen werden kann.

Hessen.

Dem Landtag ist der Entwurf des Landtagswahl⸗ gesetzes zugegangen. Die Zahl von 70 Abgeördneten, die nach der Verhältniswahl auf drei Jahre zu wählen sind, muß nach der Verfassung beibehalten werden. An dem System der streng gebundenen Listen ist festgehalten. Die Verbindung von Wahlvorschlägen ist nicht zulässig. Wahlfähig ist jeder Reichs⸗ angehörige, der zwanzig Jahre alt ist und in Hessen wohnt.

wird in Wahlbezirke eingeteilt, die möglichst mit den Gemeinden zusammenfallen. Nach Vorgang des Reichswahl⸗ gesetzes werden auch Wahlscheine eingeführt. 8

Großbritannien und Irlaud.

Die Meldungen über den Inhalt der Note, betreffend die griechische Frage, die Lord Curzon dem französischen Ministerpräsidenten Leygues überreicht hat, werden von der „Agence Havas“ bestätigt. Die Ansicht der englischen Regie⸗ rung geht dahin, daß eine feindliche Erklärung gegen den König Konstantin ohne Erfolg bleiben würde. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen oder die Ent⸗ sendung eines einfachen Geschäftsträgers nach Athen würde nur zur Verstärkung des deutschen Einflusses in Griechen⸗ land führen. Die Unter⸗

Griechen⸗

bge ist jeder Stimmberechtigte, der 25 Jahre alt ist. Das Lan

Kredit er⸗ 8

Sterling und von Frankreich einen ebenso großen4 8 halten, g. voch habe England allein bis jetzt 6 ½ Million Pfund Sterling davon bezahlt. Von französischer Se ab geschlagen, Griechenland Smyrna, Thrazien und die N 2 des Marmarameeres, die ihm der Friedensvertrag von Ssvres zu⸗- reche, zu entziehen. hder Ansicht Engl . 8 daß der König Konstantin sich diesem Entschluß an der Spitze seines Heeres widersetzen würde. Die Alliierten könnten die Verwaltung dieser Gebiete nicht einer anderen Macht über⸗ tragen, 1 n Friedensvertrages von Ssvres gleichkäme. sich alsdann über die englische Auffassung aus. Zurückberufung König Konstantins, wenn sie erfolge, annehmen, 1 denn die Erhaltung der griechischen Armee sei eine Sicherstellung der Ordnung im Orient. mi G Sicherheiten verlangen: alle Offiziere und Beamte, die sich

Nach der Ansicht Englands müsse man damit

es sei denn der Türkei, was einer Revision des Lord Curzon sprc 8

Man solle die Man müsse aber von Griechenland

mit Deutschland kompromittiert hätten, sollen beseitigt werden;

keine Anleihe dürfe ohne Kontrolle über die griechische öffent⸗ liche Schuld abgeschlossen werden. Kein Bündnis und keine Abmachung über ein Zusammenwirken mit einem auswärtigen Staat r

kein Abkommen dürfe zwischen Griechenland und der Türkei in bezug auf Smyrna oder Thrazien ohne Genehmigung der

en ohne Genehmigung der Schutzmächte erfolgen,

Entente oder des Völkerbundes getroffen werden. 8

Laut Bericht des „Reuterschen Büros“ haben seit Sonmabend in Cork Wiedervergeltungen dur Brand stiftungen in beunruhigendem Maße eingesetzt. Acht Ge⸗ schäftshäuser seien in Brand gesteckt. Der Schaden werde auf 200 000 Pfund Sterling geschätzt. Die Brandstiftungen in Liverpool bildeten unzweifelhaft einen Teil des in der Unterhaussitzung vom 24. November ent⸗ hüllten Zerstörungsfeldzugs. Der Schaden laufe in die Millionen Pfund Sterling. 13 000 Ballen Baumwolle seien beschädigt. Der Anschlag war äußerst sorgfältig ins Werk gesetzt worden; große Mengen von Brandstoffen seien entdeckt, darunter Büchsen und Flaschen mit Petroleum. Die Versuche, die Brandstifter zu verhaften, die von ihren An⸗ hängern verborgen gehalten würden, seien jedoch nur teilweise erfolgreich gewesen. b In London ist die Downing F was obiger Quelle zufolge darauf zurückzuführen ist, da während der letzten Razzien in Irland eine ausgedehnte Sinnfeiner⸗ verschwörung aufgedeckt wurde, die die Beschädigung von Regierungsgebäuden und des Parlamentsgebäudes sowie andere terroristische Akte zum Ziel hatte. Mitglieder der Regierun und andere hohe Beamte haben Drohbriefe und anonym Warnungen erhalten. 8 . Der Ministerrat hat sich mit der Frage der deutschen Marknoten beschäftigt und einer Meldung des „Wolffschen Telegraphenbüros“ zufolge ferner beschlossen, deuts che Waffen an Polen zu liefern. Dieser Beschluß ist um so bedeutungsvoller, als die Frage der Neutralität in dem russisch⸗polnischen Konflikt die Krise im Ministerium Delacroir hervorgerufen hat. 1 Die Senatskommission, die das Gesetz über die Verwaltungssprache durchberaten hat, hat besepxht daß es erst am 1. Januar 1923 in Kraft treten soll. Sie bas 8 ferner das Gesetz dahin umgeändert, daß den Kommunen un den Provinzen eine Antonomie zugesichert wird, mit anderen Worten, es soll durch eine Sonderabstimmung in den einzelnen⸗ Bezirken über die Verwaltungssprache entschieden werden. Der vom Senatsausschuß eingenommene Standpunkt widerspricht der programmatischen Erklärung des neuen Ministeriums.

Niederlande.

Ueber das Befinden der vormaligen deutschen Kaiserin haben die behandelnden Aerzte, Professor Hymans und Leib⸗ arzt Dr. Haehner, folgende Mitteilung ausgegeben:

Nach zwei in den lotzten Tagen aufgetretenen Anfällen von Herz⸗ schwäche ist der Zustand der vormaligen deutschen Kaiserin ernent bedenklich. 8

Schweiz.

Nach einer Havasmeldung soll die nächste Vollver⸗ sammlung des Völkerbundes im September kommenden Jahres in Genf stattfinden.

In der gestrigen Sitzung des Völkerbundrats wurde eine Antwort der schwedischen Regierung verlesen, in der sie sich bereit erklärt, die von ihr geforderten hundert Mann sowie eine Anzahl Offiziere für die internationalen Abstimmungs⸗ truppen zu stellen. Der Rat genehmigte den Text des Berichts über die Garantien, die der Völkerbund gemäß den im Vertrag zwischen Südslawien und der Tschecho⸗Slowakei enthaltenen Bestimmungen über den Schutz der Minderheiten übernehmen wird. Ferner wurde die Bildung einer ständigen Mandatskommission beschlossen. Diese Kommission so sich aus neun Mitgliedern zusammensetzen, die vom Rate ernannt werden und in der Mehrheit Angehörige von Nicht⸗ mandatsstaaten sein müssen. Das Internationale Arbeitsamt soll einem Sachverständigen in die Mandatskommission entsenden. Die Mandatsländer richten regelmäßige Jahres⸗ berichte an die Kommission durch Vermittlung von beglaubigten Vertretern. Der Sitz der Kommission ist Genf. Sie hat das Recht, technische Ratgeber heranzuziehen. Die Kosten trägt der Völkerbund.

Tschecho⸗Slowakei.

Auf dem in Prag tagenden 3. Kongreß der tschecho⸗ slowakischen sozialdemokratischen Partei schilderte vor⸗ gestern das Mitglied der Delegation der gewerkschaftlichen Vereinigung der tschechischen sozialdemokratischen Partei, Polach, der mit dem ersten Teile der Delegation aus Ruß⸗ land zurückgekehrt ist, seine russischen Erfahrungen. Er sagte, dem „Wolffschen Telegraphenbüro“ zufolge, von Kommunismus und kommunistischen Einrichtungen könne in keiner Hinsicht die Rede sein. Nach sorgfältiger Prüfung der Verhältnisse sei die Delegation zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Kommunismus durch die bolschewistische Methode nicht verwirklicht werden könne. Die sschechischen Kommunisten mögen nach Rußland kommen und . ge russischen arbeiten, damit sie mit dem russischen Volke in Verbindung kommen und erkennen, wie elend es sein 3 fristet und hungert. Die tschechische Sozialdemokratie verstehe unter revolutionärem Kampfe, für die Vereinigung Proletariats zu kämpfen und keineswegs im Namen Mos ge⸗ 4 die proletarischen Reihen zu sprengen, den Sozialis mus 8 erschlagen und im Namen Moskaus zu morden. Der Kongres nahm gestern in seiner letzten Sitzung eine Reihe

der Beschluß vom 2. Oktober eine Konfiskation durch die Kontroll⸗ kommission anordnet.

Entziehung der stützung der Entente wäre eine ernste Maßnahme. . habe von England einen Kredit von 10 Millionen Pfund

e von Ent⸗ 2 . 2 schließungen an, in denen u. a. der Anschluß an die Zweite. Internationale ausgesprochen wird. b

——

an jirHeamte erstmalig 341,23 Millionen, an Kriegsbeihilfen 8 ker

u“ Norwegen.

orthing wurde gestern den Eis enge⸗ 1 stellten anheimgegeben, den Steit Kre Ja. Pene⸗ 18 t. schläge einer für die Lösung der Gehalisfrage eingesetzten Kommission abzuwarten. Ein Antrag des Abgeordneten Lian auf Erhöhung der niedrigsten Löhne auf sechshundert Kronen wurde mit 105 gegen 17 Stimmen verworfen. Darauf wurde

der Vorschlag der genannten Kommissi bLe 82 t mmission mit 119 gegen 3

Sae Litauen. Nach einer Meldung der Litauischen Telegraphen⸗A 2 8 1 der, Tel hen⸗Agentur 1 at die Kowno zurückgekehrte Kantrollkoremften vags Ver⸗ 55 n der litauischen. Regierung wegen des endgültigen Ab⸗ ch gnn des Waffenstillstandsvertrags verhandelt. Die bisherigen Vorschläge der Parteien wurden von Litauen E“ vbgesehne Die Kommission hat des⸗ eg 8 einen Vorschlag gemacht, der jetzt erö ird. Die Lage an der Front ü ruhig. C““

Südslawien. ahlen zur Verfassunggebenden National⸗ versammlung find nach bisher eingelaufenen Berichten 88 anzen Lande ruhig und in Ordnung verlaufen. Endgültige Ergebnisse liegen noch nicht vor. EKuürkei. Die türkische Regierung hat die Genehmigung für folgende

Diplomaten als Gesandte der Türkei nachgesucht: is für Nabib Bey, in Rom für Mustapha Füesucht⸗ e cPeris

Parlamentarische Nachrichten.

Der preußischen Landesversammlung ist der Ent⸗ wurf eines Gesetzes zur Ergänzung des Gesetzes, betreffend die vorläufige Regelung des Staatshaus⸗ halts für das Rechnungsjahr 1920, vom 6. Mai 1920 aus Anlaß. des Uebergangs der Militärgerichtsbar⸗ keit auf die bürgerlichen Behörden nebst Begründung, zugegangen. .

Statistik und Volkswirtschaft. 8

Die vereinigten preußischen und hessischen 8 Stanizeikenbabnen im ö 1 Nach dem amtlichen „Bericht über die Ergebnisse des iebes der vereinigten preußischen und hessischen e 8 Rechnungsjahre 1918“˙, der bei der Preußischen Verlagsanstalt, G. m. b. H., Berlin SW. 68, und auch als Drucksache der preußischen Landesversammlung (Nr. 3016) erschienen ist, haben in der Zeit vom 1. April 1918 bis dahin 1919 die in der preußisch⸗hessischen Betriebs⸗ gemeinschaft vereinigten Staatseisenbahnen einen Zuwachs von 56,80 km erfahren, der ausschließlich auf das preußische Eisenbahnnetz entfiel. Die Gesamtlänge der vereinigten Staatsbahnen betrug Ende März 1919 40 031,w1 kEm Vollspur⸗ und 245, ½0 km Schmalspurbahnen für den öffentlichen Verkehr sowie 199,86 km ohne öffentlichen Verkehr, zusammen 40 476,87 km, wovon (38 683,27 + 245,0 + 198,8 =) 39 126,722 km preußisches, 1308,27 km hessisches und 41,12 km badi⸗ sches Eigentum waren. Von den staatlichen Vollspurbahnen, die dem öffentlichen Verkehr dienten, wurden Ende März 1919 22 791,84 km als Haupt⸗ und 17 240,87 km als Nebenbahnen betrieben; von den Hauptbahnen waren 5323,84 Em (23,8 %) eingleisig), 16 974,88 km 74,48 %) zweigleisig, 84,2 km (0,87 %) dreigleisig, 402,8 km 1,72 %) PBiergleisig und 5,88 km (0,02 %) fünfgleisig, von den Neben⸗ . km (96,30 %) eingleisig und GF? km (3,70 %) Das Anlagekapital berechnete sich Ende März 1919,

wie folgt: Millionen auf 1 km Bahnlänge Mark Mark 14 823,9065 370 307 26,852 108 609

61 882

im ganzen . 14ͤ 863,015 367 198 davon preußisches Eigentum . 14 436,218 368 978.

Der Fuhrpark bestand Ende März 1919 aus 29 184 Loko⸗ motiven, 54 832 Personenwagen, 15 177 Gepäckwagen und 624 459 Güter⸗, Arbeits⸗ und Bahndienstwagen. Der Gesamtwert (Beschaffungskosten) des Fuhrparks betrug am Schlusse des Rechnungsjahres 1918 5 257,,28 Millionen Mark, d. s. 35,1,0 % des Anlagekapitals (14 850,848 Millionen Mark) der dem öffentlichen Verkehr dienenden Bahnstrecken. Im Berichtsjahre kamen durch Neubeschaffung oder Umbau 1791 Loko⸗ motiven, 1931 Personenwagen, 378 Gepäckwagen und 35 020 Güter⸗, Arbeits⸗ und Bahndienstwagen in Zugang, während 143 Loko⸗ motiven, 184 Personenwagen, 103 Gepäckwagen und 3053 Güter⸗ usw. Wagen ausgemustert wurden oder zum Zwecke des Um⸗ baues in Abgang kamen. Von den Beschaffungskosten der neuen (und umgebauten) Fahrzeuge 602,% Millionen Mark wurden 451,188 Millionen Mark aus Anleihen und 151,8es Millionen Mark aus Betriebs⸗ einnahmen bestritten.

Die Gesamteinnahme der preußisch⸗hessischen Eisenbahn⸗ betriebsgemeinschaft betrug im Rechnungsjahre 1918 3549, 626 Mil⸗ lionen Mark, d. s. 57,218 Millionen oder 1,68 % mehr als im Vorjahre, auf 1 km durchschnittlicher Betriebslänge 87 957 (1290 oder 1,49 % mehr). Es brachten ein: der Personen⸗ und Gepäck⸗ verkehr 1159,851 Millionen Mark oder 32,67 % der Gesamteinnahme (gegenüber dem Vorjahre †. 73,w86 Millionen oder 6,78 %), der Güterverkehr 2089,882 Millionen Mark oder 58,88 % der Gesamt⸗ einnahmen (+ 6,22 Millionen oder 0,80 %), im ganzen die Ver⸗ kehrseinnahmen 3249,1,88 Millionen Mark oder 91,85 % der Gesamteinnahme (+ 79,, Millionen oder 2,51 %), die sonstigen Einnahmen (Ueberlassung von Bahnanlagen und Leistungen zu⸗ gunsten Dritter, Ueberlassung von Fahrzeugen, Erträge aus Veräuße⸗ rungen und verschiedene andere Einnahmen) 300,ℳ8¶ Millionen Mark oder 8,45 % der Gesamteinnahme (— 22,186 Millionen oder 6,87 %).

Die Gesamtausgabe der preußisch⸗hessischen Eisenbahn⸗ betriebsgemeinschaft betrug im Berichtsjahre 4778, 857 Millionen Mark (d. s. 1853,,22 Millionen oder 63,88 % mehr als im Vor⸗ jahre), auf 1 km durchschnittlicher Betriebslänge 118 408 ( 438 811 oder 63,10 %), auf 100 der Gesamteinnahme (Betriebszahl) 134,2 (+ 50,88 oder 60,70 %). Davon machten die persönlichen Ausgaben (Gehälter. Löhne, Kriegsbeihilfen,

riegsteuerungszulagen 48 2026, 32 Millionen Mark oder 42,½ % (gegenüber dem Vorjahre +. 854,00 Millionen oder 72,84 %) aus, die sächlichen Ausgaben (für Unterhaltung, Erneuerung und Ergänzung der Fahrzeuge, der maschinellen und baulichen Anlagen, Unterhaltung und Ergänzung der Geräte, Beschaffung der Betriebs⸗ stoffe usw.) 2751,9w 1¹⁵68 Millionen Mark oder 57,80 % der Gesamt⸗ ausgabe († 999,084 Millionen oder 57,00 %). U. a. wurden ausgegeben: an Besoldungen für die planmäßigen höheren, mittleren und üntexen Beamten 411, ¹¶ Millionen Mark (+† 19,85 Millionen oder 10 %), an Wohnungsgeldzuschüssen 72,228 Millionen (+ 3,988 Millionen oder 5,81 %), an Vergütungen für Hilfsarbeiter, öhnen und Stellen zulagen, Dienstkleidungszuschüssen für Unter⸗ zamte und Hilfsunterbeamte usw. 875,248 Millionen (+ 404,22, Mil⸗ Uionen oder 85,80 %), an Reise⸗ und Umzugskosten sowie anderen ebenbezügen 112,08 Millionen (+ 24,442 Millionen oder 27,70 %), Kriegsbeihilfen und Kriegsteuerungszulagen

Vollspurbahnen.. . .

Schmalspurbahnen..

b’ ohne öffentlichen e 83 2 2 . 2 ³. 2 0 *

von Beamten erstmalig 42,828 Millionen, für Unterhaltun g und Ergänzung der Geräte sowie Beschaffung der Betriebsstoffe 600,822 Millionen (+ 160,78 Millionen oder 36,85 %), für Unterhaltung, Erneuerung und Er⸗ gänzung der baulichen Anlagen 552, 102 Millionen (+ 229,812 Millionen oder 71,44 %), für Unterhaltung, Er⸗ neuerung und Ergänzung der Fahrzeuge und der maschinellen Anlagen 977,ess Millionen ( 430,222 Millionen oder 78,80 %%).

Im Haushaltsylan für das Rechnungsjahr 1918 war ein Be⸗ triebsüberschuß von 731,072 Millionen Mark veranschlagt; in Wirklich⸗ keit ergab sich bei einer Gesamteinnahme von 3549,,2s Millionen und einer Gesamtausgabe von 4778,92z Millionen ein Fehl⸗ hetrag von 1228.8z,. Millionen Mark, während im Vorjahre ein Ueberschuß von 566,937 Millionen erzielt worden war. Der wirkliche Abschluß stellt sich also um 1959,313 Millionen Mark oder 268,09 % niedriger als der Anschlag. Auf 1 km durchschnittlicher Betriebs⸗ länge war ein Betriebsüberschuß von 18 097 veranschlagt; in Wirklichkeit ergab sich ein Fehlbetrag von 30 451 ℳ, also 48 548 oder 268,27 % weniger, während im Vorjahr auf 1 km 14 070 Ueberschuß erzielt worden waren. Der Abschluß für das Rechnungsjahr 1918 war also wesentlich ungünstiger als der für 1917, und zwar ücberhaupt um 1795,71„ Millionen Mark oder 316,6 %, auf 1 km ducchschnittlicher Betriebslänge um 44 521 oder 316,48 %, auf 100 der Gesamteinnahmen um 50,88 oder 313, 381 %, auf 100 des im Jahresdurchschnitt verwendeten Anlage⸗ kapitals um 12,48 oder 309,28 %.

An Beamten, Gehilfen, Hilfskräften im un⸗ teren Dienste und Arbeitern, deren Diensteinkommen aus den laufenden Betriebseinnahmen gezahlt worden ist, wurden im Jahresdurchschnitt beschäftigt: 229 351 (darunter 1754 weibliche) planmäßige und 4201 (darunter 1 weibliche) au ßerplan⸗ mäßige, zusammen 233 552 (darunter 1755 weibliche) Beamte (gegen das Vorjahr 10 258 oder 4,55 % mehr), 1358 (darunter 104 weibliche) technische und nichttechnische Gehilfen (413 2 137 690 (darunter 28 570 weibliche) Hilfsbeamte im unkeren Dienste und Schrankenwärter (32 638 oder 31,27 % mehr) und 356 199 (darunter 49 579 weibliche) Arbeiter (88 393 oder 33,21 % mehr als im Vorjahre), von denen 122 517 Betriebs⸗ (Stations⸗), 91 029 Bahnunterhaltungs⸗ und 142 653 Werkstättenarbeiter waren, im ganzen 728799 (darunter 80 008 weibliche) Personen (131 702 oder 22,08 % mehr als im Vor⸗ jahre), d. s. auf 1 km durchschnittlicher Betriebslänge 18,2ℳ (dar⸗ unter 1,2s weibliche) Bedienstete (3,24 mehr). b

Arbeitsstreitigkeiten. 88

Aus Essen wird dem „W. T. B.“ gemeldet, daß zwischen dem Zechenverband und dem Kaufmännischen An⸗ gestelltenverband für Bergbau gestern ein Abkommen getroffen wurde dahin 5PFbznd⸗ daß das Gehalt der Angestellten von unter 20 Jahren um ℳ, das Gehalt der Angestellten von über 20 Jahren um 75 monatlich erhöht wird. Außerdem wurde das Kindergeld von 50 auf 100 je Kind und Monat erhöht und ein Hausstandsgeld von 100 je Monat eingeführt.

Nach einer von „W. T. B.“ übermittelten Meldung des

„Telegraaf“ aus London fand dort in der Memorial Hall gestern die Eröffnung der vom Internationalen Transport⸗ arbeiterverband veranstalteten internationalen Eisen⸗ bahnerkonferenz statt. Vertreten waren 1 357 000 Eisen⸗ bahner aus Deutschland, Holland, Schweden, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Oesterreich, England und Belgien. Der Führer der eng⸗ lischen Eisenbahner Thomas erklärte in einer Rede, der Krieg habe das Ergebnis gezeitigt, daß die Arbeiterklasse aller Länder sich nicht mehr ausbeuten lassen wolle. Jetzt, wo der Krieg vorbei sei, fühlten die Arbeiter, daß zuerst die Wunden geheilt und die Arbeiter miteinander versöhnt werden müßten. Hätten sie einander früher begriffen, dann würden die Ereignisse der letzten Jahre vielleicht vermieden worden sein. Das Ende des Kampfes sei jedoch noch nicht erreicht. Thomas erklärte, er glaube, in England sei in den kommenden Monatenein großer Kampf zu erwarten, und zwar um etwas ganz anderes als um gewöhnliche Forderungen r. v Er sagte, die englischen Arbeiter seien der An⸗ sicht, daß sie meht länger mehr Lastträger zu sein brauchen, sondern zugleich auch zu einer zweckmäßigeren Verwaltung der Bahn beitragen könnten, und für diese Teilnahme in der Verwaltung werde der kommende Kampf eingeleitet werden. Die Eisenbahnerkonferenz nahm eine 1. an, in der die allge meine Einfüh⸗ 188 des Achtstundentages für das Eisenbahn⸗ personal begrüßt wird und die Genossen aller Länder, in denen man diesen Grundsatz umstoßen will, aufgefordert werden, ihre wirt⸗ schaftltche Macht dagegen anzuwenden. In Rom sind, wie „W. T. B.“ erfährt, wegen Lohnstreitig⸗ keiten die städtischen Elekirkzitätsarbelten ö8S. den Ausstand E. Durch Lieferung von Strom seitens der Werke der Römischen Gasgesellschaft können eine eingeschränkte Be⸗ leuchtung der Stadt sowie der Straßenbahnverkehr aufrechterhalten werden. Infolge des Ausstands ließen die Behörden um Mitter⸗ nacht de Werkeund Transformationszellen besetzen. Längs der Transmisfionslinien wurde eine Ueberwachung durch Polizei eingerichtet, die strengste Anweisungen erhielt. Städtische Ingenieure und Pioniere führen einen Notdienst durch. Die Be⸗ setzung vollzog sich ohne Zwischenfälle. 1 8

88

Wohlfahrtspflege.

Aus New York wird der „Frankfurter Zeitung“ gemel ß ein deutsches Zentralkomitee mit SS,rS.e es zusammenarbeitet, so daß das gesamte Hilfswerk zur Aufbringung von 28 Millionen Dollar für die Notleidenden in Ost⸗ und Mitteleuropa einheitlich wirkt. Etwa acht Millionen Dollar sind für d deutsche Kinder bestimmt.

Kunst und Wissenschaft.

Die im April dieses Jahres gegründete Wissenschaftliche Zentralstelle für Del, und Fee esgs nn he ersten Sitzungen abgehalten, in denen laut „W. T. B.“ zunächst die Hauptorgane der Stelle, der Wissenschaftltche Ausschuß und der Verwaltungsausschuß, sich bildeten. Vorsitzender dieser hebden Körperschaften ist der Geheime Resiesangeön Professor Dr. Thoms, Direktor des Pharmazeutischen Universitätsinstituts in Berlin. 85 Mitgliedern des Verwaltungsausschusses wurden außerdem hZeheimer Regierungsrat Professor Dr. Holde, Geheimer Re⸗ ieruugsrat Professor Dr. Kerp, Professor Dr. Kleberger, Ge⸗ beimer Obermedizinalrat Professor Dr. Rubner als wissenschaft⸗ liche Mitglieder und Dr. Weigelt für die argarineindustrie, Direktor Benz, Bremen, für die Oelmühlenindustrie, Rechtsanwalt Dr. Knetsch für die Tierfettindustrie und Dr. Walter, Crefeld, für die Seifenindustrie als Vertreter gewählt. Die Mitarbeit bedeutender Fachleute und der großen rduftäte zur Lösung der Aufgaben der Wissenschaftlichen Zentralstelle auf dem Gebiete 8 chemischen, ana⸗ lytischen, technischen und volkswirtschaftlichen Fersähen ist gesichert; um über den engeren Rahmen der Mitglie die Bereinignig an den Arbeiten auch Außenstehenden zu ermöglichen, wurde beschlossen in geeigneten Fällen den Weg der Preisaufgabe zu beschreiten. Die Veröffentlichungen der Zentralstelle werden in der „Chemischen Um⸗ schau“, Herausgeber Dr. Fahrion, Stuttgart, erscheinen.

Theater und Mufik.

Im Opernhause wird morgen, wegen mehrfacher Er⸗ krankungen von Mitwirkenden, anstatt der angekündigten Aufführung des „Evangelimanns“ „Bohéme“, mit den Damen von Catopol⸗ Batteux, Hansa und den Herren Braun, Düttbernd, Zador und Lücke

eamte im Ruhestand und für Hinterbliebene

besetzt, gegeben. Musikalischer Leiter i Ulra Kegheng 7 nhaf 1 scher be st der K. Qmeister Otto

1. 7 Im Schauspielhause wird morgen „Fuhrmann Henschel“ mit Eduard von Winterstein in der Titelrolle und Margarete Neff als Hanne Schäl wiederholt. Anfang 7 Uhr.

In den Kammerspielen des Deutschen Theaters wird am Sonnabend, den 4. d. M., Wedekinds „Büchse der Pandora“ mit der Originalbesetzung in den Hauptrollen aufgeführt. Die Luln spielt Gertrud Eysoldt, den Rodrigo: Emil Jannings, den Schigolch: Werner Krauß, den Alwa: Raul Lange.⸗

Die nächste Abendmusik veranstaltet der Organist Fritz Heit⸗ mann in der Kaiser Wilhelm⸗Gedächtniskirche am Donnerstag, den 2. d. M. Abends 8 Uhr, unter Mitwirkung von Lilian Raffenberger (Violine). Vorgetragen wird Kirchenmusik von Bach und Reger. 5

Konzerte.

„Den Totensonntag beging der Chor der Singakademie wie alljährlich mit einer dem Ernst des Tages angepaßten Musik⸗ aufführung unter der Leitung von Professor Dr. Georg Schu⸗ mann. Diesmal standen die „Nänie“ von Brahms, das „Vater unser“ vpon E. N. von Reznicek und das „Requiem“ von W. A. Mozart auf der Vortragsordnung. Solistisch wirkten Ilse Helling⸗Rosenthal (Sopran), Martha Stapelfeldt (Alt), Kammersänger Ludwig Heß (Tenor) und Dr. Wolfgang R. ö (Baß) mit. Den orchestralen Teil führte das Philharmonische Orchester aus, die Orgel spielte Fritz Heitmann. Neues ist über die beiden erstgenannten Werke, die schon wiederholt an gleicher Stätte auf⸗ geführt worden sind, nicht zu sagen. Auch diesmal konnte Rezniceks Musik zum „Vater unser“ nicht erwärmen. Es bleibt ein zwar musikalisch interessantes, aber doch recht verstandeskühles Werk, das den Eingang zum Herzen des Hörers nicht findet. Wie anders wirkte dagegen die weihevolle Musik eines Mozart in seinem „Requiem“. Aus der Fülle des Schönen der einzelnen Ab⸗ schnitte seien nur das Quartett: „Recordare, Jesu pie“, der duftig⸗ feine Chor „Confutatis maledictis“, das „Lacrimosa“, das „Quam olim Abraham“ und das gewaltige „Sanctus“ hervorgehoben. Hier gab der Chor Vollendetes. Eine geradezu abgeklärte Wiedergabe erfuhr auch das innige Quartett „Benedictus“. In der benach⸗ barten alten Garnisonkirche konzertierten an demselben Tage der Madrigalchor des akademischen Instituts für Kirchenmusik unter der Leitung von Professor Karl Thiel und der Orgelvirtuose Walter Drwenski. Aufgeführt wurden Werke von Jac. Gallus, Bach, Georg Schumann, Kiel, Thiel, James Simon, Buxtehude, und Drwenski. Köstliche Perlen deutscher Kirchen⸗ gesangskunst fanden hier eine Ausdeutung von hoher Vollendung. Von den neuzeitlichen Kompositionen vokaler Natur seien besonders Georg Schumanns „Wo ist der Mensch, wenn er tot“ (aus den Gesängen Hiobs), „Die mit Tränen säen“ von Kiel, das seingestaltete „Der Du von dem Himmel bist“ von Thiel und „Der Tod ist groß“ von James Simon hervorgehoben. Walter Drwenski ist ein Meister auf seinem Instrument. Alles, was eine moderne Orgel in klang⸗ licher Hinsicht zu leisten imstande ist, konnte er in seiner D⸗Moll⸗ Sonate zur Geltung bringen, die von wenigen seiner Fachgenossen eine ebenbürtige Wiedergabe erfahren dürfte. Das Gotkeshaus war mit andächtigen Zuhörern voll besetzt. Der Dirigent Dr. Felix Maria Gatz wiederholte jüngst in einem Mittagskonzert in der I und zwar mit dem Philharmonischen

rchester, das unter seiner Leitung ganz ausgezeichnet spielte, das

rogramm seines kürzlich erwähnten, im Blüthnersaal veranstalteten

vonzerts für den Berliner Lehrergesangverein. Diesmal waren aber nicht die Lehrer, sondern die Berliner Schüler seine Zuhörer. Der Geheime Regierungsrat und Oberschulrat Doblin vom. Provinzialschulkollegium erläuterte vor Beginn des zweiten Teils in sachkundiger Weise die 2. Symphonie von Beethoven, deren einzelne Themen Willy Wapenhensch vom Institut für Kirchenmusik auf dem Klavier erklingen ließ. Der erste Teil des Konzerts war Wagner (Meistersingervorspiel) und Weber gewidmet. Die beiden Arien der Agathe aus dem „Freischütz sang Meta Seinemeyer vom Deutschen Opernhaus mit schönem Ausdruck.

Wie sehr solche Konzerte einem Bedürfnis entgegenkommen, war aus der schier erdrückenden Fülle des Saales und der Andacht und Be⸗ geisterung zu erkennen, mit der die jugendlichen Zuhörer sämtlichen Darbietungen folgten. Der Leh rergesangverein Neu⸗ kölln (Chormeister Walther Moldenhauer) veranstaltete in der Hochschule für Musik einen Vortragsabend mit Solisten. Kammermusik und Lieder wurden dargeboten. Bachs H⸗Moll⸗Präludium und Fuge, von Gerhard Zeggert auf der Orgel mit gutem Können gespielt, eröffnete das Konzert. Die Triovereinigung Georg Schumann, Premyslav und Hugo Dechert spielte mit anerkannter Meisterschaft Trios von Beethoven und Schubert, und die Konzertsängerin Gertrud Bindernagel sang Lieder von Bruch, Kämpf und Ebel. Letztere führte einen Sopran von großer Tonschönheit und kraftvoller Prägung ins Treffen; da ihr Vortrag auch von Leidenschaft und Verständnis getragen war, ist man zu der Hoffnung berechtigt, daß dieser Sängerin eine glänzende Laufbahn bevorsteht. Friedrich Wilckens war ihr ein anpassungsfähiger Begleiter. Einige Tage später ließ sich an gleicher Stelle der Männerchor Berliner Lieder⸗ freunde mit gutem Gelingen hören. Der gutgeschulte, klangvolle Chor wartete unter der umsichtigen Leitung seines kundigen Ehor⸗ meisters Theodor Gervais mit Gesängen von Uthmann, Wilh. Berger, Karl Hirsch, Matthieu Neumann, Karl Kämpf und Volks⸗ liedern auf und * sich als eine ernststrebende, hohen künstlerischen Zielen zugewandte ereinigung. Den Tenören ist freilich noch ein volleres Tonvolumen zu wünschen. Der mitwirkenden Sopranistin Dore Busch fehlt leider der weiche Schmelz in der Stimme, sodaß ihre größtenteils lyrischen Vorträge keinen rechten Genuß aufkommen ließen. Der ebenfalls mitwirkende Geiger Maximilian Hennig zeigte gute Anlagen in Ton und Technik, sie müssen aber noch zu größerer Reife entwickelt werden. Neue Orgelmusik wurde vom Berliner Tonkünstler⸗Verein in einer geistlichen Abendmusik in der Kaiser⸗Wilhelm⸗Gedächtniskirche dargeboten. Auf dem ogramm standen Werke von Reznicek, E. Faltis, Karl Blessinger, Heinrich Rietsch und Bruno Weigl. Eine Phantasie in B⸗Dur (Op. 16) und zwei Lieder des letzteren waren die ansprechendsten Kompositionen; sie sind klar disponiert, warm empfunden und melodisch eingärtlich. Minna Ebel⸗ Wilde (Sopran), Hans Bassermann (Violine) und Fritz Heitmann (Orgel) waren den genannten Scöpfungen hervor⸗ ragende Interpreten. Einen genußreichen Abend bereitete der Geiger Boris Kroyt, der in der Singakademie mit dem Philharmonischen Orchester unter Meyrowitz Leitung konzertierte, seinen Hörern. Seine bedeutende Technik kennt keine Schwierigkeiten, und sein Vortrag offenbart eine feinsinnige mustkalische Natur. Viel Bewunderung erregte er durch den temperamentvolle und glänzenden Vortrag der Symphonie espagnole von Lalo. Im Saale des Lyzeum klubs gab die bekannte Klavierkünstlerin Adele aus der Ohe einen „Beethovenabend“, an dem sie die Moll⸗Variationen und drei Sonaten spielte. Es waren weih volle Stunden. Die Künstlerin stand technisch völlig über ihrer Auf⸗ gabe und hatte sich in den Geist Beethovens mit tiefster Inbrunst und andächtiger Verehrung versenkt, so daß der großzügige Aufbau der Variationen, der frisch dahinsprudelnde Erfindungsquell der F⸗Dur⸗ Sonate, die leidenschaftliche Wucht und Größe der Sonata appassio nata und endlich die teils düstere, teils verklärte Mystik der letzten Sonate (C⸗Moll) in höchster Vollendung Gestalt gewannen. Der kleine Saal konnte die erschienenen Zuhörer kaum fassen, alle werden aber mit dem Bewußtsein geschieden sein, einen un⸗ vergeßlichen Einblick in das reiche Nachschaffen einer großen Künstlerin getan zu haben. Bedauerlich war nur der ein Umstand, daß dieses Konzert nicht in einem größeren Saal stattfand; man hätte der Veranstalterin eine tausendköpfig Zuhörerschar gewünscht. Nicht unbedeutende Anlagen za die Pianistin Cesia Dische, die sich im Bechsteinsaal vor⸗ stellte. Sie verfügt bereits über eine ansehnliche Technik und einen

belebten, leider häufig zu temperamentvollen Vortrag. lingt ihr erst, sich w maßigen und sich geistig mehr ü verglefen 1. bees