1921 / 219 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 19 Sep 1921 18:00:01 GMT) scan diff

Entwurf Hymans' vorgesehene, der Schweizer Verfassung ent⸗ nommene Kantonautonomie zu gewähren, und schlägt eine Organisation vor, wie sie die Tschechoflowakei in ihren ruthenischen Gebieten gegenwärtig versucht. Litauen schlägt besonders eine gemeinsame Heeresorganisation mit Wilna vor nnd fordert, daß das gesamte litauische Heer auf Grund eines gemeinsamen Militärgesetzes organisiert werde. Litauen behält sich endlich das Recht vor, selbst über das Inkrafttreten der militärischen Konvention zu entscheiden. Es fordert auch in dem Wirtschaftsabkommen größere Be⸗ wegungsfreiheit und will sich für die Auslegung der vielen Streitfälle zwischen Polen und Litauen nicht dem Völker⸗ bunde, sondern einem mit Einwilligung Polens und Litauens vom Völkerbund ernannten Schiedsgericht unter⸗ werfen. Ein Vergleich zwischen den Vorschlägen Hymans' und den Gegenvorschlägen Litauens zeigt, daß in wesentlichen Fragen Litauen den Abkommensentwurf ablehnt. Die Antwort der volnischen Regierung verweist darauf, daß sie den früheren Abkommensentwurf vom 20. Mai bereits als Erörterungs⸗ grundlage für direkte Verhandlungen mit Litauen angenommen hat. Es lägen daher keine Gründe vor, daß sie sich jetzt noch einmal über das Abkommen äußert.

Der argentinische Antrag auf Abänderung des Artikels 1 des Paktes, der bereits von der Ab⸗ änderungskommission behandelt worden war, kam am Freitag noch einmal zur Sprache in der politischen Kommission, der ersten Kommission der diesjährigen Versammlung. Es wurde festgestellt, daß der Antrag zurzeit nicht angenommen werden könnte. Der endgültige Text des Beschlusses wird in einer der nächsten Sitzungen redigiert werden.

Die 3. Kommission (für Abrüstung und Blockade) hat obiger Quelle zufolge vorgestern einen Antrag Poullet⸗Belgien angenommen, der gewissen Staaten das Recht zuweist, an wirtschaftlichen Sanktionen, wie der Artikel 16 sie vor⸗ sieht, teilzunehmen. Dies darf aber nur zum Zweck einer wirksamen Durchführung der Sanktionen geschehen. In einer der nächsten Sitzungen soll untersucht werden, ob dieser Antrag die Abänderung des Artikels 16 nötig macht. Eine Versorgung der Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln soll nur in äußersten Fällen eintreten; Beziehungen humanitärer Art dürfen aufrecht⸗ erhalten bleiben, dagegen sind Beziehungen wirtschaftlicher Art zu unterbrechen.

Türkei.

Nach einer Reutermeldung aus Smyrna sind die Griechen wegen Verbindungsschwierigkeiten genötigt, sich auf das westliche Ufer des Sakaria zurückzuziehen. Weitere Kampf⸗ handlungen bei Angora sind unwahrscheinlich.

Ergänzende Nachrichten, die vorgestern in Konstantinopel eintrafen, berichten der „Agence Havas“ zufolge, daß die kemalistischen Streitkräfte die Verfolgung des Feindes aufgenommen haben. Der Gegner wurde gezwungen, sich auf das rechte Ufer des Sakaria zurückhzuziehen und eine große Menge Kriegsmaterial und Munition im Stiche zu lassen. An einigen Stellen gingen die Türken schwimmend über den Fluß und begannen den Bau von Brücken. Aller Wahrscheinlichkeit nach rückten die Ahbteilungen des linken griechischen Flügels bis zu den Vor⸗ befestigungen des Arditschberges vor. Es gelang ihnen, der drohenden Umfassung zu entgehen. Sie konnten nach der Südschleife des Sakaria zurückgeführt werden und entgingen dadurch der Gefahr, in die Salzwüste geworfen zu werden. Im Süden gingen Karallerieabteilungen mit Unterstützung von Infanterie erfolgreich gegen den Rückzug des Feindes vor.

Der Bericht des griechischen Generalstabs über die Lage am 15. und 16. September besagt:

An der Front herrscht Ruhe. Eine feindliche Abteilung versuchte in unsere Verbindungslinien bei Sipri Hissar einzudringen, wurde verfolgt und zog sich nach Süden zurück.

Auf der Sakariafront versuchte der Feind nach vorhergegangener Beschießung den Fluß an verschiedenen Punkten auf Behelsebrlicken zu überschreiten. Unsere Truppen warfen den Feind, dem der Ueber⸗ gang gelungen war, durch glänzende Angriffe zurück und verjagten ihn auf die andere Seite des Flusses. Die feindlichen Verluste sind ernst. v

Amerika. 6

Die Besprechungen zwischen dem amerike Staatssekretär Hughes und dem japanischen Bot⸗ schafter in Washington über die Japfrage haben nach einer Meldung der „Times“ zu einer für beide Teile be⸗ friedigenden Regelung dieser Frage geführt. Tokio müsse nur noch das Ergebnis dieser Beratungen amtlich billigen und dem japanischen Botschafter in Washington besondere Vollmacht zum Abschluß des Uebereinkommens erteilen 1

Asien Der japanische Premierminister Hara führte in einer Rede über die EE“ laut Bericht des „Wolffschen Telegraphenbüros“ u. a. aus:

Die auswärtige Politik Japans sei völlig frei von Nebenabsichten und diplomatischen Manövern. Sie beruhe auf einer freundschaft⸗ lichen Zusammenarbeit der Mächte und auf der Erbaltung des Weltfriedens. In Anerkennung des überwiegenden Einflusses der Vereinigten Staaten und Großbritanniens in der Welt glaubten die, Politiker Japans, daß eine Annäherung der drei Mächte eine Beseitigung mancher Ursachen der Unruhe be⸗ wirken würde. Da der Nationalwohlstand des Landes eng ver⸗ bunden sei mit beständigen politischen Verhältnissen und der Sicherheit für Leben, Eigentum und Verkehr in China und Sibirien, sei Japan bemüht, alle schwebenden Fragen zu regeln und die Hilfsquellen der beiden Länder zu entwickeln. Hara be⸗ tonte weiter, die Anschuldigung, Japan sei militaristisch oder an⸗ griffslustig, sei ungerechtfertigt. Seit Ausbruch des europäischen Krieges habe Japan seine Rüstungen nicht erhöht mit Aus⸗ nahme von gewissen Erweiterungen, die schon vorher geplant ge⸗ wesen seien. Ueberdies sei Japan bereit, die Bestimmungen des Versailler Vertrages zu erfüllen und seine Unverletzlichkeit ohne Schwanken zu achten. Die früheren Kriege Japans seien geführt worden, um das Dasein und die Wohlfahrt des Volkes sicherzustellen. Letzteres sei immer noch eine dringende Notwendigkeit angesichts des fortgesetzten Anwachsens der Bevölkerung und der Knappheit der Lebensmittel. Deshalb glaube Japan, der Weltfrieden wesent⸗ lich abhänge von der b, der Welt. Es sei nicht not⸗ wendig, daß dies bedingungslos geschehe, aber doch so, daß eine freie, unbeschränkte Beförderung der Lebensmittel durch Aufhebung künst⸗ licher Hindernisse gesichert werde. Auf diese Weise würde die Sicher⸗ heit des Lebens aller verbürgt werden. 11“

Parlamentarische Nachrichten.

Der wirtschaftspolitische und der finanzpolitische

Ausschuß des Reichswirtschaftsrats nahmen in einer

gemeinschaftlichen Sitzung am 15. September den Bericht des Unter⸗

ausschusses zur 2 v. Süßstoffgesetzes entgegen. Das ihe von!

Gutachten schlägt eine Abänderungen des Gesetzentwurfs

vor. Der Entwurf will die Gültigkeit des Gesetzes auf alle Stoffe ausdehnen, die in einfacher Weise in Süßstoff umgewandelt werden können 1). Der Ausschuß will die Anwendung des Gesetzes auf solche Stoffe besonderen Bestimmungen der in Frage kommenden Ministerien Hendwertchat⸗ und Finanz) überlassen, die mit Zustimmung des

eirats nach Anhörung von Sachverständigen erlassen werden sollen. In ähnlichem Sinne wird vorgeschlagen, die Ermächtigung zur Süß⸗ stoffherstellung nicht an eine Ueberwachung des „ganzen“ Geschäfts⸗ betriebs des Berechtigten zu knüpfen (E. § 3), sondern nur den auf die Herstellung und den Absatz des Süßstoffes gerichteten Teil des Geschäftsbetriebs unter Ueberwachung zu stellen. Neu hinzugefügt wird als Bedingung bei Erteilung dieser Ermächtigung zur Süßstoff⸗ herstellung die Entschädigungspflicht des Unternehmers gegenüber den Arbeitnehmern für den Fall, daß ein Süßstoffwerk wegen vorsätz⸗ licher Zuwiderhandlung gegen das Gesetz von der Regierung still⸗ gelegt werden 2 Das Gutachten will bei der Feststellung, welche Zwischenfabrikate als Süßstoff behandelt werden sollen 9 bei der Erteilung von Ermächtigungen (§§ 3 und 4) und bei Erlaß der Ausführungsbestimmungen 18) die Regierung zur Anhörung des Beirats verpflichten, was der Entwurf nicht vorsieht. Für den Beirat 11) wird eine andere Zusammensetzung vorgeschlagen: drei Vertreter der Hersseler und je vier Vertreter des Reichstags, Reichsrats und Reichswirtschaftsrats. Der Entwurf bestimmte: zwei Vertreter der Hersteller, zwei Vertreter der Zuckerindustrie und je fünf Vertreter des Reichsrats und des Reichstags. Die vereinigten Ausschüsse nahmen das Gutachten mit einer kleinen Aenderung ein⸗ stimmig an.

Dem preußischen Landtag ist eine Uebersicht über die Verhandlungen des Landes⸗Wasserstraßenbeirats während der Wahlperiode vom 1. April 1914 bis Ende März 1921 zugegangen. Der Landes⸗Wasserstraßenbeirat, der zugleich mit neun Bezirks⸗Wasserstraßenbeiräten zur beratenden Mitwirkung bei der Unterhaltung, dem Ausbau und dem Betrieb der staatlichen Binnen⸗ schiffahrtsstraßen durch Verordnung vom 2. März 1914 gebildet worden war, hat sich in dieser Zeit insbesondere mit der Frage der Fortführung des Rhein⸗Weser⸗Kanals zur Elbe (Mittellandkanal), mit dem Uebergang der dem allgemeinen Verkehr dienenden Wasser⸗ straßen auf das Reich und mit der Aufhebung der Verkehrsabgabe auf den deutschen Strömen beschäftigt. Zur Frage der Fortführung des Rhein⸗Weser⸗Kanals zur Elbe Mittelkand⸗ kanal) hat der Landes⸗Wasserstraßenbeirat nach eingehender Er⸗ örterung die folgende Entschließung gefaßt: „Die durch den Mittel⸗ landkanal herzustellende Verbindung zwischen den westlichen und östlichen deutschen Wasserstraßen ist herzustellen 1. in der für die Schiffahrt günstigsten Weise, 2. möglichst ohne Schädigung und tunlichst unter Förderung der Landeskulturinteressen.“ Als günstigste Linie wurde die Mittellinie angesehen. Der Beirat verkannte zwar nicht die Vorzüge der Suüdlinie, die ein reiches Industriegebiet unmittelbar an den Mittellandkanal üglhliegen und vor allem einen bequemen Anschluß des mitteldeutschen Industriegebiets (Halle, Merseburg, Leipzig usw.) ermöglichen würde. Der Beirat war aber überwiegend der Meinung, daß beim Mittellandkanal der Durchgangsverkehr eine größere Bedeutung habe als der Ortsverkehr und daß dem Durch⸗ gangsverkehr am 8 die Mittellinie diene, die auf der Feuss. strecke nur 2 Schleusen aufweise und den Elbstrom auf hoher Brücke kreuze, während die Südlinie 7 bis 9 Schleusen habe und für den Durchgangsverkehr die Elbe auf 15 km benutze. Auch die von der Akademie des Bauwesens vorgeschlagene Kompromißlinie, die zunächst die Südlinie bis östlich von Oschersleben verfolgen, dann Magdeburg westlich umgehen, schließlich ebenso wie die Mittellinie die Elbe mit

jeiner Brücke überspannen und nur 6 Schleusen aufweisen würde,

wurde in Anbetracht der hohen Kosten für nicht so wirtschaftlich erachtet. Bei dieser Gelegenheit sprach sich der Fe S- straßenbeirat einstimmig dafür aus, daß gleichzeitig mit dem Beginn des Baues des Mittellandkanals die Einrichtung des Hohen⸗ zollernkanals für 1000 To.⸗Fahrzeuge in Angriff genommen werde und daß insbesondere der neue Abstieg bei Liepe entsprechende Abmessungen erhalten solle. Weiter wünschte der Landes⸗Wasser⸗ straßenbeirat, um die Konkurrenzfähigkeit Oberschlesiens auf dem Ber⸗ liner Markte zu erhalten, einen Ausbau der Oder und der östlichen Wasserstraßen. Die Staatsregierung hat diesen Wünschen entsprechend, der verfassunggebenden Landesversammlung Vorlagen unterbreitet, die auch von ihr verabschiedet worden sind. Auf dem Nhein und der Elbe wird infolge der Internationalisierung der Ströme die Verkehrsabgabe von 7 vH nicht mehr erhoben. Der Landes⸗Wasserstraßenbeirat hielt es für eine nicht zu rechtfertigende Ungleichheit, wenn man die Verkehrsabgabe auf den anderen Strömen weiter erheben wollte. Er hat daher die preußische Staatsregierung gebeten, bei der Reichsregierung dahin vorstellig zu werden, 24 auch für die anderen deutschen Ströme die 7 prozentige Abgabe aufgehoben werde. Die Regierung ist diesem Wunsche nach⸗ gekommen und hat die Aufhebung erwirkt. .1I

Eine an die preußische Staatsregierung gerichtete Anfrage des Landtagsabgeordneten Schiftan, betreffend die Wagengestellung zur Kalibeförderung, hat der Minister für Handel und Gewerbe wie folgt beantwortet: Nach Mitteilung des Reichsverkehrsministers sind die Anforderungen an den Güterwagen⸗ park der Reichseisenbahnen infolge des um vier Wochen früheren Beginns der Ernte und des plötzlich stark Fesveaeg, Düngemittel⸗ verkehrs in letzter Zeit so außerordentlich gestiegen, daß ihre Be⸗ friedigung nur zum Teil möglich ist. Die eUorderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Wagenmangels sind vom Reichsverkehrsministerium getroffen worden. Die Eisenbahndtrektionen haben die Wagen nach den gegebenen Richtlinien zu stellen, jedoch sind Ausfälle an Wagen auch für die lebenswichtigsten Güter bei den hohen Anforderungen unvermeidlich.

Parteinachrichten.

In der Stadthalle in Görlitz wurde gestern der diesjährige Parteitag der sozialdemokratischen Partei mit einem Begrüßungsabend eröffnet. Die 2500 Personen fassende Halle war, wie „W. T. B.“ meldet, überfüllt. Zu Vorsitzenden wurden Wels (Berlin) und Taubadel (Görlitz) gewählt. Der ehemalige Reichskanzler Hermann Müller erklärte, die Soztaldemokratie sei noch immer die Partei der Massen. Er richtete die schärfsten Angriffe gegen die Kreise, die hinter den Mördern Erzbergers ständen, und gegen die deutschnationale Partei. Er forderte, daß die Sozialdemokraten den Weß in die preußische Regierung hinein finden müßten. In Besprechung der äußeren Politik kritisierte er scharf die Nichtauf⸗ hebung der Sanktionen. Der Weg der Sozialdemokratie sei der des aktiven Kampfes für die Republik, das wäre auch der Weg zur Einigung der Arbeiterschaft.

Statistik und Volkswirtschaft. Die Bewe der Vieh⸗ und Flei is gung den rie 8. Fleischpreise

F sFFntelblatf der preußischen Landwirtschaftskammern“ gibt die preußische Heuptlan wirtlaeftezemmer Uebersichten über die an

den zehn größten Schlachtviehmärkten Deutschlands ermittelten monatlichen Durchschnittspreise des Schlachtviehs nach Lebendgewicht für Juli 1921, über die für die 17 größien Städte Preußens mit öffentlichen Schlachtviehmärkten vom preußischen Statistischen Landes⸗ amt festgestellten Durchschnittspreise für Fleisch im Kleinhandel um die Mitte des Monats Juli und über die Großhandelspreise der wich 1— Fleischsorten in den Orten, in denen die Ladenfleischer das Fleisch vom Großhändler kaufen. „Danach war die Preisbewegung für Rinder durchweg rück⸗ läufig. An allen Berichtsorten blieben die Rinderpreise im Juli 1921 hinter denen der beiden Vormonate zurück. Die Kälber⸗ Fei zogen im Jult 1921 gegen den Vormonat an in Berlin, reslau, Dresden und Köln; sonst waren sie überall niedriger.

Gegen den Mai waren Steigerungen nur in Köln zu verzeichnen. Anders liegt die Preisbildung bei den Schafen. Hier waren gegen den Vormonat die Preise überwiegend höher und nur in Berlin Breslau, Dortmund und Mannheim niedriger. Im Vergleich mi dem Monat Mai 1921 sind Preissteigerungen in Magdeburg, Dresden, Frankfurt a. M. und Köln zu verzeichnen. Die Schweine preise waren im Juli 1921 an allen Märkten höher als im Vormonat 8 Gegen den Mai waren sie niedriger nur in Dortmund, Frankfu a. M. und Mannheim. Die Preife für 1 kg Fleisch im Kleinhandel haben sich durchaus nicht einheitlich entwickelt. Berichtsorten zeigten 3 Orte b Breslau, Magdeburg und Koblenz. Unverändert blie Ladenpreise in Berlin, wohingegen der Markthallenpreis für Brat⸗ fleisch von der Keule um 100 gegen den Vormonat gestiege war. 10 Berichtsorte weisen Preissenkungen auf, allerdings sin diese sehr verschieden gewesen. Die größte Preissenkung war i Wiesbaden, wo sie 400 600 je kg betrug. Den geringste reisnachlaß hat Cassel mit 32 33 je kg zu verzeichnen. Kalb leisch von der Keule war in 8 Orten teurer, und zwar um 15 (Königsberg) bis 290,⁄ (Berlin). Die Preissenkungen für dies Fleisch betrugen 66 3 (Frankfurt a. M.) bis 600 (Wiesbaden) je kg In 12 Orten war das Kochfleisch billiger. Die Preissenkung betru 10 (Altona) bis 225 (Dortmund). wurden in Hannover und Aachen gezahlt. Hammelflei sch von der Keule war teurer nur in Magdeburg (34 ₰) und in Cassel (52 9 je kg). Die Preissenkungen beliefen sich auf 20 (Stettin) bis 270 (Düssel⸗ dorf). Unverändert blieben die Preise in Hannovper und Essen. Koch⸗ fleisch war teurer in Magdeburg (91 9, Kiel (11 ) und. Cassel (39 ₰)h. Die Preise des Vormonats blieben bestehen in Berlin (Markthalle), Hannover, Essen und Aachen. gen betrugen 5 ₰% (Stettin) bis 300 (Berlin, Laden). Beim Schweinefleisch war die Preisentwicklung sehr verschiede Kotelettes waren teurer in 9 Orten, und zwar betrug der niedrigste Aufschlag 5 Stztt, der höchste 200 (Wiesbaden). Unverändert waren die Preise in Berlin Hannover, Frankfurt a. M., Koblenz und Essen. Niedrigere Preise wurden in 4 Orten gefordert. Der Abschlag betrug 32 (Köln) bis 54 3 (Dortmund). Keule, Schulter, Kamm waren in 7 Orten teurer, und zwar um 4 (Dortmund) bis zu 200 ½ (Wiesbaden). In 8 Orten mußten für Bauchfleisch höhere Preise gezahlt werden in den Grenzen von 5 (Stettin) und 204 9 (Kiel). Billiger wurde Bauchfleisch in 5 Orten abgegeben; der geringste Nachlaß betrug 23 (Dortmund), der höchste 100 ₰% (Koblenz). Unverändert blieben die Preise in Berlin (Markthalle), Hannover, Wiesbaden und Essen. Preise für rohen Schinken sind nur für 9 Orte bekann

en von diesen wiesen 4 Preissteigerungen um 33 (Dortmund)

is 390 (Kiel) auf. Preissenkungen werden aus 4 Orten in den Grenzen von 130 (Düsseldorf) bis 600 (Köln) berichtet. Die vormonatigen Preise galten noch in Hannover. Inländischer ge⸗ räucherter Schweinespeck war in 7 Orten teurer, und zwar um 39 (Cassel) bis 400 (Wiesbaden). Billiger waren die Preise in 7 Orten, die Ermäßigungen bewegten sich in den Grenzen von 5 (Königsberg) bis 220 9 (Stettin). Unverändert blieben die Preise in Berlin (Laden), Hannover, Frankfurt a. M. und Koblen Inländisches Schweineschmalz war in 6 Orten teurer, un war um 46 (Cassel) bis 400 % (Wiesbaden). 7 Orte hatte Preissenkungen von 1 (Kiel) bis 200 (Koblenz) zu verzeichnen. Die Froßhandelspreise für 1 kg Rindfleisch

waren zum größten Teil niedriger, und zwar für Ochsen um 84 —₰ (Breslau) bis 471 ₰% (Kiel), für Kühe um 66 (Cassel) bis 529 (Kiel). Höhere Preise wurden für Ochsen nur in Stetti‚ (+ 200 %, für Kühe in Stettin (+ 96 °) und in Magdebur (+ 56 ₰) verlangt. Die Preise des Vormonats hielten sich für Ochsen in Magdeburg. Der Großhandelspreis für Kalbfleisch war in 4 Orten höher, und zwar um 25 % (Altona) bis 409 (Stettin). 7 Orte wiesen Preissenkungen von 4 9% (Düsseldorf) bi 258 (Kiel) auf. Unverändert blieben die Preise in Kölr Hammelfleisch im Großhandel war in 4 Orten teurer, un 42 9 (Stet tin) bis 283 (Breslau). Niedriger wurde dieses Fleisch in 5 Orten abgegeben, um 66 (Altona) bis 375 % (Aachen). Die Preise des Vormonats hielten sich in Magdeburg. Die Großhandels⸗ preise für Schweinefleisch gingen nur in 2 Orten zurück, in Aachen um 8 G und in Köln um 13 J. Die Preissteigerungen be⸗ trugen 41 (Breslau) bis 287 9% (Königsberg). 4

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Bayerns Bevölkerungsbewegung im 2. Vierteljahr 1921.

Nach vorläufigen Zusammenstellungen des Statistischen Landes amts gestaltete sich das Ergebnis der Nachweise über die Che schließungen, Geburten und Sterbefälle in Bayern im 2. Vierteljahr 1921, verglichen mit den entsprechenden Zahlen für den gleichen Zeit raum des Vorjahres und des Jahres 1914, wie folgt:

Ehe⸗ Geborene Ge⸗ darunter im Geburten schließungen beg storbene 1. Lebensjahr überschuß einschl. Totgeborene Gestorbene 1 22 423 50 164 28 632 21 532 1920 886862 50 248 21 090 1914 13 934 52 255 19 932. „Hinsichtlich der Eheschließungen nimmt das zweite Viertel⸗ jahr 1921 eine Mittelstellung zwischen den gleichen Zeitabschnitten der Jahre 1920 und 1914 ein. drn scheint die Hochflut der Ehe schließungen, die P. Beginn des Jahres 1919 einsetzte, allmählich einer rüͤckläufigen Bewegung Platz zu machen. Daß die Heiratsziffer des zweiten Vierteljahrs 1921 höher ist als die des ersten Vierteljahrs 118 91) fällt hierbei nicht sonderlich ins Gewicht, da erfahrungs gemäß die Heiratsfrequenz des zweiten Vierteljahrs, insbesondere sn April und Mai, regelmäßig die des ersten übertrifft, in dem v“ Februar und März die Heiratsziffer stark herab rücken. 8 „Die Bewegung der Geburtenzahl zeigt gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahrs und des Jahres 1914 einen kleinen Rückgang. Die Hauptursache dieser Erscheinung dürfte sein, daß auf die Geburtenmenge des 2. Vierteljahrs 1921 eine geringere Zahl von Eheschließungen Einfluß hatte als auf die des 2. Vierteljahrs 1920. Es entsprachen nämlich den 50 164 Geburten des 2. Vierteljahrs 1920 21 693 Eheschließungen im 3. Vierteljahr 1920, den 50 248 Geburten des 2. Vierteljahrs 1920 24 834 Eheschließungen HeNerteljahr 1919 ii. Hieraus erhellt, daß sich die Geburtenentwicklung sogar ein wenig gebessert hat, da im 2. Vierteljahr 1921 2,3 Geburten, 8 2. Viertel⸗ ahr 1920 aber nur 2,0 Geburten auf eine Eheschließung kamen. Um Vorkriegsstande Fmessen. erscheint jedoch 758 brischritt un⸗

19212F

bedeutend, denn der Geburtenzahl des 2. Viertelja entsprach eine G von nur 10 718, so daß auf eine Ehe⸗ schließung 4,9 Geburten entfielen.

Der verhältnismäßig günstige Stand der Sterblichkeit erklärt sich wohl in erster Linie aus der Besserung der allgemeinen Lebensverhältnisse gegenüber den schweren Jahren der Hungerblockade und Grippeepidemie und aus dem damals erfolgten vorzeitigen Ab⸗ sterben der Lebensschwachen. Der Rückgang der Säuglingssterblichkeit 8 besonderen hängt mit dem gleichzeitigen Geburtenrückgang zu⸗ ammen.

Der Ueberschuß der Zahl der Geburten über die der Sterbefälle, 21, 532, ist zwar höher als im gleichen Zeitraum der Jahre 1920 und 1914, bleibt aber hinter dem des 1. Vierteljahrs 1921 (23 036) erheblich zurück.

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Die Zahl der Arbeitslosen in Großbritannien betrug, wie dem „W. T. B.“ aus London berichtes wird, nach den amtlichen Listen am 9. September 1 502 000, was eine Verminderung um 25 400 gegen die vorhergehende Woche bedeutet. In dieser Zahl -. Personen nicht einbegriffen, die bei verkürzter Arbeitszeit

n.

Von den 17 erfaßten Preissteigerungen hei Rindfleisch, blieben die

Die vormonatigen Preise

Die Verbilligungen

IInliens über

r1s 1912 (52 255)

Zum Allgemeinausstand der Texrtilarb gordostfrankreich wird dem „W. T. B.“ aus Lille gemeldet, is beträchtliche Truppenverstärkungen im Ausstands⸗ h enommen worden sind. In Tourcoing und koubair herrschte am Sonnabend vollkommene Ruhe. Das vcense richtet sich jetzt auf Paris, da die Regierung ze Abficht kundgegeben hat, sich für eine rasche Lösung des Streitfalles zu verwenden. Der Ministerpräsident hat die Fertilindustriellen von Ronbaix und Tourcoing iingeladen, in seinem Kabinett vorzusprechen. Die Industriellen haben oschlossen, der Einladung nachzukommen, sind aber einstimmig bei ürer Ansicht geblieben, daß die Lohnherabsetzung eine gebieterische

schaftliche Notwendigkeit sei und keinerlei Konzessionen gemacht

könnten. In einem Anschlag werden den Arbeitern chmals die Gründe für die beabsichtigten Lohnherabsetzungen ewseinandergesetzt, es wird 55 versprochen, daß der rbeitgebewerband dringliche Schritte bei den Industriellen unter⸗ uhmen werde, um sie zur Hersssehun der Ziffer der Feiernden zu jeregen, und zu diesem Zweck neue Opfer zu bringen. Die Arbeit⸗ ehber verpflichten sich weiter, eine Organisation ins Leben zu rufen, in eine Herabsetzung der Lebenskosten durchzuführen. Die Arbeiter varden sodann zur Wiederaufnahme der Arbeit aufgefordert. „Echo u Nord“ schreibt zur Lage: Einige ernsthafte Anzeichen berechtigen undem Glauben, daß der Textilstreik sich seinem Ende nähert. Zeichen der Ermüdung sind sichtbar. 1“

Kunst und Wissenschaft.

Das Amtsblatt des Völkerbundes veröffentlicht eine Zuschrift des Direktors des Soziologischen Instituts in Furin, Professors Francesco Consentini, über den Inter⸗ mtionalen soziologischen Kongreß, der vom 9. bis 16. Oktober in Fovtin veranstaltet wird. Das Scziologische Institut wird uf dem Kongreß dafür eintreten, daß die Wiederher⸗ selung der im Kriege verwüsteten Gebiete auf inter⸗ müionalem Wege als ein Werk internationaler Solidarität auf⸗ mnemmen werden soll. Es verhandelt bereits zu diesem gece mit den großen Arbeitgeber⸗ und Arbeitnehmerverbänden ber die Entsendung von 100 000 italienischen Arbeitern zch den verwüsteten Gebieten mit Unterstützung des Völkerbundes. Auf der Tagesordnung des Kongresses stehen u. a. folgende Punkte: Sezialvolitische Probleme der Nachkriegszeit, Reform des Völker⸗ bvundspaktes, Mandatsfragen, Minderheitsfragen, internationale Zoll⸗ vclitit, Valutaprobleme, soziale Gesetzgebung für Kriegsteilnehmer und Kriegsverstümmelte, internationale Versicherungen, internationale Fulturbeziehungen usw.

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Die Erforschung der Lebensverhältnisse der niederen Tierwelt ha * Jahren neue und vielfach überraschende Ergebnisse

in den letzten gezeitigt. hen den Insekten erfreuen sich die Bienen der besonderen lufmerksamkeit nicht nur der Forscher, sondern auch der Laienwelt; iber sie allein ist eine umfangreiche Literatur entstanden, die zweifellos ene Fülle einwandfrei festgestellter Tatsachen, also wertvolle Er⸗ gehnisse wissenschaftlicher Forschung enthält. Anderseits konnte es bei dem großen Kreis der Beobachtenden, unter denen sih auch solche hefinden, denen die Schwierigkeiten und Methoden der wissenschaftlichen Hechag ung nicht geläufig sind, nicht ausbleiben, daß manches als Tatsache nitgeteilt wurde, was mindestens noch einer genauen Nachprüfung be⸗ drf. Eine überaus wertvolle Bereicherung unserer Kenntnis des Beenenvolkes bedeuten die Forschungen über die Bienen⸗ sprache, die der Professor Dr. K. von Frisch unter Anwendung der genauesten Methoden und unter vorsichtiger Ausdeutung der dabei vera, e Ketssetcntse angestellt hat. Der Leser, der sich mit den ntersuchungen des Gelehrten näher vertraut machen will, findet einen ausführlichen Bericht von Frischs in der „2 8 medizi⸗ 25 Wochenschrift“ (1920 Nr. 20 und 1921 . 17) sowie umfangreiche vcage aus jenen in den Nrn. 36 und 37 ds laufenden Jahrgangs der Frankfurter Wochenschrift „Umschau“. In dieser Stelle können nur die Hauptergebnisse der von Frischschen Forschungen kurz hervorgehoben werden.

Dem Beobachter eines Bienenvolks wird es bald auffallen, wie schnell und planmäßig das Volk zu Werke geht, wenn eines seiner Mitglieder einen günstigen Futterplatz entdeckt hat. Die Untersuchungen von Frischs bezogen sich nun darauf, festzustellen, ob und wie die Bienen sich untereinander verständigen. Er verfertigte einen Bienen⸗ kisten, in dem die Waben alle nebeneinander angebracht waren, so daß sie wie die Bienen im Innern alle durch die Glasfenster der Breitseiten überblickt werden konnten, wie auch das Flugloch und ein davor angelegter .“ bequem gleichzeitig zu überschauen waren. Die den Futterplatz besuchenden Bienen wurden numeriert und nun beobachtet. Es ergab sich, daß während der Futterpausen enselne Tiere den Futterplatz aufsuchen und, wenn sie dort den disch nicht gedeckt finden, ohne ein 8 e. Benehmen wieder in den Stock zurüickkehren. Findet aber eine der kundschaftenden Bienen dn Fütterplatz wieder gefüllt, so pumpt sie ihren Honigmagen voll ind stürmt, wie in fieberhafter Aufregung zum Stock zurück, wo sie auf ihrer Wabe in die Zöhe läuft, den dort sitzenden Ge⸗ nosen vom Ueberfluß ihrer Beute abgibt und alsdann einen nerkwürdigen „Werbetanz“ aufführt., Er besteht darin, daß

Tierchen mit großer Schnelligkeit im Kreise herumtrippelt, dabei aher häufig um 180 Grad schwenkt, so daß die Richtung der Be⸗ regung ständig wechselt. Das Spiel wird oft an mehreren Stellen Wabe wiederholt. Es hat zur Folge, daß alle Bienen, die mit der nnzenden in Berührung kommen, die Kreistänze mitmachen. Die nicht aich an den Futterplatz der „Werbetänzerin“ gewöhnten Tiere lassen bald vom Tanzen ab und verfallen wieder in Ruhe, die zum selben Futter⸗ fag gehörigen Bienen gr. diesen aber alsbald in großer Eile auf, den vollgesogen zum Stock zurück und vollführen dann auchihrerseits den berbetanz“. Um festzustellen, ob tatsächlich nur die Angehörigen erselben Schar in der geschilderten Weise auf den „Werbetanz“ kagieren, legte v. Frisch zwei Futterplätze mit annähernd gleich⸗ seken Bienengruppen an. An e. wurde das Füttern eagestelt bis nur noch einzelne Bienen Rekognoszierungsflüge dorthin niüernahmen; dann wurde nur an dem einen Platz von neuem fütter geboten. Der „Werbetanz“ des zuerst von ihm mit Fat heimgekehrten Tieres veranlaßte nun auch Mitglieder der ncceh Gruppe zum schnellen Beuteflug. Sie flogen aber zu ihrem sevohnten Futterplatz, auf dem sie nichts fanden. Man muß also sone zmen, daß die Biene durch ihr Gebaren mitteilt, daß Futter zu 9* ist und daß diejenigen Bienen, die das erfahren, auf Grund sef Mitteilung dorthin eilen, wo sir Futter zu finden gewohnt hch Bei diesen Versuchen drängte sich die Frage auf, weshalb die guhe Zahl jener Bienen des Stockes, die nicht an die künstlichen 8 terplätze (Schälchen mit Zuckerwasser) gewöhnt, ihren Nektar aus, den nihumblüten saugten, die kleine Schar der künstlich gefütterten Genossen die kinuch aufforderte, die sefülten Blumenkelche zu besuchen, wenn 8. Uünstlichen Futterplätze leer blieben. Ein sinnreicher Versuch gab 8 Untwort auf diese Frage. An den mit Zuckerwasser gefüllten Nin hhen hatten die Versuchstiere ihre Honigblase in ein bis zwei Farna en prall füllen können. Jetzt wurde statt der Schälchen mit 88 erwasser befeuchtetes Filtrierpapier ausgelegt, an dem die Bienen

8 saugen mußten, bis sie mit spärlicher Bürde heimkehren konnten. vfüre örten auch ihre „Werbetänze“ auf. Diese waren also ein Zeichen d. daß die Tiere besonders günstige Futterplätze gefunden hatten.

. Versuche nach Ablauf der besten Blütezeit und in einer enehe mit schlechten seracenerbrtgislch ausgeführt wurden, kann man tme men, daß die vom Blumenbesuch kommenden Bienen deshalb füte „Werbetänze“ aufführten, weil sie eben keine besonders günstigen lin wecläbe gefunden hatten. Im übrigen zeigten die Versuche, daß zu den

n Feit hintereinander gut gefüllten Futterschälchen allmählich auch uen durch die Werbetänze gelockt wurden, die nicht zu der Zahl

jre⸗ prünglichen Besucher des Futterplatzes gehörten. Wenn die über⸗ uzus vütterung gufhört, hören auch die Werbetänze auf und der niec zneuer Besucher des Futterplatzes unterbleibt. Es ist von üühr ece, daß auch die mit Pollen heimfehrenden Bienen Taͤnze auf⸗ die wohl auch als „Werbetänze“ aufzufassen sind, sich aber

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von den Werbetänzen jener Bienen, die Zuckerwasser (oder Honig) eintragen, charakteristisch unterscheiden. Es gibt unter den Bienen also eine Benachrichtigung über das Vorhandensein von Futter, und zwar durch eine Art Zeichensprache, die aber der im Bienenstock herrschenden Finsternis wegen nicht auf den Gesichtssinn, sondern auf den Tastsinn berechnet ist. Wie groß der „Wortschatz“ dieser Zeichensprache ist, bleibt noch zu untersuchen. v. Frisch fütterte in der Winterhalle des Münchener Botanischen Gartens ein Bienenvölkchen mit Robinien⸗ zweigen, ein anderes mit Lindenblüten. Wurde die Fütterung nach einer Unterbrechung nur mit Lindenblüten wieder aufgenommen, so eilten die „Lindenbienen“ nach erregten Werbetänzen wieder zu den Lindenblüten, die „Robinienbienen“ blieben allesamt im Stock. Das Umgekehrte geschah, wenn der Robinientisch wieder gedeckt wurde. Kennen sich die Lindenbienen, die gemeinsam sammeln, persönlich? Kennen sich die Robinienbienen untereinander? Haben sie eine Jedenfalls spielt das Individium hier keine Rolle, ondern die Blüten sind dafür maßgebend, welche Schar mobil wird. v. Frisch hat nach manchem vergeblichen Versuch die Erklärung darin gefunden, daß der anhaftende Blütenduft das Zeichen ist, an dem sich die Bienen erkennen. Der Tanz sagt den Bienen, daß Nektar zu holen ist; der der „Werbetänzerin“ an⸗ haftende Duft zeigt an, was für Blüten den Nektar tragen. Interessant ist es auch, daß Bienen, die vom Pollensammeln mit „Höschen“ heimkehren, Werbetänze aufführen, die sich von denen der nektarsammelnden Bienen charakteristisch unter⸗ scheiden. Auf die Tänze der Pollensammler achten nur die⸗ jenigen Tiere, die an der gleichen Blumenart zu sammeln gewohnt sind. Durch Kontrollversuche wurde dabei einwandfrei festgestellt, daß der Duft des mitgebrachten Blütenstaubs dabei den Ausschlag gibt. Wie aber erfahren die Neulinge den Ort der neuen Tracht? v. Frischs Untersuchungen dieser Frage lassen sich dahin zusammen⸗ fassen: Die Bienen im Stock bemerken und merken sich den Duft, der den heimkehrenden Tieren anhaftet, und sie suchen nach ihm, wenn sie, durch die „Werbetänze“ jener veranlaßt, nach allen Richtungen ausschwärmen. Die Frage, wodurch die Neulinge dann zur Trachtquelle „gebracht“ werden, ist fehr verwickelt und noch nicht völlig aufgeklärt. v. Frisch erinnert an die Beobachtung, daß der Flugton jener Bienen, die bei einem reich gefüllten Schälchen anfliegen, etwa um einen ganzen Ton höher liegt als das Summen jener Bienen, die zu spärlichem Futter kommen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß dieser Flugton auf die Flugrichtung der Neulinge von Einfluß sein könnte. Einfacher ist die Deutung, daß der Geruchsinn die Tierchen zur Futterstelle leitet: sie werden an⸗ elockt durch den Duft, den die heimgekehrten „Werbetänzerinnen“ mit⸗ ringen, durch den Blütenduft der Blüten selbst und durch den Eigenduft, den die sammelnden Bienen bei reicher Tracht aus den Dtküsen des Hinterleibes, dem sogenannten Duftorgan, absondern und der der Luft in der Nähe des Fundorts noch längere Zeit hin⸗ durch anhaftet. t.

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs⸗ maßregeln. Gang der gemeingefährlichen Krankheiten. Nach den „Veröffentlichungen des Reichsgesundheitsamts“, kr. 36 vom 7. September 1921.) Niederländisch Indien. Vom 26. März bis 17. Juni wurden auf Java 1295 tödlich verlaufene Pestfälle gemeldet, und war in den Residentschaften Kedoe 508, Semarang 426, verakarta 325, Soerabaja (Stadt) 19, Pasverean 16 und Batavia 1. 8 1 Pocken. 8

Schweiz. Vom 14. bis 20. August 2 Erkrankungen in Stadt Basel. Fleckfieber.

Oesterreich. Vom 14. bis 20. August 1 Erkn nkung in

Stadt Linz (Oberbösterreich).

Literatur.

Jahrbuch des Norddeutschen Lloyd. 1920/21. Die deutsche Seeschiffahrt unter besonderer Berücksichtigung des Norddeutschen Lloyd und die Folgen des Krieges. 320 Seiten, mit vielen Bildern, Plänen und Skizzen. Bremen 1921. Kommissions⸗ verlag Franz Leuwer, Bremen. Preis 60 ℳ. Wieder liegt ein stattlicher Band des, Jahrbuches des Norddeutschen Lloyd vor, der in ähnlicher Weise, wie seine Fornlanger die Entwicklung der Dinge auf dem Gebiete der Schiffahrt und im deutschen Wirtschaftsleben, wie sie sich im letzten Jahre gestaltet hat, zu schildern versucht. Die während der Kriegsjahre erschienenen Jahresbände trugen im wesentlichen den Charakter einer ausführlichen Kriegschronik, während die letzten Jahrgänge sich mit den schwerwiegenden olgen des Frigges für die deutsche Handels⸗ schiffahrt beschäftigen. Das eschieht auch noch in dem sest vor⸗ liegenden Bande, der gleichzeitig erkennen läßt, daß die deutsche See⸗ Helreh 1g Kläften bemüht ist, ihre friedlich e Tätigkeit im Interesse des deutschen Vaterlandes wieder autzunebmen, Ein⸗ leitend wird der Hoffnung Ausdruck verliegee daß die Jahrbücher des Norddeutschen Lloyd künftig ihres Charakter als „Kriegs⸗ jahrbücher“ entkleidet und wieder, wie einst, der Berichterstattung üͤber segenbringende Friedensarbeit nutzbar gemacht werden koͤnnen. Was den Inhalt des vorliegenden Jahrbuches im einzelnen betrifft, so schildert der Präsident des Norddeutschen Lloyd, Philipp Heineken, die Lage der deutschen Seeschiffahrt im Rahmen der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Vieshertn se wie sie sich im Laufe des letzten Jahres gestaltete. Eine Abhandlung von Dr. Hans Runge⸗ Gießen beschäftigt sich mit der Seeschiffahrt und Schiffahrtspolitik der Vereinigten Staaten von Amerika. Ein weiterer Aufsatz enthält eine Darstellung des bremischen Schiffsverkehrs in den Kriegs⸗ und Nachkriegsjahren. Der Syndikus des Bremer Kanalvereins, Dr. Flügel, bespricht die Pläne für die Kanalverbindung zwischen Rheinland⸗Westfalen und den Weser⸗ und Elbehäfen, während ein Beitrag des Generalsekretärs des Bremer Vereins für Luftfahrt, Voß, sich mit den Bestrebungen Bremens zur Anlage eines bremi⸗ schen Flughafens befaßt. Schließlich ist ein längerer Aufsatz der Entwicklung des Staatlichen Nordseebades Norderney gewidmet, dessen Betrieb jetzt ausschließlich in den Händen einer von der Ge⸗ meinde Norderney und dem Norddeutschen Lloyd gegründeten Betriebsgesellschaft liegt. Im speziellen Teile des Jahrbuches sind zunächst die Jahresberichte des Norddeutschen Lloyd über die Jahre 1914 bis 1920 wiedergegeben, daran schließt sieh eine Darstellung der Kriegsfürsorge des Norddeutschen Lloyd im gleichen Zeitraum, während ein weiterer Aufsatz den Leser an Bord des an den Feindbund abgelieferten Schulschiffs „Herzogin Cecilie“ führt und die Kriegsschicksale der Besatzung schildert, soweit dies nicht schon im Jahrbuch 1916/17 geschehen ist. Im dritten Teil des Buches wird über die Veränderungen im Aufsichtsrat und Vorstand des Nord⸗ deutschen Lloyd berichtet. Angaben über die Organisation der Ver⸗ waltung des Norddeutschen Lloyd und ein Verzeichnis der wichtigsten Vertretungen der Gesellschaft im In⸗ und Auslande bilden den Schluß. Bildliche Darstellungen, Karten, Pläne und graphische Tabellen erläutern den Inhalt des Jahrbuches. . I1 Kurze Anzeigen

neu erschienener Schriften, deren BePrecheng vorbehalten bleibt. Einsendungen sind nur an die Schriftleitung, Wil⸗ belmistr. 32, zu richten. Rücksendung findet in keinem Falle statt.

Franz von Assisi. Führer des Volkes. Von Emil Dimmler. Geh. 6 ℳ. Volksvereins⸗Verlag G. m. b. H. M.⸗Gladbach. 1 Adolf Gröber. Führer des Volkes. Von Hermann n

in Gefahr. Deutschvölkischer Roman. Von Na oheel Junger. Geb. 2820 ℳ. Te Affschen Herlaas⸗

buchbandlung in Wismar. 1 t . Die Ge ste eines bewe Lukas Weidenstrom „. schegle 1ℳ 822

aebens. Von Margarethe en e Creler & Co, Verlin 8 . 68

Verkehrswesen.

Eisenbahnmaterial an Belgien und Frankreich.

Wie das „Nachrichtenbüro des Vereins deutscher Zeitungsverle mitteilt, sind bis 8 31. August 1921 einschließlich gemäß Lrtfke s des Friedensvertrags insgesamt zurückgegeben: an Belgien 10 567 Staatsbahnwagen und 208 Privatwagen, an 2 rankreich 5107 Staatsbahnwagen und 599 Privatwagen. Das sind im ganzen 16 481 Fahrzeuge.

Rückgabe von

reien Stadt r Pakete zu⸗

Im Verkehr mit dem Gebiet der Danzig sind fortan Zollgebührenzettel gelassen.

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Drahtlose Wetterstation in der Polarzone. Die roße Bedeutung der drahtlosen Telegraphie als Hilfsmittel bei For chungserpeditionen beweist ein Funkspruch aus Jan Maven. Einem Wunsche des Völkerbundes folgend, hat die norwegische Regierung im Sommer dieses Jahres eine meteorologische Expedition nach Jan Mayen mit dem Auftrage entsandt, die dortigen Ver⸗ hältnisse für die Errichtung einer Wetterstation zu erforschen, deren Aufgabe es sein soll, mit Hilfe einer drahtlosen Anlage mit anderen meteorologischen Instituten Wetternachrichten auszu⸗ tauschen. Die Expedition ist mit einer 1,5 K. W. starken Telefunken⸗ station ausgerüstet worden. Wie nun der Expeditionsleiter Herr Ekerold an Telefunken drahtlos mitteilt, steht er dank dieser Station Tag und Nacht mit Norwegen, Island und Sypitzbergen in Ver⸗ bindung, eine Tatsache, die für seine meteorologischen Forschungen von unschätzbarem Nutzen ist und den erwarteten Erfolg sichert. Da außerdem die Expedition den Winter über auf dieser hoch im Norden zwischen Island und Grönland gelegenen kleinen Insel bleiben soll, dürfte die Möglichkeit, jederzeit drahtlos Nachrichten geben und empfangen zu können, den Forschern auch sonst von großem Vorteil sein.

Nr. 38 des „Zentralblatts für das Deutsche Reich“, herausgegeben im Reichsministerium des Innern, vom 26. August 1921, hat folgenden Inhalt: Allgemeine Verwaltungssachen: Bekannt⸗ machung über Aenderung der Geschäftsordnung des Reichsrats. Konsulatwesen: Ernennungen. Ermächtigumng zur Vornahme von Zivilstandshandlungen. Exequaturerteilungen. Medizinal⸗ und Veterinärwesen: Bekanntmachung, betreffend die Einlaß⸗ und Unter⸗ suchungsstellen für das in das Zollinland eingehende Fleisch. Be⸗ kanntmachung, betreffend die Stempelzeichen nachträglich zugelassener Untersuchungsstellen für ausländisches Fleisch. Bankwesen: Status der deutschen Notenbanken Ende Juli 1921. Finanzwesen: Ueber⸗ sicht der Einnahmen an direkten Steuern und Verkehrssteuern usw. bis Ende Juni 1921. Steuer⸗ und Zollwesen: Bekanntmachung weiterer Annahmestellen für zur Entrichtung des Reichsnotopfers an Zahlungs Statt hinzugebende Schuldverschreibungen usw. Be⸗ richtigung. G

Theater und Musik.

Opernhaus.

Als erste neue Kunsttat der vor kurzem begonnenen Spielzeit brachte die Staatsoper am Sonnadend eine Neueinstudierung von Richard Wagners Oper „Der fliegende Holländer“ in einer Anregungen ihres Schöpfers und dem Bayreuther Vorbild folgenden pausenlosen Aufführung. Der Versuch, das Werk in zwei⸗ stündiger ununterbrochener Folge zu geben, darf auch hier als völlig gelungen bezeichnet werden. Der Zuhörer wird nicht aus der Stimmung gerissen, und die balladenhaften Züge des Werkes kommen ihm so stärker zum Bewußtsein als bei der herkömm⸗ lichen Art der Aufführung; zudem kommt die hier zum ersten Male im Schaffen Wagners bewußt auftretende Verknüpfung der Hauptthemen zu einem einheitlichen Tongewebe, die das charakte⸗ ristische Merkmal seines späteren Schaffens bildet, dadurch, daß man die Tondichtung in ihrer Ganzheit besser überschaut, stärker zur Geltung. Die Aufführung stand unter der musikalischen Leitung des Intendanten Dr. von Schillings, welcher die Orchestersprache bei straffer Betonung ihrer balladesken Rhythmik zumeist episch breit behandelte, ohne an dramatisch belebten Stellen Be⸗ schleunigungen des Zeutwiaßes und Steigerungen zu ver⸗ säumen. Im Mittelpunkt des Feerce ehe stand, sowohl esanglich wie darstellerisch von bezwingender Ausdruckskraft, die Senta Zarbara Kemps. Die Verträumtheit des nordischen Naturkinds, das gfoße Mitleid, das sie mit dem ruhelosen Seefahrer empfindet, das glühende Verlangen, ihn zu erlösen, wußte sie in Wort, Ton und Gebärde dem Zuschauer eidringlich zu versinnlichen. Neben dieser Senta hatte Herr Scheidl, der die Partie des Holländers für den erkrankten Herrn Armster in letzter Stunde übernommen hatte, einen ziemlich schweren Stand. Er verfügt über schöne Mittel, war aber durch eine in diesem Falle begreifliche Unsicherheit wohl an deren freier Entfaltung behindert. Ein jovialer, gemüt⸗ und humorvoller Daland war Herr Helgers, ein von Weichlichkeit sich erfreulich fernhaltender Erik Herr Kirchner. Die kleinen Partien des Steuermanns und der Mary wurden von Herrn Henke und Frau von Scheele⸗Müller einwandfrei gesungen. Sehr schön klangen die Chöre, besonders der Epinnerinnenchor, während der Geisterchor des Gespensterschiffes, für den der Berliner Lehrergesangverein heran⸗ gezogen war, wohl wegen ungünstiger Aufstellung nicht nach Gebühr zur Geltung kam. nter den neuen Szenenbildern des Malers P. Aravantinos verdient die Spinnstube an erster Stelle Eranet zu werden. Die See⸗ und Schiffsbilder zu Anfang und am Schluß be⸗ friedigten zwar, waren aber auch noch keine ideale Lösung des schwierigen szenischen Problems. Der Beifall am Schlusse war stark und einmütig und rief die darstellenden Sänger und den Dirig enten immer wieder vor die Rampe. p.

Im Opernhause wird morgen, Dienstag, „Der fliegende Holländer“, mit den Damen Heckmann⸗Bettendorf, Mancke und den Herren Armster, Kirchner, Helgers und Pbiltad besetzt, aufgeführt. Musikalischer Leiter ist Max von Schillings. Anfang 7 ¼ Uhr.

Im Schauspielhaus wird morgen „Der Kronprinz“ in bekannter Besetzung wiederholt. Anfang 7 ½ Uhr.

Das Orchester des Deutschen Opernhauses in Charlottenburg gibt in der Winterspielzeit 1921/22 zehn Symphoniekonzerte im Dauerbezuge unter der Leitung von Professor Rudolf Krasselt. Als Solisten wirken mit: Mafalda üiotides ahar Meror, 68 ö Prasse⸗ Klingler, orizel von Reuter, Alma Moodie, Konzertmeister Wla⸗ dislav Wazhalter, Alexander Kropholler. 8

Mannigfaltiges.

Amtlich wird gemeldet: Die Reichsregierung hat mit Rück⸗ sicht darauf, daß die Mörder des Abg. Ir⸗ berger nunmehr festgestellt, aber noch nicht 1r hhdss sind, die ausgesetzte Be⸗ lohnung von 100 000 auf 000 Beiaese

Cardauns. Geh. 10 ℳ. Volksvereins⸗Verlag G. m. b. H. M.-⸗Gladbach. 6 her H.

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lohr Kerhs für die Berteilung sind die badischen Landesbehörden. B.)